schmidt vs. engelke

felix schwenzel,    

beim ersten absatz habe ich mehrfach gelacht, der rest ist eine mischung aus lottmanscher genialität und lottmannscher dummschwätzerei. aber durchaus analytisch-visionär in mehreren punkten den nagel sowas von auf den kopf treffend: joachim lottmann am 26. mai 2004 in der jungle world:

Am Spiegel war doch immer so schön, dass man sich auf ihn verlassen konnte. So wie auf Harald Schmidt. Diese beiden, Spiegel und Schmidt, machten den Unterschied. Durch sie lebten wir nicht in Österreich.
[...]
Anke verhält sich zu Harald wie Juhnke zu Brecht. Und eben wie Focus zum Spiegel, um es nochmal abzurunden.

ich bin hin und her gerissen; das beste was ich jemals über schmidt vs. engelke gelesen habe oder die blödeste hasstirade eines mannes der frauen über 27 hasst? von allem etwas. lesebefehl (sic!).

[via ivy]

fear, doubt, uncertainty

felix schwenzel,    

vizeprez cheney sagt, wenn george w. nicht wiedergewählt wird könnten us-amerikanische städe mit nuklearbomben und biologischen waffen attackiert werden. verhindern könne man das nur, wenn die bush regierung wiedergewählt wird. warum: weil die sich das vorstellen könne:

"The biggest threat we face now as a nation is the possibility of terrorists ending up in the middle of one of our cities with deadlier weapons than have ever before been used against us - biological agents or a nuclear weapon or a chemical weapon of some kind to be able to threaten the lives of hundreds of thousands of Americans," Cheney said.

"That's the ultimate threat. For us to have a strategy that's capable of defeating that threat, you've got to get your mind around that concept," Cheney said.

ein haufen irrer. wenn sie doch bloss alle von peter sellers gespielt würden...

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internet laut SpOn überflüssig

felix schwenzel,    

spiegel online bringt mal wieder ein paradebeispiel für wohlrecherchierten qualitätsjournalismus. vor lauter begeisterung über das puschen beim blackberry wird das internet für überflüssig erklärt:

Doch der eigentliche Clou ist die so genannte Push-Funktion. Der Nutzer kann jederzeit E-Mails abrufen, ohne sich ins Internet einwählen zu müssen.

demnächst im SpOn: telefonieren ohne kabel - die grosse serie in 40 teilen. quatschköppe.
[via vowe]

traum und wirklichkeit

felix schwenzel,    

letzte woche hatte ich einen verstörenden traum. ich kann mich an eine situation in einem reisebus erinnern (dinge zu denen man im echten leben nicht kommt holt man ja oft im traum nach: busreisen). dort hörte ich einem gespräch zu in dem ein aufgeblasener BWL-typ mit irgendjemandem rumplauderte und sein 1a geschäftmodell vorstelllte. er habe ein bombensicheres geschäftsmodell entwickelt: ein branchenbuch im internet, eine art gelbe seiten. ich fing im traum sofort an zu lästern, oh wie marklückig das sei, wie einzigartig und neu das sei und wie ihm die leute die bude für kostenpflichtige einträge einrennen würden um auf einer bescheuerten webseite mit adresse und telefonnummer zu erscheinen. wie manchmal im echten leben eskalierten meine lästereien und bevor ich aufwachte prügelten wir uns im reisebus.

ein paar tage später wurde ich im fernsehen von werbung für goYellow, oder so, reizüberflutet. gelbe seiten im internet. wow. ich läster da lieber nicht drüber, die jungs scheinen so rabiat zu sein, dass sie sogar in träume eindringen. leicht unseriös scheinen sie auch zu sein. ein traum der wirklichkeit wird.

strafreis

felix schwenzel,    

meine schwester hat mal ein wunderbares chili-con-carne gemacht. klassische mischung aus der glutamat-tüte, günstigem hackfleisch und roten flatulenz bohnen. ich mag sowas. dazu würde ich sogar noch ein glas zwiebelsaft trinken. zum chili-con-carne servierte meine schwester reis. der war so scheusslich, so verklebt, so verkocht, dass ich ihn „strafreis“ nannte. ich ass das chili ohne den straf-reis.

