günstiger bewegungsmelder, selbstgemacht

felix schwenzel, , in artikel    

bewegungsmelder sind nach der kühlschrankbeleuchtung eine der besten erfindungen der welt. bewegungsmelder wirken auf mich nach wie vor wie magie. ich gehe irgendwo hin und das licht geht automatisch an. wie toll ist das denn bitte? manchmal wird die magie ein bisschen gestört durch laute knackgeräusche von relais. deshalb wirkt der bewegungsmelder den ich mir zusammengestöpselt habe und im wohnzimmer unter die schreibtischplatte gelegt habe besonders beeindruckend auf mich: er schaltet nachts bei bewegung, also wenn ich ins bett gehe oder aufs klo, eine unserer hue-lampen ein — das geht lautlos und stufenlos hochdimmend.

am wochenende habe ich mir einen zweiten bewegungsmelder zusammengebaut, für die küche. in der küche habe ich, zum entsetzen der beifahrerin, einen der lichtschalter deaktiviert und das licht über eine funksteckdose steuerbar gemacht. statt eines praktischen schalters, hat das licht jetzt einen knopf auf einer fernbedienung mit 7 buttons. die beifahrerin hat das, völlig zu recht, als einen enormen rückschritt gebrandmarkt: „das ist keine verbesserung!“

in kombination mit einem bewegungsmelder aber doch. nur am sonntagmorgen, nachdem ich den lichtschalter entfernt hatte, war der bewegungsmelder noch nicht fertig. den habe ich dann nach dem mittagessen in 20 minuten zusammengebaut. für die kalibrierung und feineinstellungen habe ich dann sechs stunden gebraucht.

im folgenden beschreibe ich kurz, wie ich den vernetzten bewegungsmelder gebaut habe. die einzelteile für den bewegungsmelder kosten weniger 10 euro, was ein ziemlicher unterschied zu den vernetzten bewegungsmeldern die man sonst so kaufen kann (hue: 40 euro, eve: 40 euro, fibaro: 50 euro, devolo: 60 euro). nachteil meiner selbstbaulösung: sie ist nicht batteriebetrieben, sondern braucht ein kabel.

die einzelteile die ich benutzt habe (und zum grössten teil bei amazon bestellt habe, direkt aus china bekommt man die teile sicher um ein vielfaches billiger):

der PIR-sensor will 5 volt haben, also habe ich ihn an den VIN-Pin des node-mcu angeschlossen, den datenpin des sensors an den node-mcu pin 12. im prinzip wars das schon.

esp8266 und PIR sensor in einer verteilerdose

in den deckel der verteilerdose habe ich ein loch für den PIR sensor gebohrt und auf die vorderseite für den linsenkopf vier löcher gestochen, damit ich ihn einfach von aussen aufstecken kann.

plastik-linsenoptik des PIR-sensors auf dem verteilerdosendeckel

soweit, so einfach. für die software habe ich mir ein paar zeilen von überall her zusammengestückelt. die software verbindet den node-mcu zuerst mit unserem wlan, dann mit unserem mqtt-server. danach sendet der node-mcu bei bewegung die nachricht „ON“ und nach ein paar sekunden wieder ein „OFF“. das auslesen der sensordaten habe ich zuerst mit einer selbstgeschriebenen schleife abgefragt, irgendwie wollte das aber am sonntag nicht klappen, so dass ich mir von hier eine elegantere lösung kopiert habe und mit meinem code kombiniert habe. den code habe ich auf github geladen.

die einstellung der zwei potenziometer des PIR-sensors ist ziemlich fummelig. den für die auslösedauer habe ich ganz nach links gedreht, was in etwa bedeutet, dass der sensor alle 5 sekunden bewegung melden kann. das potenziometer für die empfindlichkeit (oder reichweite) habe ich nicht ganz nach links gedreht, sondern (in etwa) auf 10 vor. das fiese an diesen PIR-sensoren ist deren enorme empfindlichkeit — und dass ich deren funktionsprinzip nicht ganz verstehe. der sensor löst auch aus, wenn man ihn mit schwarzem klebeband abklebt oder in eine dunkle kiste steckt. was ich dann aber nach ein paar stunden rumprobieren verstanden habe: wenn man den sensor mit seiner kappe abdeckt, ein wenig zeit zur selbstkalibrierung lässt und ihm freie sicht auf die welt gewährt, verschwinden die falschen positiv-meldungen nach einer weile.

