aale

felix schwenzel, , in links    

vor einer weile erwähnte ein kollege, dass aale, also alle aale, auch der europäische aal, auch aale in europäischen binnengewässern, imigranten aus der sargassosee in der nähe der bahamas sind. aale werden ausschliesslich in der sargassosee geboren. ich wollte das nicht glauben (weil ich noch nie davon gehört hatte) und schlug es nach:

Aale schlüpfen im Atlantik, in der Sargassosee (in der Nähe der Bahamas). Wegen ihrer Form heißen die Aallarven Weidenblattlarven (Leptocephalus-Larve). Etwa drei Jahre brauchen diese Larven, um von der Sargassosee an die europäischen Küsten zu gelangen. […]

Wenn die Weidenblattlarven in den europäischen Küstengewässern ankommen, wandeln sie sich zu den ca. 7 cm langen Glasaalen. Im Frühjahr schwimmen sie in zum Teil großen Schwärmen von den europäischen Küsten flussaufwärts in die Binnengewässer des Landesinneren.
(wikipedia)

eben bin ich in meinem nachrichten-feed auf diesen bbc-artikel gestossen: Why baby eels are one of Spain’s most expensive foods.

wenn die glasaale im november in den europäischen küstengewässern auftauchen, fischen spanische fischer sie ab und verkaufen sie für um die 1000 euro pro kilo (den ersten fang auch für bis zu 5000 euro). allerdings schmecken sie nicht besonders gut, haben keine besonders angenehme konsistenz. aber offenbar gibt es genügend menschen, die sich ab und an etwas exklusivität leisten möchten, und die dinger für ein paar hundert euro pro portion in restaurants bestellen.

auch witzig, seit 1991 gibt’s babyaal-imitat aus surimi-masse, statt angulas heissen die gulas. die verkaufen sich so gut, dass es sie in spanien angeblich jeden lebensmittelladen gibt.

lesenswert: bbc.com: Why baby eels are one of Spain’s most expensive foods

motorisierter vorhang

felix schwenzel, in notiert    

earth, fire and zero wire [sic!]

letzte woche war ich sehr aufgeregt. für unser ehemaliges kinderzimmer habe ich eine motorisierte vorhangschiene in china bestellt. in unserer (ziemlich) automatischen wohnung sind bisher keine motorisierten aktoren vorhanden (ausser der lüfter im badezimmer). bisher läuft alles eher unter dem motto sensorik und beleuchtung. genau betrachtet haben die heizungsthermostate von tado kleine motoren zur ventilsteuerung, aber eine grosse, motorisierte geste fehlt bisher.

aufgeregt bin ich aus mehreren gründen. zum einen, weil solche spielereien, automatische vorhänge (oder rollos), bisher in unerrichbaren preisklassen lagen. ich bin bei meiner recherche auf lösungen gestossen, die bei 250-400 euro anfingen (motor chinesische händler auf amazon.de) bis hin zu lösungen für unsere drei meter fünfzig breite fensterfront, von 484,00 euro bis 1120,00 euro. selbst bei ikea kostet eine vorhangschiene für 3,50 meter um die 44 euro (3 schienen à 8€, 6 halter à 4€, zubehör für mindestens 4€).

wegen dieser preisklassen habe ich lange überlegt, mir selbst eine mechanik zu bauen. gerade war in der c’t ein projekt dazu, die einkaufsliste hat die c’t auf ca. 40 euro geschätzt, exklusive 3d-druck fürs gehäuse. anders als in der c’t vorgeschlagen, hätte ich 3d-drucker motorengurte als zugseil benutzt, aber die komplexität der motorensteuerung, der eichung, der mechanik und das befestigungs- und rollengedöns fürchtete ich, könnte mich überfordern, zu viel zeit kosten oder am ende, wegen des trashigen aussehens, einen niedrigen waf-, bzw. beifahrerin-akzeptanz-faktor> haben.

weil ich auf aliexpress einen händler gefunden habe, der mir eine 3,50 meter lange schiene, mit motor und gurt und gardinenrollern, inklusive versand, für knapp 130 euro verkaufen wollte, bin ich jetzt, wie gesagt, etwas aufgeregt (das hier ist der kauflink, mir wurde der preis aber auf nachfrage auf 130 euro angepasst).

passt das, lärmt das teil, lässt sich der motor mit dem rfxtrx oder rflink fernsteuern und mit dem home-assistant automatisiern? schliessen und öffnen die gardinen richtig? muss ich noch einfuhr- und umsatzsteuer bezahlen? kommt dass zeug heile an? funktioniert das wirklich, wie das marketing behauptet, wenn man an der gardine leicht zieht, dass der motor sie dann automatisch schliesst oder öffnet?

die 130 euro sind noch unter meiner schmerzgrenze, sollte ich tatsächlich (was ich nicht erwarte) schrott bekommen. so oder so, gibt das ein, zwei spannende bastelabende. aufregend.

