Der Blick in die Zukunft fällt uns schwer, weil der Blick in ferne Zeiten immer Reflexion der Gegenwart zeigt. Wir sehen beim Blick nach vorn immer auch uns selbst. Wenn wir die Augen zusammenkneifen, unseren Blick ein bisschen abstrahieren, schaffen wir es gelegentlich, einen flüchtigen, unverfälschten Eindruck von der Zukunft zu bekommen. Für so einen abstrakten Blick lassen sich beispielsweise Ereignisse oder Muster aus der Vergangenheit in die Zukunft projizieren.
Wir wissen zum Beispiel, dass sich manche Dinge nie ändern werden (Klagen über die Jugend, unsere Abhängigkeit von Technologie). Außerdem können wir rote Fäden im Gewebe der Menschheitsgeschichte erkennen, die sich vom Anbeginn der Zeit bis heute und weiter in die Zukunft ziehen werden. Einer dieser roten Fäden ist Beschleunigung, Delta v (Δv), oder genauer, die Änderung von Geschwindigkeit. Durch Beschleunigung, durch die Fähigkeit, Handlungen ein bisschen schneller auszuführen als Konkurrenten, haben Menschen sich seit jeher evolutionäre und wirtschaftliche Vorteile verschafft. Die Fähigkeit, uns schneller von A nach B zu bewegen, hat uns zu Vorteilen gegenüber anderen Tierarten verholfen und war später die Grundlage von Imperien und politischer und wirtschaftlicher Vorherrschaft.
Die Spanier – später die Engländer – verdankten ihre Macht ihren Seeflotten, mit denen sie sich schneller (und freier) in der Welt bewegen konnten als ihre Nachbarn. Der Wohlstand der modernen westlichen Welt und vor allem auch Deutschlands basiert zum großen Teil auf Mobilitätstechnologien, die es jedem Einzelnen ermöglichen, sich immer schneller von A nach B zu bewegen.
Diese einfache, vorhersehbare Beschleunigungstendenz hat allerdings auch schwer vorhersehbare Folgen für die Welt. Die Spanier haben im 17. Jahrhundert halb Südeuropa entwaldet, um mit ihren Schiffen schneller um die Welt zu kommen. Wir haben große Teile des Bodens versiegelt und erwärmen das Klima massiv, um schneller anderswohin zu kommen. Unsere Fähigkeit, einander immer schneller und einfacher zu töten, ist nicht nur eine Grundlage unseres Wohlstands, sondern zugleich auch ein Beispiel dafür, wie wir gesellschaftlich versuchen, die Folgen des Delta v, der rasenden Technologieentwicklung, abzufedern. Zumindest in den letzten 70 Jahren gab es große, teilweise erfolgreiche Bemühungen, den Frieden trotz wachsender Tötungsarsenale durch Abkommen, Handel und Achtung bewaffneter Konflikte zu sichern.
Ein besonders krasses Delta v haben wir in den letzten 30 Jahren im Bereich der Digitalisierung erlebt. Auf Grundlage von immer schnelleren und effizienteren Kommunikationstechnologien sind neue Imperien entstanden und die Folgen dieser Umbrüche, die Zerstörungskraft der noch kürzlich gefeierten Disruption, werden uns langsam bewusst. An den Problemen, die der rasante Fortschritt der Digitalisierung und Vernetzung uns eingebrockt haben, verzweifeln vor allem Pioniere der Technologie. Wer hätte gedacht, dass Technologien, die Menschen näherbringen, vernetzen, ermächtigen sollten, zu so viel Hass, Spaltung, Konflikten und einem Wiederaufflammen des Faschismus führen würden?
Das Muster, der rote Faden, ist im Prinzip bestürzend: Wir schaffen und verbessern Technologien, mit denen wir unser Leben beispiellos beschleunigen, bequemer und günstiger gestalten können. Machen sich negative Folgen dieser Beschleunigung bemerkbar, versuchen wir technologisch und gesellschaftlich gegenzusteuern – unter anderem mit mehr, mit schnelleren, mit besserer Technologie.
