meilensteine der handykonfiguration

felix schwenzel,    

heute war ich bei vodafone im hamburger flagship-store. mein vater wollte auch so ein handy haben, mit dem man fettige fingerspuren auf dem display anbringen kann und auf dem sich alles so fluschig bewegt, wenn man mit dem finger auf dem bildschirm rumdrückt. gleichzeitig ist er aber auch leider wenig risikofreudig, so dass ein wechsel zu einem günstigeren anbieter oder einem mit einer klaren tarifstruktur, für ihn nicht in frage kam. könnte ja sein, dass beim wechsel was schiefgeht. ich vermute, diese angst ist neben den obligatorischen 24-monats-knebel-verträgen auch das, was den kundenstamm von vodafone auf dem derzeigen niveau hält.

wir entschieden uns für ein motorola milestone mit einem happy-weekend-tarif (oder so) mit 60 freiminuten für knapp 30 euro monatliche grundgebühr und zuzahlung von 250 euro für das handy. versurfen kann man 200MB, danach wird von 7,2 MBit/s auf 64 KBit/s gedrosselt.

wobei ich mit den 7,2 MBit/s für die ersten 200 monatlichen megabytes nicht so sicher bin. ich habe zwar im flaggenschiff-laden gefragt ob die vorhandene SIM-karte für den neuen tarif geeignet sei, bzw. neu genug sei, was der verkäufer bejahte und dann fragte, ob wir nicht auch interesse an den vodafone festnetz-tarifen hätten. da merkt man dann die grossen erfolge der vodafone-mitarbeiter-schulungen. man kann offenbar mit keinem vodafone-mitarbeiter sprechen, ohne dass er versucht einem auch einen vodafone festnetz-anschluss anzudrehen. aber zurück zum thema. ich bin mir nicht ganz sicher, ob man mit einer SIM-karte auf der „Mannesmann D2“ steht, auch mit 7,2 MBit/s downloaden kann. ausser d2 hat schon um die jahrtausendwende grossflächig UMTS-SIM-karten ausgegeben.

überhaupt funktionierte nach dem einstecken der alten SIM-karte ins milestone erstmal fast gar nix. keine internetverbindung und kein SMS-versand. ohne internetverbindung ist so ein android-telefon ja recht hilflos. für die internet-verbindung musste ich erstmal den android einrichtungs-assistenten beenden und in die telefon-einstellungs-untiefen gehen um dort vodafone.de als daten-dings auswählen. gut möglich, dass ich dabei einen voreingestellten APN ausgewählt habe, der meinen vater jetzt zwei euro achtig pro megabyte kostet. die SMS-zentrale für den versand von SMS einzustellen war noch etwas komplizierter. eine reguläre einstellung gabs dafür nicht, aber google spuckte diese seite aus, auf der beschrieben wird, man solle …

  • Auf Telefon gehen und eintippen: *#*#4636#*#*
  • Im Menü den ersten Punkt wählen, runterscrollen bis SMSC
  • aktulisieREN drücken (2. Button)
  • Nummer wird eingetragen (ggf. korrigieren, bei mir wurden dahinter weitere Zeichen angezeigt)
  • aktualisieRT drücken (1. Button)
  • FERTIG! (einfach über die Zurück-Taste raus und testen)

im handykonfigurator kein motorola milestone

das klappte erst beim vierten versuch. und jetzt soll niemand sagen, das geht bei vodafoen doch ganz einfach mit dem „HandyKonfigurator“ (schreibweise von vodafone). nö. das milestone kennt der vodafone handykonfigurator nicht.

was ich mich wirklich frage: was denkte sich vodafone dabei? meint man bei vodafone tatsächlich, dass leute die sich ein neues smartfone kaufen informatiker sind? im prinzip hat der verkäufer meinem vater ein stück metallschrott verkauft, mit dem er ausser SMS empfang und telefonie ungefähr nichts smartes hätte machen können, hätte er es zuhause alleine ausgepackt und versucht in betrieb zu nehmen. natürlich kann man mit dem teil wieder in den laden gehen und sich helfen lassen, die hotline anrufen, die dann vielleicht doch eine möglichkeit findet eine konfigurations-SMS aufs handy zu schicken — aber warum kann so ein teil nicht einfach vorkonfiguriert sein oder einen assistenten an bord haben, der einem nicht nur die einrichtung des google-accounts abnimmt, sondern auch das ganze vodafone-gedöns?

einerseits ist das ja lobenswert, dass vodafone das milestone nur minimal brandet. tatsächlich habe ich nur ein einziges programm mit dem vodafone-logo gefunden. das schien aber nichts anderes zu machen als die vodafone.de-site im browser aufzurufen.

