prince

felix schwenzel, , in notiert    

albumrückseite „parade“

was peter breuer hier über prince schreibt, insbesondere im ersten absatz, über musik, kann ich sehr gut nachvollziehen:

Popmusik fängt an, wenn das Verlieben beginnt. Das ist Teil der menschlichen DNA. Die Bands oder Musiker, für die man sich in dieser Zeit entscheidet, sind wie die erste unglückliche Liebe, der erste Kuss und der erste Sex – Vergessen unmöglich. Man kann vieles irgendwie mögen, aber dieser Flash, schon nach drei Takten zu wissen, dass diese Geschichte jetzt etwas Ernstes wird, ist ein Moment, der mit den Jahren leider seltener wird. Ob die Musiker, die diese Takte spielen, mit 27 sterben oder mit 57, ist egal, sie werden ohnehin für immer 27 bleiben. Prince starb gestern mit 27 Jahren und über 30 Jahre nach dem ersten Kuss.

können wir uns wahrscheinlich im ersten absatz alle als musikopfer rezipienten von musik identifizieren, werden die folgenden vier absätze, die er schreibt, prince selbst und seinem wirken sehr gerecht.

aber es ist natürlich alles noch viel komplizierter. denn wirklich gute musiker sterben im laufe ihres lebens mehrfach, weniger gute seltener. prince war, als ich (zum beispiel) parade zu lieben begann, schon lange weitergezogen, zu neuen ufern. so eine musikalische phase fühlt sich aus der perspektive des musiker wahrscheinlich an, wie eine häutung. der häutungsprozess ist langwierig und anstrengend, aber am ende bleibt totes gewebe.

dieses tote gewebe ist, was wir als fans bewundern. dank moderner technik ist es millionenfach reproduzierbar, oft ist es wunderschön, edel und im besten fall können wir es jahrzehntelang nutzen, um schöne gefühle in uns hervorzurufen. der musiker, der es produziert hat, ist längst gewachsen (oder geschrumpft) und mit der nächsten häutung beschäftigt.

mit der abgelegten haut beschäftigen wir uns teilweise sehr intensiv, kennen jede einzelne schuppe und verwechseln sie oft mit dem- oder derjenigen, die sie vor vielen jahren abgelegt hat. manche musiker beherrschen das häuten sehr gut, und produzieren ständig neue häute, die uns immer wieder erneut begeistern können. andere beherrschen das weniger gut und versuchen jahrelang in ihre alten häute zurückzukriechen oder sind enttäuscht, dass ihre neu abgelegten häute niemanden mehr zu begeistern vermögen.

musik ist ein spiel mit dem leben und dem tod — oder weniger dramatisch, ein hit, ein volltreffer, kann hauptgewinn und höchststrafe zugleich sein. wenn man sich von aufmerksamkeit oder applaus ernährt, fühlt sich ausbleibende aufmerksamkeit, oder aufmerksamkeit für längst vergangenes und abgelegtes, mutmasslich wie ein dolchstoss an.

oder nochmal anders: der prince, von dem ich fan bin, war schon tot, als prince noch lebte. mit seinem neueren werk, konnte ich nichts anfangen, auch wenn ich es mehrfach probiert habe. ausserhalb meiner subjektiven wahrnehmungsblase, war prince aber (natürlich) alles andere als tot, sondern quicklebendig und aktiv. und dass es, um das zu bemerken, des echten, endgültigem, grausam unerbitterlichen todes bedurfte, macht mich jetzt doppelt traurig und erinnert mich daran, wie wichtig es ist, zuneigung, freundschaft, liebe und beziehungen vor dem tod zu leben; wie wichtig es wäre, hin und wieder an die vielen menschen in meinem leben zu denken, die ich vergessen oder aus den augen verloren habe. es sollte eigentlich nicht der tod sein, der uns an unsere lieben, die lebenden oder unsere leidenschaften erinnert. aber, das muss man dem tod lassen, er funktioniert da in seiner unerbitterlichkeit, ziemlich gut.

Schöner Schaum

felix schwenzel, , in artikel    

grosser saal der kalkscheune 2007

Nach der ersten Republica im Jahr 2007, prophezeihte Martin Schöb in der FAZ der Republica (und Blogs allgemein) eine düstere Zukunft: sie würden konsequent „unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle“ all jener bleiben, die „ihr Leben nicht im Netz verbringen“. Ausserdem würden „meinungsführende Blogs“ ohne die „Bezugsgröße Print“ zusammenfallen, wie ein „Heißluftballon ohne Flamme“.

Neun Jahre später zeigt sich, dass Schöb gleichzeitig recht hatte und fürchterlich daneben lag. Tatsächlich sind viele der „meinungsführenden Blogs“, um die sich die Republica 2007 kristallisierte, in sich zusammengefallen, aber ebenso bröckelt die „Bezugsgröße Print“. Was aber überhaupt nicht bröckelt oder unter Aufmerksamkeitsdefiziten leidet, ist die Republica, sie ist selber zu einer Bezugsgröße geworden und brennt auf höchster Flamme. Waren es 2007 noch 600 bis 700 Teilnehmende, kamen 2015 bereits 7000 Internetnutzer, zehn Prozent davon übrigens als akkreditierte Journalisten und Journalistinnen. Dieses Jahr werden nochmal rund 1000 Menschen mehr erwartet.

