peter turi über turi2.de: ein hahn ohne libido

felix schwenzel, in wirres.net    

ist mir jetzt erst aufgefallen, auf turi2 gibt’s seit ein paar monaten keine kommentarfunktion mehr. und was sagt der chef und app-entwickler peter turi dazu?

Ein Blog ohne Kommentarfunktion ist wie ein Hahn ohne Libido.

hm. das hat er natürlich nicht über seine eigene libido sein eigenes blog gesagt, sondern über das bildblog. vor 10 jahren.

auf turi2.de (veröffentlichungsjahr 2007) ist aber auch zu lesen, dass man sich ohne kommentarfunktion einer diskussion „entziehen“ würde:

… die Lektüre trotz flotter Schreibe mitunter zäh werden lassen. Zumal sich „Bildblog“ einer Diskussion seiner Inhalte entzieht, indem er die Kommentarfunktion abgeschaltet hat.

* * *

turi2 ist jetzt ja auch eigentlich turi3, sagt peter turi (veröffentlichungsdatum ende 2014):

turi3 ist der Newsstream der Branche. […] Optimiert für Smartphones können Medienmacher zu jeder Tages- und Nachtzeit bei uns sehen, suchen und kommentieren, was weltweit in der Medienbranche gerade passiert und diskutiert wird.

und dann kommt „turi3“ so libidolos daher:

libodoloses turi3

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[nachtrag 03.06.2015]

peter turis erklärung: it’a fehler, not an absicht.

#netflixselfiepartyberlin

felix schwenzel, , in wirres.net    

netflix hatte anlässlich des baldigen starts von sense8 und der dritten staffel von orange is the new black zu einem cocktail-empfang geladen. am anfang gabs ein bisschen rumstehen …

füsse auf der netflixpartyberlin

… und leider nur berliner pilsener — das gleiche mistbier wie auf der republica. da musste ich halt cocktails trinken. ich habe irgendwas mit rum getrunken, der dem thema (netflix) entsprechend frank underwood hiess.

frank underwood (cocktail)

screwdriver (wodkahaltig) gabs auch. die beifahrerin hat ihren eigenen angaben nach 7 davon getrunken.

screwdriver (cocktail)

häppchen gabs und …

netflixpartyberlin: essen!

… ne fotowand gabs auch.

netflixpartyberlin: ix
netflixpartyberlin: laverne cox, taylor schilling, laura prepon, uzo aduba,
netflixpartyberlin: die beifahrerin und taylor schilling
netflixpartyberlin: diverse youtuber und oitnb schauspielerinnen

nicht nur weil die beifahrerin zum geburtstag ne selfiestange geschenkt bekommen hatte, wurde aus dem empfang bald ein selfiefest.

selfiestangenselfie mit laura prepon
selfiestangenselfie mit dem nuf und daryl hannah
das nuf und daryl hannah
netflixpartyberlin: laverne cox und die beifahrerin

vor dem selfie, bzw. bild mit taylor schilling (die die piper chapman in #oitnb spielt) hatte die beifahrerin ein bisschen — nun denn — zweifel.

nach etwas überzeugungsarbeit näherten sich dasnuf und die beifahrerin langsam taylor schilling, die aber leider gerade in ein gespräch vertieft war mit jemandem der wichtig erschien.

die angst vor dem selfie oder dem promi-gespräch

aber am ende wurde dann doch alles gut, als fast alle schon weg waren und taylor schilling eigentlich gerade gehen wollte habe ich sie kurz gefragt ob sie was gegen ein foto hätte. hatte sie nicht und sie liess sich auch geduldig von der beifahrerin ein bisschen was aus unserem leben erzählen.

die beifahrerin und taylor schilling
netflixpartyberlin: die beifahrerin und taylor schilling

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das war ein sehr angenehmer abend, auch wenn wir über sense8 und orange is the new black eher wenig erfahren haben. ich habe orange is the new black nach der vierten oder fünften folge der ersten staffel übrigens abgebrochen zu gucken, aber die schaupspielerinnen schienen mir alle sehr sympathisch und leuchtend — um nicht zu sagen wunderschön. aber das kann auch am licht oder den frank underwoods die ich getrunken habe gelegen haben.

usability

felix schwenzel, , in wirres.net    

ich kann mich nicht daran erinnern jemals eine wettervorhersage im fersehen gesehen zu haben und mich danach daran erinnert zu haben, wie das wetter denn nun am nächsten tag wird. die informationen die die wettermenschen einem im fernsehen präsentieren sind meisten komplexer als meine erwartungen ans wetter (kalt/warm, sonnig/bewölkt, regen?). abgesehen davon ist es natürlich gerade im fernsehen interessanter die menschen die das wetter präsentieren anzusehen und zu bewerten als ihren spanisch klingenden ausführungen konzentriert zu folgen.

j sei dank können die mobilgeräte die wir mittlerweile fast alle mit uns herumschleppen ganz gut zusammenfassen wie das wetter ist und wie es werden könnte. aber auch das überfordert mich meist. ich habe mein telefon eben gefragt und es antwortet:

Meist bewölkt mit einem Wind aus West mit 35 km/h. Die Höchsttemperatur wird bei 17° liegen. Heute Nacht: Teilweise bewölkt bei einer Tiefsttemperatur von 7°.

