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ich verlasse die #rp26 sehr gut gelaunt nach arne semsrotts fantastischen, hoffnungsfroh stimmenden vortrag. das war der doppelpunkt auf das eigentliche republica-motto dieses jahr: re:hoffnung
arne semsrott ist auch schon auf youtube …
faszinierend, diesen tweet hat lord caramac the clueless am 19.05.2011 geschrieben und jetzt wurde er ausversehen auf mastodon veröffentlicht.
(vortrag auf der republica am 19.05.2026)
die titel meiner republica-sessions sind ja oft (mittel) steile thesen, aber ich glaube, zu behaupten, die welt sei scheisse, ist keine steile these. ich gehe davon aus, dass die meisten menschen die welt irgendwie scheisse finden oder zumindest der ansicht sind, dass die welt aus den fugen ist.
katia, meine frau, stimmt dem ersten teil des titels voll und ganz zu. zum zweiten teil meinte sie, da hätte ich mir ziemlich viel vorgenommen. warum soll das denn gut so sein? es sei doch offensichtlich, dass es schon lange — oder noch nie — so schlimm gewesen sei wie jetzt.
für den fall, dass ich höre: „es ist noch niee so schlimm gewesen“ hab ich immer dieses bild dabei.

ich sag dann immer: „1933, pocken, pest, kuba, hiroshima, 9/11 — oder frag mal die dinosaurier …“
oder — muss man sich mal vorstellen, noch vor 2000 jahren hat man leute ans holz genagelt, nur weil sie sagten, wie schön es doch wäre, wenn die menschen zur abwechslung mal nett zueinander wären.
wenn ich frida, unseren pudel, fragen würde, was sie von der welt hält, würde sie möglicherweise sagen:
die welt ist gut so.
hunde nehmen die welt, wie sie ist, und halten sich mit urteilen und bewertungen zurück.
apropos scheisse, ist euch schon mal aufgefallen, dass hunde gerne an scheisse riechen?
sie haben die fähigkeit scheisse nicht eklig zu finden und können die interessanz und komplexität von scheisse erkennen.
hunde können scheisse differenzieren!
das hunde sich mit urteilen über die welt zurückhalten, kann daran liegen dass sie differenzieren oder daran, dass sie keine nachrichten verfolgen oder dass sie sehr langsam denken.
dass hunde nicht urteilen und bewerten, ist wahrscheinlich der hauptgrund dafür, dass sie so beliebt sind.
für uns menschen ist es sehr wohltuend, nicht bewertet oder beurteilt zu werden.
hunde nehmen das leben, wie es ist — und uns wie wir sind.
eigentlich kann ich jetzt schon das erste zwischenfazit ziehen: wenn man seine beliebtheit steigern will — einfach mal das urteilen lassen.
als ich frida vor einer weile mal mit ins büro genommen habe, ist mir noch etwas anderes aufgefallen. wir sassen in einer besprechung und frida war etwas unruhig. ich sagte ihr: „frida, entspann dich.“
meine kollegin sue erinnerte mich daran, dass sowas noch nie bei einer frau funktioniert habe. in der tat kann man wohl behaupten, dass sowas noch nie bei irgendwem funktioniert hat.
emotionen, erwartungshaltungen, unzufriedenheiten lassen sich nicht per imperativ oder kommando abschalten.
andererseits lag frida zwei minuten später ausgestreckt und entspannt auf dem boden und schlief.
der witz an der geschichte ist, dass zwei dinge zugleich wahr sein können und beide aus guten gründen.
alles ist immer komplizierter, als man denkt, und man kennt nie alle hintergründe — zum beispiel, ob frida und ich das trainiert haben.
dass dinge sich nicht immer eindeutig beurteilen lassen, kann man auch gut mit einer geschichte illustrieren, die der religionsphilosoph alan watts gern erzählte.
in der geschichte läuft einem bauern sein pferd davon. die nachbarn sagen: wie schade, das ist wirklich ein grosses unglück. er sagt: „vielleicht“.
am nächsten tag kommt das pferd zurück und bringt sieben wildpferde mit. jetzt sagen die nachbarn: „oh, was für ein glück! was für eine grossartige wendung der ereignisse“, er sagt: „vielleicht“.
am nächsten tag versuchte sein sohn, eines dieser wildpferde zuzureiten. er wurde abgeworfen und brach sich ein bein. und alle sagten: „oje, das ist ja schrecklich, was für ein pech!“ und der bauer sagte: „vielleicht“
am darauffolgenden tag kamen offiziere der armee vorbei, um junge männer für den krieg einzuziehen. sie lehnten den sohn ab, weil er ein gebrochenes bein hatte. und alle leute kamen herbei und riefen: „ist das nicht grossartig! was für ein glück du hast!“ und der bauer sagte: „vielleicht“
watts wollte damit nicht nur gleichmut illustrieren, sondern auch zeigen, dass man nie genau wissen kann, ob etwas wirklich gut oder schlecht ist. und das nicht im moralischen sinn, sondern erkenntnistheoretisch. so wie sokrates sagte:
Ich weiß, dass ich nichts weiß.
als ich die geschichte vom bauern vor ein paar monaten bei konstantin fand, schrieb konstantin unter die geschichte:
Ich wünschte ich würde mehr von dieser Haltung an den Tag legen.
ich glaube, das ist gar nicht mal so schwer, „mehr von dieser haltung“ an den tag zu legen. diese haltung nennt man in der psychologie auch ambiguitätstoleranz.
ambiguitätstoleranz ist die fähigkeit, mit unsicherheit, widersprüchlichen informationen und komplexen situationen umzugehen, ohne in panik zu geraten oder voreilige schlüsse zu ziehen.
diese haltung ist sozusagen ein werkzeug, das uns hilft, handlungsfähig zu bleiben, ohne die nerven zu verlieren.
forrest gump hat sein leben danach ausgerichtet. was für den bauern das „vielleicht“ war, ist für forest gump die weisheit, die ihm seine mutter beigebracht hat:
Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen.
