meine videofavoriten der letzten wochen

felix schwenzel,    

links vom 22.08.2014

felix schwenzel,    

new york city

felix schwenzel,    

ich war mittlerweile 6 mal in new york city. beim ersten und zweiten mal habe ich allerdings den jfk-flughafen nicht verlassen. die stadt habe ich mir zum ersten mal richtig angesehen, als ich mich mit knapp mitte zwanzig jahren, nach meiner ausbildung als schreiner, für eine woche in einem hotel und eineinhalb wochen bei einem bekannten meiner eltern in brooklyn einquartierte. das zweite mal habe ich mir new york während des studiums für ein paar wochen angesehen und jetzt waren wir erneut ungefähr 11 tage dort.

an new york ist einiges sehr beeindruckend, aber drei dinge sind besonders auffällig: new york kommt einem bereits beim ersten besuch wie eine gute bekannte vor, an jeder zweiten ecke hat man den eindruck schonmal gewesen zu sein, weil man sie aus film oder fernsehen kennt. und die stadt wandelt sich mit einer ungeheuren geschwindigkeit. ich habe eigentlich ein ganz gutes ortsgedächnis, dass heisst wenn ich schonmal an einem ort war oder ihn in einem film gesehen habe, erkenne ich ihn ziemlich gut wieder, wenn ich dort bin. in new york fiel mir das dieses jahr ziemlich schwer. es sind in den letzten 16 jahren so viele neubauten hinzugekommen, so viele bauten verschwunden und so einschneidende veränderungen am strassenbild vorgenommen worden, dass ich sogar mit google-maps hin und wieder die orientierung verloren habe.

auch wenn es eine binsenfeststellung ist, aber das beeindruckenste an new york ist in der tat die dichte. natürlich fällt die jedem besucher bereits auf der strasse (oder auf dem east river) auf, aber wenn man auf ein dach in manhatten steigt, traut man seinen augen kaum, wie dicht und tetrishaft diese stadt ist.

blick vom rockefeller center auf manhatten
lower manhatten vom hudson river aus gesehen

im sommer rauscht new york — tag und nacht. in den strassen ziehen oder drücken klima- und belüftungsanlagen luft in oder aus den häusern, in den häusern rauschen die klimaanlagen oder ventilatoren ebenso konstant. wenn einen der jetlagt plagt und man um vier uhr wach im bett liegt, bei offenem fenster, wähnt man sich in new york beinahe am meer. obwohl die klimaanlagen gleichmässiger und weisser, nicht so bunt wie das meer rauschen. darüber liegt das regelmässige heulen der krankenwagen, das wirklich ständig durch die strassenschluchten hallt. die dichte hat zur folge, dass man auch fast immer menschen hört. meist generieren die new yorker geräusche mit ihren kraftfahrzeugen, aber selbst in einem etwas ruhigeren wohnviertel wie chelsea, hört man jede nacht, immer wieder menschen reden oder schreien.

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blick vom centralpark auf midtown

dieses jahr fielen mir in new york ziemlich viele extrem hohe und schlanke neubauten auf. insbesondere an der südseite des central park fallen zwei dieser spitzen auf. ein bekannter erzählte uns (laut über die immobilien-entwickler schimpfend) dass die bauherren dieser stangengebäude „luftschächte“ der umgebenden gebäude aufkauften und deshalb so hoch bauen könnten. natürlich hatte ich mich verhört, es handelt sich nicht um luftschächte, sondern um luftrechte. in der new york times ist diese entwicklung in einem sehr langen artikel wunderbar beschrieben: „The Great Air Race“.

ich versuche mal auf meine laienhafte art wiederzugeben, in gebotener kürze, wie das mit den luftrechten in new york funktioniert (kann gut sein, dass ich erneut verständnisfehler einbaue):

in new york ist die bauhöhe jedes grundstücks reguliert. je nach strassenblock kann das unterschiedlich sein, vor allem wurde die erlaubte bauhöhe jedes grundstücks aber nach der (stadtplanerisch) erwünschten dichte jedes blocks berechnet. das heisst, dass die stadtplaner in der vergangenheit festgelegt haben mit wieviel quadratmeter (bzw. quadrat-fuss) nutzfläche ein block insgesamt bebaut werden solle. würde diese zahl für einen block von zehntausend quadratmetern grundfläche auf hunderttausend quadratmeter nutzfläche festgelegt, könnte jeder grundbesitzer auf diesem block 10 etagen hoch bauen. für manche grundstücke an boulevards oder bestimmten strassen oder vierteln konnten die begrenzung nach oben oder unten verschoben werden, aber wichtig ist: aus dieser vorgegebenen blockdichte kann für jedes grundstück berechnet werden, wie hoch dort gebaut werden kann.

