handauflegen, serien, langeweile, bücher und kartons
gestern habe ich ein video gesehen, in dem gesagt wurde, das menschen und hunde bein gemeinsamen schlaf in einem bett ihre herzfrequenzvariabilität (HRV) synchronisieren. obwohl sich hunde und menschen im bett nachts ständig gegenseitig kurz wecken, steige trotzdem die subjektive schlafqualität.
frida lässt sich das natürlich nicht nehmen in unseren betten zu schlafen, egal ob wir im bett sind oder nicht. aber besonders gerne liegt sie natürlich im bett, wenn einer von uns auch drin liegt.
tagsüber liegt sie gerne bei der beifahrerin im wohnzimmer auf der couch, während ich im home office nebenan arbeite. ausser während meiner täglichen ca. 30 minuten mitagsschlaf. die möchte sie unbedingt bei mir verbringen. das ritual ist immer das gleiche. ich lege mich gegen 12 uhr in bett, sie kommt aus dem wohnzimmer gedackelt gepudelt, springt aufs bett, prüft wie ich aus dem mund rieche und legt sich dann, mit kontakt zu meinen beinen, ans fussende.
ich schlafe immer gut ein, wenn ich mich ins bett lege, egal ob mittags oder abends oder spät nachts. aber wenn frida neben mir liegt, schlafe ich noch schneller ein. es ist in der tat erstaunlich, was für einen beruhigenden effekt ein hund am bein hat. und laut der studien, die das video zitiert, beruht das wohl auf gegenseitigkeit. es ist als würde man sich gegenseitig eine hand auflegen, mit dem unterschied, dass aufgelegte hände sich spätens nach 3 minuten unangenehm oder ungemütlich anfühlen. noch erstaunlicher, wenn frida das bett verlässt, zum beispiel weil die beifahrerin sich essen macht und sie prüfen möchte was es gibt und ob etwas für sie abfallen könnte, bleibt das gefühl, dass frida an meinem fussende liegt, wie ein abdruck bestehen.
ich frage mich in den letzten tagen: was ist es eigentlich, was mich in fernsehserien reinzieht? oder andersrum gefragt, warum langweilen mich die zweiten staffeln mancher serien so sehr? ich hab die tage mit der zweiten staffel the night manager angefangen und mäkelte innerlich die ganze zeit daran rum. zwei folgen hab ich geschafft, mehr geht glaube ich nicht.
die erste folge der zweiten staffel hijack spielt in berlin, was mich 2 minuten lang gefreut hat, bis es dann peinlich wurde, weil nichts was man dort sieht, mit dem übereinstimmt, was ich selbst so in berlin sehe oder erlebe.
die antwort auf die rhetorische frage, die ich mir selbst gestellt habe, scheint paradox, aber vielleicht ist was dran: wenn ich die erste folge einer serie ansehe und alles was ich sehe ein bisschen langweilig ist, weckt das unter umständen (vor allem wenn die serie nicht zu billig aussieht) mein interesse. ich glaube wenn eie serie zu ambitioniert und bemüht anfängt, entwickle ich sofort widerwillen. wenn ich hingegen normale leute sehe und das was sie machen und was ihnen passiert nachvollziebar ist, weckt das mein interesse (wenn die serie nicht zu billig aussieht). und tatsächlich ist das möglichweise die grundlage von gutem geschichtenerzählen. das funktioniert nur, wenn ich mich mit den protagonisten identifizieren kann und dafür braucht es erstmal normalität.
idris elba als sam nelson ist in der zweiten hijack-staffel von anfang an paranoid, sieht in jedem wimpernzucken der menschen in der ubahn etwas verdächtiges. in der ersten staffel ist er einfach in ein flugzeugt gestiegen und das hat als spannungsbogen ausgereicht.
tom hiddleston als jonathan pine hat in der zweiten staffel vom night manager durchgehend dramatische flashbacks im kopfkino, die der regisseur uns zuschauern dann brühwarm auf die augen bindet. wenn das alles etwas langweiliger oder dubtiler inszeniert wäre, wie viel spannender hätte das werden können? überdramatisierung nimmt dem ganzen drama den schwung.
wenn ich mich recht erinnere, waren die ersten 30 minuten der ersten folge breaking bad irre langweilig. ich sah: das ist nicht billig produziert und mein interesse war trotz (oder wegen?) der langeweile geweckt. die folgenden eskalationen wurzelten in solider langeweile und blieben deshalb auf eine art nachvollziehbar. bei better call saul war die ganze erste staffel langweilig, damit die späteren eskalationen in ruhe wurzeln schlagen konnten. auch bei a knight of the seven kingdoms blieb es drei oder vier folgen lang sehr langweilig, aber dafür sah alles sehr schön aus — und ich fand den rest der ersten staffel grandios.
