expedia empfiehlt uns lieber direkt zu buchen, als über expedia

felix schwenzel, , in notiert    

diesen sommer wollen wir nach schottland fahren. das scheint gerade ein ding zu sein. im januar hat die beifahrerin die route geplant und hotels, bzw. bed-and-breakfast-unterkünfte gemietet. gebucht hat sie die bed and breakfasts unter anderem bei expedia.

am 2.7 haben wir dann eine email erhalten in der es unter anderem hiess, dass unserer im januar gebuchtes zimmer wegen überbuchung leider nicht mehr verfügbar sei:

Due to lack of availability, the Property is unable to accommodate this booking and, having investigated the Property's diary, we confirm that there are no rooms available.

aber in der email hiess es auch:

We have investigated possible alternatives and we would kindly request your assistance in relocating the guest. Would you please contact the guest with the utmost urgency to confirm that they are prepared to accept the alternative accommodation. Should the guest refuse, please contact us to discuss other mutually suitable options.

offenbar war die mail gar nicht an uns gerichtet, sondern an unseren reiseveranstalter, also expedia. vom absender hatten wir bisher noch nie etwas gehört, offenbar ist das eine agentur (eviivo), die die buchungen für eine reihe von britischen bed and breakfasts durchführt und verwaltet.

als wir uns ein bisschen umhörten, erfuhren wir, dass es nicht unüblich ist, dass die unterkünfte sich überbuchen, in der annahme, dass eine gewisse anzahl gäste die buchungen noch storniert. der laden in dem wir ein zimmer gebucht haben, hatte sich hier offenbar verkalkuliert. auf unsere kosten.

als die beifahrerin bei expedia anrief, hiess es dann (j sei dank): alles kein problem, expedia kümmert sich drum und werde eine ersatz-unterkunft besorgen. eine woche nach diesem telefonat hiess es dann bei einer erneuten telefonischen nachfrage, dass wir jetzt selbst eine ersatzunterkunft suchen und buchen sollten. eventuelle mehrkosten sollten wir auch nicht expedia, sondern der vermittlungsfirma eviivo in rechnung stellen, von der wir erstmals vor einer woche gehört haben — und mit der wir auch nie einen vertrag abgeschlossen haben.

irritierend ist vor allem, dass die ansprechpartnerin von expedia uns zuerst zugesagt hat, dass expedia sich um alles kümmern werde und diese ansprechpartnerin sich dann eine woche später auf ihre vorgesetzte beruft und behauptet, das ginge doch nicht.

nur warum soll man dann überhaupt expedia benutzen und nicht sich nicht direkt bei den bed and breakfasts oder hotels oder den jeweiligen vermittlern buchen? wenn expedia die unterkunft im zielort nicht garantieren kann und bei umbuchungen sowohl die arbeit der neubuchung, als auch das eintreiben der eventuellen mehrkosten den endkunden überlässt?

wenn das was uns hier erzählt wurde das standardvorgehen von expedia ist, dann würde ich sagen: der laden ist für mich als endkunden doch komplett überflüssig, ein mittelsmann der sich mutmasslich an gebühren mästet und ausser elektronischer auftragsvermittlung und provisionsoptimierung offenbar nichts tut. ok, expedia tut dann doch etwas, nämlich psychospielchen per hotline mit den kunden spielen:

  • expedia-hotine woche 1: alles ok, wir kümmern uns.
  • expedia-hotline woche 2: ach nee, wir können uns da doch nicht drum kümmern.
  • expedia-twitter woche 2: oh, sie haben probleme? wenden sie sich doch einfach an die hotline.

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wir haben heute abend zimmer in einer anderen unterkunft direkt gebucht. das kostet für zwei nächte und zwei personen etwa 20 pfund mehr. jetzt bin ich mal gespannt, ob sich expedia doch noch überzeigen lässt die mehrkosten selbst bei seinem vertragspartner eviivo einzutreiben, oder ob man bei expedia darauf bestehen wird, dass wir bei einem unternehmen, mit dem wir nie einen vertrag abgeschlossen haben selbst vorstellig werden.

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[nachtrag 15.07.2015]
nachtrag expedia: happy end

digital bauhaus summit 2015, tag 2

felix schwenzel, , in wirres.net    

gestern abend hat friedrich liechtenstein ungefähr das gemacht, was er nen tag vorher in der taz angekündigt hat. ein bisschen über buckminster fuller plaudern und ein bisschen singen. die gäste des summits hatten vorher eine aufgabe bekommen die sie emsig den ganzen Abend bearbeiteten. die veranstalter nannten das „The World Game“. ich war etwas zu spät gekommen und mir war das schauspiel ein grosses rätsel (nachtrag: mladen gladic erklärt das spiel in der welt). 5 oder 6 gruppen erwachsener menschen bauten mit bastelmaterialen irgendwelche sphären und kuben und zwischen ihnen lief friedrich liechtenstein in bermuda shorts, kniestrümpfen, lederschuhen, polohemd und weissem bart umher und erzählte. oder sang.

ich fand das sehr grandios und angenehm und unprätentiös und ein paar mal musste ich auch lachen. die stimme von friedrich liechtenstein ist auffällig angenehm. tief und sonor, aber nicht versoffen. hell und klar, aber nicht schrill. unaufgeregt und leise, aber kein stück einschläfernd. er ist auch der meister des mikrofons, was man daran merkte, wenn andere das mikrofon kurz übernahmen um durch- oder ansagen zu machen. da fing es dann an zu ploppen, die lautsprecher fingen an zu feedbackkreischen, alle stimmen klangen plötzlich schrill und aufdringlich. und dann hat liechtenstein wieder angefangen zu reden oder zu singen und alles war wieder gut. keine ahnung ob das ein kompliment ist oder eine beleidigung, aber wie liechtenstein die karaoke-lieder („ich könnte auch n lied von mir singen, wobei … warum eigentlich? ist doch gut so …“) sang, erinnerten mich an barry white. so oder so, seit gestern bin ich friedrich-liechtenstein-fan.

