thor: ragnarok

felix schwenzel, , in gesehen    

am ende irgendwie unterhaltsam, aber die versatzstücke aus 2000 jahren popkultur die hier wild kombiniert und zusammengewürfelt werden, waren irgendwie zu dick aufgetragen.

pommes mit zu viel mayonaise.

black mirror, nerdcore

felix schwenzel, , in artikel    

ich mag black mirror nicht. mir missfällt das sadistische element, dass in jeder einzelnen folge den protagonisten, den menschen, der menschheit angedichtet wird. jede einzelne episode folgt diesem rezept, indem sie mindestens einen protagonisten zeigt, der vergnügen daran findet, andere menschen zu quälen, zu entwürdigen, zu entmenschlichen. aus jeder folge quillt menschenhass. das geht jetzt schon vier staffeln so, dass die serie sadisten nicht als einzelphänomene, psychische deformationen zeigt, sondern suggeriert, dass menschen zum sadismus, zur grausamkeit, zur empathielosigkeit neigen, sobald sie macht bekommen. wie in schlechten filmen wird da nicht differenziert, analysiert, versucht zu verstehen, sondern brutal, splattermässig draufgehalten, zugespitzt und implizit vor dem bösen im menschen gewarnt. in der welt, die black mirror zeichnet, ist kein platz für humanität und mitgefühl, menschlichkeit und wärme, liebe und zärtlichkeit. black mirror ist misantropen-porno. die ausnahme, das abnorme, die psychische deformation wird dystopisch als normal dargestellt, menschlichkeit, wärme, mitgefühl als die ausnahme.

black mirror ist nicht dumm, im gegenteil, aber misantrop, anthropophob, frustriert und sarkastisch. liebe steckt bei black mirror lediglich in der produktion. die ist enorm aufwändig und detailverliebt; für jede einzelne folge werden plakatmotive produziert, dutzende anspielungen ins drehbuch und die kulissen gedrechselt und die besetzung ist stets a-list. black mirror ist eigentlich die perfekte serie, konsequent von vorne bis hinten durchdacht, voller grandioser kleiner (und grosser) ideen, perfekt inszeniert und produziert — aber sie glaubt nicht an das gute im menschen.

vor einem jahr, nach einer folge der dritten staffel hatte ich schon keine lust mehr weiterzugucken. die vierte staffel, die gerade bei netflix angelaufen ist, wollte ich ebenso wegignorieren. gestern überflog ich dann diesen artikel von rené walter, in dem er alle sechs aktuellen folgen von black mirror rezensiert.

ich entschloss mich dann doch mal die erste folge zu sehen. die fängt auch grandios an, mit einer ziemlich passgenauen, aber trotzdem leicht irritierenden, star-trek-parodie. die weitere handlung ist fesselnd, die inszenierung und das schauspiel makellos, liesse sich aber auch in einem satz zusammenfassen: arschloch rächt sich an anderem arschloch und schiesst dabei, mit konsequenter grausamkeit und megaarschlochigkeit, weit übers eigentliche ziel (genugtuung) hinaus.

ich bin mir nicht sicher, ob ich die verbliebenen fünf folgen noch sehen werde. ich vermute sie sind genauso sorgfältig und intelligent erzählt, aber ich ertrage das pessimistische welt- und menschenbild, dieses arschlochuniversum, nur schwer. der pornovergleich passt übrigens gut. black mirror zeigt konsequent nur dunkle stellen des menschen, vergrössert diese in absurde dimensionen, hält voll drauf und blendet alles andere konsequent aus. menschlichkeit, mitgefühl, humanität werden marginalisiert dargestellt oder grotesk verzerrt oder veralbert.

was ich aber gut finde und mir auch in zukunft jede folge ansehen werde, ist das was rené walter auf nerdcore schreibt. seine rezension der ersten black mirror folge der vierten staffel (USS CALLISTER) ist auf den punkt und versorgt den leser mit kontext. ich schriebs erst vor ein paar artikeln, nerdcore gehört zu meinen lieblingsblogs und ich finde rené ist derzeit in höchstform. und er braucht unterstützung. die möchte ich ihm gerne geben, indem ich nerdcore, neben übermedien, zum zweiten blog mache, dem ich bei steady einen monatlichen, bescheidenen beitrag zahle. ich möchte gerne, dass rené weiter vollzeit ins internet schreibt.