Die Republica war von Anfang an eine Gesellschaftskonferenz, auch wenn sie zunächst als nerdige Bloggerversammlung wahrgenommen wurde. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Menschen, die mit dem digitalen Wandel in Berührung kamen, und sprachen aus unterschiedlichsten Perspektiven darüber, wie das Netz Ihr Leben beeinflusst. So spricht der Mathematiker und Wirtschaftsphilosoph Gunter Dueck dieses Jahr schon zum vierten mal darüber, wie der digitale Wandel die Arbeitswelt umkrempelt. 2012 sprach der Regierungssprecher Steffen Seibert darüber, wie das Netz die Regierungsarbeit beeinflusst, der ausgebildete Telefonseelsorger und Aktivist Raúl Krauthausen erzählte im gleichen Jahr, wie er das Netz nutzt, um für gleichbrechtigte Teilhabe zu kämpfen und die Bloggerin und Autorin Anne Wizorek beschrieb im Jahr darauf, wie das Netz und Hashtags den Feminismus verändern.

Über das Leben im Netz, die Arbeitswelt, den digitalen und gesellschaftlichen Wandel, Teilhabe und Gerechitgkeit zu reden, galt vor neun Jahren noch als skandalös selbstreferenziell. Natürlich sind die Themen der Republica nach wie vor selbstreferenziell, aber mittlerweile ist das Themenspektrum der Republica so stark aufgefächert, dass selbst Journalisten, Politiker oder Unternehmer Themen finden, die sie verstehen oder die sie interessieren. Sobald man sich für ein Thema interessiert oder davon betroffen ist, stört Selbstreferenzialität bekanntlich nicht mehr.

Dass der Vorwurf der Selbstreferenzialität mittlerweile überwunden ist, nimmt die Republica in diesem Jahr zum Anlass, sie zum offiziellen Motto zu machen. Auf ihrer Website kündigt die Republica gemeinsames „Zurückblicken und Reflektieren“ an und will allen Gästen „dankend den Spiegel“ reichen: „Du bist die re:publica. TEN ist NET.

Bei oberflächlicher Betrachtung erschliesst es sich vielleicht nicht direkt, aber die Welt — und das Netz ganz besonders — besteht aus Menschen, die sich in vielen verschiedenen (Filter-) Blasen zusammenballen. Normalerweise ist der Austausch zwischen diesen Blasen eingeschränkt, aber einmal im Jahr, wenn Repräsentanten unzähliger Blasen sich in Berlin treffen, bilden sie einen wunderbaren Schaumteppich, der die Republica erst interessant macht.

Dieser Republica-Schaum ist wie das Netz: da ist alles drin, Interessantes, weniger Interessantes, Relevantes und Irrelevantes, Angenehmes und Abstossendes. Der Witz ist, dass man sich das Richtige rauspickt oder besser: einfach reinspringt. Oder noch besser: einfach auf den Hof stellen, Bier trinken und abwarten was passiert. Funktioniert immer. Auf der Republica, im Netz und im Rest der Welt.

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der artikel erscheint parallel (gekürzt und redigiert) in der aktuellen-ausgabe (09/16) der tip berlin, die dafür auch ein honorar gezahlt hat — deshalb enthält der artikel grossbuchstaben. den (schönen) titel hat sich der tip-redakteur erik heier ausgedacht.
wie alle meine artikel, steht auch dieser artikel unter einer cc-lizenz (CC BY-SA 3.0) und kann damit auch von anderen verwendet werden.

mein programm für die #rpTEN

felix schwenzel, , in notiert    

ich habe mir aus dem offiziellen programm die veranstaltungen herausgepickt, die ich unbedingt ansehen möchte. die veranstaltungen habe ich in einem google-kalender (html-, ics-version) gelegt.

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HEATHER ARMSTRONG

The Courage of Compassion: Transforming Your Experience With Criticism

dooce lese ich zwar nicht allzu viel, aber es gehört schon seit vielen jahren zu meinen lieblingsblogs. egal über was sie redet, ich will das sehen.

SARAH WILLIAMS

Keynote Sarah Williams

auch egal über was sie redet, architektinnen und städteplanerinnen höre ich fast immer sehr, sehr gerne zu. andererseits, eine zeile text zur keynote, wäre nicht schlecht gewesen. aber wenn die keynote-ankündigung keine beschreibung enthält, ist das ein zeichen, dass das rpTEN organisationsteam diese speakerin unbedingt haben wollte und so vielversprechend findet, dass sie sich an keine regeln halten muss.

MORITZ METZ

Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten

moritz metz kann ich stundenlang zuhören, ausser im radio, wo er arbeitet (weil ich kein radio höre). aber wenn er auf der republica spricht, möchte ich ihn hören, zumal er sehr schöne vorträge hält und zeigt.

SASCHA LOBO

The Age of Trotzdem

er hat ein jahr pause gemacht und ich bin sicher, diesmal werden wir kein zeuge technischer pannen, sondern zeugen steiler thesen und guter unterhaltung.

JULIA REDA

Ending geoblocking: This content really ought to be available in your country

langweiliges thema, aber das ist die spezialität von julia reda, langweilige themen verständlich, spannend und nachvollziehbar aufzuarbeiten. so macht sie das jedenfalls in ihrem blog. julia reda ist piratin und ein guter grund, zur europaparlamentswahl nochmal zu erwägen piraten zu wählen, wenn sie bis dahin nicht die partei gewechselt hat.

JOERG HEIDRICH

Was tun gegen den Hass im Netz?
joerg heidrich ist justiziar des heise-verlags und sein vortrag wird möglicherweise sehr formal-juristisch, aber wenn das zu schlimm wird, kann ich ja immer noch rausgehen und mich auf den hof stellen.