alternativ, nach einem weiteren klick, bietet mir mein telefon eine ansicht die das wetter ganz gut zusammenfasst. damit schaffe ich es meisten auf einen blick zu erkennen, wie das wetter gerade draussen ist. wie das wetter wird, vermag ich nur mit extremer konzentration zu erfassen.

kürzlich, nach einer aufforderung der beifahrerin („regnets heute?“ — „häh? weiss nicht …“ — „google mal wetter berlin!“), habe ich das hier zum ersten mal (bewusst) gesehen:

wetterwidget von google

das ist mal eine zusammenfassung die ich ansehen kann und auf einen blick verstehen. ich finde den kontrast zu, beispielsweise, dieser ansicht bemerkenswert:

wetterwidget von wetter.com

warum ich das alles aufschreibe? weil es ja auch immer wieder diskussionen um die vorherrschaft von google oder anderen anbietern aus übersee geht. aber aus benutzersicht ist das eigentlich ganz gut nachvollziehbar. die benutzbarkeit, die qualität der benutzerführung und der suchergebnisse von google-diensten, stehen regelmässig in starkem kontrast zu bestehenden angeboten. google wird nicht gewählt weil google so ne tolle marke ist, sondern weil es funktioniert. nicht nervt. gut lesbar und gut benutzbar ist. das nur mal am rande zum ewigen gejammer, dass google in allen möglichen bereichen eine „marktbeherrschende“ stellung erreicht. diese vorherrschaft besteht nur so lange, bis auch andere anbieter lernen, dass es sich lohnt, dem benutzer das gefühl zu geben im vordergrund zu stehen. (ob der benutzer bei google wirklich im vordergrund steht, ist ne ganz andere frage.)

* * *

das prinzip erstreckt sich übrigens auch in viele andere lebensbereiche. in vielen deutschen (einzelhandels-) geschäften habe ich das gefühl als kunde ein störfaktor zu sein, der die gespräche des verkaufspersonals oder deren angeregtes rumstehen unterbricht und die geschäftsprozesse durcheinanderwirbelt. kürzlich erst wieder gehört: getränke nur am seitenfenster, essen am vorderfenster und mit dem essen vom vorderfenster dürfen sie dann aber nicht hier sitzen. das ist alles aus der perspektive der geschäfte nachvollziehbar, abrechnungsgründe, organisatorische fragen — nur was interessiert mich das als kunden? als kunde bekomme ich das gefühl einfach nur zu stören.

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kürzlich ne fusswanne bei amazon bestellt. die war lächerlich klein und nur für kinderfüsse benutzbar, was aber online, bei der bestellung, nicht erkennbar war. also hab ich auf der amazon-website eine retoure beantragt. amazon antwortete mir: „danke schön, die 5 euro schreiben wir ihnen gut, die wanne brauchen sie nicht zurückzuschicken.“

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sehr sehenswert fand ich am wochenende den pseudo-dokumentarfilm deutschboden von moritz von uslar. der lief im rahmen der „der film zum wochenende“-reihe auf spiegel-tv. zuende gesehen habe ich ihn nicht, weil ich am wochenende irgendwann zu müde war. weitergucken kann ich aber auch nicht, weil er nach dem wochenende depubliziert wurde. na gut, rechtefragen und so. soll mir recht sein. der entscheidendere, störendere punkt war aber die benutzerführung auf der spiegel-tv-seite. erstmal soll ich flash benutzen. na gut, starte ich halt den alten chrome-browser, der hat noch flash. vorabwerbung — auch ok, auch wenn es natürlich toll wäre, sie überspringbar zu haben. fullscreen geht. leertaste zum pausieren allerdings nicht. obwohl ich mittlerweile (sehr) schnelles internet zuhause habe: der film ruckelt und buffert hin und wieder. kann ich auch mit leben, genauso wie ich damit leben kann, dass sich spiegel-tv nicht die alte abspielposition merkt, wenn ich die filmseite nach einem spaziergang erneut aufrufe. aber alles zusammengenommen ist das genau betrachtet eine usability-katastrophe.

der spiegel-tv-video-player wäre in den 80er jahren sicherlich eine sensation gewesen. aber in zeiten von netflix, das kein flash verlangt, (fast) nie ruckelt, sich meine abspielposition nicht nur an einem gerät, sondern auf allen geräten merkt, ein fluffiges benutzerinterface bietet, das meinen (alten) nutzungsgewohnheiten entgegenkommt, in diesen zeiten kommt man sich von so einer technologie wie sie spiegel-tv online bietet — verarscht vor.

früher™ fiel das nicht weiter ins gewicht. es gab kaum vergleichsmöglichkeiten und wir hatten ja nix. aber heutzutage™, wo das netz mit allen möglichen, überlegenen, besser funktionierenden angeboten überquillt, ist es eigentlich of-the-essence alles dafür zu tun, dass die nutzer sich nicht verkackeiert vorkommen und die eigenen angebote auf einen mindeststandard an benutzerfreundlichkeit anzuheben, damit einem die nutzer nicht weglaufen. das ist nicht einfach, ich weiss, aber das klagen, dass die nutzer alle zur konkurenz aus übersee gehen, ist auch nicht einfach.

