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Blogs sind ein wenig aus der Mode gekommen und damit auch die Lesungen, die noch vor zwanzig Jahren zahlreich in verschiedenen Städten stattgefunden haben. Aber es gibt sie noch, die Menschen, die seit über zwanzig Jahren ins Internet schreiben, weshalb es Zeit wird, dass die Bloggenden wieder live vorlesen und zwar in München.

re­tro find ich (in die­sem fall) gut. die lo­ca­ti­on hört sich sen­sa­tio­nell an. im box-ring le­sen. und vor­le­sen find ich auch gut und wo heut­zu­ta­ge ja an­geb­lich nei­mand mehr selbst liest passt das ja auch wie die faust aufs auge. ich wür­de ger­ne hin, wenn mün­chen nicht so weit weg wäre.


bris­tol stuhl­for­men­ska­la

felix schwenzel in notiert

fri­da hat ei­nen emp­find­li­chen darm. bei je­der fut­ter­um­stel­lung kriegt sie dünn­schiss — bis sich ir­gend­wann ihre ver­dau­ung sta­bi­li­si­ert. es gibt auch vie­le ge­mü­se und fleisch­sor­ten an die sie sich nicht ge­wöhnt. we­gen fri­das fra­gi­ler ver­dau­ung ist die qua­li­tät von fri­das stuhl­gang ein stän­di­ges the­ma zwi­schen mir und der bei­fah­re­rin.

nor­ma­le men­schen wür­den nach dem mor­gen­spa­zier­gang be­rich­ten: „ka­cki war su­per“ (oder die kon­sis­tenz be­schrei­ben, wenns nicht so su­per war). ich kann mir na­ür­lich nicht ver­knei­fen je­den tag den glei­chen gag zu ma­chen: „ka­cki war su­per! [kur­ze pau­se] das von fri­da auch!“

na­tür­lich ist der ei­gent­li­che gag die wie­der­ho­lung und die kon­sis­tenz der dar­bie­tung.

je­den­fallls ist das ka­cki von fri­da seit mo­na­ten bom­big gut. mor­gens kom­men zu­erst fes­te köt­tel raus (ich nen­ne sie „den pfrop­fen“) und danch wei­te­re würs­te mit im­mer wei­cher wer­den­der kon­sis­tenz. sie kackt sich so­zu­sa­gen je­den mor­gen auf der bris­tol-stuhl­for­men­ska­la1 von typ 1 bis typ 4.

bristol stuhlformenskala in wissen macht ah!

auf das the­ma bin ich heu­te ge­kom­men, weil john gru­ber hims­elf heu­te (oder ges­tern) auch über ka­cke ge­schrie­ben hat:

My first thought upon re­a­ding this was, What a load of shit. Then I rea­li­zed, well, yes, li­te­ral­ly.

der load of shit sind äus­se­run­gen zu er­näh­rung und stuhl­gang von sean o’mara die in ei­nem NYT-ar­ti­kel zi­tiert wer­den.

At one point in our con­ver­sa­ti­on he pul­led up the Bris­tol Stool Chart, which ran­ges from Type 1 (“se­pa­ra­te, hard pel­lets”) to Type 7 (“wa­tery, no so­lid pie­ces”). O’Mara is con­sis­t­ent­ly de­li­ve­ring Type 4 (“smooth, soft, like a sna­ke”), with poin­ted ends, in­di­ca­ti­ve of he­alt­hy rec­tal func­tion, he told me. “When you start ea­ting he­alt­hy, you don’t need toi­let pa­per,” he clai­med. “Ani­mals in the wild have no re­si­du­al stool on their anus.

seit ich mei­ne er­näh­rung auf zu­cker­frei, viel ge­mü­se, TK-obst, sehr we­nig fleisch, viel öl, hül­sen­früch­te, röst­aro­men und um­a­mi um­ge­stellt habe, kann ich o'­ma­ras be­ob­ach­tung teil­wei­se be­stä­ti­gen, muss ihr aber zu­gleich hef­tig wi­der­spre­chen: die stuhl­gän­ge ei­ni­ger wild­tie­re in den reh­ber­gen ha­ben hun­dert­pro­zen­tig spu­ren an de­ren anus­sen hin­ter­las­sen!


glei­ches, aber an­de­res the­ma: ganz stimmt „kein zu­cker“ na­tür­lich nicht. seit dem se­maglut­id ist mein ap­pe­tit auf süs­ses meis­tens non­e­xis­tenz, bzw. lässt sich (ab­sur­der­wei­se) mit ein paar ge­sal­ze­nen nüs­sen wirk­sam stil­len, soll­te er mal kurz auf­flam­men. und der milch­zu­cker in mei­ner mor­gen­lat­te mei­nem mor­gen­kaf­fee mit milch ist na­tür­lich auch zu­cker, ganau­so wie der zu­cker in man­chen asia­ti­schen sau­cen die ich ge­le­gent­lich noch be­nut­ze. aber ich schei­ne mich vom zu­cker ex­trem ent­wöhnt zu ha­ben, wie ich kürz­lich merk­te als das kind, das ge­ra­de zu be­such war, uns und sei­ner freun­din ein paar mac­a­rons back­te. na­tür­lich muss­te ich ei­nen pro­bie­ren. er war sehr le­cker, aber da­nach habe ich zum ersten­mal seit mo­na­ten ma­gen­schmer­zen be­kom­men.


  1. den link auf die „wis­sen macht ah!“ pdf hab ich aus ei­nem ar­ti­kel von 2016 ge­prö­kelt. die way­back-ma­chi­ne-ver­si­on hält so­gar noch das ein­ge­bet­te­te mp4 der sen­dung über ex­kre­men­te ab­spiel­be­reit vor. ↩︎


pho­to­chro­me

felix schwenzel in notiert

über die­sen re-toot auf die­sen bei­trag …

… auf der web­site der pho­to­chrom-dru­cke-samm­lung der konhgress-bi­blio­thek ge­lan­det und in ein rab­bit hole ge­fal­len. ei­ner­seits kam mir das ir­gend­wie be­kannt vor und tat­säch­lich, vor 10 jah­ren war ich schon­mal in die­sem rab­bit hole.

da­mals hab ich die pho­to­chrom-dru­cke in der wi­ki­me­dia durch­stö­bert und ein paar paa bil­der raus­ge­an­gelt.

in der kon­gress bi­blio­thek kann man die pho­to­chrom-samm­lung durch­su­chen, zum bei­spiel nach aa­chen oder ber­lin. die samm­lung um­fasst so um die 6500 di­gi­ta­li­sier­te dru­cke.


un­ter den lin­den, zwi­chen ca. 1890 und 1900 (quel­le)

an dem bild oben fin­de ich fas­zi­nie­rend, dass un­ter den lin­den wie in ei­nem al­ten wes­tern aus­sieht. was ja auch nicht völ­lig ab­we­gig ist, weil es die glei­che epo­che ist, so um die vor­letz­te jahr­hun­dert­wen­de. und wenn man sich den goog­le street­view aus der glei­chen per­spek­ti­ve an­schaut, fällt ei­ner­seits auf, dass die ver­meint­lich his­to­ri­schen stras­sen­la­ter­nen zu­min­dest nicht die ver­si­on aus den 1890ern imi­tie­ren und dass heu­te deut­lich we­ni­ger pfer­de­ge­span­ne un­ter­wegs sind als da­mals.

vik­to­ria­park ber­lin zwi­schen ca. 1890 und 1900 (quel­le)

die­ses bild vom was­ser­fall im vik­to­ria­park set­ze ich mir hier als re­min­der ir­gend­wann ein foto aus der glei­chen per­spek­ti­ve zu ma­chen. ob­wohl die­ses bild schon ziem­lich nah dran kommt.


aus dem ma­schei­nen­raum von waxy.org; andy baio hat sein supercut.org renoviert, bzw. wie­der­be­lebt.

auf su­per­cut.org ver­liert man sich schnell. ich hate schon fast vet­ges­sen, wie ger­ne ich so­was mag.

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Wie erfüllend so Nichts sein kann
Wie eine grosse, leere Kirche ist es hier – einfach ohne Gott (oder mit Gott, das ist wohl eine in­di­vi­du­el­le An­ge­le­gen­heit)
Das blosse Hiersein ist erholsam wie ein Sau­na­be­such – einfach ohne die Hitze

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[Lindsay Ems] schreibt: „Mir wurde klar, dass die Amish der Tech­no­lo­gie gegenüber ei­gent­lich neutral ein­ge­stellt sind. Es ist für sie zweit­ran­gig, worum es sich bei einer neuen Tech­no­lo­gie handelt oder wie sie funk­tio­niert; ent­schei­dend ist für sie, welche Aus­wir­kun­gen ihre Ein­füh­rung auf die Ge­mein­schaft hätte.“

kaf­fee­rin­ge denkt darüber nach was wir über tech­no­lo­gie-nutzung von den amish lernen könnten. le­sens­wert auch der artikel von lindsay ems mit dem titel How the Amish Let Tech­no­lo­gy in Without Letting It Take Over:

I became less intrigued by Amish rest­ric­tions on tech­no­lo­gy than by the social world they sought to preserve and protect with those rest­ric­tions. In the end, I came to realize that the Amish are, in fact, tech­no­lo­gy-agnostic. They do not care much about what a new tech­no­lo­gy is or how it works; they care about what its adoption would mean for the sur­roun­ding community.

lind­say ems buch über die amisch ist schon et­was äl­ter (2022), auch wenn der ar­ti­kel auf mit­press.mit neu ist. lei­der schei­nen die in­hal­te des buchs be­reits ein biss­chen ver­al­tet zu sein. so schreibt ems über den ser­vice pc­f­ree­mail, mit dem ei­ni­ge amish per fax emails schrei­ben und emp­fan­gen wür­den. den ser­vice gibts al­ler­dings nicht mehr — nur noch auf ar­chi­ve.org.

aber dar­um gehts ja nicht, son­dern eben dar­um, dass man sich fra­gen soll­te/könn­te, wel­che aus­wir­kun­gen tech­no­lo­gie auf die ge­mein­schaft hat. auch wir nicht amish tun das ja, man den­ke nur an die dis­kus­sio­nen um das so­cial me­dia ver­bit für ju­gend­li­che oder neil post­mans buch von anno da­zu­mal über die aus­wir­kun­gen von fern­se­hen auf die ge­sell­schaft. wo­bei wir als nicht amisch uns schon län­ger dazu ent­schie­den ha­ben, dass es ok ist, wenn tech­no­lo­gie un­se­re ge­sell­schaft ver­än­dert.

ab­ge­se­hen da­von, das ist ein schö­nes bei­spiel, dass re­li­gö­se ge­bo­te durch­aus auch et­was für un­re­li­gö­se men­schen be­reit­hal­ten kön­nen. die drei C’s fin­de ich gut: da­nach stre­ben ein vor­bild zu sein, kri­tik an­neh­men und für ei­ge­ne feh­ler ein­ste­hen.

