„keiner findet sich schön“ von rené pollesch

felix schwenzel, , in gesehen    

die beifahrerin hat heute das kind und mich ins theater geschleppt, in die volksbühne, in keiner findet sich schön von rené pollesch. ich fand’s schrecklich.

was mir gut gefiel waren die stimmige und durchgehende inszenierung. in der volksbühne passt wirklich jedes detail zum anderen: grafik, bühne, bühnenraum, flyer, bühnenbild, requisiten. wobei ich die bühne, das bühnenbild von bert neumann in seinem minimalismus ausserordentlich gut fand. ein starkes bild, schon beim reinkommen.

bühne von „keiner findet sich schön“ von rené pollesch

auch das schauspiel von fabian hinrichs war angemessen und grösstenteils auf leicht pathetische art lakonisch — oder genauer, nicht übermässig theatralisch. wegen der vielen metaebenen und bezugspunkten zum theater selbst, war das schauspiel auf gewisse weise geerdet. fabian hinrichs bezog sich in seiner rolle mehrfach auf die theatersituation und den bühnenraum, und nannte mitten im spiel den gestalter des bühnenbilds (bert neumann) und liess sich, wie hinrichs selbst am ende sagte, etwas zu oft von der souffleuse helfen, was aber keinesfalls störte.

was mich störte war der text von rené pollesch. die erste gefühlte stunde kämpfte ich mit dem schlaf, die gefühlten nächsten 4 stunden mit aggressionen, weil der scheiss einfach nicht aufhören wollte und sich ständig wiederholte und um irgendwelche, als existenzielle nöte dargestellten, befindlichkeiten und beziehnungsphantasien drehte, die mir völlg am arsch vorbeigingen. tatsächlich dauerte das vortragen des textes etwas über andertalb stunden und wurde nur durch kurze musik-, gesangs- und tanzeinlagen unterbrochen. das war alles ganz wunderbar und pfiffig inszeniert, fühlte sich aber für meine ohren an, wie zwei stunden vorlesen von lore-ipsum-texten.

bei der beifahrerin stiess mein kurzfazit („alles wunderbar, vor allem das bühnenbild, aber der text war pathetische kackscheisse“) auf kein verständnis. sie fand den text genial und ironisch, gar nicht pathetisch, das ganze stück grossartig und fabian hinrichs grandios. schliesslich hatte sie es heute sogar schon zum zweiten mal gesehen. was sie scheisse fand, war dass einer ihrer begleiter ständig einschlief (ix) und der andere den kopf in die hände legte und sich offenbar zu tode langwelte (das kind) und die freundin des kindes gar nicht erst kam, trotz vorbezahlter karten.

ich hab jetzt wieder genug vom theater für die nächsten 10 jahre. wer sich einen eindruck von der inszenierzung verschaffen will, kann diesen trailer anklicken, den ich auf der volksbühnenseite gefunden habe.

vimeo-video
vimeo

* * *

das stück kam insgesamt beim publikum ziemlich gut an. der schlussapplaus war euphorisch und der für fabian hinrichs (zu recht) besonders heftig. faszinierend fand ich, wie jung und zahlreich das publikum war. beinahe hätte ich gesagt, dass das publikum bunt war, aber das wäre völlig falsch. denn es war genauso bürgerlich wie jedes andere theaterpublikum, nur jünger und überdurchschnittlich stark intellektuell und künstlerisch angehaucht. bürgerlich bin ich auch, nur nicht mehr jung, aber ich habe mich selten so am falschen ort gefühlt, wie heute zwischen sechs und halb acht.

ingo zamperoni und ich in portland

felix schwenzel, , in gesehen    

bei mediasteak diesen hinweis auf eine reportage von ingo zamperoni über portland gefunden. der titel, „Nackt und nachhaltig – Portland ist anders“, ist mir ein bisschen zu klickbaitig, aber die reportage ist OK und klassisch. erinnert mich an die achtziger jahre, in denen ich in meinem vorstadtjugendzimmer staunend vorm fernseher sass und mir im nacktprogramm nachtprogramm staunend die welt von reportern aus aller welt zeigen liess.

