buch: „die wahrscheinliche wahrheit“ von mads pankow
ich habe mir mads pankows buch „die wahrscheinliche wahrheit“ auf der verlagsseite gekauft, nachdem er mich zu seiner buchvorstellung einlud, und gleich angefangen darin zu lesen. bis zur buchvorstellung hatte ich die hälfte durch. mir gefiel mads pankows art zu schreiben von der ersten seite an. er schreibt verständlich und nachvollziehbar und an keiner stelle fühlt man sich überfordert oder irritiert1. ich habe bei vielen autoren das ungute gefühl, dass sie komplexe sachverhalte absichtlich kompliziert aufschreiben und das als distinktionsmerkmal sehen. vielleicht weil sie glauben, dass sie dann besonders intelligent wirken. bei mads pankow hatte ich dieses gefühl nicht ein einziges mal. es scheint ihm nicht wichtig zu sein, intelligent zu wirken, sondern es scheint ihm wichtig, verständlich zu schreiben. dazu kommt eine unaufgeregtheit und sachlichkeit, die ich bei den meisten texten über künstliche intelligenz in den letzten monaten immer wieder vermisst habe.
auch wenn der untertitel des buchs
Wie KI unsere Wirklichkeit, Moral und Gesellschaft neu berechnet
lautet, ist das buch nicht wirklich über künstliche intelligenz. es ist ein buch über relativität, die relativität von wahrheit — oder die geschichte und zukunft der wahrheit.
ich habe über das thema seit jahren auch (relativ) intensiv nachgedacht. 2015 stellte ich als teilfazit eines republica-vortrags die steile these auf, dass die wahrheit immer ein kompromiss oder relativ sei. das ist so zusammenhangslos ein sehr missverständlicher satz, und auch wenn ich später präzisierte, dass es mir darum ging, der sogenannten „wahrheit“ immer differenziert, skeptisch und mit demut zu begegnen. vor allem deshalb, weil die wahrheit — die welt — unserer wahrnehmung nicht vollumfänglich zugänglich ist.
ich habe mich gefreut, bei mads pankow ähnliche thesen zu lesen, die aber um ein vielfaches eleganter und solider begründet sind als mein rumgeeiere vor 11 jahren. hier zum beispiel über die „pragmatische wahrheit“ und eine „alte These des Konstruktivismus“:
Die Welt weiß nichts von unseren Beschreibungen und Theorien. Sie bleibt letztlich unzugänglich. Eine letzte Wahrheit gibt es nicht, nur bessere und schlechtere Modelle. Wahr ist, was funktioniert, Prognosen erlaubt.
mads pankow ordnet die verschiedenen ausprägungen von wahrheit in die mediengeschichte ein. mündlichkeit, schrift und buchdruck haben je eigene massstäbe dafür gesetzt, was als wahr, belegbar und allgemeinverbindlich gilt. soziale medien und neuerdings „probabilistische maschinen“ (wie mads pankow KI oft nennt2), relativieren unseren wahrheitsbegriff noch einmal.
EINE KLEINE GESCHICHTE DER WAHRHEIT
Neue Kommunikationstechnologien verändern die Art und Weise, wie wir die Welt beschreiben und verstehen. Mit der Schrift setzte sich die lineare Argumentation durch und erforderte eine Ordnung der Wirklichkeit in Kategorien und Regeln. Der Buchdruck vervielfältigte nicht nur Texte, sondern auch Perspektiven – und schuf damit einen öffentlichen Diskurs, in dem Wahrheiten um Gültigkeit konkurrieren. Mit den digitalen Technologien entstehen nun zwei neue Wissensordnungen: die gefühlsbezogene der sozialen Medien und die wahrscheinlichkeitsbasierte der Künstlichen Intelligenz.