7 von 66 seen

felix schwenzel, , in wirres.net    

nach dem letzten spaziergang auf unserem 66 seen rundwanderwegvorhaben, der dann doch ziemlich lang war, haben wir diese woche eine etwas kürzere strecke erwischt, von wensickendorf nach wandlitzsee.

gleich bei der ankunft (mit der RB26) in wernsickendorf haben wir etwas gesehen, das ich so noch nie gesehen habe: ein per hand bedienter bahnübergang.

manueller bahnübergang in wensickendorf

danach wiesen, wälder und leider relativ viele strassen. erstmal keine seen.

wald und wiese

die häuser wurden, je näher man wandlitz kam, immer nobler und zauniger. um stolzenhagen herum hielt sich die noblesse allerdings noch in grenzen.

smiley satellitenschüssel
privatweg

an der wensickendorferstrasse, kurz vor dem stolzenhagener see gibt’s einen rotteplatz auf dem man offensichtlich an jedem ersten samstag im monat zwischen 10 und 13 uhr gartenabfälle abgfeben kann. gleich neben dem anderen rotteplatz, dem friedhof.

rotteplatz neben dem friedhof

manchmal ist in brandenburger dörfern die dorftristesse doch sehr greifbar.

dorftristesse

aber kurz bevor die tristesse einem das gemüt trübt, kommt eine rast. heute wars die fischerstube am stolzenhagener see. auf yelp sind die ansichten über dieses restaurant eher gemischt. die karte war jedenfalls sehr OK, fischig und anregend. wir sassen draussen, mit blick auf den see und der kellner schien sehr viel zu tun zu haben. allerdings eröffnete er uns, als er dann kam, dass es für das essen eine wartezeit von mindestens einer stunde gäbe. essen gäbe es aber auch am fenster vorne zum parkplatz, getränke am seitenfenster und wenn man am parkplatzfenster essen kaufe, müsse man mit den partybänken an der seite vorlieb nehmen, die nicht direkt am see sind.

tatsächlich gab es am parkplatzfenster dann fischbrötchen (€2,50), aber keine getränke. die gabs nur am seitenfenster (bier €3,00).

„fischerstube“ am stolzenhagener see
im „imbissbereich“ der „fischerstube“ wird nicht bedient!
im „imbissbereich“ der „fischerstube“ wird nicht bedient!
hier gibt’s essen
hier gibt’s essen
hier gibt’s getränke
hier gibt’s getränke

nach der fischerstube bs dann wieder dorftristesse, aber immerhin auch den willen zum humor:

wetterbericht von stolzenhagen — hahahahahaha
was man aus birkenbast alles machen kann

(auch auf instagram und hier)

reflektionsbild von 4 spaziergängern mit hund

(auch auf instagram und hier)

stolzenhagener see
wandlitzsee
müsliriegel auf einem moderen zaun
müsliriegel auf einem moderen zaun
verein der stegbenutzer, was es alles gibt
verein der stegbenutzer, was es alles gibt
unser weg

5 von 66 seen

felix schwenzel, , in wirres.net    

die beifahrerin hat sich in den kopf gesetzt, dass wir einmal um berlin wandern, auf dem 66-seen-wanderweg. dafür hat sie sich sogar dieses buch gekauft und nach einer etappe vor 8 monaten und einer in der letzten woche, haben wir heute die dritte etappe in angriff genommen. diesmal gings von birkenwerder, durchs briesetal, nach wensickendorf.

im wanderführer stand, dass dies eine der schönsten strecken sei und ich kann nicht widersprechen. wir sind zwar fast nur durch wald gelaufen, aber der abwechslungsreich, tierreich und relativ naturbelassen. wir haben auch mehrere von bibern gebaute dämme gesehen, deren echtheit ich aber erst im internet verifizieren musste bevor ich es glauben konnte. am wegesrand lagen zwar auch baumstämme, deren bissspuren eindeutig nach biber aussahen — aber glauben wollte ich das, wie gesagt nicht.

biberstamm
biberdamm
bibersee
bibersee
bibersee mit sehr, sehr viel entengrütze

durch das briesetal fliesst zwar nur ein kleines bächlein, die briese, aber das ganze teil ist sehr feucht und moorig. früher wurde hier wohl auch torf abgebaut, jetzt kreuchen und fleuchen nur noch tiere und wanderer da durch.

hab ich schon gesagt, dass das alles wunderschön war?

feuchtwald
feuchtwaldweg

wald

tiere haben wir auch jede menge gesehen, mistkäfer, waldameisen, rentner, einen frosch (oder ne kröte?), enten, entengrütze, …

eine kröte oder ein frosch

von manchen tiere konnten wir nur die spuren sehen (vom biber den damm zum beispiel), von anderen konnte man nur hören:

von den holz-harvestern konnte man die spuren sehen, die arbeitsergebnisse und kurz vor wensickendorf auch ein real-life-exemplar.

spuren von schwerem holz-harvester-gerät
holz-harvester-gerät arbeitsergebnis
holz-harvester-gerät arbeitsergebnis

holz-harvester

teilweise war auch verarbeitetes holz zu sehen.

holzscheibe im baum
holzlager
holzbohlen

vor allem aber wars schön.

