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wer hät­te ge­dacht, dass mei­ne selbst aus­ge­dach­te recht­schrei­bung und zei­chen­set­zung ein­mal zu ei­nem uni­que sel­ling point wer­den — nur weil sich das netz mit LLM-glatt-ko­ri­gier­ten oder ver­fass­ten tex­ten füllt.


ei­ne mi­schung aus al­bert ein­stein und clint east­wood

felix schwenzel in notiert

das ist ein le­bens­lauf den emma thomp­son für hugh lau­rie für de­ren da­ma­li­gen thea­ter­ver­ein (cam­bridge foot­lights) schrieb. der voll­text steht in der alt-be­schrei­bung des bilds, aber die­sen satz mag ich sehr ger­ne:

A cross bet­ween Al­bert Ein­stein and Clint East­wood, Hugh is ugly and stu­pid.

1981 President of Footlights, Hugh is also a Cambridge Rowing Blue; indeed, he rowed in the 1980 Boat Race when Cambridge lost by five feet, and If you want to endear yourself to him this fact is weil worth shouting out during the show. A cross between Albert Einstein and Clint Eastwood, Hugh is ugly and stupid. He plays a mean guitar and a rather setfish harmonica.

(screen­shot aus der gra­ham nor­ton show, you­tube link)


ich sehe in mei­ner „blogrol­le“ und mei­nem feed­rea­der, dass sehr vie­le men­schen aus mei­ner blog­bla­se jetzt wie­der re­gel­mäs­sig oder gar täg­lich ins in­ter­net schrei­ben.

zum bei­spiel schreibt anke grö­ner die­ses jahr je­den tag und das freut mich sehr, nach­dem es dort lan­ge sehr ru­hig war.

oder eay.cc der laut sei­nem ar­chiv 2025 im ø alle zwei tage schrob, jetzt auch min­des­tens täg­lich.

oder nico, 20 tage am stück.

tho­mas gi­gold hat sich vor­ge­nom­men „7× blog­gen in der Wo­che“ und bis jetzt lo­cker durch­ge­hal­ten.

ma­xi­mil­li­an bud­den­bohm (aka bud­den­blum) macht das glau­be ich schon seit 10-20 ewig­kei­ten ohne mit der wim­per zu zu­cken, ge­nau wie die kalt­mam­sell, ob­wohl ich bei ihr ge­ra­de ein wim­pern­zu­cken be­ob­ach­tet habe.

auch sehr schön, dass der knsu­per­ma­gi­er jetzt auch (wie­der?) täg­lich schreibt und of­fen­bar spass da­bei hat.

ben_, kon­stan­tin, meq (aka mpf) und herr­paul_ ma­chen das al­ler­dings auch schon — glau­be ich — seit ewig­kei­ten.

auch wenn ich anje noch nicht so lan­ge fol­ge, aber seit ich ichs tue kommt täg­lich ein bei­trag.

je­den­falls freut mich das aus­nahms­wei­se mal sehr teil ei­nes trends zu sein. ak­tu­ell ist mein streak bei 271 ta­gen, das heißt seit dem 26.04.2025 habe ich je­den tag min­des­tens ei­nen bei­trag ver­öf­fent­licht. ei­ni­ge der bei­trä­ge be­stehen vor­wie­gend aus bild-/bi­när da­tei­en und me­ta­da­ten, aber ich glau­be ich habe auch ziem­lich viel ge­schrie­ben. wer das lie­ber ein biss­chen vor­ge­fil­tert ha­ben möch­te: un­ter /top gibt nur die bei­trä­ge die min­des­tens 10 „li­kes“ (oder 25 oder 50) be­kom­men ha­ben. für den 10er-fil­ter gibt’s auch RSS.

was mich aber be­son­ders freut: täg­lich ins in­ter­net zu schrei­ben fühlt sich auch nach 271 ta­gen gut und ger­ne an.


nach­trag 23.01.2026:

Für mich Anlass, meine eigene Blog­his­to­rie einmal nach­zu­schla­gen und ich habe dabei fest­ge­stellt, dass auf diesem Blog seit dem 9.10.2015 jeden Tag ein Beitrag er­schie­nen ist. Wenn man das als Serie durch­num­me­riert, dann sind das bis heute immerhin 3.758 Beiträge ohne Un­ter­bre­chung.

anje schreibt vor allem auch, was sie dazu ver­an­lass­te über 10 jahre täglich einen beitrag zu schreiben und zu ver­öf­fent­li­chen. gerne gelesen.


darm­spie­ge­lung

felix schwenzel in notiert

weil mei­ne haus­ärz­tin es mir vor­schlug, habe ich mir vor ei­nem hal­ben jahr ei­nen ter­min zur darm­spie­ge­lung von der bei­fah­re­rin or­ga­ni­sie­ren las­sen. am diens­tag war es so­weit.

zur vor­be­rei­tung der darm­spie­ge­lung muss man den darm (na­tür­lich) erst­mal lee­ren. am tag vor der un­ter­su­chung darf man ab neun uhr nichts mehr es­sen, fünf tage vor­her muss­te ich be­reits auf ker­ne, nüs­se und alle voll­kör­ni­ge ver­zich­ten. ei­nen tag vor­her muss man ziem­lich ek­li­ge ab­führ­flüs­sig­keit trin­ken. das hat­te ich noch in schlech­ter er­in­ne­rung von mei­nen vor­he­ri­gen darm­spie­ge­lun­gen. aber da die an­lei­tung dar­auf hin­wies, dass ich zwei­mal ei­nen hal­ben li­ter von dem zeug „lang­sam, in klei­nen schlü­cken“, über eine stun­de ver­teilt trin­ken soll, war das dann ziem­lich ent­spannt. aus­ser­dem emp­fahl die an­lei­tung dazu auch noch ei­nen hal­ben li­ter kla­res was­ser zu trin­ken, da­mit war es dann fast ein ver­gnü­gen.

durch die zeit­li­che ent­zer­rung der darm­rei­ni­gungs­flüs­sig­keits­auf­nah­me, lief auch das ent­lee­ren des darms re­la­tiv ge­sit­tet ab. mir fiel auf, wie ho­me­of­fice, ist auch home­dar­ment­lee­rung sehr viel an­ge­neh­mer als in ei­nem war­te­zim­mer oder kran­ken­haus.

für die ko­lo­sko­pie selbst hat­te ich mir vor­ge­nom­men auf eine be­täu­bung oder „schlaf­sprit­ze“ zu ver­zich­ten. mei­ne bis­he­ri­gen darm­spie­ge­lun­gen hat­te ich auch alle ohne be­täu­bung ge­macht und auch wenn ich mich dar­an er­in­ne­re dass das nicht be­son­ders an­ge­nehm war, vor al­lem wenns um die kur­ven geht und luft in den darm ge­pumpt wird, woll­te ich es die­ses mal auch so ma­chen. al­lein schon das gan­ze ge­we­se mit ab­ho­len las­sen, auf­wach­raum und den rest­li­chen tag nicht ganz bei mir sein zu kön­nen hielt mich schon da­von ab mich be­täu­ben zu las­sen.

ich muss sa­gen: an­ge­nehm ist das nicht, aber schlim­mer als ein quer­sit­zen­der furz ist es auch nicht. und ich konn­te so auch mal wie­der in mich rein­gu­cken und small­talk mit den an­we­sen­den ma­chen. un­ter­wegs fand der arzt ein paar po­ly­pen, die er ein­fach ab­schnitt und die ab­schnit­te dann raus­zog zur his­to­lo­gi­schen un­ter­su­chung. die rei­se durch den darm ging bis zum dünn­darm und dau­er­te so um die 10 mi­nu­ten.

für die darm­rei­ni­gung woll­te mir der arzt nicht die best­no­te ge­ben, aber die sicht war schon ziem­lich klar. ich war wie­der be­geis­tert wie auf­ge­räumt es in mir aus­sieht. und die tech­nik! das en­do­skop kann mit ei­nem was­ser­strahl die darm­wän­de ab­zu­sprit­zen, die lin­se war nicht eine se­kun­de be­schla­gen oder ver­schmiert, das bild war durch­ge­hend kris­tal­klar. ir­gend­wie scheint die tech­nik ins­ge­samt fort­schrit­te ge­macht zu ha­ben, denn auch die mör­der­blä­hun­gen die ich nach den letz­ten un­ter­su­chun­gen die­ser art hat­te, blie­ben dies­mal aus.

in drei jah­ren soll ich wie­der­kom­men um noch­mal ei­nen blick auf die po­ly­pen zu wer­fen. freu ich mich nicht un­be­dingt drauf, aber im prin­zip wür­de ich schon sa­gen: ger­ne wie­der.

die wich­tigs­te er­kennt­nis habe ich nach­träg­lich ge­won­nen, war mir in der form noch gar nicht klar: das was ich esse braucht un­ge­fähr 23 stun­den, bis die res­te wie­der aus­ge­schie­den wer­den. ich dach­te ei­gent­lich dass ich mir mit der ver­dau­ung mehr zeit neh­me.


