kürbissuppe mit ingwer und kokosmilch und koriander-pesto

felix schwenzel, in wirres.net    

kürbissuppe

ich mochte kürbissuppe nie. im herbst zwang mich die beifahrerin immer wieder ihre zugegebenermassen ganz passable kürbissuppe zu essen. dieses jahr hab ich das kürbissuppenkochen übernommen. das kürbissuppenrezept von tim mälzer überzeugte weder mich, noch die beifahrerin: mit äpfeln und ohne karotten, meinte die beifahrerin, das gehe gar nicht. also gegoogelt und dieses rezept mit karotten und kokosmilch gefunden.

ich habe die kürbissuppe mit ingwer und kokosmilch dieses jahr bereits 4 mal gekocht, sie ist wirklich köstlich. allerdings nur mit zwei kleinen tricks. einerseits muss man sie unbedingt mit limetten würzen — und nicht mit zitronen. einmal habe ich sie aus mangel an limetten mit zitrone abgeschmeckt, was zu heftigem geschmacksgemäkel führte. und andererseits sollte das rezept mit der kokosmilch unbedingt mit dem korianderpesto von tim mälzer kombiniert werden.

das korianderpesto schmeckt ohne die suppe ziemlich scheusslich. bitter und korianderig. aber in kombination mit der kürbis-karotten-ingwer-kokosmilch-suppe schmeckt es göttlich.

zutaten

kleiner kürbis (ca. 800 g)
600 g möhren
1 grosse zwiebel
viel ingwer
1-1,5 liter gemüsebrühe
500 ml kokosmilch
salz, pfeffer, sojasauce

pesto

1 bund koriander
1-2 knoblauchzehen
2 esslöffel sonnenblumen-, kürbis- oder pinienkerne
60 ml olivenöl

den hokaido-kürbis lasse ich immer die beifahrerin waschen, damit sie sich nicht über sand oder krümel in der suppe beschweren kann. sowohl den kürbis, als auch die karotten und die zwiebel schneide ich in grobe würfel und scheiben. den ingwer würfle ich so fein ich kann.

kürbis, möhren, ingwer und zwiebeln brate ich in reichlich olivenöl brutal an. bis es fast qualmt. dazu nehme ich instant-brühe (gerade weil alle köche die ich kenne oder sehe sie verdammen) und lösche das gemüse mit etwas mehr als einem liter heissem wasser ab.

das ganze 15 bis 20 minuten köcheln lassen, pürieren, kokosmilch rein, nochmal pürieren und mit salz, pfeffer, sojasauce und limettensaft abschmecken.

während die suppe kocht bereite ich das korianderpesto vor. reichlich koriander, am besten ein ganzes, zur not ein halbes bund (die korianderwurzel nehm ix auch) mit einer handvoll gerösteter sonnenblumenkerne (oder wenn man sowas hat, kürbiskernen, pinienkerne gehen aber bestimmt auch), 60 ml olivenöl und zwei oder drei knoblauchzehen, etwas zuviel salz mit dem mixstab pürieren.

delicious pinboard

felix schwenzel, in wirres.net    

auf den ersten blick dachte ich puh, die haben delicious heile gelassen mit ihren relaunch. die bookmarklets funktionieren noch, alle meine bookmarks sind noch da, der RSS-feed ist versteckt und hat seine adresse geändert, ist aber noch da (http://www.delicious.com/v2/rss/USERNAME) und sogar die API funktioniert noch (beispiel).

delicious ist aber leider trotzdem kaputt. für mich. ich kann im bookmarklet-popup nicht mehr die url ändern (mach ich aber gerne um den kranken statistik-scheiss, den manche per feedburner an ihre urls hängen zu entfernen, zum beispiel), ich kann kein HTML mehr in der beschriebung speichern (kann ich schon, aber delicious entfernt das HTML dann) und die schlagwort-vorschlagsfunktion funktioniert nicht mehr. und der playtagger, der aus links auf MP3-dateien einen eingebetteten MP3-player machte ist auch nicht mehr da:

http://static.delicious.com/js/playtagger.js

kaputt. als yahoo erstmal darüber schwadronierte delicious zu verkaufen habe ich mir ein pinboard.in-account geholt. kostete etwas, habs nie benutzt, aber mir jetzt nochmal angesehen.

und es ist grossartig.

