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Δ 20,5 kg

felix schwenzel in semaglutid

da­tum ge­wicht
mai 2025 113,5 kg
juni 2026 93,1 kg
screenshot aus der health app der mein durchscchnittliches monatsgewicht februar 2025 bis zum juni 2026 anzeigt (113,5 kg im mai 2025, 93,08 kg im juni 2026)

kon­text: ich habe von au­gust 2025 bis an­fang ok­to­ber 2025 se­maglut­id / oz­em­pic ge­nom­men. seit­dem habe ich wei­ter ab­ge­nom­men und ca. seit ja­nu­ar 2026 hal­te ich das ge­wicht bei 93-94 kg.

da­mit be­en­de ich die be­richt­er­stat­tung über mein ge­wicht, mit aus­nah­me ei­nes bei­trags im april 2027.


vi­deo von der bei­fah­re­rin ge­pos­tet:

fe­lix, fri­da und ich an der ost­see. fri­da den gan­zen tag kom­plett aus dem häus­chen weil was­ser und sand. hier übt fe­lix tricks mit erd­nüs­sen um sie ein bi­schen ab­zu­len­ken und für den auf­ent­halts­ort de­cke zu be­geis­tern.


hun­de­strand lub­min 2026

felix schwenzel in bilder

je­des jahr im juni oder juli ist es der bei­fah­re­rin da­nach mal an den strand zu fah­ren. also fah­ren wir drei stun­den lang zur ost­see, nach lub­min, an den hun­de­strand. wir sind je­des­mal da­von über­rascht wie ru­hig und kühl es dort ist. in ber­lin gin­gen die tem­pe­ra­tu­ren, trotz ei­nes un­wet­ters, bis auf 30°C hoch, in lub­min blieb es un­ter 22°C. vom park­platz aus ge­hen wir ge­ra­de mal 10 mi­nu­ten nach wes­ten und sind dann prak­tisch al­lei­ne am strand.

fri­da ist am was­ser all­ge­mein et­was ge­stresst und be­kommt ihre auf­re­gung nicht gut in den griff. aber wenn sie mit der bei­fah­re­rin ins was­ser geht, schwimmt sie wie ein schnell­boot und schwimmt stän­dig krei­se um die bei­fah­re­rin. ganz all­ge­mein habe ich im­mer wie­der den ein­druck, dass sie zwi­schen fort­be­we­gung an land und im was­ser nicht gross­ar­tig un­ter­sch­ei­det, so na­tür­lich geht ihr bei­des aus der hand. ich bin mir auch nicht si­cher was sie mehr in auf­re­gung ver­setzt, der sand oder das was­ser.

beim am strand lang lau­fen ent­spannt sie dann auch ein biss­chen. lau­fen ent­spannt, ganz all­ge­mein, al­les und im­mer.

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blog­dings 2004 und jetzt

felix schwenzel in artikel

vier netnewswire icons von 2006 bis heu­te

face­book gibts seit 2004, aber es dau­er­te noch min­des­tens vier jah­re, bis man es in deutsch­land be­nut­zen konn­te. so­zia­le netz­wer­ke ent­stan­den in die­ser zeit ge­ra­de, in die­sem bei­trag von 2004 er­wäh­ne ich ei­nen dienst der „fri­enster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr er­in­nern kann. über das blog­gen schrieb ich da­mals das hier:

die per­son hin­ter ei­nem web­log, ihre glaub­wür­dig­keit und das ver­trau­en das sie sich er­schrie­ben hat, steht am an­fang. je­des blog ist durch links, link-hubs und link-zäh­ler, ag­gre­ga­to­ren, blogrolls und kom­men­tar­funk­tio­nen in eine art so­zia­les netz von ver­trau­en, emp­feh­lun­gen und be­wer­tun­gen ein­ge­bet­tet. die­ses so­zia­le netz geht jetzt schon über sys­te­me wie „fri­enster“ hin­aus. es funk­tio­niert vor al­lem jetzt schon.

blogs funk­tio­nier­ten da­mals „in sich“, sie ver­netz­ten sich im wort­sinn durch ge­gen­sei­ti­ge ver­lin­kun­gen, in­ter­ak­tio­nen (kom­men­ta­re), blogrol­len (link­lis­ten) und durch die hil­fe von ag­gre­ga­to­ren und teil­wei­se auch such­ma­schi­nen. aus­ser­dem wa­ren blogs im­mer schon abon­nier­bar mit RSS. das war tech­nisch et­was an­spruchs­vol­ler als eine web­sei­te/ein blog im brow­ser auf­zu­ru­fen, aber gute RSS-rea­der oder -cli­ents gabs auch schon da­mals. der reiz, da­mals wie heu­te, von RSS ist na­tür­lich die ag­gre­ga­ti­on: neue ar­ti­kel wer­den oben an­ge­zeigt, wie in ei­nem blog, nur dass man sich in sei­nem rea­der dut­zen­de oder hun­der­te blogs zu­sam­men­stel­len konn­te und so den über­blick über neue bei­trä­ge be­hal­ten konn­te.

nicht zu un­ter­schät­zen, un­ge­fähr 2005 kam goog­le mit dem goog­le rea­der. der goog­le rea­der mach­te RSS-feeds ein­fach zu­gäng­lich. ich weiss nicht mehr wie das ge­nau funk­tio­nier­te, aber die ein­gangs­schwel­le zum goog­le rea­der war nied­rig und ein­mal drin war es ein­fach blogs zu fol­gen. et­was spä­ter ka­men emp­feh­lungs­funk­tio­nen für ein­zel­ne bei­trä­ge dazu, mit dem man ge­le­se­ne bei­trä­ge wei­ter­emp­feh­len und (wenn ich mich recht er­in­ne­re) auch mit ei­nem kom­men­tar ver­se­hen konn­te.

2013 en­de­te der goog­le rea­der, weil goog­le eine be­klopp­te idee na­mens goog­le plus hat­te. wozu das gut sein soll­te ver­stand da­mals aus­ser­halb von goog­le nie­mand und ir­gend­wann ver­stand das bei goog­le auch nie­mand mehr und goog­le plus wur­de auch ein­ge­stellt. vie­le sa­hen das als eine art to­des­stoss für blogs, aber we­der das ende des goog­le rea­ders, noch face­book oder twit­ter wa­ren das ende von blogs. blogs ver­schwan­den le­dig­lich wie­der in ihre ni­schen, in de­nen sie auch vor­her schon wa­ren, et­was aus­ser­halb der wahr­neh­mung des main­streams.


jetzt habe ich weit aus­ge­holt, ob­wohl ich ei­gent­lich nur sa­gen woll­te, dass ich, als ich mein zi­tat oben las, dach­te: das wür­de ich heu­te ge­nau so schrei­ben. blogs funk­tio­nie­ren, blogs sind wei­ter­hin da. man­che ver­schwin­den, vie­le neue tau­chen auf, und stän­dig fin­det man per­len, in­spi­ra­ti­on, un­ter­hal­tung, kon­tro­ver­sen oder se­ren­di­pi­tät — wenn man im strom ein biss­chen mit­schwimmt.

und was mich in den letz­ten ta­gen im­mer wie­der fas­zi­niert hat ist das auf­pop­pen (in mei­nem sicht­feld) von span­nend­ne „neu­en“ tech­no­lo­gien (#at­pro­to, #ac­ti­vi­ty­pub), apps und ag­gre­ga­to­ren die das po­ten­zi­al ha­ben dem gan­zen (im­mer) wie­der neu­en schwung zu ver­lei­hen.

bubbles, ein re­la­tiv neu­er, tol­ler ag­gre­ga­tor mit vo­ting emp­feh­lungs- und kom­men­tar­funk­ti­on, lahmt im deutsch­spra­chi­gen be­reich noch ein biss­chen, aber im eng­lisch­spra­chi­gen brummts. mau­rice schrieb in ei­nem kom­men­tar:

in­zwi­schen ist [bubbles] bei mir der haupt-re­fer­rer über den le­se­rin­nen auf mei­ne sei­te kom­men. Au­ßer­dem stö­be­re ich dort auch echt ger­ne.

das er vie­le be­su­cher von dort be­kommt liegt wahr­schein­lich auch dar­an, dass er (auch) eng­lisch schreibt (sei­ne pro­fil­sei­te bei bubbles zeigt auf die eng­li­sche ver­si­on sei­ner web­site), bei mir schau­felt riv­va der­zeit noch mehr be­su­cher als fast jede an­de­re web­site rü­ber. top re­fer­rer in den letz­ten 12 mo­na­ten:

tat­sa­che ist aber, auch jetzt funk­tio­nie­ren blogs min­des­tens so gut, wenn nicht so­gar bes­ser als 2004. ei­ner­seits na­tür­lich weil si­gni­fi­kant mehr leu­te ins in­ter­net schrei­ben, weil es RSS, riv­va, blogrol­len, web­rin­ge gibt, weil ins in­ter­net schrei­ben­de sich wei­ter ge­ge­sei­tig ver­lin­ken und weil sich wei­ter vie­le men­schen ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie man tech­no­lo­gien, platt­for­men, pro­to­kol­le wei­ter­ent­wi­ckeln kann um dem gan­zen noch­mal mehr schwung zu ge­ben.

ein an­de­rer grund war­um das gan­ze blog­dings wei­ter brummt fällt mir mor­gens oft beim ers­ten kaf­fee auf, wenn sich mir (in etwa) die­ses bild prä­sen­tiert:

screenshot aus meinem mastodon-client phappy mit drei zeitlich eng beieinanderliegenden posts von markus pfeifer (7:39), kaltmamsell (6:29) und buddenbohm (6:01)
meq 7:39, kalt­mam­sell 6:29, bud­den­bohm 6:01

die kon­stanz man­cher ins in­ter­net­schrei­ben­den ist be­ein­dru­ckend. je­den tag zwi­schen 6 und 7 uhr tau­chen ma­xi­mi­li­an bud­den­bohm und die kalt­mam­sell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: mar­kus. es scheint (wei­ter­hin) sehr vie­le men­schen zu ge­ben, für die die lek­tü­re be­stimm­ter blogs zur mor­gen- oder ta­ges­rou­ti­ne ge­hört. ich hab we­nig ah­nung für wie vie­le men­schen mei­ne tex­te zur rou­ti­ne ge­hö­ren, aber ich freue mich na­tür­lich im­mer sehr, wenn ich an­de­re mit in mei­ne rab­bit­ho­les reis­sen kann oder zu­min­dest dazu in­spi­rie­ren kann, mal kurz ei­nen blick auf din­ge zu wer­fen über die ich mich ge­ra­de freue.

tl;dr: be­rich­te über den tod des of­fe­nen webs sind stark über­trie­ben.


das ar­ti­kel­bild zeigt net­news­wire icons von 2006 bis heu­te.

sie­he auch:


bubbles und ri­vers, blog­dings und auf­find­bar­keit

felix schwenzel in notiert

ich habe mich jetzt ta­ge­lang über neue „dis­co­very“ mög­lich­kei­ten in der AT­mo­sphe­re für blogs ge­freut. die bei­trä­ge al­ler blogs der welt, die ihre bei­trä­ge im stan­dard.site-do­ku­men­ten-for­mat ver­öf­fent­li­chen, sehe ich zum bei­spiel hier auf­ge­lis­tet: stan­dard-rea­der.app/dis­co­ver oder pckt.blog/read oder leaf­let.pub/rea­der.