apro­pos darm, ich glau­be die­ses „hand­werks­kunst“ vi­deo, in dem man ei­nem chir­ur­gen bei ei­ner darm­ope­ra­ti­on zu­se­hen kann, hat­te ich schon mal emp­foh­len. am fas­zi­nie­ren­s­ten fin­de ich die äs­the­tik des ein­griffs und des mensch­li­chen in­nen­le­bens. da ist ei­gent­lich nichts ek­li­ges zu se­hen und auch das aus­ei­an­der­schnei­den und wie­der zu­sam­men­fü­gen des darms sieht bei­na­he tri­vi­al ein­fach und un­spek­ta­ku­lär aus.


foto von der grossen wiese in den rehbergen, die wiese ist mit festgetretenem schnee bedeckt, im hintergrund geht langsam die sonne auf
-7°C, schnee, fri­da, son­nen­auf­gang

das jahr ist schon 10 tage alt und ich habe das ge­fühl, dass es jetzt nicht mehr lan­ge dau­ert und das jahr ist schon wie­der vor­bei.

der gros­se an­ge­kün­dig­te sturm blieb in ber­lin aus, das wet­ter fror ein­fach so vor sich hin, statt ag­gres­siv zu wer­den. das ist nicht das ers­te mal, dass mei­ne be­nach­rich­ti­gun­gen auf dem han­dy vol­ler war­nun­gen und ver­vor­sich­ti­gun­gen wa­ren und dann am ende we­der wind, noch schnee oder or­kan auf­ka­men. mir ist schon klar, dass wet­ter­vor­her­sa­gen kom­ple­xe wahr­schein­lich­keits­re­chun­gen sind und ein schmet­ter­ling in ost­asi­en den win­ter­sturm po­ten­zi­ell ver­hin­dern oder mit­aus­lö­sen kann. aber viel­leicht soll­ten die war­nungs­er­zeu­ger trotz­dem noch­mal ihre kom­mun­ka­ti­ons­stra­te­gien über­den­ken und war­nun­gen mit mehr kon­junk­ti­ven prä­sen­tie­ren und ent­war­nun­gen mit der glei­chen reich­wei­te und wucht ver­brei­ten wie die ur­sprüng­li­chen war­nun­gen. weil so bleibt bei mir ir­gend­wie die fra­ge hän­gen: wie ernst wer­de ich die nächs­te war­nung neh­men?

glei­ches gilt für die war­nun­gen zum strom­aus­fall im sü­den ber­lins. den strom­aus­fall hat bei mir kei­ne der in­stal­lier­ten warn­app am 3. ja­nu­ar an­ge­kün­digt. daür be­kam ich am 7. ja­nu­ar mit viel ge­tö­se eine „Ex­tre­me Ge­fahr WAR­NUNG MIT­TEL“ und kurz da­nach, mit­ten in der nacht eine „Ge­fah­ren­in­for­ma­ti­on ENT­WAR­NUNG“ die mein te­le­fon schrei­en liess.

screenshot von warnungen und entwarnungen die mich am 7.1.2026 erreicht haben

war­nun­gen und ent­war­nun­gen

das ist ein biss­chen so, als ob die he­rol­de der se­nats­ver­wal­tung um 22 uhr sturm klin­geln um zu sa­gen: „al­les OK, KEIN GRUND ZUR SOR­GE, BIT­TE SCHLA­FEN SIE WEI­TER! und be­den­ken sie, nach 18 uhr kein glas in glas­con­tai­ner zu wer­fen, da­mit ihre mit­bür­ge­rin­nen in ih­rer nacht­ru­he nicht ge­stört wer­den!“

je­den­falls war es heu­te zum mor­gen­spa­zier­gang wie­der -6°C aber es wirk­te ir­gend­wie mil­der als in den vor­he­ri­gen ta­gen. zum teil kann das dar­an ge­le­gen ha­ben, dass ich heu­te zum ers­ten mal mei­ne win­ter­ja­cke, statt mei­nes som­mer­män­tel­chens trug. zum an­de­ren blies kein wind, was die ge­fühl­te tem­pe­ra­tur er­höht ha­ben dürf­te.

alle men­schen und hun­de die wir heu­te früh tra­fen wa­ren ex­trem ent­spannt. fri­da auch, ob­wohl sie mich 5 mal frag­te ob es ok sei, wenn sie mal kurz ei­nen ex­kurs ins un­ter­holz macht um dort even­tu­ell sit­zen­de vö­gel auf­zu­schre­cken. ich liess sie ge­wäh­ren, auch weil sie vor­her über­eif­rig folg­sam war, als ich sie dar­um bat.

sonnenaufgang über der catcherwiese in den rehbergen. im vordergrund glänzt der zu eis festgestampfte schnee in der morgensonne, im hintergrund kahle böume

cat­cher­wie­se


oben wird die wolkendecke und der sonnenschein der die wolkendecke durchdringt angezeigt. die violette linie oben ist die gemessene temperatur auf dem hof. die ist nicht besonders wichtig und auch nicht besonders sichtbar. die rote linie ist der temperaturverlauf der letzten 24 stunden un der kommenden zwei tage. warum ich den taupunkt-verlauf (türkis) anzeige hab ich vergessen. die beiden grauen linien sind die windstärke, das dunklere grau die geschwindigkeit von böen. aktuell sieht man: wird signifikant windiger am wochenende. das dunkle blau zeigt die regenwahrscheinlichkeit an. im dunklen blau sind gelegentlich hellblaue erhebungen sichtbar, das ist die niederschlagsmenge. dieses hellbau zeigt ziemlich zuverlässig an wann es niederschlag gibt. weiss zeigt die erwartete schneemenge, bzw. höhe an. alle daten sind vom deutschen wetterdienst, die schneemenge hol ich mir von wetaherkit.

heu­te früh zum #mor­gen­spa­zier­gang -6°C, fast alle geh­we­ge mit ei­nem di­cken eis­pan­zer über­zo­gen, da­für klar und son­nen­auf­gän­gig.

bild vom sonnenaufgang am schifffahrtskanal

son­nen­auf­gang am schiff­fahrts­ka­nal

auf dem weg am schiff­fahrts­ka­nal husch­ten plötz­lich schat­ten über uns. es wa­ren was­ser­vö­gel, die freie stel­len im eis des ka­nals such­ten und uns über­flo­gen. das licht kam von ei­nem kran über uns.

die ge­räu­sche des win­ters ha­ben sich in den letz­ten 40 jah­ren mas­siv ver­än­dert. frü­her, wenn es schnei­te, hör­te ich im­mer schnee­schau­feln, ge­bo­ge­ne ble­cke mit holz­stil, die beim schip­pen und schlei­fen des schnees ein cha­rak­te­ris­ti­sches ge­räusch mach­ten. hier in ber­lin wird der schnee auf dem geh­weg von klei­nen, röh­ren­den mini schnee­pflü­gen auf dem bo­den fest­ge­bürs­tet und dann, wenn man glück hat, mit et­was split be­streut. wenn man die mo­to­ren die­ser klei­nen flit­zer mor­gens ab 5 uhr auf der stras­se röh­ren hört hat das zwar auch ei­nen in­for­ma­ti­ven wert (es hat ge­schneit in der nacht), aber ich ver­mi­us­se das krat­zen von blech auf rau­en geh­we­gen.


die an­ti­pa­thie, die ich ge­le­gent­lich spü­re, wenn ich KI-ge­ne­rier­te bil­der sehe, ist eine alte be­kann­te. ich ken­ne sie von stock­fo­tos, über­mäs­si­ger emo­ji-ver­wen­dung oder mehr­fach-aus­ru­fe­zei­chen („!!!“). an sich ist ja nichts ge­gen fo­tos von freund­li­chen bü­ro­men­schen oder die nut­zung von emo­jis zu sa­gen (wohl aber ge­gen die ver­wen­dung von meh­re­ren satz­zei­chen hin­ter­ein­an­der).

schmerz­haft wird es im­mer ge­nau dann, wenn der zu­sam­men­hang und die sorg­falt feh­len. oder an­ders ge­sagt: ge­dan­ken­lo­sig­keit, die feh­len­de funk­ti­on, macht den slop, nicht die form oder die her­kunft (egal ob aus ei­ner KI, fo­to­da­ten­bank oder emo­ji-bi­blio­thek).