  • html funktioniert in der beschreibung und wird nicht rausgefiltert
  • ich kann im bookmarklet-fenster die url ändern
  • ich kann mir meine vielbenutzten schlagworte vorgeschlagen lassen
  • ich habe einen sauberen rss-feed, auch nach tags getrennt, wenn ix will
  • das interface ist schrott-frei (clutter-free)
  • wähle ich text aus und klicke das bookmarklet, taucht die auswahl im description-feld auf!

aber die stacks! delicious hat jetzt stacks! naja. einen stack, eine bookmarksammlung hab ich mir auch vorher schon machen können, mit schlagworten. aber das profilbild! oh ja. das ist natürlich ein killerfeature!

delicious, ich bin dann mal weg bei pinboard. so in ein zwei jahren guck ich nochmal vorbei.

* * *

hab ich schon erwähnt, wie ich die morgentlichen links produziere? mein CMS liest den RSS-feed von pinboard (früher den von delicious) und meinen kommentierten google-reader-artikeln ein und ein cron-job veröffentlicht alle links und kommentare dazu die bis 5 uhr morgens da sind in einem rutsch. praktisch finde ich insbesondere die reader-funktion: wenn ich abends im bett liege und noch ein bisschen zum einschlafen im reader lese, kann ich auch im bett noch links hinzufügen, indem ich artikel im reader einfach kommentiere. das klappt leider nicht besonders bei leuten die ihren feed von feedburner vergewaltigen umschreiben lassen und statt links auf ihr blog, links zu feedproxy.google.com veröffentlichen. was für eine scheisse, lasst das sein ihr statistikgeilen hupen. urls sind heilig. und so eine url ist doch auch nicht schön:

http://343max.de/2011/09/28/eine-leitplanke-fur-den-datenschutz-brechen/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+343max+%28343max%29

internetsucht

felix schwenzel, in wirres.net    

dasnuf kommentiert bescheuerte studien zur internetsucht:

Ich finde, dass man Sucht als Vertiefungsstufe von Abhängigkeit ansehen kann. Sucht würde im Vergleich zur Abhängigkeit zusätzlich so etwas wie Dosissteigerung beim Konsum und Beschaffungskriminalität umfassen. Da ich noch nie länger als 24 Stunden an einem Tag online war und auch noch nie einem meiner Freunde das Internet geklaut habe […], bin ich beruhigt.
Denn somit bin ich nicht süchtig, sondern lediglich internetabhängig. [alles lesen]

flattr-count-anzeige ohne api

felix schwenzel, in wirres.net    

seit einiger zeit wollte ich auf den übersichtsseiten (also zum beispiel der startseite) von wirres.net eine anzeige der flatters die jeder artikel bekommen hat sehen, so wie die anzahl der reaktionen, also kommentare, trackbacks oder tweets angezeigt wird. das geht zwar, indem man unter jeden artikel einen button pappt, aber das fand ich visuell wenig verlockend. spreeblick macht das und ein paar andere seiten auch.

flattr-anzeige auf wirres.net
flattr-anzeige auf wirres.net
flattr-anzeige auf spreeblick.com
flattr-anzeige auf spreeblick.com

leider ist das REST-API von flattr noch nicht fertig und flattr kann nur mit javascript in button-form eingebunden werden.

vor ein paar tagen habe ich dann diese seite gefunden, auf der ben collins beschreibt, wie er die anzahl der flatters in feedflare eingebunden hat (also so, dass seine feedburner-feed-artikel unten die zahl der flatters anzeigt). im prinzip hat er ein php-script geschrieben, dass den flattr button für einen artikel aufruft und daraus den „flattr-count“ extrahiert. ich habe das script ein bisschen angepasst und wenn man ihm eine wirres-url als argument gibt, zeigt es den flattr-count an:

http://felix.schwenzel.de/.flattr/flattr-me-static-v2.php?link=http://wirres.net/article/articleview/5634/1/6/

die konstruktion, wie ich es auf wirres.net eingebunden habe ist völlig hirnrissig, funktioniert aber. jeder programmierer würde die hände über dem kopf zusammenschlagen und wenn ende des jahres endlich kathrin passigs buch „weniger schlecht programmieren“ herauskommt und ich es gelesen habe und weniger schlecht programmieren gelernt habe, werde ich wahrscheinlich auch die hände über dem kopf zusammenschlagen.

