instant articles = gepimptes RSS zu facebook-bedingungen

felix schwenzel, , in wirres.net    

zu facebooks neuen instant articles ist in den letzten tagen ja viel gesagt worden. vor allem auf turi2 (eins, zwei, drei, vier, fünf, etc.). substanzieller äussert sich john gruber, den vor allem die geschwindigkeit der instant artikel auf facebook fasziniert:

I’m intrigued by the emphasis on speed. Not only is native mobile code winning for app development, but with things like Instant Articles, native is making the browser-based web look like a relic even just for publishing articles.

tatsächlich ist geschwindigkeit und bequemlichkeit („convenience“) auch eins der hauptverkaufsargumente der instant-artikel von facebook. und das aus gutem grund. nicht nur diese webseite lädt mit suboptimaler geschwindigkeit, auch die von grossen verlagen tun das mitunter. und viele grossen verlage haben auch nichts aus den letzten 20 jahren www gelernt und nerven ihre leser mit popupwerbung die den ganzen bildschirm einnimmt und mit schlecht erreichbaren schliess-knöpfchen fehlklicks provozieren und benutzer nerven. statt werbung auf eine angenheme art nerven zu lassen, haben sich viele verlage entschieden auf konfrontationskurs zu ihren benutzern zu gehen und ihre mobilenwebseiten unlesbar und unbenutzbar zu machen.

(ein positivbeispiel für aufmerksamkeitsgenerierende mobile werbung kann man auf der mobilen variante der wired.de sehen. dort haben die seiten manchmal ein seitengrosses loch, das die dahinterliegende werbung beim scrollen zeigt.)

jedenfalls wollte ich john gruber und vielen anderen zustimmen: geschwindigkeit und gute benutzbarkeit zählen. ob facebook das versprechen einlösen kann wird sich zeigen, die ersten beispiele die bereits zu sehen sind finde ich teilweise zu verspielt und man hat den eindruck, facebook hat 200 entwickler drangesetzt den berühmten html-<blink>-tag neu zu erfinden. aber schnell sind diese instant-artikel in der tat — und gut benutzbar auch — wenn man sich an ein paar gesten gewöhnt hat.

nur: so richtig neu ist die idee nicht. es gibt eine gut etablierte technologie, die die verlage allerdings nach leibeskräften vermeiden: volltext RSS. auf dem weg zur arbeit kann ich trotz funkloch 30 bis 60 artikel überfliegen oder durchlesen. jeder artikel ist innerhalb von microsekunden da, mit bildern und angenehmen, konsistenten bedienelementen. auf meinen iphone benutze ich dafür die reeder-app, die wiederrum ein paar hundert RSS-feeds für mich aus meiner fever-installation einliest und die texte und bilder auf meinem iphone zwischenspeichert. das macht reeder dankenswerterweise im hintergrund, so dass ich auch fast immer im ubahn-funkloch auf dem letzten stand der dinge bin, weil sich der reeder vor dem eintritt selbst aktualiisert hat

der witz ist jedenfalls, dass verlage und magazine dieses RSS fast noch mehr fürchten als google, facebook oder die NSA. volltexte einfach weggeben, so dass der leser die lesen kann wo und wie er will? niemals! und offenbar haben die anzugträger in den verlagen sich auch mit ihrer (falschen) ansicht durchgesetzt, dass man in RSS-feeds keine werbung unterbringen kann. statt für eine offene technologie, haben sich jetzt einige verlage dafür entschieden sich in die obhut von facebook und seiner geschlossenen, opaken technologie zu begeben um benutzerfreundlichkeit und -nähe zu üben.

ich verknüpfe damit die hoffnung, dass sich jetzt vielleicht doch irgendwann die ansicht durchsetzt, dass man seinen lesern zur abwechselung mal entgegen kommen könnte, statt immer nur auf die vertriebler zu hören. aber, ganz ehrlich, viel hoffnung mache ich mir nicht.

