als ich vor 23 jahren anfing mit einem content managment system ins internet zu schreiben, war ich in vielerlei hinsicht ein bisschen naiv. auch was die nutzung von bildern angeht. wenn schlechte witze (arnold schwarzegger hat schrankfarbene haare) die nutzung eines bildes erforderten, suchte ich mir ein bild und benutzte es. 2002 wurden urheberrechtsverstösse eher selten geahndet und google war gerade mal 4 jahre alt.
spätestens zu zeiten von marions kochbuch (die älteren werden sich erinnern) fing ich an mein archiv für suchmaschinen zu verrammeln. bei artikeln die älter waren als 5 jahre verbot ich die suchmaschinen indexierung. das hat soweit gut geklapt. in den > 20 jahren in denen ich ins internet schrieb habe ich zwar die eine oder andere abmahnung bekommen, aber nie wegen urheberrechtverstössen. bis heute. ein foto von arnold schwarzenegger das seit 20 jahren im web rumlag, ausgeschlossen von suchmaschinen-indexierung und ungesehen von jeder menschenseele, wurde doch von irgendeinem rechteinhaber gefunden. die seite, auf der das bild laut anwaltsschreiben zu sehen gewesen sei, war von der suchmaschinenindexierung ausgeschlossen und damit im prinzip unsichtbar. ich weiss zwar, dass ethisch fragwürdige crawler sich nicht an robots.txt anweisungen halten, aber dass möglicherweise für die durchsetzung von urheberrechten auch solche anweisungen ignoriert werden, scheint neu zu sein.
die 250 € habe ich überwiesen, das bild gelöscht und den artikel entfernt und gleichzeitig habe ich alle bilder von artikeln die älter als 2010 sind mit thumbhash bildern ersetzt. thumhashs sind „very compact representations of an image“, die gerade mal ein paar byte gross sind. die nutze ich schon länger fürs lazyloading, man bekommt die also zu sehen wenn man wirres.net mit einer sehr langsamen internetverbindung besucht. ansonsten sieht man die nur selten. hier eine beispielseite aus meinem archiv.
die riesenmaschine macht das schon lange so mit bildern, deren rechtelage ungeklärt ist: einfach weglassen.
aber nur wegen eines anwaltschreibens soll mein archiv nicht weniger bunt sein. deshalb finde ich meine lösung, bilder erstmal pauschal auf wenige bunte byte zu reduzieren sehr schön. und artikel mit bildern, über deren rechte ich mir im klaren bin (zum beispiel weil ich die bilder selbst aufgenommen habe), kann ich von der thumbhashisierung ausnehmen, aber das ist ein manueller vorgang.
so hat die abmahnung auch was gutes: ein schönes neues feature, von dem ich aus dem maschinenraum berichten kann.
es gibt auch sonst einiges neues aus dem maschinenraum. zum beispiel neue feeds für den river, die favoriten, bookmarks oder was ich gesehen habe (alle feeds sind autodiscoverable oder hier aufgelistet). unter /alles sieht man jetzt auch wieder wirklich alles, ebenso im alles-feed. auch im archiv sieht man beiträge, favs, bookmarks und gesehenes jetzt einzeln aufgeschlüsselt — oder eben als alles.
das logbuch meines medienkonsums, das ich dieses jahr führen möchte habe ich um die youtube sehzeiten erweitert. derzeit steht mein medienkonsum bei ca. 70 stunden pro monat die ich vor der glotze verbringe. ich bin mal gespannt wie sich das oder ob sich das über das jahr verändert.
und apropos gewohnheiten, die man offenbar mit zunehmensdem alter liebgewinnt, mal schauen ob mir entwicklung der gewohnheit gelingt, diesen baum ein jahr lang jeden tag zu fotografieren.
der monat ist noch nicht vorbei, aber ich glaube ich kann den februar jetzt schon mal statistisch auswerten. und zwar, wie viel zeit ich vor der glotze verbringe. ich glaube für den februar habe ich so ziemlich alle filme und serien die ich geschaut habe erfasst. das sind in summe 27 stunden die ich vor der glotze verbracht habe. allerdings ist mir gestern noch eingefallen: was mach ich mit youtube?
gemini meint es gäbe keine einfache methode die zeit, die ich mit youtube-videos verbringe, per api abzufragen. also bin ich meinen youtube-verlauf durchgegangen und habe für jedes video und jeden tag die zeit notiert, die ich geschätzt damit verbracht habe. abgebrochene videos oder videos in denen ich viel übersprungen habe, flossen entsprechend in diese schätzung ein. im februar waren das bis jetzt nochmal 31 stunden.
damit habe ich im februar ungefähr 58 stunden vor der glotze verbracht. das sind 15 % meiner verfügbaren freizeit, die ich mit youtube, filmen oder serien verbracht habe.
gestern habe ich ein ted-video von rebecca okamoto gesehen, in dem sie erklärt, wie man sich in 20 oder weniger worten so vorstellt, dass man einen bleibenden eindruck hinterlässt. ich fand das video schlimm und habe es deshalb nicht geliked und deshalb taucht es hier auch nicht auf, aber es ist doch etwas hängengeblieben, mit dem ich die zeit, die ich vor der glotze verbringe, rationalisieren kann: ich lese und sehe das internet leer, um kuratierte empfehlungen weiterzugeben, die anderen freude und mehrwert bringen.
wie und ob ich die youtube-zeiten in meinem medienlog verarbeite oder zeige, weiss ich noch nicht. da die zeiten über den januar und februar recht ähnlich verteilt sind, kann ich im ø von 75 minuten youtube pro tag ausgehen, wenn mir um die schätzung meiner screentime geht. das akkurat pro tag zu loggen hat ja keinen wirklichen mehrwert. aber ich überlege noch, ob und was da sinn ergibt.
die matomo-statistiken zeigen: wer regelmässig schreibt, wird auch gelesen. vorletzten und diesen monat waren es um die 7000 (unique) pageviews, im letzten monat gab es einen kleinen ausreisser nach oben. konstante besucherlieferanten sind buddenbohm-und-soehne.de (400-600 pro monat) und rivva (100-200 pro monat).
monatliche matomo statistik von wirres.net
die zahl der pageviews im RSS (um die 13.000/monat) korreliert natürlich mit der anzahl der veröffentlichten artikel. das waren in den letzten 10 monaten immer um die 60 (übersicht), also 2 pro tag. seit januar kommen monatlich ca. 80 likes und 50-60 lesezeichen dazu, die ich veröffentiche.
beim ø-gewicht geht’s weiter ganz leicht abwärts, auch wenn ich gefühlt im januar und februar zwischen 94 und 92 kilo feststecke. der durchschnitt sagt: es geht weiter abwärts. wohlgemerkt, ohne ozempic und ohne explizite „diät“. ich verzichte nur auf süsses und esse weniger brot, bzw. insgesamt etwas weniger.
beim training war ich bei liegenstützen ziemlich faul, dafür gelang mir vor einer woche zum ersten mal ein sauberer klimmzug von ganz unten bis unter das kinn. ich habe aber so ein gefühl, dass ich im märz berichten kann, dass ich 2-3 am stück schaffe.
@janschmidt hat seine folgenden gefragt ob er qwert oder was anderes lesen soll. qwert ist der neue roman von walter moers (verlangslink). walter moers habe ich ein bisschen aus den augen verloren. nachdem ich 2004 die 13 ½ leben des käpt’n blaubär ganz grandios fand, fand ich 2013 das labyrinth der träumenden bücher ganz furchtbar und mit seinem kliffhänger mitten in der geschichte auch unverfroren. rumo hab ich dann, glaube ich, wieder mit grossem vergnügen gelesen und dann nix mehr. der output von moers über die letzten jahre scheint aber laut verlagsautorenseite kaum nachgelassen zu haben.
ich habe erfreut festgestellt, dass die e-buch-version von qwert bei thalia zwar so viel wie die gebundene ausgabe kostet (39,99 €), aber man dafür eine epub-datei ohne kopierschutz bekommt. das ist mal lobenswert und ich überlege mir mal ein paar tage urlaub zu nehmen um das buch auf dem sofa bingezulesen.
lorenz meyer teaserte diesen text von tilman baumgärtel vor ein paar tagen auf 6 vor 9 mit diesen worten an:
Tilman Baumgärtel beklagt in seinem Essay, dass elaborierte Kulturtexte in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie kaum noch Resonanz fänden, da die Reichweite von Printmedien schwinde, und Social-Media-Algorithmen differenzierte Inhalte systematisch benachteiligen würden.
über diese eher undifferenzierte ansicht wollte ich mich gleich nach dem lesen des teasers aufregen und selbst was super-differenziertes schreiben, aber das essay von tilman baumgärtel liest sich besser, als die teaser beim bildblog oder über dem text bei der taz, vermuten lassen. aber der text bietet trotzdem nicht viel mehr als anekdotische evidenz: baumgärtel meint, früher habe es immer wieder erfreuliches Feedback“ auf „lange, feuilletonistische Artikel“ gegeben — und jetzt nicht mehr.
ich hab aus der vergangenen zeit der gatekeeper auch die eine oder andere anekdote. natürlich haben erwähnungen von oder interviews mit mir oder gar artikel über mich in überregionalen oder regionalen medien gelegentlich spürbares feedback erzeugt1 — wenn die gatekeeper ihre tore mal einen spalt öffneten. aber damals waren massenmedien eben auch noch massenmedien und noch nicht durchfragmentarisiert. damals lenkten die tore, über die die gatekeeper wachten, noch reissende flüsse, jetzt plätschert an diese tore im besten fall noch ein glucksender bach.
der aufmerksamkeits-markt ist grösser, lauter und unübersichtlicher geworden, für alle beteiligten. es bilden sich neue gatekeeper-cluster, influencer gewinnen an einfluss (scnr) und gedrucktes ist, wie vinyl, von einem massenprodukt zu einem liebhaberprodukt geworden. ich hab hier genauso wenig neue erkenntnisse, wie tilman baumgärtel:
Dass man mit Videoschnipsel-Debattenbeiträgen mehr Aufmerksamkeit als mit elaborierten Texten erhalten kann, ist zwar keine neue Erkenntnis. Ich war bloß noch nie auf die Idee gekommen, dass das auch für mich und meine Kulturartikel gelten könnte. Doch offenbar bewegen wir uns dank Social Media und Videoreels wieder in Richtung einer oralen Kultur, wie sie der Literaturwissenschaftler Walter Ong beschrieben hat.
walter ong hab ich nicht gelesen. wohl aber neil postman. vor vierzig jahren. der wurde nicht müde zu argumentieren, dass die vorherrschaft des gedruckten worts durch das zeitalter des fernsehens, der bilder und des amüsements abgelöst würde, bzw. schon wurde. deshalb frage ich mich: waren diese „elaborierten Kulturtexte“ überhaupt jemals besonders populär? waren die leser von sowas nicht immer schon eine verschwindend kleine special interest fraktion der bevölkerung? warum hat der inflluencer marcel reich ranicki das literarische quartett in den 80er jahren ins fernsehen gehievt? weil sich schon damals keine sau für „elaborierte Kulturtexte“ oder buchkritiken in den gedruckten medien zu interessieren schien. also hat er mit ein paar bekannten mit 70 minuten langen videoschnipsel-debattenbeiträgen versucht mehr aufmerksamkeit für bücher zu generieren.
wenn ich mich recht an meinen geschichtsuntericht erinnere war martin luther, genau wie postman und ong davon genervt, dass die katholische kirche den glauben vor allem durch bilder, statuen, rituale und performances vermittelte und nicht sola scriptura („allein durch die schrift“).
was ich sagen will: differenzierte, elaborierte texte haben es schon immer schwer gehabt ein breites publikum zu finden. und vielleicht haben sich intellektuelle vor 20, 30, 100 oder 500 jahren, genau wie der eine oder andere blogger vor 20 jahren, davon einlullen lassen, dass die debatten in vielen filterblasen eben von intellektuellen domiert wurden und so eine etwas eindimensionale, unrealistische wahrnehmung von resonanz, relevanz oder popularität erzeugten.
vielleicht müssen medienschaffende (da zähle ich mich durchaus mit dazu) einfach damit leben lernen, dass ihre texte einerseits eine sehr begrenzte, sehr kleine zielgruppe haben und dass es andererseits immer schon schwer war diese überschaubare zielgruppe überhaupt zu erreichen. feuilletons waren sowas wie aggregatoren und suchmaschinen der frühen zeit für „elaborierte“, anspruchsvollere texte, werkzeuge um aufmerksamkeitströme in einem gewissen rahmen zu lenken und zu manipulieren oder zu subventionieren.
