eicheln im laubwald verkaufen

felix schwenzel,    

eigenartig. auf der strasse, am kiosk, überall wo der müll ausliegt, kann man die wichtigsten informationen zu den gagen von ein paar c-promis erkennen.

bild titelblatt vom 14.06.2013

auf bild.de soll man für diese müden infos zahlen und ein abo abschliessen. man kann auf dem teaser nicht erkennen dass gina-lisa lohfink 4000 euro für einen auftritt kassieren soll. oder joey heindle 1500 euro für eine autogrammstunde.

bildplus teaser vom 14.06.2013

wenn man das faktoid, was welcher c-promi wohl verdient, ohne bild-plus-abo erfahren will, zeigt sich, dass google zwar der weg (so wie jede andere suchmaschine), aber nicht das eigentliche problem ist. das problem des bild-„journalismus“ ist der „journalismus“ den man selbst, aber auch bei gmx.de (web.de), top.de oder msn.de betreibt. scheisse veredeln, indem man sie überall wo sie rumliegt oder aufgeschrieben wurde aufsammelt, glattstreicht, bebildert und verklickstreckt.

da hilft auch ein leistungsschutzrecht nicht.

jung und naiv suchen

felix schwenzel,    

gestern „Jung & Naiv – Folge 63: Der Bundesregierungsprecher“ angesehen. ich habe gelernt, dass steffen seibert findet, dass die „Twitter-Gemeinde“ einen ganz schön dogmatisch erziehe und dass er auf twitter alles selber mache, ausser links, weil er sich „immer noch keine“ links selbst machen könne.

ich wollte dann noch suchen was es zur sendung sonst so gibt — und duckduckgo hat mich mal wieder überrascht:

suchergebnis der suche nach „jung und naiv“ bei duckduckgo.com

aber bitte mit profis

felix schwenzel,    

nachdem hilmar klute in der süddeutschen jan josef liefers zu verstehen gegeben hat, dass er sich sein politisches engagement bitteschön in seinen amateurhaften arsch stecken solle, pflichtet ihm ein weiterer politikprofi, florian guckelsberger, im european bei:

Denn die Geschichte, die [von Prominenten aus Krisengebieten] erzählt wird, ist oft genug eine Verzerrung der Wirklichkeit und zwar eine, die besonders lange in den Köpfen der Leser hängen bleibt: „Haste gelesen, der Liefers findet es auch schlimm in Syrien?“

einerseits verstehe ich nicht was daran schlimm sein soll, etwas schlimmes schlimm zu finden und andererseits könnte man sich jetzt natürlich fragen, ob florian guckelsberger wirklich glaubt, man könne über ereignisse berichten, ohne die wirklichkeit zu verzerren. das wäre meines wissens eine mittlere sensation, in etwa so sensationell wie fotografien, die die wirklichkeit abbildeten (und nicht nur einen verzerrten, vom fotografen gewählten ausschnitt aus dem sichtbaren lichtspektrum).

aber weder hilmar klute noch florian guckelsberger geht es um erkenntnistheorie oder aufmerksamkeitslenkung, sondern um die jahrhunderte alte frage an den spiegel an der wand: wer sind die klügsten im ganzen land?

klute und guckelsberger plädieren dafür, journalisten als die klügsten anszusehen und den rest des landes als eben nicht so klug. guckelsberger:

Journalisten – insbesondere jene, die in die gefährlichsten Gegenden der Welt reisen – haben meist jahrelange Erfahrung. Sie wissen um die Macht der Bilder, sie sind in der Materie, sie haben ein professionelles Netzwerk aus Quellen aufgebaut, sprechen die Landessprache, beherrschen Dialekte, kennen die Geschichte des Landes und erst dann, ganz am Ende, erzählen sie ihre Version der Wirklichkeit. Wissend, dass allein ihr Dabeisein als Beobachter die Wahrnehmung schon verändert.

auch wenn florian guckelsberger hier natürlich schamlos übertreibt, hat er natürlich auch recht; unsere ansprüche an die professionalität von journalisten können gar nicht hoch genug sein. journalismus sollte immer versuchen alle seiten zu beleuchten und journalisten sollten sich von niemandem aufs glatteis führen lassen. dass das trotzdem immer mal wieder passiert, ist ein ganz anderes thema, mit dem man ein ganzes blog füllen könnte.

was mich aber an klutes und guckelsbergers texten neben den undifferenzierten lobgesängen von purem, echtem und edlem journalismus stört, ist das fehlen genau dieser journalistischen ansprüche. ausser auf jan josef liefers rumzuprügeln, das was er sagt als „Papperlapapp“, „Banalitäten“, „zynisch“, „kindisch“ oder „Einmischung“ abzutun, geben sie sich kaum die mühe das was er konkret sagt zu widerlegen oder die fragen, die sie ihm rhetorisch stellen, selbst zu beantworten: „Also, was muss denn jetzt bitte gemacht werden?“ es ist kompliziert, ja klar, aber deshalb behindert man als amateur doch die „professionellen Berichterstatter“ nicht bei ihrer arbeit, wie florian guckelsberger am ende seiner tirade andeutet:

[Wenn sich Bürger um Obdachlose, ein Kinderhospiz oder erbarmungswürdige Tierhaltung kümmern,] können die professionellen Berichterstatter weiter ungestört ihrer Arbeit nachgehen und versuchen, Stück für Stück die Wurzel des Unglücks freizulegen und Lösungen zu erarbeiten. Und wie bei einem alten Baum handelt es sich immer um ein sehr komplexes Wurzelgeflecht, das dem oberflächlichen Blick entzogen ist.

