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wer hätte gedacht, dass meine selbst ausgedachte rechtschreibung und zeichensetzung einmal zu einem unique selling point werden — nur weil sich das netz mit LLM-glatt-korigierten oder verfassten texten füllt.
das ist ein lebenslauf den emma thompson für hugh laurie für deren damaligen theaterverein (cambridge footlights) schrieb. der volltext steht in der alt-beschreibung des bilds, aber diesen satz mag ich sehr gerne:
A cross between Albert Einstein and Clint Eastwood, Hugh is ugly and stupid.

(screenshot aus der graham norton show, youtube link)
ich sehe in meiner „blogrolle“ und meinem feedreader, dass sehr viele menschen aus meiner blogblase jetzt wieder regelmässig oder gar täglich ins internet schreiben.
zum beispiel schreibt anke gröner dieses jahr jeden tag und das freut mich sehr, nachdem es dort lange sehr ruhig war.
oder eay.cc der laut seinem archiv 2025 im ø alle zwei tage schrob, jetzt auch mindestens täglich.
oder nico, 20 tage am stück.
thomas gigold hat sich vorgenommen „7× bloggen in der Woche“ und bis jetzt locker durchgehalten.
maximillian buddenbohm (aka buddenblum) macht das glaube ich schon seit 10-20 ewigkeiten ohne mit der wimper zu zucken, genau wie die kaltmamsell, obwohl ich bei ihr gerade ein wimpernzucken beobachtet habe.
auch sehr schön, dass der knsupermagier jetzt auch (wieder?) täglich schreibt und offenbar spass dabei hat.
ben_, konstantin, meq (aka mpf) und herrpaul_ machen das allerdings auch schon — glaube ich — seit ewigkeiten.
auch wenn ich anje noch nicht so lange folge, aber seit ich ichs tue kommt täglich ein beitrag.
jedenfalls freut mich das ausnahmsweise mal sehr teil eines trends zu sein. aktuell ist mein streak bei 271 tagen, das heißt seit dem 26.04.2025 habe ich jeden tag mindestens einen beitrag veröffentlicht. einige der beiträge bestehen vorwiegend aus bild-/binär dateien und metadaten, aber ich glaube ich habe auch ziemlich viel geschrieben. wer das lieber ein bisschen vorgefiltert haben möchte: unter /top gibt nur die beiträge die mindestens 10 „likes“ (oder 25 oder 50) bekommen haben. für den 10er-filter gibt’s auch RSS.
was mich aber besonders freut: täglich ins internet zu schreiben fühlt sich auch nach 271 tagen gut und gerne an.
nachtrag 23.01.2026:
weil meine hausärztin es mir vorschlug, habe ich mir vor einem halben jahr einen termin zur darmspiegelung von der beifahrerin organisieren lassen. am dienstag war es soweit.
zur vorbereitung der darmspiegelung muss man den darm (natürlich) erstmal leeren. am tag vor der untersuchung darf man ab neun uhr nichts mehr essen, fünf tage vorher musste ich bereits auf kerne, nüsse und alle vollkörnige verzichten. einen tag vorher muss man ziemlich eklige abführflüssigkeit trinken. das hatte ich noch in schlechter erinnerung von meinen vorherigen darmspiegelungen. aber da die anleitung darauf hinwies, dass ich zweimal einen halben liter von dem zeug „langsam, in kleinen schlücken“, über eine stunde verteilt trinken soll, war das dann ziemlich entspannt. ausserdem empfahl die anleitung dazu auch noch einen halben liter klares wasser zu trinken, damit war es dann fast ein vergnügen.
durch die zeitliche entzerrung der darmreinigungsflüssigkeitsaufnahme, lief auch das entleeren des darms relativ gesittet ab. mir fiel auf, wie homeoffice, ist auch homedarmentleerung sehr viel angenehmer als in einem wartezimmer oder krankenhaus.
für die koloskopie selbst hatte ich mir vorgenommen auf eine betäubung oder „schlafspritze“ zu verzichten. meine bisherigen darmspiegelungen hatte ich auch alle ohne betäubung gemacht und auch wenn ich mich daran erinnere dass das nicht besonders angenehm war, vor allem wenns um die kurven geht und luft in den darm gepumpt wird, wollte ich es dieses mal auch so machen. allein schon das ganze gewese mit abholen lassen, aufwachraum und den restlichen tag nicht ganz bei mir sein zu können hielt mich schon davon ab mich betäuben zu lassen.
ich muss sagen: angenehm ist das nicht, aber schlimmer als ein quersitzender furz ist es auch nicht. und ich konnte so auch mal wieder in mich reingucken und smalltalk mit den anwesenden machen. unterwegs fand der arzt ein paar polypen, die er einfach abschnitt und die abschnitte dann rauszog zur histologischen untersuchung. die reise durch den darm ging bis zum dünndarm und dauerte so um die 10 minuten.
für die darmreinigung wollte mir der arzt nicht die bestnote geben, aber die sicht war schon ziemlich klar. ich war wieder begeistert wie aufgeräumt es in mir aussieht. und die technik! das endoskop kann mit einem wasserstrahl die darmwände abzuspritzen, die linse war nicht eine sekunde beschlagen oder verschmiert, das bild war durchgehend kristalklar. irgendwie scheint die technik insgesamt fortschritte gemacht zu haben, denn auch die mörderblähungen die ich nach den letzten untersuchungen dieser art hatte, blieben diesmal aus.
in drei jahren soll ich wiederkommen um nochmal einen blick auf die polypen zu werfen. freu ich mich nicht unbedingt drauf, aber im prinzip würde ich schon sagen: gerne wieder.
die wichtigste erkenntnis habe ich nachträglich gewonnen, war mir in der form noch gar nicht klar: das was ich esse braucht ungefähr 23 stunden, bis die reste wieder ausgeschieden werden. ich dachte eigentlich dass ich mir mit der verdauung mehr zeit nehme.
apropos darm, ich glaube dieses „handwerkskunst“ video, in dem man einem chirurgen bei einer darmoperation zusehen kann, hatte ich schon mal empfohlen. am faszinierensten finde ich die ästhetik des eingriffs und des menschlichen innenlebens. da ist eigentlich nichts ekliges zu sehen und auch das auseianderschneiden und wieder zusammenfügen des darms sieht beinahe trivial einfach und unspektakulär aus.
das jahr ist schon 10 tage alt und ich habe das gefühl, dass es jetzt nicht mehr lange dauert und das jahr ist schon wieder vorbei.
