christoph hat sein 13 jahre altes tagebuch von einem 22 tage langen USA roadtrip in sein blog übertragen. ich habe das sehr gerne gelesen und die fotos sind grandios.
die beifahrerin brauchte heute comfort food, deshalb hab ich heute wieder fritiert und krautsalat gemacht.
beim morgenspaziergang mein handy vergessen, war trotzdem gut.
es ist sonntag abend und ich bin im gegenteil zu normalen sonntag abenden extrem gut gelaunt. obwohl morgen montag ist, habe ich noch 6 sonntage und einen samstag vor mir. urlaub ist toll.
ich sitze hier und denke nach was ich heute gemacht habe und mir fällt nichts ein. ok, sendung mit der maus geguckt, morgenspaziergang, mittagsschlaf, in der küche das silikon zwischen arbeitsplatte und kacheln erneuert. aber sonst? nix. toll. kann ich auch nix schreiben.
ich bin grosser fan staatlicher regulierung. die grossen krisen, die uns gegenüberstehen oder auf uns zukommen, lösen wir nicht allein durch individuelle umstellung unserer lebensweise. es ist lobenswert, das auto stehen zu lassen (am besten gleich beim autohändler, vor dem kauf) und das fahrrad zu benutzen. aber der ausbau von fahrradwegen, der umbau unserer städte zu menschenfreundlichen statt autofreundlichen lebensräumen ist eine politische und gesellschaftliche aufgabe. genau wie die umstellung der energieversorgung auf erneuerbare energiequellen, um unsere abhängigkeit von fossilen energiequellen und schurkenstaaten zu reduzieren, oder die reduzierung zum beispiel von verpackungsmüll. fast 60 jahre jute statt plastik haben den verpackungsmüll kaum reduziert, genauso wie schaufensterpolitische stunts wie der grüne punkt oder trittins pfandgedöns.
es gibt unmengen brennender fragen (im wahrsten sinn des wortes) und krisen, die wir politisch lösen müssen. das ist kompliziert und funktioniert nicht immer im ersten wurf, aber anders als mit staatlicher, gesellschaftlicher regulierung, also gesetzen und regeln für alle, kommen wir da nicht weiter.
andererseits gibt es regulierungen, die von anfang an zum scheitern verurteilt sind, also nachgewiesenermassen nicht funktionieren. das sind vor allem jugendschutzregeln und betäubungsmittelverbote. alles, was solche regulierungen bewirken, sind gewisse reibungsverluste bzw. leichte schwierigkeiten bei der beschaffung. wer trinken, kiffen oder rauchen will, egal wie alt er ist, egal wie legal, illegal oder teuer die beschaffung ist, findet wege. auch das social-media-verbot in australien wirkt so gut wie gar nicht:
Die bisherigen Daten zeigen, dass das australische Social-Media-Mindestalter die Nutzung durch Unter-16-Jährige bislang nur begrenzt reduziert hat und die Altersbeschränkungen in großem Umfang umgangen werden.
natürlich bin ich der meinung, dass wir staatliche regulierung von social media und tech-plattformen brauchen, aber eben für alle. dark patterns, suchtfördernde designmuster oder moderationsdefizite auf öffentlich zugänglichen plattformen müssen genau wie schädliche substanzen oder gesundheitsgefährdende produkte reguliert oder mit regulatorischen mitteln so verteuert werden, dass sie sich für die betreiber weniger lohnen.
aber das mit dem jugendschutz allein durch verbote können wir uns abschminken. oder weniger polemisch formuliert: regulierung sollte nicht bei den nutzenden ansetzen, sondern bei den angeboten und anbietern. und die beste jugendschutzgrundlage ist immer noch, jugendliche dabei zu unterstützen, stark, autonom und selbstständig werden zu können. nicht vornehmlich die jugend vor potenziellen gefahren und risiken schützen, sondern ihnen das rüstzeug an die hand geben, um mit den risiken umzugehen oder sie zu vermeiden.
