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| datum | gewicht |
|---|---|
| mai 2025 | 113,5 kg |
| juni 2026 | 93,1 kg |

kontext: ich habe von august 2025 bis anfang oktober 2025 semaglutid / ozempic genommen. seitdem habe ich weiter abgenommen und ca. seit januar 2026 halte ich das gewicht bei 93-94 kg.
damit beende ich die berichterstattung über mein gewicht, mit ausnahme eines beitrags im april 2027.
video von der beifahrerin gepostet:
felix, frida und ich an der ostsee. frida den ganzen tag komplett aus dem häuschen weil wasser und sand. hier übt felix tricks mit erdnüssen um sie ein bischen abzulenken und für den aufenthaltsort decke zu begeistern.

jedes jahr im juni oder juli ist es der beifahrerin danach mal an den strand zu fahren. also fahren wir drei stunden lang zur ostsee, nach lubmin, an den hundestrand. wir sind jedesmal davon überrascht wie ruhig und kühl es dort ist. in berlin gingen die temperaturen, trotz eines unwetters, bis auf 30°C hoch, in lubmin blieb es unter 22°C. vom parkplatz aus gehen wir gerade mal 10 minuten nach westen und sind dann praktisch alleine am strand.
frida ist am wasser allgemein etwas gestresst und bekommt ihre aufregung nicht gut in den griff. aber wenn sie mit der beifahrerin ins wasser geht, schwimmt sie wie ein schnellboot und schwimmt ständig kreise um die beifahrerin. ganz allgemein habe ich immer wieder den eindruck, dass sie zwischen fortbewegung an land und im wasser nicht grossartig unterscheidet, so natürlich geht ihr beides aus der hand. ich bin mir auch nicht sicher was sie mehr in aufregung versetzt, der sand oder das wasser.
beim am strand lang laufen entspannt sie dann auch ein bisschen. laufen entspannt, ganz allgemein, alles und immer.
→ weiterlesen

facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
bubbles, ein relativ neuer, toller aggregator mit voting empfehlungs- und kommentarfunktion, lahmt im deutschsprachigen bereich noch ein bisschen, aber im englischsprachigen brummts. maurice schrieb in einem kommentar:
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:
die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
das artikelbild zeigt netnewswire icons von 2006 bis heute.
siehe auch:
ich habe mich jetzt tagelang über neue „discovery“ möglichkeiten in der ATmosphere für blogs gefreut. die beiträge aller blogs der welt, die ihre beiträge im standard.site-dokumenten-format veröffentlichen, sehe ich zum beispiel hier aufgelistet: standard-reader.app/discover oder pckt.blog/read oder leaflet.pub/reader.
standard.reader.app listet gerade 5.600 blogs auf die es kennt. als ich heute früh geguckt und einen screenshot gemacht habe, waren es noch 5.500. in 15 stunden kommen offenbar um die 100 blogs dazu. zum grossen teil liegt das wohl an matthias pfefferle und seinem ATmosphere wordpress plugin.
das mit der auffindbarkeit funktioniert auch, eben wurde mir auf standard-reader.app das blog mit der zitrone vorgeschlagen (rivva auch). seit kurzem gibts auf der discovery-seite von standard-reader.app auch filter und suchoptionen. ich finde ständig neuen lesestoff, momentan, naturgemäss, oft techniklastig, hier und hier gerne gelesen.
was dem ganzen noch fehlt ist — natürlich — RSS, aber das kann man sich vielleicht ganz schnell bauen mit der (auch neuen) standard-reader-api.
in meinem RSS-reader, der immer noch meine primäre lesestelle ist, habe ich heute bei waxy.org bubbles.town entdeckt. eigenbeschreibung für die deutschsprachige variante:
300 unabhängige Blogs. Eine Startseite. Sortiert nach Aktualität und durch deine Votes.
und für die englischsprachige variante:
5034 independent, personal blogs. One front page. Ranked by votes and freshness, shaped by you.
ich finde an bubbles alles gut. minimales design, darkmode (automatisch, optional), knappe, aber informative blogprofile mit „folgen“ option, zum folgen und voten anmeldung über ein vorhandenenes mastodon, bzw. fediverse konto und kluge RSS-feed-optionen.
wirklich toll, besonders hat mich gefreut, dass ich mich mit meinem goto-social-konto anmelden konto, das funktioniert sonst anderswo oft nicht, wegen der konzentration auf mastodon. kein wunder, weil der macher, „Ben aus Mülheim an der Ruhr“, auch goto-social für bubbles nutzt. so erklärt er es:
Bubbles veröffentlicht jeden neuen deutschsprachigen Artikel auch im Fediverse über @bubbles_de@social.bubbles.town. Antworten auf diese Posts erscheinen als Kommentare auf Bubbles.
auf der deutschen frontpage ist die beteiligung am voten oder kommentieren noch etwas maum aber auf der englischen ist einiges los. und das führt auch zu tollen auffindungen: „I wanted Bear Blog, but for my photos“
ich stelle fest, die blogrenaissance die ich vor ein paar wochen leise und noch ein bisschen zweifelnd zu beobachten glaubte ist ziemlich real. rivva lebt und wächst, die ökosyteme um activityPub und ATproto sind irre fruchtbar und lassen lauter spannende sachen wachsen, blogplattformen spriessen und die leute schreiben und schreiben ins internet.
standard.site is built to be extended; its own docs say the existing properties “should not be seen as constraints, but rather as starting points.” So going off and building your own thing is the intended move, not a hack. That’s the same energy that makes the whole atmosphere feel vibrant and fast right now. Everyone is shipping new things every day, is finding new creative things to store on PDS. The downside is solutions that don’t talk to each other.
… und das ist genau wie ich es gerade empfinde, die ATmosphere, das fediverse, fühlen sich gerade ungeheuer lebendig und dynamisch an, überall poppen interessante dinge auf, möglicherweise auch durchs vibe-coden beschleunigt.
find ich gut, weiter so, demnächst mehr.
ich habe gemini um eine einschätzung meines textes gebeten. es hat eine gute beobachtung gemacht, die ich gerne zitieren möchte, weil ich den gedanken auch hatte, aber nicht „web 4.0“ schreiben wollte:
Dein Text beschreibt einen „Sommer der Prototypen“. Es fühlt sich an wie das Web von 2004, aber mit den technischen Muskeln von 2026.
nachtrag 18.06.2026:
hier ist bens bubbles blog, mit neuigkeiten und warum er bubbles gebaut hat. ausserdem sehe ich dort, dass es eine bubbles API gibt, mit der man die vote-anzahl und bubbles id holen kann. siehe auch „Naive Ben Meets Naive Bayes“.
ich muss leider nochmal an einem teil meines publikums vorbeischreiben. das ATmosphere-rabbithole, in dem ich gerade stecke fasziniert mich gerade zu sehr, um das nicht aufzuschreiben.
