#rp26, tag 3 und fa­zit

felix schwenzel in artikel

mein high­light des drit­ten und letz­ten re­pu­bli­ca tag war arne sems­rott, der über die kraft der zi­vil­ge­sell­schaft sprach. das war hoff­nung­s­tif­tend und an­schau­lich. das war zwar auch der auf­ruf et­was zu tun, sich in die­ser omi­nö­sen zi­vil­ge­sell­schaft zu en­ga­gie­ren, aber es war vor al­lem die aus­sa­ge: schaut mal, wie gut die zi­vil­ge­sell­schaft hier, hier und hier funk­tio­niert.

arne sems­rott mach­te das an­schau­lich, wozu ich theo­re­tisch in mei­ner ses­si­on ver­sucht habe her­zu­lei­ten: die kri­sen un­se­rer zeit (die scheis­se) ist eine hand­lungs­auf­for­de­rung. nur das arne sems­rott ganz kon­kret auf vor­han­de­ne in­itia­ti­ven zeig­te, die gut funk­tio­nie­ren.

Wir hat­ten äh die größ­te Pro­test­wel­le über­haupt 2024. Die Leu­te, die sind alle da. Und es wird dann viel­leicht über die­se Pro­test­wel­le ge­sagt, die hat ja ir­gend­wie nichts be­wegt und das ist kom­plett falsch. Die hat so vie­le Netz­wer­ke über­all in Deutsch­land ge­schaf­fen. Die sind alle noch da. Es gibt die Omas ge­gen rechts in­zwi­schen, über­all.
Ja, und auch die Omas ge­gen rechts, […] die sa­gen, wir sind da und wir ge­hen hier auch nicht weg. Und das än­dert auch wirk­lich eine Demo, wenn eine Oma sagt, ja, trag mich doch weg, Po­li­zist. Das es macht wirk­lich ei­nen Un­ter­schied. […] Wir sind alle da und wir sind vie­le. Wir sind die Ge­gen­macht, wenn wir uns auf un­se­re Kraft be­sin­nen, wenn wir so­li­da­risch sind, wenn wir Un­ter­stüt­zungs­struk­tu­ren ma­chen, wenn wir Trans­pa­renz ein­for­dern, wenn wir neue Räu­me schaf­fen, wenn wir da­bei Freu­de ha­ben.

ich fin­de es lohnt sich, die­se knap­pe stun­de zu in­ves­tie­ren und zu hö­ren, was arne sems­rott ge­sagt hat.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

in die glei­che ker­be schlug fa­bi­an grisch­kat. er zeig­te was er tat um rech­te zu är­gern. wie man ge­gen­halk­ten kann und da­bei freu­de ha­ben kann, trotz al­ler düs­ter­nis. ich war ein biss­chen er­schüt­tert da­von, wie pro­fes­sio­nell, elo­quent und te­le­gen die­se jun­gen men­schen heut­zu­ta­ge sind. ich weiss wirk­lich nicht, wie sich ir­gend­wer üb­ver die ju­gend von heu­te oder gen y, z oder al­pha be­kla­gen kann. aus­ser na­tür­lich: neid.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

um die mit­tags­zeit habe ich mir dann noch zwei ses­si­ons am en­er­gie­mo­bild an­ge­se­hen. so schön aus­sern­büh­nen auch sind, wenns reg­net wird dann halt feucht.

mat­thi­as quent hat alte er­in­ne­run­gen an uni-vor­le­sun­gen ge­weckt. duk­tus, in­halt, fo­li­en und das sie­zen der stu­die­ren­den des pu­bli­kums, al­les wie da­mals. nicht schlecht, al­les sehr prag­ma­tisch, gut struk­tu­riert und auf­be­rei­tet, aber selbst phil­ip arm­t­hor konn­te sich bes­ser ins pu­bli­kum ein­füh­len als mat­thi­as quent.

matthias quent: Keine Macht der Ohnmacht! Wie wir Krisen  bewältigen und uns  gegen Faschismus  wehren

wäh­rend ma­ren ur­ner mich vor zwei jah­ren mit ih­rem vor­trag vom ho­cker ge­hau­en hat­te, fand ich den vor­trag die­ses jahr nur sehr gut. ich kann mich kei­ne 20 stun­den spä­ter auch nicht mehr er­in­nern über was sie im de­tail ge­spro­chen hat, aus­ser dass es auch bei ihr dar­um ging, dass hoff­nung gut ist, ein werk­zeug (oder ko­gni­ti­ve stra­te­gie) und dass prak­ti­zier­te hoff­nung ge­sell­schaft­li­che stra­te­gien ver­än­dern kann. auch sie be­ton­te, wie cory doc­to­row, dass hoff­nung ak­tiv und op­ti­mis­mus pas­siv sei. da­mit war ich wahr­schein­lich der ein­zi­ge spre­cher auf der re­pu­bli­ca, der ein gu­tes haar am op­ti­mis­mus ge­las­sen hat, bzw. ihn ein­fach um­de­fi­niert habe zu et­was ak­ti­vem.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

die ent­krem­pe­lung der welt von ga­bri­el yoran war an­ge­nehm off­topic, un­auf­ge­regt, un­ter­halt­sam und auch ein biss­chen lehr­reich. par­al­lel zu ga­bri­el sprach auf stage 1 tilo jung über po­li­ti­sche rhe­to­rik und tat so, als sei es über­ra­schend, dass po­li­tik und re­gie­run­gen ihre ei­ge­nen ak­tio­nen und krie­ge rhto­risch po­si­tiv dar­stel­len und die ak­tio­nen und krie­ge ih­rer geg­ner ne­ga­tiv. nächs­tes jahr spricht tilo jung dann über sei­ne er­kennt­nis, dass man­che po­li­ti­ker oder par­tei­en im wahl­kampf manch­mal mehr ver­spre­chen als sie dann in der re­gie­rung um­set­zen. 2028 folgt dann ein deep dive dazu, war­um pres­se­spre­cher nicht im­mer al­les sa­gen, was sie wis­sen.


von al­brecht von lu­ckes ses­si­on habe ich nur das ende mit­be­kom­men. aber da sag­te er et­was (mit­tel) be­mer­kens­wer­tes:

Und in­so­fern wäre es, und das wäre mein Vor­schlag zum Schluss, es wäre doch zu über­le­gen, ob nicht die re­pu­bli­ca ei­nen An­fang ma­chen könn­te, der­ge­stalt, dass man, nach­dem man hier so un­ge­mein span­nen­de Vor­trä­ge ge­hört hat, dass man sie an­schlie­ßend auch wie­der zu Pa­pier bringt, dass man ge­wis­ser­ma­ßen, wie es frü­he­re Kir­chen­ta­ge üb­ri­gens [auch] ge­macht ha­ben, ei­nen Re­chen­schafts­be­richt über die re­le­van­tes­ten The­men, The­sen und auch Pa­pie­re zum Tra­gen bringt, die ge­nau die­ser Be­lie­big­keit des ge­spro­che­nen Wor­tes, das so flüch­tig ist, et­was ent­ge­gen­setzt.

ich bin ja sehr dank­bar, dass ein gross­teil der re­pu­bli­ca vor­trä­ge und ses­si­ons so­fort oder nach ei­ner kur­zen ver­zö­ge­rung auf you­tube lan­den. zu die meis­ten vi­de­os er­stellt you­tube auch au­to­ma­tisch eine ab­schrift (ko­mi­scher­wei­se ist das bei mar­kus be­cke­dah­ls vor­trag de­ak­ti­viert), ver­schrift­licht sie also. aber wenn die vor­trä­ge nicht nur in der ame­ri­ka­ni­schen you­tube-cloud wei­ter­le­ben wür­de, son­dern auch als ein­fa­che text/html da­tei, dann wür­de das nicht nur craw­ler, son­dern auch men­schen hel­fen. man könn­te ein­fa­cher aus ih­nen zi­tie­ren, deeplin­ken und sie bes­ser wie­der­fin­den. ich habe das mit mei­nen re­pu­bli­ca-vor­trä­gen ge­le­gent­lich ver­sucht (rp12, rp14, rp17, rp18, rp26), aber of­fen­sicht­lich war mir das in den meis­ten jah­ren dann doch zu viel ar­beit. die­ses jahr hat­te ich den vor­trag, an­ge­sichts der klei­nen büh­ne und feh­len­den auf­zeich­nung, von an­fang an so ge­schrie­ben, dass er ohne fo­li­en funk­tio­niert, wes­halb er sich auch recht ein­fach ver­schrift­li­chen liess.

zwi­schen­durch, wäh­rend der re­pu­bli­ca fand ich auf der fe­di­wall eine dis­kus­si­on dar­über, war­um die re­pu­bli­ca-vi­de­os nicht auf ei­ner peer­tu­be in­stanz lan­den. ohne die be­weg­grün­de der re­pu­bli­ca zu ken­nen, ver­mu­te ich aber mal, dass — wie so oft bei ame­ri­ka­ni­schen platt­for­men — be­quem­lich­keit, zu­ver­läs­sig­keit, zu­gäng­lich­keit und reich­wei­te eine rol­le spie­len. der deal ist ja im prin­zip nicht schlecht: man lädt ter­ra­byte­wei­se vi­deo-da­tei hoch und you­tube hos­tet die jahr­zehn­te­lang kos­ten­los und gut zu­gäng­lich. auf der an­de­ren sei­te könn­te je­der der ge­nü­gend spei­cher­platz und eine peer­tu­be-in­stanz zur hand hat, die vi­de­os von you­tube down­loa­den und auf peer­tu­be zur ver­fü­gung stel­len. alle re­pu­bli­ca-vi­de­os sind mit ei­ner CC BY-SA 4.0 li­zenz ver­se­hen.

ich freu mich je­den­falls wie je­des jahr dar­über, auch nach der drei­tä­gi­gen druck­be­tan­kung mit ideen, im­pul­sen und bil­dern noch mehr da­von auf you­tube asyn­chron nach­zu­kon­su­mie­ren.

fa­zit

ich wie­der­ho­le mich, aber es war schon er­staun­lich wie sich die­ses jahr — zu­min­dest in den ses­si­ons de­ren zeu­ge ich wur­de — das the­ma hoff­nung durch als meta-mot­to ab­zeich­ne­te. viel­leicht ist arne sems­rotts flap­si­ge zu­sam­men­fas­sung des stim­mungs­bilds, das er am an­fang sei­nes vor­trags ein­zu­fan­gen ver­such­te, so­gar die ei­gent­li­che es­senz der dies­jäh­ri­gen re­pu­bli­ca:

Okay, ihr fühlt euch von der AfD be­droht, aber es geht euch gut da­bei. Das ist doch schön.

um das po­si­tiv zu dre­hen: nicht nur die spea­k­er wa­ren über­wie­gend hoff­nungs­voll, son­dern auch die be­su­cher der re­pu­bli­ca. das heisst die scheis­se der welt, die poly-kri­se, lähmt uns nicht, son­dern weist auf ei­nen auf­bruch hin, auf eine ver­schie­bung der prio­ri­tä­ten, funk­tio­niert als hand­lungs­auf­for­de­rung.

was ich auch po­si­tiv sehe: blogs sind die­ses jahr viel sicht­ba­rer. das kann dar­an lie­gen, das riv­va die­ses jahr ei­nen ei­ge­nen #rp26 stream hat­te, in­klu­si­ve RSS, aber viel­leicht auch dar­an, dass es tat­säch­lich eine klei­ne blog-re­nais­sance in den letz­ten 12 mo­na­ten gab. letz­tes jahr war ich bei­na­he scho­ckiert dar­über, wie we­nig re­so­nanz die re­pu­bli­ca in mei­nem RSS rea­der her­vor­rief. wei­ter un­ten ver­öf­fent­li­che ich ein paar der blog­bei­trä­ge, die ich ger­ne ge­le­sen habe.


das es­sen war die­ses jahr bes­ser als letz­tes jahr. ich habe je­den tag ein ge­richt ei­nes an­de­ren food-last­wa­gens aus­pro­biert und auch wenn das letz­te das bes­te war, war al­les ok.


wedium-screenshot: „clicking hashtags is coming soon“

am mon­tag habe ich eine ein­la­dung für we­di­um be­kom­men („Wel­co­me on board! You´re one of the first be­lie­vers and tes­ters of we­di­um!“). zu­erst dach­te ich: „wow, gu­tes ti­ming zur re­pu­bli­ca“. wäh­rend der re­pu­bli­ca habe ich aber we­der dran ge­dacht, noch eine ver­an­las­sung ge­se­hen et­was auf we­di­um zu pos­ten. wenn man ei­nen we­di­um-bei­trag „teilt“, be­kommt man die url des bilds, sonst nix (bei­spiel). hash­tags ge­hen noch nicht, scheint al­les noch sehr, sehr früh und un­fer­tig zu sein. ich kann je­den­falls noch kei­nen grund er­ken­nen, war­um ich das nut­zen soll­te.



folie mit zivilgesellschftluchen initiativen aus arne semsrotts republica vortrag

ich ver­las­se die #rp26 sehr gut ge­launt nach arne sems­rotts fan­tas­ti­schen, hoff­nungs­froh stim­men­den vor­trag. das war der dop­pel­punkt auf das ei­gent­li­che re­pu­bli­ca-mot­to die­ses jahr: re:hoff­nung

arne sems­rott ist auch schon auf you­tube …

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

beim mor­gen­spa­zier­gang vom bus­sard über­flo­gen wor­den und ihm dann kurz nach­ge­stie­gen.


fas­zi­nie­rend, die­sen tweet hat lord ca­ra­mac the clue­l­ess am 19.05.2011 ge­schrie­ben und jetzt wur­de er aus­ver­se­hen auf mast­o­don ver­öf­fent­licht.


