Blogs sind ein wenig aus der Mode gekommen und damit auch die Lesungen, die noch vor zwanzig Jahren zahlreich in verschiedenen Städten stattgefunden haben. Aber es gibt sie noch, die Menschen, die seit über zwanzig Jahren ins Internet schreiben, weshalb es Zeit wird, dass die Bloggenden wieder live vorlesen und zwar in München.
retro find ich (in diesem fall) gut. die location hört sich sensationell an. im box-ring lesen. und vorlesen find ich auch gut und wo heutzutage ja angeblich neimand mehr selbst liest passt das ja auch wie die faust aufs auge. ich würde gerne hin, wenn münchen nicht so weit weg wäre.
frida hat einen empfindlichen darm. bei jeder futterumstellung kriegt sie dünnschiss — bis sich irgendwann ihre verdauung stabilisiert. es gibt auch viele gemüse und fleischsorten an die sie sich nicht gewöhnt. wegen fridas fragiler verdauung ist die qualität von fridas stuhlgang ein ständiges thema zwischen mir und der beifahrerin.
normale menschen würden nach dem morgenspaziergang berichten: „kacki war super“ (oder die konsistenz beschreiben, wenns nicht so super war). ich kann mir naürlich nicht verkneifen jeden tag den gleichen gag zu machen: „kacki war super! [kurze pause] das von frida auch!“
natürlich ist der eigentliche gag die wiederholung und die konsistenz der darbietung.
jedenfallls ist das kacki von frida seit monaten bombig gut. morgens kommen zuerst feste köttel raus (ich nenne sie „den pfropfen“) und danch weitere würste mit immer weicher werdender konsistenz. sie kackt sich sozusagen jeden morgen auf der bristol-stuhlformenskala1 von typ 1 bis typ 4.
My first thought upon reading this was, What a load of shit. Then I realized, well, yes, literally.
der load of shit sind äusserungen zu ernährung und stuhlgang von sean o’mara die in einem NYT-artikel zitiert werden.
At one point in our conversation he pulled up the Bristol Stool Chart, which ranges from Type 1 (“separate, hard pellets”) to Type 7 (“watery, no solid pieces”). O’Mara is consistently delivering Type 4 (“smooth, soft, like a snake”), with pointed ends, indicative of healthy rectal function, he told me. “When you start eating healthy, you don’t need toilet paper,” he claimed. “Animals in the wild have no residual stool on their anus.
seit ich meine ernährung auf zuckerfrei, viel gemüse, TK-obst, sehr wenig fleisch, viel öl, hülsenfrüchte, röstaromen und umami umgestellt habe, kann ich o'maras beobachtung teilweise bestätigen, muss ihr aber zugleich heftig widersprechen: die stuhlgänge einiger wildtiere in den rehbergen haben hundertprozentig spuren an deren anussen hinterlassen!
gleiches, aber anderes thema: ganz stimmt „kein zucker“ natürlich nicht. seit dem semaglutid ist mein appetit auf süsses meistens nonexistenz, bzw. lässt sich (absurderweise) mit ein paar gesalzenen nüssen wirksam stillen, sollte er mal kurz aufflammen. und der milchzucker in meiner morgenlatte meinem morgenkaffee mit milch ist natürlich auch zucker, ganauso wie der zucker in manchen asiatischen saucen die ich gelegentlich noch benutze. aber ich scheine mich vom zucker extrem entwöhnt zu haben, wie ich kürzlich merkte als das kind, das gerade zu besuch war, uns und seiner freundin ein paar macarons backte. natürlich musste ich einen probieren. er war sehr lecker, aber danach habe ich zum erstenmal seit monaten magenschmerzen bekommen.
unter den linden, zwichen ca. 1890 und 1900 (quelle)
an dem bild oben finde ich faszinierend, dass unter den linden wie in einem alten western aussieht. was ja auch nicht völlig abwegig ist, weil es die gleiche epoche ist, so um die vorletzte jahrhundertwende. und wenn man sich den google streetview aus der gleichen perspektive anschaut, fällt einerseits auf, dass die vermeintlich historischen strassenlaternen zumindest nicht die version aus den 1890ern imitieren und dass heute deutlich weniger pferdegespanne unterwegs sind als damals.
viktoriapark berlin zwischen ca. 1890 und 1900 (quelle)
dieses bild vom wasserfall im viktoriapark setze ich mir hier als reminder irgendwann ein foto aus der gleichen perspektive zu machen. obwohl dieses bild schon ziemlich nah dran kommt.
Wie erfüllend so Nichts sein kann Wie eine grosse, leere Kirche ist es hier – einfach ohne Gott (oder mit Gott, das ist wohl eine individuelle Angelegenheit) Das blosse Hiersein ist erholsam wie ein Saunabesuch – einfach ohne die Hitze
[Lindsay Ems] schreibt: „Mir wurde klar, dass die Amish der Technologie gegenüber eigentlich neutral eingestellt sind. Es ist für sie zweitrangig, worum es sich bei einer neuen Technologie handelt oder wie sie funktioniert; entscheidend ist für sie, welche Auswirkungen ihre Einführung auf die Gemeinschaft hätte.“
I became less intrigued by Amish restrictions on technology than by the social world they sought to preserve and protect with those restrictions. In the end, I came to realize that the Amish are, in fact, technology-agnostic. They do not care much about what a new technology is or how it works; they care about what its adoption would mean for the surrounding community.
lindsay ems buch über die amisch ist schon etwas älter (2022), auch wenn der artikel auf mitpress.mit neu ist. leider scheinen die inhalte des buchs bereits ein bisschen veraltet zu sein. so schreibt ems über den service pcfreemail, mit dem einige amish per fax emails schreiben und empfangen würden. den service gibts allerdings nicht mehr — nur noch auf archive.org.
aber darum gehts ja nicht, sondern eben darum, dass man sich fragen sollte/könnte, welche auswirkungen technologie auf die gemeinschaft hat. auch wir nicht amish tun das ja, man denke nur an die diskussionen um das social media verbit für jugendliche oder neil postmans buch von anno dazumal über die auswirkungen von fernsehen auf die gesellschaft. wobei wir als nicht amisch uns schon länger dazu entschieden haben, dass es ok ist, wenn technologie unsere gesellschaft verändert.
abgesehen davon, das ist ein schönes beispiel, dass religöse gebote durchaus auch etwas für unreligöse menschen bereithalten können. die drei C’s finde ich gut: danach streben ein vorbild zu sein, kritik annehmen und für eigene fehler einstehen.
One of my closest Amish contacts was Noah, a 57-year-old entrepreneur and self-described “technology buff.” Noah himself was a minister yet used a smartphone, email, and text messages, and even had a Facebook account. His usage was animated by the three C’s: conviction (modeling the right behavior), confession (asking others to hold you accountable), and contrition (being willing to own up to your mistakes). “Whether or not you use a technology is less important than how you use it,” he told me.
jetzt habe ich endlich mal ein pro-argument für pixelfed gehört, dass ich verstehe:
Mastodon kann ja immer nur die ersten vier davon anzeigen, aber Pixelfed kann mit mehr Bildern umgehen.
trotzdem: nur um mehr als vier bilder ins fediverse posten zu können werde ich mir kein pixelfed-konto zulegen. zumal die probleme die steffen hier beschreibt und die ihn zum umzug bewogen haben, genau die gleichen sind, denen ich auch aus dem weg gehen möchte.
„wir“ wundern uns ja immer über immigranten die trump wählen oder der afd nahe stehen. so nach dem motto: „verstehen die nicht, dass sie sich damit selbst schaden?“
wenn politiker hingegen verschärfungen des straf- oder zivilrechts fordern sind wir auch oft zu schnell an bord. populismus funktioniert, weil wir immer irgendwie denken, dass wir nicht mitgemeint sind, dass verschärfungen und freiheitseinschräkungen uns bestimmt nie betreffen werden. ich finde die wiederkehrenden forderungen scharf zu differenzieren von thomas fischer teilweise auch sehr anstrengend und gelegentlich bräsig, aber genauso finde ich sie wichtig und richtig. macht ja sonst kaum noch jemand.
