27.09.2026

felix schwenzel in notiert

chris­toph hat sein 13 jah­re al­tes ta­ge­buch von ei­nem 22 tage lan­gen USA road­trip in sein blog über­tra­gen. ich habe das sehr ger­ne ge­le­sen und die fo­tos sind gran­di­os.


die bei­fah­re­rin brauch­te heu­te com­fort food, des­halb hab ich heu­te wie­der fri­tiert und kraut­sa­lat ge­macht.

beim mor­gen­spa­zier­gang mein han­dy ver­ges­sen, war trotz­dem gut.

es ist sonn­tag abend und ich bin im ge­gen­teil zu nor­ma­len sonn­tag aben­den ex­trem gut ge­launt. ob­wohl mor­gen mon­tag ist, habe ich noch 6 sonn­ta­ge und ei­nen sams­tag vor mir. ur­laub ist toll.

ich sit­ze hier und den­ke nach was ich heu­te ge­macht habe und mir fällt nichts ein. ok, sen­dung mit der maus ge­guckt, mor­gen­spa­zier­gang, mit­tags­schlaf, in der kü­che das si­li­kon zwi­schen ar­beits­plat­te und ka­cheln er­neu­ert. aber sonst? nix. toll. kann ich auch nix schrei­ben. 


ich bin gros­ser fan staat­li­cher re­gu­lie­rung. die gros­sen kri­sen, die uns ge­gen­über­ste­hen oder auf uns zu­kom­men, lö­sen wir nicht al­lein durch in­di­vi­du­el­le um­stel­lung un­se­rer le­bens­wei­se. es ist lo­bens­wert, das auto ste­hen zu las­sen (am bes­ten gleich beim au­to­händ­ler, vor dem kauf) und das fahr­rad zu be­nut­zen. aber der aus­bau von fahr­rad­we­gen, der um­bau un­se­rer städ­te zu men­schen­freund­li­chen statt au­to­freund­li­chen le­bens­räu­men ist eine po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che auf­ga­be. ge­nau wie die um­stel­lung der en­er­gie­ver­sor­gung auf er­neu­er­ba­re en­er­gie­quel­len, um un­se­re ab­hän­gig­keit von fos­si­len en­er­gie­quel­len und schur­ken­staa­ten zu re­du­zie­ren, oder die re­du­zie­rung zum bei­spiel von ver­pa­ckungs­müll. fast 60 jah­re jute statt plas­tik ha­ben den ver­pa­ckungs­müll kaum re­du­ziert, ge­nau­so wie schau­fens­ter­po­li­ti­sche stunts wie der grü­ne punkt oder trittins pfand­ge­döns.

es gibt un­men­gen bren­nen­der fra­gen (im wahrs­ten sinn des wor­tes) und kri­sen, die wir po­li­tisch lö­sen müs­sen. das ist kom­pli­ziert und funk­tio­niert nicht im­mer im ers­ten wurf, aber an­ders als mit staat­li­cher, ge­sell­schaft­li­cher re­gu­lie­rung, also ge­set­zen und re­geln für alle, kom­men wir da nicht wei­ter.

an­de­rer­seits gibt es re­gu­lie­run­gen, die von an­fang an zum schei­tern ver­ur­teilt sind, also nach­ge­wie­se­ner­mas­sen nicht funk­tio­nie­ren. das sind vor al­lem ju­gend­schutz­re­geln und be­täu­bungs­mit­tel­ver­bo­te. al­les, was sol­che re­gu­lie­run­gen be­wir­ken, sind ge­wis­se rei­bungs­ver­lus­te bzw. leich­te schwie­rig­kei­ten bei der be­schaf­fung. wer trin­ken, kif­fen oder rau­chen will, egal wie alt er ist, egal wie le­gal, il­le­gal oder teu­er die be­schaf­fung ist, fin­det wege. auch das so­cial-me­dia-ver­bot in aus­tra­li­en wirkt so gut wie gar nicht:

Die bis­he­ri­gen Da­ten zei­gen, dass das aus­tra­li­sche So­cial-Me­dia-Min­dest­al­ter die Nut­zung durch Un­ter-16-Jäh­ri­ge bis­lang nur be­grenzt re­du­ziert hat und die Al­ters­be­schrän­kun­gen in gro­ßem Um­fang um­gan­gen wer­den.

-- quel­le

na­tür­lich bin ich der mei­nung, dass wir staat­li­che re­gu­lie­rung von so­cial me­dia und tech-platt­for­men brau­chen, aber eben für alle. dark pat­terns, sucht­för­dern­de de­sign­mus­ter oder mo­de­ra­ti­ons­de­fi­zi­te auf öf­fent­lich zu­gäng­li­chen platt­for­men müs­sen ge­nau wie schäd­li­che sub­stan­zen oder ge­sund­heits­ge­fähr­den­de pro­duk­te re­gu­liert oder mit re­gu­la­to­ri­schen mit­teln so ver­teu­ert wer­den, dass sie sich für die be­trei­ber we­ni­ger loh­nen.

aber das mit dem ju­gend­schutz al­lein durch ver­bo­te kön­nen wir uns ab­schmin­ken. oder we­ni­ger po­le­misch for­mu­liert: re­gu­lie­rung soll­te nicht bei den nut­zen­den an­set­zen, son­dern bei den an­ge­bo­ten und an­bie­tern. und die bes­te ju­gend­schutz­grund­la­ge ist im­mer noch, ju­gend­li­che da­bei zu un­ter­stüt­zen, stark, au­to­nom und selbst­stän­dig wer­den zu kön­nen. nicht vor­nehm­lich die ju­gend vor po­ten­zi­el­len ge­fah­ren und ri­si­ken schüt­zen, son­dern ih­nen das rüst­zeug an die hand ge­ben, um mit den ri­si­ken um­zu­ge­hen oder sie zu ver­mei­den.