#rp26, tag 2

felix schwenzel

et­was müde, aber re­la­tiv früh wie­der auf dem re­pu­bli­ca-ge­län­de auf­ge­schla­gen und ei­nen (hal­ben) bur­ri­to mit „soja hack­bäll­chen“ ge­früh­stückt. das war sät­ti­gend und le­cker. den füll­reis im bur­ri­to hät­ten sie aber weg­las­sen kön­nen. als ers­te ak­ti­on des ta­ges habe ich mir eine ses­si­on am en­er­gie­mo­bil an­ge­se­hen um zu gu­cken, wie die büh­ne funk­tio­niert. se­bas­ti­an jü­ne­mann und ru­ben neu­ge­bau­er hat­ten et­was pro­ble­me ihre prä­sen­ta­ti­on zum lau­fen zu brin­gen und als sie dann lief, set­ze der ton ge­le­gent­lich aus. man konn­te auch nicht be­son­ders viel von der prä­sen­ta­ti­on er­ken­nen, was am hel­len son­nen­licht und der et­was klein­tei­li­gen prä­sen­ta­ti­on lag. aber ich sah, dass ich mit dem set­up wohl zu­recht kom­men wür­de, dass wohl so um die 60 bis 70 leu­te zu­schau­en kön­nen und dass die son­ne ei­nem or­dent­lich auf die bir­ne knall­te.

wei­ter zu anna lembke, die über Do­pa­mi­ne Na­ti­on: Fin­ding Ba­lan­ce in the Age of In­dul­gence. den ers­ten teil fand ich fas­zi­nie­rend und ich glau­be auch et­was ge­lernt zu ha­ben, wie do­pa­min un­gleich­ge­wich­te und to­le­ran­zen/de­sen­si­bi­li­sie­rung ent­ste­hen. anna lembke er­klär­te das ty­pisch ame­ri­ka­nisch: nach­voll­zieh­bar, in ein­fa­cher spra­che, aber prä­zi­se. sie schaff­te es mich da­von zu über­zeu­gen, dass es tat­säch­lich nach­weis­ba­re ab­hän­gig­kei­ten gibt, bei al­lem was do­pa­min aus­schüt­tet. ich for­mu­lier­te be­reits in­ner­lich wäh­rend des vor­trags wi­der­spruch um der ab­seh­ba­ren schluss­fol­ge­rung so­zia­le me­di­en ma­chen süch­tig zu wi­der­spre­chen: dann müss­ten bü­cher und le­sen ja auch ab­hän­gig ma­chen. als hät­te sie mei­ne ge­dan­ken ge­le­sen, er­zähl­te sie von ih­rer ei­ge­nen ab­hän­gig­keit von schund­ro­ma­nen. das war zwar et­was läng­lich, aber ge­nau­so gut nach­voll­zieh­bar wie ihre wis­sen­schaft­li­chen her­lei­tun­gen vor­her. trotz­dem fand ich dann ihre schluss­fol­ge­run­gen ei­nen ti­cken zu un­dif­fe­ren­ziert, bzw. mir schien, als wür­de der vor­trag un­se­re an­fäl­lig­keit ge­gen­über süch­tig ma­chen­den mus­tern sehr über­zeu­gend er­klä­ren, die fä­hig­keit vie­ler men­schen zur selbst­re­gu­la­ti­on aber et­was un­ter­be­to­nen.

als ich zum bei­spiel vor ei­ner wei­le merk­te, dass ich eine si­gni­fi­kan­te zeit mit dem durch­scrol­len von in­sta­gram re­els ver­brach­te, wur­de mir das schlag­ar­tig zu doof und spa­re mir in­sta­gram seit­dem gröss­ten­teils.

so­bald ich das ge­fühl habe bei ir­gend­was die kon­trol­le zu ver­lie­ren, fah­re ich die aus­übung die­ser tä­tig­keit so­fort zu­rück. wo­bei ich sa­gen muss, beim kon­sum von zu­cker ist mir das in den letz­ten 30 jah­ren nicht gut ge­lun­gen, da muss­te ich erst­mal ein paar wo­chen oz­em­pic neh­men um den kon­sum von zu­cker zu­rück­zu­fah­ren. so ge­se­hen ist es wohl tat­säch­lich so wie anna lembke sagt dass do­pa­min-sucht uns alle er­wi­schen kann. aber so wie mir die dark pat­tern der so­cial me­dia fir­men zu doof sind um sie mit­zu­spie­len, hat mein teen­ager-nef­fe sich vor ein paar jah­ren dazu ent­schlos­sen, dass ihm das rein­schau­feln von zu­cker zu doof ist und da­mit ein­fach auf­ge­hört, ohne ozemnpic, the­ra­pie oder el­ter­li­che ver­bo­te.

mit an­de­ren wor­ten, die vor­han­de­nen re­si­li­enz-po­ten­zia­le und sucht-ge­gen­stra­te­gien, die es ja of­fen­sicht­lich gibt, schie­nen mir in anna lembke’s vor­trag zu kurz zu kom­men. trotz­dem ger­ne ge­se­hen.

das pa­nel mit ri­car­da lang und phil­ipp amt­hor (und vin­cent g und wulf schmie­se) führ­te auf stage 2 wie­der zu „saal ist voll, wir schlies­sen die tü­ren“. ich bin völ­lig un­fä­hig mir eine mei­nung zum auf der büh­ne ge­sag­ten zu bil­den weil ir­gend­wie alle recht hat­ten. was ich auch nicht in mei­nen kopf krie­ge ist die selbst­ver­ständ­lich­keit und pro­fes­sio­an­li­tät, mit der phil­ipp amt­hor den ha­bi­tus und die rhe­to­rik ei­nes po­li­ti­kers spielt und man ihm das dann auch noch ab­nimmt. ir­gend­wie er­in­nert mich phil­ipp amt­hor an mil­li va­nil­li. nicht we­gen der pu­bli­kums­täu­schung, son­dern we­gen die­ses ge­fühls, ei­ner sehr sorg­fäl­tig kom­po­nier­ten fi­gur zu­zu­se­hen: ta­lent, pro­fes­sio­na­li­tät, kal­ku­la­ti­on und ein er­staun­lich plat­ter re­mix aus ver­trau­ten po­li­ti­ker­ges­ten.

bei quinn slo­bo­di­an und sei­nem vor­trag God­win’s En­gi­ne: Mus­kism and the Au­to­ma­ti­on of Con­sent hab ich auch ei­ni­ges da­zu­ge­lernt. ich wür­de ger­ne sa­gen, das war ein gu­ter vor­trag, aber dass ich wäh­ren­de des vor­trags mehr­fach se­kun­den­schläf­chen ge­macht habe, un­ter­gräbt mei­ne glaub­wür­dig­keit. die se­kun­den­schläf­chen ha­ben aber wahr­schein­lich nichts mit quinn slo­bo­di­an zu ge­habt, son­dern weil ich et­was viel son­ne ab­be­kom­men habe. nach­dem ich spä­ter für eine wei­le an der fri­schen luft sass, im licht­durch­flu­te­ten, aber schat­ti­gen vor­de­ren in­nen­hof der sta­ti­on, war ich wie­der re:boo­tet.

nach­dem alex sich ges­tern vor­bild­lich selbst kri­ti­si­ert hat, kann ich mei­nen vor­trag, bzw. die vor­trags­wei­se, hier auch kurz selbst kri­ti­sie­ren. ich war et­was über­for­dert vom hand­mi­kro­fon und der mund-hand-ko­or­di­na­ti­on, die so ein ding er­for­dert. auch mit der un­ge­wohn­ten tisch- statt pult­si­tua­ti­on kam ich schlech­ter zu­recht als von mir selbst er­war­tet. und ich konn­te mich we­ni­ger von mei­nen no­ti­zen (ei­gent­lich: voll­text) lö­sen, als ich es mir er­hofft und ein­ge­übt hat­te. dan­kens­wer­ter­wei­se wur­de mir aber mehr­fach zu­rück­ge­spie­gelt, dass mei­ne un­si­cher­heit und leich­te über­for­de­rung of­fen­bar we­ni­ger ins ge­wicht fie­len als in mei­ner ei­ge­nen wahr­neh­mung.

alex matz­keits selbst­kri­tik tei­le ich üb­ri­gens nicht. ich fand sei­ne mo­de­ra­ti­on sehr gut: struk­tu­riert, vor­be­rei­tet und vor al­lem neu­gie­rig. sei­ne fra­gen ha­ben ei­ni­ges frei­ge­legt, was un­ter dem staub der zeit lag. da­durch wur­de das pa­nel nicht nur an­ge­nehm flau­schig, son­dern auch er­kennt­nis­reich. alle gin­gen gut un­ter­hal­ten und ein biss­chen klü­ger wie­der raus. und dar­aus lei­te ich vor­sich­tig die hoff­nung ab, dass mei­ne ei­ge­ne un­zu­frie­den­heit mit mei­nem auf­tritt in der fremd­wahr­neh­mung viel­leicht eben­falls we­ni­ger gross aus­fiel.

kurz ge­sagt: an­stren­gen­der, aber wie­der ein sehr schö­ner tag.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink
YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink
YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

die welt ist scheis­se — und das ist auch gut so

felix schwenzel

(vor­trag auf der re­pu­bli­ca am 19.05.2026)

die ti­tel mei­ner re­pu­bli­ca-ses­si­ons sind ja oft (mit­tel) stei­le the­sen, aber ich glau­be, zu be­haup­ten, die welt sei scheis­se, ist kei­ne stei­le the­se. ich gehe da­von aus, dass die meis­ten men­schen die welt ir­gend­wie scheis­se fin­den oder zu­min­dest der an­sicht sind, dass die welt aus den fu­gen ist.

ka­tia, mei­ne frau, stimmt dem ers­ten teil des ti­tels voll und ganz zu. zum zwei­ten teil mein­te sie, da hät­te ich mir ziem­lich viel vor­ge­nom­men. war­um soll das denn gut so sein? es sei doch of­fen­sicht­lich, dass es schon lan­ge — oder noch nie — so schlimm ge­we­sen sei wie jetzt.

für den fall, dass ich höre: „es ist noch niee so schlimm ge­we­sen“ hab ich im­mer die­ses bild da­bei.