Das war bis vor wenigen Jahren noch über Bannerwerbung finanzierbar, mit dem Siegeszug von Clickbait und Facebook allerdings sind die Werbe-Einnahmen nahezu komplett zusammengebrochen. NERDCORE finanziert sich nun schon seit mehreren Jahren über meine eigenen privaten Reserven und diese sind nun erschöpft.

hier geht’s zur kasse.

blade runner 2049

felix schwenzel, , in gesehen    

in der regel schalte ich filme ab, die szenen als dramatische zeitlupen zeigen. ein todsicheres mittel um schlecht inszenierung zu erkennen. blade runner 2049 ist hingegen eine einzige zeitlupe und gerade deshalb toll. der film ist stellenweise so gebremst, dass man den eindruck hat zeitlupen zu betrachten. ich fands toll.

gerne in 30 jahren nochmal.

naja, modern family geht immer. ist zwar nicht neu, aber ich finde es nach wie vor teilweise sehr, sehr witzig.

auf eine art witzig und fast neu: die zweite staffel von BBC americas dirk gently’s holistic detective agency (staffel zwei ab. 5. januar auf netflix). während ich die erste staffel eher scheisse fand (und trotzdem zu ende schaute), gefiel mir die zweite staffel irgendwie. sie war so absurd, abgedreht und idiotisch, dass man über die miesen schauspielerischen fähigkeiten von elijah wood hinwegsehen konnte und sich von der absurdität und blödsinnigkeit der geschichte fesseln lassen konnte. die erzählte geschichte ist tatsächlich so bekloppt, dass sie schon fast wieder gut ist.

auch nicht neu, im gegenteil, bald andertalb jahrzehnte alt, startrek enterprise, die star trek serie die vor kapitän kirk im jahr 2151 angesiedelt ist und 90 jahre nach dem ersten kontakt. die serie hat keinen besonders guten ruf, fiel in der zuschauergunst durch und wurde in der vierten staffel abgesetzt. sie läuft, wie alle star-trek-serien, auf netflix und ich habe mir bereits 82 der 98 folgen angesehen. die serie ist wie die meisten star-trek-serien ein bisschen holzschnitt- und kammerspielartig, vollgestopft mit billig produzierten kulissen, durchzogen von schlechten spezialeffekten und stereotypen rollenmustern.

sieht man die serie ohne grossen erwartungen, kann sie unterhaltsam wirken. in den ersten beiden staffeln stehen die einzelnen episoden meist für sich, in mehr oder weniger abgeschlossenen handlungen, mit einem feinen, fast unsichtbaren roten faden. die dritte staffel hat dann einen gut sichtbaren, etwas überdramatisierten roten faden, der mich zum milden rauschsehen brachte. wie gesagt, technisch und von der produktionsqualität ist das alles eher schlecht bis mittelgut, aber der kern der erzählungen, die metaebene, die intention der serie finde ich sympathisch, wie fast alles aus dem star trek universum.

das kernproblem der serie könnte die besetzung der kapitänsrolle gewesen sein. scott bakulas als jonathan archer funkt nicht besonders. archer ist weder besonders sympathisch, noch doppelbödig. er ist einfach da und erfüllt seine pflicht, man kann ihn gut ertragen, aber identifizieren mit ihm wollte ich mich irgendwie nicht. wäre archer ein auto, wäre er früher ein passat gewesen, heute ein prius; ein vernünftiges, effizientes, fleissiges arbeitstier, ohne charme und reiz. ganz schlimm auch die vulkanierin t’pol, gespielt vom ehemaligen model jolene blalock, deren aussehen in der serie wohl nicht nur vom kostüm- und maskenbildner, sondern auch von plastischen chirurgen gestaltet wurde.

trotzdem. ich habe startrek enterprise gerne gesehen, auch wenns weder (wirklich) gut, noch eine sitcom war.

* * *

ganz abgesehen davon; gestern habe ich zufällig diesen ausschnitt aus einem clouseau (mit peter sellers) gesehen:

youtube-video
youtube

eigentlich dachte ich, kenn ich die filme aus der clouseau-reihe alle auswendig, aber an diese szene konnte ich mich nicht mehr erinnern. aber sie erinnerte mich daran, dass ich die eigentlich alle noch ein paar mal wieder sehen müsste.

guardians of the galaxy vol. 2

felix schwenzel, , in gesehen    

puh, der film ist überdreht, bunt, aufwändig, verspielt, laut, überzogen und pathetisch. alles gekonnt zusammengesetzt und dann doch irgendwie langweilig. wegen des lärms bemerkt man die langeweile nicht besonders stark, aber echte spannung kommt an keiner stelle auf.

man kann das aber auch alles positiv sehen und den film als hinleitung zu zwei bis drei wirklich guten gags verstehen. im prinzip kann man auch beide guardians-filme als aufbauleistung für die zune- und hasselhoff-gags am ende verstehen.

auch wenn die moral des films — eine ode auf die freundschaft, die zusammengesetzte, wilde familie und auf brachialen humor — ganz nach meinem geschmack ist, am ende ist das dann doch ein bisschen dick aufgetragen. aber wie bei zu dick aufgetragenem nutella, am ende ist man vollgefressen und doch irgendwie zufrieden.