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heute früh war ich wieder zu spät, aber die veranstaltung war glaube ich auch ein bisschen spät. das programm war dicht gepackt und zwischendurch hielt der wirtschafts- und wissenschaftsminister von thüringen, wolfgang tiefensee auch noch statt einer 10 minütigen ansprache eine sechsstündige 40 minütige rede. der zeitverzug glich sich dann aber doch noch aus, weil ein sprecher morgens um 5 uhr seinen auftritt abgesagt hatte.

der zweite veranstaltungstag bestand nur aus vorlesungen, von denen sich manche auf magische weise ergänzten. so erzählten am nachmittag corinna sy und sebastian däschle von ihrem flüchtlingshilfe projekt cucula. das schreiben sie auf ihrer webseite über das projekt:

Das Wort „cucula“ stammt aus der Hausa-Sprache aus West-Zentralafrika und bedeutet „etwas gemeinsam machen“, aber auch „aufeinander aufpassen“.

CUCULA ist Verein, Werkstatt und Schulprogramm. Für und mit Flüchtlingen in Berlin. Im Gegensatz zur theoretischen Debatte über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland, geht es den Initiatoren darum, eine pragmatische und unmittelbare Praxis des Handelns zu erproben, die nicht „für“ sondern eben „gemeinsam mit“ Flüchtlingen entsteht.

cucula baut mit den flüchtlingen möbel nach entwürfen des italienischen designers enzo mari. die schilderung ihrer arbeit und der probleme mit denen sie zu kämpfen haben fand ich beeindruckend, aber eine der schlussfolgerungen ist mir besonders im gedächnis geblieben: durch diese arbeit mit flüchtlingen lässt sich sehr viel über uns selbst, über unsere gesellschaft und unsere vorurteile und verhaltensweisen lernen.

der vortrag von daniel kerber, der in flüchtlingscamps unter anderem in jordanien beim aufbau von infra- und sozialstrukturen zu helfen versucht, schloss sich an den von cucula nahtlos an. auch die flüchtlinge in den flüchtlingscamps dürfen, wie asylbewerber in deutschland, nicht arbeiten oder geschäfte eröffnen. in den flüchtlingscamps machen sie es aber dennoch, so wie cucula es auch in berlin macht. in diesen camps leben weit über 50tausend menschen, in einem der camps, dem za’atari flüchtlings-camp sollen es sogar über 100tausend leben. in za’atari gibt es eine strasse die dort champs elysee genannt wird und an der viele geschäfte eröffnet haben - im prinzip illegal, aber offenbar geduldet. vice hat 2013 eine reportage über das camp veröffentlicht (die ich nicht gelesen habe). auch interessant: im durchschnitt existieren solche camps 20 bis 30 jahre.

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anja baumhoff ergänzte den vortrag von niklas maak in ihrem vortrag auch vortrefflich, auch wenn sie sich den seitenhieb auf maak, dass sein vortrag leider stellenweise etwas „oberflächlich“ gewesen sei, nicht verkneifen konnte. dank der beiden weiss ich jetzt, dass das bauhaus eben nicht nur ein designstil ist, sondern dass es auch eine art kommune war, ein ort an dem sich viele menschen verschiedenster herkunft trafen und neue formen des zusammenlebens ausprobierten. mit verschiedensten ansätzen versuchte das bauhaus erklärtermassen die gesellschaft zu verändern — nicht das bauen oder das design alleine. die mitglieder des bauhaus waren mindestens so heterogen, wie auch es auch die weimarer republik war. allerdings legte anja baumhoff wert auf die anmerkung, dass das bauhaus nicht so fortschrittlich war, wie niklas maak es darstellt hatte.

als beispiel führte sie die überkommenen rollbilder des bauhaus an, bzw. den entwurf des haus am horn vom maler und bauhaus-lehrer georg muche. das einfamilien-haus hätte zwar einen eigenen raum für die frau eingeplant, was durchaus als progressiv gelten könnte, aber dieser zimmer war zwischen dem des mannes und dem der kinder — mit durchgangstüren sowohl zum mann, als auch zu den kindern, „so the woman could serve them both“.

aber immerhin liess das bauhaus auch frauen als studenten zu.

was mir auch im kopf blieb und was das bauhaus wohl mit jeder avantgardistischen bewegung gemeinsam hat: fast alle hassten das bauhaus zu seiner zeit. insbesondere abstrakte kunst wurde gehasst und gerade das bauhaus versammelte besonders viele abstrakte künstler. aber genau dieser hass habe das bauhaus gross und bekannt gemacht.