die reportage soll bis zum nächsten jahr in der ARD-mediathek liegen. die sendung hat eine eigene sendungsinfoseite und irgendwer war so freundlich, die sendung zur leichteren einbettbarkeit auf youtube zu kopieren:

youtube-video
youtube

(scheint trotz der enthaltenen nacktheit unzensiert auf youtube zu liegen)

* * *

ich war schon ein paarmal in portland und mag die stadt sehr. als ich mir die halbe stunde von ingo zamperoni in portland ansah, war ich gespannt, ob das sensationelle voodoo doughnut auch drin vorkommen würde und tatsächlich wurde der laden auch entsprechend gewürdigt, vor allem der sensationelle bacon maple bar doughnut wurde eigens erwähnt. allerdings nicht der cock-n-balls doughnut , der aussieht wie ein penis und mit weisser bayerischer creme gefüllt ist — obwohl der doch gut zum sendungsmotto gepasst hätte.

jedenfalls ist das ne gute gelegenheit hier ein paar bilder vom juli 2014 aus portland abzuladen.

zufälliges bild aus portland
zufälliges bild aus portland
schlange vor dem voodoo-doughnut-laden
schlange vor dem voodoo-doughnut-laden
beute aus dem voodoo-doughnut-laden
beute aus dem voodoo-doughnut-laden

zootopia

felix schwenzel, , in gesehen    

die erste stunde habe ich mehrfach herzlich lachen müssen. sehr schön animiert, gute figuren, tolle schauspieler hinter den figuren. idris elba gleich an der stimme des gnus chief bogo erkannt. in der zweiten hälfte wird dann ein bisschen doll auf die tränendrüse und die moralvenen gedrückt, trotzdem immer noch sehr schön und eigentlich, wie das meistens so mit fabeln ist, auch gar nicht mal so doof. ich fand die handlung am ende dann aber nicht mehr so flüssig oder rund wie am anfang, sondern so’n bisschen hingebogen.

man glaubt ja kaum, dass der film von disney ist, isser aber und eben nicht von pixar. och, dass ist doch dasselbe mittlerweile, gehört doch alles zu disney, sagte die beifahrerin. ich habe aber im internet gelesen, dass die sich nur die (technischen) resourcen teilen, die filme aber getrennt und eigenständig entwickeln.

eigentlich verdient der film fünf punkte, nicht nur weil es der erste disney-film mit nackten darstellern ist, sonder auch, weil er klar stellung bezieht und angesichts trump und seinem angst-schür-wahlkampf top-aktuell ist. aber irgendwie haben die erzählstränge im zweiten teil nicht mehr so richtig zusammenngepasst.

zootopia

die behörden-faultiere verdienen eine separate erwähnung, die waren nämlich wirklich toll und auch noch für einen schlussgag gut. der „official sloth trailer“ (youtube) zeigt den hauptauftritt der verwaltungs-faultiere beinahe komplett.

aber, wie gesagt, auch die anderen figuren waren teilweise sensationell. sehr schöner anthromorphismus. apropos anthromorphismus, das wort kommt auch im ersten teaser-trailer für den film vor.

youtube-video
youtube

der „official US trailer #2“ (youtube) verrät wieder einiges an handlung und guten szenen.

wissen macht ah! — urinstinkt

felix schwenzel, , in gesehen    

donnerstag abend war ich bei meiner freundin gita zum essen und zur computerpflege. sie fragte mich, ob ich die aktuelle ausgabe von wissen macht ah! gesehen hätte, weil da alles voll mit kacka und pipi geschichten war. dann fiel mir auf, dass ich ziemlich selten wissen macht ah! gucke und das ich das ja mal ändern könnte.

die aktuelle sendung heisst urinstinkt und hat hier eine dauerhafte archivseite. die mp4-datei liegt hier, weshalb ich sie (unten) auch einbetten kann.

die themen der sendung sind:

  • Warum heißen (Schul-)Noten auch Zensuren?
  • Wie tief muss das Becken bei einem 10-Meter-Sprungturm sein und warum?
  • Woher kommt der Ausdruck „kleines oder großes Geschäft“ machen?
  • Warum riecht das Pipi, wenn man Spargel gegessen hat?

