Gekommen um zu bleiben (t3n 50)

felix schwenzel, , in artikel    

Die Warnungen vor dem Bitcoin sind zahlreich. Der wegen Wertpapierbetrügereien und Geldwäsche verurteilte Jordan „The Wolf of Wall Street“ Belfort meint beispielsweise, dass Kryptowährungen ein Tummelplatz für Betrüger und Nepper seien. Der Hype um Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) sei „der größte Betrug aller Zeiten“.

In das gleiche Horn bläst Jamie Dimon, dem Chef von J.P. Morgan. Er findet der Bitcoin sei reiner „Betrug“ und der Handel damit „dumm“.

Der Vorstand einer Bank, die die Süddeutsche Zeitung vor einem Jahr als „die gefährlichste Bank für die Finanzwirtschaft“ bezeichnete und ein verurteilter Schaumschläger warnen vor Gier und Betrug; es zeigt sich einmal mehr, dass die schärfsten Kritiker der Elche oft selber welche sind.

Allerdings kann Kritik an Elchen durchaus legitim sein, auch wenn sie von Ex-Elchen kommt. Selbst wenn man sich nur oberflächlich mit dem Geschehen um Kryptowährungen beschäftigt, erkennt man, dass es in den Bitcoinmärkten an dubiosen Anbietern, windigen Angeboten und vor allem schlechtem Rat wimmelt. Der Witz ist, damit unterscheidet sich der Markt der Kryptowährungen nicht vom übrigen globalen Finanzmarkt, der zwar stärker reguliert und kontrolliert wird, aber ebenso ein Spielfeld für einzelne oder institutionelle Betrüger und halbseidene Akteure bietet.

Ganz allgemein dürfte es ein guter Rat sein, Geld nicht in Anlagen oder Systeme zu investieren, die man nicht ganz versteht, auch — oder gerade — wenn er von Elchen kommt. Und ein besonders guter Rat dürfte es sein gerade dann Zurückhaltung zu üben, wenn einem plötzlich ganz viele Experten riesige Renditen in Aussicht stellen, sei es über Fontsbeteiligungen, Aktienkäufe oder eben Geldanlage in Bitcoins.

Trotzdem lohnt sich meiner Meinung nach ein genauerer Blick auf Kryptowährungen und vor allem die dahinterliegende Technologie der Blockchain. Das Potenzial dieser Technologie ist faszinierend, weil sie, wie das hinter dem Internet stehende TCP/IP-Protokoll, ein entscheidendes Versprechen gibt: Dezentralität.

Diese Eigenschaft ist genau die, die das Internet groß und relevant gemacht hat: Informationsvermittlung die auch ohne zentrale Instanzen funktioniert. Dezentralität hat bei der Informationsvermittlung die alten Gatekeeper weggefegt und Machtverschiebungen verursacht, die nahezu jeden Lebensbereich berühren. Das gleiche verspricht nun die Blockchain im Bereich von abgesicherten Transaktionen: Verbindlichkeit ohne zentrale Instanzen.

So wie das Internet in den ersten Jahren vor allem ein Tummelplatz für Technikfreaks, Nerds und Pornoanbieter war, war es im letzten Jahrzehnt auch der Bitcoin und die Blockchain. Diese ersten Jahre haben gezeigt, dass die Technologie hinter dem Bitcoin grundsätzlich funktioniert und an sich hinreichend sicher ist — und vor allem interessant genug ist, um ständig kollaborativ weiterentwickelt und geforkt zu werden. Dieses Potenzial erkennen auch mehr und mehr Unternehmen, auch die J.P. Morgan Bank, deren Chef ja erklärtermassen kein großer Fan des Bitcoin ist. So bietet J.P. Morgan bereits ein auf der Blockchain, bzw. Ethereum basierendes Produkt zur Vertrags- und Transaktionsabwicklung an.

Die Potenziale die sich aus der Blockchaintechnologie ergeben sind so groß (und spannend), dass es fahrlässig wäre sich mit dieser Technologie und deren möglichen Folgen nicht tief gehend auseinanderzusetzen. Die technischen Hintergründe der Blockchaintechnologie sind komplex (einen guten Einstieg bietet dieses Video), die gesellschaftlichen Folgen dürften noch komplizierter, ähnlich tiefgreifend und in weiten Teilen ebenso unvorhersehbar sein, wie die, die uns das Internet bis heute beschert hat.

Die Blockchain plagen noch von vielen Kinderkrankheiten wie Skalierbarkeit und Transaktionsgeschwindigkeit. Die nötigen technischen Anpassungen (Forks) dürften dafür sorgen, dass Kryptowährungen und andere auf der Blockchain aufbauende Dienstleistungen auf absehbare Zeit instabil und volatil sein werden. Auch deshalb sollte man sich nicht blind von der Euphorie und der Goldgräberstimmung mitreissen lassen und mit Bitcoins spekulieren, ohne sich über die zahlreichen ungeklärten Fragen und Risiken im klaren zu sein.

Aber auch wenn die ersten Bitcoinblasen platzen, Sicherheitslücken Wallet-Besitzer plagen oder wenn die Blockchainweiterentwicklung stockt: so wie das Internet nicht mehr weggehen wird, wird auch die Blockchain bleiben. Die Technologie hinter dem Bitcoin wird die Welt und die Wirtschaft genauso tiefgreifend verändern wie es das Internet getan hat. Egal ob wir das wollen oder nicht.

(auf t3n lesen)

innr küchenschrankbeleuchtung UC 110

felix schwenzel, , in artikel    

vorher: küchenschrankbeleuchtung mit ikea grundtal

unsere alten halogen-birnen in den grundtal-leuchten unter dem küchenschrank frassen strom und gingen ständig kaputt. mittlerweile ist die ganze wohnung auf LED umgestellt, nur in der küche brummten (im sinne von geräusche machen) noch die alten ikea-leuchten. dass die dinger weg mussten war schon länger klar, die alternativen von ikea, die man unter einen küchenschrank schrauben konnte waren aber alle unbefriedigend und schlecht fernzusteuern. die tradfri-lampen von ikea sind toll und günstig, aber für die küche hat ikea noch keine tradfris rausgebracht.

kürzlich gerieten mir die innr-lampen wieder in den blick. innr stellt hue-kompatible lampen her, unter anderem auch eine küchenoberschrankbeleuchtung. ich gab mir trotz des stolzen preises von 100 euro für einen meter leuchtstreifen einen ruck und bestellte ein set [-werbelink] bei amazon.

die verpackung war kompakt und klapperte. kein wunder, die teile lagen alle lose in der verpackung, deren inhalt ganz offensichtlich in china hergestellt wurde.

innr verpackung: alles lose

die streifen wirkten ein bisschen billig, das netzteil wie die übliche china-ware, aber die mitgelieferten kabel waren schön lang und dünn. bevor ich die lampen montierte, habe ich sie mit der hue-app verpaart. das klappte fast auf anhieb. wichtig ist wohl die suche in der app zuerst zu starten und dann erst den leuchtstreifen einzuschalten, weil der nur ein paar sekunden nach dem booten seine paarungsbereitschaft signalisiert. danach (und einem lampenreboot) liess sich der leuchtstreifen tatsächlich mit der hue-app dimmen und schalten. erster pluspunkt: der leuchtstreifen lässt sich bis fast auf null runterdimmen. das können die tradfris nicht, bei ca. 15-20 prozent ist bei denen schluss. prima.

die montage war ein bisschen frickelig und eklig. immer wenn man an küchenmöbeln arbeitet, merkt man was für ein fett-dreck in jeder ritze steckt. die versteckte stromzuführung für die grundtals liess sich auch prima für die innr-lichter benutzen. nach der montage musste ich weiter putzen, weil ich plötzlich überall schmodder sah. auch wenn der leuchtstreifen wunderbares licht absonderte, richtig toll sah er fertig montiert nicht aus: die befestigung mit blechlaschen lässt den leuchtstreifen ein paar millimeter schweben und die stosskanten der leuchtelemente emitieren licht. insgesamt wirkt das ganze ein bisschen kleinteilig und gusslos. aber das licht ist prima.

innr-licht in der küche
innr-licht in der küche

über die hue-komponente des home-assistant liess sich der leuchtstreifen dann auch problemlos automatisieren, in alexa und homekit integrieren und an die lichtstimmungen der tradfri-beleuchtung koppeln. per button oder „alexa, licht an!“ wird der flutlichtmodus eingeschaltet, per lichtschalter oder „alexa, gemütlich an!“ der etwas entapnntere lichtmodus. es gab nur einen stolperstein, der sich aber per steuerungslogik umschiffen liess: immer wenn man den innr-leuchtstreifen einschaltet, geht er auf 100% helligkeit — egal ob per hue-app, homekit oder home-assistant.

was ich grossartig finde: der innr-leuchtstreufen dimmt sanft, mit ca. 2 sekunden transitionszeit. wenn das licht per bewegungsmelder geschaltet wird, dimmt das licht beinahe magisch ein. bisher hat es immer einmal klack gemacht, bevor das licht anging.