* * *

recherchelinks

the good fight s02

felix schwenzel, in gesehen    

die öffnungs-sequenz von the good fight haut mich um. minimalistisch und bombastisch zugleich.

youtube-video
youtube

seit zwei wochen läuft die zweite staffel und als ich letzte woche die erste folge sah, war ich schwer beeindrucckt. vom ensemble, von der produktionsqualität, vom drehbuch, von der erzählweise. beeindruckt war ich schon in der erste staffel. die beiden showrunner, robert und michelle king haben es geschafft aus einer ohnehin guten serie (the good wife, lief von 2009 bis 2016) einen spinoff zu drechseln, der besser als das original ist. alles was in the good wife genervt hat (vor allem zum ende hin zu viel alicia-selbstfindungsgedöns), ist hier weg, alles was gut war (ausser eli gold), wird bei the good fight konzentriert serviert: solide rote fäden (statt wöchentlicher kleinvieh-fälle), aktuelle. politische bezüge (subtile kommentare im serien-format), diversität, subtiler humor — und keine zeitlupen (ausser in der eröffnungs-sequenz).

parallel zu the good fight schaue ich gelegentlich eine folge jessica jones auf netflix. obwohl mir die erste staffel jessica jones gut gefiel, kommt mir die zweite ziemlich trashig vor. ich weiss nicht ob das am kontrast zum stringent und treibend erzählten good fight liegt oder ob netflix bei erst-staffel-erfolgen die zweite staffel einfach grundsätzlich verkackt, durch lieblosigkeit, budgetkürzungen oder vermessenheit.

ich wünschte mir jedenfalls, dass the good fight nicht wöchentlich erschien, sondern netflixmässig einfach weggebinged werden könnte.

differenzierter ressentimieren mit dem tagesspiegel

felix schwenzel, , in artikel    

wie sicher fühlen sie sich? / warum vitamin b12 wichtig ist!

frank bachner fragt im tagesspiegel: „Wird Berlin zum Angstraum?“. als einstieg in seinen artikel wählt er den von populisten bereits gut ausgebauten pfad der emotion und rezitiert drei vorfälle, in denen „arabischstämmigen junge Männer“ auffielen oder pöbelten. damit man als leser nicht den fehler macht, einzelfälle als einzelfälle abzutun, betont er: „Es gibt viele dieser Einzelfälle in der Stadt.“

hörte man nach den ersten paar absäzen auf zu lesen, könnte man glauben, dass der tagesspiegel hier einem moderaten AFDler eine meinungsplattform bietet. aber nach der grossen, emotionalen einstiegsgeste, macht frank bachner einen kleinen schwenker, zitiert die rückläufige kriminalitätsstatistik, die dem sicherheitsgefühl „der Menschen“ widerspräche. berlin sei schon immer von sozialen spannungen geplagt gewesen, nie ein „reiner Wohlfühlort“ gewesen.

weil ich ja nicht nach ein paar absätzen aufgehört habe zu lesen, wird mir langsam klar, worauf frank bachner hinaus will. die „Einzelfälle“ summieren sich zu einem von vielen gespürtem gefühl: angst. und deshalb, schreibt er, „verschwindet bei vielen Menschen zunehmend die Bereitschaft zum differenzierten Blick“. diesen differenzierten blick versucht frank bachner dann auch im laufe seines artikels schweifen zu lassen; er weist auf die überlastete justiz, den schwindenden respekt gegenüber der polizei hin, er identifiziert problem-bezirke (hermannplatz) und bereiche in denen konfliktbewältigungsstrategien gut funktionieren (fussballturniere, schulen).

ich bin ein grosser fan der differenzierung, auch wenn es mir nicht immer gelingt ausreichend zu differenzieren oder das grössere ganze zu sehen. aber genau so, wie es wichtig ist probleme zu erkennen (und zu benennen), ist es wichtig haltung zu bewahren und die verschiedenen möglichen blickwinkel nicht aus den augen zu verlieren. wer jemals ein bisschen in geschichtsbüchern (oder der GEO-epoche) geblättert hat, erinnert sich, dass es unzählige situationen gab, in den neuankömmlinge von den früher angekommenen als bedrohung angesehen wurden. die iren in den usa („When America Despised the Irish: The 19th Century’s Refugee Crisis“) oder die polen im ruhrgebiet (die im 19ten jahrhundert parallelgesellschaften bildeten). das muster ist immer das gleiche: die neuangekommenen werden als bedrohung angesehen, es gibt unzählige konflikte und spannungen, aber nach zwei, drei generationen wirkt der name schimanski plötzlich deutsch und die saint-patricks-parade in new-york ur-amerikanisch. irgendwann ist die integration derjenigen, die noch vor ein paar generationen für „angstträume“ sorgten, so gut gelungen, dass sie selbst gegen neuankömmlinge agitieren.

