„schau in meine welt“

felix schwenzel, , in wirres.net    

am freitag bin ich nach st. moritz gefahren um meine mutter dort abzuholen. sie ist auf dem weg nach korsika in der schweiz krank geworden und ich habe für sie chauffeur gespielt. gestern auf dem weg von st. moritz (unter dem flüela-pass durch) zurück ins rheinland hatte meine mutter gelegenheit ihrer liebsten tätigkeit nachzugehen: zu erzählen was sie in den letzten monaten so gemacht hat.

unter anderem erzählte sie, dass sie sich jetzt die kika-sendung „schau in meine welt“ auf ihr ipad „gepackt“ hätte und einige der sendungen angesehen habe. die sendungen zeigen jeweils einen besonderen tag aus dem leben eines kindes — aus deutschland, afrika, asien, amerika — eben aus der ganzen welt. unter anderem erzählte sie von liiban und seiner flucht nach deutschland (mediatheklink) und alvaro dem schuptzer aus la paz (mediatheklink).

weil wir aus der schweiz bis zu meinen eltern nachhause ungefähr 10 stunden unterwegs waren und meine mutter bei ihren erzählungen entsprechend weit ausholen konnte, kannte ich den inhalt der beiden sendungen bereits — aber ich habe sie mir trotzdem noch am selben abend angesehen — und war ziemlich angetan davon. ich werde mir neben den beiden oben erwähnten folgen sicherlich noch ein paar weitere folgen ansehen. ich kann das jedem anderen auch empfehlen, die filme sind frei von übermassigem pathos oder paternalisierung und auch wenn sie offenbar nicht ganz frei von inszenierung sind, lernt man doch eine menge aus dem leben anderer menschen. und das scheint mir nach wie vor eine der vorangigen aufgaben von kultur, literatur, film, fernsehen und internet zu sein: über andere menschen zu lernen.

das ist die übersichtsseite von schau in meine welt und gesehen habe ich liiban und die flucht nach deutschland und alvaro - der schuhputzer von la paz.

„Originale mit und für Menschen mit Emotionen“

felix schwenzel, , in wirres.net    

ich finde das interview mit der künstlerin ziemlich entlarvend. und so doof ich es finde, kunst mit sprüchen wie „das kann ich auch“ (kannst du nämlich nicht) oder „kann das weg, oder ist das kunst?“ (der wohl auf die von putzfrauen weggeputzte installation von beuys anspielt) zu diskreditieren, möchte ich doch sagen: ich finde das bild grässlich. bei der faz kann man es sehen und das interview mit nicole leidenfrost lesen.

und weil ich das bild scheusslich finde, finde ich diese variationen von ruth herzberg und der beifahrerin um so erfrischender:

pferd mit könig und queen von ruth herzberg
pferd mit könig und queen von katia kelm

[nachtrag 27.06.2015]

siehe auch annika von taube „das eigentlich schlimme am blauen pferd der königin“:

Die eigentliche Ursache für das zweifelsohne peinliche Geschenk [liegt] nicht in der fragwürdigen Qualität des künstlerischen Schaffens von Leidenfrost […]. Sondern im Umstand, dass das Äquivalent einer Kritzelei, die Mutti vom Kind geschenkt bekommt, überhaupt als für ein Staatsgeschenk infrage kommendes Kunstwerk klassifiziert werden konnte. Dass es niemanden zu geben scheint im ganzen Apparat des Bundespräsidialamtes, der etwas von Kunst versteht oder zumindest ahnt, dass man bei mangelnder Eigenkompetenz jemanden zu Rate ziehen sollte, der dies tut. Dass man offensichtlich glaubt, Farbe auf Papier oder Leinwand sei automatisch Kunst.