wie gesagt, mads pankow leitet seine mediengeschichte der wahrheit gut lesbar und nachvollziehbar her, und das zu lesen hat mir grosses vergnügen bereitet. er verzichtet auf jargon und nutzt fremdworte nur, wenn es wirklich nötig ist oder passt. ich lese zu ähnlichen themen auch sehr gerne die texte von michael seemann (zum beispiel diesen), aber gerade der kontrast zu seemanns texten macht deutlich, welche mühe sich pankow macht, sein buch auch nicht-insidern zugänglich zu machen. er setzt nichts voraus, man muss kein wissen über cartesianismus, anthropomorphismus oder relationalen materialismus mitbringen, aber man merkt, dass pankow das wissen mitbringt. aber statt es dem leser ins gesicht zu klatschen, packt er es in die anmerkungen und läuft die extra meile, bleibt im deutschen, definiert begriffe, bevor er sie benutzt, deutet nicht an, sondern formuliert aus. aber er vereinfacht auch nicht so weit, dass die differenzierung und präzision verloren gehen. das eine oder andere wissenhäppchen hatte ich bei der lektüre schon intus und immer wenn ich beim lesen mal kurz dachte, dass eine erklärung zu kurz griff, differenzierte pankow ein paar sätze später.
das buch ist ein medien- und gesellschaftstheoretischer essay, der mich thematisch stark an meine lektüre von vor 40 jahren von neil postmans „wir amüsieren uns zu tode“ erinnert. aber ohne den ganzen pessimismus und die technophobie. die wahrscheinliche wahrheit sprudelt im kontrast nur so vor optimismus und dem glauben, dass wir als gesellschaft die herausforderungen der neuen medien und probabilistischen maschinen schon meistern und die chancen ergreifen werden — obwohl „sprudelnder optimismus“ vielleicht etwas übertrieben ist. immerhin lautet das fazit des buchs: „Die Medienkatastrophe“. aber wie ein guter optimist sieht er das glas weder als halb voll noch als halb leer an, sondern als glas, das man füllen kann. die katastrophe sieht er als gestaltbar an, vom kulturpessimismus lässt er die finger.
so solide mir seine kulturtheorie der wahrheit vorkam, scheint mir der zweite teil des buches auf weicheren, hypothetischen füssen zu stehen. oder umgekehrt, vielleicht war ich auch einfach vom zweiten teil überfordert. aber das ist wohl weniger mads pankows schuld, als die komplexität der herausforderungen vor die uns diese neuen probabilistischen systeme stellen, die uns gerade von den technologie-unternehmen übergestülpt3 werden.
die verwerfungen der sozialen medien, die uns gerade mal 20 jahre begleiten, ziehen gerade in unsere parlamente ein. den umgang mit diesen affektiven wahrheiten haben unsere gesellschaften noch nicht mal im ansatz gemeistert — und schon drohen die wahrscheinlichkeitsbasierten medien die gesellschaftliche ordnung nochmal in ihren grundfesten zu erschüttern. mads pankow sieht chancen in der katastrophe und hält sie für gestalbar. ich frage mich, ob die gestaltung mehr zeit braucht, als der fortschritts-takt uns derzeit lässt und ob wir diesen takt mit etwas mehr fortschrittpessimismus und regulierung ausbremsen sollten.
so oder so brauchen wir mehr denkarbeit zum gesellschaftlichen wandel in den uns der rasende technologische fortschritt so oder so schleudert. und im constantin seibt’schen sinne4 liefert mads pankow auf 284 seiten 5 unmengen an denkarbeit zum weiterdenken.
zum weiterlesen:
- interview mit vera dünninger auf technologiestiftung-berlin.de und aufzeichnung des vortrags „Das Ende von Recht und Ordnung“

Mads Pankow
Die wahrscheinliche Wahrheit.
Wie KI unsere Wirklichkeit, Moral und Gesellschaft neu berechnet.
Matthes & Seitz Berlin, 2026.
e-book 19,99 € · gebunden 25,00 €
verlag epub/gebunden | amazon | thalia
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was mich ein bisschen irritierte war mads pankows nutzung des generischen maskulinum und femininum und der klassischen dopplung (autorinnen und autoren, bürgerrinnen und bürger). auch wenn die dopplung das häufigste mittel ist, pendelt der text wild zwischen doppelung, maskulinum und femininum. ↩
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auch: probabilistische systeme/modelle/algorithmen ↩
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siehe jeremy keith: „The majority consensus amongst actual regular people is that this is being forced down our throats and stuffed into our eyes and ears.“ ↩
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constantin seibt über komprimierte zeit: „Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.“ quelle: tagesanzeiger.ch/deadline (in 404 versiegt) ↩
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in meinem e-book reader waren es 936 seiten ↩

nächstes jahr dauert die republica 20 jahre und findet im dark mode statt.
