christian fahrenbach nennt „kürbis-gewürz-kaffee“ gerne „kürbis-kaffee“

felix schwenzel,    

christian fahrenbach schreibt im krautreporter „warum Kaffee nach Kürbis schmeckt“. das problem ist: der kaffee auf den er sich bezieht, die starbucks pumpkin spice latte, enthält nicht einen hauch kürbis. sondern gewürze mit denen man in den USA zum beispiel kürbiskuchen würzt. der kaffee schmeckt also gar nicht nach kürbis, sondern nach gewürzen.

„Das Kürbis-Komplott“

der anreisser des artikel startet mit

Egal ob Kuchen, Kaffee oder Bier: Produkte mit Kürbisaroma sind in den USA ein 300 Millionen Dollar großer Markt.

das stimmt eben nur halb. in den gewürzten bieren kommt es durchaus vor, dass sie kürbis-bestandteile enthalten, die starbucks pumpkin spice latte eben nicht. in einer autoren-anmerkung am rande des ersten absatzes (die nur krautreporter-abonennten sehen können) differenziert christian fahrenbach das dann heimlich:

Im Pumpkin Spice selbst ist gar kein Kürbis enthalten. Es handelt sich um eine Gewürzmischung, unter anderem mit Zimt, Muskat und Ingwer.

ich reagiere ja auf unnötige ungenauigkeiten immer heftig kopfschüttelnd. wenn sie im titel oder anreisser stehen, kann der autor zwar meistens nichts dafür, aber christian fahrenbach macht munter weiter mit seinen ungenauigkeiten:

2003 hat Starbucks den Kürbis-Latte erstmals auf die Karte genommen …

auch hier wieder nur differenzierung in den exklusiven abonennten-anmerkungen. ist es wirklich nötig aus einer kürbis-gewürz-latte eine kürbis-latte zu machen und den link zu einer starbucks-mitteilung zum 200sten verkauften pumpkin spice latte in den anmerkungen zu verstecken? reicht der platz bei den krautreportern nicht aus um die dinge so zu beschreiben, wie sie sind?

ich fand viele texte bei den krautreportern schon sehr gut, aber bei christian fahrenbachs „Das Kürbis-Komplott“ ist nicht nur die überschrift gaga.

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manisa mesir macunu

es gibt übrigens eine türkische gewüzpaste, mesir macun, die genauso wie der starbucks pumpkin-spice-sirup viel zucker und ganz ähnliche gewürze enthält: zimt, nelke, piment, ingwer, schwarzen pfeffer, galgant, koriander und neben vielen anderen gewürzen auch „orangenhaut“ (so stehts auf meiner packung). die paste wird in der türkei angeblich löffelweise als medizin verabreicht, aber man kann damit auch hervorragend kaffee süssen und würzen. pumpkin spice latte für arme sparsame sozusagen.

ich mag übrigens sowohl die mesir-paste, als auch die starbucks-kürbisgewürz-latte, weil sie mich an die pumpkin pies, die ich als 18jähriger in amerika mit grossem vergnügen in mich hineingefüllt habe, erinnern.

antwort auf die kolumne von sibylle berg vom 27.09.2014

felix schwenzel,    

auf die aktuelle kolumne von sibylle berg auf spiegel-online habe ich in form eines langen offenen briefs hier geantwortet:

liebe sibylle berg,

in ihrer kolumne vom 27.09.2014 schreiben sie über eine von ihnen beobachtete kostenloskultur und öffnen den text mit den worten: „dafür würde ich sogar …

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weiterlesen mit wirres.net-plus: zahlen sie einmalig nur 12 euro (informationen dazu kostenlos per email) und lesen sie diesen offenen brief so oft sie wollen und wo sie wollen.

mögliche folgen von blog-professionalisierung: haltungsschäden und merkbefreiung

felix schwenzel,    

professioneller blogger beim nachdenken — mit einem gestiefelten und rauchenden typen auf dem rücken

ich habe lange über diesen artikel nachgedacht und versuche weiter unten auch, so weit wie mir möglich ist, zu differenzieren. in aller kürze möchte ich aber vorausschicken, dass ich das verhalten von teilen der deutschen blogosphäre, für die ich einst durchaus sympathie aufbringen konnte, extrem zum kotzen finde.

ich tendiere ja durchaus dazu, mich über bestimmte dinge sehr aufzuregen. dabei kommt oft etwas heraus, was andere als unangenehmes „öffentliches bashing“ wahrnehmen. wenn ich dann länger über dinge, über die ich mich aufgeregt habe, nachdenke, stellt sich oft heraus, dass ich zusammenhänge missverstehe, falsch interpretiere, absichten hineinprojeziere oder mich angesprochen fühle, obwohl ich nicht mal ansatzweise gemeint war. distanz ist bei dingen über die man sich aufregt immer von vorteil, aber eben in der aufregung nicht immer möglich. wenn man die perspektive wechselt, sehen viele dinge auch anders aus als aus den eigenen augen und manchmal löst sich die aufregung dann auch einfach in luft auf. ich bin noch nicht sicher, wie ich bei dem, was ich hier beschreibe, schaffen werde distanz aufzubauen.

