spiegel gekauft

felix schwenzel,    

spiegel gekauft

mir fällt gar kein anderer grund ein, den spiegel zu kaufen, ausser im urlaub zu sein. so vorm oder im zelt sitzen und lesen ist fast so schön wie in der badewanne zu lesen.

möglicherweise ist das mit nem kindle oder nem ipad vorm zelt oder im zelt ähnlich toll, weiss ix aber nicht, weil ich sowas nicht habe.

wenn man in deutschland urlaub macht hat das den vorteil, dass man bei aldi einkaufen kann, aber auch den nachteil, das die sachen die man liest nassgeregnet werden können. da ist einem ein nassgeregneter spiegel natürlich lieber als ein nasses gadget. aber sauteuer isser andererseits auch, der spiegel.

und leider auch ziemlich unerträglich. ich hatte ganz vergessen wie pathetisch und überdreht der spiegel schreibt, wie sehr sich die spiegel-autoren bemühen, aus platitüden reportage-material zu klöppeln: "Es ist schwer, aus dem Schatten eines großen Mannes herauszutreten [...]" -- "Es gibt kaum etwas, was eine Familie so vereint wie die Trauer [...]" -- warum muss der spiegel texte ausdekorieren, statt prägnant zum punkt zu kommen? beim lesen des spiegels hat man mitunter das gefühl, die autoren hätten ihren text gerne auch noch mit getragener streichmusik unterlegt.

am unerträglichsten ist aber die fräulein rottenmeier-haltung der autoren, bzw. der texte: wir sehen alles, wir wissen alles, widerspruch und zweifel sind keine option. oder vielleicht ist das unerträglichste am spiegel der ständige versuch zu suggerieren, dass die autoren immer dabei waren, hautnah und meistens im kopf der protagonisten. statt authentizitäts-simulation wäre mir etwas distanz, von mir aus auch sarkastische oder überhebliche distanz lieber.

oder - aber das wäre wohl wirklich zu viel verlangt - wie wärs mal mit ein bisschen demut, von mir aus auch nur als attitüde?

links vom 08.07.2011

felix schwenzel,    

* thedailyshow.com: Louis C.K.
louis c.k. erklärt bei jon stewart die anatomie von fürzen und die anatomie von furz-witzen: »you don't have to be smart to laugh at farts, but you have to be stupid not to.« lange nicht mehr so gelacht.

* huckbook.de: Meine Meinung zu meiner Meinung
grandiose überschrift. und man soll sich mal ne scheibe von mir abschneiden, fordert der herr haas.

* howtobearetronaut.com: Post War American Bars, Cafés and Restaurants
tolle fotos von bars und restaurants aus dem nachkriegs-amerika. wenn ich eine bar einrichten sollte, sähe sie aus wie auf em zweiten foto. grossartige fotos.

* spiegel.de: China-Dissident Liao: "Ich lebte wie ein Hund"
der chinesische autor liao yiwu über seine zeit in chinesischen gefängnissen. nebenbei erfährt man, dass es leute gibt, die sich über raubkopien ihrer bücher freuen: »Ich gehört habe, stehen meine Bücher auf Platz drei der Liste der erfolgreichsten raubkopierten Bücher in China - das ist mein Beitrag für mein Land. Bei uns sagt man, ein Schriftsteller muss drei Dinge besitzen: Eine Scheidungsurkunde, einen Entlassungsschein aus dem Gefängnis und einen Durchsuchungsbefehl, dann ist er ein guter Schriftsteller.«

zahlt die dapd auch honorare an affen?

felix schwenzel,    

gerade hab ich mich gefragt, wer wohl das urheberrecht an einem foto haben könnte, das ein affe aufgenommen hat, jetzt sehe ich, ich war nicht der einzige: jason kottke fragt: „Who owns the copyright on a photo taken by a monkey?

im sinne des gesetzes derjenige, der das foto macht. das hält die presseagentur „Caters News Agency“ offenbar nicht davon ab, von affen erstellte fotos zu lizensieren und das copyright dafür in anspruch zu nehmen (via).