One of my clo­sest Amish cont­acts was Noah, a 57-year-old en­tre­pre­neur and self-de­scri­bed “tech­no­lo­gy buff.” Noah hims­elf was a mi­nis­ter yet used a smart­pho­ne, email, and text mes­sa­ges, and even had a Face­book ac­count. His usa­ge was ani­ma­ted by the th­ree C’s: con­vic­tion (mo­de­ling the right be­ha­vi­or), con­fes­si­on (as­king others to hold you ac­coun­ta­ble), and con­tri­ti­on (be­ing wil­ling to own up to your mista­kes). “Whe­ther or not you use a tech­no­lo­gy is less im­portant than how you use it,” he told me.

jetzt habe ich endlich mal ein pro-argument für pixelfed gehört, dass ich verstehe:

Mastodon kann ja immer nur die ersten vier davon anzeigen, aber Pixelfed kann mit mehr Bildern umgehen.

trotzdem: nur um mehr als vier bilder ins fediverse posten zu können werde ich mir kein pixelfed-konto zulegen. zumal die probleme die steffen hier be­schreibt und die ihn zum umzug bewogen haben, genau die gleichen sind, denen ich auch aus dem weg gehen möchte.

„wir“ wundern uns ja immer über im­mi­gran­ten die trump wählen oder der afd nahe stehen. so nach dem motto: „verstehen die nicht, dass sie sich damit selbst schaden?“

wenn politiker hingegen ver­schär­fun­gen des straf- oder zi­vil­rechts fordern sind wir auch oft zu schnell an bord. po­pu­lis­mus funk­tio­niert, weil wir immer irgendwie denken, dass wir nicht mit­ge­meint sind, dass ver­schär­fun­gen und frei­heits­ein­schrä­kun­gen uns bestimmt nie betreffen werden. ich finde die wie­der­keh­ren­den for­de­run­gen scharf zu dif­fe­ren­zie­ren von thomas fischer teilweise auch sehr an­stren­gend und ge­le­gent­lich bräsig, aber genauso finde ich sie wichtig und richtig. macht ja sonst kaum noch jemand.

Zwei alte Bücher mit Bukowski-Kurz­ge­schich­ten gefunden. Habe mal durch­ge­blät­tert; ich glaube nicht, dass ich das Zeug heute noch lesen möchte. In Zeiten des Her­an­wach­sens war Charles Bukowski für viele eine große Sache. Anti-bür­ger­lich, verkommen und sowohl gegen rechte als auch gegen linke Lehrer zu ge­brau­chen.

da stimme ich zu und das erinnert mich an das was ma­xi­mil­li­an bud­den­bohm gerade neulich schrob:

Kurz kam mir auch wieder die Er­in­ne­rung daran, wie ich mit den Söhnen, als sie noch klein waren, einen ver­meint­lich lustigen Film aus meiner Kindheit sehen wollte, mit Bud Spencer und Terence Hill. Denn was hatten wir gelacht damals! In den ersten Minuten des Films wurden dann Frauen und Kinder ge­schla­gen, wurde ohne Gurt Auto gefahren, wurde beim Fa­mi­li­en­es­sen geraucht und gesoffen. Ich hatte so viel spontanen Er­klä­rungs­be­darf, wir haben den Film dann nicht wei­ter­ge­se­hen. Zumal auch keine einzige der Pointen bei den Söhnen funk­tio­nier­te.

Tempi passati, das gilt oft auch für den Humor der Zeit.

ver­gan­ge­ne zeiten indeed.


frag­men­te bloggt wie­der. min­des­tens dreis­sig tage lang will sie das ma­chen. ich bin si­cher, sie wird da­nach wei­ter­ma­chen. ich habe nie auf­ge­hört und doch vier jah­re kaum bis nichts ins in­ter­net ge­schrie­ben. zu­min­dest kei­ne längreen tex­te. ich war be­schäf­tigt mit hun­de­er­zie­hung und brot ba­cken und heim­au­to­ma­ti­sie­rung — und doch: ge­le­gent­lich muss­te ich die ein­drü­cke aus mei­nem le­ben tei­len. das hab ich dann vier jah­re lang haupt­säch­lich auf in­sta­gram ge­macht.

was ich sa­gen will: das le­ben ist auch schön ohne blog­gen. aber mit blog­gen ist es in­ter­es­san­ter. ich habe das ge­fühl blog­gen zwingt mich auf mehr, auf an­de­ren ebe­nen zu den­ken. das den­ken struk­tu­riert sich an­ders, mein in­ne­rer mo­no­log be­kommt eine zu­sätz­li­che stim­me die ver­sucht er­leb­tes an­ders auf­zu­ar­bei­ten, als wenn ich es nur für mei­nen in­ne­ren mo­no­log auf­ar­bei­ten wür­de.

nor­ma­ler­wei­se, beim ein­schla­fen, wenn mein be­wusst­sein lang­sam in den hin­ter­grund tritt und mein un­ter- oder ne­ben- oder au­to­nom-be­wusst­sein lang­sam die bil­der und ge­dan­ken in mei­nem kopf über­nimmt, sehe ich luft­bil­der. im wahrs­ten sin­ne des wor­tes. ich sehe schwarz mit leucht­punk­ten, so als ob man nachts mit dem flug­zeug in ei­ner gros­sen stadt lan­det (und da­bei aus dem fens­ter schaut). eine wei­te dunk­le ebe­ne, die mit licht­punk­ten ge­spickt ist. das flie­gen ist nicht das the­ma, es geht auch nichts um licht oder die dun­kel­heit. es ist of­fen­bar ein­fach ein bild das be­ru­hi­gend auf mich wirkt.

ges­tern sah ich beim ein­schla­fen ei­nen klee­tep­pich auf ei­ner wie­se. in den letz­ten ta­gen be­trach­te­te ich auch im wach­zu­stand sehr vie­le klee­tep­pi­che auf wie­sen und ver­such­te — im lang­sa­men ge­hen — vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu se­hen. seit meh­re­ren ta­gen ver­geb­lich — aber nicht um­sonst. auch die­se klee­tep­pi­che die ich im über­gangs­zu­stand zwi­schen wach und un­wach sah hat­ten auch eine be­ru­hi­gen­de und be­frie­di­gen­de wir­kung. aber ob­wohl ich ei­gent­lich beim ein­schla­fen war, dach­te ich im glei­chen mo­ment, kurz vor dem weg­däm­mern, dar­über nach ob und wie ich das wohl ins in­ter­net schrei­ben könn­te.

ich mag es, wie mein vor­satz re­gel­mäs­sig ins in­ter­net zu schrei­ben mei­ne wahr­neh­mung ver­än­dert. ge­nau des­halb mag ich es auch, wie mein vor­satz wei­te­re vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu fin­den, auch mei­nen blick auf die welt ver­än­dert.

je­den­falls lese ich das was frag­men­te ins in­ter­net schreibt sehr ger­ne. ges­tern zum bei­spiel über ur­laub.

Vor fünf­zehn Jah­ren habe ich an­ge­fan­gen zu ar­bei­ten, also au­ßer­halb der aka­de­mi­schen Welt, in ei­nem An­ge­stell­ten­ver­hält­nis, und ich habe seit­her nicht mehr auf­ge­hört. Erst hat­te ich 26, dann 28 und mitt­ler­wei­le 30 Ta­gen Jah­res­ur­laub. Aber mehr als drei Wo­chen am Stück hat­te ich nie frei.

Es fehlt mir. Die­se lan­gen, stau­bi­gen, hei­ßen Tage. Plä­ne im­mer nur bis über­mor­gen. Ein Ba­de­an­zug, ir­gend­was drü­ber, San­da­len und seit Wo­chen kei­ne So­cken. Schwimm­bad­pom­mes und Cor­net­to-Eis und Gum­mi­tie­re. Mit dem Fahr­rad un­ter­wegs. Gril­len­zir­pen und Ra­sen­spren­ger.

Es war so nie, au­ßer in mei­ner Er­in­ne­rung. Trotz­dem.

mir ist ur­laub egal. un­se­ren letz­ten cam­ping­ur­laub vor 10 jah­ren ha­ben wir ir­gend­wann ab­ge­bro­chen und ha­ben zu­hau­se ge­merkt, dass es viel er­hol­sa­mer und schö­ner ist, zu­hau­se ur­laub zu ma­chen. ge­le­gent­lich ma­chen wir noch (kur­ze) städ­te­rei­sen, be­su­chen freun­de oder ver­wan­de­te an­ders­wo oder ver­brin­gen ei­nen tag am strand. aber drei wo­chen am stück weg von den anehm­lich­kei­ten und rou­ti­nen zu­hau­se? fin­den wir mitt­ler­wei­le bei­de schreck­lich. auch der hund sperrt sich da­ge­gen an­ders­wo als zu­hau­se zu ent­span­nen.

mei­ne ar­beits­kol­le­gin­nen müs­sen mich je­des jahr dazu drän­gen mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen. ei­ner­seits fin­den sie es prak­tisch, dass ich mir über weih­nach­ten und zwi­schen den jah­ren kei­nen ur­laub neh­me, an­de­rer­seits ist es ner­vig wenn ich im no­vem­ber noch mit mehr als 20 ta­gen ur­laub da sit­ze. um mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen nehm ich mir dann wo­chen­lang ei­nen tag pro wo­che frei. das struk­tu­riert die wo­che ganz in­ter­es­sant. so kann man aus ei­ner wo­che zwei wo­chen mit zwei wo­chen­en­den (ei­nem lan­gen und ei­nem kur­zen) ma­chen:

mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.

ich ar­bei­te ger­ne. aber ich stel­le mir si­sy­phos auch als glück­li­chen men­schen vor. kürz­lich dach­te ich ei­nen ge­dan­ken wie­der, den ich als kind schon öf­ter dach­te; mit et­was ab­stand be­trach­tet ist es ei­gent­lich schon ein biss­chen ab­surd dass wir uns 20 bis 30 jah­re aus­bil­den las­sen um dann 5 × 8 stun­den pro wo­che die fä­hig­kei­ten un­se­res aus­ge­bil­de­ten ge­hirns an ei­nen ar­beit­ge­ber zu ver­mie­ten. an­de­rer­seits ist es ge­nau so ab­surd den gan­zen tag durch die sa­van­ne zu lat­schen und nüs­se und wur­zeln zu su­chen, um die dann zu ver­spei­sen, zu schla­fen und dann, nach dem auf­ste­hen, wie­der nach nüs­sen und wur­zeln oder nach we­ni­ger gut aus­ge­bil­de­ten tie­ren zu su­chen.

aber mit et­was ab­stand be­trach­tet ist ja wohl al­les ein biss­chen ab­surd. drei­ein­halb mil­li­ar­den jah­re evo­lu­ti­on, drei­hun­dert­tau­send jah­re mensch­heits­ge­schich­te da­mit ich hier auf dem sofa sit­zen kann und über die ab­sur­di­tät der welt laut nach­den­ken kann.