um so wichtiger dürte es sein, die nutzung des offenen webs weiter für vernetzung, aggregation, empfehlungen und eigenverlag zu nutzen. die zielgruppe, klein und überschaubar, ist noch da, sie findet den ganzen elaborierten scheiss nur immer schwerer. das kann man ändern, indem man sich nicht mehr an den grossen platformen orientiert, sondern sich so gut wie möglich vernetzt, föderiert und werkzeuge weiterentwickelt, experimentiert und sein publikum selbst einsammelt und bedient.
luther nutzte damals auch moderne werkzeuge beim versuch die menschen aus den bildwelten der kirche zu zerren. und wie luther stehen wir mächtigen giganten gegenüber, aber wenn wir uns auf die kraft des geschrieben wortes verlassen, technologien klug nutzen, ertragen, dass die meisten menschen uns ignorieren und kaum wahrnehmen, haben wir vielleicht doch die chance hier und da jemanden zu berühren und vielleicht auch was zu verändern.
am ende ist relevanz firlefanz und statt eines massenpublikums ist ein ordentlicher, selbstgebauter resonanzraum wahrscheinlich ohnehin die bessere lösung.
ich bin nicht sicher ob es ein doofer vergleich ist, aber ich ziehe ihn trotzdem. und zwar ein leckerchen-vergleich.
leckerchen sind für die hundeerziehung ein wichtiges werkzeug. auch wenn frida unser erster hund ist und ich keine ahnung von hundeerziehung hatte, war meine erste erziehungs-aktion frida beizubringen leckerchen aufzufangen, die ich ihr zuwerfe. frida hat so in ihrem ersten halben lebensjahr fast die hälfte ihres regulären trockenfutters von mir in einzelstückchen zugeworfen bekommen. monatelang. das war gut um ihre reaktionsfähigkeit zu trainieren, aber es hat ihr auch ein gefühl vermittelt, dass der aufenthalt an meiner linken seite irgendwie gut und richtig ist.
mittlerweile verstehen frida und ich uns auch ohne leckerchen, sie erkennt an meinen lauten, gesten, meiner körperhaltung, ob ich etwas gut finde oder eher nicht. trotzdem habe ich imemr noch, fast immer, leckerchen dabei und belohne alles was sie aus meiner sicht richtig macht. wenn sie einfach an krähen oder tauben vorbeiläuft ohne aufregung zu zeigen (was ihr mittlerweile leicht fällt): lerckerchen. wenn sie sich beim warten an einer roten ampel an mein linkes bein drückt: leckerchen. wenn sie ein eichhörnchen sieht und es nicht jagen möchte (was ihr schwer fällt): leckerchen.
der witz ist allerdings: die leckerchen an sich, sind für frida gar nicht das interessante. es ist die geste. ein leckerchen verstärkt nur nochmal das das was ich mit meinen lauten, meinen gesten, meiner körperhaltung ohnehin schon ausdrücke: ich find gut was du machst, das kannst du genau so weiter machen.
hunde sind sehr gut im erkennen von intention. wir menschen auch. online, wenn gesten, mimik und körperhaltung fehlen, wird es für uns menschen manchmal schwerer intention zu erkennen oder intention auszudrücken.
ich habe ein paar monatliche abos, die für sich genommen eher klein und unbedeutend sind, von denen ich mir allerdings einbilde, damit auch wertschätzung für die zum ausdruck zu bringen, an die ich diese kleinen monatlichen beträge zahle. wie bei frida könnte ich diese wertschäzung auch anders zum ausdruck bringen, freundliche emails oder blogbeiträge schreiben oder empfehlungen aussprechen; das würde wahrscheinlich eine ähnliche wirkung haben.
und trotzdem finde ich, dass die regelmässige zahlung von kleinen, aber regelmässigen beträgen eine wichtige und richtuge geste ist. deshalb zahle ich (zum beispiel) der wikipedia, netzpolitik, übermedien, dem guten internet, home-assistant, dem plötzblog und rivva regelmässig monatiche beträge zwischen einem und zehn euro. ich kaufe gelegentlich apps die ich nicht unbedingt brauche, aber unterstützenswert finde, ich mache gelegentlich bei open source projekten einmalzahlungen, wenns einfach geht und mir die projekte, warum auch immer, gefallen.
das sind einerseits alles peanuts, keine weltbewegenden beträge von denen jemand leben könnte, aber eben auch jeweils eine geste. eine geste die sagt: ich finde gut was ihr macht, macht von mir aus genau so weiter.
und ich finde rivva seit seiner geburtsstunde so nützlich, dass ich bereits seit sieben jahren mit kleinen finanziellen gesten wild gestikuliere.
offensichtlich denken nicht alle so wie ich. das ist einerseits gut so, aber andererseits auch ein bisschen traurig, zumindest wenn ich mir diesen screenshot von der rivva-unterstützerseite auf steady ansehe.
21 leute? ich bin sicher, dass sich in deutschland mehr als 21 leute finden die frank westphal sagen würden: „ich finde gut was du machst, macht bitte genau so weiter und gerne auch darüber hinaus.“ (ich weiss, insgesamt unterstützen frank mehr als 21 leute.)
spätestens jetzt, wo frank sein spendenaufrufbanner von oben auf der den rivva-seiten nach unten verlagert hat, müssten ihm eigentlich allein schon deswegen ganz viele leute eine fünf-euro-geste entgegenschleudern.
viele leute, ich auch, stellen derzeit fest, dass es eine kleine blog-renaissance gibt. ich kann aus erfahrung berichten, dass die erste welle von blogs vor ~15 jahren auch zu einem grossen teil auf dienste zurückzuführen war, die die vernetzung von blogs unterstüzten: technorati.com als blogsuchmaschine und tag-aggregator, der google reader mit sozialen funktionen, mit denen man blogbeiträge mit einer einfachen klick-geste anderen in den feed aggregieren konnte. der frühe erfolg von blogs damals™ wäre ohne diese und ein paar andere dienste kaum möglich gewesen.
was ich sagen will: die revolution braucht werkzeuge. und die renaissance erst recht. und ohne rivva siehts in sachen sichtbarkeit für viele blogs düster aus. oder anders gesagt: wer das bloggen liebt, sollte rivva auch (ein bisschen) lieben und das auch mit der einen oder anderen geste zeigen.
welche gesten möglich sind hat frank hier selbst aufgeschrieben, ich empfehle jeder und jedem sich ein steady-konto einzurichten, dann kann man neben rivva, auch das eine oder andere projekt mit kleinen finanziellen gesten unterstützen. oder wie frank zu seinem paypal-konto sagt:
bei heiko, wahrscheinlich beim rumklicken in seinem auf kirby migrierten blog, hab ich vor ein paar tagen diesen alten tweet trööt von sascha lob gefunden.
ich finde nach drei jahren kann man saschas aussage nochmal evaluieren. im grossen und ganzen gilt saschas aussage wohl noch. mastodon scheint twitters platz weder eingenommen zu haben, noch auf dem weg dahin zu sein. andererseits kann man aber auch sagen, dass „x“ ebenso wenig twitters platz eingenommen hat — und threads und bluesky auch nicht.
meine vermutung ist, dass keine plattform, oder kein soziales netzwerk, jemals wieder die globale öffentlichkeit herstellen wird, die twitter einmal hergestellt haben mag. ganz ähnlich wie es wahrscheinlich nie wieder eine sendung geben wird, die an einem abend 18 millionen menschen in DACH vor dem bildschirm versammelt, wie es 1999 noch wetten, dass…? konnte.
auch wenn die erfolgreicchsten videos, zum beispiel von kurzgesagt, zwischen 20 und 30 millionen views auf youtube erreichen, ist das unterm strich wohl nicht vergleichbar mit der reichweite und durchschlagskraft von fernsehsendungen in der guten alten fernsehzeit.
jetzt könnte ich sagen: mastodon ist eben nicht vergleichbar mit twitter oder alles ist eben anders, oder wie sascha es vor 3 jahren sagte: „Social Networks müssen sich ständig weiterentwickeln“ und entwickeln sich eben ständig weiter. instagram ist nicht mehr das instagram das es vor 10 jahren war, x ist kein twitter mehr und wer nutzt eigentlich noch facebook?
der witz ist allerdings, mastodon hat für mich den platz von twitter übernommen. ich nutze mastodon genau so, wie ich vor ein paar jahren twitter genutzt habe.
ich lese gelegentlich in meiner timeline, aber nicht öfter als ein, zweimal täglich. meine „öffentlichkeit“ fand nie in der twitter-timeline statt, genauso wie sie jetzt nicht in der mastodon-timeline stattfindet. meine öffentlichkeit habe ich mir selbst in meinem RSS-reader zusammenkuratiert. gelegentlich scrolle ich auch länger in meiner mastodon-timeline und ich freue mich, wenn ich interessantes entdecke, aber das sind dann eben zufallsfunde oder dinge die aufschwimmen, die ich auch anderswo gefunden hätte.
ich poste täglich ein, zwei mal auf mastodon, meisten dinge die ich vorher ins blog geschrieben habe, oft fotos. gelegentlich entwickeln sich um einzelne post von mir konversationen und ich gebe mir mühe auf antworten oder kommentare zu reagieren.
natürlich nutze ich mastodon auch in der hoffnung öffentlichkeit, aufmerksamkeit für meine beiträge herzustellen. allerdings weiss ich auch, dass das eher selten funktioniert, so wie das früher auch auf twitter war. hier mal ein like, mit etwas glück mal ein boost. manchmal treffe ich einen nerv und beiträge multiplizieren (boosten, retweeten) sich etwas weiter. auch das war auf twitter nicht anders.
vielleicht kann man das am besten mit einem bild beschreiben, was twitter für mich war und mastodon für mich heute ist: schaufnester in einer einkaufsstrasse. ich gehe nicht ständig einkaufen, aber wenn ich einkaufen gehe, schaue ich mir die auslagen anderer an. manchmal erhascht eine auslage meine aufmerksamkeit und ich bleibe stehen. vielleicht mache ich ein foto, vielleicht gehe ich in den laden und rede mit den inhabern des schaufensters. meisten lauf ich einfach durch oder kümmere mich um mein eigenes schaufenster. ich geb mir mühe selbst eine schöne auslage zu haben, aber ich weiss, dass die meisten an meiner auslage vorbeigehen — so wie ich es bei anderen tue. umso erfreuter bin ich, wenn gelegentlich ein paar leute vor meiner auslage stehenbleiben oder sogar andere leute herbeirufen. gelegentlich passiert das und wenn es mal interesse an meinem laden gibt, gebe ich mir mühe präsent zu sein und gegebenenfalls fragen zu beantworten oder die auslage zu erklären.
städte ändern sich ständig, genau wie soziale netzwerke. das muss auch nicht immer eine weiterentwicklung sein, das kann auch eine regression sein. in städten schätze ich deshalb auch oft die dinge, die sich nicht ändern. kneipen, restaurants, läden, die aus der zeit gefallen sind, seit jahrzehnten unverändert.
mastodon ist ein bisschen wie eine alte stammkneipe. die kneipe musste gelegentlich umziehen, aber das stamm-publikum folgte ihr zu grossen teilen. neue leute kommen jetzt auch wieder mehr, aber die stimmung, der vibe ist unverändert und vertraut.
ja mastodon ist nach wie vor „filterblasig“ und hyperlokal. es ist immer noch kompliziert und die bedienung erfordert eine lernkurve. alles in selbstbedienung mit furchtbar komplizierten apparaten. man kann auch seine eigenen apparate mitbringen und einstöpseln. das publikum ist vertraut und grundsätzlich sympathisch. manchmal richtet sich die aufmerksamkeit kurz auf einen selbst, meistens kann man komfortabel in der menge einfach rumhängen. oder nach hause gehen.
vielleicht ist das auch das beste an mastodon: es ist unaufgeregt, es bietet keine grosse show, es liegt eher ruhig in einer seitenstrasse. ich weiss ich verpasse nichts, wenn ich zuhause bleibe, aber wenn ich da bin isses vertraut und angenehm und wenn man hinschaut passiert auch mal was spannendes, vielelicht auch nur in einem kleinen nebenraum. schreihälse und deppen verirren sich selten zu mastodon, weil es ihnen zu langweilig erscheint und die bühne zu klein ist.
und wie so oft hat sascha lobo gleichzeitig 100% recht und liegt doch ganz leicht daneben.