jetzt hängt der bewegungsmelder über der tür und meldet bewegung zuverlässig per mqtt ins interne netzwerk, sobald jemad die küche betritt.

plastik linsenoptik des PIR-sensors auf dem verteilerdosendeckel

das ist (noch) nicht besonders schön, funktioniert aber zuverlässig. das nächste projekt, was mir natürlich erst eingefallen ist, als das ding so, halb festgenagelt an der wand hing: der bewegungssensor kann auch in die (ikea) uhr darüber wandern. hinter dem ziffernblatt ist ausreichend luft um die elektronik und kabel unterzubringen und der PIR-sensor könnte über ein loch im ziffenblatt nach draussen gucken. nur auf den linsen-dom müsste ich verzichten. eben habe ich das nochmal ausprobiert und die glasscheibe mit zwei lagen tesa-film simuliert; der sensor ist dann immer noch sehr empfindlich und büsst ein bisschen seiner vorher beinahe 180° umfassenden blickwinkels ein — funktioniert aber.

die meldungen des bewegungssensors fängt meine home-assistant-installation ein und reagiert mit dieser einer einfachen automation auf bewegung:


automation:
  alias: "Küchenlicht nach Bewegung anschalten"
  trigger:
     - platform: mqtt
       topic: sensor/motion/3
       payload: 'ON'
  action:
     - service: switch.turn_on
       entity_id: switch.u1
     - service: homeassistant.turn_off
       entity_id: script.kueche_licht_set_timeout
     - service: homeassistant.turn_on
       entity_id: script.kueche_licht_set_timeout
     - service: homeassistant.turn_on
       entity_id: input_boolean.occupied_kueche
script 1:
name: kueche_licht_set_timeout
alias: "Timeout für Küche Licht setzen"
  sequence:
  # Cancel ev. old timers
  - service: script.turn_off
    data:
      entity_id: script.kueche_licht_timeout
  # Set new timer
  - service: script.turn_on
    data:
      entity_id: script.kueche_licht_timeout
script 2:
name: kueche_licht_timeout
  alias: "Küche Licht nach 30 Minuten Inaktivität ausschalten"
  sequence:
  - delay:
    minutes: 10
  - service: switch.turn_off
    data:
    entity_id: switch.u1

wenn der sensor 10 minuten keine bewegung registriert, schaltet er das licht aus, ansonsten, bei jeder bewegung und beim betreten der küche, geht das licht über der arbeitsplatte an. das funktioniert auch bei längeren aufenthalten in der küche. auch falsche positivmeldungen wegen luftbewegungen, konnte ich letzte nacht nicht beobachten, allerdings einige falsche positivmeldungen, weil das ding von der wand gefallen war, weil ich es nur mit klebeband befestigt hatte.

das küchendeckenlicht schalte ich damit noch nicht aus (obwohl ich es könnte, dank dieses apparats), das mache ich dann an einem der nächsten wochenenden.

* * *

[nachtrag 05.03.2017]
statt eines selbstgeschriebenen sketches für die kommunikation mit dem sensor und dem mqtt-server, nutze ich seit dem februar die espeasy-firmware. sobald die einmal auf dem esp8266 ist, lassen sich bewegungssensoren als schalter (switches) konfigurieren und per mqtt auslesen. das macht die ganze sache um ein vielfacher pflegeleichter und auch ein bisschen stabiler. ansatzweise habe ich das hier kurz beschrieben.

fernsehen im september, oktober und november

felix schwenzel, , in gesehen

die serie, auf deren einzelnen folgen ich mich im oktober und november am meisten freue, ist natürlich westworld. mein erster eindruck hat sich im laufe der ersten sieben folgen voll bestätigt. ein tolles ensemble, interessant verschachtelte erzählstränge, eingepackt in eine aufwändige und sorgfältig die erzählung verschleiernde inszenierung. schade nur, dass die inszenierung so aufwändig ist, dass die produktion der nächsten staffel wohl länger als ein jahr dauern wird. (läuft auf HBO.)

