Winter

felix schwenzel,    

Es ist so kalt, dass die rumänischen Bettlerinnen nicht mehr die Hilfsbereitschaft von anderen Touristen auszunutzen versuchen indem sie fragen „Do you speak English?“ sondern nur noch entnervt „English?“ fragen.

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Das beste Netz der Welt Deutschlands, mit dem Vodafone für sich wirbt, ist, wenn man von Berlin nach Hamburg fährt, genauso löchrig wie das von O2. Nun gut, ich gebe zu, die Tunnelausfahrt aus dem Hauptbahnhof Berlin ist bei Vodafone etwas besser abgedeckt als bei O2.

Bei mir zuhause im Prenzlauer Berg strahlte mich heute früh auf dem Test-Blackberry mit Vodafone-Netz ein fröhliches „Vodafone GPRS“ an. Der Pre zeigte Vollausschlag von „O2 G3“ an. Werbung ist so scheisse.

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Apropos Werbung. Die Kampagne „Wir können alles ausser Hochdeutsch“ läuft weiter. Schönes Plakat:

ZKM-Plakat Imaginging Media@ZKM

Obwohl, heisst „Arbeiten“ auf schwäbisch wirklich „Arbieten“?

ZKM-Plakat Imaginging Media@ZKM

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der lupenreine Journalist Josef Joffe Bill O’Reilly spricht bei David Letterman (Sendung vom 09.12.2010) über Wikileaks und vom „Hochverrrat“. Witzig fand ich, dass der Verfechter von „Smaller government, less government spending, less intrusion at the federal level“ die Macht der amerikanischen Regierung für grenzenlos hält:

Here's the interesting thing. The US government knew that this was happening and they could have closed this down [er meint Wikileaks]. We have the capacity to close down any website in the world that we want to. But they didn't. So that’s a really interesting deal. Why didn’t they close it down, if it’s so bad?

Tja.

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Die Kunsthalle sieht ein bisschen traurig aus.

Kunsthalle Berlin

So fand ich den Schuhkarton am schönsten.

vetter, buzzi, buzzi, joop, kaulitz, dr. nakamats und hundertpfund

felix schwenzel,    

udo vetter hat hier (bei ca. 23 minuten) ein paar sehr nette sachen über dieses blog und mich gesagt. ein bisschen musste ich auch lachen, als udo sich auf die frage, ob „man“ mich wegen meiner „flotten sprüche“ auch schon mal „rauspauken“ müsse weigerte über mandantenverhältnisse zu reden.

udo meinte auch, dass meine kleinschreibung „schwer erträglich“ und ein grosser fehler sei. Zur Feier des Tages werde ich zunächst die nächsten zehn Artikel in ordentlicher Gross- und Kleinschreibung verfassen. Mit korrekter Rechtschreibung oder Zeichensetzung werde ich nicht dienen können, die kann ich nämlich nicht.

Trotzdem nochmal ein zwei Worte zur Kleinschreibung. Einerseits finde ich sie seit ich Otl Aicher las einfach wunderschön. Aicher schrob ja alle seine Bücher in konsequenter Kleinschreibung, zumindest die, die ich las. Andererseits sollte man seine eigenen Vorstellungen von Schönheit anderen nicht übermässig aufzwingen. Dann wiederum, habe ich nie das Bedürfnis verspürt, das zu machen was andere von mir erwarten, im Gegenteil, ich schreibe hier genau das was mich interessiert — was ja auch der Reiz an diesem Blogdings ist. Etwas zu polemisch vielleicht, habe ich die Kleinschreibung auch hin und wieder als hocheffektiven „Arschlochfilter“ wahrgenommen. Mit anderen Worten, hier lesen (vermutlich) vor allem Leute mit, die das was ich schreibe interessiert und nicht wie gross oder klein ich es schreibe.

Wie gesagt, ich probiere es mal mit Gross- und Kleinschreibung — ausser, was ich nicht wirklich erwarte, es outen sich mehr als 10 Fans meiner Kleinschreibung in den Kommentaren.