serendipität
heute ein bisschen planlos in meiner website rumgeklickt und mich dabei gefragt, was der unterschied zwischen den kategorien „ix über wirres“ und „über wirres“ sein könnte. meine entscheidungen von vor zehn, drei jahren, manchmal auch die von vor zehn oder zwei tagen, sind für mich selbst nicht immer klar nachvollziehbar. die antwort lautet wahrscheinlich, dass ich die kategorie „ix über wirres“ in die andere überführen sollte. jedenfalls bin ich dann wieder auf den elf jahre alten artikel mit dem titel „20 jahre ins internet linken“ gelandet und von dort auf den artikel „Wie ich das Bloggen erfand“ von tim cole. dort beschreibt tim cole, wie er 1995 anfing zu bloggen.
unter dem beitrag stand ein kommentar von benedikt koehler, der damals metaroll.de betrieb und dort unter anderem eine „Geschichte der deutschen Blogoshäre“ als zeitstrahl pflegte. die originaladresse der seite ergibt schon lange 404, die kopie auf archive.org funktioniert wegen javascript-fehlern nicht mehr.
also dachte ich mir: „schade!“ und ob ich das nicht mal schnell rüberkopieren könnte und wieder zum laufen bringen könnte. mit etwas hilfe ging das ganz schnell, auch die alte SIMILE javascript-bibliothek, die den zeitstrahl baut, funktionierte noch:
wirres.net/html/metaroll.de/bloghistory.html
dann fragte ich mich, ob vielleicht ne modernere bibliothek zur darstellung eines zeitstrahls gibt und die gibts offensichtlich mit vis-timeline:
wirres.net/html/metaroll.de/bloghistory-vis.html
die bloghistory quelldatei die benedikt koehler damals zusammengetragen hat habe ich unverändert gelassen, ausser dass ich zwei einträge hinzugefügt und einen verschoben habe:
- time cole führt die timeline mit dem 4. januar 1995 an
- meine alten linkseiten von mindestens dem 11. oktober 1995 habe ich hinzugefügt
- den beginn von wirres.net habe auf den 20. april 2002 verschoben, aber dafür
- ix.editthispage.com auf den 1. juli 2000 gehoben (wo vorher, in benedikts version, wirres.net stand)
dann habe ich ein bisschen auf dem zeitstrahl rumgeklickt und war einerseits nicht überrascht, wie viele der blogs verstorben sind und andererseits doch überrascht.
über die frühe version von industrial technology & witchcraft, dann auf eine spätere version von industrial technology & witchcraft gelangt und dort diese perle von heinz erhard via nippeshexchen von majo transkribiert:
Der Fischer
Das Meer ist angefüllt mit Wasser
und unten ist’s besonders tief,
am Strande dieses Meeres sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief.Und nochmal: Am Meere sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Wasser
und unten war’s besonders tief.Da plötzlich teilten sich die Fluten
und eine Jungfrau kam herfür,
auf einer Flöte tat sie tuten,
das war kein schöner Zug von ihr.Dem Fischer ging das Lied zu Herzen,
obwohl sie falsche Töne pfoff ---
man sah ihn in das Wasser sterzen,
dann ging er unter und ersoff.
ich ab mich dann allerdings gefragt, ob erhardt wirklich „d.h.“ und „---“ verwendet haben könnte und googelte/sterzte dem gedicht nach, bis ich einen (relativ neuen) abdruck in buchform (seite 24) fand. also nochmal neu setzen:
Der Fischer
(Frei nach Johann Sebastian Goethe)
Das Meer ist angefüllt mit Wasser
und unten ist’s besonders tief,
am Strande dieses Meeres saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief.
Und nun noch mal: Am Meere saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Wasser
und unten war’s besonders tief.Da plötzlich teilten sich die Fluten
und eine Jungfrau kam herfür,
auf einer Flöte tat sie tuten,
das war kein schöner Zug von ihr.
