philips hue

felix schwenzel, , in artikel    

vor einer weile ist das leuchtmittel der schreibtischlampe der beifahrerin kaputtgegangen. das leuchtmittel war son halogenstab, mit einigen hundert watt und der schlechtesten energieeffizienzklasse die es gibt: E. dafür wollten wir keinen ersatz mehr kaufen — also musste eine neue leuchte her. weil die beifahrerin die leuchte vor allem zum fernsehen und sofasitzen benutzt, sollte sie dimmbar sein.

dimmbare leuchten zu finden ist schwieriger als man denkt. bei ikea gibt’s derzeit gar keine dimmbaren leuchten. gestern, um ein last-minute-geschenk für die beifahrerin zu kaufen, hab ich auch bei habitat nach dimmbaren leuchten geschaut und dort gibt’s nur zwei modelle mit halogenen, proprietären, eigentümlichen leuchtmitteln, die sich per berührung in 4 helligkeitsstufen schalten lassen. jetzt gibt’s bei ikea und vielen anderen händlern fast nur noch LED-leuchtmittel — aber nichts um LED zu dimmen.

im saturn fiel mein auge dann auf das philips-hue-system. das hatte ich vor ner weile bereits auf meinen amazon-wunschzettel gesetzt. leider ist das schweineteuer, erlaubt aber die enthaltenen LED-leuchtmittel beliebig zu dimmen. neben dem preis, sind die angebotenen sockel ein wermutstropfen: die gibt’s nur mit der dicken fassung (E27) — und die passt in die wenigsten tischlampen.

zuerst dachte ich, dass ich der beifahrerin als ersatz für ihre schreibtischlampe das philips hue go kaufen würde, eine unfassbar hässliche halbkreisschale aus semi-transparentem plastik, die komplett dimmbar ist und in sehr vielen farben leuchten kann. ausserdem enthält sie einen akku, der sie auch für 3 stunden ohne kabel nutzbar macht. allerdings hatte ich den verdacht, dass weder das leuchtmittel, noch der akku austauschbar sind und liess wieder von dem teil ab.

am ende entschied ich mich für ein starter-set mit zwei regulären birnen mit e27 sockel, einem separaten, echten (dimm-) schalter und der obligatorischen hue-bridge, die das ganze system vernetzt: [-werbelink] philips hue white ambiance starter set.

philips hue white ambiance starter set

bei amazon kostet das 133 euro, bei saturn habe ich 139 euro bezahlt, aber aus unerfindlichen gründen noch einen elf-euro-rabatt-gutschein bekommen. die gesparten elf euro habe ich dann für einen sockel mit kabel und schalter bei butlers ausgegeben, damit die beifahrerin die hue-birne auf den schreibtisch stellen kann.

butlers tischleuchte schwarz

* * *

zum glück hat sich die beifahrerin darüber gefreut, dass ich ihr etwas geschenkt habe, was ich eigentlich selbst haben wollte. sie gibt ihr geld auch gerne für technik-spielereien aus, zumal das in diesem fall wirklich nützlich war: endlich wieder dimmbares licht, mit guter energieeffizienz auf dem schreibtisch.

die installation der zwei LED-leuchtmittel, der bridge und des tasters war wirklich einfach: bridge per kabel an den router, birnen einschrauben — fertig. funktionierte auf anhieb. die philips hue-app für das iphone hat irre schlechte bewertungen, funktioniert aber fürs erste sehr gut. mit der bridge bekannt macht man die app per tastendruck auf die bridge, danach kann man die leuchten mit dem mitgelieferten taster oder per app steuern, dimmen oder die leuchtfarbe anpassen. das white ambiance starterkit hat, wie es auch im namen steckt, lediglich verschiedene weisstöne im angebot, von bläulichem weiss, über rötlich-gelbes, hin zu gelblichem weiss, wie man es von den guten alten glühbirnen kennt. für farbeffekte müssten wir nachrüsten, die birnen, die „millionen“ farben können, kosten [-werbelink] um die 60 euro, die [-werbelink] bunten leuchtstreifen sind für 2 meter nochmal nen ticken teurer.

so einfach die grundeinrichtung war, kompliziert wird’s, wenn man die app für geo-fencing einrichten möchte, also dafür sorgen, dass die leuchten angehen wenn man nach sonnenuntergang nach hause kommt, oder ausgehen, wenn man das haus verlässt. dafür braucht man (logischerweise) ein hue-konto, was sich auch mit ein paar klicks einrichten lässt, wenn man die richtigen buttons, in der richtigen reihenfolge drückt. das war insgesamt so blödsinnig gemacht, dass die beifahrerin nach 10 minuten entnervt aufgab und mir das handy zuwarf um die anmeldung abzuschliessen. noch komplizierter ist die einrichtung des hue-systems für das apple home-kit. dafür muss man sich ein drittes mal authentifizieren, diesmal allerdings nicht an der bridge, sondern per code. dieser homekitcode ist in der verpackung des starter-sets versteckt und lässt sich scannen oder manuell eingeben. danach kann man die leuchten auch per siri-sprachkommando steuern. einmal eingerichtet klappt das erstaunlich gut, aber kompliziert wird’s, wenn man das auf mehreren iphones machen will. hier musste ich zum ersten mal im einrichtungsprozess googeln, um zu lesen, dass man das hue system nur einmal mit homekit verbinden kann, die berechtigungen aber teilen könne. irgendwo in der app sei ein teilen-symbol, mit dem man dann familienmitglieder einladen könne das gerade eingerichtete system mitzunutzen — sofern man deren icloud-email-adresse kennt. interessant, dass der einrichtungsprozess genau dann kompliziert und unverständlich wird, sobald apple ins spiel kommt. früher war das umgekehrt.

trotzdem, dank homekit lassen sich wohl auch andere systeme integrieren, bzw, andere apps nutzen. die beifahrerin und ich sind gespannt, was sich mit dem system so alles machen lässt. aber das wichtigste ist: wir haben endlich dimmbare, energieeffiziente LED leuchten und das in einem hoffentlich gut erweiterbaren system integriert.