game of youthism

felix schwenzel, , in wirres.net    

Seit Beginn der TV-Ausstrahlung spielt [die Schauspielerin Lena Headey, 41] die Rolle der Cersei Lannister. Für die Nacktszene wurde jedoch ein Double engagiert, und nun ist auch bekannt, wer den Part bekam: Schauspielerin und Model Rebecca Van Cleave. Mit „Entertainment Weekly“ sprach die 27-Jährige nun zum ersten Mal über die Dreharbeiten.

schon klar, nach all den vergewaltigungen, verbrennungen, verstümmelungen und emaskulationen in den letzten paar staffeln von games of thrones, kann man den zuschauern nicht den nackten körper einer 41-jährigen frau zumuten und zeigt ersatzweise lieber den einer 27jährigen.

bei game of thrones herrscht die gleiche bekloppte logik wie im restlichen hollywood: frauen über 30 gelten offensichtlich in der filmlogik als unfickbar. als potenzielle partner für fifty-somethings kommen frauen über 30 in hollywood-produktionen offenbar nicht in frage. so wurde das jedenfalls kürzlich der 37 jährigen schauspielerin maggie gyllenhaal von einem produzenten erklärt:

I’m 37 and I was told recently I was too old to play the lover of a man who was 55. It was astonishing to me. It made me feel bad, and then it made feel angry, and then it made me laugh.

(bericht im guardian, interview mit gyllenhaal)

für ältere herren kommt auf der leinwand, nach der gängigen hollywood-logik, nur ganz frisches weibliches fleisch in betracht.

woran kann das liegen, wenn jetzt die produzenten von games of thrones eine rolle, die angezogen von einer 41 jährigen frau gespielt wird, nackt von einer 27 jährigen spielen lassen? liess sich keine über-vierzig-jährige finden, die als nacktdouble auftreten wollte? oder wollte man den zuschauern den anblick von gealterter haut ersparen? in einer serie, die sich nicht scheut wirklich alles zu zeigen (kopulation, vergewaltigung, erstechen und erschlagen von schwangeren, häutungen und verbrennungen von unschuldigen, und so weiter und so fort) scheut man sich bei tageslicht eine nackte frau über 40 zu zeigen?

die produzenten, die den schönheits- und jugendwahn unserer zeit in eine mittelalterliche phatasiewelt reinprojiezieren, entlarven sich damit auch als produzenten „melodramatischer pornografie“, wie aaron bady das kürzlich nannte. oder wie ich das ausdrücken würde, als produzenten von abgedroschenem und glattpüriertem glamourscheiss. game of thrones wird von zwei über vierzigjährigen männern produziert, die radikal und authentisch tun, sich aber unübersehbar nicht mal zwei zentimeter vom kleingeistigen glamourzeitgeist lösen können oder wollen, der ältere frauen verachtet und jugendliche frauen vergöttert und verglittert.

eigentümlicherweise legen die produzenten und der autor george r. r. martin ansonsten grossen wert darauf, die „historische wahrheit und menschliche natur“ authentisch und schonungslos zu zeigen. dazu sagt martin laut der new york times:

George R. R. Martin wrote that as an artist, he had an obligation to tell the truth about history and about human nature.
[…]
As for the books, readers say that Mr. Martin’s presentation of rape underscores the harshness of his world, but some question what they say is his overreliance on it and an often lurid tone when writing about sexual matters.
[…]
Mr. Martin said that his philosophy as a writer is to show and not tell, and doing so requires “vivid sensory detail.”

allerdings ging es im nytimes-artikel und den äusserungen von george r. r. martin und seinen lesern um die darstellung von sexueller gewalt. die solle unbedingt authetisch, „unangenehm“, hart, direkt und unverblümt dargestellt werden. wenn es um die darstellung von nackten frauen geht, scheint man von diesen grundsätzen in der produktion von game of thrones auch mal abweichen zu können, um die „wahrheit“, die menschliche natur und die „harshness of his world“ ein bisschen frischer, knackiger und jugendlicher darstellen zu können, als das wohl mit dem körper einer über 40 jährigen möglich ist. was für eine abgefuckte bigotterie.