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Dieses Video aus der ersten Staffel der Muppets-Show fasst ungefähr alles das zusammen, was ich bis vor ein paar Jahren zum Thema Öffentlichkeit, Privatshäre, Internet und Preisgabe von persönlichen Informationen gedacht habe. Kurz: je mehr Informationen man über sich selbst preisgibt, desto unklarer wird das was wahr ist. Bis vor kurzem glaubte ich, dass man die Menschen mit Informationen über sich selbst zukippen kann und es damit immer schwerer wird die eigentliche Substanz dahinter klar zu erkennen. Seitdem Google die Kraft des Brute-Force Datenminings und der Algorithmen dahinter immer eindrucksvoller demonstriert, denke ich langsam anders dadrüber.

Aus diesem und ein paar anderen Gründen habe ich übrigens seit ein paar Jahren äusserst gute Erfahrungen damit gemacht, Artikel auf wirres.net die älter als drei Jahre sind für die Google-Indexierung zu sperren. Mit anderen Worten, Artikel auf wirres.net die älter als drei jahre sind, sind über Google (und alle Suchmaschinen die sich an die Robots-Anweisungen halten) nicht mehr auffindbar. Einerseits bilde ich mir ein, dass mich diese Massnahme das eine oder andere mal davor bewahrt hat Udo Vetters Dienste in Anspruch zu nehmen, andererseits müssen Google und seine Benutzer ja nicht alles von mir wissen.

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Friedemann Karig schreibt äusserst differenziert und unknüwerig über Wolfang Joop und Bill Kaulitz die kürzlich irgendwann mal gemeinsam durch die Nacht in Paris zogen und dabei auch über das Internet redeten. Sein Fazit, dem ich, nachdem ich die Sendung gesehen habe, absolut zustimmen würde, lautet:

Bill Kaulitz würde das Internet also gerne abschalten. Und zwar für alle. Jedoch nicht aus sturer Technikfeindlichkeit oder Altruismus. Nicht, weil er die Welt besser machen wollte. Nicht, weil er zu alt dafür ist oder es nicht bedienen kann. Nicht, weil er zu viel von seiner eigenen Musik gehört hat und jetzt die Stille sucht.
Sondern aus banalem ökonomischen Egoismus.

Dass es ihm nicht (nur) um die Kunst geht, um sein kreatives Schaffen das er durch das Internet gefährdet sieht, merkte man spätestens dann, als er sich bitterlich darüber beklagte, dass vor der Veröffentlichung einer Tokio Hotel-Platte, bereits neun stücke im Internet zu haben waren und er meinte, dass sie die Platte dann ja fast nix mehr wert sei.

Auch witzig dass sich Kaulitz unter heftigem Nicken von Joop darüber beklagte, dass im Internet jeder alles kommentiere könne und damit jede „Magie“ zerstöre. Kurz vorher tratschte Wolfang Joop noch über Iman Bowie, die sich „alles machen liess, alles, die Titten, das Gesicht, alles“. Auch wie sie die Schönheitsoperationen der Titten, des Gesichts und allem anderen finanzierte tratsche Joop freimütig ins Fernsehen. Im Internet, dem grossen Magiezerstörer, haben die Menschen immerhin noch den Anstand das Thema Schönheitschirurgie mit einem Fragezeichen zu garnieren. Joop zerstört die „Magie“ von Imans Aussehen während er in einem teuren pariser Restaurant mampft und beklagt sich dann darüber, wenn es andere auch machen.

Ähnlich widersprüchlich empfand ich Wolfgang Joops Spruch, dass er ja in letzter Zeit sehr, sehr kamerascheu geworden sei, weil er das was die Kameras produzierten nicht mehr mit seinem Bild von sich selbst vereinbaren könne. Mit anderen Worten, er hält sich für zu alt und unschön um noch vor die Kamera zu treten, was ihn freilich nicht davon abhält mit Bill Kaulitz eine einstündige Sendung zu produzieren („Hab ich für dich getan, Bill“) oder peinliche Fotos von Andre Rival anfertigen zu lassen, damit ich morgens, wenn ich auf den Bus warte, eine Portion Mitleid Fremdschämen empfinden kann.

