rss befreit

felix schwenzel, in wirres.net    

thomas pleil wundert sich ob und wie delicious ihn beim kuratieren von ledetipps unterstützt.

Digitales Kuratieren ist ein Dienst für andere, um ihnen Lesetipps zu geben und einzelne Fundstücke aus dem rasenden Infostrom des Internets festzuhalten.
[…]
Ich finde einen interessanten Beitrag, kommentiere ihn kurz und verschlagworte (tagge) ihn. Das Ganze wandert dann (einschließlich Tags) in mein Blog – zu meinen Lesern. Mir war diese Möglichkeit besonders sympathisch: Erstens, weil ich diese Art von Beiträgen auch bei anderen gern lese, zweitens, weil das Ganze in mein Ecosystem hineinkommt, drittens, weil der Aufwand für mich relativ gering ist, denn ich muss nicht eine halbe Stunde am Stück meine Links zusammenkramen, sondern lege sie ab, sobald ich drüber stolpere.
[…]
Doch – und damit endlich zur Überschrift – Delicious mag das nicht mehr.

auf der einen seite arbeitet delicious daran, neue wege für das kuratieren, das weitergeben von lesetipps zu entwickeln, andererseits wurden beim neuen delicious einige erprobte und liebgewonnene methoden deaktivert — möglicherweise auch nur zeitweilig.

mir war die methode, mit der delicious links in weblogs posten konnte einerseits immer ein bisschen suspekt, andererseits ein bisschen zu unflexibel und vor allem funktionierte sie mit meiner blogsoftware nicht. wenn ich mich recht erinnere musste man delicious einen zugang zu seinem blog per username und passwort geben und delicious postete die links dann als artikel per xml-rpc in, beispielsweise, wordpress.

bei mir hat es eine weile gedauert bis ich es umgesetzt habe, aber die lösung ist RSS.

im juni habe ich ein kleines script geschrieben, dass die links des vortages per RSS einliest, daraus nach meinen vorgaben einen artikel baut und veröffentlicht. als mir delicious jetzt im september zu unbenutzbar wurde, konnte ich einfach durch ändern der feedadresse die funktionalität beibehalten — mit pinboard, statt delicious. meine twitter-favoriten sammle ich ebenfalls per RSS ein und lasse sie einmal monatlich veröffentlichen.

RSS ist sowas von nicht tot. RSS ist, neben dem browser, das stück technik das ich am meisten benutze. einmal um an informationen, links, leseempfehlungen ranzukommen (über die 971 RSS-feeds die ich abonniert habe, plus die 221 leute, die mir gelegentlich etwas in meinen google reader reinsharen), aber auch um das was ich für lesenwert halte oder selbst schreibe wieder zu verteilen.

393 leute folgen meinen empfehlungen im google-reader (link, RSS-link), dem RSS-feed von wirres.net folgen (laut feedburner) ca. 4000 leute (die anzahl der besucher — laut piwik — schwankt auf der seite selbst so zwischen 1000 und 1500). den wirres.net-RSS-feed füttere ich wiederum per twitterfeed.com in das @wirresnet-twitter-account, immerhin 188 leute folgen den dort automatisch geposteten artikelüberschriften und links (die von pinboard an twitterfeed per RSS eingespeist werden). auf facebook folgen immerhin knapp 100 leute dem automatisch dort (per RSS) eingespeisten artikelüberschriften und anreissern auf der wirres.net-facebook-seite.

ich will jetzt gar nicht über die sinvölle davon sprechen, die eigenen RSS-feeds auf facebook oder twitter automatisiert aufschlagen zu lassen — was ich sagen will: RSS werkelt da überall im hintergrund — ohne dass man dafür grossartig programmieren können muss.

ausser mir mag und sieht zwar niemand meine links-seite, aber alles was dort auftaucht, meine twitpics, hinweise auf seiten die auf wirres.net linken, meine letzten formspring-antworten oder meine lieblings-tweets — wird alles per RSS eingelesen, zwischengespeichert und HTMLisiert dargestellt.

was ich sagen wollte: RSS ist nicht tot. und RSS ist der weg um eigene inhalte aus den „walled gardens“ von drittanbietern zu befreien.

und ihr so? wie nutzt ihr RSS?