* * *

sehr beeindruckend fand ich den auftritt von ulrike guérot. wenn ich das richtig verstanden habe, war ihr vortrag eine gekürzte version ihres vortrags auf der republica dieses jahr (den ich noch nicht gesehen habe, hier die schriftfassung, hier eine illustrierte textversion).

youtube-video
youtube

während des vortrags habe ich mir diese beiden fragmente notiert:

nach ihrem vortrag in einer frage und antwort-runde liess ulrike guérot nach einem flammenden pro-europäischen plädoyer dieses gerücht fallen: die unterstützer eines ja beim griechischen referendum am sonntag würden auslandsgriechen (expats) aus der ganzen welt nach griechenland einfliegen, um stimmen für ein JA zu sammeln: „those who want the yes have the means to do that.“

* * *

die vorträge von tim leberecht, johanna k. jaeger, lisa ma oder dem schriftdesigner jürgen huber hatten alle ihre qualitäten und ein paar highlights, aber ich beschränke mich hier auf die fragmente die mir besonders in erinnerung geblieben sind.

johanna k. jaeger war die erste und einzige person die ich jemals bei der benutzung eines surface tablets von microsoft gesehen habe. kein wunder, sie arbeitet auch bei microsoft. sie hatte auch ne tolle folie, auf der sie goethe's werther mit kim kadashian verglich:

* * *

tim leberecht hat ein buch geschrieben, spricht perfekt englisch und findet wir bräuchten eine neue romantik:

sein vortrag war extrem geschliffen, humorvoll und sehr amerikanisch präsentiert. ein perfekter pitch für ein möglicherweise gar nicht uninteressantes buch. der humor lässt sich allerdings nicht ohne weiteres aus dem vortrag extrahieren:

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knoblauch war am zweiten tag sowas wie der running gag des tages:

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als fazit des zweiten tages des digital bauhaus summit nehme ich folgenden satz mit nachhause:

wir müssen die gesellschaft verändern.

aber hier zuhause frage ich mich auch: müssen wir das wirklich? gibt es beispiele von (ruckartiger) gesellschaftlicher veränderung, die nicht im totalitären endeten? sind die länder die derzeit gewaltigen (geplanten) gesellschaftlichen wandel durchmachen (zum beispiel china oder einige arabische länder) dazu vielleicht nur in der lage, weil sie totalitär regiert werden? wollen wir das wirklich, unsere unausgegorenen ungetesteten ideen über die gesellschaft stülpen und sehen was passiert?

wenn ich die bauhaus-expertinnen in den letzten beiden tagen richtig verstanden habe, war die ambition des bauhaus zwar die gesamte gesellschaft zu verändern, die reichweite jedoch sehr begrenzt. so wie das bei vielen vorhergehenden und darauf folgenden bewegungen war. so hat die camphill-bewegung und die darauf folgenden antroposophischen lebensgemeinschaften (in einer davon habe ich meinen zivildienst gemacht) sicherlich viel im heilpädagischen und biologisch dynamischen gemüseanbau verändert und auch viele menschen berührt und beeinflusst (mich zum beispiel) — aber auch hier dürfte die reichweite begrenzt sein und weit davon entfernt sein, das leben von hinz und kunz auch nur ansatzweise berührt zu haben. gleiches dürfte für die kommune I oder gar die 68er-bewegung gelten, die sannyasins oder wenn's sein muss auch der ZIA.

ist der grund dafür, dass keine der mir bekannten reformbewegungen (ausser vielleicht den grünen) wirklich durchschlagende wirkung entfalten konnte vielleicht darin begründet, dass sie schon im kleinen nur leidlich funktionieren? wie viele knoblauch-flüchtlinge hätte es gegeben, wenn das bauhaus als gesamtdeutsche gesellschafts- oder lebensform etabliert worden wäre? wie sähe deutschland aus, wenn die antroposophen ernsthafte politische macht erlangt hätten oder würden? was wäre, wenn ein mitglied der ZIA nicht den bachmannpreis, sondern die kanzlerschaft gewonnen hätte?

wollen wir das?

so toll ich (insgesamt) das was ulrike guérot heute sagte fand, so beunruhigend fand ich ihre aussage, dass wir mit konsens und kompromissen politisch nicht mehr weiterkämen. ich mag ihr durchaus zustimmen, wenn sie fordert, dass wir wieder mehr für ideen kämpfen müssten und für unsere ideen aufstehen und unsere stimme finden müssten. aber konsens und kompromiss für eine schnelleres vorankommen oder gesellschaftliches reformprojekt aufgeben? das macht mir angst.

abgesehen davon: wir haben gerade radikalen gesellschaftlichen wandel. der wird derzeit durch das internet angefeuert und macht (zum beispiel) enorm viele konflikte sichtbar, die vorher unsichtbar waren. nur ist dieser wandel nicht von einer gesellschaftlichen utopie verursacht worden. klar, unterwegs, bei der entwicklung und beim wachstum des internets, sprossen allerhand utopien, die aber zum grossen teil von der wucht oder realität des internets gleich wieder erstickt oder weggespült wurden.