der grosse angekündigte sturm blieb in berlin aus, das wetter fror einfach so vor sich hin, statt aggressiv zu werden. das ist nicht das erste mal, dass meine benachrichtigungen auf dem handy voller warnungen und vervorsichtigungen waren und dann am ende weder wind, noch schnee oder orkan aufkamen. mir ist schon klar, dass wettervorhersagen komplexe wahrscheinlichkeitsrechungen sind und ein schmetterling in ostasien den wintersturm potenziell verhindern oder mitauslösen kann. aber vielleicht sollten die warnungserzeuger trotzdem nochmal ihre kommunkationsstrategien überdenken und warnungen mit mehr konjunktiven präsentieren und entwarnungen mit der gleichen reichweite und wucht verbreiten wie die ursprünglichen warnungen. weil so bleibt bei mir irgendwie die frage hängen: wie ernst werde ich die nächste warnung nehmen?
gleiches gilt für die warnungen zum stromausfall im süden berlins. den stromausfall hat bei mir keine der installierten warnapp am 3. januar angekündigt. daür bekam ich am 7. januar mit viel getöse eine „Extreme Gefahr WARNUNG MITTEL“ und kurz danach, mitten in der nacht eine „Gefahreninformation ENTWARNUNG“ die mein telefon schreien liess.
warnungen und entwarnungen
das ist ein bisschen so, als ob die herolde der senatsverwaltung um 22 uhr sturm klingeln um zu sagen: „alles OK, KEIN GRUND ZUR SORGE, BITTE SCHLAFEN SIE WEITER! und bedenken sie, nach 18 uhr kein glas in glascontainer zu werfen, damit ihre mitbürgerinnen in ihrer nachtruhe nicht gestört werden!“
jedenfalls war es heute zum morgenspaziergang wieder -6°C aber es wirkte irgendwie milder als in den vorherigen tagen. zum teil kann das daran gelegen haben, dass ich heute zum ersten mal meine winterjacke, statt meines sommermäntelchens trug. zum anderen blies kein wind, was die gefühlte temperatur erhöht haben dürfte.
alle menschen und hunde die wir heute früh trafen waren extrem entspannt. frida auch, obwohl sie mich 5 mal fragte ob es ok sei, wenn sie mal kurz einen exkurs ins unterholz macht um dort eventuell sitzende vögel aufzuschrecken. ich liess sie gewähren, auch weil sie vorher übereifrig folgsam war, als ich sie darum bat.
catcherwiese
knuspermagier.de: Notifications für die Tagesstruktur
phillip lässt sich gerne zu bestimmten zeiten am tag erinnern, dass es eine bestimmte zeit ist. ich kann das gut nachvollziehen. ich lasse mir den tag gerne von geräuschen strukturieren. um 2 minuten vor sechs uhr morgens zum beispiel spiele ich in meinem zimmer einen von fünf audio tracks mit vogelgezwitscher ab. das ist so leise und subtil, als würde es von draussen, durch das geschlossene fenster dringen. ich kann da gut drüber weg oder weiter schlafen, ich mag es aber zu wissen, dass es jetzt sechs uhr ist ohne die augen öffnen zu müssen.
andererseits kann ich auch einfach sagen: „siri - wie spät?“ und siri antwortet. ab sechs ruft meine kuckuckuhr (die mit dem fisch) auch einmal „kuckuck“, worüber ich auch wegschlafen kann, wenn ich möchte. das macht die kuckucksuhr dann den ganzen tag über zur vollen stunde.
ausserdem läuft bei uns im flur eine standuhr-simulation. sie läuft tag und nacht und schlägt die stunden jeweils zur vollen stunde. aber das geräusch ist auch so subtil, dass es niemanden stört und eigentlich nur unbewusst wahrgenomen wird. manchmal liege ich nachts im bett und höre die standuhr gongen und erwische mich dabei die gönge zu zählen. das ist eigentlich sinnlos, weil ich ja siri fragen könnte, auf eine der beiden LED-matrix uhren schauen könnte die mich tag und nacht anstrahlen, auf meine beleuchtete armbanduhr oder mein telefon schauen könnte.
ehrlichgesagt ist dieser uhrenüberfluss völlig irrsinnig, aber ich mag es die uhrzeit maximal redundant zu haben. ich habe nämlich gemerkt, dass es unmöglich ist die uhrzeit von meinem telefon oder auch meiner armabanduhr abzulesen, weil ich immer zuerst die notifications sehe und dann vergesse, dass ich eigentlich die uhrzeit ablesen wollte. deshalb habe ich alle zimmer voll mit uhren gestellt, um dann doch auch mal die uhrzeit ablesen zu können. und die stündlichen geräusche der diversen uhren und geräuschgeneratoren helfen mir tatsächlich den tag zu strukturieren, zumindest solange der subtilitätsgrad genau richtig kalibriert ist.
mequito.org: [Mi, 7.1.2026 – Schneesturm kommt auf, bei Kutteln und Wildschwein]
bei wetterberichten erlebe ich das gleiche phänomen wie beim blick aufs handy, wenn ich mal eben die uhrzeit ablesen will. ich schaue zwar schon lange kein fernsehen mehr, aber früher, nach den nachrichten, wenn der wetterbericht vorbei war wusste ich nie, wie morgen das wetter wird. es war immer so, als ob der wetterbericht in mein linkes ohr eintritt und ohne weitere verarbeitung aus dem rechten ohr wieder austrat.
das gleiche passiert heute, wenn ich einen wetterbericht im internet betrachte. ich betrachte den, bewundere die grafiken oder ärgere mich über den werbeschmuck um den wetterbericht herum und schaffe es in den seltensten fällen den wetterbericht so zu verarbeiten, dass ich danach die frage beantworten könnte wie das wetter denn nun wird.
deshalb sind blogs wie das von markus für mich wichtig. heute lautete der erste satz von markus blogeinrg:
Morgen Abend zieht ein Wintersturm auf, der bis Sonntag anhalten soll.
solche sätze bleiben bei mir hängen. für den täglichen gebrauch habe ich mir meine eigene wetteranzeige gebaut, mit der ich visuell erfassen kann wie das wetter wird. quasi ein massgeschneidertes bild, das ich ansehen kann und dann, wie durch zauberei, weiss wie das wetter ist und wird.
starke-meinungen.de: Das Wunder Strom
alan posener war offensichtlich vom stromausfall im süden von berlin betroffen. was er drüber schreibt, habe ich gerne gelesen.