GUNTER DUECK

Cargo-Kulte

weder mit dem titel noch der kurzthese kann ich etwas anfangen, aber auch wenn gunter dueck jedes jahr über das gleiche redet (die dummheit der menschen), kann es passieren, dass ich hin und wieder doch interessiert zuhöre. auch wenn das in den letzten zwei jahren nicht passiert ist.

THORSTEN SCHRÖDER, FRANK RIEGER

Ad-Wars – Ausflug in die Realität der Online-Werbung

das thema ist eigentlich durch, aber dieser satz in der kurzthese vermag meine neugier dann doch (ganz milde) zu wecken: „Wir berichten aus der Perspektive des technisch sensibilisierten Klickviehs und haben vielleicht den Ansatz einer verbraucherfreundlichen Alternative im Gepäck.“

FRIEDEMANN KARIG

Die pubertäre Gesellschaft und das Netz

mit der themanwahl zeigt friedemann karig wieder einmal, dass er das gras wachsen hört und behandelt den megatrend, der in den letzten neun jahren durch die republica gejagt wurde: wie verändert das netz die gesellschaft? aber weil friedemann karig ein begnadeter vortrags-vorbereiter ist, wird das nicht nur unterhaltsam, sondern auch erkenntnisreich.

PATRICIA CAMMARATA, NICOLAS SEMAK, PHILIP BANSE

Netz-Publizisten im Gesprach

wenn philip banse zum gespräch lädt, passieren oft magische dinge: man findet plötzlich leute, die man vorher nicht oder kaum kannte, ganz toll und interessant. philip banse kann sehr gut fragen stellen und auf den republica-bühnen ganz besonders.

LAURIE PENNY

Change The Story, Change The World

ein thema, das friedemann karig bereits vor zwei jahren behandelt hat, das aber so zentral und wichtig ist, dass man dazu gut und gerne 200 vorträge halten oder sehen kann: wie verändern narrative die welt?

RUTH DANIEL

Art: What is it good for?

vorträge über kunst können ganz schlimm in die hose gehen oder super-spannend sein. ich guck mir diesen vortrag an, um danach sagen zu können, ob dieser vortrag in die hose ging oder super-spannend war.

SASCHA STOLTENOW, MIRIAM SEYFFARTH, THOMAS WIEGOLD

Terror Ernst nehmen, Terroristen auslachen

super thema, guter vortragstitel, tolle vortragende, die mehrfach gezeigt haben, dass sie ihr handwerk und thema beherrschen. kann ich mir leider nicht ansehen, weil ich mir journelle ansehen werde, die im gleichen zeitraum spricht.

JOURNELLE

Das Internet hat mich dick gemacht

ich empfehle (und sehe) diesen vortrag nicht nur aus nepotismus: ich bin der festen überzeugung, dieser vortrag wird sehr unterhaltsam und augenöffnend. aus der vortragsbeschreibung:

Oft fragte ich mich, woher die gesellschaftliche Obsession mit Diäten, Fitness und Gesundheit kommt. Und ob uns ein schlankerer Körper, eine Entgiftung mit grünen Säften und ein Runtastic-Lauf wirklich zufriedener macht.

Aber um mich herum wurde diätet, gesportelt und selbstoptimiert. Meine Zweifel mussten falsch sein, es können sich ja nicht alle irren.

Dann stieß ich im Internet auf Menschen, die wie ich hinterfragten, warum eine sehr eng definiere Körpermasse als erstrebenswert und ideal festgelegt wurde. Und die versuchen - häufig begleitet von wüsten Beschimpfungen -, die Mythen um unseren absurden Körper- und Gesundheitskult zu entlarven.

KATHRIN PASSIG

Clash of Cultures – Bewegungen und formale Organisationen

kathrin passig schaue ich mir auch an, wenn sie mit mehreren auf der bühne steht und wenn das vortragsthema sich staubtrocken anhört.

RANDALL MUNROE

Thing Explainer: Complicated Stuff in Simple Words

ich fürchte, der vortrag wird ein bisschen zur werbeveranstaltung zu randall munroes neuerem buch. aber das macht nichts, weil randall munroe ist grandios, auf sehr vielen ebenen. und ich vermute, der saal wird noch einen ticken voller als bei sascha lobo werden.

THOMAS FISCHER

Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation

gelegentlich lese ich die kolumne von thomas fischer in der zeit und gelegentlich gefällt sie mir auch. ich bin sicher, der vortrag wird nicht langweilig.

ALINA FICHTER, MORGAN WANDELL

In Creative Control: A Conversation with Morgan Wandell

letztes jahr hat alina fichter reed hastings von netflix auf der bühne 1 interviewt. dieses jahr kommt amazons „Head of Drama Development“ morgan wandell dran. dürfte interessant werden und will ich auf keinen fall verpassen. ich hoffe an der bühne 5 wirds im zuschauerraum nicht zu eng. ich fürchte aber doch.

BERNHARD PÖRKSEN

Viral! Die Macht des Storytelling

ich mag den professoralen ton von pörksen nicht, aber was er sagt ist manchmal nicht dumm, im gegenteil. deshalb werde ich mir das dieses jahr wieder antun.

FRIEDRICH LIECHTENSTEIN

Film and TV Made in Germany – Meet the Teams

ich mag friedrich liechtenstein sehr — und deutsche filme und deutsches fernsehen weniger. aber anschauen kann man sich das ja mal, auch wenn mattias schweighöfer (und andere) mit auf der bühne sitzen.

irgendwann am ende der republica gibt’s auch ein liechtenstein-konzert. mal schauen, ob ich so lange ausharren werde.