die sendung trifft meinen nerv nur so halb, hat aber ein paar qualitäten, die mir gut gefallen. die eine qualität ist: alles selbstgemacht. in der sendung gibt’s kein fremdproduziertes materal, wirklich jede sekunde der 1484 sendungssekunden ist selbstproduziert. die sendung ist auch schön rhytmisch aufgebaut: vorspann, anmoderation, geschichte eins, anmoderation 2 und so weiter, bis zum abmoderation gibt’s 4 geschichten. die geschichten sind eine mischung aus off-kommentar, einfachen animationen und schauspielern, die vor einfachen kulissen oder green-screens, meist stumm zum off-kommentar grimassieren oder gestikulieren. das ist nicht so mein ding, ich mag’s gerne wenn’s durchillustriert ist, oder etwas aufwändiger produziert.

aber auch wenns nicht so mein ding ist, in dieser sendung habe ich mich gut amüsiert, weil mein humor, wenns um pups- und kackgeräusche geht leider sehr einfach gestrickt ist. und tatsächlich war die sendung voll mit pups- und kackgeräuschen. überhaupt ist die nachvertonung sehr liebevoll gemacht — und teilweise sogar sehr subtil. so machte die sonnenbrille des arg stereotypen zuhältertypen, als der sie etwas nach vorne zog, ein subtiles quietschgeräusch.

sehr schön die zwischenmoderation, in der ralph caspers und shary reeves die bristol stuhlformen erklärten.

bristol-stuhlformen-skala
ralph und shary mit der bristol-stuhlformen-skala

das war ein bisschen eklig, aber sehr interessant. mit den stuhlformen 3 und 4 ist jedenfalls alles im grünen bereich. sehr schön auch die idee, die bristol stuhlformen auch als ausmal-PDF zum download anzubieten.

(hier das eingebettete video sehen …)

10000

felix schwenzel, , in wirres.net    

seit diesem artikel ist die artikel-id meiner ez-publish installation auf 10.000 geklettert. das heisst nicht, dass ich 10.000 artikel auf wirres.net geschrieben habe, genaugenommen sinds 9429 veröffentlichte artikel. dazu kommen noch ein paar artikel von gastautoren. die fehlenden 513 artikel sind entweder gelöschte artikel, nie veröffentlichte entwürfe oder fehler.

seitdem ich für jedes instagram eine kopie als artikel aus der kategorie bilder anlege, ebenso für swarm-checkins, instagram-, twitter- oder youtube-favoriten — und tweets (meist) zuerst hier schreibe, bevor ich sie zu twitter oder facebook kopiere, ist die zahl der auf wirres.net veröffentlichten artikel stark gestiegen. deshalb ist auch die artikel-id im letzten jahr relativ schnell (nach 14 jahren) auf zehntausend gestiegen.

youtube-video
youtube

das video ist von der thames valley police und ist wirklich gut. auf facebook haben viele leute dieses video geteilt, mit den worten: „das ich mal ein polizeivideo teile, hätte ich nicht gedacht.“ hätte ich auch nicht gedacht, aber es ist wirklich gut. nur die kontextualisierung am ende (sex, consent is everything) hätte ich weggelassen, dann wäre es meiner meinung nach noch stärker gewesen.

moskau 4/5 — metro

felix schwenzel, , in artikel

das angenehme an unserer moskau-reise war, dass wir einen reiseführer dabei hatten, der sich in moskau auskannte und sich die mühe gemacht hat, uns in der kurzen zeit unseres aufenthalts möglichst viele highlights der stadt zu zeigen. eins der grossen hightlights der stadt ist die moskauer u-bahn, umgangssprachlich auch metro (метро) genannt. den grossteil eines tages haben wir tatsächlich damit verbracht, möglichst viele der beeindruckenden ubahnhöfe abzufahren.

was mir als erstes auffiel, waren die teilweise irre langen rolltreppen. der wikipedia entnehme ich, dass die moskauer metro „zu den U-Bahn-Systemen mit den tiefsten Tunneln und Bahnhöfen der Welt“ gehöre. auch bemerkenswert, am fuss jeder rolltreppe sitzt eine uniformierte aufsichtsperson, die recht und ordnung im auge behalten soll und wahrscheinlich für ein sicherheitsgefühl sorgen soll. was in moskau, wie in allen grossstädten der welt — ausser deutschen — klappt: alle stehen rechts und halten die linke seite frei, für eilige mitmenschen. warum das überall auf der welt klappt, nur in deutschland nicht, ist eine frage, die wahrscheinlich immer unbeantwortet bleiben wird.

