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symbolbild eines verkürzten berichts
 

manipulator moniert „manipulation“

der regensburger bischof gerhard ludwig müller sieht eine „kampagne“ der „medien“ gegen „die kirche“. br-online.de schreibt:

Der Bischof von Regensburg bat die Katholiken und Katholikinnen, der Kirche treu zu bleiben, „so wie auch damals die Katholiken und Katholikinnen treu gewesen sind, der Kirche Jesu Christi.“ Die Menschen würden „manipuliert durch verkürzte Berichte, durch ständige Wiederholung von Vorgängen aus alter Zeit.“ So dass „der Eindruck erweckt wird, die Kirche – das ist eine Institution, wo die Leute völlig verdorben sind“, so Müller in seiner Predigt.

jemand, der jeden tag mehrfach die geschichte von einem handwerker der vor mehreren tausend jahren zu tode gefoltert wurde erzählt, findet es manipulativ, wenn man verkürzt von vorgängen aus alter zeit berichtet?

erschüttert gerhard ludwig müller mit solchen äusserungen nicht die grundfesten der kirche? was wäre die kirche ohne die manipulation von menschen durch verkürzte, unbewiesene, aufgepimpte und ständig wiederholte, zweitausend jahre alte geschichten?

bald ist es dann wohl soweit, dass sich bischöfe öffentlich gegen wunschdenken, realitätsferne oder das anbeten von untoten aussprechen.

[br-online-link via jonet, siehe auch die originalpredigt von gerhard ludwig müller. bildquelle]


 

oh, wie schön ist die imdb

in der verfilmung von 2006 von janoschs kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ spricht dietmar bär die stimme des kleinen bären. über solche fäktchen könnt ich mich ewig beömmeln.


 

kindesmissbrauch bei mister wong und mister benedikt

ich kann ja karneval nicht sonderlich leiden, aber wenn es jetzt karnevals-zeit wäre und ich ein kostüm suchen würde, ich glaube dieses kostüm (links) wäre derzeit topaktuell.

passwort priester

als ich nach dem oben erwähnten bild gesucht habe, bin ich über diesen artikel von mir gestolpert. dabei fiel mir auf, dass vertuschung, relativierung, verharmlosung und mangel an aufrichtigkeit sowas wie klassische katholische grundtugenden zu sein scheinen. es sind immer die anderen. damals schrob ix:

arschlöcher sind arschlöcher, ob sie nun atheistisch, katholisch oder was weiss ich für einen glauben haben. die grössten arschlöcher sind aber die, die ausschliesslich mit dem finger auf andere zeigen.

* * *

im gleichen artikel (wohlgemerkt von 2007) hatte ich einen screenshot einer eher unglücklichen suchmaschinenoptimierungs-massnahme, die heute noch das gleiche, ziemlich deplazierte ergebnis bringt:

„Sie interessieren sich für kindesmisshandlung, kinder, deutschland, anstalt, knast oder kindesmissb

ich weiss ja nicht, ob ich oder irgendwer anders bei mister wong „genau“ richtig ist.

* * *

das vermurkste mister-wong-SEO-gedöns funktioniert übrigens mit fast beliebigen stichworten:

„Sie interessieren sich für analverkehr?“

 

wolf schneider findet sich richtig gut

in einem relativ „uferlosen“ meedia interview lobt wolf schneider mehrfach seinen exzellenten zugang zur jugend und schlussfolgert ganz unbescheiden:

Dass Großväter und Enkel häufig eine herzlichere Beziehung haben als Väter und Söhne ist ja bekannt, und offenbar kommt meine verhältnismäßig lebendige und ungeheuer erfahrungsgesättigte Art bei jungen Leuten ganz gut an.

ich habe mir jetzt nochmal dieses video angesehen (in dem er, unter anderem mir rät, vor dem schreiben zu denken) und habe danach ein bisschen lachen müssen. vor allem habe ich bemerkt, dass ich offensichtlich nicht mehr ganz jung bin.

immerhin war die idee steif vor der kamera sitzend vorgeschriebene texte vorzulesen nicht von ihm selbst, sondern von schülern der henri-nannen-schule, die, laut wolf schneider, seine art mit ihnen zu reden so fanden, „dass sie meinten, das sollte man in einem Video-Blog bringen.“ ich bin mir nicht ganz sicher ob wolf schneider dazu neigt, sich durch ein bisschen lob selbst zu überschätzen, ob er so eine art lob-fischer ist oder ob er sich lob gerne zurechtschneidert.

klar ist, er lobt und wiederholt sich gerne selbst:

  • „Ich weiß genau, wie [junge Menschen] ticken und wo sie der Schuh drückt.“
  • „Insofern halte ich mich für modern und aktuell.“
  • „Ich halte mich insofern für sehr modern.“
  • „Insofern halte ich mein Buch für sehr modern.“
  • [über sich selbst:] „In der Summe von Erfahrung und Präsenz ist diesem 84jährigen keiner über – wenn es um die Kunst geht, gelesen zu werden.“

mit dieser riesenportion eigenlob und geschwätzigkeit ginge er glatt als blogger durch.

* * *

[nachtrag 20.03.2010, 13:45h]
christian jakubetz widmet sich gleich zweimal (19. und 20. märz) dem thema wolf schneider und der geschwätzigkeit.


 

und nach dem 20. märz?

lidl lohnt sich. bis samstag, 20. März

 

bill gates

bevor bill gates billiardär wurde (in amerika sind milliardäre ja bekanntlich billionäre) hiess er übrigens nicht „bill“, sondern „mill“. zu studienzeiten gab er sich den vornamen „hund“.

[dieser eintrag ist quasi eine ergänzung zu diesem.]


 

ix mit ei

ix mit ei

[zum thema „ix sein egozentrum“ siehe auch 2007, anfang 2006, ende 2006 oder hier]


 

trauerkerze zum 80sten

sollte ich 80 werden, möchte ich auch so eine tolle kerze geschenkt bekommen.

trauerkerze zum 80sten

 

meilensteine der handykonfiguration

heute war ich bei vodafone im hamburger flagship-store. mein vater wollte auch so ein handy haben, mit dem man fettige fingerspuren auf dem display anbringen kann und auf dem sich alles so fluschig bewegt, wenn man mit dem finger auf dem bildschirm rumdrückt. gleichzeitig ist er aber auch leider wenig risikofreudig, so dass ein wechsel zu einem günstigeren anbieter oder einem mit einer klaren tarifstruktur, für ihn nicht in frage kam. könnte ja sein, dass beim wechsel was schiefgeht. ich vermute, diese angst ist neben den obligatorischen 24-monats-knebel-verträgen auch das, was den kundenstamm von vodafone auf dem derzeigen niveau hält.

wir entschieden uns für ein motorola milestone mit einem happy-weekend-tarif (oder so) mit 60 freiminuten für knapp 30 euro monatliche grundgebühr und zuzahlung von 250 euro für das handy. versurfen kann man 200MB, danach wird von 7,2 MBit/s auf 64 KBit/s gedrosselt.

wobei ich mit den 7,2 MBit/s für die ersten 200 monatlichen megabytes nicht so sicher bin. ich habe zwar im flaggenschiff-laden gefragt ob die vorhandene SIM-karte für den neuen tarif geeignet sei, bzw. neu genug sei, was der verkäufer bejahte und dann fragte, ob wir nicht auch interesse an den vodafone festnetz-tarifen hätten. da merkt man dann die grossen erfolge der vodafone-mitarbeiter-schulungen. man kann offenbar mit keinem vodafone-mitarbeiter sprechen, ohne dass er versucht einem auch einen vodafone festnetz-anschluss anzudrehen. aber zurück zum thema. ich bin mir nicht ganz sicher, ob man mit einer SIM-karte auf der „Mannesmann D2“ steht, auch mit 7,2 MBit/s downloaden kann. ausser d2 hat schon um die jahrtausendwende grossflächig UMTS-SIM-karten ausgegeben.

überhaupt funktionierte nach dem einstecken der alten SIM-karte ins milestone erstmal fast gar nix. keine internetverbindung und kein SMS-versand. ohne internetverbindung ist so ein android-telefon ja recht hilflos. für die internet-verbindung musste ich erstmal den android einrichtungs-assistenten beenden und in die telefon-einstellungs-untiefen gehen um dort vodafone.de als daten-dings auswählen. gut möglich, dass ich dabei einen voreingestellten APN ausgewählt habe, der meinen vater jetzt zwei euro achtig pro megabyte kostet. die SMS-zentrale für den versand von SMS einzustellen war noch etwas komplizierter. eine reguläre einstellung gabs dafür nicht, aber google spuckte diese seite aus, auf der beschrieben wird, man solle …

  • Auf Telefon gehen und eintippen: *#*#4636#*#*
  • Im Menü den ersten Punkt wählen, runterscrollen bis SMSC
  • aktulisieREN drücken (2. Button)
  • Nummer wird eingetragen (ggf. korrigieren, bei mir wurden dahinter weitere Zeichen angezeigt)
  • aktualisieRT drücken (1. Button)
  • FERTIG! (einfach über die Zurück-Taste raus und testen)

im handykonfigurator kein motorola milestone

das klappte erst beim vierten versuch. und jetzt soll niemand sagen, das geht bei vodafoen doch ganz einfach mit dem „HandyKonfigurator“ (schreibweise von vodafone). nö. das milestone kennt der vodafone handykonfigurator nicht.

was ich mich wirklich frage: was denkte sich vodafone dabei? meint man bei vodafone tatsächlich, dass leute die sich ein neues smartfone kaufen informatiker sind? im prinzip hat der verkäufer meinem vater ein stück metallschrott verkauft, mit dem er ausser SMS empfang und telefonie ungefähr nichts smartes hätte machen können, hätte er es zuhause alleine ausgepackt und versucht in betrieb zu nehmen. natürlich kann man mit dem teil wieder in den laden gehen und sich helfen lassen, die hotline anrufen, die dann vielleicht doch eine möglichkeit findet eine konfigurations-SMS aufs handy zu schicken — aber warum kann so ein teil nicht einfach vorkonfiguriert sein oder einen assistenten an bord haben, der einem nicht nur die einrichtung des google-accounts abnimmt, sondern auch das ganze vodafone-gedöns?

einerseits ist das ja lobenswert, dass vodafone das milestone nur minimal brandet. tatsächlich habe ich nur ein einziges programm mit dem vodafone-logo gefunden. das schien aber nichts anderes zu machen als die vodafone.de-site im browser aufzurufen.

und andererseits war ich froh, dass das handy (zumindest auf den ersten und zweiten blick) nicht mit malware vollgepackt war oder uns nach dem einschalten mit einem vodafone-spruch wie „VodafoneUK is fed up of dirty homo's and is going after beaver“ begrüsste.

aber abgesehen davon, dass man die vier bescheuerten touch-bedientasten für „zurück“, „menü“, „home“ und „suche“ am unteren bildschirmrand ständig ausversehen auslöst, scheint mir das milestone ein ganz OKayes handy zu sein. aber vodafone? offenbar lautet die vodafone-mission nach wie vor: wir machen es den kunden so schwer wie möglich, einfach ist doch nur was für weicheier. jetzt hab ich 24 monate zeit meinen vater von einem provider-wechsel zu überzeugen.


