ich habe irgenwann gemerkt, dass man pesto aus fast allem herstellen kann. kräuter oder gekochtes gemüse mit nüssen, parmesan und öl schmecken immer. das hier schmeckt besonders lecker.
wenns schneller gehen soll, kann man die „grundlage“ auch weglassen und einfach das pesto mit nudeln vermengen.
zutaten
pesto
3 rote beten (oder eine grosse)
3 knoblauchzehen
75 g mandeln
1 zitrone (saft und abgeriebene schale) oder eine halbe eingelegte zitrone
40 g parmesan (oder mehr)
80 ml olivenöl
nudeln
250 g spaghetti
grundlage
1 grosse scharlotte
2 knoblauchzehen in scheiben geschnitten
olivenöl
zubereitung
pesto
rote beete kochen, dämpfen oder im ofen rösten (ich dämpfe sie mit der schale 40-60 minuten im dampfgarer). danach schälen und in grobe würfel schneiden.
rote bete stücken mit 3 knobklauchzehen, 75 g mandeln, dem zitronensaft und der schale der zitrone, 40 g parmesan und 60 ml olivenöl pürieren. wie immer bei pesto: mehr parmesan und öl nach gefühl.
nudeln
spaghetti in salzwasser kochen, ein, zwei tassen vom kochwasser aufheben.
in einer pfanne die in ringe oder scheiben geschnittene scharlotte und knoblauch in öl andünsten, danach mit nudelwasser und pesto zu einer sosse rühren und mit den nudeln vermischen. nach dem transfer auf teller kann man das noch mit petersilie oder zitronenzesten und zusätzlichem parmesan dekorieren.
beim bildblog wies lorenz meyer heute auf dieses 40 minuten lange video hin. das video ist über synchronsprecher und wie sie sich von KI bedroht fühlen.
ich habe mich durch das ganze video gequält und kann es nicht empfehlen. aber wenn ich über das video schreibe, dachte ich, muss ich da durch.
ich bin kein fan von synchronisation, im gegenteil. ich vermeide so gut ich kann. in den letzten 20 jahren ist mir das dank des technischen fortschritts auch ganz gut gelungen. die ersten 30 jahre meines lebens war ich der synchronisation von filmen und fernsehserien hilflos und alternativlos ausgeliefert. jeder film, jede fernsehserie wurde konsequent mit deutschen stimmen überbügelt.
serienauswahl in meiner DVDthek um das jahr 2007 herum
mit dem aufkommen der DVD wurden originalversionen leichter zugänglich. wenn ich mich recht erinnere, wandelten sich videotheken so um 2003 bis 2005 langsam aber sicher zu DVDtheken und mit DVDs hatte ich endlich eine wahl mir filme und serien auch endlich im original anzuschauen.
auf eine art bin ich den 30 jahren zwangssynchronisation dankbar. alles was ich in den ersten 30 jahren an medien konsumiert habe, kann ich jetzt nochmal völlig neu im original entdecken. vor einem jahr hab ich mir alle folgen der muppet show angesehen, davor magnum PI. vor 15 jahren war ich erstaunt darüber was für eine weiche, ernste, sympathische stimme eddie murphy hat und dass er eben kein affiger schreihals ist.
im video oben machen einige deutsche synchronsprecher darauf aufmerksam, dass das was sie tun kunst sei. dem möchte ich nicht widersprechen, aber diese kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun haben will. so wie ich nicht auf ein auf ein death metal konzert gehen möchte oder in die oper. ich habe nichts dagegen wenn synchronsprecher ihrer kunst nachgehen, solange sie mich mit ihrer kunst in ruhe lassen. da sie mich 30 jahre meines lebens nicht in ruhe damit gelassen haben, habe ich in dieser zeit — und danach — allerdings ein emotionales meinungsbild über diese kunst entwickelt. kurz gesagt: ich ertrage diese stimmen nicht, weil sie so glatt und gleichzeitig überzeichnet, gestelzt und aufgetragen sind. kein mensch auf der welt redet so, wie synchronsprecher reden. ich denke im kunstkontext ist das auch OK, niemand singt so wie opernsingende singen, niemand malt so wie malerinnen malen, niemand tanzt so wie ballettänzerinnen tanzen.