* * *

mich stört an jan josef liefers reise nach syrien vor allem, dass er sich von der bildzeitung begleiten liess. das zieht das anliegen was er mit seiner reise verfolgt haben könnte (für mich) leider sofort ins sensationsgeile und unglaubwürdige.

was aber trotz alledem auffällt, ist die widersprüchlichkeit mit der wir (alle) politik betrachten. einerseits mit schweren oben/unten wahrnehmungsstörungen (die da oben wissen doch gar nicht was wir hier unten so denken), andererseits mit unerfüllbaren erwartungen: wenn sich jemand mit politik beschäftigt muss das von null auf hundert hochprofessionell und fehlerfrei passieren. ausserdem fordern hinz und kunz, dass sich eigentlich viel mehr menschen politisch engagieren sollten und wenn sie es tun, beklagen sich hinz und kunz darüber dass sie es tun.

wofür ich einen absatz gebraucht habe, fasst katrin hilger auf twitter in 78 zeichen zusammen:

@ @ @ Bürger sollen sich engagieren, tun wir es, sollen wir Spezialisten ran lassen. Geht uns piraten nicht anders

@katrinhilger

Katrin Hilger

* * *

ich glaube ja, dass gegen schlechten journalismus oder auch schlechte oder einseitige berichterstattung von nicht-journalisten nur eins hilft: gute berichterstattung, differenzierte, konkrete kritik und gut gemachte reportagen. dieses bemühen kann man florian guckelsbergers bei einem blick in sein autorenprofil übrigens nicht absprechen. vermutlich kann man hilmar klute die absicht die welt differenziert, wahrheitsgetreu, ohne „Papperlapapp“ und banalität darzustellen auch nicht absprechen. immerhin hat er schon „ein kleines Buch, das von der Metaphysik des Hundes und seiner Besitzer handelt“, geschrieben.

ich bin kein grosser freund von bono und bob geldof und ich finde man sollte den weltrettungs-aktivitäten der beiden einiges an skepsis und vorsicht entgegenbringen. statt ihnen nur profilierungssucht zu unterstellen, könnte man beispielsweise live aid ganz konkret und differenziert betrachten. eigentlich ist die süddeutsche bei sowas ganz gut: „Bob Geldofs besserwisserische Ignoranz“, SZ vom vom 23.10.2010, von alex rühle. oder man kann die kritik, bzw. die differenzierte sicht auch in form eines buches giessen, wie peter gill das getan hat: „Famine and Foreigners, Ethopia since Live Aid

aber wenn zwei journalisten jan josef liefers einfach nur lieblos inkompetenz und profilierungssucht unterstellen, dann ist das keine sternstunde des journalismus, sondern wirkt genau wie das, was sie liefers vorwerfen: wie stümperhafte selbstprofilierung.

* * *

florian guckelsberger wirft in seinem artikel jan josef liefers in einen topf mit george clooney, til schweiger, marilyn monroe, angelina jolie und madonna — ohne viel zu differenzieren, etwas das er selbst ja bei politikberichterstattung vehement fordert. gerade bei george clooneys engagement im sudan lohnt sich aber durchaus eine differenzierte betrachtung. was clooney sagt und wie er sich einsetzt ist ziemlich überzeugend. es gibt kritiker, aber ich habe, nach all dem was ich dazu gelesen habe, das gefühl, dass clooney mindestens so viel durchblick hat wie ein mittelgut gebriefter aussenpolitiker, ein sozialpsychologe oder ein krimiautor. ausserdem lässt sich george cloooney von einem journalisten beraten und begleiten: seinem vater.

andererseits; warum nicht einfach das ganze promigesocks das in krisengebiete reist in einen sack stecken, wenns die botschaft so in den köpfen der leser hängen bleibt: „Haste gelesen, der Guckelsberger findet Promis in Krisengebieten gefährlich?“

* * *

das bild habe ich von carta geliehen. es passt natürlich noch besser, wenn man „blogger“ mit „das internet“, „schauspieler“, „kostenloskultur“ oder „dings“ ersetzen würde.

„Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“

* * *

[nachtrag 16.06.2013]
der aktuelle spiegel hat wohl einen bericht über jan josef liefers reise nach syrien: „Wütende Fragen“. epaper screenshot von @JanJosefLiefers.

Markus Ehrenberg fasst im tagesspiegel zusammen, was jan josef liefers im spiegel gesagt hat: „Ich bin, mit Verlaub, nicht in einer Karrierephase, in der ich ein paar zusätzliche Schlagzeilen nötig hätte.“

* * *

[nachtrag 17.06.2013]
thomas lückerath fasst den spiegel-artikel auf dwdl.de auch zusammen und begibt sich am artikelende weit nach rechts aussen in ein sprachliches minenfeld:

Den Vorwurf, seine Reise sei zynisch, weist Liefers in seinem Beitrag zurück und schwingt offenbar berauscht vom eigenen Gutmenschentum nach seiner Reise die Keule der Moral. Er wünsche sich, dass sich möglichst viele Menschen über den Krieg in Syrien informieren "und dann für sich entscheiden, was zynischer ist: zuzuschauen oder sich fragen, was man tun kann, und sei der Beitrag noch so klein".

