(via)

mary und alan

beifahrerin, , in artikel    

(gastbeitrag der beifahrerin)
bei der abreise von islay parken wir unser verkacktes auto irgendwo in port ellen und machen uns auf die suche nach einem tearoom. es ist kurz vor neun und unsere fähre geht um zwölf uhr. ich hab das „cyber bistro“ rausgesucht, von dem ich irgendwo gelesen hatte, dass es ganz gut sein soll, das hat aber noch zu.

etwas planlos schlendern wir auf der strasse umher als uns eine kleine ältere dame anspricht. „are you lost?“ piepst sie und grinst mich mit ihren kurzen zähnen breit an.

„yes, we were looking for a place where we could have some tea but it’s all closed. do you happen to know a place that’s already open?“

ein älterer, ebenso kleiner herr mit sehr hellen blauen augen, weissem haar und ungewöhnlich trendigem haarschnitt tritt dazu, offenbar der ehemann. seine frau sagt, sie habe eine idee und verwindet dann in einem seiteneingang einer nahegelegenen kirche.

seiteneingang der st john’s church in port ellen
seiteneingang der st john’s church in port ellen

der mann stellt sich vor. er heisse alan und woher wir denn seien. aus berlin? sofort beginnt er sein deutsch hervorzuzerren. er spricht sehr langsam, muss viel überlegen, aber die grammatik ist tadellos. er habe es in der schule gelernt. deutsch und französisch. 1947 sei er dann für zwei jahre in berlin gewesen. als der einrufungsbefehl kam, habe man ihn gefragt, wo er hin wolle. und er wollte sehr gerne nach indien, das habe es sich so schön vorgestellt! kalkutta! neu-delhi! dann kam der brief und es wurde berlin. in der nähe von hannover sei er auch mal gewesen, aber da waren die leute nicht nett. die berliner dagegen seien sehr freundlich gewesen.

während er weiter nach deutschen vokabeln sucht winkt uns seine frau mary vom seiteneingang der kirche begeistert zu sich rüber.
eigentlich öffne man erst um zwölf aber man mache eine ausnahme. mary weist uns den weg in eine art schrammeligen dunklen gemeindesaal in dem mehrere tische aufgestellt sind sowie eine längere tafel wo schon ein paar kuchenplatten stehen.

kuchen in der st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen

während wir zwei becher tee bestellen verschwinden mary und alan im nebenraum. wir sitzen im halbdunkel und sehen teeschlürfend ein paar älteren damen in kittelschürzen dabei zu wie sie um uns herum plastikstühle zurechtrücken und blumenvasen aufstellen.

tee in der st john’s church in port ellen

das schöne an der britischen tee-liebe ist ja, dass sie trotz des ganzen theaters um ihre „cuppa“, die den gesamten alltag durchstrukturiert, bei der zubereitung einfach nur ein paar olle teebeutel in die kanne knallen, wasser drüber, fertig. nix mit first flush, SFTGFOP1, zwei minuten ziehen lassen und 70 grad oder so.
fäden zum rausziehen sind an den englischen teebeuteln garkeine dran weil die eh niemand braucht. die beutel werden einfach so lange im wasser gelassen bis die kanne alle ist. tiefschwarz isser schon nach einer sekunde.

als ich das die ersten male trank hab ich die teebeutel immer nach zwei minuten mit der kuchengabel rausgefischt aber dann hab ich das prinzip auch irgendwann kapiert: mit milch und zucker isses nämlich eigentlich egal wie lange der tee zieht.

als die becher leer und bezahlt sind finden wir mary und alan im nebenraum wieder, dem ausser betrieb scheinenden kirchenschiff, einer großen leeren halle, in der ein paar tapeziertische stehen auf denen mary kleine bilder arrangiert: ihre bilder.

bilder von mary knowles
bilder von mary knowles

sie stelle hier jede woche aus, erzählt sie, leider käme kaum jemand vorbei. die tür zur hauptstrasse dürfe wegen einsturzgefahr nicht benutzt werden und den nebeneingang finde man nicht so einfach.
seit 10 jahren leben sie und alan nun schon auf islay, eigentlich seien sie aus nord-england, in der nähe von manchester. sie seien zu ihrer tochter gezogen, die hier ärztin war, und jetzt im ruhestand. mary werde nächstes jahr 90 und alan sei 91.

mary, alan und katia

früher war mary biologie-lehrerin, da habe sie auch schon gemalt. heute male sie nur noch.
zwischen den ungefähr 150 landschafts- und tierbildern auf den tischen liegt auch ein portrait von judi dench. ich frage sie, warum sie sie gemalt habe. sie guckt gespielt entrüstet, was für eine blöde frage: „because I like her!“

wohnen würden sie in einem der ehemaligen arbeiterhäuser auf dem laphroaig-destillerie-gelände und das, obwohl sie gar keinen alkohol trinken würden!
wenn wir mal wieder vorbei kämen könnten wir sie gerne dort besuchen, sie wohnen haus nummer 5.

leider verbringen sie inzwischen viel zeit in krankenhäusern auf dem festland, das belaste sie sehr. letztes jahr habe sie eine OP an den schultern gehabt, seitdem könne sie beim malen ihre arme nicht mehr so weit heben und malt jetzt nur noch im stehen vor einem tisch, das bild auf hüfthöhe.

alan war im früheren leben journalist, erst hat er für eine zeitung geschrieben, später fürs BBC-fernsehen. seine große leidenschaft sei geschichte sagt er und fängt an, alle englischen könige mit jahreszahlen aufzuzählen. während er alle aufzählt redet mary weiter: „he remembers all that old stuff. but he never knows if he’s already put on his socks.“

später erzählt mir felix, dass alan offenbar auch noch auto fährt, zumindest habe er autoschlüssel in der hand gehalten.

einmal habe ihn, erzählt alan, in berlin ein anderer soldat gefragt, ob er mit ihm und 2 deutschen mädchen ins kino gehen wolle. der andere soldat sei mit dem einen mädchen liiert gewesen und für ihn war wohl das andere mädchen vorgesehen.
er habe nicht erzählt, dass er deutsch konnte und als die mädchen sich nach dem kino unterhielten, hörte er wie das eine mädchen das andere fragte: „und, wie findest du ihn?“ „ach, das ist ja ein komischer kleiner mann.“

zum schluss kaufen wir noch ein set selbstgebastelter postkarten: 4 schwarzweiss-kopien von federzeichnungen plus je einen umschlag, alle sets sind liebevoll in butterbrottüten verpackt. mary erzählt uns noch eine sehr lange geschichte über die bedeutung der motive, wie sie sie fand und jetzt müssen wir aber auch, nachdem wir fast 3 stunden in dieser kirche verbracht haben, schnell zur fähre.