* * *

nick heer verweist auf diesen artikel von peter-paul koch, in dem er darauf hinweist, dass das was facebook macht, vor allem das weglassen von überflüssigem programmiermüll (cruft) ist: keine tonnenschweren javascript frameworks, keine tracker, weiterführende artikel:

Remove the tools, and we’ll recover speed.

The web’s answer to the native challenge should be radical simplification, not even more tools.

das ist im übrigen auch das, was RSS macht, bzw. was ein guter RSS-reader macht: kein javascript, kein gedöns, kein oder wenig tracking.

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siehe auch: könige, kaiser und lakaien, wo ich weiter ausholend über facebooks instant-article-dings schreibe.

das zuhause hosten lassen

felix schwenzel, , in wirres.net    

heute früh stand wirres.net (oder meine reclaim-installaton, die hab ich vorerst mal deaktiviert) offenbar unter einer leichten floodingattacke aus griechenland und der ukraine. der provider (canhost.de) hat die website zuerst dichtgemacht, dann gedrosselt. die „flooding-angriffe“ (ausdrucksweise des providers) kamen offenbar trotz cloudflare durch, als ich cloudflare dann aber auf den „angriffsmodus“ („under attack mode“) umgeschaltet hab, hat das wohl das gröbste abgehalten. „leichte“ floodingattacke schreibe ich, weil ich keine besonders krassen spitzen bei den zugriffen sehen konnte. cloudflare ist da ja eigentlich sehr akkurat. jetzt frage ich mich natürlich, inwieweit ich mich auf meinen hoster verlassen kann, wenn der schon bei nem milden lüftchen den saft abdreht und auf panikmodus umschaltet oder ob die attacke wirklich schwerwiegend war. oder ob mein altertümliches CMS doch viel resourcenfressender ist, als ich mir das denke.

den ganzen tag über lief wirres.net dann unrund, weil der provider die website „gedrosselt“ hatte. ab einer bestimmten anzahl anfragen antwortete der webserver mit einem 503-fehler, statt dateien auszuliefern. so luden gelegentlich die CSS-dateien nicht oder bilder oder scripte fehlten. sowas verursacht bei mir wirklich schlechte laune, zumal ich mein handy heute auch noch für 20 stunden im apple-store lassen musste, um die das kameramodul austauschen zu lassen.

jetzt läuft wirres.net jedenfalls wieder rund, weil eben die „drosselung“ deaktiviert wurde.

ich hab eigentlich überhaupt keine lust den provider zu wechseln (sehr viel arbeit), schliesslich läuft wirres.net jetzt schon seit über 13 jahren bei candan/canhost.de auf einem regulären shared hosting account. aber seit nem ganztägigen stromausfall vor ein paar monaten, dem umzug in ein neues rechenzentrum und eine umstellung auf 64bit-architektur hakelt es immer wieder. langfristig bin ich glaube ich bald so weit alternativen in betracht zu ziehen.

als budget will ich eigentlich nicht mehr als 10 bis 15 euro pro monat ausgeben. bei all-inklusive das premium-paket sieht ja ganz gut aus. wie sind denn eure erfahrungen mit grösseren hostern? all-inkl.com scheint ja nen ganz guten ruf zu haben. zu strato will ich nie wieder. bei hetzner irritiert mich der name.

wirklich toll hört sich ja in jeder hinsicht uberspace an. ich habe nur ein bisschen bedenken, ob ich dort auch noch in 20 jahren mein zuhause hosten lassen kann. für mich hört sich das alles fast zu gut und toll an um wahr zu sein, obwohl es sich offenbar ganz gut trägt. wer hat sonst noch erfahrungen mit uberspace.de gemacht?