eigentlich schlage ich bereits jetzt die hände über dem kopf zusammen. [hier bitte aufhören zu lesen, jetzt wirds langweilig.] ich habe nämlich folgende, ziemlich unelegante umwege gehen müssen:

in den code meines CMS konnte ich das script zur abfrage nicht einbauen, da es nur unter php5 läuft und cms nur unter php4. dazu kommt, dass mein hoster das abfragen von fremden webseiten per php unterbindet, das script also gar nicht auf wirres.net funktioniert. also habe ich es auf schwenzel.de zum laufen gebracht. die abfrage des scripts und das einsetzen des flattr counts erledigt jquery, dass das im hintergrund per ajax erledigt. allerdings wäre so eine abfrage von wirres.net auf schwenzel.de ein cross-site-scripting-dings, und die abfrage einer anderen domain als der auf der das script läuft, erlaubt jacascript aus sicherheitsgründen nicht. also fragt jquery das script auf schwenzel.de über ein kleines proxy-script ab.

die eigentliche (und hanebüchend unelegant programmierte) jquery-abfrage kann man im quellcode der übersichtsseiten lesen. oder es auch lassen.

ich weiss nicht warum, aber das wollte ich mal los werden.

kostenlose äpfel

felix schwenzel, , in wirres.net    

apfelbauer könig lebte viele jahre ganz gut von seinen äpfeln. sie waren nicht besonders gut, aber er hatte kaum konkurrenz, da der anbau von äpfeln sehr personal-intensiv war und grosse flächen land benötigte. über jahre hinweg konnte er seine äpfel jeden tag wie geschnittenes brot auf dem markt verkaufen. jeden tag verkaufte er grosse mengen zu einem kilo-preis von 10 euro.

irgendwann, vor 5 jahren begannen die einwohner der stadt an allen möglichen stellen selbst äpfel-bäume zu pflanzen. die ersten ernten waren nicht besonders gut, aber jeder konnte sich die äpfel selbst pflücken — und so an kostenlose äpfel kommen. könig verkaufte weiterhin seine äpfel, da die qualität seiner äpfel besser als die der wilden äpfel war.

die qualität der kostenlosen, wilden äpfel wurde aber im laufe der jahre immer besser. da bauer königs umsatz langsam aber stetig zurückging, entschied er zu einer einschneidenden werbemassnahme: er begann damit, äpfel die faule stellen hatten oder deren schale nicht der üblichen qualität entsprach, zu verschenken. überall in der stadt stellte er tische auf mit seinem äpfeln, die besser waren als die frei wachsenden, in der hoffnung die leute so auf den markt locken zu können, wo er weiterhin seine besten äpfel verkaufte. er senkte teilweise sogar die preise und entliess einen teil seiner gärtner um die produktionskosten zu senken.

irgendwann hatten die leute keine lust mehr auf den umweg zum marktplatz und begnügten sich mehr und mehr mit den kostenlosen äpfeln. die waren gut genug, überall in der stadt zu bekommen und kostenlos. das geschäft auf dem marktplatz wurde immer weniger einträglich für könig, er hatte auch bereits mehr als die hälfte seiner gärnter entlassen und liess seine ernte von fereiwilligen ernten und teilweise auch pflanzen. den freiwilligen reichte es, ein kleines fähnchen an die von ihnen geernteten äpfel zu binden, auf dem ihr name stand. für dieses privileg, schuffteten sie tagelang auf königs plantagen und halfen ihm unentgeldlich beim anbau.

könig fing nebenbei auch damit an, mit gebrauchten autos zu handeln. dieses geschäft sollte seine plantagen querfinnzieren, brachte aber bereits nach wenigen monaten gute profite ein. nur die äpfel verkauften sich immer schleppender, obwohl die menschen soviele äpfel wie nie zuvor assen.