9 ½ gründe warum ich nochmal die krautreporter unterstütze

felix schwenzel, , in wirres.net    

  • die kritik an den krautreportern ist meist noch dööfer als das was die krautreporter machen (ich schliesse mich selbst nicht aus)
  • theresa bäuerlein
  • friedemann karig
  • weil tilo jung offenbar nur noch einmal im monat auf krautreporter veröffentlicht
  • weil die krautreporter volltext-RSS haben (im gegenteil zum beispiel zu den prenzlauer-berger-nachrichten) — auch wenn der RSS-feed immer noch keine <author>-auszeichnung hat
  • die morgenpost
  • scheitern als chance
  • ich gucke hin und wieder auch gerne mittelgute fernsehserien
  • weil es den krautreportern egal ist, dass sie in selbstproduzierten erklärvideos und selbstinterviews peinlich wirken
  • softwareentwickler (und journalisten) brauchen auch geld

zentrum für politische schönheit und eitelkeit

felix schwenzel, , in wirres.net    

bei metronaut.de ist john f. nebel sehr begeistert von „einem wunderschönen akt des zivilen ungehorsams“. bei der süddeutschen ist hanna beitzer weniger begeistert von der aktion des zentrums schönheit und findet, dass „die mittel dem zweck schaden“. etwas neutraler berichtet der tagesspiegel von der aktion: „50 Demonstranten beim ‚Marsch der Entschlossenen‘ festgenommen“.

ich bin mit meiner meinung mittendrin. ich finde es grundsätzlich gut, wie das zentrum für politische schönheit versucht ein stachel im gewissen der anderen zu sein und seine zeigefinger benutzt um auf die da oben zu zeigen (ups, da ist ausversehen kritik in das lob geflossen). was mich aber doch sehr nervt, ist die eitelkeit, oder wie hannah beitzer das nennt, „selbstverliebtheit“ der aktivisten. anmut ohne demut ist nur halb so schön.

trotzdem: ich bin und bleibe ein fan vom zentrum für politische schönheit. ich kann auch sachen gut finden, die ich manchmal doof finde.

native advertising oder naïve advertising auf spiegel online?

felix schwenzel, , in wirres.net    

auf spiegel-online ist seit ein paar tagen ein eher bescheuertes video auf der startseite angeteasert: „Waghalsiges Manöver: Im Tiefflug durch den Hangar

screenshot startseite spiegel.de 20.06.2015 ca. 20:30h

die relevanz des themas wird mit 20 worten unter dem video an den haaren herbeigezogen:

Zwei Piloten haben in Nordwales einen Weltrekord aufgestellt. Nebeneinander sind sie durch einen Flugzeughangar geflogen. Einen Meter über dem Boden.

auch wenn die behauptung eines weltrekords etwas ist, was sich spiegel-online offenbar ausgedacht hat (siehe unten), reicht es der redaktion anscheinend, wenn irgendwer irgendwas spektakuläres waghalsiges veranstaltet und das gut dokumentiert, um dem dann tagelang platz auf der startseite einzuräumen.

eigentlich wollte ich mich nur ein bisschen darüber aufregen, dass zwei durchgeknallten angebern, die sich und der welt ihre coolness beweisen wollen, überhaupt platz auf spiegel-online eingeräumt wird.

dann wollte ich mich über mich selbst aufregen, dass ich mir so einen aufwändig produzierten müll überhaupt ansehe.

aber dann war ich fasziniert von der professionalität von red bull, die wirklich hart daran arbeiten, ihre extrem anspruchsvoll produzierten werbematerialien in redaktionelle, vermeintlich seriöse medien zu bringen. dafür gibt es neben eigenen redaktionell bearbeiteten berichten, einen sogenannten „red bull content pool“ aus dem sich journalisten interessantes rausangeln können. so gibt es für das bescheuerte flugmänover eine eigene seite auf der man 3 verschiedene videos, 18 bilder und einen vorgefertigten text runterladen kann. die videos liegen in jeweils 4 verschiedenen formaten vor, die bilder („editorial use only“) in 2 auflösungen.