man darf von einem artikel von einem lokalredakteur in einer lokalzeitung natürlich nicht zu viel erwarten, aber denoch haben mir historischen perspektiven in diesem artikel gefehlt, aber auch die ganz konkreten perspektiven, zum beispiel die sicht der neuangekommenen.

der deutschlandfunk zitiert den historiker philipp ther zu angela merkels wir-schaffen-das-satz wie folgt:

Wir? Wer ist hier wir? Eigentlich sind es sie, die es schaffen, also die Flüchtlinge. Vielleicht wäre es auch wichtig, denen eine Stimme in der gegenwärtigen Debatte zu geben.

natürlich ist es auch wichtig den unzufriedenen, den angstträumenden, denjenigen, die dazu neigen einzelfälle zu verallgemeinern, zuzuhören, aber genauso wichtig ist es eben auch — immer wieder — auf das grosse ganze, auf die grossartige idee des rechtsstaats hinzuweisen. in diesem rechtsstaat sitzen üblicherweise eben nicht die betroffenen über täter zu gericht, sondern richter, die (im idealfall) nicht von emotionen, ängsten oder resentiments getrieben sind. emotionen und recht führen, wie emotionen in der politik, nicht unbedingt zu gerechtigkeit.

zur differnzierung gehört auch ein hinweis darauf, dass kriminalität, gewalt oder pöbelei eben nicht nur ein problem mit „arabischstämmigen jungen männern“ ist, sondern ein problem mit fast allen jungen männern — und oft auch mit älteren.
die aggressivität (nicht nur) im strassenverkehr ist ein problem, das genau wie die aktuellen spannungen und probleme um flüchtlinge ein anlass sein könnte, justiz und polizei zu stärken und besser auszustatten. das argument für die stärkung des rechtsstaats sollte aber lauten, dass sich alle an recht und gesetz und anstand halten müssen und nicht nur eine bestimmte gruppe. oder differenziert ausgedrückt: arschlochverhalten (nach dem gesetz) muss sanktioniert werden, egal von wem es verübt wird.

auch robert ide versucht im heutigen checkpoint zu unterstreichen, dass frank bachner mit seinem artikel nicht nur emotionen und ängste schüren möchte, oder potenziellen afd-wähler mit verständnis überschütten möchte, sondern dass er differenzieren möchte:

mir fällt es schwer insgesamt schwer hier diesen differenzierungswillen zu erkennen, insbesondere aber angesichts dieses schlusssatzes, der den leser ohne weitere einordnung zu grosser sorge auffordert:

Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass eine neue Welle von Gewalt auf uns zukommt.

ich glaube wir müssen uns auf einen rechtsdrallige boulevardisierung des tagesspiegel vorbereiten (wird der tagesspiegel zum boulevardblatt?) und ich sehe eine medien-welle von AFD-umfeld-verständnisbekundungen auf uns zukommen.

kliffhänger

felix schwenzel, , in notiert    

viele serien haben so gute cliffhanger, dass sie bei mir das gegenteil bewirken: ich schalte voll befriedigt und inspiriert ab und schau nie mehr weiter. gerade ist mir das bei der zweiten folge manhunt: unabomber passiert. die hauptcharaktere ausreichend deckend gezeichnet, die geschichte sorgfältig vom anfang und ende her beleuchtet, nur der vermeintlich interessante mittelteil, die ermittlung von theodore kaczynski, die wohl für die kommenden sechs folgen vorgesehen war fehlte noch. ich fand das ende der zweiten folge, die das krachende scheitern von james r. fitzgerald, beim versuch ein geständnis zu erquatschen, zeigte, so inspirierend und befriedigend, dass ich wohl nicht mehr weitersehen werde.

vor ein paar monaten ist mir das gleiche mit this is us passiert. die grandiose einführung in die familiensaga, die NBC wohl über drei staffeln erzählen will, reichte mir vollkommen. mehr wollte ich nicht sehen und den rest lieber meiner phantasie überlassen. ich wollte den guten geschmack, den die erste folge bei mir im mund hinterliess, unverfälscht behalten.