präsentationsfolie mit jahreszahlen und zeiträumen an denen historische katastrophen stattfianden

ich sag dann im­mer: „1933, po­cken, pest, kuba, hi­ro­shi­ma, 9/11 — oder frag mal die di­no­sau­ri­er …“

oder — muss man sich mal vor­stel­len, noch vor 2000 jah­ren hat man leu­te ans holz ge­na­gelt, nur weil sie sag­ten, wie schön es doch wäre, wenn die men­schen zur ab­wechs­lung mal nett zu­ein­an­der wä­ren.

wenn ich fri­da, un­se­ren pu­del, fra­gen wür­de, was sie von der welt hält, wür­de sie mög­li­cher­wei­se sa­gen:

die welt ist gut so.

hun­de neh­men die welt, wie sie ist, und hal­ten sich mit ur­tei­len und be­wer­tun­gen zu­rück.

apro­pos scheis­se, ist euch schon mal auf­ge­fal­len, dass hun­de ger­ne an scheis­se rie­chen?

sie ha­ben die fä­hig­keit scheis­se nicht ek­lig zu fin­den und kön­nen die in­ter­ess­anz und kom­ple­xi­tät von scheis­se er­ken­nen.

hun­de kön­nen scheis­se dif­fe­ren­zie­ren!

das hun­de sich mit ur­tei­len über die welt zu­rück­hal­ten, kann dar­an lie­gen dass sie dif­fe­ren­zie­ren oder dar­an, dass sie kei­ne nach­rich­ten ver­fol­gen oder dass sie sehr lang­sam den­ken.

dass hun­de nicht ur­tei­len und be­wer­ten, ist wahr­schein­lich der haupt­grund da­für, dass sie so be­liebt sind.

für uns men­schen ist es sehr wohl­tu­end, nicht be­wer­tet oder be­ur­teilt zu wer­den.

hun­de neh­men das le­ben, wie es ist — und uns wie wir sind.

ei­gent­lich kann ich jetzt schon das ers­te zwi­schen­fa­zit zie­hen: wenn man sei­ne be­liebt­heit stei­gern will — ein­fach mal das ur­tei­len las­sen.


als ich fri­da vor ei­ner wei­le mal mit ins büro ge­nom­men habe, ist mir noch et­was an­de­res auf­ge­fal­len. wir sas­sen in ei­ner be­spre­chung und fri­da war et­was un­ru­hig. ich sag­te ihr: „fri­da, ent­spann dich.“

mei­ne kol­le­gin sue er­in­ner­te mich dar­an, dass so­was noch nie bei ei­ner frau funk­tio­niert habe. in der tat kann man wohl be­haup­ten, dass so­was noch nie bei ir­gend­wem funk­tio­niert hat.

emo­tio­nen, er­war­tungs­hal­tun­gen, un­zu­frie­den­hei­ten las­sen sich nicht per im­pe­ra­tiv oder kom­man­do ab­schal­ten.

an­de­rer­seits lag fri­da zwei mi­nu­ten spä­ter aus­ge­streckt und ent­spannt auf dem bo­den und schlief.

frida liegt auf dem boden und schläft

der witz an der ge­schich­te ist, dass zwei din­ge zu­gleich wahr sein kön­nen und bei­de aus gu­ten grün­den.

al­les ist im­mer kom­pli­zier­ter, als man denkt, und man kennt nie alle hin­ter­grün­de — zum bei­spiel, ob fri­da und ich das trai­niert ha­ben.

freigestelltes portrait von alan watts

dass din­ge sich nicht im­mer ein­deu­tig be­ur­tei­len las­sen, kann man auch gut mit ei­ner ge­schich­te il­lus­trie­ren, die der re­li­gi­ons­phi­lo­soph alan watts gern er­zähl­te.

in der ge­schich­te läuft ei­nem bau­ern sein pferd da­von. die nach­barn sa­gen: wie scha­de, das ist wirk­lich ein gros­ses un­glück. er sagt: „viel­leicht“.

am nächs­ten tag kommt das pferd zu­rück und bringt sie­ben wild­pfer­de mit. jetzt sa­gen die nach­barn: „oh, was für ein glück! was für eine gross­ar­ti­ge wen­dung der er­eig­nis­se“, er sagt: „viel­leicht“.

am nächs­ten tag ver­such­te sein sohn, ei­nes die­ser wild­pfer­de zu­zu­rei­ten. er wur­de ab­ge­wor­fen und brach sich ein bein. und alle sag­ten: „oje, das ist ja schreck­lich, was für ein pech!“ und der bau­er sag­te: „viel­leicht“

am dar­auf­fol­gen­den tag ka­men of­fi­zie­re der ar­mee vor­bei, um jun­ge män­ner für den krieg ein­zu­zie­hen. sie lehn­ten den sohn ab, weil er ein ge­bro­che­nes bein hat­te. und alle leu­te ka­men her­bei und rie­fen: „ist das nicht gross­ar­tig! was für ein glück du hast!“ und der bau­er sag­te: „viel­leicht“

watts woll­te da­mit nicht nur gleich­mut il­lus­trie­ren, son­dern auch zei­gen, dass man nie ge­nau wis­sen kann, ob et­was wirk­lich gut oder schlecht ist. und das nicht im mo­ra­li­schen sinn, son­dern er­kennt­nis­theo­re­tisch. so wie so­kra­tes sag­te:

Ich weiß, dass ich nichts weiß.

als ich die ge­schich­te vom bau­ern vor ein paar mo­na­ten bei kon­stan­tin fand, schrieb kon­stan­tin un­ter die ge­schich­te:

Ich wünsch­te ich wür­de mehr von die­ser Hal­tung an den Tag le­gen.

ich glau­be, das ist gar nicht mal so schwer, „mehr von die­ser hal­tung“ an den tag zu le­gen. die­se hal­tung nennt man in der psy­cho­lo­gie auch am­bi­gui­täts­to­le­ranz.

am­bi­gui­täts­to­le­ranz ist die fä­hig­keit, mit un­si­cher­heit, wi­der­sprüch­li­chen in­for­ma­tio­nen und kom­ple­xen si­tua­tio­nen um­zu­ge­hen, ohne in pa­nik zu ge­ra­ten oder vor­ei­li­ge schlüs­se zu zie­hen.

die­se hal­tung ist so­zu­sa­gen ein werk­zeug, das uns hilft, hand­lungs­fä­hig zu blei­ben, ohne die ner­ven zu ver­lie­ren.

freigestelltes foto aus dem film forrest gump mit forrest auf einer parkbank mit eienr schachtel pralinen in der hand

for­rest gump hat sein le­ben da­nach aus­ge­rich­tet. was für den bau­ern das „viel­leicht“ war, ist für fo­rest gump die weis­heit, die ihm sei­ne mut­ter bei­ge­bracht hat:

Das Le­ben ist wie eine Schach­tel Pra­li­nen.
Man weiß nie, was man kriegt.

oder, wenn wir uns for­rest gump als ei­nen köl­ner vor­stel­len, wird’s noch deut­li­cher:

et kütt, wie et kütt.

wir alle ah­nen, dass sich das le­ben nicht im­mer un­se­rem wil­len beugt, dass das le­ben im­mer über­ra­schun­gen be­reit­hält.

aber for­rest gump, die köl­ner und der bau­er ha­ben be­grif­fen, dass es sich nicht lohnt, SICH ÜBER JE­DEN SCHEISS AUF­ZU­RE­GEN.

wir nei­gen ja dazu, ver­meint­lich ein­fach ge­strick­ten leu­ten wie for­rest gump oder den köl­nern nai­vi­tät, scheu­klap­pen oder eine eher ein­di­men­sio­na­le welt­sicht an­zu­dich­ten.

aber ei­gent­lich ist es um­ge­kehrt. viel­leicht ist es ein­fäl­tig zu glau­ben, dass wir schon wis­sen, wel­che pra­li­nen die gu­ten sind — und dass wir sie be­kom­men soll­ten.

die­se ein­falt ver­lei­tet uns dazu, zu glau­ben, dass wir die welt mit pa­tent­re­zep­ten oder dem ver­meint­lich ge­sun­den men­schen­ver­stand in den griff be­kom­men.

wir den­ken oft: wir müs­sen uns nur ge­nug an­stren­gen, ge­nug geld ver­die­nen, um dann vom le­ben mit glück, er­folg und zu­frie­den­heit be­lohnt zu wer­den.

for­rest gump ist ein na­tur­ta­lent im selbst­re­gu­lie­ren­den er­war­tungs­ma­nage­ment. er zeigt uns, dass es mög­lich ist, das glück im un­glück zu fin­den.

bild der beiden pixar figuren sadness und joy aus pixars film „inside out“

und dass man nicht das hells­te licht am tisch sein muss, um zu be­grei­fen, dass glück und un­glück zu­sam­men­ge­hö­ren, sad­ness und joy, viel­leicht so­gar ein­an­der be­din­gen.

wenn wir die pra­li­nen­schach­tel ohne über­höh­te er­war­tun­gen öff­nen, kann das der ers­te schritt da­hin sein, mehr von der hal­tung des bau­ern an den tag zu le­gen.

er­war­tungs­ma­nag­ment, gleich­mut — sind die ers­ten schrit­te da­hin, nicht stän­dig vom le­ben ent­täuscht zu sein.

nur mal so als bei­spiel: wenn fried­rich merz sein er­war­tungs­ma­nag­ment in den griff be­kä­me, wäre er viel­leicht ir­gend­wann nicht mehr ent­täuscht von deutsch­land, der deut­schen ar­beits­mo­ral und ge­mein­hei­ten ge­gen ihn.

zu glau­ben, dass leis­tung al­lein zu glück und ei­nem funk­tio­nie­ren­den ge­mein­we­sen führt — das ist ja ir­gend­wie auf eine art ne kon­ser­va­ti­ve bül­ler­bü-po­ny­hof-uto­pie.


titelseite von mark mansons „the subtle art of not giving a fuck“

mark man­son hat ein buch mit dem gran­dio­sen ti­tel „the subt­le art of not gi­ving a fuck“ ge­schrie­ben. auch wenn die eher der­be aus­drucks­wei­se das sug­ge­riert, ar­gu­men­tiert und plä­diert er nicht für gleich­gül­tig­keit, son­dern, ge­nau wie for­rest gump und alan watts, für gleich­mut und eine ent­spann­te her­an­ge­hens­wei­se ans le­ben, egal ob’s ge­ra­de gut läuft oder we­ni­ger gut.

in sei­nem buch (und die­sem vi­deo) hat man­son ein paar prin­zi­pi­en von alan watts zu ei­nem um­kehr-prin­zip ver­dich­tet.

alan watts back­wards law ac­cor­ding to mark man­son

  • the more you cha­se a po­si­ti­ve emo­ti­on, that cha­sing in and of its­elf is a ne­ga­ti­ve ex­pe­ri­ence.
  • the more you ac­cept a ne­ga­ti­ve ex­pe­ri­ence, the more that ac­cep­tance its­elf is a po­si­ti­ve ex­pe­ri­ence.

er sagt: je mehr wir dem glück hin­ter­her­lau­fen, je mehr wir das glück su­chen, uns selbst op­ti­mie­ren, bes­ser wer­den wol­len, des­to frus­trier­ter, un­glück­li­cher sind wir am ende. schon das (glücks-) stre­ben selbst macht uns un­glück­lich.

wenn wir da­ge­gen ne­ga­ti­ve er­leb­nis­se ak­zep­tie­ren und da­mit um­ge­hen, hat al­lein die­se ak­zep­tanz eine be­frie­di­gen­de, po­si­ti­ve wir­kung auf uns.

das wirkt auf den ers­ten blick pa­ra­dox oder eben falsch her­um, aber wenn man es ge­nau be­denkt, sieht man, dass wir be­stimm­te zie­le nicht al­lein durch wil­len, fleiss oder ziel­stre­big­keit er­rei­chen kön­nen.

un­se­re in­tui­ti­on, was gut für uns sei, täuscht uns stän­dig.

zeit spa­ren — kei­ne zeit mehr

wenn wir z.b. ver­su­chen, zeit zu spa­ren, rinnt sie uns noch schnel­ler durch die fin­ger. wenn wir un­se­re zeit da­ge­gen et­was wid­men, je­man­dem zeit schen­ken, zeit ver­brin­gen mit din­gen, für die wir eine ech­te lei­den­schaft ha­ben, dann bleibt die zeit. dann spei­chern wir er­in­ne­run­gen.

lie­be su­chen — lie­be ge­ben

oder wenn wir ver­su­chen „lie­be zu fin­den“, ha­ben wir es auch oft falsch­her­rum. das mit der lie­be funk­tio­niert viel bes­ser, wenn wir lie­be ge­ben, statt sie zu su­chen.

