linksammlung vom 31.08.2015

felix schwenzel,    

hier sind einige liegengebliebene links, die aber eigentlich nichts an qualität verlieren, wenn sie ein bisschen reifen. zum beispiel diese weisheit:

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manche weisheiten von mir, bleiben auch nach tagen und wochen unbeantwortet oder unreagiert.

ich frage mich dann bei ausbleibenden antworten oft, ist meine frage so blöd, oder ist das interesse von journalistischen unternehmungen an zahlenden lesern doch weniger ausgeprägt, als sie es immer wieder behaupten?

wobei das interesse an blendle, vielleicht in deutschlands bereits gesättigt ist, nachdem alle journalisten, mover und schäiker schon seit wochen mit vorab-zugängen versorgt sind. von meinen sechs zugangscodes mit denen man bei blendle schon vor dem launch in einer woche reinkommt, sind nach 3 tagen noch vier übrig.

obwohl, machmal werden meine blöden fragen auch beantwortet.

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* operation-harakiri.de: Der Kandidat des Königs

irre.

* perlentaucher.de: 9punkt - Die Debattenrundschau - 26.08.2015

perlentaucher:

Die radikale Tierschutzorganisation PETA vergleicht Tiere mit geistig behinderten Menschen, hat Wheelcome, das „Blog einer jungen Pariserin im Rollstuhl“, herausgefunden. Laut Libération hat sich die Organisation inzwischen entschuldigt - ohne das Zitat bisher zu verändern. Das Zitat findet sich auch auf der deutschen Seite von PETA und zwar in der Antwort auf die erste der FAQ:

Menschen, die die Rechte der Tiere unterstützen, sind der Ansicht, dass wir als Menschen kein Recht haben, Tiere für Nahrung, Kleidung, Unterhaltung, Versuche oder andere Zwecke zu benutzen, und dass Tiere eine Berücksichtigung ihrer ureigensten Interessen verdienen, egal, ob sie niedlich oder für den Menschen nützlich sind, eine gefährdete Art darstellen oder irgendeinem Menschen überhaupt etwas an ihnen liegt (so wie ein geistig behinderter Mensch Rechte hat, selbst dann, wenn er oder sie nicht niedlich oder nützlich ist und keiner ihn oder sie mag.)

mangelnde logik ist eine sache, aber wenn einem vor lauter ideologischem furor das gefühl für menschlichkeit und jedes mass verloren geht, dann ist das eine andere sache.

* stefan-niggemeier.de: Manfred Güllner, der Volks-Vertreter

stefan niggemeier:

Güllners Essay lässt sich also auch als Bewerbung zum Präsidenten des Retourkutscherverbandes lesen.

* qz.com: Why these colored water droplets seem to be alive

diese tropfen, die akshat rathi hier zeigt, sind fast so schön zu beobachten, wie ein lagerfeuer. oder anders gesagt: wir menschen beobachten gerne oxidationen und druckausgleichsvorgänge.

kelek-tomaten-feta-salat

felix schwenzel,    

gestern bei bolu (türkischer gemüsehändler im wedding) wieder mal keleks gekauft. keleks sind unreif geernte zuckermelonen die man wie gurken essen kann. die wikipedia sagt dazu:

Unreif geerntete Zuckermelonen, etwa faustgroß und dunkelgrün, werden in Deutschland als Saisongemüse im Frühherbst unter dem türkischen Namen „Kelek“ vermarktet. Im Geschmack erinnern sie an Gurken, sind jedoch fester und leicht süßlich, und werden wie diese gegessen: roh, geschmort oder sauer eingelegt.

als wir die vor einem oder zwei jahren zum ersten mal aus neugier gekauft haben, haben wir dieses rezept gegooglet. danach habe ich heute wieder einen salat gemacht.

kelek-salat

für zwei personen

  • 2 keleks schälen und in grosse stücke schneiden
  • 170 gramm tomaten halbieren oder vierteln
  • 200 gramm feta oder schafskäse grob würfeln
  • 2 teelöffel tymianblättchen (frisch oder getrocknet)

das geschnitteene gemüse und den käse mit ein paar schuss olivenöl, thymian, salz und pfeffer vermischen, fertig.

der salat ist sehr zutatenarm und einfach zuzubereiten, aber in der kombination unglaublich lecker.