überhaupt wäre das ein spannendes literarischen genre — oder mindestens ein interessantes hobby: fernsehserien, von denen man nur eine oder zwei folgen gesehen hat, selbst, in der eigenen vorstellung zuende zu führen.

gerade fällt mir auf, im rückblick wünsche ich mir lost nach der vierten staffel nicht mehr weitergeschaut zu haben, sondern mir den weiteren verlauf selbst aus der nase gezogen zu haben. wenn ich eins aus lost gelernt habe ist das wohl: serien aufhören zu gucken, wenn sie am besten sind. wie nennt man das dann am besten, cliff jumping?

pax plus

felix schwenzel, , in wirres.net    

vor ein paar jahren haben wir einen pax-kleiderschrank für unser schlafzimmer gekauft. unsere räume sind etwas über drei meter hoch und der pax nur knapp zwei meter vierzig. um mehr stauraum zu haben, wollten wir den schrank nach oben erweitern. solche aufsätze gabs wohl mal von ikea, zumindest auf ebay hatte ich ein paar solcher schränke mal gesehen. aufs selber machen hatte ich keine lust, nicht nur weil ich keine plattensäge, nut-fräse, topf-bohrer hatte, sondern vor allem weil ich keine geduld hatte mir im baumarkt platten zuschneiden zu lassen, an den richtigen stellen löcher zu bohren und kunststoffkanten mit einem bügeleisen anzuleimen.

im internet gibt es ein paar anbieter bei denen man sich schränke massschneidern lassen kann. deinschrank.de, meine-moebelmanufaktur.de, schrankwerk.de, schrankplaner.de. schrankplaner und dein schrank boten keine schränke ohne sockel an (oder ich hab die option nicht gefunden). meine möbelmanufaktur war etwas günstiger als schrankwerk, also entscheiden wir uns, den aufsatzschrank testweise dort zu bestellen — auch wenn die investition, ca. 860 euro in etwa mit dem anschaffungspreis der paxschränke drunter vergleichbar war. ausschlaggebend war auch, dass die möbelmanufaktur kostenlose materialproben verschickt, die zwar nur so mittel aussagekräftig sind, aber promt verschickt wurden.

pax vorher

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die planungswerkzeuge, also die webapps, mit denen man den schrank konfiguriert, sind im gegenteil zu einer handzeichnung ziemlich komfortabel, haben aber in sachen bedienungsfreundlichkeit durchaus noch luft nach oben. der online-planer von der möbelmanufaktur war ok, aber auch nicht 100 prozent überzeugend. immerhin kann man (offenbar) seine entwürfe dauerhaft dort speichern, das ist unserer. die aufteilung der einzelnen elemente erfordert immer noch einiges an rechnerei und aufregend war das auch irgendwie. was wenn ich mich vertan habe? hab ich wirklich alles bedacht?

nach dem die bestellung abgeschickt ist, dauert es ein paar tage und man bekommt eine konstruktionszeichnung des schranks zugeschickt, die man nochmal freigeben muss, bevor der schrank in produktion geht. am 23. januar ging der schrank in produktion und am 14. februar schrieb die möbelmanufaktur:

Ihre Maßmöbel wurden an unseren Logistikpartner (DHL) übergeben. Die Lieferung erfolgt in der Regel in den nächsten 3- 5 Werktagen.
Anbei erhalten Sie die Rechnung Ihrer Bestellung als PDF.

Vor der Lieferung stimmt unser Logistikpartner den Liefertermin mit Ihnen ab, dies geschieht üblicherweise telefonisch in Einzelfällen auch schriftlich. Ihre Sendung wird per 2-Mann-Handling geliefert, d.h. die Pakete werden direkt in die Wohnung getragen, auch in den 4. Stock.

das erstaunliche an dieser aussage: sie stimmte vorne und hinten! freitag rief ein sehr freundlicher disponent von dhl an, fragte ob ein lieferfenster am montag zwischen 7 und 11 uhr in ordnung sei und um 10 standen zwei männer mit unseren paketen vor der tür. die pakete waren ordentlich schwer, ordentlich verpackt und obwohl ein paket beim umdrehen gleich aufplatzte, kamen alle teile unversehrt bei uns an.

pakete von meine-moebelmanufaktur.de

am montag abend fing ich an das teil zusammenzubauen. ich baue möbel, auch von ikea, wirklich gerne zusammen, auch wenn ich dabei ziemlich schnell anfange zu schwitzen und danach meistens tierischen muskelkater habe. vor allem baue ich schränke gerne alleine auf, auch wenn die ikea-aufbauanleitungen meist ausdrücklich davor warnen. ausserdem diktiert mir meine arroganz, die anleitungen lediglich zu überfliegen, statt sie sorgfältig zu studieren. oft rächt sich das und ich komme noch mehr ins schwitzen.