man sagt ja: wenn man einen hammer in der hand hat, sieht man überall nägel. ich sehe im moment überall das AT-protokoll und die formate, bzw. lexika die dahinterstecken. mich fragen leute was der vorteil des standard.site-formats gegenüber RSS sei. der vergleich geht ein bisschen an der sache vorbei. die frage ist einfach: was sind die sachen die man mit einem protokoll machen kann, was sind die potenziale?
bereits 2002/2003, noch bevor es wordpress gab, hatte ich auf wirres.net bereits RSS (mit volltexten) eingebaut. weil ich potenzial, anwendungsfälle dafür sah — und weil es anwendungsfälle gab. ich weiss nicht ob ich es damals schon nutzte, aber netnewswire, also einen tollen RSS-reader, gabs seit 2002. 99,99% aller menschen interessierten sich damals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutzten fanden es grossartig, weil es grossartig und praktisch war.
mike masnik erinnert sich an das internet von damals, dass es angeblich nicht mehr gibt und von plattformen und apps zerfressen und zerfasert wurde. allerdings mit dem twist, dass das einerseits nicht stimmt, das alte internet ist noch da, und es keimt unter dem plattform-beton gerade wieder auf.
das entscheidende und spannende, damals wie heute, sind nicht die grossen visionen, die massenwirksamen apps und plattformen, sondern die greifbareren, jetzt nutzbaren werkzeuge die genutzt, ernsthaft weiterentwickelt werden und funktionieren. die arbeit im maschinenraum ist real. nicht meine, sondern die von tausenden frickelnden menschen, auf deren schultern man sich stellen kann und ihre werkzeuge mitbenutzen kann.
gestern habe ich eine liste von ein paar apps die auf dem AT-protokoll aufsetzen veröffentlicht die funktionieren und mit denen man spannenede sachen machen kann.
das tolle am AT-protokoll ist, dass sich dienste und menschen auf basis dieses protokolls — und seiner (beliebig) erweiterbaren, strukturierten lexika — verbinden können. eine gemeinsame, offene, gestalbare sprache ist die basis von gemeinschaft.
man muss meine (aktuelle) begeisterung für protokolle nicht teilen. ich interessiere mich zum beispiel sehr wenig für den CAN bus oder das OBD-II protokoll. aber ich weiss, dass man mit ihnen spannende sachen mit autos machen kann. vor allem weiss ich, dass standardtisierte, offene protokolle jede technologie soweit voranbringen können, dass sie für jedermann und jederfrau nutzen bringen. kaum jemand interessiert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mittlerweile nutzten sie fast alle und freuen sich darüber, ohne zu wissen worüber sie sich freuen.
für mich ist wirres.net die quelle der wahrheit. nicht in dem sinn, dass alles was hier geschrieben steht stimmt, sondern das alles was ich ins internet schreibe und poste seine heimat hier hat. ich veröffentliche hier und verteile anderswohin. in ausnahmen veröffentliche ich auch anderswo, aber dann hole ich es auch wieder hierher. dafür gibts die beiden indieweb-begriffe POSSE und PESOS, aber das ist egal, weil das grundprinzip wichtiger ist, als wie man es nennt. der entscheidende punkt ist, dass ich einerseits hier alles an einer stelle beisamen und persistiert haben möchte und andererseits aber auch die menschen dort erreichen möchte wo sie gerade sind.
die liste kann ich fast beliebig weiterführen, der entscheidende punkt ist, dass die gezielte verteilung meiner inhalte im internet einerseits anderen entgegegnkommt und andererseits für mich die beschäftigung mit interessantem technik-gedöns bedeutet.
artikel im volltext mit dem standard.site protokoll in die ATmosphere zu blasen ersetzt RSS nicht. aber es eröffnet neue potenziale der entdeckbarkeit, von empfehlungs- und interaktionsmöglichkeiten. wenn ich einem RSS feed folge weiss das niemand. wenn ich einer standard.site publikation folge, wie zum beispiel nicos couchblog, sieht man das hier oder auch hier.
wenn ich ein bookmark in meinen river werfe sieht das kaum jemand. man kann die bookmarks zwar per RSS abonnieren (oder alles, wirklich alle abonnieren), aber vielleicht ist es ja besser dieses bookmark auch in einer dezidierten bookmarkanwendung finden zu können. hier zum beispiel. oder hier. wenn man sich mit seinem bluesky-login dort angemeldet, kann man mein bookmark kommentieren, weiterverteilen, faven oder selbst sichern.
das verteilen meiner artikel oder bookmarks ist und war nicht kompliziert. ausser schreibzugriff auf mein (bluesky) PDS (per app-passwort) brauche ich nichts weiter. kirby schickt dann ziemlich leichtgewichtige json-blobs an den PDS und fertig. obwohl margin.at keine ausgewachsene API hat, kann ich dort bookmarks, anmerkungen oder markierungen einfach (per knopfdruck) aus meinen ohnehin vorhandenen bookmarks auf wirres.net senden. ich brauche keine margin.at-app, das AT-protokoll reicht. wobei eine margin-app (fürs handy) gibts eh nicht, wohl aber eine chrome extension. die brauche ich dank des protokolls nicht zum anlegen von bookmarks, aber sie ist trotdem toll, weil zitate die ich ins bookmark kopiere, dann mit der extension in chrome auch auf der seite markiert werden.
diese markierung wäre dann auch sichtbar für jemanden der bei margin.at angemeldet ist und die chrome extension installiert hat.
ich weiss, alles technische, komplizierte spielereien deren nutzen zweifelhaft oder zumindest nicht sonderlich weit verbreitet ist. null relevanz. aber so viel potenzial.
um nochmal das zitat von tim trautmann von oben zu wiederholen:
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don't know.
weiss niemand, ob das zu was führt oder jemals von normalen menschen adaptiert wird. aber interessant ohne ende isses schon — und es funktioniert.
die überschrift („ich will keine APPs, ich will APIs“) habe ich ein bisschen im text vernachlässigt. das hole ich jetzt nach.
mir ist das schon seit vielen jahren aufgefallen, dass viele hersteller von sachen glauben, dass ihre sachen eine app brauchen. in der praxis geht das oft völlig am bedarf vorbei. bei der heimautomatisierung setzt sich (j sei dank) langsam die erkenntnis durch, dass es keinen sinn macht wenn der kühlschrank, die spülmaschine, der airfryer, der staubsaugerroboter und die lichter jeweils eine eigene app haben. langsam setzt sich (dank matter) die erkenntnis durch, dass offnene protokolle der weg sind, mit denen technisch komplexe sachen irgendwann mal akzeptanz finden können.
mit protokollen kann ich mit den sachen entweder machen was ich will oder etablierte, stabile systeme eines herstellers meiner wahl nutzen. im fall von heimautomatisierung zum beispiel home assistant, homekit, google home oder dieses alexa-gedöns.
