anlass und ursache

felix schwenzel,    

/via rivva.de

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valentina hirsch schaut sich ein paar andere aspekte der kolumne von petra fröhlich an.

max schrems, kämpf um deine daten

felix schwenzel,    

max schrems ist zu etwas berühmtheit gelangt, weil er einer der ersten menschen der welt war, der facebook nervte (zitat sz):

Der Mann, der Facebook nervt
Der Österreicher Max Schrems wollte wissen, welche Informationen Facebook über ihn speichert - und löste damit das größte Datenschutzverfahren in der Geschichte des Unternehmens aus. (auf sueddeuschte.de lesen)

in einer der letzten wochen kam sein buch mit dem titel „kämpf um deine daten“ raus. ich habs kostenlos zugeschickt bekommen und gelesen.

der verlag sieht das buch wie folgt:

Jetzt legt der Student mit der Gabe, den Datenwahnsinn so einfach zu erklären wie Jamie Oliver das Kochen, sein Wissen und seine Erfahrungen aus erster Hand als Buch vor.
Ohne Panikmache und mit ungebrochener Lust an Technologie, erklärt er, wie Konzerne ihre Kunden durchleuchten, auch ohne dass die ihre Daten angeben.

uwe ebbinghaus ist in der faz vom „Erzähltalent“ schrems begeistert und fand die art und weise, in der schrems „die Mythen der IT-Industrie“ durchleuchte „ein intellektuelles Vergnügen“.

ich bin da in meinem meinungsbild eher gespalten. weder erklärt schrems den „Datenwahnsinn“ einfach, noch verzichtet er auf panikmache, noch ist die lektüre des buches ein „intellektuelles Vergnügen“.

schrems quält sich und seine leser in den ersten hundertfünfzig seiten an der frage ab, warum privatshäre „doch etwas wert“ sei. eigentlich müsse man das ja gar nicht erklären, sagt er in der einleitung, aber er hätte da „einige Elemente, Hintergründe und Gedanken, die auch für bereits Überzeugte interessant sein könnten“. leider fehlt es diesen elementen und hintergründen teilweise an argumenten, interessanz und differenziertheit. natürlich ist das nicht alles quatsch, was schrems da zusammengetragen hat, aber so richtig rund ist das buch eben auch nicht.

am sauersten ist mir tatsächlich aufgestossen, dass max schrems nirgendwo klar definiert was er eigentlich mit „meinen daten“ meint, für die ich kämpfen soll. auch um den begriff der privatsphäre dribbelt er ständig herum und landet dann irgendwann auch bei der geistlosen und wenig hilfreichen analogie von privatsphäre und dem unbeobachteten benutzen der toilette.

das mit der definition (oder problematisierung des begriffs) von daten hat jürgen geuter (auch anlässlich des buchs von schrems) hier aufgeschrieben: „Wem gehört mein digitaler Zwillig?

apropos definitionen; auch witzig, dass ausgerechnet sergey brin kürzlich eine sehr kompakte, brauchtbare definition von privatsphäre geliefert hat: die erwartung das dinge die man geheimhalten möchte, auch geheim bleiben.

was an den ersten 150 seiten neben der begriffsunschärfe und vielen ungenauigkeiten besonders nervt, ist das undifferenzierte überspitzen, das schrems zu allem überfluss auch noch mit flapsigkeit und sarkasmus würzt.

[Es gibt] immer noch Nutzer, die Unmengen an persönlichen Daten offen ins Netz stellen. Die meisten von ihnen sind meiner Beobachtung nach aber vor allem süchtig nach menschlicher Zuneigung, ausgedrückt in Likes, Retweets und Kommentaren. Die Designer dieser Dienste sprechen hier von einer »positiven Nutzererfahrung«. Die Stimmlage erinnert dabei oft an Drogenhändler […].

bei solchen abschnitten, in denen arroganz und verachtung bei schrems durchscheint, habe ich mich immer wieder gefragt, warum (offenbar) niemand das manustript gegengelesen und korrigiert hat. möglicherweise sind solche absätze auch köder für papier-feuilletonisten wie ebbinghaus, die in solchen absätzen dann ihr intellektuelles vergnügen finden und das buch positiv rezensieren. ich finde solche passagen vor allem überflüssig und der sache nicht dienlich. benutzer als dämliches klickvieh, dass sich von der industrie mit „roten Zuckerln“ in „Pawlowsche Hunde“ verwandeln lässt oder in „total willenlose Zombies“ findet max schrems dann nach vier, fünf seiten wortschwall auch irgendwie „überspitzt“ und relativiert seine beschimpfungen dann als anregung zum „überdenken“.

auch die paternalistisch angehauchte panikmache in sachen filterblasen kommt nicht zu kurz:

[D]ie Algorithmen [schneiden] jene Seiten weg, die Sie selten lesen. Politik? Weg damit! Sie blättern eh immer nur darüber. Dafür gibts jetzt 25 Seiten Sport und Chronik. Wenn Sie glauben, jeder bekommt die gleichen Ergebnisse bei Google, die gleichen Updates bei Facebook oder die gleichen Vorschläge bei Amazon, dann liegen Sie falsch. Es wird alles anhand Ihrer Daten gefiltert und angepasst. […] Andere Meinungen und neue Dinge, für die wir uns bis dato nicht interessiert haben, werden weggefiltert. Demokratiepolitisch ein Wahnsinn.

ein wahnsinn, wie schwierig es ist ein differenziertes buch zu schreiben, in dem andere meinungen und neue dinge nicht einfach weggefiltert werden. noch schwerer ist es natürlich ein buch zu schreiben, in dem man bei einer meinung bleibt:

auf seite 88 erzählt schrems wie nutzlos anonymisierung und pseudonymisierung von benutzerdaten ist und zählt mehrere beispiele auf, wie man aus ano- oder pseudonymisierten daten auf identäten zurückschliessen kann. unter anderem erzählt er von der berühmten AOL-datenspende vor acht jahren, aus der sich (natürlich) zahlreiche persönliche daten rekonstruieren liessen.

auf seite 194 schlägt schrems dann plötzlich im kapitel „was tun?“, bzw. „Privacy by Design“ vor, künftig einfach „viele Daten auch anonymisiert oder zumindest pseudonymisiert zu speichern“, um sie zu schützen.

auf seite 94 behauptet schrems, dass auf der seite des ORF „keine Daten der Nutzer“ gesammelt werden:

Jedenfalls funktioniert das, wie bei den meisten klassischen Webseiten, ohne irgendwelche Überwachung und Datensammelei.

das stimmt eben auch nur so halb. die vier externen tracker die beim aufruf von orf.at aufgerufen werden, sammeln nach eigenen angaben anonyme („Ad Views, Browser Information, Hardware/Software Type, Interaction Data , Page Views“) und pseudonyme („IP Address (EU PII)“) daten, die sie wiederum auch mit dritten teilen (xaxis) oder nicht sagen ob sie das tun (adition, meetrics, owa). so oder so preisen sich sowohl adition, als auch xaxis dafür an, targeting, also personalisierte, auf datensammelei basierende werbung anzubieten.

zugegebenermassen findet das „Ausspähen für Werbeklicks“ (zitat uwe ebbinghaus) beim ORF in geringerem umfang als auf vielen anderen werbefinanzierten nachrichtenseiten statt, aber zu behaupten, die meisten klassischen webseiten funktionierten ohne „irgendwelche Überwachung und Datensammelei“ ist quatsch. zumal schrems am ende des buches seinen lesern auch explizit „Plug Ins für […] Browser“ (schreibweise schrems) empfiehlt, „die Tracking so weit wie möglich unterbinden“. also plugins wie ghostery oder donottrackme oder disconnect oder priv3.

die ungenauigkeiten, die fehler, die auslassungen, der unwillen zu differenzieren und bindestriche zu benutzen macht die ersten zwei teile des buches wirklich schwer und unvergnüglich zu lesen. natürlich stimmt vieles was schrems sagt, das eine oder andere ist sogar ganz interessant, aber für ein buch reicht das nicht. oder besser: hätte jemand das buch um mindestens die hälfte eingedampft, ein paar fehler rauskorrigiert und schrems dazu gedrängt sich auf das konkrete zu konzentrieren, hätte das ein lesenswertes buch werden können. (wenn ich, ausgerechnet ich, übermässig viele fehler finde, ist das immer ein ganz schlechtes zeichen. CO² mit hochgestellter zwei schreiben? „Lösungsfristen“?)

denn wenn schrems über die juristischen und fiskalen tricks von facebook redet, die hilflosigkeit des gesetzgebers, der datenschützer und die absurditäten des europäischen rechts beschreibt, liest sich das buch ganz gut. auch seine konkreten vorschläge am ende des buches, was einzelne, was alle tun könnten, wo auswege zu finden sein könnten, sind anregend und beinahe inspirirend.

kurz vor ende schreibt schrems im kapitel „Bewusstseinsbildung“:

Ein großes Problem ist dabei, dass wir von sehr abstrakten, nicht greifbaren Problemen sprechen. Wie mich der östereichische Fersehmoderator treffend fragte: »Wie filmen Sie Datenschutz? Wie zeigen Sie verlorene Freiheit? Wie werden solche abstrakten Begriffe für den Durchschnittsnutzer sichtbar?« Die Vermittlung dieser Probleme braucht viel Aufwand, viel Können und Engagement.

an aufwand und engagement fehlt es schrems jedenfalls nicht.

im stehen pinkeln und dabei auf die wichtigkeit des hinsetzens hinweisen

felix schwenzel,    

kennt ihr leute die im stehen ins klo pinkeln und dabei vorträge darüber halten, wie wichtig es sei, im sitzen zu pinkeln?