99 euro finde ich einen stolzen preis für china-ware im geschätzten warenwert von 10 euro. aber die hue- und hausautomations-integration ist (relativ) problemlos, das dimmen flüssig und das licht angenehm. kann ich mindestens so lange empfehlen, wie ikea oder philips nicht selbst eine ordentliche küchenschranklösung anbieten.

humorkritik

felix schwenzel, , in artikel    

es ist jetzt so weit, auch linke bezeichnen jetzt humor oder witze, die ihnen nicht gefallen, als fake-news:

abgesehen davon, dass ich konkret den humor dieser die-partei-aktion nicht teile und generell den humor der partei weder unterhaltsam noch wählbar finde, sollte man sich davor hüten satire ernst zu nehmen und zu politisieren.

das spiel treibt die titanic seit jahrzehnten erfolgreich mit selbstverliebten egozentrikern, politikern, bild-zeitungs-lesern: mal mit klugem, mal mit üblen witzen provozieren und darauf hoffen, dass die witze, die satire so gut sitzt, dass die ziele der humorattacke den witz ernst nehmen. dann nämlich gibt’s aufmerksamkeit und neuen satire-stoff, indem man die reaktionen wieder in die satire einarbeitet. insofern ist die vorgehensweise der titanic und der partei deckungsgleich (kein wunder, sie kommen ja aus dem gleichen stall): sie ernähren sich beide von aufmerksamkeit, die sie mit mehr oder weniger witzigen provokationen erzeugen.

dass diese strategie mittlerweile von politisch rechten, konservativen und nazis um ein vielfaches erfolgreicher angewandt wird (provokation, aufmerksamkeit, abgrenzung von den anderen, aktivierung der eigenen basis) ist bedauerlich, aber kein grund satire, titanic, AFD oder trump in einen topf zu werfen. der entscheidende unterschied ist nämlich, dass die rechten es ernst meinen und es entsprechend verdienen ernstgenommen zu werden, die satire-blatt oder satire-partei-macher aber nur darauf hoffen ernst genommen zu werden.

jetzt kann man natürlich noch einen schritt weitergehen und humor und unterhaltung (oder satire) in diesen schweren zeiten als gefährlich oder subversiv zu sehen. man könnte der meinung sein, dass es demokratieverwässernd sei, politische deppen auf die bühne zu zerren und sich über sie lustig zu machen (oder sie über sich selbst lustig machen zu lassen).

nachdem stephen colbert den ehemaligen pressesprecher von donald trump bei der emmy-verleihung auf der bühne die gelegenheit gab sich über sich selbst lustig zu machen und sich „melissa mccarthy“ nennen zu lassen und ich den schlussgag als witzig einstufte, fand der surfguard, dass das nicht witzig sei, weil es eine „Normalisierung und Ironisierung einer politischen Perversion“ sei.

macht humor das, normalisiert humor den schrecken, humanisiert humor despoten und ihre helfershelfer? sind satiriker die steigbügelhalter der neuen rechten? diesen eindruck kann man in der endphase des bundestagswahlkampfes durchaus bekommen, in der kluge menschen allen ernstes die existenz und die ernstnehmung der satire-partei die partei für ein erstarken der AFD verantwortlich machen (oder zumindest die potenziellen wähler der partei für mögliche mandatszuwächse der AFD im bundestag verantwortlich machen).

ich glaube — im fall der partei — dass das womöglich sogar stimmt. satire (humor) gewinnt, wenn sie es schafft den gegner dazu zu bringen die ridikülisierung ernst zu nehmen. das stärkt dann den zusammenhalt derjenigen, die den witz verstehen und der unterhaltungswert steigt, je humorbefreiter (ernster) die reaktionen sind. der witz an satire ist, dass die gegner sie ernst nehmen und das publikum, die eigentliche zielgruppe den witz (vermeintlich) versteht. kai diekmann finde ich doof, aber er hat das mit der satire letztendlich, nach ein paar fehlversuchen, verstanden. als sich die taz vor vielen, vielen jahren mal über seinen penis lustig machte, verlor dieckman zunächst. er nahm die satire erst und behandlete die wie „fake-news“: er klagte dagegegen. irgendwann merkte er, dass er doch noch gewinnen könnte, wenn er die klage zurückzieht und den witz zurückspielt — indem er selbst zum satiriker wurde. er entzauberte den witz, indem er ihn nicht mehr ernst nahm und so die eigentliche intention der taz, diekmann-hass, offenlegte. bevor sich diekmann selbst über seinen penis lustigmachte, wirkten diekmann-penis-witze witzig, danach verbissen.

die politik und das establishment reagieren momentan so wie dieckmann anfänglich auf die taz-satire reagierte: mit heiligem ernst und staatstragender wehleidigkeit. aus genau diesem grund funktioniert die partei (noch). sie funktioniert auch, weil viele wähler schwere humorstörungen haben und die partei (allen ernstes) als eine wählbare alternative (und nicht einen bierseligen männerwitz) wahrnehmen. viele nehmen die witze, die satire der partei so ernst, dass sie ihr nicht nur aufmerksamkeit schenken wollen, sondern sogar eine stimme bei der bundestagswahl.

der witz ist: wer die partei wählt (oder mit heiligem ernst bekämpft) ist das eigentliche ziel (und opfer) ihrer satire.

Kommunizieren wie in Star Trek (t3n 49)

felix schwenzel, , in artikel    

Kommunikation ist die Grundlage allen Lebens — oder wie mein Biologielehrer früher™ immer sagte: „Sex ist Informationsaustausch“. Natürlich gibt es auch ungeschlechtliche Fortpflanzung, aber Informationsaustausch ist die Grundlage von Vielfalt, Evolution – und Teamarbeit.

Ohne einen gut geölten, effektiven Informationsaustausch geht gar nichts. Wir beobachten das nicht nur in der Biologie, uns fällt das nicht nur bei Netzstörungen auf, sondern wir sehen es auch täglich in Form von Unterhaltungsdramen, in Fernsehserien oder im Kino. Viele Spannungsbögen in dramatischen Erzählungen basieren entweder auf Missverständnissen, Informationsdefiziten oder stockenden Informationsflüssen.

Der teaminterne Informationsfluss in der Serie Sons of Anarchy war so katastrophal, dass die Serie eigentlich (neben Imponiergehabe) kaum ein anderes Thema als Kommunikationsdesaster, Geheimniskrämerei und Missverständnisse mit Gewalt- oder Todesfolge hatte. Die Serie ließe sich hervorragend als Lehrbeispiel dafür nutzen, was man bei Teamarbeit unbedingt vermeiden sollte.

Ein Positivbeispiel ist das Star-Trek-Universum, auch wenn dort nicht alles glattgeht; eins funktioniert aber fast immer perfekt: die Kommunikation unter den Führungsoffizieren. Selbst die automatischen Schiebetüren scheinen dort zu kommunizieren. Sie öffnen sich nicht, wenn jemand davorsteht, sondern erst genau in dem Moment, in dem der- oder diejenige durch die Tür gehen will.

Leider taugt das Star-Trek-Universum kaum als Fundgrube für Teamorganisationstipps. Die Serie gibt sich wenig Mühe zu erklären, wie die einzelnen Teammitglieder es schaffen, bei den gelegentlich gezeigten Teambesprechungen bis ins kleinste Detail informiert zu sein. Egal was passierte, eine Szene später weiß jeder der Protagonisten genau darüber Bescheid, was vorher geschah.

Wie sich die fiktiven Figuren in Star Trek hinter der Kamera koordinieren, informieren und austauschen, wird immerhin angedeutet: per asynchroner Kommunikation und gelegentlichen, knappen und effizienten Besprechungen. Vermutlich nicht nur aus dramaturgischen Gründen sieht und hört man die Kommandanten oft beim Verfassen von Berichten und Logbüchern. Sämtliche wichtigen Informationen scheinen optimal erfassbar an Konsolen oder auf kleinen handlichen PADDs zugänglich zu sein. Mit diesen iPad-ähnlichen Geräten haben die Star-Trek-Produzenten nicht nur Tabletcomputer antizipiert, sondern wohl auch die Praktikabilität von asynchroner Kommunikation angedeutet.

Denn so wichtig Kommunikation sein mag, ein Aspekt von Teamarbeit stiehlt erfahrungsgemäß unverhältnismäßig viel Zeit und nervt: Besprechungen.

Meine Vorgängerin in meinem derzeitigen Job (als Projekt- und Teamleiter) hatte für eine Weile die Angewohnheit, jeden Auftrag, jede Kundenmail mit dem Team zu besprechen. Nach einer Weile bat sie einer unserer Entwickler darum, diese Dinge künftig auf den projektbezogenen Mailinglisten oder im Intranet zu dokumentieren und zu diskutieren. Das sei auch viel effizienter als die ständigen Besprechungen.