ich habe gros­ses ver­trau­en in die ju­gend. nicht weil ich zu ei­nem mil­den on­kel ge­wor­den bin, son­dern weil ich selbst mal ju­gend­li­cher war und mich dar­an er­in­ne­re, dass ich mei­nen el­tern dank­bar bin, dass sie mich dum­me feh­ler ha­ben ma­chen las­sen und ich mir selbst aus­su­chen konn­te, wel­che ri­si­ken ich ein­ge­hen woll­te. ich hat­te zum bei­spiel kei­ne zeit, zu der ich am wo­chen­en­de spä­tes­tens zu hau­se sein muss­te, so­lan­ge ich mon­tag­mor­gens in ei­nem ak­zep­ta­blen zu­stand zur schu­le ging.

re­gu­lie­rung, die ver­ant­wor­tung von der ge­sell­schaft auf den ein­zel­nen ver­schiebt und das dann ju­gend­schutz nennt, nervt mich. ge­nau­so wie leu­te, die jun­gen men­schen kein ver­trau­en schen­ken und un­ter dem deck­man­tel des ju­gend­schut­zes ent­schei­dun­gen für sie tref­fen wol­len. leu­te, die ju­gend­li­che für nar­ziss­tisch, fast-food-, ni­ko­tin-, spiel-, por­no-, gad­get-, auf­merk­sam­keits- oder kon­for­mi­täts­süch­tig hal­ten, ha­ben mich schon als ju­gend­li­cher ge­nervt. und sie ner­ven mich im­mer noch. ins­be­son­de­re wenn ich aus­ge­rech­net auf netz­po­li­tik ko­lum­nen wie die­se von ih­nen le­sen muss.

Statt die eigene Persönlichkeit auszudrücken, etikettieren Nutzer:innen alles, was sie tun und was sie sind, mit einem der zahllosen Labels, die über ihre Bildschirme fliegen. Dabei passen sie sich allzu geschmeidig wöchentlich wechselnden Trends an. Sie schreiben über sich selbst, ohne etwas über sich auszusagen.

Social-Media-Trends bestimmen, was Menschen über sich selbst sagen, wie sie sich kleiden und welche Musik sie hören, nicht aber das eigene Interesse oder der eigene Geschmack. So verschwinden sie im Gleichstrom der Clean-Girl-Ästhetik oder in Cowboystiefeln und Miniröcken in irgendeiner Bar. Chic.

was für ein quatsch. diese kolumne hätte genauso gut vor 20, 30, 40 oder 60 jahren erscheinen können. dann hätte man statt von social-media-plattformen von massenmedien oder medienkonglomeraten geredet. oder statt tech-bros hätte man zeitungsbarone, rechtskonservative medienmogule, medien- oder studiobosse gesagt. die „gleichschaltung“ von geschmack, trends und moden wäre dann statt von „grossen techplattformen“ aus zeitungen, zeitschriften, film und fernsehen „diktiert“ worden. davor waren es weltliche und kirchenfürsten, die uns in die „konformität“ drängen wollten.

alles, was carla siepmann hier über trends, mode, konformität, individualität und darüber, wie „die jugend“ damit umgeht, schreibt, wird seit jahrhunderten genauso über „die jugend“ geschrieben. in der regel sind das allerdings alte, weisse männer, die der jugend fehlende stärke, schwache persönlichkeiten oder einen mangel an autonomie, willen und individualität vorwerfen. 



buch: „die wahr­schein­li­che wahr­heit“ von mads pan­kow

felix schwenzel in rezensionen

ich habe mir mads pan­kows buch „die wahr­schein­li­che wahr­heit“ auf der ver­lags­sei­te ge­kauft, nach­dem er mich zu sei­ner buch­vor­stel­lung ein­lud, und gleich an­ge­fan­gen dar­in zu le­sen. bis zur buch­vor­stel­lung hat­te ich die hälf­te durch. mir ge­fiel mads pan­kows art zu schrei­ben von der ers­ten sei­te an. er schreibt ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar und an kei­ner stel­le fühlt man sich über­for­dert oder ir­ri­tiert1. ich habe bei vie­len au­toren das un­gu­te ge­fühl, dass sie kom­ple­xe sach­ver­hal­te ab­sicht­lich kom­pli­ziert auf­schrei­ben und das als di­stink­ti­ons­merk­mal se­hen. viel­leicht weil sie glau­ben, dass sie dann be­son­ders in­tel­li­gent wir­ken. bei mads pan­kow hat­te ich die­ses ge­fühl nicht ein ein­zi­ges mal. es scheint ihm nicht wich­tig zu sein, in­tel­li­gent zu wir­ken, son­dern es scheint ihm wich­tig, ver­ständ­lich zu schrei­ben. dazu kommt eine un­auf­ge­regt­heit und sach­lich­keit, die ich bei den meis­ten tex­ten über künst­li­che in­tel­li­genz in den letz­ten mo­na­ten im­mer wie­der ver­misst habe.

auch wenn der un­ter­ti­tel des buchs

Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net

lau­tet, ist das buch nicht wirk­lich über künst­li­che in­tel­li­genz. es ist ein buch über re­la­ti­vi­tät, die re­la­ti­vi­tät von wahr­heit — oder die ge­schich­te und zu­kunft der wahr­heit.