als ich eben anfing zu schreiben, dachte ich, dass die geschichte mit dem strafreis eine prima einleitung zu der geschichte die ich heute früh erlebte hätte sein können. ist sie aber nicht. egal. die geschichte kann auch ohne funktionierende einleitung erzählt werden:

heute früh war ich mal wieder beim arzt, verbandswechsel und etwas gegen die krämpfe verschreiben lassen, die das bein an dem mein lädierter fuss befestigt ist seit samstag plagten. frau fabrizius empfahl mir magnesium-brausetabletten von lidl oder plus und verschrieb mir pillen die den magen angriffen aber gegen krämpfe wirksam wären. mit einem rezept in der tasche, einem eingezogenen rechten fuss und an krücken humpelte ich den 20 meter breiten bürgersteig an der wiener strasse entlang. am strassenrand stand (mittlerweile ist mir der sinn der einleitung wieder eingefallen) ein polizeiauto, offensichtlich ein „strafauto“, ein schrottiger, häslicher opel kadett, der offensichtlich der demütigung der besatzung diente. auf dem beifahrersitz sass ein nervöser polizist und blickte abwechselnd ins auto und auf den 40 meter breiten bürgersteig. als mein weg den blick des polizisten kreuzte sprang er auf, lief auf mich zu und fragte mich offenbar stark versehrten und fahruntüchtigen krückenhumpler: „is dat dein auto?“ ich wich der frage aus und antwortete dass ich nicht fahren könne.

lessons learned: krüppel werden in berlin geduzt, duzende polizisten werden von ihren vorgesetzten mit opel-kadett-streifenwagen bestraft, autos werden erst nach ausgiebigen ermittlungen abgeschleppt.

hauptbahnhof zürich

felix schwenzel,    

am hauptbahnhof in zürich stand vor einigen jahren, jedesmal wenn ich dort war, eine frau mit eigenartig jungem gesicht und schneeweissen haaren, immer an der gleichen stelle. sie stand dort und schaute jeden der an ihr vorbeiging kurz an. sie suchte keinen blickkontakt, versuchte aber offensichtlich jeden kurz anzuschauen. ich glaube ich sah sie erstmals im jahr 1996, als ich meinen freund hannes in zürich besuchte. sie stand am ende der gleise vor der haupthalle des züricher hauptbahnhofs, damals schon, wenn ich mich recht erinnere, auf krücken gestützt. in den jahren 1996-1998 war ich öfter in zürich und immer wenn ich dort ankam oder fortfuhr sah ich die frau.

mein freund hannes nahm sich eines tages ein herz und fragte die frau, was sie dort mache. sie antwortete ihm, dass sie die menschen segnen müsse. nach dieser antwort wandte sie den blick ab und „segnete“ weiter.

ich weiss nicht ab wann, aber irgendwann sass die frau im rollstuhl, was sie aber nicht davon abhielt die menschen weiter zu „segnen“. manchmal sank ihr kopf auf ihre brust, aber es dauerte nie lange bis sie wieder hochschreckte und mit ihrer arbeit fortfuhr. auch mit dem rollstuhl war sie immer da, immer an der gleichen stelle. was mich immer irritierte war ihr jugendliches gesicht. das haar und den müden körper einer alten frau, aber das gesicht rosig, faltenfrei und mit wachen augen. irgendwann, um die jahre 2000 oder 2001 herum habe ich voin hannes gehört, dass sie gestorben ist.

weiss jemand mehr über diese frau?

[nachtrag: zwei kommentaren und dieser geschichte nach sieht es so aus, als ob die frau noch lebte. man nennt die obdachlose frau „bahnhofsengel“, hier ist ein bild von ihr]

[bild mit freundlicher genehmigung von refbild]

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