dieser artikel wiederholt vieles was ich gelegentlich schon mal aufgeschrieben habe und ist eher technisch. also für die meisten hier mitlesenden sicherlich uninteressant. ich habe aber trotzdem das bedürfnis gehabt, das alles mal aufzuschreiben, sozusagen als quartalsweise bestandsaufnahme.
wenns ums machen, konstruieren, herstellen geht ist das wichtigste: gute werkzeuge. aber gute werkzeuge sind wiederum nichts wert, wenn man keinen plan hat, wenn man nicht weiss, was man mit den werkzeugen herstellen oder formen will. und zu wissen, was man machen will ist wiederum wenig wert, wenn man keinen blick fürs grosse und ganze, für den kontext hat.
wenn ich an meiner eigenen webseite rumbastel bin ich bauherr, architekt, fachingenieur, bauleiter und handwerker in personalunion. als bauherr formuliere ich anforderungen und ziele, als architekt entwickle ich das gesamtkonzept, sollte aber immer auch den blick aufs grosse und ganze haben, also die webseite, aber auch den kontext (das web). als architekt und fachingenieur sollte ich wissen was gerade state of the art ist und wie man einerseits erprobte techniken anwendet und trotzdem hier und da innovativ sein könnte. als handwerker sollte ich die geeigneten werkzeuge, liebe zum handwerk und sorgfalt mitbringen.
natürlich muss man das alles nicht in personalunion machen, die klassische arbeitsteilung funktioniert weiterhin. aber mir macht gerade das basteln an meiner website als generalunternehmer spass. oder genauer, der spass, die interessanz, steckt gerade im prozess, in der langfristigen interaktion der verschiedenen rollen. ich als bauherr habe ständig neue ideen und anforderungen an die webseite. ich als architekt erfahre ständig von neuen techniken, neuen materialien, effizienteren verfahren. der fachingenieur in mir sieht neue best practices, neue testverfahren, neue normen, der bauleiter entdeckt immer wieder neue begabte handwerker oder möglichkeiten readymades einzusetzen.
ich verstehe menschen gut, die einfach einen ort zum ablenkungsfreien schreiben haben wollen und sich eigentlich um nichts anderes kümmern wollen. aber mich fasziniert das ständiges rumbasteln und ausloten der möglichkeiten.
mir fallen beim schreiben ständig dinge ein, die ich vielleicht haben können wollte. fussnoten, verknüfpungsmöglichkeiten, die mir ermöglichen dinge besser zu strukturieren oder sinnvoll zu verknüpfen. möglichkeiten das geschriebene auch zu illustrieren oder, je nach kontext, auch mal anders zu gestalten. bei wiederkehrenden problemen fällt mir beim schrieben, nach dem hundersten stolpern, plötzlich eine lösung ein. oft schreibe ich beiträge um ein technisches feature das mich fasziniert auszuprobieren.
eine webseite wie eine wohnung zu beschreiben ist gar nicht so weit weg von der realität. was man sich bei der planung ausdenkt, funktioniert im alltag und im verlauf der zeit nicht immer so, wie man es mal geplant hat oder sich vorgestellt hat. egal wie viele steckdosen man eingeplant hat, am ende sind es immer zu wenige oder sie sind dann doch an den falschen stellen. nutzung verändert die anforderungen. und der luxus darauf ständig reagieren zu können ist (für mich) sehr befriedigend.
die to-do-liste bei kottke hat bei mir mehrere saiten klingen lassen. einerseits weil sich ein paar der ideen von ihm mit meinen decken und andererseits weil er hemmungslos grosse und kleine to-dos auf eine liste setzt. und:
some of the projects and site tweaks I most want to make aren’t even on my list. They live only in my head and I mull them over in the shower or while walking until they’re “done” enough to start working on.
egal wie doll ich versuche strukturiert zu planen und aufzuschreiben was ich mit dieser webseite machen will, ein grossteil der ideen will meinen kopf nicht verlassen bevor sie einen gewissen reifegrad erreicht haben. solange schwirren sie zuverlässig in meinem hinterkopf herum.
im folgenden ein paar der dinge die es im letzten jahr aus meinem kopf auf die webseite geschafft haben. danach ein paar dinge die es aus meinem kopf in eine liste geschafft haben.
syndikation
eine dieser ideen oder eher eine der fragen die jahrelang in meinem kopf herumschwirrte war: wie gehe ich mit instagram um? einerseits find ich meta doof und verstehe instagram nicht mehr wirklich, andererseits gibt es dort immer noch einige leute die sich offensichtlich über fotos von mir freuen und sich dort gerne herumtreiben. aber weil instagram in den letzten jahren alle schotten abgedichtet hat und es unmöglich gemacht hat von dort kopien der eigenen posts für die eigene webseite zu ziehen, wurde das posten dort zu einem mühseligen manuellen prozess. bis mir irgenwann einfiel, dass man dort mit einem „pro“-account auch programatisch posten kann. seitdem schiebe ich instagram-posts einfach von meinem kirby-backend per knopfdruck an, kopiere also von hier nach da. damit bleiben erstmal alle metadaten und originale bei mir. instagram bekommt ne kopie.
genauso mache ich es mit grain, fotos oder foto-serien schiebe ich selektiv von wirres.net zu grain. grain ist übrigens einer der wenigen #ATproto-dienste, die mein interesse seit meiner kurzen euphoriephase halten konnten. den ATproto-standard-reader, in dem ich kurzzeitig einen potenziellen nachfolger des google-readers gesehen habe, finde ich nach wie vor interessant, nutze ihn aber kaum noch. auch weil er (noch) so langsam werkelt, dass es die benutzbarkeit und den bedienungsspass stark einschränkt. aber grain ist toll, so wie früher mal instagram war: leute und deren fotos, umgekehrt chronologisch sortiert. fertig.