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ich bin seit dem 22.01.2011 mitglied bei pinboard, habe 46.172 bookmarks dort angelegt und habe das konto 2021 für $150 für 60 monate in ein bezahl-konto umgewandelt. die 60 monate (5 jahre) sind am 21. februar um.
ich mag pinboard und ich mag maciej ceglowski der pinboard.in betreibt und gelegentlich bloggt oder vor publikum spricht. pinboard funktioniert seit jahren zuverlässig und ich nutze es mit einem bookmarklet um bookmarks anzulegen und mit einer integration in meinem RSS-reader miniflux, der automatisch ein bookmark bei pinboard anlegt, wenn ich etwas im RSS reader mit einem ⭐ markiere.
früher (so bis 2018), als ich fast täglich linkposts auf wirres.net veröffenticht habe, habe ich die links mit html auf pinboard kommentiert, mit s und w getaggt und dann importiert und morgens automatisch ein linkpost generieren lassen.
ich habe backlinks (leute die auf wirres.net linken) mit pinboard getrackt. der übergeordnete tag war linking2wirres und einzelne zitate, wie das hier auf turi2 war dann ein pinboard-bookmark in das einen tag mit der wirres.net-url hatte: link:http://wirres.net/article/articleview/10072/1/6/. indem ich die pinboard-api abfragte, konnte ich diese backlinks dann unter dem artikel anzeigen.
die technischen details sind eigentlich wurst. was ich sagen will, ich habe pinboard früher intensiv als werkzeug genutzt. seit mehreren jahren eigentlich nicht mehr wirklich. es flossen immer noch bookmarks aus meinem feedreader in pinboard, in der hoffnung, dass ich die bookmarks später nochmal ansehe und auf verwendbarkeit als link im blog prüfe.
aber seit dem relaunch vor knapp einem jahr frage ich mich, warum soll ich die werkzeuge mit denen ich arbeite auf basis von diensten bauen, die ich nicht kontrolliere und die jederzeit verschwinden können oder an arschlocher verkauft werden können?
ich glaube zwar nicht dass maciej ceglowski pinboard verkaufen würde, aber richtig sicher, ob pinboard noch 30 jahre existieren wird, bin ich auch nicht.
jetzt wo ich bookmarks und favoriten mit einem klick direkt in ströme hier auf wirres.net werfen kann, sie mit ein, zwei weiteren klicks nach vorne ins schaufenster holen kann frage ich mich: warum soll ich noch pinboard nutzen? ein grund fällt mir ein: um maciej ceglowski zu unterstützen. aber geld für einen dienst zu bezahlen, den ich nicht mehr wirklich nutze ist dann acuh für mich einen ticken zu absurd.
ich habe mich trotz der freundlichen erinnerungsmails von maciej ceglowski dafür entschieden, mein pinboard-abo nicht mehr zu verlängern. stattdessen habe ich mir ein kleines script gebaut, dass alles was ich in meinem RSS-reader markiere jetzt in den bookmarks-fluss wirft, von wo ich das bookmark dann weiterverarbeiten kann oder, wie auf pinboard, einfach rumliegen lassen und vergessen kann. auch youtube-favoriten landen jetzt automatisch im favoriten-fluss und ich bin mir sicher, mir fallen nopch viele neue automatisierungen und arbeitserleicherungen ein, die ich mit meinen eigenen werkzeugen, in meiner eignen hemishäre bauen kann.
tl;dr: ich bin seit 15 jahren aktiver pinboard.in nutzer, möchte das ab jetzt aber alles lieber selbst machen und bin deshalb ab jetzt inaktiver pinboard.in-nutzer.
um 12 uhr mache ich mittag. manchmal auch fünf bis zehn minuten später. dann sage ich: „hey snips, 25 minuten mittagsschlaf“, was einen sanften wecker stellt, den rechner ausschaltet und 25 minuten alle geräte auf DND (oder wie apple sagt, fokus auf „nicht stören“) stellt und lege mich hin.
sobald ich wieder wach bin, mache ich mir einen quark mit süssstoff und TK obst und lese 15 minuten in meinem RSS reader. neben dem morgenspaziergang, dem frühstück und dem feierabendbier ist das der beste teil meiens tages.
heute habe ich dann dann eine sehr schöne entdeckung gemacht, die mich dann vom weiteren RSS-konsum abhielt.
When I was 22 I would stand on the roof of my apartment at Smith & 9th St. in Brooklyn and watch the elevated MTA F-train go back and forth, and wonder, Where will I go? The answer: Back and forth.
paul ford schreibt beruflich und das sehr viel und gut. vor ein paar monaten entschied sich paul ford seinen „stuff scattered all over the web“ in seinen eigenen „blob“ zu ziehen. ein zuhause im netz für sein zeug. tweets, veröffentlichungen, links und gedöns. mit viel expertise gevibecodet. in etwa das was ich mir hier auch baue, nur in strukturierter.
mittlerweile glaube ich, dass die gefühlte blog-renaissance auch zu einem grossen teil auf LLM-basierte coding-assistenz zurück zu führen ist. heiko hat mit hilfe von claude den sprung von wordpress zu kirby gemacht, paul ford hat seine imports mit claude gemacht und ich hätte den umzug aus meinem antiken und kaputten ezpublish auch nicht ohne maschinen-assistenz hinbekommen. ich verstehe den reiz von wordpress: das funktioniert wie ein pop-up-zelt: hinstellen, an einer leine ziehen und zack steht das zelt und just works. aber genau so verstehe ich den reiz sich einen soliden baukasten zu besorgen und dann alles, mit etwas assistenz, selbst zu bauen.
sich ein zuhause im web zu bauen ist weiterhin nicht trivial, aber mit etwas expertise und erfahrung eben auch keine grossbaustelle und mit ein bisschen hingabe und beharrlichkeit für fast jede erreichbar.
paul fords berichte aus dem maschinenraum haben etwas poetisches. ich lese (und sehe) sehr, sehr gerne was andere über die technik in ihren maschinenräumen berichten. aber bei paul ford ist das ein besonderes vergnügen. hier schreibt er über den irrsinn der manischen bot-armeen, die wie berserker webseiten abhämmern. wenn so ein zuhause ungeschützt im windigen, weltweiten netz steht, ist es erstaunlich zu beobachten, was diese bot-armeen so treiben.
in den letzten monaten ging mein server auch gelegentlich durch solche besuche in die knie, bis ich die bots mit mit einer 5 minuten langen aktivierung von cloudflare vertreiben konnte. anfang der woche schossen meine besucherzahlen über zwei tage von 300 täglichen besuchern auf fast 1000. irgendwer hatte sich die mühe gemacht ein „headless“ chrome so viele meiner seiten wie möglich lesen zu lassen. dieses headless chrome konnte, im gegenteil zu anderen crawlern, auch javascript und den matomo-js-schnipsel ausführen, weshalb es sich in meiner, ansonsten ziemlich botfreien, matomo-statistik deutlich bemerkbar machte — als besucher aus allen teilen der welt.
jedenfalls ist das alles irrsinn und ich bin erstaunt wie kopflos, stumpf und brute forcig diese bots vorgehen. auch deshalb mag ich schon länger nicht mehr glauben, dass selbstfahrende autos, also bot-autos, irgendwas an der verkehrssituation zum positiven verbessern würden. da hinter jedem bot auch menschen stehen, sorgt es wahrscheinlich für keinen merklichen unterschied, wenn bots, statt menschen autos steuern, auch wenn manche das noch fest glauben. die nutzung von LLMs, die zusammenarbeit mit bots und die beobachtung ihres trainings in der freien wildbahn zeigen: es sind dann nicht weniger fehler, nur andere fehler, anderer irrsinn, die dann passieren.
statt eines schlussworts, heute ein schlussgeräusch.
doch noch ein schlusswort. aus dem strom der favoriten und bookmarks, die ich im hinterhof sammle, habe ich jetzt einen „river“ gemacht, der favoriten und bookmarks gemeinsam anzeigt. die favoriten und bookmarks, die ich in artikeln verwende, werden etwas ausgefadet angezeigt. ich finde das sehr praktisch. und ich sehe paralellen: ich bin auch so art eine crawlender, haulender bot im netz und sammle erstmal, leicht kopflos, alles was mir auf den ersten blick gefällt. und später wird das alles dann nochmal ausgewertet und auf weiterverwendbarkeit und teilbarkeit geprüft.
Wann hast du zum letzten mal richtig hart nachgedacht?
wenn ich über die frage nachdenke muss ich sagen: nie.
ich denke nicht „hart“. ich taste mich eher an antworten, lösungen, ziele oder auch texte heran. ich sitze zum beispiel gerade hier auf dem sofa, bin inspiririert von thomas frage und denke nicht über eine antwort nach, sondern suche formulierungen oder bilder um die antwort die mir vorschwebt zu fassen oder zu begreifen.
diese antwort ist nichts über das ich hart nachdenken müsste (oder könnte), sie ist schon halb fertig da, vielleicht noch fragil, weich und formbar, ich muss sie nur herausarbeiten. ich muss dem prozess in meinem kopf nur zuzuarbeiten. das eigentliche denken findet dann ohne mich statt. ich muss nur für inspiration sorgen, skizzen anfertigen, wortballons steigen lassen, vielleicht ein bisschen abschweifen und quatsch machen.
eigentlich bedeutet nachdenken für mich mit einem thema zeit zu verbringen. wenn ich mich einmal in ein thema eingehakt habe, verändert sich meine wahrnehmung. ich kann ich mich relativ weit vom thema entfernen und trotzdem inspiriert alles dem ich begegne die sache mit der ich mich gerade beschäftige.
der entscheidende punkt ist also nicht härte oder konzentration, sondern die hingabe, die beharrlichkeit, der wille zeit mit einem problem, einer frage, einer lösungsfindung zu verbringen. je weicher, je flexibler ich diesen prozess steuere, desto besser das ergebnis.
eine bessere frage könnte also lauten: wann hast du dich zum letzten mal einer sache hingegeben und bist beharrlich dran geblieben?
heute früh um 7:30 uhr hatten wir einen termin um das auto in tegel zur inspektion zu bringen. der plan war: hinfahren abgeben, eine stunde morgenspaziergang und danach mit der bahn bis nach hause fahren.
das hinfahren klappte gut. autofahren im tiefsten winter in berlin ist wirklich angenehm. während man sich auf dem bürgersteig nicht wie ein bürger, sondern eher wie ein affe auf dem schleifstein fühlt, der von einer split-spur zur nächsten balanciert um sich nicht die knochen zu brechen, fühlt man sich als autofahrer in berlin wie ein kaiser. die strassen sind trocken, das auto ist geheizt, dass wetter lässt sich zu 100% ausblenden — bis man aussteigt.
der rückweg klappte weniger gut, wegen des warnstreiks der BVG in berlin fuhren weder busse, noch u- oder strassenbahnen. von der werkstatt in tegel bis nach hause wären es andertalb stunden fussweg gewesen. bei -7°C eine herausforderung. glücklicherweise fuhren die s-bahnen. so sind wir eine stunde von tegel über gesundbrunnen nach westhafen gefahren und dann vom westhafen 30 minuten bis nach hause gelaufen.
die luft war stechend kalt, so kalt, dass ich hoffte ein stück unter tage gehen zu können, durch den ubahnhof amruner strasse, um frida und mich zumindest 400 meter lang ein bisschen aufwärmen zu können. das ging natürlich nicht, weil der ubahnhof abgeschlossen war. ich fragte mich, wo denn wohl die obdachlosen die sonst da unten sitzen ihren tag verbringen würden, wenn die ubahnhöfe alle geschlossen sind. ich will mich nicht über streiks und streikende aufregen, aber den nahverkehr für leute ohne auto aus geheizten blechbüchsen an die frische, sehr, sehr kalte luft zu verlegen kam mir am heutigen tag nicht besonders solidarisch vor.
dank der s-bahn gab es dann letztendlich keine verzögerungen im betriebsablauf meines arbeitstages, ich hatte sogar noch zeit ordentlich zu frühstücken vor dem daily.
abends die dritte folge von a knight of the seven kingdoms geguckt. das war die bisher beste folge, auch wenn die beiden vorher auch toll waren. ich mag dass die serie klein bleibt, hauptsächlich die perspektiver der einfachen und nicht der adeligen leute zeigt. game of thrones war pink floyd. knight of the seven kingdoms ist johnny cash. freude an den kleinen dingen, an den details. alltag statt weltpolitik. salzfleisch, statt fasan. und nicht nur arschlöcher, auch mal nette menschen.
seit wann zeigt google maps bei der navigation ein kleines auto, statt eines pfeils an?
für einen moment dachte ich: woher zum teufel weiss google maps, dass ich einen grauen ID3 fahre? dann fiel mir auf: ein grauer ID3 ist so generisch, dass es generischer nicht mehr geht. das icon in google maps ist kein grauer ID3, sondern ein generische auto-icon.
heiko ist jetzt (auch) auf kirby umgestiegen. find ich gut. hut up was er da schon hingezaubert hat. jetzt darf er auch optimieren, was ein grosser spass ist.
nachtrag 03.02.2026:
dank der anregung von christoph in den kommentaren mal in den google maps einstellungen geguckt. scheint ein generisches icon zu sein, aber passend automatisch ausgesucht. so sieht’s in den einstellungen aus. ich hatte da vorher nur „e-auto“ ausgewählt, die autoavatare sind neu, jetzt hab ich allerdings die farbe von weiss zu grau umgestellt.