* * *

wir finden das hue system soweit sehr super. abzüge in der wertung gebe ich für die irren preise und die unübersichtliche anmeldeprozedur für ein hue-konto. das reicht aber immer noch für vier punkte. 

einkaufswanderung

felix schwenzel, , in artikel    

musste heute einkaufen gehen, weil die beifahrerin morgen geburtstag hat und ich nicht bei bei amazon bestellen konnte. einerseits weil ich nicht sicher war, was ich kaufen wollte, andererseits, weil ich dem am-gleichen-tag-lieferdings von amazon nicht traue. ein bisschen zu recht, wie sich in einem paralellen realitätstrang zeigte: da hatte sich die beifahrerin nämlich selbst was bei amazon bestellt (einen sonnenschirm für den laptop!), was für fünf euro lieferkosten (die gleichzeitig per gutschein erstattet wurden) heute geliefert werden sollte. das hat amazon aber nicht geschafft und liefert das dann montag, wie sich die beifahrerin um 20 uhr von der amazon webseite sagen liess.

ich also in die stadt. das gute an berlin ist ja bekanntlich, dass man schon in der stadt ist, aber der wedding ist eher für alltagseinkäufe geeignet. also erstmal in den prenzlauer berg. dort wurde, während ich in einem geschäft war, eine ampel an einer hauptverkehrsstrasse abgeschaltet. bevor ich ins geschäft ging floss der verkehr dort, als ich wieder rauskam, war das chaos ausgebrochen. berliner an hauptverkehrsstrassenkreuzungen heizen sich emotional sehr schnell auf. um das anzugaffen, blieb ich eine weile dort stehen. plötzlich kamen polizeimotorräder, die die strasse sperrten. das sieht man in mitte öfter, meistens für limosinen von staatsgästen, die zum auswärtigen amt fahren oder von dort wieder flüchten. ich schaue mir das motorradpolizistenballet immer sehr gerne an. drei bis vier fahren vor, stellen sich dem verkehr in den weg, halten den verkehr auf, warten bis weitere polizeimotorräder kommen, lassen sich von denen ablösen und preschen weiter vor, um die nächste und die übernächste kreuzung zu sperren.

der witz war, dass die polizeimotorräder die strasse für andere motorräder sperrten. hunderte, ziemlich aggressiv aussehende motorradfahrer, auf sich ziemlich aggressiv anhörenden motorrädern fuhren an mir vorbei. wie ich eben nachschlug, taten sie das, um gegen gewalt zu demonstrieren. weiter, mit der ubahn, an den potsdamer platz.

in der ubahn sah ich einen jungen mit einem t-shirt, auf dem stand: klingeln ist silber, vibrieren ist gold. das bezog sich hoffentlich auf mobiltelefone und nicht auf irgendwelche sexualpraktiken. wenn es sich auf mobiltelefone bezog, möchte ich ergänzen, dass blinken dann platin ist. mein telefon habe ich vor einem jahr vom vibrieren aufs blinken umgestellt. unter anderem, weil ich am ganzen körper phantomvibrieren hatte und ständig glaubte mein telefon zu spüren — ausser wenn es tatsächlich vibrierte. seitdem blitzt der blitz bei benachrichtigungen dreimal, bei anrufen ständig. erstaunlicherweise funktioniert das wirklich gut, auch wenn es meine mitmenschen sehr stark irritiert.

am potsdamer platz ging ich kurz zu habitat um dort nach ██████ oder █████████ zu gucken. gleich am eingang begrüsste mich ein mitarbeiter etwas zu überschwänglich mit „guten tag!“. später fragte er mich freundlich, ob er mir zwei fragen stellen könne. er stellte mir dann zwar drei, war aber sehr freundlich und kennt jetzt meine postleitzahl.

habitat hat den ruf, ikea in teuer und etwas besserer qualität zu sein. das habitat das aber so offensichtlich macht, wunderte mich dann aber doch:

level-regale von habitat, die teure variante der lack-regale von ikea
level-regale von habitat, die teure variante der lack-regale von ikea

lack-regal, die bei ikea 10 euro kosten, heissen bei habitat level und kosten um die 100 euro. sie sind aufwändiger und dicker lackiert, bzw. beschichtet und fühlen sich schwerer an — und wahrscheinlich ist auch der befestigungsmechanismus etwas stabiler, als der von lack. ob das den preisunterschied von 90 euro rechtfertig, will ich mich gar nicht erst fragen.