und andererseits war ich froh, dass das handy (zumindest auf den ersten und zweiten blick) nicht mit malware vollgepackt war oder uns nach dem einschalten mit einem vodafone-spruch wie „VodafoneUK is fed up of dirty homo's and is going after beaver“ begrüsste.

aber abgesehen davon, dass man die vier bescheuerten touch-bedientasten für „zurück“, „menü“, „home“ und „suche“ am unteren bildschirmrand ständig ausversehen auslöst, scheint mir das milestone ein ganz OKayes handy zu sein. aber vodafone? offenbar lautet die vodafone-mission nach wie vor: wir machen es den kunden so schwer wie möglich, einfach ist doch nur was für weicheier. jetzt hab ich 24 monate zeit meinen vater von einem provider-wechsel zu überzeugen.

amerikaner

felix schwenzel,    

so wie hamburger natürlich nicht mit einem salatblatt und einer brötchenhälfte auf dem kopf rumlaufen, laufen amerikaner nicht mit zuckerguss auf dem kopf herum. ich kann das aus eigener erfahrung bestätigen.

abgesehen davon, kann man amerikaner erstaunlich einfach selbst backen, sofern man eine rührmaschine und einen ofen hat. was mich dann aber doch überrascht hat war, dass amerikaner, also die, sie man backt, ein päckchen vanilliepudding-pulver im teig haben. hört sich eklig an, schmeckt aber lecker. die beifahrerin hat mir heute ein amerikaner-rezept ausgedruckt und hingelegt, dass dann das zur folge hatte:

amerikaner

beim guss habe ich ein bisschen gespart, 200 gramm zucker im guss waren mir dann doch ein bisschen viel, schliesslich waren im teig schon 100 gramm. trotzdem sehr pudrig und lecker.

im rezept steht:

Zubereitungszeit: 10 Min.
Ruhezeit: 1 Tag 11 Std.

das stimmt nicht ganz. um viertel nach acht, nach der tagesschau, habe ich angefangen zu backen, um 20:45h haben wir die amerikaner bereits gut abgekühlt gegessen. und als ruhezeit werden mir gleich 6 stunden schlaf reichen. 1 tag und 11 stunden halte ich für übertrieben, auch wenn ich noch urlaub habe.

sender - brot - empfänger

felix schwenzel,    

als ich eben diesen artikel von mspro in seinem faz-blog aus meinen referern gefischt habe und die illustration am anfang des artikels sah, musste ich unweigerlich an diese illustration von monochrom denken:

sender - brot - empfänger

abgesehen davon, dass mspro mal wieder irre viel schreibt, mich zitiert und über volltext-RSS (siehe auch meinen artikel dazu) und das verhältnis vom produzent zum leser nachdenkt, hat ein absatz seines elaborats eine wunderbare überschrift:

Google, der Robin Hood der Aufmerksamkeit

wer drei stunden zeit hat, kann ja mal den ganzen text lesen.

RSS

felix schwenzel,    

die basic thinking-betreiber kündigen an, ihren RSS-feed gekürzt zu haben. angeblich aus einem „einfachen grund“:

Basic Thinking muss sich früher oder später über Werbung refinanzieren. Im Feed wird die Werbung aber nicht angezeigt. Deshalb ist uns natürlich daran gelegen, dass die Besucher die Posts auf unserer Seite lesen – und eben nicht komplett über RSS.

die einnahmen die durch werbung im feed generiert würden, reichten nicht aus und das sei zuwenig die „Redaktion durchzufüttern“. die reaktion vieler leser in den kommentaren lautet: „und tschüss“. das wiederum findet jürgen vielmeier vom yuccatree doof:

Wie undankbar kann man sein? Manchmal verstehe ich die Menschen nicht. BasicThinking hat ein kleines Redaktionsteam, das täglich in allen Kanälen des Internet nach spannenden Themen sucht und sie aktueller präsentiert als so manche Nachrichtenredaktion. Dafür verlangen die Macher kein Geld; Werbung ist bisher äußerst dezent auf der Seite geschaltet.

undankbare leser? wer liest den zeitungen oder weblogs aus dankbarkeit? ehrlichgesagt finde ich, dass es genau umgekehrt ist. ich bin dankbar für jeden leser, dankbar für jeden der mir seine aufmerksamkeit schenkt und vielleicht sogar das, was ich mache, schätzt. dafür bin ich bereit einiges zu tun. zum beispiel versuche ich das lesen so einfach wie möglich zu machen. ich biete nicht nur einen rss-feed an, den man einfach in einem feedreader abonnieren kann, prüfe regelmässig dass er in diversen feedreadern einigermassen aussieht, ich versuche auch, meine website so einfach wie möglich zugänglich zu machen, ich achte darauf, dass die seiten (möglichst) schnell laden, biete eine funktionierende suche an, achte darauf, dass suchmaschinen die site gut indexieren können und dass alle einträge eindeutige und auf wunsch kurze urls haben. zumindest technisch versuche ich wirres.net so einfach wie möglich lesbar zu machen. das mit der rechtschreibung und der fehlenden gross/kleinschriebung widerspricht dem zwar ein wenig, aber zumindest technisch versuche ich alle möglichen steine aus dem weg zu räumen.

