„rebel yell“

felix schwenzel,    

arte hat mir zwei folgen der doku „rebel yell“ auf DVD geschickt und ich habe sie mir gestern abend angesehen. die beiden sendungen sollen die „aktuelle protestkultur“ dokumentieren und lassen zwischen anonymous, occupy, wikileaks, pussy riot, london riots, arabischem frühling, rage against the machine, nadine lantzsch und hausbesetzern wirklich nichts aus — ausser gegenstimmen.

jeder der schonmal gegen etwas protestiert hat darf ein paar o-töne abgeben und die protestform an der er oder sie gerade teilnimmt in einem positiven licht darstellen. das ist alles so wohlwollend und, wie der tagesspiegel schreibt, „hip“ abgefilmt, dass man die sendungen statt dokumentation auch getrost protest-selbstportraits hätte nennen können. ich hab niemanden gesehen der die proteste aus eine neutralen, aussenstehenden oder distanzierten perspektive kommentiert hat. es fiel in den 2wei mal 52 minuten protest-doku kein einziges kritisches wort, keine aussage wurde hinterfragt, keine selbstdarstellung wurde mit tageslicht beleuchtet.

die fehlende distanz der sendungen oder die abwesenheit von gegen- oder neutralstimmen ist nichts über das man sich echauffieren müsste — aber es macht die sendungen ziemlich langweilig und uninspirierend. interessierte sich meine oma für die „aktuelle protestkultur“, rebel yell würde ihr einen prima überblick verschaffen, welches selbstbild die verschiedenen protestkulturen haben.

am ende der zweiten folge sagt tom morello von rage against the machine:

mit der richtigen kombination aus rhytmus, melodie und bedeutung kann man wahrheit in einer einzigartigen form wiedergeben. das kann nur musik.

dokumentationen und journalismus können das leider nicht. da ist das mit der wahrheit etwas komplizierter.

so versucht rebel yell dem zuschauer immer wieder den eindruck zu vermitteln, dass die occupy-bewegung blühe. einmal sagt die off-stimme:

die bewegung breitet sich aus. überall kehrt der protest zurück in die öffentlichkeit.

occupytanten erzählen, der off-kommentar schwärmt und der zuschauer erinnert sich, dass das occupy frankfurt camp gerade geschlossen wurde (und 30 meter weiter zog) und das occupy london camp am 14. juni geschlossen wurde.

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ich habe mir bei der ersten folge nach ca. 30 minuten sehnlich gewünscht, dass die sendung sich langsam dem ende zuneigen würde. tat sie aber erst nach 50 minuten. trotzdem fand ich die doppelfolge nicht schlecht.

denn wenn man hinter dem mond lebt, bekommt man einen ganz guten eindruck wer wo und wie gegen was ist und wie die verschiedenen modernen protestformen aussehen. wenn man nicht hinter dem mond lebt, bekommt man eine menge o-töne und bilder und musikschnipsel mit, die sich in dieser konzentration nicht einfach auf zeitungs- oder webseiten klemmen lassen. einige protest-protagonisten, die in meiner wahrnehmungsblase bisher nicht vorkamen habe ich jetzt auch mal kennengelernt.

hamada ben amor aka el général, zum beispiel, der in algerien mit seiner musik die revolution mitangefacht hat. leider kann ich mit dieser form yo-macho-hip-hop nicht viel anfangen, aber kraftvoll, wütend und authentisch wirkte das schon. hamada ben amor sagte dann auch sehr schön:

die musik, die stimme schlägt immer die waffen. das habe ich schon oft gesagt. selbst wenn die regierung über waffen und militär verfügt, die stimme und der wille siegen immer. die revolutionäre kann man töten, die revolution kaum.

mir fiel auf, dass musik auf eine angenehme, beinahe subtile, wenig aggressive art wütend machen kann. sehr schön zeigte das auch ein kleines segment, in dem rage against the machine in der wall street ihren song sehr laut spielten und sich dabei von michael moore filmen liessen (video). die idee: rage against the machine spielen, die polizei kommt, nimmt sie fest, die kamera hält drauf, fertig ist das wut-video. was aber auch passierte: nicht nur die polizei kam, sondern auch einige anzugträger aus den banken, bzw. der börse. die wippten sich dann auch in wut und skandierten: „suits for rage“.