wedium hat den schuss offenbar nicht gehört. wedium, das ich seit der republica „testen“ darf, erscheint mir als das langweiligste, verschlossenste und nutzloseste „soziale Netzwerk“ der welt.
im web ist wedium nicht zugänglich, beiträge sind auch nicht ausserhalb der app teilbar. der share-button in der app kopiert lediglich eine url des beitragsbildes. ich kann auf ios noch nicht mal aus der photos-app ein bild per share-button zu wedium sharen. nicht eine schnittstelle habe ich in der beta-version der app gesehen.
aber das ist neben dem „sozialen“ der ganze witz an einer netzwerk app: dass man sie vernetzen kann, dass man mit APIs spielen kann, potenziale ausloten kann, dass man als nutzer die app besser machen kann, indem man mit auf dem netzwerk rumhackt. völlig unverständlich, dass man bei wedium glaubt nicht nur das rad netzwerk neu erfinden kann, sondern dass man es auch von null auf besser machen könne.
so überwältigt ich in den letzten paar tagen vom AT-protokoll war, davor ganz ähnlich vom fediverse und activityPub fasziniert war, so unterwältigt bin ich von wedium.
wenn wedium schon das marketing verkackt, wie soll das dann erst mit der eigentlichen maschine klappen? bei der konkurenz? also konkret den grossen (über-) mächtigen plattformen und den vielen kleinen, spannenden, lebhaften und dynamischen projekten, die auf offenen protokollen aufsetzen.
spannende zeiten, aber höchstwahrscheinlich nicht für wedium.
ich schreibe gerne am publikum vorbei. also nicht absichtlich, sondern weil ich mich selten frage, was könnte lesende interessieren und lieber genau das schreibe was mich gerade fasziniert, interessiert oder beschäftigt. ich teile gerne und hoffe damit im besten fall andere anzuregen oder dass sie neue perspektiven finden. gelegentlich andere auf neue ideen zu bringen oder ein kleines stück zu bewegen, zähle ich als erfolgserlebnis. das ist nicht messbar, aber gelegentlich bekomme ich es doch mit und freue mich.
es betrübt mich aber andererseits auch nicht, wenn sich ausser mir niemand für das grossartige standard.site-format interessiert oder wie ich kurzurls oder weiterleitungen baue. da überwiegt viel mehr die selbstbefriedigung durch neufeatureritis und neugierbefriedigung.
gelegentlich scheint es aber doch überschneidungen zwischen den interessen des publikums und mir zu geben, sagen mir zumindest meine besucherzahlen. dieses rezept hat in den letzten 6 monaten über 3000 lesende gezählt. wer nach spitzkohl und airfryer googelt, findet es ganz oben im suchergebnis. wenn man davon ausgeht, dass google einigermassen weiss wonach menschen suchen, dann sieht es so aus als ob sich menschen (laut google) ausschliesslich für rezepte von mir interessieren. ich habe ungefähr 40 rezepte und fast alle tauchen mit bestimmten wortkombinationen ganz weit vorne bei google auf.
gerade gestern habe ich wieder irgendwo gelesen, dass die grässlichen langen texte die man bei fast allen internet-rezepten findet, eine suchmaschinenoptimierung sind. glaub ich nicht, aber was google offenbar sehr liebt, sind rezepte die mit json-ld und schema.org angereichert sind.
auch wenn das publikum und google mich nach mehr rezepten fragt: mach ich nicht. ich schreib weiter über langweiligen technik kram und die obskuren dinge, für die ich mich gerade zufällig interessiere, logge meinen medienkonsum, den niemand wissen will und produziere hintergrundrauschen, das niemand sieht.
das ist ein sehr dankbarer und einfacher salat aus ottolenghis nopi. man kann einfach alle zutaten zusamenschmeissen und verrühren oder die melone auf einem teller oder einer schale drappieren und mit dem dressing dressen und dem feta bestreuen. genauso kann man beliebige zutaten weglassen. mehr geht auch immer, ich glaube wir nehmen immer mindestens 250 g feta.
schmeckt immer.
wir haben heute den basilikum weggelassen und statt einer chili, sambal olek genommen. kräuter hatten wir heute nur minze, getrockneten thymian und rosmarin. auf die eingelegten zitronen aus dem arabischen supermarkt (oder mit etwas vorlauf selbstgemacht), möchten wir allerdings ungern verzichten.
wassermelone schälen und in würfel schneiden und in schalen oder teller verteilen.
aus den restlichen zutaten, ausser dem feta, ein dressing rühren.
knoblauch quetschen, eingelegte zitronen in feine streifen doer würfelchen schneiden, oliven auch kleinschneiden, frische kräuter sehr fein schneiden, getrocknete kräuter ein bisschen verreiben.
dressing auf den melonenstücken verteilen, feta darüber krümeln oder vorher in würfel schneiden und dann über der melone verteilen.
hier und hier hatte ich den salat schonmal gepostet. aber ehrlichgesagt tun die alten fotos dem salat etwas unrecht.
beim morgenspaziergang vom bussard überflogen worden und ihm dann kurz nachgestiegen.
faszinierend, diesen tweet hat lord caramac the clueless am 19.05.2011 geschrieben und jetzt wurde er ausversehen auf mastodon veröffentlicht.
(vortrag auf der republica am 19.05.2026)
die titel meiner republica-sessions sind ja oft (mittel) steile thesen, aber ich glaube, zu behaupten, die welt sei scheisse, ist keine steile these. ich gehe davon aus, dass die meisten menschen die welt irgendwie scheisse finden oder zumindest der ansicht sind, dass die welt aus den fugen ist.
katia, meine frau, stimmt dem ersten teil des titels voll und ganz zu. zum zweiten teil meinte sie, da hätte ich mir ziemlich viel vorgenommen. warum soll das denn gut so sein? es sei doch offensichtlich, dass es schon lange — oder noch nie — so schlimm gewesen sei wie jetzt.
für den fall, dass ich höre: „es ist noch niee so schlimm gewesen“ hab ich immer dieses bild dabei.
ich sag dann immer: „1933, pocken, pest, kuba, hiroshima, 9/11 — oder frag mal die dinosaurier …“
oder — muss man sich mal vorstellen, noch vor 2000 jahren hat man leute ans holz genagelt, nur weil sie sagten, wie schön es doch wäre, wenn die menschen zur abwechslung mal nett zueinander wären.
wenn ich frida, unseren pudel, fragen würde, was sie von der welt hält, würde sie möglicherweise sagen:
die welt ist gut so.
hunde nehmen die welt, wie sie ist, und halten sich mit urteilen und bewertungen zurück.
apropos scheisse, ist euch schon mal aufgefallen, dass hunde gerne an scheisse riechen?
sie haben die fähigkeit scheisse nicht eklig zu finden und können die interessanz und komplexität von scheisse erkennen.
hunde können scheisse differenzieren!
das hunde sich mit urteilen über die welt zurückhalten, kann daran liegen dass sie differenzieren oder daran, dass sie keine nachrichten verfolgen oder dass sie sehr langsam denken.