wald, wald, wald
eine kutsche auf der wiese

* * *

gerastet haben wir nach einem kleinen verlaufer und schlenker dann im alten forsthaus wensickendorf. das war angenehm billig (tasse kaffee ein euro, eine flasche hefeweizen zwei euro, leckerer kuchen, leberwurstbrötchen, bockwürste für je ein oder zwei euro). dafür das das forsthaus am arsch der welt liegt und kaum mit dem auto zu erreichen ist, war erstaunlich viel dort los. überhaupt war auf der strecke ungewöhnlich viel wanderverkehr.

altes forsthaus wensickendorf
kalter hund und marmorkuchen

sehr schöne strecke, nächste woche wollen wir an der gleichen stelle weitermachen und von wensickendorf zum wandlitzer see laufen. da ist die strecke dann auch etwas kürzer, die 18 kilometer heute waren schon recht viel.

die ganze strecke

fairrechnet

felix schwenzel, , in wirres.net    

 kilo fair gehandelter kaffee kostet 30 €, 1 kilo kapselkaffee kostet 90 €

dieses bild, dass das radio bayern 3 auf facebook veröffentlicht hat, ist stark ergänzungsbedürftig. (abgesehen davon, dass nespresso auch ausserhalb deutschlands alu-kapsel-kaffee zu relativ hohen preisen verkauft.)

radio bayern drei sagt also:

  • 1 kilo fair gehandelter kaffee kostet 30 €
  • 1 kilo kapselkaffee kostet 90 €

es geht aber noch teurer. wenn man zum beispiel zu starbucks geht um dort einen espresso zu ca. 2 euro zu trinken, zahlte man fürs kilo kaffee ungefähr 200 euro. in form von cappuccino käme man ungefähr auf 350 euro pro kilo. (wenn man davon ausgeht, dass für einen espresso ca. 10 g kaffee verbraucht werden.) erschwerend kommt hinzu, dass der kaffee von starbucks fair gehandelt wird.

* * *

vor ner weile habe ich mal an wasserpreisen rumgerechnet: ein kasten apollinaris silence kostet ungefähr 14 euro. das macht pro liter 1,55 €. ein liter leitungswasser kostet in hamburg 0,00376 €. für 100 liter apollinaris silence zahlt man also 155 euro, für 100 liter leitungswasser 38 cent. selbst bei aldi zahlt man für 100 liter flaschenwasser noch zwischen 13 und 42 euro, also mindestens 12,62 euro mehr als aus der leitung.

* * *

landliebe griessbrei kostet ungefähr 5 euro pro kilogramm. kaufte man sich griess im laden (ca. 2 €/kg) und milch (ca. 0,79 €/l) könnte man sich ein kilo griessbrei für knapp 1 euro herstellen.

* * *

die liste liesse sich ohne ende fortsetzen. restaurantbesuche, speiseeis, fleischersatz, fast food — überall zahlen wir für (vermeintlich) überlegenen geschmack und vor allem bequemlichkeit teilweise das vielfache vom rohstoffpreis. und meistens auch gerne. insofern hat das radio bayern 3 natürlich recht mit seiner impliziten botschaft: menschen sind unfassbar dumm. naja, oder eben auch nicht

der marktführer

felix schwenzel, , in wirres.net    

so beschreibt DHL sich selbst:

Als Marktführer bietet DHL professionelle und weltweite Express-Leistungen sowie kundenspezifische Logistiklösungen an. Mit unseren Paket-, Express- und Logistikangeboten verbinden wir jeden Tag Menschen und vereinfachen und verbessern das Leben unserer Kunden.

ich bin mir relativ sicher, dass die selbstdarsteller von DHL das nicht ironisch meinen. wer schonmal zuhause sass und auf ein paket wartete und dann über die sendungsverfolgung erfährt, dass er zuhause nicht angetroffen wurde, fragt sich natürlich, inwiefern das sein leben gerade verbessert hat. ich habe immer wieder gehört, dass der grund für solche phantomzustellversuche oft in der völligen überlastung der paketzusteller liegt, die ihr tagespensum nur erfüllen können, wenn sie täglich eine gewisse anzahl pakete unbearbeitet zurücklegen und behaupten, der empfänger sei nicht anwesend gewesen.

ich hätte da auch ein gewisses verständnis für, wenn zustellfahrer aus überlastung lügen würden und behaupteten, dass die sendung nicht zugestellt werden konnte, obwohl sie das gar nicht probiert haben. das vereinfachte und verbesserte auf gewisse weise auch das leben der fahrer.

ich bin mir auch sicher, dass logistikanbieter unter höchstem druck stehen, sowohl unter konkurenz- und preisdruck, als auch druck von kunden. aber ein gewisses mass an professionalität möchte ich von einem „Marktführer“ doch erwarten können. also zum beispiel, klare und nachvollziehbare kommunikation.

grundsätzlich ist es ja eine tolle idee, ein paket nachverfolgen zu können und dem logistikdienstleister bei der arbeit zusehen zu können. aber warum, um himmels willen, lässt man dann den eindruck enstehen, dass es sich bei DHL, dem „Marktführer“, um einen aufgeregten, planlosen hühnerhaufen handelt?

paketverfolgung mit logistik- und logikproblemen

kann natürlich auch sein, dass DHL das leben der kunden durch dramatische zustell-inszenierungen verbessern will. so nach dem motto: „we love to entertain you.“ qualitätsfernsehserien sollen ja auch eine erquickliche wirkung haben.

