links vom 26.07.2017

felix schwenzel, , in links    

[werbung] ghostwriting auf ACAD WRITE

felix schwenzel, , in artikel    

wer beauftragt eigentlich ghostwriter? das ist so eine frage, die man sich mal stellen kann (oder auch nicht, fällt ungefähr in die kategorie „ist eine avocado eine frucht oder ein obst?“ oder „warum kriege ich eine gänsehaut, wenn ich niesen muss?“), also stellte ich sie mir und suchte nach antworten.

eines der ersten suchergebnisse bei google ist die agentur ACAD WRITE. der internetauftritt wirkt seriös, kann man mit arbeiten, die informationen sind übersichtlich dargestellt und der potenzielle interessent sieht sofort, wo er anrufen muss, um sich beraten zu lassen. lustig fand ich, dass die seite eine möbius-schleife ist – ich hörte nach einer stunde auf, aber während dieser stunde fand ich pro minute zwei neue unterseiten. spannend auch: ACAD WRITE stellt seine qualitätsmanager vor, sodass erkennbar ist, wer sich hinter den fachbereichen verbirgt. inwieweit das tatsachen entspricht, ließ sich für mich nicht nachvollziehen, aber alle samt ließen sich wiederum googeln und schienen, grob geprüft, reale personen zu sein.

aber wie läuft das ganze ab? am einfachsten scheint es zu sein, das anfrageformular auszufüllen. daran führt auch kein weg vorbei, so schlicht die seite ist, so sehr schreit sie an allen ecken und enden „komm jetzt, geh zum formular, füll’s endlich aus!“. im formular werden die wichtigsten fragen gestellt: um welche art von arbeit handelt es sich (haus-, bachelor-, masterarbeit, ganz was anderes?), wie viele seiten sollen es sein, wird es eine literaturarbeit oder werden daten erhoben und wann ist der abgabetermin? danach noch die eigentlichen infos zur arbeit: wie lautet das thema, welche schwerpunkte sollen behandelt werden und gibt es sonst noch etwas, was der geisterschreiber wissen muss?

etwa anderthalb stunden nach ausfüllen des formulars klingelt auch schon das telefon: ein mitarbeiter von ACAD WRITE ruft an und – siehe da – hinter der agentur sitzen tatsächlich echte menschen – sachsen wie es scheint –, die sich mit dem angefragten projekt auseinandersetzen, fragen stellen und herausfinden wollen, wie sie am besten unterstützen (geld verdienen) können. der ablauf wird auch erklärt: nach der auftragsbestätigung wird eine anzahlung geleistet, danach findet die telefonkonferenz mit dem autor statt und schon geht es los. der text wird, je nach umfang, in mehrere teillieferungen gesplittet, nach denen die möglichkeit besteht, änderungswünsche zu äußern. erst wenn die erste teillieferung zufriedenstellt, wird die nächste zahlung fällig.

ich frage mich, ob eine ghostwriting-agentur auch blogtexte verfassen würde …?

[hintergrund zu diesem artikel]

blogfoster, werbung und ghostwriting

felix schwenzel, , in artikel    

ursprünglich habe ich mich vor etwas über andertalb jahren bei blogfoster aus niederen motiven registriert. blogfoster vermittelt bezahlte artikel an blogger, die diese dann selbst schreiben und in den fluss ihres blogs einspeisen. auf denglisch werden diese artikel gerne sponsored posts genannt und oft auch so gekennzeichnet, als sponsoring, statt klar und deutlich als anzeige oder werbung. mein niederes motiv war ursprünglich zu gucken, welche kampagnen laufen und dann im netz zu gucken, wer gerade über ein produkt oder eine dienstleistung schreibt, die gerade bei blogfoster läuft und vergisst den artikel als bezahlt zu kennzeichnen.

anderen bloggern auf die finger zu schauen hat mich dann aber bereits nach 20 minuten gelangweilt und sich als müssig herausgestellt. das googeln nach blogfoster-kampagnen spülte irre viel öden, uninspirierten blog-müll vor meine augen, dass ich es nicht lange ertrug. insbesondere die jovialen, direkten leseransprachen vieler sponsored-post-blogger („hey leute, wisst ihr was ich gerade mache?“) zeigten mir: in müll zu wühlen ist nichts was ich länger als 20 minuten machen will.

ich war aber auch schnell abgelenkt, weil ich bei blogfoster immer wieder kampagnen entdeckte, die mich tatsächlich interessierten. daraus wurden dann bezahlte werbeartikel wie dieser oder dieser. manche kunden lehnten meine bewerbungen ab und zwischendurch vermittelte ich mir immer wieder selbst bezahlte werbeartikel wie diesen oder diesen oder diesen.

bei der zusammenarbeit mit blogfoster wurde auch schnell klar, dass blogfoster selbst zumindest grossen wert auf ordentliche kennzeichnung der bezahlten werbeartikel legt. teilnehmern wird deutlich gesagt:

Schreibe „Anzeige“ noch vor dem Titel Deines Artikels

ausserdem wurde mir klar, dass ich werbung zwar doof finde, insbesondere bezahlte werbeartikel in blogs, ich aber bei bestimmten produkten immer wieder das gefühl hatte eine geschichte erzählen zu können, die den einen oder anderen interessieren könnte. genauso oft war ich neugierig was das produkt oder die dienstleistung taugte und nahm mir vor eine empfehlung nur dann auszusprechen, wenn es mir auch wirklich gefiel. das hatte dann mindestens einmal zur folge, dass hier im blog ein bezahlter verriss erschien.

