meine lieblingstweets mitte september

felix schwenzel,    

Wenn ein Alien zwei Wesen sieht, von denen eins die Scheiße vom anderen aufhebt und ihm nachträgt, mit wem wird es Kontakt aufnehmen? #hund

@monettenom

monettenom

Oberschenkelzerrung weil ich nach 200 Jahren mal wieder ne Brücke versucht habe cc vorwurfsvoller Blick Richtung @

@dasnuf

Patricia Cammarata

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich essen will.

@josefine

Josi Bility

Die Kantine wartet mit "Indischem Kalbscurry" auf. Was gibt's morgen? Arabisches Schweineschnitzel?

@kleinkram

@kleinkram

"was heisst freiwillig auf englisch?" - "free... willy"

Wenn ich noch einen einzigen bescheuerten Witz über die Autokorrektur lesen muss, haue ich hier alles Furz und klein.

@Regendelfin

Marie von den Benken

Die Hauptzutat in Tiefkühlpizza ist Einsamkeit.

@hoch21

Roman Held

Lieblicher Wein ist ausverkauft. Jetzt sitz' ich auf dem Trockenen.

@wortgourmande

Donna Wetter

Ich kaufe Gemüse gern, sobald es mit einem leichtem Schimmel überzogen ist. Dann brauch ich es nicht so lang lagern, bevor ich es wegwerfe.

Nashörner sind im Grunde nichts als übergewichtige Einhörner.

@DerWachsame

Der Wachsame

"Mama, ich weiß auch nicht, aber heute bist Du echt unscharf" Kind 2.0 als es mich heute fotografierte.

@dasnuf

Patricia Cammarata

Aus Versehen ein Ü-Ei für Mädchen gekauft. War ein Spülmaschinentab drin.

@peterbreuer

Peter Breuer

Die Scheibe Brot ist rechteckig mit abgerundeten Ecken. Finde das sehr mutig von meinem Bäcker, sich mit Apple anzulegen

@protagon8

Norman Bates

Krass - wie langsam mein Besuch die Küche putzt.

@dasnuf

Patricia Cammarata

o2 hat mir ein Foto eines Blumenstrauss als Entschuldigung geschickt. Denke über Fotos von Geldscheinen für die nächste Rechnung nach.

@fholzhauer

Florian Holzhauer

Der kürzeste Witz der Welt kommt übrigens aus Berlin und lautet:Mit der S-Bahn zum Flughafen.

@saschalobo

Sascha Lobo

ein buch über frauen ist ein frauenbuch. ein buch über männer ist ein buch.

@katjaberlin

katjaberlin

Es scheint einen inoffiziellen Wettbewerb zu geben, den der Nudelhersteller gewinnt, der die Garzeit ambesten auf der Packung versteckt.

@HappySchnitzel

Sue Reindke

Was ich tun wollte: Einen Apfel schälen u. essen. Was ich erreicht habe: Messer unterm Schrank, Teller kaputt, keine Ahnung wo der Apfel ist

@PatschBella

Isabella Donnerhall

Nach flüchtiger Durchsicht scheint @ was gegen Lichtschalter zu haben. http://t.co/yBqKLIN4

@ErwinJurschitza

Erwin Jurschitza

Top-Prokrastinierer mit jahrerlanger Berufserfahrung sucht neue Herausforderung!

@DonDahlmann

DonDahlmann

was sagt mark beneke da bei roche und böhmermann?

felix schwenzel,    

also ich bilde mir ja ein, dass mark beneke in der sendung von heute zu charlotte roche „fotze“ sagte. einfach so.

video

direkt video-link

* * *

ich habe die sendung gerne geguckt, bin mir aber noch nicht sicher wen ich in dieser sendung besonders doof fand. ich tendiere ausnahmsweise mal dazu diesmal niemanden auszunehmen.

roche und böhmermann vom 9.9.2012 in der 2DF-mediathek.

michael spreng möchte google für etwas bestraft sehen, das er selbst mitverursacht

felix schwenzel,    

michael spreng:

Und es wäre ein – hoffentlich – abschreckendes Beispiel, wenn neben den Verursachern auch Google zu einem hohen Schadensersatz verurteilt werden würde.

mit „verursachern“ meint michael spreng menschen, die gerüchte in den umlauf gebracht haben, dass bettina wulff eine rotlichtvergangenheit hätte. warum google zu einem hohen schadensersatz verurteilt werden soll ist nicht ganz klar. michael spreng meint, weil eine google suchanfrage nach „bettina wullf“ oder den den drei buchstaben „bet“ bestimmte suchvorschläge macht:

google suche nach „bet“

das problem dabei ist, das google genau das gleiche wie michael spreng macht. google zeigt an, dass viele seiten im internet die worte „bettina wulff“ und „prostituierte“ oder „escort“ benutzen. michael spreng macht exakt das gleiche, er schreibt, dass viele seiten im internet diese worte im zusammenhang benutzen (und nennt das, anders als google, „Verleumdungen und üblen Nachreden“). sucht man auf michael sprengs webseite nach den worten „Bettina Wulff Prostituierte“ zeigt google an, dass michael spreng laut google in drei verschiedenen artikeln (und derzeit auf der startseite von sprengsatz.de) die worte „Bettina Wulff“ und „Prostituierte“ benutzt hat.

suche auf sprengsatz.de nach „Bettina Wulff Prostituierte“

nach michael sprengs meinung müsste google für ein solches verhalten bestraft werden. nach den gesetzen der logik müsste aber auch michael spreng dafür bestraft werden. michael spreng sagt:

Und williger Helfer ist immmer die Suchmaschine Google, die – völlig neutral natürlich – jedem Verleumder die Plattform verbreitert und die Verleumdung ins Unendliche potenziert.

nun ist michael spreng aber eben einer der „willigen helfer“, der den google-algorithmus davon überzeugt, dass die wortkombination „Bettina Wulff Prostituierte“ derzeit relevant ist. wie hunderte anderer journalisten und blogger: denn der suchwort-vorschlag „Bettina Wulff Prostituierte“ gewinnt derzeit an relevanz, weil leute journalisten wie michael spreng (und ix) in ihrer berichterstattung über bettina wulffs vorgehen gegen google und günter jauch dieser wortkombination relevanz geben.

hinzu kommt, warum möchte michael spreng nur google bestraft sehen? warum nicht auch microsofts suchmaschine bing oder yahoo, die exakt das gleiche machen?

bing-suche nach „bettina wulff“
yahoo-suche nach „bettina wulff“

der begriff der neutralität scheint für viele journalisten, verleger und politiker unverständlich zu sein. sie möchten dinge in der öffentlichkeit sagen, regen sich aber furchtbar darüber auf, wenn diese aussagen über suchmaschinen, aggregatoren oder hyperlinks auffindbar und auswertbar gemacht werden. aber vielleicht ist es gar nicht der begriff „neutralität“, mit dem menschen wie michel spreng probleme haben, sondern der begriff der öffentlichkeit.

nur damit keine missverständnisse entstehen. ich kann es gut verstehen und nachvollziehen, gegen die urheber von haltlosen gerüchten vorzugehen. aber gegen die berichterstattung über dieses vorgehen oder die auffindbarkeit dieser berichterstattung vorzugehen geht zwei bis drei schritte zu weit.

für die suchwortkombination „bettina wulff katzenpisse“ findet google übrigens neun resultate. eins davon wurde aus „rechtsgründen“ entfernt.

google-suche nach „bettina wulff katzenpisse“

* * *

[nachtrag 09.09.2012, 8:36 uhr]
das mit der neutralität und der autovervollständigenfunktion nimmt google wohl doch nicht so ernst (wie ich anfangs annahm). marcus schwarze macht darauf aufmerksam, dass google für begriffe rund um die menschliche sexualität kaum vervollständigungsvorschläge macht. google selbst sagt dazu:

Warum werden für ein bestimmtes Thema keine Vervollständigungen angezeigt? […] 3. Der Suchbegriff verstößt gegen die Richtlinien der automatischen Vervollständigung. Wir möchten Ihnen möglichst relevante Suchanfragen anbieten, schließen jedoch Begriffe aus, die in engem Zusammenhang mit Pornografie, Gewalt, Hassreden und Urheberrechtsverletzungen stehen.

das hört sich keinesfalls neutral an, sondern danach, als griffe google ohnehin nach gutdünken und eigenem ermessen in den algorithmus ein. je länger ich drüber nachdenke, desto unverständlicher finde ich, dass google hier den prinzipienreiter macht. genauso wie google in deutschland gelegentlich suchergebnisse entfernt, wenn ein anwalt darauf besteht, könnte google doch auch begriffe für die autovervollständigenfunktion auf eine schwarze liste setzen.

in das gleiche horn stösst auf blog.beck.de auch henning ernst müller:

Wenn sich also die Google-Anwälte darauf berufen, das Autocomplete gebe eben nur die häufige Suche nach bestimmten Wortkombinationen objektiv wieder, dann argumentieren sie glatt an der Wahrheit vorbei. Redaktionelle Eingriffe finden statt, Google nimmt Einfluss.

[dank an detlef guertler]

* * *

unten, unter „trackbacks“, habe ich links auf seiten gesammelt die sich mit dem thema wulff vs. google beschäftigen.

* * *

so erklärt google die autovervollständigenfunktion:

Während Ihrer Eingabe werden mithilfe des Google-Algorithmus basierend auf den Suchaktivitäten anderer Nutzer und auf Inhalten der von Google indexierten Webseiten Suchanfragen vervollständigt und angezeigt. Wenn Sie in Ihrem Google-Konto angemeldet sind und das Webprotokoll aktiviert haben, können Sie auch Suchanfragen von relevanten Suchen sehen, die Sie in der Vergangenheit durchgeführt haben. Darüber hinaus können auch Google+ Profile in der automatischen Vervollständigung erscheinen, wenn Sie nach dem Namen einer Person suchen. Mit Ausnahme der möglicherweise vorgeschlagenen Google+ Profile wurden alle vervollständigten Suchanfragen in der Dropdown-Liste zuvor von Google-Nutzern eingegeben oder erscheinen im Web.

* * *

[nachtrag 09.09.2012, 11:33 uhr]
nur mal so zur klarstellung: ich habe michael spreng, wie ich finde zu recht, für sein mangelndes differenzieren angegriffen und dabei selbst ein bisschen zu wenig differenziert. auch weil ich die löchrige, leicht verlogene argumentation von google noch nicht ge- und erkannt hatte. bettina wulffs klageschrift kenne ich nach wie vor nicht, aber wenn es so ist, dass sie tatsächlich lediglich gegen die vorschlagsfunktion von google (und nicht die suchergebnisse) im zusammenhang mit ihrem namen vorgeht, kann ich dafür verständnis aufbringen. für michael sprengs undifferenzierte google-rage kann ich nach wie vor kein verständnis aufbringen.

[nachtrag 12.09.2012]
das hatte ich übersehen, dass ich ein s zuviel in der überschrift hatte. jetzt nicht mehr.

von null auf hundert

felix schwenzel,    

vimeo-video

direkt vimeo-link

USA schüleraustausch, woche 4

felix schwenzel,    

seit das kind in amerika ist, sind die beifahrerin und ich zu frühaufstehern geworden um zu sehen ob das kind etwas neues auf facebook gepostet hat. das kind postet tatsächlich relativ oft auf facebook, fasst sich allerdings extrem kurz: ein bild und ein kurzes, maximal zwei worte langes statement. aber es erlaubt uns einen kleinen einblick in das leben des kindes — vor allem die verschiedenen arten von junk food die es konsumiert.

wie sich das kind, laut facebook, ernährt

das kind neigt eben eher zur postkarten-kommunikation. immerhin zwei längere emails hat es schon geschrieben, wir wissen jetzt das es ihm gut geht und das es mit dem football-training begonnen hat. das training wird mit dem schönen euphemismus „daily doubles“ beschrieben, was bedeutet zweimal täglich zwei stunden zu trainieren. der trockene kommentar des kindes: das sei sehr anstrengend.

