links vom 09.09.2014

felix schwenzel,    

links vom 08.09.2014

felix schwenzel,    

links sammeln, veröffenlichen und verdauen

felix schwenzel,    

weil friedemann karig fragt, was man mit texten (bzw. links) die „lesenswert“ seien machen könne:

die antwort lautet natürlich, ganz allgeimein: ins internet schreiben. am besten natürlich in sowas wie ein blog, weil dann kann man sie abonnieren, wenn man möchte. ich finde es schadet auch nicht, leseempfehlungen zu vertwittern oder auf facebook zu posten, wobei ich finde das dort links oft zu schnell im rauschen untergehen oder, unter umständen, die nur facebook kennt, weggerechnet werden. stehen die leseempfehlungen in einem blog, sind die chancen, dass ich sie finde und lese um einiges grösser. andererseits sendet man durchs twittern oder facebooken ein maschinenlesbares, bzw. per API auslesabres signal, das wiederum aggregatoren wie rivva nutzen können. aber das funktioniert mit einem verweis in einem blog ja auch.

besonders schön ist natürlich, wenn man links nicht nur sammelt und aussiebt, sondern auch eine kleine oder grosse anmerkung dazu schreibt. john gruber macht das seit vielen jahren. er kommentiert links manchmal nur mit einem satz, oft mit einem zitat, manchmal auch mit längeren anmerkungen. eigentlich macht jason kottke das auch, boingboing ebenso — wenn man es genau betrachtet machen es die meisten blogger so. und ob jeder link einen eigenen „artikel“ bekommt oder mehrere in einem zusammengefasst werden ist ja auch eher ne formalie. nico brünjes macht das seit einiger zeit relativ regelmässig in sammelform, maximilian buddenbohm macht das sehr regelmässig, anke gröner zu selten (wobei sie sehr regelmässig kommentierte linklisten zu büchern veröffentlicht).

blogs sind meiner meinung nach das optimale format für die empfehlung von lesenswerten texten. welches format man dafür wählt, wieviel mühe man sich damit gibt, wie regelmässig man das macht — meiner meinung ist das egal. hauptsache man macht es. und hauptsache man schreibt etwas dazu, einen kommentar (140 zeichen oder länger, zur not funktioniert auch oft ein „hihi“), ein zitat, eine kurzzusammenfassung oder eine reihe standardvorlagen („super text, ausdrucken“, „will haben“, „wow“, „nicht gelesen, aber tolle überschrift“).

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ich mache das mit dem linksammeln und veröffentlichen übrigens aus genau zwei bis drei gründen. da ich eh ständig im netz lese, was relativ zeitaufwändig ist, kann ich einen text der mir gefiel auch mit relativ geringen zeitaufwand als lesenswert kennzeichnen. ich mache das indem ich mit einem bookmarklet einfach ein bookmark bei pinboard anlege und mit dem buchstaben „s“ (wie sharen) verschlagworte. das führt auch dazu, dass der link bei @wirresnet landet.

der zweite grund ist, dass ich nach dem lesen eines textes nicht selten das bedürfnis habe etwas anzumerken. das kann ein einfaches „hihi“ sein, ein ausdruck der bewunderung oder der abneigung oder manchmal auch nur ein besonders tolles zitat aus dem text sein. mit diesem prinzip war quote.fm mal ne weile sehr erfolgreich. viele kommentare oder zitate schreibe ich schon beim anlegen des bookmarks in pinboard dazu. wenn ich auf dem telefon lese, schreibe ich sie allerdings meist nicht dazu, sondern merke sie mir einfach. das klappt trotz meines schlechten gedächnisses ganz gut.

der dritte und wichtigste grund links zu sammeln, kurz zu kommentieren (oder ein zitat rauszuziehen) ist eigentlich gar kein grund, sondern ein zustand: weil ich gerne veröffentliche. oder teile. oder mitteile. oder gerne sehe wie und ob leute auf das was ich veröffentliche reagieren.

so wie sich manche diese frage stellen:

Wenn in einem Wald ein Baum umfällt und niemand ist da der es hört, hat es dann ein Geräusch dabei gegeben?

frage ich mich oft:

habe ich diese anmerkung zu diesem text überhaupt gedacht, wenn ich sie nicht veröffentliche?

der vierte grund links zu sammeln und auszusieben ist übrigens, dass es mir bei der verdauung von themengebieten hilft. oder genauer, beim sammeln und denken. meine blog ist eben auch mein notizzettel. pinboard ist eher eine art kladde in die ich fast alles werfe, aber was im blog landet, habe ich bereits ausgesiebt und damit als wichtig markiert.