* * *

im februar fand ich bei blogfoster diese kampagne zur bewerbung:

ACAD write kampage bei blogfoster

der pitch-text dazu lautete:

Auftrag
██████ ██ ██████ ███████ ███ █████████████ ████████████████ ███ ███████ ███. ████ ████ █████ ██████ ███████ ████ ████████████████ ██ ███ ███ ████████████. ██████ ███████████████ ████ ██████████████: ████████, █████ ███ ██████████████████, ████████, █████████████ ███ ████████████████, ████████ ████ ███ █████████ ███ ████ ██████ ████!

█████ ███ ██████ ███████ ████ ██████████████ ███, ███ ██ ██████ ████ █████. █████ ██ ██████ ███████ ████ ██████ ████████████ █████ ███ █████ ███████/███ ███. ███ ████ ██████████████ ████ █████ ███████████ ███ ████████████ ████████ ███ ███ █████ ███████████ ████████ ████. ██████████ █████████ ███ ████ █████ ███ ███████ █████████ ██████ ██████.

██████ ██████ ██████ ████ ████ █████ ███████ ██ ██████ █████████ █████.


der pitch [entfernt auf bitten von blogfoster, siehe unten] zeigt potenziell die grundsätzliche blödsinnigkeit der idee von bezahlten werbeartikeln. wenn man die augen zusammenkneift lautet der auftrag hier: ziehe dir irgendwas zum thema ghostwriting aus der nase, schreibe es auf, nenne einen firmennamen, stelle deinen lesern eine frage und kassiere ███ euro. (███ euro habe ich von blogfoster angeboten bekommen, blogger mit mehr besuchern bekommen wahrscheinlich mehr.)

die irrsinnige quatschigkeit, die implizite widersprüchlichkeit und der konjunktiv dieses schreibauftrags inspirierte mich aber auch auf gewisse weise. denn so einen text, wie gefordert, zu schreiben („persönlicher Bezug zum Thema Bildung“!) würde bei mir sofort zu massiven schreibblockaden führen und wenn ACAD WRITE dabei angeblich helfen kann, warum nicht die ghostwriter beauftragen den werbeartikel über sich selbst zu schreiben?

also habe ich mir bei ACAD WRITE ein unverbindliches angebot eingeholt, mit der bitte den preis unter ███ euro anzusetzen und mit einem leicht angepassten auftragstext, den ich von blogfoster kopiert habe.

Stelle in Deinem Beitrag die verschiedenen Dienstleistungen der Agentur Acad Write vor. Acad Write bietet weitaus mehr Dienstleistungen an als nur Ghostwriting. Solche Dienstleitungen sind beispielsweise: Coaching, Hilfe bei Forschungsanträgen, Lektorat, Unterstützung bei Schreibblockaden, Zitieren oder bei Referaten und noch vieles mehr!
Für diesen Beitrag soll es um die rekursive Kreativleistung der Agentur gehen, für sich selbst als Dienstleistung zu werben. Da in diesem Beitrag auch ein persönlichen Bezug zum Blog wirres.net hergestellt werden soll, wäre es gut im Text nicht allzu viele Adjektive zu benutzen und auf Grossbuchstaben zu verzichten. Wichtig ist, dass der Beitrag im Tonfall leicht rotzig und kritisch ist, und trotzdem Euphorie und eine positive Grundhaltung ausstrahlt. Wichtig ist, dass in dem Text klar wird, das Acad Write auch super für sich selbst Ghostwriten kann, also auch vor schwierigen Aufgaben nicht kapituliert.
Im Text sollen die Leser zu Feedback angeregt werden: wie gut hat die Agentur Acad Write ihre Aufgabe gelöst, passt der Text zum Blog, etc.

Ganz wichtig ist neben der Herausstellung der Qualitäten der Agentur Acad Write, der Tonfall des Textes. Er sollte sich harmonisch ins Blog einfügen, auch das Wort ich darf mal vorkommen, subjektive Einfärbung ist OK. Tabu ist überschwängliches Lob, Eigenlob muss elegant in Selbstkritik verpackt werden.

Meine Preisvorstellung geht so ungefähr in die Richtung von unter ███ Euro.

keine zwei stunden später klingelte mein telefon. ob ich das wirklich gewesen sei und ob ich das ernst meinen würde. natürlich meine ich das ernst, wobei von meiner seite aus natürlich der angebotspreis entscheidend sei. verlust wollte ich mit der aktion nicht unbedingt machen, auch wenn finanzieller verlust bei bezahlter werbung ein ganz besonderer gag wäre. zwischen den zeilen hörte ich noch ein bisschen skepsis heraus, ich wurde noch gefragt ob der artikel dann auch eine offene kommentarfunktion hätte und ob die agentur sich auch selbst in den kommentaren melden könne und eventuell stellung beziehen könne. klar sagte ich und auch wenn allgemein nicht so viel bei mir rumkommentiert würde, würde ich durchaus meine kommentarstränge moderieren und wenns sein muss auch eingreifen. die dame am telefon wollte das dann nochmal mit ihren kollegen und ihrem chef durchsprechen, der wohl nicht so irre online-affin sei, sich aber am nächsten tag nochmal bei mir melden werde.

tatsächlich rief mich der chef der agentur dann am nächsten tag an und ich konnte erneut deutliche skepsis gegenüber diesem online-gedöns spüren. im grunde hätte die agentur gar nicht so grosses interesse an öffentlichkeit. warum man denn dann bei blogfoster die kampagne angeschoben habe, fragte ich. ach ja, diese social-media sachen mache ein jüngerer kollege, der sei da ziemlich aktiv. wir plauderten noch ein bisschen und am ende versprach er mir, dass er sich später nochmal melden würde. sie müssten das nochmal intern besprechen.

tatsächlich schien man sich dann aber bei ACAD WRITE ziemlich schnell einen grossen, mutigen ruck gegeben zu haben und kurz danach hatte ich ein angebot über ███ euro in meiner mailbox (30 euro weniger als blogfoster mir zahlen würde), kurz danach eine auftragsbestätigung und dann eine vorrauskasse-rechnung über ███ euro.