Es ist nicht davon auszugehen, dass sich das in naher oder ferner Zukunft ändert, auch weil wir Menschen ohne Technologie nur begrenzt überlebensfähig sind. Dieser abstrakte Blick in die Zukunft ist natürlich ziemlich unbefriedigend.
Es gibt aber eine bewährte Technik, einen konkreten Blick in die nähere Zukunft zu erhaschen: indem wir sie gestalten, oder uns zumindest an ihrer Gestaltung beteiligen. Die Erkenntnis ist zwar trivial, aber wir denken viel zu selten daran: Wir können die Zukunft durch unser Handeln beeinflussen.
Mit anderen Worten: Frag nicht, was die Zukunft bringt, sondern was du für die Zukunft tun kannst.
manchmal macht es klick, wenn ich texte lese. dann kommen sachen die mir im kopf schwirren plötzlich zusammen, weil irgendwer es geschafft hat die schwirrenden dinge zu verbunden und per logik das schwirren zumindest für eine weile zu unterbinden. zuletzt ist das vor ein paar tagen robert reich gelungen, dessen leider etwas bescheuert übertitelter text „Amazon Is Everything That's Wrong With America“ viel weniger polemisch ist, als die überschrift vermuten lässt.
in aller kürze sagt reich im text, dass amazon ein symptom der derzeitigen krise in amerika ist, bzw. dass amazons jüngste entscheidung für zwei neue hauptquartiere das problem deutlich macht, an dem amerika leidet — aber auch andere westliche länder:
das problem ist eine wachsende ungleichheit von orten („widening inequalities of place“). amazon habe sich entschieden seine zwei neuen hauptquartiere nicht in einer ländlicheren, konservativen gegend anzusiedeln, sondern im liberalen new york und der metropolengegend washingtons.
aus amazons perspektive ist das folgerichtig, weil amazon gebildete, talentierte menschen benötigt um sein geschäft zu betreiben und weiterzuentwickeln. amazon verkauft eben nicht nur sachen im internet, sondern erfindet sich ständig neu, und verbessert seine methoden kontinuierlich, um konsumenten besser und schneller zu bedienen. amazon ist auf technologie angewiesen und technologie, technologieentwicklung ist eben kein ding an sich, sondern ein prozess, ein hin und her, dialoge zwischen menschen, die voneiander lernen, sich inspirieren und sich gegenseit (intellektuell) auf die schultern steigen. und genau das, schreibt reich, passiere eben in hauptsächlich in wenigen geographischen clustern, in den USA vor allem an den küsten. an der westküste, in den bundesstaaten washinton und kalifornien oder an der ostküste um washington DC, boston und new york herum. in europa ist das nicht anders, auch hier findet technologische innovation eher in urbanen gegenden statt, weniger im ländlichen raum.
die talentierten menschen, die technologie vorantreiben, die in technologie-firmen arbeiten, studieren in städten und ziehen die grossräume von städten auch zum späteren leben und arbeiten vor.
und genau das ist das problem: der ländliche raum bleibt vom derzeitigen fortschrittstreiber ausgeschlossen. der ländliche raum ist nahezu ausgeschlossen von jobwachstum, den geld- und steuerströmen, die sich fast ausschliesslich in die städtischen räume ergiessen.
Between 2010 and 2017, according to Brookings, nearly half of the America’s employment growth centered in just 20 large metro areas, now home to about a third of the U.S. population.
Relative to these booming hubs, America’s heartland is becoming older, less well-educated, and poorer.
The so-called “tribal” divide in American politics, which Trump has exploited, is better understood in these economic and cultural terms: On one side, mega-urban clusters centered on technologies of the future. On the other, great expanses of space inhabited by people left behind.