ähnlich aufwändig inszeniert und gut besetzt: the crown, eine serie, in der (auf netflix) die ersten zehn jahre von königin elisabeth erzählt werden. die (natürlich) erfundenen dialoge sind so gut geschrieben, dass ich nach dieser ersten staffel tatsächlich den eindruck hatte, etwas dazugelernt zu haben. im prinzip bewegt sich die serie auf the west wing-niveau. diese art von doku-fiction vermittelt verständnis für politische vorgänge und die mechnismen von macht. viele drehbuchschreiber bekommen das nicht hin. aaron sorkin hat das für west wing geschafft, peter morgan hat das in the queen geschafft und eben auch in the crown. zuerst leicht irritierend, dann im laufe der serie immer überzeugender: der amerikaner john lithgow als winston churchill. selten habe ich einen 71-jährigen einen 80-jährigen so überzeugend spielen gesehen (keine ironie). auch claire foy und matt smith als königin elisabeth und prinz philip spielen mehr als passabel.

die erste folge der dritten staffel black mirror (auf netflix) fand ich furchtbar. zu pastellig, zu dick aufgetragen, grässlich überspielt, unraffiniert, verkacktes ende. auf die zweite folge hatte ich dann gar keine lust mehr und habe über eine woche gebraucht, um mich wieder aufzuraffen um sie zu sehen. die fand ich raffinierter, etwas herausfordernder, aber die hintergedanken, erzählmuster und auflösung am ende kam mir aus dem weihnachtsspecial von vor zwei jahren bekannt und ein bisschen ausgelutscht vor. die idee, zeit im kopf durch technologische manipulation zu stauchen, ist an sich natürlich grandios und auswälzenswert, aber sie verliert dann auch schnell ihren reiz.

ich habe mir dann noch die vierte folge black mirror angesehen, weil ich auf den vorschaubildern gesehen habe, dass dort mackenzie davis mitspielt, die ich in halt and catch fire sehr gerne gesehen habe. im ersten teil der folge entstand der eindruck, dass mackenzie davis in einer art 80ziger jahre besetzungsfalle steckt und verdammt zu sein scheint, bis in alle ewigkeit achtziger-charaktere zu spielen. normalerweiese bin ich kein grosser verteidiger von happy ends, im gegenteil, mich nerven die oft, aber im rahmen einer staffel black mirror, in der nichts und niemand happy endet, war das eine grosse erleichterung. trotzdem noch nicht weitergeguckt als diese drei folgen.

die aktuelle staffel der graham norton show kommt mir gerade etwas saftlos vor. es mangelt (natürlich) nicht an promis, aber in dieser staffel hat die sendung bei mir noch nicht zünden können. in einer der folgen hat robbie williams zwar eine witzige geschichte erzählt und tom cruise die exakt gleiche geschichte wie bei jimmy kimmel — und das wars auch schon so ungefähr, was hängenblieb.

nachdem ich in der ersten staffel nach vier folgen lucifer aufgehört habe die serie zu gucken, dachte ich kürzlich: kann ich ja nochmal reinschauen. nach drei folgen hatte ich die nase dann schon wieder voll. die hauptrollen sind zu schön, oder genauer hollywood-klischeehaft besetzt, die geschichte windet sich am boden, auf der suche nach sinn und gehalt und die drehbücher machen den eindruck als würden sie nicht geschrieben, sondern gekotzt. eigentlich schade, weil die serie ein paar elemente und ideen hat, die eigentlich potenzial hätten.

potenzial hat im prinzip auch lethal wepaon, die serienadaption der filmreihe von damals™ mit mel gibson und danny glover. in den ersten paar folgen konnte man die mühe diese potenziale herauszuarbeiten noch erkennen, nach ungefähr drei folgen hat sich das alles eingeschliffen zu einem grässlichen klischeesalat mit stereotypendressing. furchtbarer höhepunkt ist die moralisierende folge 6 in der meine sämtlichen warnlampen für müll anfingen zu leuchten: schwache frauen die von rauhen helden beschützt werden müssen, pathetische gardinenprdigten für familienwerte, moralvorstellungen aus den 50er jahren, die selfie-postenden kindern, ohne ironischen bruch, an den kopf geschleudert werden und die schenkelklopfende verherrlichung von korruption und polizei-willkür und -gewalt. im prinzip hat die serie jetzt bei mir voll verkackt.