dass hunde nicht urteilen und bewerten, ist wahrscheinlich der hauptgrund dafür, dass sie so beliebt sind.
für uns menschen ist es sehr wohltuend, nicht bewertet oder beurteilt zu werden.
hunde nehmen das leben, wie es ist — und uns wie wir sind.
eigentlich kann ich jetzt schon das erste zwischenfazit ziehen: wenn man seine beliebtheit steigern will — einfach mal das urteilen lassen.
als ich frida vor einer weile mal mit ins büro genommen habe, ist mir noch etwas anderes aufgefallen. wir sassen in einer besprechung und frida war etwas unruhig. ich sagte ihr: „frida, entspann dich.“
meine kollegin sue erinnerte mich daran, dass sowas noch nie bei einer frau funktioniert habe. in der tat kann man wohl behaupten, dass sowas noch nie bei irgendwem funktioniert hat.
emotionen, erwartungshaltungen, unzufriedenheiten lassen sich nicht per imperativ oder kommando abschalten.
andererseits lag frida zwei minuten später ausgestreckt und entspannt auf dem boden und schlief.
der witz an der geschichte ist, dass zwei dinge zugleich wahr sein können und beide aus guten gründen.
alles ist immer komplizierter, als man denkt, und man kennt nie alle hintergründe — zum beispiel, ob frida und ich das trainiert haben.
dass dinge sich nicht immer eindeutig beurteilen lassen, kann man auch gut mit einer geschichte illustrieren, die der religionsphilosoph alan watts gern erzählte.
in der geschichte läuft einem bauern sein pferd davon. die nachbarn sagen: wie schade, das ist wirklich ein grosses unglück. er sagt: „vielleicht“.
am nächsten tag kommt das pferd zurück und bringt sieben wildpferde mit. jetzt sagen die nachbarn: „oh, was für ein glück! was für eine grossartige wendung der ereignisse“, er sagt: „vielleicht“.
am nächsten tag versuchte sein sohn, eines dieser wildpferde zuzureiten. er wurde abgeworfen und brach sich ein bein. und alle sagten: „oje, das ist ja schrecklich, was für ein pech!“ und der bauer sagte: „vielleicht“
am darauffolgenden tag kamen offiziere der armee vorbei, um junge männer für den krieg einzuziehen. sie lehnten den sohn ab, weil er ein gebrochenes bein hatte. und alle leute kamen herbei und riefen: „ist das nicht grossartig! was für ein glück du hast!“ und der bauer sagte: „vielleicht“
watts wollte damit nicht nur gleichmut illustrieren, sondern auch zeigen, dass man nie genau wissen kann, ob etwas wirklich gut oder schlecht ist. und das nicht im moralischen sinn, sondern erkenntnistheoretisch. so wie sokrates sagte:
Ich weiß, dass ich nichts weiß.
als ich die geschichte vom bauern vor ein paar monaten bei konstantin fand, schrieb konstantin unter die geschichte:
Ich wünschte ich würde mehr von dieser Haltung an den Tag legen.
ich glaube, das ist gar nicht mal so schwer, „mehr von dieser haltung“ an den tag zu legen. diese haltung nennt man in der psychologie auch ambiguitätstoleranz.
ambiguitätstoleranz ist die fähigkeit, mit unsicherheit, widersprüchlichen informationen und komplexen situationen umzugehen, ohne in panik zu geraten oder voreilige schlüsse zu ziehen.
diese haltung ist sozusagen ein werkzeug, das uns hilft, handlungsfähig zu bleiben, ohne die nerven zu verlieren.
forrest gump hat sein leben danach ausgerichtet. was für den bauern das „vielleicht“ war, ist für forest gump die weisheit, die ihm seine mutter beigebracht hat:
Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen.
Man weiß nie, was man kriegt.
oder, wenn wir uns forrest gump als einen kölner vorstellen, wird’s noch deutlicher:
et kütt, wie et kütt.
wir alle ahnen, dass sich das leben nicht immer unserem willen beugt, dass das leben immer überraschungen bereithält.
aber forrest gump, die kölner und der bauer haben begriffen, dass es sich nicht lohnt, SICH ÜBER JEDEN SCHEISS AUFZUREGEN.
wir neigen ja dazu, vermeintlich einfach gestrickten leuten wie forrest gump oder den kölnern naivität, scheuklappen oder eine eher eindimensionale weltsicht anzudichten.
aber eigentlich ist es umgekehrt. vielleicht ist es einfältig zu glauben, dass wir schon wissen, welche pralinen die guten sind — und dass wir sie bekommen sollten.
diese einfalt verleitet uns dazu, zu glauben, dass wir die welt mit patentrezepten oder dem vermeintlich gesunden menschenverstand in den griff bekommen.
wir denken oft: wir müssen uns nur genug anstrengen, genug geld verdienen, um dann vom leben mit glück, erfolg und zufriedenheit belohnt zu werden.
forrest gump ist ein naturtalent im selbstregulierenden erwartungsmanagement. er zeigt uns, dass es möglich ist, das glück im unglück zu finden.
und dass man nicht das hellste licht am tisch sein muss, um zu begreifen, dass glück und unglück zusammengehören, sadness und joy, vielleicht sogar einander bedingen.
wenn wir die pralinenschachtel ohne überhöhte erwartungen öffnen, kann das der erste schritt dahin sein, mehr von der haltung des bauern an den tag zu legen.
erwartungsmanagment, gleichmut — sind die ersten schritte dahin, nicht ständig vom leben enttäuscht zu sein.
nur mal so als beispiel: wenn friedrich merz sein erwartungsmanagment in den griff bekäme, wäre er vielleicht irgendwann nicht mehr enttäuscht von deutschland, der deutschen arbeitsmoral und gemeinheiten gegen ihn.
zu glauben, dass leistung allein zu glück und einem funktionierenden gemeinwesen führt — das ist ja irgendwie auf eine art ne konservative büllerbü-ponyhof-utopie.
mark manson hat ein buch mit dem grandiosen titel „the subtle art of not giving a fuck“ geschrieben. auch wenn die eher derbe ausdrucksweise das suggeriert, argumentiert und plädiert er nicht für gleichgültigkeit, sondern, genau wie forrest gump und alan watts, für gleichmut und eine entspannte herangehensweise ans leben, egal ob’s gerade gut läuft oder weniger gut.
in seinem buch (und diesem video) hat manson ein paar prinzipien von alan watts zu einem umkehr-prinzip verdichtet.
alan watts backwards law according to mark manson
- the more you chase a positive emotion, that chasing in and of itself is a negative experience.
