wired.de 2012/1

felix schwenzel,    

drei euro achtzig dachte ich, da kann man ja fast nix falsch machen und kaufte mir die neue wired. diese ausgabe wurde von alexander von streit verantwortet, was sich auch angenehm im heft auswirkt, es fehlt der aufgeregte, knywersterische ton. im heft zumindest.

das cover ist ist condé-nast-mässig hyperhysterisch: „DAS WEB STEHT VOR DEM BLACK OUT“, „WETTRÜSTEN“, „Der seltsame Fall des KIM DOT COM“. im heftinneren ist das dann glücklicherweise alles viel weniger hysterisch und der artikel über den drohenden „WEB BLACK OUT“ ist sogar ziemlich gut. die fakten stimmen (glaub ix), er liest sich gut und ist sachlich und ausgeglichen. wer in dem chaotischen layout lange genug sucht, findet auch die autoren des stücks, gleich sechs leute: frederik fischer, torsten kleinz, michael moorstedt, alexander von streit, andreas winterer, ulf hannemann.

jonah lehrers text über die schwierigkeiten der wissenschaft komplexität zu erfassen, insbesondere die des menschlichen körpers ist ebenfalls ein leseschmaus. ein paar stunden bevor ich seinen text in der wired in der badewanne las, hatte ich gerade ein interview mit ihm aus meiner timeline gefischt und gebookmarkt. kleine welt. apropos kleine welt. auf englisch kann man den text von lehrer auch online lesen, genau wie den, ebenfalls lesenswerten text von tom cheshire über tumblr und den tumblr-gründer david karp.

das spricht jetzt nicht so irre für den qualitäts-journalismus-standort deutschland, dass von den drei interessantesten texten, nur einer von deutschen journalisten geschrieben wurde. was aber wirklich peinlich ist, ist dass die redaktion der deutschen wired es weder schafft den text unfallfrei übersetzen zu lassen (warum werden die übersetzer eigentlich nicht genannt?), noch den namen des autors korrekt zu schreiben.

so steht im original des tumblr-textes:

At the time, Karp was running his own consultancy, Davidville, which built business websites, along with a 24-year-old programmer called Marco Arment, who would later found Instapaper.

in deutschland kann man dieses ganzen insta-dingse offenbar nicht so gut unterscheiden und machte doch glatt das hier draus:

Zu jener Zeit besaß er eine eigene Beratungsfirma, die sich insbesondere um den Aufbau von Business-Websites kümmerte. Ihm zur Seite stand Marco Arment, ein damals 24-jähriger Programmierer, der später den Fotodienst Instagram gründen sollte.

wired.de setzt da aber noch einen drauf und nennt den autor tom cheshire kurioserweise TOM CHESIRE (versalien von wired.de übernommen).

die besten der besten, sir.
(sorry für den fefeslang. kommt nicht wieder vor.)

* * *

als ich eben aus der badewanne kroch (ja die wired kann man in einer badewannen-session durchlesen), hatte ich ein gutes gefühl. trotz der vielen redaktionellen werbung mit tonnen von gadget-gedöns (die man gut überblättern kann) fühlte ich mich gut infotained. ein paar anregende texte, ein paar hübsche und teilweise inspirierende bilder, keine journalistischen fehlleistungen über die man sich gross aufregen müsste. noch nicht mal die kolumne von thomas knüwer nervte diesmal mit neunmalklugheit. echt OK das heft.

na gut, über peter kruses kolumne bin ich beinahe eingeschlafen. das liegt aber daran, dass das was er schrob besser verständlich ist, wenn er es sagt und dass man, wenn man das was er gesagt hat schon kennt, von seiner verschachtelten art zu schreiben schläfrig werden kann. auch das überambitionierte layout nervt nach wie vor, man kann die werbung immer noch nicht vom den redaktionellen inhalten unterscheiden, aber für 3,80€ kann man vielleicht nicht mehr erwarten.

* * *

vielleicht ist der ansatz gar nicht mal schlecht. eine gute, lange titelgeschichte von ein paar fähigen leuten schreiben lassen, ansonsten gute texte aus den internationalen ausgaben übernehmen, ein paar frische kolumnisten mit kurzen texten ranlassen und den rest des heftes mit glasperlen und werbung füllen. gefällt mir auf jeden fall besser als die (stückweise) überambitionierte und aufgeblasense erstausgabe.

was (ein bisschen) fehlt: herzblut. offenheit im umgang mit fehlern (oder dient das wired-blog nur dem marketing?). abwegiges. layout.