in dieser woche habe ich mich über mathias winks (auch als mcwinkel bekannt) aufgeregt. auf facebook. mathias hatte das pech, dass sein artikel, in dem er private und intime bilder prominenter frauen veröffentlichte, der erste war den ich sah. es gab und gibt, wie ich später bemerkte, noch einige mehr.

diese bilder wurden ursprünglich, mit einiger krimineller energie, aus den icloud-konten verschiedener frauen gestohlen und an diversen stellen im internet veröffentlicht. im internet herrschte ungewöhnliche einhelligkeit darüber, dass diese bilder nicht gezeigt werden sollten. sie tauchten nicht in mainstream-medien auf, selbst die einschlägigen gossip- und schadenfreude-seiten hielten sich zurück, wohl auch, weil einige vertreter der betroffenen frauen eine kompromisslose juristische verfolgung von medien ankündigten, die diese bilder veröffentlichten.

die hintergründe dieser „leaks¹“ und warum die veröffentlichung dieser privaten bilder eine schweinerei ist, hat vor ein paar wochen jürgen geuter sehr schlüssig erklärt:

Das Verbrechen der Accountcracker mit Urheberrecht oder anderen datenverwandten rechtlichen Konstrukten zu bewerten ignoriert völlig den Schaden an der Person, der hier ganz bewußt wenn nicht intendiert, dann doch böswillig in Kauf genommen wurde. Die Daten lagen hinter diversen Sicherheitsschranken und waren offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit oder einen Teil dieser vorgesehen. Alle diese Schranken, alle diese expliziten „Neins“ wurden ignoriert. Das Verbrechen, mit dem man diese „Hacks“ vergleichen kann ist die Körperverletzung und - in diesem Falle in dem es um Nacktbilder ging - der sexuelle Übergriff.

warum veröffentlichte mathias winks nun diese bilder, die nicht nur nach jürgen geuters meinung einen sexuellen übergriff darstellen und die privatshäre dieser frauen verletzen?

weil irgendwelche leute in den bildern rumgekritzelt haben und das gekritzel zu kunst erklärt haben. mathias winks begründet die zurschaustellung der bilder auf seinem blog wie folgt (ich verlinke die quelle nicht):

Das Fappening wird ganz sicher nicht an Euch vorbeigegangen sein, hier [link entfernt] hatte ich bereits drüber gesprochen. Seit ein paar Tagen gibt es nun einen Grund, das Internet noch mehr zu lieben: unterschiedliche Künstler haben die Celebrity Nacktpics jetzt nicht nur entschärft, sie haben Kunstwerke aus ihnen gemacht und sammeln diese im Unfappening-tumblr. Wer die Original-Bilder bis jetzt noch nicht gesehen hat, der sollte auch nicht weiter recherchieren – das hier ist wayyyyy better:

The fappening happened. We can’t change that. But we can cover it up. It’s the least we can do. Here we show the works of artists who did so.

(mir hat man in köln mal mein auto aufgebrochen und meine damaligen habseligkeiten in der umgebung drapiert: auf bäume und in maschendrahtzäune gehängt. mathias winks hätte die kleinen kunst-installationen der kölner sicher geliebt und das viel, viel besser gefunden als wenn die typen meine klamotten einfach selbst benutzt hätten.)

rené walter erklärt auf seinem blog ähnlich euphorisch wie grossartig geklaute und verletzende dinge sein können, wenn irgendjemand das wort „kunst“ benutzt (ich verlinke die zitatquelle hier auch nicht):

Illustratoren malen auf den geleakten Nackedeibildern rum. Großartig! Und ich finde, es sollte viel mehr bunt angemalte Hacks geben. Wenn bei dem ganzen Drama am Ende dann noch Kunst bei rauskommt, dann hatte das ganze immerhin irgendwas gutes.

The fappening happened. We can’t change that. But we can cover it up. It’s the least we can do. Here we show the works of artists who did so.

es ist also die kunst, die es diesen (und vielen anderen) bloggern und wahrscheinlich auch anderen medien jetzt (vermeintlich) ermöglicht intime und private bilder prominenter frauen zu zeigen, weiterzuverbreiten und jovial zu kommentieren?

ich habe eine ganze weile gebraucht um zu begreifen, dass mathias winks und rené walter glauben könnten, sie täten hier etwas gutes. in meiner anfänglichen wut, die ich ins facebook kippte, unterstellte ich mathias winks mangelnden anstand und fehlende empathie gegenüber den opfern der sexuellen übergriffe. dass ein mensch, der noch bei allen sinnen ist, glauben könnte, dass übermalte, aufgehübschte, „entschärfte“ intime und private bilder jetzt nicht mehr die würde oder die privatshäre der prominenten frauen verletzen würde, hielt ich nicht für möglich.

nach ein paar tagen des nachdenkens, halte ich es tatsächlich für möglich, dass manche blogger glauben, dass ein paar pinselstriche aus etwas verletzendem, übergriffigen und für die betreffenden extrem unangenehmen etwas schönes, angenehmes und wohliges machen könnten. aus meiner sicht ist diese haltung zwar vollkommen merkbefreitheit, aber immerhin ist das eine mögliche erklärung.

warum das zeigen der verfremdeten bilder, euphemistisch auch „unfappening“ genannt, völlig merkbefreit ist, erklärt jürgen geuter wieder am besten:

Nun werden unter dem Schlagwort „unfappening“ von Künstlern veränderte Versionen dieser Bilder verbreitet: Über die nackten Körper der Frauen sind amateurhaft Kleidungsstücke gepinselt. Ich halte die Veröffentlichung dieser veränderten Bilder für ähnlich widerlich, wie die Publikation der Originalversionen.

