anne will 30.10.2016

felix schwenzel, , in gesehen    

aus irgendeinem grund habe ich mir gestern die ganze sendung von anne will am 30.10 angesehen. ich glaube vor allem habe ich mir das angesehen, weil absehbar war, dass zwei der gäste aneinandergeraten würden: sascha lobo und manfred spitzer. jemand schrieb mir, dass die sendung sehr witzig sei, weil sascha lobo spitzer ständig bretter hinhielte und er jedes einzelne mal spränge.

spitzers punkt sei, legte er in seinem eröffnungsstement ausführlich dar, dass wenn es um kinder und jugendliche gehe, „man“ sich fragen müsse, wie lange „man“ sie „davor“ schützen müsse. mit diesem ominösen „davor“ meint er „digitale medien“. die würden, und das sei total klar, starke risiken und nebenwirkungen haben: angst, aggression, aufmerksamkeitsstärung, depression, demenz, sucht, „diabetes noch dazwischen“, schlafstörungen, schulversagen. darüber habe er „auch noch ein buch geschrieben“ und das sei wichtig und niemand rede darüber. diese warnung wiederholte er im laufe der sendung immer wieder, lediglich unterbrochen mit der aufzählung von „studien“ und regelmässigen zwischenrufen wie „falsch, ganz falsch“.

was dann tatsächlich amüsant war: spitzer dabei zu beobachten wie er alle 10 minuten in rage geriet und seine aggression, aufmerksamkeitsstörung und talkshowversagen nicht mal in ansätzen verhehlen konnte. sascha lobo konnte spitzer tatsächlich immer wieder mit kurzen, prägnanten sätzen und punktgenauen anmerkungen gezielt zur explosion bringen: „sie differenzieren nicht“, „sie wollen bücher verkaufen und schüren dafür gezielt angst“, „sie haben schlechte umgangsformen“. bei jeder einzelnen dieser anmerkungen hatte ich das gefühl, dass manfred spitzer gerne auf sascha lobo losgegangen wäre.

neben ein paar befindlichkeiten und absehbaren statements („ich versuche nicht nach halb sieben einkaufen zu gehen!“ (leni breytmeier), „wir brauchen nicht mehr regulierung und bürokratie!“ (christian lindner), „wir brauchen mehr qualifizierte arbeitskräfte!“ (bernhard rohleder)) wars das im grossen und ganzen auch schon. anne will versuchte heldenhaft ab und zu fragen zu stellen, deren antworten sicher erhellend gewesen wären („was würden sie denn konkret vorschlagen?“), aber es wurde schnell klar: beantworten wollte ihre fragen niemand, nichtmal in ansätzen. stattdessen absehbare statements, forderungen nach mehr und besserer bildung, befindlichkeiten und schreie von spitzer, dass alles falsch sei und alle keine ahnung hätten. gelegentlich versuchte sascha lobo (vergeblich) „pflöcke“ einzuschlagen und die diskussion weg von theoretisch-konstruierten szenarien auf konkrete probleme zu lenken.

zum sendungsthema „Schöne neue Arbeitswelt - Ist der Computer der bessere Mensch?“ habe ich eine stunde vorher sehr viel mehr denkanstösse und stoff zum nachdenken bekommen, als ich mir die fünfte folge westworld angesehen habe.

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the jungle book (2016)

felix schwenzel, , in gesehen    

visuell sehr beeindruckend, die gezeigten absurditäten (sprechende und singende tiere, unberührte natur) werden gekonnt mit der, gar nicht mal so dämlichen, handlung ertränkt.

die beifahrerin war ein bisschen enttäuscht, dass der film nicht, wie der gezeichnete vorgänger, als musical angelegt war, ich war froh, dass nicht bei jeder gelegenheit gesungen wurde. ich hab mir das gerne angesehen, fühlte mich gut unterhalten und ausgereichend gespannt und, wie gesagt, das erstaunlichste war, dass der film es schafft wenig absurd und authentisch zu wirken. noch nicht mal der gelegentlich durchscheinde pathos hat mir das vergnügen vergällt.