 

wortspiele zur freien verfügung

mir will nichts zu den wortspielen die mir eingefallen sind einfallen. deshalb stell ich sie kommentarlos aus meinem notizbuch online:

  • übertextualisierung der gesellschaft.
  • are you ok? yeah, i’m just a little breastless.
  • ein terrorbyte.
  • kummerjäger.


 

amerikaner

so wie hamburger natürlich nicht mit einem salatblatt und einer brötchenhälfte auf dem kopf rumlaufen, laufen amerikaner nicht mit zuckerguss auf dem kopf herum. ich kann das aus eigener erfahrung bestätigen.

abgesehen davon, kann man amerikaner erstaunlich einfach selbst backen, sofern man eine rührmaschine und einen ofen hat. was mich dann aber doch überrascht hat war, dass amerikaner, also die, sie man backt, ein päckchen vanilliepudding-pulver im teig haben. hört sich eklig an, schmeckt aber lecker. die beifahrerin hat mir heute ein amerikaner-rezept ausgedruckt und hingelegt, dass dann das zur folge hatte:

amerikaner

beim guss habe ich ein bisschen gespart, 200 gramm zucker im guss waren mir dann doch ein bisschen viel, schliesslich waren im teig schon 100 gramm. trotzdem sehr pudrig und lecker.

im rezept steht:

Zubereitungszeit: 10 Min.
Ruhezeit: 1 Tag 11 Std.

das stimmt nicht ganz. um viertel nach acht, nach der tagesschau, habe ich angefangen zu backen, um 20:45h haben wir die amerikaner bereits gut abgekühlt gegessen. und als ruhezeit werden mir gleich 6 stunden schlaf reichen. 1 tag und 11 stunden halte ich für übertrieben, auch wenn ich noch urlaub habe.


 

die linke protestiert

die linke protestiert

bild von peter breuer (@genueser), via sascha lobo.


 

sender - brot - empfänger

als ich eben diesen artikel von mspro in seinem faz-blog aus meinen referern gefischt habe und die illustration am anfang des artikels sah, musste ich unweigerlich an diese illustration von monochrom denken:

sender - brot - empfänger

abgesehen davon, dass mspro mal wieder irre viel schreibt, mich zitiert und über volltext-RSS (siehe auch meinen artikel dazu) und das verhältnis vom produzent zum leser nachdenkt, hat ein absatz seines elaborats eine wunderbare überschrift:

Google, der Robin Hood der Aufmerksamkeit

wer drei stunden zeit hat, kann ja mal den ganzen text lesen.


 

„pick up a phone“

grandioses plädoyer von lawrence lessig den arsch hoch zu bekommen und etwas für die freiheit der kultur zu tun.

Lawrence Lessig About Openness And The Conservatives

[via sixtus.cc]


 

da steht ein schiff vor meinem fenster!

da steht ein schiff vor meinem fenster!

 

RSS

die basic thinking-betreiber kündigen an, ihren RSS-feed gekürzt zu haben. angeblich aus einem „einfachen grund“:

Basic Thinking muss sich früher oder später über Werbung refinanzieren. Im Feed wird die Werbung aber nicht angezeigt. Deshalb ist uns natürlich daran gelegen, dass die Besucher die Posts auf unserer Seite lesen – und eben nicht komplett über RSS.

die einnahmen die durch werbung im feed generiert würden, reichten nicht aus und das sei zuwenig die „Redaktion durchzufüttern“. die reaktion vieler leser in den kommentaren lautet: „und tschüss“. das wiederum findet jürgen vielmeier vom yuccatree doof:

Wie undankbar kann man sein? Manchmal verstehe ich die Menschen nicht. BasicThinking hat ein kleines Redaktionsteam, das täglich in allen Kanälen des Internet nach spannenden Themen sucht und sie aktueller präsentiert als so manche Nachrichtenredaktion. Dafür verlangen die Macher kein Geld; Werbung ist bisher äußerst dezent auf der Seite geschaltet.

undankbare leser? wer liest den zeitungen oder weblogs aus dankbarkeit? ehrlichgesagt finde ich, dass es genau umgekehrt ist. ich bin dankbar für jeden leser, dankbar für jeden der mir seine aufmerksamkeit schenkt und vielleicht sogar das, was ich mache, schätzt. dafür bin ich bereit einiges zu tun. zum beispiel versuche ich das lesen so einfach wie möglich zu machen. ich biete nicht nur einen rss-feed an, den man einfach in einem feedreader abonnieren kann, prüfe regelmässig dass er in diversen feedreadern einigermassen aussieht, ich versuche auch, meine website so einfach wie möglich zugänglich zu machen, ich achte darauf, dass die seiten (möglichst) schnell laden, biete eine funktionierende suche an, achte darauf, dass suchmaschinen die site gut indexieren können und dass alle einträge eindeutige und auf wunsch kurze urls haben. zumindest technisch versuche ich wirres.net so einfach wie möglich lesbar zu machen. das mit der rechtschreibung und der fehlenden gross/kleinschriebung widerspricht dem zwar ein wenig, aber zumindest technisch versuche ich alle möglichen steine aus dem weg zu räumen.

vor allem bin ich aus eigener erfahrung der überzeugung, dass volltext-RSS-feeds der einfachste und beste weg sind um effizient an informationen zu kommen. informationsquellen ohne volltext-RSS fallen ruck-zuck aus meinen aufmerksamkeits-radar. ein beispiel ist das blog von richard gleim. richard postet manchmal zehn bis zwanzig bilder täglich, meistens schnappschüsse die kleine, kurze momente einfangen und die ich ebenso schnappschussartig konsumiere. für eine weile war richards RSS-feed gekürzt. in dieser zeit tauchten nicht die bilder in meinem feedreader auf, sondern nur kurze text-teaser. ich habe es für eine weile versucht und auf die teaser geklickt, verlor aber schnell die lust daran. ich nahm gnogongo.de nicht mehr wahr. seit ein paar wochen ist der feed wieder komplett und ich freue mich über fast jedes seiner bilder in meinem feedreader.

jürgen vielmeier meint, das sei doch nur ein „mausklick mehr“. mag sein, aber darum geht es nicht. es geht darum, dass ich jemandem aufmerksamkeit schenke und dieser jemand der seinen RSS-fedd kürzt meint, durch eine technische hürde noch einen zusätzlichen ticken aufmerksamkeit verlangen zu können. und es geht um effizienz (und nicht etwa um oberflächlichkeit). mein feedreader ist proppevoll, ich habe genug damit zu tun den müll auszublenden, zu überspringen und das was mich interessiert, auf einen blick erkennen zu können. wenn ich erst nach einem klick, zehn, zwanzig sekunden ladezeit, einem weiteren klick um den tab im browser zu wechseln und weitere sekunden um die stelle wiederzufinden an der ich aufgehört habe zu lesen, entscheiden kann ob mich das was ich sehe interessiert, ist das ein unterschied von zehn bis zwanzig sekunden. das ist zuviel. zumal ich in meinem feed-reader gar nicht klicke, sondern komplett per tastatur navigiere.

wenn ich etwas interessant finde, bin ich gerne bereit mehr, viel mehr zeit zu investieren. letztendlich ist das in der analogen, der papierwelt nicht anders. wenn sich ein verleger entscheiden würde die überschriften auf der titelseite in der gleichen schriftgrösse wie den fliesstext zu setzen und auf fotos oder illustrationen zu verzichten, damit die leser die artikel aufmerksamer lesen und nicht nur die seite nach interessantem scannen, verliert er aufmerksamkeit, statt sie zu gewinnen. wer es dem leser schwer macht, verliert leser. wer den lesern vorschreiben möchte wie sie etwas konsumieren sollen, verliert leser. wer den lesern den eindruck vermittelt sie seien undankbar, verliert leser und sympathien.

im prinzip ist der streit darum, ob man RSS-feeds aus (angeblich) kommerziellen gründen, kürzen sollte, uralt. die riesenmschine hat ihren RSS-feed von anfang an gekürzt und damit im laufe der zeit jede interessanz für mich verloren. ich mochte das projekt, aber es war inkompatibel zu meinen lesegewohnheiten. aus dem selben grund, vermute ich mal, schaltete ehrensenf vor jahren seinen RSS-feed ab. so nach dem motto: „wenn ihr uns aufmerksamkiet schenken wollt, tut das auf unserer site, sonst haben wir nichts davon“. offenbar ist ehrensenf mittlerweile so verzeifelt, dass sie seit einigen tagen wieder einen funktionierenden RSS-feed anbieten. natürlich ohne eingebettete videos, das würde es dem leser ja zu einfach machen, ehrensenf aufmerksamkeit zu schenken.

um endlich zum punkt zu kommen. ich glaube, das argument RSS-feeds zu kürzen oder zu verkrüppeln um mehr werbeumsätze zu machen, ist ein irrtum. es geht um aufmerksamkeit. ja, sagen jetzt die RSS-kürzer, von aufmerksamkeit kann ich mir aber nichts kaufen. ich glaube schon. es gibt einige kommerziell zumindest ansatzweise erfolgreiche blogs und webseiten, die volle RSS-feeds anbieten. das bildblog, spreeblick, nerdcore oder zum beispiel daringfireball. und wie es der zufall will, hat john gruber, der betreiber von daringfireball, gerade darüber geschrieben, dass die kompletten RSS-feeds sich für ihn kommerziell absolut lohnen:

It should go without saying that what works for me here at Daring Fireball, as a one-man show, may well not work (or work nearly as well) for a large operation with a full editorial staff such as Macworld. But: DF’s RSS feed, which contains the full content of the site, not only generates money directly, but has grown to become the single largest source of revenue on the site.
[…]
When I switched DF’s free public RSS feed to full-content in August 2007, DF’s web page views had been growing steadily month-to-month. After the switch, web page views were stagnant, with no growth, for about a year. (If anything, they went down in the first few months.) Butreadership clearly continued to grow: subscribers to the feed skyrocketed. And, about a year ago, even web page views started growing significantly once again — going from a little over one million per month to a little over two million per month.

natürlich ist die situation bei daringfireball speziell. englischsprachige blogs und vor allem gadget-blogs haben einen potenziell riesigen leserkreis, aber vor allem schreibt gruber nicht so einen müll wie basic-thinking („informelle Selbstbestimmung“ — was soll das sein, selbstbestimmung ohne antragsformular?*), sondern kenntnissreich und unprätentiös. gruber schreibt so gut, dass ich für seinen feed sogar bezahlen würde. aber er bittet mich weder um geld, noch zwingt er mich seine texte auf seiner webseite zu lesen — und verdient sich damit einen goldenen arsch.

