links vom 08.05.2012

felix schwenzel,    

unprätentiösität

felix schwenzel,    

mir haben auf der republica die vorträge und menschen gefallen, die sich unprätentiös gaben und im besten falle auch sind. neben dem wort „flausch“ oder flauschigkeit, war das wort unprätentiös für mein empfinden der entscheidende begriff für die republica dieses jahr.

ja, es war irre flauschig, kontroverses, was es dem hörensagen nach durchaus gegeben haben soll, habe ich nicht mitbekommen. ich habe von einem BR-fernsehteam gehört die verzweifelt nach sascha-lobo-hassern gesucht haben — und zumindest auf der republica niemanden fanden.

auf den bühnen kamen die unprätentiösen menschen am besten an. neben philip banse, raul krauthausen, sascha lobo, johnny haeusler und vielen anderen, fiel das besonders beim regierungssprecher steffen seibert auf. es gab leute die sich über die positive resonanz die der @regierungssprecher auf der rp12-bühne provozierte wunderten und sowas wie schmeichelei oder kritikunfähigkeit der anwesenden vernetzten menschen witterten.

ich glaube es ist ganz anders, bzw. viel einfacher: seibert schmeichelte sich nicht ein, sondern war, ganz im wortsinn, unprätentiös: er war ehrlich, versuchte sich nicht klüger, grösser oder toller zu machen als er ist, stand zu seinen erfahrungs- und wissenlücken und versuchte seine unsicherheit nicht zu kaschieren. dass er zudem medienprofi ist, der seine worte wohl zu wählen weiss und mit einer ordentlichen portion humor und schlagfertigkeit gesegnet ist hilft, entscheidend und entwaffnend ist aber, glaube ich, das steffen seibert bereit war zu seinen schwächen und fehlern zu stehen und bescheiden auftrat. bescheiden in dem sinne, dass ihm klar war, dass er das publikum nicht durch seine herausgehobene postion als sprecher der regierung oder ex-nachrichtensprecher (oder gar einem akademischen titel) zu gewinnen versuchte, sondern auf der bühne, hier und jetzt, mit dem was er sagte.

ich glaube wenn ich politiker werden würde, wäre das mit dem eingestehen von schwächen und fehlern, dem verzicht auf die darstellung von bescheidwissertum und dem verzicht auf das einfordern von respekt qua amt der weg den ich auf der öffentlichen bühne wählen würde. ich glaube eine solche politische bewegung gibts noch nicht. (hinweis: der letzte satz war ironisch.)

republica 2012 nachklapp

felix schwenzel,    

wenn ich mal zeit habe, schau ich mir all die veranstaltungen, die ich auf der republica dieses jahr verpasst habe, aus der konserve an. ich vermute, das meiste zeug ist bald online. von philip banse sind schon ein paar sachen online, ich gehe davon aus, dass sich der republica youtube-kanal auch bald füllen wird [nachtrag: die vorträge werden wohl alle bei spiegel-online veröffentlicht.]. irgendwann sammeln sich im republica-flickr-account sicher auch ein paar mehr bilder als bis jetzt. auf das rp12-blog werde ich auch weiterhin meinen blick haben. sascha lobos vortrag und die anderen tracks auf der bühne eins sollten sich bereits irgendwo auf spiegel-online finden lassen. n24 hat 40 minuten interviews von der rp12.

thomas knüwer hat ein angemessen hysterisches euphorisches rp12-fazit geschrieben, robert basic ein ganz subjektives. anke gröner war ein bisschen „soziophob“, fasste aber wunderbar zusammen was sie sah.

henning bulka hat was zum dritten tag geschrieben, elle zu tag eins und tag zwei, das nuf zu tag drei.

die vorbereitung für meinen vortrag hat mich nicht wenig zeit gekostet, das durchweg positive feedback hat mich aber ziemlich umgehauen, onlne wie offline. während meines vortrags hab ich mal eben 117 neue follower bekommen und während des vortrags twitterten mir ungefähr hundert tweets positives feedback hinterher. das hat mich ganz ungemein gefreut. und die bude schien voll zu sein. vielen dank für das interesse und die vielen netten worte!