Meine größte Sorge ist, dass man vergisst, was die alltägliche Versorgung mit Strom für ein Wunder ist.
meine grösste sorge ist eher, dass wir vergessen welches unwahrscheinliche wunder diese welt, diese biosphäre, unsere zivilisation, unser leben ist. andererseits haben wir das natürlich im alltag alle vergessen, aber was wir verlernt haben, ist uns über die dinge unseres alltags zu freuen.
nachdem ich ein paar tage bei meinen eltern auf dem land war, wo öffentlicher personen nahverkehr im prinzip non-existent ist und man entweder auf ein auto oder körperliche fitness angewiesen ist um sich über grössere distanzen zu bewegen, überwiegt bei mir die freude, auch bei verspäteten bahnen, dass ich überhauot strassen- oder u-bahn fahren kann. ich freue mich fast jeden abend darüber, dass ich das haus verlassen kann und mir nach 2 minuten fussweg auch um 23 uhr noch ein bier kaufen kann. ich freue mich fast täglich darüber, dass es kartoffeln oder spitzkohl gibt und wie einfach man sie zu köstlichkeiten umwandeln kann.
worüber ich mich nicht freue (auch wenn ich es verstehe): wenn leute mich daran teilhaben lassen, was sie alles scheisse finden und sich weigern sich auch mal freudig zu wundern.
coldheat.de: Fighting for average
james cameron :
When you feed in the training data based on millions of images and thousands of performances, you’re gonna innately get an average value. It may be plausible, but it’s average.
And we don’t fight for average, guys.
ich strebe in meinem leben keine perfektion an. ich bin auch kein all zu grosser freund von durchschnitt, aber im zweifel finde ich gut genug gut genug.
und ich würde james cameron auch aus einem anderen grund widersprechen. denn ich gehe davon aus, dass james cameron, genau wie ich, seinen geist, seine persönlichkeit und seine fähigkeiten während seiner sozialisation auch auf basis von abermillionen „performances“, äusserungen oder krreativen arbeiten trainiert hat. wir sind der durchschnitt der giganten auf deren schultern wir stehen.
lernen ist per definition, zumindest so wie ich es verstehe, das bilden eines durchschnitts aus grossen mengen input. dass man eine eigene handschrift entwickelt ist nicht ausgeschlossen, wenn man zunächst mal die durchschnittliche schrift gelernt hat, die alle anderen beherrschen und nutzen. wenn man sich mit seiner eigenen handschrift zu weit vom durchschnitt entfernt, wird die handschrift unleserlich.
wir sollten also durchaus für den durchschnitt kämpfen (und uns nicht davon abhalten lassen, darüber hinaus zu wachsen, wenn es uns danach ist).
heute früh zum #morgenspaziergang -6°C, fast alle gehwege mit einem dicken eispanzer überzogen, dafür klar und sonnenaufgängig.
sonnenaufgang am schifffahrtskanal
auf dem weg am schifffahrtskanal huschten plötzlich schatten über uns. es waren wasservögel, die freie stellen im eis des kanals suchten und uns überflogen. das licht kam von einem kran über uns.
die geräusche des winters haben sich in den letzten 40 jahren massiv verändert. früher, wenn es schneite, hörte ich immer schneeschaufeln, gebogene blecke mit holzstil, die beim schippen und schleifen des schnees ein charakteristisches geräusch machten. hier in berlin wird der schnee auf dem gehweg von kleinen, röhrenden mini schneepflügen auf dem boden festgebürstet und dann, wenn man glück hat, mit etwas split bestreut. wenn man die motoren dieser kleinen flitzer morgens ab 5 uhr auf der strasse röhren hört hat das zwar auch einen informativen wert (es hat geschneit in der nacht), aber ich vermiusse das kratzen von blech auf rauen gehwegen.
die antipathie, die ich gelegentlich spüre, wenn ich KI-generierte bilder sehe, ist eine alte bekannte. ich kenne sie von stockfotos, übermässiger emoji-verwendung oder mehrfach-ausrufezeichen („!!!“). an sich ist ja nichts gegen fotos von freundlichen büromenschen oder die nutzung von emojis zu sagen (wohl aber gegen die verwendung von mehreren satzzeichen hintereinander).
schmerzhaft wird es immer genau dann, wenn der zusammenhang und die sorgfalt fehlen. oder anders gesagt: gedankenlosigkeit, die fehlende funktion, macht den slop, nicht die form oder die herkunft (egal ob aus einer KI, fotodatenbank oder emoji-bibliothek).
heute fühle ich mich leicht grössenwahnsinnig und habe mir gedacht, man könnte kleist doch mal updaten (verschwenzeln).
wenn du über etwas nachdenken willst und dir auch durch intensives nachdenken oder darüber meditieren nichts sinnvolles einfällt, dann rate ich dir einfach drüber zu schreiben. das muss auch an niemand bestimmtes gerichtet sein oder besonders scharfsinnig sein, schreib einfach drüber, was dir durch den kopf geht.
auch wenn immer noch viele menschen denken, man solle nur von dingen reden von denen man etwas versteht, hier geht es um etwas anderes als wissenvermittlung oder *splainen. es geht darum beim schreiben um einen gedanken herum zu tanzen. so wie der appetit beim essen kommt, kommen einem immer auch ideen beim schreiben.
ich sitze oft am rechner oder liege im bett und lese was andere schreiben. manchmal möchte ich dem gelesenen widersprechen, manchmal möchte ich es weiterdenken oder es anders betrachten. mir schiessen dann flüchtige ideen im kopf herum, ich weiss das könnte man weiter- oder ganz anders denken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu denken und sagen will. weil ich aber doch eine dunkle vorstellung von dem habe was ich vielleicht sagen will, fange ich einfach an zu schreiben und sätze zu konstruieren. sätze die ich angefangen habe, wollen dann auch zuende geführt werden. ich taste mich von wort zu wort, wie ein large language model versuche ich den satz so weiterzuführen, wie er richtig klingt. ich verhaspel mich oft bei diesem quasi auto-vervollständigen meiner sätze, aber das lässt sich dann meist beim späteren korrekturlesen ausbeulen.
gelegentlich hilft es mich zu fragen wer das denn lesen soll, ob die es auch nur im ansatz verstehen würden oder ob ich noch ein, zwei erklärende sätze nachschieben muss oder ein etwas zu luftiges gedankenkonstrukt auf eine solidere basis stellen muss. der gedanke den text später zu veröffentlichen wirkt ein bisschen wie ein stiller, treibender motor. obwohl ich alleine vor dem rechner sitze und tippe, bin ich bereits im dialog mit imaginierten lesern. ich weiss, dass der gedanke einen text zu veröffentlichen auch wie eine bremse wirken kann, aber ich glaube diese bremse nutzt sich durch ständiges, immer neues schreiben ab und kann sich dann zu einem schwungrad wandeln das helfen kann immer wieder neue gedanken loszurütteln.