[bildquelle]

* * *

[nachtrag]
über das kürzen von feeds und vermarktungsgedöns schreibt auch der werbeblogger lesenswert.

[nachtrag 06.03.2010]
marcel weiss schreibt lesenswert und weit ausholend über die aufmerksamkeitsökonomie und das kürzen von RSS-feeds.

ausserdem hackr.de über seine persönliche aufmerksamkeitsökonomie und einen weiteren wichtigen punkt:

als publisher muss man sich über eines jedenfalls im klaren sein: das umstellen von fullfeeds auf excerptfeeds bringt vl. einige klicks, birgt aber auch mitunter signifikante opportunitätskosten. man verliert nicht nur leser […], man verliert gerade die, denen das wichtig ist, weil sie mehr als nur eine quelle lesen und ihren output dann sharen und faven und streuen usw, man verliert die katalysatoren und damit alle von diesen getriggerten indirekten klicks.

[nachtrag 07.03.2010]
*) im riedel-artikel bei basic thinking steht jetzt nicht mehr „informelle selbstbestimmung“, sondern „informationelle selbstbestimmung“. informelle korrektur, quasi.


 

die schönsten ideen der natur (bei ikea)

die schönsten ideen der natur (bei ikea)

 

kontrollfunktion

ich bin sicher, wenn patricia riekel chefredakteurin vom „playboy“ oder vom sexualkuppel-magazin „happy-weekend“ wäre, sie würde genauso energisch auf die kontrollfunktion der „medien“, der presse und des journalismus hinweisen, wie sie es heute in einem brief an renate künast getan hat.

mich inspiriert riekels brief zum steilen vergleich mit einem pornoproduzenten, der einem politiker der ihm ans bein gepinkelt hat sicherlich auch zuerst schreiben würde, dass in „der amerikanischen Demokratie“ die wähler ein verfassungsmässig verbrieftes recht hätten, sich von den Medien sorgfältig, detailliert und explizit über anatomische details informieren zu lassen. er würde schreiben, dass sogar der oberste gerichtshof der USA pornographie unter den schutz der freien meinunsgäusserung stellt. der pornoproduzent würde wahrscheinlich auch betonen, dass seine werke der aufklärung, der volksgesundheit und dem gesellschaftlichen klima dienen würden. ellenlanges pathetisches geschwätz wäre das wahrscheinlich, was der pornoproduzent zur verteidigung seiner erzeugnisse aus sich raus fliessen lassen würde.

andererseits haben riekel und der imaginäre pornoproduzent im grunde natürlich recht. auch schund geniesst alle rechte der pressefreiheit. von mir aus kann die bunte so viel wie sie will über die titten und ärsche von prominenten oder sternchen berichten, darüber wer sich mit wem paart oder wer wieder zu- oder abgenommen hat. das eigentlich erschütternde ist aber, wie riekel den sensationsgeilen müll und klatsch den sie produziert, der vor allem der befriediegung voyeuristischer bedürfnisse dient, pathetisch eine politische und gesellschaftliche kontrollfunktion andichtet. fickgeschichtchen und klatsch als basis der demokratie? die bunte, ein sturmgeschütz der demokratie?

was für ein peinlicher grössenwahn.

[nachtrag 04.03.2010]
wolfgang michal hat bei carta ein paar gedanken zu riekels erklärungen aufgeschrieben.


 

ix kann kein keyboard spielen

aber die beifahrerin kann imovie.


 

die internet gesetze

als ich heute diese antwort von frédéric valin auf diese frage las, in der frédéric valin zwar versuchte originell und klug zu wirken indem er einen kommentator nachäffte und „Majuskeln“ statt „grossbuchstaben“ schrob, aber grundsätzlich sagte, er setze sich nicht mit fragen auseinander die in kleinschreibung und mit rechtschreibfehlern gestellt werden, als ich das heute also las, fragte ich mich ob es zu dieser art eine diskussion zu führen nicht auch ein gesetz wie godwins gesetz gäbe. gibt es. es heisst „herrmanns gesetz“ und lautet:

Wer mit Rechtschreib- und Tippfehlern eines Diskussionsteilnehmers argumentiert, hat verloren.

es gibt ein paar seiten, die verschiedene dieser godwin-artigen usenet-gesetze auflisten, aber die sehen alle furchtbar aus und die einzelnen gesetze sind nicht mit ankern deep-linkbar.

deshalb ich entschied mich die liste einmal ordentlich formatiert und linkbar zu kopieren:

Godwins Gesetz

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Nazi-Vergleich auftritt. Normalerweise wird dann die Diskussion für beendet erklärt und der Betreffende steckt tonnenweise *plonk*s ein.

Kitzlers Gesetz

Stasi-Vergleiche (analog zu Godwin)

Seitz’ Addendum zu Godwins Gesetz

Dito für unpassende Kinderschänder-Vergleiche, allerdings mit der erhöhten Gefahr, dass die Diskussion nicht beendet wird.

Gassners Gesetz

Jemand, der gewisse Grundsätze und Prinzipien als „typisch deutsch!“ bezeichnet, hat automatisch verloren. „Typisch deutsch“ kommt nur von Argumentationslosen. Sie haben nichts mehr zu sagen.

Noschinskis Zusatz

Es sind meistens Deutsche, die von „typisch Deutsch“ reden.


Gassners Vermutung

Jemand, der ein Law bricht, wird auch bald die anderen brechen, Pseudonyme verwenden oder Adressen fälschen.
(Anm. des Redakteurs: Hier ist „brechen“ im Sinne von „erfüllen“ gemeint.)

pis Gesetz

Je hitziger die Diskussion wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand den Namen des Diskussionsgegners in die Subject-Zeile übernimmt. Der, der das getan hat, hat automatisch verloren.

Brülls’ Gesetz

Je länger ein Thread wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand spontan zum Thema „Pädophile“ springt, sei es, um Bürgerrechte zu verteidigen oder um sie einzuschränken.

Suters Gesetz

Im Rahmen einer Diskussion über oder um die Netiquette zeigen bei fortschreitender Diskussionsdauer Newbies die Tendenz zu Elchen und Regulars die Tendenz zu Netzsheriffs.

Kühnerts Ergänzung

Wer das Alter, Behinderungen oder sonstige persönliche Eigenheiten des Diskussionsteilnehmers nutzt, um ihn als inkompetent darzustellen, hat automatisch verloren.

Heidtmanns Gesetz

Wer den Lebenslauf seines Gegenübers als Argument missbraucht, hat verloren.

Hartges zweites Gesetz

Wer mit den Lebensumständen einer anderen Person argumentiert, um diese Person dadurch anzugreifen oder in ein schlechtes Licht zu rücken, hat keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Tetzlaffs Gesetz

Im Laufe einer Usenetdiskussion steigt die Wahrscheinlichkeit, daß einer der Beteiligten Verschwörungstheorien verlautbart, proportional zur Länge des Threads gegen 1.

Brügmanns Gesetz

Wer im Laufe einer Diskussion das (vermeintliche) Betriebssystem seines Gegners als „Argument“ anführt, hat verloren.

Hartges drittes Gesetz

Wer mit dem verwendeten Newsreader des Gegenübers argumentiert, hat in Wirklichkeit keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Hoffmanns Gesetz

Merkt jemand an, er hätte das letzte Wort im Thread, werden ihn auf der Stelle mehrere Poster darauf hinweisen, daß das letzte Wort bei ihnen läge.

Tsangs Gesetz

Wer die schweigende Masse als Kriterium für Zustimmung oder Ablehnung einer Frage heranzieht, hat automatisch verloren.

Eggs Gesetz

Wer mit „hast du das sexuell nötig“ o.ä. argumentieren will, verliert.

Schröders Gesetz

Sobald jemand „Mutter“ und „Problem“ in einem Satz erwähnt, kommt gleich Freud auf den Tisch.

Riedels Gesetz

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand seinem Diskussionsgegner zum Vorwurf macht, er verschwende Steuergelder und zahle seine Netzanbindung nicht selbst. Derjenige hat automatisch verloren.

Hellingers Gesetz

Wer zuerst mit dem Spruch „ich mache schon länger DFÜ als einige hier auf der Welt sind“ kommt, hat die Diskussion automatisch verloren.

Boruttas Gesetz

Wer im Laufe einer Diskussion ein von ihm mißbilligtes Verhalten als typisch für eine ganze Generation hinstellt, hat automatisch verloren.

Roesens Gesetz

Sobald ein Troll, DAU oder Elch im Lauf eines Threads auf heftige Kritik stößt, argumentiert er mit der Arroganz des Kritikers. Dies kann auch vorsorglich erfolgen.

Krietschs Egotheorem

Ich habe im Usenet die Gesetzmäßigkeit erkannt, daß jeder, der mir widerspricht, ein Idiot ist und schon verloren hat.

Unterwegers Gesetz

Mit der Länge eines Threads steigt die Wahrscheinlichkeit, daß irgend ein Diskussionsteilnehmer vorschlägt, das Wort „Intoleranz“ in den Newsgruppennamen aufzunehmen.

Schultes Gesetz

Flameversuche gegen Frauen beginnen immer mit „Du bist häßlich“.