suicide squad

felix schwenzel, , in gesehen    

übler, langweiliger, an den haaren herbeigezogener ballerscheiss der alten schule. und alte schule mein ich hier nicht positiv; der film, der plot, die dialoge fühlen sich durch und surch nach 70er und 80er jahre blockbuster an, nur dass die spezialeffekte modern sind.

genau betrachtet ist suicide squad ein remake des ersten ghostbuster-films, nur ohne den kindischen humor und die ohrwurmige musik. in seiner bunten kackigkeit kommt der film übrigens auch beinahe schon an die übelste batman-adaption ran: batman & robin mit schwarzenegger als bösewicht.

kurzkritiken

felix schwenzel, , in gesehen    

mr robot s02: nachdem mir die erste staffel von anfang an (bis zum ende) aussergewöhlich gut gefallen hat, war die zweite staffel eine grosse enttäuschung: blödsinnige, übergeigte story, störende und zu platte amazon-alexa schleichwerbung und überbordende selbstverliebtheit des produzententeams. übergeigt von vorne bis hinten und dazu leider auch noch stinklangweilig.

lethal weapon s01: nach zwei folgen lautet mein urteil: solide mittelgute serienkost. nicht besonders subtil oder elegant, aber unterhaltsam bis es nach wahrscheinlich fünf oder sechs folgen wegen überspannter stereotypen unendlich nervt. aber bis dahin gucke ich gerne weiter.

penn and teller fool us s01 bis s03: penn and teller lassen sich von anderen zauberern zaubertricks vorführen und versuchen diese danach zu erklären ohne zu viel zu verraten. die show hat mir über drei staffeln grosses vergnügen bereitet, einerseits weil zum teil wirklich grossartige magie gezeigt wird und andererseits weil die mischung aus scripting und spontanität im gegenteil zu anderen casting-, panel- oder juryshows sehr ausgewogen und ausreichend authentisch ist. durch und durch unterhaltsam, wenn man hin und wieder den skip-button betätigt.

westworld s01 pilot: die serie zeigt, dass HBO beim fernsehserienproduzieren immer noch die nase weit vorne hat. die ausstattung, produktionsqualität, erzählstruktur — das gesamtpaket — hat eine qualität, die die newcomer netflix oder amazon nur in ausnahmefällen erreichen. im gegenteil zum amerikanischen kabel- oder antennenfernsehen sind HBO-serien in der regel erfrischend subtil und auch im detail erfrischend durchdacht. zuletzt begeisterte mich the leftovers von HBO eindrücklich, ich habe das gefühl, westworld könnte das auch hinbekommen, wenn die showrunner das nicht irgendwann unerwarteter weise verkacken sollten.

einzig das fliegen-thema war so dick aufgetragen, dass die offensichtlich angestrebte subtilität und tiefgründigkeit etwas arg litt. aber insgesamt habe ich bei westworld nach dem piloten ein ziemlich gutes gefühl.

halt and catch fire s03: das beste zum schluss; auch wenn die dritte staffel von halt and catch fire mit einigen längen und etwas zu detailierter charakterstudie anfing und mich über zwei bis drei folgen doch ziemlich langweilte, schaffte die serie es, die qualitäten die sie in den ersten beiden staffeln aufgebaut hatte, in dieser staffel weiter auszubauen. diese qualitäten sind gar nicht so einfach zu umreissen. tatsächlich steckt in vielen serien, die ich in den letzten jahren gesehen habe, ein stückchen dieser halt-and-catch-fire-qualitäten:

  • mr robot war eine der ersten serien die dafür gefeiert wurde (in der ersten staffel zu recht), dass sie das geschehen auf computerbildschiremn einigermassen authentisch darstellte. als die erste staffel von mr robot lief, hatte halt and catch fire das schon zwei staffel lang vorgemacht.
  • stranger things löst ja derzeit sowas wie ein achtzigerjahr revival aus. auch dafür hatte halt and catch fire schon 2014 das potenzial. allerdings wurden bei halt and catch fire nicht einfach nur achtzigerahre-erinnerungen aufgewärmt und wahllos abgefeiert (wie bei stranger things), sondern darauf hin abgeklopft, was sie uns über die gegenwart erzählen oder lehren können. wie halt and catch fire das hinbekommt ist zum teil wirklich kunstvoll. die motive aus den achtzigern werden nicht einfach aufgewärmt und vorgeführt, sondern synthetisiert. die figuren lehnen sich nicht einfach an einen oder zwei charaktere aus den achtzigern an, sie lehnen sich an dutzende personen an, spitzen zu, stellen in frage und regen an.
  • darin ist halt and catch fire auch mad men nicht ganz unähnlich. auch bei mad men wurde passiertes mit fiktion vermischt und aufgemöbelt und interpretiert. aber anders als mad men gibt sich halt and catch fire grössere mühe einen bezug zum jetzt herzustellen.

was ich eigentlich sagen will: wenn man die ersten vier folgen der dritten staffel halt and catch fire überstanden hat, kann man sich weitere vier folgen einer wirklich tollen serie angucken.

river vs. bosch

felix schwenzel, in gesehen    

river (auf netflix) ist kein schlechter krimi. die story ist schön verwoben und john river bohrt sich durch jede einzelne zwiebelhülle bis er in der achten folge im zentrum anlangt. ich hab die serie aber nicht gerne gesehen, jede folge war eine qaual. ich fühlte mich wie im theater. ich habe nichts gegen psychologie oder gegen die filmische aufbereitung von psychischen problemen, aber wie die serie john rivers psychose, bzw. seinen umgang mit den stimmen in seinem kopf auswalzte war mir einfach viel zu langatmig. ja, stellan skarsgård hat ein wunderbares gesicht, aber müssen wir es wirklich jede folge 30 minuten lang in grossaufnahme bewundern? acht folgen lang? so gesehen war die serie ein qual, aber ich war am ende froh, sie durchgestanden zu haben, denn das ende war sehr OK und die serie insgesamt auch.

ich habe jetzt die zweite staffel bosch (auf amazon) angefangen und war erstaunt, was für ein kontrast das ist. die erste staffel bosch fand ich nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass ich mich gleich auf die zweite staffel gestürzt hätte. aber jetzt, nach der river-qual, bin ich erstaunt wie gut verdaulich manche fernsehserien sein können, bzw. bosch ist. zwei folgen habe ich am stück weggesehen und die dritte hätte ich wohl auch gleich noch weggeatmet, wenn ich mich nicht selbst unterbrochen hätte um diesen gedanken aufzuschreiben: man muss im fernsehen einen charakter nicht sezieren um ihm nahezukommen, man muss die welt nicht aus seiner perspektive zeigen, um sein verhalten zu verstehen, man muss nicht jede regung der hauptfigur ausinszenieren und theatralisch überhöhen, um empathie zu einem charakter zu entwickeln. fernsehen funktioniert im kopf des zuschauers. ich möchte nicht alles ausformuliert, garniert und gargekocht serviert bekommen, ich möchte die sätze selbst im kopf zuende führen, ich will die emotionen selbst auf die charaktere projizieren und ab und zu auch was zum kauen haben.

leider ist bosch ein denkbar schlechtes beispiel für exquisite erzählkunst, aber weil bosch eben zufällig gerade auf river folgte, fiel mir der kontrast auf und ich musste ihn mal aufschreiben. aber auch wenn bosch nur eine gut gemachte mittelgute serie ist, bleibt sie doch ein gutes beispiel dafür, das gute erzählungen und interessante charaktere nicht von der serie selbst, ihrer inszenierung oder dem regisseur erschlossen werden müssen, sondern dass man das gut dem zuschauerkopf überlassen kann.

* * *

bosch telefoniert in der ersten folge der zweiten staffel mehrfach mit seiner tochter. das akkustische signal und das eingeblendete logo rechts oben lassen keinen zweifel daran aufkommen, dass microsoft/skype einen gewichtigen teil zum produktionsbudget beigetragen hat. komisch fand ich aber, wie bosch während des telefonats seinen daumen auf sein bild hielt:

bosch skyped mit seiner tochter

und das, obwohl er seinen daumen eigentlich gar nicht auf dem bildschirm hatte.

bosch skyped mit seiner tochter

ich vermute die frontkamera des produkt-platzierten samsung telefons war einfach zu schrottig für eine HD-serie.

