ich habe 90 minuten vor dem ende der deadline meinen vortragsvorschlag für die republica dieses jahr eingereicht. eigentlich wollte ich meine einreichung zuerst um die idee wickeln die eine fernsehserie (pluribus) in mir geweckt hat: was, wenn es gar nicht so toll ist, wenn in der welt frieden herrscht, alle zufrieden sind und sich gegenseitig lieben? diese höchst kontraintuitiven gedanken würde ich gerne auswalzen und trotzdem die frage beantworten, wie man angesichts der weltlage optimismus und motivation auf einem erträglichen niveau hält.
am ende isses dann etwas generischer geworden und angesichts der vielen vorbereitungsarbeit die so ein vortrag und die vorab aufgestellten steilen thesen bedeuten, wünsche ich mir beinahe, dass mein vorschlag dieses jahr abgelehnt wird.
das habe ich eben eingereicht:
Die Welt ist scheisse — und das ist auch gut so
Sobald wir akzeptieren, dass die Welt voller Ungerechtigkeit, Schmerz und Absurdität ist, können wir uns dem Schönen zuwenden. Das Schlechte ist nicht wünschenswert, aber notwendig. Es ist der Rohstoff, aus dem Sinn, Kunst, Fortschritt und Optimismus überhaupt erst entstehen.
Die Welt in der wir leben hat nichts mütterliches, auch wenn der Volksmund das seit Jahrtausenden behauptet. Die Welt macht ihr Ding, nimmt ihren Lauf und beachtet uns Menschen nicht weiter. Wir Menschen machen es uns Menschen auch nicht gerade leicht, im Gegenteil. Aber genau die Feinseligkeit und Absurdität der Welt ist die Quelle aus der wir Optimismus, Kraft für Veränderung und Glück schöpfen können. Optimismus muss keine Schönfärberei sein und ist nicht der Glaube, dass alles gut wird. Optimismus ist die Entscheidung, in einer beschissenen Welt trotzdem Bedeutung zu erzeugen.
In diesem Sinne möchte ich 30 Minuten Optimismus verbreiten.
wurden wir dann für kurze zeit, so vor neun jahren stellte vine dann seinen dienst ein, ein paar monate nach der gründung wurde vine von twitter gekauft.
ich weiss nicht genau wieso ich gestern an vine gedacht habe, aber meine erinnerungen sind positiv. ich habe mal ein einigermassen witziges video dort gepostet und ich erinnere mich, dass die sechs sekunden beschräkung ein toller motor für kreativiät war und viele posteten damals extrem luustige sachen. ich dachte wahrscheinlich, schade dass das alles weg ist.
und dann dachte ich, mal schauen, ob vielleicht doch noch was da ist. teile von vine schienen noch zu funktionieren, aber an die video-dateien schien ich nicht dranzukommen. dann fand ich diese seite des archiveteams: wiki.archiveteam.org/index.php?title=Vine
dort stand beschrieben …
Sometime ca Jan 3 2025 the site showing the videos finally broke, though it is accessible via a DNS hack.[3]
der dns hack ist folgendes in die /etc/hosts datei einzutragen:
damit funktionieren die embeds sogar teilweise wieder. mit dem rest der anleitung konnte ich dann die metadaten und video-dateien meiner wenigen embeds „retten“ und diese beiträge auf wirres.net mit vine-embeds wieder „rekonstruieren“:
vor 11 jahren haben dasnuf und ich uns gegenseitig bei der arbeit gefilmt. damals und auch im nachhinein ist das schon ein bisschen witzig, vor allem wenn man bedenkt, dass wir immer noch arbeitkolleginnen sind.
nachtrag: im wikipedia-artikel über vine steht, dass sowohl kack dorsey als auch elon musk von plänen gesprochen haben, vine wieder zu reaktivieren oder zugänglich zu machen. da bin ich mal gespannt ob und wie da was draus wird.
heute fühle ich mich leicht grössenwahnsinnig und habe mir gedacht, man könnte kleist doch mal updaten (verschwenzeln).
wenn du über etwas nachdenken willst und dir auch durch intensives nachdenken oder darüber meditieren nichts sinnvolles einfällt, dann rate ich dir einfach drüber zu schreiben. das muss auch an niemand bestimmtes gerichtet sein oder besonders scharfsinnig sein, schreib einfach drüber, was dir durch den kopf geht.
auch wenn immer noch viele menschen denken, man solle nur von dingen reden von denen man etwas versteht, hier geht es um etwas anderes als wissenvermittlung oder *splainen. es geht darum beim schreiben um einen gedanken herum zu tanzen. so wie der appetit beim essen kommt, kommen einem immer auch ideen beim schreiben.
ich sitze oft am rechner oder liege im bett und lese was andere schreiben. manchmal möchte ich dem gelesenen widersprechen, manchmal möchte ich es weiterdenken oder es anders betrachten. mir schiessen dann flüchtige ideen im kopf herum, ich weiss das könnte man weiter- oder ganz anders denken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu denken und sagen will. weil ich aber doch eine dunkle vorstellung von dem habe was ich vielleicht sagen will, fange ich einfach an zu schreiben und sätze zu konstruieren. sätze die ich angefangen habe, wollen dann auch zuende geführt werden. ich taste mich von wort zu wort, wie ein large language model versuche ich den satz so weiterzuführen, wie er richtig klingt. ich verhaspel mich oft bei diesem quasi auto-vervollständigen meiner sätze, aber das lässt sich dann meist beim späteren korrekturlesen ausbeulen.
gelegentlich hilft es mich zu fragen wer das denn lesen soll, ob die es auch nur im ansatz verstehen würden oder ob ich noch ein, zwei erklärende sätze nachschieben muss oder ein etwas zu luftiges gedankenkonstrukt auf eine solidere basis stellen muss. der gedanke den text später zu veröffentlichen wirkt ein bisschen wie ein stiller, treibender motor. obwohl ich alleine vor dem rechner sitze und tippe, bin ich bereits im dialog mit imaginierten lesern. ich weiss, dass der gedanke einen text zu veröffentlichen auch wie eine bremse wirken kann, aber ich glaube diese bremse nutzt sich durch ständiges, immer neues schreiben ab und kann sich dann zu einem schwungrad wandeln das helfen kann immer wieder neue gedanken loszurütteln.
früher nutzte ich oft noch ein zweites schwungrad: empörung. damit die empörung nicht ausufert, entwickelt der gedanke der späteren veröffentlichung eine willkommene bremswirkung. wie mit einem ventil kann man so das entweichen des empörungsüberdrucks gezielt steuern und ich finde in diesem zustand aus schwung und bremswirkung plötzlich worte und gedanken, auf die ich sonst wohl nie gekommen wäre.
diese mischung aus innerem dialog, abwägen der schärfe und den imaginierten lesenden führt im besten fall zu brillianten gedanken und im schlechtesten fall zu etwas aus dem man lernen kann und routine beim gedanken-lockern gewinnen kann. das verfassen schlechter texte, die vielleicht eine oder mehrere gute ideen enthalten, aber es irgendwie nicht zuende gedacht in sätze geschafft haben oder einfach unverständlich (wirr) sind, hilft vielleicht nicht beim gewinn von ansehen, aber bei gewinn von routine im balancieren und generieren von worten und gedanken. man muss sich immer vor augen halten: der meister kann’s nur deshalb besser, weil er mehr übung hatte.
ich glaube dieser schreibende tanz um einen gedanken herum, der ideen aus dem hirn schütteln kann, funktioniert auch ohne die kombinierte schwungradbremse der späteren öffentlichmachung, wenn man nur für sich allein schreibt. so wie man roulette auch alleine, gegen sich selbst, ohne echten einsatz spielen kann, kann man auch ohne den drohenden klick auf den publish-button schreiben. aber der spannungszustand, die erregung, in den man sich versetzen kann, wenn man etwas zu verlieren hat, ist vielleicht genau die energie die nötig ist, um vorhandene, festsitzende gedanken zu lösen und in sätze zu giessen. so wie elektronen ihre bahn nur unter spannung oder energiezufuhr (oder energieentzug) wechseln können, treten gedanken manchmal erst dann aus dem unterbewussten hervor, wenn man sich in einen gewissen spannungszustand versetzt hat.
weil ich mit einem rat angefangen habe, ende ich auch mit einem rat. das veröffentlichen von texten ist ein werkzeug um eine gewisse spannung zu erzeugen, die beim ernten von gedanken und ideen hilfreich ist. der innere, imaginierte dialog mit lesenden ist ein werkzeug, das auch beim schreibenden denken hilft. das gefühl etwas zu verlieren, weil die rezeption, die reaktionen auf den veröffentlichten text vielleicht negativ ausfallen oder kaum jemand den text zu lesen scheint, ist eine täuschung. mit dem schreiben eines textes tust du in erster linie etwas für dich, hast du etwas gelernt und gewonnen. und mit jedem neuen veröffentlichten text lernst du mehr.
die reaktionen auf deinen text sagen weniger über dich oder deine gedanken, sondern alles über die rezipienten. schreibe und du lernst zu denken, veröffentliche und du lernst sehr viel über menschen.
klimmzugstange gekauft, wurde heute geliefert, gleich montiert (in den türrahmen geklemmt). die beifahrerin meinte: „lass uns einen wettbewerb machen!“ weil wir beide keine klimmzüge können, hab ich gesagt: „ok, lass uns schauen wer länger hängen kann.“
die beifahrerin liess nach 6 sekunden los. ich hab ne minute geschafft. das ist anstrengender als man denkt, einfach so abzuhängen. es zieht in der hand und die schultermuskulatur hat zu tun. soll aber gut für den rücken sein, hab ich danach gelesen. hängen zu können sei auch ein wichtiger schritt zum klimmzug. danach hab ich ein paar negative klimmzüge gemacht, mich also langsam von oben wieder in die hängende position herabgelassen. das ist noch anstrengender.
ich glaube es ist noch ein weiter weg zum ersten richtigen klimmzug. langsame liegestützen sind noch anstrengender. der vorteil ist: man kommt zum atmen. zum spass versuche ich die im januar täglich eben langsam und auf den fäusten zu machen. das ziel sind 100 stück in drei sitzungen über den tag verteilt. ich bin zwei tage lang nur zu einer sitzung (eher liegung) gekommen, immerhin hab ich mich von 10 auf 12 gesteigert.
gemeni meint 60 sekunden hängen zu können sei leicht überdurchschnittlich. daraus folgere ich, dass das abnehmen nicht zu allzu viel muskelverlust geführt hat. trotzdem, wer klimm ziehen will muss auch muskeln ziehen.
unser flur, jetzt mit klimmzugstange
stranger things habe ich nach der ersten staffel aufgehört. waren mir etwas zu viele einfach gestrickte verschwörungstheorien drin. ich wills jetzt nochmal versuchen. bin bis jetzt underwhelmed und schreibe jetzt gerade lieber ins internet, als weiter zu gucken.
gestern running man in der version von 2025 angeschaut. war mir auch zu einfach gestrickt und mit zu viel pathos gespickt. habs trotzdem bis zum bescheuerten ende geschaut. die sozial- und medienkritik fand ich in einem solchen eindeutig auf blockbuster getrimmten film billig, zynisch und unglaubwürdig. lee pace hab ich in der ersten szene an der stimme erkannt.
vorgestern mit the north water angefangen. eine mini-serie mit colin farell in einer der hauptrollen. bisher das einzig überraschende: wie wandlungsfähig und gleichzeitig glaubwürdig colin farell ist. die geschichte ist nicht unspannend, gut erzählt, schön dreckig gefilmt aber fesselt mich nicht im geringsten. mal schauen ob ichs bis zum ende schaffe.
letztes jahr (ab april/mai) habe ich ca. 590 beiträge veröffentlicht. dieses bild auf der rückseite illustriert die frequenz meiner veröffentlichungen und ich möchte das hiermit dokumentieren, weil sich die grafik ja ständig verändert.
gestern haben mich die gif-wackelbilder von vor 13 jahren daran erinnert, dass meine neue kamera auch 3d-bilder aufmehmen kann. auf dem telefon machen sie sich gut als home-screenbilder, aber für hier auf wirres.net kann ich den derzeitigen technischen möglichkeiten nichts abgewinnen. mit spatialify kann man zwar weiterhin aus 3d-bildern wackelbilder machen, aber das ist schon sehr unbeeindruckend.
auf den ersten blick beeindruckender: immersify, auch als app. aber das ergebnis ist voller artfakte und verzerrungen. ich glaube 3d ist immer noch überbewertet.
dafür habe ich noch ein paar menschen gefunden, die — auf eine art — die tradition von iwdrm.tumblr.com fortführen:
ich hab noch ozempic im kühlschrank liegen, 3 oder 4 portionen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir keine spritze mehr gesetzt, hatte aber vor weihnachten überlegt mir vor oder nach weihnachten vielleicht nochmal eine zu setzen. dann hab ichs erstmal gelassen und wollte mal schauen was über weihnachten passiert.