dass spiegel-online geschenkten gäulern offenbar nicht ins maul schaut und profilierungs- und werbeunterlagen für zwei alternde männer und eine eklig riechende brause auf seiner startseite platz einräumt, wundert mich nicht wirklich, aber dass das so distanzlos gemacht wird, ohne weitere „informationen“ oder mindestens einen link für leute die sich für lebensmüde profilneurotiker interessieren, macht mich sehr traurig. ich hatte mir bisher eingebildet, dass bei spiegel-online journalisten arbeiten, die das mit dem journalismus ernst meinen.

* * *

oben hatte ich die red-bull-eigene „berichterstattung“ schon verlinkt, aber weil sich hinter dem link tatsächlich ganz interessante (technische) details verbergen und man gut nachvollziehen kann, mit welchem (technischen und logistischen) aufwand red bull den quatsch dokumentiert hat, weise ich hiermit nochmal gesondert darauf hin: „Watch: Red Bull Barnstorming

* * *

apropos weltrekord von dem spiegel-online hier spricht. auf sämtlichen red-bull-eigenen seiten ist nichts von einem „rekord“ oder gar „weltrekord“ zu lesen, bis auf diese überschrift:

British pilots record world first as they fly in formation through building

mein sprachgefühl deutet darauf hin, dass hier keinesfalls von einem rekord die rede ist, sondern von einem anspruch oder einem vermelden. eine kurze nachfrage auf twitter scheint das zu bestätigen:

* * *

ich habe die überschrift nach diesem tweet von @vierzueinser angepasst.

* * *

[nachtrag 21.06.2015]

sven christian von spiegel online hat sich in den kommentaren unten gemeldet und sich für den hinweis auf den „übersetzungsfehler“ bedankt. die aktion ist jetzt auf spiegel.de kein „weltrekord“ mehr, sondern „eine mutige aktion“. ausserdem:

Die Verwendung von Bildmaterial von Red Bull Media wird bei uns in der Redaktion auch rege und kontrovers diskutiert. Wir entscheiden es immer Fall zu Fall.

auf der spiegel-online-startseite muss man jetzt neuerdings auch ein bisschen blättern, um das red-bull-werbevideo zu sehen.

BBQ und pelikan tramp

felix schwenzel, , in wirres.net    

gestern waren wir mit einer freundin bei pignut in moabit pulled pork, chicken wings und süsskartoffelpommes essen. ich empfehle den laden gerne weiter, das pulled pork war lecker, die süsskartoffelpommes knusprig und heiss und mayo, ketchup und selbstgemachte sossen in ausreichenden mengen vorhanden. die beifahrerin war sehr unzufrieden mit der sitzsituation, weil wir an einem stehtisch mit barhockern sassen. sie meinte so könne sie nicht essen, was sich, sobald das essen auf dem tisch war, als falsch herausstellte. die kinder der freundin beklagten sich entgegen der erwartung der beifahrerin auch nicht über die sitzsituation.

weshalb ich das aufschreibe ist aber weniger die sitzsituation, als das was die kinder mitbrachten. etwas aus meiner jugend, dessen existenz ich schon lange vergessen hatte: pelikan tramp büchlein.

pelikan tramp cover
pelikan tramp innenseite
arzt-witz

die witze waren (natürlich) weniger zum mitlachen, sondern eher prall gefüllt mit abgestandenen stereotypen (schotten, hausfrauen), aber den einen will ich doch nacherzählen abtippen:

Ein Patient kommt zum Arzt und klagt über Leibschmerzen. Der Doktor untersucht ihn und fragt: »In welcher Gegend haben Sie den Schmerz denn zuerst gespürt?« — Nach kurzer Überlegung lautet die Antwort: »Am Bahnhofsplatz, Herr Doktor.«

Weshalb wirres.net keine Zukunft hat. Leider.

felix schwenzel, , in wirres.net    

ich habe diesen text („Weshalb die Krautreporter keine Zukunft haben. Leider.“) von marcus schuler mal entkrautet und ein paar egoisierende anpassungen vorgenommen.

