star trek

ich bin kein star trek-fan, aber ich gucke star trek seit über 40 jahren sehr, sehr gerne. als das „original“ im fernsehen lief, war ich noch ein kind und eigentlich hat mich nur die tatsache interessiert, dass es da ein raumschiff gibt, das durch den weltraum gleitet und unbekannte welten erkundet. das war spannend genug für mich. mir waren das billige, grelle setdesign und die erzählten geschichten egal.
in den achtziger und neunziger jahren fing star trek plötzlich mit TNG an, aufgeräumt auszusehen, und ich fing an zu verstehen, dass es in star trek nicht um die erkundung des weltraums ging, sondern um die erkundung von humanität, die frage, was uns menschen ausmacht, wie wir über uns hinauswachsen können, als gesellschaft und als individuen.
mit dem fragmentierten deep space nine, das im fernsehen versendet wurde, konnte ich nicht so viel anfangen, bis ich dank netflix die möglichkeit bekam, DS9 sequentiell, folge für folge zu sehen. da erkannte ich, dass es neben der erkundung von humanität, gerechtigkeit und moral in star trek auch um episches erzählen ging, um das abklopfen von philosophischen ideen und sogar um den konflikt zwischen rationalismus und religion. DS9 vollbrachte das kunststück, zu unterhalten und gleichzeitig zu zeigen, dass wahrheit und moral oft eine frage der perspektive sind.
mit voyager wurde dann klar, dass star trek auch nervig sein kann – ich sag nur neelix. ich mochte es trotzdem, es sah gut (vielleicht etwas zu clean) aus und es fielen gelegentlich tolle geschichten hinten raus. in den späten 90ern und frühen 00ern fand ich voyager trotz neelix und gesichts-tatoo toll und auch das spätere durchbingen auf netflix war nur zu 30 % langweilig.
enterprise, also die serie mit captain archer, die um das jahr 2150 spielte, sah wieder fast so billig und kammerspielartig aus wie das „original“ mit captain kirk. ich fand kaum eine folge langweilig, als ich mir das vor ein paar jahren am stück reinzog.
discovery und später picard empfand ich dann als extremen bruch. star trek wollte plötzlich kein kammerspiel mehr sein, sondern ambitionierte action-unterhaltung. ich habe alle folgen von discovery und picard gesehen und nach jeder folge dachte ich genau drei buchstaben: WTF? ich dachte auch: kann ja nur besser werden — wurde es dann aber nicht.
pathos hatte star trek immer schon, aber seit discovery wurde das pathos unerträglich. subtil war star trek auch nie, aber seit discovery verschwand das hintergründige: statt dem publikum die interpretation des gesehenen zu überlassen, wurde star trek explizit und konnte vor lauter exposition kaum noch atmen.
picard empfand ich dann eigentlich nur noch als fan-service und nostalgie-quark — für den sich allerdings kaum noch fans zu interessieren schienen. picard war die erste star trek-serie, die mich aggressiv machte, weil sie gleichzeitig angestrengt und lieblos war.
prodigy und strange new worlds gefielen mir dann wieder. in strange new worlds zog wieder humor ins star trek-universum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr liebte. prodigy war teilweise nervig, wagte aber auf eine art so was wie eine mutige neuinterpretation des guten alten star trek-themas: die erkundung der frage, was menschlichkeit, was humanismus ausmacht.
lower decks fand ich vorwiegend langweilig und billig und wenn überhaupt, hab ich das sehr sporadisch und unenthusiastisch gesehen.
und jetzt: starfleet academy. drei folgen sind versendet und ich bin hin und her gerissen. visuell stimme ich thomas gigold zu:
Die Sets sind, wie immer in neuem Trek, überbordend.
mit dem unterschied dass thomas das offenbar gefällt und ich es grässlich finde. mir ist das zu viel von allen, vor allem zu viel bling, zu dick aufgetragen, als ob man eine swarowski-filiale oder den trump tower betritt.
„alles fake“ ist ein altes, bewährtes star trek muster, aber in academy ist es so dick, bunt und glänzend aufgetragen, dass es unerträglich wird. ich überlege ernsthaft meinen bildschirm für die nächsten folgen auf schwarz/weiss zu stellen um das überhaupt noch ertragen zu können.
etwas zu dick aufgetragen sind für meinen geschmack auch die muskeln von caleb. in den ersten beiden folgen hatte ich noch den eindruck, dass das ensemble zwar mit allen möglichen körperformen ausgestatte ist und nicht nur denen, die gängigen schönheitsidealen entsprechen, aber das auftritte in unterhemden oder freiem oberkörper den durchtrainierten körpern vorbehalten waren. das wurde in folge 3 dann aber relativiert, in dem das ganze ensemble in badehosen und -anzügen auftreten musste.
auch wenn ich nach drei folgen academy hin und her gerissen bin und vieles doof finde, habe ich anknüpfungspunkte gefunden die mich — glaube ich — weiter am ball halten werden. ich finde die geschichten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (ausser beim setdesign) das bombastische der discovery-ära wieder zurückgefahren wurde. academy fühlt sich wieder kammerspielartiger an und hat es in folge 2 zweimal geschafft mich dazu zu bringen mir zitate zu notieren:
Children are our ambassadors to now.
und:
- Would you agree progress is impossible without change?
- I believe that most people who say they want progress don’t really want to change. Which often makes both impossible.
- Touché.
das erste zitat finde ich nach einer woche immer noch so klug wie vor einer woche, das zweite ist schlechter gealtert, ist aber gar nicht mal so dumm.
als zwischenfazit würde ich über starfleet academy sagen: es macht mich nicht aggressiv, dass es scheisse aussieht stört mich nicht wirklich und die geschichten sind zwar keine weltklasse, aber erträglich. wenn ich schulnoten vergeben müsste: gerade noch befriedigend, hat luft nach oben.