Dem Fischer ging das Lied zu Herzen,
obwohl sie falsche Töne pfoff – – –
man sah ihn in das Wasser sterzen,
dann ging er unter und ersoff.
für den morgenspaziergang sind frida und ich heute mit der sbahn nach frohnau gefahren und von dort durch frohnau und den tegeler forst zurück nach tegel gelaufen.
die apple watch hat insgesamt 8,8 km und fast 10.000 schritte aufgezeichnet, nach dem spaziergang hat frida bis 16:30 geschlafen. ich vermute es ist für sie um ein vielfaches anstrengender an der kurzen leine zu gehen als im freilauf zu schnüffeln, zu stöbern und jägerin zu spielen. wenn sie wie heute im wald durchgehend an der kurzen leine ist und sich auf mich konzentrieren muss, dürfte das sehr anstrengend sein. auf der rückfahrt im bus an einem wahlkampfplakat vorbeigekommen das zwar als CDU plakat zu erkennen war, aber sich trotzdem das CDU-logo sparte, bzw. das mit 80% transparenz in der oberen, rechten ecke versteckte.

aus der serie „hält in sich“.
aus der abteilung quod licet iovi, non licet bovi. friedrich merz von 2 ½ jahren.
22.09.2026
urlaub zu haben gefällt mir erwartungsgemäss sehr gut. die letzten arbeits-wochen waren ziemlich anstrengend und es gelang mir nicht mehr so gut die arbeit nach feierabend hinter mir zu lassen. ich habe mich in den letzten wochen mehrfach dabei erwischt, wie ich beim einschlafen über arbeitsthemen nachdachte oder sie in gedanken versuchte zu strukturieren. deshalb tut es gut beim einschlafen, träumen oder unter der dusche über meine eigenen themen und probleme nachzudenken.
auch schön, hunde dürfen jetzt bei ikea mit einkaufen gehen. weil die beifahrerin ein paar sachen brauchte, haben frida und ich das gleich mal ausprobiert. ging gut, auch wenn sie gelegentlich quakte, wenn ich mir sachen zu lange ansah. aus der ikea-smarthome-abteilung reizte mich nicht zu einem spontankauf, aber eine edelstahlpfanne wollte ich doch mal ausprobieren. ich habe jetzt so viele koch-youtube-videos gesehen, dass ich reif dafür war. gleich ausprobiert und da klebt tatsächlich nix fest, wenn man sie vorher ordentlich aufheizt (leidenfrost-test). und wie erfrischend es ist mit metallwerkzeugen in der pfanne hantieren zu können. die beschichteten pfannen und töpfe fliegen in den nächsten tage alle raus und frida und ich werden nochmal zu ikea fahren.
meine mittlerweile über 9 monate dauernde auswertung/logging meines medienkonsums hat ergeben, dass ich pro tag im schnitt fast um die zwei stunden vor der glotze hänge. heute hab ich mir einen neuen trick beigebracht. auf dem sofa sitzen und statt auf dem laptop bewegtbilder mit ton zu schauen, hab ich mir den taschenrechner vors gesicht gehalten und dort ein buch zuende gelesen, das erste seit einigen jahren. ich habe in den letzten jahren zwar ein paar bücher gelesen, aber keins zuende.
andererseits, wenn bücher CDs wären, hätte ich seit einigen jahren keine CD mehr gehört. was aber eben nicht bedeutet, dass ich keine musik gehört hätte. die frage stell ich mir öfter: sind bücher nicht einfach sorgfältig geschriebene und zusammengestellte artikel? bis markus ein buch geschrieben hatte, wusste ich mit dem begriff novelle nicht viel anzufangen. weil markus sein much aber immer „novelle“ nennt, ist mir der begriff jetzt geläufig, bzw. ich weiss, dass es ein relativ kurzes buch ist, dessen kapitel auch als artikel-serie in einem blog erscheinen könnte. dann könnte man die texte aber nicht so einfach verkaufen und es würden keine kritiken erscheinen. kritiker schreiben keine blog-kritiken, sie bemüssigen sich nur bei büchern sie zu durchzulesen und danach zu bewerten.