Weilands Gesetz

Sobald sich in einem Thread ein weiblicher Poster zu Wort meldet, hat dieser automatisch die ganze Aufmerksamkeit der Newsgroup, was den Tod des urprünglichen Themas mit sich zieht.

Bauers Gesetz

Leute, die ihren „Dr.“ in das Absenderfeld aufnehmen, sind irgendwie sonderbar.

Giengers Gesetz

Die Wichtigkeit eines Newspostings im Usenet ist reziprok zur Anzahl der enthaltenenen, kumulierten Ausrufungszeichen.

Hügelschäfers Gesetz

Beiträge werden dort gepostet, wo sie den größten Widerstand hervorrufen.

Gröschels Gesetz

Je mehr Postings nötig sind, um einen Diskussionsgegner bei einem einzigen Diskussionsaspekt argumentativ in die Ecke zu manövrieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß man vergisst, was man eigentlich beweisen wollte, wenn es dann doch mal klappt.

Definition der Indifferenz eines Diskussionsergebnisses: Sobald die Beteiligten in einer Diskussion vergessen haben, was man eigentlich beweisen wollte, endet die Diskussion mit einem Unentschieden.

Hüls’ Verallgemeinerung (Gesetz der großen Zahlen für das Usenet)

Mit steigender Threadlänge steigt trivialerweise die Wahrscheinlichkeit jedweden beliebigen Verhaltens der Diskussionsteilnehmer, das nicht an sich unmöglich ist.

Anomalie: Die Wahrscheinlichkeit, daß die Diskutanden den Thread früh beenden, steigt vermutlich nicht mit der Threadlänge.

Kohrssches Law

Jeder, der eine Diskussion aufgrund eines oder mehrerer Laws verloren hat, behauptet, daß diese Laws sowieso Blödsinn sind.

Raimunds Gesetz

Wer sich provozieren läßt, hat verloren.

Sanios Gesetz

Hängt jemand lange genug in den de.admin-Gruppen (incl. dsn, dnq und daa) rum, „entdeckt“ sie/er früher oder später einen nach ihr/ihm zu benennenden gesetzesartigen Zusammenhang.

Das Peukert-Gesetz

Jeder will sein eigenes Gesetz haben.

Krahls Erweiterung von Peukerts Gesetz

Wer irgendeine Gesetzmäßigkeit erfindet, nur um seinen Namen in der Law-Liste wiederzufinden, hat verloren.

Das Pommersche Gesetz

Jeder Thread führt einmal zu einer Law- bzw. Meta-Law-Diskussion.

Brügmanns Gesetz-Law

In jeder Diskussion über die Usenet-Laws kommt der Zeitpunkt, wo die Laws als Gesetze betrachtet werden, die z.B. in Kraft treten können. Wer damit anfängt, hat verloren und die Diskussion ist sinnlos geworden.

Suters zweites Gesetz

Wenn jemand fragt „gibt es schon ein Law für …“, dann wird jemand anders das Law nach dem Frager benennen.

Eskens Gesetz

Wer anderen unter Hinweis auf Aussagekraft oder Usenetspezifischkeit etc. ein Law verwehrt, hat automatisch verloren.

Brauns Gesetz

Wenn jemand versucht, ein Law zu kreieren, wird ein anderer ihm unter Verwendung bereits bestehender Laws klar machen, daß das Law bereits existiert.

Esken's Große Frage

Wie kommt es eigentlich, dass kein Law im Rohzustand überlebt, sondern immer noch einer Überarbeitung der Formulierung bedarf?

Lemkens Gesetz

Wer „You loose“ schreibt, hat automatisch verloren.

Brügmanns Induktion

Nach dem n-ten Law gibt es auch immer noch ein n+1-tes Law.

Brügmanns Gesetz-Erfüllung

Immer dann, wenn nach einem der Laws gefragt wird, erfüllt sich nach kurzer Zeit eins der Laws.

Mickeys Verschärfung

Es wird immer genau das Law erfüllt, nach dem gefragt wird.

Barths Gesetz

Ab einem gewissen Zustand der Lawdiskussion erfüllen die Leute nicht nur Laws, sondern schreiben es auch gleich in ihre Postings.

Perkowskys Gesetz

Wer im Laufe einer Diskussion die Erfüllung eines unzutreffenden Laws reklamiert, um damit die Diskussion als beendet gelten zu lassen, hat verloren.

Haugs Gesetz

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Usenet-Law auftritt, um seinen Gegner zum Verlierer zu erklären. Derjenige hat dann automatisch verloren.

Peukerts zweites Gesetz

Verwendet jemand Nazi- oder 3. Reich-Vergleiche in der Absicht, mittels Godwins Gesetz so einen Thread zu beenden, so hat dies keinen Effekt.

Barthsches Axiom

Die Menge der registrierten Laws wird immer endlich sein. Aber es gibt unendlich viele Laws - nur sind die meisten nicht registriert.
Die These lautet also: Die Laws existieren - man muß sie nur noch hinschreiben und benennen.

Krahnkes 1.Folgerung

Wenn es erstmal eine kritische Menge Laws gibt, werden zwangsläufig immer mehr Trivialitäten als Law identifiziert.

Weimers Korollar

Ab einer gewissen Länge tendiert jeder Thread dazu, selbstbezüglich zu werden.

Das Donnerhacke-Axiom

Zeigt ein Thread Selbstbezüge, wird er rekursiv und das Usenet fraktal. Der Einbringer des Selbstbezuges hat verloren.

Formulierung von Dieter Brügmann: „Ab einem bestimmten Grad der Selbstbezüglichkeit eines Threads wird irgendein Spaßvogel fragen, was eigentlich »Rekursion« bedeutet. Der Thread sollte dann sofort gekündigt werden, da sein Sinngehalt damit gegen 0 geht.“

Das Dauer/Kottenhahn-Gesetz

Teil 1

Jemand, der in einer Diskussion das Argument „[…] Du hast verstanden.“ oder sinngemäße Aussagen wiederholt verwendet, hat verloren.

Teil 2

Jemand, der während einer Diskussion beleidigende Behauptungen aufstellt und diese damit begründet, daß auch andere dies so sehen würden, hat verloren.

Teil 3

Jemand, der zwar Kritik austeilt, aber keine begründeten Einwände gegen diese Kritik akzeptiert, sondern die eigene Meinung als die einzig richtige darstellen will und den Diskussionspartner daher als kritikunfähig diffamiert, hat verloren.

Ringeisens Gesetz

Wer immer dem anderen - ohne auf seine Argumentation einzugehen - vorwirft, er argumentiere „politisch korrekt“, hat das Anrecht verloren, in diesem Punkt ernst genommen zu werden.

Müllers Gesetz

Wer (ausschließlich) mit „no comment“, „no reply“, „kein Kommentar“ o.ä. antwortet, hat verloren.

Herrmanns Gesetz

Wer mit Rechtschreib- und Tippfehlern eines Diskussionsteilnehmers argumentiert, hat verloren.

Hartges Gesetz

Wer sich an einem Spelling-Flame versucht, wird unter Garantie die angemeckerten Fehler selber begehen.

Allers Gesetz

Je geeigneter ein Autor seinen Ausspruch für eine Signatur empfindet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ihn tatsächlich in einer Signatur verwendet.

micos Gesetz

Je länger eine Diskussion dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand einen absolut sinnlosen Ausdruck seines Diskussionspartners in die eigene Signatur aufnimmt.

Krahls Gesetz

Nach der Erfüllung eines der Usenet-Laws ist die Diskussion beendet. Wer dennoch weiterdiskutiert, hat es nur noch nicht gemerkt.

pis verfeinerung von Krahls Gesetz

Wer unter Anwendung eines einschlägigen Usenet-Laws das Ende einer Debatte postuliert und sie dann dennoch fortsetzt, schießt sich selbst ins Knie.

rolfzweis Gesetz

Immer wenn einer erklärt, er sei kein Usenet-Diktator oder er wolle nicht die Weltherrschaft erlangen, hat er gewonnen und der Thread ist beendet.

[anmerkungen]
die quelle der liste ist http://www.bruhaha.de/laws.html. ich habe aus den law-namen zumindest im titel „gesetze“ gemacht und anglizismen ins deutsche übersetzt, apostrophe entfernt und einige der gesetze die mir irrelevant, unverständlich oder zu speziell vorkamen einfach gelöscht. aus zollzeichen habe ich typographische anführungszeichen gemacht. das inhaltsverzeichnis wird mittels eines jquery-plugins aus den überschriften generiert und funktioniert demnach nur mit javascript. die sprungmarken funktionieren aber auch ohne javascript.


 

winter ade

so sah es letzte woche montag (um fünf uhr morgens) an den landungsbrücken aus.

einkaufswagen im schnee

so sah es heute nachmittag dort aus.

einkaufswagen ohne schnee

* * *

[nachtrag 09.03.2010]
einerseits ist der winter zurück, andererseits wandert der wagen weiter.

landungsbrücken

* * *

[nachtrag 13.03.2010]
der wagen wandert weiter.

einkaufswagen ohne schnee

 

welche form haben regentropfen?

heute hab ich in der sendung mit der maus gelernt, wie regentropfen aussehen. also wie regentropfen aussehen, wenn sie in der luft sind.

allein die frage finde ich schon grossartig. die antwort ist es aber auch.

angucken kann man sich das natürlich nicht auf der seite mit der maus (zumindest habe ich da keine aktuellen sachgeschichten gefunden), dafür aber im podcast mit der maus, den man sich mit dieser xml-datei abonieren kann. die video-datei die der podcast verlinkt liegt hier (.mp4-datei, ca. 17MB).

