links vom 22.05.2015

felix schwenzel,    

der marktführer

felix schwenzel,    

so beschreibt DHL sich selbst:

Als Marktführer bietet DHL professionelle und weltweite Express-Leistungen sowie kundenspezifische Logistiklösungen an. Mit unseren Paket-, Express- und Logistikangeboten verbinden wir jeden Tag Menschen und vereinfachen und verbessern das Leben unserer Kunden.

ich bin mir relativ sicher, dass die selbstdarsteller von DHL das nicht ironisch meinen. wer schonmal zuhause sass und auf ein paket wartete und dann über die sendungsverfolgung erfährt, dass er zuhause nicht angetroffen wurde, fragt sich natürlich, inwiefern das sein leben gerade verbessert hat. ich habe immer wieder gehört, dass der grund für solche phantomzustellversuche oft in der völligen überlastung der paketzusteller liegt, die ihr tagespensum nur erfüllen können, wenn sie täglich eine gewisse anzahl pakete unbearbeitet zurücklegen und behaupten, der empfänger sei nicht anwesend gewesen.

ich hätte da auch ein gewisses verständnis für, wenn zustellfahrer aus überlastung lügen würden und behaupteten, dass die sendung nicht zugestellt werden konnte, obwohl sie das gar nicht probiert haben. das vereinfachte und verbesserte auf gewisse weise auch das leben der fahrer.

ich bin mir auch sicher, dass logistikanbieter unter höchstem druck stehen, sowohl unter konkurenz- und preisdruck, als auch druck von kunden. aber ein gewisses mass an professionalität möchte ich von einem „Marktführer“ doch erwarten können. also zum beispiel, klare und nachvollziehbare kommunikation.

grundsätzlich ist es ja eine tolle idee, ein paket nachverfolgen zu können und dem logistikdienstleister bei der arbeit zusehen zu können. aber warum, um himmels willen, lässt man dann den eindruck enstehen, dass es sich bei DHL, dem „Marktführer“, um einen aufgeregten, planlosen hühnerhaufen handelt?

paketverfolgung mit logistik- und logikproblemen

kann natürlich auch sein, dass DHL das leben der kunden durch dramatische zustell-inszenierungen verbessern will. so nach dem motto: „we love to entertain you.“ qualitätsfernsehserien sollen ja auch eine erquickliche wirkung haben.

und dramatisch liest sich dass ja schon, wenn ein kleines paket nach 2-3 tagen reise, auch nach zwei zustellversuchen nicht sein ziel erreicht und dann erkennt, dass es „fehlgeleitet“ ist und seine existenz offenbar keinen sinn ergibt. in einer solchen situation hilft es offenbar, sich auf ein mehrtägige reise durch das land nach speyer zu begeben, um zu sich selbst zu finden. das hat, glaube ich, auch schon karl der grosse so gemacht.

als logistik-laie freut man sich natürlich, wenn ein paket irgendwann wieder zu sich selbst findet und erkennt, dass es keinesfalls fehlgeleitet war. ich weiss nicht wie es in börnicke so ist (sieht nett aus), aber dem paket schien es dort zu gefallen. drei tage lang das leben in börnicke geniessen und von den strapazen speyer-reise erholen. ich möchte das dem paket das von herzen gönnen.

traurig wurde es dann wieder, als wir beobachteten, dass das paket nach einer siebenstündigen fahrt durch berlin wieder in eine identitätskrise geriet und (nach 12 tagen!) erkannte, dass es gar nicht den versandbedingungen entspricht und zurück nach hause will. ob es dann gegen seinen willen am 19. und 20. wieder verladen wurde?

immerhin gab es am 20. (gestern) dann auch ein happy-end. obwohl jetzt mal wirklich niemand zuhause war, wurde das paket, trotz fehleitung und unkonformität, zugestellt. das happy end lässt sich auch nicht durch die mitteilung trüben, die uns der versandhändler heute früh um drei uhr zugestellt hat:

Ich habe gerade eine Nachricht von DHL erhalten undmuss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Paket auf dem Rückweg zu uns sich befindet.