in meiner (schreiner-) ausbildung habe ich die erste regel der möbelmontage gelernt. sie lautet: ausrichten. wenn der schrank nicht 100% gerade steht, kann man das später nicht mehr — oder kaum — korrigieren. wegen unseres leicht abschüssigen dielenboden hängt unser pax auf der einen seite auch ziemlich in der luft, so weit, dass die stellfüsse im pax-sockel nicht mehr ganz ausreichten.

pax einigermassen ausgerichtet

weil das ausrichten so wichtig ist, habe ich die ausrichtung unseren bestehenden pax als erstes nochmal ein bisschen korrigiert. der rest der montage war eigentlich wie bei ikea: die schrankseiten und deckel werden mit stiften, dübeln und excenterschrauben verbunden, rückwand rein, türen dran, fertig. eigentlich.

in der praxis wars dann doch ein bisschen komplizierter, weil ich mich (doch) bei der planung ein bisschen vertan hatte und ich zwei zwischenwände falschrum montiert hatte, was wegen der (leicht) asymetrischen lochbohrung doof war. so hingen die türen an zwei zwischenwänden 5 mm zu hoch. das musste ich nach dem zusammenbau nochmal ändern und den halben schrank wieder demontieren.

die ersten beiden teile des neuen (aufsatz-) schranks

der planungsfehler war, dass der schrank eine seitenwand in der mitte eines ein-meter-pax gehabt hätte und so sein gewicht und seine füllung auf einer (knapp) 19 mm dicken spanplatte abgetragen hätte und nicht über eine pax-seitenwand. das liess ich aber korrigieren, indem ich den schmalen schrankteil, der für die mitte geplant war, einfach an den anfang versetzte.

der korpus steht

die mitgelieferten türbänder waren ordentlich (von blum), witzigerweise die selbe marke die in ikea-küchen verbaut wird, zumindest als wir unsere ikea-küche gekauft haben. ein bissche aufgeregt habe ich mich, dass die bänder keine schliessfeder hatten, also nicht automatisch zufielen. ich wurde schon ein bisschen pampig, bis ich bemerkte, dass die drucköffner kleine magneten hatten, mit denen sie die türen zuhielten. das gefiel mir nach der montage tatsächlich besser als die ikea-besta lösung, wo die türen (gedämpft) zugezogen werden, dann aber auf den gefederten drucköffnern hin und her springen.

der neuen (aufsatz-) schrank, fertig montiert

bis auf eine ausnahme sind ich und die beifahrerin super zufrieden mit dem schrank. das plattenmaterial ist einen hauch dicker als die platten des pax schranks (die scheinen eher 17 millimeter statt 19 zu sein), der schrank passte an allen ecken und kanten gut zusammen, die länge und tiefe stimmt auf den millimeter, die türen liessen sich super einfach montieren (und ausrichten) und der schrank sieht gut aus. bis auf die türen, die zugegebenermassen die günstigsten waren (spanplatte weiss mit kunststoff umleimer): die verarbeitung der tür-kanten ist aber leider eher so mittel (beim korpus gabs keinen grund zur klage).

kantenverarbetung der türen — naja

dass der heisskleber beim kantenaufleimen etwas rausquillt ist normal, aber mit einem scharfen stecheisen, kann man das in der regel einfach säubern. bei einem schrank für knapp 900 euro, kann man meiner meinung nach auch bei den günstigeren türen, etwas mehr erwarten. lackierte türen hätten etwa 250 euro aufpreis gekostet, aber das war es uns dann für einen schrank der in zwei meter vierzig höhe sitzt uns eher selten betrachtet wird nicht wert.

im wohnzimmer wollen wir demnächst eventuell einen lagerschrank für die bilder der beifahrerin bauen und nach diesem testlauf mit meine-moebelmanufaktur.de ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir den auch wieder dort bestellen.

dark, verdichtung, kopftisch, maschinenempathie

felix schwenzel, , in notiert    

dark abgeschaltet nach 13 minuten und 24 sekunden, nach der ersten dramaturgischen zeitlupe. filme oder serien die zeitlupe zur dramatisierung einer szene benutzen kann man in 90 prozent der fälle vergessen. der einzige filmemacher dem ich zeitlupen verzeihe ist peter sellers, wenn er sich mit kato als clouseau prügelt.