ich habe grosses vertrauen in die jugend. nicht weil ich zu einem milden onkel geworden bin, sondern weil ich selbst mal jugendlicher war und mich daran erinnere, dass ich meinen eltern dankbar bin, dass sie mich dumme fehler haben machen lassen und ich mir selbst aussuchen konnte, welche risiken ich eingehen wollte. ich hatte zum beispiel keine zeit, zu der ich am wochenende spätestens zu hause sein musste, solange ich montagmorgens in einem akzeptablen zustand zur schule ging.
regulierung, die verantwortung von der gesellschaft auf den einzelnen verschiebt und das dann jugendschutz nennt, nervt mich. genauso wie leute, die jungen menschen kein vertrauen schenken und unter dem deckmantel des jugendschutzes entscheidungen für sie treffen wollen. leute, die jugendliche für narzisstisch, fast-food-, nikotin-, spiel-, porno-, gadget-, aufmerksamkeits- oder konformitätssüchtig halten, haben mich schon als jugendlicher genervt. und sie nerven mich immer noch. insbesondere wenn ich ausgerechnet auf netzpolitik kolumnen wie diese von ihnen lesen muss.
Statt die eigene Persönlichkeit auszudrücken, etikettieren Nutzer:innen alles, was sie tun und was sie sind, mit einem der zahllosen Labels, die über ihre Bildschirme fliegen. Dabei passen sie sich allzu geschmeidig wöchentlich wechselnden Trends an. Sie schreiben über sich selbst, ohne etwas über sich auszusagen.
Social-Media-Trends bestimmen, was Menschen über sich selbst sagen, wie sie sich kleiden und welche Musik sie hören, nicht aber das eigene Interesse oder der eigene Geschmack. So verschwinden sie im Gleichstrom der Clean-Girl-Ästhetik oder in Cowboystiefeln und Miniröcken in irgendeiner Bar. Chic.
was für ein quatsch. diese kolumne hätte genauso gut vor 20, 30, 40 oder 60 jahren erscheinen können. dann hätte man statt von social-media-plattformen von massenmedien oder medienkonglomeraten geredet. oder statt tech-bros hätte man zeitungsbarone, rechtskonservative medienmogule, medien- oder studiobosse gesagt. die „gleichschaltung“ von geschmack, trends und moden wäre dann statt von „grossen techplattformen“ aus zeitungen, zeitschriften, film und fernsehen „diktiert“ worden. davor waren es weltliche und kirchenfürsten, die uns in die „konformität“ drängen wollten.
alles, was carla siepmann hier über trends, mode, konformität, individualität und darüber, wie „die jugend“ damit umgeht, schreibt, wird seit jahrhunderten genauso über „die jugend“ geschrieben. in der regel sind das allerdings alte, weisse männer, die der jugend fehlende stärke, schwache persönlichkeiten oder einen mangel an autonomie, willen und individualität vorwerfen.
ich habe mir mads pankows buch „die wahrscheinliche wahrheit“ auf der verlagsseite gekauft, nachdem er mich zu seiner buchvorstellung einlud, und gleich angefangen darin zu lesen. bis zur buchvorstellung hatte ich die hälfte durch. mir gefiel mads pankows art zu schreiben von der ersten seite an. er schreibt verständlich und nachvollziehbar und an keiner stelle fühlt man sich überfordert oder irritiert1. ich habe bei vielen autoren das ungute gefühl, dass sie komplexe sachverhalte absichtlich kompliziert aufschreiben und das als distinktionsmerkmal sehen. vielleicht weil sie glauben, dass sie dann besonders intelligent wirken. bei mads pankow hatte ich dieses gefühl nicht ein einziges mal. es scheint ihm nicht wichtig zu sein, intelligent zu wirken, sondern es scheint ihm wichtig, verständlich zu schreiben. dazu kommt eine unaufgeregtheit und sachlichkeit, die ich bei den meisten texten über künstliche intelligenz in den letzten monaten immer wieder vermisst habe.