sachbücher dienen, ähnlich wie blogs, auch dazu den autoren oder die autorin als experten oder expertin zu identifizieren. aber sachbücher funktionieren besser um einladungen zu vorträgen oder diskussions- oder expertenrunden zu bekommen. auf der republica ist gefühlt die hälfte der vortragenden auf promo für ihr neuestes buch.
ein weiterer grund ein buch zu veröffentlichen, statt eine webseite oder blog zu veröffentlichen, sind rankings. blog- oder webseiten-rankings nimmt niemand mehr ernst und abgesehen daon gibt es sie eigentlich auch gar nicht mehr. bestesellerlisten mehmen manche leute noch ernst.
eigentlich wollte ich heute bei ikea meinen weg tracken. oder zumindest ausprobieren ob das in der ikea-blech- und beton-büchse überhaupt funktioniert. hab ich aber leider vergessen und konnte das deshalb auch nicht als nachmittags-wanderung loggen. noch nicht mal eingescheckt hab ich mich heute dort. ich glaube ich habe einen inneren zwang meinen ikea-besuch zu effizient wie möglich zu gestalten und vergesse dabei dann alles was ich mir ausser einkaufen vorgenommen habe: optimal platzierten parkplatz finden, eingang hoch, sofort runter in die „markthalle“, dort so viele abkürzungen wie möglich nutzen, um so schnell wie möglich an der selbst-scan-kasse wieder raus zu kommen. ich glaube wir waren heute gerade mal 20 minuten im ikea.
zu essen hab ich mir gestern mal wieder die sauerkrautsuppe nach mälzer gemacht. statt mit kalbsbratwurstbrät mit selbstgemachten tofu-brät das köstlich war, aus dem ich aber frikadellen braten musste, weils zu flüssig wurde. das anbraten des tofu-brät-breis war der ultimative edelstahlpfannen-stickiness-test, den sie mit bravur bestanden hat.
kaufland berlin-wedding
immer noch 14 von 66 seen
die strecke von hangelsberg nach fürstenwalde hab ich rausgesucht, weil sie nicht zu lang ist (14 kilometer) und man von fürstenwalde mit der bahn zurück nach hangelsberg fahren kann. wir sind dann zwar mit dem bus gefahren, aber das klappte genauso gut. die anfahrt haben wir mit dem auto gemacht, weil das nur 50 minuten dauerte und mit den öffentlichen zwei stunden gedauert hätte.
die tour sollte 14 kilometer lang sein und drei stunden dauern, wir haben das mit zwei pausen dann auch tatsächlich in 3 stunden geschafft.
die GPX-route von hier ist ziemlich veraltet und hat uns einmal in eine sackgasse geleitet. auch von dem fast durchgehenden fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde wusste die GPX-route nichts. trotzdem, die strecke war nicht kompliziert, im prinzip immer an der müggelspree und später an der fürstenwaldspree entlang. besonders anspruchsvoll war die strecke auch nicht, aber teilweise sehr schön. seen gabs keine, aber die müggel- und fürstenwalde-spree waren auch schön und teilweise seen-artig.
einerseits schön, andererseits ein bisschen anstrengend war, dass der ziemlich neue fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde oft auch gleichzeitig der 66 seen wanderweg war. trotzdem hat das auch gut mit dem hund geklappt. bei einer hundebegegnung wurde es kurz ein bisschen laut, einer von zwei hunden kam bellend auf uns zu und das frauchen schrie unablässig um ihn zurückzurufen. er war aber beschäftigt einen komischen alten mann (mich) mit einem noch komischeren kleinen hund (frida) zu vertreiben und konnte deshalb nicht zurück zur besitzerin laufen. ich hab ihn dann langsam aber sicher (mit abstand) doch wieder in richtung seiner besitzerin gedrückt. währenddessen blieb frida ruhig und vorbildlich hinter mir und liess mich die situation regeln.
die zweite und dritte hundebegegung erinnerte mich an die geschichte vom igel und dem hasen. ein päärchen mit je einem hund an der leine kam uns auf dem weg zweimal (!) entgegen. wir hatten wirklich ein gutes tempo1 drauf und ich kann mir, obwohl wir zwischendurch eine 20-minütige pause gemacht haben, nicht wirklich erklären wie die das gemacht haben.
die 14 kilometer haben wir gut weggesteckt, frida hatte einen stetigen und entspannten vorwärtsdrang. das entspannen fiel ihr witzigerweise bei der pause schwer. einmal unterwegs läuft und läuft und läuft sie und ich glaube ich/wir können auch eine längere wanderung als 14 kilometer mit ihr wagen. allerdings war sie nach der wanderung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft.