stan­dard.rea­der.app lis­tet ge­ra­de 5.600 blogs auf die es kennt. als ich heu­te früh ge­guckt und ei­nen screen­shot ge­macht habe, wa­ren es noch 5.500. in 15 stun­den kom­men of­fen­bar um die 100 blogs dazu. zum gros­sen teil liegt das wohl an mat­thi­as pfef­fer­le und sei­nem AT­mo­sphe­re word­press plug­in.

das mit der auf­find­bar­keit funk­tio­niert auch, eben wur­de mir auf stan­dard-rea­der.app das blog mit der zi­tro­ne vor­ge­schla­gen (riv­va auch). seit kur­zem gibts auf der dis­co­very-sei­te von stan­dard-rea­der.app auch fil­ter und such­op­tio­nen. ich fin­de stän­dig neu­en le­se­stoff, mo­men­tan, na­tur­ge­mäss, oft tech­ni­klas­tig, hier und hier ger­ne ge­le­sen.

was dem gan­zen noch fehlt ist — na­tür­lich — RSS, aber das kann man sich viel­leicht ganz schnell bau­en mit der (auch neu­en) stan­dard-rea­der-api.


in mei­nem RSS-rea­der, der im­mer noch mei­ne pri­mä­re le­se­stel­le ist, habe ich heu­te bei waxy.org bubbles.town ent­deckt. ei­gen­be­schrei­bung für die deutsch­spra­chi­ge va­ri­an­te:

300 un­ab­hän­gi­ge Blogs. Eine Start­sei­te. Sor­tiert nach Ak­tua­li­tät und durch dei­ne Vo­tes.

und für die eng­lisch­spra­chi­ge va­ri­an­te:

5034 in­de­pen­dent, per­so­nal blogs. One front page. Ran­ked by vo­tes and fresh­ness, shaped by you.

ich fin­de an bubbles al­les gut. mi­ni­ma­les de­sign, dark­mo­de (au­to­ma­tisch, op­tio­nal), knap­pe, aber in­for­ma­ti­ve blog­pro­fi­le mit „fol­gen“ op­ti­on, zum fol­gen und vo­ten an­mel­dung über ein vor­han­de­ne­nes mast­o­don, bzw. fe­di­ver­se kon­to und klu­ge RSS-feed-op­tio­nen.

wirk­lich toll, be­son­ders hat mich ge­freut, dass ich mich mit mei­nem goto-so­cial-kon­to an­mel­den kon­to, das funk­tio­niert sonst an­ders­wo oft nicht, we­gen der kon­zen­tra­ti­on auf mast­o­don. kein wun­der, weil der ma­cher, „Ben aus Mül­heim an der Ruhr“, auch goto-so­cial für bubbles nutzt. so er­klärt er es:

Bubbles ver­öf­fent­licht je­den neu­en deutsch­spra­chi­gen Ar­ti­kel auch im Fe­di­ver­se über @bubbles_de@so­cial.bubbles.town. Ant­wor­ten auf die­se Posts er­sch­ei­nen als Kom­men­ta­re auf Bubbles.

auf der deut­schen front­pa­ge ist die be­tei­li­gung am vo­ten oder kom­men­tie­ren noch et­was maum aber auf der eng­li­schen ist ei­ni­ges los. und das führt auch zu tol­len auf­fin­dun­gen: „I wan­ted Bear Blog, but for my pho­tos


ich stel­le fest, die blog­re­nais­sance die ich vor ein paar wo­chen lei­se und noch ein biss­chen zwei­felnd zu be­ob­ach­ten glaub­te ist ziem­lich real. riv­va lebt und wächst, die öko­sy­te­me um ac­ti­vi­ty­Pub und AT­pro­to sind irre frucht­bar und las­sen lau­ter span­nen­de sa­chen wach­sen, blog­platt­for­men spries­sen und die leu­te schrei­ben und schrei­ben ins in­ter­net.

je­re­my her­ve schreibt …

stan­dard.site is built to be ex­ten­ded; its own docs say the exis­ting pro­per­ties “should not be seen as cons­traints, but ra­ther as start­ing points.” So go­ing off and buil­ding your own thing is the in­ten­ded move, not a hack. That’s the same en­er­gy that makes the who­le at­mo­sphe­re feel vi­brant and fast right now. Ever­yo­ne is ship­ping new things every day, is fin­ding new crea­ti­ve things to store on PDS. The down­si­de is so­lu­ti­ons that don’t talk to each other.

… und das ist ge­nau wie ich es ge­ra­de emp­fin­de, die AT­mo­sphe­re, das fe­di­ver­se, füh­len sich ge­ra­de un­ge­heu­er le­ben­dig und dy­na­misch an, über­all pop­pen in­ter­es­san­te din­ge auf, mög­li­cher­wei­se auch durchs vibe-coden be­schleu­nigt.

find ich gut, wei­ter so, dem­nächst mehr.


ich habe ge­mi­ni um eine ein­schät­zung mei­nes tex­tes ge­be­ten. es hat eine gute be­ob­ach­tung ge­macht, die ich ger­ne zi­tie­ren möch­te, weil ich den ge­dan­ken auch hat­te, aber nicht „web 4.0“ schrei­ben woll­te:

Dein Text be­schreibt ei­nen „Som­mer der Pro­to­ty­pen“. Es fühlt sich an wie das Web von 2004, aber mit den tech­ni­schen Mus­keln von 2026.


nach­trag 18.06.2026:
hier ist bens bubbles blog, mit neu­ig­kei­ten und war­um er bubbles ge­baut hat. aus­ser­dem sehe ich dort, dass es eine bubbles API gibt, mit der man die vote-an­zahl und bubbles id ho­len kann. sie­he auch „Nai­ve Ben Meets Nai­ve Bayes“.




ich will kei­ne APPs, ich will APIs (meis­tens)

felix schwenzel in artikel

ich muss lei­der noch­mal an ei­nem teil mei­nes pu­bli­kums vor­bei­schrei­ben. das AT­mo­sphe­re-rab­bit­ho­le, in dem ich ge­ra­de ste­cke fas­zi­niert mich ge­ra­de zu sehr, um das nicht auf­zu­schrei­ben.

man sagt ja: wenn man ei­nen ham­mer in der hand hat, sieht man über­all nä­gel. ich sehe im mo­ment über­all das AT-pro­to­koll und die for­ma­te, bzw. le­xi­ka die da­hin­ter­ste­cken. mich fra­gen leu­te was der vor­teil des stan­dard.site-for­mats ge­gen­über RSS sei. der ver­gleich geht ein biss­chen an der sa­che vor­bei. die fra­ge ist ein­fach: was sind die sa­chen die man mit ei­nem pro­to­koll ma­chen kann, was sind die po­ten­zia­le?

be­reits 2002/2003, noch be­vor es word­press gab, hat­te ich auf wir­res.net be­reits RSS (mit voll­tex­ten) ein­ge­baut. weil ich po­ten­zi­al, an­wen­dungs­fäl­le da­für sah — und weil es an­wen­dungs­fäl­le gab. ich weiss nicht ob ich es da­mals schon nutz­te, aber net­news­wire, also ei­nen tol­len RSS-rea­der, gabs seit 2002. 99,99% al­ler men­schen in­ter­es­sier­ten sich da­mals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutz­ten fan­den es gross­ar­tig, weil es gross­ar­tig und prak­tisch war.

mike mas­nik er­in­nert sich an das in­ter­net von da­mals, dass es an­geb­lich nicht mehr gibt und von platt­for­men und apps zer­fres­sen und zer­fa­sert wur­de. al­ler­dings mit dem twist, dass das ei­ner­seits nicht stimmt, das alte in­ter­net ist noch da, und es keimt un­ter dem platt­form-be­ton ge­ra­de wie­der auf.

mike masnick:

But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive en­gi­nee­ring team at making ever­y­thing work, in the protocol world, we rely on constant ex­pe­ri­men­ta­ti­on by anyone who wants to ex­pe­ri­ment.

tim trautmann:

The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the al­ter­na­ti­ve, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, un­g­lamo­rous­ly, in rooms that looked a lot like this one.

Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking them­sel­ves seriously. That com­bi­na­ti­on is rare, and his­to­ri­cal­ly, it’s the one that wins.

das ent­sch­ei­den­de und span­nen­de, da­mals wie heu­te, sind nicht die gros­sen vi­sio­nen, die mas­sen­wirk­sa­men apps und platt­for­men, son­dern die greif­ba­re­ren, jetzt nutz­ba­ren werk­zeu­ge die ge­nutzt, ernst­haft wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den und funk­tio­nie­ren. die ar­beit im ma­schi­nen­raum ist real. nicht mei­ne, son­dern die von tau­sen­den fri­ckeln­den men­schen, auf de­ren schul­tern man sich stel­len kann und ihre werk­zeu­ge mit­be­nut­zen kann.

ges­tern habe ich eine lis­te von ein paar apps die auf dem AT-pro­to­koll auf­set­zen ver­öf­fent­licht die funk­tio­nie­ren und mit de­nen man span­nen­e­de sa­chen ma­chen kann.

  • bei sill mel­det man sich mit sei­nen blues­ky- (oder be­lie­bi­gen an­de­ren AT­pro­to-) log­in an und be­kommt ohne wei­te­res zu­tun eine von sei­nen blues­ky- (oder mast­o­don-) kon­tak­ten ku­ra­tier­te und ge­wich­te­te link­lis­te.
  • bei mar­gin mel­det man sich mit sei­nen blues­ky-log­in an und sieht book­marks, an­mer­kun­gen oder her­vor­he­bun­gen von text­ba­sier­tem zeug aus dem in­ter­net von al­len men­schen in der AT­mo­sphe­re — und si­cher auch ir­gend­wann eine fil­ter­mög­lich­lich­keit auf men­schen de­nen man folgt.
  • mein sifa-pro­fil zeigt ohne wei­te­res zu­tun von mir auch mei­ne bei pop­feed als ge­se­hen mar­kier­ten se­ri­en und fil­me an.

das tol­le am AT-pro­to­koll ist, dass sich diens­te und men­schen auf ba­sis die­ses pro­to­kolls — und sei­ner (be­lie­big) er­wei­ter­ba­ren, struk­tu­rier­ten le­xi­ka — ver­bin­den kön­nen. eine ge­mein­sa­me, of­fe­ne, ge­s­tal­ba­re spra­che ist die ba­sis von ge­mein­schaft.

man muss mei­ne (ak­tu­el­le) be­geis­te­rung für pro­to­kol­le nicht tei­len. ich in­ter­es­sie­re mich zum bei­spiel sehr we­nig für den CAN bus oder das OBD-II pro­to­koll. aber ich weiss, dass man mit ih­nen span­nen­de sa­chen mit au­tos ma­chen kann. vor al­lem weiss ich, dass stan­dard­ti­sier­te, of­fe­ne pro­to­kol­le jede tech­no­lo­gie so­weit vor­an­brin­gen kön­nen, dass sie für je­der­mann und je­der­frau nut­zen brin­gen. kaum je­mand in­ter­es­si­ert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mitt­ler­wei­le nutz­ten sie fast alle und freu­en sich dar­über, ohne zu wis­sen wor­über sie sich freu­en.


für mich ist wir­res.net die quel­le der wahr­heit. nicht in dem sinn, dass al­les was hier ge­schrie­ben steht stimmt, son­dern das al­les was ich ins in­ter­net schrei­be und pos­te sei­ne hei­mat hier hat. ich ver­öf­fent­li­che hier und ver­tei­le an­ders­wo­hin. in aus­nah­men ver­öf­fent­li­che ich auch an­ders­wo, aber dann hole ich es auch wie­der hier­her. da­für gibts die bei­den in­die­web-be­grif­fe POS­SE und PE­SOS, aber das ist egal, weil das grund­prin­zip wich­ti­ger ist, als wie man es nennt. der ent­sch­ei­den­de punkt ist, dass ich ei­ner­seits hier al­les an ei­ner stel­le bei­sa­men und per­sis­tiert ha­ben möch­te und an­de­rer­seits aber auch die men­schen dort er­rei­chen möch­te wo sie ge­ra­de sind.