(in meiner schreinerlehre hab ich solche regale öfter selbst gemacht und verdeckt mit massiven, riesigen ringschrauben montiert. die dinger hingen dann meist so fest an der wand, dass man sich draufsetzen konnte.)

auf dem weg zum ██████ sah ich wieder den motarradkorso gegen gewalt. die am weiterfahren gehinderten autofahrer machten einen aggressiven eindruck. ich fuhr, nachdem ich im ██████ nichts gefunden hatte, mit der ubahn weiter zum alexanderplatz. dort war volksfest und alles voll. in der galeriea kaufhof zeigte sich, dass darth vader auch eins von diesen plastiklichtschwertern benutzt wie das kind es früher tat.

darth vader in der galeria kaufhof am alexanderplatz
darth vader in der galeria kaufhof am alexanderplatz

auch der motorradkorso war schon da:

motorradkorso gegen gewalt
motorradkorso gegen gewalt

im tunnel unter dem alexanderplatz veranstalteten die motorradfahrer einen höllenlärm mit ihren motorrädern, alles um gegen gewalt zu demonstrieren.

im ██████ am alexanderplatz konnte ich mich dann endlich entscheiden, was ich der beifahrerin schenken würde und wie ich mich dafür rechtfertigen würde. trotzdem lief ich noch vom alexanderplatz zum hackeschen markt, um dort noch nach █████████ oder ████████████ zu sehen, die das geschenk ergänzen würden.

unterwegs sah ich (offenbar) baugruben-kunst:

baugruben-kunst

früher gab es um den hackeschen markt herum teilweise noch ganz nützliche geschäfte, mittlerweile sind die fast komplett mit mode, beauty oder bio-health-lifestyle-läden ersetzt worden. trotzdem fand ich, was ich suchte. jetzt, beschloss ich, hätte ich mir ein eis verdient. an der neuen ice-robot eisdiele (eigenwerbung: „die wahrscheinlich modernsten Eisdiele Deutschlands“) musste ich vorbeigehen, weil dort lautstark like ice in the sunshine rausplärrte. die anderen läden waren von langen (menschen) schlangen blockiert. also weiter, zu fuss, zur invalidenstrasse, zu yoli, einen etwas sauren gefrorenen jogurt essen. dort sind nie schlangen.

yoli frozen yogurt

danach sollte ich im real im wedding noch sprudelwasser kaufen, auf dem weg nach oben, fuhr ein sehr grosser, hellhäutiger und weiss gekleideter mann an mir auf der rolltreppe vorbei, mit einem riesigen paket weisser riese in der rechten hand.

(10,3 kilometer fussweg, knapp 12tausend schritte heute)

* * *

[nachtrag 29.05.2016]

was ich wo gekauft habe, steht jetzt hier.  

fernsehen im märz, april und mai

felix schwenzel, , in artikel    

person of interest, ehemals eine meiner liebsten mittelguten fernsehserien, ist nicht mehr mittelgut, eher schlecht. ich sehe mir die folgen an, um zu erfahren wie es weitergeht, und werde von den serienmachern entlang stumpfsinniger dialoge und inszenierungen in die irre geführt. die folgen ziehen sich ins unendliche und sind meisten entweder langweilig oder stumpfsinnig. die letzte folge (s05e07) warf immerhin ein paar interessante fragen zum thema freien willen und zu den überlegungen, welchen preis wir für sicherheit zu zahlen bereit sind. aber ich bin kurz davor, die abschlussstaffel nicht zuende zu gucken.

the good wife hat zu einem guten ende geführt. ich habe mich dann aber irgendwie nicht bemüssigt gefühlt noch eine abschlusskritik zu schreiben, das ist was ich mir nach dem ansehen der letzten folge notiert habe:

gutes ende. nicht versöhnlich, nicht besonders happy, offen, aber nicht unentschlossen. ein ende nach dem motto: das leben geht weiter, auch wenn man nicht genau weiss wie. so war die serie auch über 7 staffeln: sie hat einen unspektakulär begleitet, das zeitgeschehen reflektiert und analysiert, manchmal ein bisschen dramtischer, meisten eher undramatisch, so wie das leben eben.

etwas ausführlicher und angemessen euphorisch, schreibt das nuf über die serie.

deutschland 83 zuende geguckt. nach den ersten drei folgen war ich mässig begeistert und noch etwas kritisch. oder genauer, immer noch relativ uninteressiert und unengagiert. dann bekam ich die grippe und habe die restlichen folgen mehr oder weniger im fieberwahn weggeatmet. das funktionierte ganz gut und vor allem hat es das geschafft, mich dann doch ein bisschen für die serie zu begeistern. ich fand insbesondere die detailliebe der kulissen und requisiten sehr, sehr toll und auch die inszenierung und dramatisierung der geschichte sehr OK. was mich am anfang etwas genervt hat, hat mich am ende hoch erfreut: das abdudeln sämtlicher achtziger-jahre-hits, an die ich mich erinnere. man könnte deutschland 83 in einem satz zusammenfassen: actionreiche und dramatisierte achtzigerjahre nostalgie, mit interessanten spannungselementen.

die zweite staffel wayward pines ist gerade angelaufen. ich fand die erste staffel so mittel, habe sie aber interessiert weggeguckt. eigentlich hatte die erste staffel ein ganz gutes ende und schloss die geschchite eigentlich befriedigend ab, die zweite staffel scheint so eine art reboot zu sein. bin mässig interessiert, werde aber wohl mal reinschaun.

graham nortons sendung schaue ich immer wieder gerne an und sie erfüllt gleich mehrere zwecke: sie langweilt mich fast nie, schafft gute laune und hält einen auf dem laufenden in sachen film- und fernsehserienstarts. ausserdem erzählen die gäste mit vorliebe fäkalwitze.

game of thrones bereitet mir weiterhin grosses vergnügen. ich mag die erzählwendungen und die erzählart, auch wenn das alles eigentlich völlig blödsinnig ist, was die serie einem auftischt. aber die blödsinnigkeit ist so geschickt verpackt und erzählt, dass alles in sich völlig logisch erscheint, wenn man die serie schaut.

der pilot von preacher baut die kommende serienadaption in eine ähnlich blödsinnige richtung auf. einerseits ein klassisches western-thema, wie im grandiosen justified, mit einer priese banshee, andererseits ein bisschen übernatürliches mystery- und verschwörungsgedöns um der serie pfeffer in den arsch zu blasen. mal schauen ob das klappt, der pilot hat mir zumindest ganz gut gefallen, auch wenn es teilweise zu dick aufgetragen war.