auch grässlich: berlin station, ein geheimdienst-dings des „premium entertainment network“ epix. interessant ist, dass die serie, wie der name nahelegt, komplett in berlin spielt und dementsprechend (leider) eine menge deutscher schauspielkunst offeriert. mir gefiel im piloten der wilde ritt durch berlin und das wiedererkennen von spielorten und dass die hauptfigur der serie bereits nach 10 minuten tot auf potsdamer platz lag. der rest ist leider mies gemachter serientrash. schlimme dialoge, absurde handlungsstränge, zweifelhafte sicherheitsbehörden- und überwachungswahnverherrlichung und stumpfsinnige inszenierungen wie diese hier:

wie der auslandsgeheimdienst der USA neuigkeiten aus der zeitung erfährt: per fernseher

hier sieht man die elite der amerikanischen auslandsgeheimdienste, wie sie auf einen im büro laufenden fernseher starren, in dem ein bericht über eine zeitungsstory (der berliner zeitung) zu sehen ist — und alle scheinen schwer geschockt zu sein. eine serie die suggeriert, dass einer der effektivsten und mächtigsten geheimdienste der welt neuigkeiten, die in einer zeitung stehen, aus dem fernseher erfährt, kann und will ich einfach nicht ernstnehmen. ansonsten der übliche, lieblose inszenierungschrott aus hollywood: computerhacking mit animationen wie aus tron, geheime treffen in den abhöranlagenruinen auf dem teufelsberg und romeo-agenten die jeden und jede, mit dem sie in kontakt treten in null-komma-nix ins bett und treu ergeben bekommen. schreiender unsinn.

im vergleich sehr liebevoll inszeniert hingegen: izombie. eine ganz gut angelegte geschichte mit einer (relativ) starken weiblichen hauptrolle, nachvollziehbaren zombies und kriminalfällen. über den blödsinn, den die story immer wieder verzapft kann ich gut hinwegsehen, weils unterhaltsam und nicht all zu störend stereotyp inszeniert und geschrieben ist. die serie bedient konsequent, aber relativ gekonnt, das lieblingsrezept mittelguter fernsehproduktionen: ein langer roter faden mit entwicklungspotenzial und das tagesgeschäft wird mit folgenlangen kriminalfällen abgehandelt. so lassen sich unaufwändig viele stunden fernsehen machen und zuschauer am roten spannungsfaden halten. ich habe bisher nur zwei oder drei folgen gesehen, werde aber wohl noch ein bisschen weiter gucken.

luke cage (auf netflix) hat mir hingegen richtig gut gefallen. in wenigen tagen weggeguckt und obwohl die produktion teilweise sehr offensichtlich ein sehr sparsames budget hatte, machten das drehbuch und der grossartige mike colter das alles mehr als wett. die handlung und die motive von luke cage blieben in jedem moment der serie nachvollziehbar, die bösewichter kamen beinahe an daredevils wilson fisk heran.

mehr als eine folge von trepalium (auf netflix) habe ich nicht ausgehalten. angenehm fand ich das französisch, schlimm die dämlich und durchsichtig aufgebaute geschichte und die grösstenteils schreckliche schauspielerei. science-fiction wie er mir gestohlen bleiben kann.

die zweite staffel narcos (auf netflix) habe ich mir zwar bis zum ende angesehen, aber es war ein bisschen zäh. die serie ist wirklich gut gemacht, ich habe das gefühl, sie ist zum allergrössten teil akkurat und im historischen rahmen, aber auch ein bisschen eintönig, auch wenn sich buch und regie grosse mühe geben dem wahn von pablo escobar und dem amerikanischen drogenkrieg ein bisschen farbe einzuhauchen. das ist alles lehrbuchmässig inszeniert und dramatisiert und schafft es sogar, wenn man die erzählte geschichte kennt, hier und da überraschungen einzubauen. andererseits ist das alles auch irgendwie abstossend, weil ich mich ständig dabei erwischte, mich mit arschlöchern zu empathisieren. denn, und das ist der eigentliche witz, die serie handelt fast ausschliesslich von arschlöchern, auf allen seiten.

links vom 15.11.2016

felix schwenzel, , in links    

automatisierung ist kompliziert

felix schwenzel, , in notiert    

als meine obsession mit der wohnungsautomatisierung anfing, war der grundgedanke eigentlich ganz simpel: ein paar steckdosen per wlan ein und ausschalten und diese schalter in der home-app meines telefons abbilden. kurz nachdem ich das einigermassen zuverlässig zum laufen gebracht hatte, brodelten neue begehrlichkeiten in mir. ich wollte stecker und (vorhandene) lichter gerne (ein bisschen) automatisieren, optimalerweise mit einem bewegungsmelder. ein problem dabei: die home-app weigerte sich, mir bei diesem vorhaben zur seite zu stehen.

für automatisierung, meint apple, sollte ich mir ein neues apple tv kaufen — oder ein ipad, das aber dann optimalerweise immer zuhause liegen solle. die option, sowas mit der von apple seit vielen jahren stiefmüttlerlich behandleten os-x-server-software, die auch auf unserem mac-mini läuft, ist offenbar nicht vorgesehen.

mittlerweile verstehe ich in ansätzen warum das so ist. automatisierung ist kompliziert — und zwar auf mehreren ebenen. der wichtigste punkt: um einigermassen wirksam zu sein, müssen automatisierungen flexibel und komplex sein. das habe ich beim an sich einfachen vorhaben eines automatischen lichts im flur bemerkt. eigentlich einfach: meldet ein bewegungsmelder bewegung, schalte das licht ein. optimalerweise nur wenn es dunkel ist oder keine anderen lichter brennen. ausserdem sollte das licht nicht ausgehen, solange bewegung im flur detektiert wird. damit ist man aber schon bei potenziell 2-3 parametern: dem status vorhandener lichter, helligkeit (tageszeit oder sonnenstand) und zeit (aktivierungszeitraum, der bei bewegung verlängert wird). man kann die komplexität aber beliebig in die höhe schrauben: was ist wenn niemand zuhause ist und der bewegungsmelder ausschlägt? sollte das licht nachts weniger hell leuchten und zwischen mitternacht und 6 uhr morgens vielleicht auch gleich das badlicht mit einschalten? sollte es für das putzen eine sonderschaltung geben, die heller leuchtet und das licht nicht ständig automatisch ausschaltet? sollte das flurlicht nicht schon angehen, wenn ich nachhause komme und vor der tür stehe?

noch komplizierter wurde es im wohnzimmer, in dem ich einen selbstgebauten bewegungsmelder installierte, vor allem um das nachtlichtproblem zu lösen: wenn ich nachts aufs klo gehen muss, hätte ich gerne ein (bisschen) licht für den weg durchs wohnzimmer. nicht zu viel, nur ein bisschen gedimmtes licht. eigentlich einfach: wenn das wohnzimmer dunkel ist und die sonne untergegangen ist (und nur dann) schalte die stehlampe mit der hue-birne nach detektierter bewegung für 5 minuten auf 20% helligkeit. mit dem homeassistant sind das stolze 24 zeilen code und zwei miteinander verschachtelte scripte:


automation:
  alias: Stube Nachtlicht nachts nach Bewegung anschalten
  trigger:
     - platform: mqtt
       topic: sensor/motion/2
       payload: 'ON'
  condition:
    - condition: state
      entity_id: sun.sun
      state: 'below_horizon'
    - condition: state
      entity_id: light.kugellampe
      state: 'off'
    - condition: state
      entity_id: light.schreibtischlampe
      state: 'off'
  action:
    - service: scene.turn_on
      entity_id: scene.stube_nachtlicht
    - service: switch.turn_on
      entity_id: switch.bad_nachtlicht
    - service: switch.turn_on
      entity_id: switch.flur_nachtlicht
    - service: homeassistant.turn_on
      entity_id: script.kugellampe_set_timeout


script:
  alias: "Timeout für Kugellampe setzen"
  sequence:
    - service: script.turn_off
      data:
         entity_id: script.kugellampe_timeout
    - service: script.turn_on
      data:
        entity_id: script.kugellampe_timeout