john­ny ist im­mer noch auf sub­stack (statt auf spree­blick), war auf der CSD trau­er­ver­an­stal­tung, hat ein bild-fern­seh­team ge­se­hen, still ge­gen die bild pro­tes­tiert und ist vi­ral ge­gan­gen.


wir sa­gen ja ger­ne: „ver­ar­schein kann ich mich selbst“. ich be­zweif­le das schon län­ger und mei­ne über­zeu­gung, dass wir gar nicht mal so gut da­drin sind uns selbst ge­zielt was vor­zu­ma­chen, wur­de heu­te si­gni­fi­kant ge­stärkt. aus­ser­dem bin ich jetzt der mei­nung, dass die­se fä­hig­keit in der tat wün­schens­wert ist.

be­reits ges­tern bin ich we­gen ja­son kott­ke über ein se­hens­wer­tes vi­deo von da­vid epstein ge­stol­pert. kott­ke schrieb:

BTW, Epstein just star­ted his You­Tube chan­nel a few months ago, but it’s al­re­a­dy fil­led with gre­at stuff like Why The Fas­test Way To Im­pro­ve Is To Sub­tract, Why The Smar­test Peo­p­le I Know Set Cons­traints, Not Goals, and Why The Best Kids Are Ra­re­ly The Best Adults. I’ve got some cat­ching up to do.

ich habe heu­te auch „some cat­ching up“ ge­tan und bin sehr an­ge­tan von epsteins vi­de­os. „Why The Fas­test Way To Im­pro­ve Is To Sub­tract“ an­zu­se­hen hat sich al­lein schon we­gen die­ses zi­tats gel­lohnt:

I don’t need time.
What i need is a dead­line.
Duke El­ling­ton

im vi­deo spricht da­vid epstein vor al­lem über ei­nen ko­gni­ti­ven bias den psy­cho­lo­gen „ad­di­ti­ve bias“ oder „sub­trac­ti­ve ne­gle­ct“ nen­nen. wir ten­die­ren dazu pro­ble­me durch hin­zu­fü­gen von et­was zu lö­sen und tun uns oft schwer da­mit pro­blem­lö­sun­gen in be­tracht zu zie­hen, die et­was ent­fer­nen.

zum bei­spiel: bes­ser fer­tig wer­den mit we­ni­ger zeit, statt mehr. die bei­spie­le die er im vi­deo auf­zählt und il­lus­triert sind ein­gän­gig und über­zeu­gend. und das was er er­zählt und wie er es rü­ber­bringt macht ei­nen gros­sen bo­gen um die üb­li­chen selbst­op­ti­mie­rungs tipps & tricks und geht eher in die rich­tung: guck mal wie an­de­re sich ef­fi­zi­ent und er­folg­reich selbst ma­ni­pu­lie­ren („selbst ver­ar­schen“).

als ich dann wei­ter im ka­nal rum­schau­te und mir „I Stu­di­ed Eli­te Per­for­mers For 20 Ye­ars So You Don't Have To“ an­sah (was sich vom ti­tel her schon ein biss­chen „tsch­ak­ka!“ an­hört), merk­te ich, dass ich vie­le der me­tho­den die da­vid epstein auf­zähl­te und mit bei­spie­len il­lus­trier­te, schon seit ewig­kei­ten prak­ti­zie­re. ich bin zwar weit da­von ent­fernt „eli­te per­for­mer“ in ir­gend­was zu sein, aber ich kann mitt­ler­wei­le be­quem auf kom­man­do ein­schla­fen, habe mein le­ben du­trchri­tu­li­si­ert und ver­su­che mir durch ri­tua­le und ge­wohn­hei­ten so viel men­ta­le mi­cro-las­ten zu er­spa­ren wie mög­lich.

aus­ser­dem er­zäh­le ich al­len im­mer wie­der, dass ich der fes­ten über­zeu­gung bin, dass man in der aus­bil­dung oder bes­ser auf dem weg zum be­ruf, den man ir­gend­wann mal aus­übt, kei­ne zeit ver­schwen­den kann. um­we­ge, er­fah­run­gen in mög­lichst vie­len be­rei­chen — auch zum bei­spiel gas­tro­no­mie — kom­men ei­nem in je­dem be­ruf zu gute. epstein be­stärkt so vie­le mei­ner über­zeu­gun­gen, dass ich schon fast fürch­te hier op­fer ei­nes har­ten falls von con­fir­ma­ti­on bias zu sein.

sei­ne schluss­wor­te il­lus­trie­ren ganz gut wie un­dog­ma­tisch und frisch er an sei­ne the­men geht:

None of that re­al­ly sounds like con­ven­tio­nal pro­duc­ti­vi­ty ad­vice. Some of it sounds like quite the op­po­si­te. And that, I think, is the point. The peo­p­le who per­form at the hig­hest le­vel across all the fields that I've stu­di­ed or been in­vol­ved with have fi­gu­red out so­me­thing that the rest of us, I think, of­ten re­sist, at least for a while. Peak per­for­mance does­n't come from grin­ding har­der. It co­mes from un­der­stan­ding how you and your mind and your rhyth­ms ac­tual­ly work and de­sig­ning ha­bits and en­vi­ron­ments that work with ra­ther than against them. The weir­dest sound­ing ha­bit on this list, it may ac­tual­ly turn out to be the one that ch­an­ges how you work.

oder an­ders ge­sagt: statt selbst­dis­zi­plin und schuff­te­rei muss man nur gute wege fin­den sich ge­schickt selbst zu ver­ar­schen um krea­ti­vi­tät und neu­gier und spass am tun aus sich her­aus zu lo­cken.


schön fand ich auch die klei­nen de­tails; in ei­nem vi­deo spricht er von vin­cent van gogh (und sei­nen „long win­ding path“) zu dem be­ruf, der ihn be­rühmt mach­te, und il­lus­triert das eben nicht mit ei­nem der be­kann­ten selbst­por­traits die wir sonst im­mer se­hen, wenn von van gogh ge­spro­chen wird.

auch schön: im vi­deo von da­vid epstein fie­len zum teil die glei­chen be­grif­fe, wie in die­sem vi­deo von ralph cas­pers (de­fault mode net­work). das hat­te ich kurz vor­her ge­se­hen und mich ge­freut, wie das zu­sam­men­spiel von you­tube-al­go­rith­mus, blog­emp­feh­lun­gen und zu­fall ei­nen ge­le­gent­lich — mit wechs­len­den per­spek­ti­ven — zu den glei­chen the­men führt.


nor­ma­ler­wei­se bin ich kein fan von schlecht­ge­laun­ten blogs. bei un­sto­ry bin ich ir­gend­wie hän­gen­ge­blie­ben. die­se sei­te hat­te ich jetzt ein paar tage als of­fe­nen brow­ser-tab:

Few months ago Cloud­fla­re in­tro­du­ced Mark­down for ma­chi­nes:

You get HTML, tra­ckers, coo­kie ban­ners, po­pups, and Ja­va­Script. This needs a brow­ser built by thou­sands of en­gi­neers just to show you a pa­ra­graph.

Ma­chi­nes get the clean ver­si­on.

fair point, auch weil es mei­nem con­fir­ma­ti­on bias dient. heu­te hab ich mal ein biss­chen wei­ter auf un­sto­ry ge­le­sen. das ist al­les sehr schlecht ge­launt aber auch nicht falsch.

ich wür­de die fra­ge war­um web­brow­ser mark­down nicht na­tiv un­ter­stüt­zen (bzw. ren­dern)  …

Web brow­sers are not do­cu­ment view­ers. They are cus­to­mer ac­qui­si­ti­on chan­nels for mas­si­ve tech eco­sys­tems. They don't ser­ve users, but cor­po­ra­ti­ons. AI fea­tures, VPNs, cryp­to wal­lets, and count­less of other non­sen­se.

… zum be­si­pi­el an­ders be­ant­wor­ten: weil es noch kei­nen be­darf da­für gab und „wir“ erst jetzt drauf ge­kom­men sind beim nach­den­ken dar­über wie wir es ma­schi­nen leich­ter ma­chen kön­nen. das sagt der mensch hin­ter un­sto­ry an an­de­rer stel­le auch (ir­gend­wie):

The peo­p­le buil­ding the hu­man web cho­se the ma­chi­ne for­mat. The ma­chi­nes mo­ved to the hu­man for­mat.

das ei­gent­li­che pro­blem scheint zu sein, dass wir kom­ple­xen pro­ble­me ger­ne mit kom­ple­xen lö­sun­gen be­geg­nen und den blick fürs ein­fa­che ver­lie­ren. manch­mal ist ein per­spek­tiv­wech­sel hilf­reich um ein­fa­che lö­sun­gen zu er­ken­nen. die per­spek­ti­ve von men­schen oder ma­schi­nen ein­zu­neh­men, die be­stimm­te kom­ple­xe din­ge nicht kön­nen, ist auf je­den fall im­mer hilf­reich.

je­den­falls neh­me ich den rat von un­sto­ry.eu an und fol­ge ihm nicht, hof­fe aber alle paar wo­chen dar­an zu den­ken mal dort vor­bei zu schau­en.

(ge­fun­den auf bubbles)

nach­trag:

Posts ap­pear and di­s­ap­pear. ASCII text, Eng­lish. No ar­chi­ve, no nost­al­gia. I don't pre­ser­ve things out of cour­te­sy.

tat­säch­lich ver­schwin­den die sei­ten dort ge­le­gent­lich …


durch rené zum ers­ten mal von in­the­weights.com ge­hört und auch aus­pro­biert.

in­the­weights.com fragt den ein­ge­ge­be­nen na­men bei meh­re­ren LLMs ab und ex­tra­hiert ir­gend­ei­ne me­trik und lis­tet auf, was die mo­del­le zum na­men zu sa­gen ha­ben. sieht aus sei­en GPT-5.5, GPT-5.4-mini und clau­de opus 4.8 nah dran, wäh­rend clau­de hai­ku 4.5 mich schon zum jour­na­lis­ten hal­lu­zi­niert und gem­ni 3.1 lite zum „lang­jäh­ri­gen“ co-au­toren von nerd­core macht. Deep­Seek V4 sieht mich gar als mit­grün­der von netz­po­li­tik.

GPT-5.5 says
Ger­man blog­ger, web de­ve­lo­per, and in­ter­net per­so­na­li­ty as­so­cia­ted with the blog wir­res.net.

GPT-5.4 Mini says
Ger­man blog­ger and web de­ve­lo­per, known for wri­ting on tech­no­lo­gy, start­ups, and in­ter­net cul­tu­re.

Clau­de Opus 4.8 says
Ger­man blog­ger and wri­ter known for his blog 'wir­res.net', ac­ti­ve in the Ger­man-lan­guage blogos­phe­re and in­ter­net cul­tu­re sce­ne.

Clau­de Hai­ku 4.5 says
Ger­man jour­na­list and me­dia pro­fes­sio­nal, though li­mi­t­ed pu­blic re­co­gni­ti­on wi­t­hout ad­di­tio­nal con­text.