auch wenn der untertitel des buchs
Wie KI unsere Wirklichkeit, Moral und Gesellschaft neu berechnet
lautet, ist das buch nicht wirklich über künstliche intelligenz. es ist ein buch über relativität, die relativität von wahrheit — oder die geschichte und zukunft der wahrheit.
ich habe über das thema seit jahren auch (relativ) intensiv nachgedacht. 2015 stellte ich als teilfazit eines republica-vortrags die steile these auf, dass die wahrheit immer ein kompromiss oder relativ sei. das ist so zusammenhangslos ein sehr missverständlicher satz, und auch wenn ich später präzisierte, dass es mir darum ging, der sogenannten „wahrheit“ immer differenziert, skeptisch und mit demut zu begegnen. vor allem deshalb, weil die wahrheit — die welt — unserer wahrnehmung nicht vollumfänglich zugänglich ist.
ich habe mich gefreut, bei mads pankow ähnliche thesen zu lesen, die aber um ein vielfaches eleganter und solider begründet sind als mein rumgeeiere vor 11 jahren. hier zum beispiel über die „pragmatische wahrheit“ und eine „alte These des Konstruktivismus“:
Die Welt weiß nichts von unseren Beschreibungen und Theorien. Sie bleibt letztlich unzugänglich. Eine letzte Wahrheit gibt es nicht, nur bessere und schlechtere Modelle. Wahr ist, was funktioniert, Prognosen erlaubt.
mads pankow ordnet die verschiedenen ausprägungen von wahrheit in die mediengeschichte ein. mündlichkeit, schrift und buchdruck haben je eigene massstäbe dafür gesetzt, was als wahr, belegbar und allgemeinverbindlich gilt. soziale medien und neuerdings „probabilistische maschinen“ (wie mads pankow KI oft nennt2), relativieren unseren wahrheitsbegriff noch einmal.
EINE KLEINE GESCHICHTE DER WAHRHEIT
Neue Kommunikationstechnologien verändern die Art und Weise, wie wir die Welt beschreiben und verstehen. Mit der Schrift setzte sich die lineare Argumentation durch und erforderte eine Ordnung der Wirklichkeit in Kategorien und Regeln. Der Buchdruck vervielfältigte nicht nur Texte, sondern auch Perspektiven – und schuf damit einen öffentlichen Diskurs, in dem Wahrheiten um Gültigkeit konkurrieren. Mit den digitalen Technologien entstehen nun zwei neue Wissensordnungen: die gefühlsbezogene der sozialen Medien und die wahrscheinlichkeitsbasierte der Künstlichen Intelligenz.
wie gesagt, mads pankow leitet seine mediengeschichte der wahrheit gut lesbar und nachvollziehbar her, und das zu lesen hat mir grosses vergnügen bereitet. er verzichtet auf jargon und nutzt fremdworte nur, wenn es wirklich nötig ist oder passt. ich lese zu ähnlichen themen auch sehr gerne die texte von michael seemann (zum beispiel diesen), aber gerade der kontrast zu seemanns texten macht deutlich, welche mühe sich pankow macht, sein buch auch nicht-insidern zugänglich zu machen. er setzt nichts voraus, man muss kein wissen über cartesianismus, anthropomorphismus oder relationalen materialismus mitbringen, aber man merkt, dass pankow das wissen mitbringt. aber statt es dem leser ins gesicht zu klatschen, packt er es in die anmerkungen und läuft die extra meile, bleibt im deutschen, definiert begriffe, bevor er sie benutzt, deutet nicht an, sondern formuliert aus. aber er vereinfacht auch nicht so weit, dass die differenzierung und präzision verloren gehen. das eine oder andere wissenhäppchen hatte ich bei der lektüre schon intus und immer wenn ich beim lesen mal kurz dachte, dass eine erklärung zu kurz griff, differenzierte pankow ein paar sätze später.