baut ein eigentümer auf seinem grundstück aber nur 5 etagen mit jeweils 100 qm nutzfläche, obwohl er 10 etagen hoch bauen dürfte, hätte er luftrechte für 500 quadratmeter übrig. der witz in new york ist jetzt aber, dass der eigentümer diese luftrechte verkaufen kann, allerdings nur an eigentümer die an sein grundstück angrenzen. hat ein block also noch nicht die vorgegebene dichte erreicht, weil viele eigentümer ihre maximale bauhöhe nicht ausgeschöpft haben, kann ein käufer dieser rechte aufaddieren und entsprechnd hoch bauen.

dieser luftrechtehandel hat in den letzten 20 jahren in new york wohl enorm geblüht, teilweise sind die quadratmeter-preise für luft bereits halb so teuer wie die quadratmeterpreise für grund und boden.

“The trading of air rights is more prevalent than it’s ever been before,” said Robert Von Ancken, an air-rights expert and appraiser who is the chairman of Landauer Valuation and Advisory Services, “and it’s why you’re seeing these monster buildings springing up all over town. All of these new supertowers that are changing the look of the city’s horizon, they couldn’t happen without air-rights transfers.”

Mr. Von Ancken estimates that air rights trade for 50 to 60 percent of what the earth beneath them would sell for. Once sold, they are gone for good, a detail that occasionally adds a serious stress component to negotiations.

robin finn, nyt februar 2013

foto von scoutingny von der 160 east 22nd street

foto von nick carr cc by-nc-nd

dieser lufthandel führt aber offenbar nicht nur zu „monster-gebäuden“, sondern auch zu tetris-gebäuden. gebäude die andere gebäude überbauen oder überhängen. der locationscout nick carr (dessen blog ich sehr empfehlen möchte), hat von einem dieser gebäuder sehr schöne bilder veröffentlicht.

in chelsea, direkt in der nachbarschaft der wohnung in der wir bei freunden untergekommen waren, gibt es pläne eine kleine kirche mit einem apartment-komplex komplett zu überbauen. die nachbarn finden das nicht so toll.

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bei nick carr habe ich auch eine liste von über 100 dingen die an new york nett toll sein sollen gefunden — aus einer nyt-ausgabe von 1976. nummer 46 war bisher mein lieblingsargument, warum ich berlin so toll finde:

46) More movies, plays, and ballet than anywhere else in the world, and not going

man muss in new york (oder berlin) eben nirgendwo hingehen, weil man auch irgendwann anders hingehen kann. in der folge kann man gemütlich zuhause sitzen und sich trotzdem total grossstädtisch fühlen.


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in new york hab ich mir zwar meistens mit meiner aeropress-maschine kaffee selbst gekocht, aber auch einmal kalt gebrühten kaffee aus dem kühlregal gekauft. mir schmeckte der sehr gut (kaum bitterstoffe, trotzdem toller kaffeegeschmack), die beifahrein meinte allerdings, leider auch nicht ganz unzutreffend: „der schmeckt wie zu dünner und gleichzeitig zu starker kaffee.“

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neben den unendlich vielen „delis“ gibt es in new york unendlich viele „diners“. wir haben dort nicht gerade selten gegessen, zum leid unseres blutbildes. trotzdem möchte ich zwei herauspicken und besonders empfehlen. einmal das stage restaurant (4sq-link), das eigentlich gar kein restaurant ist, sondern ein langer, schlauchartiger raum mit einer theke. das hatte uns @misscaro empfohlen und ich würde es jedem weiterempfehlen der nichts gegen fetthaltiges essen hat und keinen besonders ausgeprägten sinn für hygiene hat.

