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dust bun­ny

felix schwenzel in gesehen

promo poster des films dust bunny

dust bun­ny ge­se­hen. ich weiss nicht was das war, aber es war wirk­lich gut. und ich habe auch ziem­lich oft ge­lacht.

der film hielt mich die gan­ze zeit über on the edge of my seat, aber nicht we­gen des span­nungs­bo­gen, son­dern weil das was man zu se­hen be­kam so un­ver­ständ­lich schien, dass ich wei­ter­gu­cken muss­te um zu er­fah­ren was da ei­gent­lich los war. es war je­den­falls kei­ne se­kun­de lang­wei­lig.

man könn­te viel­leicht sa­gen, das was man zu se­hen be­kam war eine wil­de mi­schung aus pipi lang­strumpf und leon der pro­fi?

mein dank an cold­heat.de, des­sen emp­feh­lung ich ge­folgt bin.


bul­litt

felix schwenzel in gesehen

filmplakat des film „bullit“ von 1968. man sieht steve mcqueen ohne strickjacke, aber mit pistolenhalfter, wie er sich an den rand des posters lehnt. aus  seinem hosenschlitz scheint ein auto geflogen zu kommen.

nico brün­jes ist ge­ra­de in ei­ner 70s-re­watch-pha­se. am sonn­tag hat er bul­litt emp­foh­len, eine emp­feh­lung der ich ger­ne nach­ge­kom­men bin, weil ich den noch nicht ge­se­hen habe und der ja wohl ein klas­si­ker ist.

um mit dem fa­zit an­zu­fan­gen: das war ein gros­ses ver­gnü­gen und nico hat auch schon die wich­tigs­ten grün­de auf­ge­schrie­ben, war­um bul­litt se­hens­wert ist und ein klas­si­ker ist. und er hat na­tür­lich auch die iko­ni­sche au­to­ver­fol­gungs­jagd per you­tube ein­ge­bet­tet, die man auch kennt, wenn man den film nie ge­se­hen hat.

ich habe den film, der von 1968 ist und da­mit ein jahr äl­ter als ich, mit die­ser was bin ich? fol­ge von 1976 im hin­ter­kopf ge­se­hen. ich weiss, es ist ab­surd bul­litt und was bin ich? zu ver­glei­chen, aber ich sehe da durch­aus pa­ralel­len: das ti­ming ist an­ders als man es heu­te ge­wohnt ist, die schnit­te wir­ken teil­wei­se un­ge­wohnt, der ton ist di­rek­ter, ech­ter und ent­hält irre vie­le ne­ben­ge­räu­sche und wird nicht stän­dig mit mu­sik über­tüncht oder in der post-pro­duc­tion ge­glät­tet. die fri­su­ren sind aus­ser­ir­disch. kei­ne han­dies. und das licht, die be­leuch­tung ist im­mer et­was zu hell und hart für die dark-mode-au­gen des 21ten jahr­hun­derts.

in bul­litt ste­hen und fah­ren aus­ser­dem über­all ol­ti­mer rum und zum te­le­fo­nie­ren muss man im­mer zu den ap­pa­ra­ten ge­hen. es wird nicht we­ni­ger te­le­fo­niert als heu­te, nur an­ders, vor al­lem nicht im ge­hen.

die dia­lo­ge in bul­litt sind spär­lich. der ver­ba­le aus­tausch zwi­schen den men­schen, die man im film sieht, be­schränkt sich auf kur­ze sät­ze mit vie­len im­pe­ra­ti­ven. nur der staats­an­walt spricht manch­mal et­was aus­la­den­der. das längs­te ge­spräch im film ist, glau­be ich, ein ge­spräch zwi­schen bul­litt und sei­ner freun­din ca­thy am rand der au­to­bahn, in dem sie ei­gent­lich ei­nen mo­no­log hält und bul­litt nicht viel mehr sagt als „time starts now“.

ganz gran­di­os fand ich, dass vie­le dia­lo­ge aus ei­ner ge­wis­sen ent­fer­nung auf­ge­nom­men sind und man sie des­halb nicht hört. von mir aus hät­te man das mit al­len dia­lo­gen so ma­chen kön­nen. was ge­spro­chen wird ist oh­ne­hin zweit­ran­gig und hilft sel­ten da­bei die hand­lung zu ver­ste­hen. man könn­te be­haup­ten: in bul­litt geht’s oh­ne­hin nur um bril­li­ant fo­to­gra­fier­te ge­sich­ter, san fran­cis­co und au­tos.

ich war 1981 als zwölf­jäh­ri­ger mal in san fran­cis­co, also 10 jah­re nach­dem bul­litt dort ge­dreht wur­de. und ich muss sa­gen, mei­ne er­in­ne­run­gen, mei­ne in­ne­ren bil­der, de­cken sich hun­dert­pro­zen­tig mit dem was man im film sieht. da­nach war ich noch zwei­mal in san fran­cis­co, ein­mal so um das jahr 2000 und dann noch­mal 2014. da sah san fran­cic­so be­reits ganz an­ders, glat­ter, pas­tel­li­ger, ge­schlif­fe­neer aus.

das er­staun­lichs­te an bul­litt ist aber was ganz an­de­res. man kann of­fen­bar (theo­re­tisch) auch mit strick­ja­cke cool aus­se­hen.


sub­way (1985)

felix schwenzel in gesehen

ges­tern hat mir der you­tube al­go­rith­mus vor­ge­schla­gen doch mal zu gu­cken „what re­al­ly hap­pend to chris­to­pher lam­bert“. mit chris­to­pher lam­bert ver­bin­de ich in ers­ter li­nie sub­way (nicht wie ei­ni­ge an­de­re den high­lan­der), ein film von 1985 von luc bes­son. wäh­rend ich das vi­deo über chris­to­pher lam­berts le­ben auf you­tube sah, dach­te ich mir: sub­way kanns­te ei­gent­lich noch mal gu­cken. das letz­te mal, dass ich den ge­se­hen habe ist jetzt so um die 40 jah­re her, mal gu­cken wie der film ge­al­tert ist.

ob­wohl ei­gent­lich gin­gen mir ganz an­de­re fra­gen durch den kopf. da­mals hat mich der film emo­tio­nal ge­packt, ich glau­be ich war be­stimmt eine wo­che lang high von dem film. regt sich in mir noch was, wenn ich den jetzt gu­cke? wird’s pein­lich? um was ging der film noch­mal?

also hab ich ama­zon 4 euro in den ra­chen ge­wor­fen und mir den film „ge­lie­hen“. um was der film geht weiss ich, nach­dem ich ihn ge­se­hen habe, im­mer noch nicht, aber das ist auch un­er­heb­lich, weil der film ei­gent­lich nur die pa­ri­ser ubahn zei­gen und ein paar jun­ge schau­spie­ler gut aus­se­hen las­sen will. ei­gent­lich ist er ein mu­sik­vi­deo in spiel­film­län­ge. das er­klärt auch die emo­tio­na­le re­ak­ti­on, die ich auf die­sen film da­mals hat­te. mu­sik­vi­de­os sind dar­auf aus­ge­legt emo­tio­na­le re­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen und gut ge­mach­te mu­sik­vi­de­os ha­ben das dann ge­le­gent­lich auch ge­schafft.

am an­fang vom film war ich noch ein biss­chen kri­tisch und such­te feh­ler. wie kann fred beim her­um­streu­nen in der ubahn-in­fra­struk­tur ein­fach ei­nen safe spren­gen, ob­wohl er vor­her, ganz of­fen­sicht­lich nichts als ei­nen an­zug am leib hat­te? spä­ter fiel mir dann auf, dass er stän­dig ei­nen half­ter mit ein paar stan­gen spreng­stoff am leib trug, auch wenn er schlief.

dann war ich ir­ri­tiert, weil der film kaum ei­nen ge­dan­ken zu ende führ­te und stän­dig ab­rupt schnitt, wenn sich eine hand­lung zu er­ge­ben schien. dann kam mir der glei­che ge­dan­ke, der mir kürz­lich bei fall­out kam: mir reicht’s ei­gent­lich die bil­der an­zu­schau­en und den fi­gu­ren bei ih­rem trei­ben zu­zu­se­hen. hand­lung und dia­lo­ge sind se­kun­där bis egal. das scheint sich da­mals auch luc bes­son ge­dacht zu ha­ben, denn hand­lung und dia­lo­ge sind spar­ta­nisch. und das funk­tio­niert heu­te noch ge­nau so gut wie da­mals.

wirk­lich gross­ar­tig sind die bil­der. der film spielt zu 95% un­ter tage, im ge­wirr der pa­ri­ser ubahn-in­fra­struk­tur. so­weit ich ver­ste­he, wur­de der film auch tat­säch­lich vor ort, in der pa­ri­ser ubahn, ge­dreht und nicht im stu­dio. und das sieht man auch, al­les wirkt hy­per­rea­lis­tisch und gleich­zei­tig sur­re­al und ver­traut. auch er­staun­lich: die ubahn des pa­ris der acht­zi­ger ist der ubahn des ber­lin von heu­te gar nicht mal so un­ähn­lich.

jetzt, 40 jah­re spä­ter, stel­le ich fest, dass die acht­zi­ger, wenn sie or­dent­lich fo­to­gra­fiert sind, auch gar nicht so pein­lich aus­sa­hen wie in mei­nen fo­to­al­ben. die un­ter­schie­de sind an­de­rer­seits deut­lich: es wird an­dau­ernd und über­all ge­raucht, ka­me­ra-über­wa­chung schien es zwar in an­sät­zen ge­ge­ben zu ha­ben, aber so rich­tug scheint sie da­mals noch nicht funk­tio­niert zu ha­ben.