ich habe über das the­ma seit jah­ren auch (re­la­tiv) in­ten­siv nach­ge­dacht. 2015 stell­te ich als teil­fa­zit ei­nes re­pu­bli­ca-vor­trags die stei­le the­se auf, dass die wahr­heit im­mer ein kom­pro­miss oder re­la­tiv sei. das ist so zu­sam­men­hangs­los ein sehr miss­ver­ständ­li­cher satz, und auch wenn ich spä­ter prä­zi­sier­te, dass es mir dar­um ging, der so­ge­nann­ten „wahr­heit“ im­mer dif­fe­ren­ziert, skep­tisch und mit de­mut zu be­geg­nen. vor al­lem des­halb, weil die wahr­heit — die welt — un­se­rer wahr­neh­mung nicht voll­um­fäng­lich zu­gäng­lich ist.

ich habe mich ge­freut, bei mads pan­kow ähn­li­che the­sen zu le­sen, die aber um ein viel­fa­ches ele­gan­ter und so­li­der be­grün­det sind als mein rum­ge­eie­re vor 11 jah­ren. hier zum bei­spiel über die „prag­ma­ti­sche wahr­heit“ und eine „alte The­se des Kon­struk­ti­vis­mus“:

Die Welt weiß nichts von un­se­ren Be­schrei­bun­gen und Theo­rien. Sie bleibt letzt­lich un­zu­gäng­lich. Eine letz­te Wahr­heit gibt es nicht, nur bes­se­re und schlech­te­re Mo­del­le. Wahr ist, was funk­tio­niert, Pro­gno­sen er­laubt.

mads pan­kow ord­net die ver­schie­de­nen aus­prä­gun­gen von wahr­heit in die me­di­en­ge­schich­te ein. münd­lich­keit, schrift und buch­druck ha­ben je ei­ge­ne mass­stä­be da­für ge­setzt, was als wahr, be­leg­bar und all­ge­mein­ver­bind­lich gilt. so­zia­le me­di­en und neu­er­dings „pro­ba­bi­lis­ti­sche ma­schi­nen“ (wie mads pan­kow KI oft nennt2), re­la­ti­vie­ren un­se­ren wahr­heits­be­griff noch ein­mal.

EINE KLEI­NE GE­SCHICH­TE DER WAHR­HEIT

Neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien ver­än­dern die Art und Wei­se, wie wir die Welt be­schrei­ben und ver­ste­hen. Mit der Schrift setz­te sich die li­nea­re Ar­gu­men­ta­ti­on durch und er­for­der­te eine Ord­nung der Wirk­lich­keit in Ka­te­go­rien und Re­geln. Der Buch­druck ver­viel­fäl­tig­te nicht nur Tex­te, son­dern auch Per­spek­ti­ven – und schuf da­mit ei­nen öf­fent­li­chen Dis­kurs, in dem Wahr­hei­ten um Gül­tig­keit kon­kur­rie­ren. Mit den di­gi­ta­len Tech­no­lo­gien ent­ste­hen nun zwei neue Wis­sens­ord­nun­gen: die ge­fühls­be­zo­ge­ne der so­zia­len Me­di­en und die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­te der Künst­li­chen In­tel­li­genz.

wie ge­sagt, mads pan­kow lei­tet sei­ne me­di­en­ge­schich­te der wahr­heit gut les­bar und nach­voll­zieh­bar her, und das zu le­sen hat mir gros­ses ver­gnü­gen be­rei­tet. er ver­zich­tet auf jar­gon und nutzt fremd­wor­te nur, wenn es wirk­lich nö­tig ist oder passt. ich lese zu ähn­li­chen the­men auch sehr ger­ne die tex­te von mi­cha­el see­mann (zum bei­spiel die­sen), aber ge­ra­de der kon­trast zu see­manns tex­ten macht deut­lich, wel­che mühe sich pan­kow macht, sein buch auch nicht-in­si­dern zu­gäng­lich zu ma­chen. er setzt nichts vor­aus, man muss kein wis­sen über car­te­sia­nis­mus, an­thro­po­mor­phis­mus oder re­la­tio­na­len ma­te­ria­lis­mus mit­brin­gen, aber man merkt, dass pan­kow das wis­sen mit­bringt. aber statt es dem le­ser ins ge­sicht zu klat­schen, packt er es in die an­mer­kun­gen und läuft die ex­tra mei­le, bleibt im deut­schen, de­fi­niert be­grif­fe, be­vor er sie be­nutzt, deu­tet nicht an, son­dern for­mu­liert aus. aber er ver­ein­facht auch nicht so weit, dass die dif­fe­ren­zie­rung und prä­zi­si­on ver­lo­ren ge­hen. das eine oder an­de­re wis­sen­häpp­chen hat­te ich bei der lek­tü­re schon in­tus und im­mer wenn ich beim le­sen mal kurz dach­te, dass eine er­klä­rung zu kurz griff, dif­fe­ren­zier­te pan­kow ein paar sät­ze spä­ter.

das buch ist ein me­di­en- und ge­sell­schafts­theo­re­ti­scher es­say, der mich the­ma­tisch stark an mei­ne lek­tü­re von vor 40 jah­ren von neil post­mans „wir amü­sie­ren uns zu tode“ er­in­nert. aber ohne den gan­zen pes­si­mis­mus und die tech­no­pho­bie. die wahr­schein­li­che wahr­heit spru­delt im kon­trast nur so vor op­ti­mis­mus und dem glau­ben, dass wir als ge­sell­schaft die her­aus­for­de­run­gen der neu­en me­di­en und pro­ba­bi­lis­ti­schen ma­schi­nen schon meis­tern und die chan­cen er­grei­fen wer­den — ob­wohl „spru­deln­der op­ti­mis­mus“ viel­leicht et­was über­trie­ben ist. im­mer­hin lau­tet das fa­zit des buchs: „Die Me­di­en­ka­ta­stro­phe“. aber wie ein gu­ter op­ti­mist sieht er das glas we­der als halb voll noch als halb leer an, son­dern als glas, das man fül­len kann. die ka­ta­stro­phe sieht er als ge­stalt­bar an, vom kul­tur­pes­si­mis­mus lässt er die fin­ger.

