typografische witze

felix schwenzel,    

in aller bescheidenheit beschränktheit kenne ich nur vier (einigermassen) gute typografische witze und drei davon sind von mir (eins, zwei, drei). der vierte ist nicht von mir (und auch nicht von peter glaser), dafür aber auch der beste: „I shot the serif“:

I shot the serif

wer kennt noch typografische witze? oder heisst es typografiewitze? oder witze über buchstaben?

[nachtrag aus den kommentaren]

kontrollfreaks

felix schwenzel,    

die verleger jammern mal wieder.

der satz oben ist nicht ganz korrekt, denn die verlage jammern seit jahren pausenlos. mal ist es die kostenloskultur, die die zeitungs-kultur zerstört (wegen irgendeines geburtsfehlers), mal die suchmaschinen die sich parasitär an den von verlegern geschaffenen inhalten bereichern, dann ist es der staat, der droht die privatsphäre seiner bürger besser zu schützen und beispielsweise den adresshandel einschränken will und damit die pressefreiheit bedroht, dann mal wieder das internet als ganzes, dass es hinz und kunz erlaubt sachen anzubieten und zu kaufen ohne auf die dienstleistungen von zeitungen zurückgreifen zu müssen. es ist, als ob die ganze welt sich gegen die verleger verschworen hätte.

doch dann, vor nicht einmal einem jahr, leuchtete ein hoffnungsschimmer auf. steve jobs erfindet das ipad, ein tablet das erstaunlicherweise einfach mal so funktioniert und eng mit dem apple-eigenen app-ökosystem verbunden ist, das bereits vom iphone her bekannt ist, gewissen qualitätsstandards folgt und das viele menschen lieben, weil es eben einfach funktioniert, mit betonung auf „einfach“.

die verleger sehen eine chance. ein geschlossenes, kontrolliertes system in dem nicht wie im www relative anarchie herrscht, wo jeder anbieten kann was er will, sondern wo, wie in anständigen redaktionen, auf die qualität geachtet wird. kontrolle! darauf fahren verleger ab!

dass das mit der kontrolle bei apple, genau wie in den meisten redaktionen, nicht immer so toll funktioniert, dass manchmal auch schrott durchrutscht, manchmal ganz tolle sachen aus unerfindlichen gründen ausgesperrt werden und eben vor allem nicht einfach hinz und kunz mitmachen können, sondern nur leute die eintritt zahlen und sich an bestimmte regeln halten, auf ihr äusseres achten und titten und ärsche zensieren, damit können sich die verleger arrangieren. sie finden das geschlossene, kontrollierte system toll, vor allem weil man offensichtlich richtig viel geld damit verdienen kann.

mathias döpfner, der chef des springer-verlags, möchte gar niederknien vor dem schöpfer dieses geschlossenen systems, so begeistert ist er vom konzept:

Jeder Verleger der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet", sagte der Springer-CEO in einem Fernsehinterview mit dem US-Journalisten Charlie Rose. "Das iPad bringt das, auf das wir alle gewartet haben."
[…]
Das "coole Gerät" sei "einfach zu benutzen" und der Preis sei massenmarkttauglich. Aus Verlegersicht besonders wichtig ist das einfache und bereits etablierte Bezahlmodell.

toll. nix wie rein da, mal eben ein paar millionen reininvestieren. das war vor nicht mal einem jahr.

jetzt sagt VDZ-geschäftsführer wolfgang fürstner, das sprachrohr der deutschen verleger, dass apple die spielregeln ändere und plötzlich keine stabilen vertragsbedingungen für die verleger anbiete. wohlgemerkt, es geht um das ipad, ein gerät, dass noch kein jahr auf dem markt ist und das nicht wie ein blatt papier so ist wie es ist, sondern ständig weiterentwickelt und verbessert wird.

im september letzten jahres, also vor etwa vier monaten, hat apple mit dem 4er iOS-betriebssystem die möglichkeit geschaffen, dass ipad oder iphone-benutzer in dafür angepassten apps einkäufe durchführen können. so können besitzer einer kostenlosen zeitschriften-app in der app eine neue ausgabe kaufen. oder spieler können sich neue level oder werkzeuge freischalten. oder was weiss ich. von anfang an hiess es dazu in den AGBs:

Apps utilizing a system other than the In App Purchase API (IAP) to purchase content, functionality, or services in an app will be rejected.