das football-training habe ich damals verpasst. mein schuljahr in amerika fing zwei wochen verspätet an und ich hatte verpasst mich bereits in den schulferien darum zu kümmern. so kam ich erst 5 wochen nach traingsbeginn dazu den leitenden trainer zu fragen, ob ich mitmachen könne. da war es bereits ein bisschen zu spät. ich entschied mich nach einer probetrainingssession in der an einer tafel strategie besprochen wurde und ich weniger als bahnhof verstand, das mit dem football zu lassen.

klarer punktvorteil beim kind: er es in die football-mannschaft geschafft.

der sport wird an amerikanischen schulen sehr ernst genommen. es gibt zwar auch regulären sportuntericht, die musik spielt aber in den sport-teams ausserhalb des unterichts. das training ist hart, wer sich nicht dem regiment des trainers unterwirft fliegt raus. dafür wird man belohnt mit anerkennung und teamgeist. und zumindest bei den populären sportarten wird man bei wettkämpfen von cheerleadern und meistens der gesamten schule angefeuert.

ich war in meinem USA-schuljahr nur ringer (habe ich vor sieben jahren mal aufgeschrieben) und habe nicht einmal einen cheerleader bei unseren wettkämpfen gesehen. dass nur wenige mitschüler bei unseren kämpfen anwesend waren war mir auch recht, nicht zuletzt wegen der albernen lätzchen die man als ringer tragen muss. aufs mannschaftsfotos im yearbook habe ich es aus unerfindlichen gründen nicht geschafft.

ich war kein besonders guter ringer, nach einem in 12 sekunden gewonnen kampf habe ich nur noch verloren, fand mich aber im teamgeist unserer mannschaft bestens aufgehoben. ich hoffe das kind empfindet das ähnlich. erfolg oder gewinnen ist toll, aber auch das verlieren und scheitern ist teil des ganzen.

so wie im amerikanischen schulsport bin ich nie wieder an meine körperlichen grenzen herangeführt worden. beim leichtathletik-team, in das mich coach hanby nach der ring-saison einlud, kam ich dann aber doch an grenzen die ich nicht überschreiten wollte. offenbar hatte ich mein lauftraining ein bisschen übertrieben und bekam starke schmerzen in den schienenbeinen. der trainer meinte das sei normal und dass es dagegen pillen gäbe. die waren wahrscheinlich harmlos, ich hatte aber keine liust für den sport pillen zu schlucken und verliess die leichtathletik-mannschaft.

ich schreibe das eigentlich auch nur auf und lasse meine erinnerungen um dieses sportthema kreisen, weil mir bei all diesen details wieder auffällt, wie wichtig für mich damals in amerika eine entscheidende kleinigkeit war: in all meinen entscheidungen war ich autonom. natürlich gab es hier oder da druck, erwartungsdruck von den lehrern, den trainern oder mitschülern. aber der druck aus der heimat reichte nicht mehr aus um mich in meiner autonomie oder detailentscheidungen entscheidend zu beeinflussen. das erwartungskorsett aus der heimat wurde durch ein viel bequemeres, weniger regides, brandneues amerikanisches erwartungskorsett ersetzt.

das ringen habe ich trotz schmerzen, schweiss und blut durchgezogen, weil ich spass daran hatte und das training erstaunliche dinge mit meinem körper anstellte. die leichtathletik habe ich aufgegeben weil die nachteile aus meiner sicht die vorteile überwogen. meine entscheidungen, meine konsequenzen — in dieser deutlichkeit das erste mal in meinem leben.

vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein und die erklärung für meine gefühlte autonomie lässt sich dadurch begründen, dass die amerikaner einfach effektivere und komlexere motivationsmechanismen haben. unterm strich glaube ich aber, dass ich das was ich heute an ehrgeiz habe in amerika während meines highschoolaufenthaltes entwickelt habe.