* * *

Jetzt mal ehrlich: So richtig glaubt keiner an den Erfolg von wirres.net. Dazu ist die Idee zu konfus und mischt gute mit mittelmäßigen und manchmal auch langweiligen Texten. Der Ausstieg von Stefan Niggemeier, der mit Abstand der beste Autor auf wirres.net war, dürfte das langsame Ende der Website bedeuten.

Felix Schwenzel hat es nicht verstanden, sich selbst ein Profil zu geben. Dazu waren die Texte zu unterschiedlich und zu beliebig. Er ist schon jetzt gescheitert, auch wenn er es noch nicht wahrhaben will.

Gerade Autoren wie Stefan Niggemeier wollen verwöhnt und gehätschelt werden. Sie wollen – ob sie es zugeben oder nicht – mit Abstand deutlich sichtbar wahrgenommen werden. Wirres.net war und ist für Leute wie Niggemeier nicht das richtige Distributionsmedium, weil ihnen so ein Blog vermutlich keine nennenswert neuen Leser liefert, die sie mit ihrer eigenen Website nicht ohnehin erreichen.

Wirres.net erstrahlte durch Texte von Niggemeier und nicht umgekehrt. Welchen Nutzen bringt wirres.net also für Niggemeier und andere, wenn sie durch ihre Texte der Plattform zu mehr Glanz verhelfen?

Gescheitert ist Felix Schwenzel mit wirres.net, weil er bislang nicht redaktionell gedacht und veröffentlicht hat; und weil es doch die großen Namen wie SZ, FAZ oder SPIEGEL sind, die publizistisch den Takt in dieser Republik vorgeben, weil sie zunehmend auch im Netz, an EINEM Thema arbeiten, einen Pool von Journalisten auf EIN Thema ansetzen. Es gründlich recherchieren, dokumentieren und vielleicht sogar multimedial aufbereiten.

Nach wie vor fehlt wirres.net eine Ausrichtung, ein Hauptthema, mit dem es sich auseinandersetzt. Meinetwegen auch zwei oder drei Themenblöcke, um die alle Geschichten kreisen. Es braucht Recherche-Power, Zusammenarbeit an EINEM Thema, eine ordentliche Redaktion von Texten und vielleicht sogar ein Team im Hintergrund, das die Autoren-Texte überprüft und Zahlen und Fakten konkretisiert.

Ich glaube, nur dann hat dieses Angebot eine Chance, zu überleben. Und vielleicht kann es dann irgendwann auch wieder interessant werden für große Schreiber wie Niggemeier, weil es dann als erstrebenswert¹ gelten könnte, bei wirres.net zu veröffentlichen.

* * *

1) Vergleiche mit den Krautreportern, marcus-schuler.com, medium.com oder politico kann sich jeder selbst zusammenreimen.

(zuerst auf marcus-schuler.com veröffentlicht)

gehören selfies ins blog?

felix schwenzel, , in wirres.net    

daniel peter hat meinen vortrag auf der nebenan bei den netzpiloten zusammengefasst:

Zu Beginn seines Vortrags, räumt Felix Schwenzel gleich ein, dass der gewählte Titel eigentlich totaler Quatsch sei, da er im Rahmen seines Vortrags eigentlich zeigen möchte, warum das Indiweb seiner Meinung nach die Zukunft ist.

besonders hat mir die stelle gefallen, in der er über meine kleine demonstration schreibt, von der ich dachte, dass jeder der sie sieht laut aha rufen würde:

Für Leute die nicht gerade tief in der [Indieweb-] Materie stecken, ist es in dieser kurzen Zeit so gut wie unmöglich, einen Durchblick zu erlangen.

