mf2 geotagging mashup

felix schwenzel, , in artikel    

seit einiger zeit geotagge ich einige der fotos die hier auf wirres.net erscheinen. anfangs habe ich die geodaten, also den ort an dem das bild aufgenommen wurde, nur ausgelesen und gespeichert, wenn ich das foto per email veröffentlicht habe („moblog“), seit einiger zeit, wenn ich bilder über instagramm, bzw. ownyourgram veröffentliche, sind sie auch geogetagged. hier die liste von artikeln und bildern mit angehängten ortsdaten. dieser artikel ist auch mit ortsdaten versehen, wobei das natürlich nur so mittel-sinnvoll ist.

ausserdem habe ich, seit ich das indieweb ansatzweise verstanden habe, meine übersichts- und artikelseiten mit microformaten formatiert, dass heisst sie sind maschinenlesbar, bzw. lassen sich mit einem microformat-parser lesen. zum beispiel meine startseite, so sieht sie aus sicht eines mf2-parsers aus.

in den auslesbaren daten stecken (natürlich) auch die geodaten. also hab ich mir gedacht, wenn mein HTML meine API ist (frei nach aaron parecki), kann ich doch auch mal einen mashup machen. also hab ich mir an zwei abenden dieses script programmiert zusammengesucht: mf2-to-gmap.php es hat keine abhängigkeiten, ausser einer javascript-erweiterung für google maps, „Overlapping Marker Spiderfier for Google Maps“ von george mackerron.

das script funktioniert in etwa so:

  • zuerst werden die microformate der zielseite ausgelesen und
  • die relevanten daten in einen array geschrieben,
  • der als json-datei zwischengespeichert wird.
  • die json-daten werden von einem javascript eingelesen und
  • mit der standard-google-maps-API als markierungen auf einer karte dargestellt.

das ist alles sehr unspektakulär und eigentlich die grundübung für die google-maps-API benutzung. allerdings überlagern sich natürlich viele marker. in der übersicht sieht man ein riesiges cluster in berlin, wo ich natürlich die meisten bilder und artikel erstelle, aber auch ein riesiges cluster in schottland, wo wir in diesem sommer eine fotosafari gemacht haben.

übersichtskarte einiger meiner bilder

aber selbst wenn man die karte ganz nah ran zoomt, gibt es orte, an denen besonders viele markierungen liegen, teilweise auf exakt dem gleichen punkt. google bietet für seine maps zwar diverse cluster-funktionen an, aber die räumen das bild lediglich ein bisschen auf und lösen das problem der übereinanderliegenden markierungen nicht. mit dem „Overlapping Marker Spiderfier“ lässt sich das problem aber lösen:

das vorläufige ergebnis sieht so aus: eine karte aller geogetaggten bilder seit ca. 24 monaten oder eine karte aller geogetaggten artikel die auf der startseite gelistet sind.

besonders praktisch ist aber, dass die microformate nicht nur die geo-daten leicht auslesbar machen, sondern auch die inhalte. so kann ich direkt auf der karte auch gleich die bilder, mitsamt den anmerkungen anzeigen:

artikel in der karte anzeigen

natürlich funktioniert das ganze auch bei anderen seiten die ihre daten mit microformaten markieren und auslesbar machen, zum beispiel mit einer karte von aaron pareckis reise-seite.

ausser meiner seite und der von aaron parecki habe ich allerdings keine seite mit eingebetteten mf2 geodaten gefunden. falls es noch andere gibt, über http://wirres.net/widgets/geo/?url=[hier url eingeben] könnte man die daten dann visualisieren.

sind adblock-benutzer „pack“?

felix schwenzel, , in artikel    

adblocker symbolbild

ich finde es völlig OK benutzer von adblockern auf werbefinanzierten seiten auszuschliessen. zumindest ist das blockieren von adblockern folgerichtig, wenn man sich als autor oder inhalte-produzent von adblock-nutzern „beklaut“ fühlt. so wie stephan goldmann:

Das Miese an Adblockern ist aus meiner Sicht, dass sie dem Leser erlauben, dass er meine Dienste (Inhalte) in Anspruch nimmt, ohne mir dabei eine Finanzierung dieser Inhalte zu ermöglichen.

Kurz: Alles nehmen, nichts da lassen – eine solche Haltung bezeichnete Kollege Jan Gleitsmann wiederholt als asozial.

ich finde es eine faire lösung technische massnahmen zu treffen um inhaltsbetrachtung nur gegen das annehmen von trackern und werbung zu ermöglichen.

die folge davon ist dann genau die, die sich die seitenbetreiber wünschen: leute die keine werbung sehen möchten, besuchen die seite dann nicht mehr. laut einer untersuchung von goldmedia verlässt die mehrheit der adblock-nutzer abblock-geblockte seiten wieder (via).

jetzt könnten eigentlich alle zufrieden sein. ausser stephan goldmann vielleicht, der es dann vielleicht auch wieder „mies“ findet, dass plötzlich weniger leute seine dienste in anspruch nehmen und es ihm damit schwer machen, seine inhalte zu finanzieren.

nochmal stephan goldmann:

Finden Sie es richtig, eine Leistung in Anspruch zu nehmen, ohne dem Dienstleister etwas dazulassen?

keine scherzfrage: hat schonmal jemand darüber nachgedacht, für aufmerksamkeit zu bezahlen? die werbetreibenden machen das. sie zahlen viel geld dafür, um an aufmerksamkeit zu kommen, sie kennen den wert von aufmerksamkeit. bisher zahlen sie eher aufmerksamkeitserreger, als aufmerksamkeitsgeber. aber aufmerksamkeit zu geben, sich zeit und konzentration aus dem alltag abzuzwacken, um sie jemandem zu geben, ist doch auch eine leistung die medienschaffende in anspruch nehmen. ok, ok, sie geben dafür etwas: unterhaltung, oder, wie constantin seibt das nennt: komprimierte zeit:

Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.

zugegeben: die aufmerksamkeit der leser/nutzer wird also in einigen fällen grosszügig kompensiert, durch komprimierte zeit oder unterhaltung, für deren erstellung der hersteller entlohnt werden möchten, zum beispiel per aufmerksamkeitsabzwackung durch werbung.

also ein fairer deal?

james williams findet das nicht. er warnt in einem etwas abenteuerlichen artikel davor, die systematische ausrichtung von vielen webseiten auf werbung und aufmerksamkeitserregung als gegeben hinzunehmen.

Think about the websites, apps, or communications platforms you use most. What behavioral metric do you think they’re trying to maximize in their design of your attentional environment? I mean, what do you think is actually on the dashboards in their weekly product design meetings?

Whatever metric you think they’re nudging you toward—how do you know? Wouldn’t you like to know? Why shouldn’t you know? Isn’t there an entire realm of transparency and corporate responsibility going undemanded here?

I’ll give you a hint, though: it’s probably not any of the goals you have for yourself. Your goals are things like “spend more time with the kids,” “learn to play the zither,” “lose twenty pounds by summer,” “finish my degree,” etc. Your time is scarce, and you know it.

Your technologies, on the other hand, are trying to maximize goals like “Time on Site,” “Number of Video Views,” “Number of Pageviews,” and so on. Hence clickbait, hence auto-playing videos, hence avalanches of notifications. Your time is scarce, and your technologies know it.