„ganzheitliche, patentierte HoloTrack-Technologie“

felix schwenzel, in wirres.net    

letzte woche donnerstag las ich auf dwdl.de eine pressemitteilung der firma laterpay (original PDF). während dwdl, die sich gerade selbst gross gefeiert haben, genau wie horizont.net, die pressemitteilung für sich sprechen lässt, recherchiert und hinterfragt das online-magazin kloake gulli in einer meldung zur pressemitteilung ein bisschen:

Ab 2012 soll es bei dem Nachrichtenportal Stern.de eine tiefgreifende Veränderung geben. Konkret sollen spezielle journalistische Inhalte ab dann über ein Bezahlsystem abgerufen werden können. Die Bezahlung wickelt der Münchner MicroPayment-Entwickler LaterPay ab.

[…]

Ebenfalls nicht gänzlich uninteressant ist in diesem Zusammenhang, dass das Unternehmen keine bisherigen Nutzer des Systems vorstellt und sich solche bei einer schnellen Suche auch nicht finden lassen. Laut dem Handelsregisterauszug wurde der Unternehmenszweck auch erst vor wenigen Monaten explizit hinsichtlich "Payment Interaktionsverfahren" erweitert.

in der pressemitteilung zitiert sich laterpay-gründer und -geschäftsführer cosmin-gabriel ene wie folgt:

Von Anfang an wurde LaterPay konsequent aus Sicht des Users entwickelt und auf die Bedürfnisse der Paid-Content- Anbieter ausgerichtet. Wesentliches Ziel von LaterPay ist die Heranführung des Users an Paid-Content über niedrige Einstiegsschwellen.

aha. nachdem sich also immer wieder grosse und kleine unternehmen daran versucht haben, ein micropayment-system zu entwickeln das sowohl von den nutzern, als auch den anbietern akzeptiert wird — und bis jetzt alle daran gescheitert sind (2005: PayPal: Neues Preisschema speziell für Micro-Payments, 2010: Paypal führt Micropayment ein — wer benutzt Vodafone „Mobiles-Bezahlen“ oder mpass.de?) — kommt jetzt laterpay und löst alle probleme an denen so viele vorher gescheitert sind?

nichts gegen micropayment, im gegenteil, ein funktionierendes system wäre grossartig.

ich bin allerdings skeptisch. ganz allgemein, wenn ich mir die website von laterpay ansehe, wenn ich ankündigungen von ungelegten eiern lese und vor allem, wenn ich sätze lese wie diese:

LaterPay kombiniert die Benutzerfreundlichkeit von kostenlosem Content mit einer Zahlungsverpflichtung und senkt dadurch die Einstiegshürde in die Welt des bezahlten Contents signifikant. LaterPay wandelt unbekannte User in zahlende User.

laterpay behauptet, dass man sich als benutzer „weder vorher registrieren“ muss, noch „vorab persönliche Daten oder Kontodaten bekannt geben“ müsse. solange der warenkorb noch keine fünf euro erreiche, entstünden keine kosten und es seien weder eine registrierung, noch die angabe „persönlicher daten“ notwendig.

wie das funktionieren soll?

LaterPay bedient sich der ganzheitlichen, patentierten HoloTrack-Technologie, um das Endgerät des Users zu begleiten: vom Zeitpunkt der ersten Nutzung von kostenpflichtigem Content bis zur Zahlung.

gnihihi. ganzheitliche holotrack-technologie. was mich wundert: warum nicht auch noch „nachhaltig“?

am 29.09.2011 schronb ix eine email an laterpay, um nachzufragen was denn an kosten auf benutzer zukomme, wenn sie mehr als €5 im warenkorb haben und welche persönlichen daten dann angegeben werden müssten, die mail kam aber als unzustellbar zurück. wohlgemerkt: ich habe die email an die auf der website angegebene emailadresse geschrieben.

immerhin wurde die email an den „Kontakt für Presse“ zugestellt und einen tag später beantwortet: „wir haben Ihre Fragen an LaterPay weitergeleitet und melden uns mit den Antworten, sobald uns diese vorliegen.“

drei werktage später: keine antwort, aber dafür wurde die erwähnung der „ganzheitlichen, patentierte HoloTrack-Technologie“ von der website gestrichen. im google-cache ist sie noch zu finden (siehe screenshot unten), auf der website heisst es jetzt „LaterPay bedient sich einer zum Patent angemeldeten Technologie, um das Endgerät des Users zu begleiten.“ statt „LaterPay bedient sich der ganzheitlichen, patentierten HoloTrack-Technologie, um das Endgerät des Users zu begleiten.“ schade um das schöne buzzwording.