ich fin­de der film ist gut ge­al­tert und mir war es dann gar nicht pein­lich, dass ich den film da­mals so gut fand. ich hab den da­mals zwar in der deut­schen syn­chro­ni­sie­rung auf ei­nem nied­rig auf­lö­sen­den CRT-dis­play im li­nea­ren fern­se­hen ge­se­hen und jetzt, qua­si wie im kino, auf ei­nem hoch­auf­lö­sen­den bild­schirm 60 zen­ti­me­ter vor mei­nem ge­sicht. aber er funk­tio­niert da­mals wie jetzt und un­ab­hän­gig von der pro­jek­ti­ons­me­tho­de. der film hat kaum hand­lung und sinn­vol­len dia­log und zeigt eher als dass er er­zählt. da­mit er­gibt sich ei­ni­ges an pro­jek­ti­ons­flä­che. ich merk­te oder er­in­ner­te dann auch, was mich da­mals so pack­te. ich weiss nicht ob das ein acht­zi­ger jah­re ding ist, aber ei­nen tau­ge­nichts wie fred zu se­hen, der die an­nehm­lich­kei­ten und die in­fra­struk­tur der ge­sell­schaft zwar ger­ne nutzt, sich ihr und ih­ren re­geln aber ver­wei­gert, war für mich da­mals ein star­ker an­knüp­fungs­punkt. mög­li­cher­wei­se woll­ten wir da­mals ir­gend­wie alle so sein wie fred und hé­lè­na.

und es war schön jean reno und isa­bell ad­ja­ni in jung zu se­hen, chris­to­pher lam­bert wirk­te wie ein al­ter be­kann­ter — die pa­ri­ser ubahn so­wie­so — und trotz­dem hielt sich bei mir die nost­al­gie auf ei­nem er­träg­li­chen ni­veau. viel­leicht war das auch schon da­mals die es­senz des film: er hat be­reits in den acht­zi­gern nost­al­gie nach den acht­zi­gern er­zeugt.

das gröss­te kunst­stück ist na­tür­lich das ende. qua­si ein vir­tu­el­les hap­py-end das keins ist und ge­ra­de des­halb un­ge­heu­er zu­frie­den oder eu­pho­risch macht. was mir auch jetzt erst auf­fiel, die klam­mer mit der bes­son den film ein­rahmt und im prin­zip be­reits auf der ers­ten ti­tel-kar­te das ende des films framed: do be do be do, mah na mah na.

screenshot vom anfang des films subway von 1985. die schrifttafel zeigt: „to be is to do“ — socrate, „to do is to be“ — satre und „do be do be do“ — sinatra
ers­te ti­tel­kar­te von sub­way (1985)

letzte ein­stel­lung von subway (1985)


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star trek

felix schwenzel in artikel

ich bin kein star trek-fan, aber ich gu­cke star trek seit über 40 jah­ren sehr, sehr ger­ne. als das „ori­gi­nal“ im fern­se­hen lief, war ich noch ein kind und ei­gent­lich hat mich nur die tat­sa­che in­ter­es­si­ert, dass es da ein raum­schiff gibt, das durch den welt­raum glei­tet und un­be­kann­te wel­ten er­kun­det. das war span­nend ge­nug für mich. mir wa­ren das bil­li­ge, grel­le set­de­sign und die er­zähl­ten ge­schich­ten egal.

in den acht­zi­ger und neun­zi­ger jah­ren fing star trek plötz­lich mit TNG an, auf­ge­räumt aus­zu­se­hen, und ich fing an zu ver­ste­hen, dass es in star trek nicht um die er­kun­dung des welt­raums ging, son­dern um die er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, die fra­ge, was uns men­schen aus­macht, wie wir über uns hin­aus­wach­sen kön­nen, als ge­sell­schaft und als in­di­vi­du­en.

mit dem frag­men­tier­ten deep space nine, das im fern­se­hen ver­sen­det wur­de, konn­te ich nicht so viel an­fan­gen, bis ich dank net­flix die mög­lich­keit be­kam, DS9 se­quen­ti­ell, fol­ge für fol­ge zu se­hen. da er­kann­te ich, dass es ne­ben der er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, ge­rech­tig­keit und mo­ral in star trek auch um epi­sches er­zäh­len ging, um das ab­klop­fen von phi­lo­so­phi­schen ideen und so­gar um den kon­flikt zwi­schen ra­tio­na­lis­mus und re­li­gi­on. DS9 voll­brach­te das kunst­stück, zu un­ter­hal­ten und gleich­zei­tig zu zei­gen, dass wahr­heit und mo­ral oft eine fra­ge der per­spek­ti­ve sind.

mit voy­a­ger wur­de dann klar, dass star trek auch ner­vig sein kann – ich sag nur nee­lix. ich moch­te es trotz­dem, es sah gut (viel­leicht et­was zu clean) aus und es fie­len ge­le­gent­lich tol­le ge­schich­ten hin­ten raus. in den spä­ten 90ern und frü­hen 00ern fand ich voy­a­ger trotz nee­lix und ge­sichts-ta­too toll und auch das spä­te­re durch­bin­gen auf net­flix war nur zu 30 % lang­wei­lig.

en­ter­pri­se, also die se­rie mit cap­tain ar­cher, die um das jahr 2150 spiel­te, sah wie­der fast so bil­lig und kam­mer­spiel­ar­tig aus wie das „ori­gi­nal“ mit cap­tain kirk. ich fand kaum eine fol­ge lang­wei­lig, als ich mir das vor ein paar jah­ren am stück rein­zog.

dis­co­very und spä­ter pi­card emp­fand ich dann als ex­tre­men bruch. star trek woll­te plötz­lich kein kam­mer­spiel mehr sein, son­dern am­bi­tio­nier­te ac­tion-un­ter­hal­tung. ich habe alle fol­gen von dis­co­very und pi­card ge­se­hen und nach je­der fol­ge dach­te ich ge­nau drei buch­sta­ben: WTF? ich dach­te auch: kann ja nur bes­ser wer­den — wur­de es dann aber nicht.

pa­thos hat­te star trek im­mer schon, aber seit dis­co­very wur­de das pa­thos un­er­träg­lich. sub­til war star trek auch nie, aber seit dis­co­very ver­schwand das hin­ter­grün­di­ge: statt dem pu­bli­kum die in­ter­pre­ta­ti­on des ge­se­he­nen zu über­las­sen, wur­de star trek ex­pli­zit und konn­te vor lau­ter ex­po­si­ti­on kaum noch at­men.

pi­card emp­fand ich dann ei­gent­lich nur noch als fan-ser­vice und nost­al­gie-quark — für den sich al­ler­dings kaum noch fans zu in­ter­es­sie­ren schie­nen. pi­card war die ers­te star trek-se­rie, die mich ag­gres­siv mach­te, weil sie gleich­zei­tig an­ge­strengt und lieb­los war.

pro­di­gy und stran­ge new worlds ge­fie­len mir dann wie­der. in stran­ge new worlds zog wie­der hu­mor ins star trek-uni­ver­sum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr lieb­te. pro­di­gy war teil­wei­se ner­vig, wag­te aber auf eine art so was wie eine mu­ti­ge neu­in­ter­pre­ta­ti­on des gu­ten al­ten star trek-the­mas: die er­kun­dung der fra­ge, was mensch­lich­keit, was hu­ma­nis­mus aus­macht.

lower decks fand ich vor­wie­gend lang­wei­lig und bil­lig und wenn über­haupt, hab ich das sehr spo­ra­disch und un­ent­hu­si­as­tisch ge­se­hen.

und jetzt: star­fleet aca­de­my. drei fol­gen sind ver­sen­det und ich bin hin und her ge­ris­sen. vi­su­ell stim­me ich tho­mas gi­gold zu:

Die Sets sind, wie im­mer in neu­em Trek, über­bor­dend.

mit dem un­ter­schied dass tho­mas das of­fen­bar ge­fällt und ich es gräss­lich fin­de. mir ist das zu viel von al­len, vor al­lem zu viel bling, zu dick auf­ge­tra­gen, als ob man eine swa­row­ski-fi­lia­le oder den trump tower be­tritt.

„al­les fake“ ist ein al­tes, be­währ­tes star trek mus­ter, aber in aca­de­my ist es so dick, bunt und glän­zend auf­ge­tra­gen, dass es un­er­träg­lich wird. ich über­le­ge ernst­haft mei­nen bild­schirm für die nächs­ten fol­gen auf schwarz/weiss zu stel­len um das über­haupt noch er­tra­gen zu kön­nen.

et­was zu dick auf­ge­tra­gen sind für mei­nen ge­schmack auch die mus­keln von ca­leb. in den ers­ten bei­den fol­gen hat­te ich noch den ein­druck, dass das en­sem­ble zwar mit al­len mög­li­chen kör­per­for­men aus­ge­stat­te ist und nicht nur de­nen, die gän­gi­gen schön­heits­idea­len ent­spre­chen, aber das auf­trit­te in un­ter­hem­den oder frei­em ober­kör­per den durch­trai­nier­ten kör­pern vor­be­hal­ten wa­ren. das wur­de in fol­ge 3 dann aber re­la­ti­viert, in dem das gan­ze en­sem­ble in ba­de­ho­sen und -an­zü­gen auf­tre­ten muss­te.

auch wenn ich nach drei fol­gen aca­de­my hin und her ge­ris­sen bin und vie­les doof fin­de, habe ich an­knüp­fungs­punk­te ge­fun­den die mich — glau­be ich — wei­ter am ball hal­ten wer­den. ich fin­de die ge­schich­ten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (aus­ser beim set­de­sign) das bom­bas­ti­sche der dis­co­very-ära wie­der zu­rück­ge­fah­ren wur­de. aca­de­my fühlt sich wie­der kam­mer­spiel­ar­ti­ger an und hat es in fol­ge 2 zwei­mal ge­schafft mich dazu zu brin­gen mir zi­ta­te zu no­tie­ren:

Child­ren are our am­bassa­dors to now.

und:

- Would you agree pro­gress is im­pos­si­ble wi­t­hout ch­an­ge?

- I be­lie­ve that most peo­p­le who say they want pro­gress don’t re­al­ly want to ch­an­ge. Which of­ten makes both im­pos­si­ble.