script:
  alias: "Kugellampe nach 5 Minuten ausschalten"
  sequence:
    - delay:
        minutes: 5
    - service: notify.notify
      data:
        message: 'kugellampe timer abgelaufen'
    - service: light.turn_off
      entity_id: light.kugellampe

das ergebnis war für mich (eigentlich) sehr befriedigend: nachts, wenn ich die tür zum wohnzimmer aufmache, geht ein gedimmter lichtkorridor vom wohnzimmer ins bad an und nach ein paar minuten wieder aus. jetzt hatte aber die beifahrerin das problem, dass ihre stehlampe morgens, wenn sie sich ins wohnzimmer setzte, nur gedimmt anging, wenn sie ihre hue-lampen einschaltete. ausserdem ging die stehlampe morgens und abends gelegentlich nach 5 minuten einfach aus. also habe ich eine zusätzliche automation geschrieben, die morgens, kurz nach sonnenaufgang, einmal beide wohnzimmerlichter auf 100% helligkeit schaltet und dann wieder ausmacht. diese helligkeit merken sich die hue-lampen und die beifahrerin hat es morgens ausreichend hell. das ausschalten lag daran, dass ich ein szenario übersehen habe: dass jemand das dunkle wohnzimmer nach sonnenuntergang betritt und nicht auf dem weg zum klo ist, sondern im wohnzimmer bleiben will. meine einfache automatisierungsregel oben hat das nicht bedacht, sondern schaltet nach bewegung, nach sonnenuntergang die stehlampe konsequent wieder aus, auch wenn zwischenzeitlich andere lichter eingeschaltet wurden. auch das liess sich mit 8 zeilen zusätzlichem code beheben (bis ein weiteres szenario auftaucht, dass ich auch übersehen habe. was ist zum beispiel, wenn wir gäste haben, die im wohnzimmer schlafen?):


automation:
  alias: 'unset stube kugellampe timer'
  trigger:
  - platform: state
    entity_id: light.schreibtischlampe
    to: 'on'
  action:
    - service: homeassistant.turn_off
      entity_id: script.kugellampe_set_timeout

* * *

die heimautomatisierung ist voll mit solchen beispielen, deren lösung man sich nur langsam anähren kann, durch ausprobieren, nachdenken, beobachten und lernen. entscheidend ist allerdings, dass man das gelernte nach wie vor komplett manuell automatisieren muss. entweder mit einer vom schweineteuren apple-tv-unterstützen apple lösung oder einer open source lösung wie home-assistant oder fhem, openhab, domotics oder sonstigen. nur ist das ergebnis dann eben kein smart home, sondern ein angelerntes heim. je komplexer man die automatiserung konzipiert, desto flexibler wird die steuerung und desto mehr wird der eindruck erweckt, hier sei smartness oder intelligenz am werk. ist es aber nicht. alles was smart homes heute leisten ist aktion, reaktion, kommunikation und fernbedienung.

ich störe mich ganz offensichtlich am begriff smart home. denn der ist wirklich irreführend, ausser man interpretiert ihn so, dass man releativ smart sein muss, um automatisierungen einigermassen befriedigend zum laufen zu bekommen.

ausserdem bin ich mir auch noch nicht ganz sicher, ob ich ein wirklich smartes, also selbstlernendes zuhause überhaupt haben möchte. einerseits weil ansatzweise lernende systeme derzeit, wenn überhaupt, nur über eine cloudanbindung angeboten werden und andererseits weil ich aus eigener erfahrung weiss, wie fehleranfällig das alles sein kann und zu welchen unvorhergesehenen ereignissen und störungen bestimmte regeln potenziell führen. selbst hochpreisige lösungen von philips (und nicht etwa nur billige chinesische importware) haben fehler oder schwachstellen ins system eingebacken, die verherrende folgen haben könnten. von vier fabrikneuen tado-geräten, die ich zum testen erhielt, muss ich mittlerweile genau die hälfte wegen leichter oder schwerwiegender defekte zurückschicken (neben dem defekten heizkörperthermostat, scheint auch die internetbridge defekt zu sein und sporadisch jede lust auf kommunikation zu verlieren). den home-assistent und seinen eigentlich grundsoliden python-code zerfasert es bei jedem zweiten versions-update. manchmal schlagen die bewegungsmelder auch bei luftbewegung aus. manchmal geht unser flurlich an statt aus und nicht an, wenn einer von uns den flur betritt.

