griffelkunst

felix schwenzel, , in artikel    

heute mussten konnten wir wieder zur griffelkunst-abholung und aussuchung. ich entscheid mich wieder dorthin zu laufen, die beifahrein wollte per bahn nachkommen. ich bin dann vom naturkundemuseum durch mitte zur s-bahn frankfurter allee gelaufen. das wetter war eher trübe, aber fast frühlingshaft warm. ausser am alex, da zogs ein bisschen.

gegenüber des escados am alexanderplatz wurde ein plattebau so grässlich renoviert, dass die platte jetzt aussieht wie ein mehrfamilienhaus in einem vorort von oberursel. ich konnte das nicht fotografieren. mich reizen da eher die realsozialistischen bausünden von damals™.

alexanderplatz

eins der gebäude dort steht kurz vor dem abriss. die fenster sind schon fast alle raus, bald kommt da sicherlich der bagger mit den kräftigen zangen.

alexanderplatz

ein bisschen weiter wird man quasi aufgefordert döner zu essen. wenn man die öffnungszeiten kennen würde.

iss döner!

das kino international beschäftigt tatsächlich noch einen plakatmaler. auf der frontfassade durfte der ein filmplakat gross aufziehen. ich mag den bau ja sehr gerne, auch weil man ihm von aussen ansieht, welchem zweck er dient. als ich vor vielen jahren einmal dort einen film sah, war ich sehr bezaubert vom alten DDR-klebstoff-geruch, den ich aufs innigste mit meiner kindheit verbinde, in der wir öfter unsere ost-verwandtschaft besucht haben. in deren haus roch es auch immer nach diesem wahrscheinlich nicht besonders gesunden chemie-cocktail. ich gehe aber davon aus, dass der geruch mittlerweile wegsaniert wurde.

kino international

was mir auch auffällt: die spuren die politik überall in der stadt hinterlässt.

spuren der macht: kabelbinder

fürs abknipsen der kabelbinder reicht nach dem wahlkampf wahrscheinlich das geld nicht mehr.

irgendwann bin ich an einem laden vorbeigekommen, in dessen schaufenster ein fernseher hochkant stand, auf dem ein bild der golden gate bridge zu sehen war.

golden gate bridge

ich war dann ziemlich pünktlich, wie verabredet gegen 14 uhr an der frankfurter allee. da ich bei apple mit der beifahrerin befreundet bin, kann ich mit meinem iphone und der freunde-app ihren aufenthaltsort nachverfolgen. ich war ziemlich verwirrt, als sie mit der sbahn an mir vorbeifuhr. also rief ich sie an und bat sie wieder zurückzufahren. um viertel nach zwei war sie dann auch da.

* * *

bei der griffelkunst standen heute, unter anderem, ein paar arbeiten von peter piller zur auswahl. wir haben uns ein bild aus der serie bereitschaftgrad ausgesucht. in der bildergalerie hier bei capitan petzel kann man es sehen, das das letzte bild mit fallschirmjägern und einer pusteblumenpionierin. eine gute wahl, wie wir beide finden.

zurück sind wir dann mit der sbahn gefahren und immer rechtzeitig um- und ausgestiegen.

Home, sweet Office

felix schwenzel, , in artikel    

Präsenz ist relativ. Ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sich Präsenz, wie fast alles heutzutage, fragmentarisiert. Als ich mit 16 Jahren mit zwei Freunden per Mitfahrzentrale nach Frankreich zu einem zweiwöchigen Campingurlaub aufbrach, war meine Präsenz in Frankreich nahezu unfragmentiert: Ich war für meine Eltern nicht ohne Weiteres erreichbar. Es gab keine Mobiltelefone und eigentlich konnte nur die schneckenlangsame Briefpost oder der eine oder andere Münzfernsprecher meine totale Frankreichpräsenz ansatzweise aushebeln.

Wenn man früher verreiste, war man wirklich weg. Wenn man heute mit seinem Mobiltelefon verreist, sind nicht nur die Postkarten via Instagram et al. innerhalb von Sekunden in der Heimat, man ist auch per SMS oder Messenger so gut erreichbar, dass man ohne Weiteres von Multipräsenz reden könnte; wir können dank Technologie gleichzeitig an vielen Orten sein.

Manche sehen das, was moderne Kommunikationstechnologien uns heute ermöglichen, als den Horror der ständigen Erreichbarkeit an. Mich entspannt es, weil mir die Technologie – zumindest theoretisch – die Wahl lässt. Ich kann mein Mobiltelefon oder meinen Laptop schließlich immer noch abschalten.

Schon in den 90ern empfand ich meine Nichterreichbarkeit bei Abwesenheit von meinem Festnetzanschluss als umständliches Grauen. Ich hatte zwar, um meine Präsenz am Festnetz zumindest ansatzweise zu simulieren, eine Reihe Workarounds installiert, zum Beispiel durch den Anschluss eines Anrufbeantworters mit Fernabfragefunktion. Ich hätte damals alles gegeben (mein Lachen, meine Aufmerksamkeit oder ungeteilte Präsenz), um besser und entspannter erreichbar zu sein und auf den Fernabfragequatsch in Telefonzellen verzichten zu können.

Jetzt, fast 30 Jahre später, bin ich ständig erreichbar und freue mich jeden Tag darüber – auch, weil ich mir sicher bin, mit den heutigen Technologien meine Präsenz besser und flexibler gestalten und kontrollieren zu können als jemals zuvor.

Der Witz ist natürlich, dass diese Präsenztechnologien es mir nicht nur erlauben, viel flexibler und zufriedener zu leben und zu arbeiten. Sie haben auch einen Preis. Wenn ich an mehreren Orten zugleich sein kann, muss ich auch meine Aufmerksamkeit und meine Konzentration verteilen. Meine Arbeitsleistungen sind nicht mehr nur an einem Ort, im Büro, überwachbar, sondern überall und fast immer. Ich flexibilisiere nicht nur meinen Alltag, ich halse mir auch Verantwortung und vermeintliche Pflichten für meine Arbeit auf, die ich früher™ bequem im Büro hätte zurücklassen können. Ich verteile meine Aufgaben nicht mehr auf eine Acht­-Stunden-­Periode, sondern auf meinen gesamten Alltag. Plötzlich arbeite ich auch am Wochenende – weil es geht.