so so­li­de mir sei­ne kul­tur­theo­rie der wahr­heit vor­kam, scheint mir der zwei­te teil des bu­ches auf wei­che­ren, hy­po­the­ti­schen füs­sen zu ste­hen. oder um­ge­kehrt, viel­leicht war ich auch ein­fach vom zwei­ten teil über­for­dert. aber das ist wohl we­ni­ger mads pan­kows schuld, als die kom­ple­xi­tät der her­aus­for­de­run­gen vor die uns die­se neu­en pro­ba­bi­lis­ti­schen sys­te­me stel­len, die uns ge­ra­de von den tech­no­lo­gie-un­ter­neh­men über­ge­stülpt3 wer­den.

die ver­wer­fun­gen der so­zia­len me­di­en, die uns ge­ra­de mal 20 jah­re be­glei­ten, zie­hen ge­ra­de in un­se­re par­la­men­te ein. den um­gang mit die­sen af­fek­ti­ven wahr­hei­ten ha­ben un­se­re ge­sell­schaf­ten noch nicht mal im an­satz ge­meis­tert — und schon dro­hen die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­ten me­di­en die ge­sell­schaft­li­che ord­nung noch­mal in ih­ren grund­fes­ten zu er­schüt­tern. mads pan­kow sieht chan­cen in der ka­ta­stro­phe und hält sie für gestal­bar. ich fra­ge mich, ob die ge­stal­tung mehr zeit braucht, als der fort­schritts-takt uns der­zeit lässt und ob wir die­sen takt mit et­was mehr fort­schritt­pes­si­mis­mus und re­gu­lie­rung aus­brem­sen soll­ten.

so oder so brau­chen wir mehr denk­ar­beit zum ge­sell­schaft­li­chen wan­del in den uns der ra­sen­de tech­no­lo­gi­sche fort­schritt so oder so schleu­dert. und im con­stan­tin seibt’schen sin­ne4 lie­fert mads pan­kow auf 284 sei­ten 5 un­men­gen an denk­ar­beit zum wei­ter­den­ken. 

zum wei­ter­le­sen:


Mads Pan­kow
Die wahr­schein­li­che Wahr­heit.
Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net.
Matthes & Seitz Ber­lin, 2026.
e-book 19,99 € · ge­bun­den 25,00 €

ver­lag epub/ge­bun­den | ama­zon | tha­lia

★ ★ ★ ★ ☆

  1. was mich ein biss­chen ir­ri­tier­te war mads pan­kows nut­zung des ge­ne­ri­schen mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num und der klas­si­schen dopp­lung (au­to­rin­nen und au­toren, bür­ger­rin­nen und bür­ger). auch wenn die dopp­lung das häu­figs­te mit­tel ist, pen­delt der text wild zwi­schen dop­pe­lung, mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num. ↑︎

  2. auch: pro­ba­bi­lis­ti­sche sys­te­me/mo­del­le/al­go­rith­men ↑︎

  3. sie­he je­re­my keith: „The ma­jo­ri­ty con­sen­sus among­st ac­tu­al re­gu­lar peo­p­le is that this is be­ing forced down our throats and stuf­fed into our eyes and ears.“ ↑︎

  4. con­stan­tin seibt über kom­pri­mier­te zeit: „Das Kon­zept von kom­pri­mier­ter Zeit ist auch das der Grund, war­um Leu­te gern le­sen: Sie ma­chen ein blen­den­des Ge­schäft. In ei­ner Mi­nu­te ha­ben sie eine Stun­de frem­de Denk­ar­beit oder mehr ge­won­nen.“ quel­le: ta­ges­an­zei­ger.ch/dead­line (in 404 ver­siegt) ↑︎

  5. in mei­nem e-book rea­der wa­ren es 936 sei­ten ↑︎



se­ren­di­pi­tät

felix schwenzel in über wirres

heu­te ein biss­chen plan­los in mei­ner web­site rum­ge­klickt und mich da­bei ge­fragt, was der un­ter­schied zwi­schen den ka­te­go­rien „ix über wir­res“ und „über wir­res“ sein könn­te. mei­ne ent­sch­ei­dun­gen von vor zehn, drei jah­ren, manch­mal auch die von vor zehn oder zwei ta­gen, sind für mich selbst nicht im­mer klar nach­voll­zieh­bar. die ant­wort lau­tet wahr­schein­lich, dass ich die ka­te­go­rie „ix über wir­res“ in die an­de­re über­füh­ren soll­te. je­den­falls bin ich dann wie­der auf den elf jah­re al­ten ar­ti­kel mit dem ti­tel „20 jah­re ins in­ter­net lin­ken“ ge­lan­det und von dort auf den ar­ti­kel „Wie ich das Blog­gen er­fand“ von tim cole. dort be­schreibt tim cole, wie er 1995 an­fing zu blog­gen.