Zwei alte Bücher mit Bukowski-Kurzgeschichten gefunden. Habe mal durchgeblättert; ich glaube nicht, dass ich das Zeug heute noch lesen möchte. In Zeiten des Heranwachsens war Charles Bukowski für viele eine große Sache. Anti-bürgerlich, verkommen und sowohl gegen rechte als auch gegen linke Lehrer zu gebrauchen.
Kurz kam mir auch wieder die Erinnerung daran, wie ich mit den Söhnen, als sie noch klein waren, einen vermeintlich lustigen Film aus meiner Kindheit sehen wollte, mit Bud Spencer und Terence Hill. Denn was hatten wir gelacht damals! In den ersten Minuten des Films wurden dann Frauen und Kinder geschlagen, wurde ohne Gurt Auto gefahren, wurde beim Familienessen geraucht und gesoffen. Ich hatte so viel spontanen Erklärungsbedarf, wir haben den Film dann nicht weitergesehen. Zumal auch keine einzige der Pointen bei den Söhnen funktionierte.
Tempi passati, das gilt oft auch für den Humor der Zeit.
vergangene zeiten indeed.
fragmentebloggt wieder. mindestens dreissig tage lang will sie das machen. ich bin sicher, sie wird danach weitermachen. ich habe nie aufgehört und doch vier jahre kaum bis nichts ins internet geschrieben. zumindest keine längreen texte. ich war beschäftigt mit hundeerziehung und brot backen und heimautomatisierung — und doch: gelegentlich musste ich die eindrücke aus meinem leben teilen. das hab ich dann vier jahre lang hauptsächlich auf instagram gemacht.
was ich sagen will: das leben ist auch schön ohne bloggen. aber mit bloggen ist es interessanter. ich habe das gefühl bloggen zwingt mich auf mehr, auf anderen ebenen zu denken. das denken strukturiert sich anders, mein innerer monolog bekommt eine zusätzliche stimme die versucht erlebtes anders aufzuarbeiten, als wenn ich es nur für meinen inneren monolog aufarbeiten würde.
normalerweise, beim einschlafen, wenn mein bewusstsein langsam in den hintergrund tritt und mein unter- oder neben- oder autonom-bewusstsein langsam die bilder und gedanken in meinem kopf übernimmt, sehe ich luftbilder. im wahrsten sinne des wortes. ich sehe schwarz mit leuchtpunkten, so als ob man nachts mit dem flugzeug in einer grossen stadt landet (und dabei aus dem fenster schaut). eine weite dunkle ebene, die mit lichtpunkten gespickt ist. das fliegen ist nicht das thema, es geht auch nichts um licht oder die dunkelheit. es ist offenbar einfach ein bild das beruhigend auf mich wirkt.
gestern sah ich beim einschlafen einen kleeteppich auf einer wiese. in den letzten tagen betrachtete ich auch im wachzustand sehr viele kleeteppiche auf wiesen und versuchte — im langsamen gehen — vierblättrige kleeblätter zu sehen. seit mehreren tagen vergeblich — aber nicht umsonst. auch diese kleeteppiche die ich im übergangszustand zwischen wach und unwach sah hatten auch eine beruhigende und befriedigende wirkung. aber obwohl ich eigentlich beim einschlafen war, dachte ich im gleichen moment, kurz vor dem wegdämmern, darüber nach ob und wie ich das wohl ins internet schreiben könnte.
ich mag es, wie mein vorsatz regelmässig ins internet zu schreiben meine wahrnehmung verändert. genau deshalb mag ich es auch, wie mein vorsatz weitere vierblättrige kleeblätter zu finden, auch meinen blick auf die welt verändert.
jedenfalls lese ich das was fragmente ins internet schreibt sehr gerne. gestern zum beispiel über urlaub.
Vor fünfzehn Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, also außerhalb der akademischen Welt, in einem Angestelltenverhältnis, und ich habe seither nicht mehr aufgehört. Erst hatte ich 26, dann 28 und mittlerweile 30 Tagen Jahresurlaub. Aber mehr als drei Wochen am Stück hatte ich nie frei.
Es fehlt mir. Diese langen, staubigen, heißen Tage. Pläne immer nur bis übermorgen. Ein Badeanzug, irgendwas drüber, Sandalen und seit Wochen keine Socken. Schwimmbadpommes und Cornetto-Eis und Gummitiere. Mit dem Fahrrad unterwegs. Grillenzirpen und Rasensprenger.
Es war so nie, außer in meiner Erinnerung. Trotzdem.
mir ist urlaub egal. unseren letzten campingurlaub vor 10 jahren haben wir irgendwann abgebrochen und haben zuhause gemerkt, dass es viel erholsamer und schöner ist, zuhause urlaub zu machen. gelegentlich machen wir noch (kurze) städtereisen, besuchen freunde oder verwandete anderswo oder verbringen einen tag am strand. aber drei wochen am stück weg von den anehmlichkeiten und routinen zuhause? finden wir mittlerweile beide schrecklich. auch der hund sperrt sich dagegen anderswo als zuhause zu entspannen.
meine arbeitskolleginnen müssen mich jedes jahr dazu drängen meinen urlaub aufzubrauchen. einerseits finden sie es praktisch, dass ich mir über weihnachten und zwischen den jahren keinen urlaub nehme, andererseits ist es nervig wenn ich im november noch mit mehr als 20 tagen urlaub da sitze. um meinen urlaub aufzubrauchen nehm ich mir dann wochenlang einen tag pro woche frei. das strukturiert die woche ganz interessant. so kann man aus einer woche zwei wochen mit zwei wochenenden (einem langen und einem kurzen) machen:
mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.
ich arbeite gerne. aber ich stelle mir sisyphos auch als glücklichen menschen vor. kürzlich dachte ich einen gedanken wieder, den ich als kind schon öfter dachte; mit etwas abstand betrachtet ist es eigentlich schon ein bisschen absurd dass wir uns 20 bis 30 jahre ausbilden lassen um dann 5 × 8 stunden pro woche die fähigkeiten unseres ausgebildeten gehirns an einen arbeitgeber zu vermieten. andererseits ist es genau so absurd den ganzen tag durch die savanne zu latschen und nüsse und wurzeln zu suchen, um die dann zu verspeisen, zu schlafen und dann, nach dem aufstehen, wieder nach nüssen und wurzeln oder nach weniger gut ausgebildeten tieren zu suchen.
aber mit etwas abstand betrachtet ist ja wohl alles ein bisschen absurd. dreieinhalb milliarden jahre evolution, dreihunderttausend jahre menschheitsgeschichte damit ich hier auf dem sofa sitzen kann und über die absurdität der welt laut nachdenken kann.
johnny ist immer noch auf substack (statt auf spreeblick), war auf der CSD trauerveranstaltung, hat ein bild-fernsehteam gesehen, still gegen die bild protestiert und ist viral gegangen.
wir sagen ja gerne: „verarschein kann ich mich selbst“. ich bezweifle das schon länger und meine überzeugung, dass wir gar nicht mal so gut dadrin sind uns selbst gezielt was vorzumachen, wurde heute signifikant gestärkt. ausserdem bin ich jetzt der meinung, dass diese fähigkeit in der tat wünschenswert ist.