- Tou­ché.

das ers­te zi­tat fin­de ich nach ei­ner wo­che im­mer noch so klug wie vor ei­ner wo­che, das zwei­te ist schlech­ter ge­al­tert, ist aber gar nicht mal so dumm.

als zwi­schen­fa­zit wür­de ich über star­fleet aca­de­my sa­gen: es macht mich nicht ag­gres­siv, dass es scheis­se aus­sieht stört mich nicht wirk­lich und die ge­schich­ten sind zwar kei­ne welt­klas­se, aber er­träg­lich. wenn ich schul­no­ten ver­ge­ben müss­te: ge­ra­de noch be­frie­di­gend, hat luft nach oben.


plur1bus s01e09

felix schwenzel in gesehen

alle ge­schich­ten die wir uns er­zäh­len han­deln von rei­sen. das kön­nen in­ne­re rei­sen sein, aber auch rei­sen zu or­ten. jede rei­se ver­än­dert uns und jede rei­se in ei­ner ge­schich­te ver­än­dert die prot­ago­nis­ten, ihre sicht auf ihre iden­ti­tät, ihre ver­gan­gen­heit, ihre zie­le oder die welt in der sie le­ben. gute ge­schich­ten soll­ten uns stau­nen las­sen, uns über­ra­schen und mit mehr fra­gen zu­rück­las­sen, als wir vor­her hat­ten. gute ge­schich­ten las­sen uns nicht nur an­ders auf die welt oder uns selbst bli­cken, son­dern vor al­lem tie­fer. sie le­gen schich­ten frei, die vor­her nicht sicht­bar wa­ren.

plu­ri­bus liegt eine ein­fa­che idee, eine art ge­dan­ken­ex­pe­riemnt zu­grun­de. über die ers­te staf­fel hin­weg wird aus die­ser ein­fa­chen idee eine kom­ple­xe me­lan­ge. die ein­fa­che idee ent­fal­tet sich zu ei­nem kom­pli­zier­ten, viel­schich­ti­gen et­was. die ant­wor­ten die wir be­kom­men, wer­fen im­mer neue fra­gen auf.

ich mag se­ri­en die nach­voll­zieh­bar sind. vie­le se­ri­en be­kom­men das an­fangs gut hin und ver­lie­ren mich dann auf der rei­se oder wenn die prot­ago­nis­ten sich im lau­fe ih­rer rei­se ent­sch­ei­den, dass die pro­ble­me de­nen sie be­geg­nen am bes­ten mit faust­kämp­fen oder schnel­len au­to­fahr­ten zu lö­sen sind. gute se­ri­en las­sen mich der rei­se­rou­te fol­gen, ohne mich an die hand zu neh­men.

plu­ri­bus hat es ge­schafft mich an je­der stel­le mit­zu­neh­men und nach­voll­zieh­bar zu blei­ben, ob­wohl ich mich mit kei­nem der prot­ago­nis­ten iden­ti­fi­zie­ren konn­te. aber die fra­gen die mir beim zu­schau­en in den sinn ka­men, wa­ren so in­ter­es­sant, dass ich gar nicht ge­nug über die plu­ri­bus-welt er­fah­ren konn­te. ob­wohl na­tür­lich je­der aspekt die­ser welt sorg­fäl­tig kon­stru­iert ist, wirkt nichts dar­an kon­stru­iert. ob­wohl al­les nach­voll­zieh­bar bleibt und man stän­dig be­kann­te ele­men­te des ge­schich­ten­er­zäh­lens er­kennt, wird man stän­dig über­rascht.

ja­mes bald­win hat mal ge­sagt:

The pur­po­se of art is to lay bare the ques­ti­ons which have been hid­den by the ans­wers.

der zweck von kunst ist es also, fra­gen bloss­zu­le­gen, die von den ant­wor­ten ver­deckt wer­den. in­so­fern hat die ers­te staf­fel von plu­ri­bus gute ar­beit ge­leis­tet und schon früh klar ge­macht, dass es zwar auch ant­wor­ten ge­ben wird, aber kei­ne end­gül­ti­gen. was es gibt sind fra­gen über fra­gen, die schicht für schicht frei­ge­legt wer­den.

was ich sa­gen will: die ers­te staf­fel von plu­ri­bus hat mir sehr gut ge­fal­len, die letz­te, neun­te fol­ge war ein wür­di­ger ab­schluss. und beim ab­schluss-cliff­han­ger habe ich ge­lacht, ei­ner­seits weils wit­zig war und an­de­rer­seits weil der cliff­han­ger so vie­le neue fra­gen auf­warf.


kürz­lich habe ich den you­tube ka­nal von chris young ent­deckt1. chris young war mal lei­ter der ex­pe­rimn­tier­kü­che von hes­ton blu­men­thal („head de­ve­lo­p­ment chef“). hes­ton blu­men­thal ist für sei­ne drei-ster­ne-par­ty­trick-kü­che be­kannt — oder po­si­ti­ver aus­ge­drückt: er ex­pe­ri­men­tiert un­er­müd­lich um er­in­ne­run­gen in ser­vie­ba­re ge­rich­te zu wan­deln.

chris young er­klärt auf sei­nem you­tube-ka­nal vie­le die­ser ex­pe­ri­men­te aus der al­ten zeit, aber auch vie­le neue. für mich fühlt sich das teil­we­sie so an, als wür­de man als kind von ei­nem zau­be­rer aus sei­nem zau­ber­buch vor­ge­le­sen be­kom­men. er er­klärt auf sei­nem ka­nal so­zu­sa­gen par­ty- und zau­ber­tricks und das ist so span­nend, dass es mich nicht stört, dass er sich in sei­nen vi­de­os wie je­mand aus der ap­ple-füh­rungs­rie­ge an­hört, der in durch­cho­reo­gra­phier­ten WWDC-vi­deo pro­dukt­neu­hei­ten vor­stellt. tat­säch­lich lässt er in kei­nem sei­ner vi­de­os die pro­duk­te die er ent­wi­ckelt hat un­er­wähnt, aber das stört mich nicht. be­mer­kens­wert ist je­den­falls auch die qua­li­tät sei­ner vi­de­os, meis­tens mit auf­wän­di­gen ani­ma­tio­nen/vi­sua­li­sie­run­gen und in bes­ter qua­li­tät ge­filmt und ver­tont.


  1. ich habe den ka­nal wohl wie­der­ent­deckt, die you­tube his­to­rie sagt, ich hät­te mir be­reits im som­mer 2024 ein vi­deo von ihm an­ge­se­hen. 


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plur1bus s01e08

felix schwenzel in gesehen

ich bin zu­neh­mend ge­nervt von den gan­zen er­klär­bä­ren und er­klär­bä­rin­nen, die je­weils drei bis acht theo­rien ha­ben, wie plu­ri­bus en­den könn­te und was sich da ei­gent­lich ge­ra­de vor un­ser al­ler au­gen ab­spielt. jede klei­nig­keit wird ana­ly­si­ert und you­tube ist voll von men­schen, die be­haup­ten jetzt ge­nau zu wis­sen wie plu­ri­bus en­det und dass vin­ce gil­ligan uns das schon in fol­ge x ge­sagt hat und wir nur nicht ge­nau hin­ge­schaut ha­ben. im­mer­hin er­in­ne­re ich mich so, dass das schö­ne am fern­se­hen das se­hen ist. wäh­rend you­tu­ben­de mei­nen, wahr­schein­lich nicht ganz zu un­recht, dass sie die gan­ze zeit spre­chen müs­sen, ist es doch schön in plu­ri­bus selbst ein­fach zu­se­hen zu kön­nen wie sich die sa­chen ent­wi­ckeln — und dort manch­mal über meh­rer mi­nu­ten hin­weg ein­fach nix ge­sagt wird.

ge­schich­ten er­zählt be­kom­men ist un­ter­halt­sa­mer als ge­schich­ten er­klärt zu be­kom­men. din­ge nicht zu ver­ste­hen kann auch schön sein, erst recht wenn man sich dann spä­ter selbst ein ge­ge­be­nen­falls un­voll­stän­di­ges oder kra­ke­li­ges bild aus­ma­len kann.

je­den­falls hab ich die­se ach­te fol­ge (na­tür­lich) wie­der ger­ne ge­se­hen. und auch wenn wir mitt­ler­wei­le viel über ca­rol und das kol­lek­tiv wis­sen, ist ge­nau so klar, dass bei­de für über­ra­schun­gen gut sind und mehr im schil­de füh­ren als sie je­weils zu­ge­ge­ben. in die­ser fol­ge er­fährt man viel über das bis­her un­be­kann­te oder nur an­ge­deu­te le­ben des kol­lek­tivs — und wie sie kom­mu­ni­zie­ren, dass sie haus­tie­re nicht hal­ten, aber sich um sie küm­mern und vor al­lem, dass sie lan­ge nicht al­les wis­sen.

als ich vor­ges­tern das jüngs­te kni­ves out-dings sah, muss­te ich an plu­ri­bus den­ken. denn bei­de, ca­rol und das kol­lek­tiv, lü­gen nicht — aber eben nur in dem sin­ne, wie fa­ther jud das klug um­schrie­ben hat:

You can al­ways be ho­nest by not say­ing the unho­nest part.
-- Fa­ther Jud Du­ple­n­ti­cy in Wake Up, Dead Man: A Kni­ves Out Mys­tery

ich muss mich auch kor­ri­gie­ren. mög­li­cher­wei­se bin ich gar nicht ge­nervt von den er­klär­bä­ren und er­klär­bä­rin­nen, die ver­su­chen die rät­sel zu lö­sen und theo­rien kon­stru­ie­ren. ich glau­be mir ist es egal, vor al­lem was im staf­fel­fi­na­le pas­sie­ren wird. es wird ohne fra­ge un­ter­halt­sam und auf ir­gend­ei­ne art fas­zi­nie­rend sein. wir wer­den wie­der ein biss­chen mehr er­fah­ren und zum nach­den­ken be­kom­men, aber ganz ge­wiss nicht al­les er­klärt be­kom­men. da­für sind viel zu vie­le sa­men ge­säät, die gil­ligan und sein team ganz si­cher wei­ter­ver­fol­gen wol­len. und ich bin noch nicht mal ganz si­cher, dass man sich im wri­ters room schon ei­nig ist, wo die se­ri­en in den fol­gen­den staf­feln ge­nau hin­ge­hen wird. das ist das ei­gent­lich tol­le an die­ser se­rie, die ge­dul­di­ge aus­saat und das ver­spre­chen auf eine reich­hal­ti­ge ern­te ir­gend­wann.

als weih­nachts­ge­schenk sen­det app­letv das staf­fel­fi­nal üb­ri­gens am hei­lig­abend. das freut mich un­ge­mein.

an­mer­kung:
ich habe die­sen ar­ti­kel durch un­ge­schick­lich­keit et­was zu früh ver­öf­fent­licht, als ich noch gar nicht fer­tig war. des­halb konn­te man mit qua­si beim schei­ben zu­se­hen. jetzt ist der ar­ti­kel aber fer­tig.