im auto reden wir noch lange über die beiden und ich male mir aus wie ich später auch in einer alten leeren kirche in schottland meine bilder ausstellen werde und der alte klapprige felix, der schon aus dem letzten loch pfeift, muss mir die tapeziertische aufbauen.

wer in nächster zeit mal nach islay fährt sollte sich diese beiden beeindruckenden menschen und ihre geschichten und bilder nicht entgehen lassen:

mary knowles’ paintings
immer donnerstags ab ca. 12 uhr

St. Johns Church (nebeneingang!)
Frederick Crescent
Port Ellen
Islay, PA42 7DH
Scotland

st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen
st john’s church in port ellen

ups, ich wollte die furtwängler gar nicht sympathisch finden, tue ich jetzt aber. klebers fragen wären gut als provokative interview-technik durchgegangen, wenn er nicht so emotional, pampig und beisserisch seinen eigene voreingenommenheit hätte durchscheinen lassen. dieser mangel an souveränität macht ihn wirklich extrem unsympathisch.

Merkwürdiges Interview. Herr Kleber unterbricht, greift mehrmals unhöflich an. Haben ihn die Zahlen in der Studie denn...

Posted by Pro Quote Regie on Freitag, 14. Juli 2017

torf

felix schwenzel, , in artikel    

das thema unserer diesjährigen schottlandreise war dieses mal der torf. torf ist jedenfalls das, was mir einen tag nach der rückkehr, neben der automiete bei einem schwarzen schaf (dazu in den nächsten tagen mehr) und dem grossartigen schottischen licht und himmel, am meisten im gedächnis geblieben ist — und sich auch prima in die heimat importieren lässt.

torf ist überall in schottland. die grünen hügel und berge in schottland stellen sich bei näherer betrachtung oder dem betreten als feuchte schwämme heraus, die beim betreten nachgeben und die füsse nass werden lassen. unter dem gras und heidekraut befindet sich eine dicke schicht torf, die nach wie vor fast überall abgebaut, bzw. gestochen wird. unser bed and breakfast-gastgeber auf lewis sagte, dass jeder der eine landfläche besitzt, auch das recht habe torf für den eigenbedarf zu stechen. auf den äusseren hebriden sieht man diese abbaustellen überall, meist gesäumt von bunten plasitktüten, in denen der torf nach der trocknung offenbar abtransportiert wird.

* * *

auf lewis haben wir ein rekonstruiertes blackhouse besucht.

blackhouse in arnol auf lewis
blackhouse in arnol auf lewis

in blackhouses haben zumindest die einwohner der inneren und äusseren hebriden jahrhundertelang gewohnt. zu unserer überraschung offenbar auch noch bis ins zwanzigste jahrhundert hinein. auf der schautafel ist eine szene zu sehen, die das leben in einem dieser blackhouses um das jahr 1964 beschreibt. viele schotten haben also noch bis in die 60er/70er jahre in diesen blackhouses gelebt.

schautafel am blackhouse in arnol auf lewis

das rekonstruierte blackhouse wurde, wie damals, von einem torffeuer beheizt. das führte zu einem sehr rauchigen innenraum, der in mir die frage aufkommen liess, ob schotten damals alle an lungenkrebs gestorben sind. für die dauer eines kurzen besuchs war der rauch und der geruch allerdings gar nicht mal unangenehm. im gegenteil: eigentlich ist der geruch von brennendem torf ganz behaglich.

torffeuer im blackhouse in arnol auf lewis

wenn ich das richtig verstanden habe, ist der rauch auch ganz nützlich: er tötet ungeziefer. neben dem torf-beheiztem wohnzhimmer, gab es auch noch ein paar weniger rauchige nebenräume, das schlafzimmer und — unter dem gleichen dach — einen stall.

schlafzimmer im blackhouse in arnol auf lewis

der stall unter dem gleichen dach hatte einen weiteren vorteil (sagten die schautafeln): auch die tiere heizten in den wintermonaten das haus.

torflager am blackhouse in arnol auf lewis

* * *

ein weiterer ausflug führte uns nach bosta, wo archäologen vor ein paar jahren nach einem sturm eine gut erhaltene eisenzeit-siedlung unter dem sand einer bucht fanden. auch hier wurde eines der häuser rekonstruiert und konnte von innen besichtigt werden.

eisenzeithaus in bosta auf lewis

die bauweise war den neuzeitlichen blackhouses nicht ganz unähnlich und beheizt wurden auch sie von einem ständig brennenden torffeuer.

feuerstelle im eisenzeithaus in bosta auf lewis

als wir das rekonstruierte eisenzeithaus besuchten brannte dort zwar gerade kein torffeuer, aber die ganze bude roch (angenehm) geräuchert. die lage der siedlung war übrigens so romatisch, dass ich mir (zum ersten mal in meinem leben) für ein paar minuten vorstellen konnte, auch in der eisenzeit ein angenehmes leben geführt haben zu können. das meer und die bucht haben die bewohner wohl reichhaltig mit nahrung versorgt, neben riesigen austern und muscheln fanden die archäologen auch wild- und viehknochen-reste. dem augenschein nach, könnte das ein ganz angenehmes leben gewesen sein — vor allem wegen der wirklich romantischen lage an einem strand am ende der welt.

strand in bosta auf lewis

ehemalige blackhouses sieht man auf den inseln überall, teilweise werden sie noch als (offene) schuppen oder gehege genutzt.

altes blackhouse in dun carloway
altes blackhouse in dun carloway

* * *

torfrauch wehte auch über das gelände der laphroaig-destillerie. der torfige laphroaig-whisky gehört zu meinen lieblingswhiskys und nach dem besuch dort hat sich meine liebe zu der destillerie noch vertieft. einerseits war laphroaig (neben bunnahabhain) die einzige destillerie die explizit fotos überall erlaubte, andererseits war die führerin unserer destilleriebesichtigung so jung, quirlig, offenherzig und witzig, dass meine sympathie für diese destillerie fast ins unermessliche stieg.