die verbindung von wut und musik zeigt die doku eindrücklich. in mir kam beim zusehen der wunsch nach mehr wut allgemein und mehr wut von künstlern auf. nicht die regener art von ich-ich-ich- und business-wut, sondern wut wegen ungerechtigkeit, diskriminierung, gier, abbau von bürgerrechten und mangelndem gemeinsinn. wie das gehen kann und wer sowas macht, zeigt rebel yell ganz gut.

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die erste folge rebel yell läuft heute abend um 22:30 uhr auf arte, die zweite folge läuft am 18. august. (vielleicht läuft die erste folge aber auch heute um 21:50 und die zweite am 18. august um 21:30. die arte webseite ist sich da nicht ganz sicher.)

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[nachtrag 12.08.2012]
die erste folge von „rebel yell“ ist jetzt in der arte mediathek.

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bei der mädchenmanschaft gibts eine mittelmässig interessante diskussion zwischen dem produzenten des films christian bettges, nadide lantzsch und einiges anderen kommentatoren.

reden vs. schreiben vs. linken

felix schwenzel,    

am dienstag war ich bei mspro und max zum reden. wir haben ungefähr drei stunden geredet, davon wurden zweieinhalb stunden augezeichnet und zum aus der konserve anhören ins netz gestellt (mp3). das war sehr nett, wobei ich mich ständig gefragt habe, wer hört sich das geplauder von drei typen so lange an?

nach der aufzeichnung haben wir noch ein bisschen in den livestream geplaudert und mspro fragte mich, warum ich eigentlich nicht podcastete. ich glaube ich antwortete, dass ich mich schon gerne zu podcasts einladen lassen würde und auch durchaus eine gewisse faszination am podcasten nachvollziehen kann, aber selber weder podcasts höre, noch auf die idee käme, selber welche zu machen.

auch wenn man das nicht immer merkt, ich mag es ganz gerne, eine idee die ich habe so gut wie möglich auf den punkt zu bringen. das auf den punkt bringen ist audio- oder visuell, finde ich, viel anstrengender als in schriftform. ich hab ja mal für ne weile regelmässig videopodcasts gemacht, was einerseits spass gemacht hat, andererseits irre viel arbeit war — obwohl ich hilfe hatte (aufzeichnung, schnitt, encoding). und ich fand das was hinten rauskam auch nicht immer so befriedigend, woraus ix schliessen könnte, dass ich entweder mehr arbeit reinstecken sollte oder es eben zu lassen. in den letzten jahren liess ich es einfach. dazu kommt, dass ich mit dem ins internet schreiben eigentlich ganz gut bedient bin.

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apropos geschriebenes wort. ich glaube mspro sagte in #wmr47, dass ich in letzter zeit ja kaum noch bloggen würde. worauf ich fast ein bisschen empört reagierte und meinte, dass ich im gegenteil nicht nur ziemlich regelmässig und bereits über ein jahr kommentierte links auf wirres.net posten würde, sondern auch gar nicht so selten artikel schröbe.

findet mspro, dass links-posten kein bloggen sei? wenn ich drüber nachdenke, ist da natürlich was dran. denn auch wenn das linken arbeit macht und mühe kostet, bei nährem hinsehen, bestehen meine links zu 80 prozent aus zitaten oder zusammenfassungen und manchmal, tatsächlich eher selten, einer einschätzung oder einem kommentar von mir.

das was ix mit den links mache, ist am ehesten mit dem vergleichbar, was ich früher mit dem sharing-feature im google reader getan habe: die leute in meiner blase auf aus meiner sicht lesenswerte artikel hinweisen und manchmal zu erklären warum ich das tue — und manchmal eben nicht. dabei scheint gewissermassen auch ein bisschen faulheit vor dem pointierten kommentieren und bewerten durch.