es hat sich nach mehreren weihnachtsessen und fünf tagen essen bei meinen eltern gezeigt, dass ich über die feiertage eher abgenommen habe.
den ganzen dezember über schwankte mein gewicht stabil um die 94,5 kg. bei meinen eltern zeigte die waage zwischendurch sogar mal 93,5 kg an, aber die erste wäägung zuhause, auf meiner eigenen waage, zeigte wieder 94,5 kg.
mein gewicht nach tagen im dezember 2025
gestern auf dem rückweg von meinen eltern nach hause haben frida und ich uns ein bicmac-menü bei mcdonalds geteilt. also sie hat ein bisschen rinderhack und ein paar pommes bekommen. das menü war „small“, aber ich mochte die pommes dann doch nicht aufessen. nicht wegen der kalorien, sondern weil sie einfach nicht so gut schmecken, wie das was ich mittlerweile zuhause hinbekomme. gleiches gilt für burger. meine selbstgemachte „bignmac sauce“ und pattis von beyond meat sind einfach leckerer. und aufessen um des aufessens willen, auch wenns nicht wirklich gut schmeckt, hab ich mir abgewöhnt.
aber was mcdonalds bietet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach früher. es schmeckt nach mcdonalds und dieser geschmack ist an viele positive assoziationen gebunden. aber gestern haben mir der dreiviertel big mac und ein paar pommes gereicht um die nostalgie (und den appetit) zu befriedigen.
andererseits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass essen so wie vor 45 jahren1 schmeckt? selbst bei meiner mutter schmeckt’s heute anders als vor 45 jahren. sie probiert ständig neues aus. ein rezept das ich vom diesjährigen weihnachtbesuch mitgenommen habe sind gurkensticks:
1 ungeschälte (bio) gurke in sehr grobe sticks schneiden
2 esslöffel essig (weisser balsamico, der billige von kaufland tut’s auch)
1 teelöffel salz
sehr viel knoblauch, meine mutter hatte pro gurke eine dieser dicken einzel-knollen (soloknoblauch) unter die sticks gequetscht
optional viel frischen dill hinzufügen
alles gut verrühren und mindestens 10 minuten durchziehen lassen
that's it.
bei mcdonalds in ingersleben, wo frida und ich uns das bigmac-menu geteilt haben, wollte eine angestellte frida unbedingt hallo sagen. hat sie dann auch gemacht, während wir an der essensausgabe warteten. als wir wieder aufbrachen und nochmal kurz aufs klo gingen, fing sie uns am ausgang ab und fragte ob sie dem hund etwas geben könne. sie hatte einen burgerkarton mit drei chicken-filets („ohne salz“) und wollte mir den in die hand drücken. abgesehen davon, dass das mengenmässig zwei bis drei tagesportionen für frida wären, verträgt sie huhn nicht besonders gut. deshalb musste ich bedauernd und dankend ablehnen.
(rind verträgt frida eigentlich auch nicht, aber weil die rinderbrühe bei meiner mutter ganz gut vertrug, hatte ich ihr auch vom burger patti abgegeben. normalerweise bekommt und verträgt frida wild.)
ich fand das auf jeden fall herzallerliebst und ehrlichgesagt tragen aus meiner sicht solche erlebnisse auch dazu bei, dass mcdonalds so beliebt ist. durch die konsequente standardisierung (des essens, der mitarbeiter mit migrationshintergrund, der zurückhaltenden gemütlichkeit, des geruchs) ist jedes mcdonalds weltweit eine insel des gewohnten und bekannten in der fremde. der aral-pulse ladepark in ingersleben war kalt, dunkel, in der tiefen sachsen-anhaltinischen provinz, aber direkt hinter der eingangstür von mcdonalds war es warm, hell, vertraut — und freundlich.
2026 wird das jahr an dem ich ernsthaft an meinem bucket-listen-eintrag „klimmzüge“ arbeiten werde. jetzt nach weihnachten werde ich mir eine klimmzugstange kaufen die man im türrahmen einhängen kann. damit trainiere ich das systematisch. mittlerweile weiss ich durch den konsum von schwer erträglichen fitness-videos auf youtube, dass es zu mindestens 50% auf die technik ankommt und es gar nicht mal so einfach ist einen bewegungsablauf hinzubekommen in dem die rückenmuskulatur die arme beim hochziehen unterstützt. und die rückenmuskulatur will auch aufgebaut werden. nicht auf der bucket list, aber fest vorgenommen: täglich 50-100 liegestützen in dreier-einheiten über den tag verteilt mindestens 3 monate durchziehen. früher hab ich 100 schnelle, sloppy liegestützen am stück geschafft, mittlerweile schaff ich von den sloppy liegestützen wieder 30 am stück. aber ich versuche jetzt 20-30 langsame am stück aufzubauen. 8-14 schaffe ich davon im moment, das ist also noch ausbaufähig und durch die hand- und armhaltung auch sehr gut variierbar.
in aachen hat 1978 am markt das erste mcdonalds eröffnet. seit den frühen 80ern ging ich dort relativ regelmässig hin. einmal sind wir auch des restaurants verwiesen worden, weil wir andere gäste mit papierkügelchen aus strohhalmen beschossen haben. big macs esse ich gerne, seitdem ich mitte der 90er 3 tage lang non-stop von tennessee nach washingon state mit dem greyhound-bus gefahren bin. der greyhound hielt gelegentlich an mcdonalds-restaurants und meine enttäuschung war riesig, wenn wir morgens bei mcdonalds hileten und es dort „nur“ frühstück und keinebigmacs gab. ↩
mein ø-gewicht je monat in 2025
mein ø-gewicht von juni bis dezember 2025.
auch wenn mein gewicht im dezember konstant bei 94,5 lag, sind die jahres- und sechs-monats-grafik aus apple health optimistisch. aber der bereich 90-95 kg ist eigentlich ein bereich in dem ich bleiben will. meine klamotten passen mir noch, meine eltern haben erst nach dem dritten bis vierten blick gesehen, dass ich 18 kilo abgenommen habe und die werte die ich erfasse (blutdruck, ruhepuls, caridofitness) haben sich signifikant verbessert. und ich kann auch wieder auf dem rücken schlafen ohne mich selbst durch infernalisches schnarchen selbst zu wecken. und durch die kombination aus bewegung und gewichtsverlust haben sich die krampfadern die sich in den letzten vier, fünf jahren an meinen unterschenkeln vorwagten, wieder alle verdünnisiert.
zu weihnachten bin ich bei meinen eltern. meine mutter erzählt, mein vater macht das was er immer macht und ich staune, wie die kleinen konflikte, die bei meinen eltern früher gelegentlich eskalierten jetzt einfach abebben. vielleicht ist das ein weiterer positiver aspekt am altern, dass sich das kurzzeitgedächnis verkürzt und man einfach vergisst, über was man sich gerdae aufgeregt hat. apropos älter werden, meine mutter erzählte uns ausladend darüber, dass sie das buch von elke heidenreich über das altern nicht gut fand, aber sehr begeistert von natascha wodins „Die späten Tage“ ist. in „Die späten Tage“ schreibt sie über das altwerden und eine späte grosse liebe. ich muss keins der bücher lesen, weil mir meine mutter bereits alles erzählt hat.
meine mutter erzählt von ihrer freundin vera, die 15 jahre jüngger als sie ist. mittlerweile sind beide alt, meine mutter und vera. im alter verwischen altersunterschiede. und es ist natürlich auch pfiffig jüngere freunde zu haben, das macht sich im alter bezahlt, wenn die gleichaltrigen oder älteren freunde verhärten oder versterben.
witzigerweise erzählte mir meine mutter irgendwann auch von ihren elaborierten pfuschzetteln, an die ich vor ein paar tagen auch denken musste. sie habe die gerade beim aufräumen wiedergefunden und ob ich die vielleicht haben wolle. ich hab sie erstmal fotografiert und dann eingesteckt.
während meine mutter mir ihre gerade aufgeräumten schmuckschatullen zeigt, fällt mein blick auf dieses alte bild meiner mutter und meiner schwester aus den frühen achtzigerjahren.
meine mutter zeigt mir den ersten band der bob-dylan-autobiografie (Chronicles, Band 1). das habe sie sich gekauft, weil es von kathrin passig (und gerhard henschel) übersetzt wurde und sie kathrin passig mal auf der republica kennengelernt oder ich sie ihr vorgestellt habe. ich merke wie wenig ich weiss und freue mich, dass meine mutter ihren geist mit über achtzig besser auf trab hält als ich.
komischerweise werde ich bei meinen eltern nicht nostalgisch. die ganzen alten sachen wecken zwar viele alte erinnerungen, aber irgendwie fallen mir vor allem die neuen sachen auf. dass konflikte zwischen meinen eltern jetzt eher abbebben, als zu eskalieren. wie schön und fotogen die gegend hier in und um heinsberg ist und wie wenig ich das damals offenbar zu schätzen gewusst habe.
am himmel konnte ich hier heute früh mindestens zwanzig flugzeuge sehen. der himmel war riesig und klar und alle flugzeuge zogen kondesnstreifen hinnter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirklich, aber so war es.
mir fallen aber auch ein paar alte dinge auf, oder genauer, wie schnell dinge die kürzlich noch neu waren plötzlich ganz alt wirken. hier im haus sind noch überall diese kompakten neon-lampen verbaut, die ein paar hundert millisekunden brauchen, bevor sie licht abgeben. die waren vor kurzem noch der letzte heisse scheiss. mein vater meint, die halogen-läpchen in seinem badezimmer hielten im durchschnitt gerade mal 2 jahre. diese dinger waren wegen der niedervolt-technik auch mal ein heisser neuer scheiss, mittlerweiel sieht das wohl keiner mehr so. und weil mein vater (zu recht) lieber keine leiter mehr besteigen will, habe ich jetzt wohl alle paar jahre die aufgabe die lämpchen auszutauschen.
frida und ich sind heute zum ersten mal über den karkener friedhof gelaufen. bisher haben wir das nicht gemacht, weil ich mich in der regel an hunde-verbote auf friedhöfen halte. früher bin ich aus desinteresse nie über den karkener friedhof gealufen. heute, auf dem rückweg vom morgenspaziergang, wollte ich aber einen bogen um das mensch-hund-team vor uns machen, in dem der sehr gross gewachsene hund ganz offensichtlich die hosen an hatte und die marschrichtung bestimmte. also sind wir am friedhof abgebogen.
vor 17 jahren haben wir am 24.12.2008 in las vegas geheiratet. aus unerfindlichen gründen habe ich das hier auf wirres.net nie richtig dokumentiert. instagram gabs damals noch nicht und twitter konnte damals noch keine bilder. auf twitpic liegen erstaunlicherweise noch ein paar bilder rum (twitpic.com/wwza und twitpic.com/vrtf), aber sonst finde ich jetzt fast nichts mehr.
2008 haben wir uns entschlossen zu heiraten — aus steuerlichen gründen. wir waren damals schon drei jahre zusammen, katia hatte nichts dagegen zu heiraten, mir war das eher egal. bis ich irgendwann die steuerlichen rahmenbedingungen recherchierte und katia am telefon einen antrag machte: „ich hab das mal nachgerechnet, wir müssen leider heiraten.“
damals war es schon spät im jahr und wir wollten den steuervorteil für 2008 noch mitnehmen, also suchten wir einen weg möglichst schnell und unkompliziert zu heiraten. las vegas erschien uns eine gute idee: keine grosse orga, ausser ein hotelzimmer und einen flug zu buchen, kein stress mit der frage wen wir einladen. wir haben einfach alle eingeladen: „wir heiraten am 24.12 in las vegas: kommt gerne vorbei, wir freuen uns!“
frühstück bei denny’s
am 21.12.2008 flogen wir mit dem kind los und checkten ins the venetian ein. unser jetlag zwang uns relativ früh ins bett und ab 02:00 uhr morgens waren wir wieder wach. las vegas schläft ja bekanntlich nie, bzw. den casino-betreibern ist es ohnehin ein grosses anliegen, dass niemand merkt wie die zeit vergeht oder wie spät es ist. die aussentüren der casinos sind meist so tief getönt, dass man in der regel von innen nicht erkennen kann, ob draussen die sonne scheint oder ob es tiefe nacht ist. wir sind dann um drei uhr morgens ins denny’s vor dem venetian gegangen (wobei denny’s immer offen hat). dort haben wir deftig gefrühstückt und dann den ganzen tag unser touristen-programm abgespult und uns chapels angesehen, in denen wir heiraten könnten.
katia und ich vor dem ikonischen welcome to las-vegas schild (fotos vom kind)
als kapelle suchten wir uns die „a little white wedding chapel“ (wikipedia link) aus, einerseits weil uns die damals schrottige website gefiel und andererseits wegen roseanne, die uns ein hochzeitspaket-angebot schnürte und während des beratungsgesprächs mal kurz („excuse me for a moment“) an den autoschalter ging, an dem gerade ein auto vorgefahren war, um dort eine autoschalter-hochzeit zu abzuwickeln, bzw. zu koordinieren. als sie zurückkam, sagte sie uns, an das kind gerichtet: „can you do me a favour? never marry in a car!“.
unser hochzeitspaket umfasste eine limousinen-anfahrt aus dem hotel, blumengestecke für die braut und den bräutigam, einen fotografen der 12 bilder anfertigen würde und eine videoaufnahme. den standesbeamten, bzw. pastor müsse man separat bezahlen.
nachdem wir das angebot angenommen hatten, in meiner erinnerung war es sensationell günstig, mussten wir nur noch unsere „marriage license“ besorgen. dafür geht man einfach zum clark county marriage license bureau, eine behörde die jeden tag von acht uhr morgens bis mitternacht geöffnet hat.