gestern hat mir der youtube algorithmus vorgeschlagen doch mal zu gucken „what really happend to christopher lambert“. mit christopher lambert verbinde ich in erster linie subway (nicht wie einige andere den highlander), ein film von 1985 von luc besson. während ich das video über christopher lamberts leben auf youtube sah, dachte ich mir: subway kannste eigentlich noch mal gucken. das letzte mal, dass ich den gesehen habe ist jetzt so um die 40 jahre her, mal gucken wie der film gealtert ist.
obwohl eigentlich gingen mir ganz andere fragen durch den kopf. damals hat mich der film emotional gepackt, ich glaube ich war bestimmt eine woche lang high von dem film. regt sich in mir noch was, wenn ich den jetzt gucke? wird’s peinlich? um was ging der film nochmal?
also hab ich amazon 4 euro in den rachen geworfen und mir den film „geliehen“. um was der film geht weiss ich, nachdem ich ihn gesehen habe, immer noch nicht, aber das ist auch unerheblich, weil der film eigentlich nur die pariser ubahn zeigen und ein paar junge schauspieler gut aussehen lassen will. eigentlich ist er ein musikvideo in spielfilmlänge. das erklärt auch die emotionale reaktion, die ich auf diesen film damals hatte. musikvideos sind darauf ausgelegt emotionale reaktionen auszulösen und gut gemachte musikvideos haben das dann gelegentlich auch geschafft.
am anfang vom film war ich noch ein bisschen kritisch und suchte fehler. wie kann fred beim herumstreunen in der ubahn-infrastruktur einfach einen safe sprengen, obwohl er vorher, ganz offensichtlich nichts als einen anzug am leib hatte? später fiel mir dann auf, dass er ständig einen halfter mit ein paar stangen sprengstoff am leib trug, auch wenn er schlief.
dann war ich irritiert, weil der film kaum einen gedanken zu ende führte und ständig abrupt schnitt, wenn sich eine handlung zu ergeben schien. dann kam mir der gleiche gedanke, der mir kürzlich bei fallout kam: mir reicht’s eigentlich die bilder anzuschauen und den figuren bei ihrem treiben zuzusehen. handlung und dialoge sind sekundär bis egal. das scheint sich damals auch luc besson gedacht zu haben, denn handlung und dialoge sind spartanisch. und das funktioniert heute noch genau so gut wie damals.
wirklich grossartig sind die bilder. der film spielt zu 95% unter tage, im gewirr der pariser ubahn-infrastruktur. soweit ich verstehe, wurde der film auch tatsächlich vor ort, in der pariser ubahn, gedreht und nicht im studio. und das sieht man auch, alles wirkt hyperrealistisch und gleichzeitig surreal und vertraut. auch erstaunlich: die ubahn des paris der achtziger ist der ubahn des berlin von heute gar nicht mal so unähnlich.
jetzt, 40 jahre später, stelle ich fest, dass die achtziger, wenn sie ordentlich fotografiert sind, auch gar nicht so peinlich aussahen wie in meinen fotoalben. die unterschiede sind andererseits deutlich: es wird andauernd und überall geraucht, kamera-überwachung schien es zwar in ansätzen gegeben zu haben, aber so richtug scheint sie damals noch nicht funktioniert zu haben.
ich finde der film ist gut gealtert und mir war es dann gar nicht peinlich, dass ich den film damals so gut fand. ich hab den damals zwar in der deutschen synchronisierung auf einem niedrig auflösenden CRT-display im linearen fernsehen gesehen und jetzt, quasi wie im kino, auf einem hochauflösenden bildschirm 60 zentimeter vor meinem gesicht. aber er funktioniert damals wie jetzt und unabhängig von der projektionsmethode. der film hat kaum handlung und sinnvollen dialog und zeigt eher als dass er erzählt. damit ergibt sich einiges an projektionsfläche. ich merkte oder erinnerte dann auch, was mich damals so packte. ich weiss nicht ob das ein achtziger jahre ding ist, aber einen taugenichts wie fred zu sehen, der die annehmlichkeiten und die infrastruktur der gesellschaft zwar gerne nutzt, sich ihr und ihren regeln aber verweigert, war für mich damals ein starker anknüpfungspunkt. möglicherweise wollten wir damals irgendwie alle so sein wie fred und hélèna.
und es war schön jean reno und isabell adjani in jung zu sehen, christopher lambert wirkte wie ein alter bekannter — die pariser ubahn sowieso — und trotzdem hielt sich bei mir die nostalgie auf einem erträglichen niveau. vielleicht war das auch schon damals die essenz des film: er hat bereits in den achtzigern nostalgie nach den achtzigern erzeugt.
das grösste kunststück ist natürlich das ende. quasi ein virtuelles happy-end das keins ist und gerade deshalb ungeheuer zufrieden oder euphorisch macht. was mir auch jetzt erst auffiel, die klammer mit der besson den film einrahmt und im prinzip bereits auf der ersten titel-karte das ende des films framed: do be do be do, mah na mah na.
ich bin kein star trek-fan, aber ich gucke star trek seit über 40 jahren sehr, sehr gerne. als das „original“ im fernsehen lief, war ich noch ein kind und eigentlich hat mich nur die tatsache interessiert, dass es da ein raumschiff gibt, das durch den weltraum gleitet und unbekannte welten erkundet. das war spannend genug für mich. mir waren das billige, grelle setdesign und die erzählten geschichten egal.
in den achtziger und neunziger jahren fing star trek plötzlich mit TNG an, aufgeräumt auszusehen, und ich fing an zu verstehen, dass es in star trek nicht um die erkundung des weltraums ging, sondern um die erkundung von humanität, die frage, was uns menschen ausmacht, wie wir über uns hinauswachsen können, als gesellschaft und als individuen.
mit dem fragmentierten deep space nine, das im fernsehen versendet wurde, konnte ich nicht so viel anfangen, bis ich dank netflix die möglichkeit bekam, DS9 sequentiell, folge für folge zu sehen. da erkannte ich, dass es neben der erkundung von humanität, gerechtigkeit und moral in star trek auch um episches erzählen ging, um das abklopfen von philosophischen ideen und sogar um den konflikt zwischen rationalismus und religion. DS9 vollbrachte das kunststück, zu unterhalten und gleichzeitig zu zeigen, dass wahrheit und moral oft eine frage der perspektive sind.
mit voyager wurde dann klar, dass star trek auch nervig sein kann – ich sag nur neelix. ich mochte es trotzdem, es sah gut (vielleicht etwas zu clean) aus und es fielen gelegentlich tolle geschichten hinten raus. in den späten 90ern und frühen 00ern fand ich voyager trotz neelix und gesichts-tatoo toll und auch das spätere durchbingen auf netflix war nur zu 30 % langweilig.
enterprise, also die serie mit captain archer, die um das jahr 2150 spielte, sah wieder fast so billig und kammerspielartig aus wie das „original“ mit captain kirk. ich fand kaum eine folge langweilig, als ich mir das vor ein paar jahren am stück reinzog.
discovery und später picard empfand ich dann als extremen bruch. star trek wollte plötzlich kein kammerspiel mehr sein, sondern ambitionierte action-unterhaltung. ich habe alle folgen von discovery und picard gesehen und nach jeder folge dachte ich genau drei buchstaben: WTF? ich dachte auch: kann ja nur besser werden — wurde es dann aber nicht.
pathos hatte star trek immer schon, aber seit discovery wurde das pathos unerträglich. subtil war star trek auch nie, aber seit discovery verschwand das hintergründige: statt dem publikum die interpretation des gesehenen zu überlassen, wurde star trek explizit und konnte vor lauter exposition kaum noch atmen.
picard empfand ich dann eigentlich nur noch als fan-service und nostalgie-quark — für den sich allerdings kaum noch fans zu interessieren schienen. picard war die erste star trek-serie, die mich aggressiv machte, weil sie gleichzeitig angestrengt und lieblos war.
prodigy und strange new worlds gefielen mir dann wieder. in strange new worlds zog wieder humor ins star trek-universum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr liebte. prodigy war teilweise nervig, wagte aber auf eine art so was wie eine mutige neuinterpretation des guten alten star trek-themas: die erkundung der frage, was menschlichkeit, was humanismus ausmacht.
lower decks fand ich vorwiegend langweilig und billig und wenn überhaupt, hab ich das sehr sporadisch und unenthusiastisch gesehen.
Die Sets sind, wie immer in neuem Trek, überbordend.
mit dem unterschied dass thomas das offenbar gefällt und ich es grässlich finde. mir ist das zu viel von allen, vor allem zu viel bling, zu dick aufgetragen, als ob man eine swarowski-filiale oder den trump tower betritt.
„alles fake“ ist ein altes, bewährtes star trek muster, aber in academy ist es so dick, bunt und glänzend aufgetragen, dass es unerträglich wird. ich überlege ernsthaft meinen bildschirm für die nächsten folgen auf schwarz/weiss zu stellen um das überhaupt noch ertragen zu können.
etwas zu dick aufgetragen sind für meinen geschmack auch die muskeln von caleb. in den ersten beiden folgen hatte ich noch den eindruck, dass das ensemble zwar mit allen möglichen körperformen ausgestatte ist und nicht nur denen, die gängigen schönheitsidealen entsprechen, aber das auftritte in unterhemden oder freiem oberkörper den durchtrainierten körpern vorbehalten waren. das wurde in folge 3 dann aber relativiert, in dem das ganze ensemble in badehosen und -anzügen auftreten musste.
auch wenn ich nach drei folgen academy hin und her gerissen bin und vieles doof finde, habe ich anknüpfungspunkte gefunden die mich — glaube ich — weiter am ball halten werden. ich finde die geschichten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (ausser beim setdesign) das bombastische der discovery-ära wieder zurückgefahren wurde. academy fühlt sich wieder kammerspielartiger an und hat es in folge 2 zweimal geschafft mich dazu zu bringen mir zitate zu notieren:
Children are our ambassadors to now.
und:
- Would you agree progress is impossible without change?
- I believe that most people who say they want progress don’t really want to change. Which often makes both impossible.
- Touché.
das erste zitat finde ich nach einer woche immer noch so klug wie vor einer woche, das zweite ist schlechter gealtert, ist aber gar nicht mal so dumm.
als zwischenfazit würde ich über starfleet academy sagen: es macht mich nicht aggressiv, dass es scheisse aussieht stört mich nicht wirklich und die geschichten sind zwar keine weltklasse, aber erträglich. wenn ich schulnoten vergeben müsste: gerade noch befriedigend, hat luft nach oben.
als ich in den letzten tagen etwas öfter im bett lag, fiel mir auf, wie gut die angepasste beleuchtung (adaptive lighting) der gardinenstange funktioniert. konkret: das die lichtfarbe die durch die balkon-tür ins zimmer dringt, der lichtfarbe des LED-streifen über der balkontür ähnelt. der LED-streifen auf der gardinenstange beleuchtet die decke indirekt, je nach tageszeit, oder genauer, je nach sonnenstand jeweils angepasst an die lichtfarbe draussen.
man kann es auch einfach sagen: morgens und abends ist das licht rot/gelb stichig (warmweiss), tagsüber eher kaltweiss, nachts leuchtet es blau. blau leuchtet es erstens weil ich es angenehm finde und zweitens, damit ich jedem der behauptet blaues licht störe den schlaf sagen kann, dass ich seit fünf jahren bestens unter (schwachem) blaulicht schlafe.
jedenfalls wollte ich meiner befriedigung mit der home assistant adaptive lighting erweiterung ausdruck verleihen und ein beweisfoto meiner befriedigung veröffentlichen. dann fiel mir fasziniert auf, was man sonst noch so auf diesem bild alles sehen kann.
klar zum einen: wir lieben ikea und speziell pax. vor 13 jahren habe ich pax zum ersten mal meine liebe erklärt, dann ein paar tage später habe ich mir mit pax einen traum erfüllt und vor sieben jahren haben wir pax sogar erweitert. auf dem bild hier sieht man auch, dass wir die pax-spiegeltür kaputt gemacht haben, aber schwarzes gaffa-tape verdeckt den schaden ganz hervorragend.
man sieht die „preview edition“ des home assistant voice dings, mit der ich sehr zufrieden bin und mit der ich mit home assistant spreche und home assistant mit mir. man sieht auch, dass da noch eine playstation eye steht, die ich als mikrofon benutze um damit die acht jahre alten binaries des original snips.co wakewords „hey snips“ zu beliefern. dieses wirklich uralte wake wordfunktioniert weiterhin sehr sensibel (ich kann „hey snips“ auch flüstern) und mit so gut wie keinen false positives, dass ich sehr froh bin die alten binaries in einem docker container am laufen halten zu können. die playstation eye ist an einem raspi angeschlossen, auf dem ein rhasspy:2.5.11-container läuft, der nichts anderes macht als den mikrofoninput per mqtt an die alte snips-binary zu liefern.
da oben steht auch noch eine alte xiaomi dafang kamera, die gerade wegguckt, aber zur balkontür guckt, wenn wir die wohnung verlassen haben. der dafang konnte man damals eine eigene firmware aufspielen, sie macht nach wie vor was sie machen soll.