immerhin schiebt lückerath nicht hinterher: „das muss man ja auch mal sagen dürfen!“.

to be an arschloch or not to be an arschloch

felix schwenzel,    

robert basic versuchte vor ein paar tagen den eindruck zu erwecken, dass er ein arschloch sei und will auch mal seine „miesen Seiten“ zeigen:

… glaubt Ihr, dass ich immer nur der nette, liebe tolle Schüler war? Klar habe ich Scheidungskinder in der Grundschule in die Mitte unseren “netten” Gruppe gestellt, gehänselt, bis das Gegenüber geflennt hat. Klar habe ich es sogar mal geschafft, dass eine Schülerin nie wieder in unser ach so tolles humanistisches Gymnasium zurückkehrte, weil ich ein Mobbingspacko war. Klar komme ich nicht in den Himmel, was meinen Atomteilchen herzlich egal ist. Klar habe ich gelernt, wie deppert wir Menschen zueinander sein können.
[…]
Doch eines habe ich gelernt: Man wächst, indem man den Mut und die Stärke entdeckt, auch eigene, unangenehme Seiten zu zeigen. Wem das zu wackelig ist, auch vielleicht, weil man doch nur ein beruflicher Schönwetterschlaublogger ist, der sollte die Finger davon lassen. Es gibt auch andere Wege, anstatt in der Öffentlichkeit seinen eigenen Pranger zu bauen.

schwer lesbar (basic: „Wie ich das zu bloggen pflege? Eigentlich easy: Ich rotze es heraus.“), aber sehr lobenswert das robert basic sein inneres arschloch ein bisschen herausstellt und dazu aufruft, nicht immer nur seine guten seiten darzustellen, sondern auch die dunklen.

ich habe in den paar jahren in denen ich ins internet schreibe einiges gelernt. über mich, über andere, über das öffentliche schreiben und darüber, dass es sich immer lohnt harte kritik in der sache zu üben oder streitlustig zu sein, aber noch mehr lohnt auch zu versuchen seine (vermeintlichen) gegner zu verstehen oder für ihre stärken zu schätzen (und sie dann trotzdem zu kritisieren).

das hat alles noch nichts mit „miesen Seiten“ zu tun. denn öffentliche, harte oder gar gemeine kritik muss gar nicht mit boshaftigkeit oder arschloch-sein zu tun haben. im gegenteil. kritik ist mein liebster arschlochfilter. viele leute zeigen unter kritik-druck ihr wahres gesicht, und das kann mitunter sehr freundlich oder sogar souverän sein. einige meiner erfreulichsten freundschaften sind aus phasen einseitiger oder gegenseitiger kritik (oder beschimpfungen) entstanden.

dass stärke und überlegenheit auszuspielen meistens viel mehr über einen selbst aussagt, als über den schwächeren, ist natürlich eine beinahe unerträgliche binsenweisheit. noch binsiger ist der spruch, dass sich wahre stärke erst zeigt, wenn man überlegene angreift. was aber leider nur zu einem kleinen teil stimmt, ist der glaube, schwächen zu zeigen sei ein zeichen von stärke. die eigenen schwächen und fehler oder „miesen Seiten“ zu offenbaren, kann und wird meistens strategisch oder berechnend eingesetzt. mit dieser strategie kann man mitunter pflastersteine in der hand des gegners in daunenkissen wandeln und gleichzeitig sein eigenes image stärken. schwäche zeigen ist oft nichts anderes als angeberei und imagepolitur.

über das eigene versagen zu schreiben kann aber auch eine (selbst) reinigende wirkung haben. so hat mich ein blackout bei einem wortbeitrag auf einer öffentlichen veranstaltung von der hybris, bzw. dem glauben befreit, ich könne unvorbereitet frei und flüssig vorträge halten. ganz besonders reinigend wirkt es, wenn man sich mit einer sache gemein macht und dann über das nicht vorhandene interesse an dieser sache berichtet. reinigend wirkt es auch sich geschlagen zu geben, wenn eine anderer die besseren argumente hat:

ix gebe mich geschlagen. @ hat mich per kommentar niedergerungen. polemik kann er viel subtiler & besser als ix. wirres.net/article/articl…

@diplix

felix schwenzel

(es geht um diesen kommentar von martin oetting.)

was ich sagen möchte ist natürlich, dass auch das aufzeigen der eigenen „miesen Seiten“ oft keinem anderen zweck als der selbstbeweihräucherung dient; schaut her ich bin ein arschloch, aber weil ich dazu stehe bin ich kein besonders schlimmes arschloch. und voll ehrlich.

insgesamt lohnt es sich aber nicht besonders ein arschloch zu sein. ich habe die erfahrung gemacht, dass man mit freundlichkeit und hilfsbereitschaft meistens weiter kommt. das schliesst natürlich nicht aus, anderen leuten, auch freunden, ständig ans bein zu pinkeln — wenn man einen guten grund dazu hat. das schliesst auch nicht aus, andere zu provozieren, zu ärgern und zu nerven. solange man auch beim provozieren freundlich wirkt.

