immer wieder die gleichen fehler

felix schwenzel, in wirres.net    

vor ein paar jahren haben irgendwelche scherzkekse bemerkt, dass man der domain schlecker.de die subdomain ar. vorstellen kann und so einen wunderbaren fäkalwitz produzieren kann: http://ar.schlecker.de

nachdem der witz 2004 ein paar monate durchs internet getrieben wurde, schaltete schlecker alle subdomains der domains schlecker.de und schlecker.com im nameserver ab. kein ar.schlecker.de mehr.

heute las ich erstmals, dass schlecker ein blog hat. unter dieser url:

http://ar.schlecker-blog.com/2011/10/was-sagt-das-bildungsniveau-eines-menschen-uber-diesen-menschen-aus-ganz-einfach-sein-bildungsniveau/

gnihihi.

* * *

[nachtrag 02.11.2011]
die domain ar.schlecker-blog.com hat schlecker jetzt nach nur einer woche reaktionszeit deaktiviert. schade.

dafür geht aber beispielsweise noch fettar.schlecker-blog.com.

internet vs. datenschutz

felix schwenzel, in wirres.net    

henning tillmann hat ein bild gebaut, das zeigt, dass die unfreiwillige und unwissentliche weitergabe von daten und das sammeln von daten nicht nur ein problem sind, sondern im wesen des internets und der vernetzung liegen.

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel.

jeder der einen browser benutzt hinterlässt damit daten — und zwar nicht nur eine IP-adresse. das ist einerseits die schlechte nachricht, aber eben auch die realität. die realität auf mehr oder weniger allen webseiten der wwwelt. auch auf webseiten, die sich über die datensammelwut von facebook echauffieren, auf datenschützerseiten und auf dieser website.

besucher von wirres.net übermitteln bei jedem besuch daten an js-kit.com (kommentare), flattr (die servieren den flattr button in einen iframe), google (von dort hole ich mir die jquery-javascript-bibiothek), mokono (anzeigen), vgwort.de und die firma canhost (dort ist meine site gehostet). die übertragung der jquery-bibliothek könnte ich mir sparen (indem ich die bibliothek selbst hoste), aber auf kommentare, anzeigen und den flattr button möchte ich nicht verzichten. die übertragung von daten zu facebook, googleplus, readability, twitter habe ich deaktiviert oder genauer mit einem klick-einverständnis gekoppelt. das heisst, wer den facebook-like-button benutzen will — und damit einverstanden ist seine daten zu facebook zu übertragen — muss einmal auf das hand-icon unter jedem artikel klicken, wer den 1+-button sehen will muss auf den 1+-link unter jedem artikel klicken. erst dann werden jeweils daten zu den jeweiligen diensten übertragen.

bei spiegel.de sieht es nach einem kurzen, unvollständigen blick in die http-anfragen der titelseite so aus, dass daten übertragen werden zu quaility-channel.de, mediaplex.com, facebook.com, newtention.net, mlsat03.de, eatsmarter.de, fbcdn.net, instanttraffic.de.

bei lumma.de werden beim aufruf der startseite daten http-anfragen zu folgenden adressen getätigt: hellobar.com, googleadservice.com, stumbleupon.com, google.com, twitter.com, googlesyndication.com, facebook.net, amazon.de, wordpress.com, google-analytics.com, tilli.me, vgwort.de, lytro.com, gstatic.com, fbcdn.net, cloudfront.net, assoc-amazon.de, amazonaws.com, doubleclick.net, ytimg.com, socialstatistics.com, tumblr.com, profiseller.de, creativecommons.org, tweetmeme.com, questionmarket.com, sensic.net, newrelic.com, 2mdn.net, twimg.com, quantserve.com, googleusercontent.com, dlqm.net und amazon.de. stolze 201 http-anfragen auf der startseite (insgesamt 49 bei spiegel.de).

bei wirres.net: js-kit.com, googleapis.com, mokonocdn.de, afy11.net, ivwbox.de, rlog.de (da läuft mein piwik). insgesamt 71 http-anfragen.

was das bild von henning tillmann zeigt, ist welche daten potenziell mit einer solchen http-anfrage übertragen werden. und es zeigt, wo der einzige ansatzpunkt für datenschutz ist: im browser.