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auf den ersten blick wirkt es vielleicht, als würde das sammeln, sieben und veröffentlichen viel arbeit machen. der zweite blick zeigt, das stimmt. aber das macht nichts, denn wie mit allem was man mit einer gewissen regelmässigkeit macht, schleicht sich auch beim linksammeln und veröffentlichen nach einer weile eine gewisse routine ein — dank der man den aufwand dann gar nicht mehr wahrnimmt. was ich sagen will: man muss es einfach machen und wenn man es dann ne weile macht, merkt man, auf welche art es einem am leichtesten fällt — und man merkt irgendwann auch, dass es einem selbst beim denken und zusammenhalten von zitaten und bemerkenswerten texten hilft.

technisch gibt es eigentlich kaum hürden: wer ein wordpress am laufen hat kann entweder das wordpress „Press This“-Bookmarklet nutzen oder (je nach verwendetem theme) kann man mit ein paar klicks einen beitrag mit der beitragsvorlage „link“ erstellen, mit postalicious oder feedwordpress kann man die erstellung von linklisten oder linkartikeln ganz oder halb automatisieren. oder man bastelt sich eine artikelvorlage selbst, mit der man einmal pro woche (oder öfter) einen artikel aus den gesammelten links zusammenstöpselt. auch hier gilt, wei bei fast allem im leben: man muss einfach anfangen, ein bisschen rumprobieren und dann kommt der appetit von ganz alleine.

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[nachtrag 08.09.2014]
friedemann karig hat eine sehr schöne kommentierte linkliste veröffentlicht. gerne wieder. /@f_karig

tratschtüten

felix schwenzel,    

zwei bemerkenswert blöde artikel zum thema doofe-texte-dank-internet-immer-besser-zugänglich habe ich weiter unten separat von den heutigen links kommentiert. zum verständnis meiner anmerkungen wäre es natürlich hilfreich, die beiden texte selbst zu lesen. die sind aber so absurd, doof und konfus, dass ich das eigentlich niemandem zumuten möchte. deshalb empfehle ich allen meinen lesern hier aufzuhören zu lesen und sich vielleicht was interessantes zu lesen zu besorgen. vielleicht mal wieder ein buch? oder zum kiosk laufen und die geo-epoche kaufen? die mit dem wilden westen soll sehr gut sein.

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keine ahnung warum clemens lukitsch die diskussion und den skandal um die gestohlenen bilder von verschiedenen promininenten frauen mit „prüderie“ in zusammenhang bringt:

Wieder einmal entlädt sich die in der amerikanischen Gesellschaft weit verbreitete, größtenteils religiös motivierte Prüderie an solchen „Skandalen“.

auf jeden fall hat er nach dem stellen einiger zusammenhangsloser rhetorischen fragen, noch ein paar tolle tipps für die betroffenen frauen parat:

Angriff wäre in diesem Fall die beste Verteidigung: Lawrence und Co. sollten mit einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit das Thema aufgreifen und die Gelegenheit nutzen, für eine unverkrampfte Diskussion und einen ehrlichen Umgang zu werben.

clemens lukitsch fordert einen unverkrampften und ehrlichen umgang mit dem eindringen in die eigene intim- und privatshäre?

oder meint er, dass die opfer eines verbrechens, deren nacktbilder gegen ihren willen in die öffentlichkeit getragen wurden, das aufflammen von prüderie zur gelegenheit nehmen sollten, gegen prüderie zu kämpfen und für einen ehrlichen umgang mit nacktheit zu werben?

die etwas weit hergeholten gedanken mit der prüderie und der verkrampftheit hat sich lukitsch möglicherweise bei florian siebeck in der faz angelesen.

florian siebeck suggeriert, dass „scheinheiligkeit“ im spiel sei, wenn prominente frauen sich auf instagram exponierten und schockiert seien, „wenn Nacktbilder an die Öffentlichkeit gelangen“.