und dramatisch liest sich dass ja schon, wenn ein kleines paket nach 2-3 tagen reise, auch nach zwei zustellversuchen nicht sein ziel erreicht und dann erkennt, dass es „fehlgeleitet“ ist und seine existenz offenbar keinen sinn ergibt. in einer solchen situation hilft es offenbar, sich auf ein mehrtägige reise durch das land nach speyer zu begeben, um zu sich selbst zu finden. das hat, glaube ich, auch schon karl der grosse so gemacht.

als logistik-laie freut man sich natürlich, wenn ein paket irgendwann wieder zu sich selbst findet und erkennt, dass es keinesfalls fehlgeleitet war. ich weiss nicht wie es in börnicke so ist (sieht nett aus), aber dem paket schien es dort zu gefallen. drei tage lang das leben in börnicke geniessen und von den strapazen speyer-reise erholen. ich möchte das dem paket das von herzen gönnen.

traurig wurde es dann wieder, als wir beobachteten, dass das paket nach einer siebenstündigen fahrt durch berlin wieder in eine identitätskrise geriet und (nach 12 tagen!) erkannte, dass es gar nicht den versandbedingungen entspricht und zurück nach hause will. ob es dann gegen seinen willen am 19. und 20. wieder verladen wurde?

immerhin gab es am 20. (gestern) dann auch ein happy-end. obwohl jetzt mal wirklich niemand zuhause war, wurde das paket, trotz fehleitung und unkonformität, zugestellt. das happy end lässt sich auch nicht durch die mitteilung trüben, die uns der versandhändler heute früh um drei uhr zugestellt hat:

Ich habe gerade eine Nachricht von DHL erhalten undmuss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Paket auf dem Rückweg zu uns sich befindet.

* * *

man kann das jetzt (wie ich) alles total lustig finden, wenn sich der marktführer als verpeilter paket-hin-und-herschieber darstellt. aber das problem ist: niemand fühlt sich zuständig. der versandhändler (der nicht amazon war) will mit den versandproblemen nichts zu tun haben und nicht intervenieren. DHL schiebt die schuld auf den kunden (weil der kunde nicht anwesend war, mussten wir das paket nach speyer fahren und die rücksendung ankündigen). der kunde (wir) fühlt sich von DHL verarscht. die auslieferungsfahrer sind überfordert und unglücklich. am ende hat der versandhändler kunden verloren, DHL hat niemandem das leben verbessert und alle kaufen bei amazon, weils da meistens klappt und amzon wegen seiner schieren grösse den effektivsten druck auf die logistikdienstleister ausüben kann. das kann doch auch keine lösung sein.

foppen und verführen

felix schwenzel, , in wirres.net    

gerührt und verführt gratis geniessen aktion

vor ein paar wochen lächelten mich im kühlregal die worte „GRATIS GENIESSEN!“ (mit ausrufezeichen) an. so stand das auf ein paar iglo-fertiggerichten, die man pro haushalt einmal kostenlos probieren können sollte. sonst esse ich zum mittag auf der arbeit ja meistens frosta, aber an nem geschenkten tiefkühl-gericht schaut man nicht vorbei. das essen selbst war so mittel, aber dankenswerter weise tut iglo bei der online-aktionscode-einlösung so als würde sie das interessieren:

feedback, plz

der rest des online-rückerstattungsantrags liess sich in knappen 10 minuten erledigen:

  • Aktionscode, Produktionscode und Kaufpreis eintragen
  • Kassenbon digitalisieren und hochladen
  • Adressformular und Kontodaten ausfüllen
  • Daten absenden

dooferweise war zu dem zeitpunkt an dem ich das geld zurückbeantragen wollte die kamera meines telefons kaputt, also musste ich etwas umständlich die selfie-kamera benutzen um den kassenbon zu fotografieren (2 minuten). aktions- und promotionscode eingeben war einfach: 25 zeichen ablesen und eintippen (2 minuten). dank browser-autofüll-funktion konnte ich meinen namen und meine adresse fast augenblicklich ausfüllen (20 sekunden), nur meine kontodaten mit der langen IBAN-nummer musste ich nachschlagen (2 minuten). die teilnahmebedingungen habe ich tatsächlich gelesen überflogen (2 minuten), dann musste ich nur noch bestätigen, dass ein „GRATIS GENIESSEN! Aktionsprodukt“ gekauft habe und nach einem kurzen blick auf das SSL-zertifikat: ab damit.

ein paar wochen später (gestern) erreicht mich folgende mail:

Sehr geehrter Herr Schwenzel,

vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Iglo Gratis-Testen-Aktion. Wir übernehmen für Iglo das Handling der Promotion.

Leider konnten wir Ihnen den Betrag bisher noch nicht erstatten, da das Kaufdatum auf dem von Ihnen zugesandten Kassenbon nicht ersichtlich ist.

Um Ihnen den Betrag dennoch erstatten zu können, möchten wir Sie bitten uns einen Kassenbon mit ersichtlichem Kaufdatum bis zum 01.06.2015 zuzusenden.