[nachtrag]
das video ist doch auf der seite mit der maus, thomas hat es gefunden.

die .mp4-datei habe ich hier eingebettet …


symbolbild burda
 

geruch

gestern abend habe ich mich furchtbar über die bunte und burda aufgeregt. darüber dass die chefredaktion der der bunten meint, menschen mit vorbildfunktion müsse man observieren und beschnüffeln und mit deren privatleben geld verdienen dürfen und die chupze hat den müll den sie bei burda produzieren auch noch „journalismus“ zu nennen. hab mich dann gefragt, ob das schnüffeln-dürfen auch für chefredakteure oder verleger gilt und ob man deren privatleben auch in die öffentlichkeit zerren dürfen sollte. hab mich dann aber dagegen entschieden etwas darüber zu schreiben, einerseits weil es extrem beleidigend geworden wäre und mir auffiel, das mich das privatleben oder wen verleger oder burda-chefredakteure ficken, eh nicht die bohne interessiert. heute früh dann gesehen, dass stefan niggemeier das um ein vielfaches besser kann und in etwa die gleichen gedanken hatte.

apropos müll auf papier: vorher, auf dem weg nachhause, habe ich in einem zeitschriftenladen einen beinahe vergessenen geruch wiedererkannt. den geruch kannte ich eigentlich vom schreibwarenladen kenne, in dem ich als kind immer schulhefte und buntstifte kaufte und deshalb auch immer dachte, es sei der geruch von buntstiften oder buntstiftholz. manchmal roch es so, wenn ich als kind buntstifte spitzte. nur, der zeitschriftenladen hatte gar keine buntstifte im sortiment. vielleicht verkauft der die buntstifte ja nur unter der ladentheke oder hat ein schreibwarenladen-raumspray benutzt. früher hab ich übrigens zu „schreibwarenläden“ „schreibwagenladen“ gesagt. frage mich gerade warum.

heute war ich im saturn, nur so, ohne kaufabsicht und entdeckte zu meinem erstaunen, dass dort immer noch kassettenrekorder verkauft werden. so wie das tragbare ding, mit dem ich per eingebautem mikrofon manchmal musik aus dem radio aufgenommen habe und die musikindustrie bereits als 12jähriger geschädigt habe. das erstaunlichste: die kassettenrekorder von heute riechen innen, wenn man die kassettenklappe aufmacht, exakt wie früher. eine eigenartige mischung aus lötzinn, gummi und elektronik-geruch.

heute abden hab ich mir überlegt, was ich einer freundin die mich zu ihrer geburtstagsfeier eingeladen hat schenken könnte. ich hab mich dann entschieden, ihr etwas zu schenken, worüber ich mich, als ich es geschenkt bekam, dumm und dämlich gefreut habe. dann ist mir aber aufgefallen, dass nicht jeder knoblauch-duft liebt und habe ihr eine sprühflasche bärlauch gekauft.

jetzt beim schreiben fällt mir auf, wie aufregend mein leben ist. bin mal gespannt wer den scheiss liest.

[nachtrag 28.02.2010]
michalis pantelouris hat noch ein paar passende worte zum thema bunte und politiker-privatspäre aufgeschrieben: Das Riekelsche Gesetz:

Ich finde das ekelhaft. Ich finde, Patricia Riekel sollte von ihrem Job zurücktreten, sich entschuldigen und für ein paar Jahre den Ball sehr, sehr flach halten. Und in einem anderen Verlag als dem Burda-Verlag, in dem Frau Riekel und ihr Lebensgefährte Helmut Markwort offensichtlich machen können, was auch immer sie wollen, wären sie längst gefeuert worden. Und das völlig zu recht. Ich halte Riekels Argumentation für eine Niederlage des Journalismus. (weiterlesen)


 

sei aufzugsmonteur

sei aufzugsmonteur

crowdsourcing bei der bahn.


 

nachhaltigkeit

ein professor an der uni, den ich nicht besonders mochte, meinte mal, er möge das wort „nachhaltigkeit“ nicht. ich glaube er sagte er verstehe nicht, was das wort bedeuten solle und dass es eine leere worthülse sei. auch wenn der professor sonst keinen bleibenden eindruck bei mir hinterliess, prägte er doch meine wahrnehmung in bezug auf das wort „nachhaltigkeit“. bei mir schrillen seit meinem studium bei dem wort „nachhaltigkeit“ die alarmglocken.

ähnich verhält es sich mit dem spruch „klinisch getestet“. früher schrieb man auf produkte die besonders gesund wirken sollten, „klinisch getestet“. heute schreibt man „bio“ drauf. beides bedeutet so gut wie gar nichts. wenn auf einer zahnpasta-tube „klinisch getestet“ steht, kann das ja auch bedeuten, dass das produkt in einer klinischen versuchsreihe getestet wurde und alle probanden danach ausschlag bekamen. genauso ist ein knollenblätterpilz, der biologisch, organisch oder gar biologisch-dynamisch grossgezogen wurde, ebenso giftig wie einer, der während seiner aufzucht mit künstlichen düngemitteln oder pestiziden behandelt wurde.

ich gebe zu, ich falle auch ständig auf diese marketingscheisse rein. oder anders gesagt, wenn bei aldi auf der salami „gut-bio“ steht, kaufe ich sie lieber als die cervelatswurst nebenan für einen euro fünfzig weniger. immerhin, dass wort „nachhaltig“ kommt in der „gut-bio-sortiments-beschreibung“ nicht vor, es wird das — meinem eindruck nach — relativ vertrauenswürdige „bio-siegel“ angegeben und aldi kann man — so scheint es bis jetzt — zumindest bei der produktqualität vertrauen.

anders gesagt, ökologisch oder meinetwegen „artgerechte“ produkte sind längst in der mitte der gesellschaft, sprich bei aldi, angekommen. es gibt kaum probleme günstig und einfach an diese produkte heranzukommen. unternehmer die diese nachfrage bedienen und diese produkte günstig anbieten gibts wie sand am meer. wenn die produkte auch noch günstig sind und bei händlern denen ich einen vertrauensvorschuss zu geben bereit bin angeboten werden, schlage ich gerne zu. ich bin stammkunde bei budnikowski, aldi, alnatura und gut wulksfelde.

problematisch wirds, wenn die produkte nicht günstig zu bekommen sind. dann verlange ich einen ticken mehr. dann reichen mir die marketing-sprüche oder siegel nicht mehr, hohle sprüche haben es schwerer zu verfangen und ich schaue und höre ganz genau hin. ich will dann mehr als produkte die mit ein paar hohlen plastikwörtern aufgepimpt werden. mich kann dann nur ausserordentliche transparenz oder eine gute geschichte zum produkt überzeugen.

wenn ich zum beispiel einen beutel wäscheklammern kaufe, dann kaufe ich ihn entweder für eins fünfzig bei ikea (und mir ist egal wo die herkommen) oder in einem laden, der mich überzeugt, dass ich etwas gutes unterstütze, wenn ich den beutel für zwölf achtzig kaufe. das könnte beispielsweise die legende sein, dass die wäschklammern aus wiederaufgeforsteten tropenwäldern stammen, die von verarmten indischen witwen geerntet werden und von übertariflich bezahlten waisenkindern in kalkutta montiert werden. wenn mir der händler dann auch noch glaubhaft darlegen kann, dass er sich an den klammern nicht 90% des kaufpreises einheimst und die kalkulation offenlegt, dann bin ich eventuell bereit einen haufen mehr geld auszugeben.

weniger sarkastisch ausgedrückt: wer mich zum kauf von etwas teureren, vernünftig hergestellten produkten überzeugen will, muss nicht nur auf marketing-gequatsche verzichten können, sondern eine gute geschichte erzählen können und extrem transparent sein.

soweit das vorgeplänkel. seit ein paar tagen ist der avocado-store online. auf diesem marktplatz wollen stephan uhrenbacher und philip gloeckler „nachhaltige“ produkte verkaufen. ich habe mir vor knapp einer woche die präsentation des konzept der beiden angesehen, ein paar fragen gestellt und dieser tage nochmal ein bisschen auf der plattform rumgeschaut. und leider überzeugt mich das konzept nicht, genauer es kitzelt kaum einen funken neugier in mir. hinzu kommt, dass ich der meinung bin, dass die beiden eine riesige chance verpassen.

diese chance wäre, auf der plattform nur dinge zu verkaufen, die eine geschichte erzählen, etwas besonderes haben, die den betreibern persönlich lieb geworden sind. zwar sagte phillip gloeckler, dass er mehr oder weniger alle produkte auf der plattform kenne und gut fände, aber ausser ein paar alberner benutzer-kommentare die er (vermutlich) unter einigen produkten hinterliess, ist davon auf der plattform so gut wie nichts sichtbar.

die produkte werden mit dem üblichen, ermüdenden marketinggesabbel angepriesen: der hersteller eines „wood_stocks“ meint, dass die verwendeten hölzer „aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern und anderen kontrollierten Herkünften“ stammen und der „wood_stock“ in einem edlen, schwarzen schuber geliefert würde. „affentor“ meint, es verarbeite „wunderschöne und fairgehandelte Reststoffe“. leute die sich gewaltsame aufstände ausdenken („RiotCreations GmbH“) preisen ihr 30-euro t-shirt damit an, dass „die Invasion der guten Laune nicht zu stoppen“ sei und dass man „auf der durchgeknallten Achterbahn“ mitfahren solle. die riotcreation-leute weisen zwar darauf hin, dass ihre shirts „fairmade“ und frei von kinderarbeit seien, dass für die „ArbeiterInnen“ auf die „Gesundheit“, „Sicherheit“ und das binnen-I geachtet werde, verraten uns aber nicht wo genau die shirts hergestellt werden. da sind andere schon viel weiter.

ich will nicht nur wissen, dass die bunte knete von „ökonorm“ aus rohstoffen aus „biologischem Anbau“ stammt, sondern was genau in der knete drin ist. ich will nicht wissen, dass die knete im „Pappetui“ geliefert wird, sondern ob ein kind auch schadlos ein, zwei stückchen der bunten knete verschlucken kann.

jede einzelne produktseite die ich mir heute im avocado-store angesehen habe, ist voller verpasster chancen und blödsinnigem marketinggesabbel bei dem ich mir vorkomme, als wolle mich jemand nachhaltig verarschen. andererseits ist das kind noch jung voll beta. aber ich vermisse ein konzept, dass über das gummiwort „nachhaltigkeit“ hinausgeht. ich fürchte, hier könnte sich mal wieder der gute alte spruch, dass das gegenteil von gut, gut gemeint ist, bewahrheiten.