wenn ich nicht möchte, dass facebook daten auf dritten webseiten die ich ansurfe angefragt und potenziell ausgewertet werden, kann ich meinem browser sagen, diese verbindung zu blockieren. wenn ich nicht möchte, dass undurchschaubarer javascriptcode irgendwelche daten von irgendwelchen fremden servern lädt, kann ich javascript deaktivieren. manche merkmale der site die ich dann gerade besuche würden dann nicht mehr funktionieren, zum beispiel nico lummas beeindruckende werbe- und widget-sammlung die jeden laptop, aber wenig nutzer heiss macht. bei mir funktionieren ohne javascript die anzeigen, die kommentare und ein paar andere kleinigkeiten nicht mehr.

was ich sagen wollte: das netz lebt und funktioniert nicht nur durch hyperlinks, sondern durch die vernetzung, mashups, widgets, werbebanner und anderen eingebetteteten scheiss. ja es finanziert sich sogar dadurch. oder anders gesagt, die überschreitung der strengen deutschen datenschutzrichtlinien ist das wesensmerkmal des netzes und wurde nicht durch facebook oder google oder wie marcel weiss philip hetjens sagt, von der „wirklichen datenkrake“ amazon erfunden.

marcel weiss philip hetjens schreibt:

Ich behaupte nicht, dass Google, Facebook und Apple aus datenschutzrechtlicher Sicht nicht in Schach gehalten werden müssen. Aber Amazon hat bisher relativ unbehelligt Daten angesammelt, die für Verbraucher schon jetzt gefährlich werden können. Sie geben Auskunft über unsere finanziellen Möglichkeiten und unsere emotionalen Vorlieben auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Kein anderes Internetunternehmen verfügt über solche exakten und umfangreichen Bonitätsdaten. Während Datenschützer sich auf Facebook eingeschossen haben, scheint die wirkliche Datenkrake von ihnen sehr wenig Beachtung zu finden.

wo die gefahren, nichtgefahren oder gar chancen des netzes und unserem freizügigen umgang mit daten liegen, haben datenschützer, politiker, aber auch wir, nicht mal ansatzweise erkannt. und das finde ich dann auch wieder irgendwie beruhigend. denn: ich weiss dass ich nichts weiss und was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

* * *

[nachtrag 26.10.2011]
hm. vergessen zu henning tillmann zu linken. also im sinne von gewollt, aber nicht dran gedacht. ich wollte es, schliesslich war sein artikel der ausgangspunkt meiner überlegungen. besonders absurd: ich habs gemerkt, weil ich nicht bei rivva aufgetaucht bin.

ausserdem muss ich natürlich auf diesen artikel von hadmut danisch hinweisen, der mir den gedanken, dass datenschutz nur im browser möglich ist, in den kopf gesetzt hat. danke für die erinnerung.

frauen, meerjungfrauen, hape kerkeling

felix schwenzel, in wirres.net    

meine mutter erzählte, dass das iphone eines bekannten kaputt gegangen sei. mit ausrufezeichen. dabei sei es nur vier jahre alt gewesen.

ich so: wow, so lange hat das gehalten!
sie so: wie? [besorgt] meinst du mein iphone hält auch nur vier jahre?

da fiel es mir wie schatten schuppen von den augen: frauen sind auf der welt um die männer mit der realität abzugleichen.

wenn ich zurückdenke an mein vorletztes handy, das (den?) o2 xda orbit, kommt er mir vor wie ein steinzeit-telefon — dabei ist der gerade mal 3¼ jahre alt. den pre habe ich mir vor zwei jahren gekauft. beide kommen mir mittlerweile (nach einer woche iphone 4S) so veraltet und schwerfällig wie ein opel senator vor.

[der ipod ist auch gerade mal 10 jahre alt.]

* * *

faszinierend! auf dem starbucks-logo sieht man eine nackte meerjunfrau. man kann ihre brustwarzen und ihre fortpflanzungsorgane sehen — wenn man sie auf den becher malt.