Als Beispiel für die guten Aspekte der Plattformen, macht Schwenzel ein Selfie und postet es auf Instagram. Durch eine Funktion wird der Post anschließend sowohl bei Facebook, als auch auf Twitter geteilt. Allerdings passiert das Ganze so schnell, dass man weder versteht wie es funktioniert, noch worin der Sinn bzw. der Bedarf dahinter liegt. [link von mir hinzugefügt]

gute frage, auch wenn er vergessen hat den entscheidenden punkt zu erwähnen: der selfie landete hier im blog.

ich hol mal aus. als flickr vor vielen, vielen jahren neu war, war das der total heisse scheiss. 2006 hatte ich eine presseakkreditierung für die bambi-verleihung (danach wurde ich witzigerweise nie wieder eingeladen) und habe zwei akku-ladungen lang am roten teppich gestanden und sehr viel mit meinem nokia n70 fotografiert — und die bilder zu flickr geladen. das ging damals per e-mail und fühlte sich damals ultramodern und super benutzerfreundlich an. gebloggt hbe ich auch von der veranstaltung (mehrere „live“-artikel und einen nachgeschobenes fazit, ich verlinke aber nur diesen hier), aber ein grossteil der bilder wanderte ausschliesslich auf flickr. als flickr ein paar jahre später an yahoo verkauft wurde und vor allem wegen dumpfbackiger management-entscheidungen unerträglich, unsexy und unvereinbar mit meinem gewissen wurde, habe ich mein flickr-konto gelöscht.

die bilder konnte man damals zwar mit ein paar tricks und scripten sichern (runterladen), aber der grossteil meiner bilder verschwand damit aus dem netz. irgendwo habe ich die sicherung bestimmt noch als archiv auf einer meiner festplatten und ein paar sind auch noch in meinem blog, nämlich genau die, die ich verbloggt habe. alle anderen sind aber de-fakto weg.

war die kontolöschung bei flickr damals meine eigene entscheidung, gibt es auch einige beispiele von web-diensten die abgeschaltet oder umgewidmet wurden. erinnert sich noch jemand an studiVZ? uboot? geocities? myspace? twitpic? oder gar watchberlin? es ist ein mythos, dass das internet nicht vergisst. so vieles was ich auf anderen seiten als meinem blog gepostet habe, ist verschwunden oder nicht mehr auffindbar.

selbst bei diensten denen es gut geht, von facebook, über instagram oder twitter, sind meine inhalte keineswegs sicher. sollte sich facebook — aus welchen gründen auch immer — entscheiden dass ich gegen deren richtlinien verstossen hätte, könnten sie mich von einem tag auf den anderen sperren oder rausschmeissen. instagram und facebook sind dafür bekannt inhalte die ihnen nicht in den kram passen zu löschen. alle meine mühsam mit metadaten, bildunterschriften oder blöden witzchen versehenen bilder (oder texte) in diesen privatsilos, könnten von einem tag auf den anderen mit alles likes oder benutzerkommentaren verschwunden sein — wenn facebook das wollte. deshalb versuche ich spätestens seit dem flickr-desaster alles was mir wichtig ist auch auf meinem blog zu posten — und erst dann auf twitter, facebook oder sonstwo. das funktioniert natürlich nicht immer.

essensbilder? unwichtig, fand ich noch vor ein paar monaten, und stellte sie ausschliesslich auf facebook ein. wenn ich aber ein bestimmtes rezept suche, werde ich meistens nur dann fündig, wenn ich mir die mühe gemacht habe das rezept zu bloggen. suchen und finden auf facebook oder instagram? ha! twitter hatte jahrelang nur eine völlig verkorkste suchfunktion (die von flickr hingegen war immer schon ganz gut, aber was nützt einem das, wenn man seine bilder gelöscht hat?