Technologie bringt uns ungeahnte Fähigkeiten, Bequemlichkeit und Flexibilität – aber neben diesen Segen auch jede Menge Flüche, die mehr oder weniger unbemerkt in unseren Alltag kriechen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht Home­ oder Präsenzoffice, Flexibilisierung oder Konsolidierung, sondern wie wir die Vor­ und Nachteile ausbalancieren, wie wir unsere Arbeits-­ und Lebensbedingungen so gestalten und verhandeln, dass am Ende alle etwas gewinnen und am Ende doch die Vorteile überwiegen.

Ich versuche in letzter Zeit übrigens wieder, regelmäßig ins Büro zu gehen. Das hilft zwar kaum dabei, meine Präsenz zu defragmentarisieren, aber es erleichtert mir, zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen. Morgens, nach einem sehr frühen Frühstück, versuche ich ein paar Stunden lang das Internet leer zu lesen und ins Internet zu schreiben, um dann, mit einem frühen Mittagessen, mein Arbeits-­Arbeitspensum zu erledigen.

Gerade weil ich weiß, dass ich ins Homeoffice könnte, gehe ich besonders gerne ins Büro, erst recht, wenn ich die Flexibilität, die mir mein Arbeitgeber gewährt, gerade gar nicht benötige. Mir reicht (derzeit) die Flexibilität als Potenzial. Zumal im Büro sehr fleissige und freundliche Kolleginnen und Kollegen und ein genauso freundlicher Bürohund rumlaufen.

Was ich allerdings im Büro sehr vermisse: die Möglichkeit zu einem kurzen Mittagsschlaf.

* * *

auch auf t3n.de veröffentlicht

empfehlungsgedöns

felix schwenzel, , in artikel    

im prinzip fing alles mit yahoo an. 1994, sagt die wikipedia, stellten die yahoo-gründer david filo und jerry yang eine seite mit links ins netz, die sie „Jerry and David’s Guide to the World Wide Web“ nannten. auf der liste waren tipps für webseiten aufgezählt, die man sich ansehen konnte. 1995 fing ich ebenfalls mit solchen listen an. auf meiner „homepage“, aber auch mit anderen, zum beispiel meinem kommilitonen thomas kemmer, der eine liste mit interessanten architektur-links erstellte und die ich mitpflegte: die gelbe seite.

früher nannte man das guide, wegweiser, homepage, später dann weblog und heute heisst der vorgang leseempfehlungen auszusprechen kuratierung. die kuratierung war jedoch für einige jahre auf dem absteigenden ast, weil ein paar ingenieure einen kosten- und zeitgünstigeren ansatz gefunden hatten, um das wissen der welt zu erschliessen: algorithmen, also suchmaschinen die das web wie kuratoren durchforsteten, ihre relevanzwertung allerdings nicht nach gefühl oder expertise durchführten, sondern durch das zusammenrechnen von verschiedenen messbaren signalen. damit überholte google yahoo irgendwann mehr oder weniger uneinholbar.

aber das kuratieren, also die manuelle relevanzbewertung von sachen im internet, hat in den letzten jahren eine gewisse rehabilitierung erfahren. sowohl in den sozialen netzwerken, als auch in blogs wird zum grossen teil auf zeug im netz verlinkt. es gibt unzählige newsletter, die einem morgens die nachrichtenlage und links dorthin anbieten. und es gibt eine wachsende zahl komerzieller und professioneller — oder sollte ich sagen hauptberuflicher — anbieter dieser dienstleistung: niuws in form einer app mit „handkuratierten“ inhalten in themenboxen (ich mach da mit), blendle mit empfehlungsmenschen und ressorts wie interviews, medien oder politik (ich mach da mit) oder jetzt, ganz neu, mit piqd.de (ich hab da nen „premium“-zugang zum testen, mach da aber nicht mit).

kuration, empfehlungen, linklisten, hinweistweets, geteilte artikel überall. mittlerweile kann man den eindruck bekommen, dass es bald mehr empfehlungswebseiten gibt, als seiten die originäre inhalte produzieren. oder dass es bald meta-kuratoren gibt, die nicht ausgewählte, relevante inhalte empfehlen, sondern kuratoren, also die empfehler selbst empfehlen.

aber nicht nur die unübersichtlichkeit der medienlandschaft ist ein problem, ein viel grösseres ist die begrenzte aufmerksamkeit und zeit die man als konsument hat. oder anders gefragt: wie gut können sich aggregatoren im medienmix behaupten? wie schaffen sie es, sich in unseren alltag zu drängen?

ich hol mal kurz aus:

blendle fühlt sich für mich wie eine gigantische sonntagszeitung an. wenn ich früher™ meinte nicht viel zu tun zu haben, also zeit hatte, habe ich mir oft eine sonntagszeitung gekauft in der erwartung damit eine angenehme zeit verbringen zu können und interessante sachen zu lesen zu bekommen. so ist das bei blendle im moment auch: ich gehe zu blendle, im wissen, dass ich dort wohl einige zeit verbringen werde und mich festlesen werde. umgekehrt, gehe ich eben nicht „mal eben“ zu blendle, vor allem nicht, wenn meine todo-liste mich anschreit: tu was! ebenso wenig öffne ich meine niuws-app oder piqd.de um in einer arbeitspause mal kurz auf andere gedanken zu kommen oder kurz zu prokrastinieren. das mache ich meist mit spiegel.de um einen kurzen überblick über die vorgefilterte weltlage zu bekommen — oder werfe einen kurzen blick auf meine twitter- oder facebook-timelines.