Denn natürlich wird die nackte Version immer mitgedacht. Man profitiert so also noch ein weiteres mal vom Leid der Opfer des Übergriffes und jazzt seine Clickzahlen hoch. Des Weiteren sind die Bilder immer noch nicht – auch nicht in ihrer veränderten Form – von den Frauen zur Publikation freigegeben. Sie werden also weiterhin als Objekt behandelt, ohne Agency und Rechte.

er findet die veröffentlichung der bilder „widerlich“ — wie ich finde, zu recht.

der blogger perez hilton hat vor jahren einiges an berühmtheit mit seinem gossip-blog erreicht. er nutzte auf seinem blog ausgiebig paparazzi-bilder und kritzelte kommentare hinein, um mit diesem kniff lizenzzahlungen aus dem weg zu gehen: er erklärte die mit seinen kritzeleien versehenen bilder einfach zu kunst. nach dieser logik könnte man jetzt auch snuff-filme oder bilder mit extremer gewaltdarstellung zeigen, wenn man sie nur ein bisschen „entschärft“ oder smilies reinmalt. man könnte fotos von obduktionen oder unfallopfern zeigen, wenn man ein paar blümchen reinphotoshoppt. boulevardmedien könnten die gestohlene krankenakte von michael schumacher zeigen, wenn vorher ein illustrator ein paar ornamente aufs papier zaubert. man könnte die fotos von flugzeugabsturzopfern aus facebook zusammenklauben, ein bisschen „illustrieren“ und dann einen artikel mit diesen fotos in sein blog packen und zum beispiel so anteasern:

Illustratoren malen auf den Facebookprofilbildern der Absturzopfer von Air France Flug 447 rum. Großartig! Es sollte sowieso und überhaupt viel mehr bunt angemalte Opferbilder geben. Wenn bei dem ganzen Drama am Ende dann noch Kunst bei rauskommt, dann hatte das ganze immerhin irgendwas gutes.

das leid der opfer und die würde der abgebildeten haben sich nach dieser logik der kunst unterzuordnen. das dachte sich vor einer weile auch ein amerikanischer wurzelsepp, der kurz nach dem #celebleak ankündigte, eine ausstellung der entwendeten nacktbilder zu organiseren. das wurde mitllerweile wieder abgeblasen, zeigt aber die haltung die hinter einem solchen kunstverständnis steckt: kunst als gelebte rücksichtslosigkeit und selbstdarstellungszwang auf kosten anderer.

oder anders gesagt: die professionalisierung der deutschen blogosphäre hat teilweise zu ekligen zombie-blogs geführt, die vor allem durch hemmungslosigkeit, eine ausgeprägte egalhaltung, sensationsgier und me2-viral-wellen-reiten besticht. oder um das milder auszudrücken, die angst eine virale welle zu verpassen — und damit besucher- und werbeumsatzrückgänge zu verkraften — scheint bei einigen bloggern die fähigkeit nachzudenken beschädigt zu haben — und ihnen die gleichen beruflich bedingten haltungsdeformationen wie boulevardjournalisten zugefügt zu haben.

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ich weiss nicht ob dieser artikel jetzt wirklich differenziert geworden ist. wahrscheinlich eher nicht. ich könnte den bloggern, die die #unfappening-bilder veröffentlicht haben, auch, statt profitgier und aufmerksamkeitssucht, guten willen unterstellen. mir gelingt es aber einfach nicht zu verstehen, wie man bilder zeigen kann, die die darauf abgebildeten nicht veröffentlicht sehen wollen. mir gelingt es auch nicht das mit verschiedenen „schamgrenzen“ zu erklären, da es bei der intimshäre von menschen nicht ausschliesslich um primäre oder sekundäre geschlechtsmerkmale geht. ich verstehe einfach nicht, warum eine übermalte persönlichkeitsrechtsverletzung besser als das original sein soll — oder warum das „großartig!“ sein soll. aber vielleicht kann mir das ja jemand erklären.

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1) wer das wort „leaks“ für diese angriffe benutzt müsste über sein gestohlenes fahrrad eigentlich auch als geleakten besitz reden.

bildquelle

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[nachtrag 28.09.2014, kurz vor eins]
sascha lobo findet meine vermutung, dass das „arschige“ verhalten von einigen bloggern mit der professionalisierung zu tun haben könnte abwegig. möglicherweise hat er da recht, unter anderem weil er leider meisten recht hat, wenn wir verschiedener meinung sind. unter anderem sagt er:

Die Professionalisierung macht niemandem zum Arsch, der nicht schon vorher einer war. Sie macht es bloß einfacher sichtbar.

dass man bei der professionalisierung genaugenommen differenzieren muss, nämlich einerseits dass man als profi jemanden bezeichnet der besonders gute arbeit liefert und andereseits auch jemanden bezeichnet, der von seiner arbeit lebt, darauf weist christoph boecken im gleichen strang hin.

ob mein artikel aber besser mit „schrankenlose aufmerksamkeitsgier führt möglicherweise zu haltungsschäden und merkbefreiung“ — darüber schlafe ich jetzt nochmal eine nacht.