ich vermute meine fragen werden noch einige monate unbeantwortet bleiben. heute (06.10.2011) schickte mir die pr-agentur von laterpay folgende antworten. wer die genau beantwortet hat ist nicht ersichtlich, ich packe die antworten als zitat unter meine fragen:

sehr geehrte damen und herren,

ich würde auf wirres.net gerne etwas über „ihre ganzheitliche, patentierte HoloTrack-Technologie“ schreiben, bzw. das das micropayment-bezahlsystem das sie gerade (zusammen mit stern.de?) entwickeln. dazu habe ich ein paar fragen, die sich auf ihrer website nicht beantworten liessen:

HoloTrack heisst nun Fair Track.

* sie schreiben, dass keine kosten entstehen, bevor „der warenkorb“ nicht mehr als 5 euro erreicht. welche kosten entstehen mir als nutzer, wenn der warenkorb mehr als 5 euro erreicht?

Ihnen als Nutzer entstehen niemals Kosten für die Nutzung derTechnologie. Sie bezahlen nur für den Wert der Waren. Ähnlich wie am Zeitschriftenkiosk. Da bezahlen Sie auch nur die Zeitschrift – die Kosten für den Bezahlprozess trägt der Produzent der Zeitschriften. 
Wenn Sie also Artikel im Gesamtwert von für 5 Euro konsumiert haben, bezahlen Sie die 5 Euro. Wenn Sie einen Warenkorb von z.B. 5,12 Euro haben, bezahlen Sie die 5,12 Euro Rechnung und die Rechnung wird dann auf 0 gestellt.

* wenn ich mich registriere, welche daten müsste ich ihnen dann angeben?

Die Mindestinformationen, die für einen Onlinekauf notwendig sind.

* welche zahlungsmöglichkeiten bieten sie an? (kreditkarte, paypal, überweisung, handy?)

Die Auswahl an klassischen Bezahlanbietern wird beim Markteintritt bekanntgegeben und laufend erweitert werden. 

* welche kosten entstünden mir als anbieter? könnte ich beispielsweise einen artikel für 10 cent verkaufen? welche provision würden sie von 10 cent oder beispielsweise einem euro einbehalten?

Für das Pay per Use Modell rein erfolgsabhängige Kosten. Inhalteanbieter können bei LaterPay die Preise ihrer Produkte völlig selbständig und frei bestimmen. Vorgaben zu Preisgruppen und Mindetspreise wie bei iTunes, Android Marketplace etc. gibt es bei LaterPay nicht. Aus wirtschaftlichen Gründen empfiehlt LaterPay aber Preise von über 5 Cent. Bei Preisen von z.B. 5 Cent und abhängig von dem abgewickelten Volumen erhalten Contentanbieter bis zu 90% ausgeschüttet – bei 5 Cent Einzelpreis für einen Artikel also eine Ausschüttung von 4 bis 4,50 Cent.

Bei Metered Model / Abo Modellen werden bis zu 90% ausgeschüttet.

* benötige ich als nutzer von laterpay einen browser-plugin oder funktioniert der einkaufsvorgang mit allen üblichen browsern — ohne proprietäre erweiterung?

Sie benötigen keinen Browser Plugin. LaterPay funktioniert mit allen üblichen Browsern.

* verstehe ich das recht, dass ich beispielsweise an einem öffentlichen internetterminal „artikel“ für ≤ 5 euro einkaufen könnte und die verkäufer um diesen betrag betrügen könnte, wenn ich wollte?

LaterPay hat intelligente Technologien eingebaut, um solchen Missbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Aber es wird – wie in der Offlinewelt, in der man seine Zeitschrift im Supermarkt auch unbezahlt lesen kann – auch im Internet nicht ausgeschlossen sein, dass sehr fachkundige User den Content-Anbieter "prellen".
Die allermeisten Menschen sind aber nicht bereit und oft gar nicht in der Lage wegen 5 Cent den Aufwand zu betreiben um den Verlag zu hintergehen – das ist auch die Zielgruppe von LaterPay: Menschen die bereit sind einen nachvollziehbaren Preis für Content zu bezahlen, so lange das Bezahlen einfach ist.