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[nachtrag 09.05.2012]
bei spiegel online sind die vorträge von neelie kroes, udo vetter, kathrin passig und mir zu sehen. ausserdem die diskussion von jacob appelbaum, frank rieger und carolin wiedemann zum thema anonymous.

quellen und links zu meinem rp12-vortrag

felix schwenzel,    

diese antwort von christian fischer auf formspring war der aufhänger meines vortrags, der aber keinesfalls persönlich gemeint war, sondern — natürlich — exemplarisch.

i got a real life

am anfang habe ich einen ziemlich alten klassiker verwurstet.

dieser tweet war auch für einen geklauten gag gut:

Was sind das eigentlich für Leute, die bis um zwölf Bauernmarkt und Müllentsorgung schaffen? Haben die kein Socialmedialife?

@meersuppe

Sebastian Dickhaut

hier sagte andrew keen folgendes:

But the idea, that social media can create friendships, particularly networks like Facebook and Twitter, I think is illusional.

das internet macht einsam?

hierher habe ich die definition des öffentlichen raums und das günter berg-zitat, dass das „internet als öffentlicher raum ein mythos“ sei.

die beiden douglas adams zitate

Another problem with the net is that it’s still ‘technology’, and ‘technology’, as the computer scientist Bran Ferren memorably defined it, is ‘stuff that doesn’t work yet.’

und

Anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it until it’s been around for about ten years when it gradually turns out to be alright really.

habe ich aus diesem grandiosen adams-text von 1999. hingeleitet hat mich dieser blogeintrag, bzw. die kommentare dadrunter, von mike masnick.

die gaschke-zitete stammen aus meiner rezension von „klick“ und diesem text.

kathrin passigs standardsituationen der technologiekritik waren eine riesige inspirationsquelle.

die pausen-animation hab ich von ben_.

jörg friedrichs vierter teil der „philosophie für nerds“ behandelt das thema „Nichts bleibt virtuell“ und daraus habe ich mehrere schwer beeindruckende zitate entnommen.

gerfried stockers zitat „Die Trennung von Realem und Virtuellem ist obsolet“ kommt aus diesem european-artikel.

johannes kleske hat einiges an „hirnfutter“ von kevin slavin zusammengestellt, dass mich sehr inspiriert hat und mein fazit war zum grossen teil von diesem artikel auf zeit-online von kilian trotier inspiriert.

wenn der vortrag, bzw. die aufzeichnung online ist, verlinke ich die aufzeichnung natürlich auch hier.

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Wenn @ es schafft, seinen Vortrag morgen ohne die Begriffe "steile These" und "Flausch" zu halten, spendiere ich ihm ein Bier.

@zwanzigtausend

zwanzigtausend

nicht „steile these“ zu sagen, habe ich natürlich (absichtlich) versemmelt. @zwanzigtausend war aber so freundlich beide augen zuzudrücken und mir persönlich zu sagen, dass das angebot noch steht.

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ein paar fotos vom nuf ihrem iphone:

mein publikum

das erste mal dass ix anmoderiert wurde

das erste mal dass ix anmoderiert wurde

mein einziges katzenbild

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fast vergessen, ein paar pinboard-links die ix zur vorbereitung des vortrags genutzt habe.