* * *

daran, dass ich aus amerika ziemlich viele briefe schrob kann ich mich gut erinnern. dass mein briefeschreiben auch zwanghafte komponenten hatte, fiel mir erst in den letzten wochen auf, auch weil jetzt viele der ollen diskussionen wieder aufbranden, ob das internet dumm oder abhängig mache, ob es die menschen in scheinwelten oder oder vereinsamung treibe. vor allem aber die sorge der beifahrerin, das kind könne zu viel auf facebook rumdaddeln und desahlb zuwenig mit dem kopf in den USA sein, rief mir in erinnerung, wie obsessiv ich damals briefe schrob. ich schrob an meine eltern, meine grosseltern, meine freunde in deutschland, meine freundin nele die auch in den USA war. tagebuch schrob ich — glaube ich — auch. ich schrieb ständig, zuhause, auf kleinen fahrradtouren, in cafés, auf parkbänken. ich hatte grosses interesse daran meine befindlichkeiten aufzuschreiben, aber auch mich in einem guten licht darzustellen. wenn ich die briefe von damals lese, kommen sie mir oft unangenehm prahlerisch vor.

wichtig scheint mir aber in der rückschau, dass ich beim schreiben meine situation reflektierte, dass ich also, obwohl ich mit dem geiste bei meinen deutschen verwandten und freunden war, vor allem das von mir erlebte verarbeitete.

ansätze von einsamkeit, das gefühl des alleinseins kann man auf viele arten versuchen zu zerstreuen. ich entscheid mich wohl, auch aus mangel an alternativen, für das schreiben (und fernsehen, zeitschriften, eine gelegentliche ausgabe des spiegels, der sich damals dick wie ein buch anfühlte). facebook kann alles zusammen sein, fernsehen, ein internationales kiosk, briefkasten, eine art telefon oder tagebuch.

ich mag den gedanken, dass sich auch mit der vernetzten welt ausser ein paar parametern wie geschwindigkeit, zugänglichkeit und wahlmöglichkeiten, nichts entscheidendes an unserer grundsituation geändert hat. wir waren schon immer soziale wesen. heute sind wir soziale wesen auf speed und mit ungleich mehr optionen als früher. aber das bedürfnis, sich mit gleichgesinnten zusammenzuschliessen, auszutauschen und zu kommunizieren ist nicht neu.

* * *

letzte woche hat das kind offenbar seinen stundenplan bekommen. das beste: er ist senior, er geht also nach der abgeschlossenen neunten klasse in deutschland, in den USA in die 12te klasse. so kann er am wichtigsten event des schuljahres teilnehmen, der graduation-feier. neben irgendwas mit angewandtem computer-irgendwas hat das kind jeden tag us-amerikanische geschichte, calculus, amerikanische literatur und eine doppelstunde forstwirtschaft. forstwirtschaft! wie abgefahren ist das denn bitte?

mein stundenplan war damals ähnlich. ich hatte auch mathematik, us-amerikanische geschichte. als englischkurs habe ich mich damals für speech and debate entschieden, ein fach das alle vier austauschschüler der schule gewählt hatten und eigenartigerweise auch die klassenbesten waren. darüber habe ich auch schonmal geschrieben, vor zwei jahren. ausser, dass ich noch einen kurs psychologie (in dem ich einen für meine damaligen verhältnisse aufwändig recherchierten und wie ich immer noch finde, erstklassigen 20-seitigen aufsatz schrieb) und eine stunde illustration belegt hatte, erinnere ich mich an keine anderen kurse. eigenartig.

dOCUMENTA (13), tag 2

felix schwenzel,    

zwei tage regen waren angesagt, aber am ersten tag regnete es überhaupt nicht und am zweiten nur gegen 16 oder 17 uhr mal kurz. um das fridericianum herum türmten sich zwar die wolken auf, aber passiert ist das bis auf zwei kleine schauer nix.