torfrauch über der laphroaig-destillerie
torfrauch über der laphroaig-destillerie

laphroaig nutzt für die whiskyherstellung zwar auch, wie die meisten destillerien, fertig gemalzte und geräucherte gerste, aber 15% des benötigten gerstenmalz stellt laphroaig noch selbst her. nach der wässerung der gerste werden die keimenden gerstenkörner auf vier trocknungsböden noch handgewendet und getrocknet und danach über torffeuern geräuchert.

malztrocknungsboden der laphroaig-destillerie

das feuchte, leicht gekeimte gerstenmalz schmeckt wie müsli …

malzräucherboden der laphroaig-destillerie

der geräucherte malz, hier in der räucherkammer, schmeckt sehr malzig-süss, knusprig und würzig. ich habe einmal in die kammer gegriffen und eine die ganze führung über eine handvoll geräucherten gerstenmalz geknabbert.

um den rauch zu erzeugen, lässt laphroaig den torf nicht so lange trocknen, wie man ihn für die normale verfeuerung trocknen liesse. er ist noch etwas feuchter und raucht dann mehr, als er brennt. unter der räucherkammer sieht’s so aus.

torfrauchofen in der laphroaig-destillerie

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bevor wir islay besuchten, haben wir in glasgow im ox and finch hervorragend zu abend gegessen. die speisekarte besteht aus kleinen köstlichkeiten, die man beliebig kombinieren und teilen kann. nicht teuer, auch nicht super-günstig, aber extrem lecker, alles. wer jemals in glasgow ist, sollte dort mal hingehen. eine vorherige reservierung ist zu empfehlen.

nach dem essen suchte ich mir den rauchigsten whisky der welt aus: den bruichladdich octomore. den whisky gibt’s auch bei whisky.de, für 124 euro. wirklich witzig ist das verkostungs-video von horst lüning, der rauchige whiskys gar nicht mag und sich sehr amüsant durch die verkostung quält. ich mochte den octomore sehr gerne und habe 20 minuten an meinem glas rumgenippt. der octomore ist an sich relativ stark, aber äusserst aromatisch.

whiskykarte im ox and finch in glasgow
whiskykarte im ox and finch in glasgow

* * *

in stornoway habe ich in einem schaufenster dann diese räucherkegel entdeckt. ich fand die idee super, schottischen torfrauch nicht nur in vergeistlichter form von peated whisky nachhause zu holen, sondern auch in form von echtem rauch — und kaufte mir eine dose mit zwanzig räucherkegeln.

peatcense in einem schaufenster in stornoway

tatsächlich funktionieren die räucherkegel sehr gut. mit meinem letzten autofahrer-dram von laphroaig (die anderen habe ich stück für stück abends in unseren bed and breakfast unterkünften weggesüffelt) schaffte ich es zuhause kurz ein bisschen schottischen geist durch die wohnung wehen zu lassen.

torfrauch und laphroaig-dram für zuhause

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ich sage seit ungefähr sechs oder sieben jahren zu jeder zeit „mahlzeit“, wenn jemand an meiner bürotür vorbeigeht oder rein- oder rausgeht. das sind sehr viele mahlzeiten pro tag. wirklich sehr viele. meine alten kollegen irritiere ich damit schon lange nicht mehr, aber es ist trotzdem interessant wie jeder einzelne auf meine konsequente „mahlzeit“-begrüssung reagiert. einige ignorieren es still, andere mit einem leisen „orrr“, manche spielen es (mehr oder weniger) begeistert mit, manche antworten einfach mit „hallo“ oder, ganz neu, mit „danke“.

neue kollegen sind meist nur kurz irritiert, aber hin und wieder verliert der eine oder die andere kollegin kurz die contennance, je nach stress- und gemütslage. aber insgesamt, da bin ich mir sicher, verstehen die meisten den witz als das was er ist: ein schrecklich langfristig angelegter, schlechter dauerwitz, der nicht mehr wegzubekommen ist und mit dem man, wie mit dem wetter, irgendwie zu leben hat.

manchmal bin ich mir aber doch unsicher, ob mein dauerwitz nicht doch einfach nur nervt.

seit gestern bin ich mir relativ sicher, dass das wohl nicht so ist. weil ich ab nächster woche zwei wochen urlaub habe, hat ein kollege sich vorgenommen mich zu automatisieren. einen kleinen esp8266- oder raspberry-pi-basierten automaten, der bei bewegung in oder vor meinem büro „mahlzeit“ sagt. gestern habe ich die dafür nötigen audio-aufnahmen gemacht und bald kann ich dann auch im urlaub oder home-office meine kolleginnen und kollegen mehrfach pro tag begrüssen.

was ich in den letzten wochen automatisiert habe

felix schwenzel, , in artikel    

20 tage hab ich wieder nicht ins internet geschrieben. meinem alten ich hätte das schmerzen bereitet, mein aktuelles ich fühlt sich (unter anderem) im home-assistant forum wohl. gelegentlich schreibe ich dort auch was rein, aber derzeit fühle ich mich in meiner freizeit eher dazu hingezogen zu basteln und zu bauen und auszuprobieren, als darüber zu schreiben oder meiner meinung ausdruck zu verleihen.

ab und zu juckt es mich dann doch, wenn ich zum beispiel darüber lese, dass gerade in der innovations- und fortschrittsfeinlichen FAZ eine ode auf den ex-uber-chef travis kalanick erscheint (blendle-link zum FAZ-text). früher hätte ich meinen abend damit verbracht in meiner erinnerung zu kramen und nachzurecherchieren wie die FAZ sich gegen plattformen wehrte und (be)klagte, die sie zitieren und verlinken oder irgendwie zugänglich und sichtbar machen. ich hätte aufgeschrieben wie sie sich jahrelang mit den perlentauchern streitete und alles ver- und beklagte was ihrem vermeintlichen derzeitigen geschäftsmodell widersprach. jetzt denk ich mir nur: ist denen das nicht peinlich, feiern, wenn geschäftmodelle anderer durcheinandergewirbelt werden und heulen, wenn das eigene geschäftsmodell von dritten angepiekst wird? angesichts dieser überdosis ignoranz und mangelndem schamgefühls ignoriere ich die FAZ und ihren käse einfach wieder weiter, statt drüber zu schreiben.

es gibt ja so viel anderes zu recherchieren; python-programmierfragen, dienst-monitoring auf *nix-systemen, wie bekomme ich fehlalarme meiner sensoren in den griff, wie kann ich unseren stromverbrauch über die zeit messen und korrelieren, wie kann ich den unvernetzten fernseher steuern und automatisieren, wie automatisieren andere, was geht?

ein paar bruchstücke von dem, was ich in den letzten wochen rausgefunden habe, habe ich jetzt doch mal kurz zusammengefasst. to whom it may concern.