das buch ist ein medien- und gesellschaftstheoretischer essay, der mich thematisch stark an meine lektüre von vor 40 jahren von neil postmans „wir amüsieren uns zu tode“ erinnert. aber ohne den ganzen pessimismus und die technophobie. die wahrscheinliche wahrheit sprudelt im kontrast nur so vor optimismus und dem glauben, dass wir als gesellschaft die herausforderungen der neuen medien und probabilistischen maschinen schon meistern und die chancen ergreifen werden — obwohl „sprudelnder optimismus“ vielleicht etwas übertrieben ist. immerhin lautet das fazit des buchs: „Die Medienkatastrophe“. aber wie ein guter optimist sieht er das glas weder als halb voll noch als halb leer an, sondern als glas, das man füllen kann. die katastrophe sieht er als gestaltbar an, vom kulturpessimismus lässt er die finger.
so solide mir seine kulturtheorie der wahrheit vorkam, scheint mir der zweite teil des buches auf weicheren, hypothetischen füssen zu stehen. oder umgekehrt, vielleicht war ich auch einfach vom zweiten teil überfordert. aber das ist wohl weniger mads pankows schuld, als die komplexität der herausforderungen vor die uns diese neuen probabilistischen systeme stellen, die uns gerade von den technologie-unternehmen übergestülpt3 werden.
die verwerfungen der sozialen medien, die uns gerade mal 20 jahre begleiten, ziehen gerade in unsere parlamente ein. den umgang mit diesen affektiven wahrheiten haben unsere gesellschaften noch nicht mal im ansatz gemeistert — und schon drohen die wahrscheinlichkeitsbasierten medien die gesellschaftliche ordnung nochmal in ihren grundfesten zu erschüttern. mads pankow sieht chancen in der katastrophe und hält sie für gestalbar. ich frage mich, ob die gestaltung mehr zeit braucht, als der fortschritts-takt uns derzeit lässt und ob wir diesen takt mit etwas mehr fortschrittpessimismus und regulierung ausbremsen sollten.
so oder so brauchen wir mehr denkarbeit zum gesellschaftlichen wandel in den uns der rasende technologische fortschritt so oder so schleudert. und im constantin seibt’schen sinne4 liefert mads pankow auf 284 seiten 5 unmengen an denkarbeit zum weiterdenken.
was mich ein bisschen irritierte war mads pankows nutzung des generischen maskulinum und femininum und der klassischen dopplung (autorinnen und autoren, bürgerrinnen und bürger). auch wenn die dopplung das häufigste mittel ist, pendelt der text wild zwischen doppelung, maskulinum und femininum. ↑︎
siehe jeremy keith: „The majority consensus amongst actual regular people is that this is being forced down our throats and stuffed into our eyes and ears.“ ↑︎
constantin seibt über komprimierte zeit: „Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.“ quelle: tagesanzeiger.ch/deadline (in 404 versiegt) ↑︎
in meinem e-book reader waren es 936 seiten ↑︎
nächstes jahr dauert die republica 20 jahre und findet im dark mode statt.
heute ein bisschen planlos in meiner website rumgeklickt und mich dabei gefragt, was der unterschied zwischen den kategorien „ix über wirres“ und „über wirres“ sein könnte. meine entscheidungen von vor zehn, drei jahren, manchmal auch die von vor zehn oder zwei tagen, sind für mich selbst nicht immer klar nachvollziehbar. die antwort lautet wahrscheinlich, dass ich die kategorie „ix über wirres“ in die andere überführen sollte. jedenfalls bin ich dann wieder auf den elf jahre alten artikel mit dem titel „20 jahre ins internet linken“ gelandet und von dort auf den artikel „Wie ich das Bloggen erfand“ von tim cole. dort beschreibt tim cole, wie er 1995 anfing zu bloggen.
unter dem beitrag stand ein kommentar von benedikt koehler, der damals metaroll.de betrieb und dort unter anderem eine „Geschichte der deutschen Blogoshäre“ als zeitstrahl pflegte. die originaladresse der seite ergibt schon lange 404, die kopie auf archive.org funktioniert wegen javascript-fehlern nicht mehr.