Man weiß nie, was man kriegt.
oder, wenn wir uns forrest gump als einen kölner vorstellen, wird’s noch deutlicher:
et kütt, wie et kütt.
wir alle ahnen, dass sich das leben nicht immer unserem willen beugt, dass das leben immer überraschungen bereithält.
aber forrest gump, die kölner und der bauer haben begriffen, dass es sich nicht lohnt, SICH ÜBER JEDEN SCHEISS AUFZUREGEN.
wir neigen ja dazu, vermeintlich einfach gestrickten leuten wie forrest gump oder den kölnern naivität, scheuklappen oder eine eher eindimensionale weltsicht anzudichten.
aber eigentlich ist es umgekehrt. vielleicht ist es einfältig zu glauben, dass wir schon wissen, welche pralinen die guten sind — und dass wir sie bekommen sollten.
diese einfalt verleitet uns dazu, zu glauben, dass wir die welt mit patentrezepten oder dem vermeintlich gesunden menschenverstand in den griff bekommen.
wir denken oft: wir müssen uns nur genug anstrengen, genug geld verdienen, um dann vom leben mit glück, erfolg und zufriedenheit belohnt zu werden.
forrest gump ist ein naturtalent im selbstregulierenden erwartungsmanagement. er zeigt uns, dass es möglich ist, das glück im unglück zu finden.
und dass man nicht das hellste licht am tisch sein muss, um zu begreifen, dass glück und unglück zusammengehören, sadness und joy, vielleicht sogar einander bedingen.
wenn wir die pralinenschachtel ohne überhöhte erwartungen öffnen, kann das der erste schritt dahin sein, mehr von der haltung des bauern an den tag zu legen.
erwartungsmanagment, gleichmut — sind die ersten schritte dahin, nicht ständig vom leben enttäuscht zu sein.
nur mal so als beispiel: wenn friedrich merz sein erwartungsmanagment in den griff bekäme, wäre er vielleicht irgendwann nicht mehr enttäuscht von deutschland, der deutschen arbeitsmoral und gemeinheiten gegen ihn.
zu glauben, dass leistung allein zu glück und einem funktionierenden gemeinwesen führt — das ist ja irgendwie auf eine art ne konservative büllerbü-ponyhof-utopie.
mark manson hat ein buch mit dem grandiosen titel „the subtle art of not giving a fuck“ geschrieben. auch wenn die eher derbe ausdrucksweise das suggeriert, argumentiert und plädiert er nicht für gleichgültigkeit, sondern, genau wie forrest gump und alan watts, für gleichmut und eine entspannte herangehensweise ans leben, egal ob’s gerade gut läuft oder weniger gut.
in seinem buch (und diesem video) hat manson ein paar prinzipien von alan watts zu einem umkehr-prinzip verdichtet.
alan watts backwards law according to mark manson
- the more you chase a positive emotion, that chasing in and of itself is a negative experience.
- the more you accept a negative experience, the more that acceptance itself is a positive experience.
er sagt: je mehr wir dem glück hinterherlaufen, je mehr wir das glück suchen, uns selbst optimieren, besser werden wollen, desto frustrierter, unglücklicher sind wir am ende. schon das (glücks-) streben selbst macht uns unglücklich.
wenn wir dagegen negative erlebnisse akzeptieren und damit umgehen, hat allein diese akzeptanz eine befriedigende, positive wirkung auf uns.
das wirkt auf den ersten blick paradox oder eben falsch herum, aber wenn man es genau bedenkt, sieht man, dass wir bestimmte ziele nicht allein durch willen, fleiss oder zielstrebigkeit erreichen können.
unsere intuition, was gut für uns sei, täuscht uns ständig.
wenn wir z.b. versuchen, zeit zu sparen, rinnt sie uns noch schneller durch die finger. wenn wir unsere zeit dagegen etwas widmen, jemandem zeit schenken, zeit verbringen mit dingen, für die wir eine echte leidenschaft haben, dann bleibt die zeit. dann speichern wir erinnerungen.
oder wenn wir versuchen „liebe zu finden“, haben wir es auch oft falschherrum. das mit der liebe funktioniert viel besser, wenn wir liebe geben, statt sie zu suchen.
(dazu hab ich mal nen ganzen vortrag gehalten.)
wo wir uns auch oft täuschen: der versuch andere zu beeindrucken hilft so gut wie nie gegen selbstzweifel oder mangel an selbstbewusstsein.
ich muss dazu einen kurzen exkurs, einen kleinen schwenker machen …
wenn es etwas gibt, was ich meinem jugendlichen ich gerne sagen würde, dann wäre es erstens: „mein gott, bin ich froh nicht mehr jung zu sein und deine probleme zu haben!“
und zweitens: du bist keine schneeflocke, du bist nicht einmalig. du bist mit deinen problemen und ängsten nichts besonderes, im gegenteil. wir haben alle die gleichen probleme, ängste und unsicherheiten — nur die farbe und der kontrast unterscheidet sich gelegentlich.
wenn man das versteht, lässt das bedürfnis leute zu beeindrucken oder grosskotzig aufzutreten, um eigene unsicherheiten zu kaschieren, schlagartig nach.
was erstaunlich gut funktioniert, ist eine gewisse egalness (oder gleichmut oder not giving a fuck). diese egalness ist gelegentlich ein geschenk des alters, manchmal aber auch nicht. manchen menschen ist auch im alter nix egal.
und noch ein exkurs: ich bin denkbar ungeeignet hier zu stehen und zu behaupten geld macht nicht glücklich.
ich bin mit dem privileg aufgewachsen, immer genug geld zu haben. zwar hatten meine eltern immer geldsorgen, aber irgendwie war auch immer ausreichend da.
ich habe viele sorgen und ängste meiner eltern übernommen — aber die nicht. sorgen um geld hatte ich nie. da war ich wie forrest gump, meine konten waren für mich immer wie pralinenschachteln: ich wusste nie, was drin ist.
diese egalness gegenüber geld könnte an meiner privilegierten kindheit und jugend liegen, genetisch bedingt sein oder ein psychischer defekt sein, das glaubt zumindest katia, meine frau, insbesondere nachdem sie vor ein paar tagen in meinen alten kisten dutzende, zwanzig jahre alte, ungeöffnete briefe vom finanzamt fand — die mit den roten, grünen und gelben briefumschlägen.
deshalb bin ich wohl ungeeignet, hier zu stehen und zu behaupten, dass die intuition trügt, wenn wir glauben — dass wir möglichst viel geld verdienen müssen, um glücklich zu sein.
oder zu behaupten: je mehr geld man hat, desto grösser die angst, es zu verlieren.
weil: was weiss ich denn schon?
ich weiss allerdings, dass es eigenartig wirken könnte als privilegierter, alter, weisser mann — oder als jüngerer weisser mann wie mark manson — ein paar psychotricks vorzuschlagen, um das elend der welt erträglicher zu machen.
und es stimmt wahrscheinlich, dass armut, strukturelle ungerechtigkeit, benachteiligung, machtmissbrauch, rassismus sich nicht allein durch modifikation der eigenen haltung ändern lassen, vor allem wenn man selbst von ihnen betroffen ist.