  • mei­ner mut­ter schi­cke ich au­to­ma­ti­si­ert je­den ar­ti­kel per mail. tech­nik­ar­ti­kel wie die­sen igno­riert sie ein­fach, zu lan­gen, pseu­do­phi­lo­so­phi­schen tex­ten schreibt sie mir fast im­mer zu­rück.
  • ich weiss dass (re­la­tiv) we­nig men­schen lust ha­ben wir­res.net in ih­rem brow­ser auf­ru­fen, es aber ger­ne im RSS-rea­der ih­rer wahl le­sen. des­halb stel­le ich RSS-feeds zur ver­fü­gung und gebe mir gros­se mühe dass sie gut funk­tio­nie­ren und kei­ne (oder we­nig) ein­schrän­kun­gen zum ori­gi­nal ha­ben.
  • sel­fies pos­te ich wei­ter­hin in ko­pie auf in­sta­gram, weil die men­schen auf in­sta­gram aus mir un­be­kann­ten grün­den ger­ne sel­fies und blu­men se­hen.
  • fo­tos und links zu man­chen län­ge­ren ar­ti­keln pos­te ich auf blues­ky und maston­don, weil es dort men­schen gibt, die ger­ne auf die­se art dar­an er­in­nert wer­den, dass ich ins in­ter­net schrei­be und fo­tos pos­te.
  • fil­me und re­zen­sio­nen zu fil­men ko­pie­re ich ge­le­gent­lich auch auf let­ter­bo­xed, weil es dort (viel­leicht) leu­te gibt die sie auf wir­res.net nicht ge­fun­den hät­ten und sich (viel­leicht) über mei­ne re­zen­si­on freu­en.
  • ich ma­che wie­der check­ins mit swarm, weils geht und es für mich der ein­fachs­te weg ist fo­tos mit text auf wir­res.net zu pos­ten (mit own­y­ours­warm). ge­le­gent­lich favt auch je­mand check­ins von mir auf swarm.

die lis­te kann ich fast be­lie­big wei­ter­füh­ren, der ent­sch­ei­den­de punkt ist, dass die ge­ziel­te ver­tei­lung mei­ner in­hal­te im in­ter­net ei­ner­seits an­de­ren ent­ge­gegn­kommt und an­de­rer­seits für mich die be­schäf­ti­gung mit in­ter­es­san­tem tech­nik-ge­döns be­deu­tet.


ar­ti­kel im voll­text mit dem stan­dard.site pro­to­koll in die AT­mo­sphe­re zu bla­sen er­setzt RSS nicht. aber es er­öff­net neue po­ten­zia­le der ent­deck­bar­keit, von emp­feh­lungs- und in­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten. wenn ich ei­nem RSS feed fol­ge weiss das nie­mand. wenn ich ei­ner stan­dard.site pu­bli­ka­ti­on fol­ge, wie zum bei­spiel ni­cos couch­blog, sieht man das hier oder auch hier.

wenn ich ein book­mark in mei­nen ri­ver wer­fe sieht das kaum je­mand. man kann die book­marks zwar per RSS abon­nie­ren (oder al­les, wirk­lich alle abon­nie­ren), aber viel­leicht ist es ja bes­ser die­ses book­mark auch in ei­ner de­zi­dier­ten book­mar­k­an­wen­dung fin­den zu kön­nen. hier zum bei­spiel. oder hier. wenn man sich mit sei­nem blues­ky-log­in dort an­ge­mel­det, kann man mein book­mark kom­men­tie­ren, wei­ter­ver­tei­len, fa­ven oder selbst si­chern.

das ver­tei­len mei­ner ar­ti­kel oder book­marks ist und war nicht kom­pli­ziert. aus­ser schreib­zu­griff auf mein (blues­ky) PDS (per app-pass­wort) brau­che ich nichts wei­ter. kir­by schickt dann ziem­lich leicht­ge­wich­ti­ge json-blobs an den PDS und fer­tig. ob­wohl mar­gin.at kei­ne aus­ge­wach­se­ne API hat, kann ich dort book­marks, an­mer­kun­gen oder mar­kie­run­gen ein­fach (per knopf­druck) aus mei­nen oh­ne­hin vor­han­de­nen book­marks auf wir­res.net sen­den. ich brau­che kei­ne mar­gin.at-app, das AT-pro­to­koll reicht. wo­bei eine mar­gin-app (fürs han­dy) gibts eh nicht, wohl aber eine chro­me ex­ten­si­on. die brau­che ich dank des pro­to­kolls nicht zum an­le­gen von book­marks, aber sie ist trot­dem toll, weil zi­ta­te die ich ins book­mark ko­pie­re, dann mit der ex­ten­si­on in chro­me auch auf der sei­te mar­kiert wer­den.

die­se mar­kie­rung wäre dann auch sicht­bar für je­man­den der bei mar­gin.at an­ge­mel­det ist und die chro­me ex­ten­si­on in­stal­liert hat.


ich weiss, al­les tech­ni­sche, kom­pli­zier­te spie­le­rei­en de­ren nut­zen zwei­fel­haft oder zu­min­dest nicht son­der­lich weit ver­brei­tet ist. null re­le­vanz. aber so viel po­ten­zi­al.

um noch­mal das zi­tat von tim traut­mann von oben zu wie­der­ho­len:

Whe­ther at­pro­to ends up be­ing the thing, or a step­ping stone to the thing, I don't know.

weiss nie­mand, ob das zu was führt oder je­mals von nor­ma­len men­schen ad­ap­tiert wird. aber in­ter­es­sant ohne ende is­ses schon — und es funk­tio­niert.


die über­schrift („ich will kei­ne APPs, ich will APIs“) habe ich ein biss­chen im text ver­nach­läs­sigt. das hole ich jetzt nach.

mir ist das schon seit vie­len jah­ren auf­ge­fal­len, dass vie­le her­stel­ler von sa­chen glau­ben, dass ihre sa­chen eine app brau­chen. in der pra­xis geht das oft völ­lig am be­darf vor­bei. bei der heim­au­to­ma­ti­sie­rung setzt sich (j sei dank) lang­sam die er­kennt­nis durch, dass es kei­nen sinn macht wenn der kühl­schrank, die spül­ma­schi­ne, der air­fry­er, der staub­sau­ger­ro­bo­ter und die lich­ter je­weils eine ei­ge­ne app ha­ben. lang­sam setzt sich (dank mat­ter) die er­kennt­nis durch, dass off­ne­ne pro­to­kol­le der weg sind, mit de­nen tech­nisch kom­ple­xe sa­chen ir­gend­wann mal ak­zep­tanz fin­den kön­nen.

mit pro­to­kol­len kann ich mit den sa­chen ent­we­der ma­chen was ich will oder eta­blier­te, sta­bi­le sys­te­me ei­nes her­stel­lers mei­ner wahl nut­zen. im fall von heim­au­to­ma­ti­sie­rung zum bei­spiel home as­sistant, ho­me­kit, goog­le home oder die­ses ale­xa-ge­döns.

we­di­um hat den schuss of­fen­bar nicht ge­hört. we­di­um, das ich seit der re­pu­bli­ca „tes­ten“ darf, er­scheint mir als das lang­wei­ligs­te, ver­schlos­sens­te und nutz­lo­ses­te „so­zia­le Netz­werk“ der welt.

im web ist we­di­um nicht zu­gäng­lich, bei­trä­ge sind auch nicht aus­ser­halb der app teil­bar. der share-but­ton in der app ko­piert le­dig­lich eine url des bei­trags­bil­des. ich kann auf ios noch nicht mal aus der pho­tos-app ein bild per share-but­ton zu we­di­um sha­ren. nicht eine schnitt­stel­le habe ich in der beta-ver­si­on der app ge­se­hen.

aber das ist ne­ben dem „so­zia­len“ der gan­ze witz an ei­ner netz­werk app: dass man sie ver­net­zen kann, dass man mit APIs spie­len kann, po­ten­zia­le aus­lo­ten kann, dass man als nut­zer die app bes­ser ma­chen kann, in­dem man mit auf dem netz­werk rum­hackt. völ­lig un­ver­ständ­lich, dass man bei we­di­um glaubt nicht nur das rad netz­werk neu er­fin­den kann, son­dern dass man es auch von null auf bes­ser ma­chen kön­ne.

so über­wäl­tigt ich in den letz­ten paar ta­gen vom AT-pro­to­koll war, da­vor ganz ähn­lich vom fe­di­ver­se und ac­ti­vi­ty­Pub fas­zi­niert war, so un­ter­wäl­tigt bin ich von we­di­um.

wenn we­di­um schon das mar­ke­ting ver­kackt, wie soll das dann erst mit der ei­gent­li­chen ma­schi­ne klap­pen? bei der kon­ku­renz? also kon­kret den gros­sen (über-) mäch­ti­gen platt­for­men und den vie­len klei­nen, span­nen­den, leb­haf­ten und dy­na­mi­schen pro­jek­ten, die auf of­fe­nen pro­to­kol­len auf­set­zen.

span­nen­de zei­ten, aber höchst­wahr­schein­lich nicht für we­di­um.



am pu­bli­kum vor­bei

felix schwenzel in notiert

ich schrei­be ger­ne am pu­bli­kum vor­bei. also nicht ab­sicht­lich, son­dern weil ich mich sel­ten fra­ge, was könn­te le­sen­de in­ter­es­sie­ren und lie­ber ge­nau das schrei­be was mich ge­ra­de fas­zi­niert, in­ter­es­si­ert oder be­schäf­tigt. ich tei­le ger­ne und hof­fe da­mit im bes­ten fall an­de­re an­zu­re­gen oder dass sie neue per­spek­ti­ven fin­den. ge­le­gent­lich an­de­re auf neue ideen zu brin­gen oder ein klei­nes stück zu be­we­gen, zäh­le ich als er­folgs­er­leb­nis. das ist nicht mess­bar, aber ge­le­gent­lich be­kom­me ich es doch mit und freue mich.

es be­trübt mich aber an­de­rer­seits auch nicht, wenn sich aus­ser mir nie­mand für das gross­ar­ti­ge stan­dard.site-for­mat in­ter­es­si­ert oder wie ich kurz­urls oder wei­ter­lei­tun­gen baue. da über­wiegt viel mehr die selbst­be­frie­di­gung durch neu­fea­tur­e­r­i­tis und neu­gier­be­frie­di­gung.

ge­le­gent­lich scheint es aber doch über­schnei­dun­gen zwi­schen den in­ter­es­sen des pu­bli­kums und mir zu ge­ben, sa­gen mir zu­min­dest mei­ne be­su­cher­zah­len. die­ses re­zept hat in den letz­ten 6 mo­na­ten über 3000 le­sen­de ge­zählt. wer nach spitz­kohl und air­fry­er goo­gelt, fin­det es ganz oben im such­er­geb­nis. wenn man da­von aus­geht, dass goog­le ei­ni­ger­mas­sen weiss wo­nach men­schen su­chen, dann sieht es so aus als ob sich men­schen (laut goog­le) aus­schliess­lich für re­zep­te von mir in­ter­es­sie­ren. ich habe un­ge­fähr 40 re­zep­te und fast alle tau­chen mit be­stimm­ten wort­kom­bi­na­tio­nen ganz weit vor­ne bei goog­le auf.