all die empfehlungsmaschinen, niuws, piqd, blendle und meinetwegen auch die linksektion auf dieser website haben eigentlich keinen platz im alltag, sondern sind soetwas wie sofa-angebote. oder bahnfahrangebote — aber da sitzt man ja auch im sofa, quasi. ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich mich gegen einen besuch dieser webseiten entscheide oder den besuch auf einen späteren zeitpunkt verschieben möchte, weil ich weiss, dort verliere ich jetzt zu viel zeit, die ich gerade nicht verlieren möchte. mir fiel das auf, als ich gestern in einem wartezimmer sass und dort eine alte ausgabe des stern aufschlug. dadrinnen waren tatsächlich einige lesenswerte artikel, bzw. interviews. zum beispiel dieses mit max mosley [blendle-bezahllink, 0,65€]. das interview erschien in der ausgabe vom 1. oktober und wurde auf blendle einige male heftigst empfohlen. würde ich mehr zeit auf blendle verbringen, wäre es mir vielleicht schon vorher aufgefallen. isses aber nicht. und einer der gründe dafür dürfte sein, dass meine/unsere zeit eben nicht beliebig verfügbar ist.

die konkurenz um unsere aufmerksamkeit oder um unsere „sofa-zeit“ tobt gerade mit besonderer intensität. es prasseln so viele günstige und hochqualitative angebote auf mich ein, dass ich mich ständig fragen muss: soll ich mich jetzt vom fernseher berieseln lassen? meine lieblingsserien weitergucken? das angefangene buch weiterlesen? oder sollte ich mich gar mit anderen treffen und ein bisschen zeit mit anderen menschen auf sofas oder barhockern verbringen? oder doch lieber meine feeds weglesen? twitter und facebook durchlesen? mal bei blendle, niuws oder jetzt piqd vorbeischauen?

* * *

weil mich frederik fischer eingeladen hat mir piqd.de anzusehen, habe ich mich gestern entschieden mal ein wenig zeit dort zu verbringen. alles sehr schön aufgeräumt und übersichtlich dort! aha:

piqd ist ein Aggregator.
Wir respektieren unsere Quellen und feiern unsere Fundstücke.

Jedes unserer Schwerpunktthemen wird von einer kleinen Redaktion aus Fachjournalisten, Wissenschaftlern und Politikern betreut. Jeder Experte kann pro Tag maximal einen Link posten.

gut, nur ein link pro tag, eine dankenswerte einschränkung, die es vielleicht leichter macht sich durch den informationsüberfluss durchzukämpfen. andererseits sind 66 „experten“ dann auch wieder ne menge.

was ich sehr mag ist die möglichkeit der experten einen link wortreich zu empfehlen. auf twitter oder niuws ist die zeichenzahl des empfehlungstextes eingeschränkt (niuws hat das limit für die empfehlungstextlänge gerade kräftig nach oben korrigiert), auf facebook und in blogs geht das schon lange so. wobei sich leider wenige die mühe machen, längere erklärungstexte, einschätzungen oder gründe den text zu lesen an den link zu heften. bei piqd.de sind die „experten“ offenbar dazu angehalten.

die empfehlungstexte sind teilweise so gut, dass ich den link gar nicht mehr klicke (zum beispiel).

im kanal „literarischer journalismus“ habe ich auch schon eine perle geborgen, dieses interview mit boris becker. das ist zwar 5 jahre alt und steht in der würg welt, aber ist (natürlich) ein tolles lesestück. beim punkt datum habe ich auch die einzige kritik an piqd.de; die empfehlungstexte der „piqer“ haben kein datum, die „original-artikel“ nur gelegentlich. immerhin sind die kommentare unter den artikel verdatumt.

ansonsten gibt es an piqd.de nix zu meckern: die gestaltung ist anmutig, die site funktioniert auf allen geräten, die ich ausprobiert habe, einwandfrei, die kanal- und themenauswahl ist so zeitgeistig dass einem beim piqd.de-besuch beinahe ein dutt auf dem kopf wächst. sehr geschickt auch nicht von „netzpolitik“ zu reden, sondern von politik und netz.

ausser dem unterstreichungs-design (zu eng an den buchstaben nach meinem gefühl) hab ich tatsächlich nichts an piqd.de auszusetzen. na gut, es ist etwas irritierend sich von aktiven politikern texte empfehlen zu lassen, ich beobachte mal, wie das auf dauer auf mich wirkt, aber ansonsten ist piqd.de eine willkommene bereicherung in meinem ohnehin schon völlig überladenen medien-menü.

p.s.: meine lieblingsempfehlungsquelle ist übrigens der digg-RSS feed. ich habe schonmal vor ein monaten aufgeschrieben warum. natürlich ist das ausschliesslich englischsprachig, aber mir gefällt, wie der feed in mein medienmenü passt: die empfehlungen schwimmen in meiner informationsquelle nummer eins, meinem RSS-reader. keine separate app, kein separates ansurfen einer webseite, kein trara (das gleiche gilt übrigens für rivva und seinen RSS feed). und in aller bescheidenheit, ich glaube genau das ist auch der grund, warum es nicht wenige leute gibt, die meine (fast) täglichen links schätzen. eine übersicht an dingen die möglicherweise interessant sein könnten, ein kommentar dazu, der bei der einschätzung der relevanz hilft (oft auch nicht) und sonst nichts.

papierliebhaberei

felix schwenzel, , in artikel    

ich kenne viele leute die online-banking für teufelszeug halten. weil das ja so unsicher sein soll. so stand es ja auch in den achtziger und neunziger jahren in den zeitungen. ähnliche vorbehalte gibt es bei sehr vielen menschen die ich kenne gegenüber kreditkarten oder anderen bargeldlosen zahlungsverfahren. weil es immer wieder betrugsfälle bei diesen zahlungsmitteln gibt, sind diese methoden folglich zu meiden.

wenn internetskeptiker davor warnen privates ins internet zu schreiben (die jugend!), fotos im internet zu veröffentlichen (identitätsdiebstahl!) oder undifferenziert vor dem grossen, bösen google warnen, lachen wir (die „internetgemeinde“) in der regel laut auf. überzogene ängste von politikern vor offenen wlans ridikülisiert netzpolitik seit vielen jahren. netzpolitik und grosse teile dieser „internetgemeinde“ versuchen seit jahren die chancen der digitalisierung hervorzuheben und überzogener angstmache und sicherheitsbedenken aus politik und gesellschaft entgegen zu wirken.