ganz grandios finde ich die aktuelle staffel silicon valley. im gegenteil zu den vorherigen staffeln, geht noch mehr den bach hinunter und die protagonisten stellen sich noch dümmer an, als in den vergangenen jahren. aber zuverlässig unterhaltsam und ein exzellentes ensemble.

peaky blinders gefällt mir, egal ob ich der handlung folgen kann oder nicht. gerade gelesen, dass die serie um staffel 4 und 5 verlängert worden ist, was ein bisschen die spannung rausnimmt, aber eigentlich hocherfreulich ist.

modern family ist nach wie vor in jeder folge ein grosses vergnügen, ebenso die sendung mit der maus, die am sonntag erklärte, wie man aus erde eisen gewinnt, bzw. in der eisenzeit gewonnen hat. bedauerlich finde ich, dass limitless nicht fortgesetzt wird.

serien die mir zu blöd geworden sind und die ich nicht mehr gucke: big bang theory (phantasieloses, klischeebehaftetes rumgedruckse), bones (war das immer schon so schlecht und ist mir das erst in diesem jahr aufgefallen?), blindspot, marvels agents of shield, lucifer (nach drei folgen beendet).

serien die ich demnächst weitersehen möchte: the americans (nach der zweiten staffel pausiert, fand die serie aber ziemlich gut und spannend), vikings (auch nach der zweiten staffel pausiert, auch weil mir die geschichte etwas zu viele wilde wendungen genommen hat).

was ich mir demnächst noch ansehen möchte: empire.

und ihr so?

Learn, teach, repeat

felix schwenzel, , in artikel    

Für mich sind Bildung, Wissen und Lernen wie Bergbau. Man kann tief oder oberflächlich graben, man kann immer weiter graben, es gibt härtere Schichten und Schichten durch die man leicht kommt — aber es gibt kaum Grenzen. Von der Oberfläche erschliesst sich der Sinn des Bergbaus nicht ohne Weiteres. Sich zu überwinden, überhaupt mit dem Bergbau zu beginnen, ist bereits eine der grossen Hürden. Man muss jahrelang den Umgang mit Bergbaumaschinen lernen und scheinbar unsinnige Sachen einüben, um die oberen Schichten des Bergbaus betreten zu können.

So sehr dieser Vergleich auch hinkt, er beschreibt relativ gut mein Verhältnis zur Bildung. Ich begriff die Schule in meiner Jugend nicht als Grundausbildung, die mir Kompetenz und Handwerkszeug für die Navigation der Welt beibringen sollte, sondern als unsinnige Pflicht. Bis ich verstand, dass Lernen, Lesen und Schreiben nicht nur mühsam sind, sondern mir nie gesehene Welten und Galaxien erschliessen können, musste ich dreimal sitzenbleiben und von unzähligen Leuten an die Hand genommen werden und zur Schule und zum Lernen gezerrt werden.

(auf t3n.de weiterlesen …)

nachrichten sind flüsse, keine seen

felix schwenzel, , in artikel    

vor drei jahren habe ich mir das gewünscht, was facebook instant article jetzt liefert:

mir ist tatsächlich egal ob mein artikel im google reader, auf flipboard oder sonstwo gelesen wird. ich hätte auch nichts dagegen, wenn meine artikel im volltext auf facebook oder twitter oder eben da eingebettet würden, wo sie sich optimal lesen lassen und zum leser kommen, statt vom leser zu verlangen, dass er zu einem kommt. solange alle basisinformationen wie mein name, ein link zum original, das veröffentlichungsdatum bestehen bleiben und der volltext und die anhänge korrekt dargestellt werden. gut wäre auch, wenn sich änderungen am original auch am eingebetteten text auswirken würden. mit RSS funktioniert das ja seit jahren prima. aber vielleicht kann das auch noch besser funktionieren?

(von dort habe ich mir auch die überschrift geliehen.)

ich bin übrigens nach wie vor begeistert von den instant articles. sie werden gut angenommen, insbesondere (natürlich) wenn sie viel auf facebook weitergeteilt werden. mein letzter öfter (dreimal auf facebook, achtmal auf twitter) geteilter artikel hat dementsprechend auch eine ganz gute verbreitung gefunden. so sieht das aus:

besucherzahlen des artikels „gedenkblog“
950 reguläre pageviews, 371 instant article pageviews, 940 RSS pageviews

in der regel werden meine artikel am meisten über RSS gelesen, auf wirres.net kommen die meisten besucher über twitter.com — wenn ich artikel dort anteasere. böte twitter ein natives werkzeug an, mit dem die artikel auf twitter.com gelesen werden könnten, hatte ich auch nichts dagegegen, jedenfalls, wenn es so reibungslos funktionieren würde, wie die facebook instant articles. interessant finde ich übrigens, dass durch die implementierung der instant articles und die anforderungen von facebook, auch kleine verbesserungen und anpassungen zurück in die website geflossen sind.