ich glaube ich kenne einen: uwe ebbinghaus.

uwe ebbinghaus fasst auf faz.net das kämpf-um-deine-daten-buch von max schrems zusammen (hier die verlagswebseite auf facebook), der die ahnungslosigkeit von ein „paar Unternehmern“ beklagt, die sich pauschal allen möglichen quatsch von nutzern absegnen lassen würden, aber bei den entscheidenden punkten patzen würden:

Die wirklichen notwendigen Erklärungen beträfen dagegen nur die Datenweitergabe, also das Ausspähen für Werbeklicks.

damit ist für ebbinghaus (und womöglich max schrems) klar: solche unternehmen haben etwas zu verbergen.

das alles steht auf einer faz.net-seite die laut ghostery 28 tracker lädt, wovon pi mal daumen 20 dem „Ausspähen für Werbeklicks“ dienen.

kein einziger dieser tracker mit so schillernden namen wie appnexus, adform, audience science, chartbeat oder doubleclick, wird in den datenschutzhinweisen von faz.net erklärt.

jetzt kann man natürlich sagen, wie? darf eine firma, die ihre leser für werbeklicks auspäht oder die sich dank listenprivileg vorbehält deren abonenntendaten an dritte zu verkaufen, nicht auch die datenschutzmissstände einer anderen firma kritisieren? natürlich darf und soll sie das. aber ein hinweis darauf, dass man während man die kritik an „Ausspähung für Werbeklicks“ liest, die eigene IP-adresse, daten über das betriebsystem, vorherige besuche und mögliche interessen an ca. 20 verschiedene firmen übermittelt werden, so ein hinweis wäre schon ganz cool. ohne diesen hinweis hat man irgendwie das gefühl, dass dieses faz.net irgendetwas zu verbergen hätte.

am schluss des buches kann sich uwe ebbinghaus übrigens kaum ein lachen zurückhalten, weil „die digitalen Großunternehmen [über Jahre hinweg] im Windschatten der allgemeinen technischen und rechtlichen Unwissenheit“ hokuspokus betrieben hätten. angesichts des hokuspokus auf faz.net (targeted werbung, „audience science“) muss ich dann wiederum ein bisschen lachen.

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das sind die tracker die ghostery mir am 6.6.2014 auf dieser seite gemeldet hat. die werbetracker habe ich mal mit den informationen von ghostery.com verlinkt, social plugins und die 5 analyse-tools hab ich nicht verlinkt.

womöglich denken die faz.net-betreiber, dass ihre besucher die datenschutzkonformität der teilweise angeblich anonymen oder pseudonymen ausspähung bei jedem einzelnen der oben aufgeführten dienste prüfen und bei bedarf ausopten. ich gehe einen einfacheren weg, indem ich alle mir unbekannten dienstleister einfach per ghostery blockiere. eine angenehme nebenerscheinung davon ist, dass dadurch fast alle werbung ausgeblendet wird.

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wirres.net ist ebenfalls nicht tracker-frei. ich habe mir allerdings mühe gegeben möglichst wenig tracker oder dienste dritter ungefragt in den benutzerbrowser laden zu lassen. so zähle ich meine besucher mit einem selbstgehosteten piwik (das IP-adressen vor der speicherung anonymisiert) und lade fonts von einem adobe-server. einige eingebettete tweets laden javascript und assets vom twitter-server nach. in der artikel-ansicht kann man die anzeige von kommentaren, und diversen social-network-buttons aktivieren. diese anzeige führt dann zum nachladen von resourcen dieser anbieter — aber eben nur auf wunsch des besuchers. standardmässig, bzw. für erstbesucher ist die anzeige dieser dienste deaktiviert. ausserdem werden anzeigen von meinem werbevermarkter stilanzeigen nachgeladen.

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zuerst auf facebook gepostet.

don’t mention the facebook

felix schwenzel,    

facebook, bzw. die facebook-sprecherin tina kulow vermutet kritik an facebook verletze möglicherweise die markenrechte von facebook. das schrieb sie zumindest unter einen kommentar, in dem sich die initiative europe vs facebook darüber beklagte, dass ihre facebook-werbung für einen ihrer facebook-mitteilungen abgelehnt wurde.

tina kulow:

Richtlinien bei Facebook sind für alle gleich. In diesem Fall vermute ich, verstößt der Text gegen unsere Werberegeln.