„keine angst vor der wahrheit“

felix schwenzel, , in wirres.net    

klaus brinkbäumer, chefredakteur des spiegel im neuen image-video des spiegel:

der spiegel hat die wahrheit nicht für sich gepachtet, aber er sucht danach.

das image-video des spiegel in dem er das sagt, endet dann mit dieser einstellung:

„der spiegel — keine angst vor der wahrheit“

mir ist natürlich klar, dass das brinkbäumer-zitat als claim zu lang ist, aber ich finde den unterschied zwischen „wir suchen nach wahrheit“ und „wir haben keine angst vor der wahrheit“ schon, nunja, auffällig.

natürlich bemüht sich der spiegel, wie kaum ein anderes blatt darum, journalistisch einwandfrei zu arbeiten. aber ich habe grundsätzlich ein problem mit dem wort wahrheit. ich habe da kürzlich eine halbe stunde öffentlich drüber nachgedacht (youtube-link) und gegen ende gesagt:

wer im politischen, im gesellschaftlichen kontext von „der wahrheit“ spricht, sollte prinzipiell mit skepsis betrachtet werden.

und ich glaube tatsächlich, dass in weltanschaulichen, politischen fragen an dieser aussage was dran ist.

„wahrheit ist immer ein kompromiss“

(im zusammenhang meines vortrags auf youtube ergibt das mehr sinn, als auf der schlussfolie die hier zu sehen ist.)

etwas differenzierter und tiefergehend hat das friedmann karig kürzlich im gespräch mit philip banse besprochen. teilweise plädiert er für einen pragmatischen und kämpferischen umgang mit dem begriff der wahrheit, teilweise mahnt er auch vorsicht an:

ich glaube wir haben verlernt zu sagen: „ich weiss nicht“. wir sollten versuchen unsicherheit zu umarmen und öfter sagen: „ich weiss es einfach nicht.“
[…]
vorsicht wenn jemand sagt: ich hab die absolute wahrheit und alle anderen lügen. da kann man eigentlich sicher sein, dass er nicht so ganz richtig liegt.

unbedingte anguck-empfehlung, das gespräch ist sehr viel differenzierter und klüger als mein herausgerissenes zitat suggeriert:

youtube-video
youtube

und überhaupt, friedemann karigs vortrag über „digitale lügen und die abschaffung der wahrheit“ sollte man sich dann auch gleich angucken, wenn man ungefähr ne stunde zeit hat:

youtube-video
youtube

friedemann, ich will noch ganz viele vorträge von dir.

[inspiration, bzw. anstupser via turi2.]

„digital-hipster“

felix schwenzel, , in wirres.net    

sebastian baumer schrob am freitag:

Mein Aha-Moment auf der re:publica (#rp15) war der Talk von Christine Corbett Moran. Falls euch der Name grade nichts sagt: Das war die Astrophysikerin, die zwei Sessions nach dem Astronauten auf der Hauptbühne gesprochen hat, der seine Weltraumbilder und -selfies gezeigt hat.
Bei Alexander Gerst war die Halle zum Brechen voll, bei Christine Corbett Moran, die sehr gut und ernsthaft den Weltraum erklärt hat, herrschte gähnende Leere. In dem Moment habe ich endgültig gemerkt, dass das Publikum der Konferenz 2015 für meinen Geschmack zu sehr (i.e. gefühlt komplett) aus Digital-Hipstern besteht.

(links und hervorhebungen von mir hinzugefügt)

die schlussfolgerung ist natürlich totaler quatsch. gunter dueck würde diese schlussfolgerung wahrscheinlich dumm nennen („mache niemals aus einer korrelation eine kausalität“), ich würde sagen, sie ergibt, auch mit gutem willen, weniger als gar keinen sinn.