mittlerweile bekomme ich teilweise bei grain (17 follower) genauso viele ♥️ wie auf instagram (942 follower). fürs gleiche bild. absurd. daran sieht man wie abgefuckt instagram mittlerweile ist.
nicht sichtbares design
roman jasiek schreibt, dass er sich gerne in viele kleine details reinsteigert, „die vermutlich kaum jemand bewusst wahrnimmt“. das geht mir auch so.
zum beispiel ziehe ich anführungszeichen in der ersten zeile einer überschrift oder eines absatzes ein stückchen ein, so dass der text sich nach dem text ausrichtet und nicht nach dem satzzeichen. ich gehe davon aus, dass sowas ausser mir niemand sieht. aber mich macht sowas froh.
silbentrennung mit bedingten trennstrichen (soft hyphens). alle texte werden html-seitig bereits mit ­ an den stellen die trennbar sind ausgeliefert, so dass browser dann (relativ) zuverlässig den text trennen können. das nervt zwar beim kopieren von text, weil die soft-hyphens mitkopiert werden, aber wer mich unbedingt zitieren oder teile meiner texte kopieren will, kann jederzeit auf die markdow-version wechseln.
oder XLS-dateien, mit denen mal xml-dateien gestalten und strukturiert darstellen kann. das OPML-gedöns, das ich von matthias pfefferle übernommen habe, stylt die OPML-XML-dateien zum beispiel mit so einer XLS-datei (beispiel bei matthias oder hier). diese woche bin ich via kottkes-RSS-feed drauf gekommen, dass man das auch mit RSS (oder atom) machen kann. also hab ichs auch gemcht: /feed oder /feed/bilder. später hab ich gesehen, matthias macht das (natürlich) auch: notiz.blog/feed/. wer das rohe xml sehen will kann immer noch den quellcode ansehen. aber eigentlich sieht das alles eh keiner.
endmarken bei spiegel.de und wirres.metendmarken bei spiegel.de und wirres.met
ein like-button kann auch eine endmarke sein. bis ich drauf gekommen bin, dass ich auch das was der spiegel am ende seiner texte macht auch machen kann, sind ungefähr 12 monate vergangen. jetzt bin sehr zufrieden, dass der „like“ button nicht mehr irgendwo rumhängt, sondern seinen platz am textende hat. unsichtbar ist er zwar nicht, aber so obskur, dass er wohl in 90 prozent der fälle ignoriert wird. und jetzt bekommt man auch eine visuelle belohnung, wenn man drauf klickt.
ich habe eine rückseite und artikel-beilagen, weil ich die vorderseite möglichst — nun ja — minimalistisch halten will. ich finde seitenleisten und widgets zwar praktisch, aber eigentlich sind sie auch quatsch, weil das web heutzutage vornehmlich mobil stattfindet und da seitenleisten und widgets nicht auf den bildschirm passen auf taschenrechnern ans seitenende rutschen. ich mag die idee ausschliesslich den eigentlichen beitrag zu zeigen, mit den wichtigsten meta-informationen. da wo ich mich durchgerungen habe zusatzinfos auf den vorderseiten anzuzeigen (kommentare, backlinks, reaktionen-zähler), kann man sie auch zuklappen mit dem ▶, bzw. ▼ — was dann auch im browser gespeichert wird.
auch nicht offensichtlich, also quasi unsichtbar: wenn man auf bilder klickt, geht eine lightbox mit dem bild auf mit der man das bild vergrössern kann, wenn man will. und mit den pfeiltasten (desktop) oder wischend (mobil) kann man dann alle bilder auf der seite durchscrollen, dank prefetching in einem affenzahn. selbst mache ich das gelegentlich sehr gerne auf meiner bilder-übersicht, quasi meinem instagramersatz.
live fotos sind nicht unsichtbar, aber im besten fall sind sie ein foto mit einer subtilen bewegung, so wie hier zum beispiel. bisher habe ich ive-fotos in einem langen manuellen prozess verarbeitet: airdrop des live fotos auf meinen laptop (kommt als .mov an), ein web-optimiertes .mp4 und poster .jpg mit pixelmator und mediaCMS erstellen, mit einem batch-script ein fallback .gif erstellen und dann diese drei dateien im backend hochladen und konfigurieren. nachdem ich diesen prozess über 12 monate optimiert habe, hab ich mir einen kirby-block schreiben lassen, der das alles automatisiert. jetzt muss ich nur noch den geairdroppten .mov hochladen, den rest erledigt kirby serverseits.
optimierungen
pagespeed.web.dev ist von google, aber trotzdem ein unverzichtbares werkzeug. ein paar optimierungsvorschläge schlage ich konsequent in den wind, deshalb der punktabzug bei der barrierefreiheit und im mobilen bereich. aber wenn ich an der webseite rumfummel, schleichen sich unweigerlich gelegentlich fehler ein. vieles davon entdecke ich dann mit hilfe der PageSpeed Insights. das werkzeug hält mich quasi auf dem stand der aktuellen best practices. die optimierungen die aus solchen besuchen resultieren kommen auch nicht nur google zugute, sondern jedem besuchenden, sei es eine maschine oder ein mensch.