der witz ist: als ich vor einer weile mal testweise die stimme der chatgpt-app aktiviert habe, dachte ich sofort an synchronsprecher: viel zu viel pathos, emotion, mühe. alles etwas zu doll aufgedreht und eine durchgängige nuschel-phobie.
im video sagt peter flechtner, der unter anderem ben affleck synchronisiert, an einer stelle:
ich glaube die leute werden irgendwann auch genervt sein wieder von den ki stimmen.
das glaube ich auch, aber ich glaube auch das viele leute von den synchronstimmen genervt sind. bestimmt nicht alle, im gegenteil, ganz offensichtlich mögen die viele auch, aber ich fand es frappierend wie in dem video die ganze zeit darauf hingewiesen wird wie scheisse und parasitär KI ist, aber kaum darüber geredet wird, dass synchronisierung das original verzerrt und uminterpretiert. ich vermute, dass viele filmemacher synchronisation ihrer werke nur wegen knebelvertriebsverträgen zulassen. ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass jemand der jahrelang für einen directors cut kämpft es toll findet, wenn das werk dann nochmal von synchronstudios neu interpretiert wird.
hollywoodschauspieler sind offenbar zu professionell um sich on the record negativ über synchronisation auszulassen. jodie foster hat in einem interview mal darauf hingewiesen, dass sie sich selbst in französisch synchronisiert. das sei ein schwieriger, anstrengender job.
So, I wish more actors could do it, but I got to tell you it's really hard. It's really hard.
aber sie weist auch darauf hin, dass die filme eben uminterpretiert werden:
I was […] supervising the Italian and the German and the Spanish and all of that. It was so interesting to see how all the different romance languages would interpret and how the character changes in some ways in all those languages.
jodie foster findet das auf eine art aufregend, ich find es eher schade. viele leute finden es auch aufregend ihre autos tiefer zu legen oder spoiler dranzukleben oder kaffee mit sprühsahne zu trinken. ich finde meistens das original aufregend genug.
wenn es tatsächlich so ist, dass die menschen ihre synchronstimmen lieben, darauf weisen die synchronsprecher und sprecherinnen mehrfach im video hin, dann gibt es ja eigentlich keinen grund zur sorge für die branche. dann lehnt die mehrheit artifizielle stimmen ab und die grossen streaminganbieter, filmstudios, vermarkter müssen nachziehen und weiter schauspieler fürs synchroniseren zahlen.
meine vermutung ist allerdings dass es den meisten menschen egal ist. zumindest den menschen die jetzt schon synchronisierte filme und serien akzeptieren oder dem original (mit untertiteln) vorziehen. die von den synchronsprechern vielbeschworene „deutsche synchronsprecher-kultur“ hat über viele jahrzehnte im wörtlichen sinne das original marginalisiert und entwertet. warum sollte sich diese mehrheit — der das original egal ist — jetzt plötzlich dafür interessieren, ob die stimmen original, kunst oder KI sind?
ich mag rezepte mit wenig zutaten — oder besser gesagt: rezepte mit wenigen zutaten schmecken oft am besten. erstaunlichstes beispiel: die gurkensticks mit knoblauch und essig und salz. dieses rezept ist auch sehr zutatenarm und trotzdem äusserst lecker und variabel.
zutaten
2 rote bete (ca. 450 g)
1 zwiebel
35 ml essig
20 ml rotwein
10 ml rapsöl
salz
gewürze (optional)
4 el brühe
5 pfefferkörner
4 ganze nelken
0,5 tl tl gemahlende koriandersamen
zubereitung
rote bete gar kochen (ich lege sie ungeschält 40-60 minuten in den dampfgarer). danach abkühlen lassen und schälen und in feine scheiben schneiden oder hobeln.
zwiebel sehr fein würfeln und zusammen mit dem rotwein und dem essig vermengen. salzen und pfeffern nach geschmack und wer lust auf eine weihnachtkliche oder glühwein-note hat fügt noch nelken oder koriandr hinzu. statt brühe gehen auch auch wasser und salz oder etwas wasser und instantbrühenpulver.
mindestens eine stunde oder über nacht im kühlschrank durchziehen lassen. das öl soll laut originalrezept erst zum schluss hinzugefügt werden. ist aber nicht schlimm wenns vorher drin ist.
optional: mit zerkrümelten oder gewürfelten feta bestreuen.
