odyssee
ich erinnere mich noch gut wie ich 2001: odyssee im weltraum zum ersten mal gesehen habe: vor 37 jahren auf einem blassen, niedrig auflösenden röhren-farbfernseher1 im keller der eltern meiner damaligen freundin heike. ich hab den film noch nicht mal von anfang an gesehen, sondern als wir einschalteten lief er schon ne ganze weile. die handlung war nicht wirklich nachvollziehbar und der film war deutsch synchronisiert.
der film war also auf vielfältige weise verhunzt: niedrigauflösend, niedrig frequent, lichtarm, mit deutschen stimmen gepanscht, mit einemschepprigen mono-lautsprecher, nicht in einem darkroom (kino) präsentiert. wahrscheinlich waren auch die seiten wegen des fernsehformats abgeschnitten.
trotzdem schlug der film voll bei mir ein. ich war schwer beeindruckt und auf eine gute art irritiert. als ich mir den film später nochmal auf DVD oder im stream ansah, sehr viel besser aufgelöst, mit besserem ton und den originalstimmen, war ich genau so beeindruckt und irritiert. und konnte die handlung immer noch nicht nachvollziehen.
den neuen film mit ner odyssee, den der nicht im weltraum und nicht 2001, sondern irgendwas mit 3000 b.c. spielt, der nicht von kubrick, sondern von nolan gefilmt wurde, hab ich noch nicht gesehen. ich hab momentan keine lust auf kino.
ich sehe mir filme lieber alleine, in meinem tempo, mit einer scheinbar riesigen leinwand, 50 zentimeter vor meinem gesicht, in form eines hochauflösenden apple displays an. als ich das letzte mal einen film in einem imax-fähigen kino gesehen habe war ich mehr irritiert und abgelenkt von den effekten, als ich es mir gewünscht hätte.
mich lenkt das ganze gewummer und der bombast eher vom inhalt ab, als es mir hilft in den inhalt einzutauchen.
nolan behauptet mit imax würde die leinwand verschwinden und dass das ein bild sei, in dem man sich verlieren könne.
ich werde mir nolans odyssee jedenfalls nicht im kino ansehen. weder im normalen, noch im imax kino. ich warte bis der irgendwo streamt und schaue ihn mir dann auf dem laptop an.
wenn ich so drüber nachdenke, würde ich mir den film vielleicht sogar gerne auf einem alten röhrenfernseher anschauen2. allerdings nicht synchronisiert.
ich finde es erstaunlich welche bandbreite die rezeption des films hat. von „meisterwerk“ bis langweilig über „ewig die gleiche Geschichte von männlicher Übermenschlichkeit“, zu egal oder irgendwie ok ist alles dabei.
irgendwo las ich in einer kritik, dass nolan bestimmte dinge gar nicht zeige, sondern der phantasie des zuschauers überlasse. das halte ich immer für eine sehr gute idee und wir alle wissen, dass das gut funktioniert, bzw. eines der grundrezepte von guten geschichten ist. auch deshalb frage ich mich oft: dient der bombast dazu, von einer schwachen geschichte abzulenken, ist der bombast die eigentliche geschichte oder dient die technik hier tatsächlich der geschichte?
mir fällt bei der aktuellen (dritten) staffel von house of the dragon (hotd) auf, wie sehr mich bombast manchmal langweilt. die kleine, in jedem detail liebevoll gestrickte geschichte des hecken-ritters (hedge knight) in a knight of the seven kingdoms hat mir um längen besser gefallen als diese staffel hotd. das langweilige kann so viel interessanter sein als das komplexe.
trotzdem. auf ne art bin gespannt auf nolans odyssee. aber ich habs nicht eilig.
-
das war der gleiche fernseher, auf dem ich subway zum ersten mal gesehen habe. ↩
-
wenn ich noch weiter drüber nachdenke: im prinzip ist nolans odyssee ein diabend mit einer viertelmillion schnell abgespielten dias. (3 stunden = 180 minuten = 10.800 sekunden macht 10.800 × 24 = 259.200 einzelbilder) ↩
etc. 20.07.2026
gestern beim morgenspaziergang habe ich nach dieser inspiration im goethepark nach vierblättrigen kleeblättern gesucht. vergeblich. aber ich habe gemerkt, ja, wenn man hinschaut sieht man im stehen die einzelnen blätter ziemlich gut. frida hat das sehr irritiert, dass plötzlich nicht nur sie den boden intensiv inspiziert, sondern auch ich. aber mag die vorstellung, dass wir nun auf eine art gemeinsam den boden abschnüffeln, die eine olfaktorisch, der andere optisch.