2 keleks, 10 tomaten, 1 feta
kelek-salat

was wollen wir eigentlich?

felix schwenzel,    

wolfgang lünenbürger will nicht mit nazis reden, unter anderem weil: „Toleranz endet mit z“.

peter breuer meint: „wir werden wohl oder übel mit ihnen reden müssen.“

und ich weiss es nicht, glaube aber paradoxerweise, dass beide recht haben. vor allem, weil die grenzen eben nicht so klar zu ziehen sind, wie wolfgang lünenbürger das darstellt. andererseits bin ich ziemlich ratlos. ich weiss noch nicht mal mehr, ob ich es gut finde, sich über hassdeppen lustig zu machen, auch wenn das sehr gut gemacht ist, wie hier von „just luca“.

vielleicht ist auch was ganz anderes wichtig. so wie sich viele seit jahren abmühen narrative gegen die überwachung zu finden, sollten wir uns alle vielleicht künftig abmühen, narrative für die einwanderung und die integration deutschlands in europa und die welt zu finden.

so wie der begriff des datenschutz sicherlich nicht besonders geeignet ist, um gegen die ausgefeilten narrative der überwachungsbefürworter anzugehen („wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“, „sicherheit!“), dürften diese (richtigen und wichtigen) worte von bodo ramelow kaum gegen idiotische narrative wie „das boot ist voll“ ankommen:

Sollte in diesem Zuwanderungsgesetz festgelegt werden, wie viele ausländische Fachkräfte benötigt werden?

Nein. Ich lehne sowohl eine Quote als auch eine Nützlichkeits-Debatte ab. Es geht vielmehr darum, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass unsere Geburtenrate zu niedrig ist, um die Sterberate auszugleichen.

was uns auch fehlt, ist ein positives narrativ um unser deutschlandbild zu beschreiben. ich bin zum beispiel nie in meinem leben auf die idee gekommen, zu behaupten ich sei „stolz“ darauf deutscher zu sein. im gegenteil, in meiner jugendzeit empfand ich unser land (und seine politik) eher beschämend (deutschlandhass, über den alan posener hier reflektiert, hatte ich allerdings auch nie). ich habe aber während meines ersten längeren auslandsaufenthalt gemerkt, dass ich deutschland und viele der lebensweisen hier doch sehr schätze, vor allem die kritische und unpathetische haltung unserer eigenen geschichte gegenüber, aber auch eine gewisse rationalität und distanz zu unserer rolle in der welt.

aber ich glaube wir haben alle auf halben weg aufgehört uns gedanken darüber zu machen, wie man ein positives deutschlandbild aufbauen könnte oder deutsch-sein neu, konstruktiv, inklusiv und menschenfreundlich definieren könnte. uns fällt es immer noch irre schwer, menschen mit anderer hautfarbe oder herkunft als deutsche zu bezeichnen. noch immer muss man durch bürokratische, kafkaeske mühlen laufen, um als deutscher staatsbürger anerkannt zu werden, statt einfach zu sagen, wer in deutschland geboren wurde, ist deutscher. warum fällt es uns so schwer die europäische integration, das zusammenrücken der europäischen staaten positiv darszustellen oder gar als erstrebenswertes nationales ideal anzusehen? warum fällt es uns so schwer uns zuerst als weltbürger, als europäer und dann als deutsche zu begreifen? so wie jemand in dallas zuerst amerikaner ist und erst dann texaner.

warum glauben wir in einer vernetzten, voneinander wirtschaftlich und politisch auf allen ebenen verwobenen welt, immer noch, nationale interessen seien wichtiger als europäische? wie kommt es, dass wir glauben, deutschland sei ohne dichte wurzeln und verästelungen in alle teile der welt irgendwie überlebensfähig?

warum glauben wir immer noch, wir müssten armen ländern („afrika“) helfen, statt zu erkennen, dass wir uns der welt öffnen müssen und andere, schwächere, staaten oder menschen zur abwechslung auch mal gerecht und fair behandeln müssten, statt immer nur auf unsere (wirtschaftlichen, politischen) vorteile zu bedacht sein?