aber — und das ist zumindest meine arbeitshypothese — um strukturen, die gesellschaft oder die gesellschaftliche haltung zu verändern, müssen wir uns erstmal selbst reparieren und handlungsfähig machen.
wir lassen uns als gesellschaft — aber auch als einzelne — von problemen lähmen. das doofe ist, dass ungelöste probleme kleben.
je mehr wir versuchen, problemen aus dem weg zu gehen, desto mehr bestimmen sie das leben.
es gibt ja die schöne figur von michael ende vom scheinriesen.
je näher man einem scheinriesen kommt, desto kleiner wird er. dinge, die bedrohlich erscheinen, wirken dann plötzlich aus der nähe harmlos.
analog dazu gibt’s auch scheinglück. wenn man ständig nur dem glück hinterherläuft und vor negativen gefühlen wegläuft und sie nicht konfrontiert, wirkt der frust mit zunehmender distanz immer grösser und bedrohlicher. das gilt möglicherweise für alle probleme, vor denen man wegläuft.
mein held und der meister der glücksfindung durch loslassen — ist hans im glück.
ich habe hier vor acht jahren mal dafür plädiert, dass wir uns hans im glück nicht als jemanden vorstellen sollten, der durch schlechte tauschgeschäfte alles verloren hat.
im gegenteil: hans im glück kümmert sich nicht um gesellschaftlich konstruierte werte.
er befreit sich schritt für schritt von allem, was ihm als last erscheint, zuerst das gold, dann das pferd, die kuh und am ende den schleifstein. am ende fühlt er sich leicht, frei und glücklich.
nicht hans ist der dumme, sondern wir, weil es uns so schwer fällt, glück jenseits von leistungslogik und besitz zu erkennen.
hans hat erkannt, dass man durch loslassen das glück besser greifen kann.
oder nochmal anders gesagt: bestimmte dinge
lassen sich nicht direkt herstellen, sondern sind nebenprodukte. nebenprodukte vom loslassen, von gleichmut, von optimismus im angesicht von schwierigkeiten.
oder wie mark manson sagt: not giving a fuck.
statt dem glück hinterherzulaufen, ist es ergiebiger, sich dem scheiss, den problemen, die uns die welt in den weg legt, wie einem scheinriesen zu nähern: optimistisch, dass die probleme aus der nähe handhabbar und lösbar erscheinen.
wenn man das negative als teil des lebens, als bedingung für das positive akzeptiert, wirkt die scheisse, die einem die welt entgegenwirft, plötzlich — vielleicht — wie scheinscheisse.
dirk von gehlen hat vor ein paar monaten einen tedx-talk gehalten, in dem er (sinngemäss) behauptet: „Ohne Optimismus funktioniert Demokratie nicht.“
ich erwähne das auch nur, damit ihr nicht denkt, dass ich der einzige quatschkopf bin, der angesichts der aktuellen politischen lage für optimismus plädiert.
die begründung, warum das so ist, will ich etwas anders als dirk von gehlen herleiten. und zwar mit einer idee, die j. m. barrie schon 1904 in peter pan formuliert hat, und mit einer leichten umdefinition von optimismus.
barrie schrieb in peter pan:
jedes mal, wenn ein kind sagt „ich glaube nicht an feen“, stirbt irgendwo eine fee.
der satz impliziert, dass aufmerksamkeit und emotionale bindung etwas — oder jemanden — mit bedeutung und macht aufladen können — und dass bedeutung und macht vergehen, wenn der glaube daran schwindet.
je mehr menschen etwas bedeutung geben, desto realer und mächtiger wird es.
wenn sich das zu abstrakt anhört, oder zu märchenhaft: so wie feen nur existieren weil kinder dran glauben, kann geld nur funktionieren (und eine unheimliche macht ausüben), weil wir alle dran glauben. geld kann genau wie feen sterben, wenn wir aufhören dran zu glauben. das haben wir in der weimarer republik gesehen oder kürzlich in venezuela.
nationalstaaten, der weihnachtsmann, mode, trends, hollywoodstars oder sowas wie „nächstenliebe" — alles kollektive glaubensakte.
das ist aber auch der grund, warum donald trump dort steht, wo er (momentan) noch steht.
so wie die grauen männer in momo den menschen die zeit stehlen, indem sie sie davon überzeugen, zeit zu sparen — genauso stiehlt donald trump unsere aufmerksamkeit und konvertiert sie in macht — und das in solch einem kolossalen ausmass, dass wir es noch nicht mal merken, dass es unsere aufmerksamkeit ist, die ihn nährt.
zurückhaltung beim vorschnellen urteilen, loslassen, gleichmut, not giving a fuck — das ist, vereinfacht, nichts anderes als gefühlsregulation. und — vielleicht — auch ein weg zu einer etwas realistischeren wahrnehmung der welt.
wir machen uns gerne über kinder lustig, weil die ihre gefühle nicht im griff haben. die kinderpsychologin becky kennedy erklärt, warum kinder so emotional auf alles reagieren.
kids are born with all of the emotions and none of the skills.
kinder werden mit allen gefühlen geboren, aber keinem einziges werkzeug um damit umzugehen.
erwachsen werden bedeutet diese fähigkeit nach und nach zu lernen — oder beigebracht zu bekommen — oder werkzeuge dafür zu sammeln.
im internet werden wir allerdings fast täglich zeuge davon, dass viele, sehr viele erwachsene, gefühlsregulation nicht mal im ansatz meistern und sich mehr oder weniger wie kinder am quengelregal aufführen.
populisten wissen das zu nutzen.
ihr geschäftsmodell ist emotionale überforderung: sie peitschen emotionen auf, sie vereinfachen, spalten, verbreiten alarmismus — und bieten dafür das gefühl von klarheit. das funktioniert genau dann besonders gut, wenn wir nicht gelernt haben, mit uneindeutigkeit umzugehen.
ein gegenmittel ist die fähigkeit, innezuhalten, bevor man urteilt — und zu akzeptieren, dass manche dinge komplizierter sind, als sie im ersten moment erscheinen.
populisten hassen ambiguität und differenzierung. deshalb hassen sie kunst und nennen sie entartet, wenn sie vieldeutig ist.
propaganda ist niemals vieldeutig, hat keine metaebenen. alles ist klar und eindeutig.
wo war ich? ich wollte ja über feen reden.
während das mit den feen bei barrie wie ein märchen klingt — feen, die sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt — ist das mit der demokratie, solidarität, versöhnung, menschlichkeit ganz konkret: wenn niemand daran glaubt, dass sie funktionieren, dann sterben sie.