den raben in den rehbergen gehts gut (die aufnahme ist vom freitag, heute früh habe ich sie aber wieder krächzend ums wildschwingehege fliegend gesehen).
sugar staffel 2 gefällt mir von der ersten folge an sehr gut. aber ich bin immer wieder irritiert, wie ähnlich colin farrell arnold schwarzenegger sieht. selbst die schrankfarbenen haare stimmen.
ich bin seit ein paar tagen auf dem iphone und meinem mac mit der betriebsystemversion 27 unterwegs. ich habe überall gelesen und gehört, dass die betas sehr stabil und fehlerarm seien und ich kann das bestätigen. der einzige merkliche unterschied, den ich täglich beobachte, ist dass die visuellen irritationen weniger geworden sind. oder umgekehrt, wenn ich auf den arbeitslaptop wechsle, auf dem noch tahö [sic!] läuft, wundere ich mich darüber, wieviele visuelle details in tahö kaputt sind.
bisher habe ich meinen youtube-konsum (in minuten) manuell aus der youtube-historie extrahiert, um ihn mir zu visualisieren. das war zwar meditativ, aber mühsam. ich addiere gerne im kopf, aber manchmal vergass ich das addieren tagelang. also habe ich mir eine safari-extension bauen lassen, die das für mich erledigt und die spieldauer von videos auf youtube für mich erfasst. das ist sehr praktisch und gleichzeitig (in absoluten zahlen) etwas irritierend.

meine ernährung besteht seit einer weile hauptsächlich aus etwas, das man am besten mit salzigem müsli beschreiben kann. irgendwelche gemüse die wir gerade im kühlschrank, der kühltruhe oder in dosen haben mit würziger sosse angemacht. gelegentlich mit tofu, fake-hack oder huhn kombiniert. dabei improvisiere ich meistens, mal mit weniger guten, mal mit besseren ergebnissen. was gut schmeckt wird öfter gemacht. gestern und vorgestern ausversehen einen ganzen spitzkohl weggeputzt mit diesem rezept:
- tofu trocknen und in heisses fett fein zerkrümmeln und scharf anbraten.
- wenn alles kross ist eine in streifen geschnittene zwiebel dazugeben und glasig braten
- würzsosse: etwas fett, sojasosse, essig und sambal oelek verrühren und über die tofu-zwiebel-mischung geben
- reichlich feingeschnittenen spitzkohl dazu in die pfanne geben
- ein paar cocktail-oliven kleinschneiden und am ende mit etwas zerkrümelten feta dazugeben und nur noch kurz beim unterrühren braten und die hitze schnell abschalten.
links und likes vom 18.07.2026
bäume vs autos
auch dank des autos wurden städte mehr und mehr versiegelt.
das finden bäume generell nicht gut.
auch wenn der gehweg vor ein paar jahren etwas entsiegelt wurde, ist dem baum vor unserer haustür, nach mehreen trockenen sommern, mal wieder ein ast zu schwer geworden.
das finden autos generell nicht gut.
der baum vor unserem haus hat ein ganz gutes auge und versuchte den ast in eine freie parklücke fallen zu lassen. leider hat der ast dann doch noch die windschutzscheibe des blaue chevy getroffen, die, per definition, eben keine baumschutzscheibe ist und entsprechend nachgab.
unser ID3, der diekt unter dem baum stand, wurde jetzt zum zweiten mal innerhalb eines jahres von herabfallenden ästen verfehlt.
das finden wir ganz gut.
