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Am Ende des Sommers stirbt man ein bisschen

Ich hatte das Wort ’Publizistik’ auf einer Feier augeschnappt, damals, als man noch aus dem Hause ging um zu vögeln und nicht nach Hause. Aus Versehen studierte ich es dann (Publizistik). Ein Mädchen wollte ständig eine Reportage über das Schiffshebewerk Niederfinow schreiben, der Dozent bügelte sie ab mit den Worten ’Menschen interessieren Menschen’. Mit dem Mädchen habe ich später kurz geknutscht, der Spruch begleitet mich immer noch; in meinem Viertel gibt es Menschen, die mich besonders interessieren.

Ein einbeiniger Fahrradfahrer, um den herum Fellinifilme gedreht werden könnten. In früheren Sommern fuhr er fast jeden Morgen mit seinem Dreiradfahrrad herum, sein Bein ans Pedal geschnallt, das andere Pedal fehlt. Ein dünner Mann, seine Cordhosenbeine flatterten im Wind, eins mehr als das andere. In seinem Gesicht war ein Grinsen eingraviert, ein unaustreibbares, verzücktes ’Brazil’-Grinsen. Der Amputierte - ’er ist genau wie wir’, hörte ich eine Mutter ihrem Kind erzählen, ’nur ohne Bein’. Das Kind wird zynisch werden. Diesen Sommer habe ich ihn nicht mehr gesehen und ich habe mich dabei ertappt, zu wünschen, dass er glücklich gestorben sei, dabei lebt er vielleicht noch. Ein Hauch Euthanasie weht in uns allen.

Genau gegenüber wohnt ein Mann, der eine sexuelle Beziehung zu seiner Wand hat. Schon oft hat er sich viertelstundenlang an ihr gerieben. Ein Wandficker. Kaum Beschimpfungspotenzial offensichtlich, dafür hohes Mitleidspotenzial. Warum eigentlich? Da reibt sich jemand an der Wand, na und? Ich habe es auch probiert; es ist so mittelbefriedigend. Wenn man es auf einer höheren Sinnebene betrachtet, dreht sich diese Obsession um die Härte der vergeblichen Umarmung. Aber die Kälte der Wand wird irgendwann zu Wärme, wenn man genug gerieben hat.

An der Kasse des Supermarkts sitzt oft ein hässliches, junges Mädchen. Auf ihrem linken Ringfinger Höhe Ehering trägt sie einen tätowierten fünfzackigen Stern mit einem ’M’ darin. Früher habe ich auf Martin, Max oder Maja gewartet, die sie anrufen, abholen, sich irgendwie zu erkennen geben. Nie etwas. Seit diesem Sommer sieht sie nicht mehr nur hässlich aus, sondern auch traurig, und sie hat eine andere Frisur. Inzwischen warte ich auf ein Pflaster um ihren Finger, aber sowenig Markus sich damals um sie kümmerte, sowenig scheint sie sich um das hinfällige ’M’ zu kümmern. Ich habe einen hässlichen Bekannten namens Matthias, vielleicht sollte ich die beiden mal vorstellen. Im Herbst, dann.


 

riesenerfolg für die telekom: 43 kunden

das iptv der telekom startete letzten samstag mit 43 zuschauern. sagt die sz. wenns stimmt, verleih ich der telekom den ehrentitel telekom2.0 mit seifenblase:

43 Haushalte, das ist ein bisschen wenig, wenn man bedenkt, dass die Telekom der Deutschen Fußball-Liga pro Saison 50 Millionen Euro für die Rechte zahlt - jeder Spieltag schlägt mit fast 1,5 Millionen Euro zu Buche. Da wäre es einfacher, jedem der neuen Telekom-Abonnenten Tickets für ein Bundesligaspiel zu schenken, inklusive Flug, Logis und exklusiver Verpflegung. […] Dabei war schon im Mai klar, dass die Technik noch nicht so weit ist. Ungerührt aber schwadronierten Telekom-Manager von mehr als drei Millionen Haushalten in zehn Ballungszentren wie München, Berlin und Hannover, die zum Liga-Start erreichbar wären. Zu den angeblich 43 Kunden sagt T-Online-Sprecher Martin Frommhold jetzt auf Anfrage: „Kundenzahlen für das seit dem 2. August an Bestandskunden vermarktete IP-TV-Bundesliga-Paket werden nicht veröffentlicht.“

via dwdl.


 

ausrede

„warum bist du denn heute so spät gekommen?“
„ich hatte darmbesuch.“


 

werbung die nach hinten los geht, teil 832763832873263282363225387

hier und hier. und das gerade jetzt.

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glam in trouble

herr glanzschwanz hat sich ne unterlassungsklage eingefangen (1, 2, 3). das verstehe ich. warum, verstehe ich nicht ganz. kann mir das jemand erklären, damit ich mich ordentlich empören kann?


 

veranstaltung: „from dusk till dawn“

jeder kennt die neue plage die handybenutzer jetzt schon heimsucht, bluetooth-spam. am sap-gebäude in berlin mitte war (noch immer?) in der gegenüberliegenden litfasssäule ein bluetooth sender eingebaut, der vorbeigehenden per bluetooth eine nachricht aufs handy spamt um ihn auf die installation („raw data“) in der fassade des sap-gebäudes hinzuweisen und das man mit ihr (telefonisch) interagieren könne. ebenso, an einigen orten spammen einen sog. bluespots der wall ag mit nachrichten zu um einem irgendwelchen scheiss zu verkloppen, „lokales marketing“ nennt man das.

einen etwas anderen ansatz verfolgen ein paar studenten der fh potsdam. am samstag den 12. august zeigen sie am u-bahnhof eberswalderstrasse eine installation die mit den aktivierten bluetooth handies der passanten oder zuschauer interagiert: from dusk till dawn.

Jeder Nutzer eines Mobiltelefons verändert heute mit seinem Mobilfunkgerät durch mobile Kommunikation oder den Austausch von Daten aktiv, jedoch für niemanden sichtbar, seine Umgebung.

„From Dusk Till Dawn“ greift genau diese Thematik auf: Mobilfunkgeräte werden von einem System wahrgenommen und visualisiert. Die Installation macht dadurch mobile Kommunikation sichtbar und schafft ein öffentliches Bewusstsein für die Transparenz, Gläsernheit und Angreifbarkeit der Nutzer dieser Technologien.

im klartext, wenn man dort mit seinem bluetooth-handy auftaucht, liest ein system den namen des handies, die bauart und ähnliches aus und projeziert diese, evtl. mit blöden sprüchen garniert, auf eine projektionsfläche.

hört sich interessant an, leider bin ich am samstag nicht in berlin um mir das anzugucken.

[siehe auch berlin.metblogs.com]

[nachtrag 14.8.2006]
frau m war dort.

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unterwegs

neues hobby von mir: auf öffentlichen toiletten oder auffer arbeit im stehen pinkeln und die reste und streifen der vorhergehenden scheisser wegpissen. geht restlos aber nur mit ganz frischen spuren.

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Richtige Männner haben Brusthaare auch am Rücken.

peter köhler auf seite 113 in dummy frauen, überhaupt, wie die meisten dummies, sehr lesenswert.

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Schach ist die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz, die sich außerhalb einer Werbeagentur finden lässt.

raymond chandler, gefunden in der sz vom 9.8.2006 (seite 18/wirtschaft).

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johnny:

Und doch klingt Cashs Version von „If You Could Read My Mind“, einem Song, den man in anderen Interpretationen getrost als wehleidig bezeichnen kann, hier dramatisch statt jämmerlich und trotz aller Dramatik unterstützend statt resignierend. Wer beim halbwegs konzentrierten Zuhören keinen Kloß im Hals bekommt ob dieses Vortrags, der gehört zu denjenigen unter dem Einfluss zu vieler US-Soaps aufgewachsenen Zeitgenossen, die unter „Emotion“ die Worte „Oh, my god!“ beim Anblick eines etwas größeren Eisbechers verstehen.

das stimmt. ich habs im urlaub auf dem mp3 player meiner beifahrerin gehört, quasi am strand sitzend und konnte mir die tränen kaum verkneifen. ein unglaubliches lied.