Nicht nur meine Vorgängerin hat das (leicht) traumatisiert, auch ich versuchte (damals), nach meiner Einarbeitung, die Zahl der Besprechungen niedrig zu halten und alles soweit wie möglich über Mails, unser Wiki und unseren Issue-Tracker abzuwickeln. Diese asynchrone Kommunikation, mit der die Adressaten (meist) selbst entscheiden können, wann sie antworten oder agieren, scheint mir für den allgemeinen Informationsaustausch ideal – und für die Selbstorganisation essenziell.

Meine Erfahrung zeigt, dass bei asynchroner Kommunikation auch nicht unbedingt ein Informationsüberfluss oder -überdruss entsteht. Selbst wenn alle projektbezogenen E-Mails, Arbeitsanweisungen und Abrechnungen prinzipiell für jedes Teammitglied einsehbar sind, lassen sich irrelevante Teile der Kommunikation hervorragend ignorieren, überfliegen oder wegarchivieren. Gut funktionierende und justierte Wahrnehmungsfilter sind nicht nur für die Nutzung digitaler Medien essenziell, sondern eben auch für Teamarbeit in einem digitalen Umfeld. Wichtig bleibt allerdings, diese Filter gelegentlich durch kurze und effiziente Besprechungen zu justieren, um Prioritäten zu setzen und einen Überblick zu verschaffen.

Auch wenn alle Tipps und Erfahrungen in dieser Ausgabe versagen sollten, wenn neue Methoden oder digitale Werkzeuge scheitern oder sich Hindernisse auftürmen – eine Grundvoraussetzung sollte immer gegeben sein: offene, barrierefreie und respektvolle Kommunikation. Dann finden sich im Team auch Wege, um die größten Hindernisse zu überwinden und neue Welten zu entdecken. Wie in der Fiktion von Star Trek.

(auf t3n.de lesen)

wie fast alle mietwagenvermittler kunden an schwarze schafe vermitteln

felix schwenzel, , in artikel    

billiger-mietwagen.de spricht nicht mehr mit mir. nachdem @billigermietwag auf twitter zunächst recht redselig war, herrscht seit meinem blogartikel dazu absolute funkstille. meine letzte frage auf twitter, wie man denn jetzt den vermieter vor ort bei billiger-mietwagen.de bewerten könnte, blieb unbeantwortet und sogar mein super-sachlicher (keine ironie) artikel auf trustpilot blieb unbeantwortet und unverifiziert. auf trustpilot antwortet billiger-mietwagen.de eigentlich auf kritik von hinz und kunz.

eigentlich keine dumme strategie, vor allem wenn man bedenkt, dass die öffentlichen reaktionen von @billigermietwag ohnehin meist aus hinweisen auf AGB bestehen und betonen, dass man eigentlich für nichts verantwortlich ist und ohnehin nur vermittle. immerhin ist man immer für anregungen und feedback dankbar und gebe das auch gerne an die vermittelten vermittler oder anbieter weiter.

wo billiger-mietwagen.de mich allerdings überhaupt nicht ignoriert ist auf anderen webseiten. egal wo ich mit meinem handy hinsurfe — billiger mietwagen ist schon da. seit wochen meint billiger-mietwagen.de es sei eine gute idee, mir weiterhin die vermittlung von mietwagen in glasgow schmackhaft zu machen.

abgesehen davon, dass diese aufdringliche werbung völlig sinnlos und stumpf ist (ich fahre doch nicht kurz nachdem ich in schottland einen wagen gemietet habe, anschliessend gleich nochmal dahin), frage ich mich ernsthaft was mit der werbe- und marketingbranche los ist. diejenigen die werbung nach dem giesskannenprinzip und pseudogenauer, „programmatischer“ zielgruppenansprache schalten, können doch nicht ernsthaft an die effizienz dieser werbeform glauben? denjenigen, die diese werbung auf ihren seiten zulassen, dämmert es (möglicherweise) langsam, dass bei ihnen am wenigsten geld aus der werbekette hängen bleibt und dass sie ihren guten ruf riskieren, weil das missbrauchspotenzial dieser werbeformen riesig ist.

nach unserer schottlandreise hat sich mein zorn auf dem vermittler billiger-mietwagen.de entladen. weil ich mich darüber aufregte, dass man dort eine unseriös und im juristischen graubereich agierende autovermietung vermittelt, empfiehlt und deren PR-texte wiederkaut. PR-texte wiederkauen macht billiger-mietwagen.de gerne, aber deren AGB aufdröseln nicht. auszug aus der ode, die billiger-mietwagen.de auf green-motion singt:

Natürlich stehen Leihwagen mit geringem CO2-Ausstoß im Fokus des Unternehmens. Dieses kann seinen Kunden jedoch noch weitaus mehr bieten. Beispielsweise wird jedem Fahrer vor Beginn seiner Reise ein Müllbeutel zur Verfügung gestellt, in welchem er seinen gesamten Müll sammeln soll – der Beutel wird bei der Rückgabe des Fahrzeugs abgegeben, denn die einzelnen Stationen kümmern sich darum, den Müll richtig zu entsorgen.

das ist nicht nur peinliches PR-gewäsch, sondern (natürlich) auch unwahr: einen müllbeutel gabs bei greenmotion nicht.

ich textete damals: wie billiger-mietwagen.de kunden an schwarze schafe vermittelt

genauer müsste es eigentlich wie in der überschrift dieses artikels heissen: wie fast alle mietwagenvermittler kunden an schwarze schafe vermitteln

die praxis der mietwagenvermittler scheint mir, nachdem ich mich ein bisschen umgeschaut habe, bei allen gleich zu sein. ob die partner, an die man kunden vermittelt, seriös oder zuverlässig agieren ist egal. was zählt ist die vermittlung. fast alle portale bedienen sich dabei ausserdem methoden, die man von glücksspielanbietern und drückerkolonnen kennt: zeitdruck schaffen, unangenehmes ausblenden oder in textwüsten begraben, transparenz vorgaukeln, aber eigentlich unter allen umständen vermeiden.

selbst wenn ich mir mietwagenangebote für ende oktober ansehe, zeigen mir fast alle preisvergelichsdienste an, dass die guten angebote bestimmt bald weg seien oder das für meinen suchzeitraum und mietort gerade eine erhöhte mietaktivität bestehe.

der anbieter rentalcars.com, der auch den phantasievollen domainnamen billigermietwagen.world benutzt, obwohl er mit billiger-mietwagen.de nichts gemein hat, behauptet auf seiner startseite vollmundig: „Wir vergleichen nur die besten Autovermietungen“

unter den rentalcars.com-angeboten bei einer suche nach mietautos in schottland ist dann natürlich auch greenmotion, der anbieter mit dem nicht nur wir in schottland schlechte erfahrungen gesammelt haben, sondern auch sehr, sehr viele andere menschen im internet. immerhin werden die angebote von green motion ausgeblendet, wenn man nach vermieterbewertung „hervorragend“ oder „sehr gut“ filtert. unter der bewertung „gut“, taucht greenmotion dann aber doch wieder auf.

für rentalcars.com ist also „gut“ auch das „beste“.

wählt man ein angebot von greenmotion bei rentalcars.com aus, findet man keine hinweise auf die fragwürdigen AGB-bestimmungen von green motion. green motion nimmt sich beispielsweise das recht für die verarbeitung von strafzetteln um die 100 euro als bearbeitungsgebühr zu nehmen und bei fahrten auf die schottischen inseln per fähre eine sondergebühr von einmalig 120 britischen pfund und zusätzlich 20 pfund pro miettag, was bei unserer zweiwöchigen miete den mietpreis von knapp 200 euro auf 600 euro erhöhte.

diesen hinweis in den unverständlich und englisch formulierten AGB von greenmotion zu finden, überlässt rentalcars.com, wie billiger-mietwagen.de der umsicht des kunden (wobei der hinweis auf die bearbeitungsgebühren online gar nicht zu finden ist).

hinweise, auszüge oder gar übersetzungen dieser AGB habe ich aber ebenfalls bei diesen anbietern nicht gefunden, wenn sie einem mietwagen bei greenmotion empfehlen:

  • mietwagen24.de
  • verivox.de/mietwagen
  • check24.de/check24.net
  • happycar.de
  • expedia.de

bei den ersten beiden vermittlern wundert es nicht, denn die preisvergleiche sind beide mehr oder weniger von billiger-mietwagen.de, bei mietwagen24.de („ist eine Marke der Mietwagen24 mw GmbH Günstige Autovermietung & billiger Mietwagen“) ohne kundenbewertungen, bei verivox.de/mietwagen ist alles wie bei billiger-mietwagen.de, nur etwas anders präsentiert und eingefärbt.