oder ganz anders gefragt: kann es sein, dass wir in den letzten jahrzehnten verpasst haben, tragfähige ideen zu entwickeln, welche rolle wir in der welt spielen wollen und welche rolle die welt in uns spielen soll? warum glauben wir immer noch, isolation sei eine alternative zur globalisierung? warum glauben wir immer noch, deutsch-sein habe etwas mit der hautfarbe oder herkunft zu tun?

ich glaube eines der (vielen) probleme, dessen auswirkungen wir jetzt zu spüren bekommen, ist die unbeantwortete frage nach unserer identität, die frage nach dem, was wir eigentlich wollen, als nation, als europäer, als menschen. diese debatte haben wir nie nachvollziehbar und konstruktiv geführt — oder zumindest nie zu einem greifbaren ergebnis geführt.

* spreeblick.com: Entscheide dich endlich, Deutschland [Update]

johnny haeusler hat eine wunderbare wutrede geschrieben, in der er des braunen dumpf einordnet, von dem wir in den letzten monaten so viel aus den medien erfahren:

Aber: Man muss Respekt, Verständnis und Solidarität auch selbst erfahren, um diese Tugenden teilen zu können. Der von der Politik geförderte Neoliberalismus, das Hofieren der Wirtschaft, das Drängen der Schulen auf eine Individualkarriere, Kürzungen bei Sozialleistungen sind Teil der Saat, die wir ernten. Eine Gesellschaft, die sozialdemokratischen Werte missachtet, Schwächere auslacht und als Verlierer hinterlässt, muss sich nicht wundern, wenn sich diese an noch Schwächeren vergehen und vermeintlich Stärkeren hinterherlaufen, weil sie vorgeben, ihnen zuzuhören, sie zu verstehen und Lösungen für ihre Misere zu haben.

einen ganz wichtigen aspekt betont er mehrfach: rechtsextremismus, gewalttätigen fremdenhass oder rechte gewalt können wir nicht nur bekämpfen, indem wir uns als gesellschaft klar dagegen positionieren, sondern hier ist vor allem der staat mit seinem gewaltmonopol gefragt. aber dass sich in den letzten jahrzehnten der eindruck verfestigt, dass die verantwortlichen immer wieder rechte gewalt tolerieren oder für deren motive verständnis aufbringen, ist der eigentliche skandal — auch das arbeitet johnny haeusler sehr nachvollziehbar aus.

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festhalten möchte ich noch: wütend und gleichzeitig differenziert schreiben können nicht viele. johnny haeusler schon.

textqualität bei blendle

felix schwenzel,    

.@blendlede hat leider ein auffälliges qualitätsproblem. offenbar werden viele texte per OCR oder anderen 80erjahre-technologien eingelesen und mangelhaft oder gar nicht nachbearbeitet. worte werden von erratischen trennzeichen zerfetzt, in interviews sind die fragen oft nicht von den antworten zu unterscheiden, in manchen texten fehlen absätze oder satzteile.

da blendle die texte verkauft, halte ich das für ein ernstes problem, auch wenn man das geld zurückgeben kann. ich habe jetzt relativ viele texte auf blendle gelesen und viele dieser texte sind absolut OK und fehlerfrei. aber die texte die fehlerhaft sind, zerstören den guten eindruck relativ schnell wieder, vor allem weil man fehler nicht einfach melden kann, bzw. das gefühl bekommt, blendle sind fehlerhafte texte egal. man kann texte teilen und empfehlen, aber nicht auf fehler hinweisen.

viele der probleme können auch mit exhaltierten print-layouts zu tun haben, die sich nicht ohne weiteres auf das online-layout übertragen lassen (einschübe, schmuckbuchstaben am absatzanfang, infokästen, zwischenüberschriften), aber mein eindruck ist auch, dass niemand die importierten texte prüft. genau das ist ein eindruck, der ein grosses potenzial für imageschäden birgt. die freude auf den zugriff auf ein grosses, kostenpflichtiges archiv von texten verfliegt schnell, wenn dieses archiv einen qualitativ minderwertigen eindruck macht.