auch das habe ich schon öfter geschrieben, aber es ist und bleibt eins meiner lieblingsthemen: optimierung auf maschinenlesbarkeit. auch hier ist meine motivation nicht primär eine optimierung für google, sondern eben für alle. wer eins meiner rezepte in eine rezeptverwaltung wirft, sollte ein gutes resultat bekommen. wer will kann die rezepte sogar in melaabonnieren. bing, kagi, perplexity können alle auf die strukturierten daten zugreifen die ich hier an meine beiträge hänge. aber soweit ich das mitbekomme, macht derzeit eigentlich nur google davon gebrauch. ich mag was dabei teilweise rauskommt.
zur optimierung gehört auch darauf zu achten, dass die seite auch ohne css und js funktioniert. das kontrolliere ich auch gelegentlich und versuche die gröbsten fehler wegzuoptimieren, wenn ich welche finde. das würdevolle kaputtgehen oder in webdev-sprech: „graceful degradation“ ist eine der wichtigsten lektionen aus meinem architekturstudium und dem rumwüten in webdesgn-sphären. auch in meiner schreiner ausbildung versuchte ich so zu bauen, dass meine arbeiten auch nach einem einen schlag mit nem hammer noch gut aussehen. mauerwerk altert würdiger als vorhangfassaden, ein massivholztisch würdiger als ein spanplatten-tisch mit dünnen, aufgeleimten furnierkanten. die liste kann man unendlich weiterführen: putz / tapete, geöltes holz / lackiertes holz, parkett / laminat, terrazzo / laminat, verschraubt / verklebt, …
css optimieren, verschlanken und pflegeleichter machen
eine idee, die ich auf einem der letzten spaziergänge hatte: bookmarkvorschläge per webmention annehmen. auf indiewebnews kann man einen link zur eigenen seite posten, indem man erstens auf indiewebnews linkt und zweitens einen u-syndication-link anlegt. wenn man dann einen webmention sendet, landet ein link auf die eigene seite auf indiewebnews. so könnten mir auch andere ins-internet-schreibende links in die lesezeichensammlung legen.
diese markdown checklisten (* [ ]) im frontend korrekt rendern.
ein buch schreiben
mehr bücher lesen
ein strukturiertes, regelmässiges changelog schreiben
ein manifest schreiben, in dem alle features dieser webseite generisch beschrieben sind und nach dem man diese webseite feature-complete nachbauen könnte. würde wahrscheinlich hunderte seiten lang werden und werde ich nie machen. aber ich hätte so ein manifest gerne für mein altes wirres.net gehabt, dass ich vor anderthalb jahren nach kirby migrierte. es hat mich immer wieder selbst erstaunt wie viele unsichtbare und sichtbare features ich da über die jahre eingebaut hatte. und ich habe nach anderthalb jahren immer noch nicht alles rekonstruiert.
isso-kommentare auch ohne javascript zugänglich machen
überschriften und absätze mit sprungmarken versehen (bei mouseover: #). sieht vielleicht komisch aus und niemand weiss wozu es dient, gehört aber auf die to-do-liste.
anzeige im footer in welcher stadt ich gerade bin. kann stimmen, muss aber nicht, steuerung von meinem handy.
heute früh dann mit der U6 und ersatzverkehr nach alt tegel und dann 6 kilometer am see lang gelaufen. mit dem 222er zurück nach alt tegel und dann wieder U6.
klaas heufer-umlauf ist ein ziemlich guter schauspieler. und das video ist durchgehend witzig, obwohl der witz nach 3 minuten eigentlich durch ist.
die aktuelle videoreihe von tom scott gefällt mir gut. er reist durch england, besucht interessante orte und schneidet daraus ein video. hier: das einzig verbliebene gemauerte zirkuszelt mit dem extra eines pools in der manege.
die schnitte und illustrationen in diesem video nerven, aber für mein architektenherz gab es hier viel futter. das video hat dami lee sehr geschickt mehr oder weniger um dieses wilian gibson zitat gebaut:
Cyberspace is a consensual hallucination.
I love all of these little people. The Warsaw one reminds me somewhat of Rocky from Project Hail Mary. Some of the ones from smaller places have more personality, but I feel like the New York and Boston ones are my favorites aesthetically. Weirdly, the iconic German Ampelmännchen isn’t among the crowd here.
im wikipedia-artikel sieht man, dass der designer des ost-ampelmännchens (karl peglau) auch einen (auto) ampel-entwurf gemacht hat, der sich aber offensichtlich nicht durchsetzte.
interessant. ein hashtag-aggregator den man per webmention anpingt und der dann die mentions listet. finde ich gut, muss mal drüber nachdenken ob und wie ich das integriere.
das ist wirklich toll. sand unter dem mikroskop. besser als schneeflocken. auch schön das via: auf culdesac.site kann man sich zu zufälligen seiten schicken lassen. ich habs erstmal bei einer gelassen, weil ich auf magnifiedsand.com dann so lange festhing.
thomas weist auf die zdf-mediathek hin, um dort die inside CDU-doku zu sehen. guck ich aber nicht. ich hab auch schon the office oder stromberg nicht ertragen. und andererseits denk ich auch immer: kann man alles peinlich finden und wie ein politiker fordern es besser zu machen. aber besser wäre vielleicht auch zu sagen: wie. oder zeigen wie.