[korrektur, siehe u.a. hier]

bei verivox.de/mietwagen wundert es nicht, denn bei denen sieht man mehr oder weniger das angebot von billiger-mietwagen.de, nur etwas anders präsentiert und eingefärbt. mietwagen24.de nennt sich „eine Marke der Mietwagen24 mw GmbH Günstige Autovermietung & billiger Mietwagen“, was nichts mit billiger-mietwagen.de zu tun hat, sondern wahrscheinlich nur ein firmenname mit suchmaschinenoptimierungspotenzial ist. kundenbewertungen gibt’s bei mietwagen24.de nicht, die angebote listen aber green-motion-mietwagen als „ausgezeichnete angebote“ ganz oben auf — genauso irreführend wie bei billiger-mietwagen.de.

check24.de weist immerhin darauf hin, dass der vermieter greenmotion mit der note 3,1 (befriedigend) bewertet wird und dass man die eigentlichen mietbedingungen dann erst vor ort erfährt:

Die aktuellen AGB von Green Motion: Erhalten Sie zusammen mit dem Mietvertrag beim Vermieter vor Ort.

bei happycar.de fehlt neben genaueren angaben zu den greenmotion-AGB eine bewertung und auch die ortsangabe des vermieters erschien mir hier missverständlich. man könnte wegen der unübersichtlichen kartendarstellung der suchergebnisse den eindruck haben, die greenmotion-station in glasgow befände sich auf dem flughafengelände.

expedia.de nennt seine greenmotion-angebote „toll“. hinweise auf mögliche schlechte kundenbewertungen von greenmotion gibt’s auch hier nicht, aber dafür viele kleine hinweise, dass man sich unbedingt beeilen möge („Für diesen Ort und Ihren Reisezeitraum rechnen wir mit einer hohen Nachfrage. Warten Sie nicht zu lange mit der Buchung.“, „28 Personen haben in den letzten 24 Stunden bei Expedia einen Mietwagen in GLA gebucht“). unklar ist bei wem genau man den mietwagen bucht. möglicherweise bucht man bei expedia ohne vermittler, bzw. veranstalter und hat am ende nur zwei vertragspartner, statt drei. aus den AGB wurde ich nicht schlau. andererseits fast schon vorbildlich: ein deutlicher hinweis im kleingeschriebenen, der auf mögliche probleme bei fährfahrten hinweist:

Die Erlaubnis für Grenzüberschreitungen mit Ihrem Mietwagen hängen von dem Land und ihrem Autovermieter ab. Sollten Sie während Ihrer Reise mit Ihrem Mietwagen in angrenzende Länder fahren oder auf andere benachbarte Inseln reisen, dann wenden Sie sich gern an unseren Kundenservice. Bitte setzen Sie sich spätestens 14 Tage vor Ihrer Abreise mit uns in Verbindung, denn wir müssen den lokalen Autovermieter kontaktieren. Grundsätzlich ist die Fahrzeugmitnahme auf einer Fähre nicht gestattet.

ein einziger mietwagen-preisvergleicher, idealo.de, hat sich die mühe gemacht seinen kunden die AGB von greenmotion vorab zum lesen anzubieten, wenn auch offensichtlich von google übersetzt:

Green Motion Fahrzeuge können nur auf dem britischen Festland eingesetzt werden. Die Erlaubnis zur Verwendung in Irland * oder Frankreich wird die folgenden Gebühren anziehen
Die Kosten werden als Standardmiete + 125 Zuschlag + 20 pro Teil Kalendertag berechnet.

(das ist wortwörtlich die google-übersetzung, bei der allerdings die pfund-zeichen verlorenen gegangen sind)

auch idealo.de zeigt keine hinweise auf die schlechten bewertungen von greenmotion und das vertragswirrwar scheint hier anders als bei anderen anbietern zu sein. man geht, wenn man sich bei idealo.de einen mietwagen von greenmotion vermitteln lässt, direkt einen vertrag mit CarTrawler aus irland ein, bekommt aber auch versicherungen von „INTER PARTNER ASSISTANCE SA, einem Mitglied der AXA Assistance Group, Avenue Louise 166, 1050 Brüssel, Belgien“ angeboten. in den AGB weist idealo ausdrücklich darauf hin, dass sie ausschliesslich ein preisvergleich seien und man bei ihnen nichts bestellen kann und keine serviceleistungen erwarten darf.

die einzigen anbieter bei denen ich zunächst keine angebote der firmen greenmotion und cardelmar gefunden habe, waren mietwagen-check.de und autoeurope.de.

einen tag später sieht das schon wieder anders aus. das günstigste angebot bei mietwagen-check.de ist eins von greenmotion, vermittelt über cardelmar. auch bei diesem cardelmar-angebot gibt’s keine hinweise auf probleme oder zusatzkosten bei fährfahrten auf die schottischen inseln und keine direkte einsicht in die greenmotion-AGB.

und bei autoeurope.de scheint eines der günstigeren angebote ebenfalls von greenmotion zu sein. das angebot ist ominös mit „lokaler vermieter“ gekennzeichnet. in den mietbedingungen steht dann zwar etwas von „interrent“, aber sowohl der flughafen-shuttle-hinweis, als auch die 90-meilen-pro-tag-begrenzung hört sich sehr nach greenmotion an.

* * *

nachdem wir uns nach unserer erfahrung mit greenmotion in glasgow und der erschreckenden lektüre von kundenbewertungen und -erfahrungen massiv gewundert haben, wie ein seriös erscheinender anbieter oder preisvergleicher wie billiger-mietwagen.de mit solchen schwarzen schafen zusammenarbeitet oder die hemmungslos („guter vermieter“) empfiehlt, zeigt sich bei genauerem hinsehen: das machen so gut wie alle preisvergleicher und autovermietungsvermittler.

alle vermitteln auch an vermieter mit extrem schlechten leumund und schämen sich nicht die wärmstens zu empfehlen. nur ein einziger anbieter (expedia.de) weist überhaupt im kleingeschriebenen deutlich darauf hin, dass es bei einer miete fährfahrten problematisch sein könnten, nur ein anbieter hält die AGB von greenmotion überhaupt selbst vor, ohne zu erwarten, dass der kunde sich die selbst raussucht oder die AGB erst bei der autoübernahme zu gesicht bekommt.

mir ist schon klar, dass die situation in die wir auch selbstverschuldet (weil naiv) in glasgow geraten sind, ein einzelfall ist und die meisten vermittlungen der preisvergleicher auch für den kunden gut und kostengünstig ausgehen. aber nachdem ich mich jetzt nachträglich ein bisschen in diesen einzelfall (greenmotion) eingelesen habe und rumrecherchiert habe, bin ich doch erschüttert wie egal sämtlichen preisvergleichsportalen das kundenwohl ist, wie spärlich und subtil warnungen, wenn überhaupt, angebracht werden und wie unvollständig die informationen sind, die die preisvergleicher ihren kunden zur verfügung stellen.

die konsequenz die ich aus diesen erfahrungen und vergleichen ziehe ist, dass ich provisionsbasierten preisvergelichern und vermittlern jetzt noch weniger traue und sie alle künftig konsequent als unseriös wahrnehme. einen kleinen bonuspunkt hat expedia.de gewonnen, einerseits durch einen zwar versteckten, aber doch recht deutlichen hinweis in den mietbedingungen, andererseits durch eine erfahrung vor ein paar jahren, als sich bei einem buchungsproblem ein wirklich guter kundenzufriedenheitsmanager von expedia eingeschaltet hat, um eine verfahrene situation zu unserer zufriedenheit zu lösen. autoeurope.de gebe ich den benefit of the doubt, einerseits weil ich mindestens einmal eine relativ positive erfahrung mit einer buchung dort hatte und weil ich eine persönliche empfehlung für den laden bekommen habe.

ansonsten, tl;dr: vorsicht beim buchen von mietwagen und ganz besondere vorsicht bei der nutzung von vergleichsportalen. vergleichsportale charakterisiert man wohl am besten mit dem hinweis darauf, dass sie nicht den verbraucher als kunden sehen, sondern die vermittler und vermieter, von deren provisionen sie sich finanzieren.

LED uhr mit homie und mqtt

felix schwenzel, , in artikel    

vor kurzem habe ich mir bei amazon diesen LED-bildschirm für 12 euro gekauft um mal zu schauen, was man damit machen kann.

nach einem abend googeln und frickeln, zeigte sich: ich kann damit die uhrzeit anzeigen und nachrichten dadrauf schicken.