But these design goals are petty and perverse. They don’t recognize our humanity because they don’t bother to ask about it in the first place. In fact, these goals often clash with the mission statements and marketing claims that technology companies craft for themselves.

gerade die ziele der grossen webseiten und plattformen richten sich im kern nicht nach menschlichen bedürfnissen, sondern nach der logik der aufmerksamkeitsvermarktung. james williams sieht werbung nicht als ornament oder übergestülpte monetarisierungsform, sondern als treibende und manipulative kraft hinter den inhalten. abenteuerlich bis gewöhnungsbedürftig ist sein begriff der aufmerksamkeitsfreiheit (freedom of attention), den man sicherlich noch bekloppter als attentionale selbstbestimmung übersetzen könnte. seine schlussfolgerung lautet, dass man sich nicht nur fragen sollte, ob es in ordnung sei werbung zu blockieren, sondern ob es nicht auch eine moralische pflicht sei.

Given all this, the question should not be whether ad blocking is ethical, but whether it is a moral obligation. The burden of proof falls squarely on advertising to justify its intrusions into users’ attentional spaces—not on users to justify exercising their freedom of attention.

ganz so absurd wie sich james williams these denkaufforderung auf den ersten blick anhört, ist sie aber vielleicht doch nicht. gerade die grossen plattformen tun wirklich alles um ihre benutzer solange wie möglich auf der plattform zu halten. vordergründig, indem sie menschliche bedürfnisse, vor allem das nach kommunikation und austausch mit freunden und bekannten ermöglichen. im hintergrund und als gestaltungs-maxime der plattformen gilt aber die steuerung, maximierung und ausbeutung der aufmerksamkeit.

aber auch die grossen plattformen bieten, wie kleinere werbefinanzierte inhalteproduzenten, einen deal an: unterhaltung, optimierte kommunikation über die ganze welt, bewegte bilder, emotionen und emoticons oder „komprimierte zeit“ gegen aufmerksamkeit.

ob der deal wirklich so gut ist, ob wir einen angemessenen preis für unsere aufmerksamkeit zurückbekommen, darüber sollten wir alle mal nachdenken. ich glaube ja, aber ich irre mich gerne.

* * *

nochmal zurück zu stephan goldmann, der behauptet, adblock-benutzer würden „Alles nehmen, nichts da lassen“. ist das wirklich so? erstmal lassen goldmanns leser, egal ob mit oder ohne adblocker, zeit zurück. viel zeit. manche hinterlassen auch kommentare, anregungen, fragen, wofür sie nicht bezahlt werden, aber goldmann als seitenbeschreiber und -betreiber sich auch nichts kaufen kann. aber was ist, wenn ein adblock-benutzer eine seite von stephan goldmann seinen freunden und bekannten empfiehlt? per email oder auf einer (social media) plattform? oder per link in einem blog, wie hier. was ist mit google, das die webseite indexiert und in seinen suchergebnissen auflistet ohne den seitenbetreiber dafür zur kasse zu bitten? was ist mit den lesern, die zwar anzeigen und tracker blocken, aber goldmanns vg-wort-pixel durchlassen? nicht nur seinen vg-wort-zähler inkrementieren adblock-nutzer, sie tauchen auch in der benutzerzählung auf, mit der es unter umständen einfacher wird, neue werbekunden zu akquirieren. selbst „asoziale“ adblock-nutzer hinterlassen also durchaus etwas.

es ist übrigens auch bei journalisten gang und gäbe, zu nehmen ohne dafür eine gegenleistung zu geben. in interviews mit fachleuten wird deren wissen und expertise abgesaugt, ein bisschen aufbereitet und dann monetarisiert. journalisten nehmen alles, lassen dem interviewpartner aber nie etwas da, ausser ein paar krümelchen aufmerksamkeit, von dem sich ein interviewter aber ebenfalls nichts kaufen kann.

ich will hier natürlich nicht vorschlagen, dass interviews bezahlt werden müssten, es ist nur faszinierend zu beobachten, wie journalisten pampig werden, wenn sie sich mit aufmerksamkeit abspeisen lassen sollen und ihre anzeigen geblockt werden, bei anderen aber darauf bestehen, sich doch bitte aus gründen™ mit ein bisschen aufmerksamkeit zufrieden zu geben. ich will auch nicht behaupten, dass anzeigen-blockierung eine moralische verpflichtung sei, aber genauso wenig kann ich eine moralische verpflichtung sehen, sich den scheiss anzugucken.

wenn man seine texte und bilder schützt, kann man interessierten regeln vorschreiben: einen kaufpreis, abogebühren, werbung, eine bestimmte körperhaltung beim lesen, whatever. wenn man sein werk aber frei zugänglich und maschinenlesbar in die öffentlichkeit stellt, sollte man damit leben können, dass die leute es ignorieren, blockieren, lesen wie und wo sie es lesen möchten, es teilen, kommentieren, es nach belieben umformatieren, indexieren, durchsuchbar machen, verlinken oder es gar ausdrucken und abheften.

waldorf und statler thomas stadler weist übrigens nochmal darauf hin, dass die diskussion für oder gegen werbeausblendung rechtlich völlig unerhebich ist. niemand kann per gesetz dazu gezwungen werden sich frei zugängliche webseiten nur mit einer bestimmten technischen konfiguration anzusehen. wem das nicht passt, kann ebenfalls nicht daran gehindert werden technische (oder absurde juristische) gegenmassnahmen einzuleiten, wenn er das für richtig hält.

worauf ich aber unbedingt noch hinweisen wollte: das geben und nehmen im netz, wie in der welt, ist etwas komplexer als „etwas da lassen“, indem man sich werbung ansieht. das erzeugen und lenken von aufmerksamkeit ist tief in unserer gesellschaft verankert und werbung reitet da lediglich parasitär mit. wie weit wir diesem aufmerksamkeitsparasiten gestaltungshoheit über die welt geben wollen, sollten wir uns eventuell öfter fragen.

und: wer den charakter von menschen danach beurteilt, ob sie bereit sind sich werbung anzusehen, dürfte noch ganz andere probleme als die finanzierung seiner webseite haben.

* * *

ich benutze keinen adblocker. bis vor ein paar monaten habe ich ghostery benutzt (artikel dazu von vor zwei jahren), das tracker deaktiviert und damit auch diverse werbeformate ausblendet, vor allem die, die von dritten ausgeliefert werden. für recherchezwecke und aus neugier, habe ich den blocker seit ein paar wochen deaktiviert — und sehe nun mehr von allem — und bin gleichzeitig besser sichtbar. hier auf wirres.net blende ich gelegentlich auch werbung ein, die ich als wenig störend empfinde, aber deren blockierung mir auch ziemlich egal ist. ich biete meinen lesern bereits seit 10 jahren die möglichkeit, diese gelegentlich eingeblendete werbung dauerhaft auszublenden. ich finde das ausblenden auch nicht „asozial“, sondern freue mich über jeden der mir oder meinen texten aufmerksamkeit schenkt.