In Dusty’s early days, when we felt quite lost, I used to occasionally encounter a friendly bedraggled stranger, who would always comment on what a lovely dog I had, which meant a surprising amount to me. On about the seventh occasion I saw him, he was sitting in a churchyard smoking crack. Dogs transcend social boundaries better even than sport and childcare, those usual mainstays of community expansion in secular societies.
kann ich bestätigen, durch frida habe ich, haben wir kontakt in soziale schichten, der ohne hund weder möglich, noch unbedingt wünschenswert gewesen wäre. aber so ist das schon interessant, was sich im alltag immer wieder für situationen ergeben.
was den artikel von william davies angeht: er erzählt vieles das wohl alle menschen die mit hunden zusammenleben kennen, aber bleibt für meinen geschmack etwas undifferenziert bei der positiven verstärkung als wichtigste erziehungsmassnahme stecken. positive verstärkung ist unglaublich effektiv, aber genau so sind es grenzen die man setzt und beziehungsarbeit. sich das vertrauen eines hundes zu erarbeiten, so dass der hund dem menschen zutraut schwierige situationen zu bewältigen und den nötigen überblick zu behalten, ist die eigentliche hauptarbeit. meine erfahrung ist, dass es sich lohnt viel arbeit in das lernen der sprache der hunde zu investieren. sie zu verstehen und mit dem körper zu sprechen. ein schlagwort dass man von menschen mit expertise immer wieder hört ist: „räume verwalten.“ wenn man das einmal verstanden hat, sich von den hunden selbst abgeguckt hat, ist das bereits die halbe miete einer erfolgreichen beziehungsarbeit.
The holy grail of dog training is focus, whereby the dog stares unerringly at their handler, waiting for instruction, regardless of distractions around them.
diese orientierung ist keine einbahnstrasse wie william davies es hier darstellt. die absolute konzenration des menschen auf den hund, unabhängig von ablenkung, handy oder sorgen, ist genauso unabdingbar. hunde prüfen ihre menschen unablässig, ist der mensch verfügbar, hat die person ein auge auf mich, kann sie wirklich mit dieser situation umgehen? wenn es auch nur den leisesten zweifel gibt, springt der hund ein und übernimmt führung, verantwortung und die kontrolle — bis man sie ihm wieder (sanft, geduldig, körpersprachlich) abringt.
gesichtsbeleuchtung
als ich vor fast 30 jahren mit meinem damaligen mitbewohner hannes und ein paar kommilitonen in zürich das bühnenbild und licht für ein theaterstück gemacht habe, hatte hannes eine ganz bestimmte vorstellung vom licht.
er war fasziniert davon, wie das licht von bildschirmen das menschliche gesicht beleuchtet. damals waren die bildschirme vor unseren gesichtern noch flackernde, oft blaustichige röhrenmonitore.
moderne mobiltelefone sind nicht nur im wahrsten sinne des wortes mobile fernseher, sondern auch mobile gesichtsbeleuchtungen. sie sorgen dafür, dass menschen im dunkeln mit beleuchteten gesichtern durch die gegend laufen können.
in der ubahn habe ich auch schon oft beobachtet, dass mobiltelefone auch als beleuchtete spiegel genutzt werden können — und genutzt werden.
mich wundert allerdings, dass diese gesichtsbeleuchtungsfunktion noch keine apps hervorgebracht hat die das aktiv nutzen. auf macs gibt es für videokonferenzen bereits einen virtuellen, aber wirksamen leuchtring um sich vorteilhaft mit dem bildschirm auszuleuchten.

ich frage mich warum es sowas noch nicht als apps auf telefonen gibt: „zeichne dein gesicht weich, während du entspannt in der ubahn doom-scrollst“. man könnte sich vornehme blässe aufs gesicht zaubern oder seiner wut besonderen ausdruck verleihen.
mit ein bisschen hardware-aufwand, gerichteten LEDs oder schwachen lasern könnte man optisch, mit gezielt eingesetztem licht, leichte kosmetische korrekturen im gesicht vornehmen oder konturen betonen.
irgendwann, wenn mobiltelefone wirklich gut mit diesen lichteffekten sind und uns signifikant besser aussehen lassen können, wird die kosmetische wirkung von mobltelefonen vielleicht wichtiger als die bilder und videos auf dem bildschirm.
wer weiss, vielleicht halten wir uns in zukunft das telefon nicht mehr vors gesicht, um etwas zu sehen, sondern um in einem besseren licht zu erscheinen.
longboardfahren mit kind
allein weil vodafone in berlin wieder drückerkolonnen an die haustüren schickt, würde ich da niemals kunde werden wollen.
aber dass mir diese heinis dann erzählen, dass DSL „bald“ abgeschaltet würde und man auf „kabel“ wechseln müsse, verschiebt meinen ohnehin nicht besonders guten eindruck von vodafone in eine sehr kloakige richtung.
wie verzweifelt muss ein unternehmen sein, um so zu agieren?