(dazu hab ich mal nen gan­zen vor­trag ge­hal­ten.)

ein­druck schin­den — selbst­zwei­fel

wo wir uns auch oft täu­schen: der ver­such an­de­re zu be­ein­dru­cken hilft so gut wie nie ge­gen selbst­zwei­fel oder man­gel an selbst­be­wusst­sein.

ich muss dazu ei­nen kur­zen ex­kurs, ei­nen klei­nen schwen­ker ma­chen …

wenn es et­was gibt, was ich mei­nem ju­gend­li­chen ich ger­ne sa­gen wür­de, dann wäre es ers­tens: „mein gott, bin ich froh nicht mehr jung zu sein und dei­ne pro­ble­me zu ha­ben!“

und zwei­tens: du bist kei­ne schnee­flo­cke, du bist nicht ein­ma­lig. du bist mit dei­nen pro­ble­men und ängs­ten nichts be­son­de­res, im ge­gen­teil. wir ha­ben alle die glei­chen pro­ble­me, ängs­te und un­si­cher­hei­ten — nur die far­be und der kon­trast un­ter­sch­ei­det sich ge­le­gent­lich.

wenn man das ver­steht, lässt das be­dürf­nis leu­te zu be­ein­dru­cken oder gross­kot­zig auf­zu­tre­ten, um ei­ge­ne un­si­cher­hei­ten zu ka­schie­ren, schlag­ar­tig nach.

portrait von louis XIV, via wikimedia commons, louvre
lou­is XIV

was er­staun­lich gut funk­tio­niert, ist eine ge­wis­se egal­ness (oder gleich­mut oder not gi­ving a fuck). die­se egal­ness ist ge­le­gent­lich ein ge­schenk des al­ters, manch­mal aber auch nicht. man­chen men­schen ist auch im al­ter nix egal.

reich­tum an­stre­ben — ver­lust­angst

und noch ein ex­kurs: ich bin denk­bar un­ge­eig­net hier zu ste­hen und zu be­haup­ten geld macht nicht glück­lich.

ich bin mit dem pri­vi­leg auf­ge­wach­sen, im­mer ge­nug geld zu ha­ben. zwar hat­ten mei­ne el­tern im­mer geld­sor­gen, aber ir­gend­wie war auch im­mer aus­rei­chend da.
ich habe vie­le sor­gen und ängs­te mei­ner el­tern über­nom­men — aber die nicht. sor­gen um geld hat­te ich nie. da war ich wie for­rest gump, mei­ne kon­ten wa­ren für mich im­mer wie pra­li­nen­schach­teln: ich wuss­te nie, was drin ist.

die­se egal­ness ge­gen­über geld könn­te an mei­ner pri­vi­le­gier­ten kind­heit und ju­gend lie­gen, ge­ne­tisch be­dingt sein oder ein psy­chi­scher de­fekt sein, das glaubt zu­min­dest ka­tia, mei­ne frau, ins­be­son­de­re nach­dem sie vor ein paar ta­gen in mei­nen al­ten kis­ten dut­zen­de, zwan­zig jah­re alte, un­ge­öff­ne­te brie­fe vom fi­nanz­amt fand — die mit den ro­ten, grü­nen und gel­ben brief­um­schlä­gen.

des­halb bin ich wohl un­ge­eig­net, hier zu ste­hen und zu be­haup­ten, dass die in­tui­ti­on trügt, wenn wir glau­ben — dass wir mög­lichst viel geld ver­die­nen müs­sen, um glück­lich zu sein.

oder zu be­haup­ten: je mehr geld man hat, des­to grös­ser die angst, es zu ver­lie­ren.

weil: was weiss ich denn schon?

ich weiss al­ler­dings, dass es ei­gen­ar­tig wir­ken könn­te als pri­vi­le­gier­ter, al­ter, weis­ser mann — oder als jün­ge­rer weis­ser mann wie mark man­son — ein paar psy­cho­t­ricks vor­zu­schla­gen, um das elend der welt er­träg­li­cher zu ma­chen.

und es stimmt wahr­schein­lich, dass ar­mut, struk­tu­rel­le un­ge­rech­tig­keit, be­nach­tei­li­gung, macht­miss­brauch, ras­sis­mus sich nicht al­lein durch mo­di­fi­ka­ti­on der ei­ge­nen hal­tung än­dern las­sen, vor al­lem wenn man selbst von ih­nen be­trof­fen ist.

aber — und das ist zu­min­dest mei­ne ar­beits­hy­po­the­se — um struk­tu­ren, die ge­sell­schaft oder die ge­sell­schaft­li­che hal­tung zu ver­än­dern, müs­sen wir uns erst­mal selbst re­pa­rie­ren und hand­lungs­fä­hig ma­chen.

flucht vor pro­ble­men — pro­ble­me kle­ben

wir las­sen uns als ge­sell­schaft — aber auch als ein­zel­ne — von pro­ble­men läh­men. das doo­fe ist, dass un­ge­lös­te pro­ble­me kle­ben.

je mehr wir ver­su­chen, pro­ble­men aus dem weg zu ge­hen, des­to mehr be­stim­men sie das le­ben.

es gibt ja die schö­ne fi­gur von mi­cha­el ende vom schein­rie­sen.
je nä­her man ei­nem schein­rie­sen kommt, des­to klei­ner wird er. din­ge, die be­droh­lich er­sch­ei­nen, wir­ken dann plötz­lich aus der nähe harm­los.

ana­log dazu gibt’s auch schein­glück. wenn man stän­dig nur dem glück hin­ter­her­läuft und vor ne­ga­ti­ven ge­füh­len weg­läuft und sie nicht kon­fron­tiert, wirkt der frust mit zu­neh­men­der di­stanz im­mer grös­ser und be­droh­li­cher. das gilt mög­li­cher­wei­se für alle pro­ble­me, vor de­nen man weg­läuft.

mein held und der meis­ter der glücks­fin­dung durch los­las­sen — ist hans im glück.

ich habe hier vor acht jah­ren mal da­für plä­diert, dass wir uns hans im glück nicht als je­man­den vor­stel­len soll­ten, der durch schlech­te tausch­ge­schäf­te al­les ver­lo­ren hat.

im ge­gen­teil: hans im glück küm­mert sich nicht um ge­sell­schaft­lich kon­stru­ier­te wer­te.

er be­freit sich schritt für schritt von al­lem, was ihm als last er­scheint, zu­erst das gold, dann das pferd, die kuh und am ende den schleif­stein. am ende fühlt er sich leicht, frei und glück­lich.

nicht hans ist der dum­me, son­dern wir, weil es uns so schwer fällt, glück jen­seits von leis­tungs­lo­gik und be­sitz zu er­ken­nen.

hans hat er­kannt, dass man durch los­las­sen das glück bes­ser grei­fen kann.

besser greifen durch loslassen

oder noch­mal an­ders ge­sagt: be­stimm­te din­ge

  • glück
  • sinn
  • ge­las­sen­heit

las­sen sich nicht di­rekt her­stel­len, son­dern sind ne­ben­pro­duk­te. ne­ben­pro­duk­te vom los­las­sen, von gleich­mut, von op­ti­mis­mus im an­ge­sicht von schwie­rig­kei­ten.

oder wie mark man­son sagt: not gi­ving a fuck.

statt dem glück hin­ter­her­zu­lau­fen, ist es er­gie­bi­ger, sich dem scheiss, den pro­ble­men, die uns die welt in den weg legt, wie ei­nem schein­rie­sen zu nä­hern: op­ti­mis­tisch, dass die pro­ble­me aus der nähe hand­hab­bar und lös­bar er­sch­ei­nen.

wenn man das ne­ga­ti­ve als teil des le­bens, als be­din­gung für das po­si­ti­ve ak­zep­tiert, wirkt die scheis­se, die ei­nem die welt ent­ge­gen­wirft, plötz­lich — viel­leicht — wie schein­sch­eis­se.


screenshot von dirk von gehlens TEDx talk über optimismus. überlagert mit der aussage: „ohne optimismus funktioniert demokratie nicht“

dirk von geh­len hat vor ein paar mo­na­ten ei­nen tedx-talk ge­hal­ten, in dem er (sinn­ge­mäss) be­haup­tet: „Ohne Op­ti­mis­mus funk­tio­niert De­mo­kra­tie nicht.“

ich er­wäh­ne das auch nur, da­mit ihr nicht denkt, dass ich der ein­zi­ge quatsch­kopf bin, der an­ge­sichts der ak­tu­el­len po­li­ti­schen lage für op­ti­mis­mus plä­diert.

die be­grün­dung, war­um das so ist, will ich et­was an­ders als dirk von geh­len her­lei­ten. und zwar mit ei­ner idee, die j. m. bar­rie schon 1904 in pe­ter pan for­mu­liert hat, und mit ei­ner leich­ten um­de­fi­ni­ti­on von op­ti­mis­mus.

bar­rie schrieb in pe­ter pan:

je­des mal, wenn ein kind sagt „ich glau­be nicht an feen“, stirbt ir­gend­wo eine fee.

der satz im­pli­ziert, dass auf­merk­sam­keit und emo­tio­na­le bin­dung et­was — oder je­man­den — mit be­deu­tung und macht auf­la­den kön­nen — und dass be­deu­tung und macht ver­ge­hen, wenn der glau­be dar­an schwin­det.

auf­merk­sam­keit = macht = exis­tenz

je mehr men­schen et­was be­deu­tung ge­ben, des­to rea­ler und mäch­ti­ger wird es.

wenn sich das zu abs­trakt an­hört, oder zu mär­chen­haft: so wie feen nur exis­tie­ren weil kin­der dran glau­ben, kann geld nur funk­tio­nie­ren (und eine un­heim­li­che macht aus­üben), weil wir alle dran glau­ben. geld kann ge­nau wie feen ster­ben, wenn wir auf­hö­ren dran zu glau­ben. das ha­ben wir in der wei­ma­rer re­pu­blik ge­se­hen oder kürz­lich in ve­ne­zue­la.

na­tio­nal­staa­ten, der weih­nachts­mann, mode, trends, hol­ly­wood­stars oder so­was wie „nächs­ten­lie­be" — al­les kol­lek­ti­ve glau­bens­ak­te.

das ist aber auch der grund, war­um do­nald trump dort steht, wo er (mo­men­tan) noch steht.

so wie die grau­en män­ner in momo den men­schen die zeit steh­len, in­dem sie sie da­von über­zeu­gen, zeit zu spa­ren — ge­nau­so stiehlt do­nald trump un­se­re auf­merk­sam­keit und kon­ver­tiert sie in macht — und das in solch ei­nem ko­los­sa­len aus­mass, dass wir es noch nicht mal mer­ken, dass es un­se­re auf­merk­sam­keit ist, die ihn nährt.

zu­rück­hal­tung beim vor­schnel­len ur­tei­len, los­las­sen, gleich­mut, not gi­ving a fuck — das ist, ver­ein­facht, nichts an­de­res als ge­fühls­re­gu­la­ti­on. und — viel­leicht — auch ein weg zu ei­ner et­was rea­lis­ti­sche­ren wahr­neh­mung der welt.