über die hochzeits-formalien und vor allem wie man die amerikanische hochzeit dann in deutschland anerkennen lässt, habe ich 2009 ausführlich geschrieben (und jetzt nochmal aktualisiert): heiraten in las vegas
„aber rev stone hat gesagt …!“
am 24. holte uns dann ein fahrer am hotel ab und fuhr uns zur little white chapel.
natürlich waren keine weiteren gäste nach las vegas gekommen (obwohl meine eltern das kurz in erwägung gezogen hatten), deshalb waren wir mit dem kind, dem fotografen und reverend robert l. stone alleine in der kapelle. rev stone war ein niedlicher alter mann mit sehr dicken brillengläsern, hinter denen man sehr freundliche grosse augen sehen könnte. wir liessen ihn vorab wissen, dass wir atheisten seien, aber die zeremonie die er veranstaltete war trotz des kitsch der uns umgab sehr romantisch und rührselig. am ende hatten wir alle ein bisschen feuchte augen. er fragte uns auch, ob er „trotzdem“ für uns beten könnte, was uns auch bewegte, atheismus hin oder her.
rev stone spielt nach wie vor eine grosse rolle in unserem leben, es vergeht kaum ein monat in dem nicht einer von uns beiden sagt: „aber rev stone hat gesagt …!“ leider ist rev. stone 2021 gestorben, auf seiner obituary-seite kann man das eine oder andere aus seinem leben erfahren.
ich stecke katia ihren ring an den finger, anton bezeugt das, katia erträgt es
dreier hochzeits-foto mit anton. unsere haltungen waren streng vom fotografen orchestriert
typisch amerikanisch gestelltes hochzeitsfoto. dem fotografen waren handhaltung und position der blumengestecke extrem wichtig, dass wir deustchen den ring an der „falschen“ hand tragen, trieb ihn beinahe in den wahnsinn
katia und ich im „garten der little white wedding chapel“ auf astro-turf
ein kuss für den fotografen. ihm war vor allem wichtig, dass man die ringe sieht.
nach der hochzeit sind wir noch über den grand canyon, palm springs und san diego nach los angeles gefahren. während es in las vegas angenehm warm war, war es am grand canyon bitterkalt. um so schöner war es in palm springs, wo es ende dezember frühlingshaft warm war. die hochzeitsreise war, wie die hochzeit, eine wilde mischung extremer kontraste, kalt, warm, heiss, kitschig, herzlich, bunt, pompös und unbürokratisch. das mit den kontrasten, mit den extremen, das können die amerikaner. und in las vegas können sie hochzeiten. wir bereuen es nicht und können heiraten in las vegas von ganzem herzen empfehlen.
[m]
die republica hat ihre (website) tore geöffnet. man kann jetzt tickets buchen und sich zum auftreten bewerben. in den letzten jahren hab ich das oft verpasst. weil ich es dieses jahr schon mitte dezember bemerkt habe, kann ich vor weihnachten darüber nachdenken ob ich nächstes jahr auf der republica etwas erzählen möchte.
eigentlich hab ich das gefühl, dass ich auf der republica bereits alles gesagt habe, was zu sagen ist. in meinen republica-beiträgen hab ich gelegentlich auch gescherzt, dass ich jedes jahr das gleiche vortrage. was einerseits stimmt, andererseit nicht. thematisch würde zum diesjährigen mottomein vortrag zu erich fromm von 2017 passen. wenn die republica zum diesjährigen motto schreibt …
„Never gonna give you up“ ist mehr als ein nostalgischer Ohrwurm oder ein lustiges Meme. Es ist eine Erinnerung daran, warum es sich lohnt sich einzusetzen – für Vielfalt, Teilhabe und Menschlichkeit.
… dann wäre der humanismus von erich fromm und mein aufruf daran zu arbeiten uns selbst und andere zu lieben auf jeden fall ein passender beitrag zum 26er motto der republica. aber eben auch ein beitrag den ich bereits gegeben habe. 2018 hab ich dann im prinzip erneut für mehr autonomie, gelassenheit und optimismus im umgang mit der welt plädiert (warum wir nach fragen, nicht nur nach antworten suchen müssen). die reise nach innen als politischer akt, als erster schritt zur weltverbesserung die eigenliebe und selbstbestimmung.
ich habe mir eben von gemini meine beiden republica vorträge von 2017 und 2018 zusammenfassen lassen und abgesehen davon, dass gemini das wirklich gut und präzise macht, sehe ich deutlich, dass sich beide vorträge schon sehr ähneln. mein witz, dass ich jedes jahr das gleiche auf der republica erzähle hat also ein paar wahre kerne.
die von gemini extrahierte botschaft meines 2017er bertrags lautet …
Die Botschaft: Statt nur gegen etwas zu sein oder passiv zu konsumieren, sollten wir aktiv werden und durch unsere eigene Haltung die Welt „millimeterweise“ zum Guten verschieben.
… und würde deshalb wohl auch zum 2026er motto passen. mach ich aber nicht, kann man ja auf youtube schauen und ein best of schwenzel auftritt auf der republica würde wohl niemanden hinter dem handy hervorlocken.
ursprünglich hab ich meine auftritte auf der republica als persönliche herausforderungen gesehen. schaffe ich es zu völlig absurden thesen und titeln 30 minuten vortrag zu generieren die nicht völlig langweilig sind und mich nicht total blamieren? „10 vorschläge die welt zu verbessern“, „wie ich lernte die überwachung zu lieben“, warum das internet scheiße ist. meistens war ich am ende zufrieden mit meinen vorträgen, das publikum auch. judith horchert fasste meinen gedämpften high-performance ehrgeiz mit dem ich an republica vorträge heranging damals (2012) passend zusammen:
Felix Schwenzel ist Web-Entwickler und Blogger, auch wenn er das selbst längst nicht mehr so nennt, sondern lieber "einfach so ins Internet" schreibt. Genauso hält er diesmal "einfach so" einen Vortrag, der schon skurril beginnt: "Das Internet besteht aus Menschen. Das ist meine These", sagt er und stellt gleich darauf trocken fest, dass das ja eigentlich keine These sei, sondern eine Plattitüde. Macht aber nichts. Immerhin reicht so eine Aussage bei einem Schwenzel-Vortrag für mehrere Folien und sogar für ein vorläufiges Fazit, auch wenn er da lieber "noch ein bisschen dran arbeiten" wolle.
2024 habe ich mich dann zu einem thema beworben, zu dem ich ausnahmsweise expertise hatte — oder mir zumindest über 4 jahre eine gewisse expertise erarbeitet hatte. mir war es ein anliegen über hunde zu sprechen, deren erziehung und unser verhältnis zu ihnen und das natürlich auch (wieder) in den grossen zusammenhang der millimeterweisen weltverbesserung zu stellen: hunde sind auch nur menschen.
2020 wollte ich über ein andere thema, in dem ich mir expertise erarbeitet hatte, sprechen: heimautomatisierung. wegen covid blieb es dann aber beim vortragsvorschlag. heute glaube ich, dass heimautomatisierung kein guter republica-beitrag geworden wäre. genauso wie ein vortrag über das bloggen auf der republica 2026 wohl eher wie ein lufthauch einschlagen würde, also weder interesse noch interessanz generieren würde.
dazu kommt, dass ein vortrag auf der republica sehr viel arbeit bedeutet. zumindest für mich. für etwas leichtigkeit, unterhaltsamkeit, spontanität benötige ich enorm viel vorbereitung. ich stecke gerne viel arbeit in vorträge (oder auch artikel hier und anderswo), weil mir schreiben hilft die welt zu verdauen und zu verstehen, meinen denkapparat beschäftigt und trainiert und ich am ende mehr weiss als vorher.
aber um mich für so viel arbeit zu motivieren, brauche ich schon eine gewisse euphoriebasis um den grössenwahn eines solchen projekts zu legitimieren. tatsächlich gibt es derzeit ein paar themen die mich enorm faszinieren und zu denen ich null expertise habe. leider sind die themen so breit gestreut, dass ich trotz intensiven nachdenkens noch nicht auf eine thematische klammer gekommen bin, weshalb ich sie jetzt mal aufschreibe und so schriftlich drüber nachdenke.
die themen sind im grossen und ganzen denken, intelligenz, netzwerkeffekte, spieltheorie und teilchenphysik.
mein interesse am themenkomplex „denken“ und „intelligenz“ hängt mit meiner jugendlichen lektüre von hoimar von ditfurth zusammen. in „im anfang war der wasserstoff“ argumentiert ditfurth ja, dass intelligenz und geistige prinzipien nicht erst mit dem menschlichen gehirn in die welt kamen. die natur zeigte intelligentes „verhalten“, lange bevor es neuronale strukturen gab. seine zentrale these ist dass die entwicklung vom wasserstoffatom bis hin zum menschlichen bewusstsein kein zufall, sondern eine in der materie angelegte zwangsläufigkeit war. diese thesen hängen immer wie ein schleier über meinen gedanken, wenn ich über künstliche intelligenz oder künstliche neuronale netze nachdenke.
aber noch faszinierender, und da schliesst sich der kreis zur teilchenphysik, ist was gemini in seiner zusammenfassung von „im anfang war der wasserstoff“ schrieb:
Daraus leitet Ditfurth ab, dass unser heutiges menschliches Bewusstsein und unsere Intelligenz nicht der Endpunkt der Evolution sind. Da sich der Kosmos als ein sich selbst organisierendes System ständig weiterentwickelt, betrachtet er den Menschen eher als eine Übergangsform. Unsere Intelligenz ist lediglich das aktuelle Werkzeug, mit dem das Universum begonnen hat, über sich selbst nachzudenken – aber keineswegs das letzte oder höchste.
diese sichtweise, dass wir ein weg des universums sind, über sich selbst nachzudenken, wird auch von carl sagan und brian cox vertreten.
The cosmos is within us. We are made of star-stuff. We are a way for the universe to know itself.
We are the cosmos made conscious and life is the means by which the universe understands itself.
in dieser ausgabe von star talk von neil degrasse tyson („Are We The Universe’s Way of Knowing Itself?“) sprechen cox und tyson genau darüber, über emergenz und — natürlich — teilchenphysik. brian cox kann ich stundenlang zuhören, vor allem wie er die ungewissheiten seines forschungsfelds verständlich macht und wie er damit umgeht, dass wir bereits einiges wissen, aber trotzdem fast nichts richtig verstehen.
die themen netzwerkeffekte und spieltheorie spielen in einer ähnlichen liga. bei beiden entstehen aus einfachen regeln komplexe systeme aus deren beobachtung wir einiges ableiten können, das uns im umgang mit modernen technologien und gesellschaftlichen herausforderungen helfen könnte. zum faszinosum spieltheorie war dieses veritasium-video meine einsteigsdroge. gemini:
Das Video verbindet das „Kleine-Welt-Phänomen“ (Small-World-Network) mit der Spieltheorie, insbesondere dem Gefangenendilemma. Robert Axelrods Computertourniere in den 1980er Jahren zeigten, dass in wiederholten Spielen kooperative Strategien wie „Tit for Tat“ (wie du mir, so ich dir) am erfolgreichsten sind, solange sie „nett“ (beginnen kooperativ), „vergesslich“ (nicht nachtragend) und „klar“ (vorhersehbar) sind. Watts und Strogatz übertrugen dies auf Netzwerke und zeigten, dass in stark vernetzten „Small-World“-Strukturen Kooperation ebenfalls gedeihen kann, aber anfällig ist, wenn zu viele „Abkürzungen“ (zufällige Verbindungen) die lokalen Kooperationscluster aufbrechen. Das Video illustriert diese Prinzipien anhand realer Beispiele wie dem Kalten Krieg (Nukleare Abrüstung), Tierverhalten (Symbiose) und dem modernen Internet, wobei es betont, dass individuelle Entscheidungen zur Kooperation langfristig die besten Ergebnisse für alle liefern können, selbst in einer Welt voller Egoisten.