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ansage im zug: „wegen unserer verspätung die aufgrund einer sperrung des hauptbahnhof dortmund erfolgte, möchten wir uns bei ihnen nochmal recht herzlich entschuldigen.“ kurz danach auf englisch: „we are dealyed: sorry.“

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„ulknudel“: taz, faz, wirres, via eselkult.

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nokia n80.


 

schwanzmusik

nach gefühlten 2 jahren, wenig output (selbst nach einer woche urlaub nur 4 artikel im feedreader) jetzt endlich mal ein artikel nach meinem geschmack in der „readers edition“ (so sehr nach meinem geschmack, dass ich fast die überschrift geklaut habe):

Der Zune-Insider berichtet, dass der Begriff “Zune” im kanadischen Französisch ungefähr so viel wie “Pimmel” oder “Schwanz” bedeutet - ein Slangwort für das primäre männliche Geschlechtsorgan.

Und auch aus Israel kommt eine Hiobsbotschaft für Microsoft: Dort weist ein Blogger darauf hin, dass der Begriff “Zune” auf hebräisch für “Ficken” steht. (weiterlesen)

obs stimmt steht freilich auf einem anderen blatt.

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endlich

stefan niggemeier schreibt jetzt endlich auch selbst ins internet. nicht dass ich froh wäre ihn los zu sein, insgeheim hoffe ich immer noch, dass er hier ab und an wieder was schreibt, aber jetzt endlich, hat er seine textpattern installation soweit in den griff bekommen, dass er sie endlich nicht nur zum ablagern seiner fas-texte benutzt, sondern auch zum regelmässigen udn persönlichen ins internet schreiben mit kommentarfunktion.

sein erster artikel fügt sich nahtlos an seine texte (1, 2, 3) zu „pi“ an und ist wie alle seine texte eine saubere fleissarbeit:

Die folgende Auflistung ist eine willkürliche, aber nicht untypische Auswahl von Kommentaren auf “Politically Incorrect” aus dem vergangenen Jahr. Fast alle stammen von regelmäßigen Kommentatoren, die auch immer wieder als Anreger und Zulieferer von Blog-Beiträgen auftauchen. (weiterlesen)


 

klabusterdeppen

wir bewegen uns alle auf einem sehr schmalen grat wenn wir ins internet schreiben. überall liegen digitale steinchen und stöckchen rum, die wir nur aufheben müssen, seien es bilder, zitate, liedtexte, musik oder filmchen. wir heben sie auf, kopieren sie, verwenden, verfremden, kommentieren sie, machen uns lustig drüber. jeder der ins internet schreibt oder sich irgendwie kreativ betätigt, sei es als blogger, als musiker, (web-)designer oder sonstwas bedient sich an den werken anderer, greift ihre ideen, (quell-)texte, ihre werke auf und verfremdet, zitiert, sampelt oder zeigt sie einfach. die hälfte dieser seite besteht aus zitaten oder geklauten und verfremdeten bildern. selbst wenn man aus begeisterung und respekt vor der leistung anderer etwas veröffentlicht kann man sich kräftig auf die schnauze legen, und muss unter umständen zahlen. wir alle bewegen uns ständig am äussersten rand des urheberrechts und müssen ständig mit irgendwelchen arschlöchern oder ethikbauftragten rechnen die uns abmahnen oder irgendwelche konsequenzen androhen, rechnungen schreiben wollen oder vor gericht kennenlernen wollen.

trotzdem. kopieren, klauen, anderer leute ideen aufgreifen ist gut. 90% aller kulturellen leistungen bauen auf denen anderer auf, das ist in der musik so, in der literatur so und auch im internet.

andererseits, was für ein arschloch muss man sein, um nachdem man ein bild von jemand anders gegen seinen erklärten willen klaut und ohne quellenhinweis benutzt, sich auch noch über denjenigen lustig zu machen und ganze horden von hirnlosen, feigen anonymen wichsern gegen denjenigen aufzuhetzten? sebastian s. aus buxtehude und seine kumpels von „klabusterbeere.net“ machen das gerade. sebastian s. hat elle ein bild aus ihrem flickr-account geklaut und auf klabusterbeere veröffentlicht. freundliche bitten per email, das bild zu entfernen hat er ignoriert, ans telefon ist er trotz mehrere versuche ihn zu erreichen nicht gegangen und nun wird im forum der verfilzten kotkügelchen und in deren blog kräftig zum trollen aufgefordert (die kommentare bei elle sind mittlerweile moderiert und der grossteil der troll-scheisse gelöscht). keine ahnung ob stefan a. als inhaltlich verantwortlicher „gemäß § 10 Absatz 3 MDStV“ sich für sowas wirklich verantwortlich fühlt oder ob das arschloch, dass sich „jurist“ nennt und bei elle auf dem blog schamlos juristisches halbwissen und peinliches, gockelhaftes rumgedrohe ausstösst wirklich etwas mit klabusterbeere.net zu tun hat, aber merkwürdig ist das schon, dass leute die sich ihre inhalte munter zusammenklauen und zur tarnung ihrer dummheit satire drüberschreiben, die ersten sind die in kommentaren ihre abgrundtiefe grunzigkeit beweisen und mit paragrafenzeichen um sich werfen und abmahnungen ankündigen. ehrlichgesagt wünsche ich mir für elle ganz inständig, dass dieser anonyme feigling namens „jurist“ wirklich ne abmahnung losgeschickt hat und sich damit einer noch grösseren lächerlichkeit preisgibt und aus seiner vermmeintlichen anonymen verschanzung begibt (das ist ne aufforderung, arschloch, mahn mich ab).

eigentlich denkt man ja oft, morgens beim aufwachen, oder nach ein paar bier ab und an mal, dass das mit der welt alles nicht so schwierig sein kann. ein bisschen anstand, ein bisschen rücksicht, dann geht das auch mit dem schreiben im internet ohne buchstabengetreue auslegung von urheberrecht und zivilrecht. bis man dann über die betreiber von klabusterbeere.net stolpert und deren armee von hirnlosen trollmobs die aufgestachelt im halbgeschlossenen forum über vorher beklaute herfallen und diese wüst beschimpfen.

angeblich wird man klabusterbeeren übrigens mit „nicht-fusselndem Toilettenpapier, dem Tragen von fusselfreier Bekleidung […] und regelmäßiger Intimrasur“ los. glaub ich aber nicht so ganz. ignorieren wäre besser gewesen.

[nachtrag]
siehe auch sebas eintrag zum gleichen thema.

[nachtrag 05.08.2006, 21h]
heute abend hat sebastian s. elles bild offenbar aus seinem flickr-account und damit auch von der klaubusterbeerenseite gelöscht und mich ausserdem gebeten seinen namen hier nicht mehr zu nennen. mir solls recht sein.


 

Politisch korrekter Schwanzvergleich auf myblog.de

Gestern schrieb mir Nico Wilfer, der myblog.de-Verantwortliche, er werde im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen „Politically Incorrect“ noch die Generierung der Liste der „meistgelesenen Weblogs gestern“ auf myblog.de überarbeiten lassen. Erst heute weiß ich, was er damit meinte: „Politically Incorrect“ ist nicht mehr in dieser Liste vertreten. Gestern war das Blog noch auf Platz 1, heute ist es nicht mal mehr unter den Top 100.

Ich gehe davon aus, dass das nicht den Tatsachen entspricht. Dass „PI“ nicht plötzlich all seine Leser verloren hat, im Gegenteil. Nun ist es natürlich ein Effekt solcher Charts, diejenigen, die ganz oben stehen, noch weiter zu pushen – und insofern könnte man sagen, ist es ein guter Effekt, dass „PI“ auf diese Weise keinen weiteren Zulauf bekommt.