wir retten die demokratie nicht allein mit einer rosaroten brille oder indem wir uns zu mehr gleichmut stupsen oder nudgen, aber es würde möglicherweise schon helfen, wenn wir aufhörten zu glauben, dass das eh alles nichts bringt, alles immer nur schlimmer wird und man eh nichts ändern kann.
demokratie — und optimismus — leben davon, dass wir glauben
ich plädiere eben nicht für eine rosarote brille, sondern dafür, dass wir die schwarzmalerische brille abnehmen.
es geht auch nicht darum, die rote oder blaue pille zu wählen, sondern darum, uns den blick auf die möglichkeiten nicht durch vorschnelles urteilen zu verstellen.
wir müssen die welt nicht so sehen, als wäre schrödinger’s katze immer tot. sobald wir uns eine bessere zukunft vorstellen können, kann diese zukunft potenziell entstehen.
das ist der entscheidende punkt, dass wir lernen und erkennen, dass die welt weder schlecht noch gut ist.
sie ist erstmal reines potenzial.
sie ist das, was wir in ihr für möglich halten.
(und) sie wird das, was wir glauben, was sie sein könnte.
oder mit weniger pathos:
wie wir die welt sehen, ist nicht egal.
pessimisten und populisten sagen: das glas ist halb leer.
aber optimismus ist nicht zu sagen: „das glas ist halb voll“.
optimismus ist die überzeugung, dass man das glas auffüllen kann.
diese optimismus-definition erklärt übrigens auch die offene frage, warum es denn jetzt gut sei, dass die welt scheisse ist.
ein volles glas kann man nicht auffüllen.
das schlechte sehen und an das gute glauben.
die welt ist scheisse — das ist nicht egal und auch nicht wirklich gut — aber das ist so gedacht.
it’s not a bug, it’s a feature
sehr schöner, langer tag auf der republica. ich glaube, ich war noch nie so früh auf einer republica. keine ahnung warum. vielleicht weil ich dachte, ich könne dort frühstücken.
ich glaube auch, einen ticken mehr leute als sonst getroffen und gesprochen zu haben als sonst.
die sessions, die ich heute gesehen habe, haben mich nicht umgeworfen, aber ein paar überraschende momente gab’s doch. luisa neubauer ist zum beispiel ein rhetorisches schwungrad. sie fängt langsam und zögerlich an zu sprechen, aber dann kommt sie in schwung und noch mehr schwung und schleudert überraschend gute worte ins publikum. sehr beeindruckend. auch cory doctorow schien beflügelt. während seine letzten talks auf der republica wie gelangweilte vorlesungen auf mich wirkten, wirkte er heute wie ausgewechselt, ein feuerwerk der guten laune.
man kann seinen 45-minütigen vortrag mit wenigen sätzen zusammenfassen: 1) kamerad trump und kamerad putin haben in 1-2 jahren so viel für die europäische unabhängigkeit getan, wie er nicht mal im ansatz in seiner 20-30-jährigen aktivisten-tätigkeit erreicht hat. 2) die gesetze gegen das umgehen technischer sperren (DRM, Jailbreak-Schutz usw.) müssen weg, damit die europäer bzw. die länder der welt sich unabhängig(er) von amerikanischer technologie machen können. 3) er sagt „fuck optimism“, nennt sich aber so hoffnungsfroh wie lange nicht mehr. optimismus sei passiv, hoffnung sei aktiv. man könne auch frustriert und verängstigt hoffnung haben, aber optimismus lähme genau wie pessimismus. ich argumentiere morgen um 13 uhr genau gegenteilig und definiere optimismus kurzerhand um. wahrscheinlich weniger wortmächtig und mit weniger intellektueller und semantischer schärfe als doctorow, aber hoffentlich genauso nachvollziehbar.
die bühne am energiemobil fasst auf jeden fall einen guten ticken mehr als 20 leute und ich gehe davon aus, dass es ganz flauschig dort werden könnte.
das von alex matzkeit organisierte panel zur frühen blogosphäre heute abend war auch sehr flauschig und erinnerte mich vor allem daran, was ich alles im laufe der jahre vergessen habe, obwohl es ja theoretisch (fast) alles hier im archiv nachlesbar wäre. der schönste gedanke, den die kaltmamsell mir heute abend wieder in erinnerung rief: wir waren damals, bei unserem ersten grossen treffen, der „blogmich“-party 2005, (fast) alle fanboys und -girls voneinander. und christian buggisch erinnerte uns daran, dass auch wenn relevanz und reichweite firlefanz sind, blogs oder einfach ins internet zu schreiben (egal wo), durchaus inspirierend waren, sind und sein können.
kurz gesagt: ein sehr schöner tag.
gestern mit frida den nachmittagsspaziergang vom platz der luftbrücke zur station gemacht. ich wollte mich von hinten an das gelände schleichen, auch um die mir zugewiesene bühne für meine session morgen zu begutachten.
das „energiemobil“ ist eine aussenbühne, laut speakerbriefing gibts ne audioaufzeichnung, aber kein „Live Voice“. das heisst das ist keine kopfhörer-bühne, aber damit auch kein livestream. es gibt einen 55" monitor und die bühne ist für 20 zuschauer ausgelegt. finde ich eigentlich ganz gut, heute werde ich mal schauen, wie die bühne sich bei den ersten montags sessions anfühlt. theoretisch sollten dank fehlender wände auch mehr als 20 leute platz finden, mal schauen wie die praxis aussieht. mein vortrag funktioniert trotz ca. 80 folien dieses jahr auch gut ohne folien. auch wenn die folien auch dieses jahr ihr eigenleben haben.
das wetter sollte laut DWD mitspielen und sehr republica-freundlich sein. heute sonnenschein und bis zu 20°C, morgen etwas weniger sonne und bis zu 18°. am mittwoch immer noch überwiegend sonnig, aber etwas wolkiger, regnen solls die drei tage nicht.
nach dem abholen meiner bändchen, haben frida und ich uns nochmal auf die eingangswiese gesetzt und ein bierchen und ein wässerchen getrunken. rein, aufs gelände dürfen hunde ja seit ein paar jahren nicht mehr. draussen sprach mich sabine an, die sich als eine der fussball-freundinnen von meq vorstellte. das fand ich sehr nett und das ist irgendwie auch sehr bloggig. nicht nur die bloggenden selbst kennen und lesen sich gegenseitig, auch die mitlesenden kennen sich irgendwie. später kam noch alex matzkeit dazu. wir haben natürlich über blogs und das was manche vor 15, 20 jahren auch blogoshäre oder weblogbedeutungsmafia oder digitale boheme oder digitale klowände genannt haben. wie 99,99% der bevölkerung hat er davon damals wenig bis gar nichts mitbekommen, aber anders als 99,99% der leute, interessiert ihn das jetzt irgendwie. meine these ist ja, dass diese form der textbasierten subkultur damals etwas mehr aufmerksamkeit bekommen hat als heute. oder genauer, die bloggenden haben damals geschafft sich etwas mehr aufmerksamkeit zu erkämpfen (unter anderem mit veranstaltungen wie der republica) und auch wenn es den eindruck macht, dass blogs keine relevanz mehr haben, haben sie meiner meinung nach genauso wenig oder viel relevanz wie damals. oder anders gesagt, der relativ homogene eindruck, den die blogosphäre damals gemacht ist weg, aber viele keine blasen, unzählige mikrogemeinschaften, wahrscheinlich mehr als jemals zuvor, sind weiterhin aktiv, allerdings unter dem radar der breiten öffentlichkeit. naja, wird jedenfalls bestimmt spannend das gespräch heute abend.