ein paar tage später, alles über das online portal der agentur organisiert, hatte ich ein telefonat mit meiner designierten autorin, mitsamt einem moderator in der konferenzschaltung und eine woche später, lag mir ein erster textentwurf vor. an dem entwurf hatte ich nur den schlusssatz zu bemängeln (jovialität, eine denglische passage) und damit war die sache dann erledigt. hier ist der bezahlte, ghostgewrittene werbeartikel, an dem ich jetzt 30 euro, abzüglich steuern verdient habe:

[werbung] ghostwriting auf ACAD WRITE

* * *

[nachtrag 24.07.2017]
blogfoster hat sich bei mir gemeldet und mich gebeten „geschützten Informationen“ aus meinem artikel „zu entfernen“. deshalb sind jetzt der preis, den blogfoster mir geboten hat, sowie der wortlaut des briefings im artikel unleserlich.
ich habe blogfoster gebeten mich aus ihrer bloggerdatenbank zu entfernen.

wie billiger-mietwagen.de kunden an schwarze schafe vermittelt

felix schwenzel, , in artikel    

billiger-mietwagen.de funktioniert: man findet dort günstige mietwagen und kann sie dort auch gleich mieten. schliesst man bei billiger-mietwagen.de einen vertrag ab, geht man meist mindestens drei verträge ein: mit dem vermittler billiger-mietwagen.de, mit einem „veranstalter“ und mit einer mietwagenfirma. für kunden ist diese konstruktion so lange unproblematisch, wie alles gutgeht. tauchen hingegen probleme auf, lässt sich diese konstruktion prima von den verschiedenen vertragspartnern nutzen, um verantwortung hin und her zu schieben.

seit meiner letzten buchung bei billiger-mietwagen.de weiss ich, warum billiger-mietwagen.de nicht unproblematische-mietwagen.de oder serioese-mietwagen.de heisst: man vermittelt dort eben günstig erscheinende mietwagen, versteckte zusatzkosten oder unseriöses geschäftsgebaren der vermittelten vertragspartner sind in der verantwortung des kunden.

im marketing und vor vertragsabschluss gibt sich billiger-mietwagen.de als vertrauensvoller und beratender partner des kunden aus („Alle Kosten transparent aufgeschlüsselt“, „16-facher Testsieger“, „… mobil buchen und beraten lassen“), bei problemen zieht sich billiger mietwagen dann etwas verkniffen auf den weniger kundenfeundlichen standpunkt zurück: „steht doch so in den AGB!“ oder „wir vermitteln nur, klären sie das bitte selbst!“

(für diesen artikel wollte die pressestelle von billiger-mietwagen.de meiner bitte um stellungnahme nicht nachkommen)

* * *

für unseren schottlandurlaub hat uns billiger-mietwagen.de über den „veranstalter“ cardelmar an eine sehr günstig erscheinende mietwagenfirma in glasgow vermittelt: green motion.

wäre ich weniger gutgläubig, hätte ich mich nicht auf billiger-mietwagen.de verlassen und gründlicher über diesen anbieter informiert, hätte ich ganz sicher nicht bei green motion gebucht. auffallend viele rezensionen auf google-maps warnen ausdrücklich davor, dort zu mieten, laut diesem guardian-artikel, der ebenfalls von zweifelhaftem geschäftsgebaren von green motion berichtet, ist der vermieter der am schlechtesten bewertete autovermieter auf trustpilot.com. selbst die neuesten reviews auf green motions facebookseite sind katastrophal und lassen sich wohl ganz passend mit dem zitat eines ehemaligen kunden zusammenfassen: „Avoid this company at all costs“. bei billiger-mietwagen.de sind die bewertungen auch nicht die besten, aber die wertung von 3,7 (von 5,0) hat bei mir beim bestellprozess leider keine alarmglocken schrillen lassen.

vertragsituation mit billiger-mietwagen.de

aber selbst wenn ich mir die mühe gemacht hätte die rezensionen auf billiger-mietwagen.de zu lesen, sie sind weitaus weniger drastisch als die auf anderen bewerungsportalen und ausserdem schwer zu lesen. billiger-mietwagen.de stellt umlaute in rezensionen kaputt dar und entstellt die bewertungen in der übersicht aus unerfindlichen gründen algoritmisch. so sieht derzeit die zweitaktuellste zwei-sterne-rezension von green motion auf billiger-mietwagen.de aus:

Der Vermieter hat die Vermietung auch nur [Vermieter vor Ort]¼ber einen Dritten weitervermittelt bekommen und kann daher nichts [Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort][Vermieter vor Ort] seine Fehler. ...

* * *

als wir in glasgow am flughafen ankamen, wussten wir noch nichts vom zweifelhaften ruf von green motion. aber es ging schon nicht besonders flüssig los. wir mussten dreimal eine telefonnummer anrufen, die auf dem voucher von billiger-mietwagen.de stand, bis uns ein lieferwagen abholte, der uns in ein gewerbegebiet nahe dem flughafen fuhr, wo sich die autovermietung befindet.

green motion in glasgow

die angestellte, die uns im büro bediente, war freundlich und lachte herzlich und freundlich über mein führerscheinbild. im plauderton, fragte sie uns dann wo es denn hinginge. unter anderem nach islay, skye und lewis, erwiderte die beifahrerin. daraufhin eröffnete uns die angestellte:

fahrten auf die schottischen inseln würden leider eine zusätzliche gebühr und versicherung erfordern. das würde auch so in ihren AGB stehen. sie tippte auf ihren taschenrechner rum und zeigte uns die erforderliche summe: 345 britische pfund, etwas über 400 euro. für den mietwagen für zwei wochen hatten wir knapp 190 euro bezahlt. 200 prozent preisaufschlag!