anlässlich der selbstgestellten frage, warum sich „alle so darüber“ aufregen, phantasiert florian siebeck absurderweise einen sittlichen verfall der gesellschaft herbei. denn seiner beobachtung nach sei es „nicht ungewöhnlich“, „Bilder von Genitalien per Whatsapp zu verschicken“. was diese vermeintliche beobachtung von siebeck mit der verletzung der privatshäre von prominenten frauen zu tun hat, bleibt mir wahrscheinlich ewig ein rätsel.

kann mir jemand erklären, was der folgende tiefschürfende gedanke zum thema „sexting“ von florian siebeck mit kate upton, jennifer lawrence oder irgendwas, was in den letzten tagen passiert ist, zu tun hat?

Bedenklich wird es, wenn die Schamgrenze so weit gesunken ist, dass ein Mensch vollkommen wahllos und unaufgefordert Nacktbilder an andere schickt.

kann natürlich sein, dass ihm das einfach so eingefallen ist, genauso wie man in einem kommentar zu einem banküberfall auch mal über die frage sinnieren könnte, ob man spargelwasser eher mit salz und zucker versetzt oder nur mit salz. hängt ja alles irgendwie zusammen.

apropos scheinheiligkeit. siebeck sagt am ende seines kommentars:

Es gilt der Grundsatz: Was wer daheim anstellt, ist Privatsache.

das hält ihn allerdings nicht davon ab, die privatsachen von jennifer lawrence (und „hundert Prominenten“) genauestens zu untersuchen und seine meinung dazu öffentlich rauszutratschen:

Das ist auch das Problem mit den Nacktbildern, die nun von hundert Prominenten im Netz aufgetaucht sind: Sie sind einfach nicht schön. Jennifer Lawrence: ein Graus. Vollkommene Desillusionierung. Sie ist tatsächlich auch nur ein Mensch.

florian siebeck ist tatsächlich an bigotterie und scheinheiligkeit kaum zu überbieten und möglicherweise nur eine tratschtüte, die versucht einen journalisten darzustellen.

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[nachtrag 07.09.2014]
das man statt sexualisiertem blödsinn auch sinnvoll über den icloud-hack schreiben kann, zeigt wired:

  • issie lapowsky spekuliert, dass eine klage der prominenten opfer des icloud-hacks firmen die cloud-dienste anbieten unter druck setzen könnte, mehr für die sicherheit ihrer benutzer zu tun — und so gut für uns alle sein könnte.
  • andy greenberg spekuliert über die nutzung von werkzeugen für strafverfolgungsbehörden beim icloud-hack in der letzten woche.

links vom 06.09.2014

felix schwenzel,    

links vom 04.09.2014

felix schwenzel,    

[werbung] mann | frau

felix schwenzel,    

ende mai hat mich ein netter pr-mensch angeschrieben und gefragt ob ich ein bier mit christian ulmen trinken möchte. wer will das nicht? deshalb bin ich dann am 6. juni nach feierabend zur bar visite ma tente (besuch mein zelt, oder rheinisch: fisimatenten) gegangen. la tente war aber leider verrammelt, weil drinnen noch „gedreht“ wurde, also hab ich mir das erste bier selbst am kiosk nebenan geholt und ohne christian ulmen getrunken. aber dafür mit stefan niggemeier, der auch eingeladen war, und dem netten pr-menschen.

später kam dann doch christian ulmen und bier aus dem zelt, ich habe nen selfie mit christian ulmen aufgenommen und christian ulmen, collien ulmen-fernandes, mirko lang und zwei andere beim selfie-faken fotografiert (beim br ist das ergebnis zu sehen).

selfie mit christian ulmen
selfie von christian ulmen, collien ulmen-fernandes, mirko lang und zwei anderen

aber der grund warum mich der nette pr-mann zum visite ma tente eingeladen hat (und warum ich diesen text schreibe) ist natürlich ein anderer: pr für eine von christian ulmen, dem br und puls produzierte webserie. am 6. juni konnten ein paar journalisten und ich einen blick auf einen ersten rohschnitt einer folge dieser webserie werfen. die serie geht um mann und frau, jede folge ist um die 3 minuten lang und wird im nachtprogramm des bayerischen rundfunks versendet und auf youtube und mannfrau.de gestellt.

