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title: struktur, wetter, freude am wundern und dem durchschnitt
date: "2026-01-08T23:30:00+01:00"
url: "https://wirres.net/articles/links-08-01-2026"
tags: [struktur, wetter, strom, durchschnitt, wundern, freude, wunder]
category: links
additional_categories: [wirres.net]
author: felix schwenzel
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# struktur, wetter, freude am wundern und dem durchschnitt

[knuspermagier.de: Notifications für die Tagesstruktur](https://knuspermagier.de/posts/2026/notification-struktur)

phillip lässt sich gerne zu be­stimm­ten zeiten am tag erinnern, dass es eine bestimmte zeit ist. ich kann das gut nach­voll­zie­hen. ich lasse mir den tag gerne von ge­räu­schen struk­tu­rie­ren. um 2 minuten vor sechs uhr morgens zum beispiel spiele ich in meinem zimmer einen von fünf audio tracks mit vo­gel­ge­zwit­scher ab. das ist so leise und subtil, als würde es von draussen, durch das ge­schlos­se­ne fenster dringen. ich kann da gut drüber weg oder weiter schlafen, ich mag es aber zu wissen, dass es jetzt sechs uhr ist ohne die augen öffnen zu müssen.
 

an­de­rer­seits kann ich auch einfach sagen: „siri - wie spät?“ und siri antwortet. ab sechs ruft [meine ku­ckuck­uhr (die mit dem fisch)](https://wirres.net/articles/zwei-kuckucksuhren) auch einmal „kuckuck“, worüber ich auch weg­schla­fen kann, wenn ich möchte. das macht die ku­ckucks­uhr dann den ganzen tag über zur vollen stunde.
 

ausserdem läuft bei uns im flur eine standuhr-si­mu­la­ti­on. sie läuft tag und nacht und schlägt die stunden jeweils zur vollen stunde. aber das geräusch ist auch so subtil, dass es niemanden stört und ei­gent­lich nur unbewusst wahr­ge­no­men wird. manchmal liege ich nachts im bett und höre die standuhr gongen und erwische mich dabei die gönge zu zählen. das ist ei­gent­lich sinnlos, weil ich ja siri fragen könnte, auf eine der beiden LED-matrix uhren schauen könnte die mich tag und nacht an­strah­len, auf meine be­leuch­te­te arm­band­uhr oder mein telefon schauen könnte.
 

ehr­lich­ge­sagt ist dieser uhren­über­fluss völlig irrsinnig, aber ich mag es die uhrzeit maximal redundant zu haben. ich habe nämlich gemerkt, dass es unmöglich ist die uhrzeit von meinem telefon oder auch meiner ar­ma­band­uhr abzulesen, weil ich immer zuerst die no­ti­fi­ca­ti­ons sehe und dann vergesse, dass ich ei­gent­lich die uhrzeit ablesen wollte. deshalb habe ich alle zimmer voll mit uhren gestellt, um dann doch auch mal die uhrzeit ablesen zu können. und die stünd­li­chen geräusche der diversen uhren und ge­räusch­ge­ne­ra­to­ren helfen mir tat­säch­lich den tag zu struk­tu­rie­ren, zumindest solange der sub­ti­li­täts­grad genau richtig ka­li­briert ist.

[mequito.org: \[Mi, 7.1.2026 – Schneesturm kommt auf, bei Kutteln und Wildschwein\]](https://mequito.org/stories/14791)

bei wet­ter­be­rich­ten erlebe ich das gleiche phänomen wie beim blick aufs handy, wenn ich mal eben die uhrzeit ablesen will. ich schaue zwar schon lange kein fernsehen mehr, aber früher, nach den nach­rich­ten, wenn der wet­ter­be­richt vorbei war wusste ich nie, wie morgen das wetter wird. es war immer so, als ob der wet­ter­be­richt in mein linkes ohr eintritt und ohne weitere ver­ar­bei­tung aus dem rechten ohr wieder austrat.
 

das gleiche passiert heute, wenn ich einen wet­ter­be­richt im internet betrachte. ich betrachte den, bewundere die grafiken oder ärgere mich über den wer­be­schmuck um den wet­ter­be­richt herum und schaffe es in den sel­tens­ten fällen den wet­ter­be­richt so zu ver­ar­bei­ten, dass ich danach die frage be­ant­wor­ten könnte wie das wetter denn nun wird.
 

deshalb sind blogs wie das von markus für mich wichtig. heute lautete der erste satz von markus blogeinrg:
 

> Morgen Abend zieht ein Win­ter­sturm auf, der bis Sonntag anhalten soll.
 

solche sätze bleiben bei mir hängen. für den täglichen gebrauch habe ich mir meine eigene wet­ter­an­zei­ge gebaut, mit der ich visuell erfassen kann wie das wetter wird. quasi ein mass­ge­schnei­der­tes bild, das ich ansehen kann und dann, wie durch zauberei, weiss wie das wetter ist und wird.