(hervorhebung von mir)

der rest des kommentars ist ein zitat aus den werberichtlinien, die werbeanzeigen und zielseiten als ungeeignet qualifizieren, wenn sie „unsere Urheberrechte bzw. Markenzeichen […] oder irgendwelche anderen ähnlichen, leicht zu verwechselnden Zeichen“ verwenden.

tja. wer also so doof ist seine initiave europe vs facebook zu nennen, muss dann dann also damit rechnen keine werbung für seine initiative auf facebook schalten zu können. wegen markenrechten oder verwechselungsgefahr. es könnte ja der eindruck erweckt werden … hm … dass man facebook auch kritisch sehen könnte? oder noch schlimmer, dass facebook zur selbstkritik fähig ist?

meine vermutung, dass der job als pressesprecherin von facebook irgendwie unbefriedigend sein könnte, weil man absurde und wilkürliche regelungen die man selbst nicht versteht öffentlich verteidigen müsste, beantwortete tina kulow wie aus dem lehrbuch für pressesprecher und spin-doktoren. nämlich mit einer antwort auf einen vorwurf den weder ich noch europe vs facebook erhoben hat:

Die Kritik ist nicht das Problem, sondern eher der Vorwurf der Zensur, der schlicht nicht stimmt.

[nachtrag 07.06.2014]
eine facebook-mitteilung von europe vs facebook die den namen jehova facebook nicht erwähnt, wurde von facebook als „sponsored story“ freigeschaltet.

Max Schrems hat soeben seine neues #‎Buch "KÄMPF UM DEINE DATEN" herausgebracht.
Die ganze Datenschutzdebatte leicht und verständlich in einen Buch verpackt. Ohne Weltuntergangsstimmung, aber mit dem vollem Expertenwissen und den Hintergründen u.a. aus 3 Jahren [eines Kampfs gegen ein großes Soziales Netzwerk].
Von "Bullshit-Bingo" (z.B. "Du hast doch nichts zu verstecken!?"), über Big Data, der Willkür von Internet-Monopolen und den Unterschiede zwischen den USA und Europa bis zu den Lösungsmöglichkeiten spannt sich der Bogen im Buch.
Für jede Buchbestellung über kudd.co gehen übrigens €2 #‎Spende an [eine NGO, die gegen diese große Soziale Netzwerk klagt und auch Betreiber dieser Seite ist]. Das Buch ist aber auch in jeder Buchhandlung erhältlich!
Max Schrems – Kämpf um deine Daten
ISBN: 978-3990010860
edition a, Wien 2014, 221 Seiten
Preis: 19,95€ / 16,99€ (eBook, mit SoftDRM)

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die überschrift habe ich mit dem nachtrag vom 07.06.2014 gegen 9 uhr von „die facebook-pressesprecherin versteht die facebook-werberegeln genausowenig wie jeder andere“ zu „don’t mention the facebook“ geändert.

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auf facebook:

anderswo:

risse am holocaust-denkmal

felix schwenzel,    

offenbar haben fast alle stelen des holocaust denkmals risse. so stehts in der zeitung und der wikipedia. tatsächlich kann ich mich an die ersten diskussionen dazu bereits zwei jahre nach der eröffnung erinnern.

der geschäftsführer der holocaust-mahnmals-stiftung uwe neumärker sagte damals laut taz:

„Im Eisenman’schen Verständnis könnte man mit der Verwitterung leben“, sagt Neumärker. Die öffentliche Meinung indes tut sich damit schwer.

einige der stelen werden jetzt von stahlmanschetten zusammengehalten.

stelenmanschette aus stahl

ausser der öffentlichen meinung, scheint es keinen klaren grund zu geben, warum die manschetten angebracht wurden. peter eisenman, der architekt des stelenfeldes, findet sie jedenfalls nicht gut und geht vor allem nicht davon aus, dass „die Situation“ gefährlich sei.

ich sehe das eigentlich wie vor sieben jahren: warum soll am stelenfeld nicht auch der zahn der zeit nagen? eigentlich altert beton ja durchaus in würde. er ist, soweit ich weiss, durchgefärbt und die stelen sind massiv, also durch und durch aus armiertem beton gebaut. das heisst theoretisch, dass wegen der armierung nur kleinere stücke rausbrechen können.

welche gewalt man anwenden muss, um grössere stücke aus armiertem beton rauszubrechen, konnte man wunderbar beim abriss des palast der republik oder einem anderen stelenfeld sehen.

westwall

CC-BY-3.0, peter tritthart

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[nachtrag]
in der wikipedia steht:

Die Stelen sind hohl, um die Herstellungskosten und das Gewicht gering zu halten. Ihre Wandstärke beträgt rund 15 cm. Außerdem wurde bei Stelen, die bis zwei Meter hoch sind, im Vertrauen auf die gewählte Betonrezeptur auf eine innere Stahlbewehrung verzichtet.

das hört sich in meinen ohren nicht besonders klug an. bei einer bauweise ohne armierung könnten einige stelen dann wohl doch auseinanderbrechen (statt nur zu bröckeln). irre.
[nachtrag ende]

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einer der wenigen sprüche die ich mir aus der materialkunde beim architekturstudium gemerkt habe, ist der von materialien die in würde altern und solchen die es nicht tun. massivholz ist da mein lieblingsbeispiel. ein massivholztisch sieht auch nach ein, zwei schlägen mit einer axt noch gut aus, ein furnierter spanplattentisch oder ein LACK-tisch von ikea, der im prizip aus lackierter pappe besteht, sieht danach nicht mehr würdevoll aus.