Ge­mi­ni 3.1 Lite says
A Ger­man blog­ger, aut­hor, and long-time con­tri­bu­tor to the tech and cul­tu­re blog Nerd­core.

Kimi K2 0905 says
Ger­man blog­ger and co-foun­der of the me­dia blog 'wir­res.net', known for tech and in­ter­net cul­tu­re com­men­ta­ry.

Deep­Seek V4 says
Ger­man jour­na­list and aut­hor, known for tech and me­dia com­men­ta­ry, co-foun­der of netz­po­li­tik.org.

of­fen­sicht­lich und ab­ge­se­hen da­von mag ich die spiel­au­to­ma­ten-schrift von in­the­weights.com sehr. und ei­gent­lich mag ich pi­xel-bil­der von „TO­DAY’S HEA­VY­WEIGHTS“ auf der start­sei­te auch, ich bin ja schliess­lich mit nem C64 auf­ge­wach­sen.

pixeliertes bild von felix schwenzel (ki generiert)

aber das was GPT auf mei­ne auf­for­de­rung hin aus die­sem bild ge­macht hat, ist selbst für mich et­was dick auf­ge­tra­gen. fas­zi­nie­rend ist ein­zig, dass für das bild 256×256 pi­xel rei­chen.


den bes­ten ar­ti­kel zu künst­li­cher in­tel­li­genz hab ich heu­te von chris­ti­an stö­cker ge­le­sen.

Micah Nathan bringt am Mas­sa­chu­setts Institute of Tech­no­lo­gy Leuten das kreative Schreiben bei [und berichtet]: Alle in seinem Workshop hatten KI zum kreativen Schreiben benutzt, was er an ihren Texten merkte. Manche gestanden es trä­nen­reich und sogar voller Selbst­ekel. Seine Schluss­fol­ge­rung: »Die Gefahr besteht nicht darin, dass die KI Autoren ersetzen oder meinen Workshop über­flüs­sig machen wird. Die Gefahr ist, dass die Stu­die­ren­den sich daran gewöhnen, die Reibung zu über­sprin­gen, die vorher ihren Schreib­pro­zess sichtbar machte.«

chris­ti­an stö­cker bringt das pro­blem mit der künst­li­chen in­tel­li­genz auf ei­nen pas­sen­den nen­ner aus der ko­gni­ti­ven psy­cho­lo­gie:

den »ko­gni­ti­ven Geiz­kra­gen«. In Kurz­form: Wir stren­gen un­ser Ge­hirn un­gern an. Wenn wir nicht müs­sen, las­sen wir es lie­ber.

die­se denk und lern­faul­heit zu über­win­den loh­ne sich, weil ler­nen, üben oder die „Rei­bung“ der denk­pro­zes­se zu über­win­den eben be­frie­di­gung ver­schaf­fen und tü­ren öff­nen. chris­ti­an stö­cker und wahr­schein­lich auch die ko­gni­ti­ve psy­cho­lo­gie plä­die­ren da­für sich mehr an­zu­stren­gen, bzw. we­ni­ger be­quem zu sein:

Dem ko­gni­ti­ven Geiz­kra­gen nach­zu­ge­ben und in­tel­lek­tu­el­les Out­sour­cing zu be­trei­ben, mag zwar be­quem sein, es macht aber we­der klug noch zu­frie­den.

ich wür­de ger­ne „neu­gier“ er­gän­zen. ich ma­che din­ge nicht selbst um selbst­dis­zi­plin zu üben, son­dern meist um mei­ne neu­gier zu be­frie­di­gen. raus­zu­fin­den wie et­was ge­nau funk­tio­niert kann ich am bes­ten in­dem ich es selbst ma­che. und selbst ma­chen er­for­dert ler­nen, üben und wie­der­ho­lung.

ich habe auch ir­gend­wann er­kannt, dass ich ge­se­he­nes oder ge­le­se­nes bes­ser ver­ste­he und mehr da­von habe, wenn ich drü­ber schrei­be. ei­gent­lich wür­de ich jetzt auch lie­ber auf dem sofa sit­zen und die neue fol­ge house of the dra­gon gu­cken als auf dem sofa zu sit­zen und über chris­ti­an stö­ckers ko­lum­ne nach­zu­den­ken. aber die neu­gier, der mit­tei­lungs­drang und das be­dürf­nis nach (ein biss­chen) in­tel­lek­tu­el­ler an­er­ken­nung treibt mich zum be­dürf­nis­auf­schub. das ist auch der wah­re grund, war­um ich ein­mal pro jahr ei­nen re­pu­bli­ca vor­trag schrei­ben möch­te: um mir selbst zu be­wei­sen, dass ich in eine ma­te­rie tief ge­nug ein­stei­gen kann, ohne mich völ­lig lä­cher­lich zu ma­chen. vorraus­set­zung ist na­tür­lich, dass das the­ma, in das ich tie­fer ein­stei­gen möch­te mich auch in­ter­es­si­ert, mei­ne neu­gier weckt.

auch hier ist ein wich­ti­ger aspekt: wenn ich et­was ler­nen oder et­was sel­ber ma­chen oder selbst zu ma­chen ler­nen will, ste­cke ich oft deut­lich mehr ar­beit rein, als an­de­re für ver­nünf­tig hal­ten wür­den.


ich glau­be ste­fan nig­ge­mei­er hat auch ei­nen sehr gu­ten text über ki ge­schrie­ben. nur lei­der kann ich ihn nicht le­sen, weil ich kein SZ-abo habe.

er­satz­wei­se bie­tet er an die­sen text von am­bros waibel in der taz zu le­sen. das the­ma schöp­fung­hö­he oder tie­fe im jour­na­lis­mus geht mir schon lan­ge im kopf rum. con­stan­tin seibt hat mal ge­schrie­ben:

Das Kon­zept von kom­pri­mier­ter Zeit ist auch das der Grund, war­um Leu­te gern le­sen: Sie ma­chen ein blen­den­des Ge­schäft. In ei­ner Mi­nu­te ha­ben sie eine Stun­de frem­de Denk­ar­beit oder mehr ge­won­nen.

das ge­fühl „kom­pri­mier­te Zeit“ zu kon­su­mie­ren habe ich bei klas­si­chen jour­na­lis­ti­schen pro­duk­ten im­mer we­ni­ger. oft spü­re ich die­ses phä­no­men aber in be­stimm­ten you­tube-ka­nä­len, wo nicht nur mit neu­en ar­ten der in­for­ma­ti­ons-dar­rei­chung ex­pe­ri­men­tiert wird, son­dern eben auch merk­lich viel denk­ar­beit in­ves­tiert wird. das kann auch da­mit zu tun ha­ben, dass er­folg­rei­che you­tube-ka­nä­le das pro­blem der fi­nan­zie­rung ge­löst ha­ben (wenn auch auf eine sehr pre­kä­re oder un­nach­hal­ti­ge art) und des­halb kräf­tig in re­cher­che und krea­ti­on in­ves­tie­ren kön­nen.

das ge­gen­teil, der man­gel an spür­ba­rer denk­ar­beit ist das, was men­schen dazu bringt sich von be­stimm­ten dar­rei­chungs­for­men ab­wen­den oder KI-ge­döns als schlam­pe­rei (slop) be­zeich­nen.

und viel­leicht …

… fragt jan­nis scha­ka­ri­an. aus­ser­dem pas­send:

Alles muss man selber machen lassen!


gu­ter, aus­führ­li­cher er­klär-ar­ti­kel von jan mon­tag über die „gute Idee“ AT­pro­to, also das pro­to­koll das hin­ter blue-, black- oder eu­ro­s­ky steckt.

[Da­mit wird] theo­re­tisch mög­lich […], dass du dei­ne Iden­ti­tät end­lich mit­neh­men kannst. Über­leg dir die Lö­schung dei­nes In­sta­gram oder Face­book oder X Ac­counts. Das wars. nicht so jetzt. Hier kann du die App wech­seln und trotz­dem al­les mit­neh­men.

auf ei­nem PDS, dem „per­so­nal data ser­ver“, sind beim AT­pro­to­koll alle da­ten ge­si­chert, in ver­schie­de­nen schich­ten, die iden­ti­tät, der so­zia­le graph, bei­trä­ge, app-da­ten. der PDS wird von je­man­dem zen­tral be­trie­ben, lässt sich aber um­zie­hen, mit al­len da­ten und (im prin­zip) auch mit dem be­nut­zer­na­men. APPs sind im prin­zip das schau­fens­ter auf die­se da­ten.

mein PDS liegt der­zeit noch bei blues­ky, in den USA. weils geht und aus prin­zip wer­de ich den in nächs­ter zeit zu eu­ro­s­ky mi­grie­ren. da­mit soll­te sich we­der et­was an mei­nem blues­ky-kon­to än­dern, noch auf ir­gend­ei­nem an­de­ren kon­to das ich mit mei­nem AT­mo­sphe­re-kon­to nut­ze (zum bei­spiel stan­dard-rea­der, blen­to, sill oder pop­feed).

so ei­nen PDS kann je­der be­trei­ben, al­ler­dings ist das ge­nau­so un­dank­bar und viel ar­beit, wie ei­nen ei­ge­nen mail- oder mast­o­don-ser­ver zu be­trei­ben:

Fö­de­ra­ti­on ist nicht schwer, weil Pro­to­kol­le schwer sind. Fö­de­ra­ti­on ist schwer, weil Be­trieb schwer ist. Up­dates, Ab­u­se, Spam, DDoS, Mo­de­ra­ti­on, recht­li­che Ge­schich­ten, Kos­ten, Back­ups – das ist nicht ro­man­tisch, das ist All­tag. Und die­ser All­tag führt fast au­to­ma­tisch dazu, dass sich wie­der zen­tra­le An­lauf­stel­len bil­den.

jans fa­zit, trotz­dem und mit ei­nem auf­ruf zur wach­sam­keit:

AT­Pro­to ist eine wirk­lich ele­gan­te Idee: Schich­ten tren­nen, Iden­ti­tät por­ta­bel ma­chen, Apps aus­tausch­bar ma­chen. Blues­ky hat da­mit ein Fens­ter ge­öff­net.