mit anderen worten, im vertrag den jeder app-entwickler mit apple abschliesst steht drin, dass der entwickler ausserhalb der app keine inhalte für die app verkaufen darf, sofern er diese möglichkeit nicht auch in der app bietet. dass apple diese vertragsklausel in den letzten letzten 4 monaten nicht durchgesetzt hat, ist eine andere sache. im vertrag stehts drin.

jetzt jammern die verleger, dass apple auf seinen eigenen regeln besteht und diese künftig durchsetzen will. „instabile vertragsbedingunegen“, man fühlt sich betrogen und die pressfreiheit ist plötzlich wieder in gefahr.

ich frage mich, lesen verleger die verträge die sie abschliessen vor dem abschluss nicht durch? investieren verleger millionen in systeme, ohne die verträge wasserdicht zu machen? reden die überhaupt mit ihren geschäftspartnern? und vor allem, verstehen verleger nicht den sinn von geschlossenen, kontrollierten, fremdbestimmten systemen?

mir kommt das so ein bisschen vor, als ob die verleger sich in einen zug nach hamburg setzen und auf halben weg, wenn sich zeigt dass der zug wirklich nach hamburg fährt, merken dass münchen auch ne schöne stadt ist. die verleger erinnern sich dann an ihren gesellschaftlichen auftrag und die pressefreiheit und schnauzen den zugchef an, bestehen darauf nach münchen zu fahren und in die lok wollen sie auch, wegen der pressefreiheit.

ist das denn so schwer zu begreifen? wer sich in ein geschlossenes, kontrolliertes system, wie ein flugzeug, einen zug oder den apple-app-store begibt (was ja durchaus vorteile haben kann, man kommt zuverlässig von a nach b, man kann für sachen geld verlangen, die sonst kein arsch bezahlen würde), ist man dazu verdammt nach den regeln dieses systems zu agieren — oder das system zu verlassen.

die verleger wollen (oder können) keine züge kaufen (zu teuer, zu wartungsintensiv, zu kompliziert, zu risikoreich), wollen aber trotzdem lokführer spielen. die verleger wollen dass alle anderen sich an die anweisungen des piloten halten, sie selbst wollen aber gerne die durchsagen schreiben und aufsagen und ausserdem die flugroute mitbestimmen.

der grösste witz an der ganzen sache ist ja, dass die verleger rumbehaupten dass alles im sinne ihrer leser zu tun. dass sie die interessen, adressen oder telefonnummern ihrer leser benötigten um ihnen ein adequates lesevergnügen zu bieten. sie behaupten, dass es im interesse des lesers ist, sich abos auf komplizierten, selbst zusammengedengelten verleger-webseiten zu kaufen, statt es sich mit einem klick in einer app zu besorgen. sie glauben, dass es im interesse der leser ist, sie nach der kündigung eines abos anzurufen oder sich per post an sie ranzuwanzen und zu fragen ob sie nicht vielleicht doch wieder ein abo abschliessen wollten. verleger tun so, als ob ihre leser es knorke fänden, wenn verlage mit ihren adressen handel betreiben und sie über interessante preisausschreiben informieren.

verleger stemmen sich mit aller kraft gegen drei hauptströmungen die das internet vorantreibt: einfachheit, offenheit und kundenorientierung.

sie leiden unter kontrollwahn und lieben es die fakten mit ihren krokodilstränen zu verwischen. interessanterweise verbietet apple den verlagen keinesfalls ihre abos auch über ihre eigenen systeme zu verkaufen. apple verpflichtet sie lediglich dazu, wenn sie das tun wollen, auch die in-app kauf-alternative anzubieten. dass sie mit ihrem datenhunger und hochkomplizierten bestellsytemen gegen die unkomplizierte einklick-abo-variante von apple nicht anstinken können ist den verlegern wohl klar. deshalb entscheiden sie sich wohl demnächst in eigener sache kräftig gegen apple zu trommeln und hier und da ein paar tatsachen zu verdrehen. es geht ja ums ganze, um pressefreiheit, adresshandel, und die eigene rendite. die verleger haben sich jetzt sogar überlegt, dass man mal mit apple reden könnte:

Wir stehen erst am Anfang des Dialogs mit Apple. Wir wollen daher nicht mit prozessualen Möglichkeiten drohen. Solange wir einen fairen Interessenausgleich erzielen können, stehen politische und rechtliche Möglichkeiten nicht auf der Tagesordnung. Das ist für uns klar. Wir befinden uns am Beginn einer neuen Wirtschaftsordnung, die auch mittelständischen Verlagen Beteiligung am Wettbewerb und Marktzugang ermöglichen muss. Wenn das nicht möglich ist, ist die Politik aufgerufen, einen neuen Ordnungsrahmen zu schaffen.