über den metabene newsletter bin ich auf dieses video gestossen, in dem robin thiesmeyer (meta bene), rocko schamoni und marc-uwe kling über „offene soziale Netze“ reden.
am anfang zeigt robin eine kurze präsentation, in der er sich vorstellt. ich fand das sehr witzig.
… weil ich minimalist bin, als ästhetisches konzept, das kennen sie vielleicht, das is ne sehr anstrengende art von faulheit …
der rest war nicht so lustig, weil die drei, vier auf der bühne, dann über reichweite und monetarisierung reden. über reichweite reden oder nachdenken ist immer irgendwie traurig. wenn einen keiner liest (oder sieht), ist man traurig, wenn man merkt dass ein paar leute das lesen oder sehen was man ins netz veröffentlicht, ist man auch traurig, weil andere ja bestimmt mehr aufmerksamkeit bekommen. und wenn man 1000 follower oder abonnenten hat, ist man traurig, dass man nicht 2000 hat.
damit will ich mich keinesfalls über die drei auf der OMG 2MR-bühne lustig machen, sondern es ist eine erfahrung die ich in den letzten 30 jahren gemacht habe. noch trauriger wird es, wenn dann neben reichweite auch noch über monetarisierung gesprochen wird, weil beides wahnsinnig schwer ist und mit diesen „offenen sozialen netzwerken“ noch schwerer. und wenn man wirklich viele leute erreichen will, muss man sich gegebenenfalls auch noch verbiegen und die angebote von amerikanischen tech-buden in anspruch nehmen und sich da an absurde regeln halten oder mit bürokartischen bots auseinandersetzen.
wenn mich am montag alex matzkeit in seinem panel auf der republica fragt, wie es denn damals in den frühen tagen der blogosphäre war, werde ich möglicherweise (auch) sagen: wir konnten uns für eine kurze weile einbilden viel reichweite und eine gewisse relevanz zu haben. einbildung deshalb, weil das vielleicht eine relativ hohe reichweite war, aber absolut eher nicht. wir haben halt in unserer blase „gebloggt“ und gelegentlich vergessen, dass unsere blase eigentlich teil eines riesigen schaumteppichs mit milliarden anderen blasen ist.
unsere blogoblase (vielleicht ein besseres wort als blogoshäre?) hatte allerdings eine eigenschaft, die die reichweite vermeintlich massiv erhöhte: die blogoblase hatte viele schnittstellen mit der journalisten-blase. deshalb gab es multiplikationseffekte und gelegentlich sowas wie gefühlte relevanz. aber meine these ist, dass „wir“, die bloggenden menschen der frühen 2000er und 2010er, unserer reichweite aus einem sehr begrenzten umkreis rekrutierten.
irgendwann (vor 10 jahren) wurden mal ein paar erfolgreiche youtuber auf die republica eingeladen. als die ihre zuschauer- und abonnentenzahlen nannten, fiel den meisten bloggern, mindestens mir, die kinnlade runter. trotz der beeindruckenden zahlen der youtuber waren sie trotzdem extreme nischenanbieter. auch die youtuber-blasen waren bei weitem nicht so gross, dass meine eltern einen oder eine von ihnen jemals gesehen hätten oder freunde und bekannte ausserhalb meiner internet-blase die kannten.
was ich sagen will: reichweite ist relativ. und sehr, sehr schwer zu erreichen und noch schwerer zu halten. und monetarisierung ist noch schwerer. elendig viel arbeit.
was ich auch sagen will: ich bin froh dass mir beide themen, reichweite und monetarisierung, mittlerweile (grösstenteils) völlig egal sind. das hat eine sehr entspanende wirkung. andererseits muss ich davon was ich in der öffentlichkeit veranstalte auch nicht leben.
eay hat heute ein zitat von jim nielsen verbloggt:
John Gruber, quoting Walt Disney:
We don’t make movies to make money; we make money to make more movies.
Gruber’s version: don’t make software to make money, make money to make more software.
My version: don’t make websites to make money, make money to make more websites.
das ist genau mein derzeitiger arbeitsmodus im netz: das was ich hier veranstalte tue ich nicht um geld zu verdienen, sondern ich verdiene geld, damit ich das hier machen kann. der grund warum ich anfing öffentlich zu schreiben, zuerst in einen newsletter, dann unter meiner eigenen domain wirres.net, war mein bedürfnis zu schreiben. ein bedürfnis etwas zu tun, was sich kreativ anfühlt und mich zwingt um und in mich zu schauen — und das was ich sah in worte zu fassen.
und das mache ich seitdem. reichweiten und monetarisierungsfragen haben mich auf dieser reise gelegentlich neugierig gemacht und ich habe damit viel experimentiert, aber die eigentliche monetarisierung kam immer aus der lohnarbeit.
ich bin darüber nicht traurig, im gegenteil, aber trotzdem ist es doch traurig, dass kreative arbeit mit kreativer arbeit allein so schwer finanzierbar ist. ich glaube auch nicht dass es dafür techische lösungen gibt. die gibt und gab es schon länger, steady, patreon oder youtube — und früher mal flattr. aber bis auf ganz wenige ausnahmen, können da die wenigsten von leben.
vor zwanzig oder dreissig jahren hatten wir mal die hoffnung, dass das netz die gatekeeper davonschwemmt und aufmerksamkeit demokratischer oder gerechter verteilt werden könnte. oder dass die 15 minuten fame die uns andy warhol in den 60ern versprochen hat, sich durchs netz und neue technologien vervielfachen liessen. stattdessen kamen neue gatekeeper und die konkurenz um die ware aufmerksamkeit wird immer schärfer.
ich liebe weiterhin aufmerksamkeit, aber um sie ersthaft zu verfolgen bin ich wahrscheinlich einfach zu müde und zu alt. mir gefällt, dass ich diesen text hier einfach rausrotzen kann und ihn erst später, lange nach dem drücken des veröffentlichen-knopfs, nochmal gegenlese und die gröbsten orthographischen schnitzer rauskorrigiere.