überspitzt formuliert: der ländliche raum verarmt, verblödet, überaltert. populisten wie trump wissen das mit ihren lügen, hohlen versprechen und vermeintlichem mitgefühl für die unterpriviligierten auszunutzen. die gutbezahlten jobs entstehen in den metropolen, aber auch hier entstehen durch einkommensungleichheit immer mehr prekäre einkommenssituationen.
auch in deutschland scheinen sich diese probleme zuzuspitzen. die unterschiede zwischen arm und reich steigen, die mittelschicht verschwindet und die gutbezahlten jobs entstehen in den städten. amazon hat sein hauptquartier in münchen schwabing, „am Berliner Standort entwickelt Amazon“, laut selbstbeschreibung, „seit 2013 zukunftsweisende Technologien“, „In Dresden ist das Amazon Office ein Kompetenzzentrum für Linux Kern- und Hypervisor-Entwicklung“, die eher schlechtbezahlten jobs in logistikzentren siedelt amazon dann auch im ländlichen raum an (graben, bad hersfeld, rheinberg, werne, pforzheim, koblenz, brieselang oder winsen).
in deutschland wie in amerika tendieren die metropolen politisch nach links. seattle, kalifornien, new york, washington DC, alle nennt robert reich „true blue“, also demokratisch dominiert. die republikaner sind dafür in den ländlichen gegenden stärker. in deutschland sind die metropolen zwar nicht blau, aber dafür stark von rot und grüntönen dominiert. in den USA verzerrt sich durch die konzentration der progressiven wähler in den metropolen auch das politische klima:
Another consequence is a more distorted democracy. California (now inhabited by 39.54 million) and New York (19.85 million) each get two senators, as do Wyoming (573,000) and North Dakota (672,591).
Even though Democratic Senate candidates in the midterm elections received 12 million more votes than Republican Senate candidates, Republicans still gained at least one more Senate seat.
ich vermute, dass das sich das in deutschland tendenziell ähnlich verhält, auch wenn die gleichheit der wahl in deutschland offenbar ein höheres gewicht hat, als in den USA.
das problem des „tribal divide“ dürfte sich aber in den kommenden jahren genauso verstärken, wie sich die trends der wachsenden einkommenungleichheit und der sich ausdünnenden mittelschicht auch langsam aber sicher bei uns breit machen.
In seinem Werk Supercapitalism stellte Reich fest, im vorherrschenden Wirtschaftssystem würden Personen als Verbraucher und Anleger zunehmend mehr Macht erhalten, als Arbeitnehmer und Bürger jedoch immer weniger. Ein Primat der Ökonomie über die Politik untergrabe die Demokratie. Reich stellte dem eine Forderung nach dem Primat der Politik entgegen.
Reich begründet seine Auffassung mit dem Paradox des Superkapitalismus. Dieses besagt: Die Bürger in den Industrieländern und immer mehr Menschen in Schwellenländern profitieren als Verbraucher und Anleger von der Globalisierung und Liberalisierung der Märkte, als Bürger ihrer Staaten lehnen sie jedoch deren negative Folgen weitgehend ab. Als Konsumenten suchen sie nach den besten Preisen, als Bürger beklagen sie jedoch das Aussterben der kleinen Quartierläden und die schlechten Arbeitsbedingungen in den Supermärkten. Als Anleger erwarten sie hohe Renditen, als Bürger verurteilen sie jedoch die Manager, die aus Renditegründen Arbeitsstellen kürzen. Für Reich ist die Bilanz dieser Ambivalenz eindeutig: Die Anleger und Konsumenten sind die Gewinner der Globalisierung. Ihre Auswahlmöglichkeiten nehmen laufend zu. Die Bürger hingegen sind immer öfter die Verlierer: Die Löhne nehmen ab, die Arbeitsunsicherheit nimmt zu und ebenso die gesellschaftliche Ungleichheit.