also dachte ich mir: „schade!“ und ob ich das nicht mal schnell rüberkopieren könnte und wieder zum laufen bringen könnte. mit etwas hilfe ging das ganz schnell, auch die alte SIMILE javascript-bibliothek, die den zeitstrahl baut, funktionierte noch:
dann fragte ich mich, ob vielleicht ne modernere bibliothek zur darstellung eines zeitstrahls gibt und die gibts offensichtlich mit vis-timeline:
die bloghistory quelldatei die benedikt koehler damals zusammengetragen hat habe ich unverändert gelassen, ausser dass ich zwei einträge hinzugefügt und einen verschoben habe:
time cole führt die timeline mit dem 4. januar 1995 an
den beginn von wirres.net habe auf den 20. april 2002 verschoben, aber dafür
ix.editthispage.com auf den 1. juli 2000 gehoben (wo vorher, in benedikts version, wirres.net stand)
dann habe ich ein bisschen auf dem zeitstrahl rumgeklickt und war einerseits nicht überrascht, wie viele der blogs verstorben sind und andererseits doch überrascht.
Das Meer ist angefüllt mit Wasser und unten ist’s besonders tief, am Strande dieses Meeres sass er, d.h. er lag, weil er ja schlief.
Und nochmal: Am Meere sass er, d.h. er lag, weil er ja schlief, und in dem Meer war sehr viel Wasser und unten war’s besonders tief.
Da plötzlich teilten sich die Fluten und eine Jungfrau kam herfür, auf einer Flöte tat sie tuten, das war kein schöner Zug von ihr.
Dem Fischer ging das Lied zu Herzen, obwohl sie falsche Töne pfoff --- man sah ihn in das Wasser sterzen, dann ging er unter und ersoff.
ich ab mich dann allerdings gefragt, ob erhardt wirklich „d.h.“ und „---“ verwendet haben könnte und googelte/sterzte dem gedicht nach, bis ich einen (relativ neuen) abdruck in buchform (seite 24) fand. also nochmal neu setzen:
Der Fischer
(Frei nach Johann Sebastian Goethe)
Das Meer ist angefüllt mit Wasser und unten ist’s besonders tief, am Strande dieses Meeres saß er, d. h., er lag, weil er ja schlief. Und nun noch mal: Am Meere saß er, d. h., er lag, weil er ja schlief, und in dem Meer war sehr viel Wasser und unten war’s besonders tief.
Da plötzlich teilten sich die Fluten und eine Jungfrau kam herfür, auf einer Flöte tat sie tuten, das war kein schöner Zug von ihr. Dem Fischer ging das Lied zu Herzen, obwohl sie falsche Töne pfoff – – – man sah ihn in das Wasser sterzen, dann ging er unter und ersoff.
für den morgenspaziergang sind frida und ich heute mit der sbahn nach frohnau gefahren und von dort durch frohnau und den tegeler forst zurück nach tegel gelaufen.
in frohnau gibts einen poser platz
selfi im wald an einer wasserstelle
unterführung unter der A111 am hermsdorfer damm
auch schön so.
die apple watch hat insgesamt 8,8 km und fast 10.000 schritte aufgezeichnet, nach dem spaziergang hat frida bis 16:30 geschlafen. ich vermute es ist für sie um ein vielfaches anstrengender an der kurzen leine zu gehen als im freilauf zu schnüffeln, zu stöbern und jägerin zu spielen. wenn sie wie heute im wald durchgehend an der kurzen leine ist und sich auf mich konzentrieren muss, dürfte das sehr anstrengend sein. auf der rückfahrt im bus an einem wahlkampfplakat vorbeigekommen das zwar als CDU plakat zu erkennen war, aber sich trotzdem das CDU-logo sparte, bzw. das mit 80% transparenz in der oberen, rechten ecke versteckte.
ein wahlplakat der CDU ohne das wort CDU
hier haben die biber offensichtlich den biberschutz gehackt.
ich frage mich ja, ob die linken das auf die rückseiten aller CDU-wahlplakate geschrieben haben und diese unterschwellige botschaft der grund für die vielen stimmen für die linken war.
manchmal hilft auch „gutes deutsch“ nicht um eine chance zu haben. oder andersrum: egal wir gut und obercheckermässig das deutsch ist, wenn sich worte und versprechen nicht mit taten decken, hat man offenbar nicht so gute chancen.