auch wenn ich das mantraartig wiederhole: es geht meiner meinung nach bei der zukunft des publizierens nicht darum webseiten abzuschaffen und nur noch auf facebook zu publizieren, sondern darum, in die informationsströme der nutzer zu gelangen. die sind immer noch vielfältiger als viele denken, auch wenn facebook sich dank überlegener technologie mehr und mehr vom kuchen einverleibt. es geht darum dort zu publizieren, wo die leser sind und so technisch zu publizieren, dass es mit den lesegewohnheiten der leser übereinstimmt. bei volltext-RSS haben sich verleger lange gegen diese idee gewehrt, dank AMP und facebook instant articles hat sich diese abwehrhaltung in den letzten monaten (j sei dank) abgeschwächt. auch das widerhole ich ständig seit fast einem jahrzehnt: suchmaschinen- und socialmedia-optimierung sollte sich immer an den bedürfnissen der leser orientieren. technische schlupflöcher auszunutzen lohnt sich gelegentlich kurzfristig, langsfristig lohnt sich nur ein: texte und artikel gut zugänglich (auch schnell) auszuliefern, mehrwert für leser schaffen (qualität, was auch immer das konkret für einzelne zielgruppen heisst) und den lesegewohnheiten der leser entgegenkommen (gut lesbare und bedienbare mobile ansicht, leser nicht übermässig verwirren oder mit neuen/kreativen bedienkonzepten überfordern).   

moskau 2/5

felix schwenzel, , in artikel    

der kaffee hat in moskau nirgendwo geschmeckt, auch nicht bei starbucks. starbucks war auch gleich die erste station die wir in moskau, im flughafen, angesteuert haben. dort gab es zwar grundsätzlich die gleichen sachen wie in deutschland oder amerika, aber geschmeckt hat der kaffee trotzdem nicht. was natürlich auch daran gelegen haben kann, dass ich noch in der grippe-rekonvalenzenz war. alternativ kann es auch am wasser gelegen haben. leitungswasser trinken die moskauer nicht, weil sie ihm nicht trauen. vielleicht machen sie aber kaffee aus leitungswasser?

die beifahrerin mag keine kuhmilch im kaffee, und leider war die sojamilch im moskauer starbucks im flughafen gerade alle. alternativ bot die gut englisch sprechende bedienung der beifahrerin kokosmilch an. also einen latte mit kokosmilch. die beifahrerin fands scheusslich. wir haben trotzdem alles ausgetrunken.

* * *

englisch sprechen in moskau die wenigsten, meist sind es die jüngeren, die englisch sprechen und auch bei den strassen- und hinweisschildern sind lediglich die jüngeren auch englisch, bzw. mit lateinischen buchstaben beschriftet. auf der fahrt vom flughafen nach moskau (mit dem aeroexpress) war ich beeindruckt von der plattenbaudichte um und in moskau.

plattenbauten am stadtrand von moskau
plattenbauten am stadtrand von moskau

moskau steht voll mit plattenbauten, die auf den ersten blick nicht besonders einladend aussehen. auf den zweiten blick erkennt man aber, dass viele wohnungen sich voneinander unterscheiden: neuere und ältere fenster, manche bewohner gestalten den fassadenanteil ihrer wohnung sogar individuell, die balkone sind fast ausnahmslos zu wintergärten verglast. beim blick aus unserem hotelzimmer sahen wir selbstverständlich auch auf plattenbauten, mich beeindruckte immer wieder, wie dicht bebaut die stadt ist und dass die elektifizierung mit langen kabeln über das dach stattfindet — auch und gearde bei hochhäusern.

blick aus dem hotelzimmer auf plattenbauten
blick aus dem hotelzimmer auf plattenbauten

der autoverkehr in moskau ist der wahrgewordene traum von 60er-jahre stadtplanern. in moskau muss man zum überqueren von hauptverkehrsadern immer noch fussgängerunterführungen benutzen — so wie bei uns seit bestimmt 20 jahren nicht mehr. fahrradfahrer auf den strassen habe ich nicht gesehen, ich glaube das wäre auch lebensmüde. die moskauer haben den ruf relativ rücksichtslose autofahrer zu sein. was ich allerdings gesehen habe, bzw. um 22 uhr am ersten abend (und in den folgenden um 23 uhr) zuerst gehört und dann gesehen habe war ein pferd. ein pferd, dass im schritt unter unserem hotelfenster langlief, mit einer reiterin, die beim reiten mit ihrem smartfone gerade das internet leerlas. auf dem foto sind die reiterin und das pferd schon längst verschwunden, ich wollte die szene aber trotzdem festhalten.

blick aus dem hotelzimmer auf die strasse
blick aus dem hotelzimmer auf die strasse

* * *

in den supermärkten gibt es vieles, was es auch bei uns gibt, zu ähnlichen preisen wie bei uns: deutsches bier, frosta tiefkühlkost habe ich geshehen, deutsches marzipan und viel hochprozentiges. was es bei uns allerdings nicht gibt sind frische, kurz in salz eingelegte gurken. sehr köstlich, davon haben wir sehr viele gegessen und sehr genossen. es gibt aber auch sachen, die es bei uns wohl niemals geben würde, weil die deutschen humorbeauftragten solche wortspeile wohl niemals freigeben würden und die wurstlobby fischwiener ganz sicher verbieten würde.

* * *

ganz toll sind die moskauer bäckereien. ganz besonders hatte es uns ein laden angetan, der paul hiess. dort gab es herrliches weissbrot, innen weich und duftig und aussen knusprig.

bäcker „paul“ in moskau
bäcker „paul“ in moskau

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wird fortgesetzt, bisher (unter anderem):

gedenkblog

felix schwenzel, , in artikel    

symbolbild für alles: ur-alte ulme am st. gangolfsberg in aachen-kornelimünster

ich bin mir nie ganz sicher, ob es OK ist über meine toten freunde hier im blog zu schreiben. über nele und ihren tod vor 23 jahren habe ich vor 11 jahren geschrieben und auch ihren vollen namen genannt. weil ich google untersage artikel, die älter als 3 jahre sind, zu indexieren, ist mein nele-text zwar noch an ort und stelle, aber nicht mehr über ihren namen googlebar. ich finde dieses vernebeln meiner alten artikel eigentlich ganz gut, zumal ich mir nicht ganz sicher bin, wie die angehörigen es finden, wenn man unter dem klarnamen einer verstorbenen meine privatmeinung googlen kann.

nachdem ich vor ein paar monaten vom tod meines ehemals besten jugendfreundes markus erfahren habe, hab ich über ihn geschrieben und seinen vollen namen im titel genannt. ich fand das OK, auch weil die angehörigen eine „gedenkseite“ für ihn ins netz gestellt haben.