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[nachtrag 11.05.2012]
das vortragsvideo gibts seit ein paar tagen bei spiegel-online. die .mp4-datei kann man sich auch direkt downloaden oder mit dem handy ansehen.

republica 12, tag 2 und 3

felix schwenzel,    

tag zwei war auch sehr harmonisch, so harmonisch, dass die frau in manchen veranstaltungen vor rührung den tränen nahe war.

von mir aus kann philip banse jeden tag 2 stunden programm auf der republica machen1, seine blogger-gespräche sind extraordinär. er sucht sich die richtigen und interessanten leute raus und stellt unprätentiös genau die fragen die man auch stellen würde, wenn sie einem einfallen würden. letztes jahr war sein gespräch mit julia probst ein totales highlight, dieses jahr das mit raul krauthausen. raul krauthausen stahl allen die show, so wie julia probst das letztes jahr schaffte und philip banse sorgt für die bühne. (raul krauthausens neue kategoriesierung von menschen in behinderte und noch nicht behinderte: unbezahlbar, seine menschenfreundlichkeit, pragmatische weltsicht und sein humor: herzwärmend.)

philip banse und raul krauthausen

auch die gespräche mit debora weber-wulff vom vroniplag, matthias bauer über sein wir-sind-einzelfall.de und frank westphal über rivva.de waren enorm erkenntnisreich.

sonst hat mich am zweiten tag nicht allzuviel vom hocker gehauen, auch wenn mir zu ohren gekommen ist, dass ich einiges verpasst habe. die gröner habe ich bisher auch verpasst, aber all die verpassten sessions und noch nicht getroffenen freunde lassen sich sicher vortrefflich nachbereiten.

nicht nachbereiten lässt sich mein vortrag, den ich heute um 12:30 auf bühne 2 halten werde. den muss ich jetzt weiter vorbereiten, damit ich nicht allzusehr an meinen worten und gedanken hängen bleibe.

patricia fasst das, über was ich reden möchte ganz gut zusammen:

Mich hat das Internet wirklich glücklich gemacht. Wie jeder ordentliche Mensch unserer digitalen Generation hat es mir alles geschenkt: Meine Wohnung, meinen Job, meine Arbeitskollegen, meine Freunde, meine Bildung, meine Freizeit und nicht zuletzt meinen Ehemann. Lediglich die Kinder sind nicht aus dem Internet. […]
 
Und das Schönste: Ich habe verstanden, dass das Internet keine Technologie ist, sondern aus Menschen besteht. Manche dieser Menschen kenne ich in der Zwischenzeit persönlich, andere nicht, aber allen möchte ich sagen: Danke! Ohne Euch wären 8 Jahre Blog doof.

jetzt such ich noch worte bis 12:30h.

[nachtrag 05.05.2012]
1) philip banse macht jeden tag ein paar stunden program auf der republica, nur für die leute (mich eingeschlossen) die den gag oben nicht verstanden haben.

republica 12, tag 1

felix schwenzel,    

dieses jahr findet die republica unter dem motto ersatzverkehr statt.

ersatzverkehr

und auch wenn es nicht ganz leicht ist die neue location zu erreichen, so lohnt es sich doch. es gibt irre viel platz auf dem sich die 4000 teilnehmer optimal verteilen. die next fand in den letzten beiden jahren in den gleichen räumlichkeiten statt und ich muss sagen, im kontrast hat das organisations-team der republica akkustisch und raumteilerisch einen besseren job gemacht als die beiden letzten nexten in der station. die vortragssääle liegen teilweise auch kopf an kopf, sind aber durch trockenbauwände akustisch getrennt. der vorplatz vor dem eingang ist durchgastronomisiert und dank des gut geplanten wetters nicht nur von mario sixtus bevölkert.

der räumliche mix stimmt. es gibt viele altbekannte die dieses jahr zum ersten mal auf der republica sind und all die die seit jahren kommen, sind auch dieses jahr dabei. alles ist schön. wunderschön. selbst die leute denen ich im letzten jahr ans bein gepinkelt habe, sind hyperfreundlich

auch wenn diese hyperharmonie und flauschigkeit gar nicht nervt, ein bisschen fehlen mir die reibungspunkte. die medien berichten grösstenteils wohlwollend, sind teilweise verpartnert, sascha lobo beschimpft sein publikum nicht mal mehr in einem startrant, sondern beflauscht es nur noch und alle sind so irre freundlich. selbst über das nicht funktionierende wlan freuen sich (irgendwie) alle, wohl auch weil die telekom und o2 dieses mal (endlich) die funkzellen rund um die republica verstärkt haben.