marcelo somers nannte linkbloggen vorgestern „The Linkblog Cancer“:

Our job as independent writers isn’t to be first or even to get the most pageviews. It’s to answer the question of “so what?”. Taken as a whole, our sites should tell a unique story that no one else can, with storylines that develop over time that help bring order to the chaos of what we cover.

einerseits ist das völlig übertrieben, andererseits stimmt es natürlich schon, dass die eigene stimme und interessen im eigenen blog klar und deutlich durchscheinen sollten. aber ich finde das muss nicht immer in der gleichen stärke sein. und zum ordnung schaffen bin ich eh nicht da. ich stosse lieber an, als (ein) zu ordnen.

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mir fiel dann noch ein, ich könnte ja nochmal nachdenken und -suchen, bei wem ich schon so alles gepodcastet habe. entgegen der oft geäusserten schwachsinns-these, dass das internet nie vergesse, sind ein paar dieser spuren in den letzten 6 jahren bereits wieder verschwunden oder funktionieren nicht mehr richtig. das ist die liste der podcasts bei denen ich mal zu gast war, die mir noch einfielen oder googlebar¹ waren:

2006 mit johnny in irgendeiner eckkneipe, 2006 mit johnny bei radio-fritz trackback (aus dem netz verschwunden), auch 2006 bei 4 nasen tanken super auf dem medienforum NRW (verschwunden), 2007 4 nasen auf der republica, auf der republica 2010 mit frédéric valin, 2010 beim medienradio mit philip banse und jana wuttke, 2010 beim wort zum sonntag mit bosch und mathias richel und jetzt bei wir müssen reden.

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1) ich google mit duckduckgo.

USA schüleraustausch

felix schwenzel,    

ich weiss gar nicht mehr, wie ich vor 26 oder 27 jahren darauf gekommen bin ein jahr als austauschschüler nach amerika zu fahren. ich glaube es war nele, die sich irgendwann entschloss das austauschjahr zu machen und sich bei YFU dafür bewarb. als ich mich entschied, war die bewerbungsfrist bei YFU bereits abgelaufen. bei iST konnte ich mich aber noch bewerben. an weitere organisatorischen details kann ich mich nicht mehr erinnnern. woran ich mich aber noch erinnern kann, war meine vorfreude. deutschland, aachen, die schule, mein alltag langweilten mich. ich fand deutschland nach 17 jahren aufenthalt furchtbar. helmut kohl war bundeskanzler, alles war so klein und provinziell. aachen war OK zum aufwachsen, aber den rest meines lebens wollte ich dort nicht verbringen. ich scherzte schon damals, dass aachen ein super alterswohnsitz sei, aber nix zum leben.

ich hatte das gefühl, dass mein leben sich in einer trüben blase abspielte, ich fürchtete in aachen zu verwelken oder im domkeller zum alkoholiker zu werden. ich wollte an der welt schnuppern.

ein paar monate vor meiner abreise hatte ich mich zwar gerade überwinden können gita, in die ich schon ewig verknallt war, zu küssen. wir waren abends mit ein paar freunden im „hauptquartier“, einer aachener kneipe in der promenadenstrasse die es tatsächlich noch gibt. damals war das aber definitiv nicht „aachens schrägste kneipe“, sondern ein dunkles punkschmuddelloch. ich glaube die musik war dort aus prinzip scheisse, das war an dem abend aber auch egal, ich war ja am knutschen. plötzlich waren meine lieblingsfreundin und ich ein paar. witzigerweise langweilte uns das paar-sein nach ein paar wochen beide so sehr, dass wir uns entschieden zum ursprünglichen zustand zurückzukehren: beste freunde. zwei wochen vor meiner abreise machten wir auf der treppe vorm domkeller einvernehmlich und erleichtert schluss.