gestern nachmittag, vor dem spazierengehen, hatte ich den impuls mit frida zu einem mcdonald’s zu spazieren um dort pommes zu essen. ich wandelte meinen appetit auf pommes dann aber schnell in den plan um, nochmal am pommes aus dem airfryer-rezept zu feilen.
leider habe ich die rauhigkeit der oberfläche auch dieses mal nicht so hinbekommen wie ich es wollte, die pommes waren knusprig und luftig, aber trotzdem nicht so wie ich wollte. der kritische punkt ist das blanchieren. ich glaube ich war hier immer noch zu ungeduldig.
ich weiss nicht ob die spd immer noch mit einem würfel wirbt, aber als ich heute auf diesen dpd-lieferwagen zuging, sah ich das vor meinem inneren auge.
das bild habe ich selbst mit pixelmator gephotoshopped. das original ist in der beilage.
relief im goethepark, beinahe zu genderfluid, um zu sagen, ob wolfgang oder wolfgard goethe.
nachdem ich vor ein paar tagen im 2005er archiv dieser webseite gewühlt habe und drüber geschrieben habe, konnte ich in den letzten tagen einen 20 jahren alten punkt von meiner tofoliste streichen: die beiträge die ich damals ins wahlblog.de geschrieben habe auf wirres.net kopieren.
weil das schnell unübersichtlich wurde habe ich eine sammlungsseite verfasst, die das alles bündelt: sammlung #wahl05
sammlungen sind eine idee die mir frank westphal mindestens einmal ins ohr gelegt hat. die sammlungsseite habe ich als einfachen blogbeitrag angelegt, aber alle in ihr erwähnten oder relevanten beiträge linken auf den artikelseiten wieder zurück auf die sammlung (beispiel). so eine art kontext-klammer finde ich gut.
weil ich gerade dabei war zu schauen was ich sonst noch so über parteitage schrieb, fiel mir auf wie nötig solche übersichtseiten sind. ich erinnerte mich, dass ich in den folgejahren noch ein paar mal auf parteitagen war und darüber schrieb. aber so richtig zurechtgefunden habe ich mich in meinem archiv nicht. also habe ich das mal etwas sortiert und für die anderen parteitage eine eigene sammlung angelegt: sammlung parteitage
in der #wahl05 sammlung schrieb ich, dass ich zwar das archiv aufgeräumt und etwas strukturiert habe, die wahlblogseiten aber weiterhin für suchmaschinen indexierung sperre:
das archiv dient meinem privatvergnügen und ich empfehle niemandem den alten scheiss von mir zu lesen (obwohl es teilweise ganz amüsant zu lesen ist).
so wie ich vor 20 jahren schrieb, würde ich heute nicht mehr schreiben, aber in 20 jahren werde ich das sicher nochmal interessiert lesen. so wie ich es jetzt, 20 jahre später auch nochmal (fast) alles gelesen habe. aber sonst muss das wirklich keine(r) lesen, auch wenns geht.
frida hat einen empfindlichen darm. bei jeder futterumstellung kriegt sie dünnschiss — bis sich irgendwann ihre verdauung stabilisiert. es gibt auch viele gemüse und fleischsorten an die sie sich nicht gewöhnt. wegen fridas fragiler verdauung ist die qualität von fridas stuhlgang ein ständiges thema zwischen mir und der beifahrerin.
normale menschen würden nach dem morgenspaziergang berichten: „kacki war super“ (oder die konsistenz beschreiben, wenns nicht so super war). ich kann mir naürlich nicht verkneifen jeden tag den gleichen gag zu machen: „kacki war super! [kurze pause] das von frida auch!“
natürlich ist der eigentliche gag die wiederholung und die konsistenz der darbietung.
jedenfallls ist das kacki von frida seit monaten bombig gut. morgens kommen zuerst feste köttel raus (ich nenne sie „den pfropfen“) und danch weitere würste mit immer weicher werdender konsistenz. sie kackt sich sozusagen jeden morgen auf der bristol-stuhlformenskala1 von typ 1 bis typ 4.
My first thought upon reading this was, What a load of shit. Then I realized, well, yes, literally.
der load of shit sind äusserungen zu ernährung und stuhlgang von sean o’mara die in einem NYT-artikel zitiert werden.