Der Vorzug von Robert Reichs Superkapitalismus-Konzept liegt darin, dass es nicht zu unsachlicher System- oder Kapitalismuskritik verleitet, denn neoliberal sind in dieser Betrachtungsweise nicht Systeme, sondern Personen, die als Investoren und Konsumenten handeln.
das ist eigentlich ein schöner schlusssatz, auch wenn vieles von dem was reich sagt nachdenkenswert und diskussionswürdig ist: neoliberal sind nicht „die da oben“, sondern wir konsumenten.
letzte woche kam der raspberry und ein ps3 eye kamera/mikrofon, das ich neben den anderen komponenenten für ivanka bestellt hatte. auf die lieferung von eckstein, mit dem aufsteckmikrofon-hat und lautsprecher, warte ich noch immer. ich versuche ja eher weniger bei amazon zu bestellen, aber wenn man sich anguckt wie eckstein meine bestellung händelte, fühle ich mich inspiriert dann doch wieder lieber bei amazon zu bestellen. von eckstein wurde vor allem stille geliefert, erst als ich nach über einer woche nachfragte, antwortete man mir, dass es störungen im zulieferungsprozess gäbe (meine worte) und ich mich noch mindestens eine woche gedulden müsse.
trotzdem konnte ich mir meine neue sprachassistentin, die alexa ablösen soll, zusammenbauen. an den raspberry schloss ich, neben den kamera/mikorofon von sony, dass gerade mal 10 euro kostet aber 4 richtmikrofone verbaut hat und exzellente empfehlungen für sprachassistenten hat, einen batteriebetriebenen mini-lautsprecher, der noch bei uns rumlag, an den kopfhörerausgang an. auf eine SD-karte kopierte ich raspbian, so wie die hervorragende snips-doku das empfiehlt, der ich schritt für schritt folgte.
das betriebsystem und snips selbst zu installieren ging schnell und war nicht übermässig anspruchsvoll. die tools, insbesondere das snips eigene sam, macht die installation wirklich einfach — wenn man mindestens weiss was eine kommandozeile ist. ein bisschen kniffelig war ein konfigurationsaspekt, der eher schlecht dokumentiert ist. seit ein paar releases lässt die snips konfigurationsdatei () nämlich zu, dass man, statt des mosquitto mqtt-servers auf dem raspberry, auch seinen vorhandenen, eigenen mosquitto nutzen kann. das problem (bei mir) war allerdings, dass mit dem externen, also dem vorhandnen mqtt-server, nichts mehr richtig funktionierte. die spracherkennung funktionierte noch, aber weder der demo-client noch nachinstallierte apps wollten richtig funktionieren. nach einigen stunden debugging war klar, mit externem mqtt geht’s nicht. zu viele komponenten, vor allem aber zu viele fertige action-scripte haben den lokalen mqtt-server hardgecodet auf .
das ist aber auch kein problem, ich habe den lokalen snips-mosquitto einfach in meinen eigenen mosquitto gebridged. in der habe ich folgendes ergänzt:
damit leitet der snips-mosquitto alle relevanten topics an meinen homeassistant-mqtt-server weiter und empfängt alles was homeassistant zurückschickt.
snips nutzt mqtt als bus. das heisst, alle snips-komponenten kommunizieren über mqtt. der snips-audioserver sendet ständig audiosample-schnipsel über mqtt, die wiederum von der snips wake-/hotword-komponente aufgefangen und analysiert werden. schlägt die hotword komponente alarm, schnappt die ASR-komponente (Automatic Speech Recognition) die audio-samples auf und versucht gesprochenen worte aus den audio-samples zu extrahieren. die extrahierten, gesprochenen sätze werden dann wieder über mqtt an die NLU-komponente (Natural Language Understanding) weitergegeben, die aus den worten den sinn zu exrahieren versucht. danach übernehmen scripte, aktionen oder dialog-komponenten und am ende die tts-komponente (Text to Speech). alles über mqtt.
bevor ich weiter in technische details gehe, fang ich mal mit dem fazit an: das funktioniert alles sehr, sehr gut, mit ein paar abstrichen.
sowohl das eingebaute, mitgelieferte hot-/wakeword (auf deutsch nur eins: „hey snips“), als auch die spracherkennung und analyse funktioniere solide. die standardmässige sprachausgabe, die, wie alles andere, lokal auf dem raspberry stattfindet, ist ein bisschen erbärmlich. hört sich noch schlimmer an, als die unheimlichen, von apple mitgelieferten tts-stimmen (auf deutsch „Anna“, auf englisch „Alex“, „Fred“, „Samantha“ und „Victoria“).