I don’t need time. What i need is a deadline. — Duke Ellington
im video spricht david epstein vor allem über einen kognitiven bias den psychologen „additive bias“ oder „subtractive neglect“ nennen. wir tendieren dazu probleme durch hinzufügen von etwas zu lösen und tun uns oft schwer damit problemlösungen in betracht zu ziehen, die etwas entfernen.
zum beispiel: besser fertig werden mit weniger zeit, statt mehr. die beispiele die er im video aufzählt und illustriert sind eingängig und überzeugend. und das was er erzählt und wie er es rüberbringt macht einen grossen bogen um die üblichen selbstoptimierungs tipps & tricks und geht eher in die richtung: guck mal wie andere sich effizient und erfolgreich selbst manipulieren („selbst verarschen“).
als ich dann weiter im kanal rumschaute und mir „I Studied Elite Performers For 20 Years So You Don't Have To“ ansah (was sich vom titel her schon ein bisschen „tschakka!“ anhört), merkte ich, dass ich viele der methoden die david epstein aufzählte und mit beispielen illustrierte, schon seit ewigkeiten praktiziere. ich bin zwar weit davon entfernt „elite performer“ in irgendwas zu sein, aber ich kann mittlerweile bequem auf kommando einschlafen, habe mein leben dutrchritulisiert und versuche mir durch rituale und gewohnheiten so viel mentale micro-lasten zu ersparen wie möglich.
ausserdem erzähle ich allen immer wieder, dass ich der festen überzeugung bin, dass man in der ausbildung oder besser auf dem weg zum beruf, den man irgendwann mal ausübt, keine zeit verschwenden kann. umwege, erfahrungen in möglichst vielen bereichen — auch zum beispiel gastronomie — kommen einem in jedem beruf zu gute. epstein bestärkt so viele meiner überzeugungen, dass ich schon fast fürchte hier opfer eines harten falls von confirmation bias zu sein.
seine schlussworte illustrieren ganz gut wie undogmatisch und frisch er an seine themen geht:
None of that really sounds like conventional productivity advice. Some of it sounds like quite the opposite. And that, I think, is the point. The people who perform at the highest level across all the fields that I've studied or been involved with have figured out something that the rest of us, I think, often resist, at least for a while. Peak performance doesn't come from grinding harder. It comes from understanding how you and your mind and your rhythms actually work and designing habits and environments that work with rather than against them. The weirdest sounding habit on this list, it may actually turn out to be the one that changes how you work.
oder anders gesagt: statt selbstdisziplin und schuffterei muss man nur gute wege finden sich geschickt selbst zu verarschen um kreativität und neugier und spass am tun aus sich heraus zu locken.
schön fand ich auch die kleinen details; in einem video spricht er von vincent van gogh (und seinen „long winding path“) zu dem beruf, der ihn berühmt machte, und illustriert das eben nicht mit einem der bekannten selbstportraits die wir sonst immer sehen, wenn von van gogh gesprochen wird.
auch schön: im video von david epstein fielen zum teil die gleichen begriffe, wie in diesem video von ralph caspers (default mode network). das hatte ich kurz vorher gesehen und mich gefreut, wie das zusammenspiel von youtube-algorithmus, blogempfehlungen und zufall einen gelegentlich — mit wechslenden perspektiven — zu den gleichen themen führt.
normalerweise bin ich kein fan von schlechtgelaunten blogs. bei unstory bin ich irgendwie hängengeblieben. diese seite hatte ich jetzt ein paar tage als offenen browser-tab:
Few months ago Cloudflare introduced Markdown for machines:
You get HTML, trackers, cookie banners, popups, and JavaScript. This needs a browser built by thousands of engineers just to show you a paragraph.
Machines get the clean version.
fair point, auch weil es meinem confirmation bias dient. heute hab ich mal ein bisschen weiter auf unstory gelesen. das ist alles sehr schlecht gelaunt aber auch nicht falsch.
Web browsers are not document viewers. They are customer acquisition channels for massive tech ecosystems. They don't serve users, but corporations. AI features, VPNs, crypto wallets, and countless of other nonsense.
… zum besipiel anders beantworten: weil es noch keinen bedarf dafür gab und „wir“ erst jetzt drauf gekommen sind beim nachdenken darüber wie wir es maschinen leichter machen können. das sagt der mensch hinter unstoryan anderer stelle auch (irgendwie):
The people building the human web chose the machine format. The machines moved to the human format.
das eigentliche problem scheint zu sein, dass wir komplexen probleme gerne mit komplexen lösungen begegnen und den blick fürs einfache verlieren. manchmal ist ein perspektivwechsel hilfreich um einfache lösungen zu erkennen. die perspektive von menschen oder maschinen einzunehmen, die bestimmte komplexe dinge nicht können, ist auf jeden fall immer hilfreich.
jedenfalls nehme ich den rat von unstory.eu an und folge ihm nicht, hoffe aber alle paar wochen daran zu denken mal dort vorbei zu schauen.
intheweights.com fragt den eingegebenen namen bei mehreren LLMs ab und extrahiert irgendeine metrik und listet auf, was die modelle zum namen zu sagen haben. sieht aus seien GPT-5.5, GPT-5.4-mini und claude opus 4.8 nah dran, während claude haiku 4.5 mich schon zum journalisten halluziniert und gemni 3.1 lite zum „langjährigen“ co-autoren von nerdcore macht. DeepSeek V4 sieht mich gar als mitgründer von netzpolitik.
GPT-5.5 says German blogger, web developer, and internet personality associated with the blog wirres.net.
GPT-5.4 Mini says German blogger and web developer, known for writing on technology, startups, and internet culture.
Claude Opus 4.8 says German blogger and writer known for his blog 'wirres.net', active in the German-language blogosphere and internet culture scene.
Claude Haiku 4.5 says German journalist and media professional, though limited public recognition without additional context.
Gemini 3.1 Lite says A German blogger, author, and long-time contributor to the tech and culture blog Nerdcore.
Kimi K2 0905 says German blogger and co-founder of the media blog 'wirres.net', known for tech and internet culture commentary.
DeepSeek V4 says German journalist and author, known for tech and media commentary, co-founder of netzpolitik.org.
offensichtlich und abgesehen davon mag ich die spielautomaten-schrift von intheweights.com sehr. und eigentlich mag ich pixel-bilder von „TODAY’S HEAVYWEIGHTS“ auf der startseite auch, ich bin ja schliesslich mit nem C64 aufgewachsen.
aber das was GPT auf meine aufforderung hin aus diesem bild gemacht hat, ist selbst für mich etwas dick aufgetragen. faszinierend ist einzig, dass für das bild 256×256 pixel reichen.
den besten artikel zu künstlicher intelligenz hab ich heute von christian stöcker gelesen.
Micah Nathan bringt am Massachusetts Institute of Technology Leuten das kreative Schreiben bei [und berichtet]: Alle in seinem Workshop hatten KI zum kreativen Schreiben benutzt, was er an ihren Texten merkte. Manche gestanden es tränenreich und sogar voller Selbstekel. Seine Schlussfolgerung: »Die Gefahr besteht nicht darin, dass die KI Autoren ersetzen oder meinen Workshop überflüssig machen wird. Die Gefahr ist, dass die Studierenden sich daran gewöhnen, die Reibung zu überspringen, die vorher ihren Schreibprozess sichtbar machte.«
christian stöcker bringt das problem mit der künstlichen intelligenz auf einen passenden nenner aus der kognitiven psychologie:
den »kognitiven Geizkragen«. In Kurzform: Wir strengen unser Gehirn ungern an. Wenn wir nicht müssen, lassen wir es lieber.
diese denk und lernfaulheit zu überwinden lohne sich, weil lernen, üben oder die „Reibung“ der denkprozesse zu überwinden eben befriedigung verschaffen und türen öffnen. christian stöcker und wahrscheinlich auch die kognitive psychologie plädieren dafür sich mehr anzustrengen, bzw. weniger bequem zu sein:
Dem kognitiven Geizkragen nachzugeben und intellektuelles Outsourcing zu betreiben, mag zwar bequem sein, es macht aber weder klug noch zufrieden.
ich würde gerne „neugier“ ergänzen. ich mache dinge nicht selbst um selbstdisziplin zu üben, sondern meist um meine neugier zu befriedigen. rauszufinden wie etwas genau funktioniert kann ich am besten indem ich es selbst mache. und selbst machen erfordert lernen, üben und wiederholung.