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der durchschnittspace über die ganze strecke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (obwohl ständiges fotografieren und diese eine hundebegegnung den pace natürlich leicht ruiniert haben). ↑︎
grosse traenke
oktoberfest und karneval
frauklugscheisser.de: Everything Goes to Hell
Wie bereits erwähnt, ist das Oktoberfest die weltweit größte Freiluftswingerveranstaltung.
Auf einem meiner Flüge von L.A. nach München saß eine Gruppe australischer Passagiere im geschätzten Alter zwischen 18 und 25. Sie wollten auf’s Oktoberfest. Mitte Oktober. Als ich sie darauf hinwies, dass das Oktoberfest immer im September stattfindet und bereits beendet sei, war die Stimmung im Keller. Möglicherweise ist die Namensgebung absichtlich widersprüchlich, um nach den Briten wenigstens die Australier fernzuhalten.
was frau klugscheisser hier über das oktoberfest schreibt, erinnert mich an die rheinische tradition des karnevals. ich bin im rheinland aufgewachsen und habe das ungefähr 20 jahre miterlebt und beobachtet. im unterschied zum oktoberfest, hat karneval auch einen politischen hintergrund, von dem man in der neuzeitlichen ausprägung zwar nicht mehr allzu viel mitbekommt. die idee, im schutz von verkleidung und humor die obrigkeit zu verspotten und gesellschaftliche zustände zu kritisieren, ist aber hier und da noch sichtbar.
praktisch dient der karneval, wie das oktoberfest, aber vor allem als ausrede, sich masslos zu besaufen, sich gehen zu lassen und gewisse gesellschaftliche konventionen für eine weile auszusetzen. als jugendlicher im rheinland fand ich das gut und habe die gelegenheit gerne genutzt. ich habe erfahrungen sammeln können, zu denen ich im normalen leben keine gelegenheit hatte, wie zum beispiel einen faustschlag ins gesicht zu bekommen und die gelegenheit auf einer abendveranstaltung zu knutschen.
bis zu meinem achtzehnten lebensjahr fand ich karneval gut. ich habe die tagelange veranstaltung rationalisiert und mir gedacht, dass es gut sei, wenn menschen einmal pro jahr narrenfreiheit bekommen und diese zeit als ablassventil nutzen können und für eine gewisse zeit ihre sorgen, zwänge und hemmungen vergessen könnten. dann fuhr ich mit 17 jahren für ein jahr als austauschschüler nach amerika. dort bildete ich mir kurz ein, den karneval zu vermissen, aber als ich als achtzehnjähriger zurückkam, war ich dem karnevalstreiben völlig entfremdet.
in meiner nach-austauschschüler-zeit fand ich karneval nur noch störend, laut, übergriffig und albern. jedes jahr zur karnevalszeit flüchtete ich aus dem rheinland. das ist auch einer der unterschiede zum oktoberfest, das oktoberfest, die theresienwiese, kann man vielleicht umfahren, auch wenn die auswirkungen in der ganzen stadt münchen spürbar sind, ist der eigentlich wahnsinn örtlich begrenzt. dem karneval entkommt man in rheinischen städten nicht. es wird überall gesoffen, frohsinn in die welt gerufen und krach gemacht. die ganze stadt steht im wahrsten sinne des wortes kopf, von donnerstag bis dienstag. um dem wahnsinn zu entkommen, muss man das rheinland verlassen.
tastaturkürzel
mir ist aufgefallen1, dass ich den html-tag <kbd> noch nie richtig gestyled hatte. das habe ich jetzt nachgeholt und kann über die tastaturkürzel, die auf wirres.net funktionieren, schreiben.
was ich ständig selbst benutze, ist die taste y. die klappt das navigationsmenü rechts auf, egal wo ich mich auf der seite befinde. was ich auch ständig selbst benutze, ist j/k. auf artikelseiten navigiert man damit zum vorherigen / nächsten artikel, auf übersichtsseiten scrollt man damit von einem beitrag zum nächsten.
eine übersicht der tastaturkürzel bekommt man mit ?, und mit x klappt man artikel temporär zu (was übersichtsseiten manchmal übersichtlicher macht).