* andreasvongunten.com: Die bardgeldlose Gesellschaft und ihr totalitäres Potenzial

ich glaube auch, wie andreas von gunten, dass es keine gute idee ist, das bargeld abzuschaffen.

bargeld

aber … andreas von gunten sagt:

In einer bargeldlosen Gesellschaft mit staatlicher digitaler Währung wäre es jederzeit möglich – per Knopfdruck quasi – einem Bürger oder einer Bürgerin das Bezahlen zu verunmöglichen, oder die Geldmittel zu konfiszieren.

so wie ich das verstehe, ist das jetzt schon sehr einfach möglich jedem per knopfdruck das bezahlen zu „verunmöglichen“. ausser man hat ein paar tausend euro bargeld irgendwo unauffindbar versteckt, ist man mit der pfändung seines kontos im prinzip zahlungsunfähig. oder andersrum, jedem dem in deutschland die teilnahme an bargeldlosen zahlungsverfahren verweigert wird, jedem dem ein girokonto verweigert wird, ist ein normales leben so gut wie unmöglich. gehälter werden in deutschland schon lange nur noch in absoluten ausnahmefällen in bar ausgezahlt, mieten nimmt kaum noch ein vermieter in bar an. im netz, in das sich unser leben mehr und mehr verlagert, funktioniert bargeld auch eher schlecht.

ich glaube, wir haben uns in der westlichen welt schon sehr, sehr weit vom bargeld entfernt — weiter als andreas von gunten es offensichtlich wahr haben will. ich weiss zwar, dass es auch andere möglichkeiten gibt an bargeld zu kommen, ausser es am geldautomaten zu kaufen, aber soweit ich das verstehe ist es zum beispiel bereits heute (in deutschland) so, dass man grössere mengen bargeld kaum unbemerkt durch die gegend schleppen kann, geschweige denn über landesgrenzen bringen kann. es ist bereits heute so, dass jede versicherung, jede bank, aber auch rechtanwälte, notare oder wirtschaftprüfer die hohe bargeldeinzahlungen entgegennehmen, eine verdachtsanzeige wegen geldwäsche aufgeben müssen.

[W]enn finanzielle Transaktionen nur noch innerhalb eines digitalen und überwachten Systems stattfinden können, ist eine elementare Grundlage für eine totalitäre Gesellschaft gelegt.

so argumentieren übrigens auch die befürworter des zweiten zusatz zur US-verfassung. wenn den bürger das recht genommen wird waffen zu tragen, wie sollen sie sich dann gegen eine totalitäre regierung wehren?

unser wohlergehen ist, ob wir das wollen oder nicht, sehr eng mit staatlichem handeln verknüpft. im laufe der letzten jahrhunderte haben wir unzählige freiheitsrechte an den staat abgetreten, in der (berechtigten) hoffnung, dass sie dort besser aufgehoben sind und zu mehr gerechtigkeit führen. streitigkeiten können wir nicht mehr mit gewalt oder nach stärke oder gutdünkten beenden, wir können nicht einfach entscheiden unsere kinder nicht zur schule zu schicken, wir müssen unser gesamtes einkommen dem staat offenlegen und einen erheblichen teil davon abegeben. wir können noch nichtmal einfach so ein haus bauen oder einen baum pflazen ohne die entsprechenden genehmigungen dafür einzuholen. selbst die heizung muss jedes jahr einmal von einem staatlich geprüften schornsteinfeger geprüft werden, der für diesen zweck, staatlich legitimiert, unsere wohnung betreten darf.

andreas von gunten macht wikileaks, bzw. die wikileaks „banking-blockade“, zum kronzeugen für seine these, dass ohne bargeld alle freiheit den bach runtergeht:

Die US-Behörden haben sofort mit massivem Druck reagiert und haben innert weniger Tage erreicht, dass die Geldflüsse von und zu Wikileaks unterbrochen wurden. Paypal, Visa, Mastercard und in der Schweiz die Postfinance haben damals kurzerhand entschieden, keine Zahlungen mehr an Wikileaks anzunehmen oder haben zum Teil sogar die Vermögenswerte eingefroren, ohne dass eine Verurteilung durch ein Gericht, ja nicht einmal eine formale Anklage vorhanden war. Diese Banking-Blockade, wie Wikileaks sie nennt, gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was uns blüht, sollte das Bargeld dereinst wirklich abgeschafft bzw. verboten werden.

der witz ist allerdings, dass wikileaks auf seiner spendenseite keine bargeldzahlungen vorsieht. dort sind lediglich bargeldlose zahlungsverfahren vorgesehen.

bargeld

ich bin gerne dabei, beim freiheitskampf kampf gegen die bargeldabschaffung, wichtiger ist es meiner meinung nach aber sich für den due process, für die rechtstaatlichkeit beim einfrieren von vermögenswerten einzusetzen. dass wir uns dafür einsetzen, dass bei der verbrechensbekämpfung nicht alle rechtstaatlichen grundsätze über bord geworfen werden, nur weil es „organisiertes verbrechen“ oder „terrorismus“ gibt. auch wenn es kaum noch jemand glaubt, der staat sind nicht „die da oben“, sondern wir alle. wir müssen und können der angstmache der rechten law-und-order-fraktionen etwas entgegensetzen, aber bitte keine angstmache, auch wenn sie dem guten zweck dient.

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ich habe vor einer weile geschrieben, dass bargeld nervt, womit ich mich möglicherweise indirekt als bargeld-abschaffungs-„Befürworter aus der Tech-Szene“ qualifiziere. ich würde mir die hose in dieser form allerdings nicht anziehen wollen.

(bildquelle: friedrich.kromberg potograpo: w.j.pilsak [GFDL, CC-BY-SA-3.0])

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hier geht’s weiter …

to go or to stay?

felix schwenzel, , in artikel    

kafeesmiley

sitzen ein paar leute im café und unterhalten sich. irgendwann kommen ein paar werber, journalisten und verleger rein und fragen, ob sie sich mit an den tisch setzen können. können sie. die gespräche am tisch gehen weiter, die verleger, werber und die journalisten beteiligen sich an den gesprächen, komischerweise stören sie gar nicht, das kann aber auch daran liegen, dass sie sich mühe geben eher interessante geschichten und witze zu erzählen und sich ein bisschen zurücknehmen und mühe geben, den passenden ton zu treffen.

man könnte denken: das ist doch perfekt. ein café, ein ort an dem sich leute mit freunden treffen und austauschen können und fremden auf gleicher aufgenhöhe und mit neugier begenet wird, wenn sie interessantes beizutragen haben. der laden könnte für alle zum stammladen werden.

die werber, die verleger und ein paar journalisten betreiben aber auch selbst cafés oder sind dort angestellt. diese cafés sind nicht so gross und nicht so gut zu erreichen. und alle wissen: dort läuft komische musik und der der kaffee schmeckt nicht ganz so lecker. vor allem kann man sich dort nicht so gut mit vielen unterschiedlichen leuten unterhalten. man lernt dort auch meistens keine neuen leute kennen und die bedienungen sind auch oft komisch.

irgendwann fangen die werber und die journalisten am tisch zu drängeln an. hier im café sei es zwar ganz schön, aber, fragen sie, „wollt ihr nicht mal mitkommen in unseren laden?“ der sei auch gerade umgebaut worden und auch voll schick. ist nur ein paar schritte entfernt. „hört mal auf zu quatschen hier und kommt einfach mal mit!“

jetzt fragt man sich natürlich, warum sollten café-betreiber zuerst in anderen läden laufen und dort die gäste unterhalten, mit ihnen reden, ihnen geschichten erzählen und sich geschichten von ihnen erzählen lassen, wenn sie eigentlich nur werbung für ihre eigenen läden machen wollen? klar sie müssen auch geld verdienen und ihre miete bezahlen. sie wollen vor allem auch bestimmen, welche musik gespielt wird und ihr selbstgebrautes verkaufen. aber wenn der laden, wo sich gerade alle mit ihren freunden und bekannten treffen, gerade besser läuft, sollte man das dann nicht einfach als chance begreifen nette, interessante leute kennenzulernen, statt zu versuchen sie aus dem laden zu locken? sollte man sich nicht darüber freuen, hier von leuten auf augenhöhe angenommen zu werden und aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen?

sollte man seinen eigenen laden nicht einfach schliessen, wenn er nicht läuft? oder sollte man investieren und den eigenen laden renovieren und besser als den derzeigiten in-laden aufziehen? oder sollte man das ordnungsamt anrufen und darauf hinweisen, dass der laden, in den alle rennen, schmutzige toiletten und dunkle ecken hat?