das was die entwicklung des internets befeuerte war übrigens, aus meiner sicht, eher das werk einer unsichtbaren hand (die louis klein übrigens gestern als ineffektiv für wandel brandmarkte), als das einer utopie oder gesellschaftlichen vision die sich ein menschlicher geist ausgedacht hat. das internet ist einfach passiert, weil es plötzlich technologisch funktionierte.

in diesem sinne fand ich daniel kerbers schlusswort eigentlich auch ganz passend. so inspirierend die diskussionen und vorträge auf dem digital bauhaus summit waren, zum grossen teil fanden sich die diskussionen auf einem niveau, das die meisten menschen nie erreichen werden und vor allem nie erreichen wollen — und wahrscheinlich auch immer skeptisch beobachten werden:

the discourse is flying pretty high here. i don’t read hegel to keep up with the discussion.
— daniel kerber

* * *

heute habe ich relativ viele club mate getrunken. was mich wunderte: das schmeckte gar nicht eklig. im gegenteil. zwischendurch habe ich — wahrscheinlich um zu gucken ob meine geschmacksnerven noch funktionieren — eine cola getrunken und die schmeckte wirklich eklig. nicht so sehr beim schlucken, aber kurz danach und etwas länger danach auch. bis der eklige geschmack weg war, verging fast eine stunde. später im zug habe ich dann ein bitburger getrunken. auch das schmeckte eigentümlicherweise nicht eklig. bitburger an sich schmeckt ja auch nicht eklig, aber wenn man es länger nicht getrunken hat, meint man es schmecke eklig — mir geht das zumindest so. ich bin mit bitburger gross geworden, aber in dem moment in dem ich das rheinland verliess und mich an andere biere gewöhnte, war der erste schluck bitburger jedes mal ein schock. heute nicht. muss am wetter liegen.

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hier meine eindrücke vom ersten tag des #dbs15, hier das twitter-konto, hier das facebook-konto des digital bauhaus summit, die ich freitag und samstag (mit-) gefüllt habe.

digital bauhaus summit 2015, tag 1

felix schwenzel, , in wirres.net    

heute war ich den ganzen tag auf dem digital bauhaus summit in weimar. die hinfahrt heute früh hat dann allerdings andertalb stunden länger als geplant gedauert, dank der bahn:

dass n zug ausfällt, ok. aber „witterungsbedingt“? das is doch keine witterung heute.

im zug setze sich dann eine schulklasse an meinen tisch, die auch nach weimar wollte und auch von dem zugausfall betroffen war. so konnte ich eine halbe stunde dem lauschen, was teenager so reden, wenn sie meinen dass sie alleine sind, oder der typ neben ihnen, der wie ein penner aussieht und ständig in sein handy starrt, ihnen egal ist.

meine schlussfolgerung nach 30 minuten: vornehmlich unterhalten sich teenager über andere menschen und sich selbst, mitschüler, freunde, deren eltern („boar, die mutter ist voll anstrengend“), drogentote aus dem bekanntenkreis, den spiegel, peinliche situationen in die sie geraten sind und über essen.

grundsätzlich also das gleiche, was ich auch hier ver- und behandle.

* * *

mit dem zugausfall und der verspätung habe ich dann die ersten vorträge verpasst und konnte dann noch um 10 uhr den vortrag von louis klein sehen, einen workshop der connectors malmö mitmachen, ein referat von liss c. werner ertragen und mich vom vortrag von niklas maak überrollen lassen.

um acht geht’s weiter, da macht auch friedrich liechtenstein irgendwas. bis dahin hier meine eindrücke.

* * *

louis klein sprach über „competitive social design“. der kern seiner aussage lässt sich wie folgt zusammendampfen: wir haben im letzten jahrhundert massiv in techische forschung investiert. als beispiele nannte er das kernforschungszentrum CERN, das us-ameriaknische atombombenprogramm (manhattan project) oder das human genome project. nach einer umfangreichen einleitung von den nürnberger kriegsverbrecher prozessen („we’re cascading the risk, the ethical burden from the system down to the individual“) und anderen verbrechen gegen die menschlichkeit („when looking at crimes against humanity, we need to look at systems as actors, not (only) individuals“), über banksy („the greatest crimes are not commited by peoply breaking the rules, but by people following the rules“) schlussfolgertefragte er:

what if we would engage like this in social science?

wir sollten uns bei der ökonomie und gesellschaftspolitik nicht auf selbstregulierung und eine unsichtbare hand, die das alles schon irgendwie regelt, verlassen, sondern aktiv gestalten und forschen, welche gestaltung erfolgversprechend ist.

hört sich alles sympathisch und nachvollziehbar an, aber die politischen implikationen lassen einen erschaudern. das wurde klar, als er china und die vereinigten arabischen emirate als beispiele heranzog, die ihr schicksal in die eigene hand genommen hätten und in denen eben nicht das individuum zählt, sondern der gesellschaftliche fortschritt. beide länder machen das in vielen bereichen mit enormen tempo und beeindruckenden wachstumszahlen.

die radikalität von louis kleins anregungen wurde dann in der anschliessenden diskussion klar. eine sozialwissenschaftlerin stimmte louis klein zu und sagte (sinngemäss), die demokratie sei gescheitert. gerade bei fragen wie nachhaltigkeit (sic!) habe die demokratie versagt.

grundsätzlich gehen bei mir ja immer die alarmglocken an, wenn darüber sinniert wird, dass das individuum, der einzelne mensch hinter dem grösseren ziel, der weltrettung, der weltverbesserung, der wie auch immer gefärbten gesellschaftlichen utopie zurückstehen müsse. falls also einer in der session glockengeläut gehört haben sollte: das war ich. trotzdem — oder gerade wegen meiner alarmglocken — fand ich den vortrag extrem inspirierend, gerne wieder louis, auch wenn wir uns nicht mehr erkennen.