brea­king ca­rol

felix schwenzel in gesehen

manch­mal glau­be ich ja, dass vin­ce gil­ligan — und sein team von re­gis­seu­ren und au­toren — ge­le­gent­lich fol­gen in ihre se­ri­en ein­bau­en, die das pu­bli­kum tes­ten sol­len. so wie man beim hun­de­trai­ning ge­le­gent­lich ein­fach das tem­po raus­nimmt, weil die hun­de zu auf­ge­regt oder über­dreht sind. ein biss­chen so fühl­te sich die­se sieb­te fol­ge plu­ri­bus je­den­falls an. tem­po raus, da­mit sich alle be­ru­hi­gen und mal schau­en wie es mit der ge­duld steht. ca­rol ein­fach den gross­teil der fol­ge schlecht sin­gen las­sen und ma­nou­s­ous die gan­ze zeit spa­nisch und ge­bro­chen-eng­lisch brumm­meln las­sen.

aber na­tür­lich hat­te das al­les ei­nen tie­fe­ren sinn, wir sa­hen den bei­den prot­ago­nis­ten von aus­sen bei ih­rer in­ne­ren rei­se zu, rei­sen an de­ren ende sie bei­de aus ver­schie­de­nen grün­den zu­sam­men­bra­chen. und un­ter­wegs, wenn die prot­ago­nis­ten lei­den, kann das pu­bli­kum ru­hig ein biss­chen mit­lei­den. aber bis auf ca­rols mu­si­ka­li­schen er­güs­se war es gar nicht so schlimm und vor al­lem nicht lang­wei­lig, weil man die gan­ze zeit zum mit­den­ken auf­ge­for­dert wird: wie lan­ge hal­ten men­schen al­lein­sein aus, wie lan­ge hal­ten gute vor­sät­ze, was bringt ein star­ker wil­le, wenn der kör­per ir­gend­wann nicht mehr mit­spielt?

je­den­falls wie­der ei­ni­ges ge­lernt über ca­rol und ma­nou­s­ous, schö­ne bil­der aus dem nor­den süd­ame­ri­kas ge­se­hen und er­kannt, dass man für furcht­ein­flös­sen­de le­be­we­sen gar kei­ne ex­tra­ter­res­tri­schen phan­ta­sie­we­sen braucht, ein gang in den mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen dschun­gel, zu den as­tro­ca­ry­um stand­ley­anum reicht schon.

es wird auch zu­neh­mend klar, dass plu­ri­bus als se­rie auf meh­re­re staf­feln aus­ge­legt ist und wir in die­ser ers­ten staf­fel nicht mehr vie­le ant­wor­ten dar­auf be­kom­men wer­den, ob die welt noch zu ret­ten ist oder nicht.

in der you­tube-welt be­mü­hen sich ei­ni­ge, die rät­sel schon vor­ab zu lö­sen und sich ein zwei fol­gen vor­zu­ar­bei­ten. ich schau mir das auch ger­ne an: eine der eher lang­wei­li­gen, aber über­zeu­gen­de­ren theo­rien dreht sich dar­um, dass sich das kol­lek­tiv über funk­wel­len syn­chro­ni­si­ert und dass die me­lo­die die im vor­spann läuft ge­nau die­se me­lo­die sei. oder dass das kol­lek­tiv doch lü­gen kann.

ich glau­be vin­ce gil­ligan, das au­toren team, ist den rät­sel-kna­ckern im­mer ei­nen oder zwei schrit­te vor­aus und lässt sich beim lüf­ten der schlei­er ge­nüss­lich viel zeit für das ei­gent­lich re­le­van­te: der con­di­tio hu­ma­na (wenn vin­ce gil­ligan rum­la­tei­ni­si­ert, kann ich das auch).

aber viel wich­ti­ger: bei vin­ce gil­ligan geht’s nie um die tech­ni­schen de­tails, son­dern um mo­ra­li­schen ab­grün­de. das wie, die tech­nik, die me­cha­nik da­hin­ter, spielt nur dann eine rol­le, wenn sie be­ein­dru­cken­de bil­der ab­wirft, die hel­fen kön­nen in­ne­re und mo­ra­li­sche di­lem­ma­ta zu il­lus­trie­ren.

und viel­leicht geht’s gil­ligan so­wie­so nur um die bil­der.

screenshot aus pluribus s01e07 der carol in einem golfcart zeigt, wie sie an einem büffel vorbeifährt

plur1bus s01e06

felix schwenzel in gesehen

pete pe­pers meint die­se fol­ge habe ihm bi­her am bes­ten ge­fal­len. ich glau­be mir auch. ins­be­son­de­re wie der cliff­han­ger aus der letz­ten fol­ge auf­ge­löst wur­de war meis­ter­haft. die auf­lö­sung zeigt, wel­che kraft ehr­lich­keit ha­ben kann. wenn gräu­el­ta­ten ei­nen gu­ten grund ha­ben, ver­lie­ren sie nicht ohne wei­te­res ih­ren schre­cken, aber man kann ge­ge­be­nen­falls ver­ständ­nis für sie auf­brin­gen.

wie das al­les wie­der er­zählt wur­de, die bil­der von ei­nem leer­ge­feg­ten las ve­gas, die iso­la­ti­on von ca­rol, die gut­her­zig­keit des leicht af­fi­gen dia­ba­té, das war wie­der ein gros­ses ver­gnü­gen und die fol­ge wirk­te, trotz ih­rer 49 mi­nu­ten län­ge, ge­ra­de mal wie 20 mi­nu­ten. die de­tail­ver­ses­sen­heit, der lie­be­vol­le und sorg­fäl­ti­ge fi­gu­ren-auf­bau, die be- und gleich­zei­tig un­be­re­chen­bar­keit der hand­lung, ma­chen die­se se­rie wie­der zu sehr gros­sem kino.

ich fra­ge mich die gan­ze zeit, was denn pas­sie­ren wür­de, wenn die mit­glie­der des kol­lek­tivs wie­der, wie sich ca­rol das wünscht, in in­di­vi­du­en ge­trennt wer­den. er­in­nern sie sich an das kol­lek­ti­ve ge­däch­nis, seh­nen sie sich zu­rück in die ge­bor­gen­hiet und klar­heit des kol­lek­tivs? ist die in­di­vi­dua­li­sie­rung, das be­wusst­sein al­ler der­zei­ti­gen men­schen, ihre se­pa­ra­ti­on von der welt, et­was das ein mensch, der ab­so­lu­te ein­heit mit der welt ge­spürt hat, je­mals wie­der zu­rück ha­ben möch­te? die ver­bin­dung, das joi­ning in plu­ri­bus, ist ja ef­fek­tiv die um­kehr des bi­bli­schen „sün­den­falls“. aus der (selbst-) er­kennt­nis fol­gen scham, ein­sam­keit und das be­wusst­sein nicht (mehr) eins zu sein.

klar, teil ei­nes ab­so­lu­ten kol­lek­tivs zu sein, das sich zu gros­sen tei­len von HDP1 er­nährt, ist zwar theo­re­tisch das pa­ra­dies auf er­den, aber prak­tisch ziem­lich mau. weil die se­rie es bis­her ge­schafft hat alle auf­kom­men­den fra­gen be­frie­di­ge­nend zu be­ant­wor­ten, bin ich zu­ver­sicht­lich, dass das auch mit mei­ner fra­ge ge­sche­hen wird, was pas­siert, wenn die ver­bin­dung des kol­lek­tivs wie­der ge­löst wer­den soll­te. und wenn es erst in 3-4 staf­feln ist.


  1. spoi­ler nach dem klick 


nach­trag 06.12.2025:
5 mi­nu­ten aus der fol­ge auf you­tube, john cena er­klärt HDP.

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plur1bus s01e05

felix schwenzel in gesehen

[ent­hält po­ten­zi­el­le spoi­ler, also lie­ber nicht le­sen, erst recht nicht, wenn man die fol­ge fünf von plur1bus noch nicht ge­se­hen hat.]

auch fol­ge fünf von plur1bus war ein gros­ses ver­gnü­gen. viel­leicht wa­ren die­ses mal ein­zel­ne ein­stel­lun­gen und bil­der noch be­ein­dru­cken­der als sonst und ich muss­te auch ein paar mal mehr la­chen als in der letz­ten fol­ge. die um eine la­ter­ne ge­wi­ckel­te droh­ne dürf­te eine ähn­lich star­ke vi­ra­le wir­kung ent­fal­ten, wie die piz­za auf wal­ter whites ga­ra­gen­dach.

screenshot aus pluribus’ fünfter folge, der eine drohne zeigt, die sich um eine strassenlaterne gewickelt hat

in­halt­lich be­wegt sich die ge­schich­te lang­sam vor­an, weil ca­rol zeit hat ein biss­chen de­tek­tiv­ar­beit zu ma­chen. un­ter­wegs ist die gan­ze fol­ge, wie auch die vor­he­ri­gen fol­gen, ge­spickt mit zi­ta­ten und an­spie­lun­gen aus der film- und fern­seh­ge­schich­te, wo­bei ich die meis­ten die­ser an­spie­lun­gem nicht er­ken­ne und mir von di­ver­sen you­tubern er­klä­ren las­sen muss.

in der letz­ten sze­ne war mir aber schon 5 mi­nu­ten vor schluss klar, wor­auf es hin­aus­läuft: ein deut­li­che an­spie­lung auf soy­lent green.

zum the­ma wie lan­ge die mensch­heit sich von men­schen er­näh­ren könn­te hat sich xkcd vor ei­ner wei­le ge­dan­ken ge­macht. und auch, wenn es 500.000.000.000 ka­lo­rien men­schen-mas­se auf der erde gibt, ist das mit dem ka­ni­ba­lis­mus kei­ne gute idee, meint xkcd.

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auf die haupt­nah­rungs­quel­le des kol­lek­tivs hät­te man an­ge­sichts der be­ses­sen­heit des kol­lek­tivs auf ef­fi­zi­enz auch schon frü­her kom­men kön­nen und vin­ce gil­ligan hat­te mehr oder we­ni­ger auch schon an­ge­kün­digt, dass er sich hem­mungs­los in der sci­ence-fic­tion-ge­schich­te be­die­nen wird (und ihre kli­schees auf den kopf stel­len wür­de):

If you’re a fan of sci-fi or hor­ror, you’ll li­kely re­co­gni­ze the sto­ries that in­fluen­ced Plu­ri­bus. Its in­spi­ra­ti­ons aren’t exact­ly subt­le — and that’s the point. Gil­ligan says his goal with the new show was to riff on the gen­re its­elf.