vor allem bin ich aus eigener erfahrung der überzeugung, dass volltext-RSS-feeds der einfachste und beste weg sind um effizient an informationen zu kommen. informationsquellen ohne volltext-RSS fallen ruck-zuck aus meinen aufmerksamkeits-radar. ein beispiel ist das blog von richard gleim. richard postet manchmal zehn bis zwanzig bilder täglich, meistens schnappschüsse die kleine, kurze momente einfangen und die ich ebenso schnappschussartig konsumiere. für eine weile war richards RSS-feed gekürzt. in dieser zeit tauchten nicht die bilder in meinem feedreader auf, sondern nur kurze text-teaser. ich habe es für eine weile versucht und auf die teaser geklickt, verlor aber schnell die lust daran. ich nahm gnogongo.de nicht mehr wahr. seit ein paar wochen ist der feed wieder komplett und ich freue mich über fast jedes seiner bilder in meinem feedreader.

jürgen vielmeier meint, das sei doch nur ein „mausklick mehr“. mag sein, aber darum geht es nicht. es geht darum, dass ich jemandem aufmerksamkeit schenke und dieser jemand der seinen RSS-fedd kürzt meint, durch eine technische hürde noch einen zusätzlichen ticken aufmerksamkeit verlangen zu können. und es geht um effizienz (und nicht etwa um oberflächlichkeit). mein feedreader ist proppevoll, ich habe genug damit zu tun den müll auszublenden, zu überspringen und das was mich interessiert, auf einen blick erkennen zu können. wenn ich erst nach einem klick, zehn, zwanzig sekunden ladezeit, einem weiteren klick um den tab im browser zu wechseln und weitere sekunden um die stelle wiederzufinden an der ich aufgehört habe zu lesen, entscheiden kann ob mich das was ich sehe interessiert, ist das ein unterschied von zehn bis zwanzig sekunden. das ist zuviel. zumal ich in meinem feed-reader gar nicht klicke, sondern komplett per tastatur navigiere.

wenn ich etwas interessant finde, bin ich gerne bereit mehr, viel mehr zeit zu investieren. letztendlich ist das in der analogen, der papierwelt nicht anders. wenn sich ein verleger entscheiden würde die überschriften auf der titelseite in der gleichen schriftgrösse wie den fliesstext zu setzen und auf fotos oder illustrationen zu verzichten, damit die leser die artikel aufmerksamer lesen und nicht nur die seite nach interessantem scannen, verliert er aufmerksamkeit, statt sie zu gewinnen. wer es dem leser schwer macht, verliert leser. wer den lesern vorschreiben möchte wie sie etwas konsumieren sollen, verliert leser. wer den lesern den eindruck vermittelt sie seien undankbar, verliert leser und sympathien.

im prinzip ist der streit darum, ob man RSS-feeds aus (angeblich) kommerziellen gründen, kürzen sollte, uralt. die riesenmschine hat ihren RSS-feed von anfang an gekürzt und damit im laufe der zeit jede interessanz für mich verloren. ich mochte das projekt, aber es war inkompatibel zu meinen lesegewohnheiten. aus dem selben grund, vermute ich mal, schaltete ehrensenf vor jahren seinen RSS-feed ab. so nach dem motto: „wenn ihr uns aufmerksamkiet schenken wollt, tut das auf unserer site, sonst haben wir nichts davon“. offenbar ist ehrensenf mittlerweile so verzeifelt, dass sie seit einigen tagen wieder einen funktionierenden RSS-feed anbieten. natürlich ohne eingebettete videos, das würde es dem leser ja zu einfach machen, ehrensenf aufmerksamkeit zu schenken.

um endlich zum punkt zu kommen. ich glaube, das argument RSS-feeds zu kürzen oder zu verkrüppeln um mehr werbeumsätze zu machen, ist ein irrtum. es geht um aufmerksamkeit. ja, sagen jetzt die RSS-kürzer, von aufmerksamkeit kann ich mir aber nichts kaufen. ich glaube schon. es gibt einige kommerziell zumindest ansatzweise erfolgreiche blogs und webseiten, die volle RSS-feeds anbieten. das bildblog, spreeblick, nerdcore oder zum beispiel daringfireball. und wie es der zufall will, hat john gruber, der betreiber von daringfireball, gerade darüber geschrieben, dass die kompletten RSS-feeds sich für ihn kommerziell absolut lohnen:

It should go without saying that what works for me here at Daring Fireball, as a one-man show, may well not work (or work nearly as well) for a large operation with a full editorial staff such as Macworld. But: DF’s RSS feed, which contains the full content of the site, not only generates money directly, but has grown to become the single largest source of revenue on the site.
[…]
When I switched DF’s free public RSS feed to full-content in August 2007, DF’s web page views had been growing steadily month-to-month. After the switch, web page views were stagnant, with no growth, for about a year. (If anything, they went down in the first few months.) Butreadership clearly continued to grow: subscribers to the feed skyrocketed. And, about a year ago, even web page views started growing significantly once again — going from a little over one million per month to a little over two million per month.

natürlich ist die situation bei daringfireball speziell. englischsprachige blogs und vor allem gadget-blogs haben einen potenziell riesigen leserkreis, aber vor allem schreibt gruber nicht so einen müll wie basic-thinking („informelle Selbstbestimmung“ — was soll das sein, selbstbestimmung ohne antragsformular?*), sondern kenntnissreich und unprätentiös. gruber schreibt so gut, dass ich für seinen feed sogar bezahlen würde. aber er bittet mich weder um geld, noch zwingt er mich seine texte auf seiner webseite zu lesen — und verdient sich damit einen goldenen arsch.

[bildquelle]

* * *

[nachtrag]
über das kürzen von feeds und vermarktungsgedöns schreibt auch der werbeblogger lesenswert.

[nachtrag 06.03.2010]
marcel weiss schreibt lesenswert und weit ausholend über die aufmerksamkeitsökonomie und das kürzen von RSS-feeds.

ausserdem hackr.de über seine persönliche aufmerksamkeitsökonomie und einen weiteren wichtigen punkt:

als publisher muss man sich über eines jedenfalls im klaren sein: das umstellen von fullfeeds auf excerptfeeds bringt vl. einige klicks, birgt aber auch mitunter signifikante opportunitätskosten. man verliert nicht nur leser […], man verliert gerade die, denen das wichtig ist, weil sie mehr als nur eine quelle lesen und ihren output dann sharen und faven und streuen usw, man verliert die katalysatoren und damit alle von diesen getriggerten indirekten klicks.

[nachtrag 07.03.2010]
*) im riedel-artikel bei basic thinking steht jetzt nicht mehr „informelle selbstbestimmung“, sondern „informationelle selbstbestimmung“. informelle korrektur, quasi.

kontrollfunktion

felix schwenzel,    

ich bin sicher, wenn patricia riekel chefredakteurin vom „playboy“ oder vom sexualkuppel-magazin „happy-weekend“ wäre, sie würde genauso energisch auf die kontrollfunktion der „medien“, der presse und des journalismus hinweisen, wie sie es heute in einem brief an renate künast getan hat.

mich inspiriert riekels brief zum steilen vergleich mit einem pornoproduzenten, der einem politiker der ihm ans bein gepinkelt hat sicherlich auch zuerst schreiben würde, dass in „der amerikanischen Demokratie“ die wähler ein verfassungsmässig verbrieftes recht hätten, sich von den Medien sorgfältig, detailliert und explizit über anatomische details informieren zu lassen. er würde schreiben, dass sogar der oberste gerichtshof der USA pornographie unter den schutz der freien meinunsgäusserung stellt. der pornoproduzent würde wahrscheinlich auch betonen, dass seine werke der aufklärung, der volksgesundheit und dem gesellschaftlichen klima dienen würden. ellenlanges pathetisches geschwätz wäre das wahrscheinlich, was der pornoproduzent zur verteidigung seiner erzeugnisse aus sich raus fliessen lassen würde.

andererseits haben riekel und der imaginäre pornoproduzent im grunde natürlich recht. auch schund geniesst alle rechte der pressefreiheit. von mir aus kann die bunte so viel wie sie will über die titten und ärsche von prominenten oder sternchen berichten, darüber wer sich mit wem paart oder wer wieder zu- oder abgenommen hat. das eigentlich erschütternde ist aber, wie riekel den sensationsgeilen müll und klatsch den sie produziert, der vor allem der befriediegung voyeuristischer bedürfnisse dient, pathetisch eine politische und gesellschaftliche kontrollfunktion andichtet. fickgeschichtchen und klatsch als basis der demokratie? die bunte, ein sturmgeschütz der demokratie?

was für ein peinlicher grössenwahn.

[nachtrag 04.03.2010]
wolfgang michal hat bei carta ein paar gedanken zu riekels erklärungen aufgeschrieben.