über einen anderen freund, der auch markus hiess, habe ich vor 12 jahren ohne den vollen namen ein paar erinnerungen aufgeschrieben, auch hier ging es mir eigentlich nicht darum, dass der text über markus namen auffindbar ist, sondern dass ich meine gedanken über ihn festhalten konnte.

bergfriedhof in aachen-kornelimünster — ohne nele’s grab
bergfriedhof in aachen-kornelimünster — ohne nele’s grab

seit ostern habe ich nochmal darüber nachgedacht; ich war im rheinland und wollte in aachen mal wieder neles grab besuchen. das grab war aber nicht mehr da, was mich ziemlich erschüttert hat, weil es immer der ort war, an dem ich am besten an nele (und ihre tochter malou) zurückdenken konnte. plötzlich ist dieser ort weg. wenn also in der fleischwelt kein ort mehr besteht, an dem ich (und andere) an nele denken können, oder an nele erinnert werden, warum nicht im netz, warum nicht (auch) bei mir? zumal — und das ging mir letzte woche auf — die googlebarkeit von gedenk-gedanken eben auch für andere nützlich sein können — so wie es friedhöfe sind.

auch wenn der anlass tieftraurig und erschütternd ist, hat mir letzte woche jemand, den ich nicht kannte, und der offenbar meine unzusammenhängenden gedanken und erinnerungen an markus gegoogelt hatte, eine email geschrieben:

Ich hab gelesen das Sie damals Markus Pöhlers bester Freund waren... ich habs auf Ihrer Seite gelesen.
Jetzt ist auch sein Sohn gestorben.
Der Junge der in Bonn tot geprügelt wurde.
Ich weiß nicht warum ich Ihnen das schreibe.
ich finde die geschichte unwahrscheinlich traurig.

auch hier habe ich wieder bedenken den (nach-) namen zu nennen, zumal die presse, die über den fall berichtet, den namen von markus sohn nicht nennt. ich nenn den namen jetzt für schlechtere googlebarkeit gar nicht und verlinke auch keine presseberichte zum tod von markus sohn, aber diese mail zeigt mir, dass es richtig war markus namen googelbar zu nennen. mein kleiner artikel über markus hilft nicht nur mir, markus in guter erinnerung zu behalten, sondern vielleicht auch anderen freunden, bekannten oder angehörigen, um ihr bild von markus zu vervollständigen oder sich zu erinnern.

das ganze ist wirklich unwahrscheinlich traurig und tragisch und mir tut der tod von markus sohn unendlich leid, obwohl ich ihn nicht kannte und bis jetzt auch nichts über sein leben wusste. ich habe mir letzte woche die facebookseite des sohnes angesehen und war erstaunt, wie ähnlich er seinem vater sah. es berührt mich sehr und beschämt mich gleichzeitig, dass ich so wenig über das leben meines alten freundes markus wusste. es bedrückt mich insbesondere, wie wenig ich mich darum bemühe, mehr über das leben der alten freunde zu erfahren, die noch leben. noch mehr bedrückt mich, dass ich diese gedanken bei jedem todesfall habe, aber in den seltensten fällen konsequenzen daraus ziehe und alte freunde einfach mal aufsuche.

vor ein paar jahren hatte ich eine ziemlich pragmatische idee, um mich dazu zu bringen, alte freunde wieder mal aufzusuchen, zu treffen und neu kennenzulernen: indem ich ein buch daraus mache, wie ich alte freunde besuche. ein paar alte freunde habe ich im rahmen dieses projektes besucht und das war im prinzip auch eine ziemlich gute idee. denn das tolle an alten freunden ist, dass man sie ja bereits kennt, sie aber über die jahre auch zu völlig neuen, anderen menschen gewachsen sind — und eben doch die alten bleiben. die qualitäten alter freunde nach vielen jahren des nicht-sehens wieder zu erkennen, ist sehr, sehr beeindruckend und faszinierend.

aber es ist auch schwer darüber zu schreiben, denn nicht jeder möchte ans licht einer (kleinen) öffentlichkeit gezogen werden. fiktionalisierung ist irgendwie auch nicht die lösung und ausgedachte, falsche namen fühlen sich für so ein projekt auch komisch an. die konsequenz ist, dass ich jetzt zwar ein paar alte freunde besucht habe und pläne für weitere besuche habe, aber nach wie vor kein konzept, wie ich das verarbeite — und ob ich das überhaupt will.

* * *

was ich mir aber jetzt überlegt habe: ich will zumindest die gedenk-texte für meine verstorbenen alten freunde wieder googelbar machen. ich habe ein attribut zu meinem CMS hinzugefügt, mit dem ich einzelne texte, die älter als drei jahre sind, wieder durch suchmaschinen indexierbar machen kann. damit habe ich quasi meinen kleinen privatfriedhof (wieder) für die öffentlichkeit geöffnet und entnebelt. ausserdem habe ich meine „gedenktexte“ verschlagwortet, so dass man sie auch so findet.

und weil nele’s grab jetzt weg ist, zum gedenken an sie noch ein bild, dass ich vor etwa 28 jahren gemacht habe, als wir mit ein paar freunden ein wochenende an der niederländischen nordsee waren.