irgendwas mit ei, im stage restaurant
stage restaurant im east village

auch das square diner (4sq-link) in tribeca war eine empfehlung eines freundes. das klassische amerikanische diner, wie wir es aus film und fernsehen kennen. innen sehen die ein bisschen aus, wie ein speisewagen mit langer theke und von aussen … auch. frühstück im diner bedeutet erstmal ei. alles mit ei. speck, kartoffeln, sandwich, brot — mit ei. gerührt, gebraten, gemischt mit beliebigen zutaten — aber hauptsache ei. zum mittag- oder abendessen ist die auswahl etwas grösser: sandwiches, burger, fleisch oder salate. für einen überblick lohnt es sich die foursquare-foto-seite des square diner anzusehen.

ich hatte im square diner einen „chef-salat“, einen nach art des kochs. der koch ist wie man erkennt ein grosser fleischliebhaber, hat aber auch nichts gegen käse.

chef salat im square diner
chef salat im square diner

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ich habe einmal beobachtet wie man in midtown die blumen giesst: von einem tankwagen aus mit dem schlauch draufhalten. das geht gut, auch wenn es durchaus blumenerdeverluste zu beklagen gibt.

begossener blumentopf

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auf einem dach in chelsea abend zu essen ist so ungefähr das grossartigste was man machen kann. ich vermute aber, dass das für ungefähr jedes dach in manhatten gilt.

blick von einem dach in chelsea auf midtown

links vom 19.08.2014

felix schwenzel,    

links vom 18.08.2014

felix schwenzel,    

links vom 17.08.2014

felix schwenzel,    

mobile datennutzung in den USA

felix schwenzel,    

als erstes habe ich in den USA folgendes gemacht: ein stück pizza und ein bier gekauft. dann einen knoblauch-bagel gegessen, eine fahrradtour gemacht, ein telefon und eine amerikanische SIM-karte gekauft.

dieses vorgehen (eine amerikanische SIM-karte zu kaufen) war eine der besten entscheidungen die wir in unserem USA-urlaub getroffen haben. das vorankommen und (zurecht) finden funktioniert in new york city (und dem rest der USA) mit apple- und google-maps und foursquare wirklich um längen besser und spontaner als mit papierkarten und -listen. die karten-apps und foursquare, funktionieren insbesondere in new york hervorragend, aber auch im rest des landes. auch die strassen-navigation funktionierte auf diese art und weise sehr, sehr gut, bis auf einen halben tag nördlich von san francisco auf dem highway 1, wo es partout keinen empfang gab.

ganz besonders hervorheben möchte ich google-maps, das in nyc (und san francisco und anderen städten) das u-bahn und bus-system sehr gut kennt und so bei der zu-fuss-erkundung ungemein hilfreich ist.

die vorherigen male die ich in new york war, habe ich fast nie busse benutzt. dank google-maps haben wir dieses jahr, wenn google-maps das vorschlug, recht oft den bus benutzt. google-maps kennt auch die regionalbahnfahrpläne und beispielsweise den weg per u-bahn zum john-f.-kennedy-flughafen.

o2 bietet 6 MB für 2 euro an

zurück zur überschrift; datennutzung in den USA mit einem deutschen o2-vertrag ist eher so naja. mir bot man per sms zuerst den kauf von 6 MB datennutzung pro tag für 12 euro an, später dann für 2 euro. andere verträge oder anbieter bieten möglicherweise etwas mehr datenvolumen und weniger nepp an, aber damit kommt man so oder so nicht weit. dank dieses artikels von alexander kurz („USA-Urlaub mit dem iPhone: Wie man ein freigeschaltetes iPhone mit einer AT&T GoPhone Prepaid SIM nutzen kann“) erfuhr ich von der möglichkeit sich problemlos eine prepaid-SIM bei at&t zu besorgen die für 60 dollar 2,5 GB datennutzung enthält.

hier die kurzversion wie man sich und seinem handy (oder smartfone) in den USA datennutzung ermöglicht (in etwa deckungsgleich mit dem was alexander kurz erzählt):

  • in einen at&t-shop gehen (ich war im at&t-shop am times square) und nach einem „goPhone pay as you go plan“ fragen
  • bezahlen
  • SIM einstecken und aktivieren und konfigurieren (das hat mir die at&t-verkäuferin gleich miterledigt)
  • damit hat man 2,5 GB datenvolumen, unbegrenzte nationale telefonate und sms und kann at&t hotspots benutzen. auch tethering (bzw. die nutzung des persönlichen hotspots) war mit der SIM-karte (auf einem SIM-lockfreien) iphone möglich.
  • es ist möglich, für je $10 ein weiteres gigabyte datennutzung hinzuzukaufen.
  • die netzqualität von at&t war in den landesteilen wo ich war hervorragend (new-york city, san francisco, nordkalifornien, der westen von oregon und washington state).