ebenso enttäuschend wie die sprachsynthese, ist die personalisierte, „custom“ hotword-erstellung. ein bisschen war das ja der witz, eine sprachassistin zu haben die wir nicht mit „alexa“ aufrufen müssen, sondern mit „ivanka“. snips liefert ein python-script mit dem die aufnahme von audio-schnipseln wirklich einfach ist und diese persönlichen modelle reagieren dann auch auf „ivanka“, aber eben auch auf geschirrklappern, naseschnäuzen, husten oder wenn die beifahrerin etwas lauter redet. auf was diese persönlichen modelle nicht reagieren: wenn die beifahrerin „ivanka“ sagt. um universelle hotword-modelle zu bauen, die mit verschiedenen, möglichst allen stimmen und dialekten funktionieren, benötigt man tausende verschiedene sprachsamples mit denen dann das modell trainiert wird.
die schwächen der weckwort-erkennung, sowie der standard text-zu-sprache-komponente, lassen sich aber dank der extrem modularen bauweise von snips gut beheben. weil eben alles über den mqtt-bus geht und die komponenten nicht direkt, sondern eben über über mqtt-nachrichten kommunizieren, kann man einfach komponenten ergänzen oder austauschen. dazu in einem anderen artikel mehr.
der rest von snips funktioniert aber, wie gesagt, enorm befriedigend. die spracherkennung, das anlegen, pflegen von skills, intents, slots und die integration in home-assistant funktionieren so gut, dass ich die original alexa bereits vor vier tagen ausgestöpselt habe. die von uns am häufigsten genutzten alexa-funktionen (lichtsteuerung in der küche, timer, einkaufsliste (via bring), wetter) konnte ich bereits alle in snips nachbauen. dazu in separaten artikeln mehr.
was mich an der original-alexa damals sehr begeistert hat war, dass sie mich auch hörte (wenn’s ruhig war), wenn ich neben der küche auf dem klo sass und sagte: „alexa, licht im flur ausschalten!“ ich fand das gleichzeitig (technisch) beeindruckend, aber auch ein bisschen creepy. wenn alexa mich bei geöffneten türen (und ruhe) auch auf dem klo hört, was hört sie sonst noch alles? mein provisorischer snips-setup mit dem ps3 eye kamera/mikrofon funktioniert aber erstaunlicherweise genauso gut! ohne sonderlich laut zu werden, kann ich snips auch auf dem klo sitzend sagen, das licht im flur an (oder aus) zu schalten.
ich bin gespannt, ob der etwas kompaktere mikrofon-hat, wenn er denn irgendwann mal von eckstein geliefert wird, genauso beeindruckend funktionieren wird.
von links: alexa (offline), ps3 eye kamera/mikrofon, raspberry und ein lautsprecher. dazwischen bastelkram.
die original alexa liegt noch in der küche, allerdings offline und kabellos, als kandis-dosen-beschwerer. so richtig vermisst habe ich sie in den letzten tagen, seit dem sie offline ist, nicht. snips ist toll!
Sometimes, magic is just someone spending more time on something than anyone else might reasonably expect.
dieses zitat von teller, der gemeinsam mit penn das bühnenpaar penn & teller bildet, ist auf vielen ebenen grandios. einerseits erklärt es die essenz des showbusiness, aber auch die des hochleistungssports und ich würde fast wagen zu sagen, auch der kunst.
menschen die grosse teile ihres lebens einer sache widmen und unvorstellbar viel zeit darein stecken, erlangen damit im besten fall die fähigkeit uns zu unterhalten und zu faszinieren.
der trick ist, mehr arbeit in eine fähigkeit zu stecken, als es sich jemand anders vernünftigerweise vorstellen kann.
mittlerweile habe ich sogar meine zweifel, ob es sowas wie talent überhaupt gibt und ob wir talent als das wahrnehmen, was eigentlich das ergebnis von enorm viel übung, oder genauer vom festbeissen und manische verfolgen einer sache, einer fähigkeit, eines ziels ist. nach dieser lesart wäre talent dann eigentlich die fähigkeit und der wille sich auf eine sache so zu konzentrieren, wie es sich niemand anders vorstellen mag oder kann.