* * *

ich wollte den bildschirm unbedingt per mqtt ansteuern. mqtt deshalb, weil ich den bildschirm damit einfach, manuell oder automatisch vom homeassistant aus beschicken könnte. viele beispielsketche die den anschluss des displays an einen arduino-kompatiblen controller demonstrieren sollen, machen das per http-server-interface oder eine eingabemaske die auf dem arduino oder nodemcu laufen. einen funktionierenden sketch der per mqtt steuerbar ist, habe ich dann hier gefunden.

den zum laufen zu bringen war aus mehreren gründen nicht ganz einfach. einerseits hat der sketch sehr viele abhängigkeiten, also bibliotheken die er benutzt. einerseits eine bibliothek um den display anzusteuern, eine um die animationen zu steuern und schliesslich eine software die sich im die mqtt-kommunikation kümmert. in diesem fall hat sich der autor für homie entschieden, eine software um die ich bisher einen bogen gemacht habe, weil die lernkurve mir ein bisschen zu hoch war.

grundsätzlich sind bibliotheken wie homie eine super sache. statt in einen arduino-sketch die mqtt-kommunikation und den hardwaresetup selbst umzusetzen, kümmern sich solche bibliotheken um alle grundeinstellungen und die grundkonfiguration. bisher habe ich als grundlage immer gerne esp easy benutzt. das ist wirklich idiotensicher und steuert mittlerweile 80% meiner elektronischen heinzelmännchen in der wohnung (für alle selbstgebauten sensoren und aktoren).

aber weil ich nur diesen einen sketch gefunden hatte, musste ich mich dann wohl mit homie auseinandersetzen. nachdem alle abhängigkeiten installiert waren (manche wollte der arduino-IDE-manager nicht installieren und ich musste sie direkt aus github holen), flutschte der sketch auf den esp8266. nach einem neustart wie üblich mit dem hotspot des esp8266 verbinden und oh schreck, anders als esp easy hat homie gar kein idiotensicheres webfrontend zur konfiguration. homie möchte eine json-konfigurationsdatei per curl gefüttert bekommen. das ist zwar hier erklärt, aber, naja, eben nicht trivial.

mit

curl -X PUT http://192.168.123.1/config --header "Content-Type: application/json" -d @config.json

hab ich die datei dann auf den esp bekommen.

das nächste problem war dann: der display zeigte lediglich hieroglyphen an. ich musste einige zeit googlen, bis ich herausfand, dass ich in der eingebundenen MD_MAX72XX-bibliothek, in der datei MD_MAX72xx.h mein display-modul konfigurieren musste. das teil das ich gekauft habe ist ein FC16-modul, also musste ich

#define	USE_FC16_HW	1

definieren. damit konnte das modul dann ordentlich angesteuert werden.

* * *

was mir an dem vorlage-sketch fehlte war aber noch folgendes: ich wollte nicht nur lauftext anzeigen können, sondern auch feststehende buchstaben, auch wenn nicht viel mehr als 5 buchstaben auf das display passen. ausserdem wollte ich das display auch ausschalten können und auf anregung von thomas prauss auch die helligkeit regeln. den sketch der bei meinen bemühungen rausgekommen ist, habe ich als gist hier hingestellt.

das display lässt sich dann über den mqtt-publish-service in home-assistant mit nachrichten beschicken, aus automationen heraus oder, zum beispiel, mit einem telegram-bot. ausserdem lässt es sich als mqtt-switch oder mqtt-light einbinden, die home-assistant-konfiguration steht auch im gist.

mqtt-nachrichten an das topic devices/led-matrix/text/on/set zeigen den payload als laufschrift an, nachrichten an devices/led-matrix/print/on/set, zeigen den text für ein paar sekunden zentriert auf dem display an.

* * *

was der sketch in der jetztigen form nicht kann: umlaute oder sonderzeichen oder gar emojis darstellen. wie das geht, ist irgendwo in der MD-parola-dokumentation oder den beispielen dort zu finden, aber das ist eine aufgabe für einen anderen tag.

* * *

LED uhr mit homie und mqtt

montiert habe ich das ganze hinter ein (frühes) bild vom kind. die LED scheinen auch durch die leinwand mit dunkler farbe durch — wenn sie voll aufgedreht sind.

friedhof schöneberg

felix schwenzel, , in artikel    

am sonntag wieder mal spazieren gegangen. mit der u9 bis fast zur endstation und dann wieder nach hause gelaufen. ich bin kurz auf den friedhof schöneberg gelaufen, weil ich friedhöfe gerne angucke. ich weiss nicht ob mir das peinlich sein soll oder nicht, aber mir sind lange nicht so viele witze eingefallen wie hier. ich mein, dieser grabstein erfordert doch zwingend einen kleinen kerning witz, vor allem wegen des namens lück.

kerning-lücke

man denkt ja immer, im tod sind alle menschen gleich. das darf man aber angesichts solcher protzbauten mit plexiglasdach auf einem friedhof anzeifeln.

im tod sind alle menschen gleich

die sozialen unterschiede die auch auf einem freidhof sichtbar werden, sind natürlich nicht das ende der welt. aber die ruhestätte ende hebt den friedhof an dieser stelle doch auf eine recht hohe metaebene.

viele metaebenen auf dem friedhof

ironie funktioniert geschrieben nicht und witze über namen soll man auch nicht machen. ich glaube das lernt man auf der journalistenschule. da war ich nie, deshalb mach ich auch mal ausnahmen von den goldenen regeln. aber fragen stelle ich auch gerne. zum beispiel: was ist ein rentier?

was ist ein rentier?

oder wie bekommt man solche buchstaben auf stein gemeisselt? mit lasern?

wie bekommt man solche buchstaben auf stein gemeisselt?

oder: ist US ARMY / VIETNAM eine berufsbezeichnung?

ist US ARMY / VIETNAM eine berufsbezeichnung?

ich hoffe das wirkt jetzt nicht pietatslos, aber ist man, wenn man gestorben ist, nicht ohnehin ein fest für würmer und insekten? warum dann noch einen draufsetzen, indem man ein insektenhotel auf seinen grabstein setzt?

ist man, wenn man gestorben ist, nicht ohnehin ein fest für würmer und insekten?

bei diesem arrangement tendiert mein architektenherz zu leichter euphorie, leider wurde die kubistische stringenz durch eine rechteckige, statt quadratische, einfassung zerstört. trotzdem toll, auf eine art.

kubistische stringenz?

letzte frage: warum ist die urne von gisela so viel grösser und prominenter als die ihres mannes?

warum ist die urne von gisela so viel grösser?

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später habe ich noch gelernt, warum mir auf nem friedhof witze einfallen:

was wir in uns tragen, erschafft die umstände ausserhalb von uns.
sri aurobindo

was wir in uns tragen, erschafft die umstände ausserhalb von uns.

[werbung] ghostwriting auf ACAD WRITE

felix schwenzel, , in artikel    

wer beauftragt eigentlich ghostwriter? das ist so eine frage, die man sich mal stellen kann (oder auch nicht, fällt ungefähr in die kategorie „ist eine avocado eine frucht oder ein obst?“ oder „warum kriege ich eine gänsehaut, wenn ich niesen muss?“), also stellte ich sie mir und suchte nach antworten.

eines der ersten suchergebnisse bei google ist die agentur ACAD WRITE. der internetauftritt wirkt seriös, kann man mit arbeiten, die informationen sind übersichtlich dargestellt und der potenzielle interessent sieht sofort, wo er anrufen muss, um sich beraten zu lassen. lustig fand ich, dass die seite eine möbius-schleife ist – ich hörte nach einer stunde auf, aber während dieser stunde fand ich pro minute zwei neue unterseiten. spannend auch: ACAD WRITE stellt seine qualitätsmanager vor, sodass erkennbar ist, wer sich hinter den fachbereichen verbirgt. inwieweit das tatsachen entspricht, ließ sich für mich nicht nachvollziehen, aber alle samt ließen sich wiederum googeln und schienen, grob geprüft, reale personen zu sein.

aber wie läuft das ganze ab? am einfachsten scheint es zu sein, das anfrageformular auszufüllen. daran führt auch kein weg vorbei, so schlicht die seite ist, so sehr schreit sie an allen ecken und enden „komm jetzt, geh zum formular, füll’s endlich aus!“. im formular werden die wichtigsten fragen gestellt: um welche art von arbeit handelt es sich (haus-, bachelor-, masterarbeit, ganz was anderes?), wie viele seiten sollen es sein, wird es eine literaturarbeit oder werden daten erhoben und wann ist der abgabetermin? danach noch die eigentlichen infos zur arbeit: wie lautet das thema, welche schwerpunkte sollen behandelt werden und gibt es sonst noch etwas, was der geisterschreiber wissen muss?

etwa anderthalb stunden nach ausfüllen des formulars klingelt auch schon das telefon: ein mitarbeiter von ACAD WRITE ruft an und – siehe da – hinter der agentur sitzen tatsächlich echte menschen – sachsen wie es scheint –, die sich mit dem angefragten projekt auseinandersetzen, fragen stellen und herausfinden wollen, wie sie am besten unterstützen (geld verdienen) können. der ablauf wird auch erklärt: nach der auftragsbestätigung wird eine anzahlung geleistet, danach findet die telefonkonferenz mit dem autor statt und schon geht es los. der text wird, je nach umfang, in mehrere teillieferungen gesplittet, nach denen die möglichkeit besteht, änderungswünsche zu äußern. erst wenn die erste teillieferung zufriedenstellt, wird die nächste zahlung fällig.

ich frage mich, ob eine ghostwriting-agentur auch blogtexte verfassen würde …?