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times square news york

hier die etwas ausführlichere geschichte zu meiner at&t SIM-karte.

wie von alexander kurz empfohlen, bin ich zum at&t-laden am times square gegangen. die annahme, dass der kauf dort problemlos funktioniert, weil man dort öfter touristen bedient, hat sich bestätigt. am eingang des ladens gibt es einen grussonkel begrüsst einen ein freundlicher mitarbeiter, der sich den vornamen und das anliegen notiert und einen in eine art elektrische warteschlange einsortiert. in anderen at&t-läden wird man auch immer am eingang begrüsst und oft auch darauf hingewiesen, dass es eine gewisse wartezeit gebe. witzigerweise war im at&t-store vor mir auch auch ein felix in der elektrischen warteschlange. der sagte dazu später zu einem mitarbeiter, der ihn darauf ansprach dass ix auch felix hiesse: „oh yeah, sure, thats my brother.“

die wartezeit war relativ lang, aber als ich bedient wurde, ging es wirklich schnell: „i’d like to have a 60 dollar pay as you go plan“ — „no problem“. beim bezahlen fragte mich die mitarbeiterin ob ich mein telefon dabei habe und nachdem ich es ihr in die hand drückte habe, steckte sie die SIM ein, konfigurierte das telefon, legte mir ein online-konto an, übertrug mein gerade bezahltes guthaben auf die SIM und nannte mir meine telefonnummer. wartezeit ca. 20 minuten, bedienzeit ca. 9 minuten.

zuhause angekommen bekam ich irgendwann panik, weil ich die PIN-nummer meiner SIM nirgendwo finden konnte. online fand ich heraus, dass sie in der regel (bei at&t) immer 1111 lautet und dass die PIN für amerikanische SIMs in der regel gar nicht aktiviert ist.

die verbrauchserfassung von at&t ist sehr genau. das was ich bei at&t abfragen konnte (*777*3#) deckte sich exakt mit der verbrauchsanzeige des iphone. die ersten 2,5 GB hielten ca. 2,5 wochen. die kartennutzung (google- und apple-maps) ist nicht sonderlich datenintensiv, aber wir haben fürs instagrammen und gelegentliche surfen in wlan-freien gegenden relativ hemmungslos getethert, also ein weiteres iphone und ein kindle-fire-tablet mitangeschlossen.

als die ursprünglichen 2,5 GB verbraucht waren, war das nachkaufen des ersten zusätzlichen gigabytes etwas aufwändig, weil diese option nicht in meinem online-account erschien. auch die at&t-mitarbeiterin in einem at&t-laden in portland war damit überfordert und rief selbst die hotline an. die ist übrigens zu 90% automatisiert und für selbstbediener. nach ca. 40 minuten hin und her hatte ich ein frisches GB zum verbrauch. das zweite extragigabyte ging es etwas einfacher, auch wenn ich online nach wie vor nicht die option zum nachkaufen von 1 GB datenvolumen finden konnte. mein vorgehen war wie folgt:

at&t profil auf att.com
  • online, per kredikarte mindestens $10 guthaben ins konto laden. das ist insofern kompliziert, weil das formular (aber auch der bezahlservice am telefon) eine postadresse bei der bezahlung (mit der kreditkarte) verlangt. das sollte die gleiche adresse sein, mit der das online-konto bei att.com registriert wurde. mir hatte die freundliche at&t-mitarbeiterin eine new yorker adresse eingetragen (am times square).
  • telefonisch (telefonummer 611) im sprachmenü zu „add features“ durchhangeln und das 1 GB paket für $10 kaufen.