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[nachtrag 12.10.2014]
heute nacht hat mir mathias winks auf facebook eine nachricht geschickt, in der er mir mitteilte, dass er den artikel zum „unfappening“ „rausgenommen“ hätte.

bbq-sosse mit flying goose sriracha hot chili sauce with extra garlic

felix schwenzel,    

bei real gibts gerade fertiges „pulled pork“ in der kühltheke. von diesem hersteller, für 5 euro. weil wir das gelöste schweineflisch in unserem amerika-urlaub mehrfach gegessen haben (einmal fix und fertig mit bbq-sosse vom trader joes, einmal bei subway und einmal fix und fertig ohne bbq-sosse bei freunden), wurde ich im real kurz sentimental und kaufte die packung. das stück soll 30 minuten im ofen schmoren und während es da so schmorte, habe ich eine bbq-sosse gebaut, ungefähr nach diesem rezept. meine barbeque-sosse ging so:

  • 50 gramm tomatenmark
  • 50 gramm tomatensaft (ausgesiebte dosen-pizza-tomaten von aldi, kann auch gerne etwas mehr sein)
  • 30 gramm dunkler balsamico essig
  • 30 gramm brauner rohrzucker
  • 10 gramm honig
  • 1 teelöffel salz
  • 1 gehäufter teelöffel flying goose sriracha hot chili sauce mit knoblauch

am einfachsten ist es einen kleinen kochtopf auf eine küchenwaage zu stellen und alles einzufüllen, gut durchzurühren und danach die sosse 5 bis 10 minuten aufzuwärmen (kleine flamme, gut rühren). die 30 minuten köcheln im originalrezept halte ich für überflüssig.

die flying goose sriracha hot chili sauce mit knoblauch (hellbrauner deckel) ist übrigens die beste sriracha sosse der welt. die flying goose marke gibt’s zwar in unserem lieblings asia shop, aber die mit knoblauch haben wir die bisher nur beim türken gefunden. dort kostet sie um die 3 euro. bei amazon 8. das zeug ist aber wirklich toll. wir scherzen mittlerweile bei fast jedem essen: we put that shit on everything.

die bbq-sosse war super, zum pulled pork gab’s brot und bohnen und ein bisschen dosenmais. keine klagen, keine bilder (war zu lecker zum fotografieren).

netflix

felix schwenzel,    

letztes wochenende klagte die beifahrerin über „ein kratzen im hals“. ich lach da immer drüber, wenn sie sagt, sie fürchte, sie würde krank, weil sie normalerweise 24 stunden später schon gar nicht mehr weiss, dass sie „ein kratzen im hals“ hatte und über irgendein anderes weh klagt. leider hat dieses kratzen im hals oft eine verheerende wirkung auf mich. ein paar tage später kratzt es nämlich bei mir im hals, wovon ich allerdings niemanden etwas sage, in der erwartung, dass es weggeht, wenn ich zwei oder drei stündchen länger schlafe (also früher ins bett gehe) und auf alkohol verzichte (bis, vielleicht, auf ein kleines bier). wenn dann allerdings ein paar tage später meine nase ihre fluttore öffnet und das fieber meine konzentration noch mehr stört als es der alltag ohnehin tut, muss ich dann leider gegenüber der beifahrerin zugeben, dass ich „ein bisschen krank“ sei. das merkt sie dann auch daran dass ich mich weigere schwere körperliche arbeiten für sie zu erledigen oder über längere zeiträume im bett liege und noch weniger rede als sonst.

kurz gesagt: ich war ein paar tage krank. und zufällig ist vor ein paar tagen auch netflix offiziell in deutschland gestartet, so dass ich mein altes account, das ich mir mit der adresse eines freundes in den USA vor einer weile mal angelegt habe, wieder reaktiviert habe. das alte netflix-account hab ich mir bei netflix geholt, als die noch DVDs verschickt haben. das war also wirklich lange her. netflix scheint sich aber ein paar meiner präferenzen gemerkt zu haben.

leichtes fieber ist ganz hilfreich um einige amerikanische fernsehserien auszuhalten. dachte ich. für mehr als 5 folgen der serie arrow hat es dann aber nicht gereicht. die serie wurde mir dann doch zu stereotyp, albern und vorhersehbar. anwältinnen die untereinander über nichts anderes als knackige kerle, süsse typen, „get over him“ oder „wir sollten heute abend mal richtig tanzen gehen“ reden, hauen mich einfach nicht vom hocker.