ausserdem sieht man im flur schemenhaft unseren brother drucker, links daneben ein ipad, das nur angeht wenn der flur besetzt ist und sonst das wetter zeigt. ausserdem sieht man unseren luftreiniger AC2889/10 von philips, der sich anfangs etwas störisch, mittlerweile dank kongo09 aber sehr zuverlässig mit home assistant steuern lässt.
was man auch sieht: den roll hocker, den sich die beifahrerin eigentlich gekauft hatte, der mir dann aber so gut gefiel, dass ich ihn seitdem benutze. ich mochte noch nie besonders gerne auf stühlen sitzen. am liebsten sitze ich auf barkockern oder solchen niedrigen hockern. ich bin quasi ein stuben-hocker-hocker. diesen speziellen hocker (beispielkauflink) kann ich jedefalls von ganzem herzen empfehlen, die rollen funktionieren auf teppich oder jetzt neu, auch ohne teppich.
ich habe 90 minuten vor dem ende der deadline meinen vortragsvorschlag für die republica dieses jahr eingereicht. eigentlich wollte ich meine einreichung zuerst um die idee wickeln die eine fernsehserie (pluribus) in mir geweckt hat: was, wenn es gar nicht so toll ist, wenn in der welt frieden herrscht, alle zufrieden sind und sich gegenseitig lieben? diese höchst kontraintuitiven gedanken würde ich gerne auswalzen und trotzdem die frage beantworten, wie man angesichts der weltlage optimismus und motivation auf einem erträglichen niveau hält.
am ende isses dann etwas generischer geworden und angesichts der vielen vorbereitungsarbeit die so ein vortrag und die vorab aufgestellten steilen thesen bedeuten, wünsche ich mir beinahe, dass mein vorschlag dieses jahr abgelehnt wird.
das habe ich eben eingereicht:
Die Welt ist scheisse — und das ist auch gut so
Sobald wir akzeptieren, dass die Welt voller Ungerechtigkeit, Schmerz und Absurdität ist, können wir uns dem Schönen zuwenden. Das Schlechte ist nicht wünschenswert, aber notwendig. Es ist der Rohstoff, aus dem Sinn, Kunst, Fortschritt und Optimismus überhaupt erst entstehen.
Die Welt in der wir leben hat nichts mütterliches, auch wenn der Volksmund das seit Jahrtausenden behauptet. Die Welt macht ihr Ding, nimmt ihren Lauf und beachtet uns Menschen nicht weiter. Wir Menschen machen es uns Menschen auch nicht gerade leicht, im Gegenteil. Aber genau die Feinseligkeit und Absurdität der Welt ist die Quelle aus der wir Optimismus, Kraft für Veränderung und Glück schöpfen können. Optimismus muss keine Schönfärberei sein und ist nicht der Glaube, dass alles gut wird. Optimismus ist die Entscheidung, in einer beschissenen Welt trotzdem Bedeutung zu erzeugen.
In diesem Sinne möchte ich 30 Minuten Optimismus verbreiten.
wurden wir dann für kurze zeit, so vor neun jahren stellte vine dann seinen dienst ein, ein paar monate nach der gründung wurde vine von twitter gekauft.
ich weiss nicht genau wieso ich gestern an vine gedacht habe, aber meine erinnerungen sind positiv. ich habe mal ein einigermassen witziges video dort gepostet und ich erinnere mich, dass die sechs sekunden beschräkung ein toller motor für kreativiät war und viele posteten damals extrem luustige sachen. ich dachte wahrscheinlich, schade dass das alles weg ist.
und dann dachte ich, mal schauen, ob vielleicht doch noch was da ist. teile von vine schienen noch zu funktionieren, aber an die video-dateien schien ich nicht dranzukommen. dann fand ich diese seite des archiveteams: wiki.archiveteam.org/index.php?title=Vine
dort stand beschrieben …
Sometime ca Jan 3 2025 the site showing the videos finally broke, though it is accessible via a DNS hack.[3]
der dns hack ist folgendes in die /etc/hosts datei einzutragen:
damit funktionieren die embeds sogar teilweise wieder. mit dem rest der anleitung konnte ich dann die metadaten und video-dateien meiner wenigen embeds „retten“ und diese beiträge auf wirres.net mit vine-embeds wieder „rekonstruieren“:
vor 11 jahren haben dasnuf und ich uns gegenseitig bei der arbeit gefilmt. damals und auch im nachhinein ist das schon ein bisschen witzig, vor allem wenn man bedenkt, dass wir immer noch arbeitkolleginnen sind.
nachtrag: im wikipedia-artikel über vine steht, dass sowohl kack dorsey als auch elon musk von plänen gesprochen haben, vine wieder zu reaktivieren oder zugänglich zu machen. da bin ich mal gespannt ob und wie da was draus wird.
heute fühle ich mich leicht grössenwahnsinnig und habe mir gedacht, man könnte kleist doch mal updaten (verschwenzeln).
wenn du über etwas nachdenken willst und dir auch durch intensives nachdenken oder darüber meditieren nichts sinnvolles einfällt, dann rate ich dir einfach drüber zu schreiben. das muss auch an niemand bestimmtes gerichtet sein oder besonders scharfsinnig sein, schreib einfach drüber, was dir durch den kopf geht.
auch wenn immer noch viele menschen denken, man solle nur von dingen reden von denen man etwas versteht, hier geht es um etwas anderes als wissenvermittlung oder *splainen. es geht darum beim schreiben um einen gedanken herum zu tanzen. so wie der appetit beim essen kommt, kommen einem immer auch ideen beim schreiben.
ich sitze oft am rechner oder liege im bett und lese was andere schreiben. manchmal möchte ich dem gelesenen widersprechen, manchmal möchte ich es weiterdenken oder es anders betrachten. mir schiessen dann flüchtige ideen im kopf herum, ich weiss das könnte man weiter- oder ganz anders denken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu denken und sagen will. weil ich aber doch eine dunkle vorstellung von dem habe was ich vielleicht sagen will, fange ich einfach an zu schreiben und sätze zu konstruieren. sätze die ich angefangen habe, wollen dann auch zuende geführt werden. ich taste mich von wort zu wort, wie ein large language model versuche ich den satz so weiterzuführen, wie er richtig klingt. ich verhaspel mich oft bei diesem quasi auto-vervollständigen meiner sätze, aber das lässt sich dann meist beim späteren korrekturlesen ausbeulen.
gelegentlich hilft es mich zu fragen wer das denn lesen soll, ob die es auch nur im ansatz verstehen würden oder ob ich noch ein, zwei erklärende sätze nachschieben muss oder ein etwas zu luftiges gedankenkonstrukt auf eine solidere basis stellen muss. der gedanke den text später zu veröffentlichen wirkt ein bisschen wie ein stiller, treibender motor. obwohl ich alleine vor dem rechner sitze und tippe, bin ich bereits im dialog mit imaginierten lesern. ich weiss, dass der gedanke einen text zu veröffentlichen auch wie eine bremse wirken kann, aber ich glaube diese bremse nutzt sich durch ständiges, immer neues schreiben ab und kann sich dann zu einem schwungrad wandeln das helfen kann immer wieder neue gedanken loszurütteln.
früher nutzte ich oft noch ein zweites schwungrad: empörung. damit die empörung nicht ausufert, entwickelt der gedanke der späteren veröffentlichung eine willkommene bremswirkung. wie mit einem ventil kann man so das entweichen des empörungsüberdrucks gezielt steuern und ich finde in diesem zustand aus schwung und bremswirkung plötzlich worte und gedanken, auf die ich sonst wohl nie gekommen wäre.
diese mischung aus innerem dialog, abwägen der schärfe und den imaginierten lesenden führt im besten fall zu brillianten gedanken und im schlechtesten fall zu etwas aus dem man lernen kann und routine beim gedanken-lockern gewinnen kann. das verfassen schlechter texte, die vielleicht eine oder mehrere gute ideen enthalten, aber es irgendwie nicht zuende gedacht in sätze geschafft haben oder einfach unverständlich (wirr) sind, hilft vielleicht nicht beim gewinn von ansehen, aber bei gewinn von routine im balancieren und generieren von worten und gedanken. man muss sich immer vor augen halten: der meister kann’s nur deshalb besser, weil er mehr übung hatte.
ich glaube dieser schreibende tanz um einen gedanken herum, der ideen aus dem hirn schütteln kann, funktioniert auch ohne die kombinierte schwungradbremse der späteren öffentlichmachung, wenn man nur für sich allein schreibt. so wie man roulette auch alleine, gegen sich selbst, ohne echten einsatz spielen kann, kann man auch ohne den drohenden klick auf den publish-button schreiben. aber der spannungszustand, die erregung, in den man sich versetzen kann, wenn man etwas zu verlieren hat, ist vielleicht genau die energie die nötig ist, um vorhandene, festsitzende gedanken zu lösen und in sätze zu giessen. so wie elektronen ihre bahn nur unter spannung oder energiezufuhr (oder energieentzug) wechseln können, treten gedanken manchmal erst dann aus dem unterbewussten hervor, wenn man sich in einen gewissen spannungszustand versetzt hat.
weil ich mit einem rat angefangen habe, ende ich auch mit einem rat. das veröffentlichen von texten ist ein werkzeug um eine gewisse spannung zu erzeugen, die beim ernten von gedanken und ideen hilfreich ist. der innere, imaginierte dialog mit lesenden ist ein werkzeug, das auch beim schreibenden denken hilft. das gefühl etwas zu verlieren, weil die rezeption, die reaktionen auf den veröffentlichten text vielleicht negativ ausfallen oder kaum jemand den text zu lesen scheint, ist eine täuschung. mit dem schreiben eines textes tust du in erster linie etwas für dich, hast du etwas gelernt und gewonnen. und mit jedem neuen veröffentlichten text lernst du mehr.
die reaktionen auf deinen text sagen weniger über dich oder deine gedanken, sondern alles über die rezipienten. schreibe und du lernst zu denken, veröffentliche und du lernst sehr viel über menschen.
klimmzugstange gekauft, wurde heute geliefert, gleich montiert (in den türrahmen geklemmt). die beifahrerin meinte: „lass uns einen wettbewerb machen!“ weil wir beide keine klimmzüge können, hab ich gesagt: „ok, lass uns schauen wer länger hängen kann.“
die beifahrerin liess nach 6 sekunden los. ich hab ne minute geschafft. das ist anstrengender als man denkt, einfach so abzuhängen. es zieht in der hand und die schultermuskulatur hat zu tun. soll aber gut für den rücken sein, hab ich danach gelesen. hängen zu können sei auch ein wichtiger schritt zum klimmzug. danach hab ich ein paar negative klimmzüge gemacht, mich also langsam von oben wieder in die hängende position herabgelassen. das ist noch anstrengender.
ich glaube es ist noch ein weiter weg zum ersten richtigen klimmzug. langsame liegestützen sind noch anstrengender. der vorteil ist: man kommt zum atmen. zum spass versuche ich die im januar täglich eben langsam und auf den fäusten zu machen. das ziel sind 100 stück in drei sitzungen über den tag verteilt. ich bin zwei tage lang nur zu einer sitzung (eher liegung) gekommen, immerhin hab ich mich von 10 auf 12 gesteigert.
gemeni meint 60 sekunden hängen zu können sei leicht überdurchschnittlich. daraus folgere ich, dass das abnehmen nicht zu allzu viel muskelverlust geführt hat. trotzdem, wer klimm ziehen will muss auch muskeln ziehen.
unser flur, jetzt mit klimmzugstange
stranger things habe ich nach der ersten staffel aufgehört. waren mir etwas zu viele einfach gestrickte verschwörungstheorien drin. ich wills jetzt nochmal versuchen. bin bis jetzt underwhelmed und schreibe jetzt gerade lieber ins internet, als weiter zu gucken.
gestern running man in der version von 2025 angeschaut. war mir auch zu einfach gestrickt und mit zu viel pathos gespickt. habs trotzdem bis zum bescheuerten ende geschaut. die sozial- und medienkritik fand ich in einem solchen eindeutig auf blockbuster getrimmten film billig, zynisch und unglaubwürdig. lee pace hab ich in der ersten szene an der stimme erkannt.
vorgestern mit the north water angefangen. eine mini-serie mit colin farell in einer der hauptrollen. bisher das einzig überraschende: wie wandlungsfähig und gleichzeitig glaubwürdig colin farell ist. die geschichte ist nicht unspannend, gut erzählt, schön dreckig gefilmt aber fesselt mich nicht im geringsten. mal schauen ob ichs bis zum ende schaffe.
letztes jahr (ab april/mai) habe ich ca. 590 beiträge veröffentlicht. dieses bild auf der rückseite illustriert die frequenz meiner veröffentlichungen und ich möchte das hiermit dokumentieren, weil sich die grafik ja ständig verändert.