als wir völlig fassungslos reagierten schlug uns die angestellte vor, dass wir den wagen auch ohne die versicherung haben könnten, nur dürften dann aber eben nicht auf die inseln. das ging natürlich nicht, weil wir dort bereits zimmer gebucht und teilweise bezahlt hatten.

ich rief die hotline von billiger-mietwagen.de an, beschrieb die lage und fragte ob wir den mietwagen stornieren könnten.

nee, das sei leider zu spät, das ginge nur bis 24 stunden vor mietbeginn. laut hotline sei bekannt, dass autovermieter es nicht gerne sehen würden, wenn man mietwagen auf fähren fahre. für eine neue buchung sei es jetzt auch arg knapp, ein wagen bei einem anderen vermieter würde jetzt wohl bei mindestens 400 euro liegen. ich rechnete und kam für beide varianten auf einen ähnlich unangenehmen preis von um die 600 euro.

ich entschied mich für das grössere übel, für green motion und gegen die ungewissheit, jetzt noch einen einigermassen günstigen mietwagen anderswo zu finden.

wir zahlten zähneknirschend die 345 pfund. die beifahrerin platze beinahe vor wut.

bei der autoübergabe zückte die angestellte ein ein leeres schadensprotokoll und erklärte uns, dass sie darauf jetzt vorhandene lackschäden notieren würde. die beifahrerin und die angestellte liefen um das auto herum und suchten nach lackschäden am auto, die angestellte machte kleine striche im protokoll. ich versuchte die schäden zu fotografieren, aber auf den bildern sahen wir später, erkennt man wegen der ungünstigen lichtverhältnisse so gut wie gar nichts.

im nachhinein wunderte ich mich, dass das protokoll zum anfang leer war. von anderen autovermietern kenne ich es eher, dass bekannte vorschäden bereits verzeichnet sind und man lediglich aufgefordert wird zu prüfen, ob weitere, noch nicht verzeichnete schäden vorhanden sind.

die angestellte gab sich grosse mühe die übergabe möglichst korrekt und gründlich durchzuführen. offenbar plagte sie, wegen der wut der beifahrerin über die versteckten und missverständlich formulierten mietbedingungen, ein schlechtes gewissen. die angestellte liess sich sogar dazu hinreissen uns zu sagen, dass diese bedingungen regelmässig kunden überraschen und frustrieren — und dass sie und ihre kollegen schon mehrfach versucht hätten auf das „management“ einzuwirken diese praxis zu verbessern. ausserdem wies sie mich deutlich auf eine weitere versteckte wucher-bedingung hin, nämlich dass wir im falle eines parktickts oder strafzettels 84 britische pfund (knapp 100 euro!) bearbeitungsgebühr zahlen müssten — für jedes knöllchen.

bevor wir abfuhren entschuldigte sich die angestellte, dass sie uns jetzt den urlaub versaut hätte: „sorry for ruining your holdiday!“. ich machte, wie immer in solchen situationen, einen scherz, die beifahrerin stimmte ihr bloss zu: „you are right, you ruinied our holiday!“

* * *

in den nächsten tagen zeigte sich, dass die beifahrerin und ich verschiedene problembewätigungsstartegien haben. ich nahm mir vor den ganzen scheiss bis zum ende des urlaubs zu verdrängen und nicht weiter drüber nachzudenken und zu reden. die beifahrerin fing noch im auto an die firma green motion zu googeln und förderte furchteinflössende erfahrungsberichte von green-motion-kunden zu tage, die sie alle mit mir durchsprechen wollte.

wir lasen, dass viele kunden, die lediglich versicherungen mit selbstbeteiligung abgeschlossen, hatten bei der mietwagen-abgabe hunderte pfund für angeblich neu hinzugekommene lack-, reifen- oder glasschäden zahlen mussten, wie leichte verschmutzungen bei der abgabe zu starken, zusatzgebührenpflichtigen verschmutzungen erklärt wurden. das internet war voll mit horrorgeschichten über green motion.

ich beklagte mich auf twitter über den versteckten aufpreis und fragte mich vor allem, wie unternehmen wie billiger-mietwagen.de oder cardelmar mit gutem gewissen solchen unseriösen partnern zusammenarbeiten können.

die beste antwort auf diese frage fand die beifahrerin im einem tagesspiegel-artikel, in dem es zwar um ein anders schwarzes mietwagen-schaf geht, aber das prinzip düfte überall das gleiche sein:

Der Sprecher eines anderen Mietwagen-Portals möchte nicht zitiert werden, spricht aber dafür Klartext: „Goldcar gaukelt niedrige Preise vor, und zieht den Kunden dann zusätzlich Geld aus der Tasche.“ Eine Masche. Goldcar bleibe vor allem deshalb im Angebot, weil die Portalbetreiber Wettbewerbsnachteile fürchteten. Die Spanier bringen mit ihren niedrigpreisigen Lockangeboten eben besonders viele Besucher auf die Internetseiten.

günstige, billige lockpreise, gut versteckte AGB und sonderbedingungen mit zusatzgebühren weit über dem branchendurchschnitt machen zunächst alle glücklich:

  • kunden, die vermeintlich ein schnäppchen geschossen haben
  • vergleichsportalanbieter und vertragsvermittler, die ihre wettbewerbsposition stärken, indem sie ihre vertrags- und kundenzahlen erhöhen und vermutlich auch gute provisionen kassieren
  • und natürlich die mietwagenanbieter, die mit den niedrigen preisen kunden anlocken, die sie dann so lange mit zusatzgebühren melken können, bis der preis dann wieder stimmt

ein perfides spiel, dass die vermittler und veranstalter offenbar willig mitspielen und sich dann, wenn sie darauf angesprochen werden doof und unzuständig geben:

unleserliche review-formatierung bei billiger-mietwagen.de

immerhin konnten wir die vermittlung eines weiteren kunden an green motion mit unseren tweets verhindern:

* * *

nach drei oder vier tagen hatte sich die wut der beifahrein wieder gelegt und wir konnten den urlaub in schottland doch noch geniessen. was aber bis zuletzt nicht verflog war die angst vor der rückgabe. die beifahrein schreckte ungewöhnlich oft hoch, wenn ich etwas zu nahe am strassenrand fuhr, sich schlaglöcher näherten oder wir auf den teilweise sehr, sehr schmalen schottischen strassen von lackkratzenden wegpflanzen bedroht wurden.

zwei tage vor der abgabe des autos beendete ich meine green-motion-verdrängung und fing selber an rezensionen und erfahrungsberichte zu lesen, um für die abgabe gewappnet zu sein. was ich las belastete mich leider mehr, als ich erwartet hatte. wie konnte ich so blöd gewesen sein, mich nicht besser über den anbieter zu informieren? wie konnte ich so blöd sein, einem laden wie billiger-mietwagen.de vertrauen zu schenken? was wird uns das kosten, wenn die uns bei der abgabe glas- oder reifenschäden andrehen? die selbstbeteilung bei lackschäden, so hatte ich mittlerweile nachgesehen, wurden von einer zusatzversicherung, die wir über billiger-mietwagen.de bei cardelmar abgeschlossen hatten, getragen. bei glas- und reifenschäden wären wir aber weiterhin mit mindestens 900 euro selbstbeteiligt. ich hatte in den letzten nächten abgabe-albträume und tagsüber schlechte laune.

erstaunlicherweise war die abgabe dann unproblematisch, auch wenn die lackprüfung, wie erwartet, nicht in der schumrigen fabrikhalle stattfand, sondern unter freiem himmel, bei sonnenlicht. der angestellte, der den wagen abnahm, monierte keine schäden. auch keine glas- oder reifenschäden. das von ihm unterschriebene übergabeprotokoll rückte er jedoch erst auf explizite nachfrage in kopie heraus. auf meine frage ob das jetzt alles sei oder ob wir noch mehr „paperwork“ bekämen, sagte er „everthing is OK.“

ich mag ihm das bis heute noch nicht so recht glauben.

* * *

billiger-mietwagen.de zeigte sich in der ganzen angelegenheit wenig hilfreich, auch wenn sie einen gegenteiligen eindruck zu erwecken versuchten:

auf meine nachfrage, zehn tage später, was denn jetzt aus der „eskalation“ geworden sei, antwortete billiger-mietwagen.de:

das mit den AGB ist ja so ne sache. natürlich lesen die wenigsten die AGB, das sagt die erfahrung und experimente. aber billiger-mietwagen.de hat nichts getan, um uns die AGB von green motion, auf die sie sich im tweet oben beziehen, zugänglich zu machen. ich habe von billiger-mietwagen.de zwar ihre eigenen AGB, die AGB von cardelmar und ein paar sogenannte „lokale mietbedingungen“ angezeigt und gemailt bekommen, aber in diesen waren, ausser ein paar ausgewählten und übersetzten passagen, keine AGB von green motion.

um vorab oder nach der buchung von der übersee-zusatzgebühr zu erfahren, hätte ich auf die AGB-seite von green motion gehen müssen und dort eine nebulöse formulierung über das verlassen des „mainland UK“ verstehen müssen.

Overseas Use
Green Motion vehicles can only be used on the UK mainland. Permission for use in Ireland* or France will attract the following charges

The cost will be calculated as the Standard rental + £125 surcharge + £20 per part calendar day.

die AGB-sache ist komplex und meiner vorläufigen meinung nach juristisch fragwürdig, hier habe ich einen separaten artikel dazu geschrieben.

wichtig ist: weder billiger-mietwagen.de, noch cardelmar, noch green motion geben sich mühe auf diese kostenfalle hinzuweisen. auf nachfrage, bei der hotline, per twitter verweist billiger-mietwagen.de immer wieder auf die AGB von green motion. eine verantwortung als preisvergleichssuchmaschine und vertragspartner im komplizierten mietprozess auf versteckte zusatzkosten hinzuweisen lehnt billiger-mietwagen.de ab und zeigt mit dem finger auf richtung veranstalter, also in diesem fall cardelmar.

so lange billiger-mietwagen.de und cardelmar mit anbietern wie green motion zusammenarbeiten oder nicht wenigstens deutlich und vorab auf die exzessiven zusatzgebühren von anbietern wie green motion hinweisen, mache ich einen grossen bogen um diese unternehmen und kann auch niemandem empfehlen, dort zu buchen.

vor allem mag ich nicht glauben, dass billiger-mietwagen.de und cardelmar von dem unseriösen und zweifelhaften geschäftgebaren von green motion nichts wissen. das netz ist seit mehreren jahren gefüllt mit erschütternden erlebnisberichten über green motion. ich kann aus der ignoranz gegenüber diesen erlebnisberichten nur (spekulierend) schliessen, dass sowohl billiger-mietwagen.de, als auch cardelmar ihre kunden lieber über vorgeblich billige mietwagen täuschen, als auf niedrige lockangebote zu verzichten.

ausserdem stellt sich hier eine existenzielle frage, auf die ich von billiger-mietwagen.de wohl nie eine antwort bekommen werde.

* * *

apropos schwarzes schaf. die kontakt-adresse die green motion angibt, befindet sich in der sheep lane in bedfordshire.

(via)

mary und alan

beifahrerin, , in artikel    

(gastbeitrag der beifahrerin)
bei der abreise von islay parken wir unser verkacktes auto irgendwo in port ellen und machen uns auf die suche nach einem tearoom. es ist kurz vor neun und unsere fähre geht um zwölf uhr. ich hab das „cyber bistro“ rausgesucht, von dem ich irgendwo gelesen hatte, dass es ganz gut sein soll, das hat aber noch zu.

etwas planlos schlendern wir auf der strasse umher als uns eine kleine ältere dame anspricht. „are you lost?“ piepst sie und grinst mich mit ihren kurzen zähnen breit an.

„yes, we were looking for a place where we could have some tea but it’s all closed. do you happen to know a place that’s already open?“

ein älterer, ebenso kleiner herr mit sehr hellen blauen augen, weissem haar und ungewöhnlich trendigem haarschnitt tritt dazu, offenbar der ehemann. seine frau sagt, sie habe eine idee und verwindet dann in einem seiteneingang einer nahegelegenen kirche.

seiteneingang der st john’s church in port ellen
seiteneingang der st john’s church in port ellen

der mann stellt sich vor. er heisse alan und woher wir denn seien. aus berlin? sofort beginnt er sein deutsch hervorzuzerren. er spricht sehr langsam, muss viel überlegen, aber die grammatik ist tadellos. er habe es in der schule gelernt. deutsch und französisch. 1947 sei er dann für zwei jahre in berlin gewesen. als der einrufungsbefehl kam, habe man ihn gefragt, wo er hin wolle. und er wollte sehr gerne nach indien, das habe es sich so schön vorgestellt! kalkutta! neu-delhi! dann kam der brief und es wurde berlin. in der nähe von hannover sei er auch mal gewesen, aber da waren die leute nicht nett. die berliner dagegen seien sehr freundlich gewesen.

während er weiter nach deutschen vokabeln sucht winkt uns seine frau mary vom seiteneingang der kirche begeistert zu sich rüber.
eigentlich öffne man erst um zwölf aber man mache eine ausnahme. mary weist uns den weg in eine art schrammeligen dunklen gemeindesaal in dem mehrere tische aufgestellt sind sowie eine längere tafel wo schon ein paar kuchenplatten stehen.

kuchen in der st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen

während wir zwei becher tee bestellen verschwinden mary und alan im nebenraum. wir sitzen im halbdunkel und sehen teeschlürfend ein paar älteren damen in kittelschürzen dabei zu wie sie um uns herum plastikstühle zurechtrücken und blumenvasen aufstellen.

tee in der st john’s church in port ellen

das schöne an der britischen tee-liebe ist ja, dass sie trotz des ganzen theaters um ihre „cuppa“, die den gesamten alltag durchstrukturiert, bei der zubereitung einfach nur ein paar olle teebeutel in die kanne knallen, wasser drüber, fertig. nix mit first flush, SFTGFOP1, zwei minuten ziehen lassen und 70 grad oder so.
fäden zum rausziehen sind an den englischen teebeuteln garkeine dran weil die eh niemand braucht. die beutel werden einfach so lange im wasser gelassen bis die kanne alle ist. tiefschwarz isser schon nach einer sekunde.

als ich das die ersten male trank hab ich die teebeutel immer nach zwei minuten mit der kuchengabel rausgefischt aber dann hab ich das prinzip auch irgendwann kapiert: mit milch und zucker isses nämlich eigentlich egal wie lange der tee zieht.

als die becher leer und bezahlt sind finden wir mary und alan im nebenraum wieder, dem ausser betrieb scheinenden kirchenschiff, einer großen leeren halle, in der ein paar tapeziertische stehen auf denen mary kleine bilder arrangiert: ihre bilder.

bilder von mary knowles
bilder von mary knowles

sie stelle hier jede woche aus, erzählt sie, leider käme kaum jemand vorbei. die tür zur hauptstrasse dürfe wegen einsturzgefahr nicht benutzt werden und den nebeneingang finde man nicht so einfach.
seit 10 jahren leben sie und alan nun schon auf islay, eigentlich seien sie aus nord-england, in der nähe von manchester. sie seien zu ihrer tochter gezogen, die hier ärztin war, und jetzt im ruhestand. mary werde nächstes jahr 90 und alan sei 91.

mary, alan und katia

früher war mary biologie-lehrerin, da habe sie auch schon gemalt. heute male sie nur noch.
zwischen den ungefähr 150 landschafts- und tierbildern auf den tischen liegt auch ein portrait von judi dench. ich frage sie, warum sie sie gemalt habe. sie guckt gespielt entrüstet, was für eine blöde frage: „because I like her!“

wohnen würden sie in einem der ehemaligen arbeiterhäuser auf dem laphroaig-destillerie-gelände und das, obwohl sie gar keinen alkohol trinken würden!
wenn wir mal wieder vorbei kämen könnten wir sie gerne dort besuchen, sie wohnen haus nummer 5.

leider verbringen sie inzwischen viel zeit in krankenhäusern auf dem festland, das belaste sie sehr. letztes jahr habe sie eine OP an den schultern gehabt, seitdem könne sie beim malen ihre arme nicht mehr so weit heben und malt jetzt nur noch im stehen vor einem tisch, das bild auf hüfthöhe.

alan war im früheren leben journalist, erst hat er für eine zeitung geschrieben, später fürs BBC-fernsehen. seine große leidenschaft sei geschichte sagt er und fängt an, alle englischen könige mit jahreszahlen aufzuzählen. während er alle aufzählt redet mary weiter: „he remembers all that old stuff. but he never knows if he’s already put on his socks.“

später erzählt mir felix, dass alan offenbar auch noch auto fährt, zumindest habe er autoschlüssel in der hand gehalten.

einmal habe ihn, erzählt alan, in berlin ein anderer soldat gefragt, ob er mit ihm und 2 deutschen mädchen ins kino gehen wolle. der andere soldat sei mit dem einen mädchen liiert gewesen und für ihn war wohl das andere mädchen vorgesehen.
er habe nicht erzählt, dass er deutsch konnte und als die mädchen sich nach dem kino unterhielten, hörte er wie das eine mädchen das andere fragte: „und, wie findest du ihn?“ „ach, das ist ja ein komischer kleiner mann.“

zum schluss kaufen wir noch ein set selbstgebastelter postkarten: 4 schwarzweiss-kopien von federzeichnungen plus je einen umschlag, alle sets sind liebevoll in butterbrottüten verpackt. mary erzählt uns noch eine sehr lange geschichte über die bedeutung der motive, wie sie sie fand und jetzt müssen wir aber auch, nachdem wir fast 3 stunden in dieser kirche verbracht haben, schnell zur fähre.

im auto reden wir noch lange über die beiden und ich male mir aus wie ich später auch in einer alten leeren kirche in schottland meine bilder ausstellen werde und der alte klapprige felix, der schon aus dem letzten loch pfeift, muss mir die tapeziertische aufbauen.

wer in nächster zeit mal nach islay fährt sollte sich diese beiden beeindruckenden menschen und ihre geschichten und bilder nicht entgehen lassen:

mary knowles’ paintings
immer donnerstags ab ca. 12 uhr

St. Johns Church (nebeneingang!)
Frederick Crescent
Port Ellen
Islay, PA42 7DH
Scotland

st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen

ups, ich wollte die furtwängler gar nicht sympathisch finden, tue ich jetzt aber. klebers fragen wären gut als provokative interview-technik durchgegangen, wenn er nicht so emotional, pampig und beisserisch seinen eigene voreingenommenheit hätte durchscheinen lassen. dieser mangel an souveränität macht ihn wirklich extrem unsympathisch.

Merkwürdiges Interview. Herr Kleber unterbricht, greift mehrmals unhöflich an. Haben ihn die Zahlen in der Studie denn...

Posted by Pro Quote Regie on Freitag, 14. Juli 2017

torf

felix schwenzel, , in artikel    

das thema unserer diesjährigen schottlandreise war dieses mal der torf. torf ist jedenfalls das, was mir einen tag nach der rückkehr, neben der automiete bei einem schwarzen schaf (dazu in den nächsten tagen mehr) und dem grossartigen schottischen licht und himmel, am meisten im gedächnis geblieben ist — und sich auch prima in die heimat importieren lässt.

torf ist überall in schottland. die grünen hügel und berge in schottland stellen sich bei näherer betrachtung oder dem betreten als feuchte schwämme heraus, die beim betreten nachgeben und die füsse nass werden lassen. unter dem gras und heidekraut befindet sich eine dicke schicht torf, die nach wie vor fast überall abgebaut, bzw. gestochen wird. unser bed and breakfast-gastgeber auf lewis sagte, dass jeder der eine landfläche besitzt, auch das recht habe torf für den eigenbedarf zu stechen. auf den äusseren hebriden sieht man diese abbaustellen überall, meist gesäumt von bunten plasitktüten, in denen der torf nach der trocknung offenbar abtransportiert wird.

* * *

auf lewis haben wir ein rekonstruiertes blackhouse besucht.

blackhouse in arnol auf lewis
blackhouse in arnol auf lewis

in blackhouses haben zumindest die einwohner der inneren und äusseren hebriden jahrhundertelang gewohnt. zu unserer überraschung offenbar auch noch bis ins zwanzigste jahrhundert hinein. auf der schautafel ist eine szene zu sehen, die das leben in einem dieser blackhouses um das jahr 1964 beschreibt. viele schotten haben also noch bis in die 60er/70er jahre in diesen blackhouses gelebt.

schautafel am blackhouse in arnol auf lewis

das rekonstruierte blackhouse wurde, wie damals, von einem torffeuer beheizt. das führte zu einem sehr rauchigen innenraum, der in mir die frage aufkommen liess, ob schotten damals alle an lungenkrebs gestorben sind. für die dauer eines kurzen besuchs war der rauch und der geruch allerdings gar nicht mal unangenehm. im gegenteil: eigentlich ist der geruch von brennendem torf ganz behaglich.

torffeuer im blackhouse in arnol auf lewis

wenn ich das richtig verstanden habe, ist der rauch auch ganz nützlich: er tötet ungeziefer. neben dem torf-beheiztem wohnzhimmer, gab es auch noch ein paar weniger rauchige nebenräume, das schlafzimmer und — unter dem gleichen dach — einen stall.

schlafzimmer im blackhouse in arnol auf lewis

der stall unter dem gleichen dach hatte einen weiteren vorteil (sagten die schautafeln): auch die tiere heizten in den wintermonaten das haus.

torflager am blackhouse in arnol auf lewis

* * *

ein weiterer ausflug führte uns nach bosta, wo archäologen vor ein paar jahren nach einem sturm eine gut erhaltene eisenzeit-siedlung unter dem sand einer bucht fanden. auch hier wurde eines der häuser rekonstruiert und konnte von innen besichtigt werden.

eisenzeithaus in bosta auf lewis

die bauweise war den neuzeitlichen blackhouses nicht ganz unähnlich und beheizt wurden auch sie von einem ständig brennenden torffeuer.

feuerstelle im eisenzeithaus in bosta auf lewis

als wir das rekonstruierte eisenzeithaus besuchten brannte dort zwar gerade kein torffeuer, aber die ganze bude roch (angenehm) geräuchert. die lage der siedlung war übrigens so romatisch, dass ich mir (zum ersten mal in meinem leben) für ein paar minuten vorstellen konnte, auch in der eisenzeit ein angenehmes leben geführt haben zu können. das meer und die bucht haben die bewohner wohl reichhaltig mit nahrung versorgt, neben riesigen austern und muscheln fanden die archäologen auch wild- und viehknochen-reste. dem augenschein nach, könnte das ein ganz angenehmes leben gewesen sein — vor allem wegen der wirklich romantischen lage an einem strand am ende der welt.