* * *

das ist keine antwort auf diesen facebook-eintrag von mathias richel, sondern der versuch die gleichen gedanken wie er, anders zu formulieren. ich finde café-metaphern funktionieren fast immer super, bzw. ich habe immer die hoffnung, dass man aus solchen metaphern vielleicht etwas lernen könnte. keine ahnung ob das hier funktioniert, aber ich finde es ungeheuer wichtig, insbesondere für leute die von aufmerksamkeit leben, sich zu fragen ob es sinnvoll ist dort hin zu gehen wo die menschen sind, oder was eigenes zu machen. vor allem: wie kann das funktionieren? was funktioniert nicht?

fernsehen im september und oktober

felix schwenzel, , in artikel    

testbild

stephen colbert in der late show nervt unfassbar. leider und für mich unerwartet. ein paar der gespräche die er führt sind sehenswert, ganz grässlich sind der standup und die witze nach dem standup.

ganz grandios ist dagegen john stewarts nachfolger trevor noah in der daily show. gutes timing, gute texte, gute gespräche und ein unprätentiöser auftritt. sehe ich gerne und muss im gegenteil zu colbert auch ständig kichern.

die fünfte staffel homeland fing okay an, aber schon in der zweiten folge der aktuellen staffel war ich unfassbar genervt. stereotype scheisse bis zum umfallen, grässliches casting. berlin wird als architektonische kulisse genutzt, aber die dialoge der angeblichen berlin-einwohner hören sich an, wie aus alten derrick-folgen aus dem taunus oder aus hintertupfingen. gut in die völlige ahnungslose inszenierung von berlin oder arabischen flüchtlingslagersituationen passt, dass visuelle hacking der homeland kulissen. tut mir ja leid, aber nach 50 folgen muss ich wohl aufhören homeland zu gucken.

ganz grossartig, weiterhin, ist the good wife. im gegenteil zu homeland schaffte es the good wife auch immer aktuelle geschehnisse glaubwürdig in den erzählfluss einzubauen und sich wirklich in jeder staffel neu zu erfinden. den charakteren in der serie folgt man nicht nur weil’s spannenden ist, sondern weil sie wirklich interessant und vielschichtig scheinen.

endlich mal eine folge der late late show mit james corden, dem nachfolger von craig ferguson, gesehen. was mir gefällt ist was er am konzept der sendung verändert hat, die gäste alle zusammen auf ein sofa zu setzen, die band, die einspieler. was ich unerträglich finde ist cordons aufgeregte, aufgekratzte art. all das was bei graham norton sympathisch wirkt, törnt bei cordon total ab. was mir allerdings gefiel, war cordons standup; der war nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen.

nach 20 minuten musste ich the bastard executioner von kurt sutter wegen blödsinnigkeit und totaler überbelichtung abbrechen. wer guckt sich so nen scheiss an?

und wer guckt sich heroes reborn an? musste ich auch nach 20 minuten abschalten. immerhin habe ich diesen 20 minuten 40 charaktere oder 26 orte kennengelernt.

schon im september geguckt, alle zwei staffeln: halt and catch fire. wahrscheinlich das beste was ich seit langem gesehen habe. vordergründig geht es um ein paar computer-fuzzis und freaks in den 80er jahren, aber in wirklichkeit ist die serie eine waschechte soap-opera, die ihre charaktere liebevoll hegt und pflegt und entwickelt. obwohl das sicher nicht leicht ist, in einer serie die in den 80zigern spielt, schafft es die serie stereotypen gut zu umschiffen. ganz grosses fernsehen.

bei der zweiten staffel the leftovers kann man auch dieses jahr damon lindelof dabei beobachten, wie er — wohldosiert — mystery-elemente in den amerikanischen alltag einstreut, bei denen man sich nie ganz sicher ist, ob sie nun mystery sind oder nur wahn- oder irrsinn. die beiden ersten folgen der zweiten staffel haben ein paar schwächen, aber was ich sehr mochte war, dass sie beide die gleiche geschichte erzählen, aber aus unterschiedlichen perspektiven. kein weltbewegender erzählkniff, aber sehr angenehm und unlangweilig wegzugucken — auch wenn am ende der s02e02 das mystery-gedöns vieleicht etwas zu dick aufgetragen wird. macht nichts, ich bin gespannt auf den weiteren verlauf.

die gröner fand die erwachsenen muppets ja eher doof. ich sehe mir das gerne an, auch wenn mir kermits mimik in dieser muppets-inkarnation etwas zu expressiv ist, fozzie noch mehr nervt als sonst und das stereotypen-umschiffen an vielen klippen scheitert und zu ständigen möööp-reaktionen beim zusehen führt.

ganz grandios hat, wie erwartet, die zweite staffel fargo angefangen. mir gefällt das setting in den achtzigern (die achtziger haben wirklich ein dermassenes comeback) späten siebzigern, die musik und die absurdität und lakonie die der serie aus allen poren quillt.

Bargeld nervt …

felix schwenzel, , in artikel    

Eigentlich funktioniert Bargeld ja ganz gut. Ausser an Fahrkartenautomaten, die offenbar alle an einer Art Bargeld-Allergie leiden. Und wenn man mit grossen Scheinen bezahlen will, funktioniert Bargeld auch nicht so gut. Ach ja, im Netz kann man auch nicht mit Bargeld bezahlen. Die Banken und der Einzelhandel finden Bargeld übrigens auch doof. Die Banken sprechen davon, dass Bargeld jährlich um die 12 Milliarden Euro Kosten verursacht: Banken müssen Geldautomaten aufstellen und befüllen, das Bargeld muss transportiert und versichert werden.

Genau betrachtet nervt Bargeld eigentlich total. Aber die meisten Alternativen zu Bargeld nerven eben auch. In Deutschland kommt die EC-Karte wohl einer allgemeinen Bargeldalternative am nächsten. Mit der kann ich in fast allen Supermärkten oder Tankstellen bezahlen, in manchen Restaurants, aber dafür in den meisten kleineren Läden oder im Netz nicht. Mit Kreditkarte kann ich fast überall im Netz bezahlen, aber dafür will kaum ein Einzelhändler in Deutschland Zahlungen damit entgegen nehmen.