Aber Fens­ter sind nur Fens­ter. Wenn du nicht durch­gehst, wird es wie­der zu­ge­mau­ert.

und sei­ne kurz­fas­sung um den un­ter­schied zwi­schen AT­pro­to (at­mo­sphe­re) und Ac­ti­ty­Pub (fe­di­ver­se) zu er­klä­ren:

Fe­di­ver­se = „vie­le Dör­fer, Post wird zwi­schen Rat­häu­sern aus­ge­tauscht“;
AT­Pro­to = „du hast dein ei­ge­nes Haus (PDS), aber die gro­ßen Stra­ßen­kar­ten (In­dex/App­View) ent­sch­ei­den, wer dich fin­det.“

ich wür­de er­gän­zen:

fe­di­ver­se: vie­le au­to­no­me dör­fer, die sich auf ein aus­tausch­for­mat ge­ei­nigt ha­ben, die da­ten aber im dorf spei­chern.
at­mo­sphe­re: gros­se da­ten­la­ger­häu­ser die mit glas­fa­ser ver­netzt sind, an die sich dör­fer, bast­ler, werk­stät­ten oder kon­zer­ne an­do­cken kön­nen und ge­re­gel­ten zu­griff auf die la­ger­be­stän­de be­kom­men und auch selbst la­ger­flä­che an­mie­ten kön­nen. die in­hal­te (fast) al­ler la­ger­be­stän­de sind — nach be­stimm­ten re­geln — auch wie­der für alle an­de­ren zu­gäng­lich.

bei­de pro­to­kol­le ha­ben ihre vor und nach­tei­le. wir brau­chen kei­ne mo­no­kul­tu­ren, im ge­gen­teil, RSS ist nicht durch ac­ti­vi­ti­Pub über­flüs­sig ge­wor­den, stan­dard.site wird RSS auch nicht ver­drän­gen. pro­to­kol­le kön­nen ne­ben­ein­an­der exis­tie­ren, man kann brü­cken bau­en, pro­to­kol­le könn­nen zu­sam­men­wach­sen oder sich spe­zia­li­sie­ren. in bei­den ge­nann­ten pro­to­kllen ste­cken un­ge­ho­be­ne po­ten­zia­le — und das ist das ei­gent­lich span­nen­de.

ich für mei­nen teil spre­che ger­ne mit al­len. ich mag es, wenns ein biss­chen kom­pli­ziert ist.

p.s.: hier kann man jan mon­tags ar­ti­kel (wie ich) hoch­vo­ten: https://bubbles.town/ent­ry/38217373
(man muss sich nur mit sei­nem fe­di­ver­se hand­le an­mel­den)


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andrew von @the­ar­tof­stirytel­ling erklärt nach­voll­zieh­bar warum manche ge­schich­ten von star trek zeitlose klassiker sind, die in der oberliga der er­zähl­kunst mit­spie­len. und in einem 5 sekunden-schlenker zeigt er auch, warum das bei den aktuellen in­kar­na­tio­nen der serie oft nicht mehr funk­tio­niert: die funk­tio­nie­ren oft deshalb nicht, weil sie die mo­ra­li­schen konflikte zu of­fen­sicht­lich und zu eindeutig prä­sen­tie­ren. gute ge­schich­ten fordern ihr publikum heraus, indem sie nach­voll­zieh­ba­re ge­gen­sät­ze zeigen und die grenzen zwischen richtig und falsch ausloten.

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des schwä­bisch isch manchmal scho a bissle schwer zum ertraga, aber des mit de holzkohle-köhler isch echt klasse.

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wieder so ein er­klär­ba­ren­vi­deo von robwords bei dem man wieder erkennt dass irgendwie alles am pfund hängt. sogar das #.

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gleich nach­ge­kocht, auf ne art, und es war gut. vor allem gelernt: für so ein gericht ist es wirklich von vorteil alle zutaten in etwas gleich grosse stücke zu schneiden, die pfanne muss or­dent­lich heisse sein und alles ständig in bewegung bleiben. dann wird aus dem fried rice sogar ohne reis ein leckeres gericht.

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es ist kopmpli­ziert. aber fas­zi­nie­rend.

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es ist kopmpli­ziert. aber fas­zi­nie­rend.

abgesehen davon das federico viticci hier klüg über die neue siri nachdenkt (siehe zitat), hat er ein paar sehr tolle fotos an den artikel geklebt. ins­be­son­de­re das bild von john ternus und tim cook sieht so aus­ge­dacht aus, dass es fast zu promtig als wahr sein könnte. isses aber nicht.

The new Siri AI is, of course, re­mi­nis­cent of a chatbot at a surface level. And yet unlike Claude, ChatGPT, or Gemini, the chatbot is not the product here: the chatbot is merely one of the shapes the new Siri AI can take. “It’s a feature, not a product”, Jobs would quip. The new Siri uses a coll­ec­tion of LLMs to deliver a personal assistant ex­pe­ri­ence that, unlike others, can tap into the rich tapestry of device context and app data that other chatbots can’t aspire to. It can work with voice, it can work with text; it can be a glassy bubble in the Dynamic Island, and it can be an app. I saw Siri pull up messages from months prior and compare responses in tables generated on the spot. I saw Siri cross-reference an Apple note against an email and provide a useful response in about five seconds. It was Siri, but it also didn’t feel like Siri.

(via)

Be willing to say no in the face of abundance.
Be afraid to say yes and proud to say no.
Be as proud of what you didn’t do to the codebase, as what you did do to it.

They don’t just lack integrity, they don’t believe integrity is real.

Das Ge­dan­ken­spiel, was ei­gent­lich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett ego­is­tisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie über­neh­men keine Ver­ant­wor­tung für Sor­ge­ar­beit, belegen selbst­ver­ständ­lich alle Füh­rungs­po­si­tio­nen, fördern sich nur ge­gen­sei­tig. Männer be­trach­ten sie als un­gleich­wer­tig, als Lust­ob­jek­te, die hübsch anzusehen, aber nicht ernst­zu­neh­mend sind.

Selbst als Spiegel des Pa­tri­ar­chats wäre das äußerst plump und viel­leicht in den 1950ern als gelungene Satire durch­ge­gan­gen.



le­sen

felix schwenzel in notiert

vol­ker we­ber:

What an in­te­res­t­ing ar­tic­le to read, if you still can

der von vol­ker ver­link­te ar­ti­kel von ty­ler jagt hat den ti­tel: „My Stu­dents Can’t Read“ und geht dar­um, dass jede ge­ne­ra­ti­on von lehr­kräf­ten dar­über kla­gen wür­de, das ihre stu­die­ren­den nicht le­sen könn­ten. ty­ler jagt meint das sei im­mer über­trie­ben ge­we­sen, aber jetzt kön­ne man das auch mit da­ten be­le­gen.

was ich wit­zig fand: über dem ar­ti­kel ist ein play­er ein­ge­bet­tet, der da­für sor­gen soll, dass man den ar­ti­kel nicht le­sen muss, son­dern ihn sich vor­le­sen las­sen kann.

screenshot https://archive.li/WvW1F

das ist schon sehr, sehr wit­zig.

der play­er lädt über ar­chi­ve.li nicht, aber wenn man auf die ori­gi­nal­sei­te des ar­ti­kels auf chro­nic­le.com geht, kann man den ar­ti­kel we­der le­sen, noch an­hö­ren, son­dern muss sich erst­mal an­mel­den. nach der an­mel­dung konn­te ich den ar­ti­kel im­mer noch nicht le­sen, weil chro­nic­le.com woll­te, dass ich mein pi.hole de­ak­ti­vier.

das ist ein un­trüg­li­ches zei­chen für ei­nen wei­te­ren grund, dass an­geb­lich nie­mand mehr liest: weil ei­nem das le­sen zu­neh­mend schwer ge­macht wird.

es sind nicht nur die te­le­fo­ne, al­go­rith­mi­schen feeds oder LLMs, son­dern auch die un­fä­hig­keit und der un­wil­le tex­te über­haupt ab­len­k­lungs­frei zum le­sen an­zu­bie­ten.

ich muss beim la­men­tie­ren dar­über, dass nie­mand mehr le­sen kann, auch im­mer an neil post­man den­ken. der hat das ende der le­se­kul­tur schon al­les vor 40 jah­ren pos­tu­liert (SN­CNR). ein paar hun­dert jah­re vor­her wur­de das le­sen noch als schäd­lich ein­ge­stuft, zu­min­dest dann, wenn alte weis­se män­ner den le­se­text nicht für hoch­wer­tig ge­nug hiel­ten. jetzt wirds le­sen und den­ken zum „lu­xus­gut“:

In July 2025, the jour­na­list Mary Har­ring­ton argued in The New York Times that “thin­king is be­co­ming a lu­xu­ry good.”

die bild zei­tung ist jetzt über 70 jah­re alt. zu­min­dest in den 60er und 70er jah­ren hat­te die bild ein viel­fa­ches, teils ein fünf bis 20 fa­ches der auf­la­ge von zei­tun­gen und zeit­schrif­ten mit et­was län­ge­ren tex­ten und nor­mal gros­sen buch­sta­ben. ich glau­be zu be­haup­ten, dass le­sen auf eine ge­wis­se art im­mer schon ein lu­xus­gut war ist nicht über­trie­ben.

dazu kommt, dass le­sen mei­ner mei­nung nach so­wohl über­schätzt, als auch in­ter­schätzt wird. mit der fä­hig­keit zu le­sen konn­te man sich im­mer schon gros­se vor­tei­le ver­schaf­fen. oder gute un­ter­hal­tung. mitt­ler­wei­le (ei­gent­lich aber auch schon im­mer) kann man auch ohne zu le­sen vor­tei­le und wis­sen und un­ter­hal­tung so­wie­so ver­schaf­fen.

ich habe dem le­sen viel zu ver­dan­ken, aber ge­lernt habe ich ne­ben dem le­sen schon im­mer auch vi­su­ell, ver­bal oder hap­tisch. die fä­hig­keit zu den­ken oder sich aus­zu­ken­nen al­lein an le­se­be­fä­hig fest­zu­ma­chen ist auf je­den fall et­was kurz ge­grif­fen. das mag in aka­de­mi­schen oder wis­sen­schaft­li­chen be­rei­chen an­ders sein und was ty­ler jagt und di­ver­se stu­di­en be­ob­ach­ten wird im je­wei­li­gen kon­text si­cher al­les stim­men, aber vor ge­ne­ra­li­sie­run­gen soll­te man sich im­mer hü­ten (pun in­ten­ted).


die über­schrift habe ich mir bei der eule ge­borgt, bzw. beim riv­va ver­weis auf eben­die­sen ar­ti­kel. weil das was ich hier jetzt ma­che, links auf in­ter­es­san­te web­sei­ten set­zen, die ich zum le­sen emp­feh­le, ist ja in der tat nichts an­de­res als trai­nings­da­ten fürs mensch­li­che ge­hirn an­zu­bie­ten.

bei riv­va habe ich heu­te ei­nen link auf die flie­gen­den bret­ter ge­fun­den, wo über eine mög­li­che zu­cker­steu­er phi­lo­so­phiert wird: Zu­cker steu­ern?

das habe ich ger­ne ge­le­sen und dann noch ein biss­chen dort wei­ter­ge­klickt und mich dann in den links (trai­nings­da­ten fürs ge­hirn der le­sen­den) die dort an­ge­bo­ten wur­den ver­lo­ren. hän­gen­ge­blie­ben sind un­ter an­de­rem die­se bei­den:

ich kann mit theater nicht viel anfangen, das ist mir oft zu prä­ten­ti­ös und wich­tig­tue­risch. aber das was die thea­ter­re­gis­seu­rin angela richter hier über das thea­ter­pu­bli­kum resümiert, trifft ein paar relevante nägel auf den kopf.

