umzug zu uberspace ✓

felix schwenzel,    

diese webseite läuft jetzt auf uberspace. meine ersten und zweiten eindrücke sind sehr gut.

der umzug meiner wordpress-webseiten und der webseiten der beifahrerin klapte sehr reibungslos, wirres.net und sein antikes CMS waren etwas fummelig, auch wenn ich es prinzipiell nach einem abend arbeit am laufen hatte. in den details steckte noch viel arbeit. sieht auf den ersten blick aus, als klappte alles, wem fehler auffallen, kann sich gerne bei mir melden.

neu ist, dass wirres.net sich jetzt per UTF-8 ausliefert. ich hoffe die RSS-feeds zicken in den readern nicht allzudoll, bisher wurden die, wie die ganze site, im alten latin1-format ausgeliefert, möglicherweise werden ein paar ältere artikel als ungelesen markiert.

sollte der uberspace-server anfangen zu zittern, schalte ich nochmal auf den alten server um, dann verschwindet dieser artikel, aber ich bin optimistisch.

linksammlung vom 31.08.2015

felix schwenzel,    

hier sind einige liegengebliebene links, die aber eigentlich nichts an qualität verlieren, wenn sie ein bisschen reifen. zum beispiel diese weisheit:

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manche weisheiten von mir, bleiben auch nach tagen und wochen unbeantwortet oder unreagiert.

ich frage mich dann bei ausbleibenden antworten oft, ist meine frage so blöd, oder ist das interesse von journalistischen unternehmungen an zahlenden lesern doch weniger ausgeprägt, als sie es immer wieder behaupten?

wobei das interesse an blendle, vielleicht in deutschlands bereits gesättigt ist, nachdem alle journalisten, mover und schäiker schon seit wochen mit vorab-zugängen versorgt sind. von meinen sechs zugangscodes mit denen man bei blendle schon vor dem launch in einer woche reinkommt, sind nach 3 tagen noch vier übrig.

obwohl, machmal werden meine blöden fragen auch beantwortet.

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* operation-harakiri.de: Der Kandidat des Königs

irre.

* perlentaucher.de: 9punkt - Die Debattenrundschau - 26.08.2015

perlentaucher:

Die radikale Tierschutzorganisation PETA vergleicht Tiere mit geistig behinderten Menschen, hat Wheelcome, das „Blog einer jungen Pariserin im Rollstuhl“, herausgefunden. Laut Libération hat sich die Organisation inzwischen entschuldigt - ohne das Zitat bisher zu verändern. Das Zitat findet sich auch auf der deutschen Seite von PETA und zwar in der Antwort auf die erste der FAQ:

Menschen, die die Rechte der Tiere unterstützen, sind der Ansicht, dass wir als Menschen kein Recht haben, Tiere für Nahrung, Kleidung, Unterhaltung, Versuche oder andere Zwecke zu benutzen, und dass Tiere eine Berücksichtigung ihrer ureigensten Interessen verdienen, egal, ob sie niedlich oder für den Menschen nützlich sind, eine gefährdete Art darstellen oder irgendeinem Menschen überhaupt etwas an ihnen liegt (so wie ein geistig behinderter Mensch Rechte hat, selbst dann, wenn er oder sie nicht niedlich oder nützlich ist und keiner ihn oder sie mag.)

mangelnde logik ist eine sache, aber wenn einem vor lauter ideologischem furor das gefühl für menschlichkeit und jedes mass verloren geht, dann ist das eine andere sache.

* stefan-niggemeier.de: Manfred Güllner, der Volks-Vertreter

stefan niggemeier:

Güllners Essay lässt sich also auch als Bewerbung zum Präsidenten des Retourkutscherverbandes lesen.

* qz.com: Why these colored water droplets seem to be alive

diese tropfen, die akshat rathi hier zeigt, sind fast so schön zu beobachten, wie ein lagerfeuer. oder anders gesagt: wir menschen beobachten gerne oxidationen und druckausgleichsvorgänge.

kelek-tomaten-feta-salat

felix schwenzel,    

gestern bei bolu (türkischer gemüsehändler im wedding) wieder mal keleks gekauft. keleks sind unreif geernte zuckermelonen die man wie gurken essen kann. die wikipedia sagt dazu:

Unreif geerntete Zuckermelonen, etwa faustgroß und dunkelgrün, werden in Deutschland als Saisongemüse im Frühherbst unter dem türkischen Namen „Kelek“ vermarktet. Im Geschmack erinnern sie an Gurken, sind jedoch fester und leicht süßlich, und werden wie diese gegessen: roh, geschmort oder sauer eingelegt.

als wir die vor einem oder zwei jahren zum ersten mal aus neugier gekauft haben, haben wir dieses rezept gegooglet. danach habe ich heute wieder einen salat gemacht.

kelek-salat

für zwei personen

  • 2 keleks schälen und in grosse stücke schneiden
  • 170 gramm tomaten halbieren oder vierteln
  • 200 gramm feta oder schafskäse grob würfeln
  • 2 teelöffel tymianblättchen (frisch oder getrocknet)

das geschnitteene gemüse und den käse mit ein paar schuss olivenöl, thymian, salz und pfeffer vermischen, fertig.

der salat ist sehr zutatenarm und einfach zuzubereiten, aber in der kombination unglaublich lecker.