“I was thin­king of every sci­ence fic­tion tro­pe and hor­ror-mo­vie tro­pe I could throw into this show, and then turn all of tho­se tro­pes onto their head,” Gil­ligan says. “ That was what tick­led me.”

In other words: Plu­ri­bus is a sci-fi show for sci-fi fans.

(zi­tat­quel­le)

plu­ri­bus ist voll­ge­stopft mit die­sen an­deu­tun­gen und spielt meis­ter­lich da­mit — weil man ei­ner­seits nichts da­von ver­ste­hen muss um die se­rie zu ge­nies­sen und wenn doch, füllt ei­nen die se­rie mit stolz auf die ei­ge­ne „be­le­sen­heit“ mit sci-fi-ma­te­ri­al.

um zu se­hen wel­che tei­le der film- und fern­seh­ge­schich­te plur1bus ver­wurs­ten wird, muss man jetzt al­ler­dings neun tage war­tem.


plur1bus s01e04

felix schwenzel in gesehen

letz­te wo­che habe ich be­haup­tet, dass eine der gros­sen stär­ken von plu­ri­bus sei:

man mag für nie­man­den wirk­lich par­tei er­grei­fen.

das zeig­te sich in der heu­ti­gen fol­ge wie­der, als ca­rol und zo­sia sich über frei­en wil­len, frei­heit und as­si­mi­la­ti­on un­ter­hiel­ten. ca­rol brach­te die üb­li­chen ar­gu­men­te für in­di­vi­dua­li­tät und frei­heit vor und ver­bat sich, dass an­de­re sie zu et­was ma­chen wol­len, was sie nicht ist oder will. zo­sia ant­wort: du willst uns doch auch än­dern und:

We know what it feels like to be you. To be alo­ne. To suf­fer. We'­ve been you, but you'­ve never been us.

an­ge­sichts die­ser ar­gu­men­te und der freund­lich­keit, gut­mü­tig­keizt und ehr­lich­keit der an­de­ren kann man nicht wirk­lich par­tei er­grei­fen — bei­de sei­ten ha­ben ire­nd­wie recht und lie­fern nach­voll­zieh­ba­re ar­gu­men­te.

auch ihr dia­log mit dem rad­fah­rer-kla­mot­ten-lar­ry war bril­li­ant, ko­misch und hat das po­ten­zi­al ir­gend­wann in psych­lo­gi­scher fach­li­te­ra­tur auf­zu­tau­chen. hier ein vor­ge­schmack, gar­niert mit der hoff­nung, dass so­was nicht nur mich eu­pho­ri­si­ert.

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auch wenn das was ich hier sage und zi­tie­re kei­ne wirk­li­chen spoi­ler sind, sinn er­gibt das al­les na­tür­lich nur, wenn man die se­rie selbst an­guckt.

des­halb fas­se ch mich heu­te kurz und be­las­se es da­bei fest­zu­stel­len, dass mei­ne be­geis­te­rung über … 

  • die bril­li­an­ten dia­lo­ge (in ei­ner sci­ence fic­tion se­rie!),
  • die klei­nen, ur­ko­mi­schen ab­sur­di­tä­ten,
  • die sub­ti­len und we­ni­ger sub­ti­len an­deu­tun­gen, die ei­nem zur in­ter­pre­ta­ti­on vor­ge­wor­fen wer­den,

… seit der letz­ten fol­ge noch­mal po­ten­ziert ha­ben.

da passt es gut, dass es schon am mitt­woch wei­ter mit der fol­ge 5 geht.

wer noch eu­pho­ri­sche­re lo­bes­hym­nen auf die se­rie hö­ren will, mar­co risch von nerd­kul­tur kann das lie­fern.

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sen­dung mit der maus vom 16.11.2025

felix schwenzel in gesehen

heu­te u.a. mit holz­bau­stei­nen aus schad­holz, of­fen­bar von tri­q­briq.de. fand ich in­ter­es­sant, kann­te ich noch nicht, wie­der was ge­lernt.

(me­dia­thek di­rekt­link)


plur1bus s01e03

felix schwenzel in gesehen

ich mag es wenn in fil­men men­schen por­trai­tiert wer­den die nett, freund­lich, dau­er­op­ti­mis­tisch und ehr­lich sind. ty­pi­scher­wei­se wir­ken die­se men­schen leicht naiv, weil wer ist in die­ser welt vol­ler ge­fah­ren und bö­sen ab­sich­ten im­mer freund­lich? pipi lang­strumpf ist der fik­tio­na­le cha­rak­ter der dem ei­ner­seits nah kommt und die mir so­fort in den sinn kommt, weil ich sie schon so lan­ge ken­ne. aber auch si­mo­ne aus aus mrs. da­vis, ted las­so, kim­my schmidt. oder das pa­ra­de­bei­spiel für un­er­schüt­ter­li­chen op­ti­mis­mus und freund­lich­ke­keit: hans im glück.

in plur1bus ist plötz­lich die gan­ze welt von die­sen men­schen ge­füllt, bis auf ein dut­zend aus­nah­men. eine der aus­nah­men, ca­rol, ist kon­se­quent un­freund­lich, pat­zig und auf eine art rück­sichts­los. ich fand das schwer er­träg­lich an­zu­se­hen, wie sie mit men­schen um­geht, die ihr of­fen, freund­lich und ehr­lich ge­gen­über­tre­ten und ihr nichts bö­ses wol­len. und an­de­rer­seits kann man ihre wut, ih­ren hass, ihre selbst­be­zo­gen­heit auch je­der­zeit gut nach­voll­zie­hen.

für mich kris­tali­si­ert sich be­reits nach drei fol­gen raus, dass ge­nau dies die stär­ke der se­rie ist. man mag für nie­man­den wirk­lich par­tei er­grei­fen. bei­de par­tei­en sind für ein paar mil­lio­nen tote ver­ant­wort­lich und doch kann man ver­ständ­nis für ihr mo­ti­ve oder de­fi­zi­te auf­brin­gen.

die an­de­re stär­ke der se­rie ist das neu de­fi­nie­ren von post apo­ka­lyp­ti­schen bild-wel­ten. der sau­ber leer­ge­räum­te su­per­markt (zen­ra­le ver­wal­tung und ver­tei­lung von re­sour­cen ist „ef­fi­zi­en­ter“) ist ein bild für die ge­schicht­bü­cher des sci­ence-fic­tion gen­res.

ich bin aus­ser­dem über­rascht, wie in­spi­rie­rend die se­rie ist. die ver­dreh­te welt die hier ge­zeigt wird, regt mich aus­ser­or­dent­lich zum nach- und wei­ter­den­ken an. was ist glück, was kommt hin­ten raus wennn man ef­fi­zi­enz und den ka­te­go­ri­schen im­pe­ra­tiv nie­man­dem zu scha­den als obers­te ma­xi­me sei­nes han­deln kon­seu­qent um zu set­zen verucht?

ich freu mich schon auf die nächs­ten fol­gen und bin gleich­zeitg jetzt schon tief-trau­rig, dass die ers­te staf­fel am ende des jah­res schon vor­bei ist.


plur1bus s01e01 und e02

felix schwenzel in gesehen

welt­frie­den, gleich­heit für alle, glo­ba­le ko­ope­ra­ti­on, alle ar­bei­ten hand in hand, kein pu­su­it of hap­pi­ness mehr, son­dern ein dau­er­haf­ter zu­stand von glück für alle. per­fek­te li­ber­té, éga­li­té, fra­ter­ni­té.

was kann da schon schief­ge­hen?

mit die­ser fra­ge be­schäf­tigt sich Plur1bus auf ap­ple tv ge­ra­de. ap­ple hat ges­tern zwei fol­gen von vin­ce gil­ligans neu­er se­rie ver­öf­fent­licht und ich hab mir die ohne ei­nen fun­ken lan­ge­wei­le am stück rein­ge­zo­gen — und kann nicht kla­gen. im ge­gen­teil, das war wit­zig, ab­surd und wun­der­schön ge­filmt. für die in­sze­nie­rung, auch der kleins­ten gags, wur­de kein auf­wand ge­scheut und die wit­ze wa­ren wohl­plat­ziert und zahl­reich - ohne dass die dra­ma­tik litt.

nach die­sen zwei fol­gen kann man Plur1bus wohl am bes­ten als ge­sell­schafts­dra­ma mit wei­chen sci­ence-fic­tion und har­ten phi­lo­so­phi­schen ele­men­ten be­zeich­nen. beim zu­schau­en wer­den as­so­zia­tio­nen an so ziem­lich je­des film- und se­ri­en­gen­re ge­weckt, aber im­mer auf den kopf ge­stellt oder nach links oder rechts ge­dreht. zom­bies die klug und freund­lich sind und kei­ner flie­ge et­was zu­lei­de tun, or­dent­lich-sau­be­re, wohn­lich-at­trak­ti­ve post-apo­ka­lyp­se, Body Snat­cher die den kol­la­te­ral­scha­den auf­rich­tig be­dau­ern. ein wil­der ritt, der aber im­mer nach­voll­zieh­bar und ge­er­det bleibt. und zi­ta­te die qua­si über nacht zu klas­si­kern wer­den könn­ten:

Pou­let Yas­sa!
Ho­we­ver, and I’m not com­plai­ning mind you …
I did or­der lobs­ter.

We sear­ched a wide ra­di­us, but the only lobs­ter curr­ent­ly available is live.

Davis Taffler

This par­ti­cu­lar in­di­vi­du­al, this is Da­vis Taff­ler, Un­der Se­cre­ta­ry of Agri­cul­tu­re for Farm Pro­duc­tion and Con­ser­va­ti­on. But you are curr­ent­ly tal­king to every per­son on earth, in­clu­ding Da­vis Taff­ler. […] Da­vis Taff­ler hap­pend to be ne­ar­by and int­act. And he was wea­ring a suit.

die se­rie kam so­fort zur sa­che. bei Bet­ter Call Saul hat die ex­po­si­ti­on und der auf­bau der ge­schich­te noch ewig, min­des­tens drei, vier oder fünf fol­gen ge­dau­ert. um so ge­spann­ter bin ich, was Plur1bus jetzt aus der lie­be­voll de- und re­kon­stru­ier­ten welt macht, ob die se­rie auf meh­re­re staf­feln an­ge­legt ist, sich schon nach der ers­ten staf­fel zur ruhe legt, das ende ab­schliesst oder of­fen lässt. an­de­rer­seits möch­te ich gar nicht wis­sen, ob es noch wei­te­re staf­feln gibt. als ich mir vor 16 jah­ren die ers­te staf­fel Brea­king Bad in der DVD­thek lieh, hat­te mei­ne ah­nungs­lo­sig­keit zur lauf­zeit der se­rie ei­nen gros­sen ein­fluss dar­auf, dass ich die se­rie vor span­nung kaum aus­hielt und im­mer wie­der pau­sie­ren muss­te. in Brea­king Bad, er­kann­te ich schnell, konn­te al­les pas­sie­ren.

dass in Plur1bus al­les pas­sie­ren kann, ist jetzt auch mei­ne er­war­tungs­hal­tung für den rest der se­rie. und des­halb bin ich ge­spannt wie ein flit­ze­bo­gen.