Wer [beim Politikmachen] keine peinliche Figur macht, wenn ihm fortwährend ein Mikro vor die Nase gehalten wird, ist herzlich dazu eingeladen, den Job selbst zu übernehmen. So geht Demokratie. Vielleicht kann es das gegenwärtige Personal wirklich nicht. Das kommende Personal, so viel ist sicher, wird es nicht einmal wollen.
heute eine erwachsene frau auf einem erwachsenen-fahrrad mit stützrädern gesehen. und eine andere frau auf dem urnenfriedhof an der seestrasse, die mit zwei katzen gassi ging. eine der katzen war an einer langen schleppleine, die andere lief frei und hielt immer 10-20 meter abstand zur frau und der anderen katze. sie sass mehr oder weniger die ganze zeit auf dem boden oder auf grabsteinen und beobachtete ihre menschenfrau beim abschreiten des friedhofs.
heute zum ersten mal verstanden, dass finn tatsächlich eine autovermietung ist und keine eltern, die den namen ihres kindes aufs auto geklebt haben. einerseits ist finn ein geschickterer name als miles, andererseits ist die verwechslungsgefahr gross, wenn jetzt eine andere autovermietung auf die idee kommt sich luca, noah oder felix zu nennen.
ansonsten hat frida heute früh einen fuchs gejagt. beim fuchs habe ich nicht schnell genug reagiert. aber als vor uns ein eichhörnchen rumsprang, war ich schnell genug und trotz bereits durchdrehender räder an der hinterachse konnte ich frida mit einem einfachen „nein!“ stoppen. möglicherweise hatte ich deshalb den ganzen tag gute laune, trotz des fuchs-incident.
beim nachmittagsspaziergang über das abendessen nachgedacht und auf die idee gekommen mit dem alt werdenden blumenkohl im kühlschrank mal das prinzip dehydrieren/rehydrieren auszuprobieren. also den blumenkohl in kleine röschen zerteilt, eingefettet und 20 minuten im airfryer dehydriert und geröstet. währenddessen aus zwiebeln, karotten und spitzkohl mit roter fertig-curry-paste und kokosmilch ein curry hingeköchelt und dadrin dann den dehydrierten blumenkohl 10 minuten rehydriert. das war sehr lecker und brauchte noch nicht mal sojasauce um unmengen umami bereitzustellen. leider ausversehen aufgegessen, statt mir die hälfte fürs frühstück übrig zu lassen.
christoph hat sein 13 jahre altes tagebuch von einem 22 tage langen USA roadtrip in sein blog übertragen. ich habe das sehr gerne gelesen und die fotos sind grandios.
die beifahrerin brauchte heute comfort food, deshalb hab ich heute wieder frittiert und krautsalat gemacht.
beim morgenspaziergang mein handy vergessen, war trotzdem gut.
es ist sonntag abend und ich bin im gegenteil zu normalen sonntag abenden extrem gut gelaunt. obwohl morgen montag ist, habe ich noch 6 sonntage und einen samstag vor mir. urlaub ist toll.
ich sitze hier und denke nach was ich heute gemacht habe und mir fällt nichts ein. ok, sendung mit der maus geguckt, morgenspaziergang, mittagsschlaf, in der küche das silikon zwischen arbeitsplatte und kacheln erneuert. aber sonst? nix. toll. kann ich auch nix schreiben.
ich bin grosser fan staatlicher regulierung. die grossen krisen, die uns gegenüberstehen oder auf uns zukommen, lösen wir nicht allein durch individuelle umstellung unserer lebensweise. es ist lobenswert, das auto stehen zu lassen (am besten gleich beim autohändler, vor dem kauf) und das fahrrad zu benutzen. aber der ausbau von fahrradwegen, der umbau unserer städte zu menschenfreundlichen statt autofreundlichen lebensräumen ist eine politische und gesellschaftliche aufgabe. genau wie die umstellung der energieversorgung auf erneuerbare energiequellen, um unsere abhängigkeit von fossilen energiequellen und schurkenstaaten zu reduzieren, oder die reduzierung zum beispiel von verpackungsmüll. fast 60 jahre jute statt plastik haben den verpackungsmüll kaum reduziert, genauso wie schaufensterpolitische stunts wie der grüne punkt oder trittins pfandgedöns.
es gibt unmengen brennender fragen (im wahrsten sinn des wortes) und krisen, die wir politisch lösen müssen. das ist kompliziert und funktioniert nicht immer im ersten wurf, aber anders als mit staatlicher, gesellschaftlicher regulierung, also gesetzen und regeln für alle, kommen wir da nicht weiter.
andererseits gibt es regulierungen, die von anfang an zum scheitern verurteilt sind, also nachgewiesenermassen nicht funktionieren. das sind vor allem jugendschutzregeln und betäubungsmittelverbote. alles, was solche regulierungen bewirken, sind gewisse reibungsverluste bzw. leichte schwierigkeiten bei der beschaffung. wer trinken, kiffen oder rauchen will, egal wie alt er ist, egal wie legal, illegal oder teuer die beschaffung ist, findet wege. auch das social-media-verbot in australien wirkt so gut wie gar nicht:
Die bisherigen Daten zeigen, dass das australische Social-Media-Mindestalter die Nutzung durch Unter-16-Jährige bislang nur begrenzt reduziert hat und die Altersbeschränkungen in großem Umfang umgangen werden.
natürlich bin ich der meinung, dass wir staatliche regulierung von social media und tech-plattformen brauchen, aber eben für alle. dark patterns, suchtfördernde designmuster oder moderationsdefizite auf öffentlich zugänglichen plattformen müssen genau wie schädliche substanzen oder gesundheitsgefährdende produkte reguliert oder mit regulatorischen mitteln so verteuert werden, dass sie sich für die betreiber weniger lohnen.