In Berlin haben wir uns auch mit der Flughafensituation abgefunden, warum sollen wir uns nicht auch mit einem babylonischen Zahlungsgewirr abfinden? So weit ist dieser Vergleich übrigens nicht hergeholt: der Ausbau des Flughafen Schönefeld wurde vor knapp 20 Jahren beschlossen. Genauso lange versuchten Handel, Banken, Mobilfunkunternehmen und verschiedene Startups bedienungsfreundliche, alternative Zahlungssysteme in Deutschland zu etablieren. Die Geschichte dieser Bargeldalternativen lässt sich genauso prägnant zusammenfassen wie die Geschichte des Berlin-Brandenburger Flughafens: zwei Jahrzehnte Murks, Zuständigkeitsgerangel und Intransparenz.

Nach der Ankündigung von Apple künftig in diesem Markt mitmischen zu wollen, scheint endlich ein bisschen Bewegung in die verschlagene verschlafene Branche gekommen zu sein: In Berlin startete vor ein paar Monaten eine Kampagne des mpass-Konsortiums mit dem witzigen Namen zahl einfach mobil. Da die Menschen an den tragbaren Bildschirmen offenbar bis jetzt nichts von der Arbeit des 2008 von O₂ und Vodafone gegründeten Handybezahldienst mitbekommen haben, scheint das Jahr 2015, in dem mit Apple der erste ernstzunehmende Konkurent in Erscheinung tritt, wohl der richtige Zeitpunkt zu sein, um den Stealth-Modus zu verlassen.

Wer jetzt allerdings glaubt dass das mpass-Konsortium, bei dem seit ein paar Jahren auch die Telekom mitmischt, in den letzten sieben Jahren ein überzeugendes Konzept oder kundenfreundliches Zahlungsabwicklungssystem entwickelt hätte, der irrt. Man hat es mit einiger Kraftanstrengung zwar geschafft ein paar tausend Zahlungsterminals zu modernisieren und NFC-fähig zu machen und zudem ein paar grosse Handelsketten überzeugt mitzumachen, aber zu einfach wollte man es potenziellen Kunden dann doch nicht machen.

Um „einfach mobil“, also mit dem Mobiltelefon, bezahlen zu können, muss ich mir nämlich nicht nur einen RFC-Chip aufs Handy kleben, sondern auch ein neues Konto und eine neue Kreditkarte bei einer britischen Bank (Wirecard) beantragen. Das umfasst eine Schufa-Abfrage und das Ausfüllen vieler Formulare mit anschliessenden mehrstufigen und langwierigen Legitimierungsverfahren. Und das, obwohl mein Mobilfunkanbieter, der mir das mobile Bezahlverfahren anbietet, alle diese Daten von mir vorliegen hat und alles über meine Bonität weiss.

An der zahl einfach mobil-Aktion ist — ausser dem Bezahlvorgang selbst — nichts einfach. Es ist kompliziert und langwierig Guthaben auf mein mpass-Konto einzuzahlen, die App die mpass mir empfiehlt um Akzeptanzstellen zu finden spricht nur englisch und sucht bevorzugt in den USA.

Das bargeldlose Bezahlen von Beträgen unter 25 Euro fühlt sich aber tatsächlich sensationell futuristisch und kinderleicht an (Zahlungen über 25 Euro müssen bei mpass mit einer PIN autorisiert werden) — am liebsten würde ich künftig überall mit meinem Telefonaufkleber bezahlen. Ein weiterer Lichtblick: die meisten der aufgerüsteten RFC-fähigen Bezahlterminals sind im Prinzip mit den Bezahlsystemen beliebiger Anbieter — zum Beispiel Apple-Pay — kompatibel. Und seit das EU-Parlament die Transaktionskosten für Kartenbuchungen gedeckelt hat, wächst die Akzeptanz bargeldloser Bezahlverfahren auch bei Einzelhändlern.

Damit ist theoretisch der Weg für neue Bargeldalternativen frei geräumt. Dem Wettbewerb um das am wenigsten nervige Gesamtangebot bei der Zahlungsabwicklung steht fast nichts mehr im Wege — ausser dem offensichtlichen Unwillen der Banken oder Mobilfunkanbieter einfache, kundenorientierte Lösungen anzubieten. Dieses letzte Puzzleteil aufzuheben überlässt man dann wahrscheinlich (wieder mal) Apple.

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anmerkung: das ist der text meiner kolumne im (gedruckten) t3n-magazin nummer 41. in ein paar wochen kommt die neue ausgabe, mit einer neuen kolumne von mir. die taucht dann bei dieser ausgabe auch erstmals online auf t3n.de auf.

weil ich für die kolumne bezahlt werde, enthält sie auch gross- und kleinschreibung.

vorherige kolumnen:

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diesen text habe ich aus redaktionellen gründen aus der kolumne rauskürzen müssen. weil ich ihn relativ witzig — und immer noch aktuell und informativ finde, hänge ich ihn hier an.

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Nachdem ich von der zahl-einfach-mobil.de-Webseite, die von der Beratungsfirma GS1 Germany GmbH betrieben wird, zu der von O₂, der Telekom und Vodafone betriebenen Webseite mpass.de geleitet wurde, sehe ich zunächst, dass mpass.de — trotz des Apple-Weckrufs — sehr stiefmütterlich gepflegt wird. Im Impressum der Webseite ist noch René Obermann als Vertretungsberechtigter der Telekom aufgeführt, obwohl der bereits vor knapp andertalb Jahren seinen Posten bei der Telekom verlassen hat.

rené obermann ist auch jahre später noch im mpass.de-impressum zu finden

Mein Klick auf „Jetzt anmelden“ führt nochmal weiter zu einer Webseite, die von der in Wales ansässigen Firma Wirecard Card Solutions Limited betrieben wird. Weil O₂ lediglich als Vermittler und nicht als Anbieter auftritt, muss ich mich — auch als O₂-Kunde — dort mehrfach „legitimieren“.

Zunächst bekomme ich eine PIN-Nummer aufs Handy geschickt, danach eine PIN (per 1-Cent-Überweisung) auf mein Konto. Nach 4 Tagen — solange dauerte die Überweisung aus Wales — bin ich so halb legitimiert. Ein weiterer Schritt („mpass plus“) steht noch aus, ist aber offenbar für das Geldnachladen per Lastschriftverfahren zwingend erforderlich.

5 Tage nach meiner Anmeldung trifft der erstaunlich dicke NFC-Sticker bei mir ein und auch meine Überweisung von 25 Euro wurde mir nach 5 Tagen auf meinem mpass-Konto gutgeschrieben.