* * *

beim spazieren gehen drüber nachgedacht, warum ich bestimmte kolumnen nicht mag, bzw. andere sehr gerne. es lässt sich wohl darauf runterbrechen, dass ich in geschriebenen texten kein gelaber mag, auch wenn ich selbst fleissig solche texte ins internet schreibe. labern ist natürlich nicht ganz das passende wort, aber ich glaube was es beschreibt ist vor allem fehlende dichte. texte die ich mag sollten verdichtet sein — oder runtergekocht aufs wesentliche. wahrscheinlich ist das auch der grund, warum dichtung anspruchsvolles schreiben bezeichnet. das gegenteil eines gedichteten textes wäre demnach ein geblähter text. bei blähkunst wird es dann andererseits auch wieder interessant.

beim weiterlaufen fiel mir dann ein, dass constantin seibt auch schonmal, unendlich elegant, in diese kerbe geschlagen hat, als er folgendes schrob:

Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.

ich kann es selbst nicht glauben, aber um den absatz oben zu schreiben, habe ich auch fast eine halbe stunde nachgedacht.

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ich bin so eine art 1password für grosse teile meiner verwandschaft. wenn ich mir deren passworte nicht merke und notiere, hätten viele amerikanische plattformen sehr viel weniger user engagement. und ich würde sehr viel weniger mit meiner verwandschaft telefonieren.

* * *

ich mag newsletter, immerhin ist diese website mehr oder weniger aus einem newsletter entstanden, den ich um die jahrtausendwende regelmässig und ohne double opt-in verschickte. ich lese den checkpoint nach wie vor mittelregelmässig (sonst wandert morgens so gut wie alles in den mülleimer). was ich aber erschütternd finde: die inhalte sind später im netz nicht mehr aufzufinden (ausnahmen bestätigen die regel). man kann die texte natürlich kopieren und weiterschicken — oder wie ich, kopieren und ins notizzettelprogram einfügen. das habe ich mit einem abschnitt aus dem checkpoint (von lorenz maroldt) vom 1. februar gemacht und eben nochmal danach gegoogelt: nichts gefunden.

weil mir der abschnitt wirklich gut gefiel und ich finde, dass hinweise auf die bigotterie und heuchlerei grosser teile des springer-verlags einfach gut zu googlen sein müssen, habe ich den abschnitt jetzt hierhin kopiert:

Starke Prosa. Der Checkpoint fand die Fassadenstürmerei der Hochschule gegen „Alleen/Alleen und Blumen/Blumen/Blumen und Frauen/Alleen/Alleen und Frauen/Alleen und Blumen und Frauen und/ein Bewunderer“ ja dagegen eher ein bisschen albern und dichtete deshalb, stets die sich ereifernden, tilgungsbereiten Gremien vor Augen, einen konstruktiven Kompromissvorschlag - Sie erinnern sich vielleicht:
 
Köpfe
Köpfe und Bretter
Bretter
Bretter und Nägel
Köpfe
Köpfe und Nägel
Köpfe und Bretter und Nägel und
eine Schraube (locker)

 
Tatsächlich kam das Gedicht ganz gut an – so gut sogar, dass einige Checkpoint-Lyrik-Fans es im Online-Forum der „Welt“ posteten, wo es wiederum viel Zustimmung und neue Freunde fand. Doch plötzlich, kaum zu fassen - war es weg. Einfach verschwunden! Ausgelöscht, ja: ausgemerzt von der Sprachpolizei einer kleinen Minderheit von Tugendterroristen, euphemistisch „Community Management“ genannt. Und wie der Asta der ASH hat auch das CM der Welt eine Begründung aus dem Setzbaukasten der Kunstfreiheitsgegner per Mail einer nachfragenden Leserin übersandt: „Ihr Kommentar wurde nicht veröffentlicht, da er gegen unsere Nutzungsregeln verstößt: Bitte bleiben Sie sachlich im Ton.“ Tja, so weit sind wir jetzt schon gekommen: Bretter, Nägel, Schrauben – nichts darf man mehr sagen. Aber einen Versuch haben wir noch, ok? Wie wäre es damit: „Kopf. Tisch.“ Besser? 

 
 

* * *

vor ein paar wochen bin ich zu fuss vom wedding in den tiergarten gegangen, zum trödelmarkt. auf dem weg dahin habe ich dreimal einen mit neon-sportklamotten und man-bun ausgestatteten jogger überholt. einmal, als er sich in einem hauseingang warm machte, streckte oder autogen vorbereitete. irgendwann rannte er an mir vorbei, hielt 50 meter weiter aber wieder an, um irgendwas an seiner apple-watch und seinem an den oberarm geschnallten iphone einzustellen. ich erkannte: am oberarm lässt sich ein iphone nicht sonderlich gut bedienen.

danach lief (im sinne von gehen) ich ein bis zwei kilometer weiter, bis er (endlich) wieder an mir vorbeirauschte. nach 50 metern blieb er erneut stehen, sah ziemlich angestrengt und leidend aus, stützte sich auf seine knie und keuchte. als ich mich kurze zeit später umschaute, lief er zurück auf los.