(witz von craig ferguson geklaut, sendung vom 29. september 2011)

* * *

heute habe ich hape kerkeling ungefähr fünfmal gesehen. zwei oder dreimal verkleidet auf plakatwänden, für diese 2DF-sendung, einmal verkleidet und mit gebiss auf einem krüger-kaffee aufsteller im netto und bei ner litfass-säule fiel mir dann auf, dass man die hape-werbung eigentlich fotografieren müsste und sammeln. ein bild hab ich schon, also hab ich ein tumblr-dings aufgemacht: werbehape.tumblr.com. weitere bilder folgen.

der tagesspiegel im iphone-kiosk

felix schwenzel, in wirres.net    

montags kauf ich mir vor meiner fahrt von hamburg nach berlin immer den tagesspiegel. in berlin kauf ich mir den tagesspiegel nie, da bin ich mit dem leer-lesen des internets vollauf beschäftigt. im zug gibts kein (zuverlässiges) internet, deshalb hab ich immer altpapier dabei. bis jetzt.

mit dem neuen iphone-OS und dem iphone-kiosk („newsstand“) in dem auch der tagesspiegel zu bekommen ist, hab ich mir am monatg den weg zum kiosk gespart und habe mir die montagsausgabe in der tagesspiegel-app als pdf aufs iphone geladen.

normalerweise, wenn ich einen interessanten artikel im tagesspiegel finde, das passiert manchmal (beispiel), fotografiere ich den ab oder notiere mir die überschrift um ihn später zu vesenden oder zu verlinken oder drüber zu bloggen. in der tagesspiegel-app lassen sich artikel glaube ich auch zu facebook sharen, aber eben auch abfotografieren und per email versenden.

„Der Psychiater, der Internet-Süchtigen hilft“

heute früh (dienstag) hab ich den tagesspiegel tatsächlich auch gelesen, allerdings nicht als pdf, sondern als kompaktere text-version. das ging auch gut. und schnell. und angenehm.

bis zum 13.11.2011 ist das tagesspiegel-abo kostenlos. das werde ich bestimmt noch das eine oder andere mal nutzen.

Nach Abschluss der 30-tägigen Testphase können Sie ePaper-Ausgaben im Einzelkauf für 0,79 € oder im Rahmen verschiedener Paketangebote erwerben.

und das werde ich sicher auch nutzen. statt der altpapierversion für, wie ich glaube, mittlerweile einen euro vierzig (ausserhalb von berlin), sind 79 cent doch echt OK. lässt sich offline lesen, abfotografieren, teilen und auf andere geräte transferieren. gute sache.

was ich auch mag, sind wie immer die details: das app-icon auf dem iphone zeigt stets, ganz klein, aber erkennbar, das aktuelle, bzw. zuletzt heruntergeladene titelblatt.

iphone-kiosk

der vorkoster

felix schwenzel, in wirres.net    

den hinweis wollte ich eigentlich in die links packen, habe mir aber heute abend aber schon zwei sendungen von der „vorkoster“ angesehen und bin begeistert. folgendes hätte in den links gestanden:

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* faz.net/blogs/supermarkt: Ein Sternekoch kauft ein: Björn Freitags Erfahrungen als „Vorkoster“

peer schader über björn freitag der für den WDR den „vorkoster“ macht und sich anguckt wo das essen im supermarkt herkommt und was drin ist.

* * *

ich habe mir die sendungen „Wie gesund ist Salat wirklich?“ und „Welche Milch ist wirklich gut für uns?“ angesehen und bin ziemlich angetan. björn freitag stellt genau die richtugen fragen und verfolgt welche wege die lebensmittel vom produzenten zu uns in den supermarkt nehmen. das ist teilweise ziemlich spannend und überraschend. so legen die laborergebnisse der milchanalysen nahe, dass auch bio-kühe und die kühe die „faire milch“ produzieren, in ihrem leben kein gras ins maul bekommen haben.

zum thema miclhkühe lohnt es sich vielleicht auch die reportage von harald martenstein zu lesen, die er 2007 in den tagesspiegel schrob.

„der vorkoster“ ist sehr sehenswert, hier kann man sich die älteren sendungen ansehen.

humorkritik

felix schwenzel, in wirres.net    

ich hab nach drei vier absätzen aufgehört diesen text von anja maier zu lesen. ich fand den text in etwa so vergnüglich wie einen quersitzenden furz oder eine zehn minuten doku-soap im privarfernsehen gucken. langweilig und auch ein bisschen schmerzhaft. schmerzhaft, weil mir fremdschämen halsschmerzen verursacht (von den klössen) und mir manche arten humor darmprobleme bereiten (eine art brechreiz).

