in den letzten tagen habe ich mal wieder mehr fernsehen geguckt. unter anderem litt ich an einer seltsamen, suchtartigen lust „holt mich hier raus, ich bin ein star“ zu gucken. eklig fand ich da allerdings weder die „prüfungen“ oder die art der moderation, oder gar, wie einige, einen der moderatoren, sondern die schreiend peinliche selbstüberschätzung und selbstgefälligkeit mancher c-promis. neben diesem ekel und heftigen fremdschäm-attacken, wurde ich beim dschungelcamp aber auch davon überrascht, wie sympathisch einem vermeintliche freaks oder deppen oder alte omas werden können, wenn man ihnen eine weile bei ihrem treiben zusieht. ebenso überascht wurde ich davon, nach jahren der enthaltsamkeit mal wieder über moderatoren-witze lachen zu können.
eine wiederkehrende erkenntnis der letzten tage, war aber die beobachtung, dass selbst leute die vermeintlich einiges an erfahrung vor der kamera haben, es schaffen, sich vor lauter selbstschutz und furcht schwächen zu zeigen, unglaublich und irreparabel entblössen. bei peter bond und guilia siegel hat das jeder gemerkt der „holt mich hier raus, ich bin ein star“ gesehen hat, bei jörg pilawa in „wetten, dass?“ war die mackerhafte und viel zu dick aufgetragene coolness so peinlich, dass sogar einem fernsehjournalisten der kragen geplatzt ist. das verhalten von jörg pilawa in „wetten, dass?“ hätte bei einem teenager zur strafversetzung auf die sonderschule gereicht. dagegen wirkt ein mit „fotzensekret“ und stauffenberg-kostümen hantierender oliver pocher wie ein braves, demütiges milchgesicht.
was weder dem medienjournalisten „clarissa“, noch dem blogger johnny haeusler auffiel (oder nicht weiter erwähnenswert erschien), war, wie peinlich henryk m. broder sich in dieser sendung an kai diekmann ranwanzte, um bei ihm anerkennung zu erheischen. wie ein strebsamer schuljunge der seinen lehrer beeindrucken möchte ballerte er diekmann sorgsam vorbereitete gags, verkleidungen, bonmots und gesinnungsaufsaätze vor den latz, leider allzu offensichtlich, nur um diekman zu beeindrucken und ein bisschen von ihm zurückgeliebt und -bewundert zu werden. ganz offensichtlich befürchtete er, dass sein ranwanzen als solches wahrgenommen werden könnte und bereitete deshalb auch das eine oder andere kritische wort vor. trotz dieser halbherzigen gegenmassnahmen war das offensichtliche ranwanzen nicht zu übersehen. und es war unerträglich, nicht nur weil broder diekmann offenkundig nicht die bohne interessierte und er mit tausend anderen sachen, nur nicht broder beschäftigt war. diekmann liess broder einfach reden sich präsentieren und stockte das gespräch, brachte er es mit kurzen fragen wieder in den fluss.
was treibt menschen dazu, sich im fernsehen hinzustellen und zu versuchen sich durch unverblümtes eigenlob, durch peinliches und eitles macker-gehabe, tapsige, arroganz- und ignoranz-getränkte profilierungsversuche zu entblössen?
das mit der eitelkeit scheint ein echtes problem zu sein. und die ekligsten auftritte finden offenbar nicht unbedingt im privatfernsehen statt.
25.01.2009 22:16
| kommentare*
|
|
das SWR-rundfunkratsmitglied therese wieland:
Und es ist nicht hinnehmbar, dass man den Helden des deutschen Widerstandes so ins Lächerliche zieht. (quelle)
der britische historiker richard j. evans:
[…] Vor allem angesichts der Tatsache, dass es gerade Herren wie Stauffenberg waren, die das Hitlerregime, den Holocaust und insbesondere den Zweiten Weltkrieg erst möglich gemacht und bis 10 Monate vor seinem Ende unterstützt haben, verbietet es sich, Stauffenberg und die Herren des 20. Juli als Helden zu verehren. (quelle)
der schauspieler tom cruise:
hahahahaha! (quelle: gedächnis)
25.01.2009 21:20
| kommentare*
|
|
25.01.2009 20:59
| kommentare*
|
|
christian jakubetz:
Irgendwann gestern abend, als Dirk Bach im Interview Giulia Siegel hinrichtete, dachte ich mir für einen kurzen Moment, dass dieser Dirk Bach nicht nur einer der witzigsten, sondern auch der klügsten und charmantesten Köpfe im deutschen TV ist.
ich kann mich über dirk bach kaputtlachen wenn ich ihn nur laufen oder sitze sehe. aber auch sonst. und ich war auch beeindruckt, wie er auf dem drahtseil balancierte als er giulia siegel hinrichtete interviewte.
und nicht erst seit diesem interview von stefan niggemeier mit dirk bach bin ich bereit jedem beliebigen dirk-bach-fanclub beizutreten, von mir aus auch mit christian jakubetz.
