links vom 01.08.2011

felix schwenzel,    

* print-wuergt.de: Gutmenschen
michalis pantelouris: »Denn das ist die Ideologie: Gutmenschen, lautet der immer implizierte Vorwurf, glauben an das Gute im Menschen, und das sei naiv.«

* haltungsturnen.de: Gutmensch und Wutbürger als rechte Kampfbegriffe
wolfgang lünenbürger-reidenbach: »Und weil, wer Gutmensch oder Wutbürger sagt, Menschen und ihre Haltungen und Handlungen verächtlich macht, denen es darum geht, dass die Welt besser wird anstatt schelchter oder gleich schlecht zu bleiben, ist dieses Reden zutiefst rechtsradikal, mindestens aber reaktionär.«

wobei man natürlich auch behaupten könne, dass man solche kampfbegriffe auch kapern kann. die piratenparteien versuchen das und malte welding hat es kürzlich mit der überschrift „liebe schlechtmenschen“ versucht.

* herzdamengeschichten.de: Das neurotische Pferd im Fahrstuhl
fein beobachtet.

nachrichtengestaltung

felix schwenzel,    

andy rutledge schreibt am 17.07.2011, dass die digitalen nachrichten kaputt seien („Digital news is broken“). er zeigt ein paar sehr minimalistische design-alternativen am beispiel der new york times. seine alternativen, meint er, seien übersichtlicher und benutzerfreundlicher als die gestaltung der websites der grossen nachrichtenseiten.

paul scrivens sekundiert und differenziert ein bisschen und erweitert die beispielliste.

khoi vinh, ein designer, der unter anderem am design der new york times mitgewirkt hat, nennt das was andy rutledge macht „unsolicited redesigns“ und erklärt, warum er es in diesem fall komplett ignorieren wird, keinen namen nennen und keinen link auf rutledge setzen wird.

ich fand das alles sehr lesenswert und dazulernenswert. und ja, das ist alles irre selbstreferenziell, wie im übrigen auch ärztekongresse oder veranstaltungen der textilindustrie oder handwerksmessen irre selbstreferenziell sind. oder dieses ganze blogdings oder dieses neue plusdings.

„zückerchen“

felix schwenzel,    

thomas knüwer kündigt die wired-ipad-app mit „zückerchen“ an:

[…] Neben den Magazin-Inhalten [wird die iPad-App] eine Reihe von Zückerchen enthalten: Videos, zum Beispiel, und interaktive Grafiken.

und ich haue mir mit der hand auf die stirn. ob die wired-app videos „beinhaltet“ interessiert doch wirklich kein schwein. echt, welchen dorfdeppen will knüwer mit dieser ankündigung aus dem häuschen locken? das netz ist voll mit videos, jeder, wirklich jeder kann sich ungefähr zwanzig schrillionen videos ansehen oder auf ebensovielen kanälen empfehlen lassen.

und die dorfdeppen benutzer machen das auch. für 22% des mobilen traffics ist youtube verantwortlich. knüwers ankündigung hat die qualität einer biergarten-werbung, die mit „extra viel frischer luft“ wirbt.

wie wäre es statt einer luft-ankündigung, mit einer ankündigung wie dieser: „wir produzieren extra für die ipad-ausgabe hochwertige videos und nehmen dafür richtig viel geld in die hand.“ natürlich kann thomas knüwer soetwas nicht ankündigen, weil es dafür mit ziemlicher sicherheit kein budget gibt.

dann glaubt knüwer auch noch, dass man mit „interaktiven grafiken“ benutzer begeistern könnte. auch hier scheint ein missverständnis vorzuliegen. oder will knüwer tatsächlich sagen, dass die grafiken im heft so scheisse und langweilig sind, dass sie erst durch interaktivität aussagekräftig werden? oder andersrum: warum interaktive grafiken benutzen, wenn die nicht interaktiven grafiken gut genug sind? oder will knüwer, als blattmacher auf abruf sagen: auf papier kann man keine anständigen grafiken abbilden, wir müssen die interaktiv machen, damit sie was nutzen?

andy rutlegde beschreibt das problem das knüwer und seine redaktion haben auf den punkt (auch wenn er natürlich etwas ganz anderes meint):

In an effort to disguise and mitigate the fact that they have little idea how to publish digital content properly—often sneakily called “differentiation”—some news outlets release apps for digital devices.

rutlegde bezieht sich natürlich nicht aufs papier, sondern sagt (und zeigt) deutlich, dass medienhäuser zunehemnd unfähig sind, interessante inhalte interessant an den mann zu bringen und ipad-apps als lösung ihrer inkompentenz ansehen.