interessanterweise lizensiert auch die dapd, bzw. das bildarchiv der dapd-schwesterfirma, ddp images gmbh, einige der bilder, deren urheberrecht streng genommen bei einem wildlebenden affen liegt.

ddp images suche nach „affen“

laut dapd-pressesprecher wolfgang zehrt, legt die dapd grössten wert darauf im sinne ihrer fotografen anständige honorare einzufordern. die frage ist nur, wie bezahlt die dapd den fotografen dieses bildes, einen affen?

vermutlich macht man sich bei der dapd keine allzugrossen gedanken darum, denn nach eigenem bekunden hat man dort ja effektive automatische verfahren, die sich um solche komplizierten rechtlichen fragen und das geld kümmern.

aber mal im ernst. das mit dem urheberrecht ist ein bisschen komplizierter als uns politiker, leistungsschutzrechtebefürworter oder sprecher von wirtschaftunternehmen, die vorgeben nichts als das wohl der von ihnen vertretenen urhebern im sinne zu haben, weiszumachen versuchen.

knapp 400 treffer zeigt die google bildersuche für das motiv. ein gefundenes fressen für die dapd-abmahnmaschine. wahrscheinlich ist es nur noch eine frage der zeit, bis rené von der dapd abgemahnt wird, weil er das urheberrecht eines affen verletzt hat, der seine verwertungsrechte an die dapd abgegeben hat.

und was sagt die peta dazu?

* * *

eine diskussion zum thema gibts auf google+ und auf die frage nach dem urheberrecht von affen-fotos, ist auch hadmut danisch gekommen.

und: trotz des expliziten wunsches eines lesers mich nicht mehr zu verlinken weil ich kaum grossbuchstaben verwende, verlinkt mich das bildblog heute schon wieder.

* * *

[nachtrag 08.07.2011, 12:04]
um der dapd, bzw. dem ddp-bilderdienst etwas gerechtigkeit zukommen zu lassen, im beschreibungstext der von ihnen angebotenen bilder steht natürlich auch, dass der fotograf des bildes ein affe war und auch wenn die bildsuchmaschine ein ddpimages-©-wasserzeichen auf das affenbild flanscht, masst sich ddpimages natürlich keine urheberrechte an dem bild an. und zur verwertung, bzw. lizensierung steht das bild nur tageszeitungen und deren websites zur verfügung (die eine pauschale zahlen), man kann das bild also nicht bei ddpimages „kaufen“. und da ddpimages keine weitergehenden rechte an den bildern hat, würden sie die verwendung dieser bilder auch nicht abmahnen können und wollen (hat mir ein freundlicher bildverläufer bei ddpimages gesagt).

ob man es bei anmial-press kaufen kann oder ob es dort auch nur tageszeitungen zur verfügung steht, weiss ich nicht. zumindest bittet man bei anmimal-press um einen „einzigartigen“ fotovermerk:

So haben wir den bisher einzigartigen Fall, das wir um den folgenden Fotovermerk bitten: Ein wilder Affe, animal.press, caters s01408

wenn schon kein honorar, zumindest bekommt der affe also seinen fotoverweis.

und, letzte anmerkung: ganz ernst ist dieser artikel natürlich nicht gemeint. aber auch nicht ganz unernst. denn auch wenn klar ist, dass ein fotograf der tagelang im indonesischen dschungel rumstapft und mit affen umherzieht natürlich verwertungsrechte an fotos die er mit nachhause bringt hat, bleiben doch zumindest ein paar philosophische oder pseudorechtliche fragen nach der schöpfungshöhe, dem wahren fotografen, dem urheber, schöpfer und dem gerechten affen-honorar.