* * *

  • ich hatte viele jahre meines lebens die tendenz zu arschigem verhalten. ich kann mich noch gut erinnern einen neuen insassen im kinderhort mit spiel-magneten durch das gebäude gejagt zu haben, weil ich ihm vorher mit meinem freund klargemacht hatte, dass diese magneten stark vergrössernde wirkung auf seine ohren haben würden.
  • ich habe mal ein wochenende bei freunden verbracht, ohne dass meine eltern wussten, dass ich das wochenende bei freunden verbringen würde. ich habe mit diesen freunden unter anderem grosses vergnügen dabei gehabt, in kaffeetassen zu pinkeln und den inhalt aus dem zweiten stock, mit der absicht passanten zu treffen, aus dem fenster zu kippen.
  • ich habe meine schwester, die ich oft gebabygesittet habe, regelmässig vor dem einschlafen zum weinen gebracht, weil sie dann besser und vor allem schneller einschlief (allerdings war sie auch sehr leicht zum weinen zu bringen).
  • ich habe regelmässig die stofftiere meiner schwester verprügelt (als sie eines tages ihren teddy selbst an die wand kreuzigte, habe ich damit aufgehört).
  • ich habe im zeltlager einen offensichtlich schwächeren mitbewohner mit brille so lange „gustl“ genannt, bis ihn alle gustl riefen und er auf diesen namen reagierte.
  • ich habe während des studiums meine fähigkeit entdeckt in betrunkenem zustand andere betrunkene so hinterhältig zu provozieren, dass sie sich vor publikum lächerlich machten.
  • ich habe mich wiederholt über robert basic schreibstil lustig gemacht, obwohl ich selbst vor allem legasthenisch begabt bin.
  • ich habe wiederholt [irgendeinen namen einsetzen] für sachen die er geschrieben oder gesagt hat kritisiert, obwohl ich weiss dass er sich dann stets mit seiner reaktion öffentlich lächerlich macht.
  • ich trinke nespresso-kaffee aus alu-kapseln und möchte nie mehr in meinem leben darauf verzichten.

* * *

[nachtrag 07.06.2013]

Aha @ und @ erklären ihren moralischen und menschlichen Bankrott. e13.de/2013/06/07/ars…

@Felicea

Mela Eckenfels

man kann vieles in das was ich gestern abend oben geschrieben habe reininterpretieren. so wie kiki in ihrem antworttext. ich war heute früh einigermassen überrascht, dass sich mein text als mobbing-verharmlosung oder als rumprotzerei interpretieren lässt:

Felix nutzt dann leider die Gelegenheit zu seiner eigenen Beichte der anderen Art; er protzt mit all seinen Verfehlungen die er gewillt ist zu teilen und also de facto nicht als soooo schlimm ansieht, darunter auch diverse Mobbingaktivitäten aus der Schulzeit und damit wirklich noch der letzte Trottel mitkriegt, daß das alles nur Spaß und nix zu drüber aufregen ist, zieht er die Liste noch ins Lächerliche indem er Dinge daraufsetzt wie „ich trinke Nespresso-Kaffee aus Alukapseln“.

ich fand meine distanzierung vom arschlochverhalten und handlungsempfehlung eigentlich unmissverständlich:

insgesamt lohnt es sich aber nicht besonders ein arschloch zu sein. ich habe die erfahrung gemacht, dass man mit freundlichkeit und hilfsbereitschaft meistens weiter kommt.

damit, dass meine texte interpretationsoffen sind und kiki (und die meisten ihrer kommentatoren dort) den text und meinen charakter so interpretieren wie sie es tun muss ich wohl leben. aber ich finde kiki (oder mela eckenfels oder thomas gigold oder willsagen) gehen mit ihrer interpretation etwas zu weit. ich schreibe über dinge die ich mit sechs oder zwölf jahren getan habe, also ist klar dass ich noch schlimmere „verfehlungen“ auf dem kerbholz habe? weil ich mich als kind oder jugendlicher auch mal wie ein arschloch verhalten habe, bin ich also auch selbst nie opfer gewesen, nie verletzt oder bedroht worden? wegen fehlender eindeutiger distanzierung von meinem verhalten als sechs oder zwölfjähriger und dem abschliessenden nespresso-gag verharmlose ich mobbing und ziehe die gefühle betroffener ins lächerliche? folglich bin ich jetzt genauso ein „armes würstchen“ und „arschloch“ (kikis worte) wie ich als kind und jugendlicher war? wenn es sich zwischen die zeilen projezieren lässt, muss es also stimmen?

kikis hauptindiz dafür, dass ich mobbing verharmlose und gutheisse ist der nespresso schluss-gag. nach dieser interpretation würde ich es dann auch gutheissen oder harmlos finden passanten auf den kopf zu pinkeln und das minderjährige jugendliche ohne das wissen ihrer eltern ein paar tage verschwinden und sie in sorgensuppe kochen lassen.

ein fehler von mir war sicher zu glauben, dass niemand auf die völlig absurde idee kommen würde zu denken dass ich es als (angeheirateter) vater eines 17 jährigen toll finden würde, wenn der mal ein paar tage ohne ankündigung verschwinden würde. ich habe in der tat nicht antizipiert, dass man auf die idee kommen könnte, dass ich auf köpfe pinkeln oder schwächeren angst einzujagen toll, prahlenswert oder gar empfehlenswert finden würde. ich dachte darauf hinzuweisen dass sich arschlochsein meiner erfahrung nach nicht lohnt, sei ausreichend distanzierung oder einordnung (manchen leuten treibt sogar diese formulierung die zornesröte ins gesicht).