aber ich wollte eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus: auf teller und penn (spoiler: eigentlich auf dieses interview, aber bis dahin brauche ich noch ein paar zeilen). teller ist der manische part vom bühnenduo penn & teller. der nerd, der sich monate-, jahrelang mit der perfektionierung, optimierung von zaubertricks beschäftigen kann. in diesem wunderbaren podcast ist ein kapitel, in dem teller zu einem bestimmten zaubertrick befragt wird: dem schwebender-ball-trick.
teller erzählt, wie er diesen ziemlich alten trick zuerst beherrschen wollte, dann verbesserte und erweiterte und daran 8 monate allein und bei jeder gelegenheit, auch im urlaub, dran arbeitete. alleine, vor dem spiegel, nach gemeinsamen auftritten nachts auf der bühne. nach 8 monaten zeigte er den trick zum ersten mal seinem bühnenpartner penn jillette. der witz ist: penn mochte den trick nicht, er war ihm zu schmalzig, zu circe-du-soleil-mässig. teller arbeitete weiter, monatelang, an dem trick, gab dem auftritt eine richtung, eine art geschichte, aber auch das reichte nicht um penn zu überzeugen (ich verkürze grob, es lohnt sich das ganze podcast-kapitel mit teller anzuhören). denn abgesehen davon, dass der trick einfach nicht penns geschmack entsprach, fehlte eine entscheidende zutat, die alle — oder die meisten tricks — von penn & teller ausmacht. radikale offenheit, kein ornament, kein schmalz, kene mystik. und: oft verrät penn auf der bühne das geheimnis des tricks auf der bühne (teller spricht auf der bühne nicht).
und genau das war es, was den trick für penn dann erträglich machte: er kündigt den trick (wahrheitsgemäss) an, als einen trick, der einzig und allein mit einem faden funktioniert. trotzdem, oder erst recht deshalb, verzaubert der trick das publikum. das gelüftete geheimnis nimmt dem trick nichts, im gegenteil, durch die perfekt einstudierten bewegungen tellers, fasziniert der trick noch mehr als wenn das publikum den hinweis nicht erhalten hätte oder irgendeinen mysterien-scheiss aufgetischt bekommen hätte.
das was teller hier macht, ist ein durch-choreographierter tanz, mit unverständlichen, nicht nachvollziehbaren bewegungen.
das gleiche prinzip, wenn auch ein bisschen platter, erkennt man in diesem trick. obwohl penn & teller hier sogar jedes detail des tricks erklären, reduziert das die faszination nicht um das geringste, sondern steigert sie in bewunderung.
wahrscheinlich ist es ähnlich wie beim ballet. man sieht und versteht vermeintlich jede bewegung, aber kaum einer ist in der lage, diese bewegungen nachzuvollziehen, jedenfalls nicht in dieser perfektion und dieser (vermeintlichen) leichtigkeit.
Vulture: But why is the audience willing to get emotionally engaged even after you’ve explicitly said the trick is done with thread?
Penn: It’s because there’s a secret that I would like to take credit for uncovering: The audience is smart. That’s all. Our goal when we started was “Let’s do a magic show for people smarter than us.” No other magicians have ever said that sentence. I hated the whole idea that some smarmy motherfucker who couldn’t get laid was out there saying, “I can do this; you can’t.” So when Teller and I first got together I said, “I want to do a magic show that’s honest and has complete respect for the audience.” And when you start being honest with the audience, they start to play a game within themselves. Here’s an example that kills me: People who have just talked to Teller will come over to me after the show and say, “I think it’s great that Teller never says anything.” Internalizing a counterfactual is just something people can do.