Das Video beleuchtet die mathematischen Prinzipien hinter dem „Kleine-Welt-Phänomen“ (Small-World-Network), das erklärt, warum in riesigen Netzwerken – seien es Menschen, Neuronen oder Webseiten – jeder Punkt mit jedem anderen über nur wenige Ecken verbunden ist. Die Kernteorie von Watts und Strogatz zeigt, dass bereits wenige zufällige „Abkürzungen“ (Shortcuts) in einem stark geclusterten Netzwerk genügen, um die durchschnittliche Distanz drastisch zu verkürzen, während Albert-László Barabási mit dem Prinzip des „Preferential Attachment“ ergänzt, dass Netzwerke organisch wachsen, indem neue Knoten bevorzugt an bereits stark vernetzte andocken, wodurch zentrale „Hubs“ entstehen, die das System extrem effizient, aber auch anfällig für die schnelle Ausbreitung von Krankheiten oder Informationen machen.
keine ahnung wie und ob ich das zu einem stringenten thema oder vortragsvorschlag zusammenbinden kann. dieser artikel ist jedenfalls der erste schritt dahin und zeigt auch, dass menschen (oder zumindest ich) gar nicht mal so gute denker sind. niklas luhmann soll sinngemäss gesagt haben, dass das denken ohne schreiben gar nicht in der Tiefe möglich ist. das schreiben sei nicht das ergebnis des denkens, sondern der prozess des denkens selbst. oder wie ich es mal gesagt habe, ins internet schreiben gleicht einem verdauungsvorgang.
in diesem sinne habe ich jetzt den republica26 call for papers vorverdaut. ob am ende ne schöne vortragswurst rauskommt ist jetzt noch nicht abzusehen.
anmerkungen, nachträge, [m]:
die motto-illustration/animation der republica26 oben hab ich modifiziert damit sie einen dunklen hintergrund hat. für den RSS-feed hab ich ein gif erzeugt.
die zusammenfassungen von zwei meiner vorträge durch googles gemini (3 pro) haben mich so sehr fasziniert, dass ich sie nochmal separat veröffentlicht habe (2017 und 2018). in gewissem sinne sind das ja zeitdokumente, die den erstaunlichen stand dieser technologie illustrieren. vielleicht hat gemini die vorträge in seiner zusammenfassung durch LLM-klugschiss sogar verbessert.
als ich ein kind war, studierte meine mutter sonderpädagigik. zwei dinge sind mir aus dieser zeit in erinnerung. zum einen hatte sie sich für eine prüfung einen drei meter langen „pfuschzettel“ geabaut, auf dem der text ihrer schriftlichen prüfung zum abschreiben stand. der „zettel“ war winzig und auf zwei rollen gerollt. der text war schreibmaschinengeschrieben und mehrfach kleinkopiert. ich habe diese idee natürlich auch in meiner schullaufbahn gerne angewandt und mir für meine abiturkausuren auch elaborierte „pfuschzettel“ erstellt. allerdings zeigte sich, dass ich die gar nicht nutzen musste, denn allein die erstellung der zettel verankerte das lerngut so gut in meinem kurzzeitgedächnis, dass ich die zettel während der prüfungen gar nicht brauchte. es zeigt sich auch heute nützlich wissen oder lernstoff zu strukturieren, zu komprimieren und irgendwo aufzuschreiben, so dass man im notfall drauf zugreifen kann (aber nicht muss).
manche nennen diesen vorgang auch bloggen.
das andere was mir in erinnerung blieb, war eine statistik, die sie für ihre abschlussarbeit recherchiert hatte. nämlich dass sich in deutschland signifikant mehr leute für tierschutz einsetzen, als für kinderschutz. zumindest gemessen an den mitgliederzahlen der zwei wichtigsten vereine; dem deutschen kinderschutzbund und dem deutschen tierschutzbund. laut eigenangaben des kinderschutzbundes und des wikipediaeintrags des tierschutzbundes, gibt es ca. 50.000 unerstützer des kinderschutzbundes und ca. 800.000 unterstützer des deutschen tierschutzbundes.
ich habe da immer wieder drüber nachgedacht, was das für gründe haben kann, und einer davon ist sicherlich, dass der einsatz für tiere sich weniger politisch anfühlt, zumindest, wenn die politischeren vereine wie peta ausklammert. ein anderer grund könnte sein, dass „die politik“ zwar immer wieder gerne vorgibt, etwas für kinder zu tun und da aktivistisch tätig ist, sich aber gefühlt eher selten für das tierwohl einsetzt. möglicheriweise lässt das einige menschen glauben, dass man deshalb mehr für tiere tun müsste.
tatsache ist jedenfalls, dass viele politiker sehr gut wissen, dass man politische vorhaben viel leichter durchsetzen kann, wenn man sie mit (vermeintlichen) kindeswohl verknüpft.
denkt doch mal an die kinder! wir brauchen zugangssperren im internet um kinder zu schützen! (zugangserschwerungsgesetzt, „zensursula“)
wir müssen kommunikationsdaten aller menschen umfassend speichern um kindesmissbrauch (und terror) besser aufkären zu können. (vorratsdatenspeicherung)
wir müssen zum schutz der kinder verschlüsselte kommunikation verbieten (chatkontrolle, CSAM diskussion)
wir müssen „killerspiele“ zum schutz der kinder verbieten
Klare Mehrheit für Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
und jetzt ganz neu, nicht nur in australien, sondern auch hier gerne diskutert, kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen verbannen, zu ihrem eigenen schutz. eine umfrage der bild suggeriert zumindest, dass nicht wenige menschen für solch eine idee zu begeistern sind (thomas hat ein faksimile der „bild“-umfrage, die ich nicht nur mit einem „grain of salt“ geniessen würde, sondern eher mit ein zwei teelöffeln salz).
ganz selten hört man aus regierungskreisen aufrufe wie:
wir müssen an unsere kinder denken und möglichst schnell und konsequent verbrenner-motoren durch elektroantriebe ersetzen.
wir brauchen strengere und niedrigere tempolimits um kinder- und menschenleben zu schützen
wir sind es unseren kindern und deren zukunft schuldig alles menschenmögliche für den klimaschutz zu tun und auch vor massnehmen wie der reduktion unseres landverbrauchs und der tierhaltung nicht zurückschrecken.
kindeswohl in politikerreden wird gerne als argument genutzt, wenn es keinem erwachsenen oder lobbyisten wehtut. das ist das praktische an dieser argumentationsweise. die kinder muss man nicht fragen, kinder haben keine oder nur schwache lobbys und die wünsche von kindern kann man einfach übergehen, weil man ja einfach unwidersprochen vorgeben kann, es besser zu wissen.
was einigen erwachsenen wehtun würde und den einen oder anderen lobby-verband zu heftigem widerstand bringen würde, wären massnahmen wie die, die thomas gigold in diesem artikel vorschlug:
Wie wäre es, wenn wir statt Kinder vorzuschieben uns mal als Gesellschaft fragen: Wollen wir all die Gewalt, Manipulation und Hass-Rede wirklich? Braucht es die wirklich im demokratischen Diskurs? Oder wäre es nicht vielleicht besser, an den großen Tech-Plattformen die gleichen Maßstäbe anzulegen, wie an TV, Radio, DVD und Computer-Spiele – und die "harmlose" Version zum Standard zu machen?
oder anders gefragt, wie wäre es die vorhandenen gesetzte gegen gewaltdarstellung, missbrauch und hetze mal durchzusetzen?
weil show- oder schaufensterpolitik so viel leichter ist, hat man offensichtlich in australien auf die regulierung von werbung für wetten verzichtet und lieber kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen („social media“) im internet verbannt:
Turns out the campaign pushing hardest for the ban was run by an ad agency that makes gambling ads. The same gambling ads that were facing their own potential ban—until the Australian government decided that, hey, with all the kids kicked off social media, gambling ads can stay.
politiker und politikerinnen die ihre politik mit massnahmen zum kinderschutz begründen sollte man in den meisten fällen wie drückerkolonnen an haustüren und fussgängerzonen behandeln. ignorieren, nach hause gehen und sich gedanken über fleischlosere ernährung machen und wie man sich politisch engagieren könnte.
politiker die drückerkolonnen-taktiken nutzen, sich erst beim wahlvolk einzuschleimen versuchen, dann emotionen aufrühren und zum spenden oder wählen bringen wollen, sollte man mit häme und besseren argumenten übergiessen.
bootleggers and baptists
politikern und lobbyisten ist es gelegentlich egal wie sie unterstützung für ihre vorhaben erreichen. ein klassiches konzept scheint ein bündnis aus moralisch motivierten akteuren und wirtschaftlichen profiteuren zu sein, das mike masnick hier beschreibt:
There’s a famous concept around regulations known as “bootleggers and Baptists,” as a shorthand way of denoting some of the more cynical “strange bedfellows” that team up to get certain regulations in place. The canonical example, of course, being the temperance movement that sought to ban alcohol. Bootleggers (illegal, underground alcohol producers) loved the idea of prohibition, because it would greatly increase demand for their product, for which they could cash in.
But, no one wants to publicly advocate for prohibition on behalf of the bootleggers. So, you find a group to be the public face to present the cooked up moral panic, moralizing argument for the ban: the Baptists. They run around and talk about how damaging alcohol is and how it must be banned for the good of society. It’s just behind the scenes that the bootleggers looking to profit are helping move along the legislation that will do exactly that.
gute politik ist mühsam. nicht nur für politiker, auch für die wählenden. die einen sollten wege suchen die welt, das internet für alle besser zu machen, die anderen auch. der witz ist: wir können die politik nicht nur den politikern überlassen. wir müssen ihnen auf die finger schauen und ihre taschenspielertricks erkennen und demaskieren. wir sollten die taschenspielertricks aber nicht nur demaskieren, sondern ihnen bessere alternativen entgegenstellen (das hat schon einmal funktioniert, damals zu zensursula-zeiten: löschen statt sperren).
das problem ist vielleicht auch, dass wir alle verlernt haben unsere eigenen pfuschzettel zu erstellen (uns mit den problemen der welt auseinandersetzen) und stattdessen mehr und mehr vorformulierte, ready-made pfuschzettel nutzen und uns so durch fehlende, echte auseinandersetzung leicht instrumentalisieren lassen. und das scheint mir für alle zu gelten, nicht nur politiker und politikerinnen.
[Die] Berliner Rechtsmedizinerin Saskia Etzold, die tagtäglich misshandelte Kinder untersucht: „Ich habe das Gefühl, in einem Land zu leben, in dem Elternrechte wichtiger sind als Kinderrechte“, sagt Etzold. Kindesmisshandlungen würden kollektiv verleugnet, der Staat versage als oberster Wächter des Kindeswohls. 200.000 Kinder würden nach konservativen Schätzungen jährlich in Deutschland misshandelt, mit großer Wahrscheinlichkeit mehr.
Since the “social media is bad for teens” myth will not die, I keep having intense conversations with colleagues, journalists, and friends over what the research says and what it doesn’t. (Alice Marwick et. al put together a great little primer in light of the legislative moves.)
[…]
Can social media be risky for youth? Of course. So can school. So can friendship. So can the kitchen. So can navigating parents. Can social media be designed better? Absolutely. So can school. So can the kitchen. (So can parents?) Do we always know the best design interventions? No. Might those design interventions backfire? Yes.
Does that mean that we should give up trying to improve social media or other digital environments? Absolutely not. But we must also recognize that trying to cement design into law might backfire. And that, more generally, technologies’ risks cannot be managed by design alone.
[…]
Do some people experience harms through social media? Absolutely. But it’s important to acknowledge that most of these harms involve people using social media to harm others. It’s reasonable that they should be held accountable. It’s not reasonable to presume that you can design a system that allows people to interact in a manner where harms will never happen. As every school principal knows, you can’t solve bullying through the design of the physical building.
nilay patel schreibt darin das gleiche, was er seit drei jahren jährlich macht: dass der beste drucker, den man sich kaufen kann, (irgend) ein brotherlaser-drucker sei.
ich gehe davon aus, dass er recht hat, auch wenn wir hier zu hause einen brother tintenstrahler haben, der durchaus ein paar zicken hat. das gute, soweit ich es aus eigener und angelesener erfahrung weiss, ist das brother dritthersteller-tinte und -toner klaglos akzeptiert — zumindest bis jetzt. das ist keinesfalls selbstverständlich, weil das übliche geschäftsmodel von druckerherstellern ist, die hardware subventioniert (also verbilligt) zu verkaufen und dann die verbrauchsmaterialien teurer zu verkaufen. die preise der tinte orientieren sich offenbar an den gramm-preisen für teure parfüms.
jedenfalls ist einerseits der hinweis von the verge auf laser-drucker und andererseits auf brother-drucker eine gute idee. aber der artikel von nilay patel dreht sich nicht nur um eine drucker-empfehlung, sondern auch um suchmaschinen-optimierung. dass nilay patel den gleichen artikel jedes jahr schreibt hat — natürlich — genau diesen grund: suchmaschinenoptimierung. nur leider ist die konkurenz in sachen suchmachinenoptimnierte drucker-empfehlungen nicht gerade klein.