(gif via de­ci­der.com, Plur1bus läuft auf ap­ple tv, je­den frei­tag eine neue fol­ge.)


the re­cruit (Z.S.I.S.S.)

felix schwenzel in gesehen

die ers­te staf­fel von the re­cruit (net­flix, wi­ki­pe­dia) hat mir sehr gut ge­fal­len. es herrscht ja kein man­gel an hol­ly­wood-fil­men oder -se­ri­en die das in­ners­te des CIA (ver­meint­lich) be­leuch­ten. aber the re­cruit ist an­ders: in der ge­sam­ten ers­ten staf­fel ist nicht ein­mal der iko­ni­sche ein­gang des CIA mit dem ad­ler und dem stern zu se­hen. al­les was man vom CIA-hau­ot­sitz sah wa­ren tris­te bü­ros mit an­ge­stell­ten die sich ge­gen­sei­tig in re­vier­kämp­fe ver­wi­ckeln und ge­gen­sei­tig zu sa­bo­tie­ren ver­su­chen. man sieht den neu re­kru­tier­ten CIA-an­walt na­tür­lich auch ein biss­chen trot­te­lig durch die welt jet­ten, aber die rei­sen füh­ren ihn ei­gent­lich im­mer nur zu ne­ben­kriegs­schau­plät­zen. sei­ne wah­ren fein­de be­geg­nen ihm im büro.

ich fand die­se sicht­wei­se sehr amü­sant, zu­mal drum­her­um ein biss­chen ac­tion und ein paar nicht zu weit her­ge­hol­te hand­lungs­strän­ge ge­spon­nen wur­den. die ac­tion-sze­nen wa­ren meis­tens nach­voll­zieh­bar und eine an­ge­neh­me ab­wechs­lung zum üb­li­chen hol­ly­wood hau­en und ste­chen. nach­voll­zieh­bar blieb das gan­ze, weil sich der re­krut kon­se­quent doof und naiv an­stell­te, ihn ge­walt im­mer wie­der er­schüt­ter­te und er aus brenz­li­gen si­tua­tio­nen ei­gent­lich nur mit glück und sei­nen rhe­to­ri­schen fä­hig­kei­ten raus kam.

die acht fol­gen der ers­ten staf­fel hab ich in zwei oder drei aben­den weg­ge­bin­ged. ich habe mich sehr dar­über ge­freut, dass es noch eine zwei­te staf­fel mit sechs fol­gen gab. lei­der ver­lor die zwei­te staf­fel jede bo­den­haf­tung und nach­voll­zieh­bar­keit. plötz­lich war der an­walt in faust- und nah­kämp­fen mit ame­ri­ka­ni­schen und rus­si­schen sol­da­ten, ko­rea­ni­schen kick­bo­xern, ja­pa­ni­schen ma­fia-schlä­gern und er­fah­re­nen, ost­eu­ro­päi­schen oder asia­ti­schen auf­trags­mör­de­rin­nen iund -mör­dern mmer der­je­ni­ge der tri­um­p­fie­rend aus dem kampf ging.

die zwei­te staf­fel mu­tier­te von ei­ner span­nen­den, gu­ten mit­tel­gu­ten se­rie mit ei­ner in­ter­es­san­ten prä­mis­se zu ei­nem 08/15 hol­ly­wood ac­tion for­mat von der stan­ge. im­mer noch un­ter­halt­sam und bin­ge­bar, aber wo die ers­te staf­fel noch er­schü­ternd rea­lis­tisch wirk­te, wirk­te die zwei­te wie eine ko­pie von john wick, nur eben in bil­lig und schlecht.

the re­cruit staf­fel 1 (2022):

 

the re­cruit staf­fel 2 (2025):


das mühl­stein­hau­er­ge­wer­be teil 2 (!)

felix schwenzel in gesehen

nach­dem ich kürz­lich noch dar­über ge­klagt habe, dass scih wei­te­re tei­le zum Mühl­stein­hau­er­ge­wer­be. Teil 1: Stein­bre­chen und Be­hau­en im Ba­salt­bruch on­line nicht fin­den lies­sen, ist seit ges­tern­der zwei­te teil on­line.

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das vi­deo ist ge­nau­so gross­ar­tig wie das ers­te. je­der schlag den man sieht könn­te da­ne­ben ge­hen, denkt man, wenn man den al­ten weis­sen män­nern zu­sieht. spoi­ler: geht nix da­ne­ben. am ende liegt ein per­fek­ter, run­der und glat­ter mühl­stein auf dem pfer­de­ge­spann.


mühl- und schleif­stei­ne

felix schwenzel in gesehen

ich schaue ger­ne swr hand­werks­kunst, die sen­dung mit der maus oder die vi­de­os von my me­cha­nics (sie­he 40 mi­nu­ten per­fek­ti­on) oder big­cli­ve­dot­com — weil ich an­de­ren leu­ten ger­ne da­bei zu­schaue wie sie sa­chen her­stel­len, re­pa­rie­ren oder öff­nen. aus dem glei­chen grund schaue ich ger­ne kö­chen zu, wie sie ko­chen.

ge­le­gent­lich spült mir der you­tube al­go­rith­mus vi­de­os von lan­des­bild­stel­len in die time­line. kürz­lich die­ses vi­deo:

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im vi­deo sieht man wie alte weis­se män­ner in ei­nem stein­bruch mit hand­werk­zeu­gen stei­ne bre­chen, ir­gend­wann auch ei­nen ganz gros­sen, aus dem sie ei­nen roh­ling für ei­nen mühl­stein hau­en. das vi­deo wur­de 1966 pro­du­ziert und schon da­mals war die art ar­beit die dort ge­zeigt wird mehr oder we­ni­ger ob­so­let und wur­de wahr­schein­lich auch schon 1966 von ma­schi­nen er­le­digt. die män­ner im vi­deo wur­den wahr­schein­lich le­dig­lich für die do­ku­men­ta­ti­on noch ein­mal ge­be­ten ihre ar­beit zu zei­gen.

ich fand den film ex­trem span­nend. nicht nur im sin­ne von fes­selnd, son­dern auch in dem sinn, dass ich die gan­ze zeit schlim­me un­fäl­le an­ti­zi­pier­te. die po­ten­zi­el­len ge­fah­ren in die sich die män­ner im stein­bruch be­ge­ben lies­sen mich atem­los zu­se­hen. und min­des­tens ge­nau so fes­selnd die ar­beit mit dem ma­te­ri­al, wie man sieht, dass sie den stein ver­ste­hen und wis­sen wo man klop­fen, schla­gen oder spal­ten muss, da­mit er so bricht, wie er bre­chen soll.

das vi­deo ist über eine hal­be stun­de lang, aber ich hät­te auch eine stun­de ge­schaut. lei­der en­det es mit dem ab­trans­port des roh­lings. „Das Mühl­stein­hau­er­ge­wer­be“ hat mehr als eine fol­ge, aber lei­der las­sen sich die wei­te­ren fol­gen on­line nicht ohne wei­te­res fin­den.

als er­satz habe ich dann was über schleif­stei­ne ge­guckt.

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die­ser film ist von 1971 und noch span­nen­der, die weis­sen män­ner in die­sem film brin­gen sich in noch grös­se­re ge­fah­ren als die stein­hau­er. von der stein­lun­ge (si­li­ko­se) von ex­plo­die­ren­den schleif­stei­ne spricht die spre­cher-stim­me aus dem off, aber jede ein­zel­ne tä­tig­keit die man dort sieht wür­de je­den ar­beits­si­cher­heits­be­auf­trag­ten in den wahn­sinn trei­ben. kei­ne schutz­klei­dung (aus­ser schür­zen), frei­ste­hen­de le­der­rie­men an­trie­be, frei­hän­di­ges rit­zen eine ro­t­ei­ren­den schleif­steins mit ei­ner me­tall­stan­ge. al­les — aus heu­ti­ger sicht — irre und doch fas­zi­nie­rend — und span­nen­der zu gu­cken als man­che fern­seh­se­rie.


nach­trag 28.07.2025

der zwei­te teil „Das Mühl­stein­hau­er­ge­wer­be“ ist jetzt auch on­line:

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nach­trag zu fil­me und se­ri­en im mai und ju­ni

felix schwenzel in gesehen

ich habe mei­ne kurz­kri­tik zu mur­der­bot mit die­sem nach­trag er­gänzt (ent­hält mil­de spoi­ler):

ich habe mir mur­der­bot jetzt bis zum ende an­ge­schaut und muss sa­gen, da ha­ben sie die kur­ve ganz gut ge­kriegt. in der vor-letz­ten fol­ge wur­den die lo­sen en­den auf dem sur­vey-pla­ne­ten ge­schlos­sen und in der letz­ten fol­ge wird klar von was die se­rie — und of­fen­bar auch die buch­vor­la­ge — ei­gent­lich han­delt. um den ge­dan­ken der frei­heit, was macht mensch­sein aus, wie ge­hen wir mit uns frem­den füh­len­den, selbst­wahr­neh­men­den we­sen um, all das um das sich auch un­zäh­li­che an­de­re sci­ence-fic­tion wer­ke dre­hen. aber eben mit ei­nem et­was an­de­ren spin: mur­der­bot möch­te gar nicht wie ein mensch wer­den oder teil der grup­pe wer­den. am ende sagt er, er wis­se auch nicht was er wol­le, aber er wis­se, dass er eins ganz si­cher nicht will: das ihm je­mand sagt was er wol­le. das ver­spricht für die wei­te­ren staf­feln eine ganz gute per­spek­ti­ve.