2 keleks, 10 tomaten, 1 feta
kelek-salat

was wollen wir eigentlich?

felix schwenzel,    

wolfgang lünenbürger will nicht mit nazis reden, unter anderem weil: „Toleranz endet mit z“.

peter breuer meint: „wir werden wohl oder übel mit ihnen reden müssen.“

und ich weiss es nicht, glaube aber paradoxerweise, dass beide recht haben. vor allem, weil die grenzen eben nicht so klar zu ziehen sind, wie wolfgang lünenbürger das darstellt. andererseits bin ich ziemlich ratlos. ich weiss noch nicht mal mehr, ob ich es gut finde, sich über hassdeppen lustig zu machen, auch wenn das sehr gut gemacht ist, wie hier von „just luca“.

vielleicht ist auch was ganz anderes wichtig. so wie sich viele seit jahren abmühen narrative gegen die überwachung zu finden, sollten wir uns alle vielleicht künftig abmühen, narrative für die einwanderung und die integration deutschlands in europa und die welt zu finden.

so wie der begriff des datenschutz sicherlich nicht besonders geeignet ist, um gegen die ausgefeilten narrative der überwachungsbefürworter anzugehen („wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“, „sicherheit!“), dürften diese (richtigen und wichtigen) worte von bodo ramelow kaum gegen idiotische narrative wie „das boot ist voll“ ankommen:

Sollte in diesem Zuwanderungsgesetz festgelegt werden, wie viele ausländische Fachkräfte benötigt werden?

Nein. Ich lehne sowohl eine Quote als auch eine Nützlichkeits-Debatte ab. Es geht vielmehr darum, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass unsere Geburtenrate zu niedrig ist, um die Sterberate auszugleichen.

was uns auch fehlt, ist ein positives narrativ um unser deutschlandbild zu beschreiben. ich bin zum beispiel nie in meinem leben auf die idee gekommen, zu behaupten ich sei „stolz“ darauf deutscher zu sein. im gegenteil, in meiner jugendzeit empfand ich unser land (und seine politik) eher beschämend (deutschlandhass, über den alan posener hier reflektiert, hatte ich allerdings auch nie). ich habe aber während meines ersten längeren auslandsaufenthalt gemerkt, dass ich deutschland und viele der lebensweisen hier doch sehr schätze, vor allem die kritische und unpathetische haltung unserer eigenen geschichte gegenüber, aber auch eine gewisse rationalität und distanz zu unserer rolle in der welt.

aber ich glaube wir haben alle auf halben weg aufgehört uns gedanken darüber zu machen, wie man ein positives deutschlandbild aufbauen könnte oder deutsch-sein neu, konstruktiv, inklusiv und menschenfreundlich definieren könnte. uns fällt es immer noch irre schwer, menschen mit anderer hautfarbe oder herkunft als deutsche zu bezeichnen. noch immer muss man durch bürokratische, kafkaeske mühlen laufen, um als deutscher staatsbürger anerkannt zu werden, statt einfach zu sagen, wer in deutschland geboren wurde, ist deutscher. warum fällt es uns so schwer die europäische integration, das zusammenrücken der europäischen staaten positiv darszustellen oder gar als erstrebenswertes nationales ideal anzusehen? warum fällt es uns so schwer uns zuerst als weltbürger, als europäer und dann als deutsche zu begreifen? so wie jemand in dallas zuerst amerikaner ist und erst dann texaner.

warum glauben wir in einer vernetzten, voneinander wirtschaftlich und politisch auf allen ebenen verwobenen welt, immer noch, nationale interessen seien wichtiger als europäische? wie kommt es, dass wir glauben, deutschland sei ohne dichte wurzeln und verästelungen in alle teile der welt irgendwie überlebensfähig?

warum glauben wir immer noch, wir müssten armen ländern („afrika“) helfen, statt zu erkennen, dass wir uns der welt öffnen müssen und andere, schwächere, staaten oder menschen zur abwechslung auch mal gerecht und fair behandeln müssten, statt immer nur auf unsere (wirtschaftlichen, politischen) vorteile zu bedacht sein?

oder ganz anders gefragt: kann es sein, dass wir in den letzten jahrzehnten verpasst haben, tragfähige ideen zu entwickeln, welche rolle wir in der welt spielen wollen und welche rolle die welt in uns spielen soll? warum glauben wir immer noch, isolation sei eine alternative zur globalisierung? warum glauben wir immer noch, deutsch-sein habe etwas mit der hautfarbe oder herkunft zu tun?

ich glaube eines der (vielen) probleme, dessen auswirkungen wir jetzt zu spüren bekommen, ist die unbeantwortete frage nach unserer identität, die frage nach dem, was wir eigentlich wollen, als nation, als europäer, als menschen. diese debatte haben wir nie nachvollziehbar und konstruktiv geführt — oder zumindest nie zu einem greifbaren ergebnis geführt.