At one point in our conversation he pulled up the Bristol Stool Chart, which ranges from Type 1 (“separate, hard pellets”) to Type 7 (“watery, no solid pieces”). O’Mara is consistently delivering Type 4 (“smooth, soft, like a snake”), with pointed ends, indicative of healthy rectal function, he told me. “When you start eating healthy, you don’t need toilet paper,” he claimed. “Animals in the wild have no residual stool on their anus.
seit ich meine ernährung auf zuckerfrei, viel gemüse, TK-obst, sehr wenig fleisch, viel öl, hülsenfrüchte, röstaromen und umami umgestellt habe, kann ich o'maras beobachtung teilweise bestätigen, muss ihr aber zugleich heftig widersprechen: die stuhlgänge einiger wildtiere in den rehbergen haben hundertprozentig spuren an deren anussen hinterlassen!
gleiches, aber anderes thema: ganz stimmt „kein zucker“ natürlich nicht. seit dem semaglutid ist mein appetit auf süsses meistens nonexistenz, bzw. lässt sich (absurderweise) mit ein paar gesalzenen nüssen wirksam stillen, sollte er mal kurz aufflammen. und der milchzucker in meiner morgenlatte meinem morgenkaffee mit milch ist natürlich auch zucker, ganauso wie der zucker in manchen asiatischen saucen die ich gelegentlich noch benutze. aber ich scheine mich vom zucker extrem entwöhnt zu haben, wie ich kürzlich merkte als das kind, das gerade zu besuch war, uns und seiner freundin ein paar macarons backte. natürlich musste ich einen probieren. er war sehr lecker, aber danach habe ich zum erstenmal seit monaten magenschmerzen bekommen.
ich finde jimmy carr wahnsinnig unsympathisch. aber auch witzig. seine moderation des britischen lol (last one laughing) war gut und witzig. er lacht komisch. obwohl ich ihn unsympathisch finde, mag ich ihn.
das ist ein phänomen, das ich im alter öfter erlebe. ich muss leute nicht mögen um sie zu mögen. vielleicht isses aber auch nicht das alter, sondern die briten. zum beispiel die briten im britischen lol: sehen komisch aus, sind nicht wirklich sympathisch aber sind doch alle irgendwie liebenswert.
vor ein paar tagen habe ich diesen schlimmen podcast mit jimmy carr und katherine ryan gesehen. das gespräch ist sehr inspirierend für fremdschäm-aficionados, aber weil beide es schaffen ihre peinlichen haltungen und ansichten auf verschiedenen metaebenen zu reflektieren habe ich bis minute 40 durchgehalten.
peinlicherweise teile ich einige ansichten von jimmy carr und eine idee gefiel mir besonders gut. sinngemäss lautet sie:
What could you do today that you tomorrow would be happy you did?
das ist in der tat ein wunderbares werkzeug zur selbtmanipulation. meine, sehr viel primitivere, version dieser idee resultierte aus einer beobachtung: wenn man schokolade oder süssigkeiten an einem absurden ort lagert, schafft man es manchmal sie zu vergessen und seinem zukünftigen ich eine grosse freude zu machen, wenn es die süssigkeit wieder findet.
mir hilft diese idee auch gelegentlich weniger zu essen. denn alles was ich auf dem teller oder der schüssel lasse, über das kann ich mich dann am nächsten tag beim resteessen zum frühstück freuen.
die frage, was man für sein morgiges ich heute tun könnte, über das es sich morgen freuen würde, scheint jimmy carr bei jeder gelegenheit zu wiederholen. zum beispiel bei diesem aufttritt in frankfurt. dort zeigt sich jimmy carrs stärke, die vielleicht auch sein schwäche ist. er ist nicht nur vorbereitet witzig, sondern auch spontan witzig und ernst. er schafft es nicht nur mit zwischenrufern souverän umzugehen, er kultiviert und organisiert in seinen shows offenbar sogar das zwischenrufen. dabei wandelt er relativ gekonnt zwischen witzig, ernst und beleididigend. aber irgendwann erschien mir carrs ernste seite dann so pathetisch, dass ich auch das video vom franfurter auftritt schliessen musste.
vielleicht ist geplante ambivalenz heutzutage die eigentliche kunst?
beim stöbern im archiv gestern einen alten quicktime VR film gefunden. mit QTVR konnte man damals panoramen sphärisch darstellen oder objekte drehen. das liess sich damals auch mit einem quicktime plugin im browser im web darstellen. mittlerweile kann noch nicht mal mehr macos solche filem darstellen.
mit object2vr und der hilfe von cursor habe ich das wieder rekostruiert, bzw. reanimiert: ix bewegt.
ich gehöre nicht zu den leuten die die alten zeiten im internet vermissen. ich finde das internet so wie es ist immer noch gut. ist halt noch unübersichtlicher geworden. 2005 war das internet kleiner, aber auch schon gross und unübersichtlich.