man zieht das publikum auf seine seite, wenn man es einweiht, die internen abläufe transparent darstellt und es respektvoll, auf augenhähe behandelt. das hört sich jetzt abstrakt und theoretisch an, aber wenn man sich vor augen hält wie zum beispiel journalismus heutzutage (oder auch schin immer) funktioniert, wird einem schnell klar, dass journalismus, der mit den gefühlen seiner leserschaft spielt, der gezielt emotionen schürt, genau dem prinzip entspricht, wie zauberei die penn & teller verachten. zauberei, die uri-geller-mässig dem publlikum irgendwelche mysterien und unbekannten kräfte auftischt, um sensationeller zu wirken, ist das gleiche, wie raunender journalismus, der tatsachenfragmente aufpeppt mit verschwörung, ressentiments verstärkt und letzten endes mit dem publikum spielt. boulevardmedien, klatschblätter bedienen ihre leser nicht, sie spielen (von oben herab) mit ihren gefühlen und wenden dafür alt-bewährte rezepte an.
die meisterschaft, der es bedarf sich in die karten gucken zu lassen, die internen abläufe darzustellen — und trotzdem das publikum zu begeistern oder mindesten zu interessieren, beherrschen die wenigsten journalisten — und natürlich auch die wenigsten entertainer. und schlimmer: sich auf augenhöhe herabzulassen und dem publikum ebendort zu begegnen, das publikum zu respektieren und an dessen intelligenz zu glauben, scheint nach wie vor ein ding der unmöglichkeit für die meisten öffenbtlichkeitsarbeiter zu sein.
auf einen ähnlichen gedanken geht penn in dem interview ein, als er dem interviewer in einem punkt heftig widerspricht:
Vulture: So what you’re saying is that you’re skeptical that there’s been a shift, which is often attributed to Trumpism, in those people’s willingness to believe things at odds with facts?
Penn: But when you say “those people” you’ve made a huge error because there are no “those people.” They don’t exist. You hear stuff like, “Trump supporters are homophobic. Trump supporters are misogynist.” This is a mistake that was made by Democrats. They would accuse Trump supporters of being things that Trump supporters knew they weren’t. There are Trump supporters that have best friends who have gay sex. They do. You can’t put a “they”-type thing on that.
etiketten sind praktisch, sie erleichtern (vermeintlich) die orientierung. aber eigentlich dienen sie, egal ob von rechts, links, oben oder unten angewendet, lediglich der ausgrenzung. die welt ist kompliziert, menschen sind noch komplizierter. die welt oder die beurteilung von menschen zu vereinfachen, lässt die welt für einen moment verständlicher erscheinen, stört aber den blick für gemeinsamkeiten und vertieft spaltungen.
„diese leute“ (oder „jene“) gibt es nicht, jedes etikett greift (immer) zu kurz. das gilt in der politik, aber eben auch in der unterhaltung.
was ich an penn am allermeisten mag, ist sein unbeugsamer optimismus.
Penn: For 50 million years our biggest problems were too few calories, too little information. For about 50 years our biggest problem has been too many calories, too much information. We have to adjust, and I believe we will really fast. I also believe it will be wicked ugly while we’re adjusting.
Vulture: How will that ugliness manifest itself?
Penn: Donald Trump.
ich weise da auch gerne drauf hin. die verwerfungen die wir derzeit in und um die sozialen medien erleben, sind umwäzungsprozesse an die wir uns erst gewöhnen müssen, mit denen wir erst noch lernen müssen umzugehen, persönlich, aber mehr noch: gesellschaftlich.
Ich war lange Zeit ein lausiger Schüler, weil ich die Schule nicht als einen Ort erkannte, in dem ich lernen kann, sondern als einen Ort, in dem ich lernen muss. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich bemerkte, dass das Angebot, das mir die Schule machte, Türen und Potenziale öffnet – Türen zu Erkenntnissen und Fähigkeiten, die ich für Dinge gebrauchen konnte, die mich wirklich interessieren. Der winzige Wahrnehmungsunterschied zwischen Lernen-Müssen und Lernen-Können verwandelte mich von einem miesen Schüler in einen ganz passablen: Mit konkreten Zielen vor Augen machte es mir plötzlich Spaß, zu lernen.