nur beim zahlungsverkehr ist das aluhut-tragen nach wie vor schick. netzpolitisch bestens gebildete aktivisten, wie zuletzt andreas von gunten, warnen mit methoden vor einer bargeldlosen gesellschaft, die normalerweise von innenpolitikern oder grossverlagen genutzt werden: indem vor totalitären potenzialen gewarnt wird und kreativer logik arumentiert wird.

oder jetzt auf netzpolitik, von jan girlich. mit jan girlich stimme ich überein, dass es unbedingt zahlungsmethoden geben muss, die zahlungen ermöglichen, die nicht ohne weiteres nachverfolgbar sind. bargeld funktioniert für solche fälle nach wie vor bestens. allerdings gibt und gab und gibt es durchaus auch bargeldlose zahlungsmittel, die das ermöglichen. die geldkarte beispielsweise erlaubt (unter bestimmten umständen) anonyme zahlungsvorgänge, genauso wie vorausbezahlte kreditkarten (prepaid-karten). diese werden „ohne Bonitätsprüfung auch an nicht kreditwürdige Personen ausgegeben, die beispielsweise noch nicht volljährig sind oder für die ein Negativeintrag in der Schufa vorliegt.“ (zitat wikipedia)

diese möglichkeiten erwähnt jan girlich in seinem netzpolitik-artikel, in dem er vor einer bargeldlosen zukunft warnt, nicht. im gegenteil:

Festgehalten werden kann, dass wir ohne Bargeld unserer Möglichkeit anonym und spurlos zu zahlen beraubt werden.

bitcoins sind ganz sicher noch nicht im mainstream angekommen, aber als ich zuletzt darüber gelesen habe, blieb bei mir hängen, dass man mit bitcoins anonym und spurlos zahlen könne (siehe anmerkung unten). und was hindert uns weitere technische alternativen zu entwickeln (oder zu fordern), die uns ermöglichen anonym und spurlos zu zahlen?

mich erinnert diese argumentation an die diskussion, dass guter journalismus nur auf dem trägermedium papier möglich sei. in dieser diskussion wurde verkannt, dass nicht das trägermedium entscheidend für qualität ist, sondern die ideen hinter der journalistischen arbeit. so wie die idee des journalismus nicht untrennbar mit papier verbunden ist, ist auch die idee der anonymen und spurlosen bezahlung nicht untrennbar mit papier oder bargeld verbunden.

aber jan girlich meint festhalten zu können, dass „die Argumente der Befürworter“ von bargeldlosen zahlungsmitteln sich leicht entkräften liessen:

Das Ende der Kriminalität wird die Abschaffung des Bargelds ganz gewiss nicht, denn gerade bei bargeldlosen Bezahlmethoden wächst der Betrug rasant z.B. mit gestohlenen Logins durch Trojaner.

um diese these zu belegen, verlinkte jan girlich vor ein paar tagen auf die FUD-pressemitteilung eines sicherheitsdienstleisters, ich habe das vor ein paar tagen hier kurz notiert. den link hat jan girlich nach meinem hinweis mittlerweile ausgetauscht, mit einem link auf einen text, der für die flächendeckende einführung von EMV-verfahren (chip statt magnetstreifen) plädiert. das habe ich ebenfalls kurz notiert.

natürlich ist es unbestritten, dass der betrug „bei bargeldlosen Bezahlmethoden“ zunimmt, momentan sogar stärker als sich bargeldlose bezahlverfahren durchsetzen. den entscheidenden punkt lässt girlich aber aus: die verluste werden zum allergrössten teil von den kreditinstituten getragen.

sonst liest man auf netzpolitik von etwas pragmatischeren herangehensweisen an probleme, die die digitalisierung mitbringt: statt auf emails zu verzichten oder emails als gefahr darzustellen, wird starke verschlüsselung empfohlen. bei sicherheitsproblemen oder datenschutzproblemen fordert netzpolitik in den wenigsten fällen die betroffenen dienste abzustellen, sondern technische und organisatorische verbesserungen; zwei-faktor-authentifizierung und starke passwörter, statt abstinenz von der digitalen teilhabe.

das meiste von dem was jan girlich in seinem kurzen artikel zusammengetragen hat, deutet auf ernste probleme. wir sollen uns sorgfältig mit diesen problemen auseinandersetzen: wie können wir sicherstellen dass die teilhabe aller menschen in der digitalen welt gesichert ist, wie können wir in der digitalen welt privatshäre sicherstellen, wie können wir betrug, diebstahl und kriminalität verhindern? was mir überhaupt nicht gefällt ist stimmungsmache und das streuen von angst und unsicherheit durch unredliche oder einseitige argumentation.

* * *

anmerkung/nachtrag:
bitcoins sind nicht anonym und spurlos meinen viele, am besten begründet von torsten kleinz hier und folgenden kommentaren. nichtsdestotrotz sind bitcoins (noch) schwer mit personen in verbindung zu bringen, wie es unter anderem in diesem ars technica artikel steht:

Bitcoin, a novel digital currency based on cryptography, provided a similarly hard-to-trace method of handling payments. Though anyone in the world could watch payments flowing through the Bitcoin system, tying particular accounts to individuals could prove extremely challenging.

spreetunnel

felix schwenzel, , in artikel    

heute nachmittag sind wir kurz an den müggelsee gefahren, der mit dem auto geschlagene 40 minuten entfernt ist. mit der bahn wären wir über eine stunde unterwegs gewesen. und weil wir noch den mietwagen hatten, sind wir natürlich auto gefahren.

der ortsteil wo man kurz vor dem müggelsee unter der spree durchlaufen kann, heisst glaube ich eisengrund friedrichshagen. dort wurde bis 2010 auch das berliner bürgerbräu gebraut, in einer ziemlich grossen und mittlerweile ziemlich verfallenen brauerrei, die jetzt laut wikipedia nur noch als brauereimuseum genutzt wird.

berliner bürgerbräu
berliner bürgerbräu

neben der ex-brauerei liegt der spreetunnel.

zum spreetunnel

demnächst soll es dort richtig schön werden.

zum spreetunnel

im moment wird die eine hälfte des spreetunnels schön gemacht.

zum spreetunnel
im spreetunnel

auf der anderen seite ist es bei schönem wetter bestimmt sehr schön.

rückseite vom berline bürgerbräu
müggelsee

wir sind dann an der spree runtergelaufen, und fragten uns ein paar hundert meter weiter, ob das eine kunst-installation oder notwendigkeit ist.

mülleimerparade an der spree

noch ein paar hundert meter weiter ein sehr interessantes gastronomie-konzept: einfach das restaurant schlecht erreichbar machen und dann auf kundschaft hoffen, die sich durch nichts abschrecken lassen.