Die Sendung anzusehen lohnt sich übrigens allein deshalb, um einmal zu sehen wie Patricia Riekel sich (gegen Ende der Sendung) an Promis ranwanzt. Überhaupt ist der Titel der Sendung leicht daneben. „Durch die Nacht mit Wolfgang Joop und Bill Kaulitz“ hätte auch der Einfacheit halber „Das grosse Ranwanzen“ genannt werden können.

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Schöne Geschichte über Dr. Nakamats, die Berliner Zeitung und Fritz Schumann (via Bildblog). So geht das mit dem Bloggen.

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Schöne Stühle.

Jörg Hundertpfund FLEXIONEN

„la famiglia“ in der coccolino „showlounge“

felix schwenzel,    

gestern abend war ich mit einigen kollegen in der, wie sie sich selbst beschreibt, „komödiantischen dinnershow“ la famiglia. von diesen „dinnershows“ gibt es ja mittlerweile einige, hab ich gehört. konzeptionell habe ich diese shows nie verstanden. soweit ich mir das bis vor kurzem zusammenreimte, bekommt man dort etwas zu essen und wird von schauspielern oder schaustellern oder irgendwelchen anderen künstlern beim essen gestört. seit gestern halte ich es auch für möglich, dass es umgekehrt ist, dass man mit seinen niederen bedürfnissen wie störungsfreier kommunikation mit dem kellner, getränkewünschen und getränkeentsorgung, essgeräuschen und -gerüchen die künstler bei ihrer vorführung stört.

ähnlich wie bei musicals, die in der regel eine geschichte, die sich auf einer halben dina4-seite erzählen lässt, durch exessives rumgesinge und rumgehampel auf zwei bis drei stunden länge strecken und mit bunten kostümen ausschmücken, verstehe ich nicht wirklich warum man sich eine solche veranstaltung eigentlich ansehen sollte.

aber nun war ich gestern nunmal zu dieser „komödiantischen“ essveranstaltung eingeladen. ich habe lange überlegt, ob ich diesem geschenkten gaul ins maul schauen soll (ein bis zwei stunden) und ob ich etwas, in das viele menschen extrem viel arbeit, herzblut und energie gesteckt haben, mit einem federstrich mit fehlerhafter rechtschreibung und mäandernden satzungetümen niedermachen soll.

ich habe mich entschieden es zu tun, weil ich mich geärgert habe. aus mehreren gründen — und die müssen jetzt mal eben raus.

erstens war das essen kalt. also nicht die antipasti oder das tiramisu, sondern die nudeln. und nicht nur die nudeln an unserem tisch, sondern die nudeln an mindestens drei tischen um uns herum. und mit kalt meine ich nicht lauwarm, sondern kühlschrank-kalt. die antipasto bestanden aus einem streifen eingelegter roter und einem streifen gelber paprika, einer scheibe zuccini, einer karottenscheibe, einer scheibe aubergine und zwei unfassbar subtil angemachten blättern salat. immerhin war die marinade ganz lecker und ich hatte den ganzen abend was davon, wenn ich mal aufstiess.

zweitens fand ich die show ganz furchtbar. langweilig, unwitzig und viel zu lang. dafür, dass ich die show furchtbar fand, können die schauspieler oder die produzenten der show natürlich nichts. woher sollen die auch wissen, dass ich nicht auf siebziger-jahre partykeller-humor stehe, der sich fast ausschliesslich um titten, ärsche und das ficken dreht? woher sollen die produzenten wissen, dass ein humor der sich auf das paraphrasieren von sexuellen handlungen und die bedienung von ausgeleierten klischees beschränkt, mich vor fremdscham beinahe paralysiert?