- the more you accept a negative experience, the more that acceptance itself is a positive experience.
er sagt: je mehr wir dem glück hinterherlaufen, je mehr wir das glück suchen, uns selbst optimieren, besser werden wollen, desto frustrierter, unglücklicher sind wir am ende. schon das (glücks-) streben selbst macht uns unglücklich.
wenn wir dagegen negative erlebnisse akzeptieren und damit umgehen, hat allein diese akzeptanz eine befriedigende, positive wirkung auf uns.
das wirkt auf den ersten blick paradox oder eben falsch herum, aber wenn man es genau bedenkt, sieht man, dass wir bestimmte ziele nicht allein durch willen, fleiss oder zielstrebigkeit erreichen können.
unsere intuition, was gut für uns sei, täuscht uns ständig.
wenn wir z.b. versuchen, zeit zu sparen, rinnt sie uns noch schneller durch die finger. wenn wir unsere zeit dagegen etwas widmen, jemandem zeit schenken, zeit verbringen mit dingen, für die wir eine echte leidenschaft haben, dann bleibt die zeit. dann speichern wir erinnerungen.
oder wenn wir versuchen „liebe zu finden“, haben wir es auch oft falschherrum. das mit der liebe funktioniert viel besser, wenn wir liebe geben, statt sie zu suchen.
(dazu hab ich mal nen ganzen vortrag gehalten.)
wo wir uns auch oft täuschen: der versuch andere zu beeindrucken hilft so gut wie nie gegen selbstzweifel oder mangel an selbstbewusstsein.
ich muss dazu einen kurzen exkurs, einen kleinen schwenker machen …
wenn es etwas gibt, was ich meinem jugendlichen ich gerne sagen würde, dann wäre es erstens: „mein gott, bin ich froh nicht mehr jung zu sein und deine probleme zu haben!“
und zweitens: du bist keine schneeflocke, du bist nicht einmalig. du bist mit deinen problemen und ängsten nichts besonderes, im gegenteil. wir haben alle die gleichen probleme, ängste und unsicherheiten — nur die farbe und der kontrast unterscheidet sich gelegentlich.
wenn man das versteht, lässt das bedürfnis leute zu beeindrucken oder grosskotzig aufzutreten, um eigene unsicherheiten zu kaschieren, schlagartig nach.
was erstaunlich gut funktioniert, ist eine gewisse egalness (oder gleichmut oder not giving a fuck). diese egalness ist gelegentlich ein geschenk des alters, manchmal aber auch nicht. manchen menschen ist auch im alter nix egal.
und noch ein exkurs: ich bin denkbar ungeeignet hier zu stehen und zu behaupten geld macht nicht glücklich.
ich bin mit dem privileg aufgewachsen, immer genug geld zu haben. zwar hatten meine eltern immer geldsorgen, aber irgendwie war auch immer ausreichend da.
ich habe viele sorgen und ängste meiner eltern übernommen — aber die nicht. sorgen um geld hatte ich nie. da war ich wie forrest gump, meine konten waren für mich immer wie pralinenschachteln: ich wusste nie, was drin ist.
diese egalness gegenüber geld könnte an meiner privilegierten kindheit und jugend liegen, genetisch bedingt sein oder ein psychischer defekt sein, das glaubt zumindest katia, meine frau, insbesondere nachdem sie vor ein paar tagen in meinen alten kisten dutzende, zwanzig jahre alte, ungeöffnete briefe vom finanzamt fand — die mit den roten, grünen und gelben briefumschlägen.
deshalb bin ich wohl ungeeignet, hier zu stehen und zu behaupten, dass die intuition trügt, wenn wir glauben — dass wir möglichst viel geld verdienen müssen, um glücklich zu sein.
oder zu behaupten: je mehr geld man hat, desto grösser die angst, es zu verlieren.
weil: was weiss ich denn schon?
ich weiss allerdings, dass es eigenartig wirken könnte als privilegierter, alter, weisser mann — oder als jüngerer weisser mann wie mark manson — ein paar psychotricks vorzuschlagen, um das elend der welt erträglicher zu machen.
und es stimmt wahrscheinlich, dass armut, strukturelle ungerechtigkeit, benachteiligung, machtmissbrauch, rassismus sich nicht allein durch modifikation der eigenen haltung ändern lassen, vor allem wenn man selbst von ihnen betroffen ist.
aber — und das ist zumindest meine arbeitshypothese — um strukturen, die gesellschaft oder die gesellschaftliche haltung zu verändern, müssen wir uns erstmal selbst reparieren und handlungsfähig machen.
wir lassen uns als gesellschaft — aber auch als einzelne — von problemen lähmen. das doofe ist, dass ungelöste probleme kleben.
je mehr wir versuchen, problemen aus dem weg zu gehen, desto mehr bestimmen sie das leben.
es gibt ja die schöne figur von michael ende vom scheinriesen.
je näher man einem scheinriesen kommt, desto kleiner wird er. dinge, die bedrohlich erscheinen, wirken dann plötzlich aus der nähe harmlos.
analog dazu gibt’s auch scheinglück. wenn man ständig nur dem glück hinterherläuft und vor negativen gefühlen wegläuft und sie nicht konfrontiert, wirkt der frust mit zunehmender distanz immer grösser und bedrohlicher. das gilt möglicherweise für alle probleme, vor denen man wegläuft.
mein held und der meister der glücksfindung durch loslassen — ist hans im glück.
ich habe hier vor acht jahren mal dafür plädiert, dass wir uns hans im glück nicht als jemanden vorstellen sollten, der durch schlechte tauschgeschäfte alles verloren hat.
im gegenteil: hans im glück kümmert sich nicht um gesellschaftlich konstruierte werte.
er befreit sich schritt für schritt von allem, was ihm als last erscheint, zuerst das gold, dann das pferd, die kuh und am ende den schleifstein. am ende fühlt er sich leicht, frei und glücklich.
nicht hans ist der dumme, sondern wir, weil es uns so schwer fällt, glück jenseits von leistungslogik und besitz zu erkennen.
hans hat erkannt, dass man durch loslassen das glück besser greifen kann.
oder nochmal anders gesagt: bestimmte dinge
lassen sich nicht direkt herstellen, sondern sind nebenprodukte. nebenprodukte vom loslassen, von gleichmut, von optimismus im angesicht von schwierigkeiten.
oder wie mark manson sagt: not giving a fuck.
statt dem glück hinterherzulaufen, ist es ergiebiger, sich dem scheiss, den problemen, die uns die welt in den weg legt, wie einem scheinriesen zu nähern: optimistisch, dass die probleme aus der nähe handhabbar und lösbar erscheinen.
wenn man das negative als teil des lebens, als bedingung für das positive akzeptiert, wirkt die scheisse, die einem die welt entgegenwirft, plötzlich — vielleicht — wie scheinscheisse.
dirk von gehlen hat vor ein paar monaten einen tedx-talk gehalten, in dem er (sinngemäss) behauptet: „Ohne Optimismus funktioniert Demokratie nicht.“
ich erwähne das auch nur, damit ihr nicht denkt, dass ich der einzige quatschkopf bin, der angesichts der aktuellen politischen lage für optimismus plädiert.