[hintergrund zu diesem artikel]

blogfoster, werbung und ghostwriting

felix schwenzel, , in artikel    

ursprünglich habe ich mich vor etwas über andertalb jahren bei blogfoster aus niederen motiven registriert. blogfoster vermittelt bezahlte artikel an blogger, die diese dann selbst schreiben und in den fluss ihres blogs einspeisen. auf denglisch werden diese artikel gerne sponsored posts genannt und oft auch so gekennzeichnet, als sponsoring, statt klar und deutlich als anzeige oder werbung. mein niederes motiv war ursprünglich zu gucken, welche kampagnen laufen und dann im netz zu gucken, wer gerade über ein produkt oder eine dienstleistung schreibt, die gerade bei blogfoster läuft und vergisst den artikel als bezahlt zu kennzeichnen.

anderen bloggern auf die finger zu schauen hat mich dann aber bereits nach 20 minuten gelangweilt und sich als müssig herausgestellt. das googeln nach blogfoster-kampagnen spülte irre viel öden, uninspirierten blog-müll vor meine augen, dass ich es nicht lange ertrug. insbesondere die jovialen, direkten leseransprachen vieler sponsored-post-blogger („hey leute, wisst ihr was ich gerade mache?“) zeigten mir: in müll zu wühlen ist nichts was ich länger als 20 minuten machen will.

ich war aber auch schnell abgelenkt, weil ich bei blogfoster immer wieder kampagnen entdeckte, die mich tatsächlich interessierten. daraus wurden dann bezahlte werbeartikel wie dieser oder dieser. manche kunden lehnten meine bewerbungen ab und zwischendurch vermittelte ich mir immer wieder selbst bezahlte werbeartikel wie diesen oder diesen oder diesen.

bei der zusammenarbeit mit blogfoster wurde auch schnell klar, dass blogfoster selbst zumindest grossen wert auf ordentliche kennzeichnung der bezahlten werbeartikel legt. teilnehmern wird deutlich gesagt:

Schreibe „Anzeige“ noch vor dem Titel Deines Artikels

ausserdem wurde mir klar, dass ich werbung zwar doof finde, insbesondere bezahlte werbeartikel in blogs, ich aber bei bestimmten produkten immer wieder das gefühl hatte eine geschichte erzählen zu können, die den einen oder anderen interessieren könnte. genauso oft war ich neugierig was das produkt oder die dienstleistung taugte und nahm mir vor eine empfehlung nur dann auszusprechen, wenn es mir auch wirklich gefiel. das hatte dann mindestens einmal zur folge, dass hier im blog ein bezahlter verriss erschien.

* * *

im februar fand ich bei blogfoster diese kampagne zur bewerbung:

ACAD write kampage bei blogfoster

der pitch-text dazu lautete:

Auftrag
██████ ██ ██████ ███████ ███ █████████████ ████████████████ ███ ███████ ███. ████ ████ █████ ██████ ███████ ████ ████████████████ ██ ███ ███ ████████████. ██████ ███████████████ ████ ██████████████: ████████, █████ ███ ██████████████████, ████████, █████████████ ███ ████████████████, ████████ ████ ███ █████████ ███ ████ ██████ ████!

█████ ███ ██████ ███████ ████ ██████████████ ███, ███ ██ ██████ ████ █████. █████ ██ ██████ ███████ ████ ██████ ████████████ █████ ███ █████ ███████/███ ███. ███ ████ ██████████████ ████ █████ ███████████ ███ ████████████ ████████ ███ ███ █████ ███████████ ████████ ████. ██████████ █████████ ███ ████ █████ ███ ███████ █████████ ██████ ██████.

██████ ██████ ██████ ████ ████ █████ ███████ ██ ██████ █████████ █████.


der pitch [entfernt auf bitten von blogfoster, siehe unten] zeigt potenziell die grundsätzliche blödsinnigkeit der idee von bezahlten werbeartikeln. wenn man die augen zusammenkneift lautet der auftrag hier: ziehe dir irgendwas zum thema ghostwriting aus der nase, schreibe es auf, nenne einen firmennamen, stelle deinen lesern eine frage und kassiere ███ euro. (███ euro habe ich von blogfoster angeboten bekommen, blogger mit mehr besuchern bekommen wahrscheinlich mehr.)

die irrsinnige quatschigkeit, die implizite widersprüchlichkeit und der konjunktiv dieses schreibauftrags inspirierte mich aber auch auf gewisse weise. denn so einen text, wie gefordert, zu schreiben („persönlicher Bezug zum Thema Bildung“!) würde bei mir sofort zu massiven schreibblockaden führen und wenn ACAD WRITE dabei angeblich helfen kann, warum nicht die ghostwriter beauftragen den werbeartikel über sich selbst zu schreiben?

also habe ich mir bei ACAD WRITE ein unverbindliches angebot eingeholt, mit der bitte den preis unter ███ euro anzusetzen und mit einem leicht angepassten auftragstext, den ich von blogfoster kopiert habe.

Stelle in Deinem Beitrag die verschiedenen Dienstleistungen der Agentur Acad Write vor. Acad Write bietet weitaus mehr Dienstleistungen an als nur Ghostwriting. Solche Dienstleitungen sind beispielsweise: Coaching, Hilfe bei Forschungsanträgen, Lektorat, Unterstützung bei Schreibblockaden, Zitieren oder bei Referaten und noch vieles mehr!
Für diesen Beitrag soll es um die rekursive Kreativleistung der Agentur gehen, für sich selbst als Dienstleistung zu werben. Da in diesem Beitrag auch ein persönlichen Bezug zum Blog wirres.net hergestellt werden soll, wäre es gut im Text nicht allzu viele Adjektive zu benutzen und auf Grossbuchstaben zu verzichten. Wichtig ist, dass der Beitrag im Tonfall leicht rotzig und kritisch ist, und trotzdem Euphorie und eine positive Grundhaltung ausstrahlt. Wichtig ist, dass in dem Text klar wird, das Acad Write auch super für sich selbst Ghostwriten kann, also auch vor schwierigen Aufgaben nicht kapituliert.
Im Text sollen die Leser zu Feedback angeregt werden: wie gut hat die Agentur Acad Write ihre Aufgabe gelöst, passt der Text zum Blog, etc.

Ganz wichtig ist neben der Herausstellung der Qualitäten der Agentur Acad Write, der Tonfall des Textes. Er sollte sich harmonisch ins Blog einfügen, auch das Wort ich darf mal vorkommen, subjektive Einfärbung ist OK. Tabu ist überschwängliches Lob, Eigenlob muss elegant in Selbstkritik verpackt werden.

Meine Preisvorstellung geht so ungefähr in die Richtung von unter ███ Euro.

keine zwei stunden später klingelte mein telefon. ob ich das wirklich gewesen sei und ob ich das ernst meinen würde. natürlich meine ich das ernst, wobei von meiner seite aus natürlich der angebotspreis entscheidend sei. verlust wollte ich mit der aktion nicht unbedingt machen, auch wenn finanzieller verlust bei bezahlter werbung ein ganz besonderer gag wäre. zwischen den zeilen hörte ich noch ein bisschen skepsis heraus, ich wurde noch gefragt ob der artikel dann auch eine offene kommentarfunktion hätte und ob die agentur sich auch selbst in den kommentaren melden könne und eventuell stellung beziehen könne. klar sagte ich und auch wenn allgemein nicht so viel bei mir rumkommentiert würde, würde ich durchaus meine kommentarstränge moderieren und wenns sein muss auch eingreifen. die dame am telefon wollte das dann nochmal mit ihren kollegen und ihrem chef durchsprechen, der wohl nicht so irre online-affin sei, sich aber am nächsten tag nochmal bei mir melden werde.

tatsächlich rief mich der chef der agentur dann am nächsten tag an und ich konnte erneut deutliche skepsis gegenüber diesem online-gedöns spüren. im grunde hätte die agentur gar nicht so grosses interesse an öffentlichkeit. warum man denn dann bei blogfoster die kampagne angeschoben habe, fragte ich. ach ja, diese social-media sachen mache ein jüngerer kollege, der sei da ziemlich aktiv. wir plauderten noch ein bisschen und am ende versprach er mir, dass er sich später nochmal melden würde. sie müssten das nochmal intern besprechen.