wer sich das gan­ze noch­mal (auf eng­lisch) per you­tube-vi­deo zu­sam­men­fas­sen/er­klä­ren las­sen will, ist wie fast im­mer ganz gut bei pete pep­pers zu­sam­men­fas­sung der ers­ten staf­fel auf­ge­ho­ben (ent­hält hef­ti­ge spoi­ler der ers­ten und leich­te spoi­ler der kom­men­den staf­feln).


fil­me und se­ri­en im mai und ju­ni

felix schwenzel in gesehen

se­ri­en­mäs­sig ist es nach dem ende der zwei­ten staf­feln von „the last of us“ und „an­dor“ und dem ende der drit­ten staf­fel „will trent“ et­was ru­hig in mei­ner se­ri­en-in­box ge­wor­den. mich reis­sen die neu­en sa­chen auf ap­ple tv („your fri­ends and neigh­bors“, „hel­lo to­mor­row“) nicht be­son­ders vom ho­cker. auf net­flix und ama­zon prime siehts auch ge­ra­de öde aus. die vier­te staf­fel „love, de­ath & ro­bots“ hab ich mir an­ge­se­hen und wie im­mer bei die­ser se­rie ge­le­gent­li­och fol­gen über­sprun­gen. die ge­schich­ten in „love, de­ath & ro­bots“ sind ja nie rich­tig zu­en­de er­zählt, aber in die­ser staf­fel wur­den die fol­gen be­son­ders früh ab­ge­bro­chen oder ex­tra of­fen ge­las­sen.

aber ein paar sa­chen ge­fal­len mir dann doch.

werbebanner für die britische tv serie dept. q

dept. q (net­flix)

klas­si­sche bri­ti­sche po­li­zei­se­rie, auf rot­ten to­ma­toes las ich vor­her, dass dept. q mit sei­nen ge­bro­che­nen haupt­fi­gu­ren ein biss­chen der se­rie „slow hor­ses“ nach­ei­fert, aber ich fands ge­lun­gen und ei­gen­stän­dig. nur weil die haupt­fi­gur wie ein arsch­loch auf­tritt, dass bril­li­ant und bei nä­he­rem hin­se­hen auch gar nicht so ein arsch­loch ist, sind sich die bei­den se­ri­en gar nicht mal so ähn­lich — und dann eben doch ein biss­chen. ich hab je­den­falls ein paar mal herz­lich ge­lacht, fand’s trotz ge­wis­ser vor­her­seh­bar­keit so span­nend und un­ter­halt­sam, dass ich es in we­ni­gen ta­gen weg­ge­bin­ged habe.

logo der rtl-serie kitchen impossible (zeigt ein küchenbeil auf dem schriftzug)

kit­chen im­pos­si­ble (rtl­plus)

of­fen­bar macht tim mäl­zer das jetzt schon 10 jah­re und das rtl-abo lohnt sich schon fast al­lei­ne we­gen tim mäl­zer. ich kann zwar meis­tens nicht mehr als drei sen­dun­gen se­hen ohne dann eine pau­se von min­des­tens zwei mo­na­ten zu ma­chen, man­che fol­gen muss ich ab­bre­chen, aber in der 10. staf­fel weht tat­säch­lich mal ein biss­chen fri­scher wind und die sen­dung wagt auch mal die ab­läu­fe ein we­nig zu än­dern. die sen­dung mit „mar­te­ria“, „the duc ngo“ und sido war un­er­träg­lich und mäl­zer lust­los. die mit mar­tin klein so un­ter­halt­sam dass ich mir das auch 6 stun­den lang an­ge­se­hen hät­te, statt der re­gu­lä­ren 3. in der sen­dung mit se­bas­ti­an brug­ger, cla­ra hun­ger & max stro­he riss sich mäl­zer in je­der hin­sicht zu­sam­men und rutsch­te beim ba­lan­ce­akt zwi­schen bes­ser­wis­ser und för­de­rer, lob und her­ab­las­sung nicht aus. die sen­dung mit gen­na­ro con­tal­do, cor­ne­lia po­let­to & anna sgroi wäre sehr lang­wei­lig ge­we­sen, wenn der alte för­de­rer von tim mäl­zer, gen­na­ro con­tal­do, nicht so un­fass­bar wit­zig, her­zig und ei­gen ge­we­sen wäre.

werbebanner für die britsche tv serie lol (last one laucghing)

lol uk (ama­zon prime)

die deut­sche va­ri­an­te von lol (last one laucghing) er­tra­ge ich ge­ra­de so. „bul­ly“ herbig ist der schlech­tes­te vor­stell­ba­re mo­de­ra­tor so ei­ner sen­dung, aber die ko­mi­ker sind durch­ge­hend fast im­mer sehr gross­ar­tig. selbst otto schaff­te es noch­mal mich von ihm zu be­geis­tern.

die bri­ti­sche va­ri­an­te habe ich nicht nur er­tra­gen, son­dern ge­nos­sen. der mir ei­gent­lich to­tal un­sym­pa­thi­sche jim­my carr ist eine gross­ar­ti­ge be­set­zung als mo­de­ra­tor und sich nicht zu scha­de sich wür­de­voll von sei­nen gäs­ten be­schimp­fen und ver­ar­schen zu las­sen und sei­ne gäs­te gleich­zei­tig re­spekt­voll und re­spekt­los zu be­hand­len. und dann na­tür­lich ri­chard ayoa­de der die gan­ze sen­dung trägt und nicht nur un­fass­bar wit­zig ist, son­dern auch sehr schnell ist im (wit­zi­gen und ab­sur­den) den­ken. auch schön, nie­mand sieht in der sen­dung wirk­lich gut aus, aber alle se­hen sehr sym­pa­thisch aus — und sind es auch (selbst jim­my carr).

es bleibt zu hof­fen, dass ama­zon de sich von ama­zon uk ein paar schei­ben ab­schnei­det und bul­ly herbig mit jan böh­mer­mann aus­tauscht.

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stick (ap­ple tv+)

es hat meh­re­re an­läu­fe über zwei wo­chen ge­dau­ert bis ich die fol­ge eins die­ser se­rie zu­en­de hat­te, aber seit fol­ge zwei schau ichs ganz ger­ne. das un­in­ter­es­san­tes­te vor­stell­ba­re the­ma — gol­fen — hält die se­rie nicht da­von ab re­la­tiv viel feel-good en­er­gie zu ver­strah­len. vor lau­ter black mir­ror, „love, de­ath & ro­bots“ und sons­ti­gem dunk­ler se­ri­en- und rea­li­täts-ma­te­rie freue ich mich über al­les was ein biss­chen po­si­ti­ve en­er­gie vert­strömt, selbst wenn das ge­le­gent­lich zu dick auf­ge­tra­gen und vor­her­seh­bar ist. aus­ser­dem mag ich seit „loki“ owen wil­sons stim­me sehr sehr ger­ne.

werbebanner für die apple tv+ serie murderbot

mur­der­bot (ap­ple tv+)

ei­gen­ar­ti­ge se­rie. nach je­der fol­ge den­ke ich wtf? nicht in ei­nem an­ge­neh­men sinn, son­dern eher: das solls ge­we­sen sein? ist hier über­haupt was pas­siert? und wenn ja, was?

die idee der se­rie ist nicht schlecht: ein halb or­ga­ni­scher si­cher­heits-ro­bo­ter (ohne ge­ni­ta­li­en, wie die se­rie nicht müde wird zu er­wäh­nen) hackt sein si­cher­heits­mo­dul um fern­seh­se­ri­en zu gu­cken. die se­rie ist jetzt 8 fol­gen lang und im­mer noch ir­gend­wie mit der ex­po­si­ti­on be­schäf­tigt. und trotz al­ler ex­po­si­ti­ons-mü­hen kann ich mit den fi­gu­ren im­mer noch nichts an­fan­gen, aus­ser mit mur­der­bot. das ist das ein­zi­ge we­sen mit dem man sich ir­gend­wie iden­ti­fi­zie­ren kann. der rest der fi­gu­ren: über­zeich­ne­te oder un­ter­zeich­ne­te hilf­lo­se dep­pen mit de­nen man nicht warm wird. auch die hand­lung kommt nie rich­tig in gang und stot­tert sich von cliff­han­ger zu cliff­han­ger. ob­wohl man bei „mur­der­bot“ statt von cliff­han­ger eher von „hän­gern“ oder pfahl­sit­zern re­den kann.

ich zieh mir das wahr­schein­lich noch bis zum ende rein, aber die er­war­tun­gen dass hier noch ein aha-mo­ment kommt sind ex­trem ge­ring.

was mir ge­fällt ist al­ler­dings, dass mur­der­bot eine der we­ni­gen se­ri­en ist, in der die set-de­si­gner die ex­tra­ter­restria­len sied­lun­gen nicht aus lay­her-ge­rüs­ten bau­en. seit „batt­ler­star ga­lac­ti­ca“ und den fol­gen die auf „new ca­pri­ca“ spie­len fal­len mir im­mer wie­der ge­rüst­tei­le des ba­den würt­tem­ber­gi­schen ge­rüs­ther­stel­lers in den se­ri­en-ku­lis­sen auf. ge­nau­er, dass lay­her all­round­ge­rüst mit sei­nen cha­rak­te­ris­ti­schen rin­gen an den trä­gern. hier ein bild von new ca­pri­ca, hier bil­der zun all­round sys­tem.

