hand­auf­le­gen, se­ri­en, lan­ge­wei­le, bü­cher und kar­tons

felix schwenzel in artikel

ges­tern habe ich ein vi­deo ge­se­hen, in dem ge­sagt wur­de, das men­schen und hun­de bein ge­mein­sa­men schlaf in ei­nem bett ihre herz­fre­quenz­va­ria­bi­li­tät (HRV) syn­chro­ni­sie­ren. ob­wohl sich hun­de und men­schen im bett nachts stän­dig ge­gen­sei­tig kurz we­cken, stei­ge trotz­dem die sub­jek­ti­ve schlaf­qua­li­tät.

fri­da lässt sich das na­tür­lich nicht neh­men in un­se­ren bet­ten zu schla­fen, egal ob wir im bett sind oder nicht. aber be­son­ders ger­ne liegt sie na­tür­lich im bett, wenn ei­ner von uns auch drin liegt.

tags­über liegt sie ger­ne bei der bei­fah­re­rin im wohn­zim­mer auf der couch, wäh­rend ich im home of­fice ne­ben­an ar­bei­te. aus­ser wäh­rend mei­ner täg­li­chen ca. 30 mi­nu­ten mi­t­ags­schlaf. die möch­te sie un­be­dingt bei mir ver­brin­gen. das ri­tu­al ist im­mer das glei­che. ich lege mich ge­gen 12 uhr in bett, sie kommt aus dem wohn­zim­mer ge­da­ckelt ge­pu­delt, springt aufs bett, prüft wie ich aus dem mund rie­che und legt sich dann, mit kon­takt zu mei­nen bei­nen, ans fus­sen­de.

ich schla­fe im­mer gut ein, wenn ich mich ins bett lege, egal ob mit­tags oder abends oder spät nachts. aber wenn fri­da ne­ben mir liegt, schla­fe ich noch schnel­ler ein. es ist in der tat er­staun­lich, was für ei­nen be­ru­hi­gen­den ef­fekt ein hund am bein hat. und laut der stu­di­en, die das vi­deo zi­tiert, be­ruht das wohl auf ge­gen­sei­tig­keit. es ist als wür­de man sich ge­gen­sei­tig eine hand auf­le­gen, mit dem un­ter­schied, dass auf­ge­leg­te hän­de sich spä­tens nach 3 mi­nu­ten un­an­ge­nehm oder un­ge­müt­lich an­füh­len. noch er­staun­li­cher, wenn fri­da das bett ver­lässt, zum bei­spiel weil die bei­fah­re­rin sich es­sen macht und sie prü­fen möch­te was es gibt und ob et­was für sie ab­fal­len könn­te, bleibt das ge­fühl, dass fri­da an mei­nem fus­sen­de liegt, wie ein ab­druck be­stehen.


ich fra­ge mich in den letz­ten ta­gen: was ist es ei­gent­lich, was mich in fern­seh­se­ri­en rein­zieht? oder an­ders­rum ge­fragt, war­um lang­wei­len mich die zwei­ten staf­feln man­cher se­ri­en so sehr? ich hab die tage mit der zwei­ten staf­fel the night ma­na­ger an­ge­fan­gen und mä­kel­te in­ner­lich die gan­ze zeit dar­an rum. zwei fol­gen hab ich ge­schafft, mehr geht glau­be ich nicht.

die ers­te fol­ge der zwei­ten staf­fel hi­jack spielt in ber­lin, was mich 2 mi­nu­ten lang ge­freut hat, bis es dann pein­lich wur­de, weil nichts was man dort sieht, mit dem über­ein­stimmt, was ich selbst so in ber­lin sehe oder er­le­be.

die ant­wort auf die rhe­to­ri­sche fra­ge, die ich mir selbst ge­stellt habe, scheint pa­ra­dox, aber viel­leicht ist was dran: wenn ich die ers­te fol­ge ei­ner se­rie an­se­he und al­les was ich sehe ein biss­chen lang­wei­lig ist, weckt das un­ter um­stän­den (vor al­lem wenn die se­rie nicht zu bil­lig aus­sieht) mein in­ter­es­se. ich glau­be wenn eie se­rie zu am­bi­tio­niert und be­müht an­fängt, ent­wick­le ich so­fort wi­der­wil­len. wenn ich hin­ge­gen nor­ma­le leu­te sehe und das was sie ma­chen und was ih­nen pas­siert nach­voll­zie­bar ist, weckt das mein in­ter­es­se (wenn die se­rie nicht zu bil­lig aus­sieht). und tat­säch­lich ist das mög­lich­wei­se die grund­la­ge von gu­tem ge­schich­ten­er­zäh­len. das funk­tio­niert nur, wenn ich mich mit den prot­ago­nis­ten iden­ti­fi­zie­ren kann und da­für braucht es erst­mal nor­ma­li­tät.