auf der arbeit habe ich mich in den letzten tagen viel mit tabellenkalkulation beschäftigt. konkreter mit google sheets. in erster linie versuche ich mir und meinem team ein paar werkzeuge zu bauen um besser und schneller preisauskünfte geben zu können. dabei fiel mir auf, wie archaisch es eigentlich ist, preise oder preislisten auf webseiten oder pdfs als einfache listen zu veröffentlichen.
mir kam der gedanke, dass ja eigentlich jede oder jeder die vor einer kaufentscheidung stehen in irgendeiner form preise und optionen vergleichen wollen oder müssen. warum kann man das alles nicht interaktiv wie bei einer tabellenkalkulation machen? wenn ich einen computer kaufeh will, warum in der preisliste statt „16 GB RAM“ hinzuschreiben, ein auswahlmenü mit 16, 32, 64 oder 128 GB RAM anbieten, und die summe dann dynamisch berechnen? warum statische tabellen layouten, wenn man genauso gut dynamische tebellen veröffentlichen könnte und die kunden so lange an den optionen drehen können, bis es ihnen passt? das muss ja auch nicht exklusiv sein, man kann ja beides veröffentlichen.
der status quo ist ja derzeit, dass firmen ihre preislisten aufwändig in einer tabellenkalkulation entwickeln, daraus aufwändige preislisten ableiten und die kunden diese preislisten dann wieder für den eigengebrauch in eine interaktive tabellenkalkulation umwandeln? wenn friedrich merz jammern würde dass statische oder pdf-preislisten die produktivität unserer ökonomie lähmen würden, dann gäbe es auch mal was wo ich ihm ausnahmseweise zustimmen könnte.
gestern habe ich angefangen dieses buch zu lesen. liest sich gut, obwohl ich ständig eingeschlafen bin (nicht wegen des buchs, sondern weil ich so gerne schlafe). ich habe ich mehr als die hälfte an einem nachmittag gelesen. beim lesen dachte ich: „das sind doch alles blogbeiträge!“ weil christian hanne zwei kapitel in seinem blog / auf seiner webseite veröffentlich hat, stimmt der gedanke also mindestens ein bisschen („Fear and Loathing auf dem Elternsprechtag“, „Epilog“).
ich denk beim lesen von büchern trotzdem immer: warum eigentlich texte auf papier drucken oder in ein e-book-dateiformat pressen? hat das finanzielle gründe? oder haben bücher wirklich immer noch eine bessere reputation als texte im web? die gemeinfreien klassiker fühlen sich doch auch im projekt-gutenberg.org wohl?
oder ist es es die haptik? das gefühl etwas kaufen zu können, was man dann in der hand halten kann? ich für meinen teil könnte gut damit leben ein buch zu kaufen und dann statt es eines buches eine url geschickt zu bekommen auf der ich das am rechner oder dem telefon lesen kann. ich finde das haptisch ausreichend. oder man verschickt bücher als kleine papkarten die auf der einen seite das buch-cover aufgedruckt haben und auf der anderen seite einen qr code mit der url, wo man das buch dann im web lesen kann.
wer gerne zeigt was er gerade liest, kann die pappkarte hinten aufs telefon kleben. für besonders hochwertigen karton kann man das dopplete bezahlen (hardcover), die billige version (taschenbuch) ist auf dünnem karton gedruckt. hardcover könnten kreisförmige magnete eingearbeitet haben, die dann an magsafe oder qi2 magnetringe am handy anklipsen.
warum ein buch nicht einfach wie eine webseite mit bezahlschranke veröffentlichen? übermedien veröffentlicht jeden tag (?) einen artikel und packt sie für eine weile exklusiv hinter eine steady bezahlschranke. warum sollte man das nicht auch mit einem buch machen? wenn das buch neu ist zahle ich 12 euro und jede woche — oder jeden tag — kommt ein neues kapitel. sind alle kapitel erschienen kaufen 12 euro den zugang zum ganzen buch. zahle ich ein paar euro mehr bekomme ich einen bedruckten karton den ich mir ans telefon heften kann, an die wand hängen oder ins regal stellen oder stapeln kann.
für menschen die ohne strom lesen wollen kann man natürlich immer noch eine kleine auflage auf papier ausdrucken oder den text in ein e-book-format statt html pressen. ich mag es mittlerweile wirklich am liebsten, wenn mich buchstaben von einer webseite anleuchten.
buchstaben mit sonnen-, kerzen- oder lampenlicht selbst zu beleuchten regt keine gefühle in mir an. oder hab ich was übersehen, was ausgedruckte buchstaben zwischen pappdeckeln oder e-book-datei-formate so speziell macht, dass niemand ein „buch“ als webseite veröffentlichen mag?