  • gur­ken­sticks
  • gur­ken­sa­lat mäl­zer
  • spitz­kohl air­fry­er
  • me­lo­nen­sa­lat ot­to­lenghi
  • sti­cky tof­fee fallow
  • rot­kohl fallow
  • schwarz­brot son­nen­blu­men­ker­ne
  • schwarz­brot plötz­blog
  • röst­zwie­bel spa­ghet­ti
  • schnel­ler brok­ko­li do­mi­ni­que woolf
  • schnel­ler brok­ko­li oli­ver
  • bul­gur pi­law ot­to­lenghi
  • bul­gur pi­law
  • ro­sen­kohl-ri­sot­to nach ot­to­lenghi
  • ro­sen­kohl-ri­sot­to ot­to­lenghi

ge­ra­de ges­tern habe ich wie­der ir­gend­wo ge­le­sen, dass die gräss­li­chen lan­gen tex­te die man bei fast al­len in­ter­net-re­zep­ten fin­det, eine such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung sind. glaub ich nicht, aber was goog­le of­fen­bar sehr liebt, sind re­zep­te die mit json-ld und sche­ma.org an­ge­rei­chert sind.

auch wenn das pu­bli­kum und goog­le mich nach mehr re­zep­ten fragt: mach ich nicht. ich schreib wei­ter über lang­wei­li­gen tech­nik kram und die ob­sku­ren din­ge, für die ich mich ge­ra­de zu­fäl­lig in­ter­es­sie­re, log­ge mei­nen me­di­en­kon­sum, den nie­mand wis­sen will und pro­du­zie­re hin­ter­grund­rau­schen, das nie­mand sieht.


was­ser­me­lo­nen­sa­lat nach ot­to­lenghi

felix schwenzel in rezepte

das ist ein sehr dankbarer und einfacher salat aus ot­to­lenghis nopi. man kann einfach alle zutaten zu­sa­men­schmeis­sen und verrühren oder die melone auf einem teller oder einer schale drap­pie­ren und mit dem dressing dressen und dem feta bestreuen. genauso kann man beliebige zutaten weglassen. mehr geht auch immer, ich glaube wir nehmen immer min­des­tens 250 g feta.

schmeckt immer.

wir haben heute den basilikum weg­ge­las­sen und statt einer chili, sambal olek genommen. kräuter hatten wir heute nur minze, ge­trock­ne­ten thymian und rosmarin. auf die ein­ge­leg­ten zitronen aus dem ara­bi­schen su­per­markt (oder mit etwas vorlauf selbst­ge­macht), möchten wir al­ler­dings ungern ver­zich­ten.

wassermelonnesalat mit groben feta-stücken und viel minze. das dressing aus olivenöl, chili und oliven erkennt man ebenso.

zutaten

  • 1 kleine wassermelone
  • 50 ml olivenöl
  • 1 mittelgroße rote chilischote (in dünne ringe geschnitten) oder 1 el sambal olek
  • 1 kleine knoblauchzehe (oder mehr)
  • 3 thymianzweige (oder getrockneter thymian)
  • 1 rosmarinzweig (oder getrocknet)
  • 25 g eingelegte zitronen
  • 25 schwarze Kalamaza-Oliven (100g)
  • grobes meersalz und schwarzer pfeffer
  • 100 g feta
  • 10 g basilikumblätter
  • 10 g minzblätter

zubereitung

  1. was­ser­me­lo­ne schälen und in würfel schneiden und in schalen oder teller verteilen.

  2. aus den rest­li­chen zutaten, ausser dem feta, ein dressing rühren.
    knoblauch quetschen, ein­ge­leg­te zitronen in feine streifen doer wür­fel­chen schneiden, oliven auch klein­schnei­den, frische kräuter sehr fein schneiden, ge­trock­ne­te kräuter ein bisschen verreiben.

  3. dressing auf den me­lo­nen­stü­cken verteilen, feta darüber krümeln oder vorher in würfel schneiden und dann über der melone verteilen.


hier und hier hat­te ich den sa­lat schon­mal ge­pos­tet. aber ehr­lich­ge­sagt tun die al­ten fo­tos dem sa­lat et­was un­recht.


folie mit zivilgesellschftluchen initiativen aus arne semsrotts republica vortrag

ich ver­las­se die #rp26 sehr gut ge­launt nach arne sems­rotts fan­tas­ti­schen, hoff­nungs­froh stim­men­den vor­trag. das war der dop­pel­punkt auf das ei­gent­li­che re­pu­bli­ca-mot­to die­ses jahr: re:hoff­nung

arne sems­rott ist auch schon auf you­tube …

YouTube Video Vorschaubild
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beim mor­gen­spa­zier­gang vom bus­sard über­flo­gen wor­den und ihm dann kurz nach­ge­stie­gen.


fas­zi­nie­rend, die­sen tweet hat lord ca­ra­mac the clue­l­ess am 19.05.2011 ge­schrie­ben und jetzt wur­de er aus­ver­se­hen auf mast­o­don ver­öf­fent­licht.


die welt ist scheis­se — und das ist auch gut so

felix schwenzel

(vor­trag auf der re­pu­bli­ca am 19.05.2026)

die ti­tel mei­ner re­pu­bli­ca-ses­si­ons sind ja oft (mit­tel) stei­le the­sen, aber ich glau­be, zu be­haup­ten, die welt sei scheis­se, ist kei­ne stei­le the­se. ich gehe da­von aus, dass die meis­ten men­schen die welt ir­gend­wie scheis­se fin­den oder zu­min­dest der an­sicht sind, dass die welt aus den fu­gen ist.

ka­tia, mei­ne frau, stimmt dem ers­ten teil des ti­tels voll und ganz zu. zum zwei­ten teil mein­te sie, da hät­te ich mir ziem­lich viel vor­ge­nom­men. war­um soll das denn gut so sein? es sei doch of­fen­sicht­lich, dass es schon lan­ge — oder noch nie — so schlimm ge­we­sen sei wie jetzt.

für den fall, dass ich höre: „es ist noch niee so schlimm ge­we­sen“ hab ich im­mer die­ses bild da­bei.

präsentationsfolie mit jahreszahlen und zeiträumen an denen historische katastrophen stattfianden

ich sag dann im­mer: „1933, po­cken, pest, kuba, hi­ro­shi­ma, 9/11 — oder frag mal die di­no­sau­ri­er …“

oder — muss man sich mal vor­stel­len, noch vor 2000 jah­ren hat man leu­te ans holz ge­na­gelt, nur weil sie sag­ten, wie schön es doch wäre, wenn die men­schen zur ab­wechs­lung mal nett zu­ein­an­der wä­ren.

wenn ich fri­da, un­se­ren pu­del, fra­gen wür­de, was sie von der welt hält, wür­de sie mög­li­cher­wei­se sa­gen:

die welt ist gut so.

hun­de neh­men die welt, wie sie ist, und hal­ten sich mit ur­tei­len und be­wer­tun­gen zu­rück.

apro­pos scheis­se, ist euch schon mal auf­ge­fal­len, dass hun­de ger­ne an scheis­se rie­chen?

sie ha­ben die fä­hig­keit scheis­se nicht ek­lig zu fin­den und kön­nen die in­ter­ess­anz und kom­ple­xi­tät von scheis­se er­ken­nen.

hun­de kön­nen scheis­se dif­fe­ren­zie­ren!

das hun­de sich mit ur­tei­len über die welt zu­rück­hal­ten, kann dar­an lie­gen dass sie dif­fe­ren­zie­ren oder dar­an, dass sie kei­ne nach­rich­ten ver­fol­gen oder dass sie sehr lang­sam den­ken.

dass hun­de nicht ur­tei­len und be­wer­ten, ist wahr­schein­lich der haupt­grund da­für, dass sie so be­liebt sind.

für uns men­schen ist es sehr wohl­tu­end, nicht be­wer­tet oder be­ur­teilt zu wer­den.

hun­de neh­men das le­ben, wie es ist — und uns wie wir sind.

ei­gent­lich kann ich jetzt schon das ers­te zwi­schen­fa­zit zie­hen: wenn man sei­ne be­liebt­heit stei­gern will — ein­fach mal das ur­tei­len las­sen.


als ich fri­da vor ei­ner wei­le mal mit ins büro ge­nom­men habe, ist mir noch et­was an­de­res auf­ge­fal­len. wir sas­sen in ei­ner be­spre­chung und fri­da war et­was un­ru­hig. ich sag­te ihr: „fri­da, ent­spann dich.“

mei­ne kol­le­gin sue er­in­ner­te mich dar­an, dass so­was noch nie bei ei­ner frau funk­tio­niert habe. in der tat kann man wohl be­haup­ten, dass so­was noch nie bei ir­gend­wem funk­tio­niert hat.

emo­tio­nen, er­war­tungs­hal­tun­gen, un­zu­frie­den­hei­ten las­sen sich nicht per im­pe­ra­tiv oder kom­man­do ab­schal­ten.

an­de­rer­seits lag fri­da zwei mi­nu­ten spä­ter aus­ge­streckt und ent­spannt auf dem bo­den und schlief.

frida liegt auf dem boden und schläft

der witz an der ge­schich­te ist, dass zwei din­ge zu­gleich wahr sein kön­nen und bei­de aus gu­ten grün­den.

al­les ist im­mer kom­pli­zier­ter, als man denkt, und man kennt nie alle hin­ter­grün­de — zum bei­spiel, ob fri­da und ich das trai­niert ha­ben.

freigestelltes portrait von alan watts

dass din­ge sich nicht im­mer ein­deu­tig be­ur­tei­len las­sen, kann man auch gut mit ei­ner ge­schich­te il­lus­trie­ren, die der re­li­gi­ons­phi­lo­soph alan watts gern er­zähl­te.

in der ge­schich­te läuft ei­nem bau­ern sein pferd da­von. die nach­barn sa­gen: wie scha­de, das ist wirk­lich ein gros­ses un­glück. er sagt: „viel­leicht“.

am nächs­ten tag kommt das pferd zu­rück und bringt sie­ben wild­pfer­de mit. jetzt sa­gen die nach­barn: „oh, was für ein glück! was für eine gross­ar­ti­ge wen­dung der er­eig­nis­se“, er sagt: „viel­leicht“.

am nächs­ten tag ver­such­te sein sohn, ei­nes die­ser wild­pfer­de zu­zu­rei­ten. er wur­de ab­ge­wor­fen und brach sich ein bein. und alle sag­ten: „oje, das ist ja schreck­lich, was für ein pech!“ und der bau­er sag­te: „viel­leicht“

am dar­auf­fol­gen­den tag ka­men of­fi­zie­re der ar­mee vor­bei, um jun­ge män­ner für den krieg ein­zu­zie­hen. sie lehn­ten den sohn ab, weil er ein ge­bro­che­nes bein hat­te. und alle leu­te ka­men her­bei und rie­fen: „ist das nicht gross­ar­tig! was für ein glück du hast!“ und der bau­er sag­te: „viel­leicht“

watts woll­te da­mit nicht nur gleich­mut il­lus­trie­ren, son­dern auch zei­gen, dass man nie ge­nau wis­sen kann, ob et­was wirk­lich gut oder schlecht ist. und das nicht im mo­ra­li­schen sinn, son­dern er­kennt­nis­theo­re­tisch. so wie so­kra­tes sag­te:

Ich weiß, dass ich nichts weiß.

als ich die ge­schich­te vom bau­ern vor ein paar mo­na­ten bei kon­stan­tin fand, schrieb kon­stan­tin un­ter die ge­schich­te:

Ich wünsch­te ich wür­de mehr von die­ser Hal­tung an den Tag le­gen.

ich glau­be, das ist gar nicht mal so schwer, „mehr von die­ser hal­tung“ an den tag zu le­gen. die­se hal­tung nennt man in der psy­cho­lo­gie auch am­bi­gui­täts­to­le­ranz.

am­bi­gui­täts­to­le­ranz ist die fä­hig­keit, mit un­si­cher­heit, wi­der­sprüch­li­chen in­for­ma­tio­nen und kom­ple­xen si­tua­tio­nen um­zu­ge­hen, ohne in pa­nik zu ge­ra­ten oder vor­ei­li­ge schlüs­se zu zie­hen.

die­se hal­tung ist so­zu­sa­gen ein werk­zeug, das uns hilft, hand­lungs­fä­hig zu blei­ben, ohne die ner­ven zu ver­lie­ren.

freigestelltes foto aus dem film forrest gump mit forrest auf einer parkbank mit eienr schachtel pralinen in der hand

for­rest gump hat sein le­ben da­nach aus­ge­rich­tet. was für den bau­ern das „viel­leicht“ war, ist für fo­rest gump die weis­heit, die ihm sei­ne mut­ter bei­ge­bracht hat:

Das Le­ben ist wie eine Schach­tel Pra­li­nen.
Man weiß nie, was man kriegt.

oder, wenn wir uns for­rest gump als ei­nen köl­ner vor­stel­len, wird’s noch deut­li­cher:

et kütt, wie et kütt.

wir alle ah­nen, dass sich das le­ben nicht im­mer un­se­rem wil­len beugt, dass das le­ben im­mer über­ra­schun­gen be­reit­hält.

aber for­rest gump, die köl­ner und der bau­er ha­ben be­grif­fen, dass es sich nicht lohnt, SICH ÜBER JE­DEN SCHEISS AUF­ZU­RE­GEN.

wir nei­gen ja dazu, ver­meint­lich ein­fach ge­strick­ten leu­ten wie for­rest gump oder den köl­nern nai­vi­tät, scheu­klap­pen oder eine eher ein­di­men­sio­na­le welt­sicht an­zu­dich­ten.

aber ei­gent­lich ist es um­ge­kehrt. viel­leicht ist es ein­fäl­tig zu glau­ben, dass wir schon wis­sen, wel­che pra­li­nen die gu­ten sind — und dass wir sie be­kom­men soll­ten.

die­se ein­falt ver­lei­tet uns dazu, zu glau­ben, dass wir die welt mit pa­tent­re­zep­ten oder dem ver­meint­lich ge­sun­den men­schen­ver­stand in den griff be­kom­men.

wir den­ken oft: wir müs­sen uns nur ge­nug an­stren­gen, ge­nug geld ver­die­nen, um dann vom le­ben mit glück, er­folg und zu­frie­den­heit be­lohnt zu wer­den.

for­rest gump ist ein na­tur­ta­lent im selbst­re­gu­lie­ren­den er­war­tungs­ma­nage­ment. er zeigt uns, dass es mög­lich ist, das glück im un­glück zu fin­den.

bild der beiden pixar figuren sadness und joy aus pixars film „inside out“

und dass man nicht das hells­te licht am tisch sein muss, um zu be­grei­fen, dass glück und un­glück zu­sam­men­ge­hö­ren, sad­ness und joy, viel­leicht so­gar ein­an­der be­din­gen.

wenn wir die pra­li­nen­schach­tel ohne über­höh­te er­war­tun­gen öff­nen, kann das der ers­te schritt da­hin sein, mehr von der hal­tung des bau­ern an den tag zu le­gen.

er­war­tungs­ma­nag­ment, gleich­mut — sind die ers­ten schrit­te da­hin, nicht stän­dig vom le­ben ent­täuscht zu sein.

nur mal so als bei­spiel: wenn fried­rich merz sein er­war­tungs­ma­nag­ment in den griff be­kä­me, wäre er viel­leicht ir­gend­wann nicht mehr ent­täuscht von deutsch­land, der deut­schen ar­beits­mo­ral und ge­mein­hei­ten ge­gen ihn.

zu glau­ben, dass leis­tung al­lein zu glück und ei­nem funk­tio­nie­ren­den ge­mein­we­sen führt — das ist ja ir­gend­wie auf eine art ne kon­ser­va­ti­ve bül­ler­bü-po­ny­hof-uto­pie.


titelseite von mark mansons „the subtle art of not giving a fuck“

mark man­son hat ein buch mit dem gran­dio­sen ti­tel „the subt­le art of not gi­ving a fuck“ ge­schrie­ben. auch wenn die eher der­be aus­drucks­wei­se das sug­ge­riert, ar­gu­men­tiert und plä­diert er nicht für gleich­gül­tig­keit, son­dern, ge­nau wie for­rest gump und alan watts, für gleich­mut und eine ent­spann­te her­an­ge­hens­wei­se ans le­ben, egal ob’s ge­ra­de gut läuft oder we­ni­ger gut.

in sei­nem buch (und die­sem vi­deo) hat man­son ein paar prin­zi­pi­en von alan watts zu ei­nem um­kehr-prin­zip ver­dich­tet.

alan watts back­wards law ac­cor­ding to mark man­son

  • the more you cha­se a po­si­ti­ve emo­ti­on, that cha­sing in and of its­elf is a ne­ga­ti­ve ex­pe­ri­ence.
  • the more you ac­cept a ne­ga­ti­ve ex­pe­ri­ence, the more that ac­cep­tance its­elf is a po­si­ti­ve ex­pe­ri­ence.

er sagt: je mehr wir dem glück hin­ter­her­lau­fen, je mehr wir das glück su­chen, uns selbst op­ti­mie­ren, bes­ser wer­den wol­len, des­to frus­trier­ter, un­glück­li­cher sind wir am ende. schon das (glücks-) stre­ben selbst macht uns un­glück­lich.

wenn wir da­ge­gen ne­ga­ti­ve er­leb­nis­se ak­zep­tie­ren und da­mit um­ge­hen, hat al­lein die­se ak­zep­tanz eine be­frie­di­gen­de, po­si­ti­ve wir­kung auf uns.

das wirkt auf den ers­ten blick pa­ra­dox oder eben falsch her­um, aber wenn man es ge­nau be­denkt, sieht man, dass wir be­stimm­te zie­le nicht al­lein durch wil­len, fleiss oder ziel­stre­big­keit er­rei­chen kön­nen.

un­se­re in­tui­ti­on, was gut für uns sei, täuscht uns stän­dig.

zeit spa­ren — kei­ne zeit mehr

wenn wir z.b. ver­su­chen, zeit zu spa­ren, rinnt sie uns noch schnel­ler durch die fin­ger. wenn wir un­se­re zeit da­ge­gen et­was wid­men, je­man­dem zeit schen­ken, zeit ver­brin­gen mit din­gen, für die wir eine ech­te lei­den­schaft ha­ben, dann bleibt die zeit. dann spei­chern wir er­in­ne­run­gen.

lie­be su­chen — lie­be ge­ben

oder wenn wir ver­su­chen „lie­be zu fin­den“, ha­ben wir es auch oft falsch­her­rum. das mit der lie­be funk­tio­niert viel bes­ser, wenn wir lie­be ge­ben, statt sie zu su­chen.

(dazu hab ich mal nen gan­zen vor­trag ge­hal­ten.)

ein­druck schin­den — selbst­zwei­fel

wo wir uns auch oft täu­schen: der ver­such an­de­re zu be­ein­dru­cken hilft so gut wie nie ge­gen selbst­zwei­fel oder man­gel an selbst­be­wusst­sein.

ich muss dazu ei­nen kur­zen ex­kurs, ei­nen klei­nen schwen­ker ma­chen …

wenn es et­was gibt, was ich mei­nem ju­gend­li­chen ich ger­ne sa­gen wür­de, dann wäre es ers­tens: „mein gott, bin ich froh nicht mehr jung zu sein und dei­ne pro­ble­me zu ha­ben!“

und zwei­tens: du bist kei­ne schnee­flo­cke, du bist nicht ein­ma­lig. du bist mit dei­nen pro­ble­men und ängs­ten nichts be­son­de­res, im ge­gen­teil. wir ha­ben alle die glei­chen pro­ble­me, ängs­te und un­si­cher­hei­ten — nur die far­be und der kon­trast un­ter­sch­ei­det sich ge­le­gent­lich.

wenn man das ver­steht, lässt das be­dürf­nis leu­te zu be­ein­dru­cken oder gross­kot­zig auf­zu­tre­ten, um ei­ge­ne un­si­cher­hei­ten zu ka­schie­ren, schlag­ar­tig nach.

portrait von louis XIV, via wikimedia commons, louvre
lou­is XIV

was er­staun­lich gut funk­tio­niert, ist eine ge­wis­se egal­ness (oder gleich­mut oder not gi­ving a fuck). die­se egal­ness ist ge­le­gent­lich ein ge­schenk des al­ters, manch­mal aber auch nicht. man­chen men­schen ist auch im al­ter nix egal.

reich­tum an­stre­ben — ver­lust­angst

und noch ein ex­kurs: ich bin denk­bar un­ge­eig­net hier zu ste­hen und zu be­haup­ten geld macht nicht glück­lich.

ich bin mit dem pri­vi­leg auf­ge­wach­sen, im­mer ge­nug geld zu ha­ben. zwar hat­ten mei­ne el­tern im­mer geld­sor­gen, aber ir­gend­wie war auch im­mer aus­rei­chend da.
ich habe vie­le sor­gen und ängs­te mei­ner el­tern über­nom­men — aber die nicht. sor­gen um geld hat­te ich nie. da war ich wie for­rest gump, mei­ne kon­ten wa­ren für mich im­mer wie pra­li­nen­schach­teln: ich wuss­te nie, was drin ist.

die­se egal­ness ge­gen­über geld könn­te an mei­ner pri­vi­le­gier­ten kind­heit und ju­gend lie­gen, ge­ne­tisch be­dingt sein oder ein psy­chi­scher de­fekt sein, das glaubt zu­min­dest ka­tia, mei­ne frau, ins­be­son­de­re nach­dem sie vor ein paar ta­gen in mei­nen al­ten kis­ten dut­zen­de, zwan­zig jah­re alte, un­ge­öff­ne­te brie­fe vom fi­nanz­amt fand — die mit den ro­ten, grü­nen und gel­ben brief­um­schlä­gen.

des­halb bin ich wohl un­ge­eig­net, hier zu ste­hen und zu be­haup­ten, dass die in­tui­ti­on trügt, wenn wir glau­ben — dass wir mög­lichst viel geld ver­die­nen müs­sen, um glück­lich zu sein.

oder zu be­haup­ten: je mehr geld man hat, des­to grös­ser die angst, es zu ver­lie­ren.

weil: was weiss ich denn schon?

ich weiss al­ler­dings, dass es ei­gen­ar­tig wir­ken könn­te als pri­vi­le­gier­ter, al­ter, weis­ser mann — oder als jün­ge­rer weis­ser mann wie mark man­son — ein paar psy­cho­t­ricks vor­zu­schla­gen, um das elend der welt er­träg­li­cher zu ma­chen.

und es stimmt wahr­schein­lich, dass ar­mut, struk­tu­rel­le un­ge­rech­tig­keit, be­nach­tei­li­gung, macht­miss­brauch, ras­sis­mus sich nicht al­lein durch mo­di­fi­ka­ti­on der ei­ge­nen hal­tung än­dern las­sen, vor al­lem wenn man selbst von ih­nen be­trof­fen ist.