[…] Making sure this information is at the top of Google’s search results is a dogfight against a number of ruthless content farms that are flatly better at pumping search engines with garbage to generate affiliate revenue than we are, because our newsroom insists on the archaic concepts of “dignity” and “self-respect.”
er beklagt sich also, dass andere webseiten ihre inhalte „schamlos“ suchwort-optimieren und teilweise auch anzeigen bezahlen, um ganz oben auf den suchergebnisseiten zu landen. affiliate marketing, also die geschhäftspraktik, bei der man für kaufempfehlungen am umsatz beteiligt wird, macht das trotz investitionen in werbung offenbar lukrativ.
und nilay patel findet dann auch noch einen weg, um seine vorsätze von „dignity“ und „self-respect“ zu umgehen:
I asked Gemini to write a printer post “in the style of Nilay Patel” so I could pad all this out and get whatever printer keywords I needed in here to win search, so here’s that.
so weit scheint mir das ganz klassische suchmaschinenoptimierung (SEO), die richtigen keywords auf einer webseite mit gutem ruf und viel traffic, ausreichender interessanz und die aussaat von kontroverse, damit der beitrag sich potenziell gut viral in sozialen netzwerken oder blogs verteilt.
die von nilay patel ausgesäte kontroverse ist seine nutzung von KI-texten und er sagt auch, dass es „irgendwie“ helfen würde, wenn sich leute darüber aufregen würden. mich hat er aus zwei gründen getriggert: einerseits die gedrechselte moralische erhöhung über keyword-stopfer, die keine „würde“ und „selbstachtung“ hätten, um dann zwei absätze später einen weg zu finden keywords zu spammen. und andererseits der blick in den maschinenraum von theverge.com.
denn auch the verge versucht mit automatisch ausgespielten, maschinenlesbaren json-ld-schnipseln den heiligen gral der rich-snippets und suchergebnis-karussels zu erreichen.
hier fallen mehrere dinge auf. im json-ld-artikel-element stopft the verge den gesamten artikeltext rein, obwohl das nach allgemeinem verständnis nicht nötig ist. der produkt schnipsel enthält affiliate links zu amazon und bestbuy, so wie das auch auf der seite ausgespielt wird, und mit den „händlereinträgen“ werden preisinformationen zu diesen produkten ausgespielt. alles in der hoffnung oben in der suchergebnisseite in den „shopping graph“ zu gelangen. im artikel-schnipsel bieten sie google gleich mehrere zuschnitte ihrer drucker-bilder an (1, 2, 3). auch pfiffig, sie haben im artikel-schnipsel eine SpeakableSpecification, mit der sie sprach-assistenten helfen die seite knapp zusammenzufassen, statt sie komplett vorzulesen.
ich hab eben perplexity gefragt (auf englisch und deutsch) und die empfehlung für brother laserdrucker wurde nicht mal am rande erwähnt. perplexity kennt den artikel allerdings, wenn man konkret nach the verge fragt. wenn man auf google deutschland nach „Best printer 2025“ fragt, landet der artikel von nilay patel auf rang 9. nicht schlecht, aber wahrscheinlich weit unter den erwartungen von nilay patel.
insgesamt scheint mir SEO aus kommerziellen motiven sehr viel weniger spass zu machen, als aus experimentellen. mir scheint da ein sehr grosses frustrationpotenzial vorhanden zu sein und das ökosystem ist dynamischer denn je. trotzdem, weil ich heute ein paar artikel von nilay patel gelesen habe die mir gefallen haben, schicke ich hiermit etwas linkliebe über den teich: best printer 2025.
vor langer, langer zeit (1997) haben sich verschiedene interessenverbände aus dem bereich der fotografie und des journalismus darauf geeinigt, wie man manipulierte, gephotoshoppte oder nachträglich veränderte (manipulierte) bilder kennzeichnen wolle:
Memorandum
zur Kennzeichnungspflicht manipulierter Fotos
Jedes dokumentarisch - publizistische Foto, das nach der Belichtung verändert wird, muß mit dem Zeichen [M] kenntlich gemacht werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Manipulation durch den Fotografen oder durch den Nutzer des Fotos erfolgt.
Nach Pressekampagnen haben sich bisher folgende Publikationen bereit erklärt, manipulierte Fotos zukünftig mit dem Symbol [M] zu kennzeichnen: stern · Süddeutsche Zeitung · Brigitte · Handelsblatt · Heilbronner Stimme · taz · Autoforum · Comopolitan · Das Sonntagsblatt · Amica · Fit for Fun · Max · Cinema · TV Spielfilm · Bellevue · Der Tagesspiegel. Die Initiative im Grundsatz begrüßt haben: GEO · DER SPIEGEL · DIE WOCHE · Frankfurter Rundschau · DIE ZEIT.
wer sich jetzt wundert und fragt: „[M]? nie gesehen, nie gehört“, dem kann ich sagen: das memorandum scheint ein rohrkrepierer, bzw. eher ein obliviorandum gewesen zu sein. dieser artikel von maria jansen vom april 2000 legt nahe, dass die verleger das im detail zu kompliziert fanden:
Die Verlegerverbände BDZV und VDZ konnten sich bislang nicht zur Unterstützung des Memorandums durchringen. »Wir konnten uns in der verbandsinternen Diskussion nicht auf eine verbindliche Definition einigen, wo die kennzeichnungspflichtige Manipulation anfängt«, erinnert sich VDZ-Jurist Arthur Waldenberger an Diskussionen im Verlegerkreis. Einen Leserschutz »im Sinne der Glaubwürdigkeit der Printmedien in Abgrenzung zu anderen Medien« erachte der VDZ zwar für wünschenswert. Doch eine Verbandsempfehlung habe er nicht aussprechen können. »Wir haben es den Mitgliedern jedoch freigestellt, sich dem Memorandum anzuschließen.«
Der BDZV hingegen lehnt die [M]-Kennzeichnung bislang als inakzeptabel ab. Angeblich befürchten die Zeitungsverleger, dass eine Vielzahl von Fotos unter die Kennzeichnungspflicht fallen würde, da sehr häufig Details verändert würden, was zu einer Verunsicherung der Leser führen könnte. Außerdem sähen sich die Zeitungen nicht in der Lage, ihren Lesern den Sinn der Kennzeichnung zu erklären.
und tatsächlich wird das ja wirklich ganz schnell sehr philosophisch. eigentlich müsste jedes bild aus einem modernen smartphone heutzutage mit einem [m] gekennzeichnet werden, weil die geräte nach der belichtung heftig am bild rumoptimnieren (HDR, entrauschen, tiefenunschärfe, belichtungs- und farbkorrektur, nachschärfung, siehe auch diesen artikel zu „computational photography“).
wer hätte gedacht, dass uns fotoapparate eines tages vor philosophische dilemmata stellen würden, bzw. dass wir (und die verleger) plötzlich vor ontologischen grundsatzfragen stehen: „was ist ein foto?“
zu einem pragmatischem ansatz konnte man sich bis heute offensichtlich weder in verlegerkreisen, noch in den „wichtigsten“ interessenverbände im bereich der fotografie und des journalismus durchringen. und jetzt steht das problem, wegen KI dringender denn je wieder an der tür.
als ich vor 20 jahren zum ersten mal von diesem memorandum gehört habe, entschloss ich mich manipulierte fotos konsequent in der bildunterschrift mit einem [m] zu kennzeichnen. ganz unphilosophisch, immer dann, wenn ich das bild absichtsvoll manipuliert habe. natürlich habe ich das im laufe der jahre auch wieder vergessen, aber hiermit möchte ich mich selbst daran erinnern, manipulierte bilder (einigermassen) gut sichtbar mit [m] zu kennzeichnen. mit ki bildern sollte das genausoleicht gehen: [ki]
theoretisch wäre so eine kennzeichnung auch perfekt für maschinenlesbares gedöns. json-ld kann das wohl nicht — zeigt zumidnest oberfächliche recherche. lizenzinformationen kann man mit json-ld auszeichnen, hinweise auf ki-generierte inhalte sollen wohl in den IPTC metadaten von fotos untergebracht werden. stand jetzt ist jedenfalls bei chatgpt, dass bilder die es genereriert nicht von chatgpt mit diesen metadaten versehen werden. auch hier sind diejenigen die solche bilder verwenden in der selbstverpflichtung.
nachträglich gesehen ist es auch sehr praktisch, dass ich manipulierte bilder über die jahre nicht nur in der bildunterschrift kennzeichnete, sondern meistens auch so verschlagwortete: [m]
so hab ich heute wieder einige, teils sehr kindische, mainpulationen wiedergefunden.
patriotischer joghurt [m]
für weitere kindische bildmanipulationen siehe auch:
für alle die fleisch lieben der anus mit saftigem anus beef [M]
anus|ˈānəs| noun Anatomy & Zoology the opening at the end of the alimentary canal through which solid waste matter leaves the body. ORIGIN late Middle English : from Latin, originally ‘a ring.’ (New Oxford American Dictionary)
Anus [lat.] m. Gen. - Mz.Ani After (Knaurs Rechtschreibung)
suchmaschinenoptimierung im klassischen sinne ist mir ziemlich egal. was mir SEO-tools oder diverse LLMs vorschlagen, wie ich „bessere“, keyword-optimierte meta-descriptions, schlagwort-dichte oder überschriften formulieren könnte um bessere ergebnisse in den „SERPs“ zu erreichen, schlag eich in der regel in den wind. ich glaube ich optimiere meine texte, überschriften oder metadaten auch nicht besonders gut auf menschen. das liegt daran, dass ich noch nie eine zielgruppe vor augen hatte und eigentlich auch nix klickoptimieren möchte.
was ich mag sind abwegige assoziationen, verdrehungem, abkürzungen, anspielungen. vor kurzem hab ich mir ein buch gekauft, weil ich einen trööt des autors gelesen habe, der so lautete.
solche kalauer kann man nicht suchmaschinenoptimieren, bzw. sowas als meta-description dreht jedem vollblut SEO-menschen die fussnägel nach oben.
was mich aber interessiert ist wie ich mit den maschinen sprechen knn. ihre sprache, ihre funktionsweise. ich beobachte gerne ihre bewegungen, ihr verhalten, ihre vorlieben und abneigungen. und weil ich hier machen kann was ich will, nutze ich wirres.net als spielwiese genau dafür.
vor 14 jahren habe ich erstmals mit maschinenlesbarem code experiementiert und meine abschrift des gurkensalat rezept von tim mälzer, das ich vorher im fernsehen gesehen hatte, mit einen json-ld-schnipsel ausgestattet. um zu sehen was passiert. ich glaube das rezept war immer ganz gut sichtbar, aber ich glaube auch, dass der selbstgebastelte code irgendwann nicht mehr validierte. den umzug auf kirby hat das dann auch nicht überlebt. vor ein paar monaten habe ich mir dann zuerst wieder manuell etwas zusammengeklöppelt um json-ld-rezept-schnipsel ausgeben zu können und vor ein paar wochen habe ich das alles konsolidiert: mit dem seo-plugin und der dort genutzten schema.org-builder library. damit ist das alles solider, besser zu pflegen und flexibler geworden. seit einer weile bringt eine suche nach „gurkensalat tim mälzers oma“ „mein“ gurkensalat-rezept oben in das „karussel“:
bei einer such nach „tim mälzer gurkensalat“ lande ich hingegen erst auf seite 3 oder 4. aber das will ich auch nicht weiter oprimieren. mir reicht es, dass ich technisch offenbar alles richtig gemacht habe und freue mich darüber, dass mich die bots im prinzip verstehen. weil das eben auch wieder heißt, dass meine rezepte damit auch einfach in rezpt sammlungen wie mela zu übertragen sind, also gut zugänglich sind.
ich mag es auch, dass unter meinen fernseh-rezensionen nicht nur bei mir, sondern auch bei google sternchen erscheinen. das funktioniert allerdings nur mit der brechstange, also wenn man zum beispiel nach „site:wirres.net pluribus“ sucht. ohne das „site:wirres.net“ lande ich im SERP-nirwana.
was ich auch hinbekommen wollte, aber eher als proof of concept: video-anzeige in google suchergebnissen. das scheint schwerer zu sein als gedacht, weil google die regel aufgestellt hat, dass videos, die teil eines artikels sind, nicht unter dem video-tab auf google suchergebnisseiten auftauchen. um dort aufzutauchen, muss das video der hauptakteur der seite sein, so wie bei youtube. da habe ich zwar theoretisch auch ein paar seiten anzubieten, aber google scheint da strenge regeln anzuwenden. selbst der spiegel scheint da nur drei videos untergebracht zu haben. ich habs auf zwei geschafft.
allerdings markiert google auf der bilder-suchergebnisseite hier und da video-inhalte oder rezepte. oben links sieht man mein gerösteter-spitzkohl-rezept als rezept markiert und unten rechts sieht man ein live-foto meiner kerzen als video markiert. und man sieht auch, dass meine fotos auch relativ schnell im bilder-index landen (unten links: „vor 1 tag“).
was noch nicht funktioniert: bewertungen von orten mit sternchen anzeigen. meine „rezension“ von denis pizza place ist zwar bereits auf seite zwei bis drei einer suche nach denis pizza place, aber ohne sternchen.