Trotzdem finde ich das heuchlerisch, falsch und undemokratisch: Entweder „PI“ hält sich an die AGBs von myblog.de (und das Gesetz), dann hat „PI“ jedes Recht, in der Liste der meistbesuchten Blogs an genau der Stelle aufzutauchen, die seinen Besucherzahlen entspricht. Oder „PI“ hält sich nicht an die AGBs von myblog.de (und das Gesetz), dann hat es nicht nur in der Liste nichts zu suchen, sondern überhaupt bei myblog.de nicht.

myblog.de verheimlicht die Tatsache, welches Blog ihm den meisten Traffic verschafft, um nicht als Blog-Netzwerk der Rechtsextremen, Idioten und Undemokraten darzustehen, aber weiter von den Rechtsextremen, Idioten und Undemokraten profitieren zu können. Verlogener geht’s nicht mehr.


 

Live-Bloggen vom Bloggertreffen gegen Selbstreferentialität

Heute abend geht nicht nur die wirres-Urlaubsvertretung von Herrn Niggemeier und mir zu Ende - nein, wir wollen auch als Abschluss ein Zeichen setzen; ein Zeichen, das wir in der Blogosphäre als längst überfällig empfinden. Wir möchten eindringlich gegen die übergrosse Selbstreferentialität von Blogs zu wenden, über die ich auch hier, hier und hier geschrieben habe.

Wir haben uns nun entschlossen, endlich nicht mehr nur Worte, sondern Taten folgen zu lassen, und veranstalten heute abend ein Bloggertreffen gegen Selbstreferentialität, zu dem auch wirres.net-Blogger Felix Schwenzel erscheinen wird. Wir werden von dieser Aktion live bloggen, und zwar genau hier in diesem Blog, ab in einigen Minuten. Wer teilnehmen will, wird das in den Kommentaren auf dieser Seite tun können.


 

Mitbringsel

quasi als verspätetes Gastgeschenk fürs Hierbloggenlassen

(Meersburg am Bodensee)


 

Hass (update)

Das Foto, das ein gewisser Paule von einem bärtigen Familienvater und seiner verschleierten Frau in der Schwebebahn gemacht hat, ist nicht mehr online. myblog.de hat dieses Bild und alle anderen aus dem konkreten Eintrag bei „Politically Incorrect“ entfernt, weil es zweifelsfrei einen Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild darstelle (§ 22 KunstUrhG). Das ergibt sich schon aus der Beschreibung des Fotografen selbst: „Das obere Bild habe ich beim Aussteigen gemacht, so dass die nicht erwartet haben, daß man sie fotografiert.“

Ich hatte beim myblog.de-Verantwortlichen Nico Wilfer nachgefragt, was sich ein bei ihm gehostetes Blog denn noch zu Schulden kommen lassen muss, um die Kündigung zu bekommen. In den Allgemeinen Geschäftsbedindungen heißt es ja immerhin, dass keine „diffamierenden, verleumderischen, beleidigenden, bedrohenden, volksverhetzenden oder rassistischen Inhalte“ zulässig seien – das beschreibt eigentlich genau das, woraus „Politically Incorrect“ besteht. Nico Wilfert antwortete mir, es gebe folgende interne Richtlinien bei myblog.de:

„1. Wird uns ein offensichtlicher Rechtsverstoß bekannt, deaktivieren wir den betreffenden Beitrag/Kommentar/Gästebucheintrag direkt und informieren den Autor darüber -- oder, bei ‚weniger schlimmen’ Verstößen -- wir machen den Autor darauf aufmerksam, mit der Auflage, die Rechtsverstöße innerhalb von 24 oder 48 Stunden zu beseitigen
2. Kommt es sehr häufig zu offensichtlichen Rechtsverstößen, sperren wir das Blog, nach einer Vorwarnung, die 48 Stunden vorher erfolgt, bzw. bitten den Autor, sich eine andere Plattform zu suchen.
3. Bei einer ganzen Liste von Verstößen legen wir die Liste dem Autor vor mit der Bitte, sämtliche Verstöße innerhalb von 48 Stunden zu entfernen. Tut er das nicht, deaktivieren wir das Blog.
4. Dient ein Blog lediglich illegalen Zwecken (möglich: Porno-Blogs, Blogs ausschließlich zur Beleidigung von Klassenkameraden), wird es umgehend deaktiviert und der Autor benachrichtigt.“

Vorwürfe (zum Beispiel von Dr. Dean, bluejax, Daniel, Don Alphonso und vielen anderen), wonach myblog.de Beschwerden über „Politically Incorrect“ bislang immer ignoriert habe, seien falsch, sagt Nico:

„Es gab im konkreten Fall 1. äußerst selten Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße, von denen 2. die meisten nicht als klare Rechtsverstöße erkenntlich waren. Waren sie doch berechtigt, haben wir umgehend reagiert und die Texte oder wie in diesem Fall Fotos entfernt. Es waren nicht so viele Rechtsverstöße, dass wir bislang eine Schließung des gesamten Blogs für gerechtfertigt halten. (...)

Wir fordern übrigens auch in unserem Impressum explizit dazu auf, Rechtsverstöße an support@myblog.de zu melden. Das betreffende Weblog werden wir nun weitergehend prüfen.“

Nico schreibt, ich solle ihm Zitate aus „Politically Incorrect“ zuschicken, die die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten und rechtswidrig sein könnten, dann werde er der Sache nachgehen. Deshalb meine Bitte an alle, die sich schon länger und gründlicher mit der Sache beschäftigen als ich: Schickt mir solche Zitate mit Quellenangabe. Ich werde sie an Nico weiterleiten. Und dann schauen wir, ob etwas passiert.


 

[Blogeintrag]

Heute möchte ich endlich drüber schreiben, wie [scheinobjektive Befindlichkeit], vor allem, weil ich [abstruse kausale Verkettung]. Den Anlass dazu hat mir [Blogrollmitglied] geliefert, der neulich mit [Nichtblogrollmitglied] aneinandergeraten ist, es ging um irgendwas [irgendwas], so genau habe ich es nicht verstanden [optionale Ironieanzeige]. [Unnötige Bemerkung zu Rechtschreibfehlern].

Das Thema ist natürlich ziemlich komplex, wurde aber neulich schon von [A-Blogger] super auf den Punkt gebracht: [verlinktes Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, das die zu besprechende Thematik allenfalls streift]. Ich sage ja schon längst, dass [A-Blogger] ganz im Gegensatz zu [anderer A-Blogger, je nach Mut auch B- oder C-Blogger] wirklich ein ganz toller [irrwitzig unsubtile Schleimerei]. Ja, [wieder erster A-Blogger] sollte endlich [Professionalisierungsvarianten].

[Katzenfoto]

Aber zurück zum Thema [nichtssagendes Schlagwort in Anführungszeichen], das in Amerika übrigens [eilig mit Technorati und dict.leo.org zusammengekloppter, verlinkter Zusammenhang] wie auch [nochmal], [nochmal] und [nochmal] beweisen! [Tagesaktuelle Andeutung], nanu, dachte ich, das habe ich doch schon irgendwo mal gehört [massiver Einsatz von Ironieelementen]. Stimmt, [flächig vorgetragene Allgemeinplätze mit Express-On-Cover®], [diffuser emotional-privater Bezug], und genau das ist auch der Grund, weshalb ich mit [beliebiges Blog] nichts anfangen kann. Ganz nebenbei ist [beliebiges Blog] nicht mal ein echtes Blog, weil [beliebiges Feature] fehlt! Auch heisst es [Artikel] Blog und niemals [anderer Artikel] Blog!

Mehr noch, [zusammenhangsloses Beschimpfungsritual des immergleichen Personenkreises]. [Von Verzweiflung zeugende Rückversicherung, dass die als eigene Crowd empfundenen Personen hinter einem stehen], oder irre ich mich?

Meine Meinung sage ich da ganz offen, nämlich [Unsinn] und [Quatsch], obwohl [kein Gegensatz]. Eindeutig am wichtigsten ist [Geschwurbel]. Aber es herrscht Meinungsfreiheit, das finde ich ganz besonders für Blogs wichtig, deshalb akzeptiere ich auch andere Meinungen, wenn sie [umformulierte eigene Meinung] entsprechen. Ausserdem weiss ich nicht, ob [irgendwas anderes als Bloggen] für das Problem das [falsch benutztes Fremdwort für ‚richtige’] Mittel ist. Aber ich bin auch ja nur [keinesfalls Ernst gemeinte Verminderung der eigenen Person mit der impliziten Hoffnung auf Widerspruch in den Kommentaren].

