alt wer­den, al­te pfusch­zet­tel, al­te fo­tos

felix schwenzel in artikel

zu weih­nach­ten bin ich bei mei­nen el­tern. mei­ne mut­ter er­zählt, mein va­ter macht das was er im­mer macht und ich stau­ne, wie die klei­nen kon­flik­te, die bei mei­nen el­tern frü­her ge­le­gent­lich es­ka­lier­ten jetzt ein­fach ab­eb­ben. viel­leicht ist das ein wei­te­rer po­si­ti­ver aspekt am al­tern, dass sich das kurz­zeit­ge­däch­nis ver­kürzt und man ein­fach ver­gisst, über was man sich ger­dae auf­ge­regt hat. apro­pos äl­ter wer­den, mei­ne mut­ter er­zähl­te uns aus­la­dend dar­über, dass sie das buch von elke hei­den­reich über das al­tern nicht gut fand, aber sehr be­geis­tert von na­ta­scha wo­dins „Die spä­ten Tage“ ist. in „Die spä­ten Tage“ schreibt sie über das alt­wer­den und eine spä­te gros­se lie­be. ich muss keins der bü­cher le­sen, weil mir mei­ne mut­ter be­reits al­les er­zählt hat.

mei­ne mut­ter er­zählt von ih­rer freun­din vera, die 15 jah­re jüng­ger als sie ist. mitt­ler­wei­le sind bei­de alt, mei­ne mut­ter und vera. im al­ter ver­wi­schen al­ters­un­ter­schie­de. und es ist na­tür­lich auch pfif­fig jün­ge­re freun­de zu ha­ben, das macht sich im al­ter be­zahlt, wenn die gleich­alt­ri­gen oder äl­te­ren freun­de ver­här­ten oder ver­ster­ben.

wit­zi­ger­wei­se er­zähl­te mir mei­ne mut­ter ir­gend­wann auch von ih­ren ela­bo­rier­ten pfusch­zet­teln, an die ich vor ein paar ta­gen auch den­ken muss­te. sie habe die ge­ra­de beim auf­räu­men wie­der­ge­fun­den und ob ich die viel­leicht ha­ben wol­le. ich hab sie erst­mal fo­to­gra­fiert und dann ein­ge­steckt.

wäh­rend mei­ne mut­ter mir ihre ge­ra­de auf­ge­räum­ten schmuck­scha­tul­len zeigt, fällt mein blick auf die­ses alte bild mei­ner mut­ter und mei­ner schwes­ter aus den frü­hen acht­zi­ger­jah­ren.

foto eines fotos aus den achtziger jahren von meiner mutter mit meiner schwester elena auf dem schoss

mei­ne mut­ter zeigt mir den ers­ten band der bob-dy­lan-au­to­bio­gra­fie (Chro­nic­les, Band 1). das habe sie sich ge­kauft, weil es von kath­rin pas­sig (und ger­hard hen­schel) über­setzt wur­de und sie kath­rin pas­sig mal auf der re­pu­bli­ca ken­nen­ge­lernt oder ich sie ihr vor­ge­stellt habe. ich mer­ke wie we­nig ich weiss und freue mich, dass mei­ne mut­ter ih­ren geist mit über acht­zig bes­ser auf trab hält als ich.

ko­mi­scher­wei­se wer­de ich bei mei­nen el­tern nicht nost­al­gisch. die gan­zen al­ten sa­chen we­cken zwar vie­le alte er­in­ne­run­gen, aber ir­gend­wie fal­len mir vor al­lem die neu­en sa­chen auf. dass kon­flik­te zwi­schen mei­nen el­tern jetzt eher ab­b­eb­ben, als zu es­ka­lie­ren. wie schön und fo­to­gen die ge­gend hier in und um heins­berg ist und wie we­nig ich das da­mals of­fen­bar zu schät­zen ge­wusst habe.

panorama-foto von einem kahlen feld, man sieht im hintergrund kahle bäume und sehr weiten, organge-blauer himmel

am him­mel konn­te ich hier heu­te früh min­des­tens zwan­zig flug­zeu­ge se­hen. der him­mel war rie­sig und klar und alle flug­zeu­ge zo­gen kon­desn­strei­fen hin­n­ter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirk­lich, aber so war es.

foto eines geteerten feldwegs, links ein grosser stall, einige kahle bäume am horizont, der morgenhimmel leuchtet orange-blau

mir fal­len aber auch ein paar alte din­ge auf, oder ge­nau­er, wie schnell din­ge die kürz­lich noch neu wa­ren plötz­lich ganz alt wir­ken. hier im haus sind noch über­all die­se kom­pak­ten neon-lam­pen ver­baut, die ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den brau­chen, be­vor sie licht ab­ge­ben. die wa­ren vor kur­zem noch der letz­te heis­se scheiss. mein va­ter meint, die ha­lo­gen-läp­chen in sei­nem ba­de­zim­mer hiel­ten im durch­schnitt ge­ra­de mal 2 jah­re. die­se din­ger wa­ren we­gen der nie­der­volt-tech­nik auch mal ein heis­ser neu­er scheiss, mitt­ler­wei­el sieht das wohl kei­ner mehr so. und weil mein va­ter (zu recht) lie­ber kei­ne lei­ter mehr be­stei­gen will, habe ich jetzt wohl alle paar jah­re die auf­ga­be die lämp­chen aus­zu­tau­schen.

fri­da und ich sind heu­te zum ers­ten mal über den kar­ke­ner fried­hof ge­lau­fen. bis­her ha­ben wir das nicht ge­macht, weil ich mich in der re­gel an hun­de-ver­bo­te auf fried­hö­fen hal­te. frü­her bin ich aus des­in­ter­es­se nie über den kar­ke­ner fried­hof ge­al­ufen. heu­te, auf dem rück­weg vom mor­gen­spa­zier­gang, woll­te ich aber ei­nen bo­gen um das mensch-hund-team vor uns ma­chen, in dem der sehr gross ge­wach­se­ne hund ganz of­fen­sicht­lich die ho­sen an hat­te und die marsch­rich­tung be­stimm­te. also sind wir am fried­hof ab­ge­bo­gen.

gemauerter torbogen eingang zum karkener friedhof vom tichelkamp aus