und das ist der grund, warum ich von der möglichkeit ein instagrambild mit sämtlichen metadaten, automatisch auf mein blog zu syndizieren begeistert bin. auf instagram mag das bild sein publikum und likes finden, auf meinem blog findet es seine heimat (sorry für den pathos). und wenn das bild erstmal bei mir im blog ist, kann ich machen was ich will damit: es per RSS weiterverteilen, es zu facebook und twitter weitersyndizieren, wenn ich wollte auch zu flickr und wenn google es wollte, auch zu googleplus.

bei twitter tauchen die bilder auch gleich unterm tweet auf, ohne dass der geneigte betrachter sich erst zu instagram durchklicken müsste oder einen spezielle twitter-app nutzen müsste, die das instagram direkt unter dem tweet anzeigt.

das bedeutet für mich kontrolle über meine eigenen daten: nicht dass ich den daten restriktionen anlegen wollte, sondern dass ich mit meinen daten machen kann was ich will — und sie im zweifelsfall auch wiederfinden kann.

dass unter den instragram-bildern, die ich auf mein blog gezogen habe, auch die kommentare, likes oder retweets anderer erscheinen (beispiel) finde ich in diesem zusammenhang auch folgerichtig, auch wenn das genaugenommen gar nicht meine daten sind. aber weil ich diese daten auch kontrolliere, kann ich sie, bei bedarf, auch (selektiv) ausblenden, löschen oder anders präsentieren.

* * *

das schöne ist aber auch, dass ich theoretisch auch stille artikel (oder bilder) veröffentlichen kann, die nur auf meinem blog erscheinen. ben werdmüller hat das kürzlich so formuliert:

One reason to publish on the web is to make a name for yourself, and create an audience for your content or services. But that's not the only reason, or even the best one. I think structured self-reflection is more valuable - with or without feedback.

We've been trained to worry about audience and analytics for our posts. How many people read a piece about X vs a piece about Y? Is it better to post at 2pm on a Thursday or 10pm on a Sunday? Which demographic segments are most interested?

That's fine and dandy if you're a brand, but not all of us need to be brands. Not every piece of content needs to be a performance. If we unduly worry about audience, we run the risk of diluting our work in order to appeal to a perceived segment. Sometimes the audience is you, and that's enough.

nochmal: die kontrolle habe ich. ich kann machen was ich will. und im moment will ich vor allem eins: das blog zuerst, aber auf die reichweite der netzwerke, die möglichkeit menschen ausserhalb meiner filterblase zu erreichen, möchte ich (momentan) nicht verzichten. ausser manchmal.

14 von 66 seen

felix schwenzel, , in wirres.net    

der letzte spaziergang auf unserem 66 seen rundwanderwegvorhaben war eher kurz, dieser war ziemlich lang: um die 25 kilometer. es ging von wandlitzsee zum bahnhof biesenthal, vorbei an ziemlich vielen seen, ich glaube es waren so um die sieben.

streckenübersicht von wandlitzsee nach biesenthal

 

die strecke war wunderbar abwechslungsreich, auch wenn es fast ausschliesslich durch den wald ging. die meisten waldstücke unterwegs schienen unter naturschutz zu stehen, bzw nicht bewirtschaftet zu werden; überall lagen umgestürzte bäume im wald, im wasser, auf den wegen und zum teil auch auf den häusern.

auf häuser gefallene bäume
auf häuser gefallene bäume

auch viele der häuser an denen wir vorbeikamen schienen unter naturschutz zu stehen, bzw. nicht bewirtschaftet zu werden.