ganz im ernst, es ist völlig OK, dass es leute gibt, die zum beispiel einen solchen humor (von einem der drei hauptdarsteller der show) zum schreien komisch finden (youtube direktqual) oder sich eben auch bei „la famiglia“ königlich amüsieren. in der tat wurde gelacht und auch ein bisschen applaudiert.

seit gestern wünsche ich mir deshalb eine klare vorab-humor-klassifizierung, wie es das zur klassifizierung von musik bereits gibt. so würde ich mir mit ziemlicher sicherheit keine volksmusik- oder marschmusikkonzerte ansehen, weil schon von weitem am namen erkennbar ist, dass die veranstaltung und ix nicht kompatibel sein werden.

nun gut, bei der show-selbstbeschreibung hätte ix schon verdacht schöpfen können:

Musica, Pasta e Teatro! Eine herrlich spritzige Komödie mit kulinarischen und musikalischen Highlights!

wenn die adjektivdichte sich in einem absatz 50% nähert, sollte man sehr, sehr vorsichtig werden. und eigentlich sind solche pressezitate ein unübersehbares warnzeichen:

"Amouröse Verwicklungen, es fliegen die Fetzen - rasend komisch!", so urteilt begeistert die Presse.

wobei es aus meiner sicht sogar eine glatte lüge ist, „komisch“ fand ich es nur sporadisch und erst recht nicht rasend, sondern schleppend — obwohl man über humor ja streiten kann (äh, kann man über humor streiten?).

zumindest hätte ich mich wohl weniger geärgert, wenn im flyer statt „rasend komisch“ gestanden hätte: „leute die mario barth und fips asmussen mögen, mögen auch diese volkshumordinnershow.“

aber vielleicht sollte ich mich nicht über die show ärgern, sondern über „die presse“ die pr-müll einfach so übernimmt.

ganz wichtig neben der humorklassifizierung wäre noch eine vorherige längenangabe. denn drittens hat die show von 19:30 bis ungefähr 23:30 uhr gedauert. das sind qualvolle vier stunden unterbrochen nur von einer kurzen bestellphase vor der show und einer kurzen pause, in der es kalte pasta gab.

würde die show mit einer solchen angabe werben, kämen vielleicht insgesamt weniger leute, aber am ende blieben mehr zufriedene: „die show besteht aus zwei einstündigen, etwas zähen und in die länge gezogenen akten, für das essen, getränkebestellungen und diskussionen mit dem küchenpersonal haben sie insgesamt 45 minuten zeit. nach dem schlussapplaus und drei freiwilligen, ungebetenen zugaben, nehmen wir uns nochmal 30 minuten zeit um alle mitwirkenden einzeln vorzustellen.“

aber es gab auch positive aspekte. die kellnerin war etwas witziger und schlagfertiger als robert louis griesbach, die in die show eingearbeitete schleichwerbung für fiat wurde in witzchen verpackt, die show war in 3D (witz bei griesbach.de geliehen), ich habe tatsächlich insgesamt viermal lachen müssen (einmal allerdings auf dem klo, wegen dem typen mit brechdurchfall nebenan) und die kalten nudeln liessen mich ziemlich kalt, weil sie trotzdem lecker waren.

so viel arbeit, soviel mühe von sovielen menschen die in dieser show steckt. doof nur, dass man das merkte — so urteilt relativ unbegeistert der schwenzel.

sicherererererer ins fettnäpfchen

felix schwenzel,    

das neue testimonial von paypal

das neue testimonial von paypal

super timing. in dem moment wo paypal in einem epischen shitstorm steht, wird es für den werbeclaim des jahres ausgezeichnet: feigerererer, willkürlicherererer „sichererer“ lautet der ausgezeichnete und total unmissverständliche claim. wie die wuv leicht schleimig textet:

Mit „Sicherererer“ bringe PayPal alles auf den Punkt, was die von der Finanzkrise und Phishing-Mails verunsicherten Kunden vom Online-Handel erwarten.

falsch. was die kunden erwarten ist anständiges verhalten. wenn noch nicht mal eine gemeinnützige stiftung vor willkürkürkürkür von paypal sicher ist, wie sicherererer kann man dann bei paypal als einzelner sein, anständig behandelt zu werden?