was ich aber positiv anmerken muss, ist wie schmerzfrei, und im wahrsten sinne unterbrechungsfrei, netflix funktioniert. wenn ich auf dem apple tv eine folge ansehe und pausiere, kann ich sie in der küche auf dem macbook im browser weitersehen. der player selbst und die streams laden schnell, der prozessor tickt nicht aus und auch wenn die bedienoberfläche nicht auf allen plattformen gleich aussieht, lässt sich sogar die spulfunktion besten bedienen. so pauschal wie caspar clemens mierau das formuliert („Videostreaming ist kaputt“) würde ich das nach den letzten tagen nicht sagen. zwar ist das angebot im deutschen netflix noch überschaubar, aber ich kann nicht klagen. es gibt einiges was ich mir in meine liste gestellt habe.

möglicherweise fang ich demnächst mal (beim nächsten tödlichen männerschnupfen?) mit den laufenden toten an, der pilot von penny dreadful war so la la, aber vielleicht gibt das ja noch was, und relativ begeistert bin ich von firefly. über den auf der serie basierenden film serenity bin ich schon vor einer weile im US-itunes-store gestolpert (und fand den ganz famos) und der pilot der serie (von 2002) war sehr ok. natürlich ist ein raumschiff in dem teilweise räume mit holzschiebetüren mit glasfüllungen abgetrennt sind, in dem lampen von ikea an die wände montiert sind und in dem es offenbar luftsteuerknüppel gibt, total unrealistisch, mit leichtem fieber macht es aber trotzdem lust die serie zu gucken.

firefly airfly — steuern ohne steuerknüppel

noch ein letztes wort zu netflix: ich mag es wirklich sehr, dass die serien dort alle mit untertiteln und originalton vorgehalten werden. das ist zwar bei einigen serien auch bei amazon instant video der fall, aber wenn man dort einen film gefunden hat, lässt der sich nicht einfach umschalten. man muss extra nach der OV-version suchen. optionale untertitel sind bei amazon nicht überall vorhanden, der player im browser lädt ewig, die navigation von staffel zu staffel und episode zu episode und wenn man falsch klickt, kauft man die serie anstatt sie sich im rahmen seines prime-accounts kostenlos anzusehen — alles bei amazon instant video ist ein usability-alptraum. bei netflix nicht. das ist so einfach, dass ich kurz davor bin, das meinen eltern zu empfehlen.

ich kann nur empfehlen sich das mal einen monat kostenlos anzusehen. das konto nach dem probemonat zu deaktivieren ist bei netflix auch unproblematisch. mein konto ruhte jetzt ja ein paar jahre und bis auf sporadische emails, in denen netflix mich zurückhaltend fragte ob ich nicht vielleicht doch zurückkommen wolle, nervte und kostete netflix in der zeit auch nichts.

(redaktion: @doppelhorn und @moepern)

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[nachtrag 21.09.2014]
ein netflix-abo für ein paar monate lohnt sich im übrigen alleine schon um die erste staffel von fargo (danke für die errinnerung an @pramesan) und beide staffeln house of cards (danke für die erinnerung an gerald angerer) zu sehen. mich hat es nicht gepackt, dafür aber die beifahrerin, die ist sehr angetan von orange is the new black. ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber falls es leute gibt die breaking bad noch nicht gesehen haben, alle 5 staffeln sind auf netflix.

serviceoase deutschland

felix schwenzel,    

2009 habe ich im hauptbahnhof berlin meine damalige bahncard 100 am DB-rent schalter für das DB-carsharing freischalten lassen. schalter ist natürlich nicht ganz richtig, in der reihe der autovermieter im ersten untergeschoss des hauptbahnhofs war neben europcar, sixt und herz eben auch ein DB-rent-laden.

meine letzte bahncard 100 (von 2012), benutze ich bis heute zum aufschliessen von flinkstern (so heisst DB-rent seit ner weile). ausser wenn es wärmer als 25 grad ist (oder die sonne direkt auf einen flinkster scheint), dann können die lesegeräte meine karte nicht erkennen. die flinkster-hotline, die mittlerweile lobenswerterweise auch über eine kostenlose rufnummer erreichbar ist, schlug vor, dass ich mir eine neue karte holen sollte. das gehe an allen grösseren bahnhöfen, ganz einfach.

heute früh mal kurz zum hauptbahnhof, da gibt’s doch bestimmt noch diesen DB-rent-laden dachte ich so. pustekuchen.

erloschener DB-rent-laden

da wo früher ein DB-rent-laden war, blickte ich jetzt in eine dunkle glasfront. also hoch ins kundenzentrum. dort gibt’s mittlerweile nen nummern-wartesystem und einen concierge. auch sehr lobenswert. der concierge sagte mir, flinkster mache der servicepoint. also runter zum servicepoint. die 10 personen-schlange arbeitete sich sehr flott ab, die meisten vor mir hatten offenbar nur kurze, bzw. schnell beantwortbare fragen. als ich dran war sagte ich, dass ich gerne ne neue zugangskarte für flinkster hätte, meine alte würde nicht mehr funktionieren. „hm, ne zusatzkarte?“ — „nee, zugangskarte“ — „ach so, ne kundenkarte.“ — „genau, die bahncard funktioniert nicht zuverlässig.“

bei der korrekten bezeichnung hörte das flinkster know-how der servicepoint-mitarbeiterin aber auch schon auf. da sie nicht wusste wie man eine neue karte ausstellt, griff sie zum telefon und rief bei flinkster an. da ging aber auch nach 15 minuten niemand ran. ob sich die karten per post verschicken lassen würden wusste sie auch nicht, ihr täte das alles sehr leid, ob ich nochmal ein anderesmal vorbeikommen könne. klar sagte ich und rief selbst bei der flinkster-hotline an.