[Abgrenzende Schlussformel mit ungelenker Reaktionsaufforderung], sage ich mal und dann geht es wirklich [hanebüchene, nichtsdestotrotz massiv abgelutschte Metapher].


 

aufgetaucht

mittelmeer

 

Hass

Der Paule aus Wuppertal hat jetzt mal ein Foto gemacht von dem Feind. In der Wuppertaler Schwebebahn haben sie gesessen, Vater mit Vollbart, Mutter und drei Kinder verschleiert, klar: Islamisten. Die wollten das nicht, klar, und einige Fotos, die er gemacht hat, konnte der Paule praktisch wegwerfen hinterher, weil die Frau ihre Augen mit ihren Händen verdeckt hat. Aber der Paule ist nicht blöd, und so hat er beim Aussteigen noch mal die Kamera auf die Eltern gerichtet, „so dass die nicht erwartet haben, daß man sie fotografiert“. Das Foto hat er dann an den Stefan Herre geschickt, der betreibt „das politisch inkorrekte Weblog in Deutschland“, das wird sogar von bekannten Vertretern des politischen Inkorrektismus wie Henryk M. Broder empfohlen. Und dieser Stefan Herre also hat das Foto von den beiden Menschen, die nicht fotografiert werden wollten, auf seine Seite gestellt und aus der E-Mail von Paul zitiert. Er hat „Mehr Burkas und Bärte in Wuppertal“ darübergeschrieben und seine Leser aufgefordert, ihm ähnliche „aussagekräftige Zusendungen“ zukommen zu lassen.

Es gab dann in den Kommentaren ein paar vereinzelte kritische Stimmen, ob das nicht undfreundlich oder gar verboten sei, Leute gegen ihren Willen zu fotografieren und das dann zu veröffentlichen. Aber erstens sind die ja selbst schuld, wenn sie sich verschleiern und nicht rasieren und so. Und zweitens kann man diese Islamisten doch eh nicht auseinanderhalten, deshalb haben sie auch kein Recht am eigenen Bild: „zumindest verschleierte frauen darf man aufnehmen wo und wann man will, da sie nicht als individuen erkennbar sind.“

Die Diskussion danach ist eindrucksvoll. Das Synonym für Deutsche lautet „‚normale’ Einwohner“, Ausländer sind Kriminelle und Schläger. Über das Foto, das – wie gesagt – nichts weiter zeigt als einen bärtigen Mann und eine verschleierte Frau, die in der Schwebebahn sitzen, schreibt jemand: „Eine Gesellschaft, die sich das bieten lässt, ist selbst schuld, wenn sie untergeht.“ Und ein anderer: „Alleine wenn ich mir diesen Typen auf dem Bild ansehe,kann es ja wohl nicht verkehrt sein, wenn sein Bild irgendwo gespeichert bleibt. Denn sowas, wie der, passt zumindest von der Optik genau in das Raster derer, die Flugzeuge klauen U-Bahnen ind die Luft jagen usw. (...)“ Und ein dritter: „(...) werde ich weiterhin versuchen unseren Moslemischen ‚Freunden’ [Feuer] unterm Hi[n]tern zu machen (...)“ Einer schreibt von den „Säcken“ und tut es so, dass nicht ganz klar ist, ob er damit die Burkas meint oder die Moslems.

Noch beeindruckender als den Fremdenhass an sich fand ich zunächst den Stolz, mit dem er hier zur Schau gestellt wird, gelegentlich noch als Verteidigung der Demokratie verbrämt. Aber das liegt sicher nur an meiner Naivität, denn bestimmt kommt der Fremdenhass schon längst bevorzugt in dieser Form daher: nicht verdruckst, latent, unterschwellig, sondern mit der Fanfare: Wir retten das Land, das Volk, die Demokratie! Das kokette modische Label „politisch unkorrekt“ ist ein Markenzeichen dafür: Man hält sich natürlich für politisch korrekt und gibt sich als unterdrückte Minderheit - so als hätte man nicht zum Beispiel die mit Abstand größte deutsche Tageszeitung auf seiner Seite. Und womöglich den Volkszorn einer schweigenden Mehrheit.

Viele Kommentare sind von himmelschreiender Ahnungslosigkeit. Als einer meint, dass der Abdruck von Fotos, die ohne Einwilligung entstanden sind, doch verboten sei, antwortet ein anderer: „Nein - nur die kommerzielle Nutzung wäre verboten.“ Hey, das stimmt zwar nicht, klingt aber super souverän. Woher der Hass kommt, das kann ich theoretisch noch nachvollziehen. Aber woher nehmen diese Leute das Selbstbewusstsein, neben ihrer Menschenverachtung auch ihre Dummheit so demonstrativ zur Schau zu stellen?

Der Paule ist unterdessen bestimmt schon wieder mit seiner Kamera unterwegs und kämpft für eine bartlose Gesellschaft. Vielleicht hat er die Kamera auch weggelegt und macht den Moslems schon Feuer unterm Hintern. Einer muss es ja tun.

[Update hier]


 

Der zweite Obstgarten

Eigentlich bin ich gerade dem Glück am Tag auf der Spur. Meine aktuelle Theorie ist, dass zwei unterschiedliche Herangehensweisen Glück induzieren können. Zum einen der Glücksteppich, also ein beständiges Gefühl, fein gewoben aus vielen guten und schönen Dingen, von denen man weiss oder glaubt zu wissen, dass sie morgen auch noch da sind. Zum anderen ein Stakkato von Glückspeaks. „Alt wie die Nacht, Du Arschnase’ muss ich mir jetzt von den Knowing People anhören, aber ich wusste bis zur Gender-Vorlesung Sommersemester 1998 „Literatur und Frau“ an der Freien Universität Berlin auch nicht, dass Shakespeare eigentlich drei Lesben waren.

Meinen löslichen Kaffee trinke ich aus einem grossen Glas und das passt in die Beule der Heizungsabdeckung neben meinem Schreibtisch, so bleibt der Kaffee ganz lange warm und das ist ja wohl nur geil. Noch dazu wurde meine Heizung wahrscheinlich von Leuten entworfen, die die Umwelt hassen, denn sie heizt so unwahrscheinlich schnell und gut, das kann nicht ökologisch sein. Aber man macht sie an und die Hitze schiesst einem über die Haut, dass es kribbelt. Meine Heizung. Im Winter.

Im Sommer; zwischen den Kastanienblättern blinzelt die Sonne hindurch und ich blinzele zurück, schaue runter, zwischen den Köpfchensteinpflastersteinen des Gehwegs ist ein Ameisenaufwurf, aber nein - eine Hummel klettert heraus und es ist ein Hummelaufwurf! Ewiges Rätsel Hummel, warum gräbst Du Dich in die Erde, wo Du am höchsten Punkt der Kastanie Dein Nest bauen könntest? Ratlos, aber trunken vor Glück, man muss dann stehen bleiben und wird unsicher in den Knien.

Jennifer. Wir haben versucht, Sex zu machen, als wir sechs waren. Ich wusste noch nicht, dass eine Erektion hilft und dass es um eine Rein-und-Raus-Bewegung geht. Trotzdem super.

Die graue Hose, eine Jeanshose, die ich in Rom gekauft habe. Getragen Tag um Tag, bis sich eine strenge Kopfnote im Bouquet kaum mehr leugnen liess. Dann aus purer Hosenliebe mit der Hand gewaschen und auf dem Dachboden, von mehreren Familien genutzt, aufgehängt. Ich habe die Hose vergessen und die Strafe war, dass sie nach zwei oder drei Wochen von lust- und sinnlosem Herumgetrockne verschwunden war. Viel, viel später, eher Jahre als Monate, muss ich einen Kater suchen, auch auf dem Dachboden, gehe um die Ecke, um die ich nie ging, weil einmal ein skelettierter Pferdeschädel an einem Dachbalken hing und auf einem Haufen staubiger Steine liegt kein Kater, aber Müll und meine Hose und ich muss niederknieen und irgendjemandem danken, und weil gerade niemand anderes da ist, nehme ich halt Gott, so what, hier, Gott, ich glaube nicht an Dich aber genau jetzt möchte ich Dir meine Freudenträne widmen, wärditokee, ja, wa? War okay, keine Beschwerden.