[schlechte bild-montage von mir]

die grösste gefahr für die demokratie: gut gemeint

felix schwenzel,    

ich guck ja gerade „the west wing“ zum zweitenmal. und bei west wing findet man immer motive oder zitate mit denen man aktuelle ereignisse super illustrieren kann.

in einem völlig anderen zusammenhang fällt in folge 6 der ersten staffel folgender dialog zwischen den white-house-beratern mandy hampton und josh lyman:

JOSH: I don't think it's unreasonably macho for the White House to be aggressive in preserving democracy.

MANDY: Let me tell you something. Ultimately, it is not the nuts that are the greatest threat to democracy, as history has shown us over, and over, and over again. The greatest threat to democracy is the unbridled power of the state over it's citizens, which by the way, that power is always unleashed in the name of preservation.

(kann man auch hier sehen, „unbridled“ heisst übrigens „ungezügelt“.)

mit anderen worten: nicht julian assange oder die irren „onlinecommunitybenutzer“ gefährden die demokratie. es sind die journalisten die sich selbst für überflüssig erklären und die regierungen die ihren bürgern den schutz vor der regierung verweigern und die unternehmen die AGBs über die verfassung stellen.

im moment kann man es schon mit der angst bekommen (via rivva). es bleibt dabei: das gegenteil von gut, ist gut gemeint.

staun, tillack und joffe über wikileaks

felix schwenzel,    

ich fand den artikel über wikileaks von harald staun in der FAS nicht doof, auch wenn der artikel stauns in seiner zotteligkeit intellektuellen abgehobenheit und arroganz beinahe prototypisch dafür ist, wie typen wie staun vor allem für typen wie staun schreiben. trotzdem. weil ich mir einbildete, fast alle fremdworte die staun in seinen text einstreute verstanden zu haben, fand ich den artikel lesenswert. vielleicht auch nur deshalb.

aber es stecken ein paar bedenkenswerte gedanken im text. einer davon:

Und deshalb bedeutet Wikileaks gerade nicht, wie viele das befürchten, das Ende aller Geheimnisse. Wissen ist nicht das Gegenteil des Geheimen, es ist seine Bedingung. Nirgendwo zeigt sich das besser als am Beispiel erfolgreicher Hacks: Die Offenlegung einer Sicherheitslücke bedeutet immer auch ihre Schließung. „Mit jedem Hack“, schreibt Pias, „verschwindet eine Möglichkeit zu hacken.“

hans-martin tillack meint, dass auch blöde gedanken im artikel stecken:

Und nein, lieber Medienredakteur der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, beim Recherchejournalismus geht es keineswegs darum, wie Sie meinen, dass eine Information „desto relevanter“ sei, „je konspirativer“ der Weg war, über den sie zum Reporter kam. Für konspirative Recherchemethoden gibt kein Chefredakteur die Seiten frei – sondern nur für Geschichten, die den Leser wirklich interessieren könnten oder aus unserer Sicht müssten.

noch witziger fand ich allerdings, wie tillack sich über josef joffe lustig macht (natürlich nennt er weder staun, noch joffe beim namen — warum eigentlich?):

Und ich finde es erstaunlich, wie viele schlechte Verlierer es im deutschen Journalismus gibt. Nicht wenige Kollegen spielen die Bedeutung der Papiere herunter und sprechen von Enthüllungen, die wir angeblich nicht brauchten, weil sie nur „mit mäßigem Nährwert“ ausgestattet seien.