id­ris elba als sam nel­son ist in der zwei­ten hi­jack-staf­fel von an­fang an pa­ra­no­id, sieht in je­dem wim­pern­zu­cken der men­schen in der ubahn et­was ver­däch­ti­ges. in der ers­ten staf­fel ist er ein­fach in ein flug­zeugt ge­stie­gen und das hat als span­nungs­bo­gen aus­ge­reicht.

tom hidd­le­s­ton als jo­na­than pine hat in der zwei­ten staf­fel vom night ma­na­ger durch­ge­hend dra­ma­ti­sche flash­backs im kopf­ki­no, die der re­gis­seur uns zu­schau­ern dann brüh­warm auf die au­gen bin­det. wenn das al­les et­was lang­wei­li­ger oder dub­ti­ler in­sze­niert wäre, wie viel span­nen­der hät­te das wer­den kön­nen? über­dra­ma­ti­sie­rung nimmt dem gan­zen dra­ma den schwung.

wenn ich mich recht er­in­ne­re, wa­ren die ers­ten 30 mi­nu­ten der ers­ten fol­ge brea­king bad irre lang­wei­lig. ich sah: das ist nicht bil­lig pro­du­ziert und mein in­ter­es­se war trotz (oder we­gen?) der lan­ge­wei­le ge­weckt. die fol­gen­den es­ka­la­tio­nen wur­zel­ten in so­li­der lan­ge­wei­le und blie­ben des­halb auf eine art nach­voll­zieh­bar. bei bet­ter call saul war die gan­ze ers­te staf­fel lang­wei­lig, da­mit die spä­te­ren es­ka­la­tio­nen in ruhe wur­zeln schla­gen konn­ten. auch bei a knight of the se­ven king­doms blieb es drei oder vier fol­gen lang sehr lang­wei­lig, aber da­für sah al­les sehr schön aus — und ich fand den rest der ers­ten staf­fel gran­di­os.


auf der ar­beit habe ich mich in den letz­ten ta­gen viel mit ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on be­schäf­tigt. kon­kre­ter mit goog­le sheets. in ers­ter li­nie ver­su­che ich mir und mei­nem team ein paar werk­zeu­ge zu bau­en um bes­ser und schnel­ler preis­aus­künf­te ge­ben zu kön­nen. da­bei fiel mir auf, wie ar­cha­isch es ei­gent­lich ist, prei­se oder preis­lis­ten auf web­sei­ten oder pdfs als ein­fa­che lis­ten zu ver­öf­fent­li­chen.

mir kam der ge­dan­ke, dass ja ei­gent­lich jede oder je­der die vor ei­ner kauf­ent­sch­ei­dung ste­hen in ir­gend­ei­ner form prei­se und op­tio­nen ver­glei­chen wol­len oder müs­sen. war­um kann man das al­les nicht in­ter­ak­tiv wie bei ei­ner ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on ma­chen? wenn ich ei­nen com­pu­ter kau­feh will, war­um in der preis­lis­te statt „16 GB RAM“ hin­zu­schrei­ben, ein aus­wahl­me­nü mit 16, 32, 64 oder 128 GB RAM an­bie­ten, und die sum­me dann dy­na­misch be­rech­nen? war­um sta­ti­sche ta­bel­len lay­ou­ten, wenn man ge­nau­so gut dy­na­mi­sche te­bel­len ver­öf­fent­li­chen könn­te und die kun­den so lan­ge an den op­tio­nen dre­hen kön­nen, bis es ih­nen passt? das muss ja auch nicht ex­klu­siv sein, man kann ja bei­des ver­öf­fent­li­chen.

der sta­tus quo ist ja der­zeit, dass fir­men ihre preis­lis­ten auf­wän­dig in ei­ner ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on ent­wi­ckeln, dar­aus auf­wän­di­ge preis­lis­ten ab­lei­ten und die kun­den die­se preis­lis­ten dann wie­der für den ei­gen­ge­brauch in eine in­ter­ak­ti­ve ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on um­wan­deln? wenn fried­rich merz jam­mern wür­de dass sta­ti­sche oder pdf-preis­lis­ten die pro­duk­ti­vi­tät un­se­rer öko­no­mie läh­men wür­den, dann gäbe es auch mal was wo ich ihm aus­nahm­se­wei­se zu­stim­men könn­te.