tatsächlich schien man sich dann aber bei ACAD WRITE ziemlich schnell einen grossen, mutigen ruck gegeben zu haben und kurz danach hatte ich ein angebot über ███ euro in meiner mailbox (30 euro weniger als blogfoster mir zahlen würde), kurz danach eine auftragsbestätigung und dann eine vorrauskasse-rechnung über ███ euro.

ein paar tage später, alles über das online portal der agentur organisiert, hatte ich ein telefonat mit meiner designierten autorin, mitsamt einem moderator in der konferenzschaltung und eine woche später, lag mir ein erster textentwurf vor. an dem entwurf hatte ich nur den schlusssatz zu bemängeln (jovialität, eine denglische passage) und damit war die sache dann erledigt. hier ist der bezahlte, ghostgewrittene werbeartikel, an dem ich jetzt 30 euro, abzüglich steuern verdient habe:

[werbung] ghostwriting auf ACAD WRITE

* * *

[nachtrag 24.07.2017]
blogfoster hat sich bei mir gemeldet und mich gebeten „geschützten Informationen“ aus meinem artikel „zu entfernen“. deshalb sind jetzt der preis, den blogfoster mir geboten hat, sowie der wortlaut des briefings im artikel unleserlich.
ich habe blogfoster gebeten mich aus ihrer bloggerdatenbank zu entfernen.

wie billiger-mietwagen.de kunden an schwarze schafe vermittelt

felix schwenzel, , in artikel    

billiger-mietwagen.de funktioniert: man findet dort günstige mietwagen und kann sie dort auch gleich mieten. schliesst man bei billiger-mietwagen.de einen vertrag ab, geht man meist mindestens drei verträge ein: mit dem vermittler billiger-mietwagen.de, mit einem „veranstalter“ und mit einer mietwagenfirma. für kunden ist diese konstruktion so lange unproblematisch, wie alles gutgeht. tauchen hingegen probleme auf, lässt sich diese konstruktion prima von den verschiedenen vertragspartnern nutzen, um verantwortung hin und her zu schieben.

seit meiner letzten buchung bei billiger-mietwagen.de weiss ich, warum billiger-mietwagen.de nicht unproblematische-mietwagen.de oder serioese-mietwagen.de heisst: man vermittelt dort eben günstig erscheinende mietwagen, versteckte zusatzkosten oder unseriöses geschäftsgebaren der vermittelten vertragspartner sind in der verantwortung des kunden.

im marketing und vor vertragsabschluss gibt sich billiger-mietwagen.de als vertrauensvoller und beratender partner des kunden aus („Alle Kosten transparent aufgeschlüsselt“, „16-facher Testsieger“, „… mobil buchen und beraten lassen“), bei problemen zieht sich billiger mietwagen dann etwas verkniffen auf den weniger kundenfeundlichen standpunkt zurück: „steht doch so in den AGB!“ oder „wir vermitteln nur, klären sie das bitte selbst!“

(für diesen artikel wollte die pressestelle von billiger-mietwagen.de meiner bitte um stellungnahme nicht nachkommen)

* * *

für unseren schottlandurlaub hat uns billiger-mietwagen.de über den „veranstalter“ cardelmar an eine sehr günstig erscheinende mietwagenfirma in glasgow vermittelt: green motion.

wäre ich weniger gutgläubig, hätte ich mich nicht auf billiger-mietwagen.de verlassen und gründlicher über diesen anbieter informiert, hätte ich ganz sicher nicht bei green motion gebucht. auffallend viele rezensionen auf google-maps warnen ausdrücklich davor, dort zu mieten, laut diesem guardian-artikel, der ebenfalls von zweifelhaftem geschäftsgebaren von green motion berichtet, ist der vermieter der am schlechtesten bewertete autovermieter auf trustpilot.com. selbst die neuesten reviews auf green motions facebookseite sind katastrophal und lassen sich wohl ganz passend mit dem zitat eines ehemaligen kunden zusammenfassen: „Avoid this company at all costs“. bei billiger-mietwagen.de sind die bewertungen auch nicht die besten, aber die wertung von 3,7 (von 5,0) hat bei mir beim bestellprozess leider keine alarmglocken schrillen lassen.

vertragsituation mit billiger-mietwagen.de

aber selbst wenn ich mir die mühe gemacht hätte die rezensionen auf billiger-mietwagen.de zu lesen, sie sind weitaus weniger drastisch als die auf anderen bewerungsportalen und ausserdem schwer zu lesen. billiger-mietwagen.de stellt umlaute in rezensionen kaputt dar und entstellt die bewertungen in der übersicht aus unerfindlichen gründen algoritmisch. so sieht derzeit die zweitaktuellste zwei-sterne-rezension von green motion auf billiger-mietwagen.de aus:

Der Vermieter hat die Vermietung auch nur [Vermieter vor Ort]¼ber einen Dritten weitervermittelt bekommen und kann daher nichts [Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort] seine Fehler. ...

* * *

als wir in glasgow am flughafen ankamen, wussten wir noch nichts vom zweifelhaften ruf von green motion. aber es ging schon nicht besonders flüssig los. wir mussten dreimal eine telefonnummer anrufen, die auf dem voucher von billiger-mietwagen.de stand, bis uns ein lieferwagen abholte, der uns in ein gewerbegebiet nahe dem flughafen fuhr, wo sich die autovermietung befindet.

green motion in glasgow

die angestellte, die uns im büro bediente, war freundlich und lachte herzlich und freundlich über mein führerscheinbild. im plauderton, fragte sie uns dann wo es denn hinginge. unter anderem nach islay, skye und lewis, erwiderte die beifahrerin. daraufhin eröffnete uns die angestellte:

fahrten auf die schottischen inseln würden leider eine zusätzliche gebühr und versicherung erfordern. das würde auch so in ihren AGB stehen. sie tippte auf ihren taschenrechner rum und zeigte uns die erforderliche summe: 345 britische pfund, etwas über 400 euro. für den mietwagen für zwei wochen hatten wir knapp 190 euro bezahlt. 200 prozent preisaufschlag!

als wir völlig fassungslos reagierten schlug uns die angestellte vor, dass wir den wagen auch ohne die versicherung haben könnten, nur dürften dann aber eben nicht auf die inseln. das ging natürlich nicht, weil wir dort bereits zimmer gebucht und teilweise bezahlt hatten.

ich rief die hotline von billiger-mietwagen.de an, beschrieb die lage und fragte ob wir den mietwagen stornieren könnten.

nee, das sei leider zu spät, das ginge nur bis 24 stunden vor mietbeginn. laut hotline sei bekannt, dass autovermieter es nicht gerne sehen würden, wenn man mietwagen auf fähren fahre. für eine neue buchung sei es jetzt auch arg knapp, ein wagen bei einem anderen vermieter würde jetzt wohl bei mindestens 400 euro liegen. ich rechnete und kam für beide varianten auf einen ähnlich unangenehmen preis von um die 600 euro.

ich entschied mich für das grössere übel, für green motion und gegen die ungewissheit, jetzt noch einen einigermassen günstigen mietwagen anderswo zu finden.

wir zahlten zähneknirschend die 345 pfund. die beifahrerin platze beinahe vor wut.

bei der autoübergabe zückte die angestellte ein ein leeres schadensprotokoll und erklärte uns, dass sie darauf jetzt vorhandene lackschäden notieren würde. die beifahrerin und die angestellte liefen um das auto herum und suchten nach lackschäden am auto, die angestellte machte kleine striche im protokoll. ich versuchte die schäden zu fotografieren, aber auf den bildern sahen wir später, erkennt man wegen der ungünstigen lichtverhältnisse so gut wie gar nichts.

im nachhinein wunderte ich mich, dass das protokoll zum anfang leer war. von anderen autovermietern kenne ich es eher, dass bekannte vorschäden bereits verzeichnet sind und man lediglich aufgefordert wird zu prüfen, ob weitere, noch nicht verzeichnete schäden vorhanden sind.

die angestellte gab sich grosse mühe die übergabe möglichst korrekt und gründlich durchzuführen. offenbar plagte sie, wegen der wut der beifahrerin über die versteckten und missverständlich formulierten mietbedingungen, ein schlechtes gewissen. die angestellte liess sich sogar dazu hinreissen uns zu sagen, dass diese bedingungen regelmässig kunden überraschen und frustrieren — und dass sie und ihre kollegen schon mehrfach versucht hätten auf das „management“ einzuwirken diese praxis zu verbessern. ausserdem wies sie mich deutlich auf eine weitere versteckte wucher-bedingung hin, nämlich dass wir im falle eines parktickts oder strafzettels 84 britische pfund (knapp 100 euro!) bearbeitungsgebühr zahlen müssten — für jedes knöllchen.