un­ter dem bei­trag stand ein kom­men­tar von be­ne­dikt koeh­ler, der da­mals me­ta­roll.de be­trieb und dort un­ter an­de­rem eine „Ge­schich­te der deut­schen Blogos­hä­re“ als zeit­strahl pfleg­te. die ori­gi­nal­ad­res­se der sei­te er­gibt schon lan­ge 404, die ko­pie auf ar­chi­ve.org funk­tio­niert we­gen ja­va­script-feh­lern nicht mehr.

also dach­te ich mir: „scha­de!“ und ob ich das nicht mal schnell rü­ber­ko­pie­ren könn­te und wie­der zum lau­fen brin­gen könn­te. mit et­was hil­fe ging das ganz schnell, auch die alte SI­MI­LE ja­va­script-bi­blio­thek, die den zeit­strahl baut, funk­tio­nier­te noch:

wir­res.net/html/me­ta­roll.de/blog­his­to­ry.html

dann frag­te ich mich, ob viel­leicht ne mo­der­ne­re bi­blio­thek zur dar­stel­lung ei­nes zeit­strahls gibt und die gibts of­fen­sicht­lich mit vis-time­line:

wir­res.net/html/me­ta­roll.de/blog­his­to­ry-vis.html

die blog­his­to­ry quell­da­tei die be­ne­dikt koeh­ler da­mals zu­sam­men­ge­tra­gen hat habe ich un­ver­än­dert ge­las­sen, aus­ser dass ich zwei ein­trä­ge hin­zu­ge­fügt und ei­nen ver­scho­ben habe:

  • time cole führt die time­line mit dem 4. ja­nu­ar 1995 an
  • mei­ne al­ten link­sei­ten von min­des­tens dem 11. ok­to­ber 1995 habe ich hin­zu­ge­fügt
  • den be­ginn von wir­res.net habe auf den 20. april 2002 ver­scho­ben, aber da­für
  • ix.edit­thispage.com auf den 1. juli 2000 ge­ho­ben (wo vor­her, in be­ne­dikts ver­si­on, wir­res.net stand)

dann habe ich ein biss­chen auf dem zeit­strahl rum­ge­klickt und war ei­ner­seits nicht über­rascht, wie vie­le der blogs ver­stor­ben sind und an­de­rer­seits doch über­rascht.

über die frü­he ver­si­on von in­dus­tri­al tech­no­lo­gy & witch­craft, dann auf eine spä­te­re ver­si­on von in­dus­tri­al tech­no­lo­gy & witch­craft ge­langt und dort die­se per­le von heinz er­hard via nip­pes­hex­chen von majo tran­skri­biert:

Der Fi­scher

Das Meer ist an­ge­füllt mit Was­ser
und un­ten ist’s be­son­ders tief,
am Stran­de die­ses Mee­res sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief.

Und noch­mal: Am Mee­re sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Was­ser
und un­ten war’s be­son­ders tief.

Da plötz­lich teil­ten sich die Flu­ten
und eine Jung­frau kam her­für,
auf ei­ner Flö­te tat sie tu­ten,
das war kein schö­ner Zug von ihr.

Dem Fi­scher ging das Lied zu Her­zen,
ob­wohl sie fal­sche Töne pf­off ---
man sah ihn in das Was­ser ster­zen,
dann ging er un­ter und er­soff.

ich ab mich dann al­ler­dings ge­fragt, ob er­hardt wirk­lich „d.h.“ und „---“ ver­wen­det ha­ben könn­te und goo­gel­te/sterz­te dem ge­dicht nach, bis ich ei­nen (re­la­tiv neu­en) ab­druck in buch­form (sei­te 24) fand. also noch­mal neu set­zen:

Der Fi­scher

(Frei nach Jo­hann Se­bas­ti­an Goe­the)

Das Meer ist an­ge­füllt mit Was­ser
und un­ten ist’s be­son­ders tief,
am Stran­de die­ses Mee­res saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief.
Und nun noch mal: Am Mee­re saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Was­ser
und un­ten war’s be­son­ders tief.

Da plötz­lich teil­ten sich die Flu­ten
und eine Jung­frau kam her­für,
auf ei­ner Flö­te tat sie tu­ten,
das war kein schö­ner Zug von ihr.
Dem Fi­scher ging das Lied zu Her­zen,
ob­wohl sie fal­sche Töne pf­off – – –
man sah ihn in das Was­ser ster­zen,
dann ging er un­ter und er­soff.


für den mor­gen­spa­zier­gang sind fri­da und ich heu­te mit der sbahn nach froh­nau ge­fah­ren und von dort durch froh­nau und den te­ge­ler forst zu­rück nach te­gel ge­lau­fen.

die ap­ple watch hat ins­ge­samt 8,8 km und fast 10.000 schrit­te auf­ge­zeich­net, nach dem spa­zier­gang hat fri­da bis 16:30 ge­schla­fen. ich ver­mu­te es ist für sie um ein viel­fa­ches an­stren­gen­der an der kur­zen lei­ne zu ge­hen als im frei­lauf zu schnüf­feln, zu stö­bern und jä­ge­rin zu spie­len. wenn sie wie heu­te im wald durch­ge­hend an der kur­zen lei­ne ist und sich auf mich kon­zen­trie­ren muss, dürf­te das sehr an­stren­gend sein. auf der rück­fahrt im bus an ei­nem wahl­kampf­pla­kat vor­bei­ge­kom­men das zwar als CDU pla­kat zu er­ken­nen war, aber sich trotz­dem das CDU-logo spar­te, bzw. das mit 80% trans­pa­renz in der obe­ren, rech­ten ecke ver­steck­te. 





umgedrehtes cdu-wahlplakat mit der handgeschriebenen aufschrift: „wählt die linke bitte“

ich fra­ge mich ja, ob die lin­ken das auf die rück­sei­ten al­ler CDU-wahl­pla­ka­te ge­schrie­ben ha­ben und die­se un­ter­schwel­li­ge bot­schaft der grund für die vie­len stim­men für die lin­ken war. 


fdp wahlplakat von maren jasper-winter mit de, slogan: „gutes deutsch. gute chancen.“

manch­mal hilft auch „gu­tes deutsch“ nicht um eine chan­ce zu ha­ben.
oder an­ders­rum: egal wir gut und ober­che­cker­mäs­sig das deutsch ist, wenn sich wor­te und ver­spre­chen nicht mit ta­ten de­cken, hat man of­fen­bar nicht so gute chan­cen. 