die begründung, warum das so ist, will ich etwas anders als dirk von gehlen herleiten. und zwar mit einer idee, die j. m. barrie schon 1904 in peter pan formuliert hat, und mit einer leichten umdefinition von optimismus.
barrie schrieb in peter pan:
jedes mal, wenn ein kind sagt „ich glaube nicht an feen“, stirbt irgendwo eine fee.
der satz impliziert, dass aufmerksamkeit und emotionale bindung etwas — oder jemanden — mit bedeutung und macht aufladen können — und dass bedeutung und macht vergehen, wenn der glaube daran schwindet.
je mehr menschen etwas bedeutung geben, desto realer und mächtiger wird es.
wenn sich das zu abstrakt anhört, oder zu märchenhaft: so wie feen nur existieren weil kinder dran glauben, kann geld nur funktionieren (und eine unheimliche macht ausüben), weil wir alle dran glauben. geld kann genau wie feen sterben, wenn wir aufhören dran zu glauben. das haben wir in der weimarer republik gesehen oder kürzlich in venezuela.
nationalstaaten, der weihnachtsmann, mode, trends, hollywoodstars oder sowas wie „nächstenliebe" — alles kollektive glaubensakte.
das ist aber auch der grund, warum donald trump dort steht, wo er (momentan) noch steht.
so wie die grauen männer in momo den menschen die zeit stehlen, indem sie sie davon überzeugen, zeit zu sparen — genauso stiehlt donald trump unsere aufmerksamkeit und konvertiert sie in macht — und das in solch einem kolossalen ausmass, dass wir es noch nicht mal merken, dass es unsere aufmerksamkeit ist, die ihn nährt.
zurückhaltung beim vorschnellen urteilen, loslassen, gleichmut, not giving a fuck — das ist, vereinfacht, nichts anderes als gefühlsregulation. und — vielleicht — auch ein weg zu einer etwas realistischeren wahrnehmung der welt.
wir machen uns gerne über kinder lustig, weil die ihre gefühle nicht im griff haben. die kinderpsychologin becky kennedy erklärt, warum kinder so emotional auf alles reagieren.
kids are born with all of the emotions and none of the skills.
kinder werden mit allen gefühlen geboren, aber keinem einziges werkzeug um damit umzugehen.
erwachsen werden bedeutet diese fähigkeit nach und nach zu lernen — oder beigebracht zu bekommen — oder werkzeuge dafür zu sammeln.
im internet werden wir allerdings fast täglich zeuge davon, dass viele, sehr viele erwachsene, gefühlsregulation nicht mal im ansatz meistern und sich mehr oder weniger wie kinder am quengelregal aufführen.
populisten wissen das zu nutzen.
ihr geschäftsmodell ist emotionale überforderung: sie peitschen emotionen auf, sie vereinfachen, spalten, verbreiten alarmismus — und bieten dafür das gefühl von klarheit. das funktioniert genau dann besonders gut, wenn wir nicht gelernt haben, mit uneindeutigkeit umzugehen.
ein gegenmittel ist die fähigkeit, innezuhalten, bevor man urteilt — und zu akzeptieren, dass manche dinge komplizierter sind, als sie im ersten moment erscheinen.
populisten hassen ambiguität und differenzierung. deshalb hassen sie kunst und nennen sie entartet, wenn sie vieldeutig ist.
propaganda ist niemals vieldeutig, hat keine metaebenen. alles ist klar und eindeutig.
wo war ich? ich wollte ja über feen reden.
während das mit den feen bei barrie wie ein märchen klingt — feen, die sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt — ist das mit der demokratie, solidarität, versöhnung, menschlichkeit ganz konkret: wenn niemand daran glaubt, dass sie funktionieren, dann sterben sie.
wir retten die demokratie nicht allein mit einer rosaroten brille oder indem wir uns zu mehr gleichmut stupsen oder nudgen, aber es würde möglicherweise schon helfen, wenn wir aufhörten zu glauben, dass das eh alles nichts bringt, alles immer nur schlimmer wird und man eh nichts ändern kann.
demokratie — und optimismus — leben davon, dass wir glauben
ich plädiere eben nicht für eine rosarote brille, sondern dafür, dass wir die schwarzmalerische brille abnehmen.
es geht auch nicht darum, die rote oder blaue pille zu wählen, sondern darum, uns den blick auf die möglichkeiten nicht durch vorschnelles urteilen zu verstellen.
wir müssen die welt nicht so sehen, als wäre schrödinger’s katze immer tot. sobald wir uns eine bessere zukunft vorstellen können, kann diese zukunft potenziell entstehen.
das ist der entscheidende punkt, dass wir lernen und erkennen, dass die welt weder schlecht noch gut ist.
sie ist erstmal reines potenzial.
sie ist das, was wir in ihr für möglich halten.
(und) sie wird das, was wir glauben, was sie sein könnte.
oder mit weniger pathos:
wie wir die welt sehen, ist nicht egal.
pessimisten und populisten sagen: das glas ist halb leer.
aber optimismus ist nicht zu sagen: „das glas ist halb voll“.
optimismus ist die überzeugung, dass man das glas auffüllen kann.
diese optimismus-definition erklärt übrigens auch die offene frage, warum es denn jetzt gut sei, dass die welt scheisse ist.
ein volles glas kann man nicht auffüllen.
das schlechte sehen und an das gute glauben.
die welt ist scheisse — das ist nicht egal und auch nicht wirklich gut — aber das ist so gedacht.
it’s not a bug, it’s a feature
sehr schöner, langer tag auf der republica. ich glaube, ich war noch nie so früh auf einer republica. keine ahnung warum. vielleicht weil ich dachte, ich könne dort frühstücken.
ich glaube auch, einen ticken mehr leute als sonst getroffen und gesprochen zu haben als sonst.
die sessions, die ich heute gesehen habe, haben mich nicht umgeworfen, aber ein paar überraschende momente gab’s doch. luisa neubauer ist zum beispiel ein rhetorisches schwungrad. sie fängt langsam und zögerlich an zu sprechen, aber dann kommt sie in schwung und noch mehr schwung und schleudert überraschend gute worte ins publikum. sehr beeindruckend. auch cory doctorow schien beflügelt. während seine letzten talks auf der republica wie gelangweilte vorlesungen auf mich wirkten, wirkte er heute wie ausgewechselt, ein feuerwerk der guten laune.
man kann seinen 45-minütigen vortrag mit wenigen sätzen zusammenfassen: 1) kamerad trump und kamerad putin haben in 1-2 jahren so viel für die europäische unabhängigkeit getan, wie er nicht mal im ansatz in seiner 20-30-jährigen aktivisten-tätigkeit erreicht hat. 2) die gesetze gegen das umgehen technischer sperren (DRM, Jailbreak-Schutz usw.) müssen weg, damit die europäer bzw. die länder der welt sich unabhängig(er) von amerikanischer technologie machen können. 3) er sagt „fuck optimism“, nennt sich aber so hoffnungsfroh wie lange nicht mehr. optimismus sei passiv, hoffnung sei aktiv. man könne auch frustriert und verängstigt hoffnung haben, aber optimismus lähme genau wie pessimismus. ich argumentiere morgen um 13 uhr genau gegenteilig und definiere optimismus kurzerhand um. wahrscheinlich weniger wortmächtig und mit weniger intellektueller und semantischer schärfe als doctorow, aber hoffentlich genauso nachvollziehbar.