ich musste mir heute früh vorstellen, wie in dem „örtchen“ ein geniesser sitzt.
vorher hat er sich möglicherweise eine pfeife angezündet um den moment besonders geniessen zu können. er sitzt gemütlich und lässt seinen blick über die pink-farbenen plastikwände schweifen. nach 20 minuten kommt er bestens gelaunt zurück an die muffige weddinger aussenluft. bereit für ein produktives tageswerk!
kunst loggen (kloggen?)
dieses wochenende waren wir kurz in hamburg um die abschlussausstellung vom kind anzusehen. also eigentlich war das die abschlussausstellung der bachelor und master absolvierenden dieses jahres an der hfbk. die arbeiten vom kind haben mir sehr gut gefallen und auch wenn ich das nicht so gut ausdrücken kann wie die beifahrerin, haben die arbeiten in mir resoniert. ich fand dieses bild auf den ersten blick interessant, wegen der tiefe und weil es möglicherweise ein paar architekten-saiten in mir anzupfte. ich mag es, wenn man mit minimalen mitteln etwas räumliches schafft das offen genug ist, um es mit eigenen assoziationen zu füllen.

der witz war, dass sich auf dem bild auch croutons befinden. die hatte ich aus der entfernung zwar gesehen, aber als gemalte, konstruktive elemente angesehen. solche mehrschichtigkeiten mag ich. auch zu den anderen arbeiten des kindes fand ich zugang.
mein zugang zu kunst war und ist eigentlich immer: resoniert da was in mir oder sehe ich etwas, das ich so toll finde, dass ich mir wünsche da selbst draufgekommen zu sein? manche leute sagen ja beim betrachten von eher minimalistischer kunst: „das hätte ich auch machen können!“ das ist natürlich aus mehreren gründen lahm: erstens haben leute die sowas sagen es eben nicht gemacht und zweitens übersieht eine solche aussage das wichtigste: den kontext.
ein werk, eine arbeit, ein objekt (und alles andere) hat immer kontext. es gab einen prozess (der sichtbar oder verborgen sein kann) der zu eben diesem ergebnis führt. der kontext, wie ein ding präsentiert wird, ist auch entscheidend.
ich bin sicher: das k in kunst kommt nicht von können, sondern von kontext.
das ist im produktdesign oder auch bei jeder anderen kreativen arbeit nicht anders. die idee ist weniger wichtig als der prozess, als die umsetzung, die umstände, die finanzierung, der zeitgeist — eben der kontext.
mindestens genauso interessant wie die rezeption der arbeiten auf einer ausstellung ist die rezeption der ausstellungsbesucher. wir hatten sehr viel zeit zur ausstellung an der hfbk mitgebracht und verbrachten dann auch nicht wenig zeit im ausstellungsraum des kindes. dort standen dankenswerter weise ein paar sofas auf denen wir sitzen konnten um die besucher der ausstellung zu beobachten.
ganz wie zuhause war das natürlich nicht, sowohl frida als auch ich sind auf dem sofa zuhause sehr viel entspannter. ausserdem schmeckt das bier zuhause besser.
da wir am samstag sehr früh losfuhren und ich meinen laptop erst nach 22 uhr in die hand bekam, konnte ich natürlich nichts bloggen. meine „streak“ regel, also wie ich zähle ob ich an einem tag gebloggt habe um dann (auf der rückseite) zu behaupten …
tägliche beiträge seit: 443 tagen
lautet so: bookmarks, favoriten, kommentare oder antworten oder dinge die ich gesehen habe zählen nicht (ausser ich hebe sie auf die vorderseite), wohl aber etwas das auf der vorderseite erscheint oder eine kurze (oder lange) notiz, ein gepostetes bild oder ein checkin. sprich: mit einem checkin habe ich meine logging-pflicht für den tag im prinzip erfüllt. checkins poste ich ausschliesslich mit bildern, ohne bilder werden sie auf wirres.net gar nicht erst von swarm importiert.
jedenfalls fiel mir bei dieser reise wieder auf, wie glücklich ich mit meinem aktuellen „blog“-setup bin. ich kann klassisches bloggedöns machen, schreiben, bilder posten, kurze und lange notizen festhalten und für alle die es interessieren mag auf der vorderseite und im rss-feed vorhalten und zugänglich machen. aber ich kann auch loggen, logbuch führen, buch über alle youtube-videos führen, denen ich einen 👍 gegeben habe, bookmarks setzen und später verwenden (oder nicht), bookmarks kommentieren und wenn es sich lohnt oder ich lust habe in beiträgen aggregieren oder einzeln auf die vorderseite holen.