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kann auch sein, dass ich bosch lieber gucke, weil ich so unfassbar gerne das gesicht von jamie hector ansehe.

chef’s table

felix schwenzel, , in gesehen    

die erste folge chef’s table hab ich glaube ich vor nem jahr auf netflix gesehen. sie handelte von massimo bottura, einem italienischen koch und seinem restaurant osteria francescana. aber eigentlich handelte sie von etwas ganz anderem, von massimo bottura leben und seiner einstellung zum leben, seinen krisen und seinen erfolgen — aber eben auch über das was er kocht. ich fand diese erste folge sehr beeindruckend und auch ein bisschen bewegend, weil dieses portrait beinahe intim und schön differenziert war. ich erfuhr etwas über den koch selbst, über das was ihn antreibt, und beinahe nebenbei, was er so kocht.

nachdem ich nun die fünf anderen folgen der ersten staffel von chef’s table gesehe habe, wurde klar, dass das die idee hinter der serie ist. es geht nicht um den tisch, sondern den oder die, die den tisch deckt. dass dabei inszenatorische mittel zum einsatz kommen, bei denenn ich bei fiktionalen formaten schreiend weglaufe, also übermässiger einsatz von zeitlupen, emotionsmanipulierende musik, ausufernde landschaftsaufnahmen, störte mich in diesem format fast gar nicht.

tatsächlich kommt diese dokumentationsreihe inhaltlich gut gemachten fiktionalen formaten recht nahe. fast jede ausgabe handelt von einem menschen, der oder die sich auf den weg macht ihren traum zu erfüllen und dabei auf widerstände oder widersacher trifft und sich am ende dann doch durchsetzt. jede folge hat ein happy beginning (ein gut gehendes spitzenrestaurant) und happy end: ein spitzenkoch, von dessen leben man ein bisschen erfahren hat, mit einem, oder mehreren, gut gehenden spitzenrestaurants. aber auf dem weg dahin, erfahrt man, was es bedeutet dort zu landen, welche arbeit und mühe dahinter steckt, welche krisen und welche hindernisse aus dem weg geräumt werden müssen.

die botschaft beinahe jeder einzelen folge lautet: finde zu dir selbst und tue das, was du am besten kannst, auf deine weise und so gut du kannst. also — theoretisch — wie bei jedem actionfilm.

ein paar der köche fand ich wahnsinnig sympatisch, andere unerträglich unsympathisch, einige der köche wirken unglaublich prätentiös, andere geerdet und rustikal. was die serie aber jedes mal mit erstaunlicher leichtigkeit schafft, ist die motive der köche nachvollziehbar zu machen, zu verstehen, warum das, was die köche tun, jeweils folgerichtig ist.

besonders gut hat das bei francis mallmann und magnus nilsson funktioniert. der eine wuchs am südlichen arsch der welt in patagonien auf, der andere am nördliche arsch der welt in schweden. beiden gemein ist die scheinbar widersprüchliche, gleichzeitige misachtung von konventionen und grosser wertschätzung von traditionen. beide haben einen grossen freiheitsdrang und den unbedingten willen, ihren eigenen weg zu gehen. während nilssons detailversessenheit und perfektionsdrang sehr ausgeprägt und augenscheinlich ist, hat mallmann seinen drang zur perfektion (scheinbar) überwunden und kocht eher lakonisch und urig.

wenn köche über ihre philosophie haltung zum kochen, essen oder nahrungsmittel reden, kann das gehörig in die hose gehen. witzigerweise ging das aber bei keinem der portraitierten köche in die hose, im gegenteil. ich fand das nachvollziehbar bis überaschend interessant und klug. was ich faszinierend finde — aber überhaupt nicht nachvollziehbar — ist die detailversessenheit und der perfektionsdrang der portraitierten. ich bin da eher rustikal und dränge aus prinzip nicht nach perfektion. etwas gut bis sehr gut zu machen ist schon anstrengend genug — das dann perfekt zu machen, erfordert dann mindestens nochmal genausoviel bis doppelt so viel aufwand. ich weiss, dass ich es mit dieser haltung nie in die spitze von irgendwas schaffen werde — aber um so faszinierender finde ich es, andere dabei zu beobachten.

chef’s table läuft auf netflix, mittlerweile gibt’s auch schon ne zweite staffel, von der ich erst eine folge gesehen habe, die das niveau der ersten staffel auch nochmal übertrifft.