aus der abteilung quod licet iovi, non licet bovi. friedrich merz von 2 ½ jahren.
urlaub zu haben gefällt mir erwartungsgemäss sehr gut. die letzten arbeits-wochen waren ziemlich anstrengend und es gelang mir nicht mehr so gut die arbeit nach feierabend hinter mir zu lassen. ich habe mich in den letzten wochen mehrfach dabei erwischt, wie ich beim einschlafen über arbeitsthemen nachdachte oder sie in gedanken versuchte zu strukturieren. deshalb tut es gut beim einschlafen, träumen oder unter der dusche über meine eigenen themen und probleme nachzudenken.
auch schön, hunde dürfen jetzt bei ikeamit einkaufen gehen. weil die beifahrerin ein paar sachen brauchte, haben frida und ich das gleich mal ausprobiert. ging gut, auch wenn sie gelegentlich quakte, wenn ich mir sachen zu lange ansah. aus der ikea-smarthome-abteilung reizte mich nicht zu einem spontankauf, aber eine edelstahlpfanne wollte ich doch mal ausprobieren. ich habe jetzt so viele koch-youtube-videos gesehen, dass ich reif dafür war. gleich ausprobiert und da klebt tatsächlich nix fest, wenn man sie vorher ordentlich aufheizt (leidenfrost-test). und wie erfrischend es ist mit metallwerkzeugen in der pfanne hantieren zu können. die beschichteten pfannen und töpfe fliegen in den nächsten tage alle raus und frida und ich werden nochmal zu ikea fahren.
meine mittlerweile über 9 monate dauernde auswertung/logging meines medienkonsums hat ergeben, dass ich pro tag im schnitt fast um die zwei stunden vor der glotze hänge. heute hab ich mir einen neuen trick beigebracht. auf dem sofa sitzen und statt auf dem laptop bewegtbilder mit ton zu schauen, hab ich mir den taschenrechner vors gesicht gehalten und dort ein buch zuende gelesen, das erste seit einigen jahren. ich habe in den letzten jahren zwar ein paar bücher gelesen, aber keins zuende.
andererseits, wenn bücher CDs wären, hätte ich seit einigen jahren keine CD mehr gehört. was aber eben nicht bedeutet, dass ich keine musik gehört hätte. die frage stell ich mir öfter: sind bücher nicht einfach sorgfältig geschriebene und zusammengestellte artikel? bis markusein buch geschrieben hatte, wusste ich mit dem begriff novelle nicht viel anzufangen. weil markus sein much aber immer „novelle“ nennt, ist mir der begriff jetzt geläufig, bzw. ich weiss, dass es ein relativ kurzes buch ist, dessen kapitel auch als artikel-serie in einem blog erscheinen könnte. dann könnte man die texte aber nicht so einfach verkaufen und es würden keine kritiken erscheinen. kritiker schreiben keine blog-kritiken, sie bemüssigen sich nur bei büchern sie zu durchzulesen und danach zu bewerten.
sachbücher dienen, ähnlich wie blogs, auch dazu den autoren oder die autorin als experten oder expertin zu identifizieren. aber sachbücher funktionieren besser um einladungen zu vorträgen oder diskussions- oder expertenrunden zu bekommen. auf der republica ist gefühlt die hälfte der vortragenden auf promo für ihr neuestes buch.
ein weiterer grund ein buch zu veröffentlichen, statt eine webseite oder blog zu veröffentlichen, sind rankings. blog- oder webseiten-rankings nimmt niemand mehr ernst und abgesehen daon gibt es sie eigentlich auch gar nicht mehr. bestesellerlisten mehmen manche leute noch ernst.