ich habe auch irgendwann erkannt, dass ich gesehenes oder gelesenes besser verstehe und mehr davon habe, wenn ich drüber schreibe. eigentlich würde ich jetzt auch lieber auf dem sofa sitzen und die neue folge house of the dragon gucken als auf dem sofa zu sitzen und über christian stöckers kolumne nachzudenken. aber die neugier, der mitteilungsdrang und das bedürfnis nach (ein bisschen) intellektueller anerkennung treibt mich zum bedürfnisaufschub. das ist auch der wahre grund, warum ich einmal pro jahr einen republica vortrag schreiben möchte: um mir selbst zu beweisen, dass ich in eine materie tief genug einsteigen kann, ohne mich völlig lächerlich zu machen. vorraussetzung ist natürlich, dass das thema, in das ich tiefer einsteigen möchte mich auch interessiert, meine neugier weckt.
ich glaube stefan niggemeier hat auch einen sehr guten text über ki geschrieben. nur leider kann ich ihn nicht lesen, weil ich kein SZ-abo habe.
ersatzweise bietet er an diesen text von ambros waibel in der taz zu lesen. das thema schöpfunghöhe oder tiefe im journalismus geht mir schon lange im kopf rum. constantin seibt hat mal geschrieben:
Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.
das gefühl „komprimierte Zeit“ zu konsumieren habe ich bei klassichen journalistischen produkten immer weniger. oft spüre ich dieses phänomen aber in bestimmten youtube-kanälen, wo nicht nur mit neuen arten der informations-darreichung experimentiert wird, sondern eben auch merklich viel denkarbeit investiert wird. das kann auch damit zu tun haben, dass erfolgreiche youtube-kanäle das problem der finanzierung gelöst haben (wenn auch auf eine sehr prekäre oder unnachhaltige art) und deshalb kräftig in recherche und kreation investieren können.
das gegenteil, der mangel an spürbarer denkarbeit ist das, was menschen dazu bringt sich von bestimmten darreichungsformen abwenden oder KI-gedöns als schlamperei (slop) bezeichnen.
guter, ausführlicher erklär-artikel von jan montag über die „gute Idee“ ATproto, also das protokoll das hinter blue-, black- oder eurosky steckt.
[Damit wird] theoretisch möglich […], dass du deine Identität endlich mitnehmen kannst. Überleg dir die Löschung deines Instagram oder Facebook oder X Accounts. Das wars. nicht so jetzt. Hier kann du die App wechseln und trotzdem alles mitnehmen.
auf einem PDS, dem „personal data server“, sind beim ATprotokoll alle daten gesichert, in verschiedenen schichten, die identität, der soziale graph, beiträge, app-daten. der PDS wird von jemandem zentral betrieben, lässt sich aber umziehen, mit allen daten und (im prinzip) auch mit dem benutzernamen. APPs sind im prinzip das schaufenster auf diese daten.
mein PDS liegt derzeit noch bei bluesky, in den USA. weils geht und aus prinzip werde ich den in nächster zeit zu eurosky migrieren. damit sollte sich weder etwas an meinem bluesky-konto ändern, noch auf irgendeinem anderen konto das ich mit meinem ATmosphere-konto nutze (zum beispiel standard-reader, blento, sill oder popfeed).
so einen PDS kann jeder betreiben, allerdings ist das genauso undankbar und viel arbeit, wie einen eigenen mail- oder mastodon-server zu betreiben:
Föderation ist nicht schwer, weil Protokolle schwer sind. Föderation ist schwer, weil Betrieb schwer ist. Updates, Abuse, Spam, DDoS, Moderation, rechtliche Geschichten, Kosten, Backups – das ist nicht romantisch, das ist Alltag. Und dieser Alltag führt fast automatisch dazu, dass sich wieder zentrale Anlaufstellen bilden.
jans fazit, trotzdem und mit einem aufruf zur wachsamkeit:
ATProto ist eine wirklich elegante Idee: Schichten trennen, Identität portabel machen, Apps austauschbar machen. Bluesky hat damit ein Fenster geöffnet.
Aber Fenster sind nur Fenster. Wenn du nicht durchgehst, wird es wieder zugemauert.
und seine kurzfassung um den unterschied zwischen ATproto (atmosphere) und ActityPub (fediverse) zu erklären:
Fediverse = „viele Dörfer, Post wird zwischen Rathäusern ausgetauscht“; ATProto = „du hast dein eigenes Haus (PDS), aber die großen Straßenkarten (Index/AppView) entscheiden, wer dich findet.“
ich würde ergänzen:
fediverse: viele autonome dörfer, die sich auf ein austauschformat geeinigt haben, die daten aber im dorf speichern. atmosphere: grosse datenlagerhäuser die mit glasfaser vernetzt sind, an die sich dörfer, bastler, werkstätten oder konzerne andocken können und geregelten zugriff auf die lagerbestände bekommen und auch selbst lagerfläche anmieten können. die inhalte (fast) aller lagerbestände sind — nach bestimmten regeln — auch wieder für alle anderen zugänglich.
beide protokolle haben ihre vor und nachteile. wir brauchen keine monokulturen, im gegenteil, RSS ist nicht durch activitiPub überflüssig geworden, standard.site wird RSS auch nicht verdrängen. protokolle können nebeneinander existieren, man kann brücken bauen, protokolle könnnen zusammenwachsen oder sich spezialisieren. in beiden genannten protokllen stecken ungehobene potenziale — und das ist das eigentlich spannende.
ich für meinen teil spreche gerne mit allen. ich mag es, wenns ein bisschen kompliziert ist.
p.s.: hier kann man jan montags artikel (wie ich) hochvoten: https://bubbles.town/entry/38217373 (man muss sich nur mit seinem fediverse handle anmelden)
andrew von @theartofstirytelling erklärt nachvollziehbar warum manche geschichten von star trek zeitlose klassiker sind, die in der oberliga der erzählkunst mitspielen. und in einem 5 sekunden-schlenker zeigt er auch, warum das bei den aktuellen inkarnationen der serie oft nicht mehr funktioniert: die funktionieren oft deshalb nicht, weil sie die moralischen konflikte zu offensichtlich und zu eindeutig präsentieren. gute geschichten fordern ihr publikum heraus, indem sie nachvollziehbare gegensätze zeigen und die grenzen zwischen richtig und falsch ausloten.
gleich nachgekocht, auf ne art, und es war gut. vor allem gelernt: für so ein gericht ist es wirklich von vorteil alle zutaten in etwas gleich grosse stücke zu schneiden, die pfanne muss ordentlich heisse sein und alles ständig in bewegung bleiben. dann wird aus dem fried rice sogar ohne reis ein leckeres gericht.
abgesehen davon das federico viticci hier klüg über die neue siri nachdenkt (siehe zitat), hat er ein paar sehr tolle fotos an den artikel geklebt. insbesondere das bild von john ternus und tim cook sieht so ausgedacht aus, dass es fast zu promtig als wahr sein könnte. isses aber nicht.
The new Siri AI is, of course, reminiscent of a chatbot at a surface level. And yet unlike Claude, ChatGPT, or Gemini, the chatbot is not the product here: the chatbot is merely one of the shapes the new Siri AI can take. “It’s a feature, not a product”, Jobs would quip. The new Siri uses a collection of LLMs to deliver a personal assistant experience that, unlike others, can tap into the rich tapestry of device context and app data that other chatbots can’t aspire to. It can work with voice, it can work with text; it can be a glassy bubble in the Dynamic Island, and it can be an app. I saw Siri pull up messages from months prior and compare responses in tables generated on the spot. I saw Siri cross-reference an Apple note against an email and provide a useful response in about five seconds. It was Siri, but it also didn’t feel like Siri.
Be willing to say no in the face of abundance. Be afraid to say yes and proud to say no. Be as proud of what you didn’t do to the codebase, as what you did do to it.
Das Gedankenspiel, was eigentlich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett egoistisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie übernehmen keine Verantwortung für Sorgearbeit, belegen selbstverständlich alle Führungspositionen, fördern sich nur gegenseitig. Männer betrachten sie als ungleichwertig, als Lustobjekte, die hübsch anzusehen, aber nicht ernstzunehmend sind.