wir ma­chen uns ger­ne über kin­der lus­tig, weil die ihre ge­füh­le nicht im griff ha­ben. die kin­der­psy­cho­lo­gin be­cky ken­ne­dy er­klärt, war­um kin­der so emo­tio­nal auf al­les re­agie­ren.

kids are born with all of the emo­ti­ons and none of the skills.

kin­der wer­den mit al­len ge­füh­len ge­bo­ren, aber kei­nem ein­zi­ges werk­zeug um da­mit um­zu­ge­hen.

er­wach­sen wer­den be­deu­tet die­se fä­hig­keit nach und nach zu ler­nen — oder bei­ge­bracht zu be­kom­men — oder werk­zeu­ge da­für zu sam­meln.

im in­ter­net wer­den wir al­ler­dings fast täg­lich zeu­ge da­von, dass vie­le, sehr vie­le er­wach­se­ne, ge­fühls­re­gu­la­ti­on nicht mal im an­satz meis­tern und sich mehr oder we­ni­ger wie kin­der am quen­gel­re­gal auf­füh­ren.

po­pu­lis­ten wis­sen das zu nut­zen.

ihr ge­schäfts­mo­dell ist emo­tio­na­le über­for­de­rung: sie peit­schen emo­tio­nen auf, sie ver­ein­fa­chen, spal­ten, ver­brei­ten alar­mis­mus — und bie­ten da­für das ge­fühl von klar­heit. das funk­tio­niert ge­nau dann be­son­ders gut, wenn wir nicht ge­lernt ha­ben, mit un­ein­deu­tig­keit um­zu­ge­hen.

ein ge­gen­mit­tel ist die fä­hig­keit, in­ne­zu­hal­ten, be­vor man ur­teilt — und zu ak­zep­tie­ren, dass man­che din­ge kom­pli­zier­ter sind, als sie im ers­ten mo­ment er­sch­ei­nen.

po­pu­lis­ten has­sen am­bi­gui­tät und dif­fe­ren­zie­rung. des­halb has­sen sie kunst und nen­nen sie ent­ar­tet, wenn sie viel­deu­tig ist.

gul dukat heilt einen kranken bajoraner, gefunden bei anmutunddemut.de

pro­pa­gan­da ist nie­mals viel­deu­tig, hat kei­ne me­ta­ebe­nen. al­les ist klar und ein­deu­tig.

wo war ich? ich woll­te ja über feen re­den.

wäh­rend das mit den feen bei bar­rie wie ein mär­chen klingt — feen, die ster­ben, wenn nie­mand mehr an sie glaubt — ist das mit der de­mo­kra­tie, so­li­da­ri­tät, ver­söh­nung, mensch­lich­keit ganz kon­kret: wenn nie­mand dar­an glaubt, dass sie funk­tio­nie­ren, dann ster­ben sie.

wir ret­ten die de­mo­kra­tie nicht al­lein mit ei­ner ro­sa­ro­ten bril­le oder in­dem wir uns zu mehr gleich­mut stup­sen oder nud­gen, aber es wür­de mög­li­cher­wei­se schon hel­fen, wenn wir auf­hör­ten zu glau­ben, dass das eh al­les nichts bringt, al­les im­mer nur schlim­mer wird und man eh nichts än­dern kann.

de­mo­kra­tie — und op­ti­mis­mus — le­ben da­von, dass wir glau­ben

  • dass die din­ge bes­ser wer­den kön­nen
  • und un­ser han­deln wir­kung hat

ich plä­die­re eben nicht für eine ro­sa­ro­te bril­le, son­dern da­für, dass wir die schwarz­ma­le­ri­sche bril­le ab­neh­men.

rote und  blaue pille

es geht auch nicht dar­um, die rote oder blaue pil­le zu wäh­len, son­dern dar­um, uns den blick auf die mög­lich­kei­ten nicht durch vor­schnel­les ur­tei­len zu ver­stel­len.

wir müs­sen die welt nicht so se­hen, als wäre schrö­din­ger’s kat­ze im­mer tot. so­bald wir uns eine bes­se­re zu­kunft vor­stel­len kön­nen, kann die­se zu­kunft po­ten­zi­ell ent­ste­hen.

das ist der ent­sch­ei­den­de punkt, dass wir ler­nen und er­ken­nen, dass die welt we­der schlecht noch gut ist.

sie ist erst­mal rei­nes po­ten­zi­al.
sie ist das, was wir in ihr für mög­lich hal­ten.
(und) sie wird das, was wir glau­ben, was sie sein könn­te.

oder mit we­ni­ger pa­thos:

wie wir die welt se­hen, ist nicht egal.

ein halb volles glas

pes­si­mis­ten und po­pu­lis­ten sa­gen: das glas ist halb leer.

aber op­ti­mis­mus ist nicht zu sa­gen: „das glas ist halb voll“.

ein volles glas

op­ti­mis­mus ist die über­zeu­gung, dass man das glas auf­fül­len kann.

die­se op­ti­mis­mus-de­fi­ni­ti­on er­klärt üb­ri­gens auch die of­fe­ne fra­ge, war­um es denn jetzt gut sei, dass die welt scheis­se ist.

ein vol­les glas kann man nicht auf­fül­len.

  • der trick ist — wie der bau­er — sich nicht von der scheis­se be­ein­dru­cken zu las­sen.
  • wie for­rest gump das rich­ti­ge zu tun.
  • wie si­sy­phos den fel­sen fröh­lich den berg hoch­zu­schie­ben.
  • wie fri­da und hans das le­ben neh­men wie es ist und los­las­sen.

das schlech­te se­hen und an das gute glau­ben.

die welt ist scheis­se — das ist nicht egal und auch nicht wirk­lich gut — aber das ist so ge­dacht.

it’s not a bug, it’s a fea­ture


#rp26, tag 1

felix schwenzel

sehr schö­ner, lan­ger tag auf der re­pu­bli­ca. ich glau­be, ich war noch nie so früh auf ei­ner re­pu­bli­ca. kei­ne ah­nung war­um. viel­leicht weil ich dach­te, ich kön­ne dort früh­stü­cken.

ich glau­be auch, ei­nen ti­cken mehr leu­te als sonst ge­trof­fen und ge­spro­chen zu ha­ben als sonst.

die ses­si­ons, die ich heu­te ge­se­hen habe, ha­ben mich nicht um­ge­wor­fen, aber ein paar über­ra­schen­de mo­men­te gab’s doch. lui­sa neu­bau­er ist zum bei­spiel ein rhe­to­ri­sches schwung­rad. sie fängt lang­sam und zö­ger­lich an zu spre­chen, aber dann kommt sie in schwung und noch mehr schwung und schleu­dert über­ra­schend gute wor­te ins pu­bli­kum. sehr be­ein­dru­ckend. auch cory doc­to­row schien be­flü­gelt. wäh­rend sei­ne letz­ten talks auf der re­pu­bli­ca wie ge­lang­weil­te vor­le­sun­gen auf mich wirk­ten, wirk­te er heu­te wie aus­ge­wech­selt, ein feu­er­werk der gu­ten lau­ne.

man kann sei­nen 45-mi­nü­ti­gen vor­trag mit we­ni­gen sät­zen zu­sam­men­fas­sen: 1) ka­me­rad trump und ka­me­rad pu­tin ha­ben in 1-2 jah­ren so viel für die eu­ro­päi­sche un­ab­hän­gig­keit ge­tan, wie er nicht mal im an­satz in sei­ner 20-30-jäh­ri­gen ak­ti­vis­ten-tä­tig­keit er­reicht hat. 2) die ge­set­ze ge­gen das um­ge­hen tech­ni­scher sper­ren (DRM, Ja­ilb­reak-Schutz usw.) müs­sen weg, da­mit die eu­ro­pä­er bzw. die län­der der welt sich un­ab­hän­gig(er) von ame­ri­ka­ni­scher tech­no­lo­gie ma­chen kön­nen. 3) er sagt „fuck op­ti­mism“, nennt sich aber so hoff­nungs­froh wie lan­ge nicht mehr. op­ti­mis­mus sei pas­siv, hoff­nung sei ak­tiv. man kön­ne auch frus­triert und ver­ängs­tigt hoff­nung ha­ben, aber op­ti­mis­mus läh­me ge­nau wie pes­si­mis­mus. ich ar­gu­men­tie­re mor­gen um 13 uhr ge­nau ge­gen­tei­lig und de­fi­nie­re op­ti­mis­mus kur­zer­hand um. wahr­schein­lich we­ni­ger wort­mäch­tig und mit we­ni­ger in­tel­lek­tu­el­ler und se­man­ti­scher schär­fe als doc­to­row, aber hof­fent­lich ge­nau­so nach­voll­zieh­bar.

die büh­ne am en­er­gie­mo­bil fasst auf je­den fall ei­nen gu­ten ti­cken mehr als 20 leu­te und ich gehe da­von aus, dass es ganz flau­schig dort wer­den könn­te.

das von alex matz­keit or­ga­ni­sier­te pa­nel zur frü­hen blogo­sphä­re heu­te abend war auch sehr flau­schig und er­in­ner­te mich vor al­lem dar­an, was ich al­les im lau­fe der jah­re ver­ges­sen habe, ob­wohl es ja theo­re­tisch (fast) al­les hier im ar­chiv nach­les­bar wäre. der schöns­te ge­dan­ke, den die kalt­mam­sell mir heu­te abend wie­der in er­in­ne­rung rief: wir wa­ren da­mals, bei un­se­rem ers­ten gros­sen tref­fen, der „blog­mich“-par­ty 2005, (fast) alle fan­boys und -girls von­ein­an­der. und chris­ti­an bug­gisch er­in­ner­te uns dar­an, dass auch wenn re­le­vanz und reich­wei­te fir­le­fanz sind, blogs oder ein­fach ins in­ter­net zu schrei­ben (egal wo), durch­aus in­spi­rie­rend wa­ren, sind und sein kön­nen.

kurz ge­sagt: ein sehr schö­ner tag.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink
YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink
YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

ca­ro­lin ehm­ke: lei­tet aus dem #rp26 mot­to ab: so­lan­ge es je­man­den gibt für den es sich lohnt, bin ich na­tür­lich im­mer/wei­ter mu­tig.

lei­der bin ich völ­lig un­fä­hig wäh­rend pa­nels live zu mi­cro­blog­gen, hät­te hier zum bei­spiel noch ger­ne eine re­fe­renz auf pro­ject hail mary ein­ge­fügt, wo es ja auch ei­nen dia­log gab, das mut nix an­ge­bo­re­ne­nes ist, son­dern mut dann da ist, wenn man je­man­den fin­det für den man mu­tig sein will.

bin halt ein post-pa­nel/-vor­trags pos­ter.


eingangssituation rp26, alkohol und waffen sind wieder verboten
persisches reisebericht zum frühstück mit pfand war ok

die hal­le von stage 1 riecht noch nach frisch ge­säg­ten span­plat­ten. per­si­sches „street food“ früh­stück war ok. die leu­te sind die­ses jahr noch net­ter als letz­tes jahr. #rp26


nach der pre­pu­bli­ca ist re­pu­bli­ca

felix schwenzel

ges­tern mit fri­da den nach­mit­tags­spa­zier­gang vom platz der luft­brü­cke zur sta­ti­on ge­macht. ich woll­te mich von hin­ten an das ge­län­de schlei­chen, auch um die mir zu­ge­wie­se­ne büh­ne für mei­ne ses­si­on mor­gen zu be­gut­ach­ten.

das „en­er­gie­mo­bil“ ist eine aus­sen­büh­ne, laut spea­k­er­brie­fing gibts ne au­dio­auf­zeich­nung, aber kein „Live Voice“. das heisst das ist kei­ne kopf­hö­rer-büh­ne, aber da­mit auch kein live­stream. es gibt ei­nen 55" mo­ni­tor und die büh­ne ist für 20 zu­schau­er aus­ge­legt. fin­de ich ei­gent­lich ganz gut, heu­te wer­de ich mal schau­en, wie die büh­ne sich bei den ers­ten mon­tags ses­si­ons an­fühlt. theo­re­tisch soll­ten dank feh­len­der wän­de auch mehr als 20 leu­te platz fin­den, mal schau­en wie die pra­xis aus­sieht. mein vor­trag funk­tio­niert trotz ca. 80 fo­li­en die­ses jahr auch gut ohne fo­li­en. auch wenn die fo­li­en auch die­ses jahr ihr ei­gen­le­ben ha­ben.