JOHANNES KORTEN

Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es gemeinsam dazu machen

die schlussthese meines #rp11 vortrags lautete: zukunft ist was wir aus der gegenwart machen. das gilt nicht nur für die zukunft, sondern auch für das wohlbefinden aller.

MICHAEL SEEMANN

Netzinnenpolitik – Grundzüge einer Politik der Plattformgesellschaft

michael seemann ist einer der besten netz-theoretiker die ich kenne. ich kenne allerdings nicht viele netztheoretiker. ich möchte diesen vortrag nicht verpassen, aber sollte ich es tun, werde ich ihn als videoaufzeichnung oder in der verschriftlichten version ansehen.

peaky blinders s01e03 bis e06 (staffel-fazit)

felix schwenzel, , in gesehen    

gleich in der ersten folge hatte ich das gefühl, dass peaky blinders sehr nach sons of anarchy schmeckt. tatsächlich ist das grundmotiv von peaky blinders dem von sons of anarchy ziemlich ähnlich. beide erzählen die geschichte einer brutalen verbrecherbande aus der pespektive der gang. das gibt der erzählung die chance, die charaktere der gang-mitglieder schön auszudifferenzieren. dazu kommt in beiden serien die perspektive eines ermittlers, der versucht die verbrecher zu fall zu bringen.

das läuft dann zwangsläufig auf ein dauerpimmelfechten kräftemessen zwischen den anführern der verbrecher und den ermittlern heraus. das kräftemessen spielt sich nach einem einfachen schema-f ab: nach ein, zwei offenen, teilweise brutalen konfrontationen, fangen die gegenspieler an deals zu machen und sich gegenseitig auszumanövrieren. im laufe dieses prozesses korrumpiert sich der ermittler langsam aber stetig und alle gegenspieler reiten sich, trotz gelegentlicher taktischer erfolge, mehr und mehr in die scheisse.

youtube-video
youtube

bei sons of anarchy fand ich das ein paar staffeln lang äusserst spannend, zumal die ermittler von staffel zu staffel wechselten und teilweise grandios besetzt waren. nach einer weile wurde das wiederkehrende muster dann aber langweilig, auch wenn das motiv immer leicht variert wurde. von peaky blinders hab ich jetzt die erste staffel gesehen und bin überhaupt nicht gelangweilt, im gegenteil. einerseits gefallen mir die charaktere hier sehr viel besser. die hauptfigur, der peaky-blinders-anführer thomas shelby, gespielt von cillian murphy, hat gegenüber dem etwas stumpfen SAMCRO-anführer jax teller (enorm dumpf gespielt von charlie hunnam) ein paar entscheidende vorteile: er ist klug, (meistens) kontrolliert und fähig ordentlich zu kommunizieren. das sekundär-motiv von sons of anarchy ist meiner meinung nämlich die unfähigkeit der führungsriege, entscheidende informationen auszutauschen. nicht wenige der katastrophalen ereignisse in sons of anarchy, lassen sich genau darauf zurückführen. bei sons of anarchy war das natürlich weniger ein motiv, als ein dramaturgisches mittel, um die story überhaupt in gang zu halten. peaky blinders bekommt die dramaturgie aber auch ohne diese stütze gut hin. überhaupt, ist sowohl die relativ verschachtelte geschichte, als auch die motivation von thomas shelby, viel nachvollziehbarer.

ich bin ja ein grosser fan von nachvollziehbarkeit. wenn hauptfiguren aus dramaturgischen gründen, schlecht begründete, bescheuerte entscheidungen treffen, sitze ich vor dem bildschirm und schlage mir die stirn wund. nicht so bei peaky blinders. selbst die amourösen elemente der serie bleiben nachvollziehbar, auch wenn sie, wie immer, furchbar kompliziert angelegt sind.

ich kann über diese erste staffel wenig schlechtes sagen. neben dem guten, aber irritierenden, eher inadäquaten soundtrack, haben mich eigentlich nur die etwas eindimensional bespielten kulissen gestört. sowohl die nebelmaschinen, als auch die funkensprüher wurden viel zu dick aufgetragen. ausserdem war einer der hauptspielorte, die stammkneipe der peaky blinders (the garrison) total überbeleuchtet. eher erfreulich fand ich, dass das gewummere der stahlpressen im hintergrund nie aufhörte, auch bei bettszenen lief das gewummere einfach subtil weiter im hintergrund. schauspielerisch kann ich nichts aussetzen, auch nicht am schauspiel von annabelle wallis, die die zweischneidige grace burgess spielt — ausser, dass sie, wie der soundtrack, hoffnungslos aus der zeit gefallen zu sein scheint. sie wirkte auf mich in jeder szene wie eine zeitreisende aus den 90er jahren. nichts an ihr fühlte sich nach den 1920er jahren an, in denen die serie eigentlich spielt.

* * *

die erste staffel hat auf rotten tomatoes sehr gute wertungen, die zweite noch bessere. hier meine anmerkungen zur ersten und zur zweiten folge. sehen kann man die erste staffel auf netflix, die zweite leider (noch?) nicht. ich habe die letzten vier folgen beinahe am stück gesehen, was im prinzip ein gutes zeichen sein sollte. kann aber auch daran liegen, dass ich am wochenende ne sturmfreie bude hatte. weil ich so wenig an der serie auszusetzen habe, gebe ich nach ganz leichtem zögern auch die volle punktzahl.

sofortartikel

felix schwenzel, , in artikel    

ich mag die facebook instant articles. jedes mal wenn ich in der facebook-app auf einen klicke, freue ich mich, dass die app nicht erst rödelt, sondern sich der artikel in all seiner pracht ins sichtfeld animiert. vor allem aber fühlen sie sich wirklich gut an; die haptik der instant articles ist überragend, wie bilder laden und sich vergrössern lassen, wie reaktionsschnell scrollen, zoomen oder das zurückwischen sich anfühlen, wie sich vergrösserte bilder oder videos wieder schliessen lassen — aus benutzersicht fühlt sich das grandios an.

jetzt sind die instant articles (endlich) für alle verfügbar, theoretisch zumindest. nachdem man die eigene site mit einem weiteren codeschnipsel beansprucht („claimed“) und freigeschaltet hat, füttert man facebook einen leicht modifizierten RSS-feed (RSS-link) und facebook lädt die artikel. man kann die artikel debuggen, testen und wenn man 50 artikel fehlerfrei hat, zur freigabe an facebook schicken.

„Your review is currently pending“
„Your review is currently pending“

die freigabe soll innerhalb von 24 bis 48 stunden erfolgen. meine 48 stunden sind zwar erst heute abend vorbei, aber den freigabeprozess konnte ich in meiner zugriffsstatistik beobachten. er erfolgte wenige stunden nach meinem antrag, irgendwer aus amerika, griff per iphone auf ca. 30 meiner vorbereiteten instant articles zu. seitdem gab es keine zugriffe mehr. ich interpretiere das so:

facebook wartet mit der freigabe der instant articles für alle noch ein paar tage, um dann, mit einem schwung, alle neuen instant-article-anbieter freizuschalten. warum sonst, sollte ich fast 30 stunden nach erfolgter prüfung weder eine freigabe noch eine bitte um anpassung bekommen haben?

ich habe auch noch keine neuen instant-article-anbieter auf facebook gesehen. bis jetzt kommen die instant articles in meinen timelines nach wie vor ausschliesslich von grossen medienhäusern.

was ich aber eigentlich sagen wollte: die instant articles fühlen sich wirklich gut an, haptisch, optisch und technisch. ich würde bald gerne mehr davon auf facebook sehen — und vor allem meine eigenen. und das wichtigste:

RSS lebt!

hitze in der küche

felix schwenzel, , in artikel    

jan böhmermann bei der arbeit (symbolbild)

stefan niggemeier fragt:

Ernst gemeinte Frage: Warum gibt es eigentlich keine große Solidaritätsaktion für Jan Böhmermann?

das ganze spektrum möglicher antworten findet sich auch in den antwortsträngen unter stefan niggemeiers tweet, von „hat er sich doch selber eingebrockt“, „der ist doch [doof | rassistisch | zu weit gegangen]“ über „das ist doch keine satire“ ist da glaube ich alles dabei.

mir fallen ein paar weitere antworten ein. eine ist, dass niemand wirklich glaubt, dass böhmermann ernste konsequenzen drohen. oder umgekehrt, jeder ahnt, dass eine staatsanwaltschaft, die jan böhmermann wegen seines gedichts vor gericht zerren würde, sich so lächerlich machen würde, dass sie nicht nur von solidaritätswellen, sondern vor allem von witzwellen hinweggefegt würde.

eine andere antwort lautet: metaebenen. jan böhmermann ist meister der metaebenen. und natürlich auch der formvollendeten ironie. ich finde böhmermann gar nicht mal so witzig (manchmal schon), aber ich bewundere seine fähigkeit metaebenen aufzutürmen, sie wieder einzureissen und dann auf ihnen zu tanzen und sich über die verwirrung, die er stiftet, zu freuen.

ein gelungenes beispiel des auftürmens von metaebenen ist dieses video, das, um verwirrung zu stiften, „Talk mit Anne Will“ heisst:

youtube-video
youtube

wer metaebenen säät, erntet metaebenen. oder weniger kryptisch: ich glaube, dass die solidarität mit böhmermann durchaus vorhanden ist, aber sie äussert sich genauso meta-chiffriert, wie sich böhmermann in der regel öffentlich äussert; indirekt und ironisiert.

tim wolff, der chefredakteur der titanic macht das (natürlich) genau so, er fordert: „steckt böhmermann ins gefängnis“. das meint er natürlich ganz anders, was man leicht erkennt, wenn man es schafft an der flashwand von spiegel.tv vorbeizukommen.

der letzte punkt, der es sicherlich vielen erschwert, böhmermann ohne ironische distanz solidarität zukommen zu lassen, ist, dass mittlerweile jeder, egal was böhmermann macht, irgendwann erwartet, dass böhmermann am ende ruft: „ha, verarscht!“

ich glaube nicht, dass böhmermann die reaktionen vorausgesehen hat oder in der erdoğan-sache weiter auf metaebenen wandelt, aber es fällt halt schwer, jemanden der sich als spitzenkoch positioniert und sich ständig in seiner küche filmen lässt, dafür zu bedauern, dass es in der küche heiss ist.  

sitzenbleiben und überspringen

felix schwenzel, , in artikel    

ich bin im gymnasium dreimal sitzengeblieben. genauer: auf meinem versetzungszeugnis stand dreimal, dass ich nicht versetzt werden könnte. zweimal habe ich es nach den sommerferien geschafft, in einer nachprüfung nachzuweisen, dass ich den stoff des letzten schuljahres in französisch doch drauf habe. beim dritten mal hatte ich im versetzungszeugnis auch ein paar sechsen stehen und durfte keine nachprüfung mehr machen.

offenbar fiel es mir leichter, den stoff in ein paar wochen zu lernen, als in etappen über das schuljahr verteilt. ich hatte jahrelang grosse schwierigkeiten meine interessen und die anforderungen, die die schule an mich stellte, in einklang zu bringen. liefen die ersten vier schuljahre noch relativ harmonisch, knirschte es die folgenden jahre meiner schullaufbahn immer wieder. während ich an meinen sozialen kompetenzen arbeitete, und versuchte meine komplexe und unsicherheiten in den griff zu bekommen, hatte ich wenig lust mich mit zeichensetzung, rechtschreibung, grammatik oder geometrie auseinanderzusetzen. später, als ich meine sozialen kompetenzen auf ein funktionierendes niveau gebracht hatte, entwickelten sich meine interessen auch nicht unbedingt im sinne des lehrplans. mich interessierte commodore basic, spiele oder die wirkung von alkohol sehr viel mehr, als die chemischen verbindungen hinter dem alkohol oder fremdsprachen.

einer der gründe dafür, dass es mir gelang den für die nachprüfung nötigen schulstoff in wenigen wochen aufzunehmen, war ein nachhilfelehrer. dem nachhilfelehrer gelang, was der schule vorher nicht gelang: mein interesse zu wecken und mir werkzeuge an die hand zu geben, mit denen ich effektiv und mit freude lernen konnte. mit dem nachilfelehrer erschien mir das verhasste franzsösisch plötzlich faszinierend und spannend. wie er das genau geschafft hat, weiss ich auch nicht mehr. ich erinnere mich noch daran, dass er meine aussprache und lesefähigkeiten in französisch enorm verbesserte, als er mich dazu brachte, texte auf band zu sprechen. auch französische vokabeln und grammatik lernte ich dank ihm, in nie dagewesener geschwindigkeit und effizienz. überhaupt, die geschwindigkeit. für die erste nachprüfung hatte ich insgesamt nur eine woche vorbereitungszeit. den anfang der sommerferien hatte ich damit verdaddelt, dass ich lustlos in den lehrbüchern blätterte und mir die vokabeln anguckte. andertalb wochen vor ferienende erfuhr ein bekannter meiner eltern von meiner lernweise („och ja, ich hab n bisschen geübt“) und zog die notbremse, bzw. die telefonnummer von herrn lauer. und tatsächlich schaffte der es, mich in dieser verbliebenen woche durch meine erste nachprüfung zu bringen.

im darauffolgenden schuljahr, liess ich das gelernte wieder schleifen und bekam im versetzungszeugnis wieder eine fünf (neben deutsch). dieses mal hatten herr lauer und ich mehr zeit und wieder schaffte ich die nachprüfung.

so dankbar ich herrn lauer bis heute bin, dass er mir zeigte, dass ich nicht doof, sondern ineffizient und uninteressiert war, so sehr bin ich auch dankbar, dass ich die neunte klasse wiederholen konnte. das war langfristig wesentlich effizienter, als die nachhilfe. denn in diesem zweiten durchlauf der neunten klasse, fing ich an mich tatsächlich für die themen im unterricht zu interessieren. ich liess mich auch nicht mehr so sehr von den chaoten in meiner klasse ablenken, bzw. betätigte mich selbst nicht mehr so intensiv als klassenchaot.

nach der zehnten klasse bin ich dann für ein jahr nach amerika in die highschool gegangen, wo ich die zwölfte klasse besuchte und auch den highschoolabschluss machte. zurück in deutschland durfte ich die elfte klasse überspringen, um mich dann in der zwölften und dreizehnten klasse auf mein abitur vorzubereiten. so bin ich nicht nur dreimal sitzengeblieben, sondern habe formal auch eine klasse übersprungen. am ende hatte ich im abi eine durchschnittsnote von 2,3.

google AMP — complete and utter failure

felix schwenzel, in artikel    

seit der ankündigung von AMP habe ich mich, vor allem aus technologischer neugier, bemüht das format bereitzustellen. im januar begann google meine AMP-formatierten seiten in den index aufzunehmen, etwa 500 AMP seiten auf wirres.net waren am 2.2.2016 indexiert. zu diesem zeitpunkt hatte ich auch bereits die meisten fehler der seiten beseitigt, heute sind meine seiten, AMP-technisch, laut webmaster console und laut debugging tool, fehelrfrei.

webmaster console ansicht meines AMP-status

aber google hat nicht nur über die letzten wochen hinweg gemerkt, dass meine AMP-seiten syntaktisch korrekt sind (die 6 monierten fehler datieren allesamt auf versionen von vor dem 2.1.2016), sondern auch nur 4 meiner AMP-seiten im index.

auch als ich noch mehr seiten im google-index hatte, hatte ich maximal 1-2 besucher pro tag auf meinen AMP-seiten, im google-index war ich, soweit ich sehen konnte, AMP-mässig unsichtbar. das heisst auch mobile suchergebnisseiten, zeigten nie meine AMP-seiten an, sondern stets die regulären seiten. das ist ja nicht weiter schlimm, aber ich habe das gefühl, dass google white oder blacklists führt und AMP-seiten nur von renomierten, reichweitenstarken webseiten in die (mobilen) suchergebnisseiten aufnimmt.

piwik statistik meiner AMP-seiten-aufrufe

ich finde die idee und die ausführung hinter dem AMP-projekt nach wie vor faszinierend, weil es verspricht, seiten im web — und nicht etwa nur in apps — effektiv und von störendem und irritierenden müll befreit, auszuliefern, aber die implementierung und adaption von AMP scheint, selbst bei google selbst, unter aller kanone zu sein. deshalb bin ich gespannt auf den öffentlichen facebook instant articles rollout mitte april, auch wenn sich die vorteile vor allem in der app auswirken werden, aber immerhin ist die facebook-implementierung so gelöst, dass es immer einen fallback auf die webversion gibt und die instant-articles-version wie ein sahnehäubchen funktioniert.

* * *

apple news ist übrigens auch eine mittlere katastrophe, zumindest, wenn man ein medium mit nur um die 100tausend seitenansichten im monat (30.000 web, 60.000 RSS) betreibt. ich habe mich dort vor einem halben jahr testweise angemeldet und vorerst nur einen (englischsprachigen) RSS-kanal angemeldet, was einer mittleren katastrophe gleich kam, weil sich die apple news inhalte per RSS nicht aktualisierten und auch nicht editieren liessen. jetzt ist das apple news format teoretisch für jeden offen, aber apple lässt auch hier seinen manischen kontrollwahn walten. meine bitte um freigabe meines apple news kanals wurde bereits zweimal abgelehnt, weil die apple-türsteher zweimal meinten, dass mein kanalname ihnen nicht passt und mich zweimal zurückgewisen haben. von mir aus kann apple seinen news-format alleine nutzen, das zudem auch noch irre kompliziert und sehr proprietär ist.

ansichtssache perspective daily

felix schwenzel, , in artikel    

von perspective daily (PD) habe ich zuerst bei schulz und böhmermann gehört, als nora schirner dort davon schwärmte und das projekt als „ganzheitlichen journalismus“ beschrieb. was ganzheitlicher journalismus sein solle verstand ich damals nicht und verstehe ich auch heute nicht, aber immerhin fand ich das wort auf der selbstbeschreibungsseite von perspective daily nicht. so richtig klar, was perspective daily machen will, wurde mir auch beim durchlesen der seite nicht. dort steht jetzt (und vermutlich auch schon vor zwei monaten, als ich zuerst dort war):

Wir wollen Nachrichten anders machen:
Artikel mit Blick nach vorn, die nicht nur über Probleme sprechen, sondern auch fragen: Wie kann es besser werden?

wie das, was man vorhat, konkret aussehen könnte, kann man meiner meinung nach am besten zeigen, wenn man es macht, statt es nur anzukündigen — und dankenswerterweise, hat perspective daily am 7. märz diesen beispieltext von der mitgründerin maren urner online gestellt:

Ignorieren wir Probleme oder ignorieren wir Fortschritte?

der text ist OK und relativ konkret, aber immer noch ziemlich stark durchzogen von der idee, was perspective daily machen will, statt zu zeigen, wie perspective daily sein wird. ja, ich glaube auch, dass wir positiven, konstruktiven journalismus gebrauchen können, dass wir zu wenig augenmerk auf die positiven entwicklungen werfen, dass wir uns mehr gedanken um probleme, als um lösungen machen.

um ein projekt zu unterstützen, schadet es natürlich nichts über die intentionen zu erfahren. aber besser finde ich es immer, nicht nur die intentionen erkennen zu können, sondern auch (möglichst viele) konkrete arbeitsproben zu sehen. ich sehe einen unterschied zwischen werbung für etwas machen und werbung mit etwas machen, im technologiesektor ist das der unterschied zwischen dampfware und einem konkreten produkt.

ich schliesse in der regel kein jahresabo auf basis von eigenwerbung ab, sondern schaue mir das produkt (das heft, die zeitung, den streaming-service) erstmal genau an, bevor ich mich auf ein längerfristiges engagement einlasse. bei den krautreportern war das (etwas) einfacher, da gab es neben dem unterstützenswerten ziel, namen auf der autorenliste, die ich kannte und schätze. ich konnte mir zumindest vorstellen, was mich in einem jahr krautreporter erwarten würde (konnte ich natürlich nicht, der überraschungseffekt war grösser als der erwartungseffekt).

auf der autorenliste von perspective daily finden sich ein name, den ich kenne und schätze, raúl krauthausen. es findet sich auch ein name, den ich kenne und nicht schätze, eckart von hirschhausen. eckhart von hirschhausen ist zwar ein „Künstler, der sich ausschließlich über sein berufliches Wirken definiert“, aber ich kann sein berufliches wirken nicht leiden. apropos berufliches wirken, dass ich nicht leiden kann mit dem ich nichts anfangen kann. klaas heufer-umlauf als testimonial finde ich weder witzig noch konstruktiv.

und wo ich gerade dabei bin zu mäkeln, nach allem was ich auf perspective-daily.de gelesen und verstanden habe, wird perspective daily die artikel hinter einer mitgliederwand verschwinden lassen und es zahlenden mitgliedern erlauben, diese „mit interessierten“ zu teilen. so ganz schlau wird man aus dem FAQ nicht:

Für wen sind die Inhalte von Perspective Daily zugänglich?