 

talent ist geduld

die beifahrerin sagt immer, es gebe kein talent. ein satz, dem ich auf anhieb nie zustimmen wollte. aber je mehr ich über diesen satz nachdenke, desto mehr muss ich der beifahrerin zustimmen. wie ich überhaupt letztendlich der beifahrerin in fast allem nach einer weile des sträubens zustimmen muss. sie hat öfter recht, als mir lieb ist.

was es tatsächlich gibt ist leidenschaft. und wer leidenschaft für etwas empfindet, hat damit auch geduld. und geduld ist der schlüssel. oder genauer, leidenschaft ist der schlüssel zur geduld, der die tür zu dem, was als talent erscheint, öffnet. hört sich pathetisch an, ist aber was dran.

ich habe zum beispiel unendliche geduld mit technik. ich kann stunden-, nein tagelang CSS-anweisungen oder javascripte ausprobieren bis eine die webseite so aussieht wie ich möchte oder das macht was sie soll. ich mache da weiter, wo andere längst die lust verlieren — bis es klappt. oder: am wochenende war ich bei einer guten freundin eingeladen die um die sechs kisten technik-kram in ihrem büro rumstehen hatte, von denen sie keine ahnung hatte, was sie damit machen sollte oder wie sie sie anschliessen sollte. unter anderem befanden sich in den kisten ein vdsl-splitter, eine t-home settopbox und ein wlan-repeater. nach 10 minuten hatte ich den router und den repeater per wps verbunden und die settopbox an den fernseher und repeater angeschlossen. allerdings brauchte ich mindestens drei stunden bis die scheisse lief und ein fernsehprogramm anzeigte. am ende stellte sicher heraus, dass der repeater nur in der glasvitrine im wohnzimmer ausreichend empfang hatte um vdsl-fernsehen auf die settop-box-zu leiten und dass der scart-anschluss in der rechten scart-buchse des fernsehers stecken musste, um ein bild anzuzeigen.

das herauszufinden brauchte seine zeit, aber ich verlor nicht für eine sekunde die geduld. ich wusste zu jedem moment, dass selbst die schrott-technik der telekom funktionieren kann — und dass es einen weg dorthin gab. am ende waren — ausser mir — alle anwesenden mit den nerven am ende — und es funktionierte.

ich habe kein talent im umgang mit technik, nur geduld. wer gut klavier spielt, hat kein talent dazu, sondern stoische geduld zu üben. wer gut malen kann, hat geduld malen zu lernen.

wer geduld hat, erweckt am ende den eindruck talent zu haben. talent ist geduld.

und: wer eine kluge frau heiratet, lernt nie aus.


 

mousse au chien

mousse au chien

[die überschrift ist voll gehegemannt, also von einem privaten gespräch eins zu eins übernommen um ruhm mit fremden federn zu erlangen.]

mehr mousse au chien bilder …


 

mehr weissraum

diese seiten haben jetzt mehr weissraum, kein tabellen-layout mehr und den hund hab ich ein bisschen versteckt kleiner gemacht.

screenshot wirres.net 20.02.2010

 

phönixhallen, sammlung falckenberg

phönixhallen, sammlung falckenberg

höllisch was los.

[nachtrag 13.02.2010]
schöne ausstellung. schöne räume.


 

christian stöcker über das internet

„Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein.“

christian stöckers vortrag über das internet und seine 7 thesen, bei carta. sehr lesenswert sehenswert.


 

surfguard vs. lanier

der surfguard dekonstruiert jaron lanier ganz wunderbar und ausführlich.

Was Lanier so vor sich hin redet, wirkt einfach nicht durchdacht. Es entspringt keinem in sich schlüssigen Konstrukt der Welt, sondern es sind Sound Bites, die von seinen Mitapologeten verwendet werden sollen, um einfache Punkte zu machen. Aber gerade wegen dieser mangelnden Schlüssigkeit in Kombination mit Laniers großem, missionarischem Mitteilungsbedürfnis erwacht in mir der Verdacht, dass es gerade Lanier ist, der eine Agenda hat, während die von ihm angefeindeten Internetnutzer einfach fröhlich Musik verbreiten. (weiterlesen)

mittlerweile glaube ich ja, wenn man eine frisur hat und ein buch geschrieben hat, wird man — sobald das buch rauskommt, kreuz und quer durch den blätterwald interviewt — egal wie verwirrt man ist.


 

die witzigste mahlzeit

vor ein paar tagen schrob nico, dass man nix verpasst wenn man blogs nicht liest. dem muss ich heftig widersprechen. wenn man diese geschichte von merlix, ja überhaupt merlix nicht liest, verpasst man so einiges. ix kann mich nicht erinnern, je etwas witzigeres gelesen zu haben.


 

surfen mit dem zeigefinger

nachtrag und lesenswerte links zur gaschke rezension:
erstmal ein text über „Perspektiven auf den Umgang mit digitalen Texten und das Medium Buch“, in dem auch über gaschkes weltbild gesprochen wird. dann ein lesenswerter text über „Die Angst vorm richtigen Lesen im falschen (Medium)“ von peter schumacher, der sich mit der frage auseinander setzt ob lesen auf papier wirklich der weisheit letzter schluss sein muss. ausserdem noch eine „klick“-rezension im vorwärts, bei der ich vor allem den titel mag und mal eben geliehen habe.

und weil ich ja, wie ben_ das ausdrückt, ein guter internetkritiker werden möchte, ein wunderbarer text von stefan schulz, ohne schaum vorm mund, der zu mehr kulturpessimismus anregt.

Anstatt den x-ten toll aufgemachten Elektrischen Reporter zu gucken sollte man sich lieber den Textwerken des CCC, des FoeBud und der Feuilletons annehmen. Und man sollte nicht zu schnell verzagen, weil die Debatten dort ohne Eigennamen auskommen, also kein Google-Facebook-Apple-Bashing stattfindet, sondern die Strukturen selbst thematisiert werden.

und zum schluss noch steve jobs im jahr 1994, mit einem wichtigen punkt:

Technology is nothing. What's important is that you have a faith in people, that they're basically good and smart, and if you give them tools, they'll do wonderful things with them. It's not the tools that you have faith in — tools are just tools. They work, or they don't work. It's people you have faith in or not. Yeah, sure, I'm still optimistic I mean, I get pessimistic sometimes but not for long.

technologie mag neutral sein, aber was damit gemacht wird ist es nicht. jede technologie birgt gefahren in sich, entscheidend, ist wie wir damit umgehen, bzw. dass wir erkennen dass wir bei allem guten was die technologie oder gesellschaftliche entwicklung uns bringt, auch kritisch und wach bleiben müssen, ständig abwägen müssen. oder wie stefan schulz es sagt:

Alles hat Gefahren. Nichts auf der Welt entsteht, weil es einfach gut ist, sondern weil die guten Seiten überwiegen. Und es sollte bedenklich stimmen, dass die schlechte Seite des Internets so unerforscht ist. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.


 

susanne gaschkes strategien gegen verdummung

susanne gaschke mag das internet nicht. das ist nichts neues, wenn man schonmal über einen text von gaschke oder ihr autorenregister auf zeit.de gestolpert ist:

wenn man ihr buch liest, erfährt man, dass sie auch computerspiele, fernsehen, „konsumismus“, zeitverschwendung und „überflüssige kommunikation“ nicht mag. was sie mag sind bücher, literatur, kunst, musik und „erfahrungen mit sozialem engagement“.

„Ich glaube nicht, dass das Netz mehr Demokratie, klügere Wissenschaft, verantwortlicheren Journalismus und mehr soziale Gerechtigkeit hervorbringen wird. Und ich meine, einige Anhaltspunkte dafür zu haben, dass die digitale Kultur diesen Zielen an bestimmten Stellen sogar entgegensteht.“

noch weniger als das internet, mag gaschke allerdings die leute, die das internet gut finden. alle die das internet nicht entschieden ablehnen, nennt sie „Digitalisten“ oder „Internet-Apologeten“. sie wirft alle in einen topf: techniker, unternehmer, industrielle, blogger, twitterer, suchmaschinenoptimierer, netzpolitik-aktivisten, marketing-fuzzis, netzpolitik-aktivisten — selbst differenzierenden kritikern des internet oder seiner auswüchse unterstellt sie oppurtunismus oder konfliktscheu, wenn sie nicht, wie sie, das internet undifferenziert, klar und deutlich verurteilen. sie wirft alle zusammen in einen eimer mit der aufschrift „Digitalisten“. man muss sich nur mal vorstellen wer sich alles in diesem eimer wiederfindet, brin und page neben lawrence lessig, stefan niggemeier neben kai dieckmann, bill gates neben linus thorvald, barack obama neben angela merkel, jeff jarvis und hubert burda. alles „Digitalisten“.

gaschke ist nicht nur extrem undifferenziert, was das internet angeht, ihr ist auch nichts recht zu machen:

  • einerseits beklagt sie die durchkommerzialisierung des netzes und seine aufdringlichen marketingstrategien, schimpft aber auch darüber, dass internet-kolumnisten („blogger“) ihre beiträge kostenlos, oder wie sie vieldeutig sagt, „umsonst“ ins internet stellen. „blogger“ nennt sie interessanterweise auch nicht „autoren“, sondern meist „nutzer“.
  • einerseits beklagt sie, dass durch das internet und moderne „medien“ die literalität und fähigkeiten zu lesen abnehme, geisselt die im internet ablaufende schrift-kommunikation von menschen untereinander aber gerne als profane oder überflüssige „sinnloskommunikation“.
  • einerseits beklagt sie die aggressivität und die determiniertheit der netzbefürworter („Digitalisten“) und welch verheerende folgen die erfolgreiche propagierung der netzideologie habe (sie sieht hier eine „Ideologiemaschine“ am werk), andererseits bezweifelt sie rundheraus, dass aus dem netz überhaupt etwas politisch wirksames kommen könne und behauptet, dass das netz entpolitisiere.
  • einerseits beklagt sie sich über leute die geschichten aus ihrem leben mit anderen teilen („Wer sich in »sozialen Netzwerken« selbst weltöffentlich entblättert, ist nur eins: selber schuld.“), andererseits fordert sie, dass geschichten aus dem leben anderer die auf papier gedruckt sind („Bücher“) mehr gelesen werden sollten.

auf der anderen seite hat mir auch einiges von dem was sie schreibt auch ein kopfnicken abgerungen. wer würde einem satz wie diesem widersprechen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine zweite Fähigkeit gibt, die für das Zurechtkommen in modernen Gesellschaften so wichtig ist wie das flüssige, souveräne Lesen, Verstehen und Beurteilen von Texten.