(konami code ist nicht implementiert. der funktioniert aber auf bubbles.)
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an den html-tag
<kbd>hat mich dieser markdown-editor erinnert. den nutze ich zwar nicht, aber in den letzten tagen habe ich sehr oft das paste-to-markdown-feature auf der gleichen seite genutzt. das ist enorm hilfreich, wenn man formatierten text (mit formatierung oder links) mal eben schnell in markdown wandeln will, was ich bei der rekonstruktion meiner alten piqs sehr viel getan habe. ↑︎
morgenspaziergang 19.09.2026
heute früh zur u-bahn naturkundemuseum gefahren und dann einmal durch die charité und das regierungsviertel gelaufen.

18.09.2026
ab heute 2 wochen urlaub. in meetings habe ich heute mehrfach auf die frage, was ich denn machen würde, gescherzt: von der urlaubsübergabe erholen. ich konnte zwar erstaunlich viele lose enden letzten beiden tagen verknoten, aber lange nicht alle. urlaubsübergaben sind wahrscheinlich auch der grund, warum ich so ungerne urlaub nehme. was ich sehr gerne mache, wenn ich am ende des jahres zuviel urlaubstage übrig habe, ist mir einige mittwoche freizunehmen und mir so jede woche ein zweites, kurzes wochenende zu bescheren. ein freier mittwoch strukturiert die woche auf eine sehr angenehme art.
seit meiner kindheit bin ich unfähig wochenenden wirklich zu geniessen, weil mir irgendwann auffiel, wie schnell so ein wochenende rum ist. eigentlich ist nur der samstag richtiges wochenende. am samstag kann ich mich noch ein bisschen freuen, weil ich weiss, am nächsten tag noch frei zu haben. am sonntag sehe ich den montag ständig am horizont winken. andererseits, und das mache ich erst seit ich über 50 bin, freue ich mich montags darüber, dass die woche bald wieder vorbei ist. weil im alter rennt die zeit nur so an einem vorbei. das illustriert dieser xkcd comic sehr schön, der erste den ich seit monaten auf anhieb verstanden habe.

konstantins hüfte erlaubt ihm skateboard zu fahren:
Bin erst ganz vorsichtig draufgestiegen und langsam losgefahren. Ging gut. Dann gedreht, mit der Hüfte Schwung gegeben. Ging richtig gut. Da nahm ich Fahrt auf.
und hier schreibt er:
Was ich nach wie vor nicht kann, und keinerleih Ambitionen dafür habe, ist das Tricks machen auf einem Skateboard. Aber was ich inzwischen ohne grössere Anstrengung beherrsche, ist das die-Strasse-entlang-Gleiten auf meinem kurzen Longboard, Shorty.
konstantin hat mit 44 angefangen skateboard zu fahren. ich so mit 12 oder 13. ausser zu fahren hab ich auch nie was gelernt und hatte keine ambitionen irgendwelche tricks zu lernen. im gegenteil. ich hielt das skateboard für das ideale fortbewegungsmittel. man kann es unter den arm klemmen, in den öffentlichen oder privaten nahverkehr mitnehmen, in geschäfte mitnehmen oder sich eben einfach drauf stellen und schneller als zu fuss vorankommen.
irgendwann bin ich so viel skateboard gefahren, dass sich meine achillessehne entzündet hat und ich ein paar wochen pausieren musste.
während des studiums in stuttgart bin ich überall mit dem skateboad hingefahren. da ich mich während des studiums schon ziemlich alt gefühlt habe und nicht mehr jugendlich schlank war, dachte ich mir, dass ich mein skateboard-fahren ironisch brechen müsste und trug beim skaten ausschliesslich anzug und passende lederschuhe. vor 22 jahren hab ich da mal was zu geschrieben:
dass skateboardfahren viel anstrengender, lauter, und zum teil auch unpraktischer [als fahrrad fahren] war nahm ich in kauf. […] ausser fahren und bremsen kann ich mit dem skateboard nicht viel, vor allem kann ich keine treppengeländer runterfahren oder in der halben pfeife fahren.