in der schule hatte ich mein erstes einigermassen erfolgreiches jahr hinter mir. die ersten jahre im gymnasium war ich ein so schechter schüler, dass mein deutschlehrer mir empfahl doch ein handwerk zu erlernen und den hauptschulabschluss zu machen. darauf folgten drei jahre in denen ich die befürchtungen meines deutschlehrers bestätigte und dreimal in folge sitzenblieb. zweimal schaffte ich in französisch die nachprüfung, bei der versetzung in die zehnte klasse hatte ich dann zuviele sechsen für eine nachprüfung. in der zehnten klasse machte mir die schule plötzlich sogar spass. am meisten spass bereitete mir das lesen; ich verschlang hoimar von ditfurts bücher, las douglas adams im original, erich fromms „die kunst des liebens“ und fast alle bücher von hermann hesse.

schreiben konnte ich allerdings nicht. meine bewerbung, bzw. selbstbeschreibung für die gastelternsuche schrob ich in krakeliger pseudo-schreibschrift, die sätze waren unbeholfen formuliert. auf den fotos mit denen ich meine familie vorstellte, sah man meinen vater mit einem glas feierabendwein, ich lächelte auf keinem der fotos, auf dem familienportrait sah niemand in die kamera; die familie sass am frühstückstisch, mein vater verdeckt von blumen, meine mutter war lediglich als blauer blop mit roten haaren zu erkennen.

meine bewerbung für gasteltern in den USA 1/3

meine bewerbung für gasteltern in den USA 2/3

erwartungen an meinen aufenthalt in amerika hatte ich keine, nur vorfreude auf das neue und auf das weit-weg-sein. ich fühlte mich wie ein pilgervater. ich hatte die chance komplett zu verschwinden und alles neu anzufangen, alle zwänge denen ich mich ausgeliefert fühlte könnte ich hinter mir lassen. was für eine grossartige erfindung dieses amerika war.

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in zwei wochen reist das kind für ein jahr nach amerika, in eine kleinstadt in der nähe von portland, in oregon — kaum 200 kilometer entfernt von tacoma, wo ich mein jahr verbracht habe. die gasteltern sind seit ein paar wochen auf facebook mit uns, den grosseltern und dem kind befreundet. das kind ist bereits mit der halben stadt und fast allen künftigen gastschülern dort befreundet und hat schon ein paarmal mit seinen gasteltern videotelefoniert. alles scheint so nah, viel näher als damals bei mir. statt luftpostbriefen auf extra dünnem papier schreibt man facebook-nachrichten, man kann kostenlos dort anrufen, der lehrplan der schule und profile von allen lehrern stehen im internet. wir und das kind haben bereits die halbe stadt mit streetview und google maps erkundet, wir haben hunderte fotos der stadt, der gasteltern und der gastelternenkelkinder gesehen.

die beifahrerin ist definitiv aufgeregter als das kind. ich glaube das kind wäre nur aufgeregt, wenn es in amerika kein facebook, kein youtube oder ein playstationverbot gäbe. das äusserste an aufregung brach letzte woche kurz aus dem kind heraus, als es sagte: „oh, nur noch zwei wochen, dann fliege ich.“

ich glaube, dem kind ein austauschjahr in amerika schmackhaft zu machen und die finanzierung mit tatkräftiger unterstützung von fast allen familienzweigen zu organisieren, war die beste entscheidung, zu der uns das kind je gedrängt hat.

* * *

ich habe in den letzten 26 jahren ziemlich viel von meinem amerika-aufenthalt vergessen. viele erinnerungen kommen jetzt wieder hoch. erstaunlich finde ich aber vor allem, wie sich die umstände so einer reise in den letzten jahren geändert haben. die distanz nach amerika ist dank des internets enorm geschrumpft, wir können dem kind dank facebook, digitalphotographie und dem direkten draht zu den gasteltern wie bisher auf die pelle rücken.

musste man früher mehr oder weniger alle verbindungen in die alte heimat kappen, nimmt man sie heute mit dem netz in echtzeit mit bis in die letzte ecke der welt. andererseits könnte man sich der neugier der eltern und anderen zurückgebliebenen auch einigermassen mit netz-abstinenz und -ignoranz entziehen. ich habe das damals nach ein paar monaten gemacht, indem ich ankündigte, dass ich jetzt aufhöre briefe zu schreiben. erst als ich geld brauchte, fing ich wieder an zu schreiben.