die bühne am energiemobil fasst auf jeden fall einen guten ticken mehr als 20 leute und ich gehe davon aus, dass es ganz flauschig dort werden könnte.
das von alex matzkeit organisierte panel zur frühen blogosphäre heute abend war auch sehr flauschig und erinnerte mich vor allem daran, was ich alles im laufe der jahre vergessen habe, obwohl es ja theoretisch (fast) alles hier im archiv nachlesbar wäre. der schönste gedanke, den die kaltmamsell mir heute abend wieder in erinnerung rief: wir waren damals, bei unserem ersten grossen treffen, der „blogmich“-party 2005, (fast) alle fanboys und -girls voneinander. und christian buggisch erinnerte uns daran, dass auch wenn relevanz und reichweite firlefanz sind, blogs oder einfach ins internet zu schreiben (egal wo), durchaus inspirierend waren, sind und sein können.
kurz gesagt: ein sehr schöner tag.
gestern mit frida den nachmittagsspaziergang vom platz der luftbrücke zur station gemacht. ich wollte mich von hinten an das gelände schleichen, auch um die mir zugewiesene bühne für meine session morgen zu begutachten.
das „energiemobil“ ist eine aussenbühne, laut speakerbriefing gibts ne audioaufzeichnung, aber kein „Live Voice“. das heisst das ist keine kopfhörer-bühne, aber damit auch kein livestream. es gibt einen 55" monitor und die bühne ist für 20 zuschauer ausgelegt. finde ich eigentlich ganz gut, heute werde ich mal schauen, wie die bühne sich bei den ersten montags sessions anfühlt. theoretisch sollten dank fehlender wände auch mehr als 20 leute platz finden, mal schauen wie die praxis aussieht. mein vortrag funktioniert trotz ca. 80 folien dieses jahr auch gut ohne folien. auch wenn die folien auch dieses jahr ihr eigenleben haben.
das wetter sollte laut DWD mitspielen und sehr republica-freundlich sein. heute sonnenschein und bis zu 20°C, morgen etwas weniger sonne und bis zu 18°. am mittwoch immer noch überwiegend sonnig, aber etwas wolkiger, regnen solls die drei tage nicht.
nach dem abholen meiner bändchen, haben frida und ich uns nochmal auf die eingangswiese gesetzt und ein bierchen und ein wässerchen getrunken. rein, aufs gelände dürfen hunde ja seit ein paar jahren nicht mehr. draussen sprach mich sabine an, die sich als eine der fussball-freundinnen von meq vorstellte. das fand ich sehr nett und das ist irgendwie auch sehr bloggig. nicht nur die bloggenden selbst kennen und lesen sich gegenseitig, auch die mitlesenden kennen sich irgendwie. später kam noch alex matzkeit dazu. wir haben natürlich über blogs und das was manche vor 15, 20 jahren auch blogoshäre oder weblogbedeutungsmafia oder digitale boheme oder digitale klowände genannt haben. wie 99,99% der bevölkerung hat er davon damals wenig bis gar nichts mitbekommen, aber anders als 99,99% der leute, interessiert ihn das jetzt irgendwie. meine these ist ja, dass diese form der textbasierten subkultur damals etwas mehr aufmerksamkeit bekommen hat als heute. oder genauer, die bloggenden haben damals geschafft sich etwas mehr aufmerksamkeit zu erkämpfen (unter anderem mit veranstaltungen wie der republica) und auch wenn es den eindruck macht, dass blogs keine relevanz mehr haben, haben sie meiner meinung nach genauso wenig oder viel relevanz wie damals. oder anders gesagt, der relativ homogene eindruck, den die blogosphäre damals gemacht ist weg, aber viele keine blasen, unzählige mikrogemeinschaften, wahrscheinlich mehr als jemals zuvor, sind weiterhin aktiv, allerdings unter dem radar der breiten öffentlichkeit. naja, wird jedenfalls bestimmt spannend das gespräch heute abend.
über den metabene newsletter bin ich auf dieses video gestossen, in dem robin thiesmeyer (meta bene), rocko schamoni und marc-uwe kling über „offene soziale Netze“ reden.
am anfang zeigt robin eine kurze präsentation, in der er sich vorstellt. ich fand das sehr witzig.
… weil ich minimalist bin, als ästhetisches konzept, das kennen sie vielleicht, das is ne sehr anstrengende art von faulheit …
der rest war nicht so lustig, weil die drei, vier auf der bühne, dann über reichweite und monetarisierung reden. über reichweite reden oder nachdenken ist immer irgendwie traurig. wenn einen keiner liest (oder sieht), ist man traurig, wenn man merkt dass ein paar leute das lesen oder sehen was man ins netz veröffentlicht, ist man auch traurig, weil andere ja bestimmt mehr aufmerksamkeit bekommen. und wenn man 1000 follower oder abonnenten hat, ist man traurig, dass man nicht 2000 hat.
damit will ich mich keinesfalls über die drei auf der OMG 2MR-bühne lustig machen, sondern es ist eine erfahrung die ich in den letzten 30 jahren gemacht habe. noch trauriger wird es, wenn dann neben reichweite auch noch über monetarisierung gesprochen wird, weil beides wahnsinnig schwer ist und mit diesen „offenen sozialen netzwerken“ noch schwerer. und wenn man wirklich viele leute erreichen will, muss man sich gegebenenfalls auch noch verbiegen und die angebote von amerikanischen tech-buden in anspruch nehmen und sich da an absurde regeln halten oder mit bürokartischen bots auseinandersetzen.
wenn mich am montag alex matzkeit in seinem panel auf der republica fragt, wie es denn damals in den frühen tagen der blogosphäre war, werde ich möglicherweise (auch) sagen: wir konnten uns für eine kurze weile einbilden viel reichweite und eine gewisse relevanz zu haben. einbildung deshalb, weil das vielleicht eine relativ hohe reichweite war, aber absolut eher nicht. wir haben halt in unserer blase „gebloggt“ und gelegentlich vergessen, dass unsere blase eigentlich teil eines riesigen schaumteppichs mit milliarden anderen blasen ist.
unsere blogoblase (vielleicht ein besseres wort als blogoshäre?) hatte allerdings eine eigenschaft, die die reichweite vermeintlich massiv erhöhte: die blogoblase hatte viele schnittstellen mit der journalisten-blase. deshalb gab es multiplikationseffekte und gelegentlich sowas wie gefühlte relevanz. aber meine these ist, dass „wir“, die bloggenden menschen der frühen 2000er und 2010er, unserer reichweite aus einem sehr begrenzten umkreis rekrutierten.