* * *

[nachtrag 14.07.2011]
die agentur caters news hat techdirt gebeten die fotos des affen zu entfernen: „Monkeys Don't Do Fair Use; News Agency Tells Techdirt To Remove Photos“.

techdirt weigert sich die fotos zu entfernen und argumentiert, dass die fotos gemeinfrei seien.

ich bleibe dabei, die fragen die sich hier zum urheberrecht ergeben sind keinesfalls pillepalle oder glasklar zu beantworten.

links vom 07.07.2011

felix schwenzel,    

* wortfeld.de: Gib mir ein B! | Eine kleine Erinnerung an Blogger.com.
hach.

* scienceblogs.de: "Sie haben mich sicher nicht wegen meines Doktortitels gewählt"
florian freistetter regt sich über politiker-reaktionen auf den entzug von doktor-titeln auf: »Ein Doktortitel macht sich gut auf der Visitenkarte? Also studieren wir halt ein bissel und wenn die Zeit nicht reicht, dann schreiben wir einfach ab, was soll schon passieren. Und wenn doch was passiert: Ups. Geben wir den Titel halt wieder zurück, so wichtig war es eh nicht.«

* kottke.org: Monkey self-portraits
jason kottke: »I think that is my new favorite photo by my new favorite photographer.«

aber mal im ernst: wer hat den die urheber- und verwertungsrechte an den selbstportraits? der affe? der fotograf? und warum?

* katrinschuster.de: Was im Busch ist
ja, die frau hat recht: »Die Kritik versteckt meiner Meinung nach deutlich weniger Dinge hinterm Busch, um sie dort wieder zu suchen und dann auch zu finden, als der so genannte Nachrichtenjournalismus.« (katrin schuster hab ich gleich mal abonniert)
/via bildblog.de

lobolob

felix schwenzel,    

sascha lobo

sascha lobo hat diese woche wieder eine ziemlich gute kolumne für spiegel online geschrieben in der er die unterschiede zwischen facebook und google+ auf den punkt bringt:

Die Urfrage von Facebook, die jeder Nutzer durch seine Aktivitäten fortwährend beantwortet, lautet: Wer bist Du? Die Urfrage von Google+ lautet: Was interessiert Dich?

sehr lesenswert, vor allem da sascha lobo sich nicht nur auf die unterschiede von facebook und google+ beschränkt und auch wieder einen neologismus fallen lässt (google buzz sei „unterglückt“), sondern auch, weil er zum weiterdenken inspiriert.

eigentlich hätte ich noch lieber als sascha lobos artikel zu verlinken, diesen kommentarstrang verlinkt. der ist aber nur eingeschränkt von „aussen“, also ohne google-plus-konto sichtbar. dort hatte björn sievers den spon-artikel von sascha lobo mit 82 followern „geteilt“ und einige neue lobo-fans zum outen kommentieren gebracht (ich bin ja schon länger bekennender lobo-fan):

mirko lange:

Er ist keinesfalls der Blender, für den ihn manche halten mögen. Wie ich gerade andernorts sagte: Ich weiß, ich kann ihm nicht das Wasser reichen, obwohl unsere Arbeitsfelder ähnlich sind. Und das gestehe ich mir nicht oft ein. Da bleibt nur: Fan werden ;-)

olaf kolbrück:

Nachdem ich bis heute nur den groben Gedanken hatte, wie sehr genau Verlage sich Google+ mal ansehen sollten, weil da jede bisherige Leistungsschutzrecht-Debatte wie ein Diskurs über Flitzebögen wirkt, wenn plötzlich eine Kanone auf dem Platz steht, stelle ich mit großer Bewunderung fest, dass @saschalobo schon alles umrissen hat.

fefe ist auch seit dem april 2011 lobo fan:

Ich habe mich z.B. in Sascha Lobo echt geirrt, habe ich in letzter Zeit festgestellt. Den habe ich lange für einen Marketing-Popanz gehalten, der da Aufmerksamkeit um jeden Preis wollte, aber wenn man mal hinhört, was der in letzter Zeit so in Talkshows gesagt und in seiner Spiegel-Kolumne geschrieben hat, das war gut.

ich frage mich, wie kann man sascha eigentlich nicht mögen?