Viel­leicht erklärt das auch, warum das Thea­ter­pu­bli­kum sich so verändert hat. Das alte Publikum war gebildet genug, sich be­lei­di­gen zu lassen. Das neue Publikum ist moralisch genug, sich bestätigt fühlen zu wollen. Das ist ein Un­ter­schied.

Die alten Sil­ber­rü­cken in den roten Samt­ses­seln hatten etwas, das heute selten geworden ist: Ge­las­sen­heit gegenüber Kunst. Sie wussten, dass Theater ein Ort der Rollen ist – nicht der mo­ra­li­schen Be­kennt­nis­se. Dass Figuren Dinge sagen dürfen, die Menschen nicht sagen würden. Dass Pro­vo­ka­ti­on kein mo­ra­li­scher Unfall ist, sondern ein äs­the­ti­sches Mittel.

(via)

aktuell für mich nicht son­der­lich nützlich, aber enthält ein paar gite bahn­fahr­tipps.

(via)

kei­ne ah­nung war­um das noch nicht der fall war, aber die flie­gen­den bret­ter sind dann gleich in mei­nem feed­rea­der (trai­nings­da­ten fürs mein ge­hirn) ge­lan­det.

ich habe das glau­be ich schon öf­ter mal hier er­zählt, dass mein feed­rea­der seit vie­len jah­ren, ei­gent­lich seit schon im­mer, mei­ne haupt­säch­li­che in­for­ma­ti­ons­quel­le ist. vie­le der feeds die ich abon­niert habe rau­schen sehr stark (z.b. cas­hys blog), aber ei­ner­seits be­kom­me ich dort stets das das mit was ich mit­be­kom­men will und zwei­tens las­sen sich ein­zel­ne ein­trä­ge in ei­ner gu­ten feed-lese-soft­ware auch ein­fach und schnell über­sprin­gen. ich habe über 400 feeds abon­niert und meis­tens eine drei­stel­li­ge zahl an un­ge­le­se­nen ein­trä­gen. aber seit jah­ren funk­tio­niert es gut, nur das oben auf­schwim­men­de zu be­ach­ten. bei mei­ner ar­beits-email-in­box ist das ge­nau­so: das wich­tigs­te schwimmt im­mer oben­auf, emails wei­ter un­ten sind meis­tens schon er­le­digt oder we­ni­ger wich­tig.

aber viel wich­ti­ger ist die­ser aspekt, der für al­les, aber eben vor al­lem für das auch im in­ter­net le­sen gilt:

As usual turns out the best re­com­men­da­ti­on algorithm is another human being with great taste!

im tech­nik­ta­ge­buch noch­mal das the­ma bahn. mir ist das ge­le­gent­lich auch auf­ge­fal­len, dass sich die sa­chen die aus zug­laut­spre­chern kom­men manch­mal falsch an­hö­ren …

Diese fehlende Prä­po­si­ti­on — die fehlt doch schon seit min­des­tens 20 Jahren in den Bahn­an­sa­gen?

… aber mitt­ler­wei­le glau­be ich mehr und mehr, dass es rich­tig oder ori­gi­nal oh­ne­hin nicht gibt. war­um soll man nur als mut­ter­sprach­le­rin die spra­che nach gut­dün­ken mo­di­fi­zie­ren dür­fen? ich den­ke mir stän­dig neue wor­te aus oder nut­ze wor­te die sich an­de­re aus­ge­dacht ha­ben und mir ge­fal­len und da­bei ist es mir egal ob das rich­tig oder kor­rekt ist. ich mag nicht „der blog“ sa­gen, aber war­um soll­te das falsch sein, nur weil ich et­was an­de­res prä­fe­rie­re oder weil man sich vor 30 jah­ren mal ei­nig war, dass es „das blog“ sei? wenn man et­was 20 jah­re lang auf eine be­stimm­te art sagt und die leu­te es ver­ste­hen und sich dar­an ge­wöhnt ha­ben, ist es viel­leicht nicht wirk­lich, wirk­lich rich­tig, aber eben auch nicht falsch.

ich bin nicht nur froh, dass spra­che sich stän­dig än­dert, ich glau­be das ist auch un­auf­halt­sam und wahr­schein­lich auch ein durch und durch un­re­gu­lier­ter de­mo­kra­ti­scher pro­zess. was vie­len ge­fällt, leicht von der zun­ge oder der fe­der geht, bleibt. was nie­mand mehr sa­gen will geht.

oder das ewi­ge ge­we­se um ori­gi­nal ita­lie­ni­sche piz­za, ech­te pas­ta bo­lo­gne­se, ori­gi­nal thai, ech­tes su­shi. al­les quark, weil alle kü­chen­sti­le der welt sich stän­dig kreuz­be­stäu­ben und fu­sio­nie­ren. was sprach­li­che oder ku­li­na­ri­sche nost­al­gi­ker ger­ne ver­ges­sen: das wah­re, das da­mals schö­ne war ir­gend­wann auch mal was ra­di­kal neu­es oder gar „falsch“ und völ­lig un­tra­di­tio­nell. et­was pa­the­ti­scher drück­te es gus­tav mahler (laut fla­vio man­zo­ni) aus:

Tra­di­ti­on ist nicht das An­be­ten der Asche, son­dern die Wei­ter­ga­be des Feu­ers.


wenn die­se ge­dan­ken­gän­ge zu kom­pli­ziert, kon­tro­vers wa­ren, die­ses vi­deo strömt eine gros­se ruhe aus. al­les fügt sich, al­les passt, al­les ist schön.


ste­phen col­bert hat nur noch ein paar wo­chen, be­vor sei­ne late-night-sen­dung ein­ge­stampft wird. ich fand sei­ne late-night-sen­dung im­mer ganz okay, aber ein fan war ich nie. ge­le­gent­lich stol­per­te ich auf you­tube über sen­dungs­aus­schnit­te, und ge­le­gent­lich war das eben okay. wäh­rend ich von let­ter­man und fer­gu­son nie ge­nug be­kom­men konn­te, reich­ten mir die schnip­sel von col­bert. bei kim­mel fin­de ich das ganz ähn­lich, haut mich meis­tens nicht von den so­cken.

im letz­ten hal­ben jahr war ich all­ge­mein zu­neh­mend ge­nervt von der ver­wurs­tung und läng­li­chen auf­be­rei­tung von trumps schwach­sinn. ich fin­de es na­tür­lich gran­di­os, dass trump so dünn­häu­tig ist, dass er von wit­zen über ihn ge­nervt ist und sich nicht zu scha­de ist, mit sei­nen klei­nen hän­den zu­rück­zu­bo­xen und sei­ne spei­chel­le­cken­den un­ter­ge­be­nen auf col­bert, kim­mel und sonst­wen, der oder die es wagt, sich über ihn lus­tig zu ma­chen, zu het­zen. ich habe kei­ne lust mehr, do­nald trump über­haupt noch auf­merk­sam­keit zu schen­ken.

ich habe ein biss­chen das ge­fühl, dass auf­merk­sam­keit für do­nald trump das ist, was zeit für die grau­en män­ner in momo ist. in mi­cha­el en­des er­zäh­lung kön­nen die grau­en män­ner den men­schen die zeit steh­len, in­dem sie die men­schen da­von über­zeu­gen, zeit spa­ren zu müs­sen. wie die grau­en män­ner mit der zeit macht do­nald trump mit der auf­merk­sam­keit, die er uns stiehlt, nichts be­son­de­res oder sinn­vol­les — aus­ser im ram­pen­licht zu exis­tie­ren und an­de­ren men­schen die lau­ne oder die exis­tenz­grund­la­ge zu zer­stö­ren.

um bei dem bild zu blei­ben: die zeit, die wir durchs spa­ren an die grau­en män­ner ver­lie­ren, hält uns, ge­nau wie die auf­merk­sam­keit, die wir do­nald trump schen­ken, da­von ab, die zeit et­was sinn­vol­lem zu wid­men und un­se­re auf­merk­sam­keit auf et­was kon­struk­ti­ves, schö­nes, sinn­stif­ten­des zu len­ken.

je­den­falls fand ich es sehr wohl­tu­end, ste­phen col­bert da­bei zu­zu­se­hen, wie er ba­rack oba­ma in­ter­viewt und sich von ihm durch oba­mas noch zu er­öff­nen­de pre­si­den­ti­al li­bra­ry cen­ter füh­ren lässt. ex-prä­si­den­ten wer­den mit ab­stand zum amt ja oh­ne­hin im­mer sym­pa­thi­scher, aber oba­ma ist so sym­pa­thisch, dass ich ihn knud­deln möch­te. und ste­phen col­bert ist teil­wei­se wirk­lich wit­zig, so wit­zig, dass ich ein paar­mal laut la­chen muss­te. und auf ge­wis­se wei­se ist das was oba­ma sagt auch er­bau­lich, op­ti­mis­tisch stim­mend und eben nicht voll­ge­so­gen mit der end­zeit- und angst­in­du­zie­ren­den rhe­to­rik der po­pu­lis­ten-fa­schis­ten, die uns seit jah­ren zu­neh­mend auf al­len wahr­neh­mungs­ka­nä­len über­schwemmt. des­halb: col­bert bei oba­ma fand ich se­hens­wert.


jo­han­nes kuhn (via):

Kurz: Das öf­fent­li­che, text­ba­sier­te So­cial Me­dia ist wei­ter auf dem ab­stei­gen­den Ast. Für Freaks gibt es die Mög­lich­keit, zu blog­gen, aber ins­ge­samt ver­schiebt sich das Gan­ze dann doch eher in die pri­va­ten Ka­nä­le.

je län­ger ich über das ins-in­ter­net-schrei­ben, neue kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men oder öf­fent­li­che und pri­va­te ka­nä­le so­zia­ler kom­mu­ni­ka­ti­on nach­den­ke, des­to mehr fra­ge ich mich ob wir das mit den „pri­va­ten ka­nä­len“ nicht ekla­tant falsch ein­schät­zen, bzw. das po­ten­zi­al die­ses öf­fent­lich nicht be­son­ders gut sicht­ba­ren kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nals un­ter­schät­zen.

ich wür­de zum bei­spiel be­haup­ten, dass sich die reich­wei­te öf­fent­li­cher „leit­me­di­en“ wie faz, spie­gel, zeit oder bild über die letz­ten 30 jah­re gar nicht mal so krass ver­än­dert hat. ja, die wer­be­ein­nah­men sind ins in­ter­net dif­fun­diert, aber wenn man sich abo-zah­len aus den 90er jah­ren an­sieht, dann mö­gen me­di­en wie der spie­gel oder die bild zwar die eine oder an­de­re de­bat­te ge­prägt ha­ben, aber das — wie auch jetzt — mit ei­ner re­la­tiv ge­rin­gen reich­wei­te im ver­gleich zu be­wegt­bild, au­dio oder „pri­va­ten“ ka­nä­len.