bild von um 14:30 uhr

bild von um 14:30 uhr

ich fuhr mit mit festen willen nach kassel, die diesjährige documenta doof zu finden. nach dem was ich vom balkenhol-theater mitbekommen hatte, erwartete ich einiges an langweiligem „theoretische Treiben“ (niklas maak), eine ähnlich verkopfte documenta wie unter catherine david. meine vorstellung von einer optimalen documenta war immer noch geprägt von der bunten wusel-documenta IX von jan hout. die hatte damals kunst so präsentiert wie ich es am liebsten habe, lebendig, mit einer schamlosen portion kommerz, überbordend und unprätentiös bis zum anschlag.

aber diese documenta hat mich dann doch positiv überrascht. aus zwei gründen: wegen der karlsaue und wie die ausstellung wild in der stadt wucherte. bisher haben zwar alle documentas die ich mir ansah etwas in der karlsaue veranstaltet, meistens aber indem dort grössere temporäre und zentrale ausstellungsstrukturen aufgebaut wurden. dieses jahr wurden in der gesamten karlsaue 50 oder 60 künstler verteilt. manche künstler brachten ihre arbeiten in grossen, manche in kleinen holzhütten unter, manche arbeiten waren unter freiem himmel, manche begnügten sich mit dem pflanzen eines apfelbaumes.

korbiniansapfelbaum

korbiniansapfelbaum

die hauptveranstaltungsorte wie das fridericianum oder die neue galerie waren für meinen geschmack zu überlaufen oder zu kleinteilig, zu eng aufgebaut. in manchen räume gab es einlassbeschränkungen indem man zur gleichen zeit nur eine bestimmte anzahl besucher hereinliess. das ist gut für die kunstrezeption, aber ätzend wenn man ständig in fluren oder treppenhäusern warten muss. wenn man mal an den orten in der karlsaue warten musste, fand ich das viel weniger schlimm; man wartete draussen an der frischen luft und die schlangen waren meist überschaubar.

ganz grandios fand ich viele der in der stadt verteilten orte. ganz grossartig, das kaskade-kino in dem am freitag filme mit tanzenden menschen mit down-syndrom gezeigt wurden. oder die halle an der unteren karlsstrasse, die walid raad mit grossartigen arbeiten bespielte.

walid raad

walid raad

oder die unauffälligen interventionen von renata lucas, die im fridericianum auf dem weg zum klo gut sichtbar versteckt waren und im untergeschoss des kaufhof auch irgendwie nicht auffielen.

renata lucas

renata lucas

renata lucas

renata lucas

renata lucas

renata lucas

von der arbeit her weniger beeindruckend, aber räumlich und (quasi) auch städtebaulich verblüffend, war der leerstehende trakt im C&A-gebäude, der von cevdet erek als raum der rhythmen gestaltet wurde. der ganze nackte beton-trakt wummerte und tschirrpte und bumste mit bässen und echos und anderen unangenehmen geräuschen. zwischendrinn ein paar mini-installationen mit gefunden objekten, linealen und schallschutzwänden — aber auch vier geöffneten türen zu zwei balkonen, die den blick freigaben auf kasseler hinterhöfe.

cevdet erek, raum der rhythmen

cevdet erek, raum der rhythmen

cevdet erek

cevdet erek

meines wissen völlig neu für die documenta war die nutzung es nordflügels des hauptbahnhofs. allein die räume des nordflügels fand ich bereits euphorisier- und inspirierend.

tor, unbekannter vandale

tor, unbekannter vandale

nachdem ich am zweiten tag documenta darauf konditioniert war beim betreten von verdunkelten räumen mit irgendwelchen videoinstallationen oder filmen konfrontiert zu werden, war das betreten des völlig verdunkelten nordflügels am hauptbahnhof umso beeindruckender. als sich meine augen an die dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich in einiger entfernung einen schumrig beleuchteten, riesigen erdhügel von michael portnoy. flickr-benutzer zweiengelundeinbachmann hat das ding ganz schön fotografiert. auch ganz wunderbar in die räume integriert fand ich die kiefernhölzige schneiderei von istván csákány und die beweglichen jalousien von haegue yang.