das interesse an alexander gerst hatte ganz sicher nichts damit zu tun, dass er „Weltraumselfies“ gezeigt hat, oder dass er aus dem all hat twittern lassen. alexander gerst stiess auf riesiges interesse, weil er einer von sehr wenigen menschen ist, der die erde auf 300 tonnen kontrolliert explodierendem flüssigen treibstoff verlassen hat und ein halbes jahr im weltraum gelebt hat. alexander gerst hat ein abenteuer erlebt, von dem viele von kindheitsbeinen an träumen, er hat etwas getan, was wir sonst nur aus dem fersehen oder kino kennen, er hat sich in lebensgefahr begeben und sein abenteuer wurde von einer erstklassigen pressearbeit begleitet. ich habe alexander gerst übrigens nicht zuerst auf twitter wahrgenommen, sondern in der digital-hippster-sendung mit der maus.

wer sich also eher für einen prominenten astronauten interessiert, statt für eine unbekannte theoretische physikerin, die über furchtbar komplizierte dinge wie „concordance cosmology“ (leitet bei der wikipedia auf „Lambda-CDM model“ weiter), die allgemeine relativitätstherie, den urknall, die expansion des weltalls, dunkle materie und die kosmologische konstante redet, outte sich als „digital-hipster“?

ich weiss noch nicht mal genau was ein „digital-hipster“ ausser einer beleidigung sein soll. waren die vielen kinder für die die ersten reihen in der halle reserviert waren auch digital-hipster? meine mutter, die sich alexander gerst mit begeisterung angesehen an (nicht aber christine corbett moran) würde das label digital-hipster wahrscheinlich freudig als kompliment annehmen, als geste, dass sie auch dazu gehöre. und das ist wahrscheinlich auch die klügere reaktion, als sich über so einen stumpfen, verallgemeinernden vergleich in einem eigenen blogartikel zu beschäftigen.

aber wo ich gerade dabei bin, kann ich auch gleich weitermachen. denn witzigerweise macht sebastian baumer zwei absätze später genau das, was er vorher den „digital-hipstern“ vorgeworfen hat: stolz die eigene ignoranz rausposaunen:

So wie sie ist, ist die re:publica nur noch ein Zirkus aus oberflächlichen Anrissen verschiedenster Themen, die vor allem für die Was-mit-Medien-Leute interessant ist. Ich geh dann wohl nächstes Jahr lieber zum CCC.

vielleicht hat sebastian baumer am eingang kein programm mehr bekommen, aber mein eindruck vom programm der republica war dieses jahr genau das gegenteil von „oberflächlichkeit“ oder „was-mit-medien“-gedöns. es gab ungewöhnlich viele architekten und städtebauer auf den bühnen, wieder viele künstler die ihre arbeiten oder projekte zeigten, gunter dueck hat sich über BWLer und business-kasper lustig gemacht, sexualität, saufen und bildung waren mehrfach thema auf den bühnen. (nur ich hab über den gleichen scheiss wie in den letzten jahren geredet.)

ich finde, dass die republica weder den vergleich mit fachkongressen, noch mit anderen mischmasch-kongressen wie dem chaos communication congress oder (zum beispiel) der ars electronica scheuen muss. und auch wenn ich finde, dass die organisation und diversität des programms (natürlich) verbesserungsfähig ist, hat die republica auch dieses jahr wieder meine erwartungen voll erfüllt: ein programm bei dem mich nicht alles interessiert, aber einiges überrascht, begeistert oder euphorisiert. und das alles in einem extrem angenehmen und entspannten rahmen.

reed hastings hat zu einer kritik am programm von netflix gesagt (wenn ich ihn richtig verstanden habe):

we should celebrate variety.
the internet is about diversity and taste.

mit anderen worten: jeder findet im internet sein plaisir. irgendwo. nicht alles muss allen gefallen. es gibt angebote für den massengeschmack, aber eben auch genau das gegenteil. und wer nichts findet was ihm oder ihr gefällt, der macht einfach selber was. insofern bildet das programm der republica das internet — bzw. die gesellschaft — schon ganz gut ab.