nach ungefähr 2 minuten wartezeit hatte ich einen mitarbeiter an der hand, den ich fragte, was ich denn machen müsse um an eine neue kundenkarte zu kommen. das ginge an allen bahnhöfen, in jedem kundenzentrum. nee, der mitarbeiter im kundenzentrum habe mich zum servepoint geschickt und die wussten nicht wie das geht: „nee, echt?“ wunderte sich der hotliner. das wäre ganz einfach, „die müssen sie einfach nur einmal einloggen und dann die neue karte ausgeben“. ob er das auch mal der kollegin erklären könne. klar könne er das. das ging dann in der tat ganz schnell, aber ich habe mich dann den rest des tages gewundert:

die bahn ist ja ein ziemlich grosses unternehmen dass zu einem sehr grossen teil dienstleistungen anbietet. dort nennt man das glaube ich mobilitäts-dienstleistungen. diese dienstleistungen sind meisten recht komplex und serviceintensiv und benötigen dementsprechend viel und gut geschultes personal. ich frage mich, ob die bahn wirklich glaubt diese dienstleistungen könne man komplett virtualisieren, in apps, webseiten, automaten oder in telefonzentralen. flinkster leistet sich ein einziges „stadtbüro“ in berlin (in der schönhauser allee), in das man gehen kann, um kunde zu werden oder bei problemen geholfen zu bekommen — der rest der firmenrepräsentanz findet an bahnhofsinformationsschaltern statt, die weder ein flinkster- noch ein DB-rent-logo tragen? und dann vergisst man die kollegen an diesen informationsschaltern ordentlich zu schulen?

das macht auf mich alles einen sehr stiefmütterlichen eindruck. statt die mobilitätsdienstleistungen der bahn (die ich wirklich gerne nutze) offensiv zu vermarkten, lässt man den laden so dahinplätschern und wartet bis sich jemand für einen interessiert und fragt. ich glaube da sollte mal jemand das top-management aufwecken. dieses carsharing soll doch ein zukunftsmarkt sein.

* * *

vor ner weile habe ich aus irgendeinem grund zugestimmt, dass o₂ mir einen newsletter schickt. weil in diesen newslettern wirklich nur quatsch steht, habe ich letzte woche den abbestellen-link unter dem newsletter geklickt. am nächsten morgen bestätigte mir o₂, dass man meinen „Wunsch, keine E-Mails mit Angeboten von uns […] zu erhalten“ ab sofort respektieren würde. sechsmal schickte o₂ mir diese respektsbekundung. ok. kann ich mit leben. nach drei tagen meldete sich o₂ erneut bei mir, diesmal mit 12 separaten emails:

Sehr geehrter Herr Schwenzel,

Ihren Wunsch, keine E-Mails mit Angeboten von uns mehr zu erhalten, werden wir ab sofort respektieren.

Gerne möchten wir Sie jedoch noch darauf hinweisen, dass Sie aufgrund Ihrer Entscheidung nicht mehr an unserem Vorteilsprogramm o2 More teilnehmen können.

Allerdings: Ihren Zugang zu o2 More können Sie jederzeit mit wenigen Klicks erneut aktivieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr o2 More Team

ich habe das dann mal auf twitter erwähnt und erfahren, dass ich wohl nicht der einzige bin, den o₂ mit seinen multiplen respektsbekundungen segnet. auch @o2de meldete sich kurz zu wort:

meine emailadresse hat das twitter-team von o₂ jetzt, aber benutzt hat sie dort noch niemand. aber immerhin, einen tag später hörte ich erneut von o₂ — eine mail mit dem betreff „Exklusiver 15 € Coupon für Modeliebhaber“.

o2 bekundet respekt vor meinen wünschen

auch in dieser email befand sich ein funktionierender abmeldelink, dessen betätigung zwei tage später zu zwei weiteren emails mit dem bekannten inhalt führte:

Sehr geehrter Herr Schwenzel,

Ihren Wunsch, keine E-Mails mit Angeboten von uns mehr zu erhalten, werden wir ab sofort respektieren.

per sms wurde mir das klicken der abmeldelinks übrigens auch mehrfach von o₂ quittiert:

Lieber o2 Kunde, die Kontaktdaten für Ihren Vertrag wurden soeben geändert. Weitere Informationen und Kontoeinstellungen finden Sie auf der o2 Homepage und in der Mein o2 App. Ihr o2 Team

grundsätzlich finde ich es ja sehr schön, dass o₂ so kommunikationsfreudig ist. ich würde mir nur wünschen, dass man bei der änderung meines o₂-DSL-vertrags auch so redselig wäre. obwohl (keine ironie) ich kann mich nicht beklagen; ich bin tatsächlich auf eine email hin, die ich an den kundenservice schickte um mich zu erkundigen wie die DSL umschaltung vorangeht, von o₂ angerufen worden! von einer echten mitarbeiterin, die mich erfrischend offen wissen liess, dass die verzögerungen bei der umschaltung nicht an mir oder der telekom lägen, sondern dass sich bei ihnen, bei o₂ „ein kleiner stau“ gebildet hätte.

ich bin gespannt auf weitere gelegenheiten mich von o2-angeboten abmelden zu können.