kurzkritik taboo s01

felix schwenzel, , in gesehen    

goliath, das wie taboo auf amazon prime lief, hat mir gut gefallen. geschichten in denen ein mensch oder mehrere gegen vermeintlich unüberwidbare widerstände und riesen kämpfen sind fast immer sehenswert, wenn sie es nicht verpassen, ihre charaktere nicht all zu schwarz und weiss zu zeichnen. taboo ist goliath mal drei. james keziah delaney (toll gespielt von dem mann mit meiner lieblingsstimme, tom hardy) kämpft nicht nur gegen einen goliath, sondern gleich gegen 3 und sich selbst eigentlich auch.

die serie spielt im frühen neunzehnten jahrhundert, ist dunkel und brutal, achtet aber peinlich darauf keine weiblichen brustwarzen abzubilden. alles andere zeigt die serie aber ausführlich, brutalität, mord, sex, ausweidungen und drapierung von leichen in schweigen-der-lämmer-manier. trotzdem hat mich die serie von der ersten folge an tief reingezogen. zum grossen teil dürfte das an tom hardy gelegen haben, der seine rolle fast einen ticken zu cool ausfüllt, aber doch ein passend. auch am rest des ensembles ist nichts auszusetzen, im gegenteil, das casting hat überragend gut gearbeitet und unter anderem ein mädchen gefunden, dass franka potente wie aus dem gesicht geschnitten ähnlich sieht, so ähnlich, dass ich schon dachte hier sei .zauberei fx am werk gewesen. ausserdem scheint das halbe ensemble von game of thrones mitzuspielen.

die geschichte ist gut erzählt, auch wenn man von anfang an, durch die auslassungen und unbeleuchteten fragmente der vergangenheit, merkt, wohin die geschichte gedreht werden wird. von mir aus hätten die vodoo/esoterik und mystery-elemente auch rausgestrichen werden können, aber sie haben auch nicht gross weiter gestört, bzw. bekamen auch ab und zu einen kleinen comic-relief.

auch wenn die requisiten aus der gleichen BBC-aservaten-kammer stammen wie downton abbey, penny dreadful oder little dorit, in taboo erwachen sie zu wunderbar dunklen leben. ich hab’s gerne gesehen, ich glaube aber es ist nicht jedermanns geschmack. läuft auf amazon.

this is us s01e01

felix schwenzel, , in gesehen    

ich habe den piloten von this is us geguckt und will jetzt gar nicht mehr folgen davon sehen. nicht weil die serie schlecht wäre, sondern weil der pilot so gut war. den piloten könnte man auch als abgeschlossene kurzgeschichte sehen und für sich stehen. er schafft es in 42 minuten nicht nur ein ensemble von einem halben dutzend hauptcharakteren vorzustellen und in ihr leben einzuführen, sondern auch noch eine wunderbar verschachtelte familiensaga nachzuerzählen.

abgesehen davon hat die serie etwas geschafft, was mir schon lange nicht mehr passiert ist: ich war am ende tief berührt, nicht weil das ende der ersten folge traurig war, sondern weil es so menschlich, so herzerweichend war — und das alles auch noch ohne pathos und holzhammer, sondern ganz subtil und sanft.

the expanse s02 e01 bis 03

felix schwenzel, , in gesehen    

vor etwas einem jahr habe ich nicht nur jede folge von the expanse geguckt, sondern auch zu jeder folge etwas aufgeschrieben. mein fazit nach 10 folgen damals lautete:

das war ordentliche science-fiction, auch wenn es am ende etwas ins mystery-genre abrutschte und sehr „die hard“ wurde. aber abraten das anzusehen, würde ich niemandem.

seit zwei wochen läuft jetzt die zweite staffel und das was mich an der serie nervt hat sich nicht verändert:

  • ich verstehe kaum um was es geht, weil ungefähr alle 10 minuten die schauplätze wechseln und in etwa 6 verschiedene erzählstränge abgedeckt werden.
  • die stimme von shohreh aghdashloo nervt mich noch mehr, als in der ersten staffel. ich denke immer, wenn ich ihre brüchige, tiefe stimme höhre, irgendwas sei an meinen lautsprechern kaputt.
  • das bemühen der serie um ansatzweise realistische darstellung des lebens im weltraum, die tücken des vakuums und der gravitation (bzw. ihrer abwesenheit) versucht die serie immer wieder zu thematisieren, kann es sich aber (natürlich) auch nicht verkneifen, raumschiffen motorgeräusche zu verpassen, wenn sie im weltraum an der kamera vorbeifliegen.

was mir nach wie vor gefällt:

  • obwohl die serie von den autoren bis zum bersten mit parallelen handlungen vollgestopft wird, macht mich die erzählung neugierig. vielleicht ist es aber auch nur das genre: ich muss science-fiction einfach zwanghaft gucken?
  • trotz irritierender stimmen, teilweise lausigem schauspiel verzeihe ich der serie fast alles. warum weiss ich auch nichtz so genau.

jedenfalls guck ich die zweite staffel auch bis zum ende durch. ob ich so regelmässig wie letztes jahr drüber schreibe glaube ich allerdings nicht.