rolltreppe
rolltreppe

an den rolltreppendecken hing früher massenhaft werbung, als wir in moskau waren, war die moskauer metro zu 100% werbefrei. weder in den bahnhöfen, noch den zügen hing auch nur der hauch von werbung, mit einer ausnahme: werbung für das metro-eigene wlan. loggte man sich in das wlan ein, konnte man hingegen werbung ansehen. man musste das sogar. ansonsten: nichts.

dostoyevskaya-bahnhof
ein (offensichtlich) etwas modernerer bahnhof: der dostoyevskaya-bahnhof von 2010
mendeleyevskaya-bahnhof
der mendeleyevskaya-bahnhof von 1988
kiyevskaya-bahnhof
kiyevskaya-bahnhof von 1953

der kiyevskaya-bahnhof hat die „völkerfreundschaft“ zwischen der ukarine und russland zum thema. die decken sind voll mit farbenprächtigen, offensichtlich kürzlich restaurierten bildern.

bild im kiyevskaya-bahnhof
bild im kiyevskaya-bahnhof
bild im kiyevskaya-bahnhof

am ende der halle zwischen den bahnsteigen, ist ei sehr grosses mosaik angebracht, das (laut wikipedia) das 300 jährige jubiläum der wiedervereinigung der ukraine und russland feiert.

mosaik im kiyevskaya-bahnhof
mosaik im kiyevskaya-bahnhof
park pobedy-bahnhof
park pobedy-bahnhof, 2003 eröffnet
matrosenrelief im taganskaya-bahnhof
matrosenrelief im taganskaya-bahnhof (könnte von jean paul gaultier sein, ist aber von 1950)

sehr schön auch die bronze-figuren von matvey manizer auf dem ploshchad revolyutsii-bahnhof. laut wikipedia ist das einer berühmtesten moskauer u-bahnhöfe und wurde 1953 eröffnet. die skulpturen zeigen „sowjetbürger“ in heldenhaften posen, ingenieure, bergleute, soldaten mit hunden, soldaten ohne hunde und männer die aussehen wie partisanen. besonders auffällig ist jedoch die beliebtheit der hunde bei den moskauern. deren schnauzen sind abgewetzt blank, weil viele moskauer offensichtlich glauben, dass die berührung der hunde-skulpturen glück bringe. tatsächlich kann man die moskauer in diesem bahnhof dabei beobachten, wie sie geschäftig und eilig an den skulpturen vorbeigehen, die hunde im vorbeigehen aber geistesabwesend berühren.

bronze-skulptur im ploshchad-revolyutsii-bahnhof
bronze-skulptur im ploshchad-revolyutsii-bahnhof
bronze-skulptur im ploshchad-revolyutsii-bahnhof
bronze-skulptur im ploshchad-revolyutsii-bahnhof
bronze-skulptur im ploshchad-revolyutsii-bahnhof

die glasmalereien im novoslobodskaya-bahnhof sind auch ganz wunderbar und sollen „sowjetbürger“ verherrlichen.

glasmalerei im novoslobodskaya-bahnhof
glasmalerei im novoslobodskaya-bahnhof
glasmalerei im novoslobodskaya-bahnhof
glasmalerei im novoslobodskaya-bahnhof

* * *

* * *

liniennetzplan der moskauer metro (2015)
liniennetzplan der moskauer metro (2015) sameboat cc by-sa 3.0/wikipedia

* zeit.de: Ganz unten

dass claudia pechstein einen ziemlich verblendeten eindruck macht, kann man kaum bestreiten. aber egal wie verpeilt und frustriert man ist, nach unten, gegen schwächere zu treten und zu hetzen ist und bleibt das allerletzte. ich finde mely kiyak hat das wunderbar zusammengefasst und herausgearbeitet.

Ganz unten — Eine Kolumne von Mely Kiyak