ges­tern habe ich an­ge­fan­gen die­ses buch zu le­sen. liest sich gut, ob­wohl ich stän­dig ein­ge­schla­fen bin (nicht we­gen des buchs, son­dern weil ich so ger­ne schla­fe). ich habe ich mehr als die hälf­te an ei­nem nach­mit­tag ge­le­sen. beim le­sen dach­te ich: „das sind doch al­les blog­bei­trä­ge!“ weil chris­ti­an han­ne zwei ka­pi­tel in sei­nem blog / auf sei­ner web­sei­te ver­öf­fent­lich hat, stimmt der ge­dan­ke also min­des­tens ein biss­chen („Fear and Loathing auf dem El­tern­sprech­tag“, „Epi­log“).

ich denk beim le­sen von bü­chern trotz­dem im­mer: war­um ei­gent­lich tex­te auf pa­pier dru­cken oder in ein e-book-da­tei­for­mat pres­sen? hat das fi­nan­zi­el­le grün­de? oder ha­ben bü­cher wirk­lich im­mer noch eine bes­se­re re­pu­ta­ti­on als tex­te im web? die ge­mein­frei­en klas­si­ker füh­len sich doch auch im pro­jekt-gu­ten­berg.org wohl?

oder ist es es die hap­tik? das ge­fühl et­was kau­fen zu kön­nen, was man dann in der hand hal­ten kann? ich für mei­nen teil könn­te gut da­mit le­ben ein buch zu kau­fen und dann statt es ei­nes bu­ches eine url ge­schickt zu be­kom­men auf der ich das am rech­ner oder dem te­le­fon le­sen kann. ich fin­de das hap­tisch aus­rei­chend. oder man ver­schickt bü­cher als klei­ne pap­kar­ten die auf der ei­nen sei­te das buch-co­ver auf­ge­druckt ha­ben und auf der an­de­ren sei­te ei­nen qr code mit der url, wo man das buch dann im web le­sen kann.

wer ger­ne zeigt was er ge­ra­de liest, kann die papp­kar­te hin­ten aufs te­le­fon kle­ben. für be­son­ders hoch­wer­ti­gen kar­ton kann man das dopp­le­te be­zah­len (hard­co­ver), die bil­li­ge ver­si­on (ta­schen­buch) ist auf dün­nem kar­ton ge­druckt. hard­co­ver könn­ten kreis­för­mi­ge ma­gne­te ein­ge­ar­bei­tet ha­ben, die dann an magsafe oder qi2 ma­gnet­rin­ge am han­dy an­klip­sen.

war­um ein buch nicht ein­fach wie eine web­sei­te mit be­zahl­schran­ke ver­öf­fent­li­chen? über­me­di­en ver­öf­fent­licht je­den tag (?) ei­nen ar­ti­kel und packt sie für eine wei­le ex­klu­siv hin­ter eine ste­ady be­zahl­schran­ke. war­um soll­te man das nicht auch mit ei­nem buch ma­chen? wenn das buch neu ist zah­le ich 12 euro und jede wo­che — oder je­den tag — kommt ein neu­es ka­pi­tel. sind alle ka­pi­tel er­schie­nen kau­fen 12 euro den zu­gang zum gan­zen buch. zah­le ich ein paar euro mehr be­kom­me ich ei­nen be­druck­ten kar­ton den ich mir ans te­le­fon hef­ten kann, an die wand hän­gen oder ins re­gal stel­len oder sta­peln kann.

für men­schen die ohne strom le­sen wol­len kann man na­tür­lich im­mer noch eine klei­ne auf­la­ge auf pa­pier aus­dru­cken oder den text in ein e-book-for­mat statt html pres­sen. ich mag es mitt­ler­wei­le wirk­lich am liebs­ten, wenn mich buch­sta­ben von ei­ner web­sei­te an­leuch­ten.

buch­sta­ben mit son­nen-, ker­zen- oder lam­pen­licht selbst zu be­leuch­ten regt kei­ne ge­füh­le in mir an. oder hab ich was über­se­hen, was aus­ge­druck­te buch­sta­ben zwi­schen papp­de­ckeln oder e-book-da­tei-for­ma­te so spe­zi­ell macht, dass nie­mand ein „buch“ als web­sei­te ver­öf­fent­li­chen mag?