Ueber die all­mähli­che Ver­fer­ti­gung der Ge­dan­ken beim Blog­gen

felix schwenzel in artikel

heu­te füh­le ich mich leicht grös­sen­wahn­sin­nig und habe mir ge­dacht, man könn­te kleist doch mal up­da­ten (ver­schwen­zeln).


wenn du über et­was nach­den­ken willst und dir auch durch in­ten­si­ves nach­den­ken oder dar­über me­di­tie­ren nichts sinn­vol­les ein­fällt, dann rate ich dir ein­fach drü­ber zu schrei­ben. das muss auch an nie­mand be­stimm­tes ge­rich­tet sein oder be­son­ders scharf­sin­nig sein, schreib ein­fach drü­ber, was dir durch den kopf geht.

auch wenn im­mer noch vie­le men­schen den­ken, man sol­le nur von din­gen re­den von de­nen man et­was ver­steht, hier geht es um et­was an­de­res als wis­sen­ver­mitt­lung oder *splai­nen. es geht dar­um beim schrei­ben um ei­nen ge­dan­ken her­um zu tan­zen. so wie der ap­pe­tit beim es­sen kommt, kom­men ei­nem im­mer auch ideen beim schrei­ben.

ich sit­ze oft am rech­ner oder lie­ge im bett und lese was an­de­re schrei­ben. manch­mal möch­te ich dem ge­le­se­nen wi­der­spre­chen, manch­mal möch­te ich es wei­ter­den­ken oder es an­ders be­trach­ten. mir schies­sen dann flüch­ti­ge ideen im kopf her­um, ich weiss das könn­te man wei­ter- oder ganz an­ders den­ken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu den­ken und sa­gen will. weil ich aber doch eine dunk­le vor­stel­lung von dem habe was ich viel­leicht sa­gen will, fan­ge ich ein­fach an zu schrei­ben und sät­ze zu kon­stru­ie­ren. sät­ze die ich an­ge­fan­gen habe, wol­len dann auch zu­en­de ge­führt wer­den. ich tas­te mich von wort zu wort, wie ein lar­ge lan­guage mo­del ver­su­che ich den satz so wei­ter­zu­füh­ren, wie er rich­tig klingt. ich ver­has­pel mich oft bei die­sem qua­si auto-ver­voll­stän­di­gen mei­ner sät­ze, aber das lässt sich dann meist beim spä­te­ren kor­rek­tur­le­sen aus­beu­len.

ge­le­gent­lich hilft es mich zu fra­gen wer das denn le­sen soll, ob die es auch nur im an­satz ver­ste­hen wür­den oder ob ich noch ein, zwei er­klä­ren­de sät­ze nach­schie­ben muss oder ein et­was zu luf­ti­ges ge­dan­ken­kon­strukt auf eine so­li­de­re ba­sis stel­len muss. der ge­dan­ke den text spä­ter zu ver­öf­fent­li­chen wirkt ein biss­chen wie ein stil­ler, trei­ben­der mo­tor. ob­wohl ich al­lei­ne vor dem rech­ner sit­ze und tip­pe, bin ich be­reits im dia­log mit ima­gi­nier­ten le­sern. ich weiss, dass der ge­dan­ke ei­nen text zu ver­öf­fent­li­chen auch wie eine brem­se wir­ken kann, aber ich glau­be die­se brem­se nutzt sich durch stän­di­ges, im­mer neu­es schrei­ben ab und kann sich dann zu ei­nem schwung­rad wan­deln das hel­fen kann im­mer wie­der neue ge­dan­ken los­zu­rüt­teln.

frü­her nutz­te ich oft noch ein zwei­tes schwung­rad: em­pö­rung. da­mit die em­pö­rung nicht aus­ufert, ent­wi­ckelt der ge­dan­ke der spä­te­ren ver­öf­fent­li­chung eine will­kom­me­ne brems­wir­kung. wie mit ei­nem ven­til kann man so das ent­wei­chen des em­pö­rungs­über­drucks ge­zielt steu­ern und ich fin­de in die­sem zu­stand aus schwung und brems­wir­kung plötz­lich wor­te und ge­dan­ken, auf die ich sonst wohl nie ge­kom­men wäre.

die­se mi­schung aus in­ne­rem dia­log, ab­wä­gen der schär­fe und den ima­gi­nier­ten le­sen­den führt im bes­ten fall zu bril­li­an­ten ge­dan­ken und im schlech­tes­ten fall zu et­was aus dem man ler­nen kann und rou­ti­ne beim ge­dan­ken-lo­ckern ge­win­nen kann. das ver­fas­sen schlech­ter tex­te, die viel­leicht eine oder meh­re­re gute ideen ent­hal­ten, aber es ir­gend­wie nicht zu­en­de ge­dacht in sät­ze ge­schafft ha­ben oder ein­fach un­ver­ständ­lich (wirr) sind, hilft viel­leicht nicht beim ge­winn von an­se­hen, aber bei ge­winn von rou­ti­ne im ba­lan­cie­ren und ge­ne­rie­ren von wor­ten und ge­dan­ken. man muss sich im­mer vor au­gen hal­ten: der meis­ter kann’s nur des­halb bes­ser, weil er mehr übung hat­te.

ich glau­be die­ser schrei­ben­de tanz um ei­nen ge­dan­ken her­um, der ideen aus dem hirn schüt­teln kann, funk­tio­niert auch ohne die kom­bi­nier­te schwung­rad­brem­se der spä­te­ren öf­fent­lich­ma­chung, wenn man nur für sich al­lein schreibt. so wie man rou­lette auch al­lei­ne, ge­gen sich selbst, ohne ech­ten ein­satz spie­len kann, kann man auch ohne den dro­hen­den klick auf den pu­blish-but­ton schrei­ben. aber der span­nungs­zu­stand, die er­re­gung, in den man sich ver­set­zen kann, wenn man et­was zu ver­lie­ren hat, ist viel­leicht ge­nau die en­er­gie die nö­tig ist, um vor­han­de­ne, fest­sit­zen­de ge­dan­ken zu lö­sen und in sät­ze zu gies­sen. so wie elek­tro­nen ihre bahn nur un­ter span­nung oder en­er­gie­zu­fuhr (oder en­er­gie­ent­zug) wech­seln kön­nen, tre­ten ge­dan­ken manch­mal erst dann aus dem un­ter­be­wuss­ten her­vor, wenn man sich in ei­nen ge­wis­sen span­nungs­zu­stand ver­setzt hat.

weil ich mit ei­nem rat an­ge­fan­gen habe, ende ich auch mit ei­nem rat. das ver­öf­fent­li­chen von tex­ten ist ein werk­zeug um eine ge­wis­se span­nung zu er­zeu­gen, die beim ern­ten von ge­dan­ken und ideen hilf­reich ist. der in­ne­re, ima­gi­nier­te dia­log mit le­sen­den ist ein werk­zeug, das auch beim schrei­ben­den den­ken hilft. das ge­fühl et­was zu ver­lie­ren, weil die re­zep­ti­on, die re­ak­tio­nen auf den ver­öf­fent­lich­ten text viel­leicht ne­ga­tiv aus­fal­len oder kaum je­mand den text zu le­sen scheint, ist eine täu­schung. mit dem schrei­ben ei­nes tex­tes tust du in ers­ter li­nie et­was für dich, hast du et­was ge­lernt und ge­won­nen. und mit je­dem neu­en ver­öf­fent­lich­ten text lernst du mehr.

die re­ak­tio­nen auf dei­nen text sa­gen we­ni­ger über dich oder dei­ne ge­dan­ken, son­dern al­les über die re­zi­pi­en­ten. schrei­be und du lernst zu den­ken, ver­öf­fent­li­che und du lernst sehr viel über men­schen.


sie­he auch:


foto einer öffentlichen toilette im frühen morgengrauen. das licht aus den beiden offenen pissoir-kabinen scheint einladend auf einen schneebedeckten hohlweg

scheiss­haus

früh mor­gens und bei die­ser wit­te­rung wir­ken die­se öf­fent­li­chen toi­let­ten bei­na­he ein­la­dend und ge­müt­lich.


94,5 de­zem­ber

felix schwenzel in artikel

ich hab noch oz­em­pic im kühl­schrank lie­gen, 3 oder 4 por­tio­nen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir kei­ne sprit­ze mehr ge­setzt, hat­te aber vor weih­nach­ten über­legt mir vor oder nach weih­nach­ten viel­leicht noch­mal eine zu set­zen. dann hab ichs erst­mal ge­las­sen und woll­te mal schau­en was über weih­nach­ten pas­siert.

es hat sich nach meh­re­ren weih­nachts­es­sen und fünf ta­gen es­sen bei mei­nen el­tern ge­zeigt, dass ich über die fei­er­ta­ge eher ab­ge­nom­men habe.

den gan­zen de­zem­ber über schwank­te mein ge­wicht sta­bil um die 94,5 kg. bei mei­nen el­tern zeig­te die waa­ge zwi­schen­durch so­gar mal 93,5 kg an, aber die ers­te wää­gung zu­hau­se, auf mei­ner ei­ge­nen waa­ge, zeig­te wie­der 94,5 kg.

screenshot aus der health-app mit meinem gewicht über den dezember hinweg: durchschnitt 94,51 kg. die linie schwankt zwischen 95 und 94 kg, am ende fehlen über die feiertage ein paar messungen, die letzten beiden punkte sind bei 93,5 und 94,5 kg

mein ge­wicht nach ta­gen im de­zem­ber 2025

ges­tern auf dem rück­weg von mei­nen el­tern nach hau­se ha­ben fri­da und ich uns ein bic­mac-menü bei mc­do­nalds ge­teilt. also sie hat ein biss­chen rin­der­hack und ein paar pom­mes be­kom­men. das menü war „small“, aber ich moch­te die pom­mes dann doch nicht auf­es­sen. nicht we­gen der ka­lo­rien, son­dern weil sie ein­fach nicht so gut schme­cken, wie das was ich mitt­ler­wei­le zu­hau­se hin­be­kom­me. glei­ches gilt für bur­ger. mei­ne selbst­ge­mach­te „bign­mac sau­ce“ und pat­tis von bey­ond meat sind ein­fach le­cke­rer. und auf­es­sen um des auf­es­sens wil­len, auch wenns nicht wirk­lich gut schmeckt, hab ich mir ab­ge­wöhnt.