jason kottke liest gerade ein buch über den geruchssinn. abgesehen davon dass ich es sehr gerne mag, wenn jason kottke mal mehr als kurze kommentare unter links oder video postet, ist das eine gute erinnerung daran, sich nochmal intensiver mit gerüchen auseinander zu setzen.
Smell is the most direct of all our senses. When I hold a violet to my nose and inhale, odor molecules float back into the nasal cavity behind the bridge of the nose, where they are absorbed by the mucosa containing receptor cells bearing microscopic hairs called cilia. Five million of these cells fire impulses to the brain’s olfactory bulb or smell center. Such cells are unique to the nose. If you destroy a neuron in the brain, it’s finished forever; it won’t regrow. If you damage neurons in your eyes or ears, both organs will be irreparably damaged. But the neurons in the nose are replaced about every thirty days and, unlike any other neurons in the body, they stick right out and wave in the air current like anemones on a coral reef.
nochmal zur erinnerung: wir haben 5-6 millionen dieser zellen, hunde 200–300 millionen. meine vermutung ist ja, dass so wie wir in bildern denken, hunde in gerüchen denken. so wie wir uns geschichten erzählen um innere bilder zu konstruieren, konstrueiren sich hunde ihr weltbild aus gerüchen, denken in geruchskategorien — und: kein wunder das hunde so emotional sind.
ausserdem gelesen:
66 seen
vor 11 jahren haben wir ein paar wanderungen auf dem 66-seen-wanderweg gemacht. ich habe die wanderungen in guter einnerung, aber mir fehlte immer der überblick, wie viel des wanderwegs wir denn jetzt abmarschiert haben. und ich habe lust den kreis weiter zu schliessen. damals habe ich die seen gezählt, an denen wir vorbeigekommen sind, stand jetzt: 14 von 66.
gestern hatte ich das bedürfnis das zu visualisieren. tatsächlich habe ich wohl bei der letzten wanderung auch gpx-tracks anfertigen lassen und auch eine entsprechende illustration.

aber die gpx dateien selbst konnte ich jetzt (natürlich) nicht mehr finden. also hab ich mich gefragt, ob ich aus allen bildern die ich damals mit dem taschenrechner gemacht habe die geo-daten und timestamps extrahieren könnte und daraus eine gpx-datei bauen könnte. es zeigt sich: das geht erstaunlich gut. das habe ich dann mit allen 5 wanderungen gemacht und konnte so einen überblick erstellen, den ich in mit einer neuen sammlung kombiniert habe: sammlung 66 seen wanderungen
vor 11 jahren klagte ich darüber, dass ich soviele fotos gemacht habe, dass ich platzprobleme auf dem taschenrechner hatte und dass unsere akkus gerade mal so hielten:
obwohl wir die handys die meiste zeit offline im flugzeugmodus hatten, reichten unsere akkus gerade so die neun stunden die wir unterwegs waren. das nächste gerät das ich mir kaufe wird ein mobiles akku-pack sein, um unterwegs die handys laden zu können.
das akku-pack von damals habe ich noch immer und nutze es immer noch. manche dinge halten auch heute noch erstaunlich lange. und die platz- und akku-probleme sollten heute auch kein so grosses problem mehr sein. aber wir waren für eine wanderung neun stunden unterwegs? herrje, waren wir damals ambitioniert.
trotzdem: ich habe mir jetzt drei strecken rausgesucht die man mit der bahn oder dem auto anfahren kann und nach der wanderung bequem mit der bahn zum ausgangspunkt oder wieder nach hause fahren kann.
und mit diesem artikel setze ich mich unter zugzwang das jetzt wirklich mal anzugehen.
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