The only secret of magic is that I'm willing to work harder on it than you think it's worth.
-- Penn Jillette
dieses zitat flog mir eben in den kopf und ich musste erstmal eine quelle finden, um den wortlaut wieder zusammenzubekommen. das zitat erklärt gut wie zauberei, illusionen, aber auch ganz allgemein, jede kreative arbeit funktioniert. genau genommen gilt das für jede arbeit und alles was wir gut können. wenn jemand etwas gut kann, dann hat diese person irgendwann mal dafür geübt — und mit ziemlicher wahrscheinlichkeit mehr, als man als aussenstehender für nötig oder möglich hält.
mir fällt in dem zusammenhang auch immer die (wahrscheinlich ausgedachte) anekdote ein, die pablo picasso zugeschrieben wird. der sass in einem café und zeichnete auf einer serviette. als eine frau ihn fragte ob er sie auf der serviette porträtieren würde, war er in zwei minuten fertig und verlangte eine astronomische summe für das porträt. auf den einwand, dass er doch nur ein paar minuten dafür gebraucht habe, sagte er: „es hat mich mein ganzes leben gekostet, das in zwei minuten zu zeichnen.“
ich finde bei allem was ich tue perfektion überflüssig. ich will nicht sagen, dass ich perfektion hasse, im gegenteil, perfektion fasziniert mich. aber mir ist das zu viel arbeit. das hält mich aber nicht davon ab, regelmässig sehr viel arbeit in „gut genug“ zu stecken. oft wahrscheinlich deutlich mehr, als andere für vernünftig halten würden.
das poster habe ich vor 20 jahren bei eboy gekauft (archive-link). seitdem, also die letzten 20 jahre, lag es zusammengerollt in einer unserer kammern. bei der letzten aufräumaktion hat die beifahrerin das poster gefunden und wir haben es aufgehängt.
das poster in in vierfacher hinsicht super: ich mag wimmelbilder, isometrische darstellung und pixel-ästhetik. und dazu ist es noch eine art hiostorisches dokument und zeigt allerhand gedöns, das es nicht mehr gibt (skype, technorati, del.ici.us, feedburner). das poster ist so alt, dass damals facebook und twitter noch kein ding waren.
nachtrag 13.05.2026:
frank westphal hat das poster 2006 verbloggt und sich die mühe gemacht ein paar der web2.0-dienste zu verlinken. den html-block kopiere ich mal, weil er vortrefflich illustriert, wie viel web2.0 den exit gemacht hat.
das war wirklich einfach: schinken, spargel, zwiebelringe, feta und ein paar tomaten im airfryer stapeln, 14 minuten bei 180°C backen, fertig. zum servieren etwas salz, sehr lecker.
nachtrag: vergessen: 4 eier waren auch noch draufgestapelt (ohne schale)
die republica-app für dieses jahr ist draussen. das freut mich, weil ich dann jetzt mein #rp26-program mit der ♥️ funktion zusammenklicken kann (und die tage hier veröffentlichen kann).
noch mehr würde ich mich natürlich freuen, wenn ganz viele meinen vortrag im programm der app suchen („felix schwenzel“) und finden und mit einem ♥️ markieren würden. ich glaube, in aller bescheidenheit, dass mein vortrag dieses jahr ganz gut sein könnte. und dieses jahr isser auch nicht am letzten republica-tag, weil er schon fast fertig ist und ich die drei republica-tage nicht zum fertigschreiben brauche.
nachtrag: offenbar kann man in diesem jahr einzelne sessions oder ein zusammengestelltes #rp26 programm in die app importieren.
mit diesem link oder QR code sollte meine session zum markieren in die app importiert werden können.
https://re-publica.com/app-import?s=10417
jeder kennt scheinriesen: ein riese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt.
für meine #rp26-präsentation habe ich mir eine variation von michael endes wunderbarem bild ausgedacht: scheinglück
wenn man dem glück hinterherrennt, desto grösser wird der frust, den man eigentlich zurücklassen möchte. gilt auch für alle anderen probleme, vor denen man weglaufen möchte.
meine präsentation, mein plädoyer für optimismus („die welt ist scheisse — und das ist auch gut so“), findet am zweiten #rp26-tag statt, am 19.05.2026 von 13:00 bis 13:30 uhr. meine „bühne“ ist das sogenannte energiemobil, 55" screen und mikrofon und platz für 20 zuschauer ist laut speaker-briefing vorhanden.
ich freue mich über jeden der kommt und noch mehr darüber, dass ich schon 35% des texts fertig habe. der rest ist auch fertig, den muss ich nur noch aufschreiben.
noch 14 tage bis zur #rp26.
in meinem home assistant dashboard lasse ich mir den sonnen- und mondstand anzeigen. der sonnenstand ist praktisch, weil ich dann weiss, ob wann morgens die sonne aufgeht. weil es mich erfreut, hatte ich dort auch immer ein schematisches bild des mond, wie er im moment in berlin aussieht. timeanddate.com generiert dieses bild für jeden ort der erde.
das bild hat sich home assistanz dort immer gescraped. seit einer weile verhindert cloudflare für timeanddate.com jetzt das scraping. fair enough. also fragte ich cursor, ob es mir das bild mit einem script berechnen könne. es meinte zwar, dass es das könne, aber wie so oft, konnte es das nicht, auch nach sechs schrillionen tokens und mehreren iterationen kam nicht mehr als ein hitlerbild raus.
j sei dank hatte sich schon jemand anders die mühe gemacht: mit den tools in diesem repo lassen sich aus nasa-bildern und ein paar python-scripten akurate bilder des mond generieren, je nach ort und zeit.
das bringt so gut wie gar nichts, ausser dass es mir grosse freude bereitet.
weil wir unsere abstellkammer um etwas regalplatz erweitern wollen, hat die beifahrerin heute ein paar ivar-regalbretter gekauft. als die da so im flur standen sonderten sie einen so angenehmen kiefernharzduft aus, dass ich nicht umhinkam das mehrfach gegenüber der beifahrerin zu erwähnen.
ich bin ja schon immer ein grosser ikea-fan, aber noch länger ein ivar fan. die kombination aus primitiven, aber effektivem design, extremer langlebigkeit und stabilität und dass es die serie mindestens so lange gibt, wie es mich gibt, finde ich faszinierend. und wo gibt es das heutzutage noch? ein produkt das es seit > 50 jahren gibt und volle kompatibilität zu allen versionen behalten hat? ein produkt das auch tatsächlich länger als 50 jahren hält und das beliebig viele umzüge unbeschadet überlebt und trotzdem nicht altbacken aussieht?
und das dazu auch noch (fabrikneu) wahnsinnig gut riecht?
heute ist im fuss dieser webseite der satz
hier schreibt felix schwenzel seit 24 jahren gerne ins internet (eigentlich seit 30 jahren).
von 23 auf 24, bzw. 29 auf 30 umgesprungen, weil der erste artikel den ich hier veröffentlicht habe vom 20.04.2002 ist. mir sind diese jahrestage eigentlich nicht wichtig, aber statistiken mag ich gerne. deshalb betätige ich mich mal eben als statistik-chronist.
wahrscheinlich wäre es mittlerweile besser, unten hinzuschreiben, dass ich jetzt schon „sehr lange“ ins internet schreibe. bei solchen zeiträumen ist der genaue tag dann auch irgendwann egal, so wie mir die kalendarischen koordinaten meiner geburtstage nach fast 60 jahren mittlerweile auch egal sind.
kirby nutze ich jetzt auch bereits seit über einem jahr („hallo kirby“). ich bereue den umstieg nicht, im gegenteil, kirby ist mir jeden tag erneut eine grosse freude.
was ich jetzt auch seit fast einem jahr mache: jeden tag etwas veröffentlichen. der streak ist mittlerweile 359 tage lang. die anzahl-der-posts-übersichtgrafik auf der rückseite ist mittlerweile ohne schwarze punkte.
bemerkenswert an der grafik ist eigentlich nichts, ausser dass man kaum muster erkennen kann wie und wann ich wie viel veröffentliche. man erkennt allerdings ein cluster zwischen mai und juni: republica. so erkennt man: noch vier wochen bis zu #rp26. das minimalistische design dieses jahr gefällt mir sehr gut, hier meine „speaker-seite“ für dieses jahr. ende der durchsage.
hierzu ↑ schrieb meta bene vor ein paar tagen:
wie man sieht, hat er natürlich recht.
aber dafür gibt’s auf dem e-paper-display jeden tag ein neues anderes meta-bene-motiv.
(siehe auch: gleicher raum, gleiche personen, vor einem jahr)
kleine runde durch das „judenbruch“ wäldchen in wassenberg. die aus holz geschnitzten sessel die überall rumstanden, konnten wir uns natürlich nicht als selfie-gelegenheiten entgehen lassen.
ich fürchte robin / @meta_bene wird das für ein sakrileg halten, aber ich bin ehrlich gesagt begeistert davon, wie gut sich tusche auf dem e-paper macht. jeden tag ein zufälliges neues bild. bei der auswahl der 67 bilder, aus denen eine zufallsfunktion um mitternacht ein neues bild aussucht, war ich wieder baff, wie gut und intelligent die zeichnungen von metabene sind. ich fand die immer schon toll und habe auch mal ein original gekauft, aber heute war ich wieder neu begeistert und jetzt voraussichtlich auch täglich neu.
wir haben eigentlich mehr als genug bildschirme in der wohnung. aber ich habe mich vor zwei tagen von snazzy labs, genauer, diesem video, bequatschen lassen das trmnl (og) zu kaufen.
die lieferung war promt (2 tage) und kostenlos. der preis nicht so irre günstig, allerdings gab’s mit dem referer-code von snazzy labs 10% rabatt.
das trmnl ist ein kleiner epaper-bildschirm mit akku und microcontroller, ähnlich dem switchbot-bilderrahmen, nur eben in schwarz-weiss.
was mich überzeugt hat war das engagement von trmnl im open source bereich, von dem im video viel die rede ist. sprich, wenn ich wollte könnte ich das gerät auch ohne die trmnl-cloud betreiben, indem ich einfach einen docker container hochfahre (repo) und das trmnl damit verbinde, statt der trmnl-cloud.
die einrichtung (mit der cloud) war wieder mal etwas hakelig. die cloud schien auch mehrfach während meiner einrichtung ausfälle gehabt zu haben und das trmnl meldete zuerst mehrfach, dass es sich nicht mit dem wlan verbinden könnte — und später beklagte es sich, dass es sich zwar mit dem wlan verbinden, aber nicht mit der api verbinden konnte.
es gibnt eine vielzahl von erweiterungen mit denen man inhalte auf das trmnl bringen kann. das einfachste ist plain text, der auf dem display auch sehr knackig und scharf aussieht.
als ich die home assistant erweiterung fand war ich sehr erfreut. ich habe schon seit jahren nach einer möglichkeit gesucht screenshots von home assistant dashboards automatisch anfertigen zu lassen. lösungen gibt’s, aber das war alles fummelig, aufwändig und bastelig. trmnl hat eine lösung entwickelt, trmnl-home-assistant, die nicht nur von home assistant dashboards screenshots machen kann, sondern von beliebigen web-seiten. die kann man dann als jpg, png oder bitmap ausgeben lassen, für das epaper-display dithern lassen — oder eben nicht. und das alles indem man — mal wieder — einfach einen docker-container hochfährt: docker-compose.yml in der doku.
allein für diese entdeckung hat es sich gelohnt > 100 € für das teil auszugeben. wenn ich mal in bastellaune bin werde ich damit bilder auf einen cheap yellow display beamen. jetzt hab ich erstmal meinen wetter-graphen aufs trmnl gebeamt.
da lassen sich noch einige spannende sachen draus basteln.
vor ziemlich genau 10 jahren habe ich die ersten beiden hue LED-birnen gekauft. von den zwei birnen die damals im hue-starterset waren lebt eine noch und ist noch im einsatz. die erwartungen an LED-leuchten lauten damals: 15 bis 20 jahre lebensdauer. in der praxis freue ich mich darüber, dass eine von denen tatsächlich 10 jahre hält. es zeigt sich leider, dass LED-birnen teilweise genau so schnell kaputtgehen (oder lange halten) wie die alten glühbirnen. entweder gibt das netzteil, die eletronik und manchmal auch das gehäuse auf.
trotzdem bereue ich nicht, die ganze wohnung nicht nur auf LED umgestellt zu haben, sondern zum grössten teil auch auf zigbee. seit dem ich vor sechs jahren die proprietären hubs von ikea und hue weggeschmissen habe und einen eigenen hub mit zigbee2mqtt betreibe, lässt sich das potenzial von zigbee auch voll ausschhöpfen. fummelig und teilweise buggy war es trotzdem gelegentlich, vor allem fielen immer wieder die tollen, kleinen und günstigen xiaomi und aquara gerätchen aus dem zigbee netz und wollten neu gepaart werden. aber auch die firmware meines zigbee-koordinators, also meines DIY-hubs (ein CC26x2R LaunchPad) zickte immer wieder mal und hatte bugs.