aber was mc­do­nalds bie­tet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach frü­her. es schmeckt nach mc­do­nalds und die­ser ge­schmack ist an vie­le po­si­ti­ve as­so­zia­tio­nen ge­bun­den. aber ges­tern ha­ben mir der drei­vier­tel big mac und ein paar pom­mes ge­reicht um die nost­al­gie (und den ap­pe­tit) zu be­frie­di­gen.

an­de­rer­seits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass es­sen so wie vor 45 jah­ren1 schmeckt? selbst bei mei­ner mut­ter schmeckt’s heu­te an­ders als vor 45 jah­ren. sie pro­biert stän­dig neu­es aus. ein re­zept das ich vom dies­jäh­ri­gen weih­nacht­be­such mit­ge­nom­men habe sind gur­ken­sticks:

  • 1 un­ge­schäl­te (bio) gur­ke in sehr gro­be sticks schnei­den
  • 2 ess­löf­fel es­sig (weis­ser bal­sa­mi­co, der bil­li­ge von kauf­land tut’s auch)
  • 1 tee­löf­fel salz
  • sehr viel knob­lauch, mei­ne mut­ter hat­te pro gur­ke eine die­ser di­cken ein­zel-knol­len (so­lo­knob­lauch) un­ter die sticks ge­quetscht
  • op­tio­nal viel fri­schen dill hin­zu­fü­gen
  • al­les gut ver­rüh­ren und min­des­tens 10 mi­nu­ten durch­zie­hen las­sen

tha­t's it.

bei mc­do­nalds in in­gers­le­ben, wo fri­da und ich uns das big­mac-menu ge­teilt ha­ben, woll­te eine an­ge­stell­te fri­da un­be­dingt hal­lo sa­gen. hat sie dann auch ge­macht, wäh­rend wir an der es­sens­aus­ga­be war­te­ten. als wir wie­der auf­bra­chen und noch­mal kurz aufs klo gin­gen, fing sie uns am aus­gang ab und frag­te ob sie dem hund et­was ge­ben kön­ne. sie hat­te ei­nen bur­ger­kar­ton mit drei chi­cken-fi­lets („ohne salz“) und woll­te mir den in die hand drü­cken. ab­ge­se­hen da­von, dass das men­gen­mäs­sig zwei bis drei ta­ges­por­tio­nen für fri­da wä­ren, ver­trägt sie huhn nicht be­son­ders gut. des­halb muss­te ich be­dau­ernd und dan­kend ab­leh­nen.

(rind ver­trägt fri­da ei­gent­lich auch nicht, aber weil die rin­der­brü­he bei mei­ner mut­ter ganz gut ver­trug, hat­te ich ihr auch vom bur­ger pat­ti ab­ge­ge­ben. nor­ma­ler­wei­se be­kommt und ver­trägt fri­da wild.)

ich fand das auf je­den fall herz­al­ler­liebst und ehr­lich­ge­sagt tra­gen aus mei­ner sicht sol­che er­leb­nis­se auch dazu bei, dass mc­do­nalds so be­liebt ist. durch die kon­se­quen­te stan­dar­di­sie­rung (des es­sens, der mit­ar­bei­ter mit mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, der zu­rück­hal­ten­den ge­müt­lich­keit, des ge­ruchs) ist je­des mc­do­nalds welt­weit eine in­sel des ge­wohn­ten und be­kann­ten in der frem­de. der aral-pul­se la­de­park in in­gers­le­ben war kalt, dun­kel, in der tie­fen sach­sen-an­hal­ti­ni­schen pro­vinz, aber di­rekt hin­ter der ein­gangs­tür von mc­do­nalds war es warm, hell, ver­traut — und freund­lich.


2026 wird das jahr an dem ich ernst­haft an mei­nem bu­cket-lis­ten-ein­trag „klimm­zü­ge“ ar­bei­ten wer­de. jetzt nach weih­nach­ten wer­de ich mir eine klimm­zug­stan­ge kau­fen die man im tür­rah­men ein­hän­gen kann. da­mit trai­nie­re ich das sys­te­ma­tisch. mitt­ler­wei­le weiss ich durch den kon­sum von schwer er­träg­li­chen fit­ness-vi­de­os auf you­tube, dass es zu min­des­tens 50% auf die tech­nik an­kommt und es gar nicht mal so ein­fach ist ei­nen be­we­gungs­ab­lauf hin­zu­be­kom­men in dem die rü­cken­mus­ku­la­tur die arme beim hoch­zie­hen un­ter­stützt. und die rü­cken­mus­ku­la­tur will auch auf­ge­baut wer­den. nicht auf der bu­cket list, aber fest vor­ge­nom­men: täg­lich 50-100 lie­ge­stüt­zen in drei­er-ein­hei­ten über den tag ver­teilt min­des­tens 3 mo­na­te durch­zie­hen. frü­her hab ich 100 schnel­le, slop­py lie­ge­stüt­zen am stück ge­schafft, mitt­ler­wei­le schaff ich von den slop­py lie­ge­stüt­zen wie­der 30 am stück. aber ich ver­su­che jetzt 20-30 lang­sa­me am stück auf­zu­bau­en. 8-14 schaf­fe ich da­von im mo­ment, das ist also noch aus­bau­fä­hig und durch die hand- und arm­hal­tung auch sehr gut va­ri­ier­bar.


  1. in aa­chen hat 1978 am markt das ers­te mc­do­nalds er­öff­net. seit den frü­hen 80ern ging ich dort re­la­tiv re­gel­mäs­sig hin. ein­mal sind wir auch des re­stau­rants ver­wie­sen wor­den, weil wir an­de­re gäs­te mit pa­pier­kü­gel­chen aus stroh­hal­men be­schos­sen ha­ben. big macs esse ich ger­ne, seit­dem ich mit­te der 90er 3 tage lang non-stop von ten­nes­see nach wa­shin­gon sta­te mit dem grey­hound-bus ge­fah­ren bin. der grey­hound hielt ge­le­gent­lich an mc­do­nalds-re­stau­rants und mei­ne ent­täu­schung war rie­sig, wenn wir mor­gens bei mc­do­nalds hi­le­ten und es dort „nur“ früh­stück und kei­ne big­macs gab. 

auch wenn mein ge­wicht im de­zem­ber kon­stant bei 94,5 lag, sind die jah­res- und sechs-mo­nats-gra­fik aus ap­ple he­alth op­ti­mis­tisch. aber der be­reich 90-95 kg ist ei­gent­lich ein be­reich in dem ich blei­ben will. mei­ne kla­mot­ten pas­sen mir noch, mei­ne el­tern ha­ben erst nach dem drit­ten bis vier­ten blick ge­se­hen, dass ich 18 kilo ab­ge­nom­men habe und die wer­te die ich er­fas­se (blut­druck, ru­he­puls, ca­ri­do­fit­ness) ha­ben sich si­gni­fi­kant ver­bes­sert. und ich kann auch wie­der auf dem rü­cken schla­fen ohne mich selbst durch in­fer­na­li­sches schnar­chen selbst zu we­cken. und durch die kom­bi­na­ti­on aus be­we­gung und ge­wichts­ver­lust ha­ben sich die krampf­adern die sich in den letz­ten vier, fünf jah­ren an mei­nen un­ter­schen­keln vor­wag­ten, wie­der alle ver­dün­ni­si­ert.


mor­gen­schnee­spa­zier­gang 31.12.2025

felix schwenzel in bilder


4:50 h, -2° C

nachtbild des johann frenken wegs in karken, es ist neblig und es liegt raureif, die strassenlaternen beleuchten den nebel.

jo­hann fren­ken weg in kar­ken um kurz vor fünf uhr mor­gens

nachtbild des sehr leeren und stillen tichelkamp in karken, es ist neblig und es liegt raureif, die strassenlaternen beleuchten den nebel.

ti­chel­kamp in kar­ken um kurz vor fünf uhr mor­gens


alt wer­den, al­te pfusch­zet­tel, al­te fo­tos

felix schwenzel in artikel

zu weih­nach­ten bin ich bei mei­nen el­tern. mei­ne mut­ter er­zählt, mein va­ter macht das was er im­mer macht und ich stau­ne, wie die klei­nen kon­flik­te, die bei mei­nen el­tern frü­her ge­le­gent­lich es­ka­lier­ten jetzt ein­fach ab­eb­ben. viel­leicht ist das ein wei­te­rer po­si­ti­ver aspekt am al­tern, dass sich das kurz­zeit­ge­däch­nis ver­kürzt und man ein­fach ver­gisst, über was man sich ger­dae auf­ge­regt hat. apro­pos äl­ter wer­den, mei­ne mut­ter er­zähl­te uns aus­la­dend dar­über, dass sie das buch von elke hei­den­reich über das al­tern nicht gut fand, aber sehr be­geis­tert von na­ta­scha wo­dins „Die spä­ten Tage“ ist. in „Die spä­ten Tage“ schreibt sie über das alt­wer­den und eine spä­te gros­se lie­be. ich muss keins der bü­cher le­sen, weil mir mei­ne mut­ter be­reits al­les er­zählt hat.