das wet­ter soll­te laut DWD mit­spie­len und sehr re­pu­bli­ca-freund­lich sein. heu­te son­nen­schein und bis zu 20°C, mor­gen et­was we­ni­ger son­ne und bis zu 18°. am mitt­woch im­mer noch über­wie­gend son­nig, aber et­was wol­ki­ger, reg­nen solls die drei tage nicht.

unter der u2-brücke, neben dem gelände der station

nach dem ab­ho­len mei­ner bänd­chen, ha­ben fri­da und ich uns noch­mal auf die ein­gangs­wie­se ge­setzt und ein bier­chen und ein wäs­ser­chen ge­trun­ken. rein, aufs ge­län­de dür­fen hun­de ja seit ein paar jah­ren nicht mehr. draus­sen sprach mich sa­bi­ne an, die sich als eine der fuss­ball-freun­din­nen von meq vor­stell­te. das fand ich sehr nett und das ist ir­gend­wie auch sehr blog­gig. nicht nur die blog­gen­den selbst ken­nen und le­sen sich ge­gen­sei­tig, auch die mit­le­sen­den ken­nen sich ir­gend­wie. spä­ter kam noch alex matz­keit dazu. wir ha­ben na­tür­lich über blogs und das was man­che vor 15, 20 jah­ren auch blogos­hä­re oder web­log­be­deu­tungs­ma­fia oder di­gi­ta­le bo­he­me oder di­gi­ta­le klo­wän­de ge­nannt ha­ben. wie 99,99% der be­völ­ke­rung hat er da­von da­mals we­nig bis gar nichts mit­be­kom­men, aber an­ders als 99,99% der leu­te, in­ter­es­si­ert ihn das jetzt ir­gend­wie. mei­ne the­se ist ja, dass die­se form der text­ba­sier­ten sub­kul­tur da­mals et­was mehr auf­merk­sam­keit be­kom­men hat als heu­te. oder ge­nau­er, die blog­gen­den ha­ben da­mals ge­schafft sich et­was mehr auf­merk­sam­keit zu er­kämp­fen (un­ter an­de­rem mit ver­an­stal­tun­gen wie der re­pu­bli­ca) und auch wenn es den ein­druck macht, dass blogs kei­ne re­le­vanz mehr ha­ben, ha­ben sie mei­ner mei­nung nach ge­nau­so we­nig oder viel re­le­vanz wie da­mals. oder an­ders ge­sagt, der re­la­tiv ho­mo­ge­ne ein­druck, den die blogo­sphä­re da­mals ge­macht ist weg, aber vie­le kei­ne bla­sen, un­zäh­li­ge mi­kro­ge­mein­schaf­ten, wahr­schein­lich mehr als je­mals zu­vor, sind wei­ter­hin ak­tiv, al­ler­dings un­ter dem ra­dar der brei­ten öf­fent­lich­keit. naja, wird je­den­falls be­stimmt span­nend das ge­spräch heu­te abend.


mein rp26 pro­gramm

felix schwenzel

ste­fan nig­ge­mei­ers blues­ky-post er­in­ner­te mich eben dar­an, dass ich noch mein #rp26 pro­gramm zu­sam­men­stel­len woll­te. und ich freue mich, dass ste­fan sein blog wie­der re­ak­ti­viert hat.

da­mit ist Bes­ser Dis­ku­tie­ren – ein Ge­spräch am mon­tag um 13:45 schon mal ge­setzt.

auch auf stage 2 am mon­tag: Never Gon­na Give (You) Up – War­um wir im­mer wei­ter ma­chen mit con­stan­ze kurz, ali­ce has­ters, lui­sa neu­bau­er, ca­ro­lin em­cke und isa­bel­la her­mann. mir ist die an­kün­di­gung des pa­nels egal (dis­kus­si­on „über En­ga­ge­ment, Ver­ant­wor­tung und die Kunst des Durch­hal­tens“), die teil­neh­me­rin­nen ver­spre­chen ge­nug in­ter­ess­anz.

um 13:00 schaue ich mir am en­er­gie­mo­bil an, Wie­so wir uns über Web­ar­chi­vie­rung Ge­dan­ken ma­chen müs­sen. die bei­den „spea­k­er“ sind bei­de „re­fe­ren­tin­nen web­ar­chi­vie­rung“ und bei­de ha­ben „404“ in ih­ren pro­fil­bil­dern. den vor­trag gu­cke ich mir auch des­halb an, um zu se­hen wie die aus­sen­büh­ne am en­er­gie­mo­bil so funk­tio­niert, weil ich ja am nächs­ten tag auch dort spre­chen wer­de.

Up­grade fürs Ge­hirn? Psy­cho­tech­no­lo­gie zwi­schen Selbst­be­stim­mung und men­ta­ler Frei­heit um 13:45 auf stage 3 steht in kon­ku­renz zu ste­fan nig­ge­mei­er und dirk von geh­len auf stage 2, aber ich habe mir das trotz­dem mar­kiert, weil ich vor­trä­ge über sci­ne­ce fic­tion im­mer toll fin­de:

Psy­cho­tech­no­lo­gie ver­bin­det Neu­ro­tech­no­lo­gie, Di­gi­ta­li­sie­rung und Er­kennt­nis­se aus der Psy­che­de­li­ka-For­schung. Sie er­öff­net neue Per­spek­ti­ven für die Be­hand­lung psy­chi­scher Er­kran­kun­gen und die För­de­rung ko­gni­ti­ver Leis­tungs­fä­hig­keit.

um 15 uhr re­det cory doc­to­row auf stage 1 über Ens­hit­ti­fi­ca­ti­on – and what can be done about it. cory doc­to­row mag ich ei­gent­lich lie­ber le­sen als zu hö­ren, oder an­ders­rum sei­ne vor­trä­ge sind mir manch­mal zu ober­che­cker-mäs­sig. an­de­rer­seits muss man ihm auch ganz iro­nie­frei las­sen, dass er halt auch ein ober­che­cker ist.

um 17:30 hab ich mir KI und der neue Fa­schis­mus mit rai­ner mühl­hoff („Pro­fes­sor für Ethik und kri­ti­sche Theo­rien der Künst­li­chen In­tel­li­genz“) mat­kiert. mal schau­en ob mich rai­ner mühl­hoff mit neu­en er­kennt­nis­sen über­ra­schen kann.

um 18:45 tref­fe ich mich mit alex matz­keit, fran­zis­ka bluhm und der kalt­mam­sel um über den My­thos Blogo­sphä­re zu re­den. alex fragt sich: „War al­les wirk­lich so be­son­ders, wie es heu­te oft be­schrie­ben wird?“ und ich kann jetzt schon sa­gen: na­tür­lich nicht. war halt ir­gend­wie neu, aber das ist ja nichts be­son­de­res in un­se­ren zei­ten.

um 19:15 re­det ca­ro­li­ne mohr dar­über, dass po­li­ti­ker:in­nen, CEOs und an­de­re macht­men­schen wie 1987 kom­mu­ni­zie­ren und ih­nen des­halb nie­mand zu­hört. ich weiss zwar nicht ob sich das tat­säch­lich macht­men­schen an­schau­en wer­den, aber ich schau mal rein.

QR code mit dem sich 23 von mir empfohlene sessions in die republica app importieren lassen.

die re­pu­bli­ca-web­site bie­tet in die­sem jahr an, ge­herz­te ses­si­ons in die re­pu­bli­ca app zu im­por­tie­ren. das geht für die hier er­wähn­ten ses­si­on mit die­sem link oder die­sem QR code.


diens­tag

am diens­tag ha­ben eck­art von hirsch­hau­sen, chan-jo jun und jes­si­ca flint die arsch­kar­te ge­zi­gen und müs­sen um 10:00 uhr auf bph­ne eins dar­über re­den was Deepf­akes mit Men­schen, Mar­ken und Mar­ke­ting ma­chen. ich hal­te es für sehr un­wahr­schein­lich, dass ich es bis 10 aufs re­pu­bli­ca ge­län­de schaf­fe, aber falls nicht, schaue ich mir das auf je­den fall in der auf­zeich­nung an.

bis 11:15 könn­te ich es bis zur stage 1 ge­schafft ha­ben uidn schaue mir dann Do­pa­mi­ne Na­ti­on: Fin­ding Ba­lan­ce in the Age of In­dul­gence an, wo anna lembke (un­ter an­de­rem) über do­pa­min-fas­ten re­det. ich lei­de an ei­ner stän­di­gen na­tür­li­chen do­pa­min über­pro­duk­ti­on, wes­halb ich auch bei lan­ge­wei­le kei­nen do­pa­min tur­key be­kom­me. aber das könn­te trotz­dem in­ter­es­sant sein.

um drei­zehn uhr ist mei­ne ses­si­on ge­plant: die welt ist scheis­se — und das ist auch gut so. ich wer­de dar­über re­den wie ich op­ti­mis­mus ger­ne leicht um­de­fi­nie­ren wür­de und mög­li­cher­wei­se so­gar die im ti­tel auf­ge­wor­fe­ne fra­ge be­ant­wor­ten, war­um das denn jetzt gut sei. die büh­ne „en­er­gie­mo­bil“ ist eine aus­sen­büh­ne die laut pro­gramm 20 plät­ze hat, aber aus­sen­büh­ne be­deu­tet ja viel­leicht auch laut­spre­cher und eine grös­se­re an­zahl po­ten­zi­el­ler zu­schau­er. das mit den bil­der-fo­li­en klappt dann viel­leicht nicht so gut, aber der vor­trag ist so ge­schrie­ben, dass er auch ohne fo­li­en gut funk­tio­niert.

um 15 uhr re­den ri­car­da lang, phil­ipp amt­hor, vin­cent g, vic­to­ria rei­chelt und wulf schmie­se über ir­gend­was. völ­lig egal was ge­spro­chen wird, ich glau­be das wird eine vol­le stage 2 und ich wer­de al­les dar­an set­zen dort ei­nen platz zu be­kom­men.

den gyn­cast ken­ne ich aus der ubahn, weil die ta­ges­spie­gel den im­mer auf den ubahn-bild­schir­men be­wirbt. um 15 uhr hät­te ich mir dann ei­gent­lich ger­ne an­ge­se­hen, war­um die Kli­to­ris zwei­mal ent­deckt wer­den muss­te. aber ich bin ja um 15 uhr schon auf stage 2.

ich habe drei­mal ver­sucht zu le­sen was hier steht: God­win’s En­gi­ne: Mus­kism and the Au­to­ma­ti­on of Con­sent, aber ich habe kei­ne ah­nung um was es geht. ir­gend­was mit ge­schich­te und cy­borgs. ich schau da ein­fach mal rein, was quinn slo­bo­di­an ab 16:15 auf stage 1 er­zählt. hört sich in­ter­es­sant an.

um 18 uhr re­det jo­han­nes fran­zen über Die Ra­che der Kon­su­ment*in­nen. Strei­ten über Kunst und Kul­tur im In­ter­net. hört sich in­ter­es­sant an.

um 18:45 wie­der ein pa­nel auf stage 1, das ich we­gen der pa­ne­lis­ten se­hen möch­te: jut­ta all­men­din­ger und ke­vin küh­nert re­den mit ge­ral­di­ne de bas­ti­on über die ge­sell­schaft und die welt: War­um wir uns eine un­glei­che Ge­sell­schaft nicht leis­ten kön­nen. Ein Ge­spräch..

gleich­zei­tig auf stage 2: anet­te do­wi­deit, sa­rah bo­set­ti, ma­ren ur­ner, se­bas­ti­an 23 und fre­de­rik von cas­tell über fun facts und so­weit ich auch ver­ste­he, mit fun facts. ich ten­die­re zu stage 2, al­lei­ne we­gen ma­ren ur­ner, de­ren vor­trag ich vor ei­nem jahr (oder zwei jah­ren?) über­ra­gend fand.

auch um 18:45: tom tykwer auf büh­ne 5. aber das ist dann wohl was um es aus der kon­ser­ve zu se­hen.


mitt­woch

um 11:15 will fa­bi­an grisch­kat auf stage 1 rechts­ext­re­men die kampf­be­grif­fe klau­en. der teaser zu sei­nem vor­trag hört sich in­ter­es­sant an.

um 12:30 re­det mau­rice van brast über auf­merk­sam­keit, schei­tern und die Äs­the­tik der Über­for­de­rung. hört sich an als wür­de mich das in­ter­es­sie­ren.

und auch Kei­ne Macht der Ohn­macht! Wie wir Kri­sen be­wäl­ti­gen und uns ge­gen Fa­schis­mus weh­ren hört sich an, als wür­de das in­ter­es­sant sein kön­nen.