* * *

wie sich so ein schüleraustausch aus deutschland anfühlt, was wir vom kind so alles mitbekommen und ob der austausch bei mir die eine oder andere erinnerung wachruft, schreibe ich hier in den nächsten 10 monaten unregmässig auf.

nike werbung

felix schwenzel,    

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ich mag den spot, trotz oder gerade wegen des pathos. aber auf jeden fall wegen des minimalismus. /via boingboing.net, wo xeni jardin aus einem businessinsider-artikel über den 12 jährigen darsteller zitiert, dass er während der dreharbeiten in einen graben gekotzt hätte. er hätte eine stunde vor den dreharbeiten mittag gegessen. das ist die gute nachricht. die schlechte nachricht: der junge will demnächst mit seiner mutter den jojo-effekt durchspielen:

Nike has further plans for Sorrell. He and his mom, Monica, are now trying to lose weight. If they make it, Nike will return to shoot another spot.

meine lieblingstweets im juli

felix schwenzel,    

Imagine a future where someone makes a browser with a 'take me to the tab that is playing music' command

@Pinboard

Pinboard

Stehen wirklich irgendwo auf der Welt Paare nebeneinander an Doppelwaschbecken und putzen sich?

@SibylleBerg

sibylle berg

Achievement unlocked: Being flattred by @.

@Flattrstar

Flattrstar

"Hier war ein Dilettant am Werk", der Klempner so "Ihr Mann vielleicht?" Ich so "Joahhh der Mann! ICH geh doch nicht an die Rohre!!!"

@dasnuf

Patricia Cammarata

"Ich glaub, Sie pinnen!"

@Mellcolm

Melanie Voß

Wir beide spielen ein bürgerliches Leben. Aber wir haben ein Safeword, falls es einem von uns zu weit geht.

@Afelia

Marina Weisband

Keiner bringt mir einen Kaffee. Servicewüste Singlewohnung.

@nochsoeiner

nochsoeiner

Beck hat sicher die ganze Nacht telefoniert um die Nürburgring-Frauen zu retten.

@Schmidtlepp

Christopher Lauer

In Anlehnung an Flattr könnte ja mal jemand Blattr zur Verteilung von Schmiergeldern starten.

@helmi

Helmi

Wenn man keine Investoren findet, ist das ein gutes Zeichen dafür, daß es sich nicht lohnt. Nürburgring wäre auf Kickstarter durchgefallen.

@Elfengleich

Sandra Wiegard

Does it disturb anyone else that "The Los Angeles Angels" baseball team translates directly to "The The Angels Angels"?

@neiltyson

Neil deGrasse Tyson

We don't need anymore paintings of bridges. Everybody stop.

@DearAnyone

Artie Johann

A dude at the bar calls me a gaytard, this other girl just told me to kill myself... this is my LAST Youtube commenters meet-up!

@DannyZuker

Danny Zuker

flausch am sonntag (1)

felix schwenzel,    

youtube-video

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(ich gebe zu, stefan niggemeiers flauschcontent ist flauschiger) (via)

klugscheissen

felix schwenzel,    

klugscheisserei reizt mich. aber besonders reizt sie mich, wenn sie vom spiegel kommt. in der print-ausgabe von montag, schrob der spiegel in einer notiz unter anderem:

Die Informatikerin [Marissa Mayer] ist im achten Monat schwanger. Vor ihrem überraschenden Wechsel an die Spitze der Internetfirma Yahoo war Mayer als Managerin beim direkten Konkurrenten Google tätig. Das Baby, dessen Geburt für Oktober ausgerechnet ist, sollte die Karriere der US-Amerikanerin kaum beeinträchtigen.

so weit, so egal. einige leser meinten an diesem sätzen aber ungereimtheiten festzustellen. so schreibt der spiegel heute auf seiner facebookseite:

Viele Spiegel-LeserInnen stutzten - und fragten sich und später auch uns über unsere Leserbrief-Redaktion: Könnt ihr beim SPIEGEL nicht rechnen? Einige empfahlen den vermeintlichen Patzer für eine andere beliebte SPIEGEL-Rubrik, den "Hohlspiegel". Auf diese Idee kamen auch unsere KollegInnen von der "taz". Sie verzichteten gleich ganz auf das Fragezeichen und verliehen dem SPIEGEL gestern ihre "Gurke des Tages". Zehn bis elf Monate Schwangerschaft, das sei dann ja "fast schon wie bei Elefanten".