aber das mit dem jugendschutz allein durch verbote können wir uns abschminken. oder weniger polemisch formuliert: regulierung sollte nicht bei den nutzenden ansetzen, sondern bei den angeboten und anbietern. und die beste jugendschutzgrundlage ist immer noch, jugendliche dabei zu unterstützen, stark, autonom und selbstständig werden zu können. nicht vornehmlich die jugend vor potenziellen gefahren und risiken schützen, sondern ihnen das rüstzeug an die hand geben, um mit den risiken umzugehen oder sie zu vermeiden.
ich habe grosses vertrauen in die jugend. nicht weil ich zu einem milden onkel geworden bin, sondern weil ich selbst mal jugendlicher war und mich daran erinnere, dass ich meinen eltern dankbar bin, dass sie mich dumme fehler haben machen lassen und ich mir selbst aussuchen konnte, welche risiken ich eingehen wollte. ich hatte zum beispiel keine zeit, zu der ich am wochenende spätestens zu hause sein musste, solange ich montagmorgens in einem akzeptablen zustand zur schule ging.
regulierung, die verantwortung von der gesellschaft auf den einzelnen verschiebt und das dann jugendschutz nennt, nervt mich. genauso wie leute, die jungen menschen kein vertrauen schenken und unter dem deckmantel des jugendschutzes entscheidungen für sie treffen wollen. leute, die jugendliche für narzisstisch, fast-food-, nikotin-, spiel-, porno-, gadget-, aufmerksamkeits- oder konformitätssüchtig halten, haben mich schon als jugendlicher genervt. und sie nerven mich immer noch. insbesondere wenn ich ausgerechnet auf netzpolitik kolumnen wie diese von ihnen lesen muss.
Statt die eigene Persönlichkeit auszudrücken, etikettieren Nutzer:innen alles, was sie tun und was sie sind, mit einem der zahllosen Labels, die über ihre Bildschirme fliegen. Dabei passen sie sich allzu geschmeidig wöchentlich wechselnden Trends an. Sie schreiben über sich selbst, ohne etwas über sich auszusagen.
Social-Media-Trends bestimmen, was Menschen über sich selbst sagen, wie sie sich kleiden und welche Musik sie hören, nicht aber das eigene Interesse oder der eigene Geschmack. So verschwinden sie im Gleichstrom der Clean-Girl-Ästhetik oder in Cowboystiefeln und Miniröcken in irgendeiner Bar. Chic.
was für ein quatsch. diese kolumne hätte genauso gut vor 20, 30, 40 oder 60 jahren erscheinen können. dann hätte man statt von social-media-plattformen von massenmedien oder medienkonglomeraten geredet. oder statt tech-bros hätte man zeitungsbarone, rechtskonservative medienmogule, medien- oder studiobosse gesagt. die „gleichschaltung“ von geschmack, trends und moden wäre dann statt von „grossen techplattformen“ aus zeitungen, zeitschriften, film und fernsehen „diktiert“ worden. davor waren es weltliche und kirchenfürsten, die uns in die „konformität“ drängen wollten.
alles, was carla siepmann hier über trends, mode, konformität, individualität und darüber, wie „die jugend“ damit umgeht, schreibt, wird seit jahrhunderten genauso über „die jugend“ geschrieben. in der regel sind das allerdings alte, weisse männer, die der jugend fehlende stärke, schwache persönlichkeiten oder einen mangel an autonomie, willen und individualität vorwerfen.
jannis schakarian hält fest, was der psychologe peter gray über die „Diskussion um Social Media und mögliche Auswirkung auf Teenager und Kinder [die zum Großteil durch] den Bestseller „The Anxious Generation“ von Jonathan Haidt bestimmt [wurde]“ zu sagen hat.
Peter Gray sagt, dass sich der Anstieg von Anxiety und Suizidzahlen eher durch gestiegenem schulischen Druck in den USA erklären ließe. Insbesondere führt er an, dass seit den 1980er-Jahren die Selbstständigkeit von Kindern immer weiter eingeschränkt wurde und das fehlen von freiem, unstrukturiertem Spiel deren Resilienz schadet. Während früher Kinder unbeaufsichtigt miteinander spielten, ist das heute seltener geworden. Darin sind sich Haidt und Gray sogar einig.
der artikel ist schon neun tage alt, ich hab ihn aber erst jetzt in meinem feedreader gesehen.
ich habe mir mads pankows buch „die wahrscheinliche wahrheit“ auf der verlagsseite gekauft, nachdem er mich zu seiner buchvorstellung einlud, und gleich angefangen darin zu lesen. bis zur buchvorstellung hatte ich die hälfte durch. mir gefiel mads pankows art zu schreiben von der ersten seite an. er schreibt verständlich und nachvollziehbar und an keiner stelle fühlt man sich überfordert oder irritiert1. ich habe bei vielen autoren das ungute gefühl, dass sie komplexe sachverhalte absichtlich kompliziert aufschreiben und das als distinktionsmerkmal sehen. vielleicht weil sie glauben, dass sie dann besonders intelligent wirken. bei mads pankow hatte ich dieses gefühl nicht ein einziges mal. es scheint ihm nicht wichtig zu sein, intelligent zu wirken, sondern es scheint ihm wichtig, verständlich zu schreiben. dazu kommt eine unaufgeregtheit und sachlichkeit, die ich bei den meisten texten über künstliche intelligenz in den letzten monaten immer wieder vermisst habe.
auch wenn der untertitel des buchs
Wie KI unsere Wirklichkeit, Moral und Gesellschaft neu berechnet
lautet, ist das buch nicht wirklich über künstliche intelligenz. es ist ein buch über relativität, die relativität von wahrheit — oder die geschichte und zukunft der wahrheit.