eigentlich wollte ich heute bei ikea meinen weg tracken. oder zumindest ausprobieren ob das in der ikea-blech- und beton-büchse überhaupt funktioniert. hab ich aber leider vergessen und konnte das deshalb auch nicht als nachmittags-wanderung loggen. noch nicht mal eingescheckt hab ich mich heute dort. ich glaube ich habe einen inneren zwang meinen ikea-besuch zu effizient wie möglich zu gestalten und vergesse dabei dann alles was ich mir ausser einkaufen vorgenommen habe: optimal platzierten parkplatz finden, eingang hoch, sofort runter in die „markthalle“, dort so viele abkürzungen wie möglich nutzen, um so schnell wie möglich an der selbst-scan-kasse wieder raus zu kommen. ich glaube wir waren heute gerade mal 20 minuten im ikea.
zu essen hab ich mir gestern mal wieder die sauerkrautsuppe nach mälzer gemacht. statt mit kalbsbratwurstbrät mit selbstgemachten tofu-brät das köstlich war, aus dem ich aber frikadellen braten musste, weils zu flüssig wurde. das anbraten des tofu-brät-breis war der ultimative edelstahlpfannen-stickiness-test, den sie mit bravur bestanden hat.
die strecke von hangelsberg nach fürstenwalde hab ich rausgesucht, weil sie nicht zu lang ist (14 kilometer) und man von fürstenwalde mit der bahn zurück nach hangelsberg fahren kann. wir sind dann zwar mit dem bus gefahren, aber das klappte genauso gut. die anfahrt haben wir mit dem auto gemacht, weil das nur 50 minuten dauerte und mit den öffentlichen zwei stunden gedauert hätte.
die tour sollte 14 kilometer lang sein und drei stunden dauern, wir haben das mit zwei pausen dann auch tatsächlich in 3 stunden geschafft.
die GPX-route von hier ist ziemlich veraltet und hat uns einmal in eine sackgasse geleitet. auch von dem fast durchgehenden fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde wusste die GPX-route nichts. trotzdem, die strecke war nicht kompliziert, im prinzip immer an der müggelspree und später an der fürstenwaldspree entlang. besonders anspruchsvoll war die strecke auch nicht, aber teilweise sehr schön. seen gabs keine, aber die müggel- und fürstenwalde-spree waren auch schön und teilweise seen-artig.
einerseits schön, andererseits ein bisschen anstrengend war, dass der ziemlich neue fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde oft auch gleichzeitig der 66 seen wanderweg war. trotzdem hat das auch gut mit dem hund geklappt. bei einer hundebegegnung wurde es kurz ein bisschen laut, einer von zwei hunden kam bellend auf uns zu und das frauchen schrie unablässig um ihn zurückzurufen. er war aber beschäftigt einen komischen alten mann (mich) mit einem noch komischeren kleinen hund (frida) zu vertreiben und konnte deshalb nicht zurück zur besitzerin laufen. ich hab ihn dann langsam aber sicher (mit abstand) doch wieder in richtung seiner besitzerin gedrückt. währenddessen blieb frida ruhig und vorbildlich hinter mir und liess mich die situation regeln.
die zweite und dritte hundebegegung erinnerte mich an die geschichte vom igel und dem hasen. ein päärchen mit je einem hund an der leine kam uns auf dem weg zweimal (!) entgegen. wir hatten wirklich ein gutes tempo1 drauf und ich kann mir, obwohl wir zwischendurch eine 20-minütige pause gemacht haben, nicht wirklich erklären wie die das gemacht haben.
die 14 kilometer haben wir gut weggesteckt, frida hatte einen stetigen und entspannten vorwärtsdrang. das entspannen fiel ihr witzigerweise bei der pause schwer. einmal unterwegs läuft und läuft und läuft sie und ich glaube ich/wir können auch eine längere wanderung als 14 kilometer mit ihr wagen. allerdings war sie nach der wanderung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft.
der durchschnittspace über die ganze strecke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (obwohl ständiges fotografieren und diese eine hundebegegnung den pace natürlich leicht ruiniert haben). ↑︎
Wie bereits erwähnt, ist das Oktoberfest die weltweit größte Freiluftswingerveranstaltung.