* * *

man kann das jetzt (wie ich) alles total lustig finden, wenn sich der marktführer als verpeilter paket-hin-und-herschieber darstellt. aber das problem ist: niemand fühlt sich zuständig. der versandhändler (der nicht amazon war) will mit den versandproblemen nichts zu tun haben und nicht intervenieren. DHL schiebt die schuld auf den kunden (weil der kunde nicht anwesend war, mussten wir das paket nach speyer fahren und die rücksendung ankündigen). der kunde (wir) fühlt sich von DHL verarscht. die auslieferungsfahrer sind überfordert und unglücklich. am ende hat der versandhändler kunden verloren, DHL hat niemandem das leben verbessert und alle kaufen bei amazon, weils da meistens klappt und amzon wegen seiner schieren grösse den effektivsten druck auf die logistikdienstleister ausüben kann. das kann doch auch keine lösung sein.

links vom 20.05.2015

felix schwenzel,    

suicide marketing. tod des freitag

felix schwenzel,    

[nachtrag 20.05.2015]

wenn ich den link hier aufrufe, kann ich jetzt auch im iphone die artikel-seite lesen, ohne auf ne leere browser-seite und einen aufpoppenden app-store weitergeleitet zu werden. aus der facebook-app heraus bleibts dabei: ich bekomme eine leere seite nach zwei erzwungenen weiterleitungen serviert. die app für die so aggressiv geworben wird ist übrigens von PKW.de.

aufruf des artikels in der facebook app

aufruf des artikels in der facebook app

browser-history

das ist was ein freitag-artikel in der browser-history hinterlässt: null content

foppen und verführen

felix schwenzel,    

gerührt und verführt gratis geniessen aktion

vor ein paar wochen lächelten mich im kühlregal die worte „GRATIS GENIESSEN!“ (mit ausrufezeichen) an. so stand das auf ein paar iglo-fertiggerichten, die man pro haushalt einmal kostenlos probieren können sollte. sonst esse ich zum mittag auf der arbeit ja meistens frosta, aber an nem geschenkten tiefkühl-gericht schaut man nicht vorbei. das essen selbst war so mittel, aber dankenswerter weise tut iglo bei der online-aktionscode-einlösung so als würde sie das interessieren:

feedback, plz

der rest des online-rückerstattungsantrags liess sich in knappen 10 minuten erledigen:

  • Aktionscode, Produktionscode und Kaufpreis eintragen
  • Kassenbon digitalisieren und hochladen
  • Adressformular und Kontodaten ausfüllen
  • Daten absenden

dooferweise war zu dem zeitpunkt an dem ich das geld zurückbeantragen wollte die kamera meines telefons kaputt, also musste ich etwas umständlich die selfie-kamera benutzen um den kassenbon zu fotografieren (2 minuten). aktions- und promotionscode eingeben war einfach: 25 zeichen ablesen und eintippen (2 minuten). dank browser-autofüll-funktion konnte ich meinen namen und meine adresse fast augenblicklich ausfüllen (20 sekunden), nur meine kontodaten mit der langen IBAN-nummer musste ich nachschlagen (2 minuten). die teilnahmebedingungen habe ich tatsächlich gelesen überflogen (2 minuten), dann musste ich nur noch bestätigen, dass ein „GRATIS GENIESSEN! Aktionsprodukt“ gekauft habe und nach einem kurzen blick auf das SSL-zertifikat: ab damit.

ein paar wochen später (gestern) erreicht mich folgende mail:

Sehr geehrter Herr Schwenzel,

vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Iglo Gratis-Testen-Aktion. Wir übernehmen für Iglo das Handling der Promotion.

Leider konnten wir Ihnen den Betrag bisher noch nicht erstatten, da das Kaufdatum auf dem von Ihnen zugesandten Kassenbon nicht ersichtlich ist.

Um Ihnen den Betrag dennoch erstatten zu können, möchten wir Sie bitten uns einen Kassenbon mit ersichtlichem Kaufdatum bis zum 01.06.2015 zuzusenden.