mei­ne mut­ter er­zählt von ih­rer freun­din vera, die 15 jah­re jüng­ger als sie ist. mitt­ler­wei­le sind bei­de alt, mei­ne mut­ter und vera. im al­ter ver­wi­schen al­ters­un­ter­schie­de. und es ist na­tür­lich auch pfif­fig jün­ge­re freun­de zu ha­ben, das macht sich im al­ter be­zahlt, wenn die gleich­alt­ri­gen oder äl­te­ren freun­de ver­här­ten oder ver­ster­ben.

wit­zi­ger­wei­se er­zähl­te mir mei­ne mut­ter ir­gend­wann auch von ih­ren ela­bo­rier­ten pfusch­zet­teln, an die ich vor ein paar ta­gen auch den­ken muss­te. sie habe die ge­ra­de beim auf­räu­men wie­der­ge­fun­den und ob ich die viel­leicht ha­ben wol­le. ich hab sie erst­mal fo­to­gra­fiert und dann ein­ge­steckt.

wäh­rend mei­ne mut­ter mir ihre ge­ra­de auf­ge­räum­ten schmuck­scha­tul­len zeigt, fällt mein blick auf die­ses alte bild mei­ner mut­ter und mei­ner schwes­ter aus den frü­hen acht­zi­ger­jah­ren.

foto eines fotos aus den achtziger jahren von meiner mutter mit meiner schwester elena auf dem schoss

mei­ne mut­ter zeigt mir den ers­ten band der bob-dy­lan-au­to­bio­gra­fie (Chro­nic­les, Band 1). das habe sie sich ge­kauft, weil es von kath­rin pas­sig (und ger­hard hen­schel) über­setzt wur­de und sie kath­rin pas­sig mal auf der re­pu­bli­ca ken­nen­ge­lernt oder ich sie ihr vor­ge­stellt habe. ich mer­ke wie we­nig ich weiss und freue mich, dass mei­ne mut­ter ih­ren geist mit über acht­zig bes­ser auf trab hält als ich.

ko­mi­scher­wei­se wer­de ich bei mei­nen el­tern nicht nost­al­gisch. die gan­zen al­ten sa­chen we­cken zwar vie­le alte er­in­ne­run­gen, aber ir­gend­wie fal­len mir vor al­lem die neu­en sa­chen auf. dass kon­flik­te zwi­schen mei­nen el­tern jetzt eher ab­b­eb­ben, als zu es­ka­lie­ren. wie schön und fo­to­gen die ge­gend hier in und um heins­berg ist und wie we­nig ich das da­mals of­fen­bar zu schät­zen ge­wusst habe.

panorama-foto von einem kahlen feld, man sieht im hintergrund kahle bäume und sehr weiten, organge-blauer himmel

am him­mel konn­te ich hier heu­te früh min­des­tens zwan­zig flug­zeu­ge se­hen. der him­mel war rie­sig und klar und alle flug­zeu­ge zo­gen kon­desn­strei­fen hin­n­ter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirk­lich, aber so war es.

foto eines geteerten feldwegs, links ein grosser stall, einige kahle bäume am horizont, der morgenhimmel leuchtet orange-blau

mir fal­len aber auch ein paar alte din­ge auf, oder ge­nau­er, wie schnell din­ge die kürz­lich noch neu wa­ren plötz­lich ganz alt wir­ken. hier im haus sind noch über­all die­se kom­pak­ten neon-lam­pen ver­baut, die ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den brau­chen, be­vor sie licht ab­ge­ben. die wa­ren vor kur­zem noch der letz­te heis­se scheiss. mein va­ter meint, die ha­lo­gen-läp­chen in sei­nem ba­de­zim­mer hiel­ten im durch­schnitt ge­ra­de mal 2 jah­re. die­se din­ger wa­ren we­gen der nie­der­volt-tech­nik auch mal ein heis­ser neu­er scheiss, mitt­ler­wei­el sieht das wohl kei­ner mehr so. und weil mein va­ter (zu recht) lie­ber kei­ne lei­ter mehr be­stei­gen will, habe ich jetzt wohl alle paar jah­re die auf­ga­be die lämp­chen aus­zu­tau­schen.

fri­da und ich sind heu­te zum ers­ten mal über den kar­ke­ner fried­hof ge­lau­fen. bis­her ha­ben wir das nicht ge­macht, weil ich mich in der re­gel an hun­de-ver­bo­te auf fried­hö­fen hal­te. frü­her bin ich aus des­in­ter­es­se nie über den kar­ke­ner fried­hof ge­al­ufen. heu­te, auf dem rück­weg vom mor­gen­spa­zier­gang, woll­te ich aber ei­nen bo­gen um das mensch-hund-team vor uns ma­chen, in dem der sehr gross ge­wach­se­ne hund ganz of­fen­sicht­lich die ho­sen an hat­te und die marsch­rich­tung be­stimm­te. also sind wir am fried­hof ab­ge­bo­gen.

gemauerter torbogen eingang zum karkener friedhof vom tichelkamp aus

mor­gen­spa­zier­gang 27.12.2025

felix schwenzel in bilder

mor­gen­run­de durch kar­ken und wer­lo. es war kalt, der son­nen­auf­gang spek­ta­ku­lär und vie­le häu­ser öff­ne­ten ihre rol­la­den in ge­nau dem mo­ment, an dem wir an ih­nen vor­bei­gin­gen. eine frau ver­liess 300 me­ter vor uns ihr haus, sam­mel­te ein biss­chen müll auf und schmiss ihn zu den nach­barn in den vor­gar­ten. ord­nung muss sein. schön hier.

strasse in karken imorgengrauen mit einem strassenlicht. man sieht den orange-blauen morgenhimmel.

rot­kohl nach fallow

felix schwenzel in rezepte

in ih­rem „The Com­ple­te Christ­mas Din­ner (Ul­ti­ma­te Chef Gui­de)“-vi­deo zei­gen die kü­chen­chefs des re­stau­rant fallow, jack croft und will mur­ray, wie sie ein kom­plet­tes bri­ti­sches weih­nachts­es­sen zu­be­rei­ten. ich habe in die­sem vi­deo (und an­de­ren von fallow) vie­le klei­ne tipps ge­se­hen die sich in mei­nem kü­chen­all­tag als sehr hilf­reich er­wie­sen ha­ben. und ich habe mir das rot­kohl-re­zept aus die­sem vi­deo ex­tra­hie­ren las­sen und am hei­lig­abend nach­ge­kocht (zu­sam­men mit selbst­ge­mach­ten kar­tof­fel­klös­sen und rou­la­den).

rotkohl, tiefrot, glänzend und schön weich

rezept für rotkohl nach fallow

die zu­be­rei­tung des rotkohls dauert zwiwschen 2 und 3 stunden, aber das ergebnis war toll: tiefrote farbe, süsslich-tiefer geschmack, perfekte kon­sis­tenz und glanz — aber nicht ganz ka­lo­rien­arm.

rotkohl nach fallow (mit rouladen- und knödelscheiben im hintergrund)

zutaten

  • 1 grosser kopf rotkohl
  • 330 ml apfelsaft
  • 150 ml rotwein (gegebenenfalls mehr)
  • 1 tl gemahlener ingwer
  • 1 tl gemahlener zimt
  • 1 tl gemahlene/geriebene muskatnuss
  • salz
  • zucker

finish

  • 1 (kleines) glas johannisbeergelee (ca. 230 g)
  • 1 kräftiger schuss balsamico-essig (oder sherry-essig)

zubereitung

  1. vorbereitung:

    den kohl vierteln, die äusseren blätter entfernen und den kohl in feine streifen schneiden oder hobeln. ich hab das freihand mit dem messer gemacht und habe versucht sehr dünne streifen zu schneiden, was dann pi mal daumen zu 2 mm dicken streifen führte.

  2. dünsten in apfelsaft:

    den ge­schnit­te­nen kohl direkt mit den 330 ml Apfelsaft in einen grossen topf geben. den deckel aufsetzen und bei mittlerer bis hoher hitze garen. das ziel ist es, die feuch­tig­keit aus dem kohl zu ziehen und ihn weich zu dämpfen. das dauert ungefähr 20-30 minuten.

  3. würzen:

    sobald der kohl zu­sam­men­ge­fal­len ist, den deckel abnehmen. jetzt den rotwein und die gewürze (ingwer, zimt, muskat) hin­zu­fü­gen. eine gute prise salz und etwas zucker dazugeben.

  4. reduzieren:

    den kohl ohne deckel wei­ter­kö­cheln lassen (insgesamt dauert die garzeit im video etwa andertalb stunden), bis die flüs­sig­keit fast voll­stän­dig reduziert ist.

    insgesamt sind die an­ge­ge­be­nen mengen flüs­sig­keit relativ niedrig. solange der kohl dampft ist alles in ordnung. ich habe während der garzeit ein zwei mal ein paar schlücke rotwein zugegeben, weil mir der kohl zwi­schen­durch beinahe zu trocken aussah. ich glaube der lohn dieses ba­lan­ce­akts ist, dass die farbe des kohls tiefrot bleibt, weil er eben nicht in flüs­sig­keit schwimmt, die die farbe auswäscht.