früher nutzte ich oft noch ein zweites schwungrad: empörung. damit die empörung nicht ausufert, entwickelt der gedanke der späteren veröffentlichung eine willkommene bremswirkung. wie mit einem ventil kann man so das entweichen des empörungsüberdrucks gezielt steuern und ich finde in diesem zustand aus schwung und bremswirkung plötzlich worte und gedanken, auf die ich sonst wohl nie gekommen wäre.
diese mischung aus innerem dialog, abwägen der schärfe und den imaginierten lesenden führt im besten fall zu brillianten gedanken und im schlechtesten fall zu etwas aus dem man lernen kann und routine beim gedanken-lockern gewinnen kann. das verfassen schlechter texte, die vielleicht eine oder mehrere gute ideen enthalten, aber es irgendwie nicht zuende gedacht in sätze geschafft haben oder einfach unverständlich (wirr) sind, hilft vielleicht nicht beim gewinn von ansehen, aber bei gewinn von routine im balancieren und generieren von worten und gedanken. man muss sich immer vor augen halten: der meister kann’s nur deshalb besser, weil er mehr übung hatte.
ich glaube dieser schreibende tanz um einen gedanken herum, der ideen aus dem hirn schütteln kann, funktioniert auch ohne die kombinierte schwungradbremse der späteren öffentlichmachung, wenn man nur für sich allein schreibt. so wie man roulette auch alleine, gegen sich selbst, ohne echten einsatz spielen kann, kann man auch ohne den drohenden klick auf den publish-button schreiben. aber der spannungszustand, die erregung, in den man sich versetzen kann, wenn man etwas zu verlieren hat, ist vielleicht genau die energie die nötig ist, um vorhandene, festsitzende gedanken zu lösen und in sätze zu giessen. so wie elektronen ihre bahn nur unter spannung oder energiezufuhr (oder energieentzug) wechseln können, treten gedanken manchmal erst dann aus dem unterbewussten hervor, wenn man sich in einen gewissen spannungszustand versetzt hat.
weil ich mit einem rat angefangen habe, ende ich auch mit einem rat. das veröffentlichen von texten ist ein werkzeug um eine gewisse spannung zu erzeugen, die beim ernten von gedanken und ideen hilfreich ist. der innere, imaginierte dialog mit lesenden ist ein werkzeug, das auch beim schreibenden denken hilft. das gefühl etwas zu verlieren, weil die rezeption, die reaktionen auf den veröffentlichten text vielleicht negativ ausfallen oder kaum jemand den text zu lesen scheint, ist eine täuschung. mit dem schreiben eines textes tust du in erster linie etwas für dich, hast du etwas gelernt und gewonnen. und mit jedem neuen veröffentlichten text lernst du mehr.
die reaktionen auf deinen text sagen weniger über dich oder deine gedanken, sondern alles über die rezipienten. schreibe und du lernst zu denken, veröffentliche und du lernst sehr viel über menschen.
siehe auch:
scheisshaus
früh morgens und bei dieser witterung wirken diese öffentlichen toiletten beinahe einladend und gemütlich.
ich hab noch ozempic im kühlschrank liegen, 3 oder 4 portionen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir keine spritze mehr gesetzt, hatte aber vor weihnachten überlegt mir vor oder nach weihnachten vielleicht nochmal eine zu setzen. dann hab ichs erstmal gelassen und wollte mal schauen was über weihnachten passiert.
es hat sich nach mehreren weihnachtsessen und fünf tagen essen bei meinen eltern gezeigt, dass ich über die feiertage eher abgenommen habe.
den ganzen dezember über schwankte mein gewicht stabil um die 94,5 kg. bei meinen eltern zeigte die waage zwischendurch sogar mal 93,5 kg an, aber die erste wäägung zuhause, auf meiner eigenen waage, zeigte wieder 94,5 kg.
mein gewicht nach tagen im dezember 2025
gestern auf dem rückweg von meinen eltern nach hause haben frida und ich uns ein bicmac-menü bei mcdonalds geteilt. also sie hat ein bisschen rinderhack und ein paar pommes bekommen. das menü war „small“, aber ich mochte die pommes dann doch nicht aufessen. nicht wegen der kalorien, sondern weil sie einfach nicht so gut schmecken, wie das was ich mittlerweile zuhause hinbekomme. gleiches gilt für burger. meine selbstgemachte „bignmac sauce“ und pattis von beyond meat sind einfach leckerer. und aufessen um des aufessens willen, auch wenns nicht wirklich gut schmeckt, hab ich mir abgewöhnt.
aber was mcdonalds bietet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach früher. es schmeckt nach mcdonalds und dieser geschmack ist an viele positive assoziationen gebunden. aber gestern haben mir der dreiviertel big mac und ein paar pommes gereicht um die nostalgie (und den appetit) zu befriedigen.
andererseits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass essen so wie vor 45 jahren1 schmeckt? selbst bei meiner mutter schmeckt’s heute anders als vor 45 jahren. sie probiert ständig neues aus. ein rezept das ich vom diesjährigen weihnachtbesuch mitgenommen habe sind gurkensticks:
that's it.
bei mcdonalds in ingersleben, wo frida und ich uns das bigmac-menu geteilt haben, wollte eine angestellte frida unbedingt hallo sagen. hat sie dann auch gemacht, während wir an der essensausgabe warteten. als wir wieder aufbrachen und nochmal kurz aufs klo gingen, fing sie uns am ausgang ab und fragte ob sie dem hund etwas geben könne. sie hatte einen burgerkarton mit drei chicken-filets („ohne salz“) und wollte mir den in die hand drücken. abgesehen davon, dass das mengenmässig zwei bis drei tagesportionen für frida wären, verträgt sie huhn nicht besonders gut. deshalb musste ich bedauernd und dankend ablehnen.
(rind verträgt frida eigentlich auch nicht, aber weil die rinderbrühe bei meiner mutter ganz gut vertrug, hatte ich ihr auch vom burger patti abgegeben. normalerweise bekommt und verträgt frida wild.)
ich fand das auf jeden fall herzallerliebst und ehrlichgesagt tragen aus meiner sicht solche erlebnisse auch dazu bei, dass mcdonalds so beliebt ist. durch die konsequente standardisierung (des essens, der mitarbeiter mit migrationshintergrund, der zurückhaltenden gemütlichkeit, des geruchs) ist jedes mcdonalds weltweit eine insel des gewohnten und bekannten in der fremde. der aral-pulse ladepark in ingersleben war kalt, dunkel, in der tiefen sachsen-anhaltinischen provinz, aber direkt hinter der eingangstür von mcdonalds war es warm, hell, vertraut — und freundlich.