* * *

der workshop der beiden protagonisten der connectors malmö war ein richtiger workshop. keine powerpoint folien, sondern selbstgemalte zettel, stehendes publikum, kennenlernspielchen und kurzaufgaben, um danach, bei stehendem publikum doch wieder in die frontal-vortrags-perspektive zu wechseln. war trotzdem interessant, vor allem weil ich bei den kennenlernspielchen drei leute kennengelernt habe, eine erfahrung, die ich sonst auf konferenzen, wegen persönlichen sozialen eigentümlichkeiten, nicht mache. ich glaube die beiden „connectors“ machen sehr interessante sachen, konnte aber leider deren ausführungen nicht soweit folgen, um selbst darüber zu berichten. möglicherweise gibt deren webseite ja detailierter auskunft darüber.

* * *

von liss c. werners referat bin ich leider sehr enttäuscht gewesen. im prinzip war das eine prätentiöse diaschau mit hübschen bildchen und ein paar akademischen floskeln wie ich sie aus der architekturfakultät kenne. wie immer will ich nicht ausschliessen, dass ich zu doof für den vortrag war, jedenfalls habe ich meinen eindruck nach dem vortrag so zusammengefasst:

die antwort von liss c. werner darauf war so gesehen folgerichtig:

Der Talk hatte keine Schlussfolgerungen zum Ziel sondern Fragen. die Bilder aus Geschichte und current Digital human.

(kleine korrekturen von mir hinzugefügt)

das hatte sie am anfang ihres vortrags (etwas kryptisch) auch so angekündigt. das enttäuschede ist aber, dass die fragen die der vortrag aufwarf in etwa die sind, die die vortragsankündigung aufwarf (vollzitat, die fragen stehen mit fragezeichen markiert am ende):

In 1995 Nicholas Negroponte stated that “The change from atoms to bits is irrevocable and unstoppable”. 30 years later we may review Negroponte’s statement and claim that atoms and bits will continue to merge with the advent of smart skin and wearable computers. The body as physical interface to the world has been complemented by the smartphone, the Internet and last but not least wireless, invisible and fast data-autobahns. The body now acts as a communication device between the individual and its physical and virtual environments. Its modification, crossing cyborgian and humanoid genes, describes a fundamental change of the body’s actual material and its new role in the local and urban environment, on a macro- and micro-scale as semi-autonomous communication interface.

Do we need to redesign design in the age of a hacked body?
What are the new challenges for the future gestaltung of society?
Is there a general system residing on a meta-level of design with or without artificial computation?

mir war das alles zu sehr oberfächliches kratzen und zu wenig bohren. ich finde die guten fragen ergeben sich nicht durch anfassen, distanziertes, fachfremdes beobachten, sondern beim bohren, beim bauen, beim testen, ausprobieren, sezieren, analysieren und neu zusammensetzen. mir erschien der designbegriff der hier verhandelt wurde als zu flach, zu sehr auf die reine, oberflächliche gestaltung konzentriert. louis klein hat gezeigt wie schmerzhaft bohren sein kann, liss c. werner hat gezeigt, wie unergiebig das kratzen an der oberfläche sein kann.

für diesen blöden witz möchte ich mich jedoch entschuldigen.

* * *

niklas maak hat bei seinem vortrag stark geschwitzt. was aber auch kein wunder ist, weil er den vortrag vorangetrieben hat wie ein d-zug. niklas maak war dermassen in fahrt, dass es mir unmöglich war, paralell zum vortrag etwas substanzielles davon zu dokumentieren. ausser dem hier:

ein paar notizen habe ich mir aber gemacht und ich fand den vortrag so bemerkenswert, dass ich dazu noch etwas schreiben möchte — aber erst später.

hier meine eindrücke vom abend des ersten tages und vom zweiten tag.

(offenlegung: ich bekomme ein honorar dafür das twitter- und facebook-konto des digital bauhaus summits zu befüllen. inhaltliche vorgaben habe ich nicht bekommen, hier zensiert nur mein eigener zensor in meinem kopf)

digital bauhaus 2015

felix schwenzel, , in wirres.net    

dieses wochenende findet in weimar der zweite digital bauhaus summit statt. ich wurde von den veranstaltern eingeladen von dort zu berichten. ab freitag werde ich das twitter-konto @digi_bau und das facebook-konto des digital bauhaus summit mitbefüllen. der eine oder andere beitrag wird vielleicht auch hier oder in meinem twitter-konto auftauchen.

digital bauhaus 2015

die veranstalter (unter anderem die zentrale intelligenz agentur) beschreiben das programm so:

Design ist mehr als die Gestaltung von Oberflächen. Design lenkt die Nutzungsweise eines Produkts, den Zugang zu Informationen und das Verhalten von Menschen. Design gestaltet Gesellschaft. Unter dem Titel „Designing Society“ fragt der Digital Bauhaus Summit 2015 nach den Möglichkeiten und Grenzen von Gesellschaftdesign in der heutigen Designgesellschaft.

das programm, die locations und die sprecher scheinen vielversprechend zu sein. tim leberecht will „eine neue ära der romatik“ ausrufen, louis klein wird über „soziales design“ reden, niklas maak wird über „das bauhaus als kommune“ referieren, liss c. werner will über das „designen von design“ reden und friedrich liechtenstein macht auch irgendwas. ich bin sehr gespannt auf die vorträge und workshops, auch weil ich bei einigen vortragsankündigungen auch nach wiederholtem lesen nicht herausfinden konnte um was es gehen wird — und es wohl erst vor ort erfahren werde.

auch die veranstaltungsorte an sich scheinen mir interessant zu sein. am freitag findet die veranstaltung in der alten staatsbank (baujahr 1894) statt, am samstag in einem alten nazi-bau, der friedrich nietzsche gedächtnishalle.

eine handvoll tickets ist wohl noch verfügbar, wenn ich das richtig verstanden habe, ist die teilnehmerzahl auf 150 begrenzt.

DIGITAL BAUHAUS SUMMIT 2015
Designing Society
3. + 4. Juli 2014, Weimar

kunst sammeln

felix schwenzel, , in artikel    

mit 12 hatte ich kein verständnis für kunst. als meine eltern mir erzählten, dass sie eine plastik von joachim bandau gekauft hätten und mir den preis nannten, fand ich das damals sehr, sehr doof und liess das auch meine eltern wissen. ich vermute, ich liess sie damals wissen, dass ich sie für bescheurt hielt so viel geld für ein stück polyester zu bezahlen.

der fuss, wie wir ihn dann meist nannten, stand oder hing dann die folgenden jahre in unseren wohnungen. er war einfach da: glatt, schlank und gleichzeitig rundlich, mattschwarz glänzend, ohne speckig zu wirken. seine form war originell aber gleichzeitig ein bisschen vertraut, wie aus dem flugzeugbau.

auf gewisse weise teilte ich mein leben mit dem fuss. mein leben veränderte sich, der fuss nicht. je älter ich wurde, desto sympathischer wurde mir der fuss, seine form, seine oberfläche, seine reflektionseigenschaften. irgendwann um die jahrtausendwende sah ich den stream einer keynote, in der steve jobs die neuen ibooks vorstellte und sinngemäss sagte, dass ihre form so wunderbar sei, dass man sie ablecken wollte. da fiel mir auf, dass mir das mit der plastik von joachim bandau mittlerweile auch so ging.

damals, so um die jahrtausendwende, fing ich auch an zu verstehen, warum es interessant ist kunst zu sammeln. es geht nicht um die wertanlage oder -steigerung, es geht nicht um das haben-wollen oder besitzen, es geht um das zusammenleben mit kunst. kunst, mit der man zusammenlebt lädt sich mit bedeutungen, erinnerungen, hoffnungen und projektionen auf. kunst verwickelt sich mit dem eigenen leben.

daran musste ich jedenfalls wieder denken, als ich dieses wochenende wieder bei meinen eltern übernachtete und die ganzen arbeiten sah, die die beiden im laufe der jahre gekauft hatten.

der fuss von joachim bandau stand viele jahre auf dem fussboden, bis meine mutter und ich vor zwei jahren dem drängen meines vaters nachgaben und ihn endlich wieder an eine wand hingen. ich finde das tut ihm ganz gut.

plastik von joachim bandau

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dieses bild von dirk skreber mochte ich von anfang an. ich glaube meine mutter hat es gekauft, als er gerade die düsseldorfer kunstakademie abgeschlossen hatte. obwohl — oder gerade weil es mit wenig details und eher grob gemalt ist, eignet es sich sich hervorragend zum reinprojizieren von ideen und intentionen. ich fand es immer ein bisschen ironisch und gleichzeitig irritierend. als sei es unfertig oder als passiere im bild gleich etwas. immer wenn ich am bild vorbeikomme, merke ich jedenfalls, dass es mich beschäftigt; was ist, was könnte passieren?

bild von dirk skreber

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die blumen und die fische sind von wang fu. hinten sind sie mit neonfarbe gestrichen, so dass sie von einer art aura umgeben werden. die arbeiten müssten alle so um das jahr 1995 entstanden sein, also bald 20 jahre bei meinen eltern in der küche hängen. ich staune also seit knapp zwanzig jahren über sie. jedes mal.

blumen von wang fu
fisch von wang fu
fische von wang fu

wang fu beschreibt auch das gefühl kunst immer wieder im alltag ausgesetzt zu sein, das ich oben versucht habe auszudrücken:

Wang Fu beobachtete immer wieder Menschen in ihrer Wahrnehmung während eines Sonnenunterganges am Pazifik. Manche schließen die Augen, andere fühlen mit der Haut, andere können sich dem Augenblick nicht aufmerksam hingeben. Je öfter und bewusster Menschen solche Augenblicke erleben, je mehr Erfahrung sie damit bekommen, je tiefer wird das Erlebnis. Aus der Wiederholung entsteht Konzentration.

so ist das, glaube ich, exakt mit der kunst. je mehr man sich ihr aussetzt, desto tiefer kann das erleben sein, desto mehr details und qualitäten entdeckt man. und der ideale ort sich kunst auszusetzen, ist wohl in der tat das zuhause, der ort an dem man am meisten zeit verbringt.

ich möchte behaupten: kunst zu kaufen oder zu sammeln verbessert die lebensqualität. und wenn man das mit kunst macht, zu der man vielleicht noch keinen zugang gefunden hat, kann kunst auch aha-erlebnisse produzieren. so wie ein gutes buch oder ein guter film.