* * *

[nachtrag 16.04.2012]
christoph kappes hat bereits vor ein paar tagen über die zweite ausgabe der wired geschrieben.

wolfgang blau über das internet

felix schwenzel,    

die kaltmamsell schreibt:

Dies hier geht gerade durch meine Ecke des Internets, obwohl die Veranstaltung bereits einige Monate her ist: Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online, spricht vor Parlamentariern der Enquete-Komission Internet und Digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages über Status und Zukunft des Internet.
[…]
Der Vortrag ist auch als Vortrag selbst empfehlenswert: Blau argumentiert sehr sachlich; er hat ein Anliegen, und man merkt seine Leidenschaft dahinter. Doch er verlässst sich ganz auf Argumente, polemisiert nicht, verkneift sich Überspitzungen. Das Referat enthält keinen einzigen Lacher, und dennoch habe ich ihm gefesselt zugehört.

und sie hat recht. den vortrag kann man sich aber auch ungefesselt sehr gut anhören.

youtube-video

direkt youtube-link

links vom 15.04.2012

felix schwenzel,    

links vom 14.04.2012

felix schwenzel,    

neues kommentardings

felix schwenzel,    

wie einige wissen, läuft hier kein wordpress, sondern eine fast zehn jahre alte software die zwar ein kommentarsystem mitbrachte, das aber so unbedienbar war, dass ich seit ca. 2004 zuerst haloscan als externes kommentarsystem an wirres.net anflanschte. vor ein paar jahren hat dann die firma echo oder js-kit (so genau weiss ich das nicht, die benennen sich ständig um) haloscan gekauft. mit echo war das mit der bedienbarkeit auch nicht so weit her, aber echo hatte zumindest die alten haloscan-kommentare übernommen, so dass die kommentarstruktur seit 2004 erhalten blieb.

alternativen zu echo habe ich immer wieder ausprobiert. zuletzt vor 3 jahren mal disqus. der import der daten funktionierte damals aber nicht besonders gut und das backend von disqus trieb mich damals mehr oder weniger in den wahnsinn. also liess ich alles beim alten, auch wenn sich immer mehr leute darüber beschwerten, wie scheisse dieses echo-kommentarsystem doch sei. vor allem mobil war es so gut wie unbedienbar.

vor zwei wochen kündigte echo (oder js-kit) nun an, dass sie sich diesmal nicht umbenennen würden, sondern ihren geschäftszweck anders ausrichten würden und deshalb das kommentarsystem im oktober dieses jahres einstellen würden. also habe ich mir disqus nochmal angesehen und die import funktion nochmal getestet. nach 2 tagen war der import abgeschlossen, leider fehlen jetzt von den angeblich 23.000 kommentaren ca. 19.000. auch die antwortstränge wurden von disqus nicht übernommen, profilbilder und email-adressen leider auch nicht. aber auf den ersten blick gehen die kommentare recht weit zurück. die fehlenden kommentare scheinen die alten von haloscan zu sein, denen in der exportdatei von echo keine korrekten zuweisungen zu einzelnen artikeln angeheftet wurden.

so ist das dann eben, fehlen halt ein paar kommentare. dafür funktioniert das kommentieren jetzt offenbar auch mobil ganz gut, disqus hat ein eigenes mobiles theme. ich bin mal gespannt wie disqus auf die leser reagiert, die hier mit deaktivierten cookies von drittseiten aufschlagen und kommentieren, in der vergangenheit hat das immer wieder zu unschönen dreifachpostings geführt. über reges testen würde ich mich freuen.

standard-mässig laden die disqus-kommentare und das entsprechende javascript übrigens nicht. erst wenn man den kommentar-slider öffnet oder auf einen kommentar-permalink klickt, wird der javascript-schnipsel von disqus mitsamt seinen angehängten webbugs und zählpixeln nachgeladen. das heisst aber natürlich auch, dass mit deaktiviertem javascript oder javascriptblockern, die javascript von drittseiten blockieren, weiterhin kein unfallfreies kommentieren möglich ist. aber trackbacks oder tweets mit links zu einzelnen artikeln werden weiterhin angezeigt. feedback kommt also an, wenn man sich die mühe macht.

links vom 13.04.2012

felix schwenzel,    

links vom 12.04.2012

felix schwenzel,    

ostern (nachtrag)

felix schwenzel,    

über ostern war ix offline. bei meinen eltern. die haben zwar internet zuhause, aber länger als 10 minuten am stück war ich nicht wirklich online. das lag gar nicht mal daran daran, dass nicht nur meine familie dort war, sondern auch die meiner schwester, dass meine eltern mir eine ellenlange todo-liste präsentierten (tischbein anleimen, wohnzimmer umräumen, plastik von joachim bandau aufhängen, neuen ofen bewundern und ausprobieren ob man dadrin wirklich pizza backen kann (geht), instagram erklären und installieren, fritzbox und iphones aktualisieren, ständig fleisch essen), sondern vor allem daran, dass wir zwei tagesausflüge nach holland in die niederlande und nach belgien unternommen haben. genauer, nach maastricht und nach antwerpen. und in den niederlanden und belgien, stellt man das internetgedöns auf dem telefon besser ab, hab ich mir sagen lassen.

verpasst hab ich in der zeit im internet, glaub ich, nicht viel. gesehen hab ix dafür aber einiges. zum beispiel in maastricht das wunderbare bonnefanten musuem, in dem aktuell die ziemlich vielseitige, etwas sol-lewitt-lastige ausstellung der sammlung von martin visser zu sehen ist. viele tolle arbeiten, besonders witzig fand ich aber die sol-lewitt-arbeit an einer der wände, die von 3 mitarbeitern des „estate sol lewitt“ in 7 tagen in buntstift-strichen mit 1,5 millimeter abstand erstelt wurde. aus der entfernung sah das aus wie mehrere pastellfarbene farb-flächen, aus der nähe wie diagonale buntstiftlinien mit 1,5 mm abstand.