2 von 66 seen

felix schwenzel,    

die beifahrerin hat sich in den kopf gesetzt, dass wir einmal um berlin wandern, auf dem 66-seen-wanderweg. dafür hat sie sich sogar dieses buch gekauft und hat uns am sonntag zwei kleine etappen in und um strausberg rausgesucht.

für die anreise habe ich mir, wie von mir empfohlen, die geo epoche „wilder westen“ gekauft, denn die anreise per u- und s-bahn dauert knapp 1½ stunden. gute gelegenheit zum lesen. in strausberg haben wir dann einen bock gesehen, sind entlang der alten stadtmauer in die altstadt gegangen und haben dort einen kleinen umweg zur marienkirche gemacht.

in strausberg steht ein bock
engel in der marienkirche strausberg
decke der marienkirche in strausberg

in strausberg sieht man, dass die stadt sehr alt ist. man sieht mittelalterliche spuren und man sieht was passiert, wenn man häuser einfach ein paar dekaden rumstehen lässt.

strausberger altbau-ruinen

vor dem wandern muss man sich natürlich erstmal stärken. wir haben das im restaurant zur fähre gemacht, wo man sehr nett draussen im vorgarten sitzen kann.

restaurant zur fähre

die bedienungen waren enorm freundlich, aber sehr selten. es hat ungefähr 45 minuten gedauert, bis wir unsere bestellungen vor uns stehen hatten, ich hatte mich für schweineleber entschieden.

schweineleber mit rotkohl und kartoffelpüree

sowohl der rotkohl als auch das kartoffelpüree waren hausgemacht und sehr lecker. die leber auch. die beifahrerin war mit ihrem salat glaube ich nur so mittelzufrieden.

dann sind wir am ufer des straussees entlang richtung süden gelaufen, bis wir am südende des sees auf den offiziellen, mit blauen punkten gekennzeichneten 66-seen-wanderweg gelangten.

wasserrutsche am straussee
blick auf den straussee
markierungen für den 66-seen-wanderweg

der wanderweg führt durch wohngebiete, kleine und grosse wäldchen, über s-bahnschienen und strassen. einsamkeit und stille muss man nicht fürchten, der strassen- und zivilisationslärm verliess uns — zumindest auf dieser etappe — nie.

s-bahn übergang
wald
stromschneise mitten durch den wald
herrensee
ruheforst strausberg

am südlichen ende des herrensee gibt es einen „ruheforst“. hier können sich waldmenschen bestatten lassen, markiert oder unmarkiert. die infotafel erklärt:

Der RuheForst Strausberg am Herrensee bietet Menschen die letzte Ruhestätte in einem herrlichen, leicht zu erreichenden Mischwald.

Im RuheForst befinden sich zahlreiche RuheBiotope, deren Mittelpunkt jeweils ein Baum bildet. Um einen RuheBiotop befinden sich bis zu 12 Urnenplätze. Hier können einzelne Personen, Familien oder sich im Leben nahestehende Menschen zusammen beigesetzt werden.

der beifahrerin gegenüber äusserte ich den wunsch, dass meine urne auf dem kaminsims stehen solle, das sei, falls sie fragen sollte, mein letzter wille.
- „aber wir haben doch gar keinen kamin!“
- „dann musst du einen bauen, wenn ich sterbe …“

gerahmter wald

irgendwann fanden wir ein stück gerahmten wald. das ausstellungstück wald würde, so erklärte es eine infotafel, naturverjüngt, das heisst der waldbestand wird auf „natürlichem“ weg erneuert, durch „samenbefall“, „stockausschlag“ und „wurzelbrut“. ob der rahmen wanderer zur samenspende oder nur zur bewunderung animieren soll, weiss ich nicht.

tour-übersicht

links sammeln, veröffenlichen und verdauen

felix schwenzel,    

weil friedemann karig fragt, was man mit texten (bzw. links) die „lesenswert“ seien machen könne:

die antwort lautet natürlich, ganz allgeimein: ins internet schreiben. am besten natürlich in sowas wie ein blog, weil dann kann man sie abonnieren, wenn man möchte. ich finde es schadet auch nicht, leseempfehlungen zu vertwittern oder auf facebook zu posten, wobei ich finde das dort links oft zu schnell im rauschen untergehen oder, unter umständen, die nur facebook kennt, weggerechnet werden. stehen die leseempfehlungen in einem blog, sind die chancen, dass ich sie finde und lese um einiges grösser. andererseits sendet man durchs twittern oder facebooken ein maschinenlesbares, bzw. per API auslesabres signal, das wiederum aggregatoren wie rivva nutzen können. aber das funktioniert mit einem verweis in einem blog ja auch.