ich habe über das thema seit jahren auch (relativ) intensiv nachgedacht. 2015 stellte ich als teilfazit eines republica-vortrags die steile these auf, dass die wahrheit immer ein kompromiss oder relativ sei. das ist so zusammenhangslos ein sehr missverständlicher satz, und auch wenn ich später präzisierte, dass es mir darum ging, der sogenannten „wahrheit“ immer differenziert, skeptisch und mit demut zu begegnen. vor allem deshalb, weil die wahrheit — die welt — unserer wahrnehmung nicht vollumfänglich zugänglich ist.
ich habe mich gefreut, bei mads pankow ähnliche thesen zu lesen, die aber um ein vielfaches eleganter und solider begründet sind als mein rumgeeiere vor 11 jahren. hier zum beispiel über die „pragmatische wahrheit“ und eine „alte These des Konstruktivismus“:
Die Welt weiß nichts von unseren Beschreibungen und Theorien. Sie bleibt letztlich unzugänglich. Eine letzte Wahrheit gibt es nicht, nur bessere und schlechtere Modelle. Wahr ist, was funktioniert, Prognosen erlaubt.
mads pankow ordnet die verschiedenen ausprägungen von wahrheit in die mediengeschichte ein. mündlichkeit, schrift und buchdruck haben je eigene massstäbe dafür gesetzt, was als wahr, belegbar und allgemeinverbindlich gilt. soziale medien und neuerdings „probabilistische maschinen“ (wie mads pankow KI oft nennt2), relativieren unseren wahrheitsbegriff noch einmal.
EINE KLEINE GESCHICHTE DER WAHRHEIT
Neue Kommunikationstechnologien verändern die Art und Weise, wie wir die Welt beschreiben und verstehen. Mit der Schrift setzte sich die lineare Argumentation durch und erforderte eine Ordnung der Wirklichkeit in Kategorien und Regeln. Der Buchdruck vervielfältigte nicht nur Texte, sondern auch Perspektiven – und schuf damit einen öffentlichen Diskurs, in dem Wahrheiten um Gültigkeit konkurrieren. Mit den digitalen Technologien entstehen nun zwei neue Wissensordnungen: die gefühlsbezogene der sozialen Medien und die wahrscheinlichkeitsbasierte der Künstlichen Intelligenz.
wie gesagt, mads pankow leitet seine mediengeschichte der wahrheit gut lesbar und nachvollziehbar her, und das zu lesen hat mir grosses vergnügen bereitet. er verzichtet auf jargon und nutzt fremdworte nur, wenn es wirklich nötig ist oder passt. ich lese zu ähnlichen themen auch sehr gerne die texte von michael seemann (zum beispiel diesen), aber gerade der kontrast zu seemanns texten macht deutlich, welche mühe sich pankow macht, sein buch auch nicht-insidern zugänglich zu machen. er setzt nichts voraus, man muss kein wissen über cartesianismus, anthropomorphismus oder relationalen materialismus mitbringen, aber man merkt, dass pankow das wissen mitbringt. aber statt es dem leser ins gesicht zu klatschen, packt er es in die anmerkungen und läuft die extra meile, bleibt im deutschen, definiert begriffe, bevor er sie benutzt, deutet nicht an, sondern formuliert aus. aber er vereinfacht auch nicht so weit, dass die differenzierung und präzision verloren gehen. das eine oder andere wissenhäppchen hatte ich bei der lektüre schon intus und immer wenn ich beim lesen mal kurz dachte, dass eine erklärung zu kurz griff, differenzierte pankow ein paar sätze später.
das buch ist ein medien- und gesellschaftstheoretischer essay, der mich thematisch stark an meine lektüre von vor 40 jahren von neil postmans „wir amüsieren uns zu tode“ erinnert. aber ohne den ganzen pessimismus und die technophobie. die wahrscheinliche wahrheit sprudelt im kontrast nur so vor optimismus und dem glauben, dass wir als gesellschaft die herausforderungen der neuen medien und probabilistischen maschinen schon meistern und die chancen ergreifen werden — obwohl „sprudelnder optimismus“ vielleicht etwas übertrieben ist. immerhin lautet das fazit des buchs: „Die Medienkatastrophe“. aber wie ein guter optimist sieht er das glas weder als halb voll noch als halb leer an, sondern als glas, das man füllen kann. die katastrophe sieht er als gestaltbar an, vom kulturpessimismus lässt er die finger.
so solide mir seine kulturtheorie der wahrheit vorkam, scheint mir der zweite teil des buches auf weicheren, hypothetischen füssen zu stehen. oder umgekehrt, vielleicht war ich auch einfach vom zweiten teil überfordert. aber das ist wohl weniger mads pankows schuld, als die komplexität der herausforderungen vor die uns diese neuen probabilistischen systeme stellen, die uns gerade von den technologie-unternehmen übergestülpt3 werden.
die verwerfungen der sozialen medien, die uns gerade mal 20 jahre begleiten, ziehen gerade in unsere parlamente ein. den umgang mit diesen affektiven wahrheiten haben unsere gesellschaften noch nicht mal im ansatz gemeistert — und schon drohen die wahrscheinlichkeitsbasierten medien die gesellschaftliche ordnung nochmal in ihren grundfesten zu erschüttern. mads pankow sieht chancen in der katastrophe und hält sie für gestalbar. ich frage mich, ob die gestaltung mehr zeit braucht, als der fortschritts-takt uns derzeit lässt und ob wir diesen takt mit etwas mehr fortschrittpessimismus und regulierung ausbremsen sollten.