gestern haben mich die gif-wackelbilder von vor 13 jahren daran erinnert, dass meine neue kamera auch 3d-bilder aufmehmen kann. auf dem telefon machen sie sich gut als home-screenbilder, aber für hier auf wirres.net kann ich den derzeitigen technischen möglichkeiten nichts abgewinnen. mit spatialify kann man zwar weiterhin aus 3d-bildern wackelbilder machen, aber das ist schon sehr unbeeindruckend.
auf den ersten blick beeindruckender: immersify, auch als app. aber das ergebnis ist voller artfakte und verzerrungen. ich glaube 3d ist immer noch überbewertet.
dafür habe ich noch ein paar menschen gefunden, die — auf eine art — die tradition von iwdrm.tumblr.com fortführen:
ich hab noch ozempic im kühlschrank liegen, 3 oder 4 portionen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir keine spritze mehr gesetzt, hatte aber vor weihnachten überlegt mir vor oder nach weihnachten vielleicht nochmal eine zu setzen. dann hab ichs erstmal gelassen und wollte mal schauen was über weihnachten passiert.
es hat sich nach mehreren weihnachtsessen und fünf tagen essen bei meinen eltern gezeigt, dass ich über die feiertage eher abgenommen habe.
den ganzen dezember über schwankte mein gewicht stabil um die 94,5 kg. bei meinen eltern zeigte die waage zwischendurch sogar mal 93,5 kg an, aber die erste wäägung zuhause, auf meiner eigenen waage, zeigte wieder 94,5 kg.
mein gewicht nach tagen im dezember 2025
gestern auf dem rückweg von meinen eltern nach hause haben frida und ich uns ein bicmac-menü bei mcdonalds geteilt. also sie hat ein bisschen rinderhack und ein paar pommes bekommen. das menü war „small“, aber ich mochte die pommes dann doch nicht aufessen. nicht wegen der kalorien, sondern weil sie einfach nicht so gut schmecken, wie das was ich mittlerweile zuhause hinbekomme. gleiches gilt für burger. meine selbstgemachte „bignmac sauce“ und pattis von beyond meat sind einfach leckerer. und aufessen um des aufessens willen, auch wenns nicht wirklich gut schmeckt, hab ich mir abgewöhnt.
aber was mcdonalds bietet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach früher. es schmeckt nach mcdonalds und dieser geschmack ist an viele positive assoziationen gebunden. aber gestern haben mir der dreiviertel big mac und ein paar pommes gereicht um die nostalgie (und den appetit) zu befriedigen.
andererseits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass essen so wie vor 45 jahren1 schmeckt? selbst bei meiner mutter schmeckt’s heute anders als vor 45 jahren. sie probiert ständig neues aus. ein rezept das ich vom diesjährigen weihnachtbesuch mitgenommen habe sind gurkensticks:
1 ungeschälte (bio) gurke in sehr grobe sticks schneiden
2 esslöffel essig (weisser balsamico, der billige von kaufland tut’s auch)
1 teelöffel salz
sehr viel knoblauch, meine mutter hatte pro gurke eine dieser dicken einzel-knollen (soloknoblauch) unter die sticks gequetscht
optional viel frischen dill hinzufügen
alles gut verrühren und mindestens 10 minuten durchziehen lassen
that's it.
bei mcdonalds in ingersleben, wo frida und ich uns das bigmac-menu geteilt haben, wollte eine angestellte frida unbedingt hallo sagen. hat sie dann auch gemacht, während wir an der essensausgabe warteten. als wir wieder aufbrachen und nochmal kurz aufs klo gingen, fing sie uns am ausgang ab und fragte ob sie dem hund etwas geben könne. sie hatte einen burgerkarton mit drei chicken-filets („ohne salz“) und wollte mir den in die hand drücken. abgesehen davon, dass das mengenmässig zwei bis drei tagesportionen für frida wären, verträgt sie huhn nicht besonders gut. deshalb musste ich bedauernd und dankend ablehnen.
(rind verträgt frida eigentlich auch nicht, aber weil die rinderbrühe bei meiner mutter ganz gut vertrug, hatte ich ihr auch vom burger patti abgegeben. normalerweise bekommt und verträgt frida wild.)
ich fand das auf jeden fall herzallerliebst und ehrlichgesagt tragen aus meiner sicht solche erlebnisse auch dazu bei, dass mcdonalds so beliebt ist. durch die konsequente standardisierung (des essens, der mitarbeiter mit migrationshintergrund, der zurückhaltenden gemütlichkeit, des geruchs) ist jedes mcdonalds weltweit eine insel des gewohnten und bekannten in der fremde. der aral-pulse ladepark in ingersleben war kalt, dunkel, in der tiefen sachsen-anhaltinischen provinz, aber direkt hinter der eingangstür von mcdonalds war es warm, hell, vertraut — und freundlich.
2026 wird das jahr an dem ich ernsthaft an meinem bucket-listen-eintrag „klimmzüge“ arbeiten werde. jetzt nach weihnachten werde ich mir eine klimmzugstange kaufen die man im türrahmen einhängen kann. damit trainiere ich das systematisch. mittlerweile weiss ich durch den konsum von schwer erträglichen fitness-videos auf youtube, dass es zu mindestens 50% auf die technik ankommt und es gar nicht mal so einfach ist einen bewegungsablauf hinzubekommen in dem die rückenmuskulatur die arme beim hochziehen unterstützt. und die rückenmuskulatur will auch aufgebaut werden. nicht auf der bucket list, aber fest vorgenommen: täglich 50-100 liegestützen in dreier-einheiten über den tag verteilt mindestens 3 monate durchziehen. früher hab ich 100 schnelle, sloppy liegestützen am stück geschafft, mittlerweile schaff ich von den sloppy liegestützen wieder 30 am stück. aber ich versuche jetzt 20-30 langsame am stück aufzubauen. 8-14 schaffe ich davon im moment, das ist also noch ausbaufähig und durch die hand- und armhaltung auch sehr gut variierbar.
in aachen hat 1978 am markt das erste mcdonalds eröffnet. seit den frühen 80ern ging ich dort relativ regelmässig hin. einmal sind wir auch des restaurants verwiesen worden, weil wir andere gäste mit papierkügelchen aus strohhalmen beschossen haben. big macs esse ich gerne, seitdem ich mitte der 90er 3 tage lang non-stop von tennessee nach washingon state mit dem greyhound-bus gefahren bin. der greyhound hielt gelegentlich an mcdonalds-restaurants und meine enttäuschung war riesig, wenn wir morgens bei mcdonalds hileten und es dort „nur“ frühstück und keinebigmacs gab. ↩
mein ø-gewicht je monat in 2025
mein ø-gewicht von juni bis dezember 2025.
auch wenn mein gewicht im dezember konstant bei 94,5 lag, sind die jahres- und sechs-monats-grafik aus apple health optimistisch. aber der bereich 90-95 kg ist eigentlich ein bereich in dem ich bleiben will. meine klamotten passen mir noch, meine eltern haben erst nach dem dritten bis vierten blick gesehen, dass ich 18 kilo abgenommen habe und die werte die ich erfasse (blutdruck, ruhepuls, caridofitness) haben sich signifikant verbessert. und ich kann auch wieder auf dem rücken schlafen ohne mich selbst durch infernalisches schnarchen selbst zu wecken. und durch die kombination aus bewegung und gewichtsverlust haben sich die krampfadern die sich in den letzten vier, fünf jahren an meinen unterschenkeln vorwagten, wieder alle verdünnisiert.
zu weihnachten bin ich bei meinen eltern. meine mutter erzählt, mein vater macht das was er immer macht und ich staune, wie die kleinen konflikte, die bei meinen eltern früher gelegentlich eskalierten jetzt einfach abebben. vielleicht ist das ein weiterer positiver aspekt am altern, dass sich das kurzzeitgedächnis verkürzt und man einfach vergisst, über was man sich gerdae aufgeregt hat. apropos älter werden, meine mutter erzählte uns ausladend darüber, dass sie das buch von elke heidenreich über das altern nicht gut fand, aber sehr begeistert von natascha wodins „Die späten Tage“ ist. in „Die späten Tage“ schreibt sie über das altwerden und eine späte grosse liebe. ich muss keins der bücher lesen, weil mir meine mutter bereits alles erzählt hat.
meine mutter erzählt von ihrer freundin vera, die 15 jahre jüngger als sie ist. mittlerweile sind beide alt, meine mutter und vera. im alter verwischen altersunterschiede. und es ist natürlich auch pfiffig jüngere freunde zu haben, das macht sich im alter bezahlt, wenn die gleichaltrigen oder älteren freunde verhärten oder versterben.
witzigerweise erzählte mir meine mutter irgendwann auch von ihren elaborierten pfuschzetteln, an die ich vor ein paar tagen auch denken musste. sie habe die gerade beim aufräumen wiedergefunden und ob ich die vielleicht haben wolle. ich hab sie erstmal fotografiert und dann eingesteckt.
während meine mutter mir ihre gerade aufgeräumten schmuckschatullen zeigt, fällt mein blick auf dieses alte bild meiner mutter und meiner schwester aus den frühen achtzigerjahren.
meine mutter zeigt mir den ersten band der bob-dylan-autobiografie (Chronicles, Band 1). das habe sie sich gekauft, weil es von kathrin passig (und gerhard henschel) übersetzt wurde und sie kathrin passig mal auf der republica kennengelernt oder ich sie ihr vorgestellt habe. ich merke wie wenig ich weiss und freue mich, dass meine mutter ihren geist mit über achtzig besser auf trab hält als ich.
komischerweise werde ich bei meinen eltern nicht nostalgisch. die ganzen alten sachen wecken zwar viele alte erinnerungen, aber irgendwie fallen mir vor allem die neuen sachen auf. dass konflikte zwischen meinen eltern jetzt eher abbebben, als zu eskalieren. wie schön und fotogen die gegend hier in und um heinsberg ist und wie wenig ich das damals offenbar zu schätzen gewusst habe.
am himmel konnte ich hier heute früh mindestens zwanzig flugzeuge sehen. der himmel war riesig und klar und alle flugzeuge zogen kondesnstreifen hinnter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirklich, aber so war es.
mir fallen aber auch ein paar alte dinge auf, oder genauer, wie schnell dinge die kürzlich noch neu waren plötzlich ganz alt wirken. hier im haus sind noch überall diese kompakten neon-lampen verbaut, die ein paar hundert millisekunden brauchen, bevor sie licht abgeben. die waren vor kurzem noch der letzte heisse scheiss. mein vater meint, die halogen-läpchen in seinem badezimmer hielten im durchschnitt gerade mal 2 jahre. diese dinger waren wegen der niedervolt-technik auch mal ein heisser neuer scheiss, mittlerweiel sieht das wohl keiner mehr so. und weil mein vater (zu recht) lieber keine leiter mehr besteigen will, habe ich jetzt wohl alle paar jahre die aufgabe die lämpchen auszutauschen.
frida und ich sind heute zum ersten mal über den karkener friedhof gelaufen. bisher haben wir das nicht gemacht, weil ich mich in der regel an hunde-verbote auf friedhöfen halte. früher bin ich aus desinteresse nie über den karkener friedhof gealufen. heute, auf dem rückweg vom morgenspaziergang, wollte ich aber einen bogen um das mensch-hund-team vor uns machen, in dem der sehr gross gewachsene hund ganz offensichtlich die hosen an hatte und die marschrichtung bestimmte. also sind wir am friedhof abgebogen.
vor 17 jahren haben wir am 24.12.2008 in las vegas geheiratet. aus unerfindlichen gründen habe ich das hier auf wirres.net nie richtig dokumentiert. instagram gabs damals noch nicht und twitter konnte damals noch keine bilder. auf twitpic liegen erstaunlicherweise noch ein paar bilder rum (twitpic.com/wwza und twitpic.com/vrtf), aber sonst finde ich jetzt fast nichts mehr.
