[piqd] Empörte Rechte als Multiplikatoren nutzen

felix schwenzel, , in notiert    

Emotionen beschwingen das Netz – oder wie Peter Kruse das mal legendär in der Enquete-Kommission erklärt hat, hohe Vernetzungsdichte, hohe Spontanaktivität und „kreisende Erregungen im Netzwerk“ führen zu nahezu unkontrollierbaren „Selbstaufschaukelungen“. Das haben die Werbefuzzis mittlerweile auch entdeckt und spielen mit diesen Effekten, jetzt auch mit Zuarbeit der Rechten:

Seit einiger Zeit haben Werber eine Methode gefunden, bei der sie die leichte Erregbarkeit von Rechten und Rechtsradikalen in sozialen Netzwerken ausnutzen. Sie triggern diese Zielgruppe mit menschenfreundlichen Inhalten, Diversität der Protagonisten oder Slogans, die die Ewiggestrigen garantiert in den falschen Hals bekommen. Am Ende schwappt die Empörung aus der rechten Blase und die Werbung wird breit diskutiert. Die empörten Rechten, die aus allen Kanonen feuern, werden so zu nützlichen Idioten, die eine Werbekampagne völlig kostenlos in Gang bringen.

Markus Reuter erklärt das Prinzip und holt ein paar der jüngeren Beispiele zurück in die Erinnerung. Ich bin bei diesen Werbeformen hin und her gerissen. Einerseits sind diese Kampagnen weiterhin profane Werbung, meistens zur Verkaufsförderung von Plastikmüll, andererseits erfüllen diese Kampagnen tatsächlich mindestens zwei sinnvolle Zwecke:

  • Viele Unternehmen positionieren sich damit deutlicher gegen rechts als der Innenminister.
  • Diese Art Werbung zeigt, dass die Rechten demoskopisch vernachlässigbar sind, bzw. mindestens aus Sicht der Hersteller in der Minderheit sind – auch wenn sie mitunter am lautesten und vernehmbarsten schreien.

Diese Art der Werbung wendet sich an die anständigen, liberal und humanistisch eingestellten Menschen – und die Marktforschung der Werbetreibenden scheint zu zeigen, dass die nach wie vor in der Mehrheit sind.

Aber, auch wenn die Botschaft nobel und anständig ist, wir sollten nicht vergessen, dass wir aus Sicht der Werbetreibenden alle nützliche Idioten sind, deren vorrangige Aufgabe es ist, zu konsumieren.

netzpolitik.org: Wie Unternehmen die rechte Empörungsmaschinerie geschickt für Werbung nutzen

[piqd] Jetzt doch irgendwie: Leute, zur Sonne, zur Gesundhei

felix schwenzel, , in notiert    

In den USA empfehlen Dermatologen eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber der Sonne: Wer rausgeht, solle sich konsequent gegen ultraviolettes Licht schützen und Sonnencreme mit einem Schutzfaktor von mindestens 30 benutzen. Den aus der Sonnen-Enthaltsamkeit resultierenden Vitamin-D-Mangel solle man künstlich, durch Vitaminpräparate ausgleichen.

In Deutschland sehen Dermatologen und das Bundesamt für Strahlenschutz das differenzierter und empfehlen sich „für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese“ zwei bis dreimal pro Woche auch kurz ungeschützt der Sonne auszusetzen.

Das Problem mit Vitamin-D-Präparaten scheint das gleiche wie mit anderen Vitaminpräparaten, Fischölen, Beta-Karotin-Pillen oder Schlangenöl zu sein, nämlich dass sich ihre Wirksamkeit bisher nicht nachweisen ließ. Im Gegenteil, ein paar Forscher glauben, dass der Zusammenhang zwischen schlechten Vitamin-D Werten und allen möglichen Krankheiten eine klassische Scheinkausalität ist.

Menschen mit hohen Vitamin-D-Werten sind nicht wegen des Vitamins sehr viel gesünder als Menschen mit Vitamin-D-Mangel, sondern vor allem auch, weil sie sich der Sonne aussetzten. Vitamin D sei ein Indikator, nicht die Ursache für Gesundheit. Hundertprozentiger Sonnenschutz, konsequentes Meiden der Sonne, scheint insgesamt mehr zu schaden als zu nützen.

Natürlich ist das alles furchtbar kompliziert und komplex, aber eins wird nach dem Lesen dieses (längeren) Artikels klar: den Heilsversprechen der Lebensmittel-, Kosmetik- oder Chemieindustrie – und erst recht Gesundheitsratgebern – sollte man mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen. Die wenigen Empfehlungen, die sich in den letzten paar hundert Jahren bewährt haben und nicht revidiert werden mussten, scheinen weiterhin: Maß halten, viel Bewegung und regelmäßig raus, an die frische Luft und Sonne zu gehen.

outsideonline.com: Is Sunscreen the New Margarine?

ausgewählte kollegen frage ich gelegentlich (ich fürchte: zu oft) vor oder nach dem austreten: „gross oder klein?“

hauke hat das spiel letzte woche gelöst, mit der unschlagbaren antwort: „klein, wie immer!“

dieses game ist over.

unterzucker

felix schwenzel, , in notiert    

das ARD-morgenmagazin habe ich zu studienzeiten, also vor einer halben ewigkeit, gerne geguckt. wir hatten damals ja nichts, vor allem kaum internet.

was ich sowohl beindruckend, als auch erschütternd finde: der sportmoderator ist immer noch der gleiche. in der wikipedia steht, dass peter grossmann das seit 1996 macht.

peter grossmann bei der arbeit

ich mein, wo gibt’s sowas heutzutage noch, dass jemand 22 jahre lang gutgelaunt einer extrem langweiligen tätigkeit nachgeht?

heute habe ich zufällig ins morgenmagazin reingeguckt, weil ich meinen TV-stick neu kalibrieren musste und die sender testen musste. gerade war eine ernährungsexpertin dran, die den zuschauern empfahl zu weihnachten den zuckerkonsum ein bisschen einzuschränken. man könne auch kristallzucker „eins zu eins ein bisschen“ mit kokosblüten-zucker ersetzen.

zucker reduzieren!

im weiteren gespräch fing die expertin an leicht zu zittern, was auch die kamera nicht verschleiern konnte. der moderator sprach das dann auch an: „ich glaube es geht ihnen gerade nicht so gut?“

„ja“, sagte die zitternde ernährungsexpertin die sich gerade für weniger zucker in der ernährung ausgesprochen hatte: „ich hab glaub ich gerade ein bisschen unterzucker.“

nicht zu vergessen, deutschlands führendes wetter-rumpelstilzchen und dummheits-anprangerer @kachelmann scheint auch auch jeden scheiss zu glauben, der ihm gerade in den aktuellen wutausbruch passt.