In ein paar Supermarktketten und Tankstellen kann ich jetzt nach knapp einer Woche Vorbereitungszeit „einfach bezahlen“. Ich entscheide mich unseren Wochenendeinkauf bei Aldi mit meinem neuen Handyaufkleber zu bezahlen. Wohin ich am Bezahlterminal mein Handy halten soll ist leider nicht erkennbar. Die Kassiererin weiss es auch nicht. Ich bewege mein Telefon beschwörend um alle Seiten des Bezahl-Terminals, drücke mein Handy gegen das Display und die Seiten des Terminals — nichts passiert. Nachdem die ersten Räusperer aus der Warteschlange hinter mir zu hören sind und ich schon meine EC-Karte zücken will, piepst das Terminal dann doch noch und gibt meine Zahlung frei. Einfach!

amphtml

felix schwenzel, , in artikel    

vor ein paar tagen hat google die spezifikationen für amphtml veröffentlicht und eine demo veröffentlicht, was sie in etwas damit zu tun gedenken. die demo kann man sich hier mit einem mobilen browser (oder einem mobilen user agent) ansehen (dort dann nach obama oder zum beispiel faz suchen). die spezifikationen für amphtml hat google auf github gepackt. google hat auch eine animation erstellt, die zeigten soll wie amp-seiten in den google-sucheergebnissen funktionieren könnten.

was google mit amp bezweckt ist klar, wenn man sich die demo oder die selbstbeschreibung des projekts ansieht: schnellere (mobile) webseiten. oder im sinne der gleichen facebook-idee: sofortseiten.

jeff jarvis ist naturgemäss begeistert und sieht seine idee der einfachen verteilung (distribution) von publizistischen inhalten im web durch amp gestärkt:

But I think AMP and Instant Articles are more than that. They are a giant step toward a new, distributed content ecology on the web.

wolfgang blau auch:

tim kadlec formuliert den gedanken etwas ausführlicher aus:

It’s the distribution that makes AMP different. It’s the distribution that makes publishers suddenly so interested in building a highly performant version of their pages—something they’re all capable of doing otherwise. AMP’s promise of improved distribution is cutting through all the red tape that usually stands in the way.

This promise of improved distribution for pages using AMP HTML shifts the incentive. AMP isn’t encouraging better performance on the web; AMP is encouraging the use of their specific tool to build a version of a web page. It doesn’t feel like something helping the open web so much as it feels like something bringing a little bit of the walled garden mentality of native development onto the web.

That troubles me.

und ich finde genau das spannend. google zwingt die verleger, bzw. alle die im netz veröffentlichen dazu, sich zu beschränken. so wie twitter einen zwingt sich kurz zu fassen, zwingt amp einen dazu sich den (technischen) regeln der auslieferungsbeschleunigung zu unterwerfen (was unterm strich zu erhöhtem lesekomfort führt).

das ist an sich schon eine gute sache, weil die verleger nun einen guten grund haben, von ihren vermarktern bessere, weniger arschig programmierte anzeigen zu verlangen. anzeigen sind zwar in amp-seiten möglich, müssen sich aber an bestimmte regeln halten (bis diese womöglich ausgehelbelt werden). felix salmon formuliert das im guardian (auf einer amp-seite) so:

Ultimately it comes down to power dynamics. Advertisers and media buyers have more power than any individual publisher: they can demand more intrusive ads, trackers, scripts, and publishers will comply, lest they lose revenue. But one entity is even more powerful than the ad industry – Google. If Google tells everybody to turn off those scripts, they will – and advertisers will be forced to compete on the basis of creative output, not technological firepower.

ray daly sagt das gleiche:

So another impact of AMP will be that news organizations will have to re-evaluate their use of third party scripts and demand use of best practices by these vendors.

noch spannender finde ich, dass plötzlich verleger, denen die idee von volltext-RSS-feeds schon immer zuwider war, plötzlich bei amp an bord zu sein scheinen. selbst die FAZ pfeffert jetzt ihre inhalte in einem format raus, mit dem leser diese inhalte plötzlich wie mit RSS lesen können. denn amp erlaubt, wie RSS, durch einen festen gestaltungsrahmen ein caching (zwischenspeichern) der inhalte durch apps, reader oder, wie oben demonstriert, suchmaschinen. konzeptionell und technisch sind die parallelen zu RSS offensichtlich. jeremy keith schreibt in seiner ausführlichen und lesenswerten amp-analyse:

So if an RSS feed is an alternate representation of a homepage or a listing of articles, then an AMP document is an alternate representation of a single article.

Now, my own personal take on providing alternate representations of documents is “Sure. Why not?” Here on adactio.com I provide RSS feeds. On The Session I provide RSS, JSON, and XML. And on Huffduffer I provide RSS, Atom, JSON, and XSPF, adding:

If you would like to see another format supported, share your idea.

Also, each individual item on Huffduffer has a corresponding oEmbed version (and, in theory, an RDF version)—an alternate representation of that item …in principle, not that different from AMP. The big difference with AMP is that it’s using HTML (of sorts) for its format.

All of this sounds pretty reasonable: provide an alternate representation of your canonical HTML pages so that user-agents (Twitter, Google, browsers) can render a faster-loading version …much like an RSS reader.

So should you start providing AMP versions of your pages? My initial reaction is “Sure. Why not?”

wie die auslieferung per amp-seite funktioniert, zeigt bereits die reader-app nuzzel. sie aggregiert und filtert links aus meinen social-media-feeds und zeigt mir empfehlungen aus meinem bekanntenkreis an. klicke ich auf den link zu einer seite die auch eine amp-version anbietet, lädt sie nicht die reguläre seite, sondern die mobil-optimierte amp-version. twitter hat angekündigt das auch so zu machen und, natürlich, auch google wird das das irgendwann in seine mobile suche integrieren.

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ich bin ja schon immer ein agressiver verfechter der volltext-rss-idee, der idee, inhalte so einfach wie möglich zugänglich zu machen und niemandem vorzuschreiben wo oder wie er inhalte zu lesen hat. bereits vor 4 monaten habe ich facebooks instant articles-idee mit RSS verglichen und natürlich schlägt amp in die gleiche kerbe. mit einem unterschied natürlich: facebook und google (und apple) versuchen von anfang an wege der monetarisierung (sprich werbung) in ihre lösungen einzubauen.

es dürfte spannend sein, wie die verleger langfristig zu amp, instant articles oder ähnlichen initiativen von apple und anderen stehen werden. es ist nicht auszuschliessen, dass sie irgendwann muffensausen bekommen, angesichts des unabwendbaren kontrollverlusts. möglicherweise sind sie auch irgendwann völlig überfordert mit dem irren formate-müsli, das derzeit aus dem silicon valley geliefert wird: google hat ein eigenes format, facebook verlangt ein eigenes format und apple hat sein „apple-news-format“ noch gar nicht veröffentlicht.

mir ist das (natürlich) völlig egal, ich habe an zwei abenden das amp-format in diese seite integriert. das war nicht besonders kompliziert, im prinzip habe ich die druckseitenfunktion meines CMS missbraucht, bzw. umgebaut (und um ein paar funktionen erweitert). seiten auf dieser site lassen sich dank druck-CSS-stylesheet bestens ausdrucken (wer auch immer sowas macht), also liess sich die eingebaute druckfunktion, die über wirres.net/article/print/8649/1/6/ erreichbar war, zu einer amp-funktion umbauen. weil „print“ in der url aber doof ist, sind meine seiten offiziell über /article/amp/ ampifizierbar, natürlich auch diese: wirres.net/article/amp/8649/1/6/.

(eine noch sehr frühe amp-konversions beta-version für wordpress gibt es übrigens bereits.)