Wir sind sehr nutzerfreundlich, geben uns aber gleichzeitig große Mühe den Missbrauch im Sinne des Verlags so gering wie möglich zu halten.

* wenn ich einen artikel bei stern.de kaufte, würde stern.de niemals erfahren, dass felix schwenzel diesen artikel gekauft hat, sondern nur ein john doe? kann ich als benutzer steuern welche daten sie ihren b2b-partnern weitergeben?

Nein, stern.de erfährt nicht einmal von „john doe“. LaterPay ist ein Dienstleister für Content-Anbieter und wird deswegen den höchsten Verbraucherschutzstandards entsprechen. Der Datenaustausch zwischen Content-Anbieter und LaterPay besteht aus einer rein monetären Abrechnung der gekauften Produkte – ähnlich einer Abrechnung eine Kiosks an einen Verlag, bei der ein Verlag auch nicht erfährt, welcher, dem Kioskbesitzer  bekannte Kunde das Magazin oder die Zeitung gekauft hat.

* wann planen sie ihr system zur marktreife gebracht zu haben?

stern.de ist das erste namhafte Haus, mit dem wir das marktreife LaterPay-System, das seit Anfang 2010 programmiert wird, unter Marktbedingungen testen wollen, um ggf. weitere Anforderungen von Usern und Contentanbietern zu integrieren. Im nächsten Jahr wird es eine schnelle, gestaffelte Einführung neuer Produkte mit weiteren Kunden geben.

(auf wirres.net beobachte und berichte ich seit einigen jahren über pläne und ankündigungen von micropayment-systemen und habe dazu auch artikel auf screen.tv, zeit.de und jungle-world.com veröffentlicht. an grösstenteils gescheiterten versuchen ist dieses genre, wie sie sicher wissen, nicht arm.)

gruss,
felix schwenzel

[links habe ich für diesen artikel hinzugefügt, auf zeit.de habe ich artikel veröffentlicht, allerdings keinen über micropayment, aber mit der zeit lässt sich halt gut prahlen.]

laterpay-site mit buzzwords
gebouncte email

* * *

[nachtrag 06.10.2011]
zu den oben nachgetragenen antworten von laterpay möchte ich noch anmerken, dass laterpay die bisher interessanteste vaporware ist, von der ich dieses jahr gehört habe. die fehlende konkrete antwort auf meine frage nach der marktreife lässt mich jedoch vermuten, dass das jahr 2012 sehr lang werden wird. überhaupt frage ich mich, wozu eine derart frühe ankündigung eines unfertigen produkts dient. aquise? prahlerei? aufscheuchen des wettbewerbs? die im stil und mit der technik der 80er jahre gestaltete website, dürfte bei der aquise allerdings nicht so irre hilfreich sein.

preisklarheit und klare lügen

felix schwenzel, in wirres.net    

ich weiss nicht ob ich die neue media markt-kampagne verstehe. sie schreit „Das Ende des Preis-Irrsinns“ aus und behauptet, media markt mache „den klarsten Preis“. was ein klarer preis sein soll weiss ich nicht. der niedrigste preis ist es definitiv nicht, wie der media-saturn-chef horst norberg im FAZ-interview betont. um den preis zu beschreiben wählt er adjektive wie „hoch attraktiv“, „tief“, „klar“, „stabil“, „real“. das wort „günstig“ kommt ihm im zusammenhang mit der media-markt-preisgestaltung nicht über die lippen. stattdessen:

Wir bekennen uns zu Preiswahrheit und -klarheit.

was auch immer das heissen soll.

auf der kampagnen-site sieht man auf die hypothetische frage „Da sind doch bestimmt Irgendwelche Zusatzkosten versteckt?“ folgendes:

jaja, blah, blah

(Antwort: „Bei uns gibt es nur einen Preis — und der ist von Anfang an klar. Da müssen Sie keine Nachnahme-, Kreditkartengebühr oder anderen Klimbim dazurechnen“)

schauen wir uns mal einen preis an. bei den aktuellen DSL-bundle-angeboten steht für t-online entertain comfort schonmal kein klarer preis, sondern zwei:

In den ersten 12 Monaten 39,95 statt 44,95

In en ersten 12 Monaten 39,95 statt 44,95

dadrunter steht klein geschrieben und in schwarzer schrift (statt wie sonst auf der gesamten media-markt-site mit weisser schrift) folgende fussnote auf die an fünf stellen mit einer (1) hingewiesen wird:

1) Bei Buchung bis 31.10.2011 kostet Entertain Comfort für Neukunden in den ersten 12 Monaten 39,95 €/Monat, der Festplattenrekorder MR 303 ist inklusive. Die Ersparnis von 10,– €/Monat wird vom Grundpreis des Entertain Paketes abgezogen. Ab dem 13. Monat beträgt der Grundpreis für Entertain 44,95 €/Monat. Voraussetzung für Entertain sind der Festplattenrekorder und ein IPTV-fähiger Router (ggf. zzgl. Versandkosten in Höhe von 6,99 €). Der Festplattenrekorder MR 303 kostet 4,95 €/Monat als Endgeräte-Servicepaket, Kündigungsfrist 6 Werktage. Die Mindestvertragslaufzeit des Entertain Paketes beträgt 24 Monate. VDSL 25 kann für 10,– €/Monat, VDSL 50 für 15,– €/Monat hinzugebucht werden. Bei Buchung von Entertain Comfort bis 31.10.2011 kostet VDSL 50 nur 10,– €/Monat. Einmaliger Bereitstellungspreis für neuen Telefonanschluss 59,95 € (entfällt bei IP-basiertem Anschluss). Entertain ist in vielen, VDSL ist in einigen Anschlussbereichen verfügbar. Voraussetzung für 3D ist ein 3D-fähiges Fernsehgerät sowie eine entsprechende 3D-Brille.

kalkulation des „klaren“ preises für t-online entertain comfort

rechnen wir also mal den preis, die lieferkosten und das ganze andere klimbim zusammen:

  • 12 monate zu 39,95€
  • 12 monate zu 44,95€ (mindestvertragslaufzeit 24 monate)
  • versandkosten 6,99€ (steht als posten im kleingedrucken)
  • festplattenrekorder 4,95€ (muss man laut kleingedrucktem ab dem 13ten monat bezahlen, für 12 monate mindestens)
  • bereitstellung telefonanschluss 59,95€

das macht insgesamt 1.145,14€, also pro monat 47,71€. lässt man den vertrag 48 monate laufen, ergeben sich in den 48 monaten monatliche kosten von 48,81€.

mein verständnis von einem klaren preis wäre 48 euro pro monat. media markt versteht unter klaren preisen offenbar weiterhin kundenverwirrung, schlecht lesbares kleingedrucktes und zählt nach wie vor darauf, dass die kunden sich von tricksereien, täuschungen und schlecht lesbarem kleingedrucktem verwirren lassen.

mir fällt als neuer media markt claim eigentlich nur noch ein: verarschen kann ich mich auch selber.

* * *

siehe auch was matthias schrader, stefan winterbauer oder patrick breitenbach zur kampagne zu sagen haben.

the network, a headless tail

felix schwenzel, in wirres.net    

grandiose analyse von jeff jarvis über das was unter dem schlagwort #OccupyWallStreet derzeit passiert:

#OccupyWallStreet is a hashtag revolt. […] A hashtag has no owner, no hierarchy, no canon or credo. It is a blank slate onto which anyone may impose his or her frustrations, complaints, demands, wishes, or principles.
So I will impose mine. #OccupyWallStreet, to me, is about institutional failure. And so it is appropriate that #OccupyWallStreet itself is not run as an institution.

ich glaube, er könnte recht haben mit seiner annahme, dass die ziellosigkeit, hierarchielosigkeit und meinetwegen auch die chaotische erscheinung genau die stärken dieses phänomens sind. ein phänomen das durch die neuen, schnellen, effektiven und ebenfalls dezantralen kommunikationsmöglichkeiten des internet erst möglich wurde. genauer, ein phänomen, dass die strukturen, die sich online bereits seit einiger zeit abzeichneten, jetzt auch in die sogenannte reale welt hinausträgt (wobei die unterscheidung von „real“ und „virtuell“ natürlich sinnlos ist).