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ich hab keine ahnung was die konkurenz von at&t in den USA für touristen anbietet, die gerne auf der strasse online sein wollen. das angebot von at&t fand ich fair und sehr befriedigend. man ist in den USA telefonisch erreichbar und wirklich (fast) durchgehend online. 3G, 4G/LTE funktionierten mit dem iphone wunderbar, wenn „service“ verfügbar war, war auch das internet zuverlässig und schnell vorhanden. der vertragsabschluss war trotz mangelnder echter US-adresse problemlos und auch meine deutsche kreditkarte funktionierte beim bezahlen (manchmal an tanksäulen gabs probleme wegen zip-code-abfragen). wer mag, kann mich gerne auf andere erfahrungsberichte hinweisen, die ich dann verlinke. fragen beantworte ich auch gerne in den kommentaren.

dummheit von journalisten dank internet immer besser sichtbar

felix schwenzel,    

vor ein paar tagen analysierte thomas steinschneider die widersprüchliche darstellung und manipulative sprache von journalisten am beispiel der berichterstattung über die ukraine und russland:

tatsächlich fällt mir auch immer wieder das gleiche zitat von josef joffe ein, wenn ich vorwürfe höre, die deutsche presse sei gelenkt oder beteilige sich an propaganda:

Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.

inkompetenz und chaos sind zwei entscheidende mitspieler in der welt der publikationen (ich nehme blogger oder mich selbst da nicht aus). am auffälligsten ist diese inkompentenz natürlich bei weitreichenstarken publikationen. und eben auch am tragischsten, weil sie damit das gegenteil von aufklärung bewirken.

ein weiteres schönes bespiel von ahnungslosigkeit und desinteresse an logik hat friedrich leist im spiegel entdeckt:

der spiegel titelt angesichts irgendeiner statistik, dass „Weiße Schüler an US-Schulen erstmals in der Minderheit“ seien. das ist auf so vielen ebenen dumm, unlogisch und schwarz/weiss gedacht, dass man gar nicht weiss wo man anfangen soll. vielleicht bei der definition von minderheit? spiegel-online verfängt sich hier auf grandiose weise in einem wort-labyrinth:

Zwar stellen weiße Amerikaner weiterhin die größte gesellschaftliche Gruppe an den Schulen im Land. Doch zahlenmäßig gesehen sind die Minderheiten in der Mehrheit - zusammen stellen sie 50,2 Prozent.

die mehrheit ist eine minderheit, weil die minderheiten in der mehrheit sind? meine güte, fällt die blödsinnigkeit dieser aussage eigentlich niemandem beim gegenlesen auf?

für eine bessere erklärung der blödsinnigkeit und weiss-fixierte eurozentrizität dieses quastsches, lohnt es sich das video von hari kondabolu anzusehen, der das wunderbar und witzig erklärt (ab ca. minute 3:28):

youtube-video

direkt youtube-link

aber auch gleich im ersten absatz des spiegel-artikels versteckt weiterer blödsinn:

Die Zusammensetzung der Schülerschaft in den USA wandelt sich. Schüler ohne Migrationshintergrund sind zu Beginn des neuen Schuljahres im Herbst erstmals in der Minderheit.

es gibt in amerika schüler ohne migrationshintergrund? hat bei spiegel-online wirklich niemand davon gehört, dass die vorfahren fast aller amerikaner migranten sind? oder meint der autor allen ernstes, das bei menschen, deren migrationshintergrund ein paar hundert jahre alt ist, dieser hintergrund verblasst? wenn das so ist, warum verblasst der migrationshintergrund von dunkelhäutigen menschen nicht, deren „migration“ (oder verschleppung) auch teilweise bereits ein paar hundert jahre zurückliegt? ist das ein rein „weisses“ privileg, seinen migrationshintergrund verblassen zu lassen?

beim nachdenken über den oben zitierten satz frage ich mich tatsächlich, ob das noch unwissen und inkompetenz ist, oder ob in diesem satz vielleicht doch übler rassismus und herrenmenschentum durchschimmert.

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natürlich sind schreiende dummheit und ausgespägte wissenslücken, anthropo-, ego- oder eurozentrizität nicht auf journalisten beschränkt. aber bei denen fällt es dank der neuen verbreitungswege heutzutage besonders auf. deshalb wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, vielleicht neben den fakten, auch hin und wieder mal die perspektive vor (oder nach) der veröffentlichung zu überprüfen. oder bei der anstellung von journalisten auf lernfähigkeit zu achten, nicht nur auf bildungsabschlüsse.

links vom 16.08.2014

felix schwenzel,    

links vom 14.08.2014

felix schwenzel,