nele
nele

moskau 1/5

felix schwenzel, , in artikel    

wenn ich schlechte laune bekomme, ist das ein untrügliches zeichen, dass ix krank werde. dienstag letzte woche war es soweit. keine ahnung woher die grippeviren, die ich jetzt fast ein ganzes jahr erfolgreich vermieden hatte, herkamen. montag war noch alles ok. es gab relativ viel druck im büro, aber nicht so viel, dass er meine witzelsucht merklich bremsen konnte. in der nacht zum dienstag lief und kribbelte die nase etwas, und ich konnte mich die ganze nacht nicht entscheiden ob ich schon schlief oder noch wach war. um 3 entschied ich mich nach reiflicher überlegung, dass ich nicht einschlafen konnte, schenkte mir einen whisky ein und guckte eine stunde lang zu, wie sich jon stewart mit david axelrod unterhielt.

youtube-video
youtube

zwischendurch musste ich an den besten, oder genauer, den einzig guten aprilscherz jemals, denken, in dem jesse barron über eine angeblich vergessene Tradition des „segmentierten“ schlafs fabulierte. ich liebe die nachtstunden, die ruhe, den zwischenzustand in dem sich alles und vor allem man selbst befindet. nur leider bin ich meistens zu müde, um ein paar stunden dieser besonderen zeit zu nutzen — und so scheint es auch den meisten anderen menschen zu gehen. trotzdem bin ich immer noch von der segmentschlaf-idee von jesse barron begeistert (die ich nach wie vor für einen aprilscherz halte, auch wenn sie einen eigenen wikipediaeintrag hat).

in der nacht zum dienstag war ich nicht müde, sondern einfach neben der kappe. ich wollte es mir nur nicht so recht eingestehen — was übrigens eine meiner lieblings-methoden ist, krankheiten zu bekämpfen: ignorieren, in der hoffnung dass sie weggehen.

als stewart und axelrod mit dem gespräch fertig waren und sich den publikumsfragen widmeten, kam die beifahrerin aus dem bett und fragte mich was ich in der küche täte: „ich gucke fernsehen …“ sie überzeugte mich, es nochmal mit dem schlafen zu probieren — und tatsächlich schlief ich dann bis halb neun ganz gut durch, ging ins büro und versuchte dann meine heraufziehende grippe dort weiter zu ignorieren, bzw. dort abzuwarten, dass sie sich als heftige heuschnupfenattacke oder quersitzender furz oder so herausstellen würde. das funktionierte leider nicht. am nachmittag waren sich die kolleginnen einig, dass ich so scheisse aussähe, dass ich schleunigst nachhause müsste.

zuhause schlief ich dann mehr oder weniger 16 stunden durch und versuchte am nächsten morgen wieder gesund zu spielen und ein bisschen zu mikromanagen, mails an kunden und das team zu schreiben und die viele arbeit aus dem bett heraus aufzuteilen. leider stellte sich heraus, dass mir nur eine einzige intellektuelle fähigkeit blieb: ich konnte hervorragend löcher in die wand starren und mit etwas mehr anstrengung, mit hilfe eines bildschirms, in die ferne sehen.

im laufe des tages wollte ich mir dann noch eine weitere meinung zu meinem gesundheitszustand einholen und lief zu meiner hausärztin. die bestätigte den eindruck meines umfelds (dass ich krank sei und auch so aussähe), schrieb mich bis zum ende der woche krank und warnte mich ausdrücklich in den nächsten tagen ein flugzeug zu betreten. das war insofern bedauerlich, weil wir bereits vor monaten ein verlängertes wochenende in moskau geplant hatten, was dank eigenartiger visa-regeln und hotelbuchungsregeln ein organisatorischer höllenritt war.

ich war geneigt der hausärztin zuzustimmen, denn auf dem rückflug aus schottland habe ich eine neue flugangst entwickelt: die angst vor mangelhaftem druckausgleich. in den letzten tagen in schottland hatte ich mich nämlich erkältet und mich dann nichtsahnend ins flugzeug gesetzt. dank der erkältung funktionierte der druckausgleich in den ohren nicht mehr, was bei der landung zu höllischen schmerzen wegen überdruck in den ohren führte. später, zu spät für den schottlandheimflug, las ich, dass man die folgen mit abschwellenden nasentropfen etwas abmildern könne, mich begleitete der ohren-überdruck dann zuhause noch ein paar tage.

weil ich das alles nicht noch einmal erleben wollte, war ich kurz davor auf die ärztin zu hören und die reise abzusagen und das wochenende über lieber zuhause löcher in wand zu starren, als mich nochmal mit geschwollenen schleimhäuten in ein flugzeug zu setzen.

weil ich mich am ende dann doch anders entschied, und mich mit nasentropfen und schmerzmitteln vollgepumpt doch ins flugzeug nach moskau setzte, kann ich in den nächsten tagen an dieser stelle und dem hashtag #moskau noch drei bis vier weitere artikel über unseren kurzbesuch in moskau veröffentlichen. zur einstimmung dazu ein symbolbild, dass die widersprüchlichkeit von moskau (oder russland) ganz gut zusammenfasst:

brunnen der völkerfreundschaft
brunnen der völkerfreundschaft auf dem ausstellungsgelände der errungenschaften der volkswirtschaft aus der sowjetzeit, mit einem wlan-hotspot und einem transmenschen im hintergrund.