Sie alle sind mit ihrer Fehler-Diagnose nicht allein. Am Montag war schon Chefredakteur Georg Mascolo über die Passage gestolpert, bei der internen Heftkritik der Redaktion.

in den folgenden 10 absätzen erklärt der spiegel dann, dass die rechnung durchaus korrekt sei:

„Unsere Meldung erschien in der 30. Schwangerschaftswoche, also im 8. Monat“, so der spiegel. mediziner zählen 40 schwangerschaftswochen, somit sind es also vom 23. juli, an dem der spiegel erschien, bis zum 4. oktober, dem prognostizierten geburtstermin, 10 wochen. kann man nachrechnen, stimmt alles. dann hat der spiegel also recht und alles ist gut. alles klargestellt, bzw. wie der spiegel es ausdrückt: „Soviel zur medizinischen Aufklärung.“

der satz mit der „medizinischen Aufklärung“ ist sicher harmlos gemeint, stösst mir aber dennoch auf, weil ich meine, hier eine typische spiegel-haltung durchscheinen zu sehen: auf der einen seite der spiegel, mit seiner dokumentation, die alle fehler ausfiltert, auf der anderen seite die leser, die aufgeklärt werden müssen, weil sie die korrekte („präzise“) darstellung nicht auf anhieb verstehen.

genau diese haltung, diese polierte arroganz, ist es, die mich am spiegel seit jahren stört. statt einfach klar und deutlich einzuräumen, dass die meldung ungeschickt oder missverständlich formuliert war, ein langer sermon, der den schwarzen peter dem leser und der feindseligen konkurenz zuschiebt. in diesem fall wissen spiegel-leser erst mehr, wenn sie die nachbesprechung der heftkritik auf der facebookseite des spiegels lesen. neues motto: facebookseitenleser des spiegels wissen mehr.

* * *

wie hätte der spiegel die meldung denn unmissverständlich schreiben sollen, könnten spiegelredaktionsverteidiger jetzt fragen. ganz einfach:

Die Informatikerin ist in der 30. Woche schwanger. […] Der prognostizierte Geburtstermin, der für den 4. Oktober ausgerechnet ist, sollte die Karriere der US-Amerikanerin kaum beeinträchtigen.

so machen ärtzte das auch. sie reden nicht von schwangerschaftsmonaten, sondern von schwangerschaftswochen (SSW). einerseits weil ein kalendermonat bis zu drei tage länger ist als ein vierwöchiger schwangerschaftsmonat, andererseits, weil so von vorneherein klar ist, dass man von der medizinischen zählweise spricht, die 40 SSW zählt.

„vernünftige gynäkologen“ reden von schwangerschaftswochen, so drückt es mein vater aus, der gynäkologe mit dem ich ungefähr 20 jahre meines lebens verbracht habe (umgerechnet ca. 1000 wochen, in denen er als gynäkologe ungefähr 6 schrillionen babys zur welt gebracht hat und mich ebenso oft korrigiert hat, wenn ich von „schwangerschaftsmonaten“ gesprochen habe). ich vermute — ohne weitere rücksprache mit meinem vater — „vernünftige gynäkologen“ gehen damit vor allem missverständnissen bei der kommunikation aus dem weg.

statt kompliziert zwischen medizinischen und alltagssprachlichen monatskonventionen hin und her zu rechnen, wäre eine formulierung mit schwangerschaftswochen klar wie fruchtwasser gewesen. so klar, dass auch der „Chefredakteur Georg Mascolo“, trotz ihrer huntertprozentigen und dokumentierten korrektheit, nicht über die passage hätte stolpern müssen.