trotzdem, auch wenn das alles überhaupt nicht smart ist und ständig nachgesteuert, neugestartet oder nachgebessert werden muss: das macht alles immer noch grossen spass. das nächste projekt auf das ich mich nach weihnachten freue: ein per wlan steuerbarer, per button auslösbarer oder automatisierbarer gong-schlag-mechanismus mit einem schrittmotor (grob nach diesem vorbild). im rahmen dessen werde ich wohl nicht nur ein bisschen elektronik zusammenflanschen müssen, sondern auch entweder ein paar teile 3D-drucken oder CNC-fräsen müssen. dafür habe ich gestern testweise mal das happylab in berlin angeschnüffelt und das sieht alles sehr vielversprechend aus.

* * *

nochmal zurück zu apple, deren automatisierungslösung ich wegen mangel an einem neuen apple-tv oder ipad nicht ausprobieren kann. ich vermute, dass auch die apple lösung automatisierungsprobleme nur in ansätzen befriedigend löst und komplexität einfach aussperrt und deren lösung entweder an die angeschlossenen geräte auslagert — oder auf später verschiebt. aber wer diese nuss, biedienungsfreundliche und trotzdem nicht unterkomplexe oder unsichere heimautomatisierung, lösen kann, der wird sehr, sehr viel geld verdienen. bis dahin bastele ich fröhlich weiter.

oliver kalkofe ist gegen eigenwerbung

felix schwenzel, , in notiert    

auf spiegel online diesen „klassiker“ von oliver kalkofes mattscheibe gefunden und angesehen. darin macht er sich (zu recht) über bibi und ihren „tasty donut“ duschschaum lustig.

youtube-video
youtube

ich konnte mich für kalkofes mattscheibe noch nie begeistern und ich glaube in diesem video wurde mir auch klar warum: er persifliert seine opfer nicht, er äfft sie nach. das kann auch witzig sein, kalkofes humoristisches talent reicht dafür aber nicht ganz aus. unterm strich finde ich beide gleichschlimm, bibi und olli. bibis ekelhafte und durchschaubar berechnende eigenwerbung, ihre halbwahrheiten („ich habe meine eigene beautymarke entwickelt“) und ihr gedrechseltes marketingdeutsch („das produkt ist zu 100% vegan, das produkt hat von dem dermatest note sehr gut bekommen, […]“). alles eklig. aber kalkofe auch. er trivialisiert bulemie, nennt die zuschauer von bibi dumm und nennt bibi (indirekt) raffgierig („greedy bitch“). natürlich ist die art und weise wie bibi (und andere youtuber, blogger, zeitschriften und zeitungen) werbung betreiben oft kritisierenswert und zum überwiegenden teil verachtenswert. aber statt pointierter kritik (oder witzen) über die methoden, überzieht kalkofe alles mit klassischem, deutschem neiddebattenlack:

werbung machen bringt schon richtig kohle, aber werbung für eigene produkte machen … und dann noch verdienen an den videos die all die dummen teenie mädels anklicken, das ist … bingo!

werbung machen für eigene produkte ist verachtenswert? kurz nach seiner bibi-nachäffung kann man im video sehen, wie kalkofe werbung für seine sendung auf dem premium-kanal tele5 macht, seine twitter- und facebook-kanäle anpreist und (seine „dummen“ fans?) dazu auffordert seinen youtubekanal zu abonnieren.

oliver kalkofe ist gegen eigenwerbung

das hat mich allerdings nicht vornehmlich deshalb irritiert, weil er kurz nach seiner (impliziten) kritik an klickheischerei, selbst um klicks bittet, sondern weil die bibi-stimme offenbar gar keine nachäfferei ist, sondern seine natürliche stimme zu sein scheint.

* * *

wirklich witzig finde ich, dass dm den bibi „Duschschaum Tasty Donut“ mit folgendem warnhinweis versieht:

Rutschgefahr. Nicht zum Verzehr geeignet. Augenkontakt vermeiden.
Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.