alles super, dachte ich da: nette pr-menschen, bier, youtube, ulmen, beschränkung auf ein extrem kurzes format — was soll bei so einem konzept noch schief gehen?

was schief gehen kann, sieht man, wenn man sich die beiden ersten folgen ansieht. dachte ich beim ersten rohschnitt noch: „och ja, ok, das hat potenzial“, dachte ich beim betrachten der beiden ersten folgen: „schade.“ und schade schreibe ich jetzt nicht, weil ich für das schreiben dieses artikels ein honorar von dem netten pr-menschen bekomme, sondern weil ich wirklich glaube, dass die produzenten beim rahmen alles richtig gemacht haben: ein kurzes format, professionell gedreht, auf unterhaltung ausgerichtet, alles ins internet stellen und mit ordentlicher, freundlicher pr bekannt machen. nur leider ist dann beim inhalt was schief gelaufen.

youtube-video

direkt youtube-link

youtube-video

direkt youtube-link

die erste reaktion der beifahrerin (die ich natürlich zwang auch beide folgen anzusehen) war:

das ist wohl das beknackteste was ich seit langem gesehen hab.

mich erinnert der humor von mann | frau an samstag-abend-show-sketche aus den 80ern, eine zeit in der man keine probleme damit hatte stereotype klischees zu bedienen. aber 2014 wirken stereotypen und klischees — vor allem gehäuft, glattpoliert und relativ ungebrochen — dann doch eher irritierend. das leben des manns dreht sich um alkohol, sex und fussball, die frau sorgt sich ums (sexy) aussehen und darum, einen mann zur familiengründung zu finden?

natürlich kann man solche klischees brechen und die erste beiden folgen versuchen das ja auch nach kräften. nur leider zündet der humor nicht. ich weiss nicht genau ob der humor zu schwach ist oder ob es die darstellerische leistung ist. ich weiss nur, bei mir kommt nichts witziges an. was schade ist, weil ich das format gerne gut gefunden hätte.

ich habe auch das kind (19) gezwungen eine folge zu sehen, während der er tatsächlich zweimal ansatzweise gelacht hat. kurz flammte meine hoffnung auf, dass bei manchen menschen vielleicht doch der humor ankommen könnte. als die drei minuten rum waren fragte er mich dann aber kopfschütteld: „was soll das?“ die antwort auf diese berechtigte frage lautet wahrscheinlich „unterhalten“. die frage ist nur: wen? ich vermute bei den mittvierzigern sind die beifahrerin und ich nicht die einzigen, die mit mann | frau nichts anzufangen wissen. das kind ist möglicherweise auch nicht der einzige teenager, der sich kopfschütteld abwendet.

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ich bin ja ein grosser fan von christian ulmen als schauspieler und als verkleideter improvisationskünstler. und in der ersten folge sorgt er auch auch gleich mit wenigen sätzen für ein darstellerisches highlight. er schafft es seine nicht gerade brilliant geschriebenen sätze unprätentiös und mit leichtigkeit dahinzusagen, wie man es bei deutschen schauspielern eher selten sieht. ich musste beim betrachten und zuhören beinahe ein bisschen kichern, obwohl nichts an dem was er sagt witzig ist. mirko lang hingegen kann man beim darstellen eines schauspielers beobachten, dem in der schauspielschule eine unnatürlich deutliche aussprache eingehämmert worden ist.

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da ich ja quasi für das ansehen der webserie bezahlt werde, schau ich mir sicherlich noch die weiteren folgen von mann | frau an — und ich will auch nicht die hoffnung aufgeben, dass den autoren noch was witziges einfällt, dass mirko lang das schau-spielen sein lässt, dass christian ulmen öfter zu sehen sein wird und dass mir nicht nur der rahmen, sondern auch der inhalt (ein bisschen) gefallen wird. mal schauen, heute werden die ersten 4 folgen ausgestrahlt (im kanal von puls, hier die playlist) und ab jetzt werden jeden mittwoch 2 weitere folgen kommen. siehe auch mannfrau.de.

links vom 03.09.2014

felix schwenzel,