„spree-arche“

auf den ungefähr 4 kilometern an der spree entlang war sehr wenig los, wahrscheinlich lags auch am beschissenen wetter. ein bisschen fühlte sich der weg wie in schottland an. den rückweg sind wir dann mit der strassenbahn gefahren.

unser weg heute

filterrealität und filtersouveränität

felix schwenzel, , in artikel    

das nuf fragt (ohne fragezeichen):

Darf ich mich weigern bestimmte Dinge sehen zu wollen

und stellt dabei ein paar gute fragen. ich kann die fragen auch nicht alle beantworten, ausser der allgemeinen feststellung, dass realität natürlich immer subjektiv ist. niemand kann die realität voll erfassen, wenn das so wäre, gäbe es bereits eine heilung für krebs oder ein mittel gegen schnupfen. weil die zelluläre realität der menschlichen wahrnehmung aber verschlossen ist und wir uns ihr nur mit primitiven werkzeugen näheren können sind uns unendlich viele aspekte der realität noch immer verschlossen, trotz rasterlektronenmikroskopen oder enormen fortschritten der molekularbiologie, der virologie und anderen wissenschaftszweigen.

aber auch die realität die wir mit den augen und dem verstand erfassen können ist nur nur ein winziger ausschnitt aus dem gesamtbild. abhängig von unserem aufenthaltsort, unserer erziehung, ausbildung oder gesellschaftsform in der wir leben, abhängig von unserem alter, unserem familienstand oder freunden — aber natürlich auch abhängig von unserem medienkonsum — nehmen wir die „realität“ unterschiedlich wahr. und dann kommt noch das ganze geraffel mit der erkenntnistheorie oder gar der quantenphysik dazu.

der witz ist: wir sollten uns stets vor augen halten, dass nicht nur jon snow nichts weiss, sondern dass wir alle nichts wissen. oder in diesem zusammenhang, dass wir uns die welt bewusst oder unbewusst oder aus mangel an wahrnehmungskapazität so oder so zurechtfiltern. gehirnforscher und psychologen wissen ebenfalls, dass wir unsere wahrnehmung massiv filtern. viele menschen nehmen gerne drogen um mit den grenzen dieser wahrnehmungsfilter zu experimentieren, aber richtig im alltag funktionieren, ich glaube das ist konsens, können wir nur mit intakten filtermechanismen.

vor drei jahren schrob ich zum thema filterblasen das folgende:

während meines zivildienstes und meiner ausbildung empfand ich es als ausgesprochen überraschend zu erfahren welche lebensweisen, ansichten und probleme ausserhalb eines gymnasiums und eines mittelklassehaushalts existieren. ich erkannte in meiner zivildienst- und ausbildungsfilterblase, dass ich die letzten 18 jahre in einer gymnasiums- und mittelklassefamilienblase lebte.

ich erkannte aber auch, dass der bevorzugte lebensraum der menschen blasen sind. und der einzige weg aus einer blase besteht darin, in andere blasen zu steigen. die werkzeuge, um möglichst viele blasen zu betreten liegen auf der hand: reisen, lesen, neugierde, experimentierfreude, lernen, kommunizieren und lesen, lesen und lesen.

aber das wichtigste werkzeug ist und bleibt das ständig aufgefrischte bewusstsein, dass wir nunmal in blasen leben und dass es werkzeuge dagegen gibt, die wir immer wieder aktiv nutzen müssen.

ich weiss gar nicht, warum der begriff der filter-bubble im zusammenhang mit den „neuen“ medien so negativ konotiert ist. ich habe es in den letzen 40 jahren immer vermieden die bild-zeitung oder andere publikationen zu lesen, die meinem weltbild zu wider laufen. genauso wie ich nicht auf death metal konzerte gehe (eigentlich auf gar keine konzerte), schliesse ich (schon immer) einen grossteil der auf der welt existierenden publikationen und menschen aus meiner wahrnehmung aus. warum sollte ich das im internet anders handhaben?

mein medienkonsum ist trotzdem relativ divers und zeitintensiv, erst recht durchs internet, aber neben den natürlichen filtern, filtere ich selbstverständlich auch bewusst. ich vermeide echtzeitnachrichten und ziehe abgehangene berichterstattung vor, selbst der alte tanker tagesschau ist mir an den meisten tagen viel zu hektisch und aufgeregt. ich bin froh über die vorfilterung die facebook in meiner timeline vornimmt und bin immer wieder erstaunt darüber, dass es leute gibt die ihrer twitter-timeline akribisch folgen. mir reicht es bei twitter alle paar tage mal kurz die lage zu sondieren und unter umständen auf ein paar vorgeworfene infohäppchen zu reagieren.

vor zwanzig jahren habe ich meine informationen über die aussenwelt (mehr oder weniger) ausschliesslich über wochenzeitungen bezogen. dadurch verliert die welt keinesfalls ihren schrecken und die grausamkeiten die in der welt passierten zogen dadurch keinesfalls an mir vorbei, aber die ereignisse liessen sich durch die zeitliche distanz sehr viel besser einordnen und verdauen. als nachrichtenjunkie am livestream der welt zu sitzen ist ein bisschen wie ausschliessliche rohkosternährung. nicht gegen gelegentliche rohkost, aber gekocht und gewürzt schmeckt essen meistens besser und lässt sich sehr viel leichter verdauen.

so wie ich mich entschieden habe mir keine kaum horrorfilme oder schnulzige romanzen anzusehen, habe ich mich auch entschieden nur bestimmte publikationen zu lesen, bzw. informanten auszufiltern, die mich zu sehr aufregen oder ratlos werden lassen. um die frage vom nuf oben also kurz zu beantworten: du darfst. du sollst. du kannst.