Mit freundlichen Grüßen
█████ █████
- Project Manager Handling & Fulfillment -

folgendes habe ich geantwortet:

hallo herr █████,

den bon habe ich bereits weggeschmissen.

sie können sich entscheiden ob sie mir glauben, dass ich das TK-essen an dem tag an dem ich den gutscheincode eingelöst habe auch gekauft und gegessen habe — oder ob ich mir irgendwelche genialen betrugszenarien ausgedacht habe, um sie, bzw. die iglo gmbh um 3 euro fünfzig (oder so) zu linken.

tatsächlich ist mir der aufwand schon bei der gutschein-eingabe gehörig auf die nerven gegangen (das ausfüllen des formulars hat länger gedauert als die zubereitung des essens), aber wenn sie das alles noch komplizierter machen wollen, als es ohnehin schon war, spiele ich gerne noch ein level mit. ich habe mir die teilnahmebedingungen gerade nochmal durchgelesen. dort steht nichts davon, dass das datum des kassenbons lesbar sein muss, sondern lediglich, dass dort das „das Aktionsprodukt vermerkt“ sein sollte:

ein Upload eines lesbaren Fotos oder Scans des Kassenbons, auf dem das Aktionsprodukt vermerkt ist, zwingend erforderlich.

mir fehlen leider sowohl die juristischen fähigkeiten um teilnahmebedingungen 100% korrekt zu interpretieren, als auch die phantasie mir auszudenken, welche betrugsszenarien möglich sind, wenn man das kaufdatum absichtlich abschneidet. aber ich wundere mich, dass sie die legitimität meiner aktionsteilnahme nicht schon allein aus dem produktions- und aktionscode ablesen können. aber da steckt man ja nicht drin, in solchen produktions- und verwaltungsvorgängen. das ist sicher alles viel komplizierter als man sich das so als aussenstehender vorstellt.

ich würde sie aber darum bitten, wenn sie mir ohne das kassenbondatum das geld nicht zurückerstatten wollen, dass sie mir ersatzweise meine mutmassliche betrugsabsicht formlos beurkunden. das ginge auch ganz schnell in ein oder zwei sätzen:

wir, die ██████ ██ münchen, im auftrag für die iglo „gerührt und verführt gratis geniessen aktion“ handelnd, beschuldigen felix schwenzel, wohnhaft in der kameruner str. 9, 13351 berlin, sich irgendwas ausgedacht zu haben um die iglo gmbh zu foppen und zur herausgabe von 3 euro fünfzig (oder so) zu verführen.

eine antwort nach dem muster „regeln sind nunmal regeln“ fände ich masslos enttäuschend.

gruss, felix schwenzel

leider habe ich auf diese mail, die ich gestern nachmittag abgeschickt habe, auch nach über 24 stunden noch keine antwort, geschweige denn eine beurkundung meiner mutmasslichen betrugsabsichten bekommen. sehr, sehr schade.

* * *

die firma die mich anschrieb, wirbt auf ihrer webseite übrigens damit, dass sie das finanzielle risiko für „Geld-zurück-Garantien oder Millionen-Gewinnspiele [sic!]“ absichert:

Die ██████ ██ hat sich als Gewinnspielabsicherer darauf spezialisiert, Marketingaktionen zu versichern und somit das finanzielle Risiko für Unternehmen zu übernehmen.

mich erinnert das ein bisschen an eine geniale geschäftsidee, die sich dasnuf mal vor einer weile ausgedacht hat und vor 9 jahren im rahmen unseres damailigen kurzzeitigen blogtauschs auf wirres.net veröffentlicht hat: Nicht mehr länger warten! Jetzt reich werden!

* * *

[nachtrag 21.05.2015]
heute hat iglo bei mir (auf facebook) kommentiert und sich entschuldigt und die zahlung veranlasst. das geld war ein paar minuten später auch auf meinem konto. meine rückfrage ob es gar nicht nötig sei das kassenbondatum vorzulegen und ob das eventuell nur eine bürokratische hürde zur rückläufer-reduzierung sei, ist aber noch unbeantwortet. und wird es wohl auch bleiben.

* * *

[nachtrag 21.05.2015 17:35h]
iglo sagt:

danke für Deine Rückfrage. Aus juristischen Gründen sind bei einer solchen Aktion gewisse Regeln notwendig. Da uns allen aber daran gelegen ist, einen möglichst einfachen Ablauf sicherstellen, ist das Kaufdatum für die Rückerstattung nun nicht mehr notwendig. Es wurden gestern alle Erstattung vorgenommen, bei denen das Datum auf dem Kassenbon nicht ersichtlich war bzw. ist.

3 von 66 seen

felix schwenzel, , in wirres.net    

die beifahrerin hat sich in den kopf gesetzt, dass wir einmal um berlin wandern, auf dem 66-seen-wanderweg. dafür hat sie sich sogar dieses buch gekauft und nach ungefähr 8 monaten, haben wir schon die zweite etappe in angriff genommen. diesmal gings von henningsdorf nach birkenwerder.

im wanderführer stand, dass das eine der weniger attraktiven strecken sei, also eine art überbrückungswanderung, aber wir fanden es eigentlich ganz ok. auf dem weg zur ubahn, fiel uns erstmal auf, dass das saray offensichtlich sein schutzgeld nicht bezahlt hat. sehr schade, ich mochte das döner dort sehr gerne.

saray abgebrannt

das wetter in henningsdorf versprach regen, hielt sein versprechen aber dann doch nicht ein. bis auf ein paar tropfen kam nichts runter.

die havel in henningsdorf

nach ein paar hundert metern durch henningsdorf und einem stück landstrasse gings dann mehr oder weniger ständig durch den wald der stolper heide die mit ungefähr 90 tiefbrunnen durchlöchert ist, die für die trinkwasserversorgung von berlin mitverantwortlich sind.