kiki fand in einer diskussion auf facebook, dass es für sie für eine bessere einschätzung meiner armes-würstchen- und arschlochigkeit wichtig gewesen sei zu wissen, dass ich auch mal auf der „der Empfängerseite von Mobbingaktionen“ (kikis worte) gestanden habe (eines dieser erlebnisse hab ich hier mal geschildert). echt? sollte man in jedem artikel immer alles erwähnen? sollte man unter jedem artikel sagen, dass die realität immer ein bisschen komplexer und komplizierter ist, als man sie möglicherweise nach 3 oder 4 absätzen interpretiert?

hätte ich lust darauf texte zu schreiben die jedermann und jedefrau mühelos verstehen und die nicht misszuverstehen sind, würde ich wohl in einer redaktion oder bei spreeblick arbeiten. meine weigerung durchdifferenzierte erklärbären-texte zu schreiben, oder mich beim schreiben von anderen gefühlen, assoziationen oder sensibilitäten als meinen eigenen leiten zu lassen mag dann in der konsequenz dazu führen, dass mich hinz und kunz als arschloch sehen und meine moralischen und menschlichen qualitäten ferndiagnostizieren. das ist unangenehm, aber auch lustig (siehe oben, mela eckenfels oder unten, lars fischer).

wen es interessiert: die farbe einer empörungswelle ist vornehmlich schwarz/weiss und sie riecht teilweise ein bisschen nach selbstgerechtigkeit.

* * *

lars fischer fordert dazu auf, beim schreiben von blogartikeln besser auf die sensibilitäten anderer zu achten:

Was für armselige Wichser! RT: @: Lesen! e13.de/2013/06/07/ars… #Arschloecher

@Fischblog

Lars Fischer

* * *

volker göbbels kommentiert meinen nachtrag vom 7.6.2013:

Jett spielt @ den Unverstandenen in einer Welt infantiler Leser … you just reached Armes Würstchen Level 2.

@VolkerGoebbels

Volker Göbbels

sollte ich noch weitere relevante beiträge zur mobbing-debatte oder aufforderungen zum differenzierteren und sensibleren publizieren übersehen haben, freu ich mich über hinweise.

* * *

[nachtrag 10.06.2013]

robert basic hat, wie ich finde, gestern einen verständlichen und nachvollziehbaren artikel zum thema geschrieben, in dem er sich unter anderem fragt, wie man auf die idee kommen könnte er sei stolz auf den mist den er als kind gebaut hat. ich hatte das heute früh schon kurz mal kommen- und zitiert. patricia cammarata weist in einem wunderbar differenzierten und rationalen artikel darauf hin, dass es manchmal unangenehm ist, teil einer gemeinschaft zu sein. und sie nimmt mich öffentlich in schutz, was mich auf sehr vielen ebenen freut. gegen 14:20 uhr veröffentlichete kiki thaerigen einen artikel auf facebook den sie mit „tl;dnr: Ich bitte um Entschuldigung“ überschrieb. den artikel hat sie nur mit ihren freunden geteilt, weshalb er vielleicht nicht von allen gelesen werden kann. wegen eines technischen defekts hat die den artikel noch nicht verbloggt. auch dieser artikel freut mich auf sehr vielen ebenen.

blackvpn-router

felix schwenzel,    

über blackvpn habe ich vor einer weile mal geschrieben. blackvpn bietet VPN-tunnel in alle möglichen länder an, in die man sich mit seinem rechner mit einer VPN-software einwählen kann. mit einem tunnel in die USA oder die niederlande kann man beispielsweise das blöde youtube-GEMA-geoblocking in deutschland umgehen. auf dem mac klappt das einwählen in VPN-tunnel ganz hervorragend mit tunnelblick.

ich nutze blackvpn seit drei jahren. die ersten drei jahre hatte ich US und UK tunnel kostenlos, weil sich damals so viele über meinen referrer-code angemeldet haben, so dass ich den tunnel jahrelang über diese vermittlung verlängert bekommen habe. mittlerweile ist das referrer-program von blackvpn eingestellt und ich zahle jetzt den tunnelzugang für einen tunnel ins europäische ausland und bald wieder für den in die USA. diese tunnel lassen sich auch hervoragend nutzen, wenn man sich in einem öffentlichen WLAN anmeldet und potenzielle mithörer vermeiden will.

so einfach die einwahl mit einer VPN-software auch sein mag, das problem ist, das man es tun muss und vorher auch noch konfigurieren muss. das geht auf einem laptop oder schreibtischrechner vielleicht noch, auf einem telefon oder ios-gerät wirds schon schwerer. auf einem apple-tv, „smart“-tv oder einer konsole isses ohne jailbreak so gut wie unmöglich.

seit ein paar monaten verkauft blackvpn vorkonfigurierte router von cisco an (in europa werden die cisco-dinger als linksys-geräte verkloppt). theoretisch sollte man so einen cisco-blackvpn-router also zuhause in seinen DSL-router stöpseln können, wo der blackvpn-router anschliessend ein WLAN aufspannt, dass getunnelten internet-zugang für alle WLAN-fähigen geräte bietet.

anders gesagt: mit einem blackvpn-router kann man beliebige geräten vorgauckeln sie seien in den USA, in grossbritanien oder, beispielsweise, den niederlanden ans internet angeschlossen. das funktioniert vor allem auch mit iphones, ipads, konsolen (oder was auch immer) einfach indem man das blackvpn-WLAN auswählt. oder ein netzwerkkabel zur blackvpn-box legt. zum heimischen DSL-anschluss wechselt man einfach indem man das heimische WLAN wieder auswählt oder das kabel umstöpselt.