freier tag heute

felix schwenzel, , in artikel    

auf dem weg zum flughafen tegel, um sieben uhr morgens am kurt-schumacher-platz
auf dem weg zum flughafen tegel, um sieben uhr morgens am kurt-schumacher-platz

heute sehr früh zum flughafen gefahren um dort nen mietwagen zu holen. bis jetzt hab ich am flughafen tegel immer grössere autos bekommen als ich bestellt und bezahlt habe und vor allem hat nie einer der autovermietungsschalterangestellten versucht sein verkaufsscript auf mich anzuwenden. na gut, den vollkasskoschutz mit null euro selbstbeteiligung versuchen mir immer alle anzudrehen. heute kam ich dann doch wieder in den genuss einer sales-script-aufführung: „ihnen kann ich heute etwas besonderes anbieten, für nur 16 euro ein upgrade auf ne e-klasse …“

das ist eigentlich schon der todesstoss für ein verkaufsgespräch, weil der herr mit 16 euro eigentlich 48 euro meinte: 16 euro pro tag. aufs glatteis geführt zu werden mag ich nur unter bestimmten umständen. heute jedenfalls war ich nicht in diesen umständen und sagte „nö danke“.

„mit dem vollkaskoschutz mit null euro selbstbeteiligung bekommen sie die e-klasse kostenlos.“

natürlich kostet das vollkasko-upgrade mehr als 16 euro pro tag. diese sales-tricks funktionieren bei mir sehr gut, wenn ich nach 17 stunden flug aus einem flugzeug steige, heute um sieben war ich ausgeschlafen. ich lehnte erneut dankend ab.

„ok, ich mache ihnen ein angebot und gebe ihnen das upgrade für 7 euro.“

weil die e-klasse ein diesel mit harnstoff-technologie war, die ja so umweltfreundlich sein soll, aber auch um endlich ins auto steigen zu können, sagte ich dann ja.

* * *

um neun sind wir losgefahren, pünktlich um zwölf, wie vom navigationssystem vorausgesagt kamen wir im „hotel freigeist“ in northeim an. wir waren hier mit meiner mutter, meinem vater und meiner schwester verabredet, um meinen opa, der vor zwanzig jahren gestorben war, umzubetten, damit er neben seiner frau, die letztes jahr gestorben war, liegen konnte.

vorher gabs natürlich noch mittagessen. auf der speisekarte wird novalis zitiert:

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.

meine mutter mochte den spruch.

ich nahm als vorspeise ein rinder-tartare, von regionalen rindern glaube ich, dass mir etwas zu pompös ornamentiert war, aber sehr, sehr lecker schmeckte.

tartare im hotel freigeist
tartare im hotel freigeist

als hauptgang hab ich mir ein pilzrisotto kommen lassen. das war auch sehr lecker und es kam viel bescheidener auf den tisch.

ruhewald bürgerholz in northeim
ruhewald bürgerholz in northeim

meine oma haben wir letztes jahr im „ruhewald bürgerholz“ bestatten lassen. sie sprach nicht gerne über ihren tod, vor allem weil sie ihn auch mit 92 für sehr unwahrscheinlich hielt. ihr einziger ausgesprochener wunsch war, neben ihrem mann bestattet zu werden. letzte jahr liess sich dieser wunsch aus irgendwelchen bürokratischen oder organisatorischen gründen noch nicht umsetzen, dieses jahr konnten wir ihr den wunsch erfüllen.

blick vom ruhewald bürgerholz in northeim auf einen anderen wald
blick vom ruhewald bürgerholz in northeim auf einen anderen wald

das grab im wald zu finden war gar nicht so einfach. die bestatter warteten eigentlich am „andachtsplatz“ auf uns, kamen dann aber zu uns rüber, als sie merkten, dass wir eher daran dachten, am grab selbst ein bisschen andächtig zu sein. einer der herren brachte dann die urne, in die mein opa umgebettet wurde, sehr andächtig, zu uns rüber. ich kam mir vor wie im film:

die urne war sehr schön (und kompostiert sich in den nächsten jahren selbst), auch die kleine andacht war stilvoll, aber vor allem lagen die beiden jetzt wieder zusammen. darüber freuten sich auch die beiden bestatter.

auf dem rückweg sahen wir die vorbereitungen für einen schulklassenausflug in den wald, für den (offensichtlich) eine falknerin aus dem kreis northeim engagiert worden war, die den kindern einen rotschwanzbussard, eine schleiereule und einen uhu mitgebracht hatte.

mein vater, der sich mit vögeln eigentlich sehr gut auskennt [sic!] erkannte den rotschwanzbussard nicht, was aber daran liegt, dass er nicht heimisch ist, sondern aus nordamerika kommt. die schleiereule war relativ jung, der uhu hingegen um die 36 jahre alt. in der wikipedia steht, dass uhus in gefangenschaft bis zu 68 jahre alt werden können. in freiheit werden sie bei weitem nicht so alt. eine häufige todesursache von eulen in deutschland ist hunger. es gibt immer weniger möglichkeiten für eulen im winter mäuse zu jagen, einerseits weil die schädlichsbekämpfung die zahl der mäuse kräftig reduziert (und die nahrung vergiftet), andererseits weil eulen kaum noch zugang zu scheunen haben, um dort auch im winter zu jagen. wegfliegen wollten die schleiereule und der uhu, als wir so um sie rumstanden, trotzdem ständig.