„Leseförderung“, offenbart gaschke, sei eines der themen, das sie beruflich am meisten interessiere und für das sie sich in ihrem erwachsenenleben am meisten engagiert habe. auch das sieht man recht deutlich, wenn man die liste der artikel die sie in den letzten drei jahren für die zeit schrob kurz durchsieht (1, 2, 3, 4, 5, 6). natürlich hat sie recht; ohne lesen zu können, kann man auch nicht im internet lesen. ohne souveränität im umgang mit texten, wird das mit der urteilsfähigkeit und dem aufgeklärten, mündigen bürger schwierig.

allerdings behauptet gaschke steil, dass die „Digitalisten“ das anders sähen, bzw. lesefeindlich seien. einerseits weil die netzapologeten nicht (an)erkennen, dass es zwischen dem guten lesen (bücher, „die zeit“) und dem schlechten lesen (am bildschirm) eine konkurenzsituation besteht, also die neuen medien dem buch zeit und aufmerksamkeit entziehen. andererseits, weil die „Digitalisten“ mit ihrer forderung nach freiem und unlimitierten zugang zu informationen „die geistige Haltung für die ein gefülltes Bücherregal steht“ bekämpften: „die Bereitschaft Mühe auf sich zu nehmen, um Freude zu erlangen; eine Aufschub statt einer Sofortismuskultur.“ — und so das interesse am konzentrierten lesen und verstehen-wollen rapide abnehme.

im kern mag die analyse ja stimmen, auch wenn gaschkes überzeugungskraft stark darunter leidet, dass sie eine 13 jahre alte studie von jakob nielsen hervorkramt um zu belegen, dass niemand längere texte am bildschirm liest und ausser acht lässt, dass sich mittlerweile vieles verändert hat; webseiten sind lesbarer und lesefreundlicher geworden (siehe zeit.de), die bildschirme sind besser, flackerfreier, kleiner und hochauflösender geworden (vergleichen sie mal nen 17" röhrenmonitor mit dem bildschirm eines iphones oder eine palm pre. die sind mittlerweile so scharf, dass man millimetergrosse buchstaben lesen kann).

trotzdem. selbst wenn man gaschkes analyse folgt, fällt es schwer ihren schlussfolgerungen zu folgen. sie stellt fest, dass das interesse und die fähigkeit zu lesen abnehmen und fordert als konsequenz eine konzentration auf das medium papier? sie stellt fest, dass die konzentrationsfähigkeit beim lesen abnimmt und fordert als therapie eine zugangserschwerung oder verknappung von informationen?

der gesunde menschenverstand oder genauer, der gesellschaftliche konsens, den ich zu diesem thema bisher wahrnahm, fordert eine verbesserung des bildungssystems und eine schulung in medienkompetenz. „medienkompetz“ ist allerdings eines der reizwörter die gaschke in rage bringen. sie vermutet auch hinter der forderung nach mehr medienkompetenz ideologische motive der „Digitalisten“ und ihrer verdummungsstrategien. zumal natürlich auch die schulung zur medienkompentenz zeit und mühe kostet, die wiederum zu lasten des buches, der zeitung, der literatur und des wahren lebens („real life“ nennt gaschke das) gehen.

gaschkes analyse ist alles andere als widerspruchsfrei. so jubelte sie noch im oktober 2007 darüber, dass „wir dem Triumphzug eines Buches beiwohnen“ („Die Welt liest“) und beobachtet, wie „plötzlich […] allein in Deutschland Hunderttausende von Lesern, unter ihnen viele Jugendliche, in Kauf [nehmen], einen 1000-Seiten-Wälzer auf Englisch zu lesen.“ 2009 ist ihre analyse wieder vom pessimismus überdeckt und ihr harry-potter-jubel abgeflaut: „Bücher und Lesen verlieren an Popularität, und dies besonders bei Jugendlichen.“ schuld sind vor allem die netzapologeten, mit ihrer teuflischen ideologie der wissensgesellschaft.

könnte es nicht auch umgekehrt sein? verlieren „Bücher und Lesen“ vielleicht nicht deshalb leser an die digitalen medien, weil die jugendlichen sich nicht mehr mühen oder durch lange texte durchbeissen wollen, sondern weil die inhalte auf papier so schlecht geworden sind? ist die zeitungskrise nicht eher ein qualitätsproblem, als ein technologieproblem? warum lesen junge menschen rowling, aber nicht gaschke? ich war siebzehn, als ich neil postmans „wir amüsieren uns zu tode“ gelesen habe. wieso kann ich mir heute keinen siebzehnjährigen vorstellen der gaschkes „strategien gegen die digitale verdummung“ liest? richtig. weils kreuzöde und flach wie ein bügelbrett ist.

apropos bedürfnisse zurückhalten und mühe in kauf nehmen. stellen wir uns vor, gaschke würde die erfindung des kühlschranks oder der tiefkühltruhe mit der erhöhung des durchschnittlichen gewichts der einwohner westeuropas und nordamerikas in verbindung bringen. wahrscheinlich läge sie gar nicht so falsch damit, dass die sofortige befriedigung kulinarischer genüsse, die so ein kühlschrank ermöglicht, die leute dazu animiert mehr zu essen. wer mag noch die mühe auf sich nehmen, eine kuh zu melken, wenn er milch im kühlschrank stehen hat? nur: verfetten uns kühlschränke deshalb, so wie das internet „uns“ laut gaschke verblödet?

ich glaube der mensch ist lernfähig und anpassungsfähig. wir werden lernen die probleme die mit neuen technologien aufkommen (sei es ernährung, informationsüberflutung) in den griff zu bekommen, indem wir kulturtechniken entwickeln um die negativen folgen zu dämpfen. der umgang mit alkoholkonsum in der westlichen welt zeigt das exemplarisch. obwohl die negativen folgen des alkoholkonsums nicht zu leugnen sind, haben wir kulturtechniken und tabus entwickelt, um damit umzugehen. besser zumindest, als es die nordamerikanischen indianer können, in deren kultur alkoholkonsum nicht verankert war (und ist). alkoholkonsum ist so tief in unserer gesellschaft verankert, dass sogar die altehrwürdige, gesellschaftskritische wochenzeitung „die zeit“ der droge alkohol, die jährlich allein in deutschland ungefähr 40.000 menschen das leben kostet, breiten raum zur verherrlichung einräumt.

solche prozesse in der gemeinschaften mit gefahren und risiken umzugehen lernen dauern mitunter sehr lange, aber was ist die alternative? die zeit können wir nicht zurückschrauben, wir können weder alkohol, noch fertigessen, noch den freien fluss der informationen verbieten (bzw. wenn wir es versuchten, wären die negativen folgen vermutlich weitaus ausgeprägter als die positiven). wir können nur versuchen möglichst vernünftig mit neuen problemen („digitalisten“-sprech: „herausforderungen“) umzugehen.

„Typisch für den Diskurs über das Internet scheint mir zu sein, dass seine Protagonisten stets extrem überzeugt auftreten. Skeptiker hingegen sichern sich nach allen Seiten ab und betonen fast immer mit großem Aufwand, was an der neuen Technik selbstverständlich ganz ausgezeichnet ist, bevor sie (zaghafte) Kritik anbringen.“

gaschke mag pragmatische ansätze aber nicht. sie polemisiert, überspitzt und spaltet lieber: wer nicht gegen das internet ist, ist dafür, ist ein digitalist, ein ideologe. pragmatische und differenzierte betrachtungsweisen kanzelt gaschke als feige und oppurtunistisch ab. sie unterstellt differenzierenden kritikern des internets, dass sie nicht kulturpessimistisch oder altmodisch wirken wollen oder konfliktscheu seien.

gaschke gibt sich kampfeslustig und aggressiv. genau betrachtet ist gaschke aber gar nicht kampfeslustig. sie sehnt sich nur nach anerkennung. anerkennung für ihre lebensart, ihre haltung. sie möchte nicht mehr als kulturpessimist gesehen werden, sondern als prophetin. sie will um die deutungshoheit ringen, dafür kämpfen, „Technik benutzen zu dürfen, ohne sie anbeten zu müssen.“ nur, wer zwingt gaschke dazu, technik „anbeten zu müssen“? mann kann sich doch enthalten. man muss die neuen medien nicht lieben. und wenn man sie liebt, heisst das nicht, dass man ihnen völlig kritiklos gegenüberstehen müsste. ich vermute, sie will einfach ihre ruhe (und recht) haben, sie will das dieses geschnatter weggeht, dass ihre und die stimmen ihrer intellektuellen mitstreiter wieder da sind, wo sie hingehören: ganz oben, da wo die deutungshoheit und relevanz sie sanft umwehen. weg mit dem pöbel-geschnatter!

ich kann gaschke aber auch verstehen. wenn ich morgens im balzac sitze und am bildschirm hochphilosophische texte und emails lese, dann stört es schon, dass in dem laden jeder sprechen darf. teilweise bellen sogar hunde. jeder meint was zu sagen zu haben — in der öffentlichkeit! es ist anstrengend und es macht aggressiv, wenn man fremde, ungebetene meinungsäusserungen nicht einfach ausfiltern kann.

was ich aber nicht verstehe, ist gaschkes ablehnung von verfügbarmachung von wissen oder (genauer) informationen durch das netz. sie lehnt es ja nicht nur deshalb ab, weil die „Digitalisten“ information und wissen oft synonym benutzen, sondern weil allgegenwärtige information eine „Sofortismuskultur“ fördere. nur, was ist beispielsweise der unterschied zwischen der altertümlichen bibliothek von alexandria und dem internet heute? der hauptunterschied den ich erkenne ist, dass in alexandria das wissen der damaligen welt nur einigen wenigen priviligierten zur verfügung stand. und zwar — wie in jeder ordentlich geführten bibliothek — sofort, nur ein paar regale weiter, quasi „information at your fingertips“. im internet steht das wissen plötzlich allen zur verfügung. ob es sich alle anzueignen vermögen, ob alle etwas damit anzufangen vermögen, ist natürlich eine ganz andere frage, übrigens genau wie in einer bibliothek.

aber gaschke stört tatsächlich dass nun plötzlich alle zugriff haben. besonders für kinder sei es besonders schädlich, wenn es keine geheimnisse, keine tabus mehr gäbe. auch die erwachsenen würden durch die „Sofortismus-Kultur“ infantilisiert: „Der digital native aber will nicht ringen, er will klicken“. vermutlich rotiert neil postman angesichts solcher hausmacher-makramee-philosophie, die sich auch noch explizit auf ihn beruft, in seinem grabe.