rutlegde weiter:

Instead of working with a handful of redundant, mitigating formats (websites, mobile sites, apps, etc…) for content delivery to popular devices, news organizations should simply deliver it correctly in the first place, one time; using html, css, JavaScript, …oh, and design. The employment of content design would be quite refreshing, actually.

also statt kinkerlitzchen wie interaktive grafiken in eine ipad-app einzubauen, macht ein ordentliches heft und linkt in der ipad-app auf teufel komm raus auf eure quellen oder weiterführende informationen oder filme die im internet rumliegen. hört sich einfach an, ist aber offenar schwer in die köpfe von medienfuzzis reinzukriegen.

immerhin hat knüwer nicht „multimedia“ gesagt. das ist ja auch schon was.

links vom 27.07.2011

felix schwenzel,    

* taz.de/wortistik: Cukunft
detlef guertler: »Ich mag “C wie Zukunft".«

* tautoko.info: We are vulnerable by choice.
hört sich an wie aus der ratgeber-sektion der brigitte, ist aber was dran. wahre stärke und souveränität zeigt sich nicht durch mackerhaftes, aggressives auftreten, sondern durch selbstbewusstsein, angstfreiheit und offenheit. 

(diesen satz werde ich irgendwann bereuen:) das ist auch der grund, warum fahrradhelme so lächerlich aussehen.

* malte-welding.com: Liebe Schlechtmenschen
man kann malte polemik vorwerfen, unter der gürtellinie zu argumentieren, unsachlich zu sein oder aber gar nicht zu argumentieren -- aber an einer stelle hat er ein korn gefunden, das vielleicht der schlüssel zum sinn des lebens, des universums und überhaupt allem sein könnte:
»Ihr habt keinen Humor.«

* taz.de/reptilienfonds: Thilo, geh doch nach Oslo
heiko werning hält thilo sarrazin für ein „sensibelchen“ und schreibt über die reaktionen auf den fürs fernsehen inszenierten kreuzberg-besuch von thilo sarrazin:

Noch nach der Ausstrahlung des Films schreibt [Vera Lengsfeld] vom „Besuch Thilo Sarazzins, der wegen tätlicher Haßattacken auf den ehemaligen Finanzsenator abgebrochen werden musste.“ Dabei kann jeder sehen, dass die beiden Kreuzberg-Abenteuertouristen alle geplanten Stationen ihres Besuchs vollständig und unversehrt abfahren konnten, nur, dass sich die Kreuzberger eben dabei nicht so geäußert haben, wie Herr Sarrazin sich das womöglich gewünscht hat. Sondern, einfach so und ganz unangemeldet, eine eigene Meinung haben zu jemand, der von genetischen Unterschieden zwischen den Rassen predigt, von der Gefahr, die durch die Massenvermehrung der falschen Rasse ausgeht, und die ihn deswegen einfach so als Rassist bezeichnen.«

* zeit.de: Jens Stoltenberg: Norwegens Art, die Freiheit zu verteidigen
Jens Stoltenberg: »Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.«

the adjustment bureau

felix schwenzel,    

symbolfoto „the adjustment bureau“

während ich den film sah, war ich ziemlich begeistert. dann dachte ich wieder: soll ich so diesen bedeutungsschwangeren hollywood-scheiss, der vor pseudo-philosophischen weisheiten nur so strotzt, der fragen nach dem schicksal und dem freien willen so flachbürstet, dass es der hinterletzte dorfdepp kapiert, wirklich empfehlen?

aber als ich im abspann las: »Based upon the short story „Adjustment Team“ by Philip K. Dick« war mir klar, den film kann man rundheraus empfehlen.

People who realize free will is a gift you’ll never know how to use until you fight for it. I think that’s the chairman’s real plan, that may be one day we dont’t write the plan. You will.