Mit freundlichen Grüßen
█████ █████
- Project Manager Handling & Fulfillment -

folgendes habe ich geantwortet:

hallo herr █████,

den bon habe ich bereits weggeschmissen.

sie können sich entscheiden ob sie mir glauben, dass ich das TK-essen an dem tag an dem ich den gutscheincode eingelöst habe auch gekauft und gegessen habe — oder ob ich mir irgendwelche genialen betrugszenarien ausgedacht habe, um sie, bzw. die iglo gmbh um 3 euro fünfzig (oder so) zu linken.

tatsächlich ist mir der aufwand schon bei der gutschein-eingabe gehörig auf die nerven gegangen (das ausfüllen des formulars hat länger gedauert als die zubereitung des essens), aber wenn sie das alles noch komplizierter machen wollen, als es ohnehin schon war, spiele ich gerne noch ein level mit. ich habe mir die teilnahmebedingungen gerade nochmal durchgelesen. dort steht nichts davon, dass das datum des kassenbons lesbar sein muss, sondern lediglich, dass dort das „das Aktionsprodukt vermerkt“ sein sollte:

ein Upload eines lesbaren Fotos oder Scans des Kassenbons, auf dem das Aktionsprodukt vermerkt ist, zwingend erforderlich.

mir fehlen leider sowohl die juristischen fähigkeiten um teilnahmebedingungen 100% korrekt zu interpretieren, als auch die phantasie mir auszudenken, welche betrugsszenarien möglich sind, wenn man das kaufdatum absichtlich abschneidet. aber ich wundere mich, dass sie die legitimität meiner aktionsteilnahme nicht schon allein aus dem produktions- und aktionscode ablesen können. aber da steckt man ja nicht drin, in solchen produktions- und verwaltungsvorgängen. das ist sicher alles viel komplizierter als man sich das so als aussenstehender vorstellt.

ich würde sie aber darum bitten, wenn sie mir ohne das kassenbondatum das geld nicht zurückerstatten wollen, dass sie mir ersatzweise meine mutmassliche betrugsabsicht formlos beurkunden. das ginge auch ganz schnell in ein oder zwei sätzen:

wir, die ██████ ██ münchen, im auftrag für die iglo „gerührt und verführt gratis geniessen aktion“ handelnd, beschuldigen felix schwenzel, wohnhaft in der kameruner str. 9, 13351 berlin, sich irgendwas ausgedacht zu haben um die iglo gmbh zu foppen und zur herausgabe von 3 euro fünfzig (oder so) zu verführen.

eine antwort nach dem muster „regeln sind nunmal regeln“ fände ich masslos enttäuschend.

gruss, felix schwenzel

leider habe ich auf diese mail, die ich gestern nachmittag abgeschickt habe, auch nach über 24 stunden noch keine antwort, geschweige denn eine beurkundung meiner mutmasslichen betrugsabsichten bekommen. sehr, sehr schade.

* * *

die firma die mich anschrieb, wirbt auf ihrer webseite übrigens damit, dass sie das finanzielle risiko für „Geld-zurück-Garantien oder Millionen-Gewinnspiele [sic!]“ absichert:

Die ██████ ██ hat sich als Gewinnspielabsicherer darauf spezialisiert, Marketingaktionen zu versichern und somit das finanzielle Risiko für Unternehmen zu übernehmen.

mich erinnert das ein bisschen an eine geniale geschäftsidee, die sich dasnuf mal vor einer weile ausgedacht hat und vor 9 jahren im rahmen unseres damailigen kurzzeitigen blogtauschs auf wirres.net veröffentlicht hat: Nicht mehr länger warten! Jetzt reich werden!

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[nachtrag 21.05.2015]
heute hat iglo bei mir (auf facebook) kommentiert und sich entschuldigt und die zahlung veranlasst. das geld war ein paar minuten später auch auf meinem konto. meine rückfrage ob es gar nicht nötig sei das kassenbondatum vorzulegen und ob das eventuell nur eine bürokratische hürde zur rückläufer-reduzierung sei, ist aber noch unbeantwortet. und wird es wohl auch bleiben.

* * *

[nachtrag 21.05.2015 17:35h]
iglo sagt:

danke für Deine Rückfrage. Aus juristischen Gründen sind bei einer solchen Aktion gewisse Regeln notwendig. Da uns allen aber daran gelegen ist, einen möglichst einfachen Ablauf sicherstellen, ist das Kaufdatum für die Rückerstattung nun nicht mehr notwendig. Es wurden gestern alle Erstattung vorgenommen, bei denen das Datum auf dem Kassenbon nicht ersichtlich war bzw. ist.

links vom 19.05.2015

felix schwenzel,    

links vom 18.05.2015

felix schwenzel,    

links vom 17.05.2015

felix schwenzel,