so oder so brauchen wir mehr denkarbeit zum gesellschaftlichen wandel in den uns der rasende technologische fortschritt so oder so schleudert. und im constantin seibt’schen sinne4 liefert mads pankow auf 284 seiten 5 unmengen an denkarbeit zum weiterdenken.
was mich ein bisschen irritierte war mads pankows nutzung des generischen maskulinum und femininum und der klassischen dopplung (autorinnen und autoren, bürgerrinnen und bürger). auch wenn die dopplung das häufigste mittel ist, pendelt der text wild zwischen doppelung, maskulinum und femininum. ↑︎
siehe jeremy keith: „The majority consensus amongst actual regular people is that this is being forced down our throats and stuffed into our eyes and ears.“ ↑︎
constantin seibt über komprimierte zeit: „Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.“ quelle: tagesanzeiger.ch/deadline (in 404 versiegt) ↑︎
in meinem e-book reader waren es 936 seiten ↑︎
heute ein bisschen planlos in meiner website rumgeklickt und mich dabei gefragt, was der unterschied zwischen den kategorien „ix über wirres“ und „über wirres“ sein könnte. meine entscheidungen von vor zehn, drei jahren, manchmal auch die von vor zehn oder zwei tagen, sind für mich selbst nicht immer klar nachvollziehbar. die antwort lautet wahrscheinlich, dass ich die kategorie „ix über wirres“ in die andere überführen sollte. jedenfalls bin ich dann wieder auf den elf jahre alten artikel mit dem titel „20 jahre ins internet linken“ gelandet und von dort auf den artikel „Wie ich das Bloggen erfand“ von tim cole. dort beschreibt tim cole, wie er 1995 anfing zu bloggen.
unter dem beitrag stand ein kommentar von benedikt koehler, der damals metaroll.de betrieb und dort unter anderem eine „Geschichte der deutschen Blogoshäre“ als zeitstrahl pflegte. die originaladresse der seite ergibt schon lange 404, die kopie auf archive.org funktioniert wegen javascript-fehlern nicht mehr.
also dachte ich mir: „schade!“ und ob ich das nicht mal schnell rüberkopieren könnte und wieder zum laufen bringen könnte. mit etwas hilfe ging das ganz schnell, auch die alte SIMILE javascript-bibliothek, die den zeitstrahl baut, funktionierte noch:
dann fragte ich mich, ob vielleicht ne modernere bibliothek zur darstellung eines zeitstrahls gibt und die gibts offensichtlich mit vis-timeline:
die bloghistory quelldatei die benedikt koehler damals zusammengetragen hat habe ich unverändert gelassen, ausser dass ich zwei einträge hinzugefügt und einen verschoben habe:
time cole führt die timeline mit dem 4. januar 1995 an
den beginn von wirres.net habe auf den 20. april 2002 verschoben, aber dafür
ix.editthispage.com auf den 1. juli 2000 gehoben (wo vorher, in benedikts version, wirres.net stand)
dann habe ich ein bisschen auf dem zeitstrahl rumgeklickt und war einerseits nicht überrascht, wie viele der blogs verstorben sind und andererseits doch überrascht.
Das Meer ist angefüllt mit Wasser und unten ist’s besonders tief, am Strande dieses Meeres sass er, d.h. er lag, weil er ja schlief.
Und nochmal: Am Meere sass er, d.h. er lag, weil er ja schlief, und in dem Meer war sehr viel Wasser und unten war’s besonders tief.
Da plötzlich teilten sich die Fluten und eine Jungfrau kam herfür, auf einer Flöte tat sie tuten, das war kein schöner Zug von ihr.
Dem Fischer ging das Lied zu Herzen, obwohl sie falsche Töne pfoff --- man sah ihn in das Wasser sterzen, dann ging er unter und ersoff.
ich ab mich dann allerdings gefragt, ob erhardt wirklich „d.h.“ und „---“ verwendet haben könnte und googelte/sterzte dem gedicht nach, bis ich einen (relativ neuen) abdruck in buchform (seite 24) fand. also nochmal neu setzen:
Der Fischer
(Frei nach Johann Sebastian Goethe)
Das Meer ist angefüllt mit Wasser und unten ist’s besonders tief, am Strande dieses Meeres saß er, d. h., er lag, weil er ja schlief. Und nun noch mal: Am Meere saß er, d. h., er lag, weil er ja schlief, und in dem Meer war sehr viel Wasser und unten war’s besonders tief.
Da plötzlich teilten sich die Fluten und eine Jungfrau kam herfür, auf einer Flöte tat sie tuten, das war kein schöner Zug von ihr. Dem Fischer ging das Lied zu Herzen, obwohl sie falsche Töne pfoff – – – man sah ihn in das Wasser sterzen, dann ging er unter und ersoff.
für den morgenspaziergang sind frida und ich heute mit der sbahn nach frohnau gefahren und von dort durch frohnau und den tegeler forst zurück nach tegel gelaufen.
die apple watch hat insgesamt 8,8 km und fast 10.000 schritte aufgezeichnet, nach dem spaziergang hat frida bis 16:30 geschlafen. ich vermute es ist für sie um ein vielfaches anstrengender an der kurzen leine zu gehen als im freilauf zu schnüffeln, zu stöbern und jägerin zu spielen. wenn sie wie heute im wald durchgehend an der kurzen leine ist und sich auf mich konzentrieren muss, dürfte das sehr anstrengend sein. auf der rückfahrt im bus an einem wahlkampfplakat vorbeigekommen das zwar als CDU plakat zu erkennen war, aber sich trotzdem das CDU-logo sparte, bzw. das mit 80% transparenz in der oberen, rechten ecke versteckte.