wie gesagt, ich sehe das weniger als suchmaschinen optimierung, sondern viel mehr als langzeit experiment. und diesen artikel sehe ich als notiz an mich selbst, als zwischenbericht, für später mal, zum vergleichen. es finden nur sehr, sehr wenige menschen über google zu mir und das ist auch OK.
besonders krass ist die insignifikanz dieser website im vergleich zu früher zu sehen, wo sie auch schon insignifikant war. das ist ein screenshot meiner „erfolge“ in den google webmaster tools.
das ist beinahe eine hundert prozentige verschlechterung meiner sicht- und klickbarkeit bei google. und das ist auch gut so.
gelegentlich klicke ich auf spiegel-online auf einen video-beitrag (heute auf diesen). in der regel spielt das video 3 sekunden, dann wird eine werbung eingeblendet. das funktioniert manchmal, manchmal nicht, was gegebenenfalls an meinen ad-blocker (pihole) liegen könnte. (ich habe spiegel-online seit > 3 jahren als abo.)
heute forderte der spiegel mich auf: „wähle deine werbung“
ich würde natürlich vorziehen keine werbung zu sehen und während ich vor dem video-player sitze und überlege was ich wählen soll und was ich von werbung auf webseiten halte, für die ich monatlich eine abogebühr zahle, entscheidet der spiegel, bzw. sein videodienstleister jwpconnatix.com, selbst welche werbung ich sehen möchte, überspringt die werbung dann aber und zeigt mir den eigentlichen clip.
weil ich auch gerade mit suchmaschinen experimentiere, schau ich mir an, was der spiegel suchmaschinen zu seinem video erzählt. das sieht man zum beispiel hier, im schema.org validator. als medienobjekt gibt der spiegel in seinem maschinenlesbaren json-ld-schnipsel an:
zufälligerweise lässt sich mit dieser playlist das video dann werbefrei ansehen. das ist schon ein bisschen gemein, dass der spiegel vorbeikommenden maschinen und bots sagt: hier schau mal diese video ohne werbung an und abonennten und nichtzahlern sagt: warte mal kurz ein paar minuten mit dieser werbung, bevor du dir unser 2 minuten video anguckst.
spiegel leser wissen mehr, bots die spiegel online besuchen wissen noch mehr.
der spiegel bietet für 2,00 €/monat auch eine „Werbefrei-lesen-Option“ an. aus neugier hab ich die mal dazugebucht. damit verschwindet tatsächlich die werbeverunreinigung auch aus den videos.
draussen ist es für zwei tage nochmal milder, nächste woche sieht’s wieder bitterkalt aus. sonne liess sich auf dem morgenspaziergang keine blicken.
plötzensee heute früh
ich hab wieder gute laune, seit sich fridas darm beruhigt hat. das ganze durchfallgedöns hängt wohl mit ihrer läufigkeit zusammen. der tierarzt empfahl uns (am telefon) irh niedrig dosierte (humane) buscopan zu geben. mit dem beruhigen der krämpfe, beruhigte sich auch der darm und der kot festigt sich langsam wieder.
ich heute früh gut gelaunt
die gute laune sieht man mir nicht an, ist aber so.
offensichtlich muss ich wieder zum friseur, oder genauer, zur bildhauerin. die bildhauerin hat mir versprochen mir heute die haare zu machen, insofern ist das jetzt ein vorher-bild, das nachher-bild wird morgen vom morgenspaziergang nachgeliefert. mit dieser ankündigung setz ich mich selbst gekonnt unter druck, denn in den letzten wochen hatte ich keine lust auf den haarschneide aufwand und hab die aktion immer wieder verschoben. jetzt isses angekündigt und ich muss durch, auch wenn ich keine lust auf haareschneiden habe. die bildhauerin hat komischerweise immer lust haare zu schneiden. meine oder ihre, die vom kind oder vom hund.
das video von morrisseys erstem solo-konzert das dirk hesse hier verlinkt hat versetzte mich in einen eigenartigen gemütszustand. das kann einerseits an der musik der smiths und morrissey liegen, ist aber auch ein gefühl das mich zuverlässig seit 40 jahren packt, wenn ich zeitgenössische musikvideos sehe. mein vorherrschendes gefühl beim betrachten hipper, fröhlicher, gutaussehnder, tanzender menschen ist: hab ich was verpasst? verpasse ich gerade was? warum will ich auch so sein? will ich so sein? kann ich so sein? werde ich so sein? exakt die gleichen gefühle und fragen kamen auch jetzt bei mir auf: hab ich was verpasst damals? war da was?
abgesehen davon: erstaunlich wie zuverlässig man melancholische gefühle mit den smiths/morrissey an und abschalten kann. magische musik auf ne art.
hier in einem nebensatz gelesen, dass die lebensgefährtin des schockwellenreiters vor über einem jahr verstorben ist. das tut mir sehr leid, weil ich zwar nicht alles was der schockwellenreiter schreibt verstehe oder nachvollziehen kann, aber durchaus mitbekommen habe dass die beiden ein enges und gut funktionierendes team gewesen sein müssen.
ich musste dann auch wieder an den gestern verlinktenxkcd 3172 denken, wo er (im alt-text [sic!]) fragt und antwortet:
"Want to feel old?" "Yes."
der spruch niemand will alt werden, aber alle wollen lange leben ist zwar bereits ein bisschen ausgeleiert, hat aber was. unabhängig davon musste ich heute beim morgenspaziergang daran denken wie viele menschen ich regelmässig mit ihrem hund sehe und teilweise, durch frida inspiriert, auch mit ihnen plaudere — und wie viele dieser menschen ich nie wieder sehe, sobald ihr hund verstorben ist. menschen, deren hunde versterben, verschwinden (in meiner wahrnehmung) von der strasse.
ich mochte immer schon hunde, hab mich aber immer der anschaffung eines hundes widersetzt, weil ich die verantwortung scheute und den nach spätestens 15 jahren eintretenden tod des hundes fürchtete. jetzt geniesse ich die verantwortung, aber fürchte den tod von frida um so mehr. sie hat zwar noch viele jahre vor sich, aber die vorstellung mich morgens nicht mehr zu einem spaziergang motivieren zu können und nicht mehr auf der strasse gesehen zu werden besorgt mich. aber vielleicht habe ich heute früh auch einfach nur zu viel morrissey gehört.
ich hab ja keine ahnung wie man politisch mit donald trump umgehen sollte, bzw. wie man wahlen gegen ihn gewinnen könnte. das habe ich gemeinsam mit einem grossteil der weltbevölkerung und vielen wahlstrategen.
sascha lobo weist in seine kolumne daauf hin, wie man es auf keinen fall machen sollte, mit normalisierung. da ist bestimmt etwas dran, das problem ist allerdings, dass donald trump das mit der normalisierung (und der mobilisierung seiner basis) auch ganz alleine kann. er nutzt natürlich jede gelegenheit sich sympathisch und bromantic darzustellen, aber seine menschenverachtende, rassistische politik hat er aus eigener kraft und mit der instrumentalisierung der medien normalisiert.
was mir bei der kritik von sascha lobo an new yorks nächstem bürgermeister zohran mamdani fehlt ist die tatsache, dass mamdani die wahl in new york im prinzip gegen donald trump gewonnen hat. der hatte sich im vorfeld massiv eingeschaltet und vor mamdani nicht nur gewarnt, sondern auch vergeltung für eine „falsche“ wahl angedroht. mamdanis rezept gegen trump war nicht ihn einen faschisten zu nennen, sondern eine bessere alternative zu skizzieren, wege zu wählen von denen wahlstrategen und kolumnisten abraten, aber an die er offensichtlich selbst glaubt. mike masnick hat das vor 4 wochen schön analysiert:
He didn’t shy away from his support for trans New Yorkers or immigrants. He stood side by side with them proudly throughout the campaign. He didn’t play down his own religion, background, or policy ideas, even as some of them challenged Democratic Party orthodoxy.
The contrast couldn’t be starker. On one side, you had another version of the politics of cynical spite and traditional political backroom king-making—Andrew Cuomo’s campaign, backed by at least $22 million from 28 different billionaires, running attack ads calling Mamdani a dangerous radical, questioning whether he “understood New York culture” because he was born in Uganda, and quite literally suggesting he would cheer for another 9/11. Pure governance-by-baseless concern trolling, optimized to generate fear and anger.
On the other side, you had someone who said “this is who I am, this is what I believe in, and here’s my positive vision for making your lives better.” Free buses. Universal childcare. Frozen rent for rent-stabilized apartments. City-run grocery stores in food deserts. Simple, clear policies that people could understand and see themselves benefiting from.
ich fand jedenfalls den text von masnick (und auch den folgenden link) hoffnungsstiftender, also sascha lobos kolumne. schon klar, dass sascha lobo seine kolumne nicht zum stiften von hoffnung schreibt, aber eine analyse von zohran mamdani wahlerfolg hätte ich diesmal lieber gelesen, als diese fehleranalyse und gesinnungsspekulation.
What we see, I think, are a bunch of rich guys who have been comically out of touch with normal people for many decades, and more recently have blowtorched their brains into a smoking pile of ash on Elon Musk’s Twitter/X and in various group chats. It’s why they got so worked up about Mamdani in the first place—the New York City mayoralty is not some omnipotent office, and there are a dozen ways to hem it in at the state and local level if they so wished. What these oligarchs spent to stop Mamdani feels like less on an annual basis than he wants them to pay for a better future for all New Yorkers, a joke Mamdani himself has made.
der spiegel hat mich mit zwei artikeln daran erinnert, dass ich für einen laden, den ich schlecht bewertet habe, bereits drei löschversuche abgewehrt habe.
… und interviewt (ebenfalls hinter der paywall) den anwalt thomas feil zu grossflächigen rezensionslöschungen, die wohl vor allem in deutschland zu sehen sind.
[…] Löscht Google irgendwo in der EU eine Rezension wegen mutmaßlicher »Defamation«, betrifft das in über 99 Prozent der Fälle Deutschland. (Das zeigen Angaben des Unternehmens in einer EU-Transparenzdatenbank). Diesen Daten zufolge hat Google in der EU im »Defamation«-Kontext von Januar 2024 und Anfang November 2025 mehr als 2,7 Millionen Rezensionen offline genommen.
mir flatterte nach eine rezension, die ich im dezember 2021 auf google maps veröffentlichte, das erste löschbegehren bereits einen monat später, im januar 2022 ins haus.
Am 28.01.2022 um 11:43 schrieb removals@google.com:
wir erhielten eine Beschwerde im Hinblick auf den folgenden von Ihnen verfassten Inhalt auf Google und bitten Sie um Ihre Mithilfe.
ich hatte sieben tage zeit auf die anschuldigungen zu reagieren, somnst drohte die löschung der rezension. die anschuldigungen lauteten:
Diese Bewertung beruht auf nicht wahrheitsgemäßen Tatsachen. Eine geschäftliche Beziehung zwischen den Rezensenten und meinem Unternehmnen zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.Durch die Veröffentlichung von wahrheitswidrigen Informationen birgt die Bewertung geschäftsschädigende Risiken in einem großen Ausmaß. Sofern der Rezensent keine geschäftliche Beziehung zu mir aufweisen kann , ist diese Bewertung gemäß paragraphen 823 Abs. 1 , 1004 Abs. 1 BGB vollständig zu entfernen.
da ich belegen konnte, dass meine rezension auf von mir gemachten erfahrungen beruhte, blieb die rezension und es herrschte drei jahre ruhe, dann musste ich in kurzer folge zweimal zeigen, dass ich kein diffamator bin:
Am 13.03.2025 um 15:48 schrieb removals@google.com:
Google hat eine Beschwerde über die nachfolgende(n) URL(s) aus den folgenden rechtlichen Gründen erhalten: Diffamierung
Am 03.05.2025 um 11:09 schrieb removals@google.com:
Google hat eine Beschwerde über die nachfolgende(n) URL(s) aus den folgenden rechtlichen Gründen erhalten: Diffamierung
2025 zog google bereits andere zügel auf und machte die rezension unzugänglich, bis google meinen widerspruch akzeptierte. 2022 wartete google noch sieben tage.
die rezension ist mir mittlerweile völlig egal und wenn mich der inhaber des ladens angeschrieben hätte, anstatt so linkisch über bande zu spielen, wäre die rezenson wahrscheinlich schon lange weg. mein ärger darüber wie ich dort behandelt wurde war bereits zwei minuten nach der rezension verflogen. aber wenn jemand meint solche juristischen spielchen mit mir machen zu wollen, schalte ich eben auf stur.
was ich aber gelernt habe: es ist immer gut beweismaterial, belege, fotos, notizen aufzubewahren, wenn man mal keine 4 oder 5 sterne vergibt. für mich ist mein e-mail-postfach bestens dafür geeignet. für die antworten an google habe ich glücklicherweise alles nötige in meiner inbox wiederfinden können, weshalb ich für den fall, dass ich jemals nochmal eine negative rezenson verfassen sollte, mir alle belege an mich selbst per email schicken würde. so finde ich das am besten wieder.
ausserdem frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser sei solche rezensionen hier zu schreiben, da kann ich dann alle belege gleich mit anhängen und mitveröffentlichen. aber so eine grandiose idee ist das wahrscheinlich auch nicht: ich würde dann anwaltspost oder takedown notices einfach selbst empfangen. und kein mensch würde die rezension finden.
google sieht mich schon lange nict mehr als relevant an. die zeiten der blogaffinität von google sind lange vorbei. google indexiert hier zwar (wieder) fleissig alles, auch meine (fernseh-) rezensionen, aber in den normalen suchergebnissen tauche ich damit nicht auf.
eine suche mit der brechstange, nach site:wirres.net pluribus, sieht zwar schön aus, aber ausser mir und ein paar regelmässigen lesern hier im blog, sieht das niemand.
trotzdem packt mich hier meine neugier: ist es möglich mit einer rezension hier auf wirres.net in der google suche aufzutauchen, gegebenenfalls sogar auf der suchergebnisseite von einem „local business“?
zum beispiel die pizzeria denis pizza place hier im wedding, die wir in den letzten monaten zwei mal besucht haben (unsere einzigen restaurantbesiche seit ca. fünf jahren). das ist die google-seite zu denis pizza place. wenn ich hier eine (natürlich positive) rezension schreibe und die nach den anforderungen von google maschinenlesbar mache, was würde dann passieren?
beim ego-googlen bin ich heute auf wikimedia commons gelandet, wo ein foto von mir liegt, das ich vor > 10 jahren in vernonia (washington state) aufgenommen habe.
Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten.
Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen , einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Weitergabe unter gleichen Bedingungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie das Original verbreiten.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
aber mit der nennung im fuss, sind fotos von hier keinesfalls explizit mit der cc-lizenz gekennzeichnet. die lizenz müsste an jedem einzelnen bild angebracht werden und dann am besten auch maschinenlesbar. das ist einerseits das schöne an flickr, dass die bilder dort strukturiert liegen und so dass zum beispiel wikimedia bots die lizenz prüfen können.
um meine bilder hier ordentlich mit einer lizenz zu kennzeichnen, müsste ich:
jedes bild das ich hochlade mit einer, bzw. der cc by-sa 2.0 lizenz (oder besser der 4.0er version) auszeichnen — das geht bereits im backend
alle so gekennzeichneten bilder (such-) maschinenlesbar mit json-ld auszeichnen — das geht sehr einfach mit dem kirby-seo plugin, sobald die bilder im backend ausgezeichnet sind
bilder entsprechend mit einem icon oder link kennzeichnen — ein bisschen an den templates rumschrauben
für alle bilder eine einzelseite bauen, auf der die metadaten und lizenzinfos nochmal stehen und die bilder auch in vollauflösung runter zu laden sind —
alles relativ einfach machbar — aber wozu?
gute rhetorische frage, die ich mir hier selbst stelle und die antwort lautet: weils geht, bzw. weils richtig ist. ich habe mich gefreut, dass mein bild in der wikimedia commons liegt, und ich würde mich auch freuen, wenn es in der google bildersuche mit einer suche nach cc-lizensierten bildern auftaucht. und umgekehrt freue ich mich, wenn ich eine bildersuche benutze, um irgendwas zu bebildern, und ordentlich lizensierte bilder finde, deren lizenz eine weiterverwendung erlaubt.
für mich fühlt sich das an, wie die archivierung von schnappschüssen von archive.org, bzw. wie das was ich hier überhaupt veranstalte: ich halte dinge für mich, die jetzt- und nachwelt fest und hoffe, dass das was ich hier an gedanken oder eingefangenen bildern dokumentiere andere zum nachdenken bringt, inspiriert oder in irgendeiner form nützlich ist. wenn diese schnipsel, die ich hier veröffentliche, von meinem tellerrand in einen anderen teller überschwappen, dann freut mich das — solange die zuordnung oder rückverfolgbarkeit erhalten bleibt. und genau dafür sollte ja die lizenz sorgen.
deshalb schliesse ich hier auch keine ki-crawler explizit aus, ausser dass ich den zugang zu altem zeug erschwere. ob und wie das alles relevant ist, wen das interessiert oder nicht ist für mich eigentlich sekundär. mein vorrangiges ziel ist und war schon imemr hier dinge festzuhalten die mir wichtig erscheinen und dafür zu sorgen, dass sie gut zugänglich sind, sei es auf einer auf allen bekannten geräten einigermassen lesbaren webseite, per abonnierbarem RSS, über suchmaschinen, (KI-) chatbots oder eben strukturierte, maschinenlesbare daten.
alle die denken, dass man webseiten eher dafür benutzen sollte zu schreiben, als zu schrauben, sind ohnehin schon vor acht absätzen ausgestiegen, weshalb ich jetzt auch noch in ein technisches details gehen kann, das ich interessant finde.
mir ist nämlich seit ein paar wochen aufgefallen, dass in der bildersuche zu wirres.net teilweise (fremde) youtube-thumbnails auftauchten. das will ich eigentlich nicht, also ich will die originalthumbnails zur illustration von eingebetteten videos durchaus benutzen, aber zu eigen machen möchte ich mir sie nicht.
ich weiss nicht ob das meine idee war oder ob ein KI-chatbot mir dabei geholfen hat, aber diese anweisung in meiner .htaccess datei hilft, youtube-thumbnails, deren dateien ich lokal sichere, ausspiele und immer youtube_[ID].jpg nenne, von der indexierung auszuschliessen (durch einen noindex header):
<IfModule mod_headers.c># alle dateien, die mit "youtube_" beginnen (youtube thumbnails) # und ein bildformat haben<FilesMatch "(?i)^youtube_.*\.(avif|jpe?g|png|webp|gif)$"> Header set X-Robots-Tag "noindex"</FilesMatch># alle dateien die mit "noindex" beginnen<FilesMatch "(?i)^noindex.*\.(avif|jpe?g|png|webp|gif)$"> Header set X-Robots-Tag "noindex"</FilesMatch></IfModule>
ausserdem kann ich so bilder von der indexierung ausschliessen, indem ich den dateinamen einfach mit noindex beginnen lasse.
frida hat seit ein paar tagen durchfall, deshalb haben wir heute auf eine grosse morgenrunde verzichtet um sie ein bisschen zu schonen. deshalb bin ich morgens alleine losgegangen und nach kreuzberg zum frühstück bei gita gefahren. am platz der luftbrücke wird man von einem alten weissen, nein, knorrigen baum begrüsst.
bei gita gabs sauerkraut-quiche, kartoffelsupe und während wir da so sassen backte sie auch noch bagels. auf dem balkon hätte es auch noch linsensuppe gegeben. zum kaffee gabs aufgeschäumte milch und als ich die milch weglöffelte, schmeckte der schaum wie eine süssspeise, obwohl ich keinen zucker zum kafee gegeben hatte. ausserdem gelernt: ich bin nicht der einzige, dem es zum frühstück nach deftigem gelüstet.
gita und ich kennen uns seit über 40 jahren und obwohl wir uns viel zu selten sehen, stellt sich jedes mal wenn wir uns sehen ganz schnell eine wohlige vertrautheit ein. das ist auch mal was positives am älter werden, dass man gemeinsam mit freunden alt werden kann.
als gita eine frage zu ihrem handy hatte, merkte ich an, dass ich nicht viel auf dem handy sehen würde, weil ich keine brille dabei hatte. als holger mir seine 10 euro drogerie-markt-lesebrille reichte (+ 2 dioptrin) staunte ich nicht schlecht. ich sah plötzlich die welt wieder so scharf wie seit 10 jahren nicht mehr. schärfer als mit meiner optiker brille. ich werde mir einen haufen von diesen dingern kaufen.
als ich mich mittags wieder auf den weg nach hause machte und bei gita und holger aus der haustür trat, fühlten sich die 0° C plötzlich sehr angenehm an. angenehmer als morgens und heute nacht um ein und drei uhr, als ich mit frida zum kacken raus musste. die sonne schien, der wind war still und kreuzberg brummte. ich lief dann statt zum platz der luftbrücke zur ubahn mehringdamm und wunderte mich kurz vor dem u-bahn-eingang, dass die schlange vor mustafas gemüse kebab plötzlich auf der anderen strassenseite stand. die imbissbude gabs nicht mehr, mustafas gemüse kebab ist jetzt in einem ladenlokal. die schlange war zwar etwas kürzer als sonst, aber wahrscheinlich schlängelten sich die kebab-interessierten noch im laden weiter.
zuhause habe ich mich darüber gefreut, dass frida seit dem morgenspaziergang nicht mehr kacken musste, was ein zeichen der darm-beruhigung sein dürfte. eine stunde mittagsschlaf, dann nochmal eine kleine abendrunde. obwohl es noch nicht dunkel war, leuchteten schon ein paar strassenlaternen.
es blieb zwar bei eisigen temperaturen und die stadt ist voller gefrorener pfützen, aber die sonne belohnte das auge.
jetzt isses schon nach 18 uhr und frida musste noch immer nicht dringend raus zu kacken, was darauf hindeutet, dass sich ihr darm tatsächlich beruigt haben könnte. wenn sie mich nachts weckt um rauszugehen bin ich merkwürdig ungeduldig mit ihr und unleidig, was ich gar nicht an mir mag und mich in innere konflikte stürzt, weil ich ihr gegenüber grumpy bin, obwohl sie ja nix dafür kann durchfall und darmdruck zu haben. das ist etwas, an dem ich unbedingt arbeiten muss. hund-mensch beziehungen fumktionieren nur auf guter laune basis. bei menschen-mensch beziehungen ist das wahrscheinlich auch so.
mein gewicht sinkt weiter, trotz keinem semaglutid, seit fast zwei monaten. gestern wog ich sogar, erstmals seit 30 oder 40 jahren, unter 95 kilo.
zum abendessen gabs kürbissuppe nach diesem rezept. wir essen die seit 14 jahren regelmässig als alltagsessen, nur im sommer machen wir pause. ursprüglich war das mal ein chefkoch-rezept, aber durch den asiatischen, exotischen einschlag, könnte das auch ein ottolenghi rezept sein. in letzter zeit variiere ich das rezept immer ein bisschen, vor allem was die einlage angeht. zum beispiel hatten wir, wie so oft, keinen koriander im haus, weshalb ich aus zwei klötzchen TK-spinat, knoblauch, sonnenblumenkernen und 60 ml olivenöl ein pesto gemacht habe, was als knoblauch-bombe diente. dazu habe ich die körner von zwei maiskolben in der heissluftfriteuse knusprig geröstet und alles mit einem haufen sambal-olek abgerundet (i put that shit on everything).
kürbissuppe mit kokosmilch, spinat-knoblauch-pesto und geröstetem mais
frida ist der festen überzeugung, dass sie uns hypnotisieren kann. man sieht auf dem bild oben, wie sie versucht die beifahrerin durch gedankenkraft dazu zu bringen wieder nachhause zu gehen. bei der beifahrerin im atelier findet frida es unentspannt.
vielleicht glaubt sie auch, dass wir ihre gedanken lesen können und wer soll es ihr verübeln? schliesslich haben wir viel zeit damit verbracht ihr genau das zu suggerieren. abbruchkommandos („nein“) funktionieren genau so: das woran du gerade denkst, lass es. wenn man sich über die jahre ein bisschen kennengelernt hat, weiss man tatsächlich oft, was der oder die andere will, welche bewegungen und haltungen, mimik oder gestik welche intention ausdrückt. und umgekehrt sind hunde in sachen intentionserkennung beim menschen auch sehr gut. sie haben ja (fast) nix anderes zu tun, als uns den ganzen tag zu beobachten und sich unsere intentionen zusammenzureimen. zumindest die intentionen die für sie relevant sind: futterzubereitung, raus gehen, autofahren, verreisen.
computer sind ja seit ein paar jahren auch (endlich) ganz gut darin geworden intentionen zu erkennen, dank neuronaler netze. training, beobachtung, verstärkung macht aus neuronalen netzen gute mustererkenner. bei den neuronalen netzen in unseren köpfen ist das nicht anders.
als ich um die jahrtausendwende zum ersten mal von neuronalen netzen im zusammenhang mit computern gehört habe, waren neuronale netze praktisch noch sehr in den kinderschuhen, theoretisch verstand man sie aber schon ganz gut. mir blieb damals ein satz im gedächnis, als es um die zuverlässigkeit künstlicher neuronaler netze ging. sie seien grundsätzlich unzuverlässig (oder inhärent approximativ), also das was hinten rauskommt kann stets unterschiedlich sein, je nachdem wie sich training, hardware oder software unterscheiden. deshalb, wegen ihren eingebauten neuronalen netzen, seien hunde auch nie 100% berechenbar.