istván csákány

istván csákány

haegue yang

haegue yang

ich kann mich nur an wenige arbeiten in den eigentlichen ausstellungsgebäuden wie dem fridericianum oder der documenta-halle erinnern, die mich nachhaltig beeindruckt haben. an white-cube-ausstellungsäumen gefällt mir meisten das white-cube-konzept selbst am besten, nicht die kunst dadrin:

documenta halle

documenta halle

das konzept des im park, wald oder der stadt herumirrens und über kunst zu stolpern gefällt mir um ein vielfaches besser. zumal damit auch ein witziges wechselspiel mit den besuchern einhergeht: „ist das jetzt kunst, oder nicht?“

Bitte um mithilfe !!!

Bitte um mithilfe !!!

mini

mini

herz

herz

kein documenta kunstwerk

kein documenta kunstwerk

es gab durchaus auch beeindruckende inszenierungen in geschlossenen räumen. die arbeit von jeanno gaussi, die mit den arbeiten einiger afghanischer künstler im ehemailigen elisabeth krankenhaus untergebracht war, zeigte dass ich wahrscheinlich eher auf black-cube, als white-cube räume stehe. jeanno gaussi zeigte bilder von einem kabuler maler von schildern und werbetafeln, dem sie die dreissig familien-bilder gab die ihr blieben, nachdem sie afghanistan verliess. der auftragsmaler erzählt in videos was er aus den bildern herauslas. ich fand die bilder, die erzählungen, videos und messingtafeln unter den bildern sehr eindrucksvoll und auch ein bisschen verstörend inszeniert.

jeanno gaussi

jeanno gaussi

mich erinnert das documenta-konzept in der karlsaue auch an meine ersten positiven erfahrungen mit kunst überhaupt. in aachen hatten meine eltern bekannte die für die ludwig-schokoladen-fabrik arbeiteten und ein wohnhaus direkt am privatpark von peter und irene ludwig hatten. als kinder spielten wir in diesem riesigen park, in dem gelegentlich stahl oder fiberglas-plastiken rumstanden auf denen wir rumkletterten oder tobten. kunst oder künstlerische interventionen über die man im alltag stolpert finde ich um ein vielfaches spannender als kunst in überfüllten räumen. und das hat die documenta in diesem jahr meisterlich hinbekommen.

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am südflügel des kasseler hauptbahnhofs, wahrscheinlich bei der einzig wirklich beeindruckenden video-installation der documenta von bani abidi, verlor die beifahrerin ihre zwei-tages-eintrittskarte. an der nachrichtenmeisterei bemerkte sie ihr maleur und nachdem wir alle ihre taschen zwei bis dreimal durchsucht hatten, folgten wir dem tipp der aufsicht beim eingang des südflügels zu fragen, ob jemand die karte gefunden hätte. tatsächlich hatte jemand die karte gefunden. als wir zurück bei der nachrichtenmeisterei waren, erzählte uns der aufseher dort, dass das päärchen, das die karte der beifahrerin gefunden hatte, nun seinerseits seine karten verloren hatte. auf dem rückweg zum südflügel fanden wir dann die karten der beiden und gaben sie bei der freudestrahlenden aufsicht am südflügel ab. ob das alles eine inszenierung oder ein zufall war, möchte ich nicht beurteilen.

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sehr prominent auf dem friedrichsplatz hatte sich das occupy-camp eingenistet. auch hier wusste man nicht, ob das zeltlager nun kunst sei oder reiner protest. die übergänge waren fliessend, was mir ausserordentlich gefiel.

occupy

occupy

occupied wurde auch eine arbeit von pedro reyes. seine arbeit war ein konzeptionell etwas überfrachtetes „sanatorium“, eine „utopische »provisorische Klinik«, die typische Krankheiten von Städtern wie Stress, Einsamkeit oder Angstgefühle behandeln soll. Um das Projekt […] zu erleben, muss man sich als Patienten einweisen lassen.“ nach einem kurzen gespräch mit einem „therapeuten“ erhielte man eine diagnose und bekäme drei von sechzehn möglichen „Therapien“ verschrieben. die „Therapeuten“, offenbar schlecht oder gar nicht bezahlte studenten, hatten nach der abreise des künstlers aber wohl keine lust mehr auf die therapie und streikten kurzerhand. sie beklebten die hütte mit protestplakaten und fingen statt um 10 zu therapieren, um 12 an zu streiken indem sie reyes arbeit besetzten.