oder an­ders ge­sagt: text war schon im­mer ein ni­schen­phä­no­men. und die­se pri­va­ten ka­nä­le wur­den wahr­schein­lich auch schon im­mer ein biss­chen un­ter­schätzt. um mei­ne stei­le the­se wei­ter aus­zu­bau­en: wäh­rend sich die reich­wei­ten der „öf­fent­li­chen“ ka­nä­le in den letz­ten 30 jah­ren nicht wirk­lich si­gni­fi­kant ver­än­dert ha­ben, ha­ben die pri­va­ten ka­nä­le in den letz­ten jah­ren ei­ner­seits viel an sicht­bar­keit, aber auch an ef­fi­zi­enz ge­won­nen.

ich er­in­ne­re mich an die jam­ba-ge­schich­te von spree­blick vor > 20 jah­ren (wie die zeit ver­geht!). john­ny haeus­ler schrieb da­mals we­nig schmei­chel­haf­tes über das ge­schäfts­mo­del des klin­gel­ton-an­bie­ters jam­ba und die ge­schich­te ging vi­ral. ich er­in­ne­re mich aber auch dar­an, dass eine der trei­ben­den kräf­te hin­ter der vi­ra­li­tät des spree­blick-ar­ti­kels da­mals im dun­keln lag, also be­su­cher nicht haupt­säch­lich von an­de­ren blogs oder web­sei­ten ka­men, son­dern aus dem „nichts“. die ge­schich­te wur­de ganz of­fen­bar vor al­lem über „pri­va­te kan­nä­le“ ver­brei­tet, also via email oder mes­sen­ger (icq, aim).

die­se „dunk­le“ (also nicht ohne wei­te­res track­ba­re) ver­net­zung durch „pri­va­te ka­nä­le“ soll­te man ge­ra­de in der heu­ti­gen (so­zi­al-) me­di­en­land­schaft nicht un­ter­schät­zen. ob wir freaks, also ins in­ter­net­schrei­ben­de, da eine si­gni­fi­kan­te rol­le spie­len ist eine ganz an­de­re fra­ge (höchts­wahr­schein­lich nicht).


Die Welt: „Der Artikel be­schreibt, wie günstige Drohnen die klas­si­sche mi­li­tä­ri­sche Über­le­gen­heit in der Luft verändern. Während teure Ab­wehr­sys­te­me wie die MIM-104 Patriot Millionen kosten, sind einfache Drohnen extrem billig – wodurch Angriffe wirt­schaft­lich im Vorteil sind.

ich bin ja ein großer freund der be­haup­tung, dass viele ent­wick­lun­gen und phänomene unserer zeit ei­gent­lich gar nicht neu sind, sondern alt­be­kann­te vorgänge in neuem anstrich oder mit anderem tech­no­lo­gi­schem unterbau. ohne hier eine besondere expertise vor­täu­schen zu wollen: kriege sind, soweit ich es mit­be­kom­men habe, noch nie alleine mit tech­no­lo­gi­scher oder öko­no­mi­scher übermacht zu gewinnen gewesen. das haben die ame­ri­ka­ner in vietnam erfahren, nur dass der vietkong dort statt drohnen menschen ein­ge­setzt hat, um das öko­no­mi­sche gleich­ge­wicht des krieges zu seinen gunsten zu kippen.

wo kriegs­her­ren (das wort braucht man derzeit wahr­schein­lich nicht zu gendern) oder der wi­der­stand gegen invasoren heute drohnen einsetzen, wurden früher men­schen­schwär­me oder sa­bo­ta­ge­ak­te genutzt. in af­gha­ni­stan und im irak waren im­pro­vi­sier­te spreng­fal­len der wi­der­stands­grup­pen die drohnen der 2000er; die ka­mi­ka­ze­f­lie­ger der japaner im zweiten weltkrieg sind die kon­zep­tio­nel­len ur­groß­vä­ter der heutigen drohnen. drohnen sind in diesem sinne die kon­se­quen­te fort­füh­rung von guerilla-taktiken mit digitalen mitteln.

es bleibt — mehr oder weniger — auch beim krieg alles beim alten: krieg ist scheisse und im prinzip auch nicht zu gewinnen. öko­no­misch lohnt sich der scheiss kaum noch und zi­vi­li­sa­to­risch oder moralisch sowieso nicht. egal wie über­mäch­tig man sich fühlt, egal wie „günstig“ drohnen oder wi­der­stand auch sind oder werden: am ende ist der preis von krieg immer um ein viel­fa­ches höher als der wert des friedens vorher. nur leider erinnern sich die ent­schei­den­den deppen da nie dran.

sehr gute app enmp­feh­lung von eay.cc: On This Day Rewind
die app macht nicht viel anderes als fotos an­zu­zei­gen die in den vorjahren dieses tages auf­ge­nom­men wurden (und in der iphone bild­me­dia­thek sind). 365 × x tage sind zwar ein her zu­fäl­li­ger, will­kür­li­cher parameter, aber immer gut um eine er­in­ne­rung zu wecken. hier auf wirres.net habe ich diese funktion auch in jeder artikel-beilage.

… und das führt mich dann zum bei­spiel zu posts wie die­sem von vor ge­nau 10 jah­ren:

If Do­nald Trump re­places Oba­ma it only fur­ther pro­ves Oran­ge Is The New Black

Ab­di­noor² (@ab­di­noorx231.03.2016 23:11

ursprünglich veröffentlicht am 11.04.2016



Das Thema ist vor allem deshalb wichtig, weil Speicher gerade extrem teuer und knapp geworden ist und man mit derlei Techniken größere Modelle in we­sent­lich weniger RAM pressen kann.

erinnert mich an die alten zeiten, als es noch den „RAM Doubler“ auf dem mac gab:

RAM Doubler com­pres­sed less-used memory contents of back­ground ap­pli­ca­ti­ons, and recovered free memory for use by the fo­re­ground ap­pli­ca­ti­on. Only when all free physical memory was occupied, would it start writing swap files to disk, like virtual memory.

bleibt irgendwie alles immer gleich.

die stelle an der thomas knüwer in seinem bericht aus austin über nicht so autonome roboter schreibt und ein video von einem fern­ge­steu­er­eten rizzbot einbettet, hatte ich schon in seinem news­let­ter gelesen. hier schrieb er nun:

Ober­fläch­lich be­trach­tet, ist die Zukunft in Austin schon da. Selbst­fah­ren­de Waymo-Taxis gibt es en masse, eine Hand voll von Tesla sind auch in der Stadt, der Konzern prä­sen­tier­te (stehend, nicht fahrend) sein erstes Robotaxi. Auch begegnen einem ständig die Lie­fer­ro­bo­ter des hei­mi­schen Un­ter­neh­mens AVRide, dass bald ebenfalls autonom fahrende Taxis auf Basis des Hyundai Ioniq 5 anbieten will.

Und dann begegnet einem der Rizzbot, der Passanten dusch­be­lei­digt und einem vor­bei­rol­len­den Bierbike (hier sind die Dinger also gelandet) den Mit­tel­fin­ger zeigt:

Allein, man darf nicht zu genau hin­schau­en. Dann blättert die glänzende Zu­kunfts­fas­sa­de ab: [youtube di­rekt­link]

  • Natürlich wurde der Rizzbot fern­ge­steu­ert, sein Lenker war nur wenige Meter entfernt.
  • Das Tesla-Robotaxi ist niemals in dieser Gestalt brauchbar für den Taxi-Betrieb.
  • Die Zahl der Un­fall­mel­dun­gen für Robotaxis lässt in Austin Stimmen laut werden, ob man ihren Einsatz nicht wieder verbieten sollte.
  • Wer ein Waymo nutzt, kommt oft nicht dort an, wo er gerne würde. Meines setzte mich 3 Geh­mi­nu­ten vom Ziel ab, mein WG-Mit­be­woh­ner Richard kam auf 6 Minuten.

das video hatte ich mir noch nicht angesehen. mir fiel dazu spontan ein: nicht nur der rizzbot wurde fern­ge­steu­ert, sondern auch einen be­waff­ne­ter si­cher­heits­mann, der dem rizzbot auf schritt und tritt folgte. ausserdem: er­staun­lich wie elegant und federnd das teil läuft. und, wenn die fern­steue­rung gut gemacht wird, können fern­ge­steu­er­te roboter grandios, un­ter­halt­sam und tat­säch­lich schlag­fer­tig sein: siehe geoff peterson.

und ich dachte (wieder), dass wir ganz of­fen­sicht­lich noch weit weg von autonomen robotern sind, aber po­ten­zi­ell voll im goldenen zeit­al­t­zer der zentauren.

den artikel habe ich nur über­flo­gen und zwi­schen­über­schrif­ten gelesen, ei­ner­seits weil ich web-pes­si­mis­ti­sches nicht besonders gerne lese (auch wenn die be­schrie­be­nen gefahren alle real sind) und an­de­rer­seits weil mir das was ich las zu raunend war.

aber wirklich be­mer­kens­wert fand ich, dass das auf­ma­cher­bild in anil dashs artikel wie die tunnel von colin furze aussehen.


Ich finde, wir sollten nicht mehr von sozialen Medien reden, denn es geht ja gar nicht mehr um unser soziales Umfeld, also darum, wem wir folgen. Wir sehen das, was uns dem Al­go­rith­mus zufolge in­ter­es­siert und unsere Auf­merk­sam­keit möglichst lange bindet. Deshalb finde ich den Begriff al­go­rith­mi­sche Medien tref­fen­der. Und die be­vor­zu­gen eben po­la­ri­sie­ren­de, zu­ge­spitz­te Inhalte.

den ar­ti­kel kann man bei chris­toph-koch.net und brand­eins.de nicht zu­en­de le­sen ohne zu be­zah­len, aber das in­ter­view zeigt, dass es sich loh­nen könn­te noch­mal geld für die brand­eins aus­zu­ge­ben.


wenn ich böse wäre, würde ich schreiben: thomas knüwer arbeitet jetzt für die republica und braucht offenbar geld. bin ich aber nicht mehr (böse), nur noch doof. tat­säch­lich finde ich das was thomas knüwer hier macht ein in­ter­es­san­tes ex­pe­ri­ment: er fährt nach texas zur sxsw und statt nur drüber zu bloggen, schreibt er einen täglichen news­let­ter für den er auf steady um etwas fi­nan­zi­el­le un­ter­stüt­zung bittet.

steady hat sich zu einem kleinen moloch ent­wi­ckelt. über steady kann man die titanic, das plötzblog, über­me­di­en, rivva und 2.833 andere projekte oder „Me­di­en­ma­cher:innen“ un­ter­stüt­zen. meinen news­let­ter hätte ich dort auch ein­ge­rich­tet, un­ter­stüt­ze steady rss-zu-news­let­ter-kon­ver­tie­rung. statt­des­sen habe ich mir dort auch eine „un­ter­stüt­zer­sei­te“ ein­ge­rich­tet, auf der man sich ein gutes (3 €/monat), sehr gutes (5 €/monat) oder super gutes gefühl (10 €/monat) kaufen kann. das dort ein­ge­nom­me geld würde ich dann auch wiederum dafür verwenden mir ein gutes gefühl zu kaufen — obwohl ich bezweifle dass das ver­spre­chen von guten gefühlen viele in­ter­es­sen­ten findet.