2026 wird das jahr an dem ich ernsthaft an meinem bucket-listen-eintrag „klimmzüge“ arbeiten werde. jetzt nach weihnachten werde ich mir eine klimmzugstange kaufen die man im türrahmen einhängen kann. damit trainiere ich das systematisch. mittlerweile weiss ich durch den konsum von schwer erträglichen fitness-videos auf youtube, dass es zu mindestens 50% auf die technik ankommt und es gar nicht mal so einfach ist einen bewegungsablauf hinzubekommen in dem die rückenmuskulatur die arme beim hochziehen unterstützt. und die rückenmuskulatur will auch aufgebaut werden. nicht auf der bucket list, aber fest vorgenommen: täglich 50-100 liegestützen in dreier-einheiten über den tag verteilt mindestens 3 monate durchziehen. früher hab ich 100 schnelle, sloppy liegestützen am stück geschafft, mittlerweile schaff ich von den sloppy liegestützen wieder 30 am stück. aber ich versuche jetzt 20-30 langsame am stück aufzubauen. 8-14 schaffe ich davon im moment, das ist also noch ausbaufähig und durch die hand- und armhaltung auch sehr gut variierbar.
in aachen hat 1978 am markt das erste mcdonalds eröffnet. seit den frühen 80ern ging ich dort relativ regelmässig hin. einmal sind wir auch des restaurants verwiesen worden, weil wir andere gäste mit papierkügelchen aus strohhalmen beschossen haben. big macs esse ich gerne, seitdem ich mitte der 90er 3 tage lang non-stop von tennessee nach washingon state mit dem greyhound-bus gefahren bin. der greyhound hielt gelegentlich an mcdonalds-restaurants und meine enttäuschung war riesig, wenn wir morgens bei mcdonalds hileten und es dort „nur“ frühstück und keine bigmacs gab. ↩
auch wenn mein gewicht im dezember konstant bei 94,5 lag, sind die jahres- und sechs-monats-grafik aus apple health optimistisch. aber der bereich 90-95 kg ist eigentlich ein bereich in dem ich bleiben will. meine klamotten passen mir noch, meine eltern haben erst nach dem dritten bis vierten blick gesehen, dass ich 18 kilo abgenommen habe und die werte die ich erfasse (blutdruck, ruhepuls, caridofitness) haben sich signifikant verbessert. und ich kann auch wieder auf dem rücken schlafen ohne mich selbst durch infernalisches schnarchen selbst zu wecken. und durch die kombination aus bewegung und gewichtsverlust haben sich die krampfadern die sich in den letzten vier, fünf jahren an meinen unterschenkeln vorwagten, wieder alle verdünnisiert.
4:50 h, -2° C
johann frenken weg in karken um kurz vor fünf uhr morgens
tichelkamp in karken um kurz vor fünf uhr morgens
zu weihnachten bin ich bei meinen eltern. meine mutter erzählt, mein vater macht das was er immer macht und ich staune, wie die kleinen konflikte, die bei meinen eltern früher gelegentlich eskalierten jetzt einfach abebben. vielleicht ist das ein weiterer positiver aspekt am altern, dass sich das kurzzeitgedächnis verkürzt und man einfach vergisst, über was man sich gerdae aufgeregt hat. apropos älter werden, meine mutter erzählte uns ausladend darüber, dass sie das buch von elke heidenreich über das altern nicht gut fand, aber sehr begeistert von natascha wodins „Die späten Tage“ ist. in „Die späten Tage“ schreibt sie über das altwerden und eine späte grosse liebe. ich muss keins der bücher lesen, weil mir meine mutter bereits alles erzählt hat.
meine mutter erzählt von ihrer freundin vera, die 15 jahre jüngger als sie ist. mittlerweile sind beide alt, meine mutter und vera. im alter verwischen altersunterschiede. und es ist natürlich auch pfiffig jüngere freunde zu haben, das macht sich im alter bezahlt, wenn die gleichaltrigen oder älteren freunde verhärten oder versterben.
witzigerweise erzählte mir meine mutter irgendwann auch von ihren elaborierten pfuschzetteln, an die ich vor ein paar tagen auch denken musste. sie habe die gerade beim aufräumen wiedergefunden und ob ich die vielleicht haben wolle. ich hab sie erstmal fotografiert und dann eingesteckt.
während meine mutter mir ihre gerade aufgeräumten schmuckschatullen zeigt, fällt mein blick auf dieses alte bild meiner mutter und meiner schwester aus den frühen achtzigerjahren.
meine mutter zeigt mir den ersten band der bob-dylan-autobiografie (Chronicles, Band 1). das habe sie sich gekauft, weil es von kathrin passig (und gerhard henschel) übersetzt wurde und sie kathrin passig mal auf der republica kennengelernt oder ich sie ihr vorgestellt habe. ich merke wie wenig ich weiss und freue mich, dass meine mutter ihren geist mit über achtzig besser auf trab hält als ich.
komischerweise werde ich bei meinen eltern nicht nostalgisch. die ganzen alten sachen wecken zwar viele alte erinnerungen, aber irgendwie fallen mir vor allem die neuen sachen auf. dass konflikte zwischen meinen eltern jetzt eher abbebben, als zu eskalieren. wie schön und fotogen die gegend hier in und um heinsberg ist und wie wenig ich das damals offenbar zu schätzen gewusst habe.
am himmel konnte ich hier heute früh mindestens zwanzig flugzeuge sehen. der himmel war riesig und klar und alle flugzeuge zogen kondesnstreifen hinnter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirklich, aber so war es.
mir fallen aber auch ein paar alte dinge auf, oder genauer, wie schnell dinge die kürzlich noch neu waren plötzlich ganz alt wirken. hier im haus sind noch überall diese kompakten neon-lampen verbaut, die ein paar hundert millisekunden brauchen, bevor sie licht abgeben. die waren vor kurzem noch der letzte heisse scheiss. mein vater meint, die halogen-läpchen in seinem badezimmer hielten im durchschnitt gerade mal 2 jahre. diese dinger waren wegen der niedervolt-technik auch mal ein heisser neuer scheiss, mittlerweiel sieht das wohl keiner mehr so. und weil mein vater (zu recht) lieber keine leiter mehr besteigen will, habe ich jetzt wohl alle paar jahre die aufgabe die lämpchen auszutauschen.
frida und ich sind heute zum ersten mal über den karkener friedhof gelaufen. bisher haben wir das nicht gemacht, weil ich mich in der regel an hunde-verbote auf friedhöfen halte. früher bin ich aus desinteresse nie über den karkener friedhof gealufen. heute, auf dem rückweg vom morgenspaziergang, wollte ich aber einen bogen um das mensch-hund-team vor uns machen, in dem der sehr gross gewachsene hund ganz offensichtlich die hosen an hatte und die marschrichtung bestimmte. also sind wir am friedhof abgebogen.