22.09.2026

felix schwenzel in notiert

ur­laub zu ha­ben ge­fällt mir er­war­tungs­ge­mäss sehr gut. die letz­ten ar­beits-wo­chen wa­ren ziem­lich an­stren­gend und es ge­lang mir nicht mehr so gut die ar­beit nach fei­er­abend hin­ter mir zu las­sen. ich habe mich in den letz­ten wo­chen mehr­fach da­bei er­wischt, wie ich beim ein­schla­fen über ar­beits­the­men nach­dach­te oder sie in ge­dan­ken ver­such­te zu struk­tu­rie­ren. des­halb tut es gut beim ein­schla­fen, träu­men oder un­ter der du­sche über mei­ne ei­ge­nen the­men und pro­ble­me nach­zu­den­ken.

auch schön, hun­de dür­fen jetzt bei ikea mit ein­kau­fen ge­hen. weil die bei­fah­re­rin ein paar sa­chen brauch­te, ha­ben fri­da und ich das gleich mal aus­pro­biert. ging gut, auch wenn sie ge­le­gent­lich quak­te, wenn ich mir sa­chen zu lan­ge an­sah. aus der ikea-smar­thome-ab­tei­lung reiz­te mich nicht zu ei­nem spon­tan­kauf, aber eine edel­stahl­pfan­ne woll­te ich doch mal aus­pro­bie­ren. ich habe jetzt so vie­le koch-you­tube-vi­de­os ge­se­hen, dass ich reif da­für war. gleich aus­pro­biert und da klebt tat­säch­lich nix fest, wenn man sie vor­her or­dent­lich auf­heizt (lei­den­frost-test). und wie er­fri­schend es ist mit me­tall­werk­zeu­gen in der pfan­ne han­tie­ren zu kön­nen. die be­schich­te­ten pfan­nen und töp­fe flie­gen in den nächs­ten tage alle raus und fri­da und ich wer­den noch­mal zu ikea fah­ren.


mei­ne mitt­ler­wei­le über 9 mo­na­te dau­ern­de aus­wer­tung/log­ging mei­nes me­di­en­kon­sums hat er­ge­ben, dass ich pro tag im schnitt fast um die zwei stun­den vor der glot­ze hän­ge. heu­te hab ich mir ei­nen neu­en trick bei­ge­bracht. auf dem sofa sit­zen und statt auf dem lap­top be­wegt­bil­der mit ton zu schau­en, hab ich mir den ta­schen­rech­ner vors ge­sicht ge­hal­ten und dort ein buch zu­en­de ge­le­sen, das ers­te seit ei­ni­gen jah­ren. ich habe in den letz­ten jah­ren zwar ein paar bü­cher ge­le­sen, aber keins zu­en­de.

an­de­rer­seits, wenn bü­cher CDs wä­ren, hät­te ich seit ei­ni­gen jah­ren kei­ne CD mehr ge­hört. was aber eben nicht be­deu­tet, dass ich kei­ne mu­sik ge­hört hät­te. die fra­ge stell ich mir öf­ter: sind bü­cher nicht ein­fach sorg­fäl­tig ge­schrie­be­ne und zu­sam­men­ge­stell­te ar­ti­kel? bis mar­kus ein buch ge­schrie­ben hat­te, wuss­te ich mit dem be­griff no­vel­le nicht viel an­zu­fan­gen. weil mar­kus sein much aber im­mer „no­vel­le“ nennt, ist mir der be­griff jetzt ge­läu­fig, bzw. ich weiss, dass es ein re­la­tiv kur­zes buch ist, des­sen ka­pi­tel auch als ar­ti­kel-se­rie in ei­nem blog er­sch­ei­nen könn­te. dann könn­te man die tex­te aber nicht so ein­fach ver­kau­fen und es wür­den kei­ne kri­ti­ken er­sch­ei­nen. kri­ti­ker schrei­ben kei­ne blog-kri­ti­ken, sie be­müs­si­gen sich nur bei bü­chern sie zu durch­zu­le­sen und da­nach zu be­wer­ten.

sach­bü­cher die­nen, ähn­lich wie blogs, auch dazu den au­toren oder die au­torin als ex­per­ten oder ex­per­tin zu iden­ti­fi­zie­ren. aber sach­bü­cher funk­tio­nie­ren bes­ser um ein­la­dun­gen zu vor­trä­gen oder dis­kus­si­ons- oder ex­per­ten­run­den zu be­kom­men. auf der re­pu­bli­ca ist ge­fühlt die hälf­te der vor­tra­gen­den auf pro­mo für ihr neu­es­tes buch.

ein wei­te­rer grund ein buch zu ver­öf­fent­li­chen, statt eine web­sei­te oder blog zu ver­öf­fent­li­chen, sind ran­kings. blog- oder web­sei­ten-ran­kings nimmt nie­mand mehr ernst und ab­ge­se­hen daon gibt es sie ei­gent­lich auch gar nicht mehr. bes­te­sel­ler­lis­ten meh­men man­che leu­te noch ernst.