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mr. robot s02

felix schwenzel, , in gesehen    

schon nach der ersten folge war ich ein bisschen genervt und gelangweilt von der aktuellen staffel mr. robot. jetzt ist die aktuelle staffel fünf folgen alt und zum ersten mal nach viereinhalb stunden laufzeit kam ein bisschen spannung auf.

die selbstverliebtheit der serie, die mir gleich in der ersten folge negativ aufstiess, vertieft sich von folge zu folge. all das, was sich in der ersten staffel en passant zeigte, um eine stringente, gute erzählung zu unterstützen, schiebt sich jetzt selbstzweckartig in den vordergrund.

unterstützten die teils wunderbaren kameraeinstellungen in der ersten staffel die geschichte mit passenden bildern, habe ich jetzt das gefühl, dass die bilder für sich stehen sollen: schaut her, was für schöne bilder wir im fernsehen zeigen können!
waren die bilder von elliots computerbildschirmen in der ersten staffel erfreulich akkurat, aber nie das zentrum der aufmerksamkeit, zeigte die kamera in der fünften folge elliots bildschirm teilweise minutenlang, in grossaufnahme und im splitscreen. ja es ist toll, dass sich eine fernsehserie um akkuratesse bei der darstellung von computersystemen und hacks bemüht, aber genau das stolz in den vordergrund zu stellen nervt.
die erzählung in der ersten staffel war über weite strecken bruchstückhaft und füllte die leerstellen erst zum ende hin — aber sie war stringent und in sich geschlossen. in der zweiten staffel habe ich das gefühl, dass die autoren möglicherweise eine runde geschichte getöpfert haben, diese aber aus dramaturgischen gründen, nach dem brennen, zerdepperten und den zuschauern jetzt die bruchstücke ausufernd präsentieren. kann man so machen, ist dann aber eben scheisse — erst recht wenn man die bruchstellen deutlich sieht.

die handlung kam mit der vierten und fünften folge langsam in gang, aber der motor stottert noch immer. das timing der schnitte zwischen den etwas zu zahlreichen erzählsträngen ist schrecklich, das cliffhanging am ende der folgen billig. alles was die erste staffel mr. robot an euphorie in mir wecken konnte, pflügt diese zweite staffel jetzt unter. das grossartige, lakonische spiel von rami malek wirkt jetzt wie ein liegengebliebener käfer auf der autobahn, der auf den ADAC wartet. die wut und radikalität die christian slater seiner rolle in der ersten staffel verlieh, wirkt jetzt ähnlich hysterisch und nervig wie winona ryders joyce byers in stranger things.

ich schaue mir mr. robot, keine frage, auf jeden fall zuende an — und seit folge fünf besteht auch hoffnung dass der zug langsam fahrt aufnimmt. aber es wundert mich nicht, dass die quoten der serie im keller sind.

the nice guys

felix schwenzel, , in gesehen    

netter, lustiger kinderfilm über eine pfiffige, kleine, vierzehnjährige detektivin, die ein bisschen zu stereotyp und erwachsen gezeichnet ist. zwei ältere männer spielen auch mit.

das ist natürlich quatsch, denn in echt ist der film wie ein porno aufgebaut: auf einem sehr dünnen, ziemlich blödsinnigen, leicht roten faden, sind witze und kloppereien aufgezogen, die zugegebnermassen ziemlich unterhaltsam sind. die story ist so dünn, dass die beiden hauptdarsteller, glaube ich, mehrfach fragen, warum denn stroh auf dem boden liege. aber wegen der der geschichte guckt man sich solche filme ja auch nicht an, sondern eben wegen der gags und kloppereien.