eigenartigerweise schreibt anja maier teilweise ganz witzig, wenn sie über ihre eigenen unzulänglichkeiten und ihre kinder und familiengedöns schreibt. teilweise setzt sie unter ihre texte aber auch eine warnung: „Liebe Leserbriefschreiber! Ich geruhte zu scherzen.“

anja maier ahnte also bestimmt, was passieren würde, wenn sie einen text in der taz veröffentlicht über „rinder“ die im café ihre „euter“ rausholen um ihre kinder stillen und irgendwie total stören und doch wieder dahin gehen sollten „wo sie herkommen“: viele leserbriefe und viel empörung. und ein paar leute die herzhaft lachen.

wegen der empörung (facebooklink, möglicherweise nicht für jeden sichtbar) bei vielen denen ix folge, hab ich mir den text dann doch nochmal ganz durchgelesen. das problem mit dem text ist meiner meinung nach, dass er wie poliertes messing-imitat wirkt. angeblich rantet in dem text eine café-besitzerin über die nervigen prenzlbergmütter („rinder“). das ganze ist aber so überzogen und thematisch eigenartig weit aufgespannt, als hätte anja maier das vorher gegliedert und dann an den gag-schreiber von oliver pocher übergeben, damit der das mit pocher-pointen spickt.

(kurze erinnerung aus welchen bauteilen pocher-humor besteht: fotze, ficken, rinder, euter, titten, arschficken)

authentisch wirkt der text nichtmal ansatzweise, was dann die ohnehin nicht vorhandenen distanz von anja maier zum gesagten noch weiter schmälert. man erkennt nicht mehr, hasst anja maier die mütter oder die café-besitzerin oder beide — oder keine von beiden, weil das einfach mal raus musste und ja auch so „erschreckend wahr, […] tragisch und vor allem urkomisch“ ist?

die hasstiraden werden bedauerlicherweise auch nicht gebrochen. hasstiraden sind manchmal mit selbstbeschimpfung und explizitem selbsthass ganz gut zu ertragen. bosch kann sowas super. sich selbst, die welt — alles hassen — und ich muss trotzdem fast immer kichern, wenn ich bosch lese. auch das kann ein grandioses missverständnis sein, genauso, wie ich vielleicht den bruch, die ironie, die relativierungen oder brüche bei anja maiers euter-text nicht zu erkennen vermag und sie und ihren euter-humor deshalb nicht verstehe.

jetzt könnte der einwand kommen: aber es sind doch nicht anja maiers worte in dem artikel! naja, wörtliche zitate sind das aber sicher auch nicht. ich glaube, dass da ne menge literalisiert wurde. oder im besten falle suggeriert.

* * *

bei peter praschls texten hab ich auch nicht immer das gefühl, dass sie von einem grossen menschfreund geschrieben wurden. aber er kann dinge wunderbar auf den punkt bringen. wie jetzt. in diesem text hat er die ressentiments aus anja maiers text gezogen und gibt den als „euter-rinder“ beschimpften prenzlbergmüttern ein gesicht. das gesicht seiner frau: „Meine Frau. Das Arschloch.“

Die Frau, die ich liebe, mit der ich lebe und mit der ich ein Baby habe, ist so eine Prenzelbergmutter. Ein Arschloch. Sie hat es sich nicht ausgesucht. Die Adresse und das Kind, aber nicht, den Arschlochhassern Anstoß zu sein, aus dem einzigen Grund, dass sie sichtbar ist. Die Arschlochhasser können sie sehen. Wenn sie mit dem Kinderwagen unterwegs ist, mit dem Kind im Kaffeehaus sitzt, mit dem Kinderwagen einkaufen geht.

witzig ist das was peter praschl schreibt auch nicht. aber man kann es schmerzfrei lesen. naja, ein bisschen tuts weh, weil praschl recht hat.