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erstaunlich am ampproject ist, wie fehlerhaft es noch ist. die proprietäre video-erweiterung amp-video ist noch nicht ganz fertiggestellt, bzw. buggy, viele details scheinen noch unausgegoren und besonders witzig, googles eigenes beschleunigungswerkzeug empfiehlt dem ampproject verbesserungsmassnahmen:

auch amp-optimierte seiten hält google für optimierungsfähig

auch die projektseite hält google für sehr verbesserungswürdig.

das eigene ampproject.org hält google für wenig optimal

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insgesamt sehe ich das amp-projekt als eine der spannensten sachen die dem web seit dem web 2.0 passiert ist. das web 3.0 wird (wieder) schlanker. und das ist in diesem fall eine gute sache.

falkirk wheel

felix schwenzel, , in artikel    

falkirk wheel

im august, während unseres schottland-urlaubs haben wir auch einen kurzen abstecher zum schiffshebewerk in fallkirk gemacht. die gegend um fallkirk, das nordwestlich von edinburgh liegt, ist von kanälen durchzogen. die kanäle werden schon länger nicht mehr kommerziell genutzt, wurden aber vor wenigen jahren als touristische attraktion revitalisiert. die kanäle werden also nicht mehr als warentransportwege genutzt, sondern zur bespassung von touristen.

so dient auch das fallkirk wheel vor allem dem hoch- und runterheben von touristenbooten. das ändert natürlich nichts daran, dass diese kanäle durch wunderschöne landschaften führen und das schiffshebewerk selbst eine besichtigung lohnt.

blick auf die zufahrt zum schiffshebewerk, man sieht hinten einen touristendampfer, der sich gleich runterheben lässt.

blick auf die zufahrt zum schiffshebewerk, man sieht hinten einen touristendampfer, der sich gleich
blick auf die zufahrt zum schiffshebewerk, man sieht hinten einen touristendampfer, der sich gleich runterheben lässt.

die konstruktion des schiffshebewerks ist ingeniös. die beiden gondeln, im prinzip gigantische badewannen mit komplizierten schliessmechanismen, wiegen dank des archimedischen prinzips stets gleichviel, so dass zum drehen des rads nur geringer kraftaufwand nötig ist. in der praxis ist das dann doch nicht ganz so einfach, wer mehr darüber erfahren will sollte es einfach, wie ich, in der wikipedia nachlesen.

die drehung des rads ist ziemlich lautlos und dank der futuristischen bauweise ziemlich sehenswert, auch wenn das ganze areal, ganz schottland untypisch, eine ziemliche touristenfalle mit cafeteria, souvenirshop, kinderspielplätzen und kirmesathmosphäre ist. im prinzip kann man beim falkirk wheel auch von einem touristenhebewerk sprechen.

die beifahrerin hat das souvenirladenangebot trotzdem von vorne bis hinten geprüft, aber das einzige was wir suchten — kaffeebecher mit schlicht aufgedruckter schottlandfahne — hatte auch der laden nicht im angebot.

links das besucherzentrum mit souvenirshop, cafeteria und ticketverkauf für die touristenboote, in d
links das besucherzentrum mit souvenirshop, cafeteria und ticketverkauf für die touristenboote, in denen man sich in einer badewanne 24 meter hoch oder runterheben lassen kann
die relativ einfache mechanik des schiffshebewerks
die relativ einfache mechanik des schiffshebewerks
beide wannen liegen auf vier radlagern auf
beide wannen liegen auf vier radlagern auf

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eigentlich habe ich den artikel „geschrieben“ weil ich die überarbeiteten facebook notizen mal testen wollte. hier ist dieser artikel auf facebook. sieht alles sehr medium aus.

auf dem weg zur arbeit

felix schwenzel, , in artikel    

heute früh hatte ich ne telefonkonferenz mit nem kunden um 10 uhr. dachte ich. sie war aber um 9:30 uhr. kunde ruft mich zur erinnerung an, als ich noch unter tage bin. um 9:42 wähle ich mich in den konferenzraum ein.

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am gendarmenmarkt roch es nach schweinebraten, möglicherweise eine vorbereitung für den berlin-marathon?

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kurz vorm neuen titanic-hotel gabs offenbar kernbohrungen.

kernbohrungen

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vor dem john-f.-hotel jongliert jemand mit seiner sonnenbrille. nach dem dritten wurf fällt sie auf den boden. er versucht seine beiständer damit zu amüsieren, dass er so tut als wolle er auf seine brille treten. tut er natürlich nicht, er ist ja nicht blöd, bückt sich um die brille aufzuheben — und seine hose reisst über 30 zentimeter länge auf der rechten pobacke auf.

* * *

im büro festgestellt, dass meine hose im schritt einen 20 zentimeter langen riss hat.

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später, auf dem heimweg, haben sich grosse betonbrocken zu den kernbohrungen gesellt,

die kernbohrungen haben gesellschaft von brocken bekommen

die sonne ging unter …

sonnenuntergang auf der französische strasse

… und in der galerie lafayette hat’s offenbar gebrannt.

grosseinsatz der deuerwehr an der französischen strasse

ich bin geblendlet

felix schwenzel, , in artikel    

ich muss vorausschicken, dass nichts am folgenden text objektiv ist. wie eigentlich alles, was ich so ins netz schreibe. aber in bezug auf blendle bin ich wahrscheinlich noch voreingenommener, als ich es sonst bin. blendle ist wie ein wahrgewordener traum von mir. dieser text enthält auch keine prognosen über den künftigen erfolg oder misserfolg von blendle (dafür gibt’s genug oberchecker), sondern um mein wunschdenken.

ich habe mir immer gewünscht einfachen zugriff auf texte zu haben. die erste hürde auf diesem weg habe ich bereits vor 40 jahren genommen, als ich lesen lernte. mit büchern und zeitschriften klappte der zugriff auf texte dann auch jahrelang ganz hervorragend, aber seit ich mir bücher mit ein bis zwei klicks kaufen kann und sie, egal wo ich gerade bin, quasi sofort, nach zwanzig bis dreissig sekunden, lesen kann, sind meine erwartungen an textlieferanten exponentiell gestiegen. ich sehe nicht mehr ein, warum ich mir texte kiloweise per abo auf papier nach hause liefern lassen soll, um sie dann irgendwann zu lesen — oder sie nicht lesen zu können, wenn ich nicht gerade den richtigen papierstapel mit mir herumschleppe.

als ich meine letzten beiden papier-abos gekündigt habe, die c’t und die brandeins, gab es von der c’t noch kein rein digitales abo und für die brandeins kein digitales abo, das ich auf den mir zur verfügung stehenden geräten hätte benutzen können (isch abe kein ipad). die einzige publikation die ich mir hin und wieder, jedes mal ohne reue, auf papier kaufe, ist die geo-epoche. auch sie gibt es, bis auf ein paar sammelbände, für mich bisher nicht digital zu lesen.

die c’t lese ich jetzt regelmässig in der firma, die noch ein papierabo hat, die brandeins gar nicht mehr — und tageszeitungen, seit ich nicht mehr zwischen hamburg und berlin pendle, auch nicht mehr. ehrlichgesagt reicht das was mir meine RSS-, twitter oder anderen feeds in meine leseapps spülen auch vollkommen aus. da wird natürlich auch viel schrott angespült, aber auch immer wieder perlen und kleine schmuckstücke, die ich so gut wie möglich mit meinen fast täglichen links mit interessierten zu teilen versuche.