braunschlag

felix schwenzel, , in gesehen    

ich habe zwei folgen braunschlag auf netflix gesehen. früher wäre ich in die videothek gegangen, hätte das ziemlich bescheuerte DVD-cover gesehen, die DVD im regal stehen gelassen und mir was anderes ausgeliehen. in der tat ist das gar nicht so unwahrscheinlich, dass genau das passiert ist, denn die braunschlag-DVD erschien im märz 2012 — eine zeit in der ich noch in videotheken gegangen bin (glaub ich).

jetzt habe ich die serie angefangen, weil mich @zwanzigtausend darauf aufmerksam gemacht hat:

mir haben die beiden folgen, die ich bis jetzt gesehen habe, ganz gut gefallen. ich wusste vorher nicht um was es in braunschlag geht und habe einfach angefangen zu gucken. dieses vergnügen möchte ich niemandem verderben und schlage vor, hier, an dieser stelle, einfach aufzuhören zu lesen und rüber zu netflix zu gehen und einfach eine oder zwei folgen zu gucken. meine unsortierten gedanken zur serie kann man hier auch später noch lesen.

* * *

braunschlag spielt in einem fiktiven ösetereichischen provinzdorf. mir gefiel die auffällig gute kameraarbeit gleich von anfang an. die kamera drängt sich nicht auf, liefert aber wunderbare bilder. diese bilder sind stellenweise aufwändig durchkomponiert, wie kleine stillleben des provinzlebens. manchmal sind die kompositionen so gut gelungen, dass ich allein wegen der bilder leise lachen musste und mich an ihrer absurdität erfreute.

genauso gefiel mir von anfang an, dass man gleich ins geschehen geworfen wird und der film sich nicht mit einer bemühten, langwierigen exposition aufhält oder sich die mühe macht, grossartig zu erklären, wer zu sehen ist und was sich da abspielt. mir war klar, dass sich das alles im laufe der serie klärt, aber dass sich filmemacher darauf verlassen, dass ihre zuschauer diese geduld aufbringen, erscheint mir — zumindest im deutschsprachigen raum — eher ungewöhnlich.

was ebenfalls augenscheinlich ist und in den ersten paar minuten irritierend: die leute sprechen komisch, sehr komisch. in der filmrealität scheint das niemanden zu stören, eben weil alle so sprechen. mir fiel dann irgendwann auf, dass ich diese sprache aus dem skiurlaub kenne: sie sprechen östereichisch. östereichisch ist dem deutschen nicht ganz unähnlich, aber doch ganz anders. nach zwei folgen verspürte ich irritierenderweise das bedürfnis, auf fragen der beifahrerin oder des kindes ebenfalls östereichisch zu antworten. leider ist das ziemlich schwer, weshalb ich dem drang dann widerstand.

die geschichte, die braunschlag erzählt, ist eher vorhersehbar und langweilig, aber das macht nichts, weil das zusammenspiel der charaktere, die nicht besonders subtile, aber gut dosierte überzeichnung der figuren, tatsächlich spass macht. je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger steil erscheint mir die these, dass die erzählung sich stilistisch an den cartoons von gerhard haderer orientiert. und selbst wenn die these zu steil ist, mir bereitet beides ähnliches vergnügen: haderer cartoons zu betrachten und braunschlag gucken.

schauspielerisch kann ich zu 90 prozent nichts aussetzen. eigentlich möchte ich nur an manuel rubey rumnörgeln, der den „apostolischen visitator“ banyardi spielt. die texte die ihm die drehbuchautoren in den mund legen sind exquisit, aber sie kommen leider zu gestelzt, zu gespielt, zu artifiziell aus seinem mund. in der zweiten folge gibt es einen wunderbar absurden dialog von banyardi mit der „deutschen magd“ silke und im zusammenspiel der beiden kackt manuel rubey leider total ab. in einer weiteren szene geht’s dann, weil er nicht sprechen muss und einfach eine folge grandios absurd überzeichneter bilder gezeigt wird.

die serie ist acht folgen lang, eine fortsetzung, habe ich in der wikipedia gelesen, wird’s nicht geben, aber die restlichen sechs folgen sehe ich mir sicher noch an.

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