das was ich mal über die blogoshäre gesagt habe, dass sie die erste gruppe ist, der ich mich zugehörig fühle, weil sie so ungeheuer heterogen ist, dass man sie gar nicht als gruppe bezeichnen kann, zeigt sich jetzt auch bei #OccupyWallStreet — keine grundsätze, keine ideologie, keine glaubensbekenntnisse. nur der ärger und frust und das bedürfnis das laut und deutlich zu sagen.

man kann das auch einen radikalen individualismus nennen, der technisch und organisatorisch durch das internet zusammengeklammert wird.

jarvis drückt das so aus:

Now one needs a network. #OccupyWallStreet is that network, the headless tail.

hinzu kommt, dass wir institutionen nicht mehr trauen: banken, regierungen, medien, bildungseinrichtungen, religionen, parteien — sie alle verlieren vertrauen. mit den neuen technischen möglichkeiten schaffen wir es, alternativen zu diesen institutionen zu bilden, durch netzwerke, vernetzungen und meme. gedanken die einer äussert, der nächste aufgreift, besser, schlagkräftiger formuliert — und die irgendwann zu einem schlagwort (hastag) werden dass die losen gedanken klammert und in die welt trägt.

die im netzwerk geschaffenen alternativen verklumpen sich teilweise zu quasi-institutionellen einrichtungen (zum beispiel einer „piraten-partei“) die dann natürlich peinlich genau daruf achten müssen, vertrauen nicht wieder durch verklumpung oder geheimniskrämerei oder kumapnei oder institutionalisierung wieder zu verspielen.

wir leben eindeutig in einer spannenden zeit des umbruchs.

* * *

andererseits geht mir das institutionen-bashen auch auf den sack. pauschalkritik ist meistens dumm — oder ideologisch (oder beides). der einzelfall, das detail, die sachfrage gehört kritisiert. man kann begründen, dass beispielsweise frank schirrmacher unrecht hat. schwieriger wirds, wenn man begründen möchte, dass die FAZ unrecht hat.

oder konkret: zu sagen, der datenschutz balkanisiere das internet, ist mir zu ideologisch. wenn darüber nachgedacht wird ob die interpretation einiger datenschützer, dass IP-adressen ein persönliches datum sind, vielleicht über das ziel hinausschiesst, hört sich das schon ganz anders an. über solche fragen kann man dann auch streiten, über die these, dass datenschützer doof und gefährlich seien schon weniger.

was mich teilweise auch an der datenschützerkritischen diskussion stört: die datenschützer interpretieren die gesetze nur. gemacht wurden sie von den vertretern, die wir in die parlamente gewählt haben. da wäre es schon genauer, allerdings auch nicht hilfreicher, zu sagen, die deutsche rechtslage und die unfähigkeit unserer volksvertreter balkanisiere das internet.

auf der konferenz der datenschutzbeauftragten wurden ja auch nicht nur blöde sachen beschlossen:

von den oben genannten entschliessungen kommen mir einige durchaus sinnvoll vor (einige auch weniger). es sollte einem zumindest schwerfallen auf der einen seite datenschutz pauschal doof zu finden und einen absatz später auch die vorratsdatenspeicherung doof zu finden. datenschutz in sozialen netzwerken pfui, datenschutz bei staatlichen stellen hui? datenschutz nur so lange er die wirtschaftliche entwicklung nicht gefährdet?

manchmal erinnert mich die aktuelle diskussion um den datenschutz an die diskussion um die liberalisierung der finanzmärkte um die jahrtausendwende. da hiess es auch, wie bei weigert, wenn deutschland nicht auch wie der rest der welt die finanzmärkte dereguliere und liberalisiere, dass die banken dann einfach an freundlichere finanzplätze ausweichen würden und deutschland den anschluss verpassen würde, tausende arbeitsplätze verlieren würde und sich ins vorindustrielle zeitalter zurückkatapultieren würde. diese katastrophen-rhetorik, die katastrophen an die wand malt, wenn die datenschützer sich nicht zurückhalten, die banken nicht tun dürfen was sie wollen oder der gesetzgeber nicht hochgeschwindigkeits-dsl in jede wohnung bringt halte ich, um es freundlich auszudrücken, wenig überzeugend und wenig konstruktiv.

was mich auch nervt: ständig stellen wir uns die frage was durchsetzbar ist, statt uns zu fragen, was richtig ist. besonders krass fand ich das in einem anderen zusammenhang, als der nicht ganz unpolitische nico lumma laut fragte:

Ich frage mich allerdings auch, wie der HVV das Alkoholkonsumverbot in den U- und S-Bahnen durchsetzen will. Soll jetzt mehr Wachpersonal eingesetzt werden, um das Verbot durchzudrücken?

sollen wir jetzt also nur noch gesetze und vorschriften danach erlassen, was einfach durchsetzbar ist? keine regulierung der finanzmärkte, weil das ja gar nicht geht? schröder hat damals auch so argumentiert. wie nennt man sowas? neo-konservativ-resignativ? „SPD“ und „resignation“ ist schon mal ein passendes wortpaar, bringt uns aber natürlich auch nicht weiter.

aber vielleicht ist das ja das hauptproblem: was wir wirklich wollen, wissen wir einfach noch nicht. wir sollten aber versuchen es rauszufinden. auch wenn dagegensein schon mal ein guter anfang ist.

apple-store hamburg

felix schwenzel, in wirres.net    

am samstag war ich zum ersten mal in einem apple store. also nicht in einer dieser elektro-fachmarkt abteilungen in denen man apple-produkte kaufen kann, sondern in dem von apple, in hamburg am jungfernstieg.

mehrere eher nebensächliche dinge haben mich schwer beeindruckt. einerseits scheinen fast alle der möbel aus massivholz gefertigt zu sein. viele möbel gibt es zwar nicht, ausser bänken, tischen und theken, aber die die es gibt sind äussert liebevoll gebaut. dass massivholzoptik schwer im trend ist hatte ich schonmal beschrieben, aber das was apple dort im store stehen hat ist echt massiv.

die bänke bestehen aus ca. 6 zentimeter dickem (geschätzt, nicht gemessen) birkenholzartigen planken (möglicherweise ahorn) in u-form mit einer strebe unten drunter. einfach und dekofrei.

apple-bank

die tische sind etwas komplizierter konstruiert. die tischbeine scheinen massiv zu sein, die tischplatte ebenso, aber sie hat ein innenleben (fotos vom innenleben). unter den tischen sind revisionsöffnungen um den kabelsalat unterzubringen, der in der tischmitte nach unten in den boden geführt wird. diese art der kabelführung spricht auch dafür, dass die tischbeine massiv, aus vollholz gefertigt sind. wären sie das nicht, hätte man sie dafür nutzen können die kabel nach unten zu führen.

die eigentliche tischplatte ist nicht wie sie auf den ersten blick scheint 10 oder 12 zentimeter dick, sondern nur etwa 4 oder 6 zentimeter. das kann man ganz gut erkennen wenn man die öffnungen an der tischoberseite ansieht, durch die kabel hindurchgeführt werden. und dort sieht man auch: alles massiv. unter den tischen ist an jeder ecke eine zweifach unterputz-steckdose eingelassen.

apple-tisch
apple-tisch

ich bin kein grosser freund von glas als raumelement oder einrichtungsbaustoff. glas ist immer irgendwie dünn, wirkt zerbrechlich und wenn man es genau betrachtet wirkt es gar nicht transparent, sondern massiv, weil es halt spiegelt. die treppen in apple stores sind (fast?) immer aus glas gebaut, was ich bis jetzt immer eher albern fand. als ich so eine treppe jetzt erstmals in echt sah, musste ich mein urteil revidieren. so wie apple das glas verwendet, zusammengeklebt aus mehreren scheiben zu einem ungefähr fünf zentimeter dicken ding wirkt das glas plötzlich wie durchsichtiger stahl. stark, kalt, glatt, glänzend — und hart sowieso. auch die details, wie die edelstahl-geländer befestigt sind und wie die glaswangen der treppe im boden verschwinden kann man besser nicht lösen. auch klug, die treppenstufen sind zwar auch aus glas, aber undurchsichtig gesandstrahlt und mit pickeln versehen die sie rutschfest machen.

genauso faszinierend wie die wenigen zum einsatz kommenden materialien (holz, glas, edelstahl, graue steinplatten als bodenbelag), ist der umgang mit dem raum. zweidimensional nennt man das glaube ich weissraum. dreidimensional könnte man es veredelung durch verschwendung nennen.

platzverschwendung

verschwenderisch wirkt auch der einsatz von ipads. jeder mitarbeiter, so scheint es, hat ein ipad in der hand und neben jedem ausstellungstück (und es gibt viele) liegt ein in plexiglas eingebettetes ipad mit preis- und technikinformationen. komischerweise sind an den preis-display-ipads keine ladekabel zu entdecken. zauberei? oder bin ich blind?

das erstaunlichste aber ist: der laden funktioniert. der laden ist riesig, aber proppevoll (ok es war samstag, da ist alles voll, auch die mitfahrer in der sbahn). die leute informieren sich, lassen sich beraten, kaufen recner und lassen sich bei der erstkonfiguration helfen oder sachen erklären.

* * *

saturn in hamburg hat vor ein paar wochen hat das gesamte untergeschoss umgebaut. früher war dort ein viertel der ladenfläche für windows-software und spiele reserviert. danach kam die kleine apple-insel, dann wieder pc-gedöns. jetzt ist das gesamte erste viertel des untergeschoss mit apple-gedöns gefüllt. iphone-zubehör, ipad-zubehör, apple-software, apple-peripherie, dann kommt die apple-insel mit der apple hardware und dann erst das pc-gedöns. irgendwas scheint apple richtig zu machen.

mein erster wordpress-plugin: kommentaromat

felix schwenzel, in wirres.net    

die kaltmamsell hat ihn seit über drei jahren im einsatz, ihren kommentaromat. da ich schon länger mal, aus prinzip, einen wordpress-plugin schreiben wollte, habe ich mich gestern abend daran gemacht den kommentaromat als plugin nachzubauen.

wahrscheinlich sind noch etliche fehler drin und man sieht, dass ich nicht besonders gut programmieren kann, aber in den drei blogs (1, 2, 3) in denen ich den kommentaromat getestet habe, funktioniert er wunderbar. anpassungen an den kommentaromat-texten müssen allerdings (noch) im quelltext des plugins gemacht werden, den schwierigkeitsgrad der backendprogrammierung hab ich noch nicht gemeistert.

die installation sollte aber einfach sein: kommentaromat runterladen, auspacken, den ordner in /wp-content/plugins/ kopieren und den plugin im wordpress-backend aktivieren. einstellungen an den button texten müssen noch in der datei kommentaromat.php vorgenommen werden, anpassungen am aussehen können in der kommentaromat.css-datei ergänzt werden.

über fehlermeldungen freue ich mich einerseits nicht, andererseits sehr.

>> download kommentaromat.zip v0.1 (von mir)
>> download kommentaromat.zip v0.2 (überarbeitet von ralf albert)

nele besucht

felix schwenzel, in wirres.net    

1994 habe ich meiner freundin nele einen grabstein aus holz gebaut.

letztes wochenende habe ich ihr grab mal wieder besucht. die holzumrandung aus massiver, 5 zentimeter dicker eiche ist etwas aufgeplatzt, aber der birkenstamm, auf dem ich damals ihren namen eingeritzt habe steht noch und sieht auch noch gut aus. das grab wird offenbar von neles eltern weiterhin gepflegt, sieht aber erfrischend lebendig und wildwüchsig aus. das birkenholzstück in das ich 1996 oder 1997 den namen von neles tochter malou eingeritzt habe ist offenbar verschwunden und „malou“ wurde in den rechten arm des schiefen eichenholzkreuzes hinter dem birkenstamm geritzt. bis auf den rechten arm, ist das kreuz völlig vom efeu überwuchert und fast unsichtbar. auch schön, wenn christliche symbole überwuchert werden.

einen tag vorher war ich mit meiner oma am grab meines opas. dabei fiel mir mal wieder auf, dass gräber nicht für die totenruhe gedacht sind, sondern für das gedenken. nicht die toten brauchen ein grab, die hinterbliebenen brauchen es.

eigenartig auch, wie schnell erinnerungen verblassen. ich erinnere mich noch an viele details, wie neles nasenspitze beim reden wackelte, wie sie lief, wie sehr sie ihre tochter liebte, wie sie roch. an den namen ihres parfüms erinnere ich mich nicht mehr, aber ich sah den flakon kürzlich mal in einer parfümerie und roch daran. es war als würde mir nele kurz gegenüberstehen. ich erinnere mich an ihre telefonnummer und ihre art zu rauchen. aber eigenartigerweise erinnere ich mich nicht mehr an neles stimme.

neles, malous und julchens grab
nele
malou