Kinder erkennen die Vorteile des Lernens intuitiv. Man kann ihnen nicht beibringen, zu sprechen. Sie fangen von selbst damit an – weil sie mitreden können wollen. Durch Beobachtung, Wiederholung und Übung erarbeiten sie sich wichtige Grundlagen der Grammatik und der Semantik. Sie bringen sich jahrelang alles, wirklich alles, selbst bei – einzig und allein durch Zuschauen, Zuhören und mutiges, dilettantisches Nachmachen. Alles, was sie dafür brauchen, sind Vorbilder: Personen in ihrem Umfeld, denen sie nacheifern können.
Niemand kommt auf die Idee, (gesunde) Kinder im Laufen, Reden oder Argumentieren schulen zu wollen. Auf die Idee, Menschen zu „schulen“ kommt man erst, wenn sie ungefähr sechs Jahre alt sind – und dann sollen sie lebenslang Wissen und Wissensgrundlagen vermittelt bekommen.
Vielleicht lernen Menschen in Bildungseinrichtungen nicht, weil man ihnen Lehrstoff zuführt, sondern weil diese Orte Menschen ein Umfeld bieten, in dem sie lernen können – wenn sie wollen. Wenn es gut läuft, aktivieren Bildungseinrichtungen durch Vorbilder auch einen Sog zum Lernen. Der Sohn meiner Schwägerin bewunderte seine lispelnde Lehrerin so sehr, dass er plötzlich auch anfing zu lispeln. Trotzdem gibt es einen Mangel an sichtbaren bildungsnahen Vorbildern, die zum Lernen-Wollen und Lernen-Können inspirieren. In der Unterhaltung und im Sport mangelt es kaum an solchen Vorbildern.
Wer YouTube-Stars nacheifern will, kann sich ohne große Einstiegshürde daran versuchen. Wer sich vorstellen kann, ein Spiel, eine App, eine Website oder einen Kampfroboter zu bauen, merkt schnell, dass mathematisches Grundwissen und der Umgang mit Programmiersprachen den Weg dorthin ebnen. Wer sich im Netz nicht gerne belügen, aufhetzen oder verarschen lassen will, erkennt, dass Medienkompetenz immunisieren kann. Und wer ein Ersatzteil 3D-drucken möchte, sieht, dass Geometriekenntnisse sehr hilfreich sind.
Um Ziele zu erreichen, braucht es nicht nur Motivation, sondern auch Aneignungs- und Filterkompetenzen. Lernen zu lernen ist neben der Motivation der schwierigste Schritt auf dem Weg zu Bildung und ständiger Neugier. Genau dieses Lernen-Wollen und -Können sind wichtige Voraussetzungen für Medien- und Digitalkompetenz. Bildung muss man sich – wie Freiheit – nehmen. Die gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit liegt in den Händen jedes Einzelnen. Aber die Gesellschaft muss auch Anregung, Raum und Mittel zum Lernen bereitstellen.
Wir alle müssen in uns selbst und in anderen wieder kindliche Neugier wecken. Wir müssen weg vom konsumorientierten „das will ich haben“ hin zu einem lernorientierten „das will ich auch können“. Es klingt absurd, aber wer von Qualifizierungsoffensiven oder digitaler Transformation spricht, muss in gewisser Weise auch von Infantilisierung sprechen.
weil ich selbst schnell den überblick verliere, wollte ich heute mal kurz notieren, welche geräte hier in meiner wohnung funken. ich fange mal an mit den esp8266-basierten wlan geräten. sind doch einige geworden.
esp8266 flur (firmware: espeasy): bewegungsmelder (pir), türsensor (serverraum), lichtsensor (prüft ob die unvernetzten LEDs im flur an sind)
esp8266 küche 1 (firmware: espeasy): drei taster für lichtstimmung, lautsprecher und essensgong, lautstärkenregler über analoges potenziometer.
esp8266 küche 2 (firmware: esphomelib): je eine grüne und rote LED für betriebsanzeigen der spül- und waschmaschine, tür-sensor für spülmaschine.
esp8266 bad (firmware: espeