schulz und böhmermann s01e03

felix schwenzel, , in gesehen    

(mit axel petermann, samuel koch, katrin bauerfeind, dem langen tünn (anton claaßen), micaela schäfer, oli p., willi herren und nem kölner hai)

am anfang dachte ich: super, endlich mal sowas wie das bemühen um gesprächsführung, übergänge, konzentration, ein paar versuche nicht nur fragen zu stellen, sondern auch antworten auszuhalten. im laufe der sendung ging das dann aber leider wieder im metaebenengequatsche der moderatoren unter. besonders krass fiel das beim umgang mit samuel koch auf. bevor er etwas länger zu wort kommen durfte, fühlten sich olli schulz und jan böhmermann bemüssigt, erst mal darüber zu referieren, wie schwer es doch für sie sei, sich für ein gespräch mit ihm, samuel koch, „frei zu machen“ und nicht in die „lanz-falle“ zu tappen.

hi samuel, schön dass du da bist, leider fürchten wir, dass wir uns nicht frei machen können von dieser „betroffenheitsebene“ und einfach ein „cooles gespräch“ mit dir führen können. wir haben da intern sehr intensiv drüber geredet … — so, jetzt erzähl du mal was lustiges!

dieses metaebenen-gedöns liegt wie ein schleier auf der ganzen sendung — was einerseits ja auch die qualität von allem was böhmermann und schulz tun ausmacht, aber bei überdosierung unerträglich wird.

wirklich ärgerlich fand ich einen späteren einwurf von katrin bauerfeind, in dem sie samuel koch die schuld für die verklemmte gesprächsführung in die schuhe schieben wollte. sinngemäss sagte sie: die behinderten, die sie kennt, würden auch mal witzchen über sich selbst machen, um es ihrem gegenüber leichter zu machen mit ihnen umzugehen. was für ein blödsinn. als katrin bauerfeind ihr fernseh-praktikum bei tim mälzer machte hat der es ihr auch nicht leicht gemacht, im gegenteil, da stand sie kurz vor ihrem rauswurf, weil sie die ihr gestellten aufgaben nicht ernst nahm und mälzer davon tierisch genervt war. mit mälzers aktiv-aggressiver art konnte sie als moderatorin richtig umgehen (indem sie sich stärker anstrengte). einer eher passiv-aggressiven art, meint sie offensichtlich, müssten nicht etwa die moderatoren gewachsen sein, sondern der interviewte solle sich doch bitteschön zurücknehmen oder entgegenkommen zeigen.

was ich übrigens an katrin bauerfeind ganz grossartig finde: ich kann sie in einem moment total scheisse finden und im nächsten moment, oder eher, in der nächsten sendung, wieder ganz grossartig. obwohl das eventuell weniger mit ihr zu tun hat, als mit meiner rezeption. in die gleiche kategorie fällt übrigens sibylle berg. vieles von dem was sie schreibt, finde ich totalen mumpitz, manches finde ich ausgezeichnet — und als ich ihren text über den ex-zuhälter „de lange tünn“ (anton claaßen) hörte, wollte ich eine ode auf sie und ihre grossartigkeit verfassen. aber statt die grossartigkeit ihrer kleinen texte über die gäste der sendung zu besingen, lass ich sibylle bergs worte über herrn tünn für sich sprechen (youtube-version):

Bevor es den Rap gab, also damals™, führte der Weg aus dem Elend junge, von der Welt gekränkte Männer, ins Rotlichtmilieu. Mit anderen geilen Typen raufen, viel Geld, schnelle Autos, Bodybuilding, Goldketten und die Frauen hatten ihren Platz: an der Bar und nackig an Kletterstangen, als Schlampen oder herzensgute Huren. Heute hat Herr Tünn, der sehr drollig einen Dialekt nachahmt, der vermutlich Friesisch ist, sich von diesem Leben verabschiedet, in einen anderen Bereich, der Männern ohne Eigenschaften Heimat ist, den Fußball. Vielleicht als Kommentator, oder Trainer, oder, pfft, egal, denn es geht die Legende, dass Herr Tünn Legenden aus seinen Lebensgeschichten macht, was wieder sehr sympathisch ist — man kann nicht genug lügen in diesem kurzen Leben. Und bestimmt ist er ein netter Kerl, denn nett sind sie ja alle, im Fernsehen.

die texte von berg sind nicht immer auf den punkt, aber immer präzise und aufs wesentliche kondensiert. das ist ein sehr schöner kontrast zu den relativ unkondensierten plauderwellen, die aus den beiden moderatoren herausbrechen.

nett war herr tünn dann zwar nicht, wohl aber nervig. aber nervig sind sie ja auch irgendwie alle, im fernsehen. obwohl eigentlich war nicht der herr tünn/claaßen nervig, sondern die redezeit, die ihm gewährt wurde und die vielen fragen die an ihn gerichtet wurden. bei deren beantwortung konnte er dann sein leben, seine zuhälterei und gewalt in schönsten relativierendem kölsch weisswaschen. über seinen umgang mit den frauen, die für ihn anschaffen gingen, sagte er zum beispiel sinngemäss:

jeschlagen hab isch die fast nie, jedroht fast jeden tag.
wenn se jelaufen sind, dann gabs aber rambazamba! die gehn ja nich weg um abzuhauen, die gehen weg, wenn se nen anderen typen kennenjelernt haben. die müssen dann aber abstand bezahlen!

und zack, bin ix in die schulz-und-böhmermann-falle getappt! ich habe dem typen redezeit gegeben. jetzt entziehe ich ihm das wort und vor allem, ich vergesse ihn wieder.

eine ganz besondere fähigkeit hatte der kriminalist axel petermann, der ein bisschen wie werner herzog redet und wie bernhard paul aussieht: er schaffte es mehrfach in der sendung, dass sowohl olli schulz als auch jan böhmermann sehr ernst guckten und länger als 30 sekunden schwiegen. ausserdem konnte axel petermann ironie, was jan böhmermann völlig aus dem konzept brachte und seine ironiedetektoren deaktivierte. der platz auf dem axel petermann sass, vom zuschauer aus vorne links, ist jetzt schon in der zweiten sendung in folge der platz, auf dem jemand sitzt, der länger hätte reden sollen. witzigerweise ist das nicht nur meine ansicht, sondern auch das was olli schulz und jan böhmermann in ihrer nachbesprechung sagten.

die nachbesprechung, wenn gäste und publikum gegangen sind, wurde in dieser sendung von larissa rieß verwässert. sie ist im abspann als „assistenz“ gelistet und sonst offenbar radiomoderatorin. auch larissa rieß schloss sich der moderatoren-protektion von katrin bauerfeind an, als sie jan böhmermann’s klage, dass samuel koch ihn auflaufen liess, assistierte (sic!) und sagte: „das ist auch gemein, weil er wusste, dass du nicht zurückschiessen kannst.“

immerhin ein gutes hat diese absurde böhmermann-verteidigung: in dieser sendung hat jan böhmermann mehr mitleid abbekommen, als samuel koch.

olli schulz wird übrigens immer besser. er greift böhmermann in schwachen momenten gnadenlos an, kann mit einer winzigen geste, ohne worte, ohne rumgekasper grossartige witze machen (siehe oben, in der sendung bei minute 53:39) und er bezieht deutlich stellung, wenn er es für nötig hält. zweimal brachte er seine ansichten über die relativierung und mythologisierung des rotlichtmilieus deutlich und ohne ironiesicherheitsnetz zur sprache.

in der sendung gabs übrigens noch 4 extra-gäste (micaela schäfer, oli p., willi herren und nen kölner hai). die idee finde ich gut, micaela schäfer durfte einen brust-witz machen („ich verkaufe nicht mein gesicht in mallorca, ich verkaufe meine brüste!“), aber ich finde in der durchführung sollte man mehr konsequnz und härte zeigen und den ersatz-gästen nur dann mehr als 3 minuten geben, wenn ein anderer gast dann auch endgültig gehen muss. oder anders gesagt: statt nach der sendung respektlos über die gäste her zu ziehen, lieber gleich in der sendung haltung zeigen und gäste oder moderatoren, die nerven, einfach austauschen.

(in der zdf-mediathek gesehen, .mp4-datei und hier noch ein teaser zur sendung)

the graham norton show s18e15

felix schwenzel, , in gesehen    

(mit ice cube, kevin hart, hugh laurie, olivia colman, sir david attenborough und elle king)

man vergisst ja immer wieder, dass talk-sendungen, oder wie graham norton das sagt, „chat shows“, immer in erster linie werbesendungen sind. werbesendungen deren deal lautet, dass stars in die sendung kommen und dafür ihren neuesten film, ihr neuestes buch, platte, sendung oder was auch immer sie gerade gemacht haben, promoten. das war in dieser sendung natürlich nicht anders, aber dieses mal recht angenehm, weil ausschliesslich für sachen werbung gemacht wurde, die mir gut gefallen würden. eine echte verbraucherinformationssendung sozusagen. ha, wäre verbraucherinformationssendung nicht ein guter eingedeutschter name für talkshows?

[wie kommt das eigentlich, dass wir nach so vielen jahren deutschen fernsehens immer noch keine guten, eingedeutschten namen für talkshow haben? schon klar, dass redesendung nicht schön ist. hätten die fernsehmacher in den 50er jahren solche sendungen plauderschau genannt, hätten wir uns vielleicht an das wort gewöhnt, so wie wir uns mittlerweile an tagesschau (aka daily show) gewöhnt haben.]

olivia colman (die eine alte, goldene quarzuhr zu tragen schien) und hugh laurie kamen, um werbung für die BBC miniserie the night manager zu machen. das ist die verfilmung eines john le carré romans und könnte allein schon wegen des ensembles sehenswert sein. der trailer sieht jedenfalls ganz vielversprechend und gut produziert aus (auch wenn er etwas dick aufträgt). olivia colman und hugh laurie sind auf dem sofa einer plauderschau aber sehr unterhaltsam und alles andere als dick auftragend.

genau wie ice cube und kevin hart, die allerdings auf eine amerikanischere art unterhaltsam sind (lauter, sehr viel lauter). die beiden promoteten ihren neuen ride along 2-film (trailer), in dem auch ken jeong mitspielt, der mir bei der letzten jimmy fallon plauderschau sehr positiv auffiel. nebenbei sagte ice cube noch ein paar worte über die jüngste oscar-diskussion, als ihn norton danach fragte, ob er die auch boykottieren wolle. sinngemäss sagte ice cube, dass er nichts boykottieren könne wo er eh nicht hingehe und dass preise und auszeichnungen zwar nett seien, aber man shows und filme ja für das publikum und nicht für gutachter mache.

was ich nie verstehen werde, ist die auftrittsreihenfolge und paarungspolitik auf dem sofa von graham norton. mal kommen zwei gäste, die dann verschwinden wenn die nächsten zwei kommen, mal kommen alle gemeinsam aufs sofa. andererseits: wozu soll ich etwas verstehen wollen, was immer ausnehmend gut funktioniert? in dieser sendung kam nach 20 minuten sir david attenborough dazu. der wird demnächst 90 und ist für seine fast 90 jahre erstaunlich mobil, witzig und schlagfertig. und interessant sowieso. solche menschen möchte ich übrigens viel öfter im fernsehen sehen. sie helfen einem ungemein, die angst vorm altern zu überwinden.

die musikalischen auftritte schalt ich bei graham norton eigentlich immer weg, bzw. überspringe sie. die youtubeversion der sendung erledigt das meisten gleich für mich mit, weil die uploader die musik rausschneiden, vermutlich aus angst vor youtube’s content-id-mechanik, die die musik identifizieren könnte und die musikverlage dann zum löschen des videos inspirieren könnte.

in dieser sendung habe ich ausversehen die musik weiterlaufen lassen — und mir gefiel was ich da hörte. graham norton gefiel das (natürlich, wie immer) auch: „i love that song“. das lied (ex’s & oh’s) war von elle king, die ihre platte nach einem sex-shop in florida benannt hat: lovestuff.

(hier das offizielle video von ex’s and oh’s)

nach ihrem auftritt durfte elle king auch nochmal auf dem sofa platz nehmen und komplimentierte gleich ice cube („big fan!“), was deshalb witzig war, weil kevin hart so tat als sei das kompliment für ihn gedacht. elle king inspirierte david attenborough dann noch dazu, von einer begegnung mit einer ratte auf einem indischen klo zu erzählen und, was mich sehr beruhigte, ellen king verstand, wie ich, kein wort der geschichte des kandidaten auf dem roten schleuderstuhl.

(auch auf youtube)

schulz und böhmermann s01e02

felix schwenzel, , in gesehen    

ich mag es eigentlich ganz gerne, wenn sendungen eskalieren und aus der kontrolle geraten. aber wenn die eskalation von den moderatoren ausgeht, die zappeln, schreien, schimpfen oder drohen lebende goldfische zu pürieren und sich weder das publikum, noch die gäste mitreissen lassen, dann wirkt das gewollt und öde. in dieser sendung hat sich jan böhmermann bemüht, seine provokationen auf dem niveau des sendungsthemas (kindergeburtstag) zu halten. das war sehr schade und sehr flach.

dass in der sendung niemand jemals zuende sprechen konnte, entweder, weil einem der moderatoren gerade ein witz einfiel, er etwas wichtiges los werden wollte, oder er aus dem off kleine anweisungszettel bekam, zerhackte den fluss der sendung unangenehm. als einzigen liessen schulz und böhmermann einmal paul ronzheimer ausprechen — aber auch nur weil er weinerlich darauf bestand, auch mal was zuende sagen zu dürfen. das was er sagte, war, wie alles andere was er sagte, völlig uninteressant und irrelevant.

die meiste zeit schrien schulz und böhmermann rum oder fielen von ihren stühlen. so könnte ich die zweite folge der sendung eigentlich umfassend beschreiben und mit der rezension aufhören. allerdings waren die sachen die olli schulz schrie teilweise sehr witzig, vor allem zum ende der sendung hin, als er bereits gut mit whisky geladen war. da kamen plötzlich gute fragen aus ihm gekrochen und sätze wie:

was der internetpornografie fehlt, sind typen wie ich.

ich möchte paul ronzheimer lieber in pornos sehen, als in krisengebieten.

ansonsten würde ich vorschlagen mal til schweiger in die sendung einzuladen, weil die beiden wirklich jeden gast, der schonmal mit ihm gearbeitet hat, nach ihm ausfragen. dieses mal war nora tschirner dran, nachdem in der letzten sendung anika decker nach schweiger ausgefragt wurde.

egal wie sehr eine sendung aus dem ruder läuft, eines ist für gute unterhaltung unerlässlich: moderatoren (oder gäste) die hellwach sind und die auf feinste zwischentöne oder andeutungen der anderen anwesenden reagieren, vorzugsweise witzig oder klug. jan böhmermann war in dieser sendung so sehr mit seinen eigenen problemen beschäftigt, dass er zwar noch auf die erste frage von katrin göring-eckardt nach den komischen steinen auf dem tisch reagierte („das sind whiskykühlsteine, die hab ich aus amerika mitgebracht“), danach aber jede nachfrage, ob sie davon welche in ihr glas haben könnte, überhörte. ein moderator der seine gäste nicht hört, sollte in der tat, wie oliver schulz in der sendung mehrfach vorschlug, lieber trockene orgasmen üben, als zu moderieren. vielleicht kann das ZDF einen ersatzmoderator für jan böhmermann besorgen, falls der an bestimmten tagen mit kinderpflege und privaten problemen überfordert ist.

nora tschirner erzählte in der sendung irgendwas über das journalismus crowdfundingprojekt perspective-daily.de. sie nannte das, was dort geplant ist, mehrfach „ganzheitlichen journalismus“ und verwandelte sich von einer sympathischen, witzigen person, kurzzeitig in eine floskelauswurfmaschine, als sie das projekt beschrieb. j sei dank kommt das wort „ganzheitlich“ nicht einmal auf perspective-daily.de vor. einziges highlight der sendung waren übrigens ann-marlene henning (die viel zu wenig zu wort kam) und katrin göring-eckardt, die es schaffte all die negativen konnotationen abzuschütteln, die ich ihr in einer knapp fünfjährigen vorurteilsaufbauphase angehängt habe. sie kam als eine grüne, konservative religionstussi in die sendung und ging als sympathische, schlagfertige und uneitle frau hinaus.

(in der zdf mediathek)

the tonight show starring jimmy fallon vom 11. januar 2016

felix schwenzel, , in gesehen    

(mit donald trump, ken jeong und cam)

ich frage mich, warum ich mir immer wieder sendungen mit donald trump ansehe. ich glaube es ist das bedürfnis zu verstehen. zu verstehen wer das eigentlich ist und was er will und wie er arbeitet. wie er (rhetorisch) arbeitet, hat nerdwriter1 kürzlich auf youtube gezeigt (hier verlinkt). und, wenig überraschend, trump hielt sich an seine bewährte strategie:

Trump's answers consist mainly of one-syllable words, and are at a forth grade reading level. He structures his sentences with a powerfully rhythmic cadence, and ends them on a strong word.

und: wiederholungen, wiederholungen und wiederholungen. eigentlich redet er auch nur stuss, aber eben mit einem ernsten gesicht vorgetragen und mit gelegentlicher, defensiver selbstironie ergänzt („i’m a very good looking guy“).

trump kann man nicht verstehen, weil er für nichts steht, ausser für floskeln, mit denen er ein einziges produkt verkauft: sich selbst. persil wäscht porentief, trump macht amerika wieder gross und bedeutend, colgate schützt gegen karies. alles ganz einfach.

faszinierend ist die orange hautfarbe von trump. aus seinem orangenen gesicht quellen zwei reinweisse augen heraus. obwohl: faszinierend ist nicht das richtge wort: beunruhigend passt hier besser.

ken jeong kam tanzend auf die bühne und sprangg dann auch die ganze sendung weiter herum wie ein quirliger gummiball. obwohl er ziemlich laut und eben quirlig war, wirkte er total ruhig, so wie er auch tanzt: der oberkörper verbleibt unbewegt, während die beine sich unten rhytmisch bewegen.

youtube-video
direkt youtube-link

youtube-video
direkt youtube-link

sehr schön auch, dass ken jeong auch irgendwann bezug auf trump nahm, ohne ihn direkt zu nennen:

what makes america great is diversity.
— ken jeong

nachdem jimmy fallon trump im gespräch kein einziges mal unter druck setzte, widersprach oder sich über ihn lustig machte, war das sehr wohltuend.

musikalischer gast war die coutry-sängerin cam. ich mag country-musik ja gelegentlich, aber mit so einer theatralischen, aufgedonnerten stimme wie „cam“ das in dieser sendung vorführte, ist das leider auch nichts anderes als müllpop. country sollte, finde ich, mit gebrochenen stimmen — oder der fieps-stimme von dolly parton, vorgetragen werden. dann geht’s, so nicht.

weil der standup am anfang so schwach war und fallon trump nicht mal ansatzweise versuchte einzufangen nur 2 punkte.

kabarettistischer jahresrückblick 2015

felix schwenzel, , in gesehen    

seit 1997 treten bov bjerg, horst evers, manfred maurenbrecher, christoph jungmann und hannes heesch wochenlang auf, um 2 stunden vor publikum auf das vergangene jahr zurückzublicken. seit sechs oder sieben jahren schauen wir uns das im januar an. normalerweise, bzw. das jahr über, habe ich wenig interesse an kabarett oder veranstaltungen auf denen menschen singen und tanzen, aber diese veranstaltung schaue ich mir jedes jahr aufs neue gerne an. auch weil der ablauf jedes jahr gleich ist:

christoph jungmann und hannes heesch plaudern als angela merkel und franz münteferig, peer steinbrück oder (dieses jahr) als wolfgang schäuble ein bisschen über das vergangene jahr, dann gibt es einzelauftritte von bov bjerg und horst evers in denen sie meistens relativ witzige texte vortragen, ein oder zwei einzelauftritte von manfred maurenbrecher, in denen er meistens relativ emotionale texte am klavier vorträgt, mindestens einen auftritt von hannes heesch in dem er einen politiker parodiert und relativ witzig aufs jahr zurückblicken lässt und ein, zwei oder gar drei gemeinsame auftritte, in denen gesungen wird.

würde man mich unter aufzählung dieser veranstaltungsvektoren fragen, ob ich mir eine solche veranstaltung ansehen wollte, würde ich spontan immer eindeutig nein sagen. weil bov bjerg uns aber jedes jahr unverdrossen und freundlich zu dieser veranstaltung einlädt, gehe ich jedes jahr aufs neue mit der beifahrerin hin, ein paar jahre lang sogar in hamburg. ich habe es nie bereut und war jedes mal hoch amüsiert und bestens unterhalten — etwas das ich mir in der theorie nie vorstellen häte können.

angenehm ist neben den reizenden (und lustigen) darstellern, vor allem die berechenbarkeit des formats. maurenbrecher erzählt jedes jahr (am klavier) ein weiteres kapitel seiner geschichte, bov bjerg trägt jedes jahr eine gut gedrechselte, angenhem distanzierte und nie zu konkrete tirade vor, die auch in seinem blog stehen könnte und horst evers plaudert, genauso witzig wie in seinen büchern, über seinen alltag und wie er die welt sieht. dabei tut er immer ein bisschen naiv, nicht nur weil es seine masche ist, sondern weil es so doppelbödig witzig und subtil hinterfotzig wirkt. dieses jahr hat er angenehm absurd abstrahierend über den berliner flughafen geplaudert und, dass er das publikum, trotz der abgenudeltheit des themas, zu lachtiraden inspirierte, ist ein kleines kunststück.

bovs auftritt als yanis varoufakis war ebenso grandios, vor allem wegen seines phantasiegriechisch und seiner perfekten varoufakisfrisur. die ersten paar sekunden war ich beeindruck von der perfekten maske — ich brauchte ein paar minuten um zu merken, dass bov die haare jetzt auch sonst so trägt.

manfred maurenbrecher wich dieses jahr ein bisschen von seiner routine ab und erzählte seine geschichte (quasi) im duett mit helmut schmidt. ich mag maurenbrechers lieder sehr gerne, obwohl (auch) das in der theorie eher unwahrscheinlich ist. aber jedes jahr berührt mich maurenbrecher erneut auf irgendeiner ungeschützten emotionalen ebene — dieses jahr waren mir seine lieder aber, glaube ich, zu konkret, um mich emotional zu berühren. nächstes jahr dann wieder.

wie jedes jahr, war ich von der wandlungsfähigkeit von hannes heesch beeindruckt, der dieses jahr, glaube ich, gleich zwei neue, perfekte parodien spielte. ich kann mich bisher jedenfalls nicht an ihn als schäuble oder seehofer erinnern, die er beide auf den punkt imitierte, bzw. auf ihre kernmerkmale runterkochte. christoph jungmanns darstellung von angela merkel ist übrigens jedes jahr erneut tief beeindruckend, vor allem weil er nichts, wirklich nichts tut um sie zu imitieren. er ist wahrscheinlich nur er selbst, mit einer perücke und einem bunten kostüm. das meiste was er dann als angela merkel sagt, wirkt improvisiert und vor allem, als ob ihm das allergrösstes vergnügen bereiten würde. wie die echte merkel, ist er in dieser rolle ungreifbar, über den dingen schwebend. eine eigenschaft die offenbar optimal zur moderation oder kanzlerschaft qualifiziert.

horst evers als xavier naidoo beim kabarettistischen jahresrückblick

horst evers als xavier naidoo beim jahresrückblick.

apropos improvisation. in der pause konnte das publikum wunschthemen für ein lied einreichen, was dazu führte, dass es zu einer uraufführung eines lieds über WLAN in der bahn kam, in dem auch die einkommenssituation von psychoanalytikern thematisiert wurde. auch das hört sich in der theorie alles andere als unterhaltsam an, war in der praxis aber grandios.

ich glaube so kann man den kabarettistischen jahresrückblick auch gut zusammenfassen: in der theorie eher unwahrscheinlich, in der praxis aber höchst unterhaltsam und angenehm. nächstes jahr gerne wieder.

(titelfoto von david baltzer, agentur zenit, rückblicke noch bis zum 17. januar in der komödie am kurfürstendamm)

schulz und böhmermann s01e01

felix schwenzel, , in gesehen    

gleich am anfang eskaliert die sendung. pampige, aggressive antworten von gert postel, der sich über doofe fragen und insinuierungen ärgert, die technik streikt bei den einspielern von sibylle bergs bildlos gesprochenen kurzportraits (die erstaunlicherweise gar nicht schlecht sind und ein gutes mass an beleidigungen und komplimenten enthalten) und jan böhmermann fällt mehrfach beinahe hinten vom stuhl, als er sich fallon-mässig über doofe witzchen euphorisiert. wenn die sendung ausser kontrolle gerät, macht sie am meisten spass. und ausser kontrolle (der beiden moderatoren) schien sie durchgehend zu sein. und das ist auch gut so.

alles was ich an roche und böhmermann mochte ist auch im neuen schulz und böhmermann vorhanden. alles was ich weniger mochte fehlt. ich mag das licht, die musik, das bühnenbild (sogar die kameralinsenkästen sind schwarz furniert und ständig absichtlich im kamerabild), ich mag die rauchschwaden, den whisky auf dem tisch, aber vor allem mag ich die bereitschaft der moderatoren auch das eigene scheitern zuzulassen und im fernsehen zu zeigen.

die chemie zwsichen schulz und böhmermann und ihren gästen stimmte vorne und hinten nicht. im prinzip gab es nur ein einziges gespräch auf augenhöhe, zwischen felix „kollegah“ blume und oliver schulz. alle anderen gesprächspartner waren entweder gerade in anderen sphären (gert postel, jörg kachelmann) oder interessierten die moderatoren kaum (anika decker, die vor allem nach til schweiger gefragt wurde). aber auch das war ok, weil die wortwechsel immer noch als stichwortgeber für witzchen und spontane wortspielchen dienen konnte.

warum jörg kachelmann in der sendung einen schal trug ist genau unerklärlich, wie sein hang alles mindestens sechsmal zu wiederholen.
warum gert postel in eine talksendung geht, obwohl er gar keine lust hat fragen zu beantworten ist weniger ein rätsel: er erhofft sich offenbar anerkennung für seine hochstaplerleistungen, die er geschickt hinter seiner alibimotivation versteckt, angeblich mit seinem hochstapeln die schwachsinnigkeit der psychiatrie zu entlarven.
kollegah blume hat magische fähigkeiten, er kann nämlich sympathisch und smart wirken und zur gleichen zeit unsympathisch und doof. das ist eine seltene begabung. kann aber auch sein, dass es sich hier nicht um zauberei handelt, sondern um mein privates problem mit asi-rappern wie ihm. die will ich unter keinen umständen sympathisch finden, aber im laufe einer solchen sendung, kriecht dann doch plötzlich sympathie in mir hoch, die ich gar nicht haben will.

meine lieblingsrubrik bei roche und böhmermann hat es auch zu schulz und böhmermann geschafft: die gäste gehen, das publikum geht und die beiden moderatoren bleiben und sprechen noch 2, 3 minuten über die sendung, kommentieren sich selbst kritisch oder leise lobend. das wirkte schon bei roche und böhmermann eigentümlich echt und aufrichtig — und jetzt auch zwischen schulz und böhmermann.

guck ich mir gerne wieder an.

(zdf-mediathek)

berliner fischmarkt

felix schwenzel, , in artikel    

berliner fischmarkt

heute Abend wollen wir, wie zu jedem jahreswechsel, entspannt zuhause sitzen und früh ins bett. und sushi soll ich heute abend machen. auch wenn der frische lachs von aldi bereits ein paar mal in unser selbstgemachtes sushi gewandert ist und wir den gut vertragen haben, wollten wir den diesmal etwas frischer kaufen. die beifahrerin hat recherchiert wo es in berlin guten fisch gibt und ist auf den berliner fischmarkt gekommen. da sind wir heute hingefahren und haben nicht besonders günstigen fisch gekauft und eine ziemlich günstige und gute fischsuppe im bistro gegessen. allein wegen der fischsuppe lohnt sich die fahrt zum berliner fischmarkt.

fischsuppe im berliner fischmarkt
fischsuppe im berliner fischmarkt — ich hatte schon davon gegessen, bevor ich das foto schoss.

aber auch aus einem anderen grund lohnt die fahrt: wegen der klobude des fischmarkts. die ist offenbar noch aus der zeit von vor 1989, also waschecht DDR — und riecht auch so. also nicht nur nach fäkalien, sondern vor allem nach DDR lösungsmitteln oder plaste-weichmachern. ein geruch wie ich ihn zuletzt im kino international vor 10 jahren gerochen habe.

klohäuschen am berliner fischmarkt

the ridiculous 6

felix schwenzel, , in artikel    

das ist glaube ich der schlechteste film, den ich seit 20 jahren zu ende gesehen habe. der film wird zusammengehalten von überdehnten kacka-, pipi- und pimmelwitzen. ich bin ja ein grosser fan von absurden geschichten und von fäkalhumor. aber gerade fäkalhumor sollte ein bisschen halt haben, oder ein paar gegengewichte. in the ridiculous 6 hängen die witze meisten einfach in der luft oder kommen aus dem nichts.

der film ist auch nur auf den ersten blick absurd. in wahrheit haben die drehbuchautoren tim herlihy und adam sandler einfach nur ein paar genreregeln, western-stereotypen, kacka-, pipi- und analhumor in eine kiste geworfen, wild geschüttelt und die bruchstücke in der kiste dann verfilmt.

erstaunlich ist die teilweise hochkarätige besetzung in den nebenrollen: ein erstaunlich frischer harvey keitel, ein aufgedunsener, zungengelähmter nick nolte und ein lustlos ass-to-mouth-gags runterspielender steve buscemi.

die einzige verteidigungslinie die mir für den film einfällt wäre ironie-trash. das funktioniert aber nicht, weil gags, ironie und trash nicht mit faul hingeworfenen bruchstücken funktionieren, sondern mühsam zusammengepuzzelt und in einen kontext gehängt werden müssen. der einzige kontext in the ridiculous 6 waren blödsinnige western-klischees.

um in die ehrenvolle kategorie des trashs gehoben zu werden, fehlt dem film die sorgfalt und ernsthaftigkeit, die guten trash ausmacht.

aber immerhin ein gutes hat der film. man erkennt, dass die beteuerungen von netflix, ihren künstlern, produzenten oder drehbuchautoren nicht in ihre arbeit zu pfuschen, wahr sind. einmal unter vertrag, scheinen filmemacher in der tat machen zu können, was sie wollen.

bei rotten tomatoes hat der film von den kritiker nur verrisse geerntet, unverständliche 33% der zuschauer mochten den film. zu sehen ist der film bei netflix. ich würde das aber niemandem empfehlen.

warum ich the leftovers so gerne mochte

felix schwenzel, , in artikel    

damon lindelof hat zwar das ende von lost verkackt, aber mit the leftovers hat er sein meisterstück abgeliefert. mir haben die beiden ersten staffeln sehr, sehr gut gefallen. das lag glaube ich vor allem daran, dass die serie vor ambiguität nur so tropft.

vordergründig geht es um ein mysteriöses ereignis, das zwei prozent der weltbevölkerung spurlos verschwinden lässt. die erste staffel spielt drei jahre nach dieser „sudden departure“, die zweite im darauf folgenden jahr und zeigt, wie die übriggebliebenen menschen (die leftovers), mit verlust und der trauer umgehen. das würde an sich schon für ein paar staffeln gute fernsehunterhaltung reichen.