[symbolfoto foto cc lizensiert von cote]

links vom 26.07.2011

felix schwenzel,    

* blog.ronniegrob.com: Ein Manifest auf dem Silbertablett
ronnie grob: »Der Terrorist, der in Norwegen am Freitagnachmittag fast 100 Menschen umgebracht hat, füttert die Medien in eigener Sache. Die Journalisten verhalten sich genau so, wie er sich das vorgestellt hat.«

* faz.net: Elmar Theveßen und der "saubere Journalismus" der Terrorismusexperten
stefan niggemeier fühlt sich von elmar theveßens rechtfertigungs-blogeintrag angesprochen und guckt sich nochmal genau an was theveßen gesagt haben will und tatsächlich gesagt hat. zwischenfazit stefan niggemeier:
»Theveßen hat hier offenbar seinen Terrorismusexperten-Hut gegen seinen Stellvertretender-Chefredakteur-Hut ausgetauscht und bescheinigt sich selbst, "journalistisch sauber" gearbeitet zu haben. Das heißt wohl soviel wie: Wir haben uns zwar komplett verfahren, aber immer die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten.«

* larsreineke.de: Piratige Peinlichkeiten
»Die Piratenpartei Deutschland hat heute eine Pressemitteilung veröffentlicht, die deutlich zeigt, dass “gut gemeint" oftmals das Gegenteil von “gut gemacht" bedeutet.«

links vom 25.07.2011

felix schwenzel,    

* lumma.de: C wie dämlich
hihi.

* blog.dummy-magazin.de: Der ZEIT-Online-Totenrechner: 1500 deutsche Opfer in Norwegen
»Für manche Journalisten ist es schwierig, zu schweigen, wenn man schweigen sollte. Deswegen passieren angesichts von unfassbaren Katastrophen auch immer wieder peinliche Artikel, die versuchen, Sprachlosigkeit mit viel zu viel Sprache auszudrücken.«

* blog.tagesschau.de: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders
guter text.

gurkensalat

felix schwenzel,    

ich bin ja bekennender internetrezeptausdrucker. google ist eines der besten vorstellbaren rezeptbücher: zutaten googlen, staunen dass chefkoch.de für fast jede zutaten-suchanfrage an platz eins oder zwei steht, zwei, drei rezepte angucken, das beste ausdrucken, kochen, essen.

gut funktioniert auch tim mälzer im fernsehen oder auf seiner webseite beim kochen zuzugucken und das eine oder andere nachzukochen.

in letzter zeit gibts bei uns fast jede woche den gurkensalat, den tim mälzers oma ursprünglich mal gemacht hat. das rezept dazu bei tim mälzer oder weiter unten.

gurkensalat

was mich aber auch interessiert, ist dieses suchmaschinen-gedöns. chefkoch.de ist da ja offensichtlich immer ganz weit vorne. eine google-suche nach gurkensalat, zum beispiel, listet an erster (und zweiter) stelle chefkoch.de, aber bereits an dritter stelle mälzers gurkensalat. die suchergebnisse von bing sind (mehr oder weniger) exakt gleich. beide sites arbeiten ohne maschinenlesbare microformate, chefkoch.de baut das layout sogar noch mit tabellen auf. weder hrecipe, noch das von google propagierte schema.org recipe-format oder RDFa. trotzdem, oder gerade deswegen, landen sie ganz weit oben — zumindest wenn man die deutsche google-version benutzt. bei der amerikanischen version schieben sich zwei rezepte die offenbar mit microformaten versehen sind zwischen chefkoch.de und mälzer (beide im hcard-format).

ich würde das auch gerne mal ausprobieren und versehe das rezept hier mit dem schema.org/recipe-format um es maschinenlesabr zu machen. mal sehen was mit dem rezept in sachen google (und anderen suchmaschinen) passiert.

(so sieht die seite mit dem „rich snippet testing tool“ von google aus.)

für das rezept hier klicken …

links vom 24.07.2011

felix schwenzel,    

* faz.net: Thilo Sarrazin im „Aspekte“-Film: Emotional ein bisschen zugespitzt
sarrazin der olle zuspitzer. manchmal sind angebliche wahrheiten so zugespitzt und so übertrieben, dass es platte lügen werden: »Entscheidend für die Mythen, die in der islamfeindlichen Gegenöffentlichkeit schon um Sarrazins Kreuzberg-Visite gestrickt werden, ist die Szene im Restaurant „Hasir“ in der Adalbertstraße. Die „grölende Gruppe“ des „Welt“-Artikels von Frau Balci beziehungsweise der „Menschenauflauf“ in Sarrazins Protokoll ist im Film auf „zwei Passanten“ geschrumpft, ein junges Paar.«

* formspring.me: Fühlst Du Dich in Krankenhäusern wohl? Und warum/warum nicht?
meine güte, jetzt verlink ix schon meine eigenen antworten auf formspring. aber mir fiel nach der frage auf, dass ich mich zu meiner eigenen überraschung in krankenhäusern wohl fühle. muss man ja auch mal sagen dürfen.

* formspring.me: Glaubst du, dass es auf einem anderen Planeten intelligente Wesen gibt?
hihi.