jens weinreich, rio, sport und politik

felix schwenzel, in notiert    

ich interessiere mich nur so mittelmässig für die olypischen spiele in rio de janeiro, habe mich aber von jens weinreich (sehr leicht) überzeugen lassen, einen rio-pass für 30 euro für seine berichterstattung von dort zu kaufen. den hab ich jetzt, kann aber keine kostenpflichtigen beiträge finden. wobei es darum natürlich gar nicht geht, sondern eben darum, jens weinreich bei seiner beeindruckenden arbeit zu unterstützen. deshalb kann ich das nur empfehlen, ihn zu lesen und zu unterstützen.

[keine werbung]

felix schwenzel, , in notiert    

ich bin ja mitglied bei blogfoster, einem portal, das gesponserte artikel an blogs vermittelt. alle paar wochen schaue ich mir dort angebote an und manchmal gibt es themen oder angebote für gesponserte artikel, von denen ich glaube dass sie passen würden. kürzlich gab es das angebot über eine kreditkarte (santander 1plus card, kein affiliate-link) zu schreiben, die für die wir uns ohnehin interessiert haben, weil sie bei auslandszahlungen keine auslandsgebühren aufschlägt. ich dachte mir, wenn wir uns die ohnehin holen wollen, warum nicht nur drüber schreiben, sondern auch gleich dafür bezahlen lassen, dass ich drüber schreibe?

mein pitch war aber wohl nicht aufregend genug und ich wurde von der bank abgelehnt.

ein anderer sponsored post, auf den ich mich bewarb, war von der berliner morgenpost, die die app ihres „berliner newsportals“ live.morgenpost.de bewerben wollte. im briefing verbat man sich von seiten der morgenpost einen vergleich mit dem tagesspiegel checkpoint:

Sollte ein Vergleich zw. Tagesspiegel-Checkpoint und berlinlive.de gezogen werden, hinkt dieser. Der Tagesspiegel checkpoint liefert einen täglichen Newsletter, berlinlive.de bietet Nachrichten im Echtzeit und zeigt das aktuelle Geschehen in Berlin.

nachdem ich ausgewählt wurde über die app zu schreiben, stellte ich diese bedingung:

den hinkenden vergleich zum tagesspiegel checkpoint ziehe ich so oder so (siehe pitch). sollte das nicht möglich sein, oder der kunde das nicht will, müsst ihr mich von der teilnehmerliste streichen.

ich wollte meine leser auch nicht fragen, »welches Hashtag sie auf der Seite als ihr persönliches „Tranding“ Tag sehen«, weil ich solche fragen als völlig sinnlos ansehe (der „tranding“-rechtschreibfehler ist ausnahmsweise nicht von mir).

leider wollte sich der kunde auf meine bedingungen nicht einlassen. ich finde das bedauerlich, auch wenn es natürlich das gute recht der morgenpost ist, sich in bezahlten texten nicht mit der gut gemachten konkurenz vergleichen zu lassen. aber ich finde es auch bemerkenswert, weil das auf mich etwas unsouverän wirkt.

die morgenpost ist ja journalistisch eher dem boulevard zuzuordnen, aber soweit ich weiss, relativ moderat. trotz boulevard, fand ich die idee nicht schlecht, eine art (hyper) lokale informationsquelle auf meinem handy zu haben, mit der ich mich mal eben kurz über die lage in meiner stadt informieren könnte. leider war das „mal eben“ schon das erste problem. die app fühlt sich an wie eine (sehr langsame) webseite — und ist wohl auch eine webseite, die in einen app-rahmen gepresst wurde. jedes seitenladen wird von einem animierten „bitte warten“ symbol eingeleitet und manche der hashtags führten mich (hier am 10. juli) auf tomcat-fehlerseiten.

die langsamen ladezeiten und der langsame seitenaufbau sind vor allem deshalb unverständlich, wenn man sieht, was man ganz ohne app-zauberei, mit preloading und google-AMP machen kann: auf mobilen geräten funktioniert diese ausgabe der washinton post gefühlt 20 mal schneller als die morgenpost „berlinlive.de“: washingtonpost.com/pwa/

was mich an der morgenpost-live-app auch störte: gesten für das zurückblättern oder neu laden funktionieren nicht wie gewohnt. das zurückwischen funktioniert zwar ähnlich wie in anderen apps, aber nur widerwillig und nach mehreren versuchen. als ich das gerade eben reproduzieren und bestätigen wollte, führte das anklicken einer geschichte („#CityWest bekommt neus Großkino mit sieben Sälen“) mich aus der app zu safari. zurück in der app, wurde mir ein artikel („Im Westen Berlins“) angezeigt, aus dem ich nicht mehr herausnavigieren konnte, weder mit gesten, noch mit (nicht vorhandenen) navigationselementen. insgesamt fühlt sich die app überhaupt nicht nach app an, sondern wie eine eingeklemmte website im app-mantel.