* * *

apropos apple-watch. ende dezember habe ich mir so eine gegen grosse widerstände gekauft. weil ich armbanduhren grundsätzlich scheisse unnütz und verunstaltend finde, habe ich mir lange verboten sowas zu kaufen. vor allem zu einem solchen preis. irgendwann konnte ich aber meinen widerstand brechen, weil die uhr nicht nur die uhrzeit anzeigt, sondern auch zählen kann. schritte, herzschläge, gelaufene kilometer und … nee, das wars schon.

das hauptargument war aber stille. mehr noch als armbanduhren hasse ich klingeltöne und vibrierende handys. die vibration in meiner brusttasche hat mich immer in den wahnsinn getrieben, weil ich nie unterscheiden konnte ob das nun ein phantomvibrieren oder ein anruf war. meine zwei jahre gut funktionierende lösung war blitzen. wenn ich eine nachricht bekam oder jemand anrief, blitzte mein telefon in meiner jacket-brusttasche. das hat erstaunlich gut funktioniert, die beifahrerin musste mich nie öfter als einmal pro woche anschreien, warum ich denn nicht ans telefon ginge.

mit der apple watch pochen nachrichten und anrufe auf meinen arm. ich habe zwar 80% aller benachrichtigungen abgeschaltet, aber die die ich haben möchte klopfen jetzt — bisher völlig ohne phantomklopfen.

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für meine t3n-kolumne habe ich mir folgende überschrift notiert, aber leider nicht die passende kolumne dazu geschrieben. muss ich irgendwann mal machen.

maschinenempathie ist die neue sozialkompetenz

das fernseh-lagerfeuer ist zwar zeitverschoben, wird immer trotzdem immer grösser; das war auch mein abendprogram (und von ein paar millionen anderen):

So: [The Cloverfield Paradox] itself may not be great. (I haven’t seen it yet; I watched “Star Trek: Discovery” and another episode of “Altered Carbon” last night instead.) And the deal seems to …

sixcolors.com/link/2018/02/netflix-announces-releases-cloverfield-paradox/

CO₂-sensor und -indikator

felix schwenzel, , in artikel    

vor ein paar wochen las ich hier, dass der MH-Z19 CO₂-sensor ganz zuverlässig arbeite. vorher hatte ich von gas-sensoren gehört, die heizspulen haben und beim aufwärmen komisch riechen. der MHZ-19 misst mit laserlicht, kostet dafür aber ein bisschen mehr. bei aliexpres ca. 15 euro. letzte woche kamen die beiden sensoren an, die ich dort gekauft habe.

ich wollte gerne einen sensor haben, der seine daten in meinen wohnungscontroller schreibt und loggt, die messdaten aber auch visualisiert, am besten mit einer LED-anzeige. vor allem sollte das ding aber auch alleine funktionieren, also ohne wlan und ohne mqtt-verbindung seine werte anzeigen. mit den lösungen die ich zuhause einsetze, fürchtete ich, könnte das problematisch sein. viele meiner sensoren basieren auf esp-easy, was in der regel wirklich einfach einzurichten und zu verwalten ist, aber eben auf einer wlan und mqtt-verbindung basiert. ohne wlan oder verbindung zum mqtt-server streiken die esp-easys. bei homie, auf dessen basis ich auch ein paar sensoren und aktoren betreibe, gibt’s wohl technische möglichkeiten für einen verbindungs-losen betrieb, aber das schien mir zu kompliziert.

weil ich seit ein paar monaten erfolgreich und befriedigend mit der mysensors-plattform experimentiere, hab ich mich entschieden die CO₂-sensoren als mysensors zu bauen. das konzept von mysensors zu verstehen fiel mir anfangs etwas schwer, weil sich auf der website ein wildes durcheinander findet, von how-tos, bastelanleitungen, forumsbeiträgen und hardware-bauvorschlägen, -werbung, -showcases. irgendwann habe ich dann herausgefunden, dass die leute die die software-bibliothek schreiben und pflegen, eben auch die openhardware.io-plattform betreiben und dass dort, eben deshalb, auch besonders viele leute ihre mysensor-projekte vorstellen (und zum teil verkaufen).

seitdem ich einen funktionierenden mysensors-gateway an den homeassistant angeschlossen habe, ist das hinzufügen (und bauen) von sensoren (und aktoren) auch wirklich einfach.

den MH-Z19 habe ich an einen arduino nano (ca. 2,50 euro/stück) angeschlossen und an den nano eine NRF24L01 sender/empfänger. im prinzip wars das schon, einen arduino-sketch habe ich hier gefunden.