* * *

hätte der facebookeintrag zur mayer-meldung klar und deutlich eingeräumt, dass dem spiegel hier eine missverständliche formulierung rausgeschlüpft ist, könnte der spiegel von mir aus die nächsten 10 jahre auf der korrektheit des „im achten Monat schwanger“ rumreiten. ich hätte das facebook zugeklappt und gesagt: gute idee, auf facebook einzelne artikel, fakten und hintergründe aus der redaktion oder der dokumentation zu besprechen. das sollte der spiegel regelmässig machen!

aber so ist der spiegel nicht gestrickt. fehler oder ungeschickte formulierungen macht der spiegel nicht. der spiegel, dass sturmgeschütz der dokumentation und korrektheit.

blöd ist allerdings, dass der facebookeintrag nicht durch die dokumentation oder den gesunden menschenverstand gelaufen zu sein scheint. denn der verfasser oder die verfasserin des facebookeintrags spricht zweimal von einer „hochschwangeren“ marissa mayer:

Hätten wir vermeiden können, dass so viele Leser über die Stelle stolpern? Klar, ganz einfach, zum Beispiel indem wir einfach nur "hochschwanger" geschrieben hätten, statt einer präzisen Monatsangabe.

hochschanger in der 30. schwangerschaftswoche? mit 10 wochen restschwangerschaft? wie nennt man dann eine schwangere in der 38. SSW? ultrahochschwanger? in der 39. SSW extrem ultrahochschwanger? höchstschwanger? ich habe heute meinen vater auch dazu gefragt: er meint der begriff „hochschwanger“ sei einerseits „nicht klar festgelegt“ und werde andererseits von medizinern kaum noch benutzt. seiner auffassung nach sei eine frau aber ab der 36. SSW „hochschwanger“. demnach wäre marissa mayer also ungefähr ab anfang september „hochschwanger“.

was ist eigentlich am wort „schwanger“ so falsch. wozu die rhetorische dramatik?

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klar bin ich mit meinerm vorwurf an den spiegel rechthaberisch und arrogant zu sein, selbst rechthaberisch. und ich weiss auch, dass ich dazu neige mich missverständlich auszudrücken und fehler zu machen. aber vor allem weiss ich, ebenfalls aus eigener erfahrung, wie lächerlich man sich macht, wenn man missverständnisse, für die man selbst verantwortlich ist, ohne einen hauch von demut oder „uups“ aufzuklären versucht oder dem leser (oder der frau) die schuld am missverständnis gibt.

das mit der augenhöhe, wird der spiegel nie hinbekommen. die fassade des neuen spiegelgebäudes in hamburg besteht übrigens aus glas und elfenbeinimitat.

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der ursprüngliche facebookeintrag wurde vom spiegel gelöscht, damit auch mindestens 10 kommentare und 24 likes. gegen 19 uhr wurde der eintrag neu gepostet. ein hinweis dazu findet sich unter dem eintrag nicht. einziger unterschied zum vorherigen text in der neuen version: hauke janssen, der chef der spiegel-dokumentation, schreibt sich jetzt korrekt mit zwei s (vorher nur mit einem). ausgerechnet!

sascha lobo

felix schwenzel,    

ich habe offenbar eine besondere begabung: ich kann willentlich sascha lobo zufällig treffen. das hat jetzt schon zweimal geklappt, auf meinem nachhauseweg von der arbeit. das funktioniert übrigens ganz ohne internet, nur mit analogen mitteln. zumindest hat das heute so funktioniert und vor ein paar wochen auch schonmal.

ausserdem ist mir aufgefallen, dass mir sascha lobos kolumnen auf spiegel online dann besonders gut gefallen, wenn er sie hinrotzt, auf subjektive erfahrungen stützt und jede tiefere, gezielt intellektuelle analyse weglässt. so hat er das heute in einer sehr okayen kolumne gemacht: Lob der Okayheit.

wie jeder weiss, haben er und kathrin passig gestern ihr buch abgegeben, also kann er nicht sonderlich viel zeit für das schreiben der heutigen kolumne gehabt haben (auf vorrat kann sacha seine kolumne nicht produzieren).

der kolumne liegt ein einfacher gedanke zugrunde: was passiert, wenn wir zugang zu grossen teilen des privatlebens und den privatansichten von immens vielen menschen haben?