* * *

die batterie der schlafnuss ist seit heute alle.

schlafnuss batterieverlauf der letzten zwei monate
schlafnuss batterieverlauf der letzten zwei monate

das sense-FAQ sagt:

Die Batterie kann bis zu 12 Monate halten, wenn sie wenig, und bis zu 6 Monate, wenn sie viel in Gebrauch ist.

In einigen Fällen kann die Batterielebensdauer jedoch verringert werden:


  • Wenn der Cookie als Schrittzähler verwendet wird (Walk-App).
  • Wenn der Cookie zu lange an einem kalten Ort verwendet wird (z.B. in der Kühltruhe).

die batterie ist dort wo sie die firma sen.se gerne hätte: in meinem bett. ungefähr zwei monate hat sie dort jetzt gehalten. die app hat mir nicht bescheid gesagt, den graphen habe ich mit daten der API selbst erstellt.

immerhin lässt sich die batterie leicht austauschen. und die schlafnuss funktioniert gut als bett-besetzungssensor, seit ich einfach die temperatur-werte aus der API auslese und mit der zimmertemperatur des schlafzimmers vergleiche. ist die temperatur der nuss 5° höher die umgebungstemperatur, bin ich im bett.

präsenz-sensorik ist ja das A und O der heimautomatisierung. will ich irgendwas automatisieren, muss ich zuerst wissen, ob überhaupt jemand zuhause ist, weggeht oder kommt.

auf der zweiten ebene ist es wichtig zu erfahren ob jemand in einem bestimmten raum ist, um daraus automatisierungen abzuleiten. klassische bewegungssensoren helfen da schon ganz gut, bis auf den nachteil, dass man sich auch in einem raum aufhalten kann, ohne sich zu bewegen. da kommen infrarot-basierte sensoren schnell an ihre grenzen, weil sie nur gröbere bewegungen im raum wahrnehmen, nicht aber bewegungen, die man klassischerweise auf dem sofa oder am tisch macht. für dieses problem habe ich kürzlich, per zufall, eine stark verbesserte lösung gefunden. dazu weiter unten mehr.

ausserdem kann man sich in einem raum aufhalten, ohne sich zu bewegen, zum beispiel, wenn man schläft. dieses problem löst, jedenfalls für mein bett, die sense sleep peanut ganz gut. als schlafqualitätssensor, als das das marketing die nuss anpreist, ist sie leider völlig ungeeignet. die werte die sich die sense-cloud aus den aggregierten bewegungs- und temperaturdaten der nuss zusammenreimt (die meine schlafnuss sendet) sind zu 80% humbug. stehe ich morgens gut erholt und ausgeschlafen auf, erfahre ich von der schlafanalyse, dass ich miserabel geschlafen hätte. lege ich mich um sechs uhr abends kurz zum lesen ins bett, erfahre ich am nächsten morgen, dass ich 12 stunden geschlafen hätte, davon sechs stunden, von halb sieben bis nach mitternacht in bewegungslosen tiefschlaf — dabei sass ich die ganze zeit hellwach an meinem laptop oder am küchentisch.

auch wenn die marketingversprechen der sense schlafnuss für die katz sind, als bett-thermometer und damit temperatur-basierter anwesenheitssensor, funktioniert sie prima, auch wenn ich mir ein etwas längeres batterieleben wünschen würde.

* * *

vor ein paar wochen las ich im home-assistant-forum von „radar“-sensoren, die bei ali-express weniger als 50 cent kosteten. für 90 cent kaufte ich mir 5 stück, auch wenn es berichte über falsche alarme der sensoren gab. auf github hatte jemand die spezifikationen zusammengetragen und grundsätzlich hörte sich das alles sehr vielversprechend an. auch der youtuber andreas spiess kam zu einem positiven urteil. seine tests zeigten, dass die dinger auch durch wände und tischplatten funktionierten, durch glas weniger und über eine distanz von drei bis vier metern auch kleinste bewegungen wahrnahmen.

als meine RCWL-0516-sensoren ankamen, habe ich sofort versucht den PIR-sensor im bad zu ersetzen. der funktionierte grundsätzlich gut und erfasste von der decke aus alle bewegungen im bad. leider hielt er konstruktionsbedingt in der heizperiode auch öfter die heizungsluft für meldungswert, was zu einigen falschen alarmen führte und unnötigem (automatischen) lichteinschalten im bad. ich hatte versucht das problem mit einschränkungen des sichtfelds in den griff zu bekommen, aber so richtig befriedigend war das nie.

der RCWL-0516 liess sich leicht anschliessen, genau wie der PIR-sensor: 5 volt, erde und datenleitung. die empfindlichkeit des „radar“-sensors war erstaunlich. von der abgehängten decke des badezimmers (auf der nicht sichtbaren seite platziert), erfasste er nicht nur bewegungen im bad, sondern auch in der küche. die wand zur küche ist tatsächlich eher dünn, so um die 10 zentimeter. erstaunlicherweise erfasste er aber auch bewegungen im hausflur, also im treppenhaus. und das ist immerhin durch eine 40 zentimeter dicke altbauwand vom badezimmer getrennt. auch unseren wohnungsflur erfasste der bewegungsmelder — durch die geschlossene badezimmertür.

durch positionsänderungen und ein paar lagen alufolie im sichtfeld des sensors liessen sich die erfassung der küche und des wohnungsflurs verhindern. aber der hausflur nicht.

zuerst baute ich mir einen relativ eleganten false-positives-filter, der bewegungen im bad nur gelten liess, wenn vorher auch eine bewegung im flur registriert wurde. dann fiel mir durch einen hinweis meines lieblingsadmins das gute alte motto RTFM ein; hier stand es doch:

The default detection range is 7m, adding a 1M resistor reduces it to 5m

durch auflöten eines 1 megaohm widerstands auf die PINs R-GN liess sich die empfindlichkeit reduzieren. das funktionierte tatsächlich sehr gut! jetzt erfasst der RCWL-0516 wirklich jede kleinste bewegung im bad (und nur dort), so dass die regel für das badlicht jetzt lautet: nach 3 minuten ohne bewegung: licht aus! vorher musste ich diese zeit auf mindestens 10 minuten stellen, weil es durchaus sein konnte, dass der bewegungsmelder beim auf-dem-klo-sitzen oder duschen nichts sah und nichts meldete.

das gleiche gilt für unser neues, ehemaliges kinderzimmer. dort war ein infrarot-basierter bewegungssensor mehr oder weniger direkt auf das lieblingsplätzchen der beifahrerin gerichtet. wenn sie dort auf dem sofa sass, registrierte der klassische PIR-sensor — nichts. der neue radar sensor schlägt jetzt alle 5 bis 20 sekunden an, bei kleinsten hand-, kopf- oder fussbewegungen. einziger nachteil: er reicht nicht weiter als 4 meter. weil das ehemalige kinderzimmer aber etwas über 5 meter breit ist, reicht der sensor also nicht ganz bis zum fenster. dafür erfasst er mich, wenn ich nebenan, in der flur-kammer, auf die leiter steige. durch eine 50 zentimeter dicke wand.