2008 haben wir uns entschlossen zu heiraten — aus steuerlichen gründen. wir waren damals schon drei jahre zusammen, katia hatte nichts dagegen zu heiraten, mir war das eher egal. bis ich irgendwann die steuerlichen rahmenbedingungen recherchierte und katia am telefon einen antrag machte: „ich hab das mal nachgerechnet, wir müssen leider heiraten.“
damals war es schon spät im jahr und wir wollten den steuervorteil für 2008 noch mitnehmen, also suchten wir einen weg möglichst schnell und unkompliziert zu heiraten. las vegas erschien uns eine gute idee: keine grosse orga, ausser ein hotelzimmer und einen flug zu buchen, kein stress mit der frage wen wir einladen. wir haben einfach alle eingeladen: „wir heiraten am 24.12 in las vegas: kommt gerne vorbei, wir freuen uns!“
frühstück bei denny’s
am 21.12.2008 flogen wir mit dem kind los und checkten ins the venetian ein. unser jetlag zwang uns relativ früh ins bett und ab 02:00 uhr morgens waren wir wieder wach. las vegas schläft ja bekanntlich nie, bzw. den casino-betreibern ist es ohnehin ein grosses anliegen, dass niemand merkt wie die zeit vergeht oder wie spät es ist. die aussentüren der casinos sind meist so tief getönt, dass man in der regel von innen nicht erkennen kann, ob draussen die sonne scheint oder ob es tiefe nacht ist. wir sind dann um drei uhr morgens ins denny’s vor dem venetian gegangen (wobei denny’s immer offen hat). dort haben wir deftig gefrühstückt und dann den ganzen tag unser touristen-programm abgespult und uns chapels angesehen, in denen wir heiraten könnten.
katia und ich vor dem ikonischen welcome to las-vegas schild (fotos vom kind)
als kapelle suchten wir uns die „a little white wedding chapel“ (wikipedia link) aus, einerseits weil uns die damals schrottige website gefiel und andererseits wegen roseanne, die uns ein hochzeitspaket-angebot schnürte und während des beratungsgesprächs mal kurz („excuse me for a moment“) an den autoschalter ging, an dem gerade ein auto vorgefahren war, um dort eine autoschalter-hochzeit zu abzuwickeln, bzw. zu koordinieren. als sie zurückkam, sagte sie uns, an das kind gerichtet: „can you do me a favour? never marry in a car!“.
unser hochzeitspaket umfasste eine limousinen-anfahrt aus dem hotel, blumengestecke für die braut und den bräutigam, einen fotografen der 12 bilder anfertigen würde und eine videoaufnahme. den standesbeamten, bzw. pastor müsse man separat bezahlen.
nachdem wir das angebot angenommen hatten, in meiner erinnerung war es sensationell günstig, mussten wir nur noch unsere „marriage license“ besorgen. dafür geht man einfach zum clark county marriage license bureau, eine behörde die jeden tag von acht uhr morgens bis mitternacht geöffnet hat.
über die hochzeits-formalien und vor allem wie man die amerikanische hochzeit dann in deutschland anerkennen lässt, habe ich 2009 ausführlich geschrieben (und jetzt nochmal aktualisiert): heiraten in las vegas
„aber rev stone hat gesagt …!“
am 24. holte uns dann ein fahrer am hotel ab und fuhr uns zur little white chapel.
natürlich waren keine weiteren gäste nach las vegas gekommen (obwohl meine eltern das kurz in erwägung gezogen hatten), deshalb waren wir mit dem kind, dem fotografen und reverend robert l. stone alleine in der kapelle. rev stone war ein niedlicher alter mann mit sehr dicken brillengläsern, hinter denen man sehr freundliche grosse augen sehen könnte. wir liessen ihn vorab wissen, dass wir atheisten seien, aber die zeremonie die er veranstaltete war trotz des kitsch der uns umgab sehr romantisch und rührselig. am ende hatten wir alle ein bisschen feuchte augen. er fragte uns auch, ob er „trotzdem“ für uns beten könnte, was uns auch bewegte, atheismus hin oder her.
rev stone spielt nach wie vor eine grosse rolle in unserem leben, es vergeht kaum ein monat in dem nicht einer von uns beiden sagt: „aber rev stone hat gesagt …!“ leider ist rev. stone 2021 gestorben, auf seiner obituary-seite kann man das eine oder andere aus seinem leben erfahren.
ich stecke katia ihren ring an den finger, anton bezeugt das, katia erträgt es
dreier hochzeits-foto mit anton. unsere haltungen waren streng vom fotografen orchestriert
typisch amerikanisch gestelltes hochzeitsfoto. dem fotografen waren handhaltung und position der blumengestecke extrem wichtig, dass wir deustchen den ring an der „falschen“ hand tragen, trieb ihn beinahe in den wahnsinn
katia und ich im „garten der little white wedding chapel“ auf astro-turf
ein kuss für den fotografen. ihm war vor allem wichtig, dass man die ringe sieht.
nach der hochzeit sind wir noch über den grand canyon, palm springs und san diego nach los angeles gefahren. während es in las vegas angenehm warm war, war es am grand canyon bitterkalt. um so schöner war es in palm springs, wo es ende dezember frühlingshaft warm war. die hochzeitsreise war, wie die hochzeit, eine wilde mischung extremer kontraste, kalt, warm, heiss, kitschig, herzlich, bunt, pompös und unbürokratisch. das mit den kontrasten, mit den extremen, das können die amerikaner. und in las vegas können sie hochzeiten. wir bereuen es nicht und können heiraten in las vegas von ganzem herzen empfehlen.
[m]
die republica hat ihre (website) tore geöffnet. man kann jetzt tickets buchen und sich zum auftreten bewerben. in den letzten jahren hab ich das oft verpasst. weil ich es dieses jahr schon mitte dezember bemerkt habe, kann ich vor weihnachten darüber nachdenken ob ich nächstes jahr auf der republica etwas erzählen möchte.
eigentlich hab ich das gefühl, dass ich auf der republica bereits alles gesagt habe, was zu sagen ist. in meinen republica-beiträgen hab ich gelegentlich auch gescherzt, dass ich jedes jahr das gleiche vortrage. was einerseits stimmt, andererseit nicht. thematisch würde zum diesjährigen mottomein vortrag zu erich fromm von 2017 passen. wenn die republica zum diesjährigen motto schreibt …
„Never gonna give you up“ ist mehr als ein nostalgischer Ohrwurm oder ein lustiges Meme. Es ist eine Erinnerung daran, warum es sich lohnt sich einzusetzen – für Vielfalt, Teilhabe und Menschlichkeit.
… dann wäre der humanismus von erich fromm und mein aufruf daran zu arbeiten uns selbst und andere zu lieben auf jeden fall ein passender beitrag zum 26er motto der republica. aber eben auch ein beitrag den ich bereits gegeben habe. 2018 hab ich dann im prinzip erneut für mehr autonomie, gelassenheit und optimismus im umgang mit der welt plädiert (warum wir nach fragen, nicht nur nach antworten suchen müssen). die reise nach innen als politischer akt, als erster schritt zur weltverbesserung die eigenliebe und selbstbestimmung.
ich habe mir eben von gemini meine beiden republica vorträge von 2017 und 2018 zusammenfassen lassen und abgesehen davon, dass gemini das wirklich gut und präzise macht, sehe ich deutlich, dass sich beide vorträge schon sehr ähneln. mein witz, dass ich jedes jahr das gleiche auf der republica erzähle hat also ein paar wahre kerne.
die von gemini extrahierte botschaft meines 2017er bertrags lautet …
Die Botschaft: Statt nur gegen etwas zu sein oder passiv zu konsumieren, sollten wir aktiv werden und durch unsere eigene Haltung die Welt „millimeterweise“ zum Guten verschieben.
… und würde deshalb wohl auch zum 2026er motto passen. mach ich aber nicht, kann man ja auf youtube schauen und ein best of schwenzel auftritt auf der republica würde wohl niemanden hinter dem handy hervorlocken.
ursprünglich hab ich meine auftritte auf der republica als persönliche herausforderungen gesehen. schaffe ich es zu völlig absurden thesen und titeln 30 minuten vortrag zu generieren die nicht völlig langweilig sind und mich nicht total blamieren? „10 vorschläge die welt zu verbessern“, „wie ich lernte die überwachung zu lieben“, warum das internet scheiße ist. meistens war ich am ende zufrieden mit meinen vorträgen, das publikum auch. judith horchert fasste meinen gedämpften high-performance ehrgeiz mit dem ich an republica vorträge heranging damals (2012) passend zusammen:
Felix Schwenzel ist Web-Entwickler und Blogger, auch wenn er das selbst längst nicht mehr so nennt, sondern lieber "einfach so ins Internet" schreibt. Genauso hält er diesmal "einfach so" einen Vortrag, der schon skurril beginnt: "Das Internet besteht aus Menschen. Das ist meine These", sagt er und stellt gleich darauf trocken fest, dass das ja eigentlich keine These sei, sondern eine Plattitüde. Macht aber nichts. Immerhin reicht so eine Aussage bei einem Schwenzel-Vortrag für mehrere Folien und sogar für ein vorläufiges Fazit, auch wenn er da lieber "noch ein bisschen dran arbeiten" wolle.
2024 habe ich mich dann zu einem thema beworben, zu dem ich ausnahmsweise expertise hatte — oder mir zumindest über 4 jahre eine gewisse expertise erarbeitet hatte. mir war es ein anliegen über hunde zu sprechen, deren erziehung und unser verhältnis zu ihnen und das natürlich auch (wieder) in den grossen zusammenhang der millimeterweisen weltverbesserung zu stellen: hunde sind auch nur menschen.
2020 wollte ich über ein andere thema, in dem ich mir expertise erarbeitet hatte, sprechen: heimautomatisierung. wegen covid blieb es dann aber beim vortragsvorschlag. heute glaube ich, dass heimautomatisierung kein guter republica-beitrag geworden wäre. genauso wie ein vortrag über das bloggen auf der republica 2026 wohl eher wie ein lufthauch einschlagen würde, also weder interesse noch interessanz generieren würde.
dazu kommt, dass ein vortrag auf der republica sehr viel arbeit bedeutet. zumindest für mich. für etwas leichtigkeit, unterhaltsamkeit, spontanität benötige ich enorm viel vorbereitung. ich stecke gerne viel arbeit in vorträge (oder auch artikel hier und anderswo), weil mir schreiben hilft die welt zu verdauen und zu verstehen, meinen denkapparat beschäftigt und trainiert und ich am ende mehr weiss als vorher.
aber um mich für so viel arbeit zu motivieren, brauche ich schon eine gewisse euphoriebasis um den grössenwahn eines solchen projekts zu legitimieren. tatsächlich gibt es derzeit ein paar themen die mich enorm faszinieren und zu denen ich null expertise habe. leider sind die themen so breit gestreut, dass ich trotz intensiven nachdenkens noch nicht auf eine thematische klammer gekommen bin, weshalb ich sie jetzt mal aufschreibe und so schriftlich drüber nachdenke.
die themen sind im grossen und ganzen denken, intelligenz, netzwerkeffekte, spieltheorie und teilchenphysik.
mein interesse am themenkomplex „denken“ und „intelligenz“ hängt mit meiner jugendlichen lektüre von hoimar von ditfurth zusammen. in „im anfang war der wasserstoff“ argumentiert ditfurth ja, dass intelligenz und geistige prinzipien nicht erst mit dem menschlichen gehirn in die welt kamen. die natur zeigte intelligentes „verhalten“, lange bevor es neuronale strukturen gab. seine zentrale these ist dass die entwicklung vom wasserstoffatom bis hin zum menschlichen bewusstsein kein zufall, sondern eine in der materie angelegte zwangsläufigkeit war. diese thesen hängen immer wie ein schleier über meinen gedanken, wenn ich über künstliche intelligenz oder künstliche neuronale netze nachdenke.
aber noch faszinierender, und da schliesst sich der kreis zur teilchenphysik, ist was gemini in seiner zusammenfassung von „im anfang war der wasserstoff“ schrieb:
Daraus leitet Ditfurth ab, dass unser heutiges menschliches Bewusstsein und unsere Intelligenz nicht der Endpunkt der Evolution sind. Da sich der Kosmos als ein sich selbst organisierendes System ständig weiterentwickelt, betrachtet er den Menschen eher als eine Übergangsform. Unsere Intelligenz ist lediglich das aktuelle Werkzeug, mit dem das Universum begonnen hat, über sich selbst nachzudenken – aber keineswegs das letzte oder höchste.
diese sichtweise, dass wir ein weg des universums sind, über sich selbst nachzudenken, wird auch von carl sagan und brian cox vertreten.
The cosmos is within us. We are made of star-stuff. We are a way for the universe to know itself.
We are the cosmos made conscious and life is the means by which the universe understands itself.
in dieser ausgabe von star talk von neil degrasse tyson („Are We The Universe’s Way of Knowing Itself?“) sprechen cox und tyson genau darüber, über emergenz und — natürlich — teilchenphysik. brian cox kann ich stundenlang zuhören, vor allem wie er die ungewissheiten seines forschungsfelds verständlich macht und wie er damit umgeht, dass wir bereits einiges wissen, aber trotzdem fast nichts richtig verstehen.
die themen netzwerkeffekte und spieltheorie spielen in einer ähnlichen liga. bei beiden entstehen aus einfachen regeln komplexe systeme aus deren beobachtung wir einiges ableiten können, das uns im umgang mit modernen technologien und gesellschaftlichen herausforderungen helfen könnte. zum faszinosum spieltheorie war dieses veritasium-video meine einsteigsdroge. gemini:
Das Video verbindet das „Kleine-Welt-Phänomen“ (Small-World-Network) mit der Spieltheorie, insbesondere dem Gefangenendilemma. Robert Axelrods Computertourniere in den 1980er Jahren zeigten, dass in wiederholten Spielen kooperative Strategien wie „Tit for Tat“ (wie du mir, so ich dir) am erfolgreichsten sind, solange sie „nett“ (beginnen kooperativ), „vergesslich“ (nicht nachtragend) und „klar“ (vorhersehbar) sind. Watts und Strogatz übertrugen dies auf Netzwerke und zeigten, dass in stark vernetzten „Small-World“-Strukturen Kooperation ebenfalls gedeihen kann, aber anfällig ist, wenn zu viele „Abkürzungen“ (zufällige Verbindungen) die lokalen Kooperationscluster aufbrechen. Das Video illustriert diese Prinzipien anhand realer Beispiele wie dem Kalten Krieg (Nukleare Abrüstung), Tierverhalten (Symbiose) und dem modernen Internet, wobei es betont, dass individuelle Entscheidungen zur Kooperation langfristig die besten Ergebnisse für alle liefern können, selbst in einer Welt voller Egoisten.