übersetzt steht da: wir haben bisher nicht mit apple geredet, weil wir davon ausgingen, dass apple auf uns zukommt und uns mit kleinen präsenten begrüsst. schliesslich wäre das ipad ohne die verleger nie zu einem solchen erfolg geworden. wir verleger sind unfassbar wichtig für das gemeinwohl. wenn apple jetzt allerdings nicht nach unserer pfeife tanzt, lassen wir unsere anwälte und unsere lobbyisten von der kette. wohin das führt, wenn wir unseren publizistischen und politischen einfluss spielen lassen, davon kann google ja schon ein lied singen.

* * *

vieles was apple macht, mag ich nicht. ich habe kein iphone und kein ipad, unter anderem weil mir das konzept von geschlossenen systemen unwohlsein bereitet. ich habe zwar ein macbook, fühle mich aber mit dem teil nicht eingeschlossen oder in meinen optionen nicht eingeschränkt. ich kann kommandozeilen-tools benutzen, DVDs oder CDs rippen, wenn ich wollte und alles was je ein entwickler für os x entwickelt hat installieren und ausführen. genauso wie auf meinem pre. der liess sich mit einem einfachen konami-code rooten, wenn es genügend entwickler gäbe, könnte ich all deren software auf meinem pre installieren, ohne dass palm oder jetzt HP die software erst prüfen müsste.

ich mag es, mir einbilden zu können, dass ich machen kann was ich will. ich mag es weniger, in meinen optionen eingeschränkt zu sein.

rivva

felix schwenzel,    

das tolle an rivva waren gar nicht die stories die es oben, oder auf der startseite, anzeigte, sondern die links drunter, die meta-ebene, wer was über die stories sagte die nach oben schwommen.

nicht die dinge die oben schwammen waren das wirklich interessante, sondern die, die es zum schwimmen brachten. das war die magie von rivva. und das ist der wahre verlust. das salz. rivva hat das salz des ozeans der information sichtbar gemacht. jetzt sieht man das salz nicht mehr, sondern schmeckt es nur noch. schade.

apropos oben schwimmen, apropos pathos und poesie. mein liebster satzfetzen den ich jemals am anfang eines romans las lautet: „sorrow floats“. und „sorrow“ war ein furzender hund.

suchmaschinen-spam mit airbag

felix schwenzel,    

in meinem vorherigen artikel habe ich ja behauptet, dass spiegel-online links verkauft und damit das suchmaschinen-ranking der verlinkten site erhöht. frank patalong, leiter des netzwelt-ressorts bei spiegel-online, stellte das in dem artikel den ix kritisierte lediglich als eine „weit verbreitete Praxis“ in der „Blog-Szene“ dar, und vergass zu erwähnen, dass es ebenfalls eine weit verbreitete praxis im gesamten internet und insbesondere auch auf webseiten grosser medienhäuser und eben spiegel-online ist. christoph kappes wollte das in einem kommentar bei mir gerne differenzieren:

Die beiden Fälle sind unterschiedlich, weil in einem Falle die Suchmaschine "getäuscht" wird. In anderem Fall bilden die Links die wirtschaftliche Kooperation ab.

ich sehe das nicht so. suchmaschinen (so sehen die das zumindest) werden in jedem fall von bezahlten links getäuscht. egal ob das blogger machen oder, beispielsweise, spiegel-online. egal ob werbung drübersteht oder nicht.

googles sicht ist da ganz einfach:

Search engine guidelines require machine-readable disclosure of paid links in the same way that consumers online and offline appreciate disclosure of paid relationships (for example, a full-page newspaper ad may be headed by the word "Advertisement")

auf deutsch: bezahlte links müssen maschinenlesabr gekennzeichnet werden. man markiert bezahlte links mit dem rel="nofollow" attribut.

spiegel-online macht das nicht, was auch verständlich ist, denn sonst würden die werbetreibenden, bzw. link-käufer natürlich weniger bezahlen. einerseits sorgt spiegel-online durch „kooperationsseiten“ wie dieser natürlich für einen transfer von traffic und kunden zum partner. aber eben auch google-juice wird transferiert, also, in patalongs worten, spiegel-online trägt dazu bei „das Ranking dieser Webseiten in den Listen der Suchmaschinen zu verbessern“.

parship.spiegel.de

wirft man einen blick auf den quelltext der parship-werbeseite bei spiegel-online, findet man zunächst tatsächlich mehrere links zu parship.de. unter anderem diesen:

links ohne nofollow

kein nofollow-attribut, ein klarer verstoss gegen die suchmaschinen-regeln. spiegel-online oder parship verstehen aber ihr geschäft. damit die parship.spiegel.de-seite nicht in den google suchergebnissemn auftaucht, wurde noch ein canonical-link hinzugefügt:

canonical-link bei parship.spiegel.de

damit kann man suchmaschinen auf doppelt vorhandene inhalte hinweisen („duplicate content“), dass heisst, die parship.spiegel.de-seite wird von google ignoriert, weil die spiegel-seite sagt, dass das original bei parship.de liegt. das funktioniert ganz gut:

google findet parship.spiegel.de nicht

damit ist die spiegel-parship-seite in den suchergebissen unsichtbar, der google-juice der spiegel-domain wird aber weitergegeben.

ich bin kein allzugrosser SEO-experte und die wege von google sind sowieso unergründlich. es kann also durchaus sein, dass das canonical-attribut so wirkt, dass die seite parship-spiegel.de den suchmaschinen-richtlinien entspricht, der offiziellen dokumentation und regeln von google ist das aber so nicht zu entnehmen.

zumal spiegel-online auch „partner“-seiten hat wie diese, auf denen das canonical-attribut nicht verwendet wird und die links ebensowenig mit „nofollow“ gekennzeichnet sind.

tatsache ist: spiegel-online verkauft links und kennzeichnet diese nicht wie von suchmaschinen gefordert als bezahlte links. aus googles sicht ist das klares suchmaschinen-spamming. möglicherweise ist das auch der grund für die subdomains auf denen spiegel-online dieses spielchen spielt: um die cashcow-domain spiegel.de mit einem pagerank 8 vor einer möglichen abwertung zu schützen. suchmaschinen-spam mit airbag eben.

übrigens, robert basic sah das vor drei jahren anders. den lesern gegenüber achtet er auf grösste transparenz und offenlegung, gegenüber google aber nicht. also keine maschinenlesabare offenlegung, dass die links bezahlt sind mittels „nofollow“. warum?

Annahme: Ich verkaufe Paid Links, siehe Sidebar rechts unten. Das mag Google nicht leiden. Und ich mag Google nicht leiden, die sich null kooperativ zeigen, Argumente dazu habe ich durchgekaut, alter Hut. Kurzum: Ich sehe es nicht ein, warum wir für Google die Drecksarbeit machen, dafür letztlich nur ein bescheidenes Suchranking “geschenkt” bekommen, Google aber Milliarden nicht zu einem geringen Anteil durch unsere Arbeit einsackt.

basic legt lobenswerterweise grossen wert auf transparenz. wenn er wirbt oder geschäfte macht, sagt er was er tut. auch beim verkauf von links tut er das. meiner meinung nach (wenn das oben noch seine meinung ist), täuscht er mit dieser haltung zwar nicht seine leser, wenn die den „anzeige“-text sehen, dafür aber suchmaschinenbenutzer, die dann durch gekaufte links manipulierte schergebnisse zu sehen bekommen.

da christoph kappes den artikel angeregt hat, hier gleich noch seine anmerkung zu meinem hinweis, dass spiegel-online auch (wie angeblich auch die „blogs-zene“) google-juice weitergibt:

»Primaerabsicht bei SpOn ist Traffic/Umsatz "vornherum" & Google-Juice "hinten" nur Seiteneffekt«

patalong im glashaus

felix schwenzel,    

frank patalong, eine wie sascha pallenberg kürzlich meinte, „technische Flachpfeife“, der das netzwelt-ressort von spiegel online verantwortet, schrieb heute den wahrscheinlich beklopptesten artikel seiner karriere.

den artikel schrob er er auf eine seite, auf der es unten von bezahlten und kryptisch als „Serviceangebote von SPIEGEL-ONLINE-Partnern“ gekennzeichneten spam werbelinks wimmelt (kleine auswahl: routenplaner, „Ein Service von Navteq“, arztsuche, „Ein Angebot von imedo.de“, jobsuche, „Ein Service von Monster.de“). patalong:

Seine angekündigte und inzwischen erfolgte Skandal-Veröffentlichung bezieht sich auf eine in der Blog-Szene weit verbreitete Praxis, den sogenannten bezahlten Backlink […]. Dabei kassieren Blogger in der Regel kleine Summen dafür, bestimmte Webseiten in ihren Blogs zu verlinken und so dazu beizutragen, das Ranking dieser Webseiten in den Listen der Suchmaschinen zu verbessern. Denn Teil der Suchlogik von Crawler-Suchmaschinen wie Google ist das Prinzip: je mehr Links dorthin, desto wichtiger die Seite".

der spiegel macht nichts anderes. bezahlte backlinks, teilweise getarnt durch sub-domains wie spiegel.monster.de, manchmal aber auch monster.spiegel.de, en masse, auf jeder einzelnen redaktionellen seite. das ist nicht ungewöhnlich, denn diese praxis ist in der medienszene weit verbreitet. die welt.de machts, die zeit.de machts — alle machen es. dabei kassieren die onlineautritte der medienhäuser in der regel grössere summen dafür, das ranking dieser webseiten in den listen der suchmaschinen zu verbessern. vor nicht allzulanger zeit wurde der pagerank diverser webseiten dafür von google massiv zurückgesetzt, weil google diese art der werbung als spam und suchmaschinenmanipulation sieht.

aber immerhin ist patalong auch ansatzweise selbstkritisch:

Die Steigerung dieses Prinzips ist die so genannte Pre-Sell-Page. Sie ist eine quasi eingeschleuste Seite eines Werbekunden in den redaktionellen Kontext eines Blogs - so wie die Sonderbeilage der Zeitung zum Thema "Autofrühling". Das ist okay, solange "Werbung" darübersteht.

beim spiegel steht „Serviceangebote“ drüber oder „Winterreifenspecial“. ist das okay?

patalong scheint an einer art offenlegungsallergie zu leiden. aber er hat nicht nur den finger in der nase, während er das nasenbohren kritisiert, er lässt auch andere das sagen, was er gerne selbst sagen würde, weil er aus journalistischen gründen um objektiv zu wirken, das nicht selbst sagen kann:

Ein von uns kontaktierter Blogger wollte dazu öffentlich nichts sagen, um sich nicht mit dem als konfliktfreudig bekannten "Disser" Pallenberg anzulegen.

na gut, muss er ja nicht verraten, dass pallenberg ihn verletzt hat. trotzdem liest sich dass jetzt wie eine billige retourkutsche und ein beleidigtes abwatschen, weil pallenberg nicht mit patalong sprechen wollte:

Die 'Qualitaet' des Contents (von SPIEGEL ONLINE, Red.) laesst mich einfach nicht ueber meinen Schatten springen, um sie bei ihrer Recherche auch nur annaehernd zu unterstuetzen.

also flott unter die fussmatte gucken, um zu sehen, ob da vielleicht etwas dreck liegt:

Uns lagen Informationen vor, dass Pallenbergs Motive nicht ganz uneigennützig sein könnten.

natürlich! pallenberg bettelt, ganz eigennützig, um aufmerksamkeit und anerkennung. wie jeder journalist das auch tut. und ja, er stellt sich im vorfeld ungeschickt, grosskotzig und unproffesionell an, wie er mittlerweile selbst einräumt. aber oh schreck! es „rumort in Bloggerkreisen“! patalong raunt: eine kampagne, gegen einen wettbewerber könnte das ganze sein! und pallenberg sitzt laut patalong im glashaus, weil er selber links zu unternehmen setzt, google-anzeigen einbindet, „in denen die Produkte, über die er schreibt, beworben werden“, gewinnspiele veranstaltet und affiliate-werbung macht. alles dinge die das glashaus, in dem patalong sitzt und schreibt, natürlich niemals machen würde.

ach je, ich habe pillepallenberg (sorry) auch ans bein gepinkelt, weil ich genervt war von seinem tschaka-getue und seinen aufgeblasenen ankündigungen und seinem ungeschickten gezappel. aber so eine billige retourkutsche, ohne jede selbstreflektion und eleganz ist nochmal ne nummer peinlicher. ich plädiere für eine strafversetzung von patalong zu onlinekosten.de.

allein für diesen satz, sollte patalong bei der wortspielpolizei angeklagt werden und zur strafe sechs wolf schneider bücher lesen:

Doch ist das wirklich ein Skandal?
Wenn, dann ist wäre es ein szeneweiter, denn natürlich sind die Zeiten der unbefleckten Informationsempfängnis auch in Blogginghausen lange Zeit vorbei.

ich glaube ernsthaft, dass ein schwachsinnigerer satz inhaltlich, wie sprachlich, noch nie gesagt wurde.

tsunamis sind auch nicht mehr das was sie mal waren

felix schwenzel,    

netbooknews.de: Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam

das ist ein lauer furz, kein tsunami, und schon gar kein ultimativer. hier sieht man deutlich, was für ein aufgeblasener tschka-fatzke und journalistendarsteller sascha pallenberg ist, wenn man bedenkt, was er im vorfeld für einen wind um diesen lauen furz gemacht hat. dass basicthinking und onlinekosten.de auf ihrem verzweifelten monetarisierungsweg sich schon lange in eine öde-popöde-gasse manövriert haben, erkennt eine flügellahme taube auf den ersten blick. wer gesteht dem content-, linkbait- und werbequark auf basicthinking.de oder onlinekosten.de auch nur ein quentchen glaubwürdigkeit zu? ausser leuten die sch zum beispiel auch musicals angucken?

„tsunami“. tz.

oder kann mir mal jemand erklären, wo genau die brisanz von pallenbergs „enthüllungen“ steckt? und was enthüllt pallenberg demnächst? eine enthüllung die die medienwelt erschüttern wird? kai diekmann pinkelt im stehen?

[via]

[nachtrag 28.01.2010]
ah. sascha pallenberg rudert kräftig zurück und distanziert sich von seinem verbal-tschaka-grossankündigungs-gedöns:

Ja, ich habe offenbar zu heftig getrommelt und muss nun damit leben, dass mir aus dem Tsunami ein Wellchen in einem Tuempel gemacht wird. Ich haette da professioneller agieren und gewisse Begrifflichkeiten vermeiden sollen. Das war nicht richtig und die Konsequenzen trage ich nun. [quelle]

sind deutsche reeder piraten?

felix schwenzel,    

fragt jens berger in der telepolis.

ich habe mich vor zwei jahren schonmal über deutsche reeder furchtbar aufgeregt die einerseits einen grossteil ihrer flotte aus steuergründen ausflaggen, also unter der flagge von beispielsweise karibischen inselstaaten fahren lassen und andererseits von der politik regelmässig fordern, diese ausgeflaggten schiffe von der marine oder bundespolizei vor piratenangriffen beschützen zu lassen (PDF-pressemitteilung des verbands deutscher reeder vom oktober 2010, gleichlautende forderung in der frankfurter rundschau von januar 2011, tagesspiegel zum thema im dezember 2008).

in der telepolis schreibt jens berger jetzt etwas ausführlicher zum thema. der artikel wirkt, zumindest bei mir, wie ein brechmittel und zeigt deutlich und detailiert, wie deutsche reeder völlig ungeniert gewinne durch steuerflucht und steuertricks privatisieren, aber die risiken und die übernahme der kosten dafür vergesellschaften und dem steuerzahler aufdrücken wollen.

jens berger:

Die Forderung der deutschen Reeder, ihre Schiffe künftig durch bewaffnete Polizisten oder Marinesoldaten an Bord absichern zu lassen, ist nicht nur realitätsfern, sondern auch unanständig. Es ist ja nicht nur so, dass die Reeder bereits bis zur Hutkrempe vom deutschen Steuerzahler subventioniert werden. Die Ausflaggung der Schiffe hat eine völkerrechtliche Situation geschaffen, die die Wünsche der Reeder ohnehin ad absurdum führt.

[…] Es stellt sich ohnehin die Frage, warum ein Staat eine bestimmte Branche auf Kosten der Arbeitnehmer und des Fiskus weiterhin in diesem absurden Maß unterstützen sollte. Doch das ist keine Thema der öffentlichen Diskussion. Vielleicht wäre zunächst zu klären, wer denn hier die Piraten sind.