hätte mich die morgenpost für den artikel bezahlt, hätte ich mir mühe gegeben auch postive aspekte der app zu finden, die es ohne frage gibt. ohne den honorar-anreiz fällt mir das differenzierte nachdenken und beschäftigen mit diesem halbherzigen produkt wirklich schwer. mit honorar hätte ich mir gedanken darüber gemacht, was die morgenpost-live im vergleich zum tagesspiegel checkpoint für vorteile hätte, trotz all ihrer technische unzulänglichkeiten. und ich hätte mich wahrscheinlich zurückhaltender gewundert, über diese bildstrecke zu einem sack reis einer wanderstrecke in china.

eigentlich, wenn ich so überlege, ist es vielleicht einfach am besten, wenn sponsoren mich und meine bedingungen ablehnen.

* * *

[nachtrag 04.08.2016]
ich habe mal ein paar der bezahlten, sponsored posts gesucht und gesammelt (da ist auch ein offensichtlich unbezahlter artikel dabei).

apropos verachtung

felix schwenzel, , in notiert    

Ver|ach|tung

weil sich unter diesem artikel auf facebook eine rege diskussion um die angemessenheit des wortes „verachtung“ und meine widersprüchliche haltung gegenüber werbung entwickelt hat, fiel mir noch diese geschichte ein, die ich bisher nicht aufgeschrieben habe.

vor etwa einem jahr habe ich mich bei blogfoster angemeldet, einem dienst, der bezahlte werbeartikel in blogs vermittelt. ursprünglich wollte ich dort rumrecherchieren, welche blogger an bezahlten kampagnen teilnehmen und die werbung dann nicht ordentlich kennzeichnen. meine verachtung für ungekennzeichnete (schleich-) werbung ist nämlich noch grösser, als die für werbung an sich. statt zu recherchieren blieb ich dann an einem angebot hängen: werbung für glenfidich, einen whisky den ich gerne mochte und dessen destillerie in schottland ich gerade besucht hatte.

statt über schlecht oder gar nicht gekennzeichnete werbung zu schreiben, schrieb ich nun einen artikel über einen drogenhersteller, gegen ein honorar. die einschätzung, ob meine haltung, dass das in ordnung sei, weil ich ja schreiben konnte was ich wollte und dass ich den artikel deutlich als bezahlt kennzeichnete, eine rationalisierung oder bigott ist, überlasse ich gerne anderen. wichtiger war mir, dass ich diese werbung mit meinem gewissen und meinen grundsätzen vereinbaren konnte.

zwei monate später schrieb ich einen weiteren bezahlten artikel und auch den fand ich vereinbar, weil ich ihn auch ohne honorar geschrieben hätte, hätte mich jemand auf die idee gebracht mal dasdong xian center zu besuchen.

was ich sagen will ist mir selbst nicht ganz klar, es geht wohl in die richtung, dass ich glaube verachtung („starke geringschätzung“) von werbung und das schalten und profitieren von werbung lassen sich durchaus vereinen. es mag genauso widersprüchlich erscheinen wie die verachtung von menschen die sich über das image oder die PS-zahl ihres autos zu definieren scheinen und ab und zu selbst ein schickes auto zu mieten. so widersprüchlich wie die verachtung für die steuersparmodelle grosser, multinationaler konzerne und dem bedürfnis, bei der steuererklärung selbst möglichst viel geld zurückzubekommen. so widersprüchlich wie die verachtung schwachbrüstiger, umknickender, prinzipienlos wirkender politiker und meine tiefe dankbarkeit gegenüber der deutschen politik und repräsentativen demokratie als ganzes.

es gibt kein ganz richtig oder ganz falsch, kein schwarz/weiss. alles in unserer zivilisation ist grau und von widersprüchen durchzogen. um in dieser situation ein bisschen halt zu finden und die widersprüche auszuhalten, erscheinen mir grundhaltungen, egal wie widersprüchlich, relativ wichtig — auch wenn sie einer genauen betrachtung nicht immer standhalten. aber auch das ist wichtig, dass haltungen, die der realität oder neuen erfahrungen nicht ausreichend standhalten, anpassbare arbeitshypothesen bleiben. und als arbeitshypothese finde ich das OK, eine branche, die den menschen systematisch falsche versprechungen und hoffnungen macht, die manipuliert und manisch undifferenziert ist, zu verachten oder mindestens stark geringzuschätzen.