leider war das noch ein bisschen fummelei, bzw. debugging. der MH-Z19 kommuniziert über eine serielle schnittstelle mit dem arduino und sendet auf anfrage eine sequenz von 9 byte. die beiden ersten zeigen den status an, die folgenden beiden den gemessenen CO₂-gehalt in ppm und das fünfte byte die temepratur. der arduino sketch erwartet in etwa diese sequenz:

0xFF 0x86 0x3 0x95 0x42 0x0 0x0 0x0 0xa0

der arduino las aber für die ersten beiden und manchmal auch das dritte byte folgendes aus:

0xFFFFFFFF 0xFFFFFF86 0x3 0xFFFFFF95 0x42 0x0 0x0 0x0 0xFFFFFFA0

theoretisch könnte man hier die hex-werte in strings umwandeln, die FFFFFF-sequenz wegkürzen und wieder zurück in einen integer oder den ursprünglichen zahlenwert umrechnen. das ist in c+ aber leider (für mich zumindest) furchtbar kompliziert. nach einer weile bemerkte ich: der sketch wandelt die falschen hex-werte auch in zahlen um, allerdings negative. in diesem beispiel byte 3 (0x3) in 3 und 0xffffff95 in -107. 0x95 ist im dezimalsystem eine 149. 149 + 107 = 256, die differenz betrug immer 256, wenn die messwerte mit vorangestelltem FFFFFF ausgelesen wurden. damit war die korrektur einfach: wenn eine negativ dezimalzahl rauskommt, addiere 256. mit diesem hack kamen die messwerte dann stabil raus, vorher gabs schwankungen um 256 ppm. das problem tritt bei beiden MH-Z19 auf, wahrscheinlich liegts am zusammenspiel des arduino mit den sensor und der softserial bibliothek. ist mir aber egal, läuft ja. mein angpasster sketch liegt hier: gist.github.com/diplix/9b…

die messwerte die der sensor ausspuckt sind ziemlich flott, die anwesenheit eine sauerstoff-atmers ist mit 1-2 minuten verzögerung deutchlich messbar. auf diesem bild sieht man deutlich, dass ich gegen ein uhr ins bett gegangen bin und das bett gegen halb sieben wieder verlassen habe. die offene tür sorgt für einen rapiden abfall des CO₂-gehalts, der sich allerdings nach ein paar minuten fängt und abflacht. um viertel nach neun sieht man deutlich, dass in beiden zimmern für 10 minuten gelüftet wurde.

messdaten von zwei MH-Z19

einen der beiden sensoren habe ich mit zwei LEDs ausgestattet, die grüne LED leuchtet bis ca. 1500 ppm, ab 1000 ppm schaltet sich die rote LED dazu. damit erkennt man, dass bei 1000 ppm die luft noch in ordnung ist und es so ab 1500 eigentlich zeit wird zu lüften. die LEDs lassen sich auch per mysensor-funk abschalten und der trick, um den sensor auch ohne mysensors-netzwerk funktionieren zu lassen, ohne durch wiederholte verbindungsversuche blockiert zu werden, ist diese zeile:

#define MY_TRANSPORT_WAIT_READY_MS 3000

bei amazon habe ich für einen der sensoren, auf gut glück, eine dose gekauft, in die zufällig alles, inklusive kabellage, reinpasst.

ein MH-Z19, ein arduino nano, ein NRF24L01 funkmodul, zwei LEDs und einige kabel in einer dose

der andere sensor macht es sich derweil in einem plastikbecher gemütlich.

ein MH-Z19, ein arduino nano, ein NRF24L01 funkmodul, zwei LEDs und einige kabel in einem becher

* * *

gekostet hat mich jeder der beiden sensoren ungefähr 20 euro.

  • MH-Z19: 15,00 €
  • NRF24L01 sender: 1,20 €
  • arduino: 2,50 €
  • dose: 1,76 €
  • schrumpfschlauch und LEDs lagen hier noch rum

kommerzielle alternativen, wie der Elgato Eve Room oder der Netatmo Healthy Home Coach, kosten 70 bis 100 euro, können dafür aber auch flüchtige organische verbindungen (VOC, sprich, zum beispiel, darmgase) messen. sensoren dafür gibt’s auch einige, MP901, GM502B oder der BME680 jeweils für ca. 15 euro oder, auch vielversprechend, aber sackteuer, der iAQ-core C.

mir genügt erstmal der MH-Z19 und ich bin gespannt was er misst, wenn ich ihn mal in den besprechungsraum auf der arbeit mitnehme.