Der Vor­trag zeigt an­hand neu­er Da­ten, wie po­li­ti­sche Ohn­macht ent­steht und war­um sie so pro­ble­ma­tisch ist. Und vor al­lem: Wie kom­men De­mo­krat:in­nen wie­der ins Han­deln?

um 16:15 wie­der zwei al­ter­na­ti­ven, die mich bei­de in­ter­es­sie­ren: zu­erst tilo jung, den ich eher für ei­nen schmour­na­lis­ten hal­te, auf stage 1 über Völ­ker­recht, Schm­öl­ker­recht: Deut­sche Dop­pel­stan­dards.

Ein Kurz­vor­trag über Pro­pa­gan­da­stra­te­gien und die se­lek­ti­ve An­wen­dung uni­ver­sel­ler Prin­zi­pi­en un­ter Mer­kel, Scholz und Merz.

könn­te in­ter­es­sant sein, könn­te auch zu an­s­trend sein. falls der der fall ist, wan­de­re ich ab auf stage 2 zu ga­bri­el yoran über Die Ent­krem­pe­lung der Welt: War­um die Din­ge des All­tags schlech­ter wer­den und was wir da­ge­gen tun kön­nen. hört sich ein biss­chen an, wie eine ein­ge­deutsch­te va­ri­an­te von doc­to­ro­wa ens­hi­ti­fi­ca­ti­on, aber mal schau­en.

QR code mit dem sich 23 von mir empfohlene sessions in die republica app importieren lassen.

das ist der im­port-link und der QR code, mit dem die hier er­wähn­ten ses­si­ons in die re­pu­bli­ca app im­por­tiert wer­den kön­nen.




vi­deo em­beds

felix schwenzel in über wirres

ich lie­be you­tube. also nicht you­tube an sich, aber vi­de­os auf you­tube zu se­hen. im mo­nat zäh­le ich un­ge­fähr 50 stun­den, die ich vor der tube sit­ze. ich habe auch gros­sen re­spekt vor dem al­go­rith­mus der mir die vi­de­os zu­sam­men­stellt. die mi­schung der vi­de­os ist in­ter­es­sant ge­nug um mich bei der stan­ge oder tube zu hal­ten, aber ich be­kom­me trotz­dem kei­ne schwurb­ler-vi­de­os vor­ge­setzt oder vi­de­os in die time­line ge­spült, nur weil sie ge­ra­de „tren­den“ oder so. you­tube ist mei­ne guil­ty plea­su­re, mein gar nicht mal so heim­li­ches las­ter1.

wer den vi­de­os die ich mag fol­gen will, alle vi­de­os, un­ter die ich ei­nen po­si­ti­ven dau­men set­ze, lan­den im fa­vo­ri­ten stream (RSS).

als ich ges­tern ein vi­deo von der 2MR Kon­fe­renz sah, habe ich zu­nächst gar nicht ge­merkt, dass es kein you­tube-vi­deo war, saon­dern auf peer­tu­be lag. um es so auf wir­res.net ein­zu­bet­ten wie ich es mag (ohne ex­pli­zi­te frei­ga­be kein fremd­code oder if­rame oder ja­va­script von dritt­ser­vern), muss­te also ein neu­er em­bed block her. cur­sor und clau­de konn­ten das schnell um­set­zen und das funk­tio­niert auch, wenn ich ein peer­tu­be-vi­deo fave (bei­spiel).

so­weit das neue aus dem ma­schi­nen­raum.

was mir dann aber noch auf­fiel: ich muss mich bei je­der peer­tu­be-in­stanz se­pa­rat an­mel­den, wenn ich dort übeer den brow­ser ei­nen ech­ten fav hin­ter­las­sen will. das ist ja ei­gent­lich bei al­len fe­di­ver­se in­stan­zen so, egal ob mast­o­don oder go­to­so­cial oder pi­xel­fed. im brow­ser ste­he ich im­mer dumm un­an­ge­mel­det da. ich weiss, ich kann die url der peer­tu­be sei­te in mei­nem mast­o­don cli­ent im such­feld ein­ge­ben und dann in­ter­agie­ren (fa­ven, kom­men­tie­ren), aber war­um die­ser um­weg? im in­die­web gibts in­die­auth was wirk­lich ein­fach zu nut­zen ist und mit dem man sich über die ei­ge­ne web­sei­te an­mel­den kann. das ist so de­zen­tral wie es nur sein kann und ich fra­ge mich, war­um kön­nen fe­di­ver­se in­stan­zen nicht auch iden­ti­ty-pro­vi­der sein? wenn ich mich an be­lie­bi­gen fe­di­ver­se in­stan­zen, die ich im brow­ser be­su­che, ein­fach so an­mel­den könn­te um dort zu in­ter­agie­ren, wäre das aus mei­ner sicht ein ech­ter fort­schritt in sa­chen be­dien­freund­lich­keit und kon­sis­tenz. oder über­se­he ich et­was? gibts das schon? oder ist das kom­pli­zier­ter als ich ge­ra­de den­ke?


  1. ich gu­cke you­tube wer­be­frei in sa­fa­ri, ohne you­tube da­für geld in den ra­chen zu wer­fen. der trick ist eine sa­fa­ri er­wei­te­rung na­mens vi­n­egar. vi­n­egar tauscht ein­fach den you­tube-play­er mit dem na­ti­ven brow­ser-play­er aus und um­geht da­mit die wer­bung. das funk­tio­niert so gut, dass you­tube in mei­ner an­seh-his­to­rie so­gar wer­be­clips an­zeigt, die ich an­geb­lich ge­se­hen hät­te, aber nie ge­se­hen habe. das heisst im um­kehr­schluss, den you­tube-krea­to­ren ent­ge­hen da­durch kei­ne wer­be­ein­nah­men und ich muss den scheiss nicht se­hen. 


reich­wei­ten

felix schwenzel in artikel

über den me­t­abe­ne news­let­ter bin ich auf die­ses vi­deo ge­stos­sen, in dem ro­bin thies­mey­er (meta bene), rocko scha­mo­ni und marc-uwe kling über „of­fe­ne so­zia­le Net­ze“ re­den.

PeerTube Video Vorschaubild
peertube-video laden, info, direktlink

am an­fang zeigt ro­bin eine kur­ze prä­sen­ta­ti­on, in der er sich vor­stellt. ich fand das sehr wit­zig.

… weil ich mi­ni­ma­list bin, als äs­the­ti­sches kon­zept, das ken­nen sie viel­leicht, das is ne sehr an­stren­gen­de art von faul­heit …

der rest war nicht so lus­tig, weil die drei, vier auf der büh­ne, dann über reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung re­den. über reich­wei­te re­den oder nach­den­ken ist im­mer ir­gend­wie trau­rig. wenn ei­nen kei­ner liest (oder sieht), ist man trau­rig, wenn man merkt dass ein paar leu­te das le­sen oder se­hen was man ins netz ver­öf­fent­licht, ist man auch trau­rig, weil an­de­re ja be­stimmt mehr auf­merk­sam­keit be­kom­men. und wenn man 1000 fol­lower oder abon­nen­ten hat, ist man trau­rig, dass man nicht 2000 hat.

da­mit will ich mich kei­nes­falls über die drei auf der OMG 2MR-büh­ne lus­tig ma­chen, son­dern es ist eine er­fah­rung die ich in den letz­ten 30 jah­ren ge­macht habe. noch trau­ri­ger wird es, wenn dann ne­ben reich­wei­te auch noch über mo­ne­ta­ri­sie­rung ge­spro­chen wird, weil bei­des wahn­sin­nig schwer ist und mit die­sen „of­fe­nen so­zia­len netz­wer­ken“ noch schwe­rer. und wenn man wirk­lich vie­le leu­te er­rei­chen will, muss man sich ge­ge­be­nen­falls auch noch ver­bie­gen und die an­ge­bo­te von ame­ri­ka­ni­schen tech-bu­den in an­spruch neh­men und sich da an ab­sur­de re­geln hal­ten oder mit bü­ro­k­ar­ti­schen bots aus­ein­an­der­set­zen.

wenn mich am mon­tag alex matz­keit in sei­nem pa­nel auf der re­pu­bli­ca fragt, wie es denn da­mals in den frü­hen ta­gen der blogo­sphä­re war, wer­de ich mög­li­cher­wei­se (auch) sa­gen: wir konn­ten uns für eine kur­ze wei­le ein­bil­den viel reich­wei­te und eine ge­wis­se re­le­vanz zu ha­ben. ein­bil­dung des­halb, weil das viel­leicht eine re­la­tiv hohe reich­wei­te war, aber ab­so­lut eher nicht. wir ha­ben halt in un­se­rer bla­se „ge­bloggt“ und ge­le­gent­lich ver­ges­sen, dass un­se­re bla­se ei­gent­lich teil ei­nes rie­si­gen schaum­tep­pichs mit mil­li­ar­den an­de­ren bla­sen ist.

un­se­re blogo­bla­se (viel­leicht ein bes­se­res wort als blogos­hä­re?) hat­te al­ler­dings eine ei­gen­schaft, die die reich­wei­te ver­meint­lich mas­siv er­höh­te: die blogo­bla­se hat­te vie­le schnitt­stel­len mit der jour­na­lis­ten-bla­se. des­halb gab es mul­ti­pli­ka­ti­ons­ef­fek­te und ge­le­gent­lich so­was wie ge­fühl­te re­le­vanz. aber mei­ne the­se ist, dass „wir“, die blog­gen­den men­schen der frü­hen 2000er und 2010er, un­se­rer reich­wei­te aus ei­nem sehr be­grenz­ten um­kreis re­kru­tier­ten.

ir­gend­wann (vor 10 jah­ren) wur­den mal ein paar er­folg­rei­che you­tuber auf die re­pu­bli­ca ein­ge­la­den. als die ihre zu­schau­er- und abon­nen­ten­zah­len nann­ten, fiel den meis­ten blog­gern, min­des­tens mir, die kinn­la­de run­ter. trotz der be­ein­dru­cken­den zah­len der you­tuber wa­ren sie trotz­dem ex­tre­me ni­schen­an­bie­ter. auch die you­tuber-bla­sen wa­ren bei wei­tem nicht so gross, dass mei­ne el­tern ei­nen oder eine von ih­nen je­mals ge­se­hen hät­ten oder freun­de und be­kann­te aus­ser­halb mei­ner in­ter­net-bla­se die kann­ten.

was ich sa­gen will: reich­wei­te ist re­la­tiv. und sehr, sehr schwer zu er­rei­chen und noch schwe­rer zu hal­ten. und mo­ne­ta­ri­sie­rung ist noch schwe­rer. elen­dig viel ar­beit.

was ich auch sa­gen will: ich bin froh dass mir bei­de the­men, reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung, mitt­ler­wei­le (gröss­ten­teils) völ­lig egal sind. das hat eine sehr ent­spa­nen­de wir­kung. an­de­rer­seits muss ich da­von was ich in der öf­fent­lich­keit ver­an­stal­te auch nicht le­ben.

eay hat heu­te ein zi­tat von jim niel­sen ver­bloggt:

John Gru­ber, quo­ting Walt Dis­ney:

We don’t make mo­vies to make mo­ney; we make mo­ney to make more mo­vies.