bevor wir abfuhren entschuldigte sich die angestellte, dass sie uns jetzt den urlaub versaut hätte: „sorry for ruining your holdiday!“. ich machte, wie immer in solchen situationen, einen scherz, die beifahrerin stimmte ihr bloss zu: „you are right, you ruinied our holiday!“

* * *

in den nächsten tagen zeigte sich, dass die beifahrerin und ich verschiedene problembewätigungsstartegien haben. ich nahm mir vor den ganzen scheiss bis zum ende des urlaubs zu verdrängen und nicht weiter drüber nachzudenken und zu reden. die beifahrerin fing noch im auto an die firma green motion zu googeln und förderte furchteinflössende erfahrungsberichte von green-motion-kunden zu tage, die sie alle mit mir durchsprechen wollte.

wir lasen, dass viele kunden, die lediglich versicherungen mit selbstbeteiligung abgeschlossen, hatten bei der mietwagen-abgabe hunderte pfund für angeblich neu hinzugekommene lack-, reifen- oder glasschäden zahlen mussten, wie leichte verschmutzungen bei der abgabe zu starken, zusatzgebührenpflichtigen verschmutzungen erklärt wurden. das internet war voll mit horrorgeschichten über green motion.

ich beklagte mich auf twitter über den versteckten aufpreis und fragte mich vor allem, wie unternehmen wie billiger-mietwagen.de oder cardelmar mit gutem gewissen solchen unseriösen partnern zusammenarbeiten können.

die beste antwort auf diese frage fand die beifahrerin im einem tagesspiegel-artikel, in dem es zwar um ein anders schwarzes mietwagen-schaf geht, aber das prinzip düfte überall das gleiche sein:

Der Sprecher eines anderen Mietwagen-Portals möchte nicht zitiert werden, spricht aber dafür Klartext: „Goldcar gaukelt niedrige Preise vor, und zieht den Kunden dann zusätzlich Geld aus der Tasche.“ Eine Masche. Goldcar bleibe vor allem deshalb im Angebot, weil die Portalbetreiber Wettbewerbsnachteile fürchteten. Die Spanier bringen mit ihren niedrigpreisigen Lockangeboten eben besonders viele Besucher auf die Internetseiten.

günstige, billige lockpreise, gut versteckte AGB und sonderbedingungen mit zusatzgebühren weit über dem branchendurchschnitt machen zunächst alle glücklich:

  • kunden, die vermeintlich ein schnäppchen geschossen haben
  • vergleichsportalanbieter und vertragsvermittler, die ihre wettbewerbsposition stärken, indem sie ihre vertrags- und kundenzahlen erhöhen und vermutlich auch gute provisionen kassieren
  • und natürlich die mietwagenanbieter, die mit den niedrigen preisen kunden anlocken, die sie dann so lange mit zusatzgebühren melken können, bis der preis dann wieder stimmt

ein perfides spiel, dass die vermittler und veranstalter offenbar willig mitspielen und sich dann, wenn sie darauf angesprochen werden doof und unzuständig geben:

unleserliche review-formatierung bei billiger-mietwagen.de

immerhin konnten wir die vermittlung eines weiteren kunden an green motion mit unseren tweets verhindern:

* * *

nach drei oder vier tagen hatte sich die wut der beifahrein wieder gelegt und wir konnten den urlaub in schottland doch noch geniessen. was aber bis zuletzt nicht verflog war die angst vor der rückgabe. die beifahrein schreckte ungewöhnlich oft hoch, wenn ich etwas zu nahe am strassenrand fuhr, sich schlaglöcher näherten oder wir auf den teilweise sehr, sehr schmalen schottischen strassen von lackkratzenden wegpflanzen bedroht wurden.

zwei tage vor der abgabe des autos beendete ich meine green-motion-verdrängung und fing selber an rezensionen und erfahrungsberichte zu lesen, um für die abgabe gewappnet zu sein. was ich las belastete mich leider mehr, als ich erwartet hatte. wie konnte ich so blöd gewesen sein, mich nicht besser über den anbieter zu informieren? wie konnte ich so blöd sein, einem laden wie billiger-mietwagen.de vertrauen zu schenken? was wird uns das kosten, wenn die uns bei der abgabe glas- oder reifenschäden andrehen? die selbstbeteilung bei lackschäden, so hatte ich mittlerweile nachgesehen, wurden von einer zusatzversicherung, die wir über billiger-mietwagen.de bei cardelmar abgeschlossen hatten, getragen. bei glas- und reifenschäden wären wir aber weiterhin mit mindestens 900 euro selbstbeteiligt. ich hatte in den letzten nächten abgabe-albträume und tagsüber schlechte laune.

erstaunlicherweise war die abgabe dann unproblematisch, auch wenn die lackprüfung, wie erwartet, nicht in der schumrigen fabrikhalle stattfand, sondern unter freiem himmel, bei sonnenlicht. der angestellte, der den wagen abnahm, monierte keine schäden. auch keine glas- oder reifenschäden. das von ihm unterschriebene übergabeprotokoll rückte er jedoch erst auf explizite nachfrage in kopie heraus. auf meine frage ob das jetzt alles sei oder ob wir noch mehr „paperwork“ bekämen, sagte er „everthing is OK.“

ich mag ihm das bis heute noch nicht so recht glauben.

* * *

billiger-mietwagen.de zeigte sich in der ganzen angelegenheit wenig hilfreich, auch wenn sie einen gegenteiligen eindruck zu erwecken versuchten:

auf meine nachfrage, zehn tage später, was denn jetzt aus der „eskalation“ geworden sei, antwortete billiger-mietwagen.de:

das mit den AGB ist ja so ne sache. natürlich lesen die wenigsten die AGB, das sagt die erfahrung und experimente. aber billiger-mietwagen.de hat nichts getan, um uns die AGB von green motion, auf die sie sich im tweet oben beziehen, zugänglich zu machen. ich habe von billiger-mietwagen.de zwar ihre eigenen AGB, die AGB von cardelmar und ein paar sogenannte „lokale mietbedingungen“ angezeigt und gemailt bekommen, aber in diesen waren, ausser ein paar ausgewählten und übersetzten passagen, keine AGB von green motion.

um vorab oder nach der buchung von der übersee-zusatzgebühr zu erfahren, hätte ich auf die AGB-seite von green motion gehen müssen und dort eine nebulöse formulierung über das verlassen des „mainland UK“ verstehen müssen.

Overseas Use
Green Motion vehicles can only be used on the UK mainland. Permission for use in Ireland* or France will attract the following charges

The cost will be calculated as the Standard rental + £125 surcharge + £20 per part calendar day.

die AGB-sache ist komplex und meiner vorläufigen meinung nach juristisch fragwürdig, hier habe ich einen separaten artikel dazu geschrieben.

wichtig ist: weder billiger-mietwagen.de, noch cardelmar, noch green motion geben sich mühe auf diese kostenfalle hinzuweisen. auf nachfrage, bei der hotline, per twitter verweist billiger-mietwagen.de immer wieder auf die AGB von green motion. eine verantwortung als preisvergleichssuchmaschine und vertragspartner im komplizierten mietprozess auf versteckte zusatzkosten hinzuweisen lehnt billiger-mietwagen.de ab und zeigt mit dem finger auf richtung veranstalter, also in diesem fall cardelmar.

so lange billiger-mietwagen.de und cardelmar mit anbietern wie green motion zusammenarbeiten oder nicht wenigstens deutlich und vorab auf die exzessiven zusatzgebühren von anbietern wie green motion hinweisen, mache ich einen grossen bogen um diese unternehmen und kann auch niemandem empfehlen, dort zu buchen.

vor allem mag ich nicht glauben, dass billiger-mietwagen.de und cardelmar von dem unseriösen und zweifelhaften geschäftgebaren von green motion nichts wissen. das netz ist seit mehreren jahren gefüllt mit erschütternden erlebnisberichten über green motion. ich kann aus der ignoranz gegenüber diesen erlebnisberichten nur (spekulierend) schliessen, dass sowohl billiger-mietwagen.de, als auch cardelmar ihre kunden lieber über vorgeblich billige mietwagen täuschen, als auf niedrige lockangebote zu verzichten.

ausserdem stellt sich hier eine existenzielle frage, auf die ich von billiger-mietwagen.de wohl nie eine antwort bekommen werde.

* * *

apropos schwarzes schaf. die kontakt-adresse die green motion angibt, befindet sich in der sheep lane in bedfordshire.

* * *

[nachtrag 30.07.2017]
auch weil billiger-mietwagen.de sich seit der veröffentlichung dieses artikels nicht mehr geäussert hat, aber vor allem auch, weil ich keine möglichkeit gefunden habe green motion bei billiger-mietwagen.de zu bewerten (trotz nachfrage), habe ich billiger-mietwagen.de schlecht, aber wie ich finde sachlich auf trustpilot bewertet (kopie der bewertung auf wirres.net, mit links und formatierungen).