expen$iv $hit

expen$iv $hit

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karte von zwei tagen documenta

karte von zwei tagen documenta

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meine lieblingstweets im august

felix schwenzel,    

lieblingstweetsammlungen woanders (unter anderem via anneschuessler.com):

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Das Leistungsschutzrecht beweist, dass die Regierung den Springer-Verlag mehr fürchtet als das Netz. Das sollte man ändern.

@saschalobo

Sascha Lobo
4 out of 10 people don’t have a safe way to poop - that’s 2.6 billion!

@BillGates

Bill Gates
Begreife ich nicht wirklich: Opel fährt Kurzarbeit, hat aber offenbar genug Geld, um von @ Blogpostings zu kaufen. http://t.co/jDRlNxw8

@sixtus

Mario Sixtus
Oh. 39 Grad. Erstmal dieses köstliche Glas Nutella trinken.

@BrotloseKunst

Major Naise
Watched my dog chase his tail for 10 min. and thought "Dogs are easily entertained" Then realized I watched my dog chase his tail for 10 min

@MCDrumMajor

Angel Rhea
Berliner leben auf dem Mars schon mal keine. Seit einer Stunde steht da ein unbewachter Geländewagen, und keiner fackelt ihn ab.

@bov

bov bjerg
Neulich bei den Wait Watchers: "Ich heiße Peter und prokrastiniere."

@peterglaser

Peter Glaser
Den Gender-Schweinen von Ferrero werd' ich's zeigen: Zwei Mädchen-Ü-Eier für meine Söhne gekauft. #revolte #fb

@spreeblick

Johnny Haeusler
Sensational photo of Bolt near finish http://t.co/hxx1mNHA

@stephenfry

Stephen Fry
Es gibt Menschen, die sich illegal Songs von Xavier Naidoo herunterladen? Und die sollen jetzt nochmal bestraft werden?

@nichtstefanraab

Andreas Hartmann
Am Mülleimer merkt man, dass die Frau nie Tetris gespielt hat.

@bebal

bebal
Warum es im Schwimmbad nochmal extra Toiletten gibt, habe ich nie verstanden.

@Einpeitscher

Einpeitscher
Eigentlich ist Suchmaschinenoptimierung doch Aufgabe von Google oder nicht?

@bebal

bebal
Aufstehen, Nase spülen, inhalieren, Sinupret. Ein ganz normaler Morgen im November.

@dasnuf

Patricia Cammarata
"Papa, ich bin so traurig, weil mein Hund gestorben ist!""Soll ich einen Pfarrer holen?""Nein, auf Sex habe ich wirklich keine Lust!"

@RitaKasino

Rita Kasino
Echt? Deutschland hat noch keine einzige Medaille? Was für ein Armutszeugnis für die Pharmaindustrie.

@sixtus

Mario Sixtus
Zuerst musste der Euro wegen Griechenland gerettet werden, jetzt kann er wegen Griechenland nicht gerettet werden. Was denn jetzt?

@Schmidtlepp

Christopher Lauer
Wenn man Kölsch mit Berliner Abwasser mischt und in Flaschen füllt, kann man es als Warsteiner Alkoholfrei verkaufen.

@ol_sen

ol_sen
Warum nur wundert mich das nicht, dass die Galauniform von Burschenschaftlern Vollwichs heißt.

@freval

freval
Wüsste echt gern woher die Kinder ihre beschissene Ausdrucksweise her haben verdammte Hacke!⚡🌀❕❔

@dasnuf

Patricia Cammarata
Schrödingers Kotze

@peterglaser

Peter Glaser