![oben wird die wolkendecke und der sonnenschein der die wolkendecke durchdringt angezeigt. die violette linie oben ist die gemessene temperatur auf dem hof. die ist nicht besonders wichtig und auch nicht besonders sichtbar. die rote linie ist der temperaturverlauf der letzten 24 stunden un der kommenden zwei tage. warum ich den taupunkt-verlauf (türkis) anzeige hab ich vergessen. die beiden grauen linien sind die windstärke, das dunklere grau die geschwindigkeit von böen. aktuell sieht man: wird signifikant windiger am wochenende. das dunkle blau zeigt die regenwahrscheinlichkeit an. im dunklen blau sind gelegentlich hellblaue erhebungen sichtbar, das ist die niederschlagsmenge. dieses hellbau zeigt ziemlich zuverlässig an wann es niederschlag gibt. weiss zeigt die erwartete schneemenge, bzw. höhe an. alle daten sind vom deutschen wetterdienst, die schneemenge hol ich mir von wetaherkit.](https://wirres.net/media/pages/articles/links-08-01-2026/6da79fdc73-1767908838/2tagewetter-640x.png)

[starke-meinungen.de: Das Wunder Strom](https://starke-meinungen.de/blog/2026/01/08/das-wunder-strom/)

alan posener war of­fen­sicht­lich vom strom­aus­fall im süden von berlin betroffen. was er drüber schreibt, habe ich gerne gelesen.
 

> Meine größte Sorge ist, dass man vergisst, was die all­täg­li­che Ver­sor­gung mit Strom für ein Wunder ist.
 

meine grösste sorge ist eher, dass wir vergessen welches un­wahr­schein­li­che wunder diese welt, diese biosphäre, unsere zi­vi­li­sa­ti­on, unser leben ist. an­de­rer­seits haben wir das natürlich im alltag alle vergessen, aber was wir verlernt haben, ist uns über die dinge unseres alltags zu freuen.
 

nachdem ich ein paar tage bei meinen eltern auf dem land war, wo öf­fent­li­cher personen nah­ver­kehr im prinzip non-existent ist und man entweder auf ein auto oder kör­per­li­che fitness an­ge­wie­sen ist um sich über grössere distanzen zu bewegen, überwiegt bei mir die freude, auch bei ver­spä­te­ten bahnen, dass ich überhauot strassen- oder u-bahn fahren kann. ich freue mich fast jeden abend darüber, dass ich das haus verlassen kann und mir nach 2 minuten fussweg auch um 23 uhr noch ein bier kaufen kann. ich freue mich fast täglich darüber, dass es kar­tof­feln oder spitzkohl gibt und wie einfach man sie zu köst­lich­kei­ten umwandeln kann.
 

worüber ich mich nicht freue (auch wenn ich es verstehe): wenn leute mich daran teilhaben lassen, was sie alles scheisse finden und sich weigern sich auch mal freudig zu wundern.

[coldheat.de: Fighting for average](https://www.coldheat.de/2026/01/fighting-for-average)

james cameron :
 

> When you feed in the training data based on millions of images and thousands of per­for­man­ces, you’re gonna innately get an average value. It may be plausible, but it’s average.
>  
> 
> And we don’t fight for average, guys.
 

ich strebe in meinem leben keine per­fek­ti­on an. ich bin auch kein all zu grosser freund von durch­schnitt, aber im zweifel finde ich *gut genug* gut genug.
 

und ich würde james cameron auch aus einem anderen grund wi­der­spre­chen. denn ich gehe davon aus, dass james cameron, genau wie ich, seinen geist, seine per­sön­lich­keit und seine fä­hig­kei­ten während seiner so­zia­li­sa­ti­on auch auf basis von aber­mil­lio­nen „per­for­man­ces“, äus­se­run­gen oder krrea­ti­ven arbeiten trainiert hat. wir sind der durch­schnitt der giganten auf deren schultern wir stehen.
 

lernen ist per de­fi­ni­ti­on, zumindest so wie ich es verstehe, das bilden eines durch­schnitts aus grossen mengen input. dass man eine eigene hand­schrift ent­wi­ckelt ist nicht aus­ge­schlos­sen, wenn man zunächst mal die durch­schnitt­li­che schrift gelernt hat, die alle anderen be­herr­schen und nutzen. wenn man sich mit seiner eigenen hand­schrift zu weit vom durch­schnitt entfernt, wird die hand­schrift un­le­ser­lich.
 

wir sollten also durchaus für den durch­schnitt kämpfen (und uns nicht davon abhalten lassen, darüber hinaus zu wachsen, wenn es uns danach ist).