  5. glanz-finish:

    ganz am ende wird das ganze (kleine) glas jo­han­nis­beer­ge­lee un­ter­ge­rührt. das vertieft die rote farbe nochmal und verleiht dem kohl glanz. für die säure noch einen kräftigen schuss Essig hin­zu­fü­gen. im video wird nochmal mit einer weiteren portion zucker ab­ge­schmeckt, darauf habe ich ver­zich­tet.

    den kohl mit dem essig und dem gelee nochmal aufkochen und kurz einkochen lassen. man kann danach den kohl mit einem deckel abdecken und später wieder aufwärmen — oder ihn gleich servieren.

nährwerte

  • portionsgröße: 350 g
  • kalorien: 300-400 kcal

ein entspannter teddybär sitzt vor einer gartenaube

wenn zu weih­nach­ten alle so ent­spannt sind, dann kann ja ei­gent­lich nichts mehr schief­ge­hen.


mor­gen­spa­zier­gang 22.12.2025

felix schwenzel in bilder

herr­li­cher son­nen­schein heu­te über der cat­cher­wie­se in den reh­ber­gen. man merkt kaum, dass es spä­ter de­zem­ber ist.

catcherwiese am frühen morgen des 22.12.2025, es ist trüb und diesig. eine aufgemalte sonne suggeriert dass es sonnig gewesen sein soll.
[m]

un­se­re hoch­zeit in las ve­gas (vor 17 jah­ren)

felix schwenzel in artikel

vor 17 jah­ren ha­ben wir am 24.12.2008 in las ve­gas ge­hei­ra­tet. aus un­er­find­li­chen grün­den habe ich das hier auf wir­res.net nie rich­tig do­ku­men­tiert. in­sta­gram gabs da­mals noch nicht und twit­ter konn­te da­mals noch kei­ne bil­der. auf twit­pic lie­gen er­staun­li­cher­wei­se noch ein paar bil­der rum (twit­pic.com/wwza und twit­pic.com/vrtf), aber sonst fin­de ich jetzt fast nichts mehr.

was ich da­mals do­ku­men­tiert habe, war un­se­re deut­sche be­hör­den odys­see: hei­ra­ten in las ve­gas (märz 2009)


2008 ha­ben wir uns ent­schlos­sen zu hei­ra­ten — aus steu­er­li­chen grün­den. wir wa­ren da­mals schon drei jah­re zu­sam­men, ka­tia hat­te nichts da­ge­gen zu hei­ra­ten, mir war das eher egal. bis ich ir­gend­wann die steu­er­li­chen rah­men­be­din­gun­gen re­cher­chi­er­te und ka­tia am te­le­fon ei­nen an­trag mach­te: „ich hab das mal nach­ge­rech­net, wir müs­sen lei­der hei­ra­ten.“

da­mals war es schon spät im jahr und wir woll­ten den steu­er­vor­teil für 2008 noch mit­neh­men, also such­ten wir ei­nen weg mög­lichst schnell und un­kom­pli­ziert zu hei­ra­ten. las ve­gas er­schien uns eine gute idee: kei­ne gros­se orga, aus­ser ein ho­tel­zim­mer und ei­nen flug zu bu­chen, kein stress mit der fra­ge wen wir ein­la­den. wir ha­ben ein­fach alle ein­ge­la­den: „wir hei­ra­ten am 24.12 in las ve­gas: kommt ger­ne vor­bei, wir freu­en uns!“

foto des rücksitzbildschirms bei unserem transatlantikfluf am 21.12.2008, wir haben gerade „limerick überflogen“

früh­stück bei den­ny’s

am 21.12.2008 flo­gen wir mit dem kind los und check­ten ins the ve­ne­ti­an ein. un­ser jet­lag zwang uns re­la­tiv früh ins bett und ab 02:00 uhr mor­gens wa­ren wir wie­der wach. las ve­gas schläft ja be­kannt­lich nie, bzw. den ca­si­no-be­trei­bern ist es oh­ne­hin ein gros­ses an­lie­gen, dass nie­mand merkt wie die zeit ver­geht oder wie spät es ist. die aus­sen­tü­ren der ca­si­nos sind meist so tief ge­tönt, dass man in der re­gel von in­nen nicht er­ken­nen kann, ob draus­sen die son­ne scheint oder ob es tie­fe nacht ist. wir sind dann um drei uhr mor­gens ins den­ny’s vor dem ve­ne­ti­an ge­gan­gen (wo­bei den­ny’s im­mer of­fen hat). dort ha­ben wir def­tig ge­früh­stückt und dann den gan­zen tag un­ser tou­ris­ten-pro­gramm ab­ge­spult und uns cha­pels an­ge­se­hen, in de­nen wir hei­ra­ten könn­ten.

foto der little white wedding chapel in las vegas

als ka­pel­le such­ten wir uns die „a litt­le white wed­ding cha­pel“ (wi­ki­pe­dia link) aus, ei­ner­seits weil uns die da­mals schrot­ti­ge web­site ge­fiel und an­de­rer­seits we­gen ro­se­an­ne, die uns ein hoch­zeits­pa­ket-an­ge­bot schnür­te und wäh­rend des be­ra­tungs­ge­sprächs mal kurz („ex­cu­se me for a mo­ment“) an den au­to­schal­ter ging, an dem ge­ra­de ein auto vor­ge­fah­ren war, um dort eine au­to­schal­ter-hoch­zeit zu ab­zu­wi­ckeln, bzw. zu ko­or­di­nie­ren. als sie zu­rück­kam, sag­te sie uns, an das kind ge­rich­tet: „can you do me a fa­vour? never mar­ry in a car!“.

un­ser hoch­zeits­pa­ket um­fass­te eine li­mou­si­nen-an­fahrt aus dem ho­tel, blu­men­ge­ste­cke für die braut und den bräu­ti­gam, ei­nen fo­to­gra­fen der 12 bil­der an­fer­ti­gen wür­de und eine vi­deo­auf­nah­me. den stan­des­be­am­ten, bzw. pas­tor müs­se man se­pa­rat be­zah­len.

nach­dem wir das an­ge­bot an­ge­nom­men hat­ten, in mei­ner er­in­ne­rung war es sen­sa­tio­nell güns­tig, muss­ten wir nur noch un­se­re „mar­ria­ge li­cen­se“ be­sor­gen. da­für geht man ein­fach zum clark coun­ty mar­ria­ge li­cen­se bu­reau, eine be­hör­de die je­den tag von acht uhr mor­gens bis mit­ter­nacht ge­öff­net hat.

über die hoch­zeits-for­ma­li­en und vor al­lem wie man die ame­ri­ka­ni­sche hoch­zeit dann in deutsch­land an­er­ken­nen lässt, habe ich 2009 aus­führ­lich ge­schrie­ben (und jetzt noch­mal ak­tua­li­si­ert): hei­ra­ten in las ve­gas

felix, katia und anton in unserer limosine auf dem parkplatz der „little white wedding chapel“. das foto hat unser freundlicher fahrer gemacht . katia und ich schauen aus dem dachfenster, anton aus dem seitenfenster.

„aber rev stone hat ge­sagt …!“

am 24. hol­te uns dann ein fah­rer am ho­tel ab und fuhr uns zur litt­le white cha­pel.

na­tür­lich wa­ren kei­ne wei­te­ren gäs­te nach las ve­gas ge­kom­men (ob­wohl mei­ne el­tern das kurz in er­wä­gung ge­zo­gen hat­ten), des­halb wa­ren wir mit dem kind, dem fo­to­gra­fen und re­ver­end ro­bert l. stone al­lei­ne in der ka­pel­le. rev stone war ein nied­li­cher al­ter mann mit sehr di­cken bril­len­glä­sern, hin­ter de­nen man sehr freund­li­che gros­se au­gen se­hen könn­te. wir lies­sen ihn vor­ab wis­sen, dass wir athe­is­ten sei­en, aber die ze­re­mo­nie die er ver­an­stal­te­te war trotz des kitsch der uns um­gab sehr ro­man­tisch und rühr­se­lig. am ende hat­ten wir alle ein biss­chen feuch­te au­gen. er frag­te uns auch, ob er „trotz­dem“ für uns be­ten könn­te, was uns auch be­weg­te, athe­is­mus hin oder her.

rev stone spielt nach wie vor eine gros­se rol­le in un­se­rem le­ben, es ver­geht kaum ein mo­nat in dem nicht ei­ner von uns bei­den sagt: „aber rev stone hat ge­sagt …!“ lei­der ist rev. stone 2021 ge­stor­ben, auf sei­ner ob­itua­ry-sei­te kann man das eine oder an­de­re aus sei­nem le­ben er­fah­ren.

nach der hoch­zeit sind wir noch über den grand can­yon, palm springs und san die­go nach los an­ge­les ge­fah­ren. wäh­rend es in las ve­gas an­ge­nehm warm war, war es am grand can­yon bit­ter­kalt. um so schö­ner war es in palm springs, wo es ende de­zem­ber früh­lings­haft warm war. die hoch­zeits­rei­se war, wie die hoch­zeit, eine wil­de mi­schung ex­tre­mer kon­tras­te, kalt, warm, heiss, kit­schig, herz­lich, bunt, pom­pös und un­bü­ro­kra­tisch. das mit den kon­tras­ten, mit den ex­tre­men, das kön­nen die ame­ri­ka­ner. und in las ve­gas kön­nen sie hoch­zei­ten. wir be­reu­en es nicht und kön­nen hei­ra­ten in las ve­gas von gan­zem her­zen emp­feh­len.