ich frage mich ja, ob die linken das auf die rückseiten aller CDU-wahlplakate geschrieben haben und diese unterschwellige botschaft der grund für die vielen stimmen für die linken war.
manchmal hilft auch „gutes deutsch“ nicht um eine chance zu haben. oder andersrum: egal wir gut und obercheckermässig das deutsch ist, wenn sich worte und versprechen nicht mit taten decken, hat man offenbar nicht so gute chancen.
aus der abteilung quod licet iovi, non licet bovi. friedrich merz von 2 ½ jahren.
urlaub zu haben gefällt mir erwartungsgemäss sehr gut. die letzten arbeits-wochen waren ziemlich anstrengend und es gelang mir nicht mehr so gut die arbeit nach feierabend hinter mir zu lassen. ich habe mich in den letzten wochen mehrfach dabei erwischt, wie ich beim einschlafen über arbeitsthemen nachdachte oder sie in gedanken versuchte zu strukturieren. deshalb tut es gut beim einschlafen, träumen oder unter der dusche über meine eigenen themen und probleme nachzudenken.
auch schön, hunde dürfen jetzt bei ikeamit einkaufen gehen. weil die beifahrerin ein paar sachen brauchte, haben frida und ich das gleich mal ausprobiert. ging gut, auch wenn sie gelegentlich quakte, wenn ich mir sachen zu lange ansah. aus der ikea-smarthome-abteilung reizte mich nicht zu einem spontankauf, aber eine edelstahlpfanne wollte ich doch mal ausprobieren. ich habe jetzt so viele koch-youtube-videos gesehen, dass ich reif dafür war. gleich ausprobiert und da klebt tatsächlich nix fest, wenn man sie vorher ordentlich aufheizt (leidenfrost-test). und wie erfrischend es ist mit metallwerkzeugen in der pfanne hantieren zu können. die beschichteten pfannen und töpfe fliegen in den nächsten tage alle raus und frida und ich werden nochmal zu ikea fahren.
meine mittlerweile über 9 monate dauernde auswertung/logging meines medienkonsums hat ergeben, dass ich pro tag im schnitt fast um die zwei stunden vor der glotze hänge. heute hab ich mir einen neuen trick beigebracht. auf dem sofa sitzen und statt auf dem laptop bewegtbilder mit ton zu schauen, hab ich mir den taschenrechner vors gesicht gehalten und dort ein buch zuende gelesen, das erste seit einigen jahren. ich habe in den letzten jahren zwar ein paar bücher gelesen, aber keins zuende.
andererseits, wenn bücher CDs wären, hätte ich seit einigen jahren keine CD mehr gehört. was aber eben nicht bedeutet, dass ich keine musik gehört hätte. die frage stell ich mir öfter: sind bücher nicht einfach sorgfältig geschriebene und zusammengestellte artikel? bis markusein buch geschrieben hatte, wusste ich mit dem begriff novelle nicht viel anzufangen. weil markus sein much aber immer „novelle“ nennt, ist mir der begriff jetzt geläufig, bzw. ich weiss, dass es ein relativ kurzes buch ist, dessen kapitel auch als artikel-serie in einem blog erscheinen könnte. dann könnte man die texte aber nicht so einfach verkaufen und es würden keine kritiken erscheinen. kritiker schreiben keine blog-kritiken, sie bemüssigen sich nur bei büchern sie zu durchzulesen und danach zu bewerten.
sachbücher dienen, ähnlich wie blogs, auch dazu den autoren oder die autorin als experten oder expertin zu identifizieren. aber sachbücher funktionieren besser um einladungen zu vorträgen oder diskussions- oder expertenrunden zu bekommen. auf der republica ist gefühlt die hälfte der vortragenden auf promo für ihr neuestes buch.
ein weiterer grund ein buch zu veröffentlichen, statt eine webseite oder blog zu veröffentlichen, sind rankings. blog- oder webseiten-rankings nimmt niemand mehr ernst und abgesehen daon gibt es sie eigentlich auch gar nicht mehr. bestesellerlisten mehmen manche leute noch ernst.
eigentlich wollte ich heute bei ikea meinen weg tracken. oder zumindest ausprobieren ob das in der ikea-blech- und beton-büchse überhaupt funktioniert. hab ich aber leider vergessen und konnte das deshalb auch nicht als nachmittags-wanderung loggen. noch nicht mal eingescheckt hab ich mich heute dort. ich glaube ich habe einen inneren zwang meinen ikea-besuch zu effizient wie möglich zu gestalten und vergesse dabei dann alles was ich mir ausser einkaufen vorgenommen habe: optimal platzierten parkplatz finden, eingang hoch, sofort runter in die „markthalle“, dort so viele abkürzungen wie möglich nutzen, um so schnell wie möglich an der selbst-scan-kasse wieder raus zu kommen. ich glaube wir waren heute gerade mal 20 minuten im ikea.
zu essen hab ich mir gestern mal wieder die sauerkrautsuppe nach mälzer gemacht. statt mit kalbsbratwurstbrät mit selbstgemachten tofu-brät das köstlich war, aus dem ich aber frikadellen braten musste, weils zu flüssig wurde. das anbraten des tofu-brät-breis war der ultimative edelstahlpfannen-stickiness-test, den sie mit bravur bestanden hat.
klaas heufer-umlauf ist ein ziemlich guter schauspieler. und das video ist durchgehend witzig, obwohl der witz nach 3 minuten eigentlich durch ist.