2005 hatte sascha lobo noch keinen irokesen und erklärte anderen das internet noch nicht. das hat 2005 mario sixtus getan, zum beispiel hier in der zeit.
im artikel lässt er doc searls blogs erklären:
»Bloggen ist wie Schneebälle einen Hang herunterrollen, manche bleiben liegen, andere rollen weiter, manche werden sogar riesig«, sagt Searls. Ein einziger inspirierter Eintrag kann in der Welt der Blogs eine Eigendynamik ohnegleichen entwickeln. Daher gilt die Blogosphäre als Frühwarnsystem für Themen, Trends und manchmal sogar Nachrichten. »Blogs sind Gespräche«, persifliert sich Searls selbst. Mit der Phrase »Märkte sind Gespräche« hatte er vor sechs Jahren die Grundlage des Cluetrain Manifests gelegt.
heute sind blogs nur noch schneeflocken.
2004 hatten „der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry zusammen mit dem Web-Entwickler und Blog-Guru Dave Winer eine Methode, Audiodateien zeitversetzt und automatisiert in den Speicher von MP3-Spielern zu übermitteln“ ersonnen. so lange ist das schon her.
weil 2005 das wort „social media“ noch nicht geläifig war, schrieb mario sixtus damals von einem „humanisiertem netz“, damals bestand die hoffnung, dass das internet von menschen geprägt werden könne. kommunikation, zusammenarbeit, vertrauen und persönliche beziehungen würden sich in und um blogs bündeln — so die hoffnung.
2005 fand ich, dass dieser artikel von mario sixtus der „beste artikel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das damals aufgeschrieben in einem artikel den ich über ein interview schrieb, das marin majica damals mit mir gefürhrt hat.
er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte.
marin majica interessierte sich damals für mich, weil im (bundetags-) wahlkampf 2005 die damalige blogplattform um nico lumma blogg.de ein wahlblog organisisrte, dass ein paar blogger, unter anderem mich, zu parteitagen schickte. mit ein bisschen pressearbeit machte das damals eine kleine welle in der journalistenwelt.
das pressecho zu mir hab ich damals hier festgehalten: respektlos?
Bei einem Treffen in einem Berliner Café demonstriert Schwenzel ganz nebenbei seine Arbeitsmethoden. Ungefragt macht er mit dem Handy ein Foto des Gegenübers, das er direkt in seinen Blog lädt. "Flickrn" heißt das, benannt nach der dafür benutzten Software Flickr. Am Nachmittag wird er noch einen Kommentar zu dem Gespräch mit dem Journalisten dazustellen. Für den ist das gewöhnungsbedürftig: beschrieben zu sein, bevor man selbst beschreibt.
Auch dass Lafontaine so häufig das Wort „ich“ verwendete, wurde von Schwenzel kommentiert: „Da scheint sich eine neue Spielart im linken Spektrum abzuzeichnen: Sozialichmus.“
so war das damals: das internet steckte noch voller hoffnungsfroh stimmendem potenzial und man konnte aufmerksamkeit erregen, indem man einfach ins internet schrob.
von der prognostizierten humanisierung des netzes ist im grösseren masstab — ausser podcasts — nicht mehr allzuviel übrig. aber vielleicht ja doch, nur eben etwas anders als wir uns das damals vorgestellt haben. das internet besteht nach wie vor vor allem aus menschen, mit all seinen vor- und nachteilen.
vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken wie wir die aufmerksamkeitsströme wieder humanisieren und aus den klauen der grossen plattformen und algorithmen befreien — oder unsere kleinen, übersichtlichen resonanzräume ausbauen, wie ich es vor ein paar monaten mal hier skizziert habe: elaborierte kulturtexte
unter den linden, zwichen ca. 1890 und 1900 (quelle)
an dem bild oben finde ich faszinierend, dass unter den linden wie in einem alten western aussieht. was ja auch nicht völlig abwegig ist, weil es die gleiche epoche ist, so um die vorletzte jahrhundertwende. und wenn man sich den google streetview aus der gleichen perspektive anschaut, fällt einerseits auf, dass die vermeintlich historischen strassenlaternen zumindest nicht die version aus den 1890ern imitieren und dass heute deutlich weniger pferdegespanne unterwegs sind als damals.
viktoriapark berlin zwischen ca. 1890 und 1900 (quelle)
dieses bild vom wasserfall im viktoriapark setze ich mir hier als reminder irgendwann ein foto aus der gleichen perspektive zu machen. obwohl dieses bild schon ziemlich nah dran kommt.
Wie erfüllend so Nichts sein kann Wie eine grosse, leere Kirche ist es hier – einfach ohne Gott (oder mit Gott, das ist wohl eine individuelle Angelegenheit) Das blosse Hiersein ist erholsam wie ein Saunabesuch – einfach ohne die Hitze
[Lindsay Ems] schreibt: „Mir wurde klar, dass die Amish der Technologie gegenüber eigentlich neutral eingestellt sind. Es ist für sie zweitrangig, worum es sich bei einer neuen Technologie handelt oder wie sie funktioniert; entscheidend ist für sie, welche Auswirkungen ihre Einführung auf die Gemeinschaft hätte.“
I became less intrigued by Amish restrictions on technology than by the social world they sought to preserve and protect with those restrictions. In the end, I came to realize that the Amish are, in fact, technology-agnostic. They do not care much about what a new technology is or how it works; they care about what its adoption would mean for the surrounding community.
lindsay ems buch über die amisch ist schon etwas älter (2022), auch wenn der artikel auf mitpress.mit neu ist. leider scheinen die inhalte des buchs bereits ein bisschen veraltet zu sein. so schreibt ems über den service pcfreemail, mit dem einige amish per fax emails schreiben und empfangen würden. den service gibts allerdings nicht mehr — nur noch auf archive.org.
aber darum gehts ja nicht, sondern eben darum, dass man sich fragen sollte/könnte, welche auswirkungen technologie auf die gemeinschaft hat. auch wir nicht amish tun das ja, man denke nur an die diskussionen um das social media verbit für jugendliche oder neil postmans buch von anno dazumal über die auswirkungen von fernsehen auf die gesellschaft. wobei wir als nicht amisch uns schon länger dazu entschieden haben, dass es ok ist, wenn technologie unsere gesellschaft verändert.
abgesehen davon, das ist ein schönes beispiel, dass religöse gebote durchaus auch etwas für unreligöse menschen bereithalten können. die drei C’s finde ich gut: danach streben ein vorbild zu sein, kritik annehmen und für eigene fehler einstehen.
One of my closest Amish contacts was Noah, a 57-year-old entrepreneur and self-described “technology buff.” Noah himself was a minister yet used a smartphone, email, and text messages, and even had a Facebook account. His usage was animated by the three C’s: conviction (modeling the right behavior), confession (asking others to hold you accountable), and contrition (being willing to own up to your mistakes). “Whether or not you use a technology is less important than how you use it,” he told me.
jetzt habe ich endlich mal ein pro-argument für pixelfed gehört, dass ich verstehe:
Mastodon kann ja immer nur die ersten vier davon anzeigen, aber Pixelfed kann mit mehr Bildern umgehen.
trotzdem: nur um mehr als vier bilder ins fediverse posten zu können werde ich mir kein pixelfed-konto zulegen. zumal die probleme die steffen hier beschreibt und die ihn zum umzug bewogen haben, genau die gleichen sind, denen ich auch aus dem weg gehen möchte.
„wir“ wundern uns ja immer über immigranten die trump wählen oder der afd nahe stehen. so nach dem motto: „verstehen die nicht, dass sie sich damit selbst schaden?“
wenn politiker hingegen verschärfungen des straf- oder zivilrechts fordern sind wir auch oft zu schnell an bord. populismus funktioniert, weil wir immer irgendwie denken, dass wir nicht mitgemeint sind, dass verschärfungen und freiheitseinschräkungen uns bestimmt nie betreffen werden. ich finde die wiederkehrenden forderungen scharf zu differenzieren von thomas fischer teilweise auch sehr anstrengend und gelegentlich bräsig, aber genauso finde ich sie wichtig und richtig. macht ja sonst kaum noch jemand.