[artikel komplett lesen]

republica 2021

felix schwenzel,    

als ich heute sascha lobos leser-wahl-vorschläge für seinen vortrag auf der republica gelesen habe, bin ix aus dem staunen nicht mehr rausgekommen.

nachdem jens scholz und ix letztes jahr die gleiche idee (jens, ix) für einen vortrag hatten („warum das internet scheisse ist“), hatten dieses jahr sascha lobo und ix die gleiche idee. OK. ich hatte nur eine idee, sascha hat drei. anfang januar hab ich meinen vorschlag eingereicht und kann damit reinen gewissens behaupten, mich bei der ideenfindung nicht an sascha lobo orientiert zu haben.

wenn ich allerdings das glück habe, dass erstens mein vortragsvorschlag von den republica-organisatoren angenommen wird, kann ich zweitens, wenn saschas vortragstermin vor meinen gelegt wird, seine besten ideen klauen und dann selbst verwursten.

natürlich muss sein vortragsvorschlag „welt 2026“ erstmal gewählt werden, was er aber mit sicherheit wird, weil er natürlich das beste thema von allen ist.

hier ist der text meiner bewerbung für die republica 2011 von anfang januar:

die zukunft des internet, der welt und des ganzen rest

1996 hatte ich mir fest vorgenommen einen text über die potenziale und die zukunft des internet schreiben. damals war der internet-hass noch nicht erfunden, bzw. man nannte internet-hass damals gleichgültigkeit. ich war damals feuer und flamme für die möglichkeiten die das internet bot und in zukunft bieten würde. ein paar jahre später habe ich mich geärgert, den text nicht geschrieben zu haben. hätte ich ihn geschrieben, gälte ich jetzt sicherlich als visionär. so hat mich meine faulheit und unentschlossenheit davon abgehalten früh visionär zu werden. also habe ich mir gedacht, werde ich eben später visionär. auf der republica 2011 möchte ich über die potenziale und die zukunft des internet (und der welt) reden, um dann in einem vortrag auf der republica 2021 zu zeigen, dass ich in jedem einzelnen punkt recht behalten haben werde.

hier, der einfachheithalber, der entsprechende vorschlag von sascha:

Die Welt 2026

In fünfzehn Jahren sieht die Welt zweifellos anders aus, aber wie? Atombetriebene MacBooks? Digitale Demokratur? Alles augmented? Das Internet eine Facebook-App? Oder der Börsengang des Internet? Apple führt die Todesstrafe ein? In diesem Vortrag soll über diese zugegeben plumpen Fragen hinaus in Szenarien erforscht werden, wie die Digitale Welt sich entwickeln könnte und in ihrem Fahrwasser die Kohlenstoffwelt. Zusätzlich zu den Szenarien werden drei bis fünf Geschäftsmodelle der Zukunft vorgestellt (mit 97% Erfolgsgarantie ab 2026).

blackberry torch

felix schwenzel,    

„Alles in einem Design“

blackberry bewirbt den neuen blackberry torch auf seiner homepage mit dem beeindruckend blöden werbespruch „Alles in einem Design“. ich finde das eine prima idee, den blackberry mal mit einem design herzustellen. das ist mal ein alleinstellungsmerkmal.

und weil ich gerade dabei war, einen test des blackberry torch zu schreiben, hab ich auch gleich noch einen kurzen film mit dem blackberry aufgenommen.

da der blackberry den ich in den letzten wochen getestet habe mit einer vodafone SIM kam, hatte ich auch die gelegenheit „deutschlands bestes netz“, so nennt vodafone sein netz, zu testen. und was soll ich sagen, es hat mich nicht enttäuscht. in meiner berliner wohnung, mitten im prenzlauerberg, zeigte mir das vodafone-netz die GPRS-nase. kein umts-empfang, das o2-netz zeigt mir dagegen zuhause UMTS-vollausschlag an. weitere stichproben zeigten mir, dass das vodafone-netz fast überall dort wo das o2-netz schwächelte, ebenfalls schwächelte. selbst am alexanderplatz, mitten in berlin, im kaufhof-restaurant, schwächelte das vodafone-netz und zeigte mir (wie o2) keinen empfang an. einen punkt konnte das vodafone-netz lediglich auf dem firmen-klo holen. da hatte es, im gegenteil zu o2, guten empfang.

noch erschüternder fand ich, dass das vodafone-blackberry-portal (www.mobileemail.vodafone.de) vom blackberry aus nicht zu bedienen ist. um dort mein vorbereitetes blackberry-account „fertigzustellen“, musste ich einen normalen browser auf einem normalen computer (allerdings mit ungültigem betriebssystem) benutzen. aber wie gesagt: schön wenn sich die vorurteile die ix gegen vodafone habe, bestätigen.