apropos makramee-philosophie. ein gutes drittel ihres buches verwendet gaschke darauf, darzulegen wie schädlich, konzentrations-, lese- oder bildungsfeindlich das internet gerade für kinder und heranwachsende sei. dass auch sport, vor allem leistungssport, das potenzial hat jugendliche zu verblöden oder von einer umfassenen bildung im gaschke’schen klasischen sinne abhält, weiss jeder der schonmal sportler-interviews im fernsehen gesehen hat. die probleme des bildungssystems, meinetwegen auch, um es mal gaschkesque auszudrücken, die verblödungstendenzen unserer gesellschaft sind kein technologisches problem, genauso wie die lösung nicht rein technologisch möglich ist. niemand wird ernsthaft behaupten, dass fernseher oder computer kinder besser aufziehen können als engagierte eltern, die ihren kindern zeit und aufmerksamkeit und liebe schenken. (obwohl ich durchaus leute kenne, die die ersten 20 jahre ihres lebens vor dem fernseher verbracht haben und aus denen durchaus etwas respektables geworden ist.) die mischung machts und gaschke scheint die jugend für blöder zu halten als sie ist. jugendliche können sehr gut zwischen der angeblichen scheinwelt der sozialen netze im internet und denen im „wahren leben“ unterscheiden, ihr sensorium ist wahrscheinlich sehr viel ausgeprägter als gaschke es ihnen zutraut. es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass „das Internet keine negativen Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen hat – sondern positive“. aber selbst wenn gaschke recht hätte und das internet, oder die modernen medien, nicht förderlich für die entwicklung von jugendlichen sind, wieso soll eine gesellschaft, frei nach mark twain, kein steak essen, nur weil babies es nicht kauen können?

aber gaschke unterschätzt nicht nur die jugendlichen, sondern auch die internetnutzer. für sie sind das alles hirnlose und vereinsamte auf-den-bildschirm-glotzer, die einer scheinwelt erliegen. die positiven folgen die die vernetzung von menschen (und informationen) hat, blendet gaschke einfach aus. schlimmer noch, sie nimmt sie gar nicht wahr. wäre ihr buch eine restaurantkritik, wäre es die erste restaurant-kritik, die ohne das betreten des besprochenen restaurants entstanden wäre. sie hätte dann zwar mit den gästen vor der tür geredet, tagelang das geschehen durch die fenster beobachtet und unzählige bücher und untersuchungen von restaurant-kritikern zitiert, aber selbst im restaurant gegessen hätte sie nicht. sie hätte all die erfahrungen die sie an imbissständen, gulaschkanonen oder ihrer eigenen küche gemacht hätte in ihr buch einfliessen lassen, aber ihr urteil durch einen eigenen, intensiven restaurantbesuch trüben lassen, das hätte sie wohl nicht gewollt.

„[Politik braucht] Nähe, Begegnung, Streit, Diskussion; die Erfahrung, leibhaftig für ein Anliegen zu kämpfen, bei Abstimmungen zu unterliegen, gewählt oder nicht gewählt zu werden, Rücksicht zu nehmen, Kompromisse zu schließen. Das ist eine ganzheitliche Erfahrung, die echter Menschen bedarf, die einander kennen. Sie kann online unterstützt und ergänzt werden, aber niemals ersetzt werden.“

anders kann ich mir zumindest nicht erklären, warum sie die kultur die an vielen ecken und enden des internets wächst und gedeiht nicht wahrnimmt oder eben nicht als kultur anerkennt, warum sie soziale netzwerke im internet als unpersönliche, oberflächliche „Ersatz-Gemeinschaften“ bezeichnet und steif und fest behauptet, das netz entpolitisiere. meine erfahrungen zeigen das gegenteil. wir haben es im internet nicht nur mit maschinen zu tun, sondern auch mit menschen. vor allem das social-web könnte, nein, bringt bereits völlig neue kultur-techniken zutage. natürlich gibt es schund und schrott und abzocker und scharlatane und idioten und perverse und doofe im internet. so wie das in jeder zeitungsredaktion, stadt oder auch schule ist. allerdings behaupten deshalb nur ganz wenige, dass zeitungen, städte oder schulen uns deshalb verblödeten.

aber: gaschkes buch hat meine wahrnehmung verändert. neuerdings erwische ich mich manchmal beim lesen eines längeren textes am bildschirm, wie ich plötzlich das interesse am text verliere. ich denke dann an gaschke und ihre these, dass man bildschirm nicht ordentlich lesen könne, reisse mich zusammen und lese trotzig den text zuende. später fällt mir dann manchmal auf, dass mir das ebenso oft mit zeitungen oder büchern passiert. entweder bin ich schon total verblödet oder gaschke hat es tatsächlich geschafft meine aufmerksamkeit zu schärfen.

[nachtrag]
ein paar 2009er-rezensionen zu gaschkes buch bei buecher.de.

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original DDR-solyanka?

original DDR-solyanka?

 

buchmerk ist das neue lesezeichen

heute bei der gröner das wort „gebuchmerkt“ zum ersten mal gelesen. das wort ist, laut google, zwar nicht ganz neu, aber super. hab ich mir gleich mal gekopfmerkt.


 

manchmal kommt mir hamburg ziemlich gestapelt vor

manchmal kommt mir hamburg ziemlich gestapelt vor

 

speech and debate

als austauschschüler in amerika, habe ich 1986 an der highschool als englisch-kurs „speech and debate“ gewählt. eine motivation dafür war sicherlich, dass ich als 17jähriger meinem schriftenglisch nicht allzuviel zugetraut habe. offenbar war dieser gedankengang auch den anderen drei austauschschülern an der schule nicht fremd, so dass in „speech and debate“ bei mrs. davis neben ein paar amerikanern zwei deutsche, eine schwedin und eine französin sassen. an den genauen unterrichtsablauf damals kann ich mich leider nicht mehr erinnern, ausser dass wir regelmässig stark formalisierte (schein-) debatten führten und reden halten mussten. die formalisierten debatten kennen wir aus dem amerikanischen präsidentschaftswahlkampf; es gibt einen moderator und jeder debattant hat genau festgelegte zeiträume in denen er thesen formulieren kann. darauf folgt dann eine erwiderung des gegners, auf die man bei manchen debattenarten auch nochmal kurz antworten kann — oder eben auch nicht. die formalien hab ich alle vergessen. wichtig war allerdings, dass wir die positionen die wir in der debatte vertraten vorher gut recherchieren und vorbereiten mussten. unter anderem gab es dafür eine für die grösse der schule hervorragend ausgestattete schulbibliothek, komplett mit bibliothekarin und abonnierten zeitschriften. noch wichtiger: mrs. davis legte wert darauf, dass wir in den debatten auch positionen vertreten sollten, von denen wir gerade nicht überzeugt waren.

dieses konzept war mir als deutschem schüler damals völlig neu. bis zur 10ten klasse wurde von uns eigentlich in jedem fach verlangt, einfach das richtige zu schreiben oder, alternativ, ein bisschen rumzumeinen, also zum beispiel texte zu interpretieren. aber auch beim interpretieren ging es weniger um das begründen, als darum, die richtige interpretation zu liefern. auch wenn ich damals nicht wirklich viel gelernt habe, ich bin immer noch ein miserabler, öffentlicher redner, fasziniert mich das konzept bis heute. statt einfach nur rumzumeinen, rumzubehaupten oder argumente abzuschmettern, zu versuchen die argumente des gegner wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, am besten so gut, dass man sie selbst vertreten könnte.

diese haltung hat mich dazu veranlasst, das buch von susanne gaschke zu lesen. ich wollte ihre argumente verstehen und nachvollziehen, warum sie das internet so scheisse findet. ich muss sagen, ich bin ein bisschen enttäuscht. viele ihrer argumente sind schwach und inkonsistent und beinahe durchgehend widersprüchlich. ausserdem hat sie sich offenbar extrem wenig mit dem internet selbst beschäftigt, sondern vornehmlich mit ihren vorurteilen und ihren vermeintlichen gegnern, den „internet-apologeten“ oder „digitalisten“ wie sie sie nennt. das ist in etwa so sinnvoll wie der versuch den vegetarismus, seine sinnhaftigkeit, nützlichkeit oder seine vor- und nachteile danach zu beurteilen, was vegetarier über vegetarismus erzählen. hätte susanne gaschke ein buch mit dem titel „friss, strategien gegen fleischlose ernährung“ geschrieben, wäre eine ihrer hauptthesen, dass der vegetarismus eine quasi-religiöse bewegung sei, weil einige vegetarier behaupten, vegetarismus sei ein weg die welt zu retten.

und ich habe einen weiteren verdacht. ich glaube es wäre sinnvoller gewesen, ich hätte ein oder zwei bücher von nicholas carr gelesen. gaschkes buch ist voll mit carr-zitaten, ich habe in den knapp 200 seiten allein 15 erwähungen und zitate von nicholas carr gezählt. gaschke nennt carr übrigens bewundernd und mit kreativen schreibvariationen mal den „bedeutensten Internet-Kritiker Amerikas“, „Internetskeptiker“ oder „Internetkritiker“. immerhin sind gaschke und ich in einem punkt seelenverwandt. auch ich verwende wenig sorgfalt darauf worte und namen richtig zu schreiben, auch ich setze kommata und bindestriche frei schnauze und schreibe „apple“ ebenfalls stets klein.

zur vertiefung meiner kleinen forschungsreihe, warum finden leute das internet scheisse, was ist an ihrer kritik nachvollziehbar und welche argumente bringen sie vor, werde ich mich demnächst definitiv nicholas carr zuwenden (hat jemand empfehlungen mit was ich da anfangen könnte?). ausserdem habe ich mich selbst unter druck gesetzt und den republica-organisatoren einen vortrag mit dem titel „warum ich das internet scheisse finde“ vorgeschlagen. bleibt also zu hoffen, dass ich bis zum april noch ein paar stichhaltige argumente finde, um das internet endlich mal ein bisschen kritischer zu sehen.

[die gaschke-rezension folgt in den nächsten tagen.]


 

ham wir denn schon karneval?

oder warum versucht sich dieser EC als ICE zu verkleiden?

EC versucht sich als ICE zu verkleiden

 

focus-rant

herrlicher, kluger focus-rant bei print würgt:

Wenn ein aufgeklärter Leser das Ziel des Focus wäre, dann hätte man im Tagebuch sagen müssen: “Die Redaktion hat in großer Panik monatelang nach Wegen gesucht, Ihnen irgendeinen Grund zu geben, dieses Heft noch zu kaufen.”

unbedingt lesen. also den rant. nicht den focus.