kurz, die aufteilung in eine vorderseite auf der alles auftaucht was ich gerne mit einem breiteren publikum zeigen möchte, eine rückseite die beim navigieren der vorderseite helfen kann und ein paar teile des hintergrundrauschens zeigt. und dann das hintergrundrauschen, das nicht unsichtbar, aber eben auch nicht im vordergrund passiert. alles ist in verschiedenen stufen abonnierbar und niemand muss von meinen manchmal manischen aktivitäten im hintergrund genervt sein.
nochmal zurück zur hfbk. ich habe oben ja davon gesprochen, dass ich beim betrachten von fremden arbeiten gelegentlich denke: „schade dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin.“ gestern dachte ich zumindest einmal: so eine idee hatte ich schonmal. leider habe ich mir weder den raum noch den namen der künstlerin notiert, aber sie hat einen traurigen mechanischen vogel aus kabeln, motoren und mechanischen kuckuckspfeifen gebaut.
weit weniger elegant, durchdacht und wohlklingend, hab ich das vor drei jahren auch mal gemacht (am ende sah es so aus).
über pfingsten eine kuckucksuhr gebaut. fast fertig, bevor das zifferblatt der funkuhr dran kommt, muss die beifahrerin das ding noch bemalen (statt beschnitzen, wie im schwarzwald).
zu dieser potenziell kontroversen kuckucksuhr von michael sans hab ich vor 19 jahren mal was geschrieben.
sich selbst verarschen
wir sagen ja gerne: „verarschein kann ich mich selbst“. ich bezweifle das schon länger und meine überzeugung, dass wir gar nicht mal so gut dadrin sind uns selbst gezielt was vorzumachen, wurde heute signifikant gestärkt. ausserdem bin ich jetzt der meinung, dass diese fähigkeit in der tat wünschenswert ist.
bereits gestern bin ich wegen jason kottke über ein sehenswertes video von david epstein gestolpert. kottke schrieb:
BTW, Epstein just started his YouTube channel a few months ago, but it’s already filled with great stuff like Why The Fastest Way To Improve Is To Subtract, Why The Smartest People I Know Set Constraints, Not Goals, and Why The Best Kids Are Rarely The Best Adults. I’ve got some catching up to do.
ich habe heute auch „some catching up“ getan und bin sehr angetan von epsteins videos. „Why The Fastest Way To Improve Is To Subtract“ anzusehen hat sich allein schon wegen dieses zitats gellohnt:
I don’t need time.
What i need is a deadline.
— Duke Ellington
im video spricht david epstein vor allem über einen kognitiven bias den psychologen „additive bias“ oder „subtractive neglect“ nennen. wir tendieren dazu probleme durch hinzufügen von etwas zu lösen und tun uns oft schwer damit problemlösungen in betracht zu ziehen, die etwas entfernen.
zum beispiel: besser fertig werden mit weniger zeit, statt mehr. die beispiele die er im video aufzählt und illustriert sind eingängig und überzeugend. und das was er erzählt und wie er es rüberbringt macht einen grossen bogen um die üblichen selbstoptimierungs tipps & tricks und geht eher in die richtung: guck mal wie andere sich effizient und erfolgreich selbst manipulieren („selbst verarschen“).
als ich dann weiter im kanal rumschaute und mir „I Studied Elite Performers For 20 Years So You Don't Have To“ ansah (was sich vom titel her schon ein bisschen „tschakka!“ anhört), merkte ich, dass ich viele der methoden die david epstein aufzählte und mit beispielen illustrierte, schon seit ewigkeiten praktiziere. ich bin zwar weit davon entfernt „elite performer“ in irgendwas zu sein, aber ich kann mittlerweile bequem auf kommando einschlafen, habe mein leben dutrchritulisiert und versuche mir durch rituale und gewohnheiten so viel mentale micro-lasten zu ersparen wie möglich.
ausserdem erzähle ich allen immer wieder, dass ich der festen überzeugung bin, dass man in der ausbildung oder besser auf dem weg zum beruf, den man irgendwann mal ausübt, keine zeit verschwenden kann. umwege, erfahrungen in möglichst vielen bereichen — auch zum beispiel gastronomie — kommen einem in jedem beruf zu gute. epstein bestärkt so viele meiner überzeugungen, dass ich schon fast fürchte hier opfer eines harten falls von confirmation bias zu sein.