durch die erzählerische distanz, also die beschreibung eines ereignisses, das wir in der realität und den medien so noch nicht erlebt haben, kann die darstellung der trauer, der ängste und dem umgang damit, viel freier und zugänglicher erzählt werden, als wenn es sich um eine konkrete, bekannte katastrophe handeln würde. so ähnlich funktionierte ja auch star trek (oder von mir aus auch star wars): menschen in einem völlig anderen kontext darstellen, um einen distanzierten, abstrahierten blick auf deren und unsere gesellschaftliche situation zu werfen. star trek spielt in der zukunft, aber im kern geht es um rassismus, fremdenhass, ethik und die suche nach dem wesen der menschlichkeit.

so ähnlich funktionierte für mich auch the leftovers: eine reflektion über das, was uns menschen ausmacht, wie menschen mit trauer umgehen und was mit einer gesellschaft passiert, die es nicht schafft mit verlusten, ängsten und trauer umzugehen.

zusätzlich wendet the leftovers noch einen erzählerischen trick an, indem es mystery-elemente in die geschichten einbaut und suggeriert, das alles könne einen grund oder einen sinn haben. die zuwendung zum übernatürlichen, diese flucht ins spirituelle wird in der serie mit konsequenter ambiguität oder ambivalenz dargestellt. man weiss nie, sind die menschen die sich ins spirituelle flüchten nun totale deppen oder weise hellseher? sind die weissager und heiler, die an allen ecken und kanten der seriengesellschaft auftauchen, schwindler oder tatsächlich begabt? auch wenn die ambiguität im laufe der zweiten staffel immer weniger wird und die serie zum staffelende hin andeutet, dass es in der serienrealität tatsächlich das eine oder andere übernatürliche phänomen gibt, kann man die ereignisse die die serie darstellt immer noch als psychologische oder philosophische analogien verstehen. man kann the leftovers, wenn man so will, als profanisierte, fürs fernsehpublikum aufbereitete c.-g.-jung-lehrstunde verstehen.

oder man kann eine einfache lehre aus der serie ziehen. in einer der schlüsselszene am staffelende unterhalten sich zwei der hauptfiguren über die jüngsten ereignisse:

john murphy: „i don’t understand what’s happening.“
kevin garvey: „me neither. [lange pause] it’s ok.“

loslassen, die ereignisse akzeptieren, widersprüche aushalten, ambiguitätstolerant leben. die widersprüche die sich nicht auflösen lassen widersprüche sein lassen, das unerklärliche akzeptieren, then it’s ok.

* * *

die ganz besondere stärke von the leftovers lag meiner meinung nach in der inszenierung und erzählweise. jede folge hatte mehr oder weniger das leben einer der hauptpersonen im fokus, erzählte hintergründe und ereignisse aus der vergangenheit. die einzelnen folgen wurden auch nur grob chronologisch erzählt, die meisten folgen waren zeitlich leicht verschoben und ineinander verkeilt, viele ereignisse wurden immer wieder aus verschiedenen perspektiven erzählt und betrachtet. das führte am ende zu einem etwas klareren bild, aber nie zu einem abschluss oder zu einer erklärung der ereignisse.

wie das alles über zehn folgen in der zweiten staffel zusammengebaut wurde, fand ich extrem beeindruckend. zusammengehalten wurde alles von der immer wiederkehrenden melodie von „where is my mind“ von den pixies (youtube-video).

ich bleibe dabei, die zweite staffel leftovers war mit das beste, was ich je im fernsehen gesehen habe, auch wenn das staffelende vielleicht etwas pathetisch war. aber gerade die etwas pathetische schlussszene sollte natürlich zeigen: wenn du loslässt und deine inneren konflikte löst, passieren wunderbare dinge.

oembed, wordpress 4.4 und mein eigener endpunkt

felix schwenzel, in artikel    

ich mag einbettungen eigentlich nicht. auch wenn der einbettcode, den zum beispiel twitter vorschlägt, gar ncht mal so schlecht ist:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p lang="de" dir="ltr">
Ich benutze das alte und das neue Twitter noch parallel. 
<a href="https://t.co/jAKxoZ2x7S">
pic.twitter.com/jAKxoZ2x7S
</a>
</p>
— Ahoi Polloi (@ahoi_polloi) 
<a href="https://twitter.com/ahoi_polloi/status/661589305576550401">
November 3, 2015
</a>
</blockquote>
<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" 
charset="utf-8"></script>

der code rendert ein zitat (<blockquote>) mit einer urheberangabe und einem link zum original. damit ist er auch in RSS-feeds lesbar, bzw. ohne javascript. das javascript das an den code unten gehängt ist, reichert das zitat mit CSS-stilen und dem bild an, so dass aus dem hier

das hier wird:

nativer twitter embed

zwei dinge gefallen mir an dem offiziellen embedcode von twitter nicht: die links sind nicht im klartext, sondern per t.co-gekürzt und eventuell an den tweet gehängte bilder fehlen. deshalb habe ich mir meinen eigenen einbettcode gebaut, der diese beiden nachteile ausbügelt. so sieht eine solche einbettung dann aus:

* * *

der vorteil des offziellen twitter-embedcodes ist natürlich seine einfachheit. das HTML-geraffel oben muss man in modernen CMS gar nicht kopieren und einsetzen, in der regel reicht es aus, die tweet-URL zu kopieren und in den CMS-editor einzusetzen. das CMS holt sich dann bei twitter den einbettcode und wandelt die URL selbst um. das funktioniert mit den meisten plattformen so, instagram, youtube, tumblr und, seit wordpress 4.4, auch mit x-beliebigen wordpress-blogs.

wenn ich beispielsweise diese url (http://notizblog.org/2015/12/07/10-jahre-notizblog/) in den wordpress-4.4-editor kopiere, macht wordpress das hier draus:

nativer wordpress embed

technisch ist das alles das gleiche, nämlich oembed. das CMS schaut in einer liste oder auf der seite selbst nach, ob die site einen oembed-endpunkt hat und fragt den dann nach dem einbettcode.

medium.com hat sich hier übrigens eine extrawurst gebraten, sie bieten echte, native embeds nur für twitter an, bzw. benutzt für youtube einen etwas modifizierten player, der bei aktivierter do-not-track-anweisung im browser erst einen OK-klick benötigt, bevor er nativ geladen wird.

medium do-not-track-warnung bei einem youtube-embed

für alle anderen embeds benutzt medium.com einen eigenen einbettmechanismus, der sich titel, artikelbild und die kurzbeschreibung direkt bei der eingebetteten URL holt. damit funktioniert die einbettung im prinzip von jeder beliebigen webseite.

medium embeds

* * *

wie gesagt, ich benutze auf wirres.net, so gut es geht, eigene einbettcodes, die man zum beispiel auf meiner favoritenseite sehen kann. das html erzeuge ich mir automatisch oder semi-automatisch, vor allem, damit einbettungen auch ohne javascript und ohne das laden von trackern oder scripten der originalseiten funktionieren — und vor allem auch im RSS-reader anständig angezeigt wird. das gilt auch für alle youtube-videos, die ich hier einbette (ähnlich wie bei medium.com, siehe oben) und funktioniert analog zu oembed: ich frage, wie oembed, alle möglichen APIs ab, nutze aber eben deren vorgeschlagenen, tracker- und script-infizierten einebttcodes nicht, sondern selbstgebaute.

trotzdem möchte ich aber beim einbettspiel mitspielen, vor allem jetzt, wo wordpress mit der 4.4-version das so einfach gemacht hat eigene inhalte einbettbar zu machen und beliebige andere inhalte (von wordpress 4.4-nutzerinnen) einzubetten.

also hab ich mir gestern einen oembed-endpunkt selbst geschrieben (code hier auf github) — auf wirres.net läuft ja bekanntlich kein wordpress.

das script funktioniert mit allen vielen sites, die mf2-microformate benutzen, indem es die seite nach microformaten absucht und aus den daten eine oembed-antwort, bzw. einen embedcode baut. beispiele:

weil im kopf aller wirres.net-artikel diese zeile steht, können oembed-fähige clients (CMS) den oembed-endpunkt selbst finden:

<link rel="alternate" type="application/json+oembed" href="http://wirres.net/oembed/?url=http://wirres.net/article/articleview/8788/1/6/"/>

damit klappt dann im prinzip auch das einbetten von wirres.net-artikeln in wordpress ≥ 4.4

* * *

wordpress traut x-beliebigen blogs allerdings nicht über den weg. nur oembed-anbieter die in der wordpress-eigenen weissen-liste stehen, dürfen iframes nutzen die auch links ausserhalb ihrer selbst öffnen dürfen. wordpress sandboxed aus sicherheitsgründen iframes von allen oembed-anbietern, die nicht in der liste sind. damit, wusste ich vorher auch nicht, sind viele features wie popups oder einfache links ins aktuelle, obere fenster („_top“) nicht mehr möglich. wordpress umgeht das, indem es iframes mit einem „secret“, also passwort versieht und wenn der iframe dieses secret auslesen kann, können sich der iframe und die einbettende seite nachrichten schicken. so kann dann via javascript wieder auf links in den eingebetteten iframes geklickt werden. allerdings mit der einschränkung, dass nur auf die domain auf der der iframe liegt gelinkt werden darf. deshalb habe ich in meinen iframe javascript-code aus dem wordpress-core kopiert, der diese kommunikation mit der einbettenden seite übernimmt und den gesanboxten embed erst klickbar macht.

hört sich kompliziert an und isses auch. im prinzip könnte jede website (mit microformaten) meinen oembed-endpunkt benutzen und sich von ihm embeds und iframes mit einem teaser erzeugen lassen, aber diese wären dann (in wordpress) nicht klickbar, weil der wordpress-code darauf besteht, dass iframe-quelle und link-ziel auf der gleichen domain liegen. wer also kein wordpress hat und meinen oembed-endpunkt benutzen will, muss ihn sich also auf der eigenen site installieren.

wirres.net embed in wordpress 4.4

das auseshen der embeds orientiert sich (offensichtlich) an den twitter-cards, die twitter gelegentlich unter tweets anzeigt, um eine vorschau auf einen link zu visualisieren. das HTML und CSS ist grösstenteils von twitter ausgeliehen, bis mir eine bessere lösung einfällt.

der code ist alles andere als elegant und ist stark verbesserungswürdig. es soll aber auch nicht mehr als ein erster versuch, eine kleine studie sein.