deshalb finde ich, dass man das stelenfeld — oder zumindest den beton — seinem schicksal überlassen sollte. ich finde die intakten stelen zwar auch wunderschön, die scharfen kanten, die glatte oberfläche, aber genauso schön finde ich die risse.

riss und reparatur an einer stele

auf dem bild sieht man auch wie hilflos und naiv die gut gemeinten reparaturversuche aussehen. abgesehen davon vermute ich übrigens auch, dass verwitterungsbeständige stelen aus beton ein ding der unmöglichkeit sind. um zu verhindern dass wasser in den beton eindringt — und dann bei frost sprengt — müsste man die stelen mit kunstharz oder lack überziehen, den man dann aber auch regelmässig erneuern müsste. das wäre bestimmt nicht im sinne des erfinders.

was ich übrigens viel schlimmer als rissige stelen oder hilflose stelenmanschetten aus stahl finde, sind details wie dieses am eingang zum besucherzentrum.

platiskkisten am eingang zum besucherzentrum

sowas haben wir früher „geschenke an den architekten“ genannt und ich bin sicher, peter eisenman würde implodieren, wenn er die blaue plastikkiste dort sehen würde.

[Werbung] Gadgets für die Küche

felix schwenzel,    

Ich wundere mich ja immer, warum das ganze Internet voll ist von Blogs die sich mit Geräten beschäftigen, mit denen man Kommunizieren oder Konsumieren kann. Oder Holz fällen. Aber sehr wenige Webseiten im Netz beschäftigen sich mit den alltäglichen Helfern im Haushalt, bzw. in der Küche.

gadgets für die küche

Ich habe deshalb eine Ebay-Kollektion angelegt, in der ich essenzielle Küchen-Gadgets aufliste, die ich selbst nutze oder die ich mir wünsche. Über Gadgets mit denen sich wirklich guter Kaffee herstellen lässt, habe ich schonmal geworben geschrieben. Auch unseren grossartigen Dörrautomaten habe ich schonmal am Rande erwähnt.

wir haben jetzt einen dörrautomaten. darin kann man einen sack in geschälte und in scheiben geschnittene äpfel legen, 8 stunden laufen lassen und danach eine tupperschüssel getrocknete apfelschiben rausholen. lässt man sie 12 stunden drin, hat man apfelchips. 24 stunden bei 500 watt kosten ca. einen euro strom, das kommt am ende billiger als trockenobst im laden zu kaufen. und dörren kann man wirklich alles: tomaten, fruchtmus (ergibt fruchtgummi), ananas — und alles ist lecker. die anschaffung des jahres.

Mit manchen Maschinen, wie unser Entsafter, lassen sich so grandiose Dinge herstellen, dass ich gar nicht verstehe, warum es noch Menschen gibt, die sich fertig abgepackte und pasteurisierte Säfte kaufen. Na gut, das war gelogen, ich verstehe das schon, es ist vor allem Bequemlichkeit. Aber der Geschmack von ein paar selbst entsafteten Äpfeln und Karotten ist einfach unschlagbar und eben nicht vergleichbar mit wochen- oder tagelang gelagerten und transportierten Saftprodukten aus dem Laden. Auch die sogenannten Smoothies, die eigentlich nichts anderes als überteuerter und flüssiger Glas-Babybrei sind, kommen da nicht mit.

Ein anderes Beispiel: warum kaufen Menschen noch Dosenöffner die Dosen mit gefährlichen Kanten öffnen, wenn es Öffner gibt, die Dosen so öffnen, dass man die Kanten danach ablecken kann?

Ebenso unverständlich ist mir, warum nicht jeder Haushalt im Besitz eines Piepei ist. Liegt das nur am bescheuerten Namen? Damit bekommt man wirklich fast immer perfekte Eier hin, ohne Eichung, App oder Stoppuhr.

Oder die Zyliss Knoblauchpressen. Ich habe vor drei Jahren, nachdem ich mit der spülmaschinenfestigkeit meiner ersten Zyliss-Presse experiemntiert habe, eine mit blossen Händen zerbrochen und in der Folge 2 Jahre mit anderen Knoblauchpressen experimentiert. Es war eine grässliche Zeit, in der ich ständig Knoblauch mit der Hand kleingewürfelt habe, weil die anderen Pressen so schlecht benutzbar waren. Vor etwa einem Jahr habe ich eine gebrauchte Zyliss-Presse von meiner Mutter vermacht bekommen und bin seitdem wieder ein glücklicher mit-schale-Knoblauch-Presser.

Laut wikipedia sind Knoblauchpressen übrigens heftig umstritten. Allerdings wird dort auch eine Studie erwähnt, laut der das (frische) Pressen von Knoblauch auch gesundheitlich förderlich sein soll.