bitte haben sie verständnis dafür, dass wir sie abmahnen mussten

felix schwenzel,    

wolfgang zehrt, pressesprecher der nachrichtenagentur dapd hat unter dem artikel von thomas cloer, in dem er beschreibt, wie er offensichtlich zu unrecht von der dapd wegen einer urheberrechtverletzung abgemahnt wurde, kommentiert (siehe auch was ix zur abmahnung schrob). wolfgang zehrt schreibt, dass die dapd „im Sinne der Fotografen und der zahlenden Kunden“ herausfinden „müsse“, ob deren fotos unentgeldlich „werblich oder geschäftlich (!) benutzt“ würden und entsprechend dagegen vorgehen müsse. das ist verständlich. dapd hat das recht zu bestimmen für wieviel geld und von wem die fotos ihrer fotografen verwendet werden sollen. wer würde das ernsthaft in frage stellen?

wolfgang zehrt meint auch, dass es angesichts der masse von fotos die dapd täglich herausgibt, sehr schwer sei den überblick zu wahren. und weil es nahezu unmöglich sei, „von Hand jeden Monat die Verwendung von etwa 50.000 Bilder[n] im Internet“ zu prüfen, müsse man das automatisiert prüfen. auch dafür könnte man verständnis aufbringen.

warum man aber verständnis dafür aufbringen sollte, dass dapd offenbar wiederholt selbst das urheberrecht bricht, indem es werke dritter als die eigenen ausgibt und für deren verwendung geld verlangt, ist mir schleierhaft. wolfgang zehrt verniedlicht das als „fehler“, die „abundzu“ passierten.

erstens wäre es interessant, ob die dapd das argument von fehlern die „abundzu“ passieren, auch bei zu recht abgemahnten gelten lässt. ach sie haben unser bild ausversehen, wegen eines bedauerlichen fehlers werblich oder geschäflich benutzt? dafür haben wir verständnis, uns passieren auch fehler. vermutlich sieht die dapd fehler anderer, im sinne „der Fotografen und der zahlenden Kunden“, nicht so locker.

zweitens wäre es interessant zu erfahren warum die dapd es bei der verfolgung von rechtsbrüchen in kauf nimmt, selbst das recht zu brechen, weil das verfahren das sie gewählt hat nicht richtig funktioniert.

was soll man von einem fahrradverleih halten, der willkürlich ausgewählte fahrradfahrer auf der strasse des diebstahls bezichtigt und von grossen, muskelbepackten männern bedrohen lässt, die guten argumenten oder einer sachlichen diskussion nicht zugänglich sind? laut wolfgang zehrt kein problem, in diesem fall könne man einfach eine email an ihn schreiben und er würde die bedrohlichen männer dann zurückpfeifen. (zehrt sagt tatsächlich, man solle ihm persönlich eine email schreiben, wenn man das gefühl habe, die dapd werfe einem „zu Unrecht eine Urheberrechtsverletzung vor“.)

wolfgang zehrt plädiert dafür, für die von der dapd gewählte form der selbstjustiz verständnis aufzubringen. es hat durchaus etwas irrsinniges, dass der dapd-sprecher glaubt, dass die verfolgung unschuldiger und die anmassung von urheberrechten dritter für ihre gerechte sache in kauf zu nehmen ist, nur weil der bedauerlicherweise kein zuverlässig funktionierendes verfahren zur verfügung steht.

aber das unverfrorenste an der ganzen sache ist, dass der pressesprecher der dapd verständnis für diese form der willkür verlangt, ihm in seinem kommentar bei thomas cloer aber nicht mal der hauch einer entschuldigung über die lippen kommt. in der politik nennt man soetwas die arroganz der macht. ich nenne es im fall der dapd einfach mal hochmut und heulsusentum auf sehr hohem niveau.

liebe dapd, lieber wolfgang zehrt, bitte haben sie verständnis dafür, dass ich für ihr fehlerbehaftetes automatisiertes verfahren urheberrechtsverletzungen zu ahnden nichts als unverständnis aufbringen kann und ihren umgang mit fehlern extrem fragwürdig finde.