Die sozialen Medien bringen in die Öffentlichkeit, was zuvor als höchst privat galt, sie erlauben daher dem Einzelnen, völlig unbekannten Menschen sehr nah zu kommen. Zwei, drei, vier Klicks auf Facebook oder Twitter, und man lauscht privaten Gesprächen, die man ohne das Netz niemals hätte wahrnehmen können. Geführt, als gäbe es kein Publikum. Ein digitaler Blick in die Köpfe, wo die eben noch gefährliche Bedenkenlosigkeit jetzt schon eine unerhörte, ungefilterte Nähe erlaubt. Jeder, der soziale Netzwerke benutzt und ein bisschen umherstromert, aus welchen Motiven auch immer, betreibt digitale Echtzeitethnografie. […]

Was passiert langfristig, wenn es mit sozialen Medien nun möglich ist, in die Köpfe und Gespräche hineinzusehen? Wird es völlig egal sein, weil kaum jemand die Möglichkeit nutzt? Oder setzt sich mit dieser digitalen Nähe die Toleranz der Andersartigkeit flächendeckend durch? Sind die sozialen Medien durch ihre Vernetzung der Verschiedenheiten sogar eine Art Konfrontationstherapie für Intolerante?

Wenn man annimmt, dass beide Extreme nicht zutreffen werden, sondern irgendetwas in der Mitte herauskommt, dann entsteht ein neues Gesellschaftsbild, das hier den Namen Okayheit bekommen soll: "Andersartigkeit ist okay". Okayheit verbindet eine Reihe von sehr unterschiedlichen Haltungen wie Resignation, Toleranz, Desinteresse, Empathie und Gleichgültigkeit zu einem leicht widersprüchlichen Amalgam, das aber am Ende in allen Varianten die gleiche Wirkung hat: es einfach okay sein zu lassen.

einfach eine subjektive beobachtung zu einer kleinen, steilen these anspitzen und in die welt setzen. dann andere drüber nachdenken lassen, ohne zu versuchen es selbst zuende zu denken. einfach mit einem „lob der okayheit“ die kolumne beenden, ohne über die weiteren gesellschaflichen konsequenzen nachzudenken, ohne die kolumne argumentativ gegen potenziell anderesdenkende zu wappnen, die kolumne veröffentlichen und dann in urlaub fahren.

möglicherweise mag ich diese art zu publizieren deshalb so gerne, weil ich auch dazu neige das so zu machen. man sollte aber dabei bedenken, dass nur weil eine kolumne, ein blogeintrag oder ein vortrag nicht alles zuende denkt und durchgekocht serviert, der autor nicht bereits weitergedacht hat oder direkt nach dem veröffentlichen weiterdenkt. aber diese unbeständigkeit, diese temporäre qualität, ist meiner meinung nach einer der ganz grossen reize des netzes; man setzt ein paar kleine, unfertige, nicht zuende gedachte ideen in die welt und andere ziehen sie gross oder modifizieren sie — oder auch nicht.

tl;dr: diese kolumne von sascha lobo beweist: er ist, entgegen aller unkenrufe, ein echter blogger.

malte spitz bei TED: „Your phone company is watching“

felix schwenzel,    

malte spitz hat auf der TED-konferenz sein vorratsdatenspeichrungsprojekt vorgestellt, für das er seine vorratsdaten bei t-mobile herausklagte und mit hilfe von OpenDataCity und der zeit visualisierte.

youtube-video

direkt youtube-link

(via, siehe auch)

ich habe vor knapp 5 jahren auch mal was zur vorratsdatenspeicherung bei watch berlin erzählt. nicht so eindringlich und plastisch wie malte spitz, ist aber auch schon 5 jahre her.