* * *

nach dem abendessen habe ich die speisekarte nach whisky abgesucht. im „freigeist“ gabs nur einen schottischen single malt, bunnahabhain. der kommt wie mein lieblingswhisky laphroiag auch aus islay und in der tat hat er mir auch sehr gut geschmeckt: viel weniger torfig als der laphroiag, aber ähnlich ätherisch-leicht. im whisky-store wird er als „leicht mit Früchten, einem Hauch Vanille“ beschrieben und ich muss sagen das stimmt. vor allem schmeckt er sehr viel komplexer, beinahe würde ich sagen komplizierter, als der laphroiag. gerne wieder.

vom potsdamer platz zum teufelsberg

felix schwenzel, , in artikel    

potsdamer platz

weil die beifahrerin in der boticelli-ausstellung verabredet war und es eilig hatte, hab ich sie heute zur gemäldegalerie gefahren, den mietwagen dort abgestellt und mich zu fuss auf den weg zum teufelsberg gemacht. auf dem teufelsberg ist diese ehemalige abhörstation mit den kugeln, die man aus film und fernsehen und netzpolitischen interviews kennt. ausserdem ist der teufelsberg quasi ex-berlin. laut wikipedia liegen unter der ex-abhörstation „26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt“. das entspreche „grob einem Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser“. tatsächlich sah ich bei meinem aufstieg auf den teufelsberg immer wieder schutt und baumaterial zwischen den pflanzen liegen.

fenster

zuerst kam ich auf meinem weg an dem gebäude vorbei, in dem holtzbrinck vor sieben jahren mit einem nachrichtenportal für junge menschen (zoomer.de) gescheitert ist. genau, ausgewachsene journalisten, die ihre leser duzen und ihnen bunte texte vorwerfen, in der hoffnung, dass sie von der zielgruppe geteilt werden, gibt’s nicht erst seit ze.tt oder bento.de. zoomer ist lediglich sieben jahre früher gescheitert als ze.tt und bento.

damals erklärte man mir bei zommer.de, dass das geduze so sein müsse:

das rumgeduze will die zielgruppe übrigens so haben, liess ich mir erklären. 21 bis 35 jährige sind so. sie wollen auf nachrichtenportalen geduzt werden. marktforschung, doo!

der witz ist, dass bento.de und ze.tt den gleichen quark wie zommer.de damals machen: in artikeln und überschriften wild duzen, aber im impressum und der datenschutzerklärung — why so serious? — wird plötzlich steif gesiezt.

bento:

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ze.tt:

ze.tt versichert Ihnen, dass Ihre Daten gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen, gemäß dem Telemediengesetz des Rundfunkstaatsvertrages, dem Bundesdatenschutzgesetz sowie weiteren datenschutzrechtlicher Bestimmungen genutzt werden.

ein paar häuser weiter gabs das gleiche fassaden-motiv an einem neu gebauten wohnhaus.

balkone

unten in dem haus streiften ein paar sehr junge sicherheits-/wachmänner rum, einer von ihnen sass an einem kleinen tisch und schaute auf einem portablen DVD-spieler filme an. hätte der arme mann nen laptop gehabt, hätte er ein bisschen ze.tt oder bento lesen können.

ein paar blöcke weiter, ich glaube nach dem verteidigungsministerium, war noch ein junger mann zu sehen, auf ein ex-mauerstück gemalt:

weil ich kurz danach pinklen musste, bin ich ins intercontinental aufs klo gegangen. in grossen hotels kann man prima aufs klo gehen. eigentlich sollte das in jedem reiseführer stehen. die toiletten grosser hotels sind immer top gepflegt, bieten gute privatshäre — wo bekommt man die heutzutage sonst noch? — und fast immer ordentliche handtücher. und blumen.

pinkelpause im hotel

selbst in den USA, wo man auf toiletten wegen der grossen spaltmasse der türen quasi im freien sitzt, haben die grossen hotels meist sehr angenehm geschlossene WC-kabinen.

an der hardenberg-/kantstrasse spriessen derzeit die hochhäuser. dort wird so viel gebaut, dass man sich fast in den osten versetzt fühlt. leider muss ich sagen, finde ich das sogar relativ schick.

kleinmanhatten
kleinmanhatten

auch das bikini-einkaufszentrum hat dem viertel gut getan, selbst das zoo-palast-kino sieht wieder vorzeigbar aus. neben dem zoo-palast hat kürzlich ein jim-block-restaurant aufgemacht, wie in hamburg, direkt unter dem vater-restaurant, dem block haus. weil ich jim block mag und ausserdem hunger hatte, hab ich mir dort einen burger gekauft. zum burger gabs einen winzigen gurkensalat aus gurken-würfeln, was ich schade fand, den das coleslaw im jim block war früher überragend gut.

leider konnte ich die kleine schale gurkensalat nicht aufessen, da sie mir nach dem ersten bissen aus der hand glitt. offenbar ist der salat mit viel glitschiger sahne angemacht. der burger (bbq) war leider auch scheisse. roch komisch, schmeckte komisch und die brötchenhälften waren eiskalt. die pommes und die mayonaise waren allerdings super. was mir auch auffiel: das licht dort hat das potenzial einen in den wahnsinn zu treiben; als ich mir das berühmt-berüchtigte block-steak-pfeffer-salz auf die pommes streute, gab es einen optischen effekt wie bei disko stroboskoplicht. man sah die pfefferkörner beim fallen immer nur kurz aufblitzen, dann wurden sie unsichtbar. das müssen irgendwelche interferenz-effekte der LED oder neon-beleuchtung dort gewesen sein.

der steak-pfeffer ist übrigens das einzige was bei jim block umsonst ist, bzw. was es ohne zu fragen gibt. auch nach servietten muss man fragen, von ketchup und mayo gar nicht erst zu sprechen.

* * *

verlässt man den kudamm über die joachimstaler strasse, bzw. bundesallee wird’s wieder typisch westberlinerisch schrottig und abgenutzt. erstaunlich wie ein paar hundert meter fussweg den charakter eines quartiers verändern können. trashig kann man die möbelgeschäfte an der bundesallee übrigens ungestraft nennen:

müll

an den wohnblocks in der gegend kann man aber immerhin immer wieder hübsche schatten- und lichtspiele beobachten:

herbstbäume
herbstbäume

am hohenzollerndamm dann das symbolbild für west-berlin schlechthin:

hohenzollerndamm

weiter nach (ich glaube) zehlendorf. ich glaube dort gibt es viele antroposophische einrichtungen, die architektur bemüht sich dort jedenfalls sehr um die vermeidung von rechten winkeln:

weihnachtsmarkt

auch die adams family hat hier offenbar eine berlin-residenz:

das haus der adams family

zuckersüsse, farbenpralle herbstbilder sind heute wahrscheinlich zehntausende entstanden, ich habe auch einige gemacht. siehe auch oben. hier noch zwei:

herbstbäume

am s-bahnhof grunewald habe ich mir eine flasche frischgepressten orangensaft gekauft und mir vorgenommen den auf dem teufelsberg zu trinken. der bahnhofsvorplatz fühlte sich an wie in der düsseldorfer city. altgewordene, arrivierte popper in segelschuhen, sauberen luxus-SUVs, die mal eben draussen ein sektchen schlürfen gehen, wenn das wetter so prall ist. auf dem bahnhofsvorplatz! ich staunte sehr. den bahhofsvorplatz habe ich nicht fotografiert, dafür aber die unterführung.