(wird fortgesetzt)

„schau in meine welt“

felix schwenzel, , in wirres.net    

am freitag bin ich nach st. moritz gefahren um meine mutter dort abzuholen. sie ist auf dem weg nach korsika in der schweiz krank geworden und ich habe für sie chauffeur gespielt. gestern auf dem weg von st. moritz (unter dem flüela-pass durch) zurück ins rheinland hatte meine mutter gelegenheit ihrer liebsten tätigkeit nachzugehen: zu erzählen was sie in den letzten monaten so gemacht hat.

unter anderem erzählte sie, dass sie sich jetzt die kika-sendung „schau in meine welt“ auf ihr ipad „gepackt“ hätte und einige der sendungen angesehen habe. die sendungen zeigen jeweils einen besonderen tag aus dem leben eines kindes — aus deutschland, afrika, asien, amerika — eben aus der ganzen welt. unter anderem erzählte sie von liiban und seiner flucht nach deutschland (mediatheklink) und alvaro dem schuptzer aus la paz (mediatheklink).

weil wir aus der schweiz bis zu meinen eltern nachhause ungefähr 10 stunden unterwegs waren und meine mutter bei ihren erzählungen entsprechend weit ausholen konnte, kannte ich den inhalt der beiden sendungen bereits — aber ich habe sie mir trotzdem noch am selben abend angesehen — und war ziemlich angetan davon. ich werde mir neben den beiden oben erwähnten folgen sicherlich noch ein paar weitere folgen ansehen. ich kann das jedem anderen auch empfehlen, die filme sind frei von übermassigem pathos oder paternalisierung und auch wenn sie offenbar nicht ganz frei von inszenierung sind, lernt man doch eine menge aus dem leben anderer menschen. und das scheint mir nach wie vor eine der vorangigen aufgaben von kultur, literatur, film, fernsehen und internet zu sein: über andere menschen zu lernen.

das ist die übersichtsseite von schau in meine welt und gesehen habe ich liiban und die flucht nach deutschland und alvaro - der schuhputzer von la paz.

„Originale mit und für Menschen mit Emotionen“

felix schwenzel, , in wirres.net    

ich finde das interview mit der künstlerin ziemlich entlarvend. und so doof ich es finde, kunst mit sprüchen wie „das kann ich auch“ (kannst du nämlich nicht) oder „kann das weg, oder ist das kunst?“ (der wohl auf die von putzfrauen weggeputzte installation von beuys anspielt) zu diskreditieren, möchte ich doch sagen: ich finde das bild grässlich. bei der faz kann man es sehen und das interview mit nicole leidenfrost lesen.

und weil ich das bild scheusslich finde, finde ich diese variationen von ruth herzberg und der beifahrerin um so erfrischender:

pferd mit könig und queen von ruth herzberg
pferd mit könig und queen von katia kelm

[nachtrag 27.06.2015]

siehe auch annika von taube „das eigentlich schlimme am blauen pferd der königin“:

Die eigentliche Ursache für das zweifelsohne peinliche Geschenk [liegt] nicht in der fragwürdigen Qualität des künstlerischen Schaffens von Leidenfrost […]. Sondern im Umstand, dass das Äquivalent einer Kritzelei, die Mutti vom Kind geschenkt bekommt, überhaupt als für ein Staatsgeschenk infrage kommendes Kunstwerk klassifiziert werden konnte. Dass es niemanden zu geben scheint im ganzen Apparat des Bundespräsidialamtes, der etwas von Kunst versteht oder zumindest ahnt, dass man bei mangelnder Eigenkompetenz jemanden zu Rate ziehen sollte, der dies tut. Dass man offensichtlich glaubt, Farbe auf Papier oder Leinwand sei automatisch Kunst.

game of youthism

felix schwenzel, , in wirres.net    

Seit Beginn der TV-Ausstrahlung spielt [die Schauspielerin Lena Headey, 41] die Rolle der Cersei Lannister. Für die Nacktszene wurde jedoch ein Double engagiert, und nun ist auch bekannt, wer den Part bekam: Schauspielerin und Model Rebecca Van Cleave. Mit „Entertainment Weekly“ sprach die 27-Jährige nun zum ersten Mal über die Dreharbeiten.

schon klar, nach all den vergewaltigungen, verbrennungen, verstümmelungen und emaskulationen in den letzten paar staffeln von games of thrones, kann man den zuschauern nicht den nackten körper einer 41-jährigen frau zumuten und zeigt ersatzweise lieber den einer 27jährigen.

bei game of thrones herrscht die gleiche bekloppte logik wie im restlichen hollywood: frauen über 30 gelten offensichtlich in der filmlogik als unfickbar. als potenzielle partner für fifty-somethings kommen frauen über 30 in hollywood-produktionen offenbar nicht in frage. so wurde das jedenfalls kürzlich der 37 jährigen schauspielerin maggie gyllenhaal von einem produzenten erklärt:

I’m 37 and I was told recently I was too old to play the lover of a man who was 55. It was astonishing to me. It made me feel bad, and then it made feel angry, and then it made me laugh.