wald hinter henningsdorf

fürs wandern hatte sich die beifahrerin im letzten jahr extra wanderschuhe gekauft, die zu ungefähr 4 frühen pausen führten, bei denen die beifahrerin papiertaschentücher in ihre schuhe stopfte.

die wanderschuhe drücken
die wanderschuhe drücken immer noch

ansonsten vor allem: wald, ab und zu sah man die havel, eine eisenbahn- oder autobahnstrecke.

wald
wald mit heide
wald mit eisenbahnbrücke und ix

dann, nach ungefähr 8 kilometern das highlight das mit messer und gabel auf der wanderkarte markiert war: das wirtshaus havelbaude. ein etwas abgerockter wintergarten, aber eine sympathische speisekarte, nicht ganz billig, aber auch nicht irre teuer. wir entschieden uns für das etwas prätentiös benannte „trio vom matjes“ mit (obviously) drei sorten matjes mit leckeren bratkartoffeln und einem apfel-zwiebel-gurken-dings.

trio von matjes in der havelbaude

der nachtisch, ein warmer schoko-brownie mit vanilleeis war auch super-lecker, aber nicht so fotogen und mit sinnloser sternfrucht-deko verunstaltet. danach sind wir noch vier kilometer bis zur s-bahn birkenwerder gelaufen und waren froh schnell wieder zuhause zu sein.

mal sehen ob die nächste etappe tatsächlich, wie geplant, nächstes wochenende stattfindet, oder ob sich die wunden stellen an den füssen der beifahrein noch zu blasen entwickeln.

könige, kaiser und lakaien

felix schwenzel, , in wirres.net    

michael hanfeld:

Die Todgeweihten beugen sich vor dem neuen Kaiser.

mit den „todgeweihten“ meint hanfeld journalisten und mit dem kaiser facebook. er redet vom spiegel, der new york times, dem guardian, der BBC, the atlantic und davon, dass diese „nun bei einem Programm von Facebook mitmachen, das sich ‚Instant Articles‘ nennt“. er redet von „Objektivität und Wahrhaftigkeit“, um die es beim „Qualitätsjournalismus“ gehe. und er greift tief in die grabbelkiste mit abgenutzten vokabeln für oberflächliche online-kritiker und spricht von „kostenloskultur“, filterblasen und „shitstorms“.

von wem hanfeld witzigerweise nur einmal, in einem nebensatz, spricht, sind „leser“. und eigentlich, so scheint es, sind diese „leser“ eine echte gefahr für den journalismus. denn deren „vermeintliche Vorlieben“ werden den journalismus ins unglück stürzen:

Da gibt es dann vornehmlich angenehme Storys im Katzenbilder-Stil oder echte, schnelle Aufreger, die zum Shitstorm werden bis zur Online-Exekution, dann wieder weg sind, aber eher nichts dazwischen und nicht zu komplex.

nun ist michael hanfelds artikel natürlich auch nicht gerade besonders komplex oder klug, sondern eher ein schneller, hingekotzter aufregertext der fleissig auf facebook diskutiert (102 kommentare), geliked (224 likes) und geteilt (122 shares) wird (stand 17.05.2015, 8 uhr). aber auffällig ist hanfelds misstrauen gegenüber den lesern schon. ich habe das gefühl, er würde lieber nur für seine kollegen schreiben, für kollegen die katzenbilder doof finden, sich niemals empören oder an empörungswellen teilnehmen und jeden tag gegen die von der umwelt und den medien auferlegten filter kämpfen, indem sie hegel und kant lesen und sich täglich durch 200 abonnierte tageszeitungen kämpfen, um ein differenziertes bild der welt zu erlangen.

aber die abscheu vor dem pöbel leser ist gar nicht das was mich an hanfelds text am meisten stört, es ist die unaufrichtigkeit. denn die gefahr die er heraufbeschwört, die eines populistischen journalismus, der den vermeintlichen interessen seiner leser hinterherläuft und sie mit katzenbildern, empörung und flachheiten bewirft, diese gefahr besteht nicht erst seit online oder facebook.

leser und zuschauer und ihre vorlieben werden seit jahrzehnten gemessen und inhalte werden seit jahrzehnten auf ihre vorlieben hinoptimiert. auch die faz versucht die vorlieben ihrer leser mit unzähligen trackern und nutzungsanalysen zu erfassen und zu optimieren. 24 solcher leservorlieben-tracker werden zusammen mit hanfelds artikel aufgerufen.

auch in einer zeit, als journalistenmeinungen lediglich auf papier und im fernsehen zum „nutzer“ getragen wurden, fanden wettrennen statt um die „vorlieben“ der empfänger zu erfassen und zu bedienen. der „qualitätsjournalismus“ den hanfeld voreilig betrauert war nie ein massengeschäft, er musste sich immer schon im rauschen des massenmarktes behaupten und versuchen seine zielgruppe zu erreichen. dem journalismus ging es auch nie nur um „Objektivität und Wahrhaftigkeit“, sondern immer auch um popularisierung und annährung an den massengeschmack. ebenso ging es dem dem journalismus auch immer schon um skandalisierung und emotionalisierung. das war und ist immer thema der medienkritik und wird es auch in diesen zeiten bleiben. aber popularisierung, unterkomplexität, emotionalisierung allein mit facebook in verbindung zu bringen ist, nunja, unterkomplex, populistisch und emotionalisierend.