ich fände es nicht schlimm, wenn sebastian baumer veranstaltungen besucht, die seinen bedürfnissen besser entsprechen. aber besser fände ich, wenn sebastian baumer das was ihm an der republica fehlt vielleicht selbst ergänzt und zum beispiel einen vortrag hält mit dem „man tiefer in einen Komplex einsteigen kann und dann am Ende auch etwas mit nach Hause nehmen kann“. ich würde mir das angucken und mich danach wieder liebend gern mit ihm streiten. ein paar vorschläge für themen gebe ich ihm auch gerne gleich mit: „notizen aus der verallgemeinerungpraxis“, „warum hippster so ne seuche sind“ oder „wie ich es schaffte, meine schlechte laune los zu werden“.

pre:publica

felix schwenzel, , in wirres.net    

pre:publica
  • fast alle tragen schon ihre #rp15-badges um den hals. warum?
  • meine iphone kamera bootet nicht. nur die selfie-kamera funktioniert. das wird ne selfie:publica. das bild ist auch ein selfie-kamera-schuss.
  • jens best trägt die gleiche jacketfarbe wie ich. weinrot.
  • als die sonne noch schien, litt ich unter starker misanthropie. seit die sonne weniger invasiv am horizont steht, liebe ich wieder fast alle menschen. misanthropie scheint also lichtinduziert zu sein. bei mir.
  • torsten kleinz hat mir versprochen schreiend aus meinem vortrag zu laufen wenn ich ein „usafe-word“ sage.
  • es gibt wieder nur berliner pilsener. leider. schlimm. die tankstelle nebenan wird mich öfter sehen.
  • das wlan ist auch schon vor der republica löchrig. leider.

moser roth spaziergang

felix schwenzel, , in wirres.net    

auf den aldi moser roth schokoladenpackungen steht, dass die schokolade in der waldstrasse 27 in 13403 berlin hergestellt wird.

gute gelegenheit für einen sonntags-spaziergang um das mal anzugucken, zumal google maps sagt, dass es nur ungefähr 50 minuten fussweg seien. statt einfach in der wikipedia nachzuschlagen, mach ich mich also auf zu einem investigativ-spaziergang. nach einer stunde sehe ich, dass wir offenbar eine schokoladenfabrik in der nachbarschaft haben und dass storck die moser-roth-schokolade für aldi herstellt.

storck

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der weg zur schokoladenfabrik war trotz der ankündigung vereister parkplätze sonnig und unspektakulär.

achtung parkplatz vereist!

wie überall im wedding, lief ich auf dem weg zur waldstrasse immer an der flugschneise vom flughafen tegel vorbei.

flugzeug über dem wedding
flugzeug über dem schuhcenter
flugzeug über dem schillerpark
die deko eines thai-massage-ladens erinnerte mich an die schaufenster deko eines thai-friseurs
die deko eines thai-massage-ladens erinnerte mich an die schaufenster deko eines thai-friseurs
open ist das neue geschlossen
open ist das neue geschlossen
lichtloch
lichtloch
expressives dach
expressives dach
feedback
feedback [sic!]

* * *

insgesamt waren es 10 kilomenter und zwei stunden fussmarsch. (aufschreiben und „syndizieren“ hat fast genauso lange gedauert.)

* * *

ich teste das mit der syndikation, deshalb sind die bilder teilweise auch auf instagram („lichtloch“, „open“, „storck“, „moser-roth-adresse“), twitter („woher?“, „feedback“, „flugzeuge“, „kalt“, „2 tacken besser“) und medium und googleplus

leistungsschutz reality distortion field

felix schwenzel, , in wirres.net    

* * *

[nachtrag]

markus beckedahl erinnert an das jahr 2012:

christopher lauer 2012 zum lsr (twitter screenshot)

linken und einbetten

felix schwenzel, , in wirres.net    

langer, nicht ganz unkomplizierter text über das evolutionäre wettrüsten zwischen krankheitserregern und dem imunsystem und die hoffnungem, rückschläge und dilemmata, die durch behandlung und forschung dieser erreger (hier das HIV-virus) entstehen.