Früher, ganz früh sogar, warum spielt früher immer im Sommer oder es liegt Schnee? Es war jedenfalls Sommer, bei meiner Tante im Haus, mein Onkel ist Imker. Als Hobby, eigentlich Architekt, „Bienen befreien“, sagt er mit seinem Augenbrauen-Gesicht, die Hände stopfen die Pfeife mit exotischem Fruchttabak. Nachts mache ich ins Bett im Schlaf; guter Trick, bis heute stolz drauf: Grossflächig Orangensaft über Bett und im ganzen Zimmer und schnell für die Ungeschicktheit entschuldigen. Irritierter Blick der Tante, aber sie ahnt nichts, und als mich eine von den Bienen sticht, obwohl sie Birkenhonig sammeln sollte, darf ich einen Obstgarten von Gervais. Nur einen, aber der war so gut, so gut, cremig und sahnig und alles, das gab es zu Hause nie.

- Darf ich noch einen?
- Nein, man muss auch verzichten können!

Den zweiten klaue ich aus dem Kühlschrank und esse ihn mit der zusammengerollten Deckfolie als Löffelersatz hinten im Garten, ganz in der Nähe von dem Ort, wo mich die Biene gestochen hat, als ich das Nachbarsmädchen beim pinkeln in der Hocke beobachtet habe. Der zweite Obstgarten, was soll ich sagen, der zweite Obstgarten, das ewige Paradies, nichts wird je heranreichen.


 

Unepisode 15

Über Schimpfwörter im Allgemeinen nachgedacht, als mich ein Superhirsel auf der Strasse geschnitten hat, als ich gerade einen anderen Superhirsel schneiden wollte - Spur-Napping, der neue urbane Trend für den legere-aggressiven Kraftfahrzeugführer. Ich wollte seinerzeit zu dieser Diskussion auch etwas schreiben, habe ich dann aber nicht, weil ich Jan noch ein T-Shirt-Shulde. Hiermit nachgeholt: Wichser ist eines meiner bevorzugten Schimpfworte, aber wenn ich wichsen für etwas Schlechtes hielte, würde ich wohl auf dem falschestmöglichen Blog Urlaubsvertretung machen. Und was ist jetzt mit ‚schwul’ als Schimpfwort? Ich weiss es doch auch nicht, political correctness ist ein Krampf, Homophobie ein Superkrampf, gleichzeitig prägen Worte durchaus das Bewusstsein, verdammte Kacke, ein Dilemma, also ein Problem ohne Lösung. Vielleicht schon mal drin suhlen, so als Übung für den Umgang mit dem Nahostkonflikt.


 

Unepisode 16

Heute einen Geisteskranken mit einer Hisbollah-Fahne am Auto gesehen. Was die WM alles möglich gemacht hat. Was soll man eigentlich von Leuten halten, die jetzt immer noch Deutschland-Fahnen an Haus- und Autofenstern stehen haben. Das Gleiche wie früher? Ich denke schon.


 

Unepisode 17

Die Stadt liegt sinnlos heiss und leer da wie eine Herdplatte, von der man den brodelnden Topf heruntergenommen hat. Alle sind im Urlaub, die Leute, die man noch auf der Strasse sieht, auch. Und Jurastudenten, die für Klausuren lernen, die sind auch da, die sind immer da, aus ihnen werden später wohl viele, viele, überviele Anwälte. Schlimm, was ist gefährlicher als ein unterbeschäftigter Rechtsanwalt? Ein Affe mit einem Gewehr? Ein herrenloser Gartenschlauch, aus dem Salzsäure spritzt?


 

Erfahrungsbericht

Ich hatte mal zwei kastrierte Hamster, die sich heftig quiekend stritten; ich war erst etwas besorgt, habe dann aber den Käfig in den Keller gestellt, das Licht ausgemacht und das Problem war erledigt. Die Wohnung roch auch viel besser, wie mir Besucher später mehrfach bestätigten.


 

rausgegoogelt?

Vielleicht kann ich den Luxus, vertretungsweise über ein Blog mit Kommentarfunktion (!) zu verfügen, mal nutzen, um auf die Kompetenz der wirres-Leserschaft zurückzugreifen:

Seit ganz kurzem taucht BILDblog nicht mehr unter den ersten Treffern auf, wenn man nach „Bild“ googelt. Vorgestern noch waren wir der zweite Treffer (gleich nach „Bild“ selbst), im Moment tauchen wir nicht mal unter den ersten 100 Treffern auf (weiter habe ich nicht gesucht). Unser Pagerank ist, soweit ich das erkennen kann, unverändert. Was ist da passiert?


 

In memoriam

Elisabeth Volkmann


 

Turi & Fonsi

Von Paul Watzlawik stammt der bekannte Satz: „Man kann in einer sozialen Situation nicht nicht-kommunizieren.“

In Blogs verschärft sich die Lage dramatisch. Hier gilt der nicht so bekannte Satz: „Man kann in Blogs nicht nicht-kommentieren.“

Die Möglichkeit, jemanden, den man für dringend ignorierenswert hält, einfach zu ignorieren, existiert hier nicht. Stattdessen schreibt man in sein Blog, warum jemand dringend ignoriert werden sollte, und ignoriert ihn also nicht. Es folgt eine längere Kommentarschlacht, in der es wiederum unmöglich ist, vernachlässigenswerte Bemerkungen einfach zu vernachlässigen. Bestenfalls werden aus besonders abwegigen Diskussionen Metadiskussionen über ihre Abwegigkeit.

Es scheint keine [ignore]-Funktion im Netz zu geben.

Bei der „Tier-Nanny“ im Fernsehen sieht man fast jede Woche, dass es nicht hilft, das Verhalten einer kläffende Töle zu ändern, in dem man sie am Halsband zieht, anbrüllt, schlägt, tritt, einsperrt, mit ihr schimpft, ihr das Spielzeug oder das Fressen wegnimmt. Das einzige, was komischerweise fast immer hilft, jedenfalls bei der „Tier-Nanny“ im Fernsehen: sie nicht beachten. (Die Töle, nicht die „Tier-Nanny“.)

Menschen sind nicht gut darin, und Blogger können es gar nicht. Ich auch nicht. Deshalb ist auch dies einer dieser Millionen Einträge, die eigentlich nicht geschrieben werden sollten, weil sie nur Aufforderung zum Ignorieren sind und das Gegenteil tun und erreichen. Aber ich tröste mich damit, dass ix auch nie seine Klappe halten kann, wenn es besser wäre zu schweigen, und auch etwas dazu gebloggt hätte, nur wahrscheinlich kürzer und witziger.

Und jetzt kommt, was ich immer schon mal schreiben wollte: ein Disclaimer. Nein, gleich zwei.

1.) Ich habe Ende der 90er Jahre als freier Mitarbeiter für den „Kress Report“ gearbeitet, als Peter Turi dort Chef war. 1999 habe ich gekündigt und war nicht unglücklich, in der Zeit danach ungefähr nichts mit Peter Turi zu tun gehabt zu haben.
2.) Ich habe im Sommer 2004 im Zusammenhang mit einem Artikel, den ich über die „Netzeitung“ geschrieben habe, und der nachfolgenden, langen und heftigen juristischen Auseinandersetzung sehr unangenehme Erfahrungen mit Rainer Meyer Don Alphonso gemacht, der sich einen Körper mit Don Alphonso Rainer Meyer teilt.