ads first

felix schwenzel, , in artikel    

ich hatte grosse leise hoffnungen, dass das google AMP-projekt eine sinnvolle alternative zu facebook instant articles sein könnte und dafür sorgen könnte, mobile webseiten nicht nur schneller, sondern auch ansehnlicher und benutzbarer machen könnte. die hoffnung habe ich mittlerweile zweifach aufgegeben. einerseits, weil google/AMP, auch fast ein jahr nach dem offiziellen start, lediglich grosse medienhäuser zu unterstützen scheint und andererseits, weil das aufmerksamkeits-missbrauchspotenzial bei AMP-seiten genauso hoch ist, wie bei normalen HTML-seiten. wenn schon ein seriöser verlag, wie die zeit, eine angeblich mobil-optimierte AMP-seite wie diese in die google-suchergebnisse haut, kann man wohl davon ausgehen, dass die verlage das AMP-projekt nicht als accelerated mobile pages ansehen, sondern accerlerated mobile ads, mit denen sie weiterhin benutzern den telefonbildschirm zukleistern können.

ads first project
die zeit interpretiert das accelerated mobile page (AMP) projekt als ads first project (AFP)

auf der seite ist ohne scrollen nicht eine einzige information sichtbar. weil die werbung auch per AMP, wie gewohnt, etwas langsamer als der rest der seite lädt, erschien die seite beim initialen laden zunächst leer. ich habe das eben mit vier amp-seiten der zeit online ausprobiert, die ich in google-suchergebnissen gefunden habe. alle sahen wie folgt aus:

mit solchen aktionen arbeitet der zeit-verlag an der abschaffung des offenen webs mit, hier sogar explizit und implizit. implizit, indem die zeit nutzern der google-suche zeigt, das sich der werbeirrsinn auch nicht mit an sich sinnvollen projekten wie AMP stoppen lässt und dass das (verlags-) web einfach scheisse aussieht — und explizit, indem es sonne und genuss verspricht, wenn man eine app statt des verseuchten webs benutzt. die zeit schreit in diesem beispiel schamlos ins netz: „siehste wie scheisse unsere webseite im web aussieht? probier doch mal unsere APP!“

solchen missbrauch habe ich in ansätzen auch schon bei den facebook-instant-articles gesehen. dort kann man das obere drittel des bildschirms mit einem artikelbild oder video füllen und der eine oder andere verlag hat dieses bild schon mit werbung gefüllt. aber immerhin ist dann noch die artikelüberschrift und der anreisser sichtbar — und alles sofort da.

wer solchen kaputten scheiss an leser ausliefert, darf sich wirklich nicht über rückgängige aufmerksamkeit und flächendeckendes abblocking beklagen. und wo ich gerade bei worst practices bin, nachdem ich die zeit-startseite eben drei minuten offen stehen hatte, erklärt mich die zeit für zu blöd das web zu bedienen:

hinweis zum neuladen auf zeit.de
die zeit erklärt ihren benutzern, ganz subtil, dass sie dumm sind

marseille s01e01 (20 ans)

felix schwenzel, , in gesehen    

marseille netflix

ich dachte gérard depardieu sei ein guter schauspieler. nach dem ansehen der ersten folge von marseille bin ich mir nicht mehr so sicher. er sieht fantastisch aus, wird toll ins bild gesetzt und wenn er in der totalen gefilmt wird, ist seine präsenz überzegend und stark. bei nahaufnahmen und dialogen bröckelt seine beherrschende präsenz ein bisschen und er wirkt dann nicht mehr wie ein mächtiger, gewiefter bürgermeister, sondern wie ein theaterschauspieler, der zu leise redet. sein gegenpart, gespielt von benoît magimel, steht ihm da fast nicht nach. er wirkt mit seiner aufgesetzten cowboy-mimik (zusammengekniffene augen, leicht geöffnete lippen) wie till schweiger, der lucky luke spielt.

vielleicht liegts aber auch am drehbuch und den dialogen. die wirken auf mich durchgehend so, als seien es keine gespräche, die die protagonisten miteinander führen, sondern erklärungen für die zuschauer, die klären sollen, was in marseille eigentlich los ist — und was in den letzten 20 jahren passiert ist. die autoren sind offenbar irre ungeduldig und stopfen alles an was sie für die geschichte wichtig halten in die dialoge in den ersten 40 minuten. die charakterzeichnungen fallen stereotyp und eher flach aus — und abgesehen davon kann sich jeder, der den marseille-trailer gesehen hat, denken was in dieser ersten folge passiert (mögliche spoiler folgen, der trailer verrät auch handlung).

youtube-video
youtube

das ist jetzt nur ein halber spoiler und, wie gesagt, auch im trailer deutlich zu sehen, wenn ich kurz zusammenfasse, was in der serie zu sehen ist: das pimmelfechten zweier, zu allem entschlossener männer. das kann unterhaltsam und spannend sein, wie es gerade die serie billions gezeigt hat, kann aber auch in die stereotypen-hose gehen.

tatsächlich macht der trailer hoffnung darauf, dass sich die geschichte noch dramatisch entwickelt und depardieu noch warmläuft. was mir sorgen macht, ist das hektische hin und her schneiden zwischen den handlungssträngen. viele szenen dauern nicht viel länger als eine minute, dann wird in grosser eile zur nächsten geschnitten. richtig gute, immersive stimmung kommt dabei nicht auf. was mir hingegen sehr gefällt, ist die kamera, wie sie marseille einfängt, wie sie (in den totalen) depardieu einfängt. die musik ist anständig und passt weitesgehend, auch wenn mich der ganze sound sehr an house of cards erinnert.

ich weiss nicht ob es ein gutes zeichen ist, wenn ich den trailer besser fand als den piloten. für den piloten geb ich jedenfalls nur drei punkte. ein, zwei folgen schau ich noch, mal gucken ob mich marseille noch zu begeistern oder wenigsten nicht zu langweilen schafft.

[nachtrag 07.05.2016]

  • folge zwei ist einen ticken spannender, hat aber immer noch enorme schwächen.