aber insgesamt war zigbee über die jahre stabil, schnell, gut zu erweitern und zufriedenstellend. insgesamt sind hier 88 geräte, davon 39 batteriebetriebene (sensoren und schalter). aber als home assistant vor ein paar monaten einen neuen, selbstenmtwickelten, offenen zigbee-router (zbt-2) vorstellte, schlug ich zu. das versprechen von zukunftsfähigkeit, einer optimierten antenne, modernster chipsätze und guter performance gefiel mir und bisher hab ich gute erfahrungen mit der hardware (der software sowieso) die home assistant baut gemacht.
die migration vom alten „hub“ zum neuen hub war leider sehr fummelig, unter anderem, weil ich meine 80 geräte nicht alle neu anlernen wollte. am ende lief alles, auch merklich stabiler, aber ein paar eigenartige probleme blieben. so konnte ich bestimmte geräte einfach nicht ins netzwerk hinzufügen. der workaround war, dass ich diese geräte dann in mein zweit zigbee-netz hinzufügte, das ich seit ein paar jahren mit dem vorgänger des zbt-2, dem sky-connect betrieb. dorthin hatte ich damals alle xiaomi und aquara sensoren ausgelagert, die im hauptnetz immer rausfielen, und im kleinen sondernetz keine mucken mehr machten. insgesamt fand ich das unbefreidigend und weil ich dieses wochenende sturmfreie bude hatte und lichtausfälle nicht beschimpft werden würden, entschied ich mich mein haupt-zigbee-netz neu aufzuspannen.
den ersten test führte ich mit einer jungfräulichen, frisch geonboardeten zigbee2mqtt-installation durch, ich wählte einen weniger belegten zigbee-kanal und schaute ob die geräte die sich vorher nicht joinen liessen jetzt dem netzwerk beitraten. dass sie es taten war gleichzeitig eine gute und eine schlechte nachricht. jetzt konnte ich um die 80 geräte manuell hinzufügen und neu konfigurieren und hätte dann am ende ein fehlerloses zigbee-netz.
die ganze prozedur war dann wirklich sehr mühsam, auch weil ich im home assistant viele der entity-ids und namen neu setzen musste, aber andererseits konnte ich auch ein bisschen aufräumen. tatsächlich, nach zwei tagen arbeit, läuft das zigbee-netz laut zigbee2mqtt fehlerfrei, die einzige leuchte die gelegentlich fehlermeldung im log verursacht ist die 10 jahre alte hue-birne, die zu ihrer verteidigung aber auch in einem metallenen lampengehäuse steckt. ansonsten keine fehlermeldungem, timeouts oder unerreichbare geräte.
auch die beiden neuen kajplats weissspektrum birnen mit 1500 lumen, die ich kürzlich gekauft habe, sind jetzt im zigbee-netz. die werden eigentlich mit matter ausgeliefert, sprechen aber auch zigbee. weil mein zbt-2 die aber nicht ins zigbeenetz aufnehmen wollte, habe ich die auch 2-4 wochen mit matter betrieben. das lief eigentlich auch sehr gut, matter reagiert mindenstens so schnell wie zigbee, subjektiv vielleicht sogar einen ticken schneller. was matter aber noch fehlt ist eine brauchbare gruppierung auf netzwerk-ebene. bei zigbee kann man beliebig viele leuchten in eine zigbee-gruppe stecken und dann mit einem einzigen broadcast-befehl alle leuchten schalten, statt jede einzelne zu schalten. bei zwei, drei birnen ist das eigentlich egal, aber es fühlt sich einfach besser an, alle drei lampen im flur mit einem einzigen befehl zu schalten und den weisswert zu setzen, statt mit dreien.
zwischen matter und zigbee kann man übrigens so umschalten: erst matter zurücksetzen, indem man die birne 6 mal aus- und anschaltet, danach zigbee zurücksetzen, bzw. in den verbindungsmodus versetzen mit 12 mal aus- und anschalten.
nervig ist, dass von den 10 verschiedenen herstellern von denen ich zigbee-birnen besitze, jeder eine eigene art hat die birnen zu resetten, bzw. in den verbindungsmodus zu versetzen: mal, wie bei ikea, sechsmal aus und an, manchmal 5 mal je 5 sekunden aus und 5 sekunden an und manche muten ihren nutzern sogar kombinationen aus 5 sekunden und 2 sekunden schaltsequenzen zu. zum glück gibt’s touchlink, zum beispiel mit der 10 jahre alten hue fernbedienung: wenn man die fernbedienung an eine lampe hält und an- und aus-taster 10 sekunden lang hält, resetten die meisten lampen sich und verbinden sich neu.
ausserdem gelernt, die bindings mit denen man zum beispiel zigbee-fernbedienungen direkt mit einer leuchte verbinden kann, so dass man die auch mit der fernbedienung steuern kann, wenn das zigbee-netz ausgefallen ist, diese bindungen werden nicht in zigbee2mqtt gespeichert, sondern in den geräten selbst. man sieht diese bindings zwar im zigbee2mqtt-frontend, aber zigbee2mqtt holt sich die info jedes mal aus dem gerätespeicher. das ist ein bisschen schade, weil ich immer die vorstellung hatte, dass zigbee2mqtt diese info sichert und wenn sie im gerät verloren gehen sollte, wieder neu setzen kann beim „rekonfigurieren“. is aber nicht so.
mein fazit lautet also: ich liebe und hasse mein zigbee-netz gleichzeitig. einerseits ist es (bisher) zu 95% zuverlässig gewesen, aber die 5% probleme kosten immer noch zu viel zu viel zeit. ich hoffe mit dem zbt-2 jetzt auf 99,9% zuverlässigkeit. matter ist bereits sehr gut, aber noch nicht ganz so weit um damit grosse netze zu verwalten. der teufel und die arbeiten stecken da noch in vielen kleinen details. beide, zigbee und matter sind deshalb toll, weil man sich damit zu 100% herstellerunabhängig machen kann. und allein deshalb überwiegt meine liebe zu zigbee — und in ein paar jahren sicher auch zu matter.
heute früh beim morgenspaziergang gabs viel sonne, gegenlicht, raureif und ein bisschen nebel.






