Aber um die rhetorische Frage aus dem ersten Absatz zu beantworten: über Küchen-Gadgets schreiben wahrscheinlich so Wenige, weil die Innovationszyklen bei Küchengeräten so lang sind. Das erste Zyliss-Knoblauchpressenmodel hat glaube ich 20 Jahre bis zum ersten Produktupdate gehalten.

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Dank Anke Gröner ist diese Microplanereibe schon (viel zu) lange auf meinem wunschzettel.

und ihr so? welche küchengeräte-/gadgets findet ihr unverzichtbar? Welche sind auf euren Wunschlisten? Welche müssten noch erfunden werden?

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Gadgetliste für die Küche in der Wikipedia.

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[Für die Erstellung und Bewerbung von ein paar Ebay-Kollektionen habe ich ein (pauschal) Honorar bekommen. Etwas mehr zu den Ebay-Kollektionen habe ich hier geschrieben.]

meine lieblings rp14-vorträge

felix schwenzel,    

ich fand die republica dieses jahr, wie jedes jahr, sehr vielseitig. es gab viele vorträge die mich langweilten oder es nicht schafften meine aufmerksamkeit für länger als 10 minuten zu halten, aber eben auch viele, die ich toll fand und die ich im folgenden empfehlen möchte. die vorträge die mich nicht so irre doll fesselten erwähne ich nicht, was aber natürlich nicht heisst, dass ich alle vorträge die ich nicht erwähnte doof fand. im gegenteil.

was mir auch wieder auffiel: grosse, bekannte namen bedeuten nicht automatisch tolle vorträge. ich fand den vortrag der yes men kreuzlangweilig, saskia sassen hielt ich nur 10 minuten durch, peter weibels genuschel nur 3 minuten. david hasselhoffs auftritt fand ich desaströser für sein image, als das cheeseburger-video.

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eine folie aus holm friebes rp14-vortrag

am beeindruckensten finde ich vorträge in denen man dem vortragenden anmerkt, dass er oder sie sich nicht nur mühe gemacht hat etwas zu recherchieren, sondern diesen wust an informationen auch schafft auf das wesentliche einzudampfen. vorträge, in denen ich etwas neues hinzulerne oder einen neuen blickwinkel auf altbekanntes gewinne. oder vorträge die mich unterhalten. all das hat holm friebe ganz wunderbar geschafft. er hat es geschafft sein 216-seiten-buch auf eine halbe stunde keynote-präsentation einzudampfen, hat mich mehrfach zum lachen gebracht und sehr liebevoll mit keynote-effekten rumgespielt. ausserdem hatte er eine der besten folien der republica (im vortragsvideo in etwa bei minute 7:48).

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moritz metz hat seine bild-text-audio-reportage „Wo das Internet lebt“ auf knapp 30 minuten vortrag eingedampft und ich habe mich in den 30 minuten keine sekunde gelangweilt. an ein paar stellen habe ich auch lachen müssen, vor allem als moritz metz darauf hinwies, dass er keine gewissens-probleme damit hatte larry page’s haus zu fotografieren, da der ja schliesslich auch unsere häuser fotografiert hat.

auch sein schlusswort, eine liebeserklärung an die menschen im internet, fand ich sehr geschmeidig.

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was mir dieses jahr auf der republica (wieder) sehr gefehlt hat, waren die kleinen unprätentiösen gespräche von philip banse auf einer der hauptbühnen mit internetmenschen.

er hat zwar dieses jahr wieder mit sehr vielen menschen geredet, meistens allerdings über den vergangenen oder bevorstehenden tag oder über den gehaltenen oder bevorstehenden vortrag des jeweiligen gesprächspartners. das hier ist die playlist mit allen gesprächen die philip banse auf der republica aufgezeichnet hat (23 clips).

drei gespräche habe ich mal herausgepickt. das erste ist mit christian flisek, dem SPD-obmann im NSA-untersuchungsausschuss des bundestages. das gespräch ist einerseits, wie die meisten gespräche mit politikern, rhetorisch glattgeschliffen und relativ nichtssagend — und dann eben auch wieder nicht. ich fand das gespräch jedenfalls ganz sehenswert, was aber auch damit zusammenhängen kann, dass ich, als ich es gesehen habe, noch in der vorbereitung meines eigenen vortrags steckte.

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mit stefan niggemeier unterhält sich philip banse über geld, leidenschaft und journalismus. ich empfehle jedem, der sich noch nicht sicher ist ob er oder sie die krautreporter unterstützen will, dieses gespräch anzusehen.