was ich sagen will: das was exklusiv auf papier oder hinter den bezahlsystemen der verlage an journalismus produziert wird ist meiner wahrnehmung seit ein paar jahren komplett entzogen. ich bekomme davon nur in ausnahmefällen etwas mit. hin und wieder machen mich die zeitschriften-cover einzelner titel neugierig oder ich lese im netz von leuten, die etwas auf papier gelesen haben und es eindringlich empfehlen.

vor einigen monaten gab es im spiegel zum beispiel eine titelgeschichte zu ikea. die wollte ich unbedingt lesen, aber der spiegel zwang mich zu einem langwierigen registrierungsprozess, in dem ich immer wieder dazu gedrängt wurde ein abo abzuschliessen. letztendlich musste ich mir das ganze heft kaufen, zum beinahe gleichen preis, wie am kiosk. der ikea-text und das lesevergnügen waren unterirdisch.

seitdem habe ich mir keine einzige spiegel-ausgabe, weder auf papier, noch digital gekauft. das gleiche bei der faz: schlimmer registrierungsprozess und mondpreise. die sz? da weiss ich noch nichtmal, ob und wenn ja wo man dort einzelne artikel kaufen kann. ach ja, 2013 wollte ich für eine grandiose reportage von michael obert unbedingt etwas bezahlen (der text war und ist kostenlos im netz zu lesen). das serviceteam der sz beantwortete meine frage damals so:

Was Ihre Anfrage betrifft, so ist die gesamte Branche zur Zeit im Wandel. Ob es irgendwann einmal möglich sein wird, nur für die Inhalte zu bezahlen, die man auch lesen möchte, ist sicherlich nicht auszuschließen. Dieses Thema wird aktuell in der Verlagswelt ausgiebig diskutiert. Es gibt aber auch die Schattenseite. Kann ein Verlag es sich dann noch leisten eine ganze Zeitung zu produzieren? Würden dann vielleicht nurnoch Artikel veröffentlicht, die auch massentauglich sind? Alle diese Punkte müssen bei der Frage berücksichtigt werden, ob es irgendwann einmal möglich sein wird, auch einzelne Inhalte zu kaufen.

(hier habe ich die geschichte vor 2 jahren aufgeschrieben)

das, einzelne artikel zu lesen und einfach zu bezahlen, war 2013, aber auch schon lange davor, mein traum. hier nochmal, in aller kürze, ausformuliert. ich möchte …

  • für besonders tolle (oder auch mittelgute) texte (unkompliziert) etwas zahlen, freiwillig oder wegen eines preisschilds
  • unkompliziert auch an texte herankommen, die nicht ohne weiteres frei zugänglich sind, gerne gegen (angemessene) bezahlung
  • diese texte auch anderen empfehlen können, per link und vor allem mit niedriger zugangsschwelle für andere, gerne gegen (angemessene) bezahlung
  • zugriff auf alle — oder möglichst viele — deutschsprachige oder englischsprachige texte zu haben, ohne mir altpapier liefern lassen oder selbst ins haus schleppen zu müssen — und vor allem ohne abos abschliessen zu müssen

und, ebenfalls in aller kürze: das ist ungefähr das, was seit ein paar wochen mit blendle möglich ist.

* * *

ich lese wahnsinnig viel auf blendle und bin überrascht, wie viele sehr- und mittelgute texte ich, in den wenigen wochen die ich es nutze, dort bereits entdeckt habe (link auf meine blendle-seite, in der auch alle meine empfohlenen texte aufgelistet sind).

die meisten dieser texte sind in der regel auf papier oder hinter schwer überwindbaren bezahlwänden und anmeldeprozeduren versteckt und für ottonormal-webnutzer mehr oder weniger unzugänglich. obwohl ich die idee von bezahlwänden und geschlossenen räumen im internet aus prinzip blöd finde, bin ich begeistert, wie viele perlen sich hinter der relativ leicht überwindbaren blendle-bezahlmauer offenbaren.

es ist ein bisschen so, als hätte ich bis jetzt im paradies gesessen, die brathähnchen waren alle in reichweite, jeden tag konnte ich mich sattessen und meinen RSS-feedleser überhaupt nur so halb leeren und den empfehlungen meiner timeline gerade mal so zu 0,18 prozent folgen. und plötzlich ist da im paradies ne tür, hinter der es nicht nur brathähnchen gibt, sondern auch sushi, rinderfilet und omas sauerbraten. kostet ein bisschen extra, schmeckt nicht immer überragend, aber ziemlich oft sehr, sehr gut.

* * *

was mir beim lesen auf blendle auffällt, so schön es ist, am sonntag die FAS oder den spiegel digital durchzublättern, enorm viele tolle texte werden dort durch empfehlungen nach oben gespült. und das manchmal aus unwahrscheinlichen quellen. zum beispiel, ein guter text im stern. den stern würde ich sonst (am kiosk, in der arztpraxis) nur noch mit handschuhen anfassen, aber auf blendle lese ich plötzlich stern-texte, wenn sie eindringlich genug empfohlen werden. gleiches gilt für die welt, hier die am sonntag. ein differenzierter, ausführlicher und ausgeglichener artikel über „bio“ in der welt? unwahrscheinlich, passiert aber offensichtlich ab und an — und auf blendle merke ich es.

tatsächlich ist es die mischung aus stöbern und empfohlen bekommen, die blendle so angenehm macht. beides führt immer wieder zu guten texten, aber trotzdem bemerke ich, wie die marken in den hintergrund rutschen. schrott, uninteressantes, wiedergekäutes, zusammenfassendes steht in allen blättern, aber hin und wieder eben auch befriedigende langstrecken oder reportagen. nur muss ich dafür eben nicht mehr die FAS, die FAZ, den spiegel oder was auch immer aufschlagen. ich muss nicht ganze hefte kaufen, von denen eh nur ein drittel lese, ich muss nicht zu deren webseiten navigieren und mich dort anmelden, die guten texte schwimmen bei blendle einfach an mir vorbei; die texte kommen angeschwommen.

natürlich gibt es (um meiner these von den verschwindenden marken gleich mal zu widersprechen) noch eine menge hefte, die ich schmerzlich vermisse, die GEO, die GEO-epoche, die brandeins. die deutsche wired ist angekündigt bald zu kommen, aber was ist mir den englischsprachigen ausgaben? die einzig seriöse computerzeitschrift (die c’t) fehlt noch, ebenso die new york times oder der new yorker. und wo ist die mare?

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ich möchte für guten, leidenschaftlichen journalismus bezahlen. ich möchte guten journalismus unterstützen, deshalb habe ich ursprünglich die krautreporter unterstützt, deshalb war ich viele jahre brandeins- und c’t-abonnent. ich will aber vor allem, dass das ganze leicht zugänglich ist, für mich und andere.

auf blendle.de bin ich freerider, ich kann dort so viel lesen wie ich will, ohne zu bezahlen. ich bezahle damit, dass ich ab und zu texte empfehle. (womit wir wieder am anfang und der überschrift dieses textes sind. ich bin voreingenommen und geblendlet.)

mein krautreporter-abo habe ich nach einem jahr gekündigt, auch sonst habe ich derzeit keine abos mehr. deshalb habe ich mir überlegt, jeden monat 20 bis 30 euro an unterschiedliche journalistische projekte zu spenden. in diesem monat wird das correctiv.org sein, mal sehen was die kommenden monate an interessanten journalistischen projekte bringen.

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