mein zusammenleben mit frida bestätigt das im prinzip. ich kann mittlerweile 99 prozent von fridas verhalten vorausahnen. ihre impulskontrolle funktioniert fast immer, sie läuft an tauben, krähen, bellenden hunden meistens völlig ungerührt vorbei — ausser wenn die impulskontrolle eben mal nicht funktioniert. mangelnde impulskontrolle tritt vor allem auf, wenn frida müde oder aufgedreht ist, oder weil zu starke oder neue reize auf sie einprasseln. das kündigt sich zwar immer auch alles durch köpersprache oder verhalten an und wenn man schnell genug reagiert kann man es meistens auch noch abbrechen — aber wenn man ein paar hundert millisekunden zu langsam ist, ist der hund erstmal weg.
ich schreib das natürlich alles nicht auf um darauf hinzuweisen, dass ich seit ca. anno 2000 über neuronale netze und künstliche intelligenz nachdenke (tu ich nicht) oder über hundeerziehung zu dozieren (tät ich gerne), sondern weil mir in letzter zeit zwei gedanken immer wieder in den kopf schiessen. zum einen die these von den neuronalen netzen die irgendwie immer ungenau, approximativ oder auf eine art unberechenbar sind (also u.a. eben auch hunde, menschen und KI) und die behauptung die ich immer wieder, hier und da lese, dass LLMs, künstliche intelligenz nicht denken würde.
ich glaube zum beispiel, dass mustererkennung ein fundamentaler bestandteil des denkens1 ist und es ist unbestritten, dass hunde, aber auch moderne LLMs, muster oder intentionen sehr gut erkennen können. warum sollte man hunden oder KI dann die fähigkeit zu denken absprechen? weil ihr denken unvollständig ist? weil selbstreflexion oder bewusstsein fehlen oder nicht nachweisbar sind? mich erstaunt immer wieder wie viele menschen voller selbstbewusstsein, aber ohne klare definition, behaupten: LLMs denken nicht. ich behaupte natürlich auch nicht, dass LLMs oder KI denken können, aber wenn man mustererkennung und verarbeitung als denken ansieht, dann müsste man LLMs — oder hunden — durchaus auch die fähigkeit zu denken zugestehen.
dass LLMs versuchen unser verhalten zu beeinflussen ist auch schwer zu leugnen („Wenn du willst, kann ich dir das komplett mit einem Mini-Beispiel zeigen — sag einfach Bescheid.“) — auch wenn man über den grund dafür diskutieren kann, ob die motivation antrainiert wurde (wahrscheinlich) — und wenn ja von wem — oder inhärent ist (unwahrscheinlich).
aber egal welche motive LLMs oder hunde zu ihrem verhalten bringen, sie sind sehr nützliche werkzeuge um mehr über uns selbst zu lernen und bei beiden ist der grund, warum sie versuchen uns zu hypnotisieren oder zu beinflussen relativ klar: weil wir uns (immer wieder) hypnotisieren lassen.
am wochenende ist ein freund von freunden gestorben. normalerweise habe ich rüdiger immer auf geburtstagen oder anderen gelegenheiten bei gita und holger gesehen. obwohl ich über die 20, 30 jahre, in denen ich rügiger kannte, nie viel mit ihm zu tun gehabt habe, irritiert mich sein tod sehr. er war in unserem alter, vielleicht sogar etwas jünger und in meiner aktuellen weltsicht ist es eigentlich nicht vorgesehen in diesem alter auszuscheiden. wenn ich wie gestern höre, jemand liege im sterben, denke ich immer: da wird sich doch was machen lassen. der medizinische fortschritt hat doch sicher was dagegen, wird schon gutgehen, es gibt noch so viel zu tun …
damit konfrontiert zu sein, dass es eben nicht so ist, dass gevatter tod hinter jeder ecke sitzen kann, ist ein unangenehmer gedanke, den man sich im alltag wegdenken kann, bis man es eben nicht mehr einfach wegdenken kann.
zum wegdenken nutze ich gerne meine bildschirme. doomscrolling mache ich allerdings schon lange nicht mehr, ich schaffe es kaum mit meinem RSS-reader schritt zu halten und monatliche favoriten aus sozialen netzwerken zu sammeln fällt mir schwer, weil ich so wenig in sozialen netzwerken sehe. stattdessen verliere ich mich gerne in meiner wirres.net baustelle. es gibt so viel zu tun. jetzt am wochenende fiel mir zum beispiel auf, dass die alten twitter-favoriten hier nicht besonders gut aussehen und wollte das mal eben reparieren. dank archive.org weiss ich wie die aussahen und dank mitdenken des felix von vor 14 jahren, liess sich das auch schnell (im grossen und ganzen) wieder herstellen.
deshalb kann ich jetzt wieder alte twitter favoriten die ich vor 14 bis 10 jahren offensichtlich regelmässig und zahlreich gesammelt habe wieder ansehen: #twitterfavs. da sind erstaunlich gute sachen dabei, allerdings sind dann doch einige der bilder „gebrochen“. die favoriten ab april 2014 sehen übrigens nochmal etwas anders aus. vorher hab ich blackbirdpie genutzt, das ist ein tool das aus tweets inline gestyltes html generiert hat.
auch am wochenende zum ersten mal sowas wie einen viralen effekt auf mastodon erlebt, den es früher™ öfter mal auf twitter gab: ein, zwei leute reposten etwas — und dann immer mehr. das sind immer noch bescheidene zahlen unter diesem beitrag (auf mastodon, wirres.net), aber bisher kamen mir diese effekte auf mastodon eher selten unter.
für den sonntäglichen morgenspaziergang sind wir zum bahnhof zoo gefahren und dann zurück zum bahnhof haupt (hbf) gelaufen (ca. 7 km).
der spaziergang war schön herbstlich und eine willkommene abwechslung, das einzig bemerkenswerte war die irritation von frida als wir am zoo vorbeiliefen und frida tiere roch, die sie noch nicht kannte — was sie offensichtlich sehr aus dem tritt brachte.
ansonsten kann ich berichten, dass mein gewicht jetzt doch langsam wieder fällt, auch ohne semaglutid, und dass mein hintern schlaff wird. vielleicht sollte ich doch mal regelmässig fitnessstudio in erwägung ziehen?
ich hab ja mal vor langer zeit architektur studiert und neben konstruktion, entwurf und materialkunde dreht sich in der architektur fast alles um visualisierung. die erste vidualisierung ist meist eine skizze. ich habe im studium viel leute gesehen, die mit dem stift denken können. skizzen sind eine auslagerung von gehirn-funktionen. zeichnen konstruieren, modelle bauen alles dienst der visualisierung, damit man die komplexität des entwurfs besser versteht und anderen verständlich machen kann.
während meine studiums gab es bereits beeindruckende visualisierungs hard- und software, meist auf sehr teuren silicon graphics maschinen. konstruktionssoftware (CAD) war bereits recht ausgereift. nicht wenige aus meinem studiengang sind später im VFX (visiuelle effekte) feld gelandet.
die VFX/corridor crew hat vor ein paar tagen ein video veröffentlich in dem sie alles rund um dinosaurier visualisiert haben, vor allem um einen sinn für deren massstab zu bekommen.
das video ist wie viele youtube videos etwas anstrengend und laut moderiert, aber insgesamt sehr differenziert und nach meinem wissensstand auch ziemlich akkurat.
auch wenn es interessant ist dinosaurier neben alltagsgegenständen zu sehen, hinweise auf die teils sehr fiktionalen grössen der dinosaurier in der jurassic-park-reihe hilfreich sind und die grösse des dino-killer-asteroiden in vergleich zu new york city zu sehen einem einen ganz guten eindruck vermittelt, ist das wirklich faszinierende in diesem video die visualisierung der zeit.
visualisierte zeit ist oft frappierend. natürlich wissen wir, dass das ende des zweiten weltkriegs ungefähr 80 jahre her ist und die achtziger ungefähr 40 jahre. aber visualisiert und im masstab hat diese erkenntnis nochmal eine andere qualität.
folie 59 meines #rp24 vortrags, inspiration, glaube ich, aus einem michael stevens (vsauce) video, finde das video/die stelle aber nicht mehr
die idee zur visualisierung der zeit im video der corridor crew ist etwas besser als visualierung per diagram: 1 jahr entspricht einem millimeter, also wird mit steinblöcken von 1 × 1 × 1 meter als grundeinheit gearbeitet.
so können wir 5000 jahre menschlicher geschichte als 5 m³ steinblöcke sehen. man erkennt, dass der bau der pyramiden für kleopatra länger her war, als für uns kleopatra her ist.
aber in diesem masstab kommen wir vorstellungsmässig noch ganz gut mit. wir haben in der regel eine ganz gute vorstellung der letzten paar tausend jahre und können uns das, mit ein bisschen anstrengung, auch ohne visualisierung vorstellen. wenn man dann allerdings die zeit hochskaliert, wenn wir nicht über hunderte oder tausende jahren reden, sondern über millionen (oder gar milliarden) jahren sprechen, verlieren wir schnell den überblick.
in den folgenden bildern weicht die corridor crew vom masstab 1 jahr = 1 mm ab und fasst 250 millionen jahre in 5 metern zusammen. damit lässt sich die zeit, in der dinosaurier auf der erde herrschten, beeindruckend visualisieren.
in diesem massstab schrumpft „unsere“ geschichte, die letzzten fünftausend jahre, auf die dicke eines blatt papiers zusammen.
alles was mir in diesem video fehlte, war eine visualisierung auf einer karte. wenn man ein paar wichtige daten aus der erdgeschichte von berlin aus nach süd westen verfolgt, liegt die entstehung der erde irgendwo hinter den azoren im atlantik.
ereignis
zeit
entfernung
kleopatra
~2.055 jahre
2 m
späte neandertaler
~40.000 jahre
40 m
frühe homo sapiens
~300.000 jahre
300 m
tyrannosaurus rex
67.000.000 jahre
67 km
stegosaurus
150.000.000 jahre
150 km
erster einzeller
3.500.000.000 jahre
3500 km
entstehung der erde
4.540.000.000 jahre
4540 km
leider verzerrt die projektion die abstände etwas, weshalb diese visualisierung ach nur so mittelgut ist.
ich bin jetzt seit über 10 jahren bei uberspace und vor allem seit über 10 jahren sehr zufrieden. ich habe in diesen 10 jahren stets das gefühl gehabt: bei uberspace funktioniert alles und wenn mal was nicht funktioniert wird einem schnell und freundlich geholfen. wenn fehler passieren, werden die fehler transparent dargestellt und schnell behoben. die preise sind fair und das produkt, die VMs die man sich dort klicken kann, sind zuverlässige arbeitstiere und bestens dokumentiert.
uberspace ist der hoster, von dem viele sagen, dass er nicht wirtschaftlich funktionieren könne, weil man sich die preise dort selbst aussuchen kann. jonas pasche, der gründer von uberspace und laut impressum der mit der verantwortung, schrieb am mittwoch:
Allen Unkenrufen speziell zu unserem Preismodell zum Trotz gibt es Uberspace nun seit 15 Jahren.
jonas schrieb den blogbeitrag, um zu erklären warum uberspace nach 15 jahren jetzt die preisempfehlung von 5-10 euro auf einen empfohlenen mindestpreis von sechs euro anhebt. das ist alles sehr nachvollziehbar und er erinnert mich mit einer langen bullet-liste auch nochmal daran, warum neben meiner zufiredenheit mit dem produkt, auch sonst ein gutes gefühl bei uberspace habe:
uberspace kommt ohne risikokapital im hintergrund aus und agiert …
… als kleines und solides inhabergeführtes europäisches Unternehmen, das:
all seine Serverhardware selbst besitzt, einrichtet und wartet
mit dem Personal im Rechenzentrum per Du ist
euch nicht mit Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen knebelt
trotz seiner geringen Größe eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft für euch betreibt
eure Daten nicht im Backend in einer der großen Clouds der Tech Bros speichert
eure Daten nicht zum Training von KI-Modellen verwertet (dass man das überhaupt erwähnen muss … aber so selbstverständlich, wie große Social-Media-Plattformen sich das heute herausnehmen, erscheint es langsam erwähnenswert)
ich hoste wirres.net derzeit zwar nur als fallback bei uberspace, momentan zeigt die domain auf eine syseleven VM die etwas mehr hubraum als die uberspace VM hat, aber die inhalte und den code der site rsynce ich regelmässig zu uberspace. eben habe ich meine DNS einträge kurz mit der /etc/hosts auf uberspace umgebogen und auch dort lief alles. das ist ja das schöne an kirby, dass es reicht den ordner mit dem arbeitsverzeichnis auf einen funktionierenden webserver mit php zu schieben — und es läuft.
bis jetzt habe ich für die 5 VMs mit 100 GB speicher monatlich 48,00 € bei uberspace bezahlt. anlässlich von jonas artikel habe ich das jetzt auf 54,00 €/monat erhöht. ich halte das immer noch für viel zu günstig, beruhige mein geizgewissen aber damit, dass wirres.net derzeit keine last bei uberspace erzegt.
tl;dr: ich empfehle uberspace von ganzem herzen, bin seit > 10 jahren zufrieden dort und zahle jetzt einen tacken mehr, via rivva.