besonders schön ist natürlich, wenn man links nicht nur sammelt und aussiebt, sondern auch eine kleine oder grosse anmerkung dazu schreibt. john gruber macht das seit vielen jahren. er kommentiert links manchmal nur mit einem satz, oft mit einem zitat, manchmal auch mit längeren anmerkungen. eigentlich macht jason kottke das auch, boingboing ebenso — wenn man es genau betrachtet machen es die meisten blogger so. und ob jeder link einen eigenen „artikel“ bekommt oder mehrere in einem zusammengefasst werden ist ja auch eher ne formalie. nico brünjes macht das seit einiger zeit relativ regelmässig in sammelform, maximilian buddenbohm macht das sehr regelmässig, anke gröner zu selten (wobei sie sehr regelmässig kommentierte linklisten zu büchern veröffentlicht).

blogs sind meiner meinung nach das optimale format für die empfehlung von lesenswerten texten. welches format man dafür wählt, wieviel mühe man sich damit gibt, wie regelmässig man das macht — meiner meinung ist das egal. hauptsache man macht es. und hauptsache man schreibt etwas dazu, einen kommentar (140 zeichen oder länger, zur not funktioniert auch oft ein „hihi“), ein zitat, eine kurzzusammenfassung oder eine reihe standardvorlagen („super text, ausdrucken“, „will haben“, „wow“, „nicht gelesen, aber tolle überschrift“).

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ich mache das mit dem linksammeln und veröffentlichen übrigens aus genau zwei bis drei gründen. da ich eh ständig im netz lese, was relativ zeitaufwändig ist, kann ich einen text der mir gefiel auch mit relativ geringen zeitaufwand als lesenswert kennzeichnen. ich mache das indem ich mit einem bookmarklet einfach ein bookmark bei pinboard anlege und mit dem buchstaben „s“ (wie sharen) verschlagworte. das führt auch dazu, dass der link bei @wirresnet landet.

der zweite grund ist, dass ich nach dem lesen eines textes nicht selten das bedürfnis habe etwas anzumerken. das kann ein einfaches „hihi“ sein, ein ausdruck der bewunderung oder der abneigung oder manchmal auch nur ein besonders tolles zitat aus dem text sein. mit diesem prinzip war quote.fm mal ne weile sehr erfolgreich. viele kommentare oder zitate schreibe ich schon beim anlegen des bookmarks in pinboard dazu. wenn ich auf dem telefon lese, schreibe ich sie allerdings meist nicht dazu, sondern merke sie mir einfach. das klappt trotz meines schlechten gedächnisses ganz gut.

der dritte und wichtigste grund links zu sammeln, kurz zu kommentieren (oder ein zitat rauszuziehen) ist eigentlich gar kein grund, sondern ein zustand: weil ich gerne veröffentliche. oder teile. oder mitteile. oder gerne sehe wie und ob leute auf das was ich veröffentliche reagieren.

so wie sich manche diese frage stellen:

Wenn in einem Wald ein Baum umfällt und niemand ist da der es hört, hat es dann ein Geräusch dabei gegeben?

frage ich mich oft:

habe ich diese anmerkung zu diesem text überhaupt gedacht, wenn ich sie nicht veröffentliche?

der vierte grund links zu sammeln und auszusieben ist übrigens, dass es mir bei der verdauung von themengebieten hilft. oder genauer, beim sammeln und denken. meine blog ist eben auch mein notizzettel. pinboard ist eher eine art kladde in die ich fast alles werfe, aber was im blog landet, habe ich bereits ausgesiebt und damit als wichtig markiert.

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auf den ersten blick wirkt es vielleicht, als würde das sammeln, sieben und veröffentlichen viel arbeit machen. der zweite blick zeigt, das stimmt. aber das macht nichts, denn wie mit allem was man mit einer gewissen regelmässigkeit macht, schleicht sich auch beim linksammeln und veröffentlichen nach einer weile eine gewisse routine ein — dank der man den aufwand dann gar nicht mehr wahrnimmt. was ich sagen will: man muss es einfach machen und wenn man es dann ne weile macht, merkt man, auf welche art es einem am leichtesten fällt — und man merkt irgendwann auch, dass es einem selbst beim denken und zusammenhalten von zitaten und bemerkenswerten texten hilft.

technisch gibt es eigentlich kaum hürden: wer ein wordpress am laufen hat kann entweder das wordpress „Press This“-Bookmarklet nutzen oder (je nach verwendetem theme) kann man mit ein paar klicks einen beitrag mit der beitragsvorlage „link“ erstellen, mit postalicious oder feedwordpress kann man die erstellung von linklisten oder linkartikeln ganz oder halb automatisieren. oder man bastelt sich eine artikelvorlage selbst, mit der man einmal pro woche (oder öfter) einen artikel aus den gesammelten links zusammenstöpselt. auch hier gilt, wei bei fast allem im leben: man muss einfach anfangen, ein bisschen rumprobieren und dann kommt der appetit von ganz alleine.

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[nachtrag 08.09.2014]
friedemann karig hat eine sehr schöne kommentierte linkliste veröffentlicht. gerne wieder. /@f_karig