25.01.2009 01:55
| kommentare*
|
|
Zuletzt brach Siegel einen „Bananen-Streit“ vom Zaun: Dass nur die 77-jährige Schauspielerin Ingrid van Bergen eine Banane zugeteilt bekam, weil sie Vegetarierin ist, erzürnte die Blondine über die Maßen. Sie selbst esse auch kein Fleisch („Nur Huhn, Pute, Fisch und Rind“), beschwerte sie sich und forderte ebenfalls eine Extraportion. (quelle)
22.01.2009 01:00
| zitat
| kommentare*
|
|
vor einigen tagen hat der künstler jake chapman dem tagesspiegel ein interview gegeben und unter anderem folgendes gesagt:
Nehmen Sie den Widerstand gegen genmanipulierte Nahrung. Es ist ein natürlicher Prozess biologischen Lebens, sich selbst zu verändern. Die Idee, Leute davon abzuhalten, hat mit dem Glauben zu tun, dass jedes einzelne Gen eine reine DNA hat, dass es eine reine Spezies darstellt, die man schützen muss. In der Wirklichkeit gibt es aber keine reine Spezies, nichts ist rein. Alles ist in fortwährender Verunreinigung. Alles ist eine fortwährende Krankheit. Ich denke, diese absoluten Werte sind auf beunruhigende Weise wie Reinheitsgesetze, der Ökologiediskurs ist sehr erschreckend.
ich erschrecke immer wieder über diese „reinheitsdiskussionen“ die auch oft in diskussionen über das internet oder das blogdings auftauchen. da wird manchmal vom „streben nach reinheit“ gesprochen, der müll, der kommerz solle „draussen“ gehalten werden, manchen blogger fordern ein neues internet weil das alte zu kommerziell oder zu wenig subversiv sei und manche podcaster beklagen sich, dass die öffentlich rechtlichen sender die kanäle mit ihren inhalten „verstopften“. ich mag „vielfalt, chaos, freiheit“, ich mag den mischwald, den müll und den schmutz. zumindest denke ich, saubermaännern, egal aus welcher ecke sie nun kommen, aus der öko-, der werbehasser- oder möchtegern-punk-szene (mit riemchen), aus der politisch linken oder rechten ecke, man sollte ihnen immer mit ganz viel skepzis begegnen.
p.s.: natürlich ist „subversiv“ gut, ein bisschen ordnung auch, aber ohne vielfalt, schrott und schmutz ist das alles nix wert und wird kontrastlos.
p.p.s: ich habe mal einen kollegen der mir sagte „ordnung ist das halbe leben“ gefragt, was denn die andere hälfte sei. er meinte „auch ordnung“. witzig kann man das freilich nur finden, wenn man seine wohnung kennt.
22.01.2009 00:50
| kommentare*
|
|
derren brown im vorwort zu „tricks of the mind“:
That is all, i think: I hope you enjoy this nifty, bendy little number and if you spot any mistakes, be sure to write them all out in an email, print it out, fold it up an pop it up your bottom.
18.01.2009 10:10
| zitat
| kommentare*
|
|
lukas differenziert wunderbar herum:
Der grundsätzliche Gedanke, dass man sich bestimmte Bereiche des Alltags nicht von irgendwelchen Arschlöchern wegnehmen lassen sollte, ist aber ein kluger. [weiterlesen]
18.01.2009 10:09
| zitat
| kommentare*
|
|
zeitungen werden nicht wegen dem internet oder der wirtschaftskrise oder wegen dem boulevardesquen schrott mit dem sie ihre leser langweilen untergehen. sie werden untergehen, weil sie — oder genauer ihre macher — ihre leser tief im inneren für dumm halten und ihnen das auf eine zwar verlogen-verdeckte art, aber doch mit einem colgate-lächeln direkt ins gesicht sagen.
sie schreiben ihren lesern briefe, auf denen aussen steht: „ihre meinung ist uns wichtig“ und innen ein als fragebogen getarntes abo-angebot steht. oder sie schicken all denen derer adressen sie habhaft werden konnten suggestiv formulierte emails, in denen steht, das man „ausgewählt“ wurde an einer wichtigen umfrage teilnehmen könne und dass man auch noch ein handy oder ein „reiseset“ geschenkt bekommen könnte. und auch das ist, bei genauerem lesen, wieder nichts anders als abo-werbung.
immer das gleiche motto: persönliche anrede, schmieriges, anbiederndes bild des chefredakteurs (samt unterschrift), ekliges anschleimen mit worten wie „wichtig“, „ausgewählter personenkreis“ oder gespielter wertschätzung, geschickte formulierungen, die vorteile oder geschenke suggerieren — alles um am ende nur ein abo zu verticken.
heute zum beispiel in meinem postfach:
nicht nur das grinsebacken-bild nervt, vor allem der unvollständige und fehlleitende satzbau:
Als Dankeschön bieten wir Ihnen die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND 6 Wochen lang mit 33% Ersparnis!
Zusätzlich schenken wir Ihnen ein LG KP100 CallYa Prepaid-Handy
oder ein 3-teiliges Reiseset.
klar erkennbar, dass es die geschenke nur mit abschluss des papier-abos gibt, ist es aus der formulierung nicht. is ja auch eigentlich nicht weiter schlimm, von gegelten vertrieblern und verkäufern an der haustür ist es ja bekannt, dass man deren angebote und versprechen mindestens eine nacht überschlafen sollte oder am besten mit einem anwalt besprechen sollte, dass sie einem vor dem kauf das blaue vom himmel vorschwärmen und danach nicht mehr zu sprechen sind.
nur warum gibt sich jemand für solche halbseidenen werbeversuche her, der sich journalist oder „chefredakteur“ nennt, ein beruf dem es — so dachte ich naiverweise lange — auf glaubwürdigkeit ankommt, darauf, dass die leser ihm vertrauen schenken? warum unterschreibt so jemand ein anschreiben, dass ganz offensichtlich auf die dummheit des lesers baut oder ihm zumindest falsche intentionen vorspielt (exklusivität, interesse, bereitschaft etwas zu verschenken)?
auch wenn ich pauschalisieren fast so scheisse finde wie anschleimen, manchmal habe ich den eindruck, dass journalisten noch verlogener sind als politiker und autopolitur-verkäufer.
16.01.2009 00:23
| kommentare*
|
|
geht an die gröner. dafür. wozu noch selbst fernsehen gucken?
13.01.2009 19:04
| kommentare*
|
|