da kam könig eine idee. warum sollte er sich mit den mickrigen profiten die er auf dem markt einfuhr und dem geld aus dem gebrauchtwagenhandel zufrieden geben, wenn er auch an den äpfeln die er verschenkte verdienen könnte? er schlug dem bürgermeister vor, für jede tonne äpfel minderer qualität die er verschenkte, 10.000 euro aus den steuereinnamen der stadt zu bekommen. schliesslich seien es seine äpfel, die die stadt so attraktiv machten. der bürgermeister weigerte sich zuerst, er meinte schliesslich habe die stadt die strassen und plätze gebaut (und bezahlt) an denen er seine äpfel auslegte. könig fand aber, dass die stadt von seinen äpfel unrechtmässig profitierte. schliesslich sei die stadt ohne seine kostenlosen äpfel nur halb so attraktiv. ohne seine äpfel, würde die stadt auf qualitativ minderwertige ware, auf „fallobst“ angewiesen sein. ausserdem beschäftige er immer noch 10 gärtner auf seinen plantagen, diese arbeitsplätze seien gefährdet, wenn die stadt ihm nicht entgegen käme. ausserdem solle der bürgermeister nicht vergessen, dass er ihn während seiner wahlkämpfe immer grosszügig finanziell unterstützt habe.

seitdem zahlen die bürger der kleinen stadt steuern für den strassenbau und für kostenlose äpfel — die äpfel von könig sahen mittlerweile alle aus wie früher das sogenannte frei wachsende „fallobst“, schmeckten fade und trocken. immerhin konnte man damit ein anständiges apfelkompott herstellen.

[die geschichte hinkt vorne und hinten und ist nicht mal ansatzweise stringent. ohne analogie geht das wahrscheinlich besser. zum aufregen bitte weitergehen zu herrn knüwer. dort kann dann auch zum thema gemeinsam mit ihm gekotzt werden.]

heiraten in las vegas

felix schwenzel, in wirres.net    

heiraten in las vegas ist ganz einfach. ich kann das aus eigener erfahrung berichten. man muss nur hinfahren, sich im „Marriage Bureau“ eine lizenz zum heiraten ausstellen lassen und danach eine kapelle aussuchen. die behörde hat übrigens täglich, auch an feiertagen, bis 24 uhr geöffnet, man zeigt seine ausweise, füllt ein formular aus und fertig.

in las vegas gibt es zehn trillionen kapellen in denen man heiraten kann. allen gemeinsam ist, dass sie mit lizensierten standesbeamten oder pfarrern zusamenarbeiten, die die hochzeit durchführen (und separat, per „spende“ bezahlt werden). aber im prinzip kann man mit seiner heiratslizenz in eine kapelle hereinpsazieren und verheiratet wieder rausgehen.

um die hochzeit danach in deutschland (rückwirkend) anerkennen zu lassen braucht man dann allerdings noch ein paar unterlagen, sehr viel geduld und die fähigkeit, deutsche beamte zu ertragen. einerseits verlangen die deutschen behörden für die rückwirkende anerkennung der hochzeit eine beglaubigte kopie, die man sich mit einer 10 dollar geldanweisung recht einfach auf dem postweg besorgen kann. ausserdem wollen die deutschen behörden, dass man diese offiziell beglaubigte kopie nochmals beglaubigen lässt, mit einer sogenannten „apostille“. andere europäische länder schenken amerikanischen urkunden auch ohne apostille glauben, die deutschen, so sagte uns ein freundlicher mitarbeiter im einwohnermeldeamt in hamburg, tun das nicht, weil hochzeitsurkunden so oft gefälscht würden.

abgesehen davon dass hochzeiten in las vegas in den augen eines mitarbeiters des einwohnermeldeamtes hamburg wahrscheinlich eh ein fake sind, so ganz ohne aufgebot, deutsche stempel und bürokratisches gebimmel — welchen grund gibt es eine hochzeit zu „fälschen“? oder warum sollte die beglaubigte kopie leichter zu fälschen sein als eine apostille?

egal, die apostille kann man ebenfalls per post beantragen, man muss einfach die beglaubigte kopie und eine $20 geldanweisung ans „recorder’s office“ des clark county schicken und bekommt sie innerhalb von zwei bis drei wochen zurück.

im bürgeramt mitte in hamburg, wo wir unsere hochzeit von den deutschen behörden anerkennen lassen wollten, wies man uns allerdings mit unseren unterlagen empört ab. da deutsch schliesslich die amtssprache sei, könnten wir ohne einen ordentliche amtliche übersetzung der urkunde und der apostille leider nicht den deutschen beamtensegen bekommen. erstaunlich fand ich, dass sich eine stadt die sich „das tor zur welt“ nennt, beamte leistet die die sprache dieser welt nicht sprechen. quasi eine weltmetropole mit dem behördengeist von hinterarschheim.