Turi und Fonsi mögen sich nicht. Wenn die beiden öffentlich mit Förmchen aufeinander werfen oder sich an den Haaren ziehen, weiß ich nicht, wen ich gewinnen sehen möchte. Eigentlich wäre dann die normale Reaktion, wegzugucken – die Freude und Spannung beim Verfolgen eines Wettkampfes entsteht doch auch vor allem dadurch, dass man einer Seite die Daumen drückt. Oder natürlich dadurch, sich ganz allgemein an der Technik, dem Talent, der Kunst der Wettkämpfenden zu erfreuen – aber davon kann hier wirklich keine Rede sein.

Nein, ich weiß nicht, warum ich mir das immer wieder angucke und durchlese, wenn die sich miteinander kabbeln. Das ist ein genetischer Defekt von mir: Ich kann auch nicht umschalten, wenn mich auf Neun Live zugekokste Moderatoren anbrüllen, dass der Hot Button jeden Augenblick zuschlagen kann und die Uhr nicht auf Null läuft. Das ist dieser bekannte Effekt, den Blick nicht von überfahrenen Tieren am Straßenrand abwenden zu können. Jedenfalls: Ich les mir das alles durch, und das ist natürlich meine eigene Schuld und die von niemandem sonst.

Und, ja, ich kann es verstehen, dass man irgendwann denkt, man müsse das endgültig vernichtende Fonsi-Stück aufschreiben, dem Terror, der aus jeder Diskussion einen Brüllwettbewerb macht, endlich ein Ende setzen, dieses aufgeblasene, wichtigtuerische, selbstgefällige… oh, ich verzettel’ mich. Ich kann den Gedanken gut nachvollziehen. Einmal, ein einziges Mal, habe ich es geschafft, Fonsi auf eine längere Mail nur zu antworten: „Nein, diskutieren wollte ich mit Ihnen nicht.“ Da war ich ziemlich stolz auf mich. Naja, ein einziges Mal. Und nun kriegt er hier schon wieder x Zeilen.

Aber wenn ich es dann schriebe, das große Fonsi-Abrechnungsstück, dann hätte ich mir im Gegensatz zu Peter Turi bessere Beschimpfungen überlegt als die, die ich vom Schulhof kenne: „er ist nur Rainer Meyer: großes M* * * und kleine E* * *“. Oder den längst totzitierten und dadurch pointen- und geistfreien Satz: „Keiner ist unnütz auf Gottes schöner Erde - er kann immer noch als abschreckendes Beispiel dienen.“ Ich hätte mir bessere Argumente gesucht, als das, dass Fonsis Buch inzwischen auch gebraucht verkauft wird und sich andere Bücher besser verkauft haben. Und vor allem hätte ich vorher recherchiert, was Rainer Meyer nun tatsächlich gemacht hat bei und mit dem „Aufbau“ und was nicht. Ich hätte, kurz gesagt: noch einmal drüber geschlafen, bevor ich die reine geronnene Wut in all ihrer Dummheit, die Wut so an sich hat, in mein Blog gekippt hätte. Und wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich am nächsten Tag gar nichts über Rainer Meyer geschrieben. Und wenn ich weniger schlau gewesen wäre, hätte ich meinen Text noch einmal kritisch durchgelesen und dann erst gebloggt.

Aber, ja: Das wäre nicht Bloggen. Bloggen ist Schreiben ohne nochmal drüber schlafen. Oder, im Fall von Turi und Fonsi: Schreiben ohne nachdenken.

Fonsi hätte tatsächlich ein paar Punkte bei mir gutmachen können (nicht dass ihn das interessiert, bei mir Punkte gutzumachen), wenn er aus diesem Blogeintrag bei Turi den vermutlich einzigen Blogeintrag überhaupt gemacht hätte, in dem er vorkommt, aber sich nicht zu Wort meldet. Aber das kann er nicht. Wenn man ihn einen allgegenwärtigen Rumkrakeeler nennt, kommt er sofort und krakeelt rum. Turi nennt ihn einen Prozesshansel, und Fonsi droht mit Anwälten! Glaubt, dass man Strafe zahlen muss, wenn man aus seinem 416-Seiten-Werk zwei kleine Absätze zitiert! Beschimpft Turi als „Pleitier“, was er schon so oft gemacht hat, dass es ihn selbst schon langweilen müsste. Aber das ist ein Hasstextbaustein, der muss dann raus, so wie „Web2.0“ oder „ProBlogger“ oder „New Economy“. Und auch das ist noch nicht genug, Fonsi muss auch noch in seinem eigenen Blog eine Szene erfinden, die mit all ihrer wichtigtuerischen Verschwurbeltheit noch jeden Vorwurf von Turi bestätigt.

Und das Schlimmste: Aktuell stehen unter den beiden Einträgen zusammen 46 Kommentare von Leuten, die nicht es nicht schafften, das Elend nicht zu kommentieren. Man müsste kleine Blogschutzpolizisten an diesen Einträgen aufstellen, die die Schaulustigen verscheuchen: „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!“ Aber nein, man steht da, starrt auf das überfahrene Tier am Straßenrand und darauf, wie sich zwei Menschen voller Stolz in aller Öffentlichkeit zu Komplettdeppen machen, und schreibt auch noch ganze Blogeinträge darüber.


 

Freubier für alle!

Wenn man früher, als es noch Kontaktanzeigen gab, Kontaktanzeigen las, dann konnte man schnell feststellen, dass die wichtigste Eigenschaft ‚Humor haben’ hiess. Das ist natürlich Quark aus ganz vielen Gründen. Humor haben ist eine Nulleigenschaft, weil [bitte hier selbst Argumente ausdenken]. Eine wirklich wichtige Eigenschaft wird oft mit diesem Humorgehabe verwechselt, ich habe sie mir erst jüngst vergegenwärtigt: sich freuen können. Ich möchte ein Lobolied singen auf alle Menschen, die sich freuen können, Schadenfreude ausgenommen. Freude ist eine Topeigenschaft. Ich freue mich immer, wenn andere sich freuen, dann freue ich mich darüber, dass ich mich freue, dann setzt eine Freuspirale ein, ein Freufelskreis praktisch, ein Endorphinmassaker. In diesem Zusammenhang muss ich kurz mit einem alten Sprichwort abrechnen, ‚Vorfreude ist die schönste Freude’, das muss aus der Zeit stammen, als man mit Sex noch bis zur Ehe gewartet hat, mit dem Effekt, dass sich in der ersten Nacht zwei weitgehend ungeübte Ficker gegenüberstanden, bzw. gegenüberlagen. Vorfreude ist nicht schlecht, klar, aber gar nichts gegen zum Beispiel die Tufreude, die Nachfreude oder die Erkenntnisfreude. ‚Vorfreude ist die viertschönste Freude’, darüber könnte man verhandeln.

Erkenntnisfreude ist ein lustiges Ding, das umso öfter auftritt, je weniger man weiss, aber je interessierter man ist. Überhaupt sollte man mehr über die abbrühende Wirkung der Wissens- und Erfahrungsanhäufung nachdenken. Bis ich siebzehn Jahre alt war, wusste ich zum Beispiel nicht, wie unfassbar gut feuchter Quarzsand in Nadelwäldern riecht, dann stellte sich durch simples dran Riechen die Erkenntnis ein und ich freute ein ganzes niederländisches Dorf in die Angststarre, weil sich bei mir die Freude über den Sandgeruch in einer Freudenschreiattacke entlud. Die meisten Verliebtheitsmomente meines Lebens kann ich auf gemeinsame Freusekunden herunterisolieren.

Dementsprechend bin ich der Meinung, dass sich die meisten Menschen zu wenig freuen. Der gesamte Freude-Komplex birgt natürlich eine extrem hohe Peter-Hahne-Gefahr, der ich durch das ebenso simple wie sinnlose Einfügen der Vermutung ‚eventuell gibt es Leute, die Peter Hahne für eine Votze halten’ begegnen möchte. Trotzdem sollte man auf europäischer Ebene über die Einführung einer Freupflicht nachdenken.