faszinierend einertseits, weil die arbeit beeindruckend ist, andererseits weil sie als „original“ sol-lewitt-arbeit gilt, obwohl sie im jahr 2012 entstanden ist, sol lewitt aber 2007 verstarb. so ist das mit den originalen in der kunstszene. auch hier bestimmt nicht originalität die originalität der arbeit, sondern die lizenz.

ebenso inspirierend das museum van hedendaagse kunst antwerpen, insbesondere die sonderausstellung der beeindruckenden video-arbeiten von chantal akermann. entweder die arbeiten waren echt gut oder die präsentation über eine ganze etage war exzellent.

ix und yves klein (M HKA antwerpen)

ix und yves klein (M HKA antwerpen)

ix und die beifahrerin und chantal akermann (M HKA antwerpen)

ix und die beifahrerin und chantal akermann (M HKA antwerpen)

ix und und chantal akermann (M HKA antwerpen)

ix und und chantal akermann (M HKA antwerpen)

ix und gold (bonnefanten museum maastricht)

ix und gold (bonnefanten museum maastricht)

ix und ne schwarze wand (bonnefanten museum maastricht)

ix und ne schwarze wand (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

j. (bonnefanten museum maastricht)

buchhandlung in einer umgewidmeten kirche in maastricht

buchhandlung in einer umgewidmeten kirche in maastricht

paul van dyks universallösung: arbeitsgruppen

felix schwenzel,    

paul van dyk so auf die frage, ob uns die piraten auf dauer erhalten bleiben:

Die Grünen haben zwar auch als wilder Haufen angefangen, aber die wollten wirklich was, nämlich Umweltschutz. Aber zum Internet gibt es in den etablierten Parteien längst große Arbeitsgruppen. Deshalb glaube ich, wir brauchen die Piraten nicht.

das ist mal ein schönes piraten-wattebäuschchen-bashing von einem SPD-fan. wobei mich so eine die-arbeitsgruppen-da-oben-untertanen-haltung auch ein bisschen traurig macht.

andererseits ist das auch prima stoff zum weiterspinnen:

  • wir brauchen keine neuen musiker. die ausgebildeten musiker mit viel erfahrung machen das doch viel besser als blutige anfänger. es gibt auch schon sehr viel schöne musik.
  • universitäten sind überflüssig, da es schon sehr viele kluge menschen gibt.
  • wozu eigentlich bloggen? es gibt doch grosse medienhäuser?

klar ist das zitat oben aus dem zusammenhang gerissen. das ganze, auf zwei seiten zerrissene interview gibts auf tagesspiegel.de. das interview wird aber nicht besser wenn man den rest von van dyks antworten liest. im gegenteil. er sagt auch diese vor weisheit und differenzierungsvermögen strotzenden sätze:

Tagesspiegel: Treibt es Sie als Musikproduzenten um, dass mit den Piraten jetzt die Freunde des freien Downloads im Abgeordnetenhaus sitzen?

Paul van Dyk: Persönlich trifft mich das nicht, aber ich habe ein anderes Demokratieverständnis. Wenn ich in ein Taxi steige, möchte ich, dass der Fahrer das Ziel kennt. Der soll nicht erst losfahren und unterwegs dauernd sagen, dass er sich nicht auskennt. Ich sehe hinter dem Erfolg der Piraten eher einen Pseudo-Protest. Nehmen wir das Acta-Abkommen, mit dem einfach deutsche Gesetze in EU-Recht umgesetzt werden sollen. Es geht dabei nur ganz am Rande darum, ob einer einen Hollywood-Film oder ein Musikstück runterlädt. Worum es geht, ist Kriminalität, um Datenklau. Wenn einer alle Verschlüsselungen knackt, würde unsere Zivilisation zusammenbrechen. Ich weiß nicht, ob das im Interesse von Herrn Lauer ist. Der sieht mir jedenfalls aus wie ein Besitzstandswahrer.

ich verstehe das argument einfach nicht. wenn ACTA gar nichts am status quo verändert, warum soll man es dann umsetzen? ist das EU-recht irgendwie besser? leckerer? knackiger? wirksamer? ach es geht um datenklau, um kriminalität? wie der name ACTA schon sagt: Anti-Counterfeiting Trade Agreement, was auf deutsch übersetzt Anti-Datenklau und -Kriminalitäts-Abkommen bedeutet. klar van dyk.

wobei der satz „wenn einer alle Verschlüsselungen knackt, würde unsere Zivilisation zusammenbrechen“ tatsächlich ein super argument gegen pseudo-proteste und die piraten und überhaupt dieses ganze netz-dings ist.

ich finde paul van dyk hat sich mit diesem interview eine ehrendoktorwürde der universität des takka-tukka-lands verdient. einen ehrenplatz im SPD-online-beirat sowieso.

links vom 05.04.2012

felix schwenzel,