Zwei alte Bücher mit Bukowski-Kurzgeschichten gefunden. Habe mal durchgeblättert; ich glaube nicht, dass ich das Zeug heute noch lesen möchte. In Zeiten des Heranwachsens war Charles Bukowski für viele eine große Sache. Anti-bürgerlich, verkommen und sowohl gegen rechte als auch gegen linke Lehrer zu gebrauchen.
Kurz kam mir auch wieder die Erinnerung daran, wie ich mit den Söhnen, als sie noch klein waren, einen vermeintlich lustigen Film aus meiner Kindheit sehen wollte, mit Bud Spencer und Terence Hill. Denn was hatten wir gelacht damals! In den ersten Minuten des Films wurden dann Frauen und Kinder geschlagen, wurde ohne Gurt Auto gefahren, wurde beim Familienessen geraucht und gesoffen. Ich hatte so viel spontanen Erklärungsbedarf, wir haben den Film dann nicht weitergesehen. Zumal auch keine einzige der Pointen bei den Söhnen funktionierte.
Tempi passati, das gilt oft auch für den Humor der Zeit.
dieses überwachsene gitter fiel mir heute früh auf. das sieht wirklich schön aus und so sollten eigentlich alle gitter und gullis dekoriert sein.
beim weitergehen fiel mir dann ständig weiteres grünzeug auf, dass sich über die blanken zivilisationsartfakte legt und lanfsam den asphalt aufbricht oder den stein verdeckt.
sugar s02e07 (läuft auf appletv) gesehen. das diner in einer szene kam mir bekannt vor.
also kurz in meinem externen gedächnis gesucht und daran erinnert worden, dass frank’s restaurant schon vor 11 jahren in sons of anarchy und the bridge mitgespielt hat. das internet sagt, in gone girl und parks and recreation hat es auch mitgespielt.
ich nutze ja einige dienste in der ATmosphere. die „ATmosphere“ sind anwednungen oder webseiten die man (verkürzt gesagt) mit seinem bluesky konto nutzen kann, die aber nix mit bluesky zu tun haben (müssen). leaflet erklärt das hier ganz gut für nicht-so-technisch-versierte:
grain ist das was instagram mal war: foto posten und verschlagworten und fotos angucken. dieser minimalismus, bzw. die konzentration auf das unkomplexe visuelle hat einen ganz eigenen reiz. ich beobachte mich wild dabei alles zu liken was mir gefällt und menschen deren fotos mir gefallen unbesehen zu folgen. bei textbasierten inhalten bin ich da meistens zurückhaltender oder bedachter. fotos sind so wunderbar niedrigschwellig und oft eben auch einfach schön.
das scheint in beide richtungen zu funktionieren. grain ist bisher der reaktionsstärkste AT-dienst den ich (testweise) nutze. auch das fühlt sich ein bisschen wie das frühe instagram an. posten, gucken, liken. nicht gross nachdenken. keine videos die einen fesseln und weiterswipen lassen. ein ruhiger fluss, kein jahrmarkt mit marktschreiern.
es ist wirklich einfach: wer ein bluesky (oder eurosky) konto hat, kann sich damit einfach bei grain anmelden. dein profil wird übernommen, lässt sich aber auch anpassen. alles sehr unkompliziert, keine popups, kein gedöns. grain steckt noch in der entwicklung, so gibts zum editieren von eigenen posts auf der website oder der app (ja, app gibts auch) keinen button, aber auf der website kann man einfach ein /edit an die url hängen und man ist im edit modus. posting per api ist auch möglich indem man auf den PDS schreibt.
bei solchen privat gestemmten projekten kann man sich natürlich — genau wie bei projekten der grossen plattformen — nie 100% sicher sein wie langlebig sie sind oder ob sie verkümmern, verscheissen oder kaputtgehen. deshalb mache ich es wie bei allen anderen diensten: fotos, beiträge erst bei mir veröffentlichen und dann syndizieren, also anderswo, zum beispiel zu grain, kopieren.