aber — und das ist zu­min­dest mei­ne ar­beits­hy­po­the­se — um struk­tu­ren, die ge­sell­schaft oder die ge­sell­schaft­li­che hal­tung zu ver­än­dern, müs­sen wir uns erst­mal selbst re­pa­rie­ren und hand­lungs­fä­hig ma­chen.

flucht vor pro­ble­men — pro­ble­me kle­ben

wir las­sen uns als ge­sell­schaft — aber auch als ein­zel­ne — von pro­ble­men läh­men. das doo­fe ist, dass un­ge­lös­te pro­ble­me kle­ben.

je mehr wir ver­su­chen, pro­ble­men aus dem weg zu ge­hen, des­to mehr be­stim­men sie das le­ben.

es gibt ja die schö­ne fi­gur von mi­cha­el ende vom schein­rie­sen.
je nä­her man ei­nem schein­rie­sen kommt, des­to klei­ner wird er. din­ge, die be­droh­lich er­sch­ei­nen, wir­ken dann plötz­lich aus der nähe harm­los.

ana­log dazu gibt’s auch schein­glück. wenn man stän­dig nur dem glück hin­ter­her­läuft und vor ne­ga­ti­ven ge­füh­len weg­läuft und sie nicht kon­fron­tiert, wirkt der frust mit zu­neh­men­der di­stanz im­mer grös­ser und be­droh­li­cher. das gilt mög­li­cher­wei­se für alle pro­ble­me, vor de­nen man weg­läuft.

mein held und der meis­ter der glücks­fin­dung durch los­las­sen — ist hans im glück.

ich habe hier vor acht jah­ren mal da­für plä­diert, dass wir uns hans im glück nicht als je­man­den vor­stel­len soll­ten, der durch schlech­te tausch­ge­schäf­te al­les ver­lo­ren hat.

im ge­gen­teil: hans im glück küm­mert sich nicht um ge­sell­schaft­lich kon­stru­ier­te wer­te.

er be­freit sich schritt für schritt von al­lem, was ihm als last er­scheint, zu­erst das gold, dann das pferd, die kuh und am ende den schleif­stein. am ende fühlt er sich leicht, frei und glück­lich.

nicht hans ist der dum­me, son­dern wir, weil es uns so schwer fällt, glück jen­seits von leis­tungs­lo­gik und be­sitz zu er­ken­nen.

hans hat er­kannt, dass man durch los­las­sen das glück bes­ser grei­fen kann.

besser greifen durch loslassen

oder noch­mal an­ders ge­sagt: be­stimm­te din­ge

  • glück
  • sinn
  • ge­las­sen­heit

las­sen sich nicht di­rekt her­stel­len, son­dern sind ne­ben­pro­duk­te. ne­ben­pro­duk­te vom los­las­sen, von gleich­mut, von op­ti­mis­mus im an­ge­sicht von schwie­rig­kei­ten.

oder wie mark man­son sagt: not gi­ving a fuck.

statt dem glück hin­ter­her­zu­lau­fen, ist es er­gie­bi­ger, sich dem scheiss, den pro­ble­men, die uns die welt in den weg legt, wie ei­nem schein­rie­sen zu nä­hern: op­ti­mis­tisch, dass die pro­ble­me aus der nähe hand­hab­bar und lös­bar er­sch­ei­nen.

wenn man das ne­ga­ti­ve als teil des le­bens, als be­din­gung für das po­si­ti­ve ak­zep­tiert, wirkt die scheis­se, die ei­nem die welt ent­ge­gen­wirft, plötz­lich — viel­leicht — wie schein­sch­eis­se.


screenshot von dirk von gehlens TEDx talk über optimismus. überlagert mit der aussage: „ohne optimismus funktioniert demokratie nicht“

dirk von geh­len hat vor ein paar mo­na­ten ei­nen tedx-talk ge­hal­ten, in dem er (sinn­ge­mäss) be­haup­tet: „Ohne Op­ti­mis­mus funk­tio­niert De­mo­kra­tie nicht.“

ich er­wäh­ne das auch nur, da­mit ihr nicht denkt, dass ich der ein­zi­ge quatsch­kopf bin, der an­ge­sichts der ak­tu­el­len po­li­ti­schen lage für op­ti­mis­mus plä­diert.

die be­grün­dung, war­um das so ist, will ich et­was an­ders als dirk von geh­len her­lei­ten. und zwar mit ei­ner idee, die j. m. bar­rie schon 1904 in pe­ter pan for­mu­liert hat, und mit ei­ner leich­ten um­de­fi­ni­ti­on von op­ti­mis­mus.

bar­rie schrieb in pe­ter pan:

je­des mal, wenn ein kind sagt „ich glau­be nicht an feen“, stirbt ir­gend­wo eine fee.

der satz im­pli­ziert, dass auf­merk­sam­keit und emo­tio­na­le bin­dung et­was — oder je­man­den — mit be­deu­tung und macht auf­la­den kön­nen — und dass be­deu­tung und macht ver­ge­hen, wenn der glau­be dar­an schwin­det.

auf­merk­sam­keit = macht = exis­tenz

je mehr men­schen et­was be­deu­tung ge­ben, des­to rea­ler und mäch­ti­ger wird es.

wenn sich das zu abs­trakt an­hört, oder zu mär­chen­haft: so wie feen nur exis­tie­ren weil kin­der dran glau­ben, kann geld nur funk­tio­nie­ren (und eine un­heim­li­che macht aus­üben), weil wir alle dran glau­ben. geld kann ge­nau wie feen ster­ben, wenn wir auf­hö­ren dran zu glau­ben. das ha­ben wir in der wei­ma­rer re­pu­blik ge­se­hen oder kürz­lich in ve­ne­zue­la.

na­tio­nal­staa­ten, der weih­nachts­mann, mode, trends, hol­ly­wood­stars oder so­was wie „nächs­ten­lie­be" — al­les kol­lek­ti­ve glau­bens­ak­te.

das ist aber auch der grund, war­um do­nald trump dort steht, wo er (mo­men­tan) noch steht.

so wie die grau­en män­ner in momo den men­schen die zeit steh­len, in­dem sie sie da­von über­zeu­gen, zeit zu spa­ren — ge­nau­so stiehlt do­nald trump un­se­re auf­merk­sam­keit und kon­ver­tiert sie in macht — und das in solch ei­nem ko­los­sa­len aus­mass, dass wir es noch nicht mal mer­ken, dass es un­se­re auf­merk­sam­keit ist, die ihn nährt.

zu­rück­hal­tung beim vor­schnel­len ur­tei­len, los­las­sen, gleich­mut, not gi­ving a fuck — das ist, ver­ein­facht, nichts an­de­res als ge­fühls­re­gu­la­ti­on. und — viel­leicht — auch ein weg zu ei­ner et­was rea­lis­ti­sche­ren wahr­neh­mung der welt.


wir ma­chen uns ger­ne über kin­der lus­tig, weil die ihre ge­füh­le nicht im griff ha­ben. die kin­der­psy­cho­lo­gin be­cky ken­ne­dy er­klärt, war­um kin­der so emo­tio­nal auf al­les re­agie­ren.

kids are born with all of the emo­ti­ons and none of the skills.

kin­der wer­den mit al­len ge­füh­len ge­bo­ren, aber kei­nem ein­zi­ges werk­zeug um da­mit um­zu­ge­hen.

er­wach­sen wer­den be­deu­tet die­se fä­hig­keit nach und nach zu ler­nen — oder bei­ge­bracht zu be­kom­men — oder werk­zeu­ge da­für zu sam­meln.

im in­ter­net wer­den wir al­ler­dings fast täg­lich zeu­ge da­von, dass vie­le, sehr vie­le er­wach­se­ne, ge­fühls­re­gu­la­ti­on nicht mal im an­satz meis­tern und sich mehr oder we­ni­ger wie kin­der am quen­gel­re­gal auf­füh­ren.

po­pu­lis­ten wis­sen das zu nut­zen.

ihr ge­schäfts­mo­dell ist emo­tio­na­le über­for­de­rung: sie peit­schen emo­tio­nen auf, sie ver­ein­fa­chen, spal­ten, ver­brei­ten alar­mis­mus — und bie­ten da­für das ge­fühl von klar­heit. das funk­tio­niert ge­nau dann be­son­ders gut, wenn wir nicht ge­lernt ha­ben, mit un­ein­deu­tig­keit um­zu­ge­hen.

ein ge­gen­mit­tel ist die fä­hig­keit, in­ne­zu­hal­ten, be­vor man ur­teilt — und zu ak­zep­tie­ren, dass man­che din­ge kom­pli­zier­ter sind, als sie im ers­ten mo­ment er­sch­ei­nen.

po­pu­lis­ten has­sen am­bi­gui­tät und dif­fe­ren­zie­rung. des­halb has­sen sie kunst und nen­nen sie ent­ar­tet, wenn sie viel­deu­tig ist.

gul dukat heilt einen kranken bajoraner, gefunden bei anmutunddemut.de

pro­pa­gan­da ist nie­mals viel­deu­tig, hat kei­ne me­ta­ebe­nen. al­les ist klar und ein­deu­tig.

wo war ich? ich woll­te ja über feen re­den.

wäh­rend das mit den feen bei bar­rie wie ein mär­chen klingt — feen, die ster­ben, wenn nie­mand mehr an sie glaubt — ist das mit der de­mo­kra­tie, so­li­da­ri­tät, ver­söh­nung, mensch­lich­keit ganz kon­kret: wenn nie­mand dar­an glaubt, dass sie funk­tio­nie­ren, dann ster­ben sie.

wir ret­ten die de­mo­kra­tie nicht al­lein mit ei­ner ro­sa­ro­ten bril­le oder in­dem wir uns zu mehr gleich­mut stup­sen oder nud­gen, aber es wür­de mög­li­cher­wei­se schon hel­fen, wenn wir auf­hör­ten zu glau­ben, dass das eh al­les nichts bringt, al­les im­mer nur schlim­mer wird und man eh nichts än­dern kann.

de­mo­kra­tie — und op­ti­mis­mus — le­ben da­von, dass wir glau­ben

  • dass die din­ge bes­ser wer­den kön­nen
  • und un­ser han­deln wir­kung hat

ich plä­die­re eben nicht für eine ro­sa­ro­te bril­le, son­dern da­für, dass wir die schwarz­ma­le­ri­sche bril­le ab­neh­men.

rote und  blaue pille

es geht auch nicht dar­um, die rote oder blaue pil­le zu wäh­len, son­dern dar­um, uns den blick auf die mög­lich­kei­ten nicht durch vor­schnel­les ur­tei­len zu ver­stel­len.

wir müs­sen die welt nicht so se­hen, als wäre schrö­din­ger’s kat­ze im­mer tot. so­bald wir uns eine bes­se­re zu­kunft vor­stel­len kön­nen, kann die­se zu­kunft po­ten­zi­ell ent­ste­hen.

das ist der ent­sch­ei­den­de punkt, dass wir ler­nen und er­ken­nen, dass die welt we­der schlecht noch gut ist.

sie ist erst­mal rei­nes po­ten­zi­al.
sie ist das, was wir in ihr für mög­lich hal­ten.
(und) sie wird das, was wir glau­ben, was sie sein könn­te.

oder mit we­ni­ger pa­thos:

wie wir die welt se­hen, ist nicht egal.

ein halb volles glas

pes­si­mis­ten und po­pu­lis­ten sa­gen: das glas ist halb leer.

aber op­ti­mis­mus ist nicht zu sa­gen: „das glas ist halb voll“.

ein volles glas

op­ti­mis­mus ist die über­zeu­gung, dass man das glas auf­fül­len kann.

die­se op­ti­mis­mus-de­fi­ni­ti­on er­klärt üb­ri­gens auch die of­fe­ne fra­ge, war­um es denn jetzt gut sei, dass die welt scheis­se ist.

ein vol­les glas kann man nicht auf­fül­len.