seine schlussworte illustrieren ganz gut wie undogmatisch und frisch er an seine themen geht:
None of that really sounds like conventional productivity advice. Some of it sounds like quite the opposite. And that, I think, is the point. The people who perform at the highest level across all the fields that I've studied or been involved with have figured out something that the rest of us, I think, often resist, at least for a while. Peak performance doesn't come from grinding harder. It comes from understanding how you and your mind and your rhythms actually work and designing habits and environments that work with rather than against them. The weirdest sounding habit on this list, it may actually turn out to be the one that changes how you work.
oder anders gesagt: statt selbstdisziplin und schuffterei muss man nur gute wege finden sich geschickt selbst zu verarschen um kreativität und neugier und spass am tun aus sich heraus zu locken.
schön fand ich auch die kleinen details; in einem video spricht er von vincent van gogh (und seinen „long winding path“) zu dem beruf, der ihn berühmt machte, und illustriert das eben nicht mit einem der bekannten selbstportraits die wir sonst immer sehen, wenn von van gogh gesprochen wird.
auch schön: im video von david epstein fielen zum teil die gleichen begriffe, wie in diesem video von ralph caspers (default mode network). das hatte ich kurz vorher gesehen und mich gefreut, wie das zusammenspiel von youtube-algorithmus, blogempfehlungen und zufall einen gelegentlich — mit wechslenden perspektiven — zu den gleichen themen führt.
die beifahrerin über das kind, kunst und sich selbst. epischer text, gern gelesen — auch beim vierten mal.
malerei erklärt sich nicht durch sprache, weder in die eine noch in die andere richtung. in die eine richtung kommen illustrationen heraus, in die andere werden äpfel zu birnen. was gemalte bilder sind und was sie zeigen kann sprache nur umkreisen. wer seine malerei tatsächlich vollständig in sprache übersetzen kann der braucht aus meiner sicht eigentlich nicht malen.
scheisse vor der tür
heute rief mich die beifahrerin während des morgenspaziergangs an: „weil du meine nachrichten ja nie liest.“ das stimmt, also während des spaziergangs normalerweise nicht. aber ich sehe dafür die raben in den rehbergen, jogger die von hinten kommen, andere hunde und manchmal auch eichhörnchen bevor frida sie sieht.
„da liegt ein riesengrosser haufen menschenscheisse vor der tür! frida darf da auf keinen fall dran schnüffeln!“
sie erzählte mir in den folgenden 20 minuten die origin-story des kackhaufens, dass sie sich kurz mit dem produzenten unterhalten hatte und dass sie auf dem weg zum fitnessstudio ein paar freundliche BSR-kehrfrauen darauf angesprochen habe. die meinten: „eigentlich sind für für menschliche exkremente nicht zuständig, aber aus kulanz können wir gegebenenfalls sand drüberstreuen.“
als frida und ich nachhause kamen lag der haufen noch jungfräulich da und gab einen überraschend stechenden geruch ab. als ich 10 minuten später vom balkon runterschaute war die kulanz bereits erledigt und die kacke unter sand begraben.

die hausinterne mieterinnen-whatsapp-gruppe, an der die beifahrerin teilnimmt, informierte uns darüber, dass gleiches vor ein paar tagen bereits im flur des hinterhauses passiert war. das foto lasse ich hier weg (kann man in der beilage sehen), was ich aber interessant fand: es wurde nicht einfach auf den boden gekackt, sondern an die wand. das kannte ich von den terrassen am wohnblock an der karl-liebknecht-strasse, wo ich vor 24 jahren mein büro hatte.
heute also gelernt:
- die BSR entfernt keinen menschlichen kot. (es gibt aber eine telefonnummer die man anrufen könne)
- man kann scheisse mit sand abdecken
- wenn man ohne sitzschüssel kacken muss, scheint es empfehlenswert den hintern beim kacken an einer wand abzustützen
- wir brauchen mehr öffentliche toiletten
aus den maschinenräumen
gestern machte mich der übellaunig ins internet schreibende, aber sehr freundlich in emails schreibende unstory.eu darauf aufmerksam, dass er gelegentlich seiten löscht und jetzt einer meiner links ins leere zeigen würde. das veranlasste mich dazu eine funktion hier nachzurüsten, die nach der veröffentlichung eines beitrags eine warteschlange mit allen links des beitrags füllt und bei archive.org anfragt ob die verlinkten seiten im archive.org gespeichert werden können.
vorher hatte ich mal überlegt ob ich das html von links oder bookmarks einfach bei mir sichern sollte, aber das erschien mir bei näherer betrachtung immer zu komplex und kompliziert.