fern­seh­turm

felix schwenzel in bilder

nächtlicher blick vom eingang des fernsehturms nach oben

weih­nachts­fei­er im fern­seh­turm. sen­sa­tio­nel­le aus­sicht, es­sen war gut, be­die­nung freund­lich und zu­vor­kom­mend, ge­trän­ke reich­lich und das ge­fil­ter­te lei­tungs­was­ser mit und ohne koh­len­säu­re war köst­lich und ganz nach mei­nem ge­schmack.

blick aus dem fernsehtum-restaurant aufs dom aquareé

foto eines baums im volkspark rehberge, der ein bisschen wie ein alien ausieht

Ali·en
/ˈeɪ­li̯ən/
Sub­stan­tiv, mas­ku­lin oder Sub­stan­tiv, Neu­trum [der]


wenn man sich bäu­me ge­nau an­guckt, kommt man ei­gent­lich aus dem stau­nen nicht mehr her­aus. sie zie­hen koh­len­stoff aus der luft um dar­aus mit hil­fe des son­nen­lichts zel­lu­lo­se zu ma­chen. bäu­me be­stehen aus fest­ge­wor­de­ner luft.

bäu­me sind ei­gent­lich eine le­ben­de haut über ei­nem to­ten ske­lett aus ver­holz­ter luft. das in­ne­re eine baums be­steht aus to­ten zel­len und dient le­dig­lich der sta­bi­li­tät. die bor­ke be­steht auch aus ab­ge­stor­be­nen zel­len. das le­ben ei­nes baums fin­det sich zwi­schen holz und rin­de, in ei­ner hauch­dün­nen schicht, dem kam­bi­um. ein ur­alter baum ist ei­gent­lich ein jun­ger or­ga­nis­mus, der auf sei­nen to­ten vor­fah­ren wächst.

bäu­me ha­ben kein herz, kei­ne pum­pen und schaf­fen es doch was­ser in bis zu 115 me­ter höhe zu trans­por­tie­ren.

in den ka­pil­la­ren von bäu­men herr­schen bis zu -15 bar un­ter­druck (au­to­rei­fen pum­pen wir in der re­gel auf +2,5 bar auf).

bäu­me le­ben in sym­bio­se mit pil­zen und tau­schen mit ih­nen nähr­stof­fe.

bäu­me pum­pen zu­cker­lö­sung in den bo­den (un­ter an­de­rem) um ihre nach­kom­men im schat­ten zu ver­sor­gen und sie kom­mu­ni­zie­ren mit an­de­ren bäu­men über bio­che­mi­sche si­gna­le.

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„denkt doch mal an die kin­der“

felix schwenzel in artikel

als ich ein kind war, stu­dier­te mei­ne mut­ter son­der­päd­a­gi­gik. zwei din­ge sind mir aus die­ser zeit in er­in­ne­rung. zum ei­nen hat­te sie sich für eine prü­fung ei­nen drei me­ter lan­gen „pfusch­zet­tel“ ge­a­baut, auf dem der text ih­rer schrift­li­chen prü­fung zum ab­schrei­ben stand. der „zet­tel“ war win­zig und auf zwei rol­len ge­rollt. der text war schreib­ma­schi­nen­ge­schrie­ben und mehr­fach klein­ko­piert. ich habe die­se idee na­tür­lich auch in mei­ner schul­lauf­bahn ger­ne an­ge­wandt und mir für mei­ne ab­itur­kau­su­ren auch ela­bo­rier­te „pfusch­zet­tel“ er­stellt. al­ler­dings zeig­te sich, dass ich die gar nicht nut­zen muss­te, denn al­lein die er­stel­lung der zet­tel ver­an­ker­te das lern­gut so gut in mei­nem kurz­zeit­ge­däch­nis, dass ich die zet­tel wäh­rend der prü­fun­gen gar nicht brauch­te. es zeigt sich auch heu­te nütz­lich wis­sen oder lern­stoff zu struk­tu­rie­ren, zu kom­pri­mie­ren und ir­gend­wo auf­zu­schrei­ben, so dass man im not­fall drauf zu­grei­fen kann (aber nicht muss).

man­che nen­nen die­sen vor­gang auch blog­gen.

das an­de­re was mir in er­in­ne­rung blieb, war eine sta­tis­tik, die sie für ihre ab­schluss­ar­beit re­cher­chi­ert hat­te. näm­lich dass sich in deutsch­land si­gni­fi­kant mehr leu­te für tier­schutz ein­set­zen, als für kin­der­schutz. zu­min­dest ge­mes­sen an den mit­glie­der­zah­len der zwei wich­tigs­ten ver­ei­ne; dem deut­schen kin­der­schutz­bund und dem deut­schen tier­schutz­bund. laut ei­gen­an­ga­ben des kin­der­schutz­bun­des und des wi­ki­pe­dia­ein­trags des tier­schutz­bun­des, gibt es ca. 50.000 un­er­stüt­zer des kin­der­schutz­bun­des und ca. 800.000 un­ter­stüt­zer des deut­schen tier­schutz­bun­des.

ich habe da im­mer wie­der drü­ber nach­ge­dacht, was das für grün­de ha­ben kann, und ei­ner da­von ist si­cher­lich, dass der ein­satz für tie­re sich we­ni­ger po­li­tisch an­fühlt, zu­min­dest, wenn die po­li­ti­sche­ren ver­ei­ne wie peta aus­klam­mert. ein an­de­rer grund könn­te sein, dass „die po­li­tik“ zwar im­mer wie­der ger­ne vor­gibt, et­was für kin­der zu tun und da ak­ti­vis­tisch tä­tig ist, sich aber ge­fühlt eher sel­ten für das tier­wohl ein­setzt. mög­li­che­ri­wei­se lässt das ei­ni­ge men­schen glau­ben, dass man des­halb mehr für tie­re tun müss­te.

tat­sa­che ist je­den­falls, dass vie­le po­li­ti­ker sehr gut wis­sen, dass man po­li­ti­sche vor­ha­ben viel leich­ter durch­set­zen kann, wenn man sie mit (ver­meint­li­chen) kin­des­wohl ver­knüpft.

  • denkt doch mal an die kin­der! wir brau­chen zu­gangs­sper­ren im in­ter­net um kin­der zu schüt­zen! (zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­setzt, „zen­sur­su­la“)
  • wir müs­sen kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten al­ler men­schen um­fas­send spei­chern um kin­des­miss­brauch (und ter­ror) bes­ser auf­kä­ren zu kön­nen. (vor­rats­da­ten­spei­che­rung)
  • wir müs­sen zum schutz der kin­der ver­schlüs­sel­te kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bie­ten (chat­kon­trol­le, CSAM dis­kus­si­on)
  • wir müs­sen „kil­ler­spie­le“ zum schutz der kin­der ver­bie­ten

Kla­re Mehr­heit für So­cial-Me­dia-Ver­bot für un­ter 16-Jäh­ri­ge

(„bild“)

und jetzt ganz neu, nicht nur in aus­tra­li­en, son­dern auch hier ger­ne dis­ku­tert, kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men ver­ban­nen, zu ih­rem ei­ge­nen schutz. eine um­fra­ge der bild sug­ge­riert zu­min­dest, dass nicht we­ni­ge men­schen für solch eine idee zu be­geis­tern sind (tho­mas hat ein fak­si­mi­le der „bild“-um­fra­ge, die ich nicht nur mit ei­nem „grain of salt“ ge­nies­sen wür­de, son­dern eher mit ein zwei tee­löf­feln salz).

ganz sel­ten hört man aus re­gie­rungs­krei­sen auf­ru­fe wie:

  • wir müs­sen an un­se­re kin­der den­ken und mög­lichst schnell und kon­se­quent ver­bren­ner-mo­to­ren durch elek­tro­an­trie­be er­set­zen.
  • wir brau­chen stren­ge­re und nied­ri­ge­re tem­po­li­mits um kin­der- und men­schen­le­ben zu schüt­zen
  • wir sind es un­se­ren kin­dern und de­ren zu­kunft schul­dig al­les men­schen­mög­li­che für den kli­ma­schutz zu tun und auch vor mass­neh­men wie der re­duk­ti­on un­se­res land­ver­brauchs und der tier­hal­tung nicht zu­rück­schre­cken.

kin­des­wohl in po­li­ti­ker­re­den wird ger­ne als ar­gu­ment ge­nutzt, wenn es kei­nem er­wach­se­nen oder lob­by­is­ten weh­tut. das ist das prak­ti­sche an die­ser ar­gu­men­ta­ti­ons­wei­se. die kin­der muss man nicht fra­gen, kin­der ha­ben kei­ne oder nur schwa­che lob­bys und die wün­sche von kin­dern kann man ein­fach über­ge­hen, weil man ja ein­fach un­wi­der­spro­chen vor­ge­ben kann, es bes­ser zu wis­sen.

was ei­ni­gen er­wach­se­nen weh­tun wür­de und den ei­nen oder an­de­ren lob­by-ver­band zu hef­ti­gem wi­der­stand brin­gen wür­de, wä­ren mass­nah­men wie die, die tho­mas gi­gold in die­sem ar­ti­kel vor­schlug:

Wie wäre es, wenn wir statt Kin­der vor­zu­schie­ben uns mal als Ge­sell­schaft fra­gen: Wol­len wir all die Ge­walt, Ma­ni­pu­la­ti­on und Hass-Rede wirk­lich? Braucht es die wirk­lich im de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs? Oder wäre es nicht viel­leicht bes­ser, an den gro­ßen Tech-Platt­for­men die glei­chen Maß­stä­be an­zu­le­gen, wie an TV, Ra­dio, DVD und Com­pu­ter-Spie­le – und die "harm­lo­se" Ver­si­on zum Stan­dard zu ma­chen?

oder an­ders ge­fragt, wie wäre es die vor­han­de­nen ge­setz­te ge­gen ge­walt­dar­stel­lung, miss­brauch und het­ze mal durch­zu­set­zen?

weil show- oder schau­fens­ter­po­li­tik so viel leich­ter ist, hat man of­fen­sicht­lich in aus­tra­li­en auf die re­gu­lie­rung von wer­bung für wet­ten ver­zich­tet und lie­ber kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men („so­cial me­dia“) im in­ter­net ver­bannt:

Turns out the cam­paign pushing har­dest for the ban was run by an ad agen­cy that makes gambling ads. The same gambling ads that were fa­cing their own po­ten­ti­al ban—un­til the Aus­tra­li­an go­vern­ment de­ci­ded that, hey, with all the kids ki­cked off so­cial me­dia, gambling ads can stay.

po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen die ihre po­li­tik mit mass­nah­men zum kin­der­schutz be­grün­den soll­te man in den meis­ten fäl­len wie drü­cker­ko­lon­nen an haus­tü­ren und fuss­gän­ger­zo­nen be­han­deln. igno­rie­ren, nach hau­se ge­hen und sich ge­dan­ken über fleisch­lo­se­re er­näh­rung ma­chen und wie man sich po­li­tisch en­ga­gie­ren könn­te.

po­li­ti­ker die drü­cker­ko­lon­nen-tak­ti­ken nut­zen, sich erst beim wahl­volk ein­zu­schlei­men ver­su­chen, dann emo­tio­nen auf­rüh­ren und zum spen­den oder wäh­len brin­gen wol­len, soll­te man mit häme und bes­se­ren ar­gu­men­ten über­gies­sen.

bootleggers and baptists

po­li­ti­kern und lob­by­is­ten ist es ge­le­gent­lich egal wie sie un­ter­stüt­zung für ihre vor­ha­ben er­rei­chen. ein klas­si­ches kon­zept scheint ein bünd­nis aus mo­ra­lisch mo­ti­vier­ten ak­teu­ren und wirt­schaft­li­chen pro­fi­teu­ren zu sein, das mike mas­nick hier be­schreibt:

The­re’s a fa­mous con­cept around re­gu­la­ti­ons known as “boot­leg­gers and Bap­tists,” as a short­hand way of de­not­ing some of the more cy­ni­cal “stran­ge bed­fel­lows” that team up to get cer­tain re­gu­la­ti­ons in place. The ca­no­ni­cal ex­am­p­le, of cour­se, be­ing the tem­pe­rance mo­ve­ment that sought to ban al­co­hol. Boot­leg­gers (il­le­gal, un­der­ground al­co­hol pro­du­cers) loved the idea of pro­hi­bi­ti­on, be­cau­se it would great­ly in­crease de­mand for their pro­duct, for which they could cash in.

But, no one wants to pu­blicly ad­vo­ca­te for pro­hi­bi­ti­on on be­half of the boot­leg­gers. So, you find a group to be the pu­blic face to pre­sent the coo­ked up mo­ral pa­nic, mo­ra­li­zing ar­gu­ment for the ban: the Bap­tists. They run around and talk about how da­ma­ging al­co­hol is and how it must be ban­ned for the good of so­cie­ty. It’s just be­hind the sce­nes that the boot­leg­gers loo­king to pro­fit are hel­ping move along the le­gis­la­ti­on that will do exact­ly that.

gute po­li­tik ist müh­sam. nicht nur für po­li­ti­ker, auch für die wäh­len­den. die ei­nen soll­ten wege su­chen die welt, das in­ter­net für alle bes­ser zu ma­chen, die an­de­ren auch. der witz ist: wir kön­nen die po­li­tik nicht nur den po­li­ti­kern über­las­sen. wir müs­sen ih­nen auf die fin­ger schau­en und ihre ta­schen­spie­ler­tricks er­ken­nen und de­mas­kie­ren. wir soll­ten die ta­schen­spie­ler­tricks aber nicht nur de­mas­kie­ren, son­dern ih­nen bes­se­re al­ter­na­ti­ven ent­ge­gen­stel­len (das hat schon ein­mal funk­tio­niert, da­mals zu zen­sur­su­la-zei­ten: lö­schen statt sper­ren).

das pro­blem ist viel­leicht auch, dass wir alle ver­lernt ha­ben un­se­re ei­ge­nen pfusch­zet­tel zu er­stel­len (uns mit den pro­ble­men der welt aus­ein­an­der­set­zen) und statt­des­sen mehr und mehr vor­for­mu­lier­te, re­a­dy-made pfusch­zet­tel nut­zen und uns so durch feh­len­de, ech­te aus­ein­an­der­set­zung leicht in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen. und das scheint mir für alle zu gel­ten, nicht nur po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen.


nach­trag: die taz 2014 über „Denkt doch an die Kin­der!“:

[Die] Ber­li­ner Rechts­me­di­zi­ne­rin Saskia Et­zold, die tag­täg­lich miss­han­del­te Kin­der un­ter­sucht: „Ich habe das Ge­fühl, in ei­nem Land zu le­ben, in dem El­tern­rech­te wich­ti­ger sind als Kin­der­rech­te“, sagt Et­zold. Kin­des­miss­hand­lun­gen wür­den kol­lek­tiv ver­leug­net, der Staat ver­sa­ge als obers­ter Wäch­ter des Kin­des­wohls. 200.000 Kin­der wür­den nach kon­ser­va­ti­ven Schät­zun­gen jähr­lich in Deutsch­land miss­han­delt, mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit mehr.

nach­trag 18.12.2025:

da­nah boyd (2024) via mi­cha­el tsai:

Sin­ce the “so­cial me­dia is bad for teens” myth will not die, I keep ha­ving in­ten­se con­ver­sa­ti­ons with col­le­agues, jour­na­lists, and fri­ends over what the re­se­arch says and what it doesn’t. (Ali­ce Mar­wick et. al put tog­e­ther a gre­at litt­le pri­mer in light of the le­gis­la­ti­ve mo­ves.)

[…]

Can so­cial me­dia be ris­ky for youth? Of cour­se. So can school. So can fri­end­ship. So can the kit­chen. So can na­vi­ga­ting par­ents. Can so­cial me­dia be de­si­gned bet­ter? Ab­so­lut­e­ly. So can school. So can the kit­chen. (So can par­ents?) Do we al­ways know the best de­sign in­ter­ven­ti­ons? No. Might tho­se de­sign in­ter­ven­ti­ons back­fi­re? Yes.

Does that mean that we should give up try­ing to im­pro­ve so­cial me­dia or other di­gi­tal en­vi­ron­ments? Ab­so­lut­e­ly not. But we must also re­co­gni­ze that try­ing to ce­ment de­sign into law might back­fi­re. And that, more ge­ne­ral­ly, tech­no­lo­gies’ risks can­not be ma­na­ged by de­sign alo­ne.

[…]

Do some peo­p­le ex­pe­ri­ence harms th­rough so­cial me­dia? Ab­so­lut­e­ly. But it’s im­portant to ack­now­ledge that most of the­se harms in­vol­ve peo­p­le using so­cial me­dia to harm others. It’s re­asonable that they should be held ac­coun­ta­ble. It’s not re­asonable to pre­su­me that you can de­sign a sys­tem that al­lows peo­p­le to in­ter­act in a man­ner whe­re harms will never hap­pen. As every school prin­ci­pal knows, you can’t sol­ve bul­ly­ing th­rough the de­sign of the phy­si­cal buil­ding.


un­er­müd­lich

felix schwenzel in notiert

eben bin ich über die „an die­sem tag“ funk­ti­on in der bei­la­ge zu die­sem ar­ti­kel auf mein er­stau­nen von vor sie­ben jah­ren über pe­ter gross­mann ge­stos­sen. der mo­de­rier­te da­mals be­reits seit 22 jah­ren im ard-mor­gen­ma­ga­zin den sport.

ich mein, wo gibt’s so­was heut­zu­ta­ge noch, dass je­mand 22 jah­re lang gut­ge­launt ei­ner ex­trem lang­wei­li­gen tä­tig­keit nach­geht?

weil pe­ter gross­mann im­mer noch im ard-mor­gen­ma­ga­zin den sport mo­de­riert, sind das mitt­ler­wei­le 28 oder 29 jah­re. das ist schon eine be­ein­dru­cken­de be­stän­dig­keit.

um mich selbst ein biss­chen zu be­ein­dru­cken, hab ich ge­ra­de mal mei­nen hoch­zeits­ring ab­ge­staubt und mit dem te­le­fon fo­to­gra­fiert, da­mit ich mich er­in­ne­re, dass ich am hei­lig­abend 17 jah­re mit der bei­fah­re­rin ver­hei­ra­tet bin.

makroaufnahme von der innenseits meines hochzeitsrings. dort steht 24.12.2008