* * *

nachdem ich zu weihnachten meine erste tradfri-lampe bekommen hatte (und super zufrieden mit ihr war), habe ich mittlerweile 5 weitere birnen und den gateway dazu bekommen. kurz nach dem erscheinen des gateways hat die home-assistant-entwicklergemeinschaft bereits eine erste, gut funktionierende integration hinbekommen. der integration fehlt zwar noch ein wichtiges detail, die integration der push-fähigkeit des gateways, weshalb es bis zu 30 sekunden dauern kann, dass home-assistant bemerkt das eine lampe eingeschaltet wurde, wenn sie nicht vom home-assistant selbst geschaltet wurde. aber das ist bei der HUE-integration genauso: auch die HUE-lampen müssen „gepollt“, also alle x sekunden nach deren status abgefragt werden.

die tradfries lassen sich derzeit über drei methoden schalten: über den stromkreis, also mit klassischen lichtschaltern, die ikea-steuergeräte und die API, also über die ikea-app oder eben home-assistant (oder andere heimautomtisierungslösungen). das schalten über klassische, unvernetzte lichtschalter hat IKEA sehr viel besser gelöst als philips. nimmt man einer HUE-lampe die stromversorgung weg und schaltet sie später wieder ein, geht sie in der standardeinstellung wieder an, das heisst mit 100% helligkeit und warmweisser lichtfarbe. die tradfris merken sich ihre vorherige einstellung, auch über tage hinweg. damit sind sie auch im unvernetzten zustand, ohne hub, sehr gut nutzbar: man stellt einfach die lichtfarbe und helligkeit die man gerne hat ein und schaltet sie dann mit dem klassischen lichtschalter ein und aus.

in kombination mit einer haussteuerungssoftware ist das allerdings viel eleganter. in unserem badezimmer habe ich es nicht geschafft den lichtschalter (wie in der küche) fernsteuerbar zu machen, zum beispiel mit einem gerät wie diesem. die zwei vorhandenen schalter schalten jeweils eine birne ein und aus. das führt dazu, dass das licht manchmal an bleibt, weil jemand vergisst es auszuschalten. mit einem helligkeitssensor kann ich das sehen und warnungen aufs handy schicken — aber bisher nicht agieren. seit im bad vernetzte tradfris hängen und ich einen zuverlässigen präsenzsensor habe, kann ich sie jetzt einfach (nach drei minuten inaktivität) ausschalten. betritt jemand das bad, geht wieder alles an. sind alle lichtschalter aus, geht beim betreten des bads nur das nachtlicht an, dass sich auch nur automatisiert schalten lässt.

ich bin mit dieser lösung aus drei gründen sehr zufrieden:

  • alles funktioniert wie früher™ schalterbasiert
  • geht man ins bad, ist es nie dunkel, egal ob man einen schalter bedient oder nicht
  • das licht ist nie länger an als nötig

sehr faszinierend ist auch der ikea dimmer. der ist magnetisch und befindet sich eigentlich in einer (magnetischen) platikschale die man ankleben oder festschrauben kann. ohne schale lässt sich der dimmer aber auch auf metallflächen setzen und reagiert durch zauberei (wahrscheinlich) auf einfaches drehen. ein einteiliger plastikknopf, an dem man einfach drehen kann und die helligkeit verändern kann. grossartig!

* * *

alexa-situation auf unserem küchentisch
alexa-situation auf unserem küchentisch

seit dem 15 märz haben wir alexa in der küche. im januar war ich noch sehr skeptisch, eigentlich auch noch im märz: ich ging fest davon aus, alexa, bzw. den echo-dot scheisse zu finden. aber nicht nur der pupsgenerator hat mich umgestimmt. das ding ist wirklich praktisch und es funktioniert. egal ob ich nuschle, nebenan auf dem klo sitze oder stottere, weil ich vergessen habe, was ich sagen wollte; alexa versteht mich fast immer. in der küche irre praktisch: timer auf zuruf setzen. noch praktischer, die küchen-tradfri-lampen auf zuruf vom eher gemütlichem, gedimmten licht zu einem hellen, blau-weissen arbeitslicht machen. endlich fragt mich die beifahrein nicht mehr morgens wie das wetter wird (woher soll ich das wissen?), sondern alexa (die es immer weiss und die frage auch wiederholt freundlich beantwortet).

tatsächlich ist es das auch schon beinahe, warum ich alexa mag: licht an, aus und umschalten, timer zum kochen setzen, wetteransagen und der pupsgenerator. gelegentlich rufe ich ihr zu: „alexa öffne bring und füge milch hinzu“, aber weil das ein so langer satz ist, tippe ich unsere einkäufe dann doch meist lieber direkt in die bring-app.

viel später als erwartet, kann nun auch unsere fireTV-kiste alexa-kunststückchen, einfach indem man „fernsehlicht an“ oder „aktivieren an“ für helleres licht in die fernbedienung spricht. auch die fernseh-alexa kann wetterberichte vortragen, aber irgendwie benutzten wir sie dort überhaupt nicht. in der küche dagegen ständig.