ei­gent­lich woll­te ich heu­te bei ikea mei­nen weg tra­cken. oder zu­min­dest aus­pro­bie­ren ob das in der ikea-blech- und be­ton-büch­se über­haupt funk­tio­niert. hab ich aber lei­der ver­ges­sen und konn­te das des­halb auch nicht als nach­mit­tags-wan­de­rung log­gen. noch nicht mal ein­ge­scheckt hab ich mich heu­te dort. ich glau­be ich habe ei­nen in­ne­ren zwang mei­nen ikea-be­such zu ef­fi­zi­ent wie mög­lich zu ge­stal­ten und ver­ges­se da­bei dann al­les was ich mir aus­ser ein­kau­fen vor­ge­nom­men habe: op­ti­mal plat­zier­ten park­platz fin­den, ein­gang hoch, so­fort run­ter in die „markt­hal­le“, dort so vie­le ab­kür­zun­gen wie mög­lich nut­zen, um so schnell wie mög­lich an der selbst-scan-kas­se wie­der raus zu kom­men. ich glau­be wir wa­ren heu­te ge­ra­de mal 20 mi­nu­ten im ikea.


zu es­sen hab ich mir ges­tern mal wie­der die sau­er­kraut­sup­pe nach mäl­zer ge­macht. statt mit kalbs­brat­wurst­brät mit selbst­ge­mach­ten tofu-brät das köst­lich war, aus dem ich aber fri­ka­del­len bra­ten muss­te, weils zu flüs­sig wur­de. das an­bra­ten des tofu-brät-breis war der ul­ti­ma­ti­ve edel­stahl­pfan­nen-sti­cki­ness-test, den sie mit bra­vur be­stan­den hat. 




im­mer noch 14 von 66 seen

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: 66 seen wanderungen

die stre­cke von han­gels­berg nach fürs­ten­wal­de hab ich raus­ge­sucht, weil sie nicht zu lang ist (14 ki­lo­me­ter) und man von fürs­ten­wal­de mit der bahn zu­rück nach han­gels­berg fah­ren kann. wir sind dann zwar mit dem bus ge­fah­ren, aber das klapp­te ge­nau­so gut. die an­fahrt ha­ben wir mit dem auto ge­macht, weil das nur 50 mi­nu­ten dau­er­te und mit den öf­fent­li­chen zwei stun­den ge­dau­ert hät­te.

die tour soll­te 14 ki­lo­me­ter lang sein und drei stun­den dau­ern, wir ha­ben das mit zwei pau­sen dann auch tat­säch­lich in 3 stun­den ge­schafft.

die GPX-rou­te von hier ist ziem­lich ver­al­tet und hat uns ein­mal in eine sack­gas­se ge­lei­tet. auch von dem fast durch­ge­hen­den fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de wuss­te die GPX-rou­te nichts. trotz­dem, die stre­cke war nicht kom­pli­ziert, im prin­zip im­mer an der müg­gel­spree und spä­ter an der fürs­ten­wald­spree ent­lang. be­son­ders an­spruchs­voll war die stre­cke auch nicht, aber teil­wei­se sehr schön. seen gabs kei­ne, aber die müg­gel- und fürs­ten­wal­de-spree wa­ren auch schön und teil­wei­se seen-ar­tig.

ei­ner­seits schön, an­de­rer­seits ein biss­chen an­stren­gend war, dass der ziem­lich neue fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de oft auch gleich­zei­tig der 66 seen wan­der­weg war. trotz­dem hat das auch gut mit dem hund ge­klappt. bei ei­ner hun­de­be­geg­nung wur­de es kurz ein biss­chen laut, ei­ner von zwei hun­den kam bel­lend auf uns zu und das frau­chen schrie un­ab­läs­sig um ihn zu­rück­zu­ru­fen. er war aber be­schäf­tigt ei­nen ko­mi­schen al­ten mann (mich) mit ei­nem noch ko­mi­sche­ren klei­nen hund (fri­da) zu ver­trei­ben und konn­te des­halb nicht zu­rück zur be­sit­ze­rin lau­fen. ich hab ihn dann lang­sam aber si­cher (mit ab­stand) doch wie­der in rich­tung sei­ner be­sit­ze­rin ge­drückt. wäh­rend­des­sen blieb fri­da ru­hig und vor­bild­lich hin­ter mir und liess mich die si­tua­ti­on re­geln.

die zwei­te und drit­te hun­de­be­ge­gung er­in­ner­te mich an die ge­schich­te vom igel und dem ha­sen. ein päär­chen mit je ei­nem hund an der lei­ne kam uns auf dem weg zwei­mal (!) ent­ge­gen. wir hat­ten wirk­lich ein gu­tes tem­po1 drauf und ich kann mir, ob­wohl wir zwi­schen­durch eine 20-mi­nü­ti­ge pau­se ge­macht ha­ben, nicht wirk­lich er­klä­ren wie die das ge­macht ha­ben.

die 14 ki­lo­me­ter ha­ben wir gut weg­ge­steckt, fri­da hat­te ei­nen ste­ti­gen und ent­spann­ten vor­wärts­drang. das ent­span­nen fiel ihr wit­zi­ger­wei­se bei der pau­se schwer. ein­mal un­ter­wegs läuft und läuft und läuft sie und ich glau­be ich/wir kön­nen auch eine län­ge­re wan­de­rung als 14 ki­lo­me­ter mit ihr wa­gen. al­ler­dings war sie nach der wan­de­rung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft. 