(ich dach­te ei­gent­lich zum lay­her all­round ge­rüst in hol­ly­wood pro­duk­tio­nen schon­mal was ge­schrie­ben zu ha­ben, aber selbst mit mei­ner neu­en su­per ar­chiv-such­funk­ti­on kann ich dazu nichts fin­den. ehr­lich­ge­sagt kann ich mich auch nicht mehr ge­nau er­in­nern in wel­chen fil­men und se­ri­en ich das lay­her ge­rüst­sys­tem ge­se­hen habe und ob es nicht doch ein, zwei mal in „mur­der­bot“ auf­tauch­te)

[nach­trag 12.07.2025, ent­hält mil­de spoi­ler]

ich habe mir mur­der­bot jetzt bis zum ende an­ge­schaut und muss sa­gen, da ha­ben sie die kur­ve ganz gut ge­kriegt. in der vor-letz­ten fol­ge wur­den die lo­sen en­den auf dem sur­vey-pla­ne­ten ge­schlos­sen und in der letz­ten fol­ge wird klar von was die se­rie — und of­fen­bar auch die buch­vor­la­ge — ei­gent­lich han­delt. um den ge­dan­ken der frei­heit, was macht mensch­sein aus, wie ge­hen wir mit uns frem­den füh­len­den, selbst­wahr­neh­men­den we­sen um, all das um das sich auch un­zäh­li­che an­de­re sci­ence-fic­tion wer­ke dre­hen. aber eben mit ei­nem et­was an­de­ren spin: mur­der­bot möch­te gar nicht wie ein mensch wer­den oder teil der grup­pe wer­den. am ende sagt er, er wis­se auch nicht was er wol­le, aber er wis­se, dass er eins ganz si­cher nicht will: das ihm je­mand sagt was er wol­le. das ver­spricht für die wei­te­ren staf­feln eine ganz gute per­spek­ti­ve.

wer sich das gan­ze noch­mal (auf eng­lisch) per you­tube-vi­deo zu­sam­men­fas­sen/er­klä­ren las­sen will, ist wie fast im­mer ganz gut bei pete pep­pers zu­sam­men­fas­sung der ers­ten staf­fel auf­ge­ho­ben (ent­hält hef­ti­ge spoi­ler der ers­ten und leich­te spoi­ler der kom­men­den staf­feln).


clark­sons farm s04

felix schwenzel in gesehen

nor­ma­ler­wei­se geh ich am tag vor der re­pu­bli­ca auf die „pre-pu­bli­ca“ um mir dort mein ti­cket in ein arm­bänd­chen um­zu­wan­deln zu las­sen und die war­te­schlan­gen an der ak­kre­di­tie­rung am ers­ten re­pu­bli­ca tag zu ver­mei­den. heu­te hab ich mich ent­schie­den lie­ber die neue staf­fel (4) von clark­sons farm wei­ter zu schau­en.

seit vor­ges­tern liegt die neue staf­fel (bzw. vier fol­gen) auf ama­zon prime, ges­tern hab ichs ge­merkt und dann auch gleich 3 fol­gen ge­schaut. zwi­schen­fa­zit: alle 10 bis 20 mi­nu­ten habe ich laut ge­lacht. das ist un­ge­wöhn­lich viel für je­man­den der grund­sätz­lich al­lei­ne fern­se­hen guckt und für mich erst recht.

in der ers­ten fol­ge hat­te ich in den ers­ten 10, 20 mi­nu­ten al­ler­dings leich­te top-gear-vi­bes. bei top gear war ich oft ge­nervt, dass es nicht nur ge­scrip­tet, also von vor­ne bis hin­ten kal­ku­liert und durch­ge­plant war, son­dern dass man daa auch oft sehr stark be­merk­te. die ers­ten 15 mi­nu­ten clark­sons farm fühl­ten sich dann auch so an, als ob man eine ein­lei­tung für den rest der fol­ge brauch­te und den dann nach dreh­buch und mit mit­tel­mäs­si­gen schau­spiel­küns­ten übers knie zu bre­chen ver­such­te.

die ers­ten staf­feln der se­rie fühl­ten sich über­haupt nicht so an. die be­scheur­ten ideen von clark­son fühl­ten sich 100% an wie be­scheu­er­te ideen von clark­son und die schwie­rig­kei­ten in die clark­son eine nach der an­de­ren schli­der­te fühl­ten sich au­then­tisch und real an.

für mich wa­ren die ers­ten staf­feln auch au­gen­öff­ner, so wie das manch­mal auch blogs schaf­fen: ich be­kam ein­bli­cke in eine ar­beits­welt, eine rea­li­tät, die ich sonst nur aus dem auto oder ge­le­gent­lich beim spa­zie­ren ge­hen von feld­we­gen aus der di­stanz be­ob­ach­ten konn­te. die mühe, die psy­chi­schen und fi­nan­zi­el­len be­las­tun­gen von bau­ern, die müh­len ge­gen die sie zu kämp­fen ha­ben — all das war mir eine frem­de welt, in die je­re­my clark­son und sein team mir ein­blick ver­schaff­ten.

na­tür­lich sind sen­dun­gen an de­nen je­re­my clark­son be­tei­ligt ist im­mer stramm auf un­ter­hal­tung und kon­stru­ier­te span­nungs­mo­men­te ge­bürs­tet, auch clark­sons farm, aber dies­mal war — ist — das er­geb­nis ge­ra­de­zu dif­fe­ren­ziert und eben auch au­then­tisch. es gab in den ver­gan­ge­nen staf­feln im­mer wie­der mo­men­te in de­nen man je­re­my clark­son da­bei zu­schau­en konn­te wie ihn er­kennt­nis­se er­eil­ten und ihn er­leb­tes emo­tio­nal be­rühr­te. dass das al­les dann auch noch un­ter­halt­sam ist war dann das ne­ben­pro­dukt, auch weil sich clark­son nicht zu scha­de ist sich über sich selbst lus­tig zu ma­chen und sei­ne mit­strei­ter und zu­schau­er auch ge­ra­de­zu dazu auf­for­dert sich über ihn, sein un­wis­sen, sei­ne gross­mäu­lig­keit und sei­ne un­ge­schik­lich­keit lus­tig zu ma­chen.

nach der et­was trü­ben ers­ten vier­tel stun­de, klappt das auch in staf­fel vier wie­der. schon die ers­te fol­ge ist ge­spikt mit un­fass­bar wit­zi­gen und erns­ten mo­men­ten, schlag­fer­tig­keit und nach­denk­lich­keit — al­les ohne pa­thos.

ganz viel an­teil am tur­n­around nach 15 mi­nu­ten hat­te na­tür­lich har­riet co­wan die für eine wei­le für kaleb coo­per ein­springt, weil der auf grand tour durch eng­land ist. für wei­te­re span­nung und un­ter­hal­tung dürf­te das gros­se the­ma „knei­pe“ sor­gen, das sich je­re­my clar­son in die­ser staf­fel in den kopf ge­setzt hat. kei­ne ah­nung ob sein her­zinarkt in die­ser staf­fel eine rol­le spie­len wird, ich geh mal da­von aus und bin ge­spannt wie das ge­spon­nen wird.


will trent s03

felix schwenzel in gesehen

will trent ist eine stan­dard hol­ly­wood se­ri­en pro­duk­ti­on. vor 11 jah­ren hab ich sol­che pro­duk­tio­nen mal „mit­tel­gu­te ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­se­ri­en“ ge­nannt.

mit­tel­gu­te ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­se­ri­en kön­nen durch die prot­ago­nis­ten, die ge­schich­ten oder die qua­li­tät des ro­ten fa­dens durch­aus sehr gut sein.

ich fin­de will trent tat­säch­lich ziem­lich gut. der rote fa­den, der mit­tel­gu­te ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­se­ri­en von an­fang bis ende durch­läuft, ist bei will trent die be­trach­tung der trau­ma­ta der haupt­fi­gu­ren. will trent und an­ge­la po­la­ski ha­ben ihre kind­heit bei pfe­ge­el­tern ver­bracht, die nicht be­son­ders pfleg­lich mit ih­nen um­gin­gen. in der se­rie heißt es im­mer wie­der: sie durch­lie­fen das fos­ter care sys­tem, was im ame­ri­ka­ni­schen meist nichts gu­tes be­deu­tet. dazu kommt, dass will trent, die names­ge­ben­de fi­gur, leg­asthe­ni­ker ist, aber auch ein bril­li­an­ter er­mitt­ler.

das hört sich al­les furcht­bar lang­wei­lig an, aber ei­ner­seits sind die ge­schich­ten oder fäl­le die­ser kri­mi­nal­se­rie gut ge­strickt, aber vor al­lem gibt sich die se­rie mühe dif­fe­ren­ziert und viel­schich­tig zu er­zäh­len. die bö­se­wich­ter sind sel­ten in schwarz/weiss ge­zeich­net und alle prot­ago­nis­ten kämp­fen auf ir­gend­ei­ne art mit ih­ren dä­mo­nen.

ich bin we­der ame­ri­ka­ner, mei­ne leg­has­tenie ist nur mil­de aus­ge­prägt, ich bin kein la­ti­no, nicht schwarz, kei­ne frau und kein po­li­zist — und doch kann ich mich mit fast al­len fi­gu­ren iden­ti­fi­zie­ren. viel­leicht ein biss­chen pa­the­tisch, aber es trifft den kern der se­rie ganz gut: will trent, die se­rie, die au­toren, ge­ben sich mühe hu­ma­nis­tisch an die ge­schich­ten und fi­gu­ren zu ge­hen.

wäh­rend in fast al­len ame­ri­ka­ni­schen pro­duk­tio­nen die nut­zung von hand­feu­er­waf­fen ba­na­li­siert wird und schuss­waf­fen oft als werk­zeu­ge zum pro­blem­lö­sen dar­ge­stellt wer­den, er­zählt will trent in der drit­ten staf­fel die ge­schich­te, die trau­ma­ta ei­nes ein­zi­gen schus­ses über meh­re­re fol­gen bis ins kleins­te de­tail. der kon­sum von will trent hat bei mir dazu ge­führt, dass ich die geist­lo­se bal­le­rei in vie­len ame­ri­ka­ni­schen se­ri­en und fil­men noch schwe­rer er­tra­ge.

ich freu mich je­den­falls über jede neue fol­ge will trent und es ist wirk­lich eine sehr gute mit­tel­gu­te ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­se­rie.


statt tl;dr → llm;dr (ein lar­ge lan­guage mo­del hats ge­le­sen und zu­sam­men­ge­fasst):

will trent ist eine ty­pi­sche, mit­tel­gu­te ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­se­rie – al­ler­dings eine der bes­se­ren. die se­rie er­zählt kri­mi­nal­ge­schich­ten mit viel fein­ge­fühl für ihre fi­gu­ren, ihre ver­gan­gen­heit und ihre in­ne­ren kon­flik­te. be­son­ders be­ein­druckt hat mich, wie dif­fe­ren­ziert die se­rie mit the­men wie trau­ma, her­kunft und ge­walt um­geht – fern­ab von der üb­li­chen fern­seh­ba­na­li­sie­rung. trotz al­ler stan­dard-zu­ta­ten fühlt sich will trent er­staun­lich hu­ma­nis­tisch und em­pa­thisch an – und ge­nau das macht sie se­hens­wert.