* * *

anfang des jahres schrieb mich ein mr. green von blackvpn an und fragte mich ob ich so einen VPN-router mal ausprobieren wollte. ich könne die kiste behalten, wenn ich etwas drüber schreiben würde. das interessierte mich in der tat.

versandkarton des blackvpn-routers

versandkarton des blackvpn-routers

mitte märz schickte blackvpn den router dann los. ende märz traf er in deutschland ein, wurde allerdings vom zoll in schöneberg zurückgehalten. anfang april schaffte ich es dann irgendwann nach schöneberg zum zoll. der warenwert des routers wurde von blackvpn mit $30 dollar angegeben, allerdings werden sie auf der webseite inklusive einem jahr tunnelzugang für ab €99 angeboten.

das war dann wohl auch die berechnungsgrundlage für den zoll, der €15 von mir nachverzollt oder -steuert haben wollte. das netzteil des routers war amerikanisch mit einem billigen platik-steckadapter für deutsche steckdoseneinlässe. das netzteil und den adapter wollte der zoll mir nicht aushöndigen, wegen vorschriften, prüfsiegel und so. ob ich einverstanden wäre, dass der zoll das netzteil für mich vernichtet? ich war einverstanden (welche alternative hätte ich auch gehabt) und nach 45 minuten anfahrt, 60 minuten wartezeit und verzollungs-gedöns, 45 minuten rückfahrt hatte ich einen blackvpn-router ohne netzteil in meiner tasche (die netzteile die blackvpn liefert sollen mittlerweile eu-konform sein. der versand findet wohl nach wie vor ohne vorab geklärte zoll-formalitäten statt. das heisst, wer bei blackvpn einen router bestellt, muss den beim zoll abholen und nachverzollen).

zuhause hatte ich, wie in jedem gut sortierten haushalt, natürlich noch ein passendes netzteil für den router in der netzteil- und kabelkiste. der router liess sich dann tatsächlich per plug and play anschliessen: strom aus der steckdose, internet per lankabel aus der fritzbox.

der router war mit einem neuen US-tunnel-account vorkonfiguriert und funktionierte auf anhieb. leider ruckelte die verbindung anfangs etwas. kann sein, dass das an der uhrzeit, WLAN-störungen, dem wetter oder meinem DSL-lag, mittlerweile ist die verbindung in die USA (oder nach england) durchgängig ausreichend schnell. am sonntag nachmittag habe ich durch den US-tunnel 3500kbit/s downloadgeschwindigkeit erreichen können (hier gemessen).

dd-wrt-router-interface

katastrophal empfinde ich als langjähriger fritzbox-benutzer und -advokat das dd-wrt-router-interface. ich empfinde das in seiner optionsvielfalt ohne informatik-studium als nahezu unbedienbar. die voreingestellten WLAN- und router-passworte habe ich allerdings ändern können.

die IP-konfiguration der blackvpn-box würde ich gerne ändern, bin damit aber konzeptionell und fachlich völlig überfordert. meine fritzbox hat ein 192.168.168.xxx IP-netz, die blackvpn-box eines im 10.0.221.xxx IP-netz. das funktioniert im prinzip ganz OK, durch die unterschiedlichen netze werden allerdings keine bonjour-autodiscovery-anfragen versendet. das heisst, wenn ich im blackvpn-WLAN bin, sehe ich meine lokalen server und geräte zuhause nicht. verbinden konnte ich mich anfangs mit ihnen, nach dem letzten firmware-update ging das nur mit geräten die mit IP-netz der blackvpn-box direkt verbunden waren. angeblich soll sich das beheben lassen, indem man ein paar iptables konfiguriert. bei mir hat das aber nicht funktioniert:

iptables -A PREROUTING -t mangle -d $(nvram get wan_ipaddr)/$(nvram get wan_netmask) -j MARK --set-mark 99

für das zusammenspiel von apple-tv und ios-geräten im lokalen und dem blackvpn-router netz birgt das leider ein mittelgrosses problem-potenzial.

ich konnte das aus mangel eines apple-tvs nicht ausprobieren, aber wenn das apple-tv sich über die blackvpn-box ins netz einklinkt können im regulären netz eingewählte iphones oder ipads möglicherweise nicht per airplay auf die apple-tv-kiste zugreifen. was ja doof wäre, bzw. heisst, dass alle geräte mit der blackvpn-box verbunden sein müssen.

möglicherweise kann man die IP-konfiguration der blackvpn-kiste an sein loakles netz anpassen, aber ich fürchte die recherche dafür kostet ein paar tage aufwand. in den blackvpn-FAQs habe ich dazu bisher nichts finden können, auf anfrage sagte man mir, das liesse sich eventuell mit ein paar „static routes“ machen, die man im router konfigurieren müsse. wenn ich mal ein wochenende nichts vorhabe, schau ich mir die möglichkeiten oder die konfiguration des blackvpn-routers vielleicht mal näher an. hier sollte blackvpn aber noch nachbessern, midestens mit einer erweiterung der FAQs.