über 15tausend zeichen, aber ich fand den text von daniel a. gross (@readwriteradio) lesenswert, weil er nicht nur den stand der forschung gut wiedergibt, sondern auch die geschichten und die menschen hinter der forschung sichtbar macht. ohne pathos und ohne überflüssige schicksalssosse.

* * *

den link oben habe ich, wie immer, ganz regulär als link gesetzt:

<a class="embedly-card" href="http://nautil.us/issue/23/dominoes/the-man-who-beat-hiv-at-its-own-game-for-30-years">nautil.us: The Man Who Beat HIV at Its Own Game for 30 Years</a>
<script async src="//cdn.embedly.com/widgets/platform.js" charset="UTF-8"></script>

hinter dem link steckt ein kurzer javascript-befehl, der javascriptcode von embedly.com nachlädt. embedly macht dann aus dem einfachen link eine illustrierte, bunte einbettung. das sieht man allerdings nur bei aktiviertem javascript (also zum beispiel nicht in RSS-readern) und das sähe dann so aus:

embedly einbettung

wunderbar, bis auf die tatsache, dass dieses embed, wie übrigens fast alle einbettungsmechanismen, tonnenweise (javascript) code von dritten laden. damit werden dann bilder, weitere scripte, tracker, zählcodes, cookies nachgeladen, also all das, was aufrechten datenschützer schlaflose nächte bereitet (so sähe es übrigens ohne javascript aus). das ist bei embeds von youtube- oder vimeo-videos so, bei eingebetteten tweets, facebook like- oder share-buttons und so weiter und so fort.

ich versuche hier eigentlich solche tracker zu vermeiden und solche datennachlader hinter einem klick zu verbergen. youtube-videos bette ich so ein (beispiel), meine flattr, share-, like- oder tweet-buttons sind alle unter slidern versteckt und laden ihren schadcode erst nach aufforderung durch einen klick. bei tweets bin ich eher inkonsequent, denen hänge ich auch den twitter-javascript-schnipsel an. blocken kann man das natürlich alles browserseits, zum beispiel mit ghostery (details und hintergründe dazu habe ich mal vor einem jahr aufgeschrieben und besprochen).

was ich eigentlich sagen wollte: hübsch dieses embedly, damit kann man sehr ansprechend beliebige links aufhübschen, aber einbetten nervt auch ein bisschen. ich versuche mir deshalb meine einbettungscodes soweit möglich selbst zu bauen. mein selbst zusammengedengelter code für twitter sieht übrigens ohne javascript nachladung von twitter.com so aus (und so mit):

Moin!

taz (@tazgezwitscher) 01.05.2015 8:22

funktioniert auch ohne nachträgliche javascript-aufhübschung. nennt man das dann als html-kenner graceful degredation oder progressive enhancement of graceful stuff?

theoretisch kann ich mir sogar vorstellen für meine artikel hier einbettcode anzubieten. das könnte dann so aussehen. ich weiss zwar nicht warum jemand einen ganzen artikel von mir einbetten wollte, aber es beruhigt mich zu wissen, dass es geht.

„exakt falsch herum gedacht“

felix schwenzel, , in wirres.net    

syndikation

felix schwenzel, , in wirres.net    

als meine mutter vor ungefähr 35 jahren mit mir im zirkus war, erklärte sie mir:

das brot der künstler ist der applaus.

nicht alle können vom applaus allein leben und selbst zirkus-artisten bekommen eine gage zusaätzlich zum applaus. aber zwischen dem applaus und der höhe der gage besteht wahrscheinlich ein direkter zusammenhang. aber das mit dem geldverdienen möchte ich an dieser stelle kurz ausklammern, weil es alles noch komplizierter macht als es eh schon ist.

vor einer weile griff johnny haeusler in der deutschen wired eine diskussion auf, die man eventuell mit diesem satz zusammenfassen kann:

verlage und autoren sollten dort hingehen, wo ihr publikum ist.