VW hat die API bei der ich und viele andere ihre fahrzeugdaten abgeholt haben mehr oder weniger gekillt. die begründung ist wohl mehr sicherheit oder so, aber de facto kann ich jetzt weder den ladestand, das odometer, bzw. den status unseres autos nicht mehr in automationen verwenden. auch die navigations- und ladeplanungs app pump, die wir seit einem jahr nutzen, funktioniert damit für uns nicht mehr. sie zeigt den ladestand unseres autos jetzt konstant mit 27% an. die verkackte VW-app funktioniert natürlich weiterhin, was besser als gar nichts ist, aber das ist schon ziemlich arschig von VW so zu agieren.
ein bisschen recherche zeigte, dass es ein paar workarounds gibt, der workaround den ich am interessantesten fand war, dass der stromanbieter tibber offenbar als einer der wenigen „partner“ weiterhin (oder wieder) zugang zu VW-fahrzeugdaten hat. und tibber bietet wiederum einen API zugang zu seinen daten an. die zapfe ich jetzt ersatzweise an und habe jetzt zumindest wieder den ladezustand, die reichweite und die info ob das auto gerade lädt oder nicht im home assistant. damit kann ich wiederum die API von abrp bespielen und wieder mit abrp ladeplanung machen.
seit dem ich viele seiten als markdown anbiete und eine llms.txt anbiete, habe ich das gefühl, dass der druck den KI-crawler auf die website ausüben stark nachgelassen hat. davor kam es immer wieder vor, dass crawler sich durch die archiv-paginierung wühlten und damit den server quälten.
shellies sind wirklich klein. ich habe eine alte ikea-lampe, die eigentlich mit halogen-leuchtmitteln betrieben werden soll auf LEDs umgestellt. dafür musste ein neuer trafo her und damit man die lampe dimmen und schalten kann, habe ich neben dem neuen trafo auch noch einen shelly ins lampengehöuse eingebaut bekommen.
scheindringlichkeit
The more often we succumb to the urgency of the moment, the more urgency we create.
wenn man durch akzeptanz von dringlichkeit ebendiese vermehrt, kann man sie dann durch ablehnung oder ignoranz reduzieren?
ich bilde mir ja ein regen ignorieren zu können. das funktioniert draussen, im regen, ganz gut, aber wenn ich dann wieder zuhause bin und merke dass ich tropfe, werde ich dann doch unsicher ob sich regen wirklich ihnorieren lässt.
kann man dringlichkeit ignorieren? ich glaube schon, allein deshalb, weil sich die hälfte aller anliegen von alleine erledigt. egal ob das anliegen dringend oder nicht war. für die anderem anliegen die mir begegnen ist ignoranz eigentlich gar nicht nötig, weil ich ohnehin immer eine weile benötige um die natur oder den hintergrund und kontext des anliegens zu verstehen. oder anders gesagt auf dringliches sofort zu reagieren ist ohnehin nichts anderes als aktionismus. eine lösung braucht zeit, koordinierung, reflexion.
dringlichkeit ist auch selten eine eigenschaft des problems, sondern eher resultat unserer wahrnehmung oder der erwartung anderer. deshalb ist es vielleicht am besten dringlichkeizt mit sorgfalt zu begegnen, dann vermehrt sich dringlichkeit auch nicht.











das video ist auf ganz vielen ebenen wundervoll. der video-beschreibung nach geht es nur darum vierblättrige kleeblätter zu finden und ein bisschen wissenschaftlicher hintergrund dazu. aber mit dem auftritt der kleeblatt-jägerin gabriella gerhardt wird’s wirklich interessant. um vierblättrige kleeblätter zu finden sollte man einfach loslassen, dass grosse bild betrachten und die mustererkennung in unserem kopf autonom arbeiten lassen. sehr zu sehen zu empfehlen, wie die meisten videos von rabbithole.