[via mathias richel]

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ich mach mich ja auch gerne lustig über funktionskleidungsträger im prenzlauer berg (und anderswo) und mir fällt auch hin und wieder auf, dass mütter, so ganz allgemein, auch viel älter sind als früher, wenn sie kinder kriegen. manchmal, wenn ich irgendwo sitze, egal ob in hamburg, berlin, im prenzlauer berg oder in der speicherstadt, rege ich mich auch mal über kindergeschrei auf. öfter aber noch über das geschrei von leuten die nicht in normaler lautstärke reden können oder meinen im zug in ihr telefon schreien zu müsssen, obwohl die mikrofone in modernen telefonen wirklich sehr, sehr empfindlich sind. man glaubt es kaum, aber es gibt jemanden der montags im ICE von hamburg nach berlin pünktlich um 6:25 furzt. dagegegn ist kindergeschrei eine wonne.

gerade gestern mal wieder, sass im balzac eine nicht mehr besonders junge mutter mit ihrer dreijährigen tochter neben mir und redete auf ihr kind ein. dass es das croissant jetzt langsam mal aufessen solle, sich ein bisschen beeilen solle, nicht so viel mit dem essen rumspielen solle und ganz allgemein, dass sie essen nicht wegwerfen möchte und jetzt langsam mal los müsse. das nervte irgendwie gar nicht, was nervte, war der kläffer den eine frau ohne kind und ohne kinderwagen mit ins balzac gebracht hatte und der dann die gelegenheit ergriff und kläffte.

ich kann mich oft einfach nicht entscheiden, was mehr nervt. kläffer, laut-telefonierer im zug, hundekacke auf dem gehweg, fickgeschrei im hinterhof, leute die im ICE furzen, kinder die laut sind oder eltern die ihre kinder anschreien, sie sollten jetzt mal leise sein. oder diese unablässig „pssssst“-zischenden eltern.

das ist irgendwie alles wie beim blog-geschlecht. ich weiss nicht was mehr nervt, leute die sich über leute aufregen die „der blog“ sagen — oder leute die tatsächlich „der blog“ sagen. vielleicht sollte man sich doch weniger aufregen?

* * *

überhaupt. was gibts eigentlich gegen latte macciato zu sagen? oder allgemeiner, gegen guten kaffee?

und: ab wann ist man eigentlich ein yuppi? wenn man kaffee für einen euro kauft, zwei oder drei? oder wenn man eine kaffeemaschine für 100, 200 oder mehr als 300 euro kauft? wenn man tomaten auf dem markt kauft? oder wenn man gar zu aldi geht? aus schwaben kommt? (ich bin nach dem studium aus stuttgart nach berlin gezogen.)

ist man ein yuppi wenn man bestimmte zeitungen bei kaffeetrinken liest oder wenn man zeitung oder facebook oder sonstwas auf einem bildschirm liest?

tragen yuppis wirklich alle funktionskleidung? und sind die prenzlbergmuttis wirklich an der gentrifizierung und dem schlechten humor der schlechten laune von ex-ossis, die sich in „ihre alte Heimat begeben“ schuld?

nutze deine stimme

felix schwenzel, in wirres.net    

während ich so im internet über #occupywallstreet und #0zapftis lese kam mir mal wieder der gedanke in den sinn, warum ich ins internet schreibe: weil ich mich gerne aufrege und ich aufregen für eine der triebfedern des bloggens halte. und dieses aufregen, sich über etwas konkretes oder weniger konkretes aufzuregen, ist nicht nur eine triebfeder des bloggens, sondern auch ein weg etwas zu ändern. wenn sich nur genug leute aufregen und das hörbar artikulieren, ändert sich als erstes die wahrnehmung. die wahrnehmung, dass man einfach so weitermachen könne. die wahrnehmung, dass die mehrheit schon ruhig bleiben wird. die wahrnehmung, dass sich ausser einem selbst niemand aufregt.

ob man seine empörung nun ins internet schreibt oder irgendwann sogar auf die strasse geht ist nicht entscheidend. entscheidend ist sich hörbar oder sichtbar aufzuregen. über ungerechtigkeit, gier, dummheit, unverfrorenheit, lügen.

wichtig ist auch, sich nicht einreden zu lassen, dass man eine versalzene suppe nur kritisieren dürfe, wenn man kochen könne. sich über eine versalzene suppe zu empören steht jedem frei. wichtig ist nur, dass man es tut, auch wenn es in anderen teilen der welt salzigere oder gar bittere suppen gibt.

selbst christopher lauer von den piraten regt sich jetzt endlich auf (und zerschiesst dabei ausversehen ein paar fakten, aber das ist OK). sich still aufregen sollte nur die vorstufe zum sich laut aufregen sein. wenn alle unzufriedenen laut rufen, kann es zwar sein, dass man keine agenda oder einzelforderungen mehr heraushört, aber das ist erstmal egal. wichtig ist zu verstehen, dass man eine stimme hat — und das diese stimme hörbar ist.

empört euch. geht an die börse. schrei(b)t.

rss befreit

felix schwenzel, in wirres.net    

thomas pleil wundert sich ob und wie delicious ihn beim kuratieren von ledetipps unterstützt.