vor allem ist es aber grundfalsch, denn gerade die digitalisierung hat es geschafft, neben dem massengeschmack profitable nischen für spezialinteressen oder „qualitätsinhalte“ zu schaffen. das zeigt vor allem die renaissance der „qualitätsfernsehserien“, die auch an hanfeld nicht vorbeigegangen ist. was er aber offenbar verpasst hat: die hinwendung zu den „vermeintlichen vorlieben“ der zuschauer ist ein entscheidender baustein für den erfolg der neuen „qualitätsserien“. eben genau weil zuschauer sich gegenseitig diese serien empfehlen können, weil sich die vorlieben für diese serien viral in sozialen netzwerken aufschaukeln können, finden sie ihre zuschauer abseits des massengeschmacks. auf facebook, in der vernetzten welt, kann man ein massenpublikum finden, aber eben auch ein spezialpublikum mit nischen- oder qualitätsinteressen.

es gibt für mich keinerlei hinweise darauf, warum das mit journalistischen formaten anders sein sollte.

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apropos „wahrhaftigkeit“. darauf legt hanfeld ja in seinem text grossen wert. trotzdem scheut er sich nicht, sinnentstellend zu vereinfachen:

Dabei stellen die Verlage und Sender Beiträge auf Facebook zur Verfügung, die nicht verlinkt, also nicht mit der Originaladresse des Urhebers verbunden sind. Zahlen muss Facebook dafür nichts. Beziehungsweise: Der Netzwerkkonzern zahlt mit den Daten seiner Nutzer, auf die die Verlage und Sender zugreifen dürfen. Sie können zu den Artikeln auch in eigener Regie Werbung setzen.

das stimmt so nicht. die ersten beispiele für facebook instant articles funktionieren anders: für jeden artikel den ein verlag als „instant article“ bei facebook anlegt, gibt es auch ein pendant auf der verlagswebsite. dieser buzzfeed-artikel auf facebook wird auf einem iphone (mit der neuesten facebook-app) zu einem instant article. für alle anderen führt er auf buzzfeed.com. das ist bei diesem nyt-artikel nicht anders. auf dem iphone ist es ein instant article, für alle anderen geht’s zur nytimes.com.

das zweite: auch in der faz werden artikel nicht mit der „Originaladresse des Urhebers verbunden“. dieser artikel von stefan niggemeier linkt zum beispiel nicht zu stefan-niggemeier.de — obwohl stefan niggemeier der urheber ist. ich verstehe schon was hanfeld meint: er meint verwerter (nicht urheber). aber das hörte sich für ihn wahrscheinlich zu kommerziell an — und kommerziell, populistisch oder emörungswellenreitend sind ja immer nur die anderen.

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worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: instant articles sind eigentlich nichts anderes als „Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere“, kurz „POSSE“. POSSE beschreibt eine indieweb-technik, bei der man (obviously) inhalte zuerst auf seiner eigenen webseite veröffentlicht und sie dann auf beliebige weitere seiten syndiziert. das indiewebcamp-wiki drückt den entscheidenden punkt so aus:

POSSE lets your friends keep using whatever they use to read your stuff (e.g. silo aggregators like Facebook, Tumblr, Twitter, etc.).

die leser so lesen lassen, wie sie gerne lesen möchten …

das ist ein satz den man leider von journalisten oder verlagen viel zu selten hört.

nach meinem verständnis umfasst das „POSSEn“ zum beispiel auch RSS, weshalb ich gestern behauptete, dass diese instant articles eigentlich nichts entscheidend neues seien. schliesslich lautet eine der bedeutungen von RSS auch: „Really Simple Syndication“.

syndikation ist nichts neues. in den USA werden zeitungsartikel oder comic strips seit langem syndiziert, also von verschiedenen zeitungen nachgedruckt. wenn jetzt verlage ihre inhalte zu facebook syndizieren, ist das unterm strich das gleiche: die inhalte werden übernommen, leserfreundlich gestaltet und präsentiert und im gegenzug gibt’s dafür werbeeinnahmen und reichweite. man erreicht so leser, die man sonst nicht erreichen würde und man kommt dem leser entgegen. was man damit verliert, will mir nicht so recht einleuchten, zumal der vorgang jedem autor bekannt sein sollte, der schon mal für medien produziert hat: wenn man einen text für eine zeitung schreibt, statt beispielsweise für die eigene webseite, bekommt man ein honorar und reichweite und gibt im gegenzug ein bisschen kontrolle über sein werk auf. der deal ist seit jahrzehnten der gleiche. wenn man es nicht aus eigener kraft schafft reichweite aufzubauen, wenn man es nicht schafft seinen lesern aus eigener kraft entgegenzukommen, nutzt man eben spezialisten. früher waren das verlage, jetzt sind es (auch) soziale netzwerke und suchmaschinen und morgen kann es wieder ein ganz anderer sein.

wichtig ist: wer die interessen der leser, der konsumenten, der zuhörer, der zuschauer aus den augen verliert, verliert auch reichweite. wer es konsumenten schwer macht zu konsumieren, hat es schwer konsumenten zu halten.