* * *

seit mitte mai hat blackvpn die router-oberfläche aufgebohrt, bzw. ein eigenes frontend davorgeschaltet. so sieht die erste beta-version davon aus:

blackvpn-router-interface

das ist ungefähr zweitausend mal besser als im dd-wrt-backend rumzuirren und vereint alle wichtigen einstellungen (ausser das mit den IP-netzen) auf einer seite:

  • auswahl des tunnels
  • knopf zum neustarten
  • änderung der benutzerdaten
  • statusanzeige
  • knopf für firmware-, bzw. blackvpn benutzerinterface-aktualisierung

seit dem firmware-update mitte mai funktioniert auch der tunnelaufbau besser. ich hatte das gefühl, dass die alte blackvpn-firmware aus dem tritt geriet, wenn die fritzbox und die internetverbindung kurz verschwand. hin und wieder muss ich die fritzbox ja neustarten. jetzt scheint ein fritzbox-neustart die blackvpn-box nicht mehr grossartig zu stören. die IP-konfiguration kann man leider noch nicht idiotensicher über das angeflanschte neue blackvpn-frontend anpassen.

* * *

herren minirock-uniform in star-trek TNG, gesehen auf hulu.com

herren minirock-uniform in star-trek TNG, gesehen auf hulu.com

dadurch dass man den endpunkt seiner internetverbindung per WLAN auswählen kann, ist die VPN-benutzung zuhause am laptop und allen anderen geräten (bei uns derzeit nur die itelefone) wirklich einfach geworden. die beifahrerin konnte sich letzte woche ohne mein zutun ins VPN einwählen und irgendwelche geo-geblockten youtube filme ansehen. ich habe mir am wochenende die erste folge der ersten staffel star trek tng auf hulu angesehen. lediglich bei der der werbung ruckelte das bild hin und wieder, die sendung selbst lief im vollbildmodus ruckelfrei. erstaunlich ist dabei etwas ganz anderes: wieviele und wie lange werbeunterbrechungen es auf hulu gibt. das kommt in etwa an das werbeaufkommen im amerikanischen kabel-fernsehen ran. und: in der ersten folge von star trek TNG laufen männer in minirock-uniformen auf dem raumschiff rum.

auch der UK-VPN-tunnel funktioniert einwandfrei. sherlock lief über den VPN ruckel- und werbefrei und ohne geo-blockierung, die man aus deutschland sähe.

die nutzung mit einem apple-tv, das ich nicht habe, ist theoretisch auch vielversprechend. wenn man sich ein netflix-account besorgt hat, könnte man damit und einem US-tunnel über den blackvpn-router in deutschland netflix sehen. wenn ich mich recht erinnere geht das auch mit der wii, die ich aber schon seit 2 jahren nicht mehr angeschlossen habe und für dass ich, wollte ich das testen, wahrscheinlich ein konfigurationswochenende opfern müsste. ausserdem ruht mein netflix-account gerade.

* * *

soweit ich das verstehe bekommt man für €99 den router mit einem ein jährigen zugang zu einem US- oder UK-VPN-tunnel. den tunnel, bzw. die zugangsdaten die mit dem router kommen, kann man leider nicht parallel am desktoprechner oder laptop benutzen. ich habe das ausprobiert: wenn die box sich mit den zugangsdaten einwählt die der desktoprechner oder laptop benutzt, wird dessen tunnelverbindung gekappt.

der router mit globalem zugang, zu allen blackvpn-tunnelausgängen, kostet €149. nach einem jahr muss der globale zugang für €99 pro jahr oder knapp €10 pro monat verlängert werden. der zugang zu einem einzelnen endpunkt kann mit monatlich knapp €5 oder jährlich €50 verlängert werden. nicht ganz billig aber ich kann seit drei jahren nichts schlechtes über die zuverlässigkeit der blackvpn-tunneldienste sagen.

werbung ausschalten

felix schwenzel,    

seit heute, gestern oder ein paar tagen, bietet der freitag einen eigenen adblocker. also einen button, mir dem die werbung auf freitag.de deaktiviert werden kann. jakob augstein:

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der blocker ist allerdings gar kein blocker, sondern eher ein ausblender. steuert man eine weitere freitag.de-seite an, wird dort wieder werbung angezeigt und ebenso webtracker von Ad Spirit, Adition, DoubleClick, Google Analytics, INFOnline, Plista und ValueClick Mediaplex nachgeladen.

ich habe einen solche möglichkeit seit 8 jahren auf wirres.net eingebaut. derzeit kann man die werbung mit der taste w ausschalten oder im menü hinter dem  menü-knopf oben rechts. allerdings ist diese abschaltung permanent. das heisst es wird ein cookie gespeichert, der diese sich diese einstellung merkt bis der cookie ausläuft oder die werbung wieder manuell aktiviert wird. ist die werbung deaktiviert, werden auch die ad-codes und entsprechend die tracker nicht geladen.

diese funktion traf, wenn ich mal darauf hinwies, meist auf unverständnis. das sei doch doof, albern oder idiotisch. ich habe nie verstanden, warum man so eine möglichkeit nicht toll finden sollte. jemand der sich entscheidet keine werbung sehen zu wollen, sollte diese möglichkeit auch haben. wenn man sie ihm nicht bietet, findet der oder diejenige auch ohne die möglichkeit die ein webseitenbetreiber bietet einen weg die werbung auszublenden. in den letzten jahren, vor allem über adblocker oder ghostery oder ganz klassisch, per banner-blindheit.