  1. der durch­schnittspace über die gan­ze stre­cke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (ob­wohl stän­di­ges fo­to­gra­fie­ren und die­se eine hun­de­be­geg­nung den pace na­tür­lich leicht rui­niert ha­ben). ↑︎

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was frau klug­sch­eis­ser hier über das ok­to­ber­fest schreibt, er­in­nert mich an die rhei­ni­sche tra­di­ti­on des kar­ne­vals. ich bin im rhein­land auf­ge­wach­sen und habe das un­ge­fähr 20 jah­re mit­er­lebt und be­ob­ach­tet. im un­ter­schied zum ok­to­ber­fest, hat kar­ne­val auch ei­nen po­li­ti­schen hin­ter­grund, von dem man in der neu­zeit­li­chen aus­prä­gung zwar nicht mehr all­zu viel mit­be­kommt. die idee, im schutz von ver­klei­dung und hu­mor die ob­rig­keit zu ver­spot­ten und ge­sell­schaft­li­che zu­stän­de zu kri­ti­sie­ren, ist aber hier und da noch sicht­bar.

prak­tisch dient der kar­ne­val, wie das ok­to­ber­fest, aber vor al­lem als aus­re­de, sich mass­los zu be­sau­fen, sich ge­hen zu las­sen und ge­wis­se ge­sell­schaft­li­che kon­ven­tio­nen für eine wei­le aus­zu­set­zen. als ju­gend­li­cher im rhein­land fand ich das gut und habe die ge­le­gen­heit ger­ne ge­nutzt. ich habe er­fah­run­gen sam­meln kön­nen, zu de­nen ich im nor­ma­len le­ben kei­ne ge­le­gen­heit hat­te, wie zum bei­spiel ei­nen faust­schlag ins ge­sicht zu be­kom­men und die ge­le­gen­heit auf ei­ner abend­ver­an­stal­tung zu knut­schen.

bis zu mei­nem acht­zehn­ten le­bens­jahr fand ich kar­ne­val gut. ich habe die ta­ge­lan­ge ver­an­stal­tung ra­tio­na­li­si­ert und mir ge­dacht, dass es gut sei, wenn men­schen ein­mal pro jahr nar­ren­frei­heit be­kom­men und die­se zeit als ab­lass­ven­til nut­zen kön­nen und für eine ge­wis­se zeit ihre sor­gen, zwän­ge und hem­mun­gen ver­ges­sen könn­ten. dann fuhr ich mit 17 jah­ren für ein jahr als aus­tausch­schü­ler nach ame­ri­ka. dort bil­de­te ich mir kurz ein, den kar­ne­val zu ver­mis­sen, aber als ich als acht­zehn­jäh­ri­ger zu­rück­kam, war ich dem kar­ne­vals­trei­ben völ­lig ent­frem­det.

in mei­ner nach-aus­tausch­schü­ler-zeit fand ich kar­ne­val nur noch stö­rend, laut, über­grif­fig und al­bern. je­des jahr zur kar­ne­vals­zeit flüch­te­te ich aus dem rhein­land. das ist auch ei­ner der un­ter­schie­de zum ok­to­ber­fest, das ok­to­ber­fest, die the­re­si­en­wie­se, kann man viel­leicht um­fah­ren, auch wenn die aus­wir­kun­gen in der gan­zen stadt mün­chen spür­bar sind, ist der ei­gent­lich wahn­sinn ört­lich be­grenzt. dem kar­ne­val ent­kommt man in rhei­ni­schen städ­ten nicht. es wird über­all ge­sof­fen, froh­sinn in die welt ge­ru­fen und krach ge­macht. die gan­ze stadt steht im wahrs­ten sin­ne des wor­tes kopf, von don­ners­tag bis diens­tag. um dem wahn­sinn zu ent­kom­men, muss man das rhein­land ver­las­sen. 


tas­ta­tur­kür­zel

felix schwenzel in über wirres

mir ist auf­ge­fal­len1, dass ich den html-tag <kbd> noch nie rich­tig ge­sty­led hat­te. das habe ich jetzt nach­ge­holt und kann über die tas­ta­tur­kür­zel, die auf wir­res.net funk­tio­nie­ren, schrei­ben.

was ich stän­dig selbst be­nut­ze, ist die tas­te y. die klappt das na­vi­ga­ti­ons­me­nü rechts auf, egal wo ich mich auf der sei­te be­fin­de. was ich auch stän­dig selbst be­nut­ze, ist j/k. auf ar­ti­kel­sei­ten na­vi­giert man da­mit zum vor­he­ri­gen / nächs­ten ar­ti­kel, auf über­sichts­sei­ten scrollt man da­mit von ei­nem bei­trag zum nächs­ten.

eine über­sicht der tas­ta­tur­kür­zel be­kommt man mit ?, und mit x klappt man ar­ti­kel tem­po­rär zu (was über­sichts­sei­ten manch­mal über­sicht­li­cher macht).

(ko­n­a­mi code ist nicht im­ple­men­tiert. der funk­tio­niert aber auf bubbles.) 


  1. an den html-tag <kbd> hat mich die­ser mark­down-edi­tor er­in­nert. den nut­ze ich zwar nicht, aber in den letz­ten ta­gen habe ich sehr oft das pas­te-to-mark­down-fea­ture auf der glei­chen sei­te ge­nutzt. das ist enorm hilf­reich, wenn man for­ma­tier­ten text (mit for­ma­tie­rung oder links) mal eben schnell in mark­down wan­deln will, was ich bei der re­kon­struk­ti­on mei­ner al­ten piqs sehr viel ge­tan habe. ↑︎