johnny überspitzte diesen gedanken etwas, indem er verlagen riet, ihre webseiten zu schliessen. das differenzierte er später noch ein bisschen nach, aber ich widersprach ihm beide male (eins, zwei).

grundsätzlich hat johnny aber (natürlich) recht. will ich mein publikum gut erreichen, muss ich nicht nur gut erreichbar sein, sondern vor allem dort veröffentlichen wo das publikum ist. aus eigener erfahrung weiss ich, dass mir selbst oft schon ein klick mehr als nötig zu viel ist, um einen text zu lesen. ich lebe lese in meinem feedreader. gekürzte RSS-feeds nerven mich so sehr, dass ich darüber seitenlange klagen verfassen kann — wegen eines klicks. weil diese klicks oft (nicht immer) in funklöchern in der bahn stattfinden, habe ich an dieser stelle ein gewisses verständnis für mich und meine argumente.

wenn ich etwas in mein blog schreibe (oder journalisten in ihre zeitung), teasere ich es nach der veröffentlichung auf twitter, facebook (oder was sonst gerade gut funktioniert) an und verlinke es dort. auf facebook zwinge ich meine leser damit quasi zu einem klick auf mein blog. dort sehe ich dann in meiner besucherstatistik einen besuch und hoffe viele weitere, auf likes, kommentare und links auf meinen artikel. im optimalfall multiplizieren sich die links, likes, shares zu einem kleinen viralen windhauch, der leser zu mir rüberweht.

die idee dort zu sein, wo die leser sind, ist aber ein bisschen anders gemeint. sie bedeutet, dass ich den gesamten text (zum beispiel) auf facebook — oder eben der plattform wo meine zielgruppe sizt — veröffentliche und sich der leser den klick auf meine seite spart und damit auch zusätzliche ladezeiten oder die auseinandersetzung mit gewöhnungsbedürftigem layout. oder (noch besser), dass ich meinen text für die plattform wo ich meine leser vermute optimiere und nicht nur automatisch vorhandenes material rüberspüle.

auf facebook funktioniert das offenbar ganz gut. peter breuer veröffentlicht dort beispielsweise oft sehr lange texte, weil auf facebook (vermute ich mal) das feedback sehr vielfältiger und grösser ist als auf seinem blog. das ist einerseits verständlich, aber andererseits auch schade. die texte sind nach ein paar tagen nicht mehr so gut zu finden und ausserhalb von facebook so gut wie nicht existent. dafür erreichen sie ein ziemlich grosses publikum, können mühelos gemocht, geteilt und weiterempfohlen werden.

positiv ausgedrückt kann man sich so auf facebook eine enorm grosse zahl leser und fans erarbeiten. diese leser interagieren mit den inhalten sehr grosszügig, sie teilen, liken und kommentieren dort in sehr viel grösserer zahl als sie es in einem blog tun würden. die erklärung dafür liegt auf der hand: auf facebook muss ich mich für einen kommentar nicht erst anmelden, ich kann einfach losschreiben, liken oder sharen. ich weiss als kommentierender, dass ich meine kommentare auf facebook editieren oder löschen kann. die interaktion mit inhalten auf facebook ist sehr viel einfacher als auf jedem x-beliebigen blog. das gilt natürlich auch für viele andere soziale netzwerke.

weniger positiv ist, dass man die inhalte aus der hand gibt und auf plattformen stellt über die man als autor oder fotograf wenig kontrolle hat. man bekommt (relativ) wenig leser leser rübergespült und die interaktionen (likes, favs, kommenatre) bleiben auch in den silos der grossen netzwerke.