Selbst als Spiegel des Patriarchats wäre das äußerst plump und vielleicht in den 1950ern als gelungene Satire durchgegangen.
der von volker verlinkte artikel von tyler jagt hat den titel: „My Students Can’t Read“ und geht darum, dass jede generation von lehrkräften darüber klagen würde, das ihre studierenden nicht lesen könnten. tyler jagt meint das sei immer übertrieben gewesen, aber jetzt könne man das auch mit daten belegen.
was ich witzig fand: über dem artikel ist ein player eingebettet, der dafür sorgen soll, dass man den artikel nicht lesen muss, sondern ihn sich vorlesen lassen kann.
das ist schon sehr, sehr witzig.
der player lädt über archive.li nicht, aber wenn man auf die originalseite des artikels auf chronicle.com geht, kann man den artikel weder lesen, noch anhören, sondern muss sich erstmal anmelden. nach der anmeldung konnte ich den artikel immer noch nicht lesen, weil chronicle.com wollte, dass ich mein pi.hole deaktivier.
das ist ein untrügliches zeichen für einen weiteren grund, dass angeblich niemand mehr liest: weil einem das lesen zunehmend schwer gemacht wird.
es sind nicht nur die telefone, algorithmischen feeds oder LLMs, sondern auch die unfähigkeit und der unwille texte überhaupt ablenklungsfrei zum lesen anzubieten.
ich muss beim lamentieren darüber, dass niemand mehr lesen kann, auch immer an neil postman denken. der hat das ende der lesekultur schon alles vor 40 jahren postuliert (SNCNR). ein paar hundert jahre vorher wurde das lesen noch als schädlich eingestuft, zumindest dann, wenn alte weisse männer den lesetext nicht für hochwertig genug hielten. jetzt wirds lesen und denken zum „luxusgut“:
In July 2025, the journalist Mary Harrington argued in The New York Times that “thinking is becoming a luxury good.”
die bild zeitung ist jetzt über 70 jahre alt. zumindest in den 60er und 70er jahren hatte die bild ein vielfaches, teils ein fünf bis 20 faches der auflage von zeitungen und zeitschriften mit etwas längeren texten und normal grossen buchstaben. ich glaube zu behaupten, dass lesen auf eine gewisse art immer schon ein luxusgut war ist nicht übertrieben.
dazu kommt, dass lesen meiner meinung nach sowohl überschätzt, als auch interschätzt wird. mit der fähigkeit zu lesen konnte man sich immer schon grosse vorteile verschaffen. oder gute unterhaltung. mittlerweile (eigentlich aber auch schon immer) kann man auch ohne zu lesen vorteile und wissen und unterhaltung sowieso verschaffen.
ich habe dem lesen viel zu verdanken, aber gelernt habe ich neben dem lesen schon immer auch visuell, verbal oder haptisch. die fähigkeit zu denken oder sich auszukennen allein an lesebefähig festzumachen ist auf jeden fall etwas kurz gegriffen. das mag in akademischen oder wissenschaftlichen bereichen anders sein und was tyler jagt und diverse studien beobachten wird im jeweiligen kontext sicher alles stimmen, aber vor generalisierungen sollte man sich immer hüten (pun intented).
die überschrift habe ich mir bei der eule geborgt, bzw. beim rivva verweis auf ebendiesen artikel. weil das was ich hier jetzt mache, links auf interessante webseiten setzen, die ich zum lesen empfehle, ist ja in der tat nichts anderes als trainingsdaten fürs menschliche gehirn anzubieten.
bei rivva habe ich heute einen link auf die fliegenden bretter gefunden, wo über eine mögliche zuckersteuer philosophiert wird: Zucker steuern?
das habe ich gerne gelesen und dann noch ein bisschen dort weitergeklickt und mich dann in den links (trainingsdaten fürs gehirn der lesenden) die dort angeboten wurden verloren. hängengeblieben sind unter anderem diese beiden:
ich kann mit theater nicht viel anfangen, das ist mir oft zu prätentiös und wichtigtuerisch. aber das was die theaterregisseurin angela richter hier über das theaterpublikum resümiert, trifft ein paar relevante nägel auf den kopf.
Vielleicht erklärt das auch, warum das Theaterpublikum sich so verändert hat. Das alte Publikum war gebildet genug, sich beleidigen zu lassen. Das neue Publikum ist moralisch genug, sich bestätigt fühlen zu wollen. Das ist ein Unterschied.
Die alten Silberrücken in den roten Samtsesseln hatten etwas, das heute selten geworden ist: Gelassenheit gegenüber Kunst. Sie wussten, dass Theater ein Ort der Rollen ist – nicht der moralischen Bekenntnisse. Dass Figuren Dinge sagen dürfen, die Menschen nicht sagen würden. Dass Provokation kein moralischer Unfall ist, sondern ein ästhetisches Mittel.
keine ahnung warum das noch nicht der fall war, aber die fliegenden bretter sind dann gleich in meinem feedreader (trainingsdaten fürs mein gehirn) gelandet.
ich habe das glaube ich schon öfter mal hier erzählt, dass mein feedreader seit vielen jahren, eigentlich seit schon immer, meine hauptsächliche informationsquelle ist. viele der feeds die ich abonniert habe rauschen sehr stark (z.b. cashys blog), aber einerseits bekomme ich dort stets das das mit was ich mitbekommen will und zweitens lassen sich einzelne einträge in einer guten feed-lese-software auch einfach und schnell überspringen. ich habe über 400 feeds abonniert und meistens eine dreistellige zahl an ungelesenen einträgen. aber seit jahren funktioniert es gut, nur das oben aufschwimmende zu beachten. bei meiner arbeits-email-inbox ist das genauso: das wichtigste schwimmt immer obenauf, emails weiter unten sind meistens schon erledigt oder weniger wichtig.
aber viel wichtiger ist dieser aspekt, der für alles, aber eben vor allem für das auch im internet lesen gilt:
As usual turns out the best recommendation algorithm is another human being with great taste!
im techniktagebuch nochmal das thema bahn. mir ist das gelegentlich auch aufgefallen, dass sich die sachen die aus zuglautsprechern kommen manchmal falsch anhören …
Diese fehlende Präposition — die fehlt doch schon seit mindestens 20 Jahren in den Bahnansagen?
… aber mittlerweile glaube ich mehr und mehr, dass es richtig oder original ohnehin nicht gibt. warum soll man nur als muttersprachlerin die sprache nach gutdünken modifizieren dürfen? ich denke mir ständig neue worte aus oder nutze worte die sich andere ausgedacht haben und mir gefallen und dabei ist es mir egal ob das richtig oder korrekt ist. ich mag nicht „der blog“ sagen, aber warum sollte das falsch sein, nur weil ich etwas anderes präferiere oder weil man sich vor 30 jahren mal einig war, dass es „das blog“ sei? wenn man etwas 20 jahre lang auf eine bestimmte art sagt und die leute es verstehen und sich daran gewöhnt haben, ist es vielleicht nicht wirklich, wirklich richtig, aber eben auch nicht falsch.
ich bin nicht nur froh, dass sprache sich ständig ändert, ich glaube das ist auch unaufhaltsam und wahrscheinlich auch ein durch und durch unregulierter demokratischer prozess. was vielen gefällt, leicht von der zunge oder der feder geht, bleibt. was niemand mehr sagen will geht.
oder das ewige gewese um original italienische pizza, echte pasta bolognese, original thai, echtes sushi. alles quark, weil alle küchenstile der welt sich ständig kreuzbestäuben und fusionieren. was sprachliche oder kulinarische nostalgiker gerne vergessen: das wahre, das damals schöne war irgendwann auch mal was radikal neues oder gar „falsch“ und völlig untraditionell. etwas pathetischer drückte es gustav mahler (laut flavio manzoni) aus:
Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.
wenn diese gedankengänge zu kompliziert, kontrovers waren, dieses video strömt eine grosse ruhe aus. alles fügt sich, alles passt, alles ist schön.
stephen colbert hat nur noch ein paar wochen, bevor seine late-night-sendung eingestampft wird. ich fand seine late-night-sendung immer ganz okay, aber ein fan war ich nie. gelegentlich stolperte ich auf youtube über sendungsausschnitte, und gelegentlich war das eben okay. während ich von letterman und ferguson nie genug bekommen konnte, reichten mir die schnipsel von colbert. bei kimmel finde ich das ganz ähnlich, haut mich meistens nicht von den socken.
im letzten halben jahr war ich allgemein zunehmend genervt von der verwurstung und länglichen aufbereitung von trumps schwachsinn. ich finde es natürlich grandios, dass trump so dünnhäutig ist, dass er von witzen über ihn genervt ist und sich nicht zu schade ist, mit seinen kleinen händen zurückzuboxen und seine speichelleckenden untergebenen auf colbert, kimmel und sonstwen, der oder die es wagt, sich über ihn lustig zu machen, zu hetzen. ich habe keine lust mehr, donald trump überhaupt noch aufmerksamkeit zu schenken.
ich habe ein bisschen das gefühl, dass aufmerksamkeit für donald trump das ist, was zeit für die grauen männer in momo ist. in michael endes erzählung können die grauen männer den menschen die zeit stehlen, indem sie die menschen davon überzeugen, zeit sparen zu müssen. wie die grauen männer mit der zeit macht donald trump mit der aufmerksamkeit, die er uns stiehlt, nichts besonderes oder sinnvolles — ausser im rampenlicht zu existieren und anderen menschen die laune oder die existenzgrundlage zu zerstören.
um bei dem bild zu bleiben: die zeit, die wir durchs sparen an die grauen männer verlieren, hält uns, genau wie die aufmerksamkeit, die wir donald trump schenken, davon ab, die zeit etwas sinnvollem zu widmen und unsere aufmerksamkeit auf etwas konstruktives, schönes, sinnstiftendes zu lenken.
jedenfalls fand ich es sehr wohltuend, stephen colbert dabei zuzusehen, wie er barack obama interviewt und sich von ihm durch obamas noch zu eröffnende presidential library center führen lässt. ex-präsidenten werden mit abstand zum amt ja ohnehin immer sympathischer, aber obama ist so sympathisch, dass ich ihn knuddeln möchte. und stephen colbert ist teilweise wirklich witzig, so witzig, dass ich ein paarmal laut lachen musste. und auf gewisse weise ist das was obama sagt auch erbaulich, optimistisch stimmend und eben nicht vollgesogen mit der endzeit- und angstinduzierenden rhetorik der populisten-faschisten, die uns seit jahren zunehmend auf allen wahrnehmungskanälen überschwemmt. deshalb: colbert bei obama fand ich sehenswert.
Kurz: Das öffentliche, textbasierte Social Media ist weiter auf dem absteigenden Ast. Für Freaks gibt es die Möglichkeit, zu bloggen, aber insgesamt verschiebt sich das Ganze dann doch eher in die privaten Kanäle.
je länger ich über das ins-internet-schreiben, neue kommunikationsformen oder öffentliche und private kanäle sozialer kommunikation nachdenke, desto mehr frage ich mich ob wir das mit den „privaten kanälen“ nicht eklatant falsch einschätzen, bzw. das potenzial dieses öffentlich nicht besonders gut sichtbaren kommunikationskanals unterschätzen.
ich würde zum beispiel behaupten, dass sich die reichweite öffentlicher „leitmedien“ wie faz, spiegel, zeit oder bild über die letzten 30 jahre gar nicht mal so krass verändert hat. ja, die werbeeinnahmen sind ins internet diffundiert, aber wenn man sich abo-zahlen aus den 90er jahren ansieht, dann mögen medien wie der spiegel oder die bild zwar die eine oder andere debatte geprägt haben, aber das — wie auch jetzt — mit einer relativ geringen reichweite im vergleich zu bewegtbild, audio oder „privaten“ kanälen.
oder anders gesagt: text war schon immer ein nischenphänomen. und diese privaten kanäle wurden wahrscheinlich auch schon immer ein bisschen unterschätzt. um meine steile these weiter auszubauen: während sich die reichweiten der „öffentlichen“ kanäle in den letzten 30 jahren nicht wirklich signifikant verändert haben, haben die privaten kanäle in den letzten jahren einerseits viel an sichtbarkeit, aber auch an effizienz gewonnen.
ich erinnere mich an die jamba-geschichte von spreeblick vor > 20 jahren (wie die zeit vergeht!). johnny haeusler schrieb damals wenig schmeichelhaftes über das geschäftsmodel des klingelton-anbieters jamba und die geschichte ging viral. ich erinnere mich aber auch daran, dass eine der treibenden kräfte hinter der viralität des spreeblick-artikels damals im dunkeln lag, also besucher nicht hauptsächlich von anderen blogs oder webseiten kamen, sondern aus dem „nichts“. die geschichte wurde ganz offenbar vor allem über „private kannäle“ verbreitet, also via email oder messenger (icq, aim).
diese „dunkle“ (also nicht ohne weiteres trackbare) vernetzung durch „private kanäle“ sollte man gerade in der heutigen (sozial-) medienlandschaft nicht unterschätzen. ob wir freaks, also ins internetschreibende, da eine signifikante rolle spielen ist eine ganz andere frage (höchtswahrscheinlich nicht).
Die Welt: „Der Artikel beschreibt, wie günstige Drohnen die klassische militärische Überlegenheit in der Luft verändern. Während teure Abwehrsysteme wie die MIM-104 Patriot Millionen kosten, sind einfache Drohnen extrem billig – wodurch Angriffe wirtschaftlich im Vorteil sind.
ich bin ja ein großer freund der behauptung, dass viele entwicklungen und phänomene unserer zeit eigentlich gar nicht neu sind, sondern altbekannte vorgänge in neuem anstrich oder mit anderem technologischem unterbau. ohne hier eine besondere expertise vortäuschen zu wollen: kriege sind, soweit ich es mitbekommen habe, noch nie alleine mit technologischer oder ökonomischer übermacht zu gewinnen gewesen. das haben die amerikaner in vietnam erfahren, nur dass der vietkong dort statt drohnen menschen eingesetzt hat, um das ökonomische gleichgewicht des krieges zu seinen gunsten zu kippen.
wo kriegsherren (das wort braucht man derzeit wahrscheinlich nicht zu gendern) oder der widerstand gegen invasoren heute drohnen einsetzen, wurden früher menschenschwärme oder sabotageakte genutzt. in afghanistan und im irak waren improvisierte sprengfallen der widerstandsgruppen die drohnen der 2000er; die kamikazeflieger der japaner im zweiten weltkrieg sind die konzeptionellen urgroßväter der heutigen drohnen. drohnen sind in diesem sinne die konsequente fortführung von guerilla-taktiken mit digitalen mitteln.
es bleibt — mehr oder weniger — auch beim krieg alles beim alten: krieg ist scheisse und im prinzip auch nicht zu gewinnen. ökonomisch lohnt sich der scheiss kaum noch und zivilisatorisch oder moralisch sowieso nicht. egal wie übermächtig man sich fühlt, egal wie „günstig“ drohnen oder widerstand auch sind oder werden: am ende ist der preis von krieg immer um ein vielfaches höher als der wert des friedens vorher. nur leider erinnern sich die entscheidenden deppen da nie dran.
sehr gute app enmpfehlung von eay.cc: On This Day Rewind die app macht nicht viel anderes als fotos anzuzeigen die in den vorjahren dieses tages aufgenommen wurden (und in der iphone bildmediathek sind). 365 × x tage sind zwar ein her zufälliger, willkürlicher parameter, aber immer gut um eine erinnerung zu wecken. hier auf wirres.net habe ich diese funktion auch in jeder artikel-beilage.
… und das führt mich dann zum beispiel zu posts wie diesem von vor genau 10 jahren:
If Donald Trump replaces Obama it only further proves Orange Is The New Black
Ich bekomme immer mal wieder Rückmeldungen, von wegen: dein Newsletter ist ja ganz interessant, aber viiieel zu lang. Wer soll das alles denn lesen?
Ali Hackalife macht sich deswegen die Mühe, jeden Newsletter einzulesen, als Service. Für 5 Euro pro Monat kann man sich den Krasse Links Newsletter jetzt als Podcast abonnieren (Ali und ich teilen uns die Einnahmen). Krasse Links No 79 ist bereits im Kasten.
zuerst dachte ich: toll, wenn jemand sich bereitfindet etwas als service für mich zu lesen. dann, als ich verstand, dass der service nicht bedeutet, dass ali hackalife texte für mich liest, sondern krasse links vorliest, damit ich sie mir anhören kann, da dachte ich: wäre doch praktisch wenn sich das jemand für mich anhören könnte und dann eine zusammenfassung davon schreiben könnte, damit ich mir das nicht alles selbst anhören muss.
ich denke jetzt aber, dass es das einfachste ist, wenn ich die krassen links von mspro selbst lese. zumal ich das gerne mache.
Das Thema ist vor allem deshalb wichtig, weil Speicher gerade extrem teuer und knapp geworden ist und man mit derlei Techniken größere Modelle in wesentlich weniger RAM pressen kann.
erinnert mich an die alten zeiten, als es noch den „RAM Doubler“ auf dem mac gab:
RAM Doubler compressed less-used memory contents of background applications, and recovered free memory for use by the foreground application. Only when all free physical memory was occupied, would it start writing swap files to disk, like virtual memory.
die stelle an der thomas knüwer in seinem bericht aus austin über nicht so autonome roboter schreibt und ein video von einem ferngesteuereten rizzbot einbettet, hatte ich schon in seinem newsletter gelesen. hier schrieb er nun:
Oberflächlich betrachtet, ist die Zukunft in Austin schon da. Selbstfahrende Waymo-Taxis gibt es en masse, eine Hand voll von Tesla sind auch in der Stadt, der Konzern präsentierte (stehend, nicht fahrend) sein erstes Robotaxi. Auch begegnen einem ständig die Lieferroboter des heimischen Unternehmens AVRide, dass bald ebenfalls autonom fahrende Taxis auf Basis des Hyundai Ioniq 5 anbieten will.
Und dann begegnet einem der Rizzbot, der Passanten duschbeleidigt und einem vorbeirollenden Bierbike (hier sind die Dinger also gelandet) den Mittelfinger zeigt:
Allein, man darf nicht zu genau hinschauen. Dann blättert die glänzende Zukunftsfassade ab: [youtube direktlink]
Natürlich wurde der Rizzbot ferngesteuert, sein Lenker war nur wenige Meter entfernt.
Das Tesla-Robotaxi ist niemals in dieser Gestalt brauchbar für den Taxi-Betrieb.
Die Zahl der Unfallmeldungen für Robotaxis lässt in Austin Stimmen laut werden, ob man ihren Einsatz nicht wieder verbieten sollte.
Wer ein Waymo nutzt, kommt oft nicht dort an, wo er gerne würde. Meines setzte mich 3 Gehminuten vom Ziel ab, mein WG-Mitbewohner Richard kam auf 6 Minuten.
das video hatte ich mir noch nicht angesehen. mir fiel dazu spontan ein: nicht nur der rizzbot wurde ferngesteuert, sondern auch einen bewaffneter sicherheitsmann, der dem rizzbot auf schritt und tritt folgte. ausserdem: erstaunlich wie elegant und federnd das teil läuft. und, wenn die fernsteuerung gut gemacht wird, können ferngesteuerte roboter grandios, unterhaltsam und tatsächlich schlagfertig sein: siehe geoff peterson.
und ich dachte (wieder), dass wir ganz offensichtlich noch weit weg von autonomen robotern sind, aber potenziell voll im goldenen zeitaltzer der zentauren.
den artikel habe ich nur überflogen und zwischenüberschriften gelesen, einerseits weil ich web-pessimistisches nicht besonders gerne lese (auch wenn die beschriebenen gefahren alle real sind) und andererseits weil mir das was ich las zu raunend war.
aber wirklich bemerkenswert fand ich, dass das aufmacherbild in anil dashs artikel wie die tunnel von colin furze aussehen.
Ich finde, wir sollten nicht mehr von sozialen Medien reden, denn es geht ja gar nicht mehr um unser soziales Umfeld, also darum, wem wir folgen. Wir sehen das, was uns dem Algorithmus zufolge interessiert und unsere Aufmerksamkeit möglichst lange bindet. Deshalb finde ich den Begriff algorithmische Medien treffender. Und die bevorzugen eben polarisierende, zugespitzte Inhalte.
den artikel kann man bei christoph-koch.net und brandeins.de nicht zuende lesen ohne zu bezahlen, aber das interview zeigt, dass es sich lohnen könnte nochmal geld für die brandeins auszugeben.
wenn ich böse wäre, würde ich schreiben: thomas knüwer arbeitet jetzt für die republica und braucht offenbar geld. bin ich aber nicht mehr (böse), nur noch doof. tatsächlich finde ich das was thomas knüwer hier macht ein interessantes experiment: er fährt nach texas zur sxsw und statt nur drüber zu bloggen, schreibt er einen täglichen newsletter für den er auf steady um etwas finanzielle unterstützung bittet.
steady hat sich zu einem kleinen moloch entwickelt. über steady kann man die titanic, das plötzblog, übermedien, rivva und 2.833 andere projekte oder „Medienmacher:innen“ unterstützen. meinen newsletter hätte ich dort auch eingerichtet, unterstütze steady rss-zu-newsletter-konvertierung. stattdessen habe ich mir dort auch eine „unterstützerseite“ eingerichtet, auf der man sich ein gutes (3 €/monat), sehr gutes (5 €/monat) oder super gutes gefühl (10 €/monat) kaufen kann. das dort eingenomme geld würde ich dann auch wiederum dafür verwenden mir ein gutes gefühl zu kaufen — obwohl ich bezweifle dass das versprechen von guten gefühlen viele interessenten findet.
thomas knüwers newsletterangebot hingegen scheint interesse zu wecken. nach einem tag bereits 40 zahlende mitglieder. ich finde die transparenz die steady bietet (wenn der oder die medienmachende das will) sehr lobenswert und bin gespannt wie das experiement ausgeht, auch wenn ich kein grosser fan von bezahlschranken bin und auch für schrankenlose angebote zahlen würde.
ich habe zuerst nur die zitate gelesen, die volker weber aus barbara geyers text extrahiert hat und eine replik im kopf formuliert. dann fiel mir auf, dass das äusserst denkfaul ist und las barbara geyers text. der text gefiel mir, aber meine replik bleibt die gleiche. einer der hauptgedanken in barbara geyers text ist dieser:
Ich nenne dieses Phänomen die KI-Fachkompetenzschwelle. Eine Grenze des Vorwissens, unterhalb derer KI-Nutzung nicht nur wirkungslos wird, sondern kontraproduktiv.
kritisches denken allein reiche nicht, man müsse schon substanzielles wissen mitbringen, um KI produktiv, nutzbringend zu nutzen — sagt barbara geyer. ich würde darauf antworten, dass das auch alles eine haltungsfrage ist. für mich ist der weg zu wissen neugier, also eine haltung (so wie kritisches denken auch eine haltung ist). neugier führt dazu, dass ich mich mit einfachen antworten, egal woher die kommen, nicht zufrieden gebe, sondern verstehen möchte und im besten fall etwas so tief verstehen möchte, dass ich es selbst machen oder anderen erklären kann.
wer neugierig ist gibt sich nicht mit wohlklingenden antworten eines lehrers, professors, eltern, buchs, videos oder einer KI zufrieden. neugier inspiriert zum tiefer, weiter fragen. dummerweise kann man neugier nicht (wirklich) lehren (oft im gegenteil), neugier kann man aber wecken, entfachen.
witzigerweise habe ich gerade heute beim morgenspaziergang an meinen kunstlehrer in der siebten oder achten klasse zurückgedacht. herr schiefer hiess er und alles was er uns an aufgaben antrug, entfachte neugier und aha-erlebnisse in mir. wir haben graustufenbilder aus punkten gemalt, benutzbare stühle aus pappe gebaut, dioramen im schuhakarton mit gucklöchern gebastelt.
bei herrn schiefer habe ich kein kritisches denken beigebracht bekommen, aber er hat neugier in mir geweckt, die dann auf dem weg auch kritisches denken ausbildete und dann langfristig zu einer anhäufung grösstenteils unnützen wissens in mir geführt hat.
was ich sagen will: wenn man KI nur zur generierung von antworten nutzt, wird ki schnell kontraproduktiv. wenn man KI zur generierung weiterer fragen nutzt kann man mit KI unterstützung sehr viel lernen.
ja, man könnte sein blog auch zuhause hosten. wojtek powiertowski zeigt wie er es macht. ich finde das wahnsinnig interessant, aber bin froh dass es auch anders geht.
heiko ist auf dem richtigen weg: man muss seinem RSS sehr viel aufmerksamkeit und liebe schenken um damit die aufmerksamkeit der RSS lesenden (ein bisschen) zu belohnen. denn RSS leser und leserinnen sind die besten und treuesten begleiter aller die ins internet schreiben.
dieses video könnte man durchaus als KI 101 bezeichnen. der gast dieser folge startalk mit neil degrasse tyson und seinen beiden sidekicks ist geoffrey hinton, der letztes jahr für seine grundlagenforschung zu neuronalen netzwerken den physik nobelpreis bekommen hat. er erklärt ein paar der grundlagen kündtlicher neuronaler netzwerke und warum er denkt dass KIs bereits denken. zu den grundlagen fand ich folgendes faszinierend:
das menschliche gehirn hat ungeführ 100 trillionen (noronale) verbindungen. wenn man das mit dem zeitraum den wir leben vergleicht (um die 2,5-3 milliarden sekunden), kann man sagen: wir haben sehr viele verbindungen, aber wenig erfahrung.
bei den neuronalen netzen die wir derzeit zu bauen imstnde sind ist das umgekehrt. sie haben ca. 1 milliarde verbindungen (viele LLMs haben sehr viel weniger weniger), was ungefähr 1% der verbindungen sind, die menschen haben. dafür haben diese künstlichen neuronalen netze und LLMs viele tausend mal mehr erfahrenungen.
die grenzen an die heutuge LLMs stossen hängen (laut geoffrey hinton) vor allem damit zusammen, dass sie auf erfahrungen basieren die wir aufgeschrieben haben. eine go KI, die aus erfahrungen echter go-experten/meister gelernt hatte, war immer etwas schlechter als die menschlichen experten. unschöagbar wurden diese KI-systeme als sie anfingen gegen sich selbst zu spielen, sich ihre erfahrungen also selbst beigebracht haben. das dürfte auch de weg sein, wie LLMs klüger werden, meint geoffrey hinton.
wirklich sehenswert, wenn man KI abseits des hypes und gegen-hypes etwas besser verstehen möchte.
der artikel ist hinter der spiegel-bezahlwand, aber ich habe das gerne gelesen und hätte lust die hälfte des artikels hier zu zitieren. besonders faszinierend, wie grönland, oder allgemein die arktis und antarktis uns die grenzen unserer modernen welt und technologie zeigen.
»Grönland ist ein fremder Planet aus Eis«, sagt Rasmussen […] Rasmussen mag es nicht, wenn Leute sagen, man könne die Hunde, die Schlitten und die Soldaten bald durch Drohnen, Schneemobile und Helikopter ersetzen. Drohnen bräuchten Akkus, die sich in der Kälte entladen. Schneemobile würden zwischen den Felsen stecken bleiben, Helikopter bräuchten Benzin, unter arktischen Bedingungen könnten sie etwas mehr als eine Stunde in eine Richtung fliegen, bevor sie umkehren müssten, sonst ginge ihnen der Sprit aus.
patroullien mit menschen und hunden hingegen funktionieren ganz gut. sie sind oft monatelang unterwegs.
Der Einsatz bei Sirius dauert gewöhnlich zwei Jahre, es gibt in dieser Zeit keine Heimatbesuche. Manche Veteranen nehmen nach ihrer Rückkehr in wenigen Wochen 15 Kilo zu, da sie sich noch genauso fettreich ernähren wie in der Arktis. Zwei Jahre draußen, sagt Mikkelsen, und man brauche zwei Jahre, um wieder anzukommen. In Grönland hatte er nichts gebraucht außer Essen, Schlaf, Gemeinschaft. Zurück in der Zivilisation, fehlte alles, und zugleich war alles zu viel. Man könne kein Leben mehr führen wie davor. Nach Grönland, sagt Mikkelsen, fange man wieder von vorn an.
monatelang im nichts unterwegs sein, in absoluter stille, in absoluter freiheit und immer kurz davor, dass einen die natur umbringt.
Die Stille, sagt Mikkelsen, sei so stark, dass sie lärmt, dass man davon aufwache. Man höre den eigenen Atem, das Atmen der Hunde, irgendwann das Blut im Kopf. Gedanken kommen zur Ruhe, weil es keine Impulse von außen gibt.
das erschreckende an KI scheint mir in erster linie zu sein, dass es menschen und formen gibt die sich tatsächlich auf die antworten und schlussfolgerungen dieser systeme verlassen und die entscheidungen dieser systeme von menschen nicht überstimmt (oder nchvollzogen) werden können. damit scheinen wir einen kritischen kipppunkt zu überschreiten und legen bereits jetzt potenziell existenzielle entscheidungen in die hände von black boxes. damit kafkaeskisieren wir die welt mindestens um den faktor 2.
ich weiss nicht was ich faszinierender findeen soll: dass es fürher schon uhren gab, die man im Dunkeln ablesen konnte oder die mechanik dieser uhr.
die ersten paar staffeln for all mankind fand ich überragend gut. staffel 4, mit dem schlecht gealterten ed baldwin war zwar nicht schlecht, nervte mich aber zunehmend mit überdramatisierungen und überflüssigen, schlecht nachvollziehbaren schlenkern. dieser teaser deutet an, dass die macher der serie gefallen am überdramatisieren gefunden haben. eigentlich soll ein teaser ja lust auf eine serie machen, mir hat es die lust auf die fünfte stafel gleich verdorben. ich werde es aber wohl trotzdem schauen.
eine website auf der man ohne anmeldung, auch mobiil, einfach bilder hochladen kann sie geotaggen kann. find ich gut, nicht weil ich dem ordnungsamt gerne müll melden würde, sondern, weil das technisch brilliant simpel gelöst ist. so wie like buttons auch funktionieren sollten — ohne eine datenspur zu hinterlassen oder einen login erfordern sollten — kann man hier einfach bilder hochladen. eigentlich ist das indieweb.
den artikel steht hinter der bezahlschranke, aber die frage „Wird man krank, wenn man mit nassen Haaren rausgeht?“ lässt sich kurz und knapp beantworten: nein.
andrew von @theartofstirytelling erklärt nachvollziehbar warum manche geschichten von star trek zeitlose klassiker sind, die in der oberliga der erzählkunst mitspielen. und in einem 5 sekunden-schlenker zeigt er auch, warum das bei den aktuellen inkarnationen der serie oft nicht mehr funktioniert: die funktionieren oft deshalb nicht, weil sie die moralischen konflikte zu offensichtlich und zu eindeutig präsentieren. gute geschichten fordern ihr publikum heraus, indem sie nachvollziehbare gegensätze zeigen und die grenzen zwischen richtig und falsch ausloten.