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title: plötzlich ist das original wichtig
date: "2026-08-11T23:00:00+02:00"
url: "https://wirres.net/articles/plotzlich-ist-das-original-wichtig"
tags: [synchronisierung, filme, serien, original, synchronisation]
category: artikel
additional_categories: [wirres.net]
author: felix schwenzel
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# plötzlich ist das original wichtig

beim bildblog wies lorenz meyer [heute](https://bildblog.de/154253/faz-bedauert-frage-bedrohte-synchronbranche-bollywood-ausflug/) auf dieses 40 minuten lange video hin. das video ist über synchronsprecher und wie sie sich von KI bedroht fühlen.

[![video auf youtube ansehen](https://wirres.net/cache/md-yt-thumbs/articles-plotzlich-ist-das-original-wichtig-8zL-NtEZwV8.jpg)](https://youtu.be/8zL-NtEZwV8)

ich habe mich durch das ganze video gequält und kann es nicht empfehlen. aber wenn ich über das video schreibe, dachte ich, muss ich da durch.

ich bin kein fan von synchronisation, im gegenteil. ich vermeide so gut ich kann. in den letzten 20 jahren ist mir das dank des technischen fortschritts auch ganz gut gelungen. die ersten 30 jahre meines lebens war ich der synchronisation von filmen und fernsehserien hilflos und alternativlos ausgeliefert. jeder film, jede fernsehserie wurde ausschliesslich mit deutschen stimmen überbügelt.

mit dem aufkommen der DVD wurden originalversionen leichter zugänglich. wenn ich mich recht erinnere, wandelten sich videotheken so um 2003 bis 2005 langsam aber sicher zu DVDtheken und mit DVDs hatte ich endlich eine wahl mir filme und serien auch endlich im original anzuschauen.

auf eine art bin ich den 30 jahren zwangssynchronisation dankbar. alles was ich in den ersten 30 jahren an medien konsumiert habe, kann ich jetzt nochmal völlig neu im original entdecken. vor einem jahr hab ich mir alle folgen der *muppet show* angesehen, davor *magnum PI*. vor 15 jahren war ich erstaunt darüber was für eine weiche, ernste, sympathische stimme eddi murphy hat und dass er eben kein affiger schreihals ist.

im video oben machen einige deutsche synchronsprecher darauf aufmerksam, dass das was sie tun kunst sei. dem möchte ich nicht widersprechen, aber diese kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun haben will. so wie ich nicht auf ein auf ein industrial metal konzert gehen möchte oder in die oper. ich habe nichts dagegen wenn synchronsprecher ihrer kunst nachgehen, solange sie mich mit ihrer kunst in ruhe lassen. da sie mich 30 jahre meines lebens nicht in ruhe damit gelassen haben, habe ich in dieser zeit — und danach — allerdings ein emotionales meinungsbild über diese kunst entwickelt. kurz gesagt: ich ertrage diese stimmen nicht, weil sie so glatt und gleichzeitig überzeichnet, gestelzt und aufgetragen sind. [kein mensch auf der welt redet so, wie synchronsprecher reden](https://www.youtube.com/shorts/GmJX8V905c0). ich denke im kunstkontext ist das auch OK, niemand singt so wie opernsingende singen, niemand malt so wie malerinnen malen, niemand tanzt so wie ballettänzerinnen tanzen.

der witz ist: als ich vor einer weile mal testweise die stimme der chatgpt-app aktiviert habe, dachte ich sofort an synchronsprecher: viel zu viel pathos, emotion, mühe. alles etwas zu doll aufgedreht und eine durchgängige nuschel-phobie.

im video sagt peter flechtner, der unter anderem ben affleck synchronisiert, an einer stelle:

> ich glaube die leute werden irgendwann auch genervt sein wieder von den ki stimmen.

das glaube ich auch, aber ich glaube auch das viele leute von den synchron stimmen genervt sind. bestimmt nicht alle, im gegenteil, ganz offensichtlich mögen die viele auch, aber ich fand es frappierend wie in dem video die ganze zeit darauf hingewiesen wird wie scheisse und parasitär KI ist, aber an keiner stelle festgestellt wird dass synchronisierung das original verzerrt und uminterpretiert. ich vermute, dass viele filmemacher synchronisation ihrer werke nur wegen knebelvertriebsverträgen zulassen. ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass jemand der jahrelang für einen *directors cut* kämpft es toll findet, wenn das werk dann nochmal von synchronstudios neu interpretiert wird.

hollywoodschauspieler sind zu professionell um sich on the record negativ über synchronisation auszulassen. jodie foster hat [in einem interview](https://archive.thedigitalbits.com/articles/interviews/jodiefoster/fosterround.html?utm_source=chatgpt.com) mal darauf hingewiesen, dass sie sich selbst in französisch synchronisiert. das sei ein schwieriger, anstrengender job.

> So, I wish more actors could do it, but I got to tell you it's really hard. It's really hard.

aber sie weist auch darauf hin, dass die filme eben uminterpretiert werden:

> I was […] supervising the Italian and the German and the Spanish and all of that. It was so interesting to see how all the different romance languages would interpret and how the character changes in some ways in all those languages.

jodie foster findet das auf eine art aufregend, ich find es eher schade. viele leute finden es auch aufregend ihre autos tiefer zu legen oder spoiler dranzukleben oder kaffee mit sprühsahne zu trinken. ich finde meistens das original aufregend genug.

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wenn es tatsächlich so ist, dass die menschen ihre synchronstimmen lieben, darauf weisen die synchronsprecher und sprecherinnen mehrfach im video hin, dann gibt es ja eigentlich keinen grund zur sorge für die branche. dann lehnt die mehrheit artifizielle stimmen ab und die grossen streaminganbieter, filmstudios, vermarkter müssen nachziehen und weiter schauspieler fürs synchroniseren zahlen.

meine vermutung ist allerdings dass es den meisten menschen egal ist. zumindest den menschen die jetzt schon synchronisierte filme und serien akzeptieren oder dem original (mit untertiteln) vorziehen. die von den synchronsprechern vielbeschworene „deutsche synchronsprecher-kultur“ hat über viele jahrzehnte im wörtlichen sinne das *original* marginalisiert und entwertet. warum sollte sich diese mehrheit — der das original egal ist — jetzt plötzlich dafür interessieren, dass die stimmen original und nicht maschinengeneriert sind?