* * *

apropos fernsehen. wir haben uns vor ein paar jahren bewusst gegen einen „smarten“ fernseher entschieden. die fernseher von samsung haben ja einen ganz guten ruf, aber als ich mir die sogenannten smart-tv-funktionen mal näher ansah, konnte ich angesichts der grässlichen umsetzung und bedienbarkeit nur die hände überm kopf zusammenschlagen. was ich dann später im internet las, bestätigte meine vorurteile:

der nachteil eines unsmarten fernsehers, zumindest unseres: auch die fernbedienbarkeit (über http oder HDMI) fällt weg. das ding lässt sich nur mit der infrarot-fernbedienung ein- und umschalten. unser neuer yamaha receiver und das fireTV hingegen lassen sich prima automatisieren. wenn das fireTV mit einem tastendruck auf der fernbedienung aufgeweckt wird, kann ich mit dem home-assistant den receiver einschalten und den richtigen eingang wählen und umgekehrt, wenn der receiver mit HDMI als quelle eingeschaltet wird, kann ich das fireTV wecken.

ein smart-TV liesse sich dann per http ebenfalls einfach einschalten und auf den passenden eingang umschalten. mit dem unvernetzen fernseher musste ich improvisieren: als übergangslösung schaltete ich den fernseher über eine fernsteuerbare steckdose. wenn der fernseher läuft und man ihm den strom nimmt, geht er wieder an, sobald er wieder strom bekommt. wurde er vorher ausgeschaltet, bleibt er auch aus.

das wollte ich ändern, zuerst mit einer selbstbaulösung auf arduino-, bzw. node-MCU-basis mit einer IR-diode und der entsprechenden software. grundsätzlich funktionierte das auch, aber irgendwie habe ich die sendeleistung nie auf richtig gute werte bekommen. nach ein paar stunden experimetieren entschied ich mich 20 euro auszugeben, für einen broadlink RM mini. das ist ein infrarot-signal sender der sich per app bedienen lässt und für den es auch eine home-assistant integration gibt.

so siehts bei uns uns hinter und unter dem fernseher aus
broadlink rm mini hinter und unter dem fernseher

die einrichtung des broadlink selbst war etwas fummelig, aber die integration in den home-assistant ging gut. was dann wieder ein bisschen fummelig war: die richtigen codes finden. den fernseher wollte ich ein und ausschalten und die eingabe zwischen kabelfernseh- und dem HDMI-eingang hin und herschalten können. letztere codes waren mit der anlernfunktion recht einfach zu bekommen, bzw. im netz und home-assistant-forum zu finden. das ein/ausschalten war komplizierter. ich wollte ja konkrete codes haben, nicht den quatsch-button auf der fernbedienung der den fernseher je nach status an oder ausschaltete („toggle“). ich brauchte codes, mit denen ich den fernseher sicher einschalten konnte, auch wenn der code mehrfach gesendet würde. im forum fand ich einen, der den fernsehr zuverlässig einschaltete, allerdings immer mit der kabelfernseh-quelle, statt der vorher gewählten quelle.

das netz, die foren sind voll mit gut dokumentierten fernbedienungscodes aller hersteller, auch die samsung-fernseher nutzen wohl seit vielen jahren immer die gleichen codes. nur liegen diese codes mal hexadezimal vor, mal base64 encodiert. die kann man zwar konvertieren, aber das klappt aus unerfindlichen gründen nie so wie ich mir das denke. irgendwas ist ja immer.

was mir am ende half war ausprobieren mit hilfe der „SURE Universal Smart TV Remote“-app. die ist vollgeladen mit code-datenbanken für alle möglichen geräte und dort fand ich dann auch einen konkreten code der den fernseher immer einschaltete und die eingangsquelle auf dem vorherigen wert beliess und den ich mit der lernfunktion abgreifen konnte.

das letzte problem war dann aber immer noch das timing. falls ich den eingabekanal des fernsehers doch setzen möchte, muss ich nach dem einschalzten mindestens sieben sekunden warten, bevor ich den befehl zum umschalten sende, sonst wird er ignoriert.

grundsätzlich ist das fernbedienungschaos jetzt etwas geklärt: mit dem receiver können wir fireTV und fernseher gemeinsam ein- und ausschalten, zum kabelfernsehen lässt sich jetzt auch mit einem tastendruck umschalten, wird eins der geräte ausgeschaltet, schalten sich auch die anderen geräte aus, bzw. in den ruhezustand. das beste sind aber immer noch die beiden wandschalter, mit denen sich alles (im wohnzimmer) ausschalten lässt. mit einem schalterdruck.

* * *

plex läuft schon seit ein paar jahren bei uns auf einem mac mini und serviert unseren laptops und dem fernseher filme und serien die gerippt oder uns zugelaufen sind und nicht bei amazon-prime oder netflix laufen. das macht plex sehr gut und zuverlässig, vor allem ist es enorm hilfreich dabei, einen überblick darüber zu behalten was man schon gesehen hat, was man angefangen hat und weitergucken könnte. seit ein paar monaten experiemntiert plex mit einer DVR-, also einer „digital video recorder“-funktion. seit anfang juni soll das auch in deutschland funktionieren. zu den unterstützen geräten gehört seitdem auch der in eurpa erhältliche DVB-C/T/T2-stick tvbutler dazu. den kann man für €59 euro beim hersteller oder bei amazon kaufen. ich habe ihn anfang des monats noch für 50 euro gekauft (plus 7 euro versandkosten). mit softwarelizenzen kostet das ding ungefähr 50 euro mehr, aber weil ich das ding ja mit plex betrieben wollte, brauchte ich die software von dvblogic nicht.

den stick habe ich auf der einen seite mit unserem fernsehkabel verbunden (das dankenswerterweise einen verteiler in der abgehängten flurdecke hat, in den ich mich einschleifen konnte), auf der anderen seite in den mac mini gesteckt. tatsächlich erkannte plex den stick und liess ihn mich konfigurieren. der sendersuchlauf, die kanalzuordnung waren etwas mühsam und intransparent, aber ehrlichgesagt war ich erstaunt dass diese amerikanische software dann tatsächlich mit dem deutschen kabelnetz und deutschen sendern zurechtkam.

was ich partout nicht hinbekam war RTL. es erschien lediglich als verschlüsselter HD-kanal, aber die SD-variante die auch über unser kabel kommt, wollten weder plex noch der tvbutler erkennen oder anzeigen. SAT1, PRO7 und VOX waren alle (in der SD-version) da, auch die anderen schrottabladestationen von RTL, nur der einzige privatsender den ich alle paar wochen mal einschalte um formel1 zu gucken und dabei einzuschlafen, den bekam ich nicht rein.

nachdem ich mir aus den 300 sendern, die der sendersuchlauf fand, 27 rausgepickt hatte von denen ich mir vorstellen konnte mal was sehen zu wollen, zog sich plex einiges an EPG-sendungsdaten aus dem netz. daraus baut plex eine liste mit sendungen, die es mir zur aufnahme anbietet.