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wer wie ich jahrelang dafür argumentierte RSS-feeds nicht zu kürzen und dem leser die wahl zu lassen wo und wie er texte oder einträge konsumiert, anzeigt oder liest, müsste dieser logik auch in sachen content-aggregation in soziale netzwerke folgen. folgerichtig wäre es nach dieser logik auf facebook nicht nur kurz-teaser mit link zur quelle zu veröffentlichen, sondern eben den kompletten inhalt. so wie man das auch mit RSS macht.

ich habe dieser logik lange zeit nicht folgen wollen und ging davon aus, dass es gut und richtig sei, leute aus sozialen netzwerken auf die eigene seite zu locken. seit ein paar tagen versuche ich mit dem gegenteil zu experimentieren:

  • zuerst veröffentliche ich auf wirres.net
  • dann syndiziere ich den inhalt halbautomatisch oder manuell zu twitter oder facebook (andere netzwerke sind auch möglich und vorstellbar)
  • die inhalte dort haben einen zurücklink auf wirres.net, der originalinhalt bekommt einen mit rel="syndication" markierten link
  • und in einer idealen welt würden facebook und twitter mir für diesen zurücklink und alle folgenden interaktionen (likes, shares/retweets, kommentare) einen ping oder webmention schicken, so dass ich diese interaktionen unter dem originalinhalt sammeln und anzeigen könnte. tun sie aber nicht, also muss ich einen proxy, einen stellvertreter nutzen. in diesem fall heisst der brid.gy und stellt (fast) alle interaktionen unter syndizierten inhalten von mir zu wirres.net, bzw. meinen webmention-empfänger durch.

konkret sieht das dann so aus: zum beispiel habe ich dieses bild eines kochtopfs auf wirres.net veröffentlicht und dann auf twitter, facebook und instagram syndiziert. die reaktionen hat mir brid.gy zurückgespielt, so dass ich sie unter dem originalinhalt anzeigen kann.

diese kolumne habe ich im volltext auf facebook kopiert. auf twitter konnte ich sie wegen des 140-zeichen limits natürlich nur anteasern. aber sowohl die twitter-replys, als auch die facebook kommentare können dank brid.gy unter dem original angezeigt werden.

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das system, das auf webmentions und anderen indieweb-technolgien basiert, ist alles andere als perfekt. es löst aber ansatzweise das zirkusproblem: der applaus oder die buhrufe für meine inhalte kommen zu mir zurück, bzw. lassen sich einfangen. damit lässt sich zwar (auch) kein geld verdienen, aber die reichweite dürfte sich so um einiges verbessern lassen, so wie das auch mit RSS funktioniert: die anzahl der leser die meine inhalte per RSS lesen ist meiner schätzung und messung nach pro tag an dem ich veröffentliche etwa doppelt so hoch wie die zahl der leser die wirres.net besuchen. die potenzielle reichweite von ungekürzt veröffentlichten inhalten in sozialen netzwerken dürfte nochmal höher sein (auch wenn man sie nicht in jedem fall messen kann).

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lange rede kurzer sinn: inhalte ungekürzt in soziale netzwerke zu syndizieren/kopieren ist wie volltext-RSS für technisch unbegabte leser. wenn man dem inneren zwang widersteht, leser um jeden preis auf die eigene website zu locken, kann man damit leser sehr gut erreichen und ihnen entgegen kommen — ohne ganz die kontrolle über die inhalte zu verlieren (aber ein bisschen schon).

die indieweb-technologien wie webmentions, backfeeds oder POSSE sind grossartige ansätze, die einem helfen können ein bisschen kontrolle über eigene inhalte zu gewinnen, aber auch kontrolliert abzugeben. es gibt auch spannende ansätze wie man mit indiewebtechnologien dezentral kommunizieren kann oder sich webseiten untereinander dezentral vernetzen lassen können. leider haben diese technologien noch sehr viele kinderkrankheiten und bieten sehr hohe technische und konzeptionelle zugangshürden. aber ich finde das furchbar spannend und freue mich hier auf viele webmentions und diskussionen, wenn nicht hier, dann woanders oder im juni nebenan.