ein haus, das unter naturschutz zu stehen scheint
ein haus, das unter naturschutz zu stehen scheint

auch wenn die strecke durchs briesetal wirklich wunderschön ist, fanden wir diesen streckenabschnitt fast noch schöner. der wald wirkte an sehr vielen stellen sehr dramatisch und inszeniert. das licht war sehr gut gesetzt und die arbeiten von pilzen, wind und wetter waren teilweise so beeindruckend, dass sich die beifahrerin ein paar mal dazu hinreissen liess zu sagen: „wer braucht bei sowas noch kunst?“

dramatisches licht im wald
dramatisches licht im wald
balanceakt
balanceakt
wer macht denn sowas?
wer macht denn sowas?
pilze wie elefantenfüsse
pilze wie elefantenfüsse
geteilter baum der weiter lebt
geteilter baum der weiter lebt
noch mehr dramatisches licht
noch mehr dramatisches licht
gefallener baum
bäume mit farbverläufen
bäume mit farbverläufen

spuren vom biber gabs auch diesmal zu sehen, ich finde den fleiss und die akkuratesse von den tieren sehr beeindruckend.

des bibers arbeit
des bibers arbeit

auf diesem streckenabschnitt war die ausschilderung, also die blauen punkte des 66-seen-weges, hervorragend ausgeschildert. zur sicherheit habe ich mir allerdings nochmal eine offline-version des streckenabschnitts in mein trails geladen. damit funktioniert die navigation auch offline ganz hervorragend und wir haben uns kein mal verlaufen. obwohl wir die handys die meiste zeit offline im flugzeugmodus hatten, reichten unsere akkus gerade so die neun stunden die wir unterwegs waren. das nächste gerät das ich mir kaufe wird ein mobiles akku-pack sein, um unterwegs die handys laden zu können.

schilder aufhängen auf eigene gefahr
schilder aufhängen auf eigene gefahr
blanko-schild zum selbst ausfüllen
blanko-schild zum selbst ausfüllen

die sieben seen an denen wir vorbeikamen waren alle extrem malerisch. der liepnitzsee soll zudem noch eines der saubersten gewässer deutschlands brandenburgs sein. auf dem liepnitzsee gibt’s auch ne fähre.

noch mehr gefallene bäume
noch mehr gefallene bäume
einer von 66 seen
einer von 66 seen
noch einer von 66 seen
noch einer von 66 seen

auf der hälfte der strecke haben wir rast bei uli’s fischhaus gemacht. das war OK, aber für die preise zu wenig befriedigend und sättigend. dafür isses aber wunderschön gelegen und elektrolyte haben wir auch zu uns genommen.

steg am obersee (von uli’s fischhaus aus fotografiert)
steg am obersee (von uli’s fischhaus aus fotografiert)

wir haben beide so viele fotos gemacht, dass unsere telefone sich ständig über mangelnden platz beklagten. ich habe jetzt auf dem telefon nur noch apps, die ich in den letzten 6 monaten mal benutzt habe, alles andere ist gelöscht.

gabelpanorama
drama!
drama!
wald
die rosen riechen offenbar
die rosen riechen offenbar

* * *

nächstes mal backen wir dann wieder kleinere brötchen. die 25 kilometer waren zwar nicht allzu unangenehme, aber die letzten 3-4 kilometer haben sich dann doch sehr gezogen. was auch an der bahnhofsstrasse in biesenthal liegen kann, die sich 3 kilometer lang kerzenfrage kerzengrade zieht, bis am dorfausgang der bahnhof kommt. die bahnhofsstrasse ist zwar sehr divers und abwechslungsreich bebaut, von wunderbar sanierten altbauten, denen man eine glänzende vergangenheit ansieht, über grässlich tot-sanierte alte häuser, zu neureichen-klimbim mit elektrischen hoftoren und carport, verfallenen flachbauten und villa kunterbunts.

was sich auch als enorm toll herausstellt: dass wir von bahnhof zu bahnhof wandern ist zwar mitunter eine etwas längere strecke, aber praktisch ohne ende: kein im kreis laufen, keine gedanken wo man parkt. einfach in den zug, raus und wieder in den zug.