also haben wir nochmal 60 euro und zwei wochen wartezeit in einen amtliche übersetzung investiert und sind dann, das schlimmste ahnend, wieder zum amt gegangen. wie erwartet, war die bedienung im bürgeramt mit unseren unterlagen immer noch nicht zufrieden. die übersetzung würdigte sie komischerweise mit keinem blick, dafür aber die apostille. die sähe nicht richtig aus. die sehe sonst ganz anders aus. ausserdem sei sie nur an die beglaubigte urkunde angetackert und nicht, wie das eigentlich zu sein hätte, mit einem offiziellen siegel befestigt. sie müsste das mal mit ihrem chef besprechen. nach 10 minuten kam sie zurück und sagte uns, kurz bevor unsere köpfe kafkaesk explodierten, dass sie beim standesamt gefragt hätte und dort habe man gesagt, die apostille sei in ordnung so.

merke: deutschen beamten ist nicht nur die beglaubigung und übersetzung der beglaubiten kopie wichtig, sondern auch das aussehen dieser unterlagen. deutsche beamte in einer weltstadt ist das weltstadtimage scheissegal. deutschland hat ein problem mit gefälschten hochzeitsurkunden.

trotzdem. ix bin jetzt nicht nur verheiratet, sondern habe auf der lohnsteuerkarte steuerklasse III und 0,5 kinder.

ringen

felix schwenzel, in wirres.net    

ix, yearbook-photo 1987

es war mein erster schultag, der schulbus hielt an und der busfahrer öffnete die türe mit einem handhebel, so wie in amerika schulbustüren wahrscheinlich bereits seit 40 jahren geöffnet werden, als ob es in amerika keine hydraulik gäbe. was mich allerdings wunderte war, dass der busfahrer mich nach meinem namen fragte und mich dann mit „good morning felix, my name is mr. davis“ begrüsste. von diesem tag an grüsste mich mr. davis jeden morgen mit „good morning felix“. mit angucken. das machte er mit jedem schüler. mr. davis hatte einen schlanken kopf, mit sehr gepflegter, leicht graumelierter frisur und ebensolchem bart. sein oberkörper war nur im oberen (schulter) bereich schlank, zum schritt hin lief seine figur in die breite, eine figur wie ich sie einmal als „typisch“ amerikanisch bezeichnete: ein sehr tiefsitzender bauch der nicht europäisch über die gürtellinie hing, sondern hineinragte, nach oben hin abgeschlossen mit dem oben erwähnten schlanken, fast fettfreien kopf, der gar nichts mit dem rest des körpers zu tun zu haben scheint. wie gesagt, eine solche doppelkegel-figur kenne ich nur aus amerika. obwohl ich in sachen mr. davis sicherlich auch übertreibe. die erinnerung hat ihn auch graumelierter gemacht als die foto-fakten es zulassen.

da sass ich nun 1986 an der steilacoom highschool, 2 wochen später als geplant, weil die lehrer am anfang des schuljahres zwei wochen streikten. ich wollte sport machen, weil allen austauschschülern empfohlen wird sport zu machen um besser kontakte knüpfen zu können. das football team hatte aber schon in den sommerferien angefangen zu trainieren und dass ich keine ahnung von american football hatte war auch nicht förderlich für meine aufnahme in das sehr prestige-trächtige team. also versuchte ich ins volley-ball team zu kommen. leider fanden sich nicht genug männliche interessenten, so dass nur eine damen-volleyball-mannschaft zustande kam, in die ich ebenfalls nicht durfte. ich musste warten bis die football saison vorbei war und konnte dann ins „wrestling-team“. ich habe als kind mal judo gemacht und sah mich ausreichend grundgebildet für die teilnahme.

busfahrt zum ring-turnier
coach hanby fotografiert, coach davis fährt bus (sieht man im rückspiegel)

der coach des wrestling-teams war mr. davis der busfahrer, wie ich am ersten trainingstag zu meiner überraschung sah. er begrüsste mich mit „hello felix“. ich freute mich, den mr. davis war eh viel netter als der komische football-coach. allerdings war der eigenartige assistenz-coach des football teams, mr. hanby, auch assistenz-coach des wrestling teams. mr. hanby war sehr muskulös, hatte aber trotzdem hängende schultern, vielleicht weil die muskeln so schwer waren. arnold schwarzenegger hat im alter auch solche schultern bekommen, aber das wusste ich damals noch nicht, weil arnold schwarzenegger damals noch nicht alt war.