* * *

apropos gucken: laut watched.li habe ich im lezzten jahr im schnitt 40 serienfolgen pro monat geguckt. die zahlen des april sind ungenau, da habe ich bei watched.li serien nachgetragen. aber ich führe über watched.li sorgfältig buch über jede einzelne folge die ich mir ansehe.

watched.li gesehene folgen

um mal (geschätzte zahlen auf den tisch zu legen: 2016 habe ich wohl so um die 500 einzelne folgen fernsehserien geguckt. laut letterboxd.com habe ich 2016 ausserdem 37 filme geguckt. das addiert sich ungefähr auf 38 schrillionen stunden film- und fernsehglotzen.

deep space nine, staffel 01

felix schwenzel, , in gesehen    

nachdem netflix einen grossteil des star trek universums in sein programm gehoben hat (ds9, voyager, next generation, enterprise, das original) habe ich mir in den letzten wochen die erste staffel deep space nine angesehen.

abgesehen vom ungewohnten 4:3 seitenverhältnis und den schulterpolstern der kostüme, wirkt die serie eigentümlich aktuell — oder besser: zeitlos. thematisch werden alle grossen menschheitsfragen angeschnitten, die genauso aktuell erscheinen, wie damals (1993). es geht um krieg und frieden, versöhnung und widerstand, schuld und gerechtigkeit, religiösen fanatismus, wissenschaft, ethik und anstand.

das ist alles sehr dialoglastig und zum grossen teil kammerspielartig, die inszenierung und das schauspiel sind teilweise etwas brachial und unsubtil, aber eigentlich immer grandios geschrieben. bis auf den piloten, der sich über zwei folgen erstreckt und mir etwas zu mystisch und abgedreht daherkommt, sind die episoden rund und in sich abgeschlossen und behandlen (mehr oder weniger) immer ein politisches, ethisches oder moralisches problem. und am ende gewinnt (fast) immer die vernuft und der anstand.

einige der folgen kamen mir bekannt vor und ich habe sie wahrscheinlich irgendwann, zumindest in teilen, in den 90ern im nachtprogramm gesehen. da die chronologie, zumindest in der ersten staffel, eher unwichtig ist, auch wenn einige charaktere ein paar folgen vor ihrem auftritt aufgebaut werden, hat das zufallssehen im nachtprogramm meinen guten eindruck von der serie in den 90er-jahren nicht trüben können. aber jetzt, sozusagen zum wiederholten male, alle folgen in der vorgesehenen ordnung, im englischen original und in voller länge ohne werbeunterbrechungen zu sehen, war ein noch grösseres vergnügen.

die serie erinnerte mich wieder daran, warum ich die star-trek-welt und ihre serien so sehr schätze. sie verfolgen konsequent ein positives menschenbild und lassen uns unsere welt, unsere gesellschaftlichen probleme mit einem gewissen abstraktionsgrad reflektieren. die parallelen sind offensichtlich, aber nicht platt. die cardassianer zeigen parallen mit den deutschen oder den japanern, der widerstand der bajoraner zeigt parallelen zu widerstandsbewegungen im nahen osten oder dem besetzten frankreich, der religiöse fanatismus einiger bajoraner zeigt parallelen zu anti-sekulären bewegungen in der ganzen welt. rassismus, freiheit und grenzen der wissenschaft, diversität, gerechtigkeit, all das wird von folge zu folge debatiert. hört sich langweilig an: eine fernsehserie in der debatten zu sehen sind, aber ich finde der vergleich passt. in den erzählungen der einzelnen folgen werden immer mindestens zwei seiten eines problems gezeigt und immer der mühsame prozess, zu gerechten und praktikablen lösungen zu kommen. teilweise, wie in der folge progress, wird auch keine wirklich befriedigende lösung erreicht, sondern es werden die schwierigkeiten durchgespielt, zwischen pflicht und menschlichkeit, gemeinwohl und einzelinteressen, gehorsam und empathie abzuwägen.

es gibt gerüchte hinweise darauf, dass donald trump schwierigkeiten zu lesen habe, klare belege dafür, dass trump zu viel schrottfernsehen zur meinungsbildung schaut und entsprechende versuche von unternehmen, donald trump durch targeted advertising im fernsehen zu beeinflussen. würde donald trump deep space nine binge-gucken, würde mir die lage der welt wohl weniger sorge bereiten, als mit seiner gewohnheit müll-fernsehen zu gucken. allen anderen möchte ich die serie aber auch zum wieder- oder neu-gucken ans herz legen. läuft auf netflix.