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das gespräch mit ron deibert habe ich erst nach meinem eigenen vortrag gesehen und viele meiner (nicht so irre originellen thesen) in deiberts gespräch wiedergefunden. banse und deibert unterhalten sich über die „dunklen seiten“ der enthüllungen von edward snowden, beispielsweise dass sich jetzt überwachungsausstattung noch besser verkauft als früher. oder die eher ironische konsequenz, dass massenüberwachung und metadatenerfassung plötzlich als völlig normal gilt und beispielsweise barack obama metadatenerfassung in seinen reden als etwas darstellt das wir selbstverständlich und zwangsläufig bräuchten — als hätte es dazu jemals parlamentarische oder gesellschaftliche debatten gegeben.

ron deibert weist darauf hin, dass wir es hier nicht mit speziellen internetthemen zu tun haben, sondern dass es hier um zeitlose, gesellschaftliche und politische fragen gehe, die im prinzip seit den alten griechen verhandelt werden: „how do we structure govennment? what is acountability? what is proper oversight?“ wie gestalten wir die beziehungen zwischen bürgern und dem staat?

letzter punkt, den ich auch in meinem vortrag versucht habe rüberzubringen: dass wir vor allem deshalb keine breite gesellschaftliche opposition gegen die totalüberwachung haben, weil die westlichen regierungen bisher nicht dumm genug waren die erkenntnisse massiv zu missbrauchen.

i think what needs to happen is some evidence of abuse. if the govenment is using this kind of information along the line of a watergate scandal, then i think that might trigger reforms.

(weshalb ich ja denke, dass es wichtig sein könnte, die regierungen so zu provozieren, dass sie sich zu dumheiten hinreissen lassen.)

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apropos provokation, per cromwell und christoph brunmayr haben sich in ihrer halben republica stunde als sehr begabte medien-provokateure gezeigt. meiner meinung nach haben sie sich beeindruckender und vor allem weniger prahlerisch als die für meinen geschmack etwas eitlen yes men dargestellt. ich glaube, aus dem vortrag von per cromwell und christoph brunmayr kann man einiges lernen. sehr sehenswert.

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schwieriges thema (pornografie und revolution), könnte man denken, aber meiner meinung nach sehr unfallfrei, unterhaltsam und souverän rübergebracht. und informativ. journelle über „Die digitale sexuelle Revolution“.

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ein ziemlich trockenes thema, aber nichtsdestotrotz wichtig und bisher unterdiskutiert und mit (zu) wenig aufmerksamkeit bedacht; die frage danach wie wir regulierung und „demokratische Kontrolle politischer Prozesse“ nicht nur im internet wieder herstellen können. frank rieger hat das thema auf knapp 23 minuten eingedampft und am ende sogar ein paar konstruktive vorschläge.

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auch ein wichtiges und unterdiskutiertes thema: wie wollen wir unser verhältnis zu maschinen künftig gestalten? ich habe das mal fragmentarisch mit einer butler-analogie versucht zu visualisieren und auch sarah spiekermann sagt an einer stelle ihres vortrags, „die maschinen haben uns zu dienen“. vor allem weist sie darauf hin, dass die maschinen bereits regelmässig asimovs robotergesetze verletzen.

das thema und die intention des vortrags finde ich, wie gesagt, hochinteressant. leider war der vortrag selbst nahezu unerträglich. sarah spiekermann benutzt möglicherweise einen ironie- oder sarkasmusdialekt, der mir unverständlich ist. ich fragte mich während des vortrags ständig, was sie mit „lustig“ meint. eine vokabel die sie alle acht bis neun sätze einstreut und mit der sie sowohl dumm, lächerlich, verabscheuungswürdig, aber auch interessant, witzig und vorbildlich meinen könnte.

was mich möglicherweise am meisten an spiekermanns vortrag störte, war der relative mangel von eingängigen analogien oder erzählungen. und wenn sie mal analogien nutze, waren die stereotyp oder quatsch, wie zum beispiel das bescheuerte und falsche bild von den fröschen, die nicht merken dass das wasser langsam heiss wird.

ebenso unwidersprochen blieb ihre quatschbehauptung, dass wir, wenn „wir“ in mobiltelefone starren, alle in das „gleiche ding“ schauen würden. das ist es eben genau nicht. diese kleinen kisten sind fenster, die sich alle in einer anderen gegend der welt öffnen und oft orte zeigen, von denen jeder als kind geträumt hat: geheime orte, versteckte orte, magische orte oder eben auch marktplätze.

trotzdem empfehle ich, den vortrag anzusehen.

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lorenz matzat hat in seinen 30 republica-minuten nahzu druckreif über „Roboterjournalismus“ gesprochen. auch er sprach kurz asimovs robotergesetze an. ich empfehle den vortrag, weil er wunderbar informativ ist und man in jeder sekunde merkt, dass lorenz matzat genau weiss von was er spricht.

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sehr empfehlen möchte ich auch elisabeth michelbachs vortrag, der ein paar sehr gut nachvollziehbare bögen schlägt. mal von der literatur zum blogdings, aber auch von der literatur zu unserem mangel an qualitativ hochwertigen oder überzeugenden narrativen um die totalüberwachung nachvollziehbar oder plastisch zu machen. ich mag es auch immer sehr, wenn man spürt, wie leidenschaftlich ein vortragender oder eine vortragende sich für das thema interessiert.