Auf einem meiner Flüge von L.A. nach München saß eine Gruppe australischer Passagiere im geschätzten Alter zwischen 18 und 25. Sie wollten auf’s Oktoberfest. Mitte Oktober. Als ich sie darauf hinwies, dass das Oktoberfest immer im September stattfindet und bereits beendet sei, war die Stimmung im Keller. Möglicherweise ist die Namensgebung absichtlich widersprüchlich, um nach den Briten wenigstens die Australier fernzuhalten.
was frau klugscheisser hier über das oktoberfest schreibt, erinnert mich an die rheinische tradition des karnevals. ich bin im rheinland aufgewachsen und habe das ungefähr 20 jahre miterlebt und beobachtet. im unterschied zum oktoberfest, hat karneval auch einen politischen hintergrund, von dem man in der neuzeitlichen ausprägung zwar nicht mehr allzu viel mitbekommt. die idee, im schutz von verkleidung und humor die obrigkeit zu verspotten und gesellschaftliche zustände zu kritisieren, ist aber hier und da noch sichtbar.
praktisch dient der karneval, wie das oktoberfest, aber vor allem als ausrede, sich masslos zu besaufen, sich gehen zu lassen und gewisse gesellschaftliche konventionen für eine weile auszusetzen. als jugendlicher im rheinland fand ich das gut und habe die gelegenheit gerne genutzt. ich habe erfahrungen sammeln können, zu denen ich im normalen leben keine gelegenheit hatte, wie zum beispiel einen faustschlag ins gesicht zu bekommen und die gelegenheit auf einer abendveranstaltung zu knutschen.
bis zu meinem achtzehnten lebensjahr fand ich karneval gut. ich habe die tagelange veranstaltung rationalisiert und mir gedacht, dass es gut sei, wenn menschen einmal pro jahr narrenfreiheit bekommen und diese zeit als ablassventil nutzen können und für eine gewisse zeit ihre sorgen, zwänge und hemmungen vergessen könnten. dann fuhr ich mit 17 jahren für ein jahr als austauschschüler nach amerika. dort bildete ich mir kurz ein, den karneval zu vermissen, aber als ich als achtzehnjähriger zurückkam, war ich dem karnevalstreiben völlig entfremdet.
in meiner nach-austauschschüler-zeit fand ich karneval nur noch störend, laut, übergriffig und albern. jedes jahr zur karnevalszeit flüchtete ich aus dem rheinland. das ist auch einer der unterschiede zum oktoberfest, das oktoberfest, die theresienwiese, kann man vielleicht umfahren, auch wenn die auswirkungen in der ganzen stadt münchen spürbar sind, ist der eigentlich wahnsinn örtlich begrenzt. dem karneval entkommt man in rheinischen städten nicht. es wird überall gesoffen, frohsinn in die welt gerufen und krach gemacht. die ganze stadt steht im wahrsten sinne des wortes kopf, von donnerstag bis dienstag. um dem wahnsinn zu entkommen, muss man das rheinland verlassen.
mir ist aufgefallen1, dass ich den html-tag <kbd> noch nie richtig gestyled hatte. das habe ich jetzt nachgeholt und kann über die tastaturkürzel, die auf wirres.net funktionieren, schreiben.
was ich ständig selbst benutze, ist die taste y. die klappt das navigationsmenü rechts auf, egal wo ich mich auf der seite befinde. was ich auch ständig selbst benutze, ist j/k. auf artikelseiten navigiert man damit zum vorherigen / nächsten artikel, auf übersichtsseiten scrollt man damit von einem beitrag zum nächsten.
eine übersicht der tastaturkürzel bekommt man mit ?, und mit x klappt man artikel temporär zu (was übersichtsseiten manchmal übersichtlicher macht).
an den html-tag <kbd> hat mich dieser markdown-editor erinnert. den nutze ich zwar nicht, aber in den letzten tagen habe ich sehr oft das paste-to-markdown-feature auf der gleichen seite genutzt. das ist enorm hilfreich, wenn man formatierten text (mit formatierung oder links) mal eben schnell in markdown wandeln will, was ich bei der rekonstruktion meiner alten piqs sehr viel getan habe. ↑︎