plex dvr program guide
plex dvr program guide

eine senderübersicht gibts nicht, ich kann mir aber ansehen was gerade läuft und somit quasi eine senderübersicht bekommen.

plex DVR program guide — was gerade so läuft
plex DVR program guide — was gerade so läuft

die EPG-, bzw. sendungs-daten reichen ein paar tage voraus, dass heisst ich kann sendungen zwei wochen im voraus über die plex-suchfunktion finden. eine sendung wie kitchen impossible, die derzeit und in den nächsten paar wochen wohl nicht läuft, kann ich deshalb auch nicht im voraus programmieren. die sendung mit der maus habe ich natürlich als erstes programmiert und die aufnahme funktioniert auch sehr gut. jetzt kann ich sie endlich gucken wo ich will und auch mal länger als zwei wochen vergessen zu gucken, ohne dass sie dann depubliziert wird.

live-tv geht derzeit nur in der plex-app auf handys. sobald das auch in der fireTV- oder appleTV-app funktioniert, dürfte plex eine ernstzunehmende konkurenz für apps wie zattoo oder magine sein, auch wenn die zugegebenermassen leichter zu konfigurieren sind und gegen bezahlung auch die privatsender in HD wiedergeben. zattoo zeigt die privatsender überhaupt nur gegen bezahlung, mit plex und seiner DVR-/liveTV-funktion bekommt man die privatsender immerhin in SD auch (quasi) umsonst, jedenfalls ohne abo-gedöns. ob RTL sich technisch gegen meinen TV-stick wehrt oder ich zu blöd bin, finde ich auch noch irgendwann raus.

spotify connect und airplay lautsprecher für 100 euro

felix schwenzel, , in artikel    

nachdem wir uns vor ein paar monaten einen neuen receiver von yamaha gekauft haben, hatten wir auch einen mussiccast-lautsprecher dazu gekauft, der regulär 229 euro kostet. die yamaha-lautsprecher haben zwar „multiroom“-fähigkeiten, man kann also die gleiche musik in mehreren räumen spielen, aber sie sind mono und die beifahrferin fand den klang so schlecht, dass sie das teil eigentlich zurückgeben wollte. weil das kind den lautsprecher ok fand, haben wir ihn dann doch behalten, aber das kind durfte ihn nach seinem auszug mitnehmen. das ding funktioniert auch standalone als airplay und spotify-connect-lautsprecher.

jetzt wollte die beifahrerin die musiklücke im kinderzimmer schliessen und neue lautsprecher kaufen. die yamaha-musiccast-lautsprecher waren ihr aber zu teuer und zu mono. die können zwar auch stereo, aber dann müsste man zwei kaufen und ist ruckzuck fast 500 euro los. also entschieden wir uns wegen guter rezensionen für ein paar „dumme“ — genauer: unvernetzte — aktivlautsprecher für 40 euro. ich dachte mir, dass ich mir meinen ersten raspberry-pi kaufe und irgendwas bastle, um die lautsprecher zu vernetzen.

die lautsprecher kamen ein paar tage vor dem raspi und hörten sich für 40 euro wirklich gut an. nur das iphone manuell anzustöpseln zum musikhören fühlte sich enorm unpraktisch und hinterwälderisch an. als der raspberry endlich da war, installierte ich das komplettpaket pimusicbox drauf. das ist wirklich einfach: image downloaden, auf eine SD-karte kopieren, in den raspi stecken, erst mit ethernetkabel booten und dann die wichtigsten einstellungen über eine webseite konfigurieren. wenn der pi danach neu bootet, verbindet er sich per wlan und wird von rechnern und telefonen als airplay-lautsprecher erkannt. über eine weboberfläche kann man auch playlisten erstellen, lokal auf dem pi vorhandene musik abspielen oder von netzlaufwerken musik abspielen. es gibt auch eine spotify-integration, die aber eher umständlich über die weboberfläche gesteuert werden will.

in zeiten von spotify-connect will das aber eigentlich keiner, also wir zumindest nicht. wenn der spotify-client auf dem telefon oder dem rechner läuft, will die beifahrerin den lautsprecher am liebsten per spotify-connect ansteuern, vor allem weil sie meint, dass über airplay immer wieder ruckler (alle 1-2 stunden) zu bemerken wären. spotify-connect können der yamaha-receiver und der echo dot in der küche auch und es fühlt sich an, wie das perfekte, reibungslose bedienkonzept.

richtig befriedigende lösungen spotify-connect auf den pi zu bringen gibt’s nicht so viele. wenn man das thema googelt, schlagen viele vor, einen linux-spotify-client auf dem pi zu installieren, komplett mit x-windows und gedöns. andere lösungen wollen einen spotify-API-key, den spotify aber nicht mehr rausrückt. dann fand ich irgendwo einen hinweis auf librespot, einen reverse engineerten spotify-connect-client. die kompilierung von librespot schien mir aber ein ticken zu schwer, weshalb ich froh war einen hinweis auf den fork von @herrernst zu finden, der vorkompilierte binärdatein von librespot zum download anbietet.

einfach runterladen, auspacken und starten:

./librespot --name musikkind --cache /tmp

damit taucht der raspberry-pi-lautsprecher schon als spotify-connect lautsprecher in der spotify-app auf.

damit waren 80% der arbeit an einem abend erledigt: der pi hatte ein betriebsystem, lief rund und war mit dem wlan verbunden, ohne dass ich auch nur eine zeile in die kommandozeile schreiben musste, die lautsprecher waren per airplay und spotify-connect erreichbar und alles klang gut.

na gut ein bisschen musste ich doch in der kommandozeile rumwerkeln, weil airplay nicht auf anhieb funktionierte. ich folgte dieser anweisung um das problem zu beheben und deaktivierte den firewall von pimusicbox indem ich die erste (bzw. zweite) zeile der datei /etc/network/if-up.d/iptables:iptables-restore auskommentierte.

die restlichen 20% arbeit, librespot automatisch zu starten und am laufen zu halten, hielten mich dann die folgenden zwei wochen auf trab.