Dass solches in einer Wochenzeitung mit besonders großem Papierformat zu lesen ist, überrascht dabei weniger. Dort hatte man bei manchen – nicht allen! – Autoren immer schon den Verdacht, dass sie viel lieber diplomatische Depeschen für mächtige Minister schreiben würden, als ganz unoffizielle Artikel für den Leserplebs.

joffe gibt sich in der tat so staatstragend, dass ich beinahe mitleid für ihn empfinde, dass er mit seinen vielseitigen einsichten und wissen bei einer popeligen zeitung arbeiten muss, statt im staatsdienst. joffe meint tatsächlich, dass die vierte gewalt im staate, die presse, überflüssig sei, weil es dafür parlamente und gerichte gäbe, also den rechtsstaat:

Wikileaks veröffentlicht erneut geheime Dokumente. Sollen die das dürfen?

Wenn Demokratien keine Geheimnisse mehr haben können, geht der Vorteil an die Despoten. WmdW kennt keine Dokumente, die Wikileaks je aus Nordkorea, Arabien, Iran, Russland, China etc. veröffentlicht hätte. Wikileaks lebt von den Freiheiten, welche die liberale Demokratie gewährt. Just diesen Staat will der Verein in seiner Hochmut schwächen. In dem Sinne ist das kriminell. Wir nennen es „Hochverrat“, den alle Länder mit den höchsten Strafen belegen. WmdW wünscht sich keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.

klar. nixon, strauss, flick — die sind alle über parlamente und gerichte gestolpert. wer braucht schon whistleblower oder journalisten, wenn es parlamente und gerichte gibt. ein lupenreiner demokrat und journalist, der herr joffe.

typisch österreichisch

felix schwenzel,    

alexander becker über das boulevard-magazin „östereich“:

Verbreitet wird die Tageszeitung an typisch österreichischen Zeitungsständern.

der tagesspiegel wird übrigens an oft draht oder blechartigen zeitungsständern verkauft, oft von verkäufern mit migrationshintergrund und oft in eisiger kälte. meedia mach medienjournalismus, der richtig an die wurzeln geht.

west wing, wikileaks

felix schwenzel,    

jetzt wo ich wie mathias richelthe west wing“ zum zweiten mal gucke, habe ich das gefühl, dass aaron sorkin mehr über die regierung der vereinigten staaten verraten hat, als wikileaks. (übrigens, das thema „wikileaks“ behandelt spiegel online witzigerweise sehr stiefmütterlich, die „themenseite“ zum thema „wikileaks“ ist alles andere als aktuell, der letzte eintrag dort datiert vom 27.09.2010. furchtbar unübersichtlich und verwirrend gestaltet: die spiegel-online „themenseite“ zum thema „wikileaks“)

abgesehen davon, so sehr ich wikileaks und julian assange bisher kritisch gesehen habe (hier beim tagesspiegel kann man sich ein bisschen eine übersicht verschaffen), es ist doch faszinierend zu beobachten wie sehr die hauruck-strategie von assange die amerikanische regierung, amazon und andere privatfirmen demaskiert und zeigt wie sehr sie auf die freiheit des wortes und bürgerrechte scheissen. heute sind es assange und wikileaks die von den speicher-, DNS- und hosting-systemen vertrieben und verfolgt werden. ist es morgen der guardian, die new york times oder spiegel online? ganz so drastisch wie dave winer würde ich es noch nicht ausdrücken, auch wenn er wohl recht hat mit der feststellung, dass der einzige weg die informationen zu unterdrücken, das gesamte internet abzuschalten ist:

Once the distribution is underway the only way to shut it down will be to shut down the Internet itself. Politicians should be aware that these are the stakes. They either get used operating in the open, where the people they're governing are in on everything they do, or they go totalitarian, around the globe, now. (alles lesen)

das faszinierende, wie gesagt ist, das nicht die geleakten informationen die regierungs-organe (und kommerziellen-internet-dienst-anbieter) demaskieren, sondern wie sie es selber tun. und, das scheint sicher, jetzt wird ernst gemacht, mit der filter-infrastruktur. in kürze werden die konservativen in den USA und der ganzen welt geschlossen ihr herz für kinder entdecken.