morgenrunde durch karken und werlo. es war kalt, der sonnenaufgang spektakulär und viele häuser öffneten ihre rolladen in genau dem moment, an dem wir an ihnen vorbeigingen. eine frau verliess 300 meter vor uns ihr haus, sammelte ein bisschen müll auf und schmiss ihn zu den nachbarn in den vorgarten. ordnung muss sein. schön hier.
in ihrem „The Complete Christmas Dinner (Ultimate Chef Guide)“-video zeigen die küchenchefs des restaurant fallow, jack croft und will murray, wie sie ein komplettes britisches weihnachtsessen zubereiten. ich habe in diesem video (und anderen von fallow) viele kleine tipps gesehen die sich in meinem küchenalltag als sehr hilfreich erwiesen haben. und ich habe mir das rotkohl-rezept aus diesem video extrahieren lassen und am heiligabend nachgekocht (zusammen mit selbstgemachten kartoffelklössen und rouladen).
die zubereitung des rotkohls dauert zwiwschen 2 und 3 stunden, aber das ergebnis war toll: tiefrote farbe, süsslich-tiefer geschmack, perfekte konsistenz und glanz — aber nicht ganz kalorienarm.
den kohl vierteln, die äusseren blätter entfernen und den kohl in feine streifen schneiden oder hobeln. ich hab das freihand mit dem messer gemacht und habe versucht sehr dünne streifen zu schneiden, was dann pi mal daumen zu 2 mm dicken streifen führte.
den geschnittenen kohl direkt mit den 330 ml Apfelsaft in einen grossen topf geben. den deckel aufsetzen und bei mittlerer bis hoher hitze garen. das ziel ist es, die feuchtigkeit aus dem kohl zu ziehen und ihn weich zu dämpfen. das dauert ungefähr 20-30 minuten.
sobald der kohl zusammengefallen ist, den deckel abnehmen. jetzt den rotwein und die gewürze (ingwer, zimt, muskat) hinzufügen. eine gute prise salz und etwas zucker dazugeben.
den kohl ohne deckel weiterköcheln lassen (insgesamt dauert die garzeit im video etwa andertalb stunden), bis die flüssigkeit fast vollständig reduziert ist.
insgesamt sind die angegebenen mengen flüssigkeit relativ niedrig. solange der kohl dampft ist alles in ordnung. ich habe während der garzeit ein zwei mal ein paar schlücke rotwein zugegeben, weil mir der kohl zwischendurch beinahe zu trocken aussah. ich glaube der lohn dieses balanceakts ist, dass die farbe des kohls tiefrot bleibt, weil er eben nicht in flüssigkeit schwimmt, die die farbe auswäscht.
ganz am ende wird das ganze (kleine) glas johannisbeergelee untergerührt. das vertieft die rote farbe nochmal und verleiht dem kohl glanz. für die säure noch einen kräftigen schuss Essig hinzufügen. im video wird nochmal mit einer weiteren portion zucker abgeschmeckt, darauf habe ich verzichtet.
den kohl mit dem essig und dem gelee nochmal aufkochen und kurz einkochen lassen. man kann danach den kohl mit einem deckel abdecken und später wieder aufwärmen — oder ihn gleich servieren.
herrlicher sonnenschein heute über der catcherwiese in den rehbergen. man merkt kaum, dass es später dezember ist.
vor 17 jahren haben wir am 24.12.2008 in las vegas geheiratet. aus unerfindlichen gründen habe ich das hier auf wirres.net nie richtig dokumentiert. instagram gabs damals noch nicht und twitter konnte damals noch keine bilder. auf twitpic liegen erstaunlicherweise noch ein paar bilder rum (twitpic.com/wwza und twitpic.com/vrtf), aber sonst finde ich jetzt fast nichts mehr.
was ich damals dokumentiert habe, war unsere deutsche behörden odyssee: heiraten in las vegas (märz 2009)
2008 haben wir uns entschlossen zu heiraten — aus steuerlichen gründen. wir waren damals schon drei jahre zusammen, katia hatte nichts dagegen zu heiraten, mir war das eher egal. bis ich irgendwann die steuerlichen rahmenbedingungen recherchierte und katia am telefon einen antrag machte: „ich hab das mal nachgerechnet, wir müssen leider heiraten.“
damals war es schon spät im jahr und wir wollten den steuervorteil für 2008 noch mitnehmen, also suchten wir einen weg möglichst schnell und unkompliziert zu heiraten. las vegas erschien uns eine gute idee: keine grosse orga, ausser ein hotelzimmer und einen flug zu buchen, kein stress mit der frage wen wir einladen. wir haben einfach alle eingeladen: „wir heiraten am 24.12 in las vegas: kommt gerne vorbei, wir freuen uns!“
am 21.12.2008 flogen wir mit dem kind los und checkten ins the venetian ein. unser jetlag zwang uns relativ früh ins bett und ab 02:00 uhr morgens waren wir wieder wach. las vegas schläft ja bekanntlich nie, bzw. den casino-betreibern ist es ohnehin ein grosses anliegen, dass niemand merkt wie die zeit vergeht oder wie spät es ist. die aussentüren der casinos sind meist so tief getönt, dass man in der regel von innen nicht erkennen kann, ob draussen die sonne scheint oder ob es tiefe nacht ist. wir sind dann um drei uhr morgens ins denny’s vor dem venetian gegangen (wobei denny’s immer offen hat). dort haben wir deftig gefrühstückt und dann den ganzen tag unser touristen-programm abgespult und uns chapels angesehen, in denen wir heiraten könnten.
als kapelle suchten wir uns die „a little white wedding chapel“ (wikipedia link) aus, einerseits weil uns die damals schrottige website gefiel und andererseits wegen roseanne, die uns ein hochzeitspaket-angebot schnürte und während des beratungsgesprächs mal kurz („excuse me for a moment“) an den autoschalter ging, an dem gerade ein auto vorgefahren war, um dort eine autoschalter-hochzeit zu abzuwickeln, bzw. zu koordinieren. als sie zurückkam, sagte sie uns, an das kind gerichtet: „can you do me a favour? never marry in a car!“.
unser hochzeitspaket umfasste eine limousinen-anfahrt aus dem hotel, blumengestecke für die braut und den bräutigam, einen fotografen der 12 bilder anfertigen würde und eine videoaufnahme. den standesbeamten, bzw. pastor müsse man separat bezahlen.
nachdem wir das angebot angenommen hatten, in meiner erinnerung war es sensationell günstig, mussten wir nur noch unsere „marriage license“ besorgen. dafür geht man einfach zum clark county marriage license bureau, eine behörde die jeden tag von acht uhr morgens bis mitternacht geöffnet hat.