thomas knüwers news­let­ter­an­ge­bot hingegen scheint interesse zu wecken. nach einem tag bereits 40 zahlende mit­glie­der. ich finde die trans­pa­renz die steady bietet (wenn der oder die me­di­en­ma­chen­de das will) sehr lo­bens­wert und bin gespannt wie das ex­pe­rie­ment ausgeht, auch wenn ich kein grosser fan von be­zahl­schran­ken bin und auch für schran­ken­lo­se angebote zahlen würde.


ich habe zuerst nur die zitate gelesen, die volker weber aus barbara geyers text ex­tra­hiert hat und eine replik im kopf for­mu­liert. dann fiel mir auf, dass das äusserst denkfaul ist und las barbara geyers text. der text gefiel mir, aber meine replik bleibt die gleiche. einer der haupt­ge­dan­ken in barbara geyers text ist dieser:

Ich nenne dieses Phänomen die KI-Fach­kom­pe­tenz­schwel­le. Eine Grenze des Vor­wis­sens, unterhalb derer KI-Nutzung nicht nur wir­kungs­los wird, sondern kon­tra­pro­duk­tiv.

kri­ti­sches denken allein reiche nicht, man müsse schon sub­stan­zi­el­les wissen mit­brin­gen, um KI produktiv, nutz­brin­gend zu nutzen — sagt barbara geyer. ich würde darauf antworten, dass das auch alles eine hal­tungs­fra­ge ist. für mich ist der weg zu wissen neugier, also eine haltung (so wie kri­ti­sches denken auch eine haltung ist). neugier führt dazu, dass ich mich mit einfachen antworten, egal woher die kommen, nicht zufrieden gebe, sondern verstehen möchte und im besten fall etwas so tief verstehen möchte, dass ich es selbst machen oder anderen erklären kann.

wer neugierig ist gibt sich nicht mit wohl­klin­gen­den antworten eines lehrers, pro­fes­sors, eltern, buchs, videos oder einer KI zufrieden. neugier in­spi­riert zum tiefer, weiter fragen. dum­mer­wei­se kann man neugier nicht (wirklich) lehren (oft im gegenteil), neugier kann man aber wecken, entfachen.

wit­zi­ger­wei­se habe ich gerade heute beim mor­gen­spa­zier­gang an meinen kunst­leh­rer in der siebten oder achten klasse zu­rück­ge­dacht. herr schiefer hiess er und alles was er uns an aufgaben antrug, entfachte neugier und aha-er­leb­nis­se in mir. wir haben grau­stu­fen­bil­der aus punkten gemalt, be­nutz­ba­re stühle aus pappe gebaut, dioramen im schuh­a­kar­ton mit guck­lö­chern gebastelt.

bei herrn schiefer habe ich kein kri­ti­sches denken bei­gebracht bekommen, aber er hat neugier in mir geweckt, die dann auf dem weg auch kri­ti­sches denken aus­bil­de­te und dann lang­fris­tig zu einer anhäufung gröss­ten­teils unnützen wissens in mir geführt hat.

was ich sagen will: wenn man KI nur zur ge­ne­rie­rung von antworten nutzt, wird ki schnell kon­tra­pro­duk­tiv. wenn man KI zur ge­ne­rie­rung weiterer fragen nutzt kann man mit KI un­ter­stüt­zung sehr viel lernen.



ja, man könnte sein blog auch zuhause hosten. wojtek po­wier­tow­ski zeigt wie er es macht. ich finde das wahn­sin­nig in­ter­es­sant, aber bin froh dass es auch anders geht.


heiko ist auf dem richtigen weg: man muss seinem RSS sehr viel auf­merk­sam­keit und liebe schenken um damit die auf­merk­sam­keit der RSS lesenden (ein bisschen) zu belohnen. denn RSS leser und le­se­rin­nen sind die besten und treuesten begleiter aller die ins internet schreiben.


Attention taken to its highest degree, is the same thing as prayer.

— Simone Weil


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dieses video könnte man durchaus als KI 101 be­zeich­nen. der gast dieser folge startalk mit neil degrasse tyson und seinen beiden sidekicks ist geoffrey hinton, der letztes jahr für seine grund­la­gen­for­schung zu neu­ro­na­len netz­wer­ken den physik no­bel­preis bekommen hat. er erklärt ein paar der grund­la­gen kündt­li­cher neu­ro­na­ler netzwerke und warum er denkt dass KIs bereits denken. zu den grund­la­gen fand ich folgendes fas­zi­nie­rend:

das mensch­li­che gehirn hat ungeführ 100 tril­lio­nen (noronale) ver­bin­dun­gen. wenn man das mit dem zeitraum den wir leben ver­gleicht (um die 2,5-3 mil­li­ar­den sekunden), kann man sagen: wir haben sehr viele ver­bin­dun­gen, aber wenig erfahrung.

bei den neu­ro­na­len netzen die wir derzeit zu bauen imstnde sind ist das umgekehrt. sie haben ca. 1 milliarde ver­bin­dun­gen (viele LLMs haben sehr viel weniger weniger), was ungefähr 1% der ver­bin­dun­gen sind, die menschen haben. dafür haben diese künst­li­chen neu­ro­na­len netze und LLMs viele tausend mal mehr er­fah­re­nun­gen.

die grenzen an die heutuge LLMs stossen hängen (laut geoffrey hinton) vor allem damit zusammen, dass sie auf er­fah­run­gen basieren die wir auf­ge­schrie­ben haben. eine go KI, die aus er­fah­run­gen echter go-experten/meister gelernt hatte, war immer etwas schlech­ter als die mensch­li­chen experten. un­schöag­bar wurden diese KI-systeme als sie anfingen gegen sich selbst zu spielen, sich ihre er­fah­run­gen also selbst bei­gebracht haben. das dürfte auch de weg sein, wie LLMs klüger werden, meint geoffrey hinton.

wirklich se­hens­wert, wenn man KI abseits des hypes und gegen-hypes etwas besser verstehen möchte.

der artikel ist hinter der spiegel-be­zahl­wand, aber ich habe das gerne gelesen und hätte lust die hälfte des artikels hier zu zitieren. besonders fas­zi­nie­rend, wie grönland, oder allgemein die arktis und antarktis uns die grenzen unserer modernen welt und tech­no­lo­gie zeigen.

»Grönland ist ein fremder Planet aus Eis«, sagt Rasmussen […] Rasmussen mag es nicht, wenn Leute sagen, man könne die Hunde, die Schlitten und die Soldaten bald durch Drohnen, Schnee­mo­bi­le und He­li­ko­pter ersetzen. Drohnen bräuchten Akkus, die sich in der Kälte entladen. Schnee­mo­bi­le würden zwischen den Felsen stecken bleiben, He­li­ko­pter bräuchten Benzin, unter ark­ti­schen Be­din­gun­gen könnten sie etwas mehr als eine Stunde in eine Richtung fliegen, bevor sie umkehren müssten, sonst ginge ihnen der Sprit aus.

pa­troul­li­en mit menschen und hunden hingegen funk­tio­nie­ren ganz gut. sie sind oft mo­na­te­lang unterwegs.

Der Einsatz bei Sirius dauert ge­wöhn­lich zwei Jahre, es gibt in dieser Zeit keine Hei­mat­be­su­che. Manche Veteranen nehmen nach ihrer Rückkehr in wenigen Wochen 15 Kilo zu, da sie sich noch genauso fettreich ernähren wie in der Arktis. Zwei Jahre draußen, sagt Mikkelsen, und man brauche zwei Jahre, um wieder an­zu­kom­men. In Grönland hatte er nichts gebraucht außer Essen, Schlaf, Ge­mein­schaft. Zurück in der Zi­vi­li­sa­ti­on, fehlte alles, und zugleich war alles zu viel. Man könne kein Leben mehr führen wie davor. Nach Grönland, sagt Mikkelsen, fange man wieder von vorn an.

mo­na­te­lang im nichts unterwegs sein, in absoluter stille, in absoluter freiheit und immer kurz davor, dass einen die natur umbringt.

Die Stille, sagt Mikkelsen, sei so stark, dass sie lärmt, dass man davon aufwache. Man höre den eigenen Atem, das Atmen der Hunde, ir­gend­wann das Blut im Kopf. Gedanken kommen zur Ruhe, weil es keine Impulse von außen gibt.

das er­schre­cken­de an KI scheint mir in erster linie zu sein, dass es menschen und formen gibt die sich tat­säch­lich auf die antworten und schluss­fol­ge­run­gen dieser systeme verlassen und die ent­schei­dun­gen dieser systeme von menschen nicht über­stimmt (oder nch­voll­zo­gen) werden können. damit scheinen wir einen kri­ti­schen kipppunkt zu über­schrei­ten und legen bereits jetzt po­ten­zi­ell exis­ten­zi­el­le ent­schei­dun­gen in die hände von black boxes. damit kaf­ka­es­ki­sie­ren wir die welt min­des­tens um den faktor 2.

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DIY perks baut eine sehr, sehr helle ta­chen­lam­pe und es macht (mir) — wie immer — sehr grosses vergnügen dabei zu­zu­schau­en.

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ich weiss nicht was ich fas­zi­nie­ren­der findeen soll: dass es fürher schon uhren gab, die man im Dunkeln ablesen konnte oder die mechanik dieser uhr.

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die ersten paar staffeln for all mankind fand ich über­ra­gend gut. staffel 4, mit dem schlecht ge­al­ter­ten ed baldwin war zwar nicht schlecht, nervte mich aber zunehmend mit über­dra­ma­ti­sie­run­gen und über­flüs­si­gen, schlecht nach­voll­zieh­ba­ren schlen­kern. dieser teaser deutet an, dass die macher der serie gefallen am über­dra­ma­ti­sie­ren gefunden haben. ei­gent­lich soll ein teaser ja lust auf eine serie machen, mir hat es die lust auf die fünfte stafel gleich verdorben. ich werde es aber wohl trotzdem schauen.

eindeutig auf meiner bucket-list: mas­sen­pro­duk­ti­on von kimchi.

eine website auf der man ohne anmeldung, auch mobiil, einfach bilder hochladen kann sie geotaggen kann. find ich gut, nicht weil ich dem ord­nungs­amt gerne müll melden würde, sondern, weil das technisch brilliant simpel gelöst ist. so wie like buttons auch funk­tio­nie­ren sollten — ohne eine datenspur zu hin­ter­las­sen oder einen login erfordern sollten — kann man hier einfach bilder hochladen. ei­gent­lich ist das indieweb.

den artikel steht hinter der be­zahl­schran­ke, aber die frage „Wird man krank, wenn man mit nassen Haaren rausgeht?“ lässt sich kurz und knapp be­ant­wor­ten: nein.