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viel leidenschaft versprühten auch anne wizorek und kübra gümüşay, die beide am anfang des panels die geschichte ihrer hashtags #aufschrei und #schauhin nacherzählten. wobei kübra gümüşay besonders leidenschftlich und überzeugend darauf hinwies, dass rassismus etwas ist, das auch in der mitte der gesellschaft ein problem ist. vor allem ein problem, dem wir selbst immer wieder erliegen und uns deshalb umso intensiver damit beschäftigen sollten.

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wenn man sich das gespräch zwischen markus beckedahl und kai biermann auf bühne 2 ansieht, könnte man denken: „hm. sind die immer so?“ die antwort lautet ja — und das ist auch der grund warum ich beide so gerne mag.

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navid kermani über deutschland

felix schwenzel,    

starke, sehr, sehr tolle rede von navid kermani im deutschen bundestag. lenz jacobsen überschlägt sich in der zeit vor lob, völlig zu recht, und ich bin sicher, dass das lob in den nächsten tagen nicht abebben wird.

die rede ist hier im wortlaut nachzulesen und hier kann man sie sich ansehen (kermani fängt so ungefähr bei 17 minuten an zu reden).

ich habe mir zwei zitate rausgepickt, die ich besonders gut fand, was natürlich keine super-tolle idee ist, weil die rede natürlich nur im ganzen funktioniert (und mir im ganzen sehr aus dem herzen spricht):

Wie froh müssen wir sein, daß am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen, die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten.

Dieser Staat hat Würde durch einen Akt der Demut erlangt.

kritik-kritiker kritik

felix schwenzel,    

da wird das rad neu erfunden wird ein tolles projekt präsentiert und statt in dankbarkeit und euphorie zu erstarren, bemäkelt die netzöffentlichkeit das vorhaben.

einige wundern sich zum beispiel, warum nicht ausreichend serverkapazitäten bereit gestellt wurden, damit die seite nicht am ersten tag zusammenbricht. bei ein paar zahlungswilligen wird die zahlung nicht akzeptiert und wieder andere wundern sich, dass so wenige frauen bei dem projekt mitmachen.

diese netzöffentliche kritik (auch von mir) war, soweit ich das mitbekommen habe, differenziert und wohlwollend. mal mehr, mal weniger.

die kritik scheint auch ziemlich schnell gewirkt zu haben, es wird stellung bezogen, diskutiert und besserung angekündigt.

trotzdem rief die kritik dann aber auch gleich die schnappatmer auf den plan. die sind empört, wie man als „nicht-macher“ („mach doch erstmal selbst was“) leute kritisieren könnte, die „endlich mal“ was machen. offenbar ist es immer noch nicht bekannt, dass nur spitzenköche sich über versalzene suppen beschweren dürfen.

marcus brown beklagt sich beispielsweise bitter über die trollerei und das „mundane whining“ der „netzgemeinde“ und martin weigert fürchtet, dass „verfrühte“ kritik das zarte krautpflänzchen kaputtmachen könnte oder die positive sogwirkung des technologie-standorts deutschland gefährden könnte.

dabei ist das gegenteil der fall. durch kritik können dinge besser werden. kritik ist auch ein toller stress-test: wie gut können leute unter druck arbeiten? halten sie dem druck der öffentlichkeit stand? können sie krisenkommunikation? sind sie lernfähig? können sie relevante kritik von quatsch unterscheiden? sind sie souverän und von ihrem projekt überzeugt?

mindestens einer der künftigen krautreporter hat auch schon frühzeitg erkannt, dass man seine eigenen defizite und schwächen hervorragend von dritten vertikulieren lassen kann — wenn man denn will. peer schader sagt in seinem krautvideo (fettungen von mir):

ich glaube, der grosse vorteil von online ist natürlich tatsächlich, dass ich die möglichkeit eines feedbacks habe. das heisst als journalist muss ich mich natürlich darauf einstellen, dass ich eins um die ohren bekomme, weil die leser im zweifel auch schlauer sind als ich und was dazu beitragen können, aber das stärkt ja im grund genommen nur das produkt. weil mein job isses möglichst viel rauszufinden. deshalb rede ich mit fachleuten, aber wenn die leute gleichzeitig leser sind, hab ich da ja kein problem mit. das ist ja im gegenteil ganz wunderbar. dann können die auch was dazu beitragen, dass die geschichte besser wird, oder dass ich beim nächsten mal weiss, dass die geschichte besser wird — oder was ändern kann.

im grund genommen ist ein grosser teil meiner recherche immer wieder das feedback, das ich von den lesern bekomme, die einfach natürlich viel breiteres wissen haben oder einfach auch an orten sind, wo ich nicht so schnell hinkomme.

sehr vorausschauend der peer. guter mann (keine ironie). allein für den, lohnt es sich 5 euro im monat zu investieren. das mach ich dann auch, sobald die krautreporter ihre verkackte bezahl-technik im griff haben.

vimeo-video

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