keine meta-daten in der übersicht

und wo ich gerade am meckern bin: meta-angaben wie das artikel-datum oder die autorin gehören in den teaser. ich sehe zwar ein datum wenn ich den artikel (kostenpflichtig) lese, aber im teaser ist das publikationsdatum grundsätzlich nicht vermerkt. die autorennamen tauchen mal in einer autorenzeile, mal im anreisser, aber manchmal auch nur am artikelende auf — und gelegentlich nirgendwo. warum werden diese informationen nicht grundsätzlich immer angezeigt?

letzte frage: bei den artikelempfehlungen werden mir bei „trending heute“ oder auch in „mein blendle“ oft meine eigenen empfehlungstexte angezeigt, obwohl es auch viele andere empfehlungstexte gibt. warum? ich weiss doch was ich geschrieben habe und von dem artikel halte.

einen noch: eigenwerbung ist ja OK. aber wenn eine firma behauptet alle zu „mögen“, dann hat das immer etwas leicht fischiges (screenshot):

Felix, lade dein Guthaben jetzt auf und wir schenken dir zusätzlich 2,50 €! (Wir mögen dich.)

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[nachtrag]
stefan niggemeier hat mich (zu recht) gefragt, warum ich so unkonkret in meiner kritik bin und keine beispiele, bzw. links setze. bei der antwort ist mir ein noch grösserer bug wieder eingefallen, auf den mich ein paar kommentatoren unter meinem letzten blendle-artikel hingewiesen haben:

angemeldete blendle-benutzer zahlen für blendle-artikel auf die ich linke (wenn sie drauf klicken).

ein klick auf https://blendle.com/i/zeit/es-knattern-die-tastaturen/bnl-zeit-20150813-68696_es_knattern_die_tastaturen/r/sh-tw kostet angemeldete blendle-benutzer ein paar cent und blendle bedankt sich nach dem klick wie folgt:

Du hast gerade den ersten Artikel für € 0,45 gekauft. Dieser Betrag wurde von den 2,50 € abgezogen, die wir dir bei deiner Anmeldung geschenkt haben

(der link ist der twitter-link, den blendle einsetzen würde, wenn ich den artikel per twitter empfehlen würde. und ja, man kann das geld von blendle mit einem weiteren klick am artikelende zurückfordern.)

und der link ist auch einer der links auf einen text, die ich als unlesbar bezeichnen würde. vermutlich fehlen dort ein paar überschriften oder absätze. im zweiten teil des textes geht es offensichtlich um die AMC-serie „Halt and Catch Fire“ — nur steht genau das nirgendwo im text. irgendetwas fehlt — was ist nicht zu erkennen.

ein anderes beispiel ist ein unsagbar doofes interview von matthias matusek mit peter sloterdijk. dort kann man zwischen fragen und antworten nicht unterscheiden (screenshot) und der text hat gleich am anfang an prominenter stelle ein überflüssiges trennzeichen („Glückslä- cheln“). diese offenbar vom original übernommenen trennzeichen, sind mir immer wieder auf blendle aufgefallen, aber die verlink ich jetzt nicht alle.

letztes beispiel kommt von josef joffe. der text enthält, wie alle joffe-artikel, eine grosse menge unsinn und klugscheisserei — und auf blendle zusätzlich noch typografische löcher; copy und paste von blendle:

Hat der Staat nicht das Recht, seine Geheimnisse zu schützen?
Die ffäre II ist das nicht. Die Ermittlung gegen wurde gestoppt, Range verjagt. Redakteure wurden nicht verhaftet, Räume nicht durchsucht.

das sollte wahrscheinlich heissen:

Hat der Staat nicht das Recht, seine Geheimnisse zu schützen?
Die Spiegel-Äffäre II ist das nicht. Die Ermittlung gegen netzpolitik.org wurde gestoppt, Range verjagt.

möglicherweise werden links beim einlesen von blendle einfach ausgelassen. wenn das so wäre, wäre das eindeutig ein kapitaler bock — und kein bug.