über die hochzeits-formalien und vor allem wie man die amerikanische hochzeit dann in deutschland anerkennen lässt, habe ich 2009 ausführlich geschrieben (und jetzt nochmal aktualisiert): heiraten in las vegas
am 24. holte uns dann ein fahrer am hotel ab und fuhr uns zur little white chapel.
natürlich waren keine weiteren gäste nach las vegas gekommen (obwohl meine eltern das kurz in erwägung gezogen hatten), deshalb waren wir mit dem kind, dem fotografen und reverend robert l. stone alleine in der kapelle. rev stone war ein niedlicher alter mann mit sehr dicken brillengläsern, hinter denen man sehr freundliche grosse augen sehen könnte. wir liessen ihn vorab wissen, dass wir atheisten seien, aber die zeremonie die er veranstaltete war trotz des kitsch der uns umgab sehr romantisch und rührselig. am ende hatten wir alle ein bisschen feuchte augen. er fragte uns auch, ob er „trotzdem“ für uns beten könnte, was uns auch bewegte, atheismus hin oder her.
rev stone spielt nach wie vor eine grosse rolle in unserem leben, es vergeht kaum ein monat in dem nicht einer von uns beiden sagt: „aber rev stone hat gesagt …!“ leider ist rev. stone 2021 gestorben, auf seiner obituary-seite kann man das eine oder andere aus seinem leben erfahren.
nach der hochzeit sind wir noch über den grand canyon, palm springs und san diego nach los angeles gefahren. während es in las vegas angenehm warm war, war es am grand canyon bitterkalt. um so schöner war es in palm springs, wo es ende dezember frühlingshaft warm war. die hochzeitsreise war, wie die hochzeit, eine wilde mischung extremer kontraste, kalt, warm, heiss, kitschig, herzlich, bunt, pompös und unbürokratisch. das mit den kontrasten, mit den extremen, das können die amerikaner. und in las vegas können sie hochzeiten. wir bereuen es nicht und können heiraten in las vegas von ganzem herzen empfehlen.
weihnachtsfeier im fernsehturm. sensationelle aussicht, essen war gut, bedienung freundlich und zuvorkommend, getränke reichlich und das gefilterte leitungswasser mit und ohne kohlensäure war köstlich und ganz nach meinem geschmack.
Ali·en
/ˈeɪli̯ən/
Substantiv, maskulin oder Substantiv, Neutrum [der]
wenn man sich bäume genau anguckt, kommt man eigentlich aus dem staunen nicht mehr heraus. sie ziehen kohlenstoff aus der luft um daraus mit hilfe des sonnenlichts zellulose zu machen. bäume bestehen aus festgewordener luft.
bäume sind eigentlich eine lebende haut über einem toten skelett aus verholzter luft. das innere eine baums besteht aus toten zellen und dient lediglich der stabilität. die borke besteht auch aus abgestorbenen zellen. das leben eines baums findet sich zwischen holz und rinde, in einer hauchdünnen schicht, dem kambium. ein uralter baum ist eigentlich ein junger organismus, der auf seinen toten vorfahren wächst.
bäume haben kein herz, keine pumpen und schaffen es doch wasser in bis zu 115 meter höhe zu transportieren.
in den kapillaren von bäumen herrschen bis zu -15 bar unterdruck (autoreifen pumpen wir in der regel auf +2,5 bar auf).
bäume leben in symbiose mit pilzen und tauschen mit ihnen nährstoffe.
bäume pumpen zuckerlösung in den boden (unter anderem) um ihre nachkommen im schatten zu versorgen und sie kommunizieren mit anderen bäumen über biochemische signale.
als ich ein kind war, studierte meine mutter sonderpädagigik. zwei dinge sind mir aus dieser zeit in erinnerung. zum einen hatte sie sich für eine prüfung einen drei meter langen „pfuschzettel“ geabaut, auf dem der text ihrer schriftlichen prüfung zum abschreiben stand. der „zettel“ war winzig und auf zwei rollen gerollt. der text war schreibmaschinengeschrieben und mehrfach kleinkopiert. ich habe diese idee natürlich auch in meiner schullaufbahn gerne angewandt und mir für meine abiturkausuren auch elaborierte „pfuschzettel“ erstellt. allerdings zeigte sich, dass ich die gar nicht nutzen musste, denn allein die erstellung der zettel verankerte das lerngut so gut in meinem kurzzeitgedächnis, dass ich die zettel während der prüfungen gar nicht brauchte. es zeigt sich auch heute nützlich wissen oder lernstoff zu strukturieren, zu komprimieren und irgendwo aufzuschreiben, so dass man im notfall drauf zugreifen kann (aber nicht muss).
manche nennen diesen vorgang auch bloggen.
das andere was mir in erinnerung blieb, war eine statistik, die sie für ihre abschlussarbeit recherchiert hatte. nämlich dass sich in deutschland signifikant mehr leute für tierschutz einsetzen, als für kinderschutz. zumindest gemessen an den mitgliederzahlen der zwei wichtigsten vereine; dem deutschen kinderschutzbund und dem deutschen tierschutzbund. laut eigenangaben des kinderschutzbundes und des wikipediaeintrags des tierschutzbundes, gibt es ca. 50.000 unerstützer des kinderschutzbundes und ca. 800.000 unterstützer des deutschen tierschutzbundes.
ich habe da immer wieder drüber nachgedacht, was das für gründe haben kann, und einer davon ist sicherlich, dass der einsatz für tiere sich weniger politisch anfühlt, zumindest, wenn die politischeren vereine wie peta ausklammert. ein anderer grund könnte sein, dass „die politik“ zwar immer wieder gerne vorgibt, etwas für kinder zu tun und da aktivistisch tätig ist, sich aber gefühlt eher selten für das tierwohl einsetzt. möglicheriweise lässt das einige menschen glauben, dass man deshalb mehr für tiere tun müsste.
tatsache ist jedenfalls, dass viele politiker sehr gut wissen, dass man politische vorhaben viel leichter durchsetzen kann, wenn man sie mit (vermeintlichen) kindeswohl verknüpft.