christian stöcker vertreibt mit seinem artikel ein bisschen die gefühlte flauschigkeit der veranstaltung. sicher hat er damit recht, wenn er ein wenig dramatisiert: „Es wird Zeit, sich zu fürchten“.

meika laaf wünschte sich in ihrem taz-artikel netzoptimismus, dass sich „der Springer-Mann Christoph Keese mit Innenminister Friedrich ein Taxi“ zu republica teilen würden, und tatsächlich sitzt christoph keese in einigen veranstaltungen ganz hinten im publikum und langweilt sich ein bisschen. auf die bühne kommt er laut programm leider nicht. es bleibt flauschig.

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sascha lobo

angesehen habe ich mir raul krauthausens vortrag (unterhaltsam, mitreissend, aha-effektiv), kixka nebraskas vortrag (nervös, aber oho, gut strukturiert, allerdings mit zwei keynote-effekten zu viel) und natürlich sascha lobos vortrag (viel ironischer, lustiger, geistreicher und ernsthafter als der tagesspiegel-liveblogger johannes schneider das beschreibt). die anderen tracks die ich mir angesehen habe waren teilweise so denglisch oder flauschig, dass ich sie bereits verdrängt habe.

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links vom 01.05.2012

felix schwenzel,    

meine lieblingstweets im april

felix schwenzel,    

Was passiert, wenn man einen Fernsehscheinwerfer am Südpol aufstellt? Eine Weile nichts. Dann kommt Günter Grass.

@peterglaser

Peter Glaser

Ein Instagram sagt fast so viel wie ein Bild.

@bebal

bebal

Authentizität: Leiden derer, denen die Kraft fehlt, sich zu verstellen.

@silenttiffy

Roser Eule

Mit den neuen Laufschuhen ist jeder Schritt wie in Hundescheiße.

@bebal

bebal

@ heimat ist, wo die rechnungen ankommen.

@buschheuer

Else Buschheuer

Der junge Honecker sah also aus wie Oliver Pocher. Und ich dachte, die ähneln sich nur im Humorverständnis.

@Sebas_

Sebas

Hinter mir im Bus sitzt eine alte, betrunkene Frau, die unentwegt "Politiker sind Mörder" ruft. So sieht also ein Shitstorm in Echt aus.

@Wondergirl

Wondergirl

Ich esse Thunfisch nur, weil ich Delfine hasse.

@hoch21

Roman Held

Prenzlberg-Muttis und Schmerzensmänner sind auch nur so eine Erfindung der Kolumnistinnen-Industrie.

@bosch

bosch

Für jedes 'armes Deutschland' sollte man eine Steuer erheben, damit lässt sich sicher einiges sanieren.

@journelle

Journelle

Unbezahlbar: Wegbeschreibungen der Mutter.

@journelle

Journelle

"und in diesem haus hier wohnt übrigens dings" (mein mann hat mich gebeten, das zu twittern)

@schwadroneuse

schwadroneuse

URLAUB IN VERSALIEN

@ralfheimann

Ralf Heimann

Schnuppern am Ausgangsloch der Abzugshaube der Nachbarn. #postprivacy

@baranek

Dirk Baranek

Was sind das eigentlich für Leute, die bis um zwölf Bauernmarkt und Müllentsorgung schaffen? Haben die kein Socialmedialife?

@meersuppe

Sebastian Dickhaut

[automatisch generierte blackbird pie ansicht (fast) aller tweets, an die ich im april ein sternchen gemacht habe.]

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lieblingstweets teilweise hier, hier und hier geliehen.