 

„und“

Am Eingang einer Buchhandlung in Oberstorf. Foto: Arne S.


schön, grün
 

Ich mal das hier mal grün

Ich hätte dann noch ein Wörtchen zu reden mit dem Menschen, der für die „ADAC LänderKarte Berlin und Brandenburg“ die Entscheidungen verantwortete, an welche Straßen die grünen Striche kommen, die sie zur „landschaftlich schönen Strecke“ aufwerten. Das ist, wenn man so einen Wochenendausflug macht, ja keine ganz unwichtige Information: Man guckt sich in einem Reiseführer zwei, drei schöne Ziele aus und versucht sie so miteinander zu verbinden, dass man möglichst viele grün markierte Straßen benutzt. So mache ich das jedenfalls.

Und ich habe mich immer schon dafür interessiert, wer das eigentlich entscheidet, ob eine Strecke „landschaftlich schön“ ist oder nicht. Gibt es da Straßentester, die kritisch die Strecken abfahren und sich Notizen machen? Gibt es strenge Kriterien: keine grüne Markierung bei mehr als drei Windrädern in Sichtweite? Gibt es regionale Unterschiede: Ist es im unaufregenden flachen Hamburger Umland leichter für eine Straße, grün markiert zu werden, als in der ohnehin sagenhaften Sächsischen Schweiz, in der eigentlich jede Straße grün markiert werden müsste, wenn man die Maßstäbe des Hamburger Umlandes anlegt? Und darf jeder Kartenverlag selbst entscheiden, welche Strecken er „landschaftlich schön“ nennt und welche nicht, oder gibt es eine staatliche Strecken-Markierungs-Kommission, die in einem langen bürokratischen Prozess über Grün oder Nicht-Grün entscheidet?

Jedenfalls haben wir am letzten Wochenende südöstlich von Berlin eine Weile gebraucht, bis wir gemerkt haben, dass der Mensch, der für die grünen Markierungen in unserer Karte verantwortlich war, offenbar wenig mit den schönen, hügeligen, abwechslungsreichen Landstraßen im Landkreis Oder-Spree anfangen konnte, aber jeden eintönigen Nadelbaumwald rechts und links der Straße Grund genug fand, sie grün zu markieren. Und seitdem frage ich mich, ob der Mann wirklich nichts geiler findet, als kilometerlang schnurgerade an Baum-Monokulturen vorbeizufahren. Oder ob sich da ein Abgrund an Korruption auftut und ein paar clevere Bürgermeister und Gastronomen in der Gegend einfach wissen, wie hilfreich es für das Geschäft (und den touristischen Durchgangsverkehr) sein kann, wenn man so einem Streckentester und Grünmarkierer einfach ein paar Jungfrauen aus dem Dorf opfert zur Verfügung stellt.

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Liste noch herauszufindender Dinge (Auszug)

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226) Was war noch gleich das Faszinierende an myspace.com?

227) Gibt es irgendetwas erfrischenderes, als an einem heissen Spätnachmittag unter der Dusche Bier aus der eiskalten Flasche zu trinken?

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308) Steigt man bei Stefan Niggemeier automatisch jede Minute in der Gunst, wenn man mit seinem Nachnamen keine naheliegenden, mehrfachdämlichen Wortspiele macht?

309) Ist es nicht, um mit Joseph von Westphalen zu sprechen (Nautischer Rabe, Essay Tretboot), verwerflich und letztlich doof, darüber zu spotten, was gesellschaftlich sowieso als lächerlich geächtet ist, also etwa Flipflops?

..

734) Wie oft reichen allein die Replica Watches in meiner Mailbox zum Mond und zurück?


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Symbolfoto

Frage: Welches Thema haben die Leute von sueddeutsche.de mit diesem Foto bebildert?

a) Ärzte raten Menschen mit Wurstfingern von Laptops ab.
b) Blinde DJs.
c) Froschmenschen erobern das Internet.
d) Stiftung Warentest warnt vor billigen Fotolaboren.
e) Schleichwerbung bedroht die Glaubwürdigkeit von Blogs.

Na?

Klare Sache: e). Und unter das Foto, das fast so viel Platz einnimmt wie der ganze Artikel, haben die Profis von der Süddeutschen als Bildtext zur Erklärung geschrieben:

Meinung - zum Greifen nah.

Und irgendwann, wenn alle „Freizeitschreiber“ ihre Glaubwürdigkeit lange an die „Marketing-Fuzzis“ verkauft haben, wird man auch bei der Süddeutschen eine typographische Möglichkeit entdecken, Anführungszeichen unten zu setzen, ohne mühsam kleine Fruchtfliegen dafür abrichten zu müssen, sich schräg nebeneinander vor die Buchstaben zu legen.


 

Oben ohne

Vergangenes Wochenende hatte ich ein Cabrio gemietet. Seitdem weiß ich, dass es ein Irrglaube ist, sich beim Cabriofahren zwischen Verdeck-Auf und Klimaanlage-An entscheiden zu müssen. Geht beides. Die Klimaanlage pustet die Füße eisig, der Fahrtwind den Kopf, und man schwitzt dann nur noch ein bisschen in der Mitte.

Wirklich nervig am Cabriofahren sind nur die Leute, die einem beim messerscharfen Vorbeischrammen am vorderen Auto aus den Straßencafés Dinge zurufen wie: „Hinten wären locker noch drei Meter gewesen.“ (Ich frage mich, ob mir die Menschen sowas immer zurufen, wenn ich einparke, und ich das nur sonst nur nicht höre.)


 

Doppelgänger

Gerade Jesus getroffen. Sagt, er wäre schon wieder auf der Straße mit Sascha Lobo verwechselt worden!


Flipflop (rechts)
 

Fnoptsch!

Ich hab sogar nach Befindlichkeit gegoogelt. Half alles nichts. Ich glaube, die erste Regel beim Befindlichkeitsbloggen ist, die innere Stimme auszustellen, die fragt: Und wen soll das interessieren? Haben das nicht alle anderen schon aufgeschrieben, und besser? (Oder lautet die erste Regel beim Befindlichkeitbloggen, alles, was die innere Stimme sagt, aufzuschreiben? Schwierig.)

Aber da der Urlaubsvertretungspraktikantenkollege genau den Begriff in seinem ersten Beitrag erwähnt hat, über den ich auch geschrieben hätte, wenn ich mich nicht gefragt hätte: Wen soll das interessieren? Haben das nicht alle ... Also, jedenfalls: Flipflops.

Ich finde ja, dass schon das Tragen von Sandalen eine bewusste Verweigerung gegenüber dem zivilisatorischen Fortschritt darstellt, etwa als würde man der Evolution den Stinkefinger zeigen. Ich bin mir (nach mehreren Diskussionen mit Sandalenträgern) schmerzhaft bewusst, dass mir in dieser Sache sachliche Argumente fehlen, aber das ist mir alles egal: Sandalen sind eklig. Ja, auch in der von weiten Teilen der Gesellschaft akzeptierten Variante ohne Socken. Riemen um nackte Füße: Buäh.

Und dann Flipflops. Es ist nicht nur, dass ich Flipflops hasse wie alle anderen Sandalen. Ich verstehe sie auch nicht. Ich habe das vage Gefühl, dass Flipflops sowas sind wie Sandalen mit Absicht. Also: nicht nur aus Notwehr gegen die Hitze getragen, sondern extra.

Ist das so?

Ich wüßte es gerne. Ich wüßte vor allem gerne, ob die Leute, die Flipflops tragen, das Geräusch, das sie machen (und das gar nicht so niedlich klingt, wie ihr Name suggeriert, sondern -- jedenfalls bei Schweißfüßen -- eher ein fieses Fnoptsch! ist), ob sie also dieses ewige Fnoptsch! Fnoptsch! Fnoptsch! einigermaßen beschämt als Preis für Freie Füße ertragen. Oder ob auch das Teil des Flipflop-Stolzes ist, so etwa: „Jawohl, meine Füße machen beim Gehen laute schmatzende Geräusche, weil sie in Flipflops stecken, und das ist auch gut so“?

Schön übrigens, dass die Wikipedia beim Thema Flipflops von ihrem Neutralitäts-Grundsatz abweicht und das Elend dieses Sommers und der daraus resultierenden Schuhmode sehr treffend zusammenfasst:

Seit dieser Sandalentyp in Massen produziert wird, sieht man Flip-Flops vermehrt auch an den Füßen sehr armer Menschen in vielen klimatisch warmen Teilen der Welt.