Unsere Inhalte sind in erster Linie für unsere Mitglieder zugänglich. Sie haben Zugriff auf alle Beiträge, die Kommentarfunktion und weitere Funktionen von Perspective Daily. Die Erfahrung aus anderen Projekten zeigt, dass dies gerade im Kommentarbereich die Diskussionskultur positiv beeinflusst. Einzelne Beiträge können auch an Nicht-Mitglieder weitergegeben werden: Durch Kopieren des Weblinks eines Artikels können Mitglieder und Autoren diesen via E-Mail oder Soziale Netzwerke an Interessierte weiterleiten. Dieses System hat sich beim niederländischen De Correspondent sehr bewährt und stößt auch bei den Mitgliedern auf große Resonanz.

auch wenn es perspective daily in den letzten monaten dreimal geschafft hat, meine aufmerksamkeit zu erregen (tschirner bei schulz und böhmermann, minihype um das video mit klaas heufer-umlauf und jetzt der funding-endspurt mit entsprechender medienpräsenz), hat mich perspective daily nicht überzeugen können. alles zu vage, zu luftig oder unverständlich. monatelanges crowdfunding und trommeln, aber nur ein konkretes arbeitsbeispiel, das aber eigentlich auch eher ein letter of intent ist. aber vor ein paar tagen funkte mich johannes „sankt“ korten an, den ich sehr schätzte, und liess mich wissen, dass er die „macher_innen persönlich“ kenne und sehr schätze. deshalb, nicht wegen der irritierenden und für mich grösstenteils unverständlichen eigenwerbung, unterstütze ich perspective daily für ein jahr (für €42).

das crowdfunding läuft noch 3 tage, also bis zum ostermontag. noch fehlen ungefähr 1000 mitglieder, um das ziel von 12tausend zahlenden mitgliedern zu erreichen. hier kann man mitglied werden.

last week tonight with john oliver: donald trump

felix schwenzel, , in gesehen    

ganz ehrlich, ich kann es nicht nicht mehr sehen: leute die sich über trump lustig machen und artikel die danach sagen „xy hat gerade donald trump zerstört“. (was paul carr in diesem link dazu sagt, ausser der überschrift („Destroying ourselves to death“), weiss ich nicht, weil der artikel hinter einer paywall ist. aber vor der paywall sind 8 oder 9 screenshots von artikeln, die sagen, donald trump sei gerade zerstört worden.)

ich würde gerne sagen, nachdem ich diese ausgabe last week tonight mit john oliver gesehen habe, dass john oliver einen witzigen, ruhigen und gut recherchierten beitrag über die lügen, die aufschneidereien und den grössenwahn von donald trump gemacht hat, der wirklich eindruck hinterlassen hat und das potenzial hat, trump den boden unter den füssen wegzuziehen. kann ich aber nicht sagen und will ich nicht sagen. auch wenn das alles lustig und gut recherchiert war, mir war es zu aufgeregt vorgetragen. das grösste manko war aber: ich wusste das alles schon. ich habe fast nichts neues erfahren und vor allem, ich habe das was ich über trump in den letzten jahren erfahren habe, nicht aus neuen perspektiven gesehen. gut, ich lese viel und sehe viel fernsehen und manchmal schaue ich mir john oliver oder andere liberale talkshows an. aber ich frage mich noch mahr als sonst, wozu dieses predigen vor den ohnehin schon informierten? oder wie die amerikaner manchmal sagen, wozu dieses predigen vor dem chor?

vielleicht bin ich auch einfach nur frustriert. seit monaten, nein, seit jahren, wird donald trump mit satire und lächerlichmachung übergossen und er geht nach jedem fass schlamm das über ihm ausgekippt wird, gestärkt hervor. natürlich ist er peinlich, lügt, wackelt, ist nicht so reich und unabhängig wie er vorgibt, natürlich sieht er albern aus und scheitert ständig mit irgendwelchen geschäften — aber auch die schrillionste wiederholung dieser tatsachen bringt niemanden davon ab, trump zu unterstützen.

aber diese strategie der lächerlichmachung funktioniert eben nicht nur nicht, sie lenkt auch von einem anderen problem ab. nämlich, dass die anderen politiker sich, in der wahrnehmung vieler menschen, nicht grossartig von trump unterscheiden. es gibt nicht wenige leute die glauben, dass die politiker in washington eben auch peinlich sind, lügen, opportunitisch wackeln und versteckte agenden verfolgen. geschäfte, ordentliche deals, traut ohnehin kaum einer den aktiven politikern zu (auch in deutschland). natürlich ist diese wahrnehmung falsch oder mindestens getrübt, aber sie ist vorhanden. dass diese wahrnehmung nicht ganz daneben liegt hat oliver übrigens auch in der sendung gezeigt: obamas erste amtshandlung: die schliessung von guantanamo einzuleiten und in den folgenden jahren, jedes jahr, die schliessung, spätestens im nächsten jahr anzukündigen. die zuverlässigkeit von barack obamas versprechen, unterschiedet sich hier nicht wirklich von trumps wahlkampfaussagen.

die hoffnung, dass jemand, der sich an keine etablierten regeln hält und grossmäulig davon redet (endlich) alles umzukrempeln, genau das tut, ist nicht ganz abwegig. mit genau dieser hoffnung hat schon barack obama seinen wahlkampf eine richtung gegeben, wenn auch ein bisschen subtiler: change.

trump steht für viele genau dafür: veränderung (oder genauer, zurückveränderung, oder die sehrnsucht nach dem gestern). diese hoffnung nimmt man den leuten nicht, indem man ein paar witze über den selbsterklärten veränderer macht, oder ihn blossstellt.

john olivers rant gegen donald trump war unterhaltsam und gut gemacht. und dafür ist john oliver da: fürs entertainment, auf einem hohen niveau. den tatsächlichen wunden punkt von donald trump müssen andere finden — und ich bin sicher, er wird noch gefunden. in der zwischenzeit frustrieren mich trump-witze eher, als dass sie mich aufmuntern.

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der sendungsteil über donald trump ist auf youtube zugänglich, dankenswerter weise auch aus europa.

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