Klare Mehrheit für Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
und jetzt ganz neu, nicht nur in australien, sondern auch hier gerne diskutert, kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen verbannen, zu ihrem eigenen schutz. eine umfrage der bild suggeriert zumindest, dass nicht wenige menschen für solch eine idee zu begeistern sind (thomas hat ein faksimile der „bild“-umfrage, die ich nicht nur mit einem „grain of salt“ geniessen würde, sondern eher mit ein zwei teelöffeln salz).
ganz selten hört man aus regierungskreisen aufrufe wie:
kindeswohl in politikerreden wird gerne als argument genutzt, wenn es keinem erwachsenen oder lobbyisten wehtut. das ist das praktische an dieser argumentationsweise. die kinder muss man nicht fragen, kinder haben keine oder nur schwache lobbys und die wünsche von kindern kann man einfach übergehen, weil man ja einfach unwidersprochen vorgeben kann, es besser zu wissen.
was einigen erwachsenen wehtun würde und den einen oder anderen lobby-verband zu heftigem widerstand bringen würde, wären massnahmen wie die, die thomas gigold in diesem artikel vorschlug:
Wie wäre es, wenn wir statt Kinder vorzuschieben uns mal als Gesellschaft fragen: Wollen wir all die Gewalt, Manipulation und Hass-Rede wirklich? Braucht es die wirklich im demokratischen Diskurs? Oder wäre es nicht vielleicht besser, an den großen Tech-Plattformen die gleichen Maßstäbe anzulegen, wie an TV, Radio, DVD und Computer-Spiele – und die "harmlose" Version zum Standard zu machen?
oder anders gefragt, wie wäre es die vorhandenen gesetzte gegen gewaltdarstellung, missbrauch und hetze mal durchzusetzen?
weil show- oder schaufensterpolitik so viel leichter ist, hat man offensichtlich in australien auf die regulierung von werbung für wetten verzichtet und lieber kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen („social media“) im internet verbannt:
Turns out the campaign pushing hardest for the ban was run by an ad agency that makes gambling ads. The same gambling ads that were facing their own potential ban—until the Australian government decided that, hey, with all the kids kicked off social media, gambling ads can stay.
politiker und politikerinnen die ihre politik mit massnahmen zum kinderschutz begründen sollte man in den meisten fällen wie drückerkolonnen an haustüren und fussgängerzonen behandeln. ignorieren, nach hause gehen und sich gedanken über fleischlosere ernährung machen und wie man sich politisch engagieren könnte.
politiker die drückerkolonnen-taktiken nutzen, sich erst beim wahlvolk einzuschleimen versuchen, dann emotionen aufrühren und zum spenden oder wählen bringen wollen, sollte man mit häme und besseren argumenten übergiessen.
politikern und lobbyisten ist es gelegentlich egal wie sie unterstützung für ihre vorhaben erreichen. ein klassiches konzept scheint ein bündnis aus moralisch motivierten akteuren und wirtschaftlichen profiteuren zu sein, das mike masnick hier beschreibt:
There’s a famous concept around regulations known as “bootleggers and Baptists,” as a shorthand way of denoting some of the more cynical “strange bedfellows” that team up to get certain regulations in place. The canonical example, of course, being the temperance movement that sought to ban alcohol. Bootleggers (illegal, underground alcohol producers) loved the idea of prohibition, because it would greatly increase demand for their product, for which they could cash in.
But, no one wants to publicly advocate for prohibition on behalf of the bootleggers. So, you find a group to be the public face to present the cooked up moral panic, moralizing argument for the ban: the Baptists. They run around and talk about how damaging alcohol is and how it must be banned for the good of society. It’s just behind the scenes that the bootleggers looking to profit are helping move along the legislation that will do exactly that.
gute politik ist mühsam. nicht nur für politiker, auch für die wählenden. die einen sollten wege suchen die welt, das internet für alle besser zu machen, die anderen auch. der witz ist: wir können die politik nicht nur den politikern überlassen. wir müssen ihnen auf die finger schauen und ihre taschenspielertricks erkennen und demaskieren. wir sollten die taschenspielertricks aber nicht nur demaskieren, sondern ihnen bessere alternativen entgegenstellen (das hat schon einmal funktioniert, damals zu zensursula-zeiten: löschen statt sperren).
das problem ist vielleicht auch, dass wir alle verlernt haben unsere eigenen pfuschzettel zu erstellen (uns mit den problemen der welt auseinandersetzen) und stattdessen mehr und mehr vorformulierte, ready-made pfuschzettel nutzen und uns so durch fehlende, echte auseinandersetzung leicht instrumentalisieren lassen. und das scheint mir für alle zu gelten, nicht nur politiker und politikerinnen.
nachtrag: die taz 2014 über „Denkt doch an die Kinder!“:
[Die] Berliner Rechtsmedizinerin Saskia Etzold, die tagtäglich misshandelte Kinder untersucht: „Ich habe das Gefühl, in einem Land zu leben, in dem Elternrechte wichtiger sind als Kinderrechte“, sagt Etzold. Kindesmisshandlungen würden kollektiv verleugnet, der Staat versage als oberster Wächter des Kindeswohls. 200.000 Kinder würden nach konservativen Schätzungen jährlich in Deutschland misshandelt, mit großer Wahrscheinlichkeit mehr.
nachtrag 18.12.2025:
danah boyd (2024) via michael tsai:
Since the “social media is bad for teens” myth will not die, I keep having intense conversations with colleagues, journalists, and friends over what the research says and what it doesn’t. (Alice Marwick et. al put together a great little primer in light of the legislative moves.)
[…]
Can social media be risky for youth? Of course. So can school. So can friendship. So can the kitchen. So can navigating parents. Can social media be designed better? Absolutely. So can school. So can the kitchen. (So can parents?) Do we always know the best design interventions? No. Might those design interventions backfire? Yes.
Does that mean that we should give up trying to improve social media or other digital environments? Absolutely not. But we must also recognize that trying to cement design into law might backfire. And that, more generally, technologies’ risks cannot be managed by design alone.
[…]
Do some people experience harms through social media? Absolutely. But it’s important to acknowledge that most of these harms involve people using social media to harm others. It’s reasonable that they should be held accountable. It’s not reasonable to presume that you can design a system that allows people to interact in a manner where harms will never happen. As every school principal knows, you can’t solve bullying through the design of the physical building.
eben bin ich über die „an diesem tag“ funktion in der beilage zu diesem artikel auf mein erstaunen von vor sieben jahren über peter grossmann gestossen. der moderierte damals bereits seit 22 jahren im ard-morgenmagazin den sport.
ich mein, wo gibt’s sowas heutzutage noch, dass jemand 22 jahre lang gutgelaunt einer extrem langweiligen tätigkeit nachgeht?
weil peter grossmann immer noch im ard-morgenmagazin den sport moderiert, sind das mittlerweile 28 oder 29 jahre. das ist schon eine beeindruckende beständigkeit.
um mich selbst ein bisschen zu beeindrucken, hab ich gerade mal meinen hochzeitsring abgestaubt und mit dem telefon fotografiert, damit ich mich erinnere, dass ich am heiligabend 17 jahre mit der beifahrerin verheiratet bin.






