ringkampf
ja, auch die ringer hatten cheerleader damals

das „wrestling“ war dann schon ein bisschen anders als judo. es hatte zwar nichts mit dem brutalo-schrott den man im fernsehen sieht zu tun, wo sich aufgepumpte männer aufeinander aus grösser höhe fallen lassen, aber mit dem griechisch-römischen ringen wie man es aus europa kannte hatte es auch nicht viel gemein — bis auf die albernen klamotten die man beim kampf zu tragen hatte. das training war sowohl auf ausdauer, als auch muskelaufbau ausgelegt. die coaches fanden ich sei zu schwach (oder zu fett) für meine gewichtsgruppe (ich hatte ja nie in meinem leben muskelaufbautraining gemacht) und sollte von der 184 (amerikanische) pfund klasse in die 178 pfund klasse abnehmen. über 190 pfund war die „unlimited“-klasse. leider schaffte ich es nie eine gewichtsklasse runterzukommen und blieb in der 184er klasse. ausser das ich meine gasteltern zum wahnsinn brachte, weil ich vom vielfrass zum salatfrass wurde und so sämtliche einkaufspläne durcheinanderbrachte änderte sich nicht viel.

teddy und jeff
links der teddybär der mir das brustbein brach, mitte/rechts jeff howell

trainieren musste ich unter anderem auch mit einem ringer aus der unlimited-klasse, tony. der wog etwas über 200 pfund und sah aus wie ein teddybär. eine oder zwei wochen vor unserem ersten öffentlichen wettkampf fiel er mir beim training einmal so auf den brustkorb, so, dass es in der mitte meines brustkorbs knackte. etwa 200 ungebremste amerikanische pfund können also einen brustkorb knacken. beim wettkampf zwei wochen später hatte ich immer noch starke schmerzen, wollte aber trotzdem kämpfen. in einer mischung aus anfängerglück, schmerzvermeidung und chupze gewann ich den kampf indem ich meinen gegner innerhalb von 12 sekunden auf den rücken legte. das war ein rekord, der leider nur knapp 1 jahr hielt. dass ich diese alberenen ringer-klamotten vor publikum tragen musste war übrigens schmerzhafter als das angeknakste brustbein.

ix geschwollen
links mein damaliger mechanischer laptop, links ix mit der geschwollenen augenbraue, die am hinterkopf des gegners eine 12 cm lange platzwunde verursachte

ein anderer schöner trainingsunfall ereignete sich bei einer etwas komischen kampf-neustart-position (par terre) bei der ein ringer im nachteil ist und auf allen vieren kniet und der andere im vorteil (ich in diesem fall) über ihn gebeugt (aber auch auf den knien). der untere versucht sich natürlich möglichst schnell und kräftig aus dieser unterlegenen stellung zu befreien. mein trainingsgegner, todd, fing seinen befreiungsversuch mit einer heftigen kopfbewegung nach hinten an, bei der mich sein hinterkopf mit ziemlicher wucht auf meiner rechten linken augenbraue traf. als er sich umdrehte fing er an zu lachen weil mir aus einer kleinen, feinen platzwunde unter der augenbraue blut übers auge lief. ich sah schlimm zugerichtet aus, todd lachte sich kaputt. witzig fand ich es dann, als todd sich an seinen hinterkopf fasste und sich dabei in eine 20 cm lange platzwunde an seinem hinterkopf fasste. er musste mit mehreren stichen genäht werden, ich nicht.

larry nelson
larry nelson (was für ein name!)

viel habe ich in der saison nicht mehr gerissen. mein anfänger-erfolg wiederholte sich nicht und obwohl sich meine kondition sich im laufe des training erheblich verbessert hatte, reichte sie bei weitem nicht aus um konditionell und kraftmässig mit jahrelang trainierten kampfmaschinen mitzuhalten. ich verlor alle weiteren kämpfe der saison. aber lustig wars schon, mit jeff und coach davis freundete ich mich im laufe der zeit sogar ganz gut an, was im oberflächlichen amerika gar nicht so einfach ist. von coach davis habe ich neben dem ringen noch meinen lieblings euphemismus fürs „scheissen“ gelernt: „to pinch a loaf“. und wie er sich die busladung namen fürs morgendliche grüssen merken konnte ist mir ein rätsel.

[hier noch ein bild von mr. davis, für die die den link im text nicht gefunden haben]