  • der trick ist — wie der bau­er — sich nicht von der scheis­se be­ein­dru­cken zu las­sen.
  • wie for­rest gump das rich­ti­ge zu tun.
  • wie si­sy­phos den fel­sen fröh­lich den berg hoch­zu­schie­ben.
  • wie fri­da und hans das le­ben neh­men wie es ist und los­las­sen.

das schlech­te se­hen und an das gute glau­ben.

die welt ist scheis­se — das ist nicht egal und auch nicht wirk­lich gut — aber das ist so ge­dacht.

it’s not a bug, it’s a fea­ture


#rp26, tag 1

felix schwenzel

sehr schö­ner, lan­ger tag auf der re­pu­bli­ca. ich glau­be, ich war noch nie so früh auf ei­ner re­pu­bli­ca. kei­ne ah­nung war­um. viel­leicht weil ich dach­te, ich kön­ne dort früh­stü­cken.

ich glau­be auch, ei­nen ti­cken mehr leu­te als sonst ge­trof­fen und ge­spro­chen zu ha­ben als sonst.

die ses­si­ons, die ich heu­te ge­se­hen habe, ha­ben mich nicht um­ge­wor­fen, aber ein paar über­ra­schen­de mo­men­te gab’s doch. lui­sa neu­bau­er ist zum bei­spiel ein rhe­to­ri­sches schwung­rad. sie fängt lang­sam und zö­ger­lich an zu spre­chen, aber dann kommt sie in schwung und noch mehr schwung und schleu­dert über­ra­schend gute wor­te ins pu­bli­kum. sehr be­ein­dru­ckend. auch cory doc­to­row schien be­flü­gelt. wäh­rend sei­ne letz­ten talks auf der re­pu­bli­ca wie ge­lang­weil­te vor­le­sun­gen auf mich wirk­ten, wirk­te er heu­te wie aus­ge­wech­selt, ein feu­er­werk der gu­ten lau­ne.

man kann sei­nen 45-mi­nü­ti­gen vor­trag mit we­ni­gen sät­zen zu­sam­men­fas­sen: 1) ka­me­rad trump und ka­me­rad pu­tin ha­ben in 1-2 jah­ren so viel für die eu­ro­päi­sche un­ab­hän­gig­keit ge­tan, wie er nicht mal im an­satz in sei­ner 20-30-jäh­ri­gen ak­ti­vis­ten-tä­tig­keit er­reicht hat. 2) die ge­set­ze ge­gen das um­ge­hen tech­ni­scher sper­ren (DRM, Ja­ilb­reak-Schutz usw.) müs­sen weg, da­mit die eu­ro­pä­er bzw. die län­der der welt sich un­ab­hän­gig(er) von ame­ri­ka­ni­scher tech­no­lo­gie ma­chen kön­nen. 3) er sagt „fuck op­ti­mism“, nennt sich aber so hoff­nungs­froh wie lan­ge nicht mehr. op­ti­mis­mus sei pas­siv, hoff­nung sei ak­tiv. man kön­ne auch frus­triert und ver­ängs­tigt hoff­nung ha­ben, aber op­ti­mis­mus läh­me ge­nau wie pes­si­mis­mus. ich ar­gu­men­tie­re mor­gen um 13 uhr ge­nau ge­gen­tei­lig und de­fi­nie­re op­ti­mis­mus kur­zer­hand um. wahr­schein­lich we­ni­ger wort­mäch­tig und mit we­ni­ger in­tel­lek­tu­el­ler und se­man­ti­scher schär­fe als doc­to­row, aber hof­fent­lich ge­nau­so nach­voll­zieh­bar.

die büh­ne am en­er­gie­mo­bil fasst auf je­den fall ei­nen gu­ten ti­cken mehr als 20 leu­te und ich gehe da­von aus, dass es ganz flau­schig dort wer­den könn­te.

das von alex matz­keit or­ga­ni­sier­te pa­nel zur frü­hen blogo­sphä­re heu­te abend war auch sehr flau­schig und er­in­ner­te mich vor al­lem dar­an, was ich al­les im lau­fe der jah­re ver­ges­sen habe, ob­wohl es ja theo­re­tisch (fast) al­les hier im ar­chiv nach­les­bar wäre. der schöns­te ge­dan­ke, den die kalt­mam­sell mir heu­te abend wie­der in er­in­ne­rung rief: wir wa­ren da­mals, bei un­se­rem ers­ten gros­sen tref­fen, der „blog­mich“-par­ty 2005, (fast) alle fan­boys und -girls von­ein­an­der. und chris­ti­an bug­gisch er­in­ner­te uns dar­an, dass auch wenn re­le­vanz und reich­wei­te fir­le­fanz sind, blogs oder ein­fach ins in­ter­net zu schrei­ben (egal wo), durch­aus in­spi­rie­rend wa­ren, sind und sein kön­nen.

kurz ge­sagt: ein sehr schö­ner tag.

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nach der pre­pu­bli­ca ist re­pu­bli­ca

felix schwenzel

ges­tern mit fri­da den nach­mit­tags­spa­zier­gang vom platz der luft­brü­cke zur sta­ti­on ge­macht. ich woll­te mich von hin­ten an das ge­län­de schlei­chen, auch um die mir zu­ge­wie­se­ne büh­ne für mei­ne ses­si­on mor­gen zu be­gut­ach­ten.

das „en­er­gie­mo­bil“ ist eine aus­sen­büh­ne, laut spea­k­er­brie­fing gibts ne au­dio­auf­zeich­nung, aber kein „Live Voice“. das heisst das ist kei­ne kopf­hö­rer-büh­ne, aber da­mit auch kein live­stream. es gibt ei­nen 55" mo­ni­tor und die büh­ne ist für 20 zu­schau­er aus­ge­legt. fin­de ich ei­gent­lich ganz gut, heu­te wer­de ich mal schau­en, wie die büh­ne sich bei den ers­ten mon­tags ses­si­ons an­fühlt. theo­re­tisch soll­ten dank feh­len­der wän­de auch mehr als 20 leu­te platz fin­den, mal schau­en wie die pra­xis aus­sieht. mein vor­trag funk­tio­niert trotz ca. 80 fo­li­en die­ses jahr auch gut ohne fo­li­en. auch wenn die fo­li­en auch die­ses jahr ihr ei­gen­le­ben ha­ben.

das wet­ter soll­te laut DWD mit­spie­len und sehr re­pu­bli­ca-freund­lich sein. heu­te son­nen­schein und bis zu 20°C, mor­gen et­was we­ni­ger son­ne und bis zu 18°. am mitt­woch im­mer noch über­wie­gend son­nig, aber et­was wol­ki­ger, reg­nen solls die drei tage nicht.

unter der u2-brücke, neben dem gelände der station

nach dem ab­ho­len mei­ner bänd­chen, ha­ben fri­da und ich uns noch­mal auf die ein­gangs­wie­se ge­setzt und ein bier­chen und ein wäs­ser­chen ge­trun­ken. rein, aufs ge­län­de dür­fen hun­de ja seit ein paar jah­ren nicht mehr. draus­sen sprach mich sa­bi­ne an, die sich als eine der fuss­ball-freun­din­nen von meq vor­stell­te. das fand ich sehr nett und das ist ir­gend­wie auch sehr blog­gig. nicht nur die blog­gen­den selbst ken­nen und le­sen sich ge­gen­sei­tig, auch die mit­le­sen­den ken­nen sich ir­gend­wie. spä­ter kam noch alex matz­keit dazu. wir ha­ben na­tür­lich über blogs und das was man­che vor 15, 20 jah­ren auch blogos­hä­re oder web­log­be­deu­tungs­ma­fia oder di­gi­ta­le bo­he­me oder di­gi­ta­le klo­wän­de ge­nannt ha­ben. wie 99,99% der be­völ­ke­rung hat er da­von da­mals we­nig bis gar nichts mit­be­kom­men, aber an­ders als 99,99% der leu­te, in­ter­es­si­ert ihn das jetzt ir­gend­wie. mei­ne the­se ist ja, dass die­se form der text­ba­sier­ten sub­kul­tur da­mals et­was mehr auf­merk­sam­keit be­kom­men hat als heu­te. oder ge­nau­er, die blog­gen­den ha­ben da­mals ge­schafft sich et­was mehr auf­merk­sam­keit zu er­kämp­fen (un­ter an­de­rem mit ver­an­stal­tun­gen wie der re­pu­bli­ca) und auch wenn es den ein­druck macht, dass blogs kei­ne re­le­vanz mehr ha­ben, ha­ben sie mei­ner mei­nung nach ge­nau­so we­nig oder viel re­le­vanz wie da­mals. oder an­ders ge­sagt, der re­la­tiv ho­mo­ge­ne ein­druck, den die blogo­sphä­re da­mals ge­macht ist weg, aber vie­le kei­ne bla­sen, un­zäh­li­ge mi­kro­ge­mein­schaf­ten, wahr­schein­lich mehr als je­mals zu­vor, sind wei­ter­hin ak­tiv, al­ler­dings un­ter dem ra­dar der brei­ten öf­fent­lich­keit. naja, wird je­den­falls be­stimmt span­nend das ge­spräch heu­te abend.


reich­wei­ten

felix schwenzel in artikel

über den me­t­abe­ne news­let­ter bin ich auf die­ses vi­deo ge­stos­sen, in dem ro­bin thies­mey­er (meta bene), rocko scha­mo­ni und marc-uwe kling über „of­fe­ne so­zia­le Net­ze“ re­den.

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am an­fang zeigt ro­bin eine kur­ze prä­sen­ta­ti­on, in der er sich vor­stellt. ich fand das sehr wit­zig.