strand in bosta auf lewis

ehemalige blackhouses sieht man auf den inseln überall, teilweise werden sie noch als (offene) schuppen oder gehege genutzt.

altes blackhouse in dun carloway
altes blackhouse in dun carloway

* * *

torfrauch wehte auch über das gelände der laphroaig-destillerie. der torfige laphroaig-whisky gehört zu meinen lieblingswhiskys und nach dem besuch dort hat sich meine liebe zu der destillerie noch vertieft. einerseits war laphroaig (neben bunnahabhain) die einzige destillerie die explizit fotos überall erlaubte, andererseits war die führerin unserer destilleriebesichtigung so jung, quirlig, offenherzig und witzig, dass meine sympathie für diese destillerie fast ins unermessliche stieg.

torfrauch über der laphroaig-destillerie
torfrauch über der laphroaig-destillerie

laphroaig nutzt für die whiskyherstellung zwar auch, wie die meisten destillerien, fertig gemalzte und geräucherte gerste, aber 15% des benötigten gerstenmalz stellt laphroaig noch selbst her. nach der wässerung der gerste werden die keimenden gerstenkörner auf vier trocknungsböden noch handgewendet und getrocknet und danach über torffeuern geräuchert.

malztrocknungsboden der laphroaig-destillerie

das feuchte, leicht gekeimte gerstenmalz schmeckt wie müsli …

malzräucherboden der laphroaig-destillerie

der geräucherte malz, hier in der räucherkammer, schmeckt sehr malzig-süss, knusprig und würzig. ich habe einmal in die kammer gegriffen und eine die ganze führung über eine handvoll geräucherten gerstenmalz geknabbert.

um den rauch zu erzeugen, lässt laphroaig den torf nicht so lange trocknen, wie man ihn für die normale verfeuerung trocknen liesse. er ist noch etwas feuchter und raucht dann mehr, als er brennt. unter der räucherkammer sieht’s so aus.

torfrauchofen in der laphroaig-destillerie

* * *

bevor wir islay besuchten, haben wir in glasgow im ox and finch hervorragend zu abend gegessen. die speisekarte besteht aus kleinen köstlichkeiten, die man beliebig kombinieren und teilen kann. nicht teuer, auch nicht super-günstig, aber extrem lecker, alles. wer jemals in glasgow ist, sollte dort mal hingehen. eine vorherige reservierung ist zu empfehlen.

nach dem essen suchte ich mir den rauchigsten whisky der welt aus: den bruichladdich octomore. den whisky gibt’s auch bei whisky.de, für 124 euro. wirklich witzig ist das verkostungs-video von horst lüning, der rauchige whiskys gar nicht mag und sich sehr amüsant durch die verkostung quält. ich mochte den octomore sehr gerne und habe 20 minuten an meinem glas rumgenippt. der octomore ist an sich relativ stark, aber äusserst aromatisch.

whiskykarte im ox and finch in glasgow
whiskykarte im ox and finch in glasgow

* * *

in stornoway habe ich in einem schaufenster dann diese räucherkegel entdeckt. ich fand die idee super, schottischen torfrauch nicht nur in vergeistlichter form von peated whisky nachhause zu holen, sondern auch in form von echtem rauch — und kaufte mir eine dose mit zwanzig räucherkegeln.

peatcense in einem schaufenster in stornoway

tatsächlich funktionieren die räucherkegel sehr gut. mit meinem letzten autofahrer-dram von laphroaig (die anderen habe ich stück für stück abends in unseren bed and breakfast unterkünften weggesüffelt) schaffte ich es zuhause kurz ein bisschen schottischen geist durch die wohnung wehen zu lassen.

torfrauch und laphroaig-dram für zuhause

* * *

ich sage seit ungefähr sechs oder sieben jahren zu jeder zeit „mahlzeit“, wenn jemand an meiner bürotür vorbeigeht oder rein- oder rausgeht. das sind sehr viele mahlzeiten pro tag. wirklich sehr viele. meine alten kollegen irritiere ich damit schon lange nicht mehr, aber es ist trotzdem interessant wie jeder einzelne auf meine konsequente „mahlzeit“-begrüssung reagiert. einige ignorieren es still, andere mit einem leisen „orrr“, manche spielen es (mehr oder weniger) begeistert mit, manche antworten einfach mit „hallo“ oder, ganz neu, mit „danke“.

neue kollegen sind meist nur kurz irritiert, aber hin und wieder verliert der eine oder die andere kollegin kurz die contennance, je nach stress- und gemütslage. aber insgesamt, da bin ich mir sicher, verstehen die meisten den witz als das was er ist: ein schrecklich langfristig angelegter, schlechter dauerwitz, der nicht mehr wegzubekommen ist und mit dem man, wie mit dem wetter, irgendwie zu leben hat.

manchmal bin ich mir aber doch unsicher, ob mein dauerwitz nicht doch einfach nur nervt.

seit gestern bin ich mir relativ sicher, dass das wohl nicht so ist. weil ich ab nächster woche zwei wochen urlaub habe, hat ein kollege sich vorgenommen mich zu automatisieren. einen kleinen esp8266- oder raspberry-pi-basierten automaten, der bei bewegung in oder vor meinem büro „mahlzeit“ sagt. gestern habe ich die dafür nötigen audio-aufnahmen gemacht und bald kann ich dann auch im urlaub oder home-office meine kolleginnen und kollegen mehrfach pro tag begrüssen.