ich habe leider die argumente die gegen einen solchen button sprechen könnten vergessen, deshalb würde ich mich über einen hinweis oder über argumente pro oder contra in den kommenatren freuen. mein hauptargument ist und bleibt: warum sollte ich jemanden der keine werbung sehen will welche aufnötigen? selbst wenn 25% oder mehr der leute adblocker nutzen oder meinen button nutzten, verdiene ich noch ausreichend mit der zeitweilig eingebundenen werbung. /via neunetz.com.

kriegs-direktor soziale medien bei scholz und freunde

felix schwenzel,    

bei mir wirkt die benutzung von englischen buzzwords und firmenbezeichnungen dazu, dass ich englische worte sehe. also lese ich diese bauchbinde auch auf englisch:

nico lumma: kriegs-direktor soziale medien bei scholz und freunde

natürlich ist nico lumma nicht kriegs-direktor soziale medien bei scholz und freunde sondern er war mal direktor bei scholz und freunde.

gefunden hab ich das bei nico lumma und der sagt, dass er in diesem video „kompetente Fragen von Cherno Jobatey“ beantwortet und dass cherno jobatey „übrigens ein total feiner bengel“ sei. na dann guck ich mir das heute abend mal an.

youtube-video

direkt youtube-link

jakob augstein hat das verkaufen verlernt

felix schwenzel,    

jakob augstein meint, dass leser ohne journalisten und verlage verdummen:

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

vor begeisterung für sich selbst und andere menschen die in deutschland mit der staatstragenden rolle der „Herrschaftskontrolle“ betraut sind, übersieht jakob augstein einen wichtigen aspekt: leser zahlen bereitwillig für inhalte wenn das möglich, einfach und nicht völlig überteuert ist.

amazon verkauft 54 schrillionen* ebooks jährlich, apple wahrscheinlich etwas weniger (vermutlich 20 schrillionen*). dafür verkauft apple mehr „Inhalte“ die man nicht nur lesen kann, sondern auch ansehen. marco arment hat gerade sein profitables magazin verkauft, für das anfang des jahres bereits 25tausend leser $1,99 pro monat bezahlten. auch für die inhalte von spielen zahlen die leute wie bekloppt. ich könnte mit 10 minuten recherche mindestens 156* beispiele finden, die belegen wie geil die leute darauf sind, online für inhalte geld zu bezahlen — und es auch tun.

drei euro für einen faz-artikel

nein, das problem sind nicht die leser die ohne die anleitung von journalistischen wegweisern verblöden und verlernen für qualität zu zahlen. das problem sind die verlage die für einzelartikel im online-einzelverkauf meinen mehrere euro abrufen zu können, die selten faire und niedrigschwellige abo-pakete anbieten und oft die gleichen absurden kündigungsfristen und abo-bedingungen anbieten wie bei ihren print-pendants.

das problem sind nicht leser die etwas verlernen, sondern leute wie jakob augstein, die keine attraktiven angebote gebacken bekommen. mich erinnert das ein wenig an die betreiber von elektro-kaufhäusern, die sich darüber beklagen, dass ihre scheiss-werbung nicht mehr funktioniert und die kunden bei der günstigeren und bequemeren konkurrenz kaufen. ich weiss auch nicht warum augstein und andere leute die auf ihren produkten sitzen bleiben so selten das eigene versagen thematisieren und stattdessen glauben, dass die fliehenden kunden erzogen werden müssten. ist das arroganz oder dummheit — oder etwas ganz anderes?

*) ausgedachte zahlen

* * *

christian stöcker auf spiegel online über den hamburger mediendialog:

Optimismus, was die mediale Zukunft angeht, kam in Hamburg übrigens von unerwarteter Seite. Musik-Lobbyist und Urheberrechtsvorkämpfer Dieter Gorny etwa rief den zweifelnden Verlagsmanagern im Saal zu: "Die Leute kaufen!" Bezahlmodelle im Internet könnten also durchaus funktionieren, das habe seine eigene Branche mittlerweile festgestellt. Später sekundierte Joachim Birr vom Bundesverband Audiovisuelle Medien: "Der Kunde ist bereit, für Content zu zahlen."

* * *

stadt-bremerhaven.de: Musik: Illegales Laden schadet der Branche nicht; ich weiss zwar nicht warum man studien durchführen muss die zeigen, dass legale angebote genutzt werden wenn sie vorhanden sind und das sie nicht genutzt werden, wenn sie nicht vorhanden sind — aber solche untersuchungen zeigen immer wieder, dass jakob augstein irrt.

* * *

stefan niggemeier schreibt heute (2. juni) in der FAS über springers digital-strategie und jakob augsteins irrige annahme, dass die zukunft des spriner-verlages und der „bild“-zeitung im netz irgendetwas mit der zukunft des journalismus und der demokratie zu tun habe:

Es ist ein rührend naiver Glaube, dass die „Bild“-Zeitung, weil sie diese Riesenreichweite hat, einen Kulturwechsel auslösen könnte, der die Menschen mit einem Mal sagen lässt: Ja, ach so, Journalismus stimmt, dafür sollten wir auch online zahlen; besser ist das, für uns, den Journalismus, die Demokratie, dann hol ich mir zum „Bild“-Digitalabo jetzt auch das „Freitag“-Digitalabo. Jedes Medium wird eigene Modelle finden müssen, sich in der digitalen Welt zu finanzieren, eigene Argumente und Angebote, wenn es seine Leser überzeugen will, dafür zu zahlen.

online ist davon noch nichts zu sehen, auf papier ist es aber soweit ich weiss an jeder hausecke zu bekommen. seit montag auch online.