… weil ich mi­ni­ma­list bin, als äs­the­ti­sches kon­zept, das ken­nen sie viel­leicht, das is ne sehr an­stren­gen­de art von faul­heit …

der rest war nicht so lus­tig, weil die drei, vier auf der büh­ne, dann über reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung re­den. über reich­wei­te re­den oder nach­den­ken ist im­mer ir­gend­wie trau­rig. wenn ei­nen kei­ner liest (oder sieht), ist man trau­rig, wenn man merkt dass ein paar leu­te das le­sen oder se­hen was man ins netz ver­öf­fent­licht, ist man auch trau­rig, weil an­de­re ja be­stimmt mehr auf­merk­sam­keit be­kom­men. und wenn man 1000 fol­lower oder abon­nen­ten hat, ist man trau­rig, dass man nicht 2000 hat.

da­mit will ich mich kei­nes­falls über die drei auf der OMG 2MR-büh­ne lus­tig ma­chen, son­dern es ist eine er­fah­rung die ich in den letz­ten 30 jah­ren ge­macht habe. noch trau­ri­ger wird es, wenn dann ne­ben reich­wei­te auch noch über mo­ne­ta­ri­sie­rung ge­spro­chen wird, weil bei­des wahn­sin­nig schwer ist und mit die­sen „of­fe­nen so­zia­len netz­wer­ken“ noch schwe­rer. und wenn man wirk­lich vie­le leu­te er­rei­chen will, muss man sich ge­ge­be­nen­falls auch noch ver­bie­gen und die an­ge­bo­te von ame­ri­ka­ni­schen tech-bu­den in an­spruch neh­men und sich da an ab­sur­de re­geln hal­ten oder mit bü­ro­k­ar­ti­schen bots aus­ein­an­der­set­zen.

wenn mich am mon­tag alex matz­keit in sei­nem pa­nel auf der re­pu­bli­ca fragt, wie es denn da­mals in den frü­hen ta­gen der blogo­sphä­re war, wer­de ich mög­li­cher­wei­se (auch) sa­gen: wir konn­ten uns für eine kur­ze wei­le ein­bil­den viel reich­wei­te und eine ge­wis­se re­le­vanz zu ha­ben. ein­bil­dung des­halb, weil das viel­leicht eine re­la­tiv hohe reich­wei­te war, aber ab­so­lut eher nicht. wir ha­ben halt in un­se­rer bla­se „ge­bloggt“ und ge­le­gent­lich ver­ges­sen, dass un­se­re bla­se ei­gent­lich teil ei­nes rie­si­gen schaum­tep­pichs mit mil­li­ar­den an­de­ren bla­sen ist.

un­se­re blogo­bla­se (viel­leicht ein bes­se­res wort als blogos­hä­re?) hat­te al­ler­dings eine ei­gen­schaft, die die reich­wei­te ver­meint­lich mas­siv er­höh­te: die blogo­bla­se hat­te vie­le schnitt­stel­len mit der jour­na­lis­ten-bla­se. des­halb gab es mul­ti­pli­ka­ti­ons­ef­fek­te und ge­le­gent­lich so­was wie ge­fühl­te re­le­vanz. aber mei­ne the­se ist, dass „wir“, die blog­gen­den men­schen der frü­hen 2000er und 2010er, un­se­rer reich­wei­te aus ei­nem sehr be­grenz­ten um­kreis re­kru­tier­ten.

ir­gend­wann (vor 10 jah­ren) wur­den mal ein paar er­folg­rei­che you­tuber auf die re­pu­bli­ca ein­ge­la­den. als die ihre zu­schau­er- und abon­nen­ten­zah­len nann­ten, fiel den meis­ten blog­gern, min­des­tens mir, die kinn­la­de run­ter. trotz der be­ein­dru­cken­den zah­len der you­tuber wa­ren sie trotz­dem ex­tre­me ni­schen­an­bie­ter. auch die you­tuber-bla­sen wa­ren bei wei­tem nicht so gross, dass mei­ne el­tern ei­nen oder eine von ih­nen je­mals ge­se­hen hät­ten oder freun­de und be­kann­te aus­ser­halb mei­ner in­ter­net-bla­se die kann­ten.

was ich sa­gen will: reich­wei­te ist re­la­tiv. und sehr, sehr schwer zu er­rei­chen und noch schwe­rer zu hal­ten. und mo­ne­ta­ri­sie­rung ist noch schwe­rer. elen­dig viel ar­beit.

was ich auch sa­gen will: ich bin froh dass mir bei­de the­men, reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung, mitt­ler­wei­le (gröss­ten­teils) völ­lig egal sind. das hat eine sehr ent­spa­nen­de wir­kung. an­de­rer­seits muss ich da­von was ich in der öf­fent­lich­keit ver­an­stal­te auch nicht le­ben.

eay hat heu­te ein zi­tat von jim niel­sen ver­bloggt:

John Gru­ber, quo­ting Walt Dis­ney:

We don’t make mo­vies to make mo­ney; we make mo­ney to make more mo­vies.

Gru­ber’s ver­si­on: don’t make soft­ware to make mo­ney, make mo­ney to make more soft­ware.

My ver­si­on: don’t make web­sites to make mo­ney, make mo­ney to make more web­sites.

das ist ge­nau mein der­zei­ti­ger ar­beits­mo­dus im netz: das was ich hier ver­an­stal­te tue ich nicht um geld zu ver­die­nen, son­dern ich ver­die­ne geld, da­mit ich das hier ma­chen kann. der grund war­um ich an­fing öf­fent­lich zu schrei­ben, zu­erst in ei­nen news­let­ter, dann un­ter mei­ner ei­ge­nen do­main wir­res.net, war mein be­dürf­nis zu schrei­ben. ein be­dürf­nis et­was zu tun, was sich krea­tiv an­fühlt und mich zwingt um und in mich zu schau­en — und das was ich sah in wor­te zu fas­sen.

und das ma­che ich seit­dem. reich­wei­ten und mo­ne­ta­ri­sie­rungs­fra­gen ha­ben mich auf die­ser rei­se ge­le­gent­lich neu­gie­rig ge­macht und ich habe da­mit viel ex­pe­ri­men­tiert, aber die ei­gent­li­che mo­ne­ta­ri­sie­rung kam im­mer aus der lohn­ar­beit.

ich bin dar­über nicht trau­rig, im ge­gen­teil, aber trotz­dem ist es doch trau­rig, dass krea­ti­ve ar­beit mit krea­ti­ver ar­beit al­lein so schwer fi­nan­zier­bar ist. ich glau­be auch nicht dass es da­für te­chi­sche lö­sun­gen gibt. die gibt und gab es schon län­ger, ste­ady, pa­tre­on oder you­tube — und frü­her mal flattr. aber bis auf ganz we­ni­ge aus­nah­men, kön­nen da die we­nigs­ten von le­ben.

vor zwan­zig oder dreis­sig jah­ren hat­ten wir mal die hoff­nung, dass das netz die gate­kee­per da­von­schwemmt und auf­merk­sam­keit de­mo­kra­ti­scher oder ge­rech­ter ver­teilt wer­den könn­te. oder dass die 15 mi­nu­ten fame die uns andy war­hol in den 60ern ver­spro­chen hat, sich durchs netz und neue tech­no­lo­gien ver­viel­fa­chen lies­sen. statt­des­sen ka­men neue gate­kee­per und die kon­ku­renz um die ware auf­merk­sam­keit wird im­mer schär­fer.

ich lie­be wei­ter­hin auf­merk­sam­keit, aber um sie erst­haft zu ver­fol­gen bin ich wahr­schein­lich ein­fach zu müde und zu alt. mir ge­fällt, dass ich die­sen text hier ein­fach raus­rot­zen kann und ihn erst spä­ter, lan­ge nach dem drü­cken des ver­öf­fent­li­chen-knopfs, noch­mal ge­gen­le­se und die gröbs­ten or­tho­gra­phi­schen schnit­zer raus­kor­ri­gie­re.


The only se­cret of ma­gic is that I'm wil­ling to work har­der on it than you think it's worth.
-- Penn Jil­let­te

die­ses zi­tat flog mir eben in den kopf und ich muss­te erst­mal eine quel­le fin­den, um den wort­laut wie­der zu­sam­men­zu­be­kom­men. das zi­tat er­klärt gut wie zau­be­rei, il­lu­sio­nen, aber auch ganz all­ge­mein, jede krea­ti­ve ar­beit funk­tio­niert. ge­nau ge­nom­men gilt das für jede ar­beit und al­les was wir gut kön­nen. wenn je­mand et­was gut kann, dann hat die­se per­son ir­gend­wann mal da­für ge­übt — und mit ziem­li­cher wahr­schein­lich­keit mehr, als man als aus­sen­ste­hen­der für nö­tig oder mög­lich hält.

mir fällt in dem zu­sam­men­hang auch im­mer die (wahr­schein­lich aus­ge­dach­te) an­ek­do­te ein, die pa­blo pi­cas­so zu­ge­schrie­ben wird. der sass in ei­nem café und zeich­ne­te auf ei­ner ser­vi­et­te. als eine frau ihn frag­te ob er sie auf der ser­vi­et­te por­trä­tie­ren wür­de, war er in zwei mi­nu­ten fer­tig und ver­lang­te eine as­tro­no­mi­sche sum­me für das por­trät. auf den ein­wand, dass er doch nur ein paar mi­nu­ten da­für ge­braucht habe, sag­te er: „es hat mich mein gan­zes le­ben ge­kos­tet, das in zwei mi­nu­ten zu zeich­nen.“

ich fin­de bei al­lem was ich tue per­fek­ti­on über­flüs­sig. ich will nicht sa­gen, dass ich per­fek­ti­on has­se, im ge­gen­teil, per­fek­ti­on fas­zi­niert mich. aber mir ist das zu viel ar­beit. das hält mich aber nicht da­von ab, re­gel­mäs­sig sehr viel ar­beit in „gut ge­nug“ zu ste­cken. oft wahr­schein­lich deut­lich mehr, als an­de­re für ver­nünf­tig hal­ten wür­den.


neu an mei­ner wand

felix schwenzel in notiert

das pos­ter habe ich vor 20 jah­ren bei eboy ge­kauft (ar­chi­ve-link). seit­dem, also die letz­ten 20 jah­re, lag es zu­sam­men­ge­rollt in ei­ner un­se­rer kam­mern. bei der letz­ten auf­räum­ak­ti­on hat die bei­fah­re­rin das pos­ter ge­fun­den und wir ha­ben es auf­ge­hängt.

das pos­ter in in vier­fa­cher hin­sicht su­per: ich mag wim­mel­bil­der, iso­me­tri­sche dar­stel­lung und pi­xel-äs­the­tik. und dazu ist es noch eine art hi­os­to­ri­sches do­ku­ment und zeigt al­ler­hand ge­döns, das es nicht mehr gibt (sky­pe, tech­no­ra­ti, del.ici.us, feedb­ur­ner). das pos­ter ist so alt, dass da­mals face­book und twit­ter noch kein ding wa­ren.


nach­trag 13.05.2026:
frank west­phal hat das pos­ter 2006 ver­bloggt und sich die mühe ge­macht ein paar der web2.0-diens­te zu ver­lin­ken. den html-block ko­pie­re ich mal, weil er vor­treff­lich il­lus­triert, wie viel web2.0 den exit ge­macht hat.

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abend­essen 07.05.2026

felix schwenzel in gekocht

das war wirk­lich ein­fach: schin­ken, spar­gel, zwie­bel­rin­ge, feta und ein paar to­ma­ten im air­fry­er sta­peln, 14 mi­nu­ten bei 180°C ba­cken, fer­tig. zum ser­vie­ren et­was salz, sehr le­cker.

nach­trag: ver­ges­sen: 4 eier wa­ren auch noch drauf­ge­sta­pelt (ohne scha­le)


#rp26 app

felix schwenzel in notiert

screenshot der #rp26-app mit einer suche nach „felix schwenzel“

die re­pu­bli­ca-app für die­ses jahr ist draus­sen. das freut mich, weil ich dann jetzt mein #rp26-pro­gram mit der ♥️ funk­ti­on zu­sam­men­kli­cken kann (und die tage hier ver­öf­fent­li­chen kann).

noch mehr wür­de ich mich na­tür­lich freu­en, wenn ganz vie­le mei­nen vor­trag im pro­gramm der app su­chen („fe­lix schwen­zel“) und fin­den und mit ei­nem ♥️ mar­kie­ren wür­den. ich glau­be, in al­ler be­sch­ei­den­heit, dass mein vor­trag die­ses jahr ganz gut sein könn­te. und die­ses jahr is­ser auch nicht am letz­ten re­pu­bli­ca-tag, weil er schon fast fer­tig ist und ich die drei re­pu­bli­ca-tage nicht zum fer­tig­schrei­ben brau­che.


nach­trag: of­fen­bar kann man in die­sem jahr ein­zel­ne ses­si­ons oder ein zu­sam­men­ge­stell­tes #rp26 pro­gramm in die app im­por­tie­ren.

mit die­sem link oder QR code soll­te mei­ne ses­si­on zum mar­kie­ren in die app im­por­tiert wer­den kön­nen.
https://re-pu­bli­ca.com/app-im­port?s=10417