Gru­ber’s ver­si­on: don’t make soft­ware to make mo­ney, make mo­ney to make more soft­ware.

My ver­si­on: don’t make web­sites to make mo­ney, make mo­ney to make more web­sites.

das ist ge­nau mein der­zei­ti­ger ar­beits­mo­dus im netz: das was ich hier ver­an­stal­te tue ich nicht um geld zu ver­die­nen, son­dern ich ver­die­ne geld, da­mit ich das hier ma­chen kann. der grund war­um ich an­fing öf­fent­lich zu schrei­ben, zu­erst in ei­nen news­let­ter, dann un­ter mei­ner ei­ge­nen do­main wir­res.net, war mein be­dürf­nis zu schrei­ben. ein be­dürf­nis et­was zu tun, was sich krea­tiv an­fühlt und mich zwingt um und in mich zu schau­en — und das was ich sah in wor­te zu fas­sen.

und das ma­che ich seit­dem. reich­wei­ten und mo­ne­ta­ri­sie­rungs­fra­gen ha­ben mich auf die­ser rei­se ge­le­gent­lich neu­gie­rig ge­macht und ich habe da­mit viel ex­pe­ri­men­tiert, aber die ei­gent­li­che mo­ne­ta­ri­sie­rung kam im­mer aus der lohn­ar­beit.

ich bin dar­über nicht trau­rig, im ge­gen­teil, aber trotz­dem ist es doch trau­rig, dass krea­ti­ve ar­beit mit krea­ti­ver ar­beit al­lein so schwer fi­nan­zier­bar ist. ich glau­be auch nicht dass es da­für te­chi­sche lö­sun­gen gibt. die gibt und gab es schon län­ger, ste­ady, pa­tre­on oder you­tube — und frü­her mal flattr. aber bis auf ganz we­ni­ge aus­nah­men, kön­nen da die we­nigs­ten von le­ben.

vor zwan­zig oder dreis­sig jah­ren hat­ten wir mal die hoff­nung, dass das netz die gate­kee­per da­von­schwemmt und auf­merk­sam­keit de­mo­kra­ti­scher oder ge­rech­ter ver­teilt wer­den könn­te. oder dass die 15 mi­nu­ten fame die uns andy war­hol in den 60ern ver­spro­chen hat, sich durchs netz und neue tech­no­lo­gien ver­viel­fa­chen lies­sen. statt­des­sen ka­men neue gate­kee­per und die kon­ku­renz um die ware auf­merk­sam­keit wird im­mer schär­fer.

ich lie­be wei­ter­hin auf­merk­sam­keit, aber um sie erst­haft zu ver­fol­gen bin ich wahr­schein­lich ein­fach zu müde und zu alt. mir ge­fällt, dass ich die­sen text hier ein­fach raus­rot­zen kann und ihn erst spä­ter, lan­ge nach dem drü­cken des ver­öf­fent­li­chen-knopfs, noch­mal ge­gen­le­se und die gröbs­ten or­tho­gra­phi­schen schnit­zer raus­kor­ri­gie­re.


The only se­cret of ma­gic is that I'm wil­ling to work har­der on it than you think it's worth.
-- Penn Jil­let­te

die­ses zi­tat flog mir eben in den kopf und ich muss­te erst­mal eine quel­le fin­den, um den wort­laut wie­der zu­sam­men­zu­be­kom­men. das zi­tat er­klärt gut wie zau­be­rei, il­lu­sio­nen, aber auch ganz all­ge­mein, jede krea­ti­ve ar­beit funk­tio­niert. ge­nau ge­nom­men gilt das für jede ar­beit und al­les was wir gut kön­nen. wenn je­mand et­was gut kann, dann hat die­se per­son ir­gend­wann mal da­für ge­übt — und mit ziem­li­cher wahr­schein­lich­keit mehr, als man als aus­sen­ste­hen­der für nö­tig oder mög­lich hält.

mir fällt in dem zu­sam­men­hang auch im­mer die (wahr­schein­lich aus­ge­dach­te) an­ek­do­te ein, die pa­blo pi­cas­so zu­ge­schrie­ben wird. der sass in ei­nem café und zeich­ne­te auf ei­ner ser­vi­et­te. als eine frau ihn frag­te ob er sie auf der ser­vi­et­te por­trä­tie­ren wür­de, war er in zwei mi­nu­ten fer­tig und ver­lang­te eine as­tro­no­mi­sche sum­me für das por­trät. auf den ein­wand, dass er doch nur ein paar mi­nu­ten da­für ge­braucht habe, sag­te er: „es hat mich mein gan­zes le­ben ge­kos­tet, das in zwei mi­nu­ten zu zeich­nen.“

ich fin­de bei al­lem was ich tue per­fek­ti­on über­flüs­sig. ich will nicht sa­gen, dass ich per­fek­ti­on has­se, im ge­gen­teil, per­fek­ti­on fas­zi­niert mich. aber mir ist das zu viel ar­beit. das hält mich aber nicht da­von ab, re­gel­mäs­sig sehr viel ar­beit in „gut ge­nug“ zu ste­cken. oft wahr­schein­lich deut­lich mehr, als an­de­re für ver­nünf­tig hal­ten wür­den.


neu an mei­ner wand

felix schwenzel in notiert

das pos­ter habe ich vor 20 jah­ren bei eboy ge­kauft (ar­chi­ve-link). seit­dem, also die letz­ten 20 jah­re, lag es zu­sam­men­ge­rollt in ei­ner un­se­rer kam­mern. bei der letz­ten auf­räum­ak­ti­on hat die bei­fah­re­rin das pos­ter ge­fun­den und wir ha­ben es auf­ge­hängt.

das pos­ter in in vier­fa­cher hin­sicht su­per: ich mag wim­mel­bil­der, iso­me­tri­sche dar­stel­lung und pi­xel-äs­the­tik. und dazu ist es noch eine art hi­os­to­ri­sches do­ku­ment und zeigt al­ler­hand ge­döns, das es nicht mehr gibt (sky­pe, tech­no­ra­ti, del.ici.us, feedb­ur­ner). das pos­ter ist so alt, dass da­mals face­book und twit­ter noch kein ding wa­ren.


nach­trag 13.05.2026:
frank west­phal hat das pos­ter 2006 ver­bloggt und sich die mühe ge­macht ein paar der web2.0-diens­te zu ver­lin­ken. den html-block ko­pie­re ich mal, weil er vor­treff­lich il­lus­triert, wie viel web2.0 den exit ge­macht hat.

weiterlesen

Good Luck, Have Fun, Don't Die (2025) gesehen

etwas einfach gestrickt, aber nicht lang­wei­lig. ich hab ja nichts gegen über­kan­di­del­te filme, aber das über­kan­di­del­te in good luck, have fun, don't die ist mir zu flach und geht ins lä­cher­li­che. viele der szenen sind AI-generiert, was satirisch sein soll, aber trotzdem nervt und unlustig ist. ei­gent­lich ist alles eher unlustig.

der ei­gent­li­che witz ist aber — und das ist nur ein ganz milder spoiler — dass die zu­grun­de­lie­gen­de idee des films lautet: die welt ist scheisse — und das ist auch gut so. trotzdem nichts was ich für meine republica session nutzen kann, weil es der film niemals ins pop­kul­tu­rel­le gedächnis schaffen wird. zu belanglos alles.


war­um heißt es ei­gent­lich ma­ni­kü­re und pe­di­kü­re, aber nicht ka­pil­li­kü­re?


abend­essen 07.05.2026

felix schwenzel in gekocht

das war wirk­lich ein­fach: schin­ken, spar­gel, zwie­bel­rin­ge, feta und ein paar to­ma­ten im air­fry­er sta­peln, 14 mi­nu­ten bei 180°C ba­cken, fer­tig. zum ser­vie­ren et­was salz, sehr le­cker.

nach­trag: ver­ges­sen: 4 eier wa­ren auch noch drauf­ge­sta­pelt (ohne scha­le)


ste­phen col­bert hat nur noch ein paar wo­chen, be­vor sei­ne late-night-sen­dung ein­ge­stampft wird. ich fand sei­ne late-night-sen­dung im­mer ganz okay, aber ein fan war ich nie. ge­le­gent­lich stol­per­te ich auf you­tube über sen­dungs­aus­schnit­te, und ge­le­gent­lich war das eben okay. wäh­rend ich von let­ter­man und fer­gu­son nie ge­nug be­kom­men konn­te, reich­ten mir die schnip­sel von col­bert. bei kim­mel fin­de ich das ganz ähn­lich, haut mich meis­tens nicht von den so­cken.

im letz­ten hal­ben jahr war ich all­ge­mein zu­neh­mend ge­nervt von der ver­wurs­tung und läng­li­chen auf­be­rei­tung von trumps schwach­sinn. ich fin­de es na­tür­lich gran­di­os, dass trump so dünn­häu­tig ist, dass er von wit­zen über ihn ge­nervt ist und sich nicht zu scha­de ist, mit sei­nen klei­nen hän­den zu­rück­zu­bo­xen und sei­ne spei­chel­le­cken­den un­ter­ge­be­nen auf col­bert, kim­mel und sonst­wen, der oder die es wagt, sich über ihn lus­tig zu ma­chen, zu het­zen. ich habe kei­ne lust mehr, do­nald trump über­haupt noch auf­merk­sam­keit zu schen­ken.

ich habe ein biss­chen das ge­fühl, dass auf­merk­sam­keit für do­nald trump das ist, was zeit für die grau­en män­ner in momo ist. in mi­cha­el en­des er­zäh­lung kön­nen die grau­en män­ner den men­schen die zeit steh­len, in­dem sie die men­schen da­von über­zeu­gen, zeit spa­ren zu müs­sen. wie die grau­en män­ner mit der zeit macht do­nald trump mit der auf­merk­sam­keit, die er uns stiehlt, nichts be­son­de­res oder sinn­vol­les — aus­ser im ram­pen­licht zu exis­tie­ren und an­de­ren men­schen die lau­ne oder die exis­tenz­grund­la­ge zu zer­stö­ren.

um bei dem bild zu blei­ben: die zeit, die wir durchs spa­ren an die grau­en män­ner ver­lie­ren, hält uns, ge­nau wie die auf­merk­sam­keit, die wir do­nald trump schen­ken, da­von ab, die zeit et­was sinn­vol­lem zu wid­men und un­se­re auf­merk­sam­keit auf et­was kon­struk­ti­ves, schö­nes, sinn­stif­ten­des zu len­ken.

je­den­falls fand ich es sehr wohl­tu­end, ste­phen col­bert da­bei zu­zu­se­hen, wie er ba­rack oba­ma in­ter­viewt und sich von ihm durch oba­mas noch zu er­öff­nen­de pre­si­den­ti­al li­bra­ry cen­ter füh­ren lässt. ex-prä­si­den­ten wer­den mit ab­stand zum amt ja oh­ne­hin im­mer sym­pa­thi­scher, aber oba­ma ist so sym­pa­thisch, dass ich ihn knud­deln möch­te. und ste­phen col­bert ist teil­wei­se wirk­lich wit­zig, so wit­zig, dass ich ein paar­mal laut la­chen muss­te. und auf ge­wis­se wei­se ist das was oba­ma sagt auch er­bau­lich, op­ti­mis­tisch stim­mend und eben nicht voll­ge­so­gen mit der end­zeit- und angst­in­du­zie­ren­den rhe­to­rik der po­pu­lis­ten-fa­schis­ten, die uns seit jah­ren zu­neh­mend auf al­len wahr­neh­mungs­ka­nä­len über­schwemmt. des­halb: col­bert bei oba­ma fand ich se­hens­wert.