Das Video beleuchtet die mathematischen Prinzipien hinter dem „Kleine-Welt-Phänomen“ (Small-World-Network), das erklärt, warum in riesigen Netzwerken – seien es Menschen, Neuronen oder Webseiten – jeder Punkt mit jedem anderen über nur wenige Ecken verbunden ist. Die Kernteorie von Watts und Strogatz zeigt, dass bereits wenige zufällige „Abkürzungen“ (Shortcuts) in einem stark geclusterten Netzwerk genügen, um die durchschnittliche Distanz drastisch zu verkürzen, während Albert-László Barabási mit dem Prinzip des „Preferential Attachment“ ergänzt, dass Netzwerke organisch wachsen, indem neue Knoten bevorzugt an bereits stark vernetzte andocken, wodurch zentrale „Hubs“ entstehen, die das System extrem effizient, aber auch anfällig für die schnelle Ausbreitung von Krankheiten oder Informationen machen.
keine ahnung wie und ob ich das zu einem stringenten thema oder vortragsvorschlag zusammenbinden kann. dieser artikel ist jedenfalls der erste schritt dahin und zeigt auch, dass menschen (oder zumindest ich) gar nicht mal so gute denker sind. niklas luhmann soll sinngemäss gesagt haben, dass das denken ohne schreiben gar nicht in der Tiefe möglich ist. das schreiben sei nicht das ergebnis des denkens, sondern der prozess des denkens selbst. oder wie ich es mal gesagt habe, ins internet schreiben gleicht einem verdauungsvorgang.
in diesem sinne habe ich jetzt den republica26 call for papers vorverdaut. ob am ende ne schöne vortragswurst rauskommt ist jetzt noch nicht abzusehen.
anmerkungen, nachträge, [m]:
die motto-illustration/animation der republica26 oben hab ich modifiziert damit sie einen dunklen hintergrund hat. für den RSS-feed hab ich ein gif erzeugt.
die zusammenfassungen von zwei meiner vorträge durch googles gemini (3 pro) haben mich so sehr fasziniert, dass ich sie nochmal separat veröffentlicht habe (2017 und 2018). in gewissem sinne sind das ja zeitdokumente, die den erstaunlichen stand dieser technologie illustrieren. vielleicht hat gemini die vorträge in seiner zusammenfassung durch LLM-klugschiss sogar verbessert.
als ich ein kind war, studierte meine mutter sonderpädagigik. zwei dinge sind mir aus dieser zeit in erinnerung. zum einen hatte sie sich für eine prüfung einen drei meter langen „pfuschzettel“ geabaut, auf dem der text ihrer schriftlichen prüfung zum abschreiben stand. der „zettel“ war winzig und auf zwei rollen gerollt. der text war schreibmaschinengeschrieben und mehrfach kleinkopiert. ich habe diese idee natürlich auch in meiner schullaufbahn gerne angewandt und mir für meine abiturkausuren auch elaborierte „pfuschzettel“ erstellt. allerdings zeigte sich, dass ich die gar nicht nutzen musste, denn allein die erstellung der zettel verankerte das lerngut so gut in meinem kurzzeitgedächnis, dass ich die zettel während der prüfungen gar nicht brauchte. es zeigt sich auch heute nützlich wissen oder lernstoff zu strukturieren, zu komprimieren und irgendwo aufzuschreiben, so dass man im notfall drauf zugreifen kann (aber nicht muss).
manche nennen diesen vorgang auch bloggen.
das andere was mir in erinnerung blieb, war eine statistik, die sie für ihre abschlussarbeit recherchiert hatte. nämlich dass sich in deutschland signifikant mehr leute für tierschutz einsetzen, als für kinderschutz. zumindest gemessen an den mitgliederzahlen der zwei wichtigsten vereine; dem deutschen kinderschutzbund und dem deutschen tierschutzbund. laut eigenangaben des kinderschutzbundes und des wikipediaeintrags des tierschutzbundes, gibt es ca. 50.000 unerstützer des kinderschutzbundes und ca. 800.000 unterstützer des deutschen tierschutzbundes.
ich habe da immer wieder drüber nachgedacht, was das für gründe haben kann, und einer davon ist sicherlich, dass der einsatz für tiere sich weniger politisch anfühlt, zumindest, wenn die politischeren vereine wie peta ausklammert. ein anderer grund könnte sein, dass „die politik“ zwar immer wieder gerne vorgibt, etwas für kinder zu tun und da aktivistisch tätig ist, sich aber gefühlt eher selten für das tierwohl einsetzt. möglicheriweise lässt das einige menschen glauben, dass man deshalb mehr für tiere tun müsste.
tatsache ist jedenfalls, dass viele politiker sehr gut wissen, dass man politische vorhaben viel leichter durchsetzen kann, wenn man sie mit (vermeintlichen) kindeswohl verknüpft.
denkt doch mal an die kinder! wir brauchen zugangssperren im internet um kinder zu schützen! (zugangserschwerungsgesetzt, „zensursula“)
wir müssen kommunikationsdaten aller menschen umfassend speichern um kindesmissbrauch (und terror) besser aufkären zu können. (vorratsdatenspeicherung)
wir müssen zum schutz der kinder verschlüsselte kommunikation verbieten (chatkontrolle, CSAM diskussion)
wir müssen „killerspiele“ zum schutz der kinder verbieten
Klare Mehrheit für Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
und jetzt ganz neu, nicht nur in australien, sondern auch hier gerne diskutert, kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen verbannen, zu ihrem eigenen schutz. eine umfrage der bild suggeriert zumindest, dass nicht wenige menschen für solch eine idee zu begeistern sind (thomas hat ein faksimile der „bild“-umfrage, die ich nicht nur mit einem „grain of salt“ geniessen würde, sondern eher mit ein zwei teelöffeln salz).
ganz selten hört man aus regierungskreisen aufrufe wie:
wir müssen an unsere kinder denken und möglichst schnell und konsequent verbrenner-motoren durch elektroantriebe ersetzen.
wir brauchen strengere und niedrigere tempolimits um kinder- und menschenleben zu schützen
wir sind es unseren kindern und deren zukunft schuldig alles menschenmögliche für den klimaschutz zu tun und auch vor massnehmen wie der reduktion unseres landverbrauchs und der tierhaltung nicht zurückschrecken.
kindeswohl in politikerreden wird gerne als argument genutzt, wenn es keinem erwachsenen oder lobbyisten wehtut. das ist das praktische an dieser argumentationsweise. die kinder muss man nicht fragen, kinder haben keine oder nur schwache lobbys und die wünsche von kindern kann man einfach übergehen, weil man ja einfach unwidersprochen vorgeben kann, es besser zu wissen.
was einigen erwachsenen wehtun würde und den einen oder anderen lobby-verband zu heftigem widerstand bringen würde, wären massnahmen wie die, die thomas gigold in diesem artikel vorschlug:
Wie wäre es, wenn wir statt Kinder vorzuschieben uns mal als Gesellschaft fragen: Wollen wir all die Gewalt, Manipulation und Hass-Rede wirklich? Braucht es die wirklich im demokratischen Diskurs? Oder wäre es nicht vielleicht besser, an den großen Tech-Plattformen die gleichen Maßstäbe anzulegen, wie an TV, Radio, DVD und Computer-Spiele – und die "harmlose" Version zum Standard zu machen?
oder anders gefragt, wie wäre es die vorhandenen gesetzte gegen gewaltdarstellung, missbrauch und hetze mal durchzusetzen?
weil show- oder schaufensterpolitik so viel leichter ist, hat man offensichtlich in australien auf die regulierung von werbung für wetten verzichtet und lieber kinder und jugendliche aus öffentlichen räumen („social media“) im internet verbannt:
Turns out the campaign pushing hardest for the ban was run by an ad agency that makes gambling ads. The same gambling ads that were facing their own potential ban—until the Australian government decided that, hey, with all the kids kicked off social media, gambling ads can stay.
politiker und politikerinnen die ihre politik mit massnahmen zum kinderschutz begründen sollte man in den meisten fällen wie drückerkolonnen an haustüren und fussgängerzonen behandeln. ignorieren, nach hause gehen und sich gedanken über fleischlosere ernährung machen und wie man sich politisch engagieren könnte.
politiker die drückerkolonnen-taktiken nutzen, sich erst beim wahlvolk einzuschleimen versuchen, dann emotionen aufrühren und zum spenden oder wählen bringen wollen, sollte man mit häme und besseren argumenten übergiessen.
bootleggers and baptists
politikern und lobbyisten ist es gelegentlich egal wie sie unterstützung für ihre vorhaben erreichen. ein klassiches konzept scheint ein bündnis aus moralisch motivierten akteuren und wirtschaftlichen profiteuren zu sein, das mike masnick hier beschreibt:
There’s a famous concept around regulations known as “bootleggers and Baptists,” as a shorthand way of denoting some of the more cynical “strange bedfellows” that team up to get certain regulations in place. The canonical example, of course, being the temperance movement that sought to ban alcohol. Bootleggers (illegal, underground alcohol producers) loved the idea of prohibition, because it would greatly increase demand for their product, for which they could cash in.
But, no one wants to publicly advocate for prohibition on behalf of the bootleggers. So, you find a group to be the public face to present the cooked up moral panic, moralizing argument for the ban: the Baptists. They run around and talk about how damaging alcohol is and how it must be banned for the good of society. It’s just behind the scenes that the bootleggers looking to profit are helping move along the legislation that will do exactly that.
gute politik ist mühsam. nicht nur für politiker, auch für die wählenden. die einen sollten wege suchen die welt, das internet für alle besser zu machen, die anderen auch. der witz ist: wir können die politik nicht nur den politikern überlassen. wir müssen ihnen auf die finger schauen und ihre taschenspielertricks erkennen und demaskieren. wir sollten die taschenspielertricks aber nicht nur demaskieren, sondern ihnen bessere alternativen entgegenstellen (das hat schon einmal funktioniert, damals zu zensursula-zeiten: löschen statt sperren).
das problem ist vielleicht auch, dass wir alle verlernt haben unsere eigenen pfuschzettel zu erstellen (uns mit den problemen der welt auseinandersetzen) und stattdessen mehr und mehr vorformulierte, ready-made pfuschzettel nutzen und uns so durch fehlende, echte auseinandersetzung leicht instrumentalisieren lassen. und das scheint mir für alle zu gelten, nicht nur politiker und politikerinnen.
[Die] Berliner Rechtsmedizinerin Saskia Etzold, die tagtäglich misshandelte Kinder untersucht: „Ich habe das Gefühl, in einem Land zu leben, in dem Elternrechte wichtiger sind als Kinderrechte“, sagt Etzold. Kindesmisshandlungen würden kollektiv verleugnet, der Staat versage als oberster Wächter des Kindeswohls. 200.000 Kinder würden nach konservativen Schätzungen jährlich in Deutschland misshandelt, mit großer Wahrscheinlichkeit mehr.
Since the “social media is bad for teens” myth will not die, I keep having intense conversations with colleagues, journalists, and friends over what the research says and what it doesn’t. (Alice Marwick et. al put together a great little primer in light of the legislative moves.)
[…]
Can social media be risky for youth? Of course. So can school. So can friendship. So can the kitchen. So can navigating parents. Can social media be designed better? Absolutely. So can school. So can the kitchen. (So can parents?) Do we always know the best design interventions? No. Might those design interventions backfire? Yes.
Does that mean that we should give up trying to improve social media or other digital environments? Absolutely not. But we must also recognize that trying to cement design into law might backfire. And that, more generally, technologies’ risks cannot be managed by design alone.
[…]
Do some people experience harms through social media? Absolutely. But it’s important to acknowledge that most of these harms involve people using social media to harm others. It’s reasonable that they should be held accountable. It’s not reasonable to presume that you can design a system that allows people to interact in a manner where harms will never happen. As every school principal knows, you can’t solve bullying through the design of the physical building.
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