(bericht im guardian, interview mit gyllenhaal)

für ältere herren kommt auf der leinwand, nach der gängigen hollywood-logik, nur ganz frisches weibliches fleisch in betracht.

woran kann das liegen, wenn jetzt die produzenten von games of thrones eine rolle, die angezogen von einer 41 jährigen frau gespielt wird, nackt von einer 27 jährigen spielen lassen? liess sich keine über-vierzig-jährige finden, die als nacktdouble auftreten wollte? oder wollte man den zuschauern den anblick von gealterter haut ersparen? in einer serie, die sich nicht scheut wirklich alles zu zeigen (kopulation, vergewaltigung, erstechen und erschlagen von schwangeren, häutungen und verbrennungen von unschuldigen, und so weiter und so fort) scheut man sich bei tageslicht eine nackte frau über 40 zu zeigen?

die produzenten, die den schönheits- und jugendwahn unserer zeit in eine mittelalterliche phatasiewelt reinprojiezieren, entlarven sich damit auch als produzenten „melodramatischer pornografie“, wie aaron bady das kürzlich nannte. oder wie ich das ausdrücken würde, als produzenten von abgedroschenem und glattpüriertem glamourscheiss. game of thrones wird von zwei über vierzigjährigen männern produziert, die radikal und authentisch tun, sich aber unübersehbar nicht mal zwei zentimeter vom kleingeistigen glamourzeitgeist lösen können oder wollen, der ältere frauen verachtet und jugendliche frauen vergöttert und verglittert.

eigentümlicherweise legen die produzenten und der autor george r. r. martin ansonsten grossen wert darauf, die „historische wahrheit und menschliche natur“ authentisch und schonungslos zu zeigen. dazu sagt martin laut der new york times:

George R. R. Martin wrote that as an artist, he had an obligation to tell the truth about history and about human nature.
[…]
As for the books, readers say that Mr. Martin’s presentation of rape underscores the harshness of his world, but some question what they say is his overreliance on it and an often lurid tone when writing about sexual matters.
[…]
Mr. Martin said that his philosophy as a writer is to show and not tell, and doing so requires “vivid sensory detail.”

allerdings ging es im nytimes-artikel und den äusserungen von george r. r. martin und seinen lesern um die darstellung von sexueller gewalt. die solle unbedingt authetisch, „unangenehm“, hart, direkt und unverblümt dargestellt werden. wenn es um die darstellung von nackten frauen geht, scheint man von diesen grundsätzen in der produktion von game of thrones auch mal abweichen zu können, um die „wahrheit“, die menschliche natur und die „harshness of his world“ ein bisschen frischer, knackiger und jugendlicher darstellen zu können, als das wohl mit dem körper einer über 40 jährigen möglich ist. was für eine abgefuckte bigotterie.

9 ½ gründe warum ich nochmal die krautreporter unterstütze

felix schwenzel, , in wirres.net    

  • die kritik an den krautreportern ist meist noch dööfer als das was die krautreporter machen (ich schliesse mich selbst nicht aus)
  • theresa bäuerlein
  • friedemann karig
  • weil tilo jung offenbar nur noch einmal im monat auf krautreporter veröffentlicht
  • weil die krautreporter volltext-RSS haben (im gegenteil zum beispiel zu den prenzlauer-berger-nachrichten) — auch wenn der RSS-feed immer noch keine <author>-auszeichnung hat
  • die morgenpost
  • scheitern als chance
  • ich gucke hin und wieder auch gerne mittelgute fernsehserien
  • weil es den krautreportern egal ist, dass sie in selbstproduzierten erklärvideos und selbstinterviews peinlich wirken
  • softwareentwickler (und journalisten) brauchen auch geld

zentrum für politische schönheit und eitelkeit

felix schwenzel, , in wirres.net    

bei metronaut.de ist john f. nebel sehr begeistert von „einem wunderschönen akt des zivilen ungehorsams“. bei der süddeutschen ist hanna beitzer weniger begeistert von der aktion des zentrums schönheit und findet, dass „die mittel dem zweck schaden“. etwas neutraler berichtet der tagesspiegel von der aktion: „50 Demonstranten beim ‚Marsch der Entschlossenen‘ festgenommen“.

ich bin mit meiner meinung mittendrin. ich finde es grundsätzlich gut, wie das zentrum für politische schönheit versucht ein stachel im gewissen der anderen zu sein und seine zeigefinger benutzt um auf die da oben zu zeigen (ups, da ist ausversehen kritik in das lob geflossen). was mich aber doch sehr nervt, ist die eitelkeit, oder wie hannah beitzer das nennt, „selbstverliebtheit“ der aktivisten. anmut ohne demut ist nur halb so schön.

trotzdem: ich bin und bleibe ein fan vom zentrum für politische schönheit. ich kann auch sachen gut finden, die ich manchmal doof finde.