gleis 17

hinter dem bahnhof geht’s direkt in den grunewald. alles sehr unspektakulär, wald eben. den teufelsberg liefen neben mir auch sehr viele andere spaziergänger hoch. oben angekommen sah ich, dass die anlage mit den kugeln sehr gewissenhaft umzäunt ist. ich war zu erschöpft um eine runde um die anlage zu drehen, um zu sehen ob es da irgendwo einen einlass gab.

vom teufelsberg runter in die sonne fotografiert

also setzte ich mich auf eine bank in die pralle sonne, fotografierte die sonne, trank meinen orangensaft und instagrammte ein paar bilder. gregor klar kündigte an, dort wo ich sass, auch bald vorbeizukommen, ich war dann aber schon lange wieder auf dem weg zur s-bahn, als er dann da war.

insgesamt war ich heute 16 kilometer und 5 stunden zu fuss unterwegs.

photochrome

felix schwenzel, , in artikel    

schöne fotos von „um 1900“ auf eines tages: Als Deutschland Farbe bekam

die fotos sind aus aus der privatsammlung des grafikers marc walter, der laut taschen-werbung „eine der größten Sammlungen [von] Reisefotografien, vor allem Photochrome“ besitzt. offenbar sind viele der bilder postkarten von „um 1900“, die damals millionenfach gedruckt wurden.

da das 19te jahrhundert jetzt schon ein paar jahre her ist, ist auf den meisten (allen?) dieser bilder auch der urheberschutz abgelaufen. aufgefallen ist mit das vor ein paar wochen, als philipp jahner einige genau der bilder die auch bei eines tages zu sehen sind für buzzfeed aufarbeitete. als lizenz-/quellenangabe hat philipp jahner bei den meisten bildern ein flickr-account angegeben, dass die bilder aus der wikipedia zu flickr importiert hat. leider ist die suchfunktion von flickr total kaputt, so dass ein klick auf einzelne schlagworte, zum beispiel dieses bildes, ins leere führt (nachtrag: funktioniert jetzt).

google findet einige der bilder, aber in diesem fall scheint mir die wikipedia am besten sortiert: die kategorie „19th century photochrome prints of Germany“ ist prall gefüllt mit über 2000 dateien (von denen allerdings viele gedoppelt sind). dort zu blättern macht bestimmt auch spass und man spart sich die 150 euro für das buch. und die bilder aus der wikipedia kann man im gegenteil zu denen aus dem buch leicht teilen, verlinken oder kopieren.

die wissower klinken auf rügen

die wissower klinken auf rügen

der kölner hauptbahnhof

der kölner hauptbahnhof

der kölner dom

der kölner dom

der aachener dom

der aachener dom

schiffe im hamburger hafen

schiffe im hamburger hafen

noch mehr schiffe im hamburger hafen

noch mehr schiffe im hamburger hafen

blick auf aachen

blick auf aachen

elisenbrunnen in aachen

elisenbrunnen in aachen

erste erfahrungen mit apple news

felix schwenzel, , in wirres.net    

in einem wort: örgs.

meine apple-news-abos

vor etwa einem monat habe ich mich über den news publisher auf icloud.com für die teilnahme beworben. ich habe dafür einen englischen kanal angemeldet und ein logo nach den strengen apple-richtlinien gebaut. am montag, also nach ca. 30 tagen, wurde mein kanal freigeschaltet.

nach der freischaltung war mein kanal (link funktioniert nur auf ios und apple news lässt sich nur benutzen, wenn man die region auf dem ios-gerät auf USA eingestellt hat) erstmal leer, obwohl der RSS feed für die englischen news-items bereits mit ein paar artikeln gefüllt war.

nach ein oder zwei stunden wurde dann der RSS-feed abgerufen und der kanal füllte sich. was mir auffiel:

  • die artikel waren nicht umgekehrt chronologisch nach dem veröffentlichungsdatum sortiert, sondern nach offenbar nach gutdünken.
  • ein eingebettetes video (in diesem artikel) lässt die news-app abstürzen
  • der RSS-feed wird nicht besonders oft aktualiisiert, das letzte update brauchte andertalb stunden bis es in der app auftauchte.
  • die artikel werden nicht aktualisiert. vor zwei tagen haben ich diesen artikel leicht verändert, die änderungen sind in der apple-news-app noch immer nicht sichtbar.
  • der letzte artikel wird in der apple-news-app angezeigt, aber ohne bild. das scheint erratisch, da es mit diesem bild kein problem gab.
  • einen zugang zur apple-news-api habe ich noch nicht bekommen, kann also auch noch nicht aber mit meiner channel-id und der news-preview-app kann ich bereits mit dem apple-news-format experimentieren.
  • der vorhandene wordpress-plugin für apple news funktioniert im moment, mit verlaub, miserabel.
  • für das apple-news-format hat sich apple etwas ganz besonderes einfallen lassen. kein html, alle styling-informationen und inhalte möchte apple per json geliefert bekommen, die inhalte können aber mit markdown formatiert werden. insgesamt kommt mir das alles furchtbar kompliziert vor.
  • die suche in apple-news funktioniert derzeit nicht, weder auf dem telefon, noch im ios-simulator.

technisch finde ich die ansätze der facebook-instant-articles und amp sehr viel interessanter, allerdings scheinen alle drei ansätze eines gemeinsam zu haben: sie scheinen alle noch sehr beta, wenn nicht sogar alpha zu sein. was wohl auch der grund dafür ist, dass der zugang zu ihnen noch so eingeschränkt gewährt wird. um damit zu experimentieren, muss man sehr, sehr geduldig und gleichmütig sein. immerhin wurde mein bug report sehr freundlich von einem menschen beantwortet: „We appreciate your patience.“