Digitales Kuratieren ist ein Dienst für andere, um ihnen Lesetipps zu geben und einzelne Fundstücke aus dem rasenden Infostrom des Internets festzuhalten.
[…]
Ich finde einen interessanten Beitrag, kommentiere ihn kurz und verschlagworte (tagge) ihn. Das Ganze wandert dann (einschließlich Tags) in mein Blog – zu meinen Lesern. Mir war diese Möglichkeit besonders sympathisch: Erstens, weil ich diese Art von Beiträgen auch bei anderen gern lese, zweitens, weil das Ganze in mein Ecosystem hineinkommt, drittens, weil der Aufwand für mich relativ gering ist, denn ich muss nicht eine halbe Stunde am Stück meine Links zusammenkramen, sondern lege sie ab, sobald ich drüber stolpere.
[…]
Doch – und damit endlich zur Überschrift – Delicious mag das nicht mehr.

auf der einen seite arbeitet delicious daran, neue wege für das kuratieren, das weitergeben von lesetipps zu entwickeln, andererseits wurden beim neuen delicious einige erprobte und liebgewonnene methoden deaktivert — möglicherweise auch nur zeitweilig.

mir war die methode, mit der delicious links in weblogs posten konnte einerseits immer ein bisschen suspekt, andererseits ein bisschen zu unflexibel und vor allem funktionierte sie mit meiner blogsoftware nicht. wenn ich mich recht erinnere musste man delicious einen zugang zu seinem blog per username und passwort geben und delicious postete die links dann als artikel per xml-rpc in, beispielsweise, wordpress.

bei mir hat es eine weile gedauert bis ich es umgesetzt habe, aber die lösung ist RSS.

im juni habe ich ein kleines script geschrieben, dass die links des vortages per RSS einliest, daraus nach meinen vorgaben einen artikel baut und veröffentlicht. als mir delicious jetzt im september zu unbenutzbar wurde, konnte ich einfach durch ändern der feedadresse die funktionalität beibehalten — mit pinboard, statt delicious. meine twitter-favoriten sammle ich ebenfalls per RSS ein und lasse sie einmal monatlich veröffentlichen.

RSS ist sowas von nicht tot. RSS ist, neben dem browser, das stück technik das ich am meisten benutze. einmal um an informationen, links, leseempfehlungen ranzukommen (über die 971 RSS-feeds die ich abonniert habe, plus die 221 leute, die mir gelegentlich etwas in meinen google reader reinsharen), aber auch um das was ich für lesenwert halte oder selbst schreibe wieder zu verteilen.

393 leute folgen meinen empfehlungen im google-reader (link, RSS-link), dem RSS-feed von wirres.net folgen (laut feedburner) ca. 4000 leute (die anzahl der besucher — laut piwik — schwankt auf der seite selbst so zwischen 1000 und 1500). den wirres.net-RSS-feed füttere ich wiederum per twitterfeed.com in das @wirresnet-twitter-account, immerhin 188 leute folgen den dort automatisch geposteten artikelüberschriften und links (die von pinboard an twitterfeed per RSS eingespeist werden). auf facebook folgen immerhin knapp 100 leute dem automatisch dort (per RSS) eingespeisten artikelüberschriften und anreissern auf der wirres.net-facebook-seite.

ich will jetzt gar nicht über die sinvölle davon sprechen, die eigenen RSS-feeds auf facebook oder twitter automatisiert aufschlagen zu lassen — was ich sagen will: RSS werkelt da überall im hintergrund — ohne dass man dafür grossartig programmieren können muss.

ausser mir mag und sieht zwar niemand meine links-seite, aber alles was dort auftaucht, meine twitpics, hinweise auf seiten die auf wirres.net linken, meine letzten formspring-antworten oder meine lieblings-tweets — wird alles per RSS eingelesen, zwischengespeichert und HTMLisiert dargestellt.

was ich sagen wollte: RSS ist nicht tot. und RSS ist der weg um eigene inhalte aus den „walled gardens“ von drittanbietern zu befreien.

und ihr so? wie nutzt ihr RSS?