* * *

die pimusicbox startet die konfigurierten dienste, wie bei linux üblich, über init-daemons und sorgt mit einen monit-server-dienst daür, das ein paar der beim booten gestartetet prozesse überwacht und im zweifel neu gestartet werden. für librespot habe ich mir das startscript erstmal selbst zusammengestöpselt und dabei ist das rausgekommen:

/etc/init.d/librespot

#!/bin/sh
#
# librespot daemon start/stop script.
#
# Written by Alexei Vladishev <alexei.vladishev@zabbix.com>.
# changed by ix
#
### BEGIN INIT INFO
# Provides: librespot
# Required-Start: $network $remote_fs
# Required-Stop: $network $remote_fs
# Should-Start: $named alsa-utils avahi dbus pulseaudio
# Should-Stop: $named alsa-utils avahi dbus pulseaudio
# Default-Start: 2 3 4 5
# Default-Stop: 0 1 6
# Short-Description: librespot server
### END INIT INFO
#
NAME=librespot
PATH=/bin:/usr/bin:/sbin:/usr/sbin:/opt/:/usr/bin
DAEMON=/usr/bin/${NAME}
DESC="librespot server daemon"
PIDFILE=/var/run/$NAME.pid
#
# Define LSB log_* functions.
. /lib/lsb/init-functions
#
test -f $DAEMON || exit 0
set -e
case "$1" in
start)
echo "Starting $DESC: $NAME"
#start-stop-daemon --oknodo --start --make-pidfile --pidfile $PIDFILE --exec $DAEMON -- --name musikkind --cache /tmp --onstart /root/librespot_play.py --onstop /root/librespot_stop.py #> /dev/null 2>&1 &
start-stop-daemon --oknodo --start --make-pidfile --pidfile $PIDFILE --exec $DAEMON -- --name musikkind --cache /tmp > /dev/null 2>&1 &
;;
stop)
echo "Stopping $DESC: $NAME"
start-stop-daemon --oknodo --stop --pidfile $PIDFILE --exec $DAEMON -- --name musikkind --cache /tmp > /dev/null 2>&1 &
;;
restart|force-reload)
$0 stop
sleep 3
$0 start
;;
status)
status_of_proc "$DAEMON" "$NAME" && exit 0 || exit $?
;;
*)
N=/etc/init.d/$NAME
echo "Usage: $N {start|stop|restart|force-reload}" >&2
exit 1
;;
esac
exit 0

damit lässt sich dann /usr/bin/librespot (dahin habe ich die ausführbare binärdatei verschieben) starten, stoppen und abfragen:
/etc/init.d/librespot start
/etc/init.d/librespot stop
/etc/init.d/librespot status

damit monit sich um den dienst kümmert habe ich noch diese kleine monit-startdatei in /etc/monit/conf.d/librespot gelegt:


check process librespot with pidfile /var/run/librespot.pid
      start program = "/etc/init.d/librespot start"
      stop program = "/etc/init.d/librespot stop"
      restart program = "/etc/init.d/librespot restart"

damit librespot direkt nach dem startvorgang startet (und nicht erst wenn monit den dienst startet), habe ich diese letzte zeile in der datei /opt/musicbox/startup.sh hinzugefügt:

/etc/init.d/librespot start

* * *

oben habe ich es auskommentiert, aber ich nutze noch eine option von librespot um den abspielstatus in meinem home-assistant anzuzeigen. gibt man librespot die startoptionen --onstart und --onstop mit, kann es zum start und stop des playbacks eine datei ausführen. ich lasse librespot je zwei kleine python-scripte ausführen, die den status per mqtt veröffentlichen, was ich dann im home-assitant anzeigen lassen kann. in /root/librespot_play.py steht:


#!/usr/bin/env python
import paho.mqtt.publish as publish
import sys
 
def publish_message(topic, message):
print("Publishing to MQTT topic: " + topic)
print("Message: " + message)
auth = {
'username' : 'xxx',
'password' : 'xxx'
}
publish.single(topic, message, hostname="192.168.1.57", port=xxx, auth=auth)
 
if __name__ == '__main__':
publish_message("musikkind/librespot/status", "play")

/root/librespot_stop.py unterscheidet sich lediglich im payload der mqtt-nachricht. das python-script funktioniert natürlich nur, wenn man die entsprechenden abhängigkeiten vorher installiert, also mindestens python und paho-mqtt.

* * *

librespot funktioniert eigentlich ganz gut. manchmal, nach längerem leerlauf stürzt das programm aber ab, vermutlich weil eine der verbindungen zu spotify abgebrochen ist und das programm sich lieber panisch abbricht, als die verbindung neu aufzubauen. das fängt dann aber monit ab, das den librespot-prozess wieder neustartet, in der standardeinstallung allerdings unter umständen erst nach zwei minuten, weil der prüfzyklus von monit standardmässig auf zwei minuten gestellt ist. das lässt sich aber in /etc/monit/monitrc anpassen, indem man set daemon 30 statt set daemon 120 einträgt.

dazu kommt, dass spotify das reverse-engineerte librespot wohl nicht mehr so gerne sieht und immer wieder sperrt oder änderungen an der (undokumentierten) API vornimmt. @plietar bessert librespot zwar immer schnell nach, aber bei den letzten änderungen ist @herrenst mit seinen binaries nicht immer nachgekommen.

zuerst habe ich versucht librespot selbst auf dem pi zu kompilieren, bin aber daran gescheitert die entsprechenden abhängigkieten (hunderte von megabyte) zu installieren, bzw. zum laufen zu bringen. ich habe mit raspotify von @dtcooper aber einen einfachen weg gefunden, librespot selbst zu kompilieren: per docker auf dem mac. nachdem docker installiert ist, reicht es folgendes in der kommandozeile auszuführen und ein bisschen zu warten:


git clone --recursive https://github.com/dtcooper/raspotify
cd raspotify
./build_raspotify.sh

am ende spuckt das script eine .deb-datei aus, die man auf dem pi instalieren kann: einfach in /tmp kopieren und auf dem pi folgendes in der kommandozeile ausführen (je nachdem wie die .deb-datei benannt ist):


cd /tmp
sudo dpkg -i raspotify_0.4~librespot-6f24e3b-1_armhf.deb
rm raspotify_0.4~librespot-6f24e3b-1_armhf.deb

damit landet librespot in /usr/bin, also da wo das start-script die datei auch erwartet.

den letzten librespot-fix von gestern habe ich einfach in raspotify/librespot/src/connection/mod.rs selbst gepatcht und dann alles neu kompiliert. bis jetzt funktioniert es.

* * *

tl;dr: statt knapp 500 euro auszugeben, habe ix einfach sehr günstige, dumme, unvernetzte [-werbelink] aktivlautsprecher mit einem [-werbelink] raspbery pi vernetzt und damit nur knapp 100 euro ausgegeben und viel bastelvergnügen gehabt.

unsere zweit-„anlage“