lässt sich melancholie schalten — und hoffnung auch?
draussen ist es für zwei tage nochmal milder, nächste woche sieht’s wieder bitterkalt aus. sonne liess sich auf dem morgenspaziergang keine blicken.

ich hab wieder gute laune, seit sich fridas darm beruhigt hat. das ganze durchfallgedöns hängt wohl mit ihrer läufigkeit zusammen. der tierarzt empfahl uns (am telefon) irh niedrig dosierte (humane) buscopan zu geben. mit dem beruhigen der krämpfe, beruhigte sich auch der darm und der kot festigt sich langsam wieder.

die gute laune sieht man mir nicht an, ist aber so.
offensichtlich muss ich wieder zum friseur, oder genauer, zur bildhauerin. die bildhauerin hat mir versprochen mir heute die haare zu machen, insofern ist das jetzt ein vorher-bild, das nachher-bild wird morgen vom morgenspaziergang nachgeliefert. mit dieser ankündigung setz ich mich selbst gekonnt unter druck, denn in den letzten wochen hatte ich keine lust auf den haarschneide aufwand und hab die aktion immer wieder verschoben. jetzt isses angekündigt und ich muss durch, auch wenn ich keine lust auf haareschneiden habe. die bildhauerin hat komischerweise immer lust haare zu schneiden. meine oder ihre, die vom kind oder vom hund.
das video von morrisseys erstem solo-konzert das dirk hesse hier verlinkt hat versetzte mich in einen eigenartigen gemütszustand. das kann einerseits an der musik der smiths und morrissey liegen, ist aber auch ein gefühl das mich zuverlässig seit 40 jahren packt, wenn ich zeitgenössische musikvideos sehe. mein vorherrschendes gefühl beim betrachten hipper, fröhlicher, gutaussehnder, tanzender menschen ist: hab ich was verpasst? verpasse ich gerade was? warum will ich auch so sein? will ich so sein? kann ich so sein? werde ich so sein? exakt die gleichen gefühle und fragen kamen auch jetzt bei mir auf: hab ich was verpasst damals? war da was?
abgesehen davon: erstaunlich wie zuverlässig man melancholische gefühle mit den smiths/morrissey an und abschalten kann. magische musik auf ne art.
hier in einem nebensatz gelesen, dass die lebensgefährtin des schockwellenreiters vor über einem jahr verstorben ist. das tut mir sehr leid, weil ich zwar nicht alles was der schockwellenreiter schreibt verstehe oder nachvollziehen kann, aber durchaus mitbekommen habe dass die beiden ein enges und gut funktionierendes team gewesen sein müssen.
ich musste dann auch wieder an den gestern verlinkten xkcd 3172 denken, wo er (im alt-text [sic!]) fragt und antwortet:
"Want to feel old?" "Yes."
der spruch niemand will alt werden, aber alle wollen lange leben ist zwar bereits ein bisschen ausgeleiert, hat aber was. unabhängig davon musste ich heute beim morgenspaziergang daran denken wie viele menschen ich regelmässig mit ihrem hund sehe und teilweise, durch frida inspiriert, auch mit ihnen plaudere — und wie viele dieser menschen ich nie wieder sehe, sobald ihr hund verstorben ist. menschen, deren hunde versterben, verschwinden (in meiner wahrnehmung) von der strasse.
ich mochte immer schon hunde, hab mich aber immer der anschaffung eines hundes widersetzt, weil ich die verantwortung scheute und den nach spätestens 15 jahren eintretenden tod des hundes fürchtete. jetzt geniesse ich die verantwortung, aber fürchte den tod von frida um so mehr. sie hat zwar noch viele jahre vor sich, aber die vorstellung mich morgens nicht mehr zu einem spaziergang motivieren zu können und nicht mehr auf der strasse gesehen zu werden besorgt mich. aber vielleicht habe ich heute früh auch einfach nur zu viel morrissey gehört.
ich hab ja keine ahnung wie man politisch mit donald trump umgehen sollte, bzw. wie man wahlen gegen ihn gewinnen könnte. das habe ich gemeinsam mit einem grossteil der weltbevölkerung und vielen wahlstrategen.
sascha lobo weist in seine kolumne daauf hin, wie man es auf keinen fall machen sollte, mit normalisierung. da ist bestimmt etwas dran, das problem ist allerdings, dass donald trump das mit der normalisierung (und der mobilisierung seiner basis) auch ganz alleine kann. er nutzt natürlich jede gelegenheit sich sympathisch und bromantic darzustellen, aber seine menschenverachtende, rassistische politik hat er aus eigener kraft und mit der instrumentalisierung der medien geschafft.
was mir bei der kritik von sascha lobo an new yorks nächstem bürgermeister zohran mamdani fehlt ist die tatsache, dass mamdani die wahl in new york im prinzip gegen donald trump gewonnen hat. der hatte sich im vorfeld massiv eingeschaltet und vor mamdani nicht nur gewarnt, sondern auch vergeltung für eine „falsche“ wahl angedroht. mamdanis rezept gegen trump war nicht ihn einen faschisten zu nennen, sondern eine bessere alternative zu skizzieren, wege zu wählen von denen wahlstrategen und kolumnisten abraten, aber an die er offensichtlich selbst glaubt. mike masnick hat das vor 4 wochen schön analysiert:
He didn’t shy away from his support for trans New Yorkers or immigrants. He stood side by side with them proudly throughout the campaign. He didn’t play down his own religion, background, or policy ideas, even as some of them challenged Democratic Party orthodoxy.
The contrast couldn’t be starker. On one side, you had another version of the politics of cynical spite and traditional political backroom king-making—Andrew Cuomo’s campaign, backed by at least $22 million from 28 different billionaires, running attack ads calling Mamdani a dangerous radical, questioning whether he “understood New York culture” because he was born in Uganda, and quite literally suggesting he would cheer for another 9/11. Pure governance-by-baseless concern trolling, optimized to generate fear and anger.
On the other side, you had someone who said “this is who I am, this is what I believe in, and here’s my positive vision for making your lives better.” Free buses. Universal childcare. Frozen rent for rent-stabilized apartments. City-run grocery stores in food deserts. Simple, clear policies that people could understand and see themselves benefiting from.
ich fand jedenfalls den text von masnick (und auch den folgenden link) hoffnungsstiftender, also sascha lobis kolumne. schon klar, dass sascha lobo seine kolumne nicht zum stiften von hoffnung schreibt, aber eine analyse von zohran mamdani wahlerfolgt hätte ich diesmal lieber gelesen, als diese fehleranalyse und gesinnungsspekulation.
What we see, I think, are a bunch of rich guys who have been comically out of touch with normal people for many decades, and more recently have blowtorched their brains into a smoking pile of ash on Elon Musk’s Twitter/X and in various group chats. It’s why they got so worked up about Mamdani in the first place—the New York City mayoralty is not some omnipotent office, and there are a dozen ways to hem it in at the state and local level if they so wished. What these oligarchs spent to stop Mamdani feels like less on an annual basis than he wants them to pay for a better future for all New Yorkers, a joke Mamdani himself has made.