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Sommertaumel

In meinem ersten richtigen Blogeintrag hätte ich gerne etwas wichtiges besprochen, zum Beispiel Net Neutrality, bei deren Frontenbildung man ein irritierendes amerikanisches Phänomen beobachten kann, nämlich ein organisierter Protest quer durch alle gesellschaftlichen Strömungen. Die Coalition genannte Vereinigung reicht von Gunowners of America einmal im Kreis bis wieder zurück zu den Gunowners of America, dazwischen solche wie die Feminist Majority, der Gründer von CraigsList.org, Craig Newmark, ebenso wie irgendwelche Ultrachristen.

Ich habe mal ein Foto gesehen, da haben in den USA anarchistische Hispanic Punks direkt neben Neonazis mit Hakenkreuzflaggen für Meinungsfreiheit demonstriert! Gut, ich habe das Foto nicht gesehen, aber eine Liste von gemeinsam organisierten Unterstützern der Meinungsfreiheit, da waren beide drauf und also habe ich mir das Foto vorgestellt. Über dieses wichtige Thema Net Neutrality kann man nicht geteilter Meinung sein, wenn man bei ungekauftem Verstand ist und dieses Internet, von dem jetzt alle reden, auch nur ansatzweise verstanden hat. Auf welcher Seite man stehen sollte, dafür kann man ein Instrument benutzen, was ich jüngst entwickelt habe: Den Anti-Lott-Trend.

Das funktioniert ganz einfach, denn Trent Lott ist amerikanischer Senator der Republikaner, faschistoider, nationalistischer, rassistischer, homophober, sexistischer Erzreaktionär; also in wirklich sämtlichen, allen, praktisch überhaupt allenallen gesellschaftlichen Fragen auf der falschestdenkbaren Seite, so dass man nie verkehrt fährt, wenn man immer das Gegenteil von Trent Lott als Meinung hat. Es handelt sich um eine Art amerikanische Version von Edmund Stoiber mit Geschmacksverstärker, und Trent Lott ist gegen Net Neutrality.

Schade also, dass ich über Net Neutrality nicht schreiben kann, das Thema ist ebenso ergiebig wie wichtig, es geht aber nicht, weil es unfassbar heiss und stickig ist, dass nicht nur die Luft klebrig wird, sondern ich auch vergessen habe, dass es total uncool ist, über die Hitze zu jammern. Aber wann uncool sein, wenn nicht jetzt bei 350° Celsius? Stattdessen beschreibe ich ein wenig den Hitzetaumel, seit Tagen taumele ich durch die Stadt, das Ozon hat mein Gehirn porös gemacht. Vier oder fünf Mal hat das Wetter schon so getan, als wolle es gleich regnen und es war immer ein Gefühl, als müsse man niessen, aber es geht einfach nicht. Wenn man sich bei Hitze selbst beobachtet, fängt man instantan an, sich zu schämen, weil die Motorik sich unter irgendeinem kühlen Hirnlappen verkrochen zu haben scheint. Es wird besser, wenn man die anderen Menschen beobachtet; kaum einer, der nicht schwere Geistesstörungen zur Schau trägt - viele tragen sogar Flipflops, allein das Wort kann Zitterkrämpfe verursachen. Auf meinem Grabstein soll dereinst stehen ‚Trotz allem hat er dem Flipfloptragen widerstehen können.’

Gestern habe ich endlich das einzig Vernünftige getan, zur Erklärung muss ich etwas ausholen. Es gibt seit einigen Jahren den bekannten Buy Nothing Day, ins Leben gerufen von Adbusters. Dieser in Deutschland unter einer unsag- und unschreibbaren Namensadaption weithin unbekannte gebliebene Tag soll dazu dienen, bewusstes Konsumverhalten zu provozieren. Etwas gymnasiastisch undifferenziert, sage ich als Werbehasi mal, aber keine schlechte Sache eigentlich, die Hitze jedoch setzt die Prioritäten neu und anders, und so habe ich gestern endlich den Do Nothing Day erfunden. Erfunden ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber eben erstmals gemacht, bzw. das ist jetzt begrifflich schwierig, erstmals nichts gemacht. Von morgens, das in echt nachmittags war, bis abends, das in echt nachmittags war, nur rumgelegen, davor, danach und auch währenddessen geschlafen und 24, vierte Staffel gesehen, copy that. Do Nothing Day, unbedingt merken, auch, wenn er irrsinnig anstrengend war. Ich musste acht, neun Mal das verschwitzte T-Shirt wechseln und hatte am Ende Kopfschmerzen vom intensiven Nichtstun. Aber es tut gut, mal wieder so richtig gegen den Uhrzeitenterror der bürgerlichen Gesellschaft liegend anzukämpfen und erst ins Bett zu gehen, wenn andere schon wieder ins Bett gehen. Eine Erkenntnis des Do Nothing Day allerdings hat sich herausgeschält und wird die Welt bereichern auf immerdar: Gegen jedes Unwohlsein beim Herumliegen in der Hitze hilft eine grosse Schüssel Joghurt mit gefrorenen Himbeeren drin und Honig.


 

ix nochmal

manchmal sitzt man im büro, am körper kaum noch eine trockene stelle, ausser im mund, und dann isses doch wie weihnachten, wenn das telefon klingelt und einen zwei der autoren die man neben harald martenstein und der nuf am meisten bewundert einen fragen ob sie einen während des urlaubs vertreten „dürften“. so mach ich jetzt also wie angekündigt schreibpause und freu mich, dass sascha lobo und stefan niggemeier währenddessen die befindlichkeiten die sie sich auf ihren eigenen seiten verbieten, hier einfüllen.


sascha lobo (symbolbild)
 

üben, üben, üben

ich fahre zwar erst nächste woche in urlaub, habe mich aber eben, nach der lektüre dieses artikels entschlossen, diese seite schon ab heute zu schliessen. es gibt einfach texte und texter die mich gleichzeitig so sehr frustrieren (weil ichs nicht kann) und freustrieren (jeder getroffene nagel freut mich, romane zwischen den zeilen), dass ich mir sage ohne ein bisschen urlaub und arbeit an dir selbst schaffst du solche texte nie. wahrscheinlich schaffe ich solche texte aber auch mit urlaub und arbeit an mir selbst nie.

hier steht in den nächsten 2-3 wochen nix, ich werde üben, urlauben und nur noch anderswo ins internet schreiben.

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abgrenzung

don ulbricht: niemand hat die absicht


 

die sache mit dem globus

don dahlmann:

Ich meine die Sache mit dem Globus: wie groß wäre das Gelächter gewesen, wenn man Bush im Oval Office neben einem Globus gefilmt hätte, und dieser hätte zu dem gesagt: „Da schau ich schon mal drauf, wenn ich nicht weiß, wie groß ein Land ist, Kongo zum Beispiel.“ weiterlesen

siehe auch „globus“ oder hier.


 

lob des löffels

„C“ wird ja eigentlich mit „Z“ geschrieben.


 

„Go fuck yourself“

frau klugscheisser:

Ich erklär´s euch gerne nochmal: Leben bedeutet Veränderung. Statt Neues auszuprobieren, klammern sich die Meisten lieber an Gewohntes. Jaja, früher war alles besser. Das hört man nicht nur von überalterten Kriegszeitzeugen und verklärten 69ern, ich höre diesen Satz vermehrt von denen, die sich selbst einst das Attribut innovativ verliehen. Veränderung bedeutet nicht automatisch Verbesserung, es bedeutet aber auch nicht automatisch Verschlechterung. Veränderung bedeutet einfach anders. Sie beginnt tastend, erlebt Rückschläge und verfährt sich manchmal in Sackgassen. So geschieht Lernen und Entwicklung. Ich hab´s ja schon vorher gesagt, der Satz, den wir von unseren Eltern am wenigsten hören wollten, wie oft wird der wohl in nächster Zeit noch durch Gehirne, Münder und schließlich in Tastaturen gleiten? weiterlesen.