irgendwann (vor 10 jahren) wurden mal ein paar erfolgreiche youtuber auf die republica eingeladen. als die ihre zuschauer- und abonnentenzahlen nannten, fiel den meisten bloggern, mindestens mir, die kinnlade runter. trotz der beeindruckenden zahlen der youtuber waren sie trotzdem extreme nischenanbieter. auch die youtuber-blasen waren bei weitem nicht so gross, dass meine eltern einen oder eine von ihnen jemals gesehen hätten oder freunde und bekannte ausserhalb meiner internet-blase die kannten.
was ich sagen will: reichweite ist relativ. und sehr, sehr schwer zu erreichen und noch schwerer zu halten. und monetarisierung ist noch schwerer. elendig viel arbeit.
was ich auch sagen will: ich bin froh dass mir beide themen, reichweite und monetarisierung, mittlerweile (grösstenteils) völlig egal sind. das hat eine sehr entspanende wirkung. andererseits muss ich davon was ich in der öffentlichkeit veranstalte auch nicht leben.
eay hat heute ein zitat von jim nielsen verbloggt:
John Gruber, quoting Walt Disney:
We don’t make movies to make money; we make money to make more movies.
Gruber’s version: don’t make software to make money, make money to make more software.
My version: don’t make websites to make money, make money to make more websites.
das ist genau mein derzeitiger arbeitsmodus im netz: das was ich hier veranstalte tue ich nicht um geld zu verdienen, sondern ich verdiene geld, damit ich das hier machen kann. der grund warum ich anfing öffentlich zu schreiben, zuerst in einen newsletter, dann unter meiner eigenen domain wirres.net, war mein bedürfnis zu schreiben. ein bedürfnis etwas zu tun, was sich kreativ anfühlt und mich zwingt um und in mich zu schauen — und das was ich sah in worte zu fassen.
und das mache ich seitdem. reichweiten und monetarisierungsfragen haben mich auf dieser reise gelegentlich neugierig gemacht und ich habe damit viel experimentiert, aber die eigentliche monetarisierung kam immer aus der lohnarbeit.
ich bin darüber nicht traurig, im gegenteil, aber trotzdem ist es doch traurig, dass kreative arbeit mit kreativer arbeit allein so schwer finanzierbar ist. ich glaube auch nicht dass es dafür techische lösungen gibt. die gibt und gab es schon länger, steady, patreon oder youtube — und früher mal flattr. aber bis auf ganz wenige ausnahmen, können da die wenigsten von leben.
vor zwanzig oder dreissig jahren hatten wir mal die hoffnung, dass das netz die gatekeeper davonschwemmt und aufmerksamkeit demokratischer oder gerechter verteilt werden könnte. oder dass die 15 minuten fame die uns andy warhol in den 60ern versprochen hat, sich durchs netz und neue technologien vervielfachen liessen. stattdessen kamen neue gatekeeper und die konkurenz um die ware aufmerksamkeit wird immer schärfer.
ich liebe weiterhin aufmerksamkeit, aber um sie ersthaft zu verfolgen bin ich wahrscheinlich einfach zu müde und zu alt. mir gefällt, dass ich diesen text hier einfach rausrotzen kann und ihn erst später, lange nach dem drücken des veröffentlichen-knopfs, nochmal gegenlese und die gröbsten orthographischen schnitzer rauskorrigiere.
The only secret of magic is that I'm willing to work harder on it than you think it's worth.
-- Penn Jillette
dieses zitat flog mir eben in den kopf und ich musste erstmal eine quelle finden, um den wortlaut wieder zusammenzubekommen. das zitat erklärt gut wie zauberei, illusionen, aber auch ganz allgemein, jede kreative arbeit funktioniert. genau genommen gilt das für jede arbeit und alles was wir gut können. wenn jemand etwas gut kann, dann hat diese person irgendwann mal dafür geübt — und mit ziemlicher wahrscheinlichkeit mehr, als man als aussenstehender für nötig oder möglich hält.
mir fällt in dem zusammenhang auch immer die (wahrscheinlich ausgedachte) anekdote ein, die pablo picasso zugeschrieben wird. der sass in einem café und zeichnete auf einer serviette. als eine frau ihn fragte ob er sie auf der serviette porträtieren würde, war er in zwei minuten fertig und verlangte eine astronomische summe für das porträt. auf den einwand, dass er doch nur ein paar minuten dafür gebraucht habe, sagte er: „es hat mich mein ganzes leben gekostet, das in zwei minuten zu zeichnen.“
ich finde bei allem was ich tue perfektion überflüssig. ich will nicht sagen, dass ich perfektion hasse, im gegenteil, perfektion fasziniert mich. aber mir ist das zu viel arbeit. das hält mich aber nicht davon ab, regelmässig sehr viel arbeit in „gut genug“ zu stecken. oft wahrscheinlich deutlich mehr, als andere für vernünftig halten würden.
das poster habe ich vor 20 jahren bei eboy gekauft (archive-link). seitdem, also die letzten 20 jahre, lag es zusammengerollt in einer unserer kammern. bei der letzten aufräumaktion hat die beifahrerin das poster gefunden und wir haben es aufgehängt.
das poster in in vierfacher hinsicht super: ich mag wimmelbilder, isometrische darstellung und pixel-ästhetik. und dazu ist es noch eine art hiostorisches dokument und zeigt allerhand gedöns, das es nicht mehr gibt (skype, technorati, del.ici.us, feedburner). das poster ist so alt, dass damals facebook und twitter noch kein ding waren.
nachtrag 13.05.2026:
frank westphal hat das poster 2006 verbloggt und sich die mühe gemacht ein paar der web2.0-dienste zu verlinken. den html-block kopiere ich mal, weil er vortrefflich illustriert, wie viel web2.0 den exit gemacht hat.
die republica-app für dieses jahr ist draussen. das freut mich, weil ich dann jetzt mein #rp26-program mit der ♥️ funktion zusammenklicken kann (und die tage hier veröffentlichen kann).
noch mehr würde ich mich natürlich freuen, wenn ganz viele meinen vortrag im programm der app suchen („felix schwenzel“) und finden und mit einem ♥️ markieren würden. ich glaube, in aller bescheidenheit, dass mein vortrag dieses jahr ganz gut sein könnte. und dieses jahr isser auch nicht am letzten republica-tag, weil er schon fast fertig ist und ich die drei republica-tage nicht zum fertigschreiben brauche.
nachtrag: offenbar kann man in diesem jahr einzelne sessions oder ein zusammengestelltes #rp26 programm in die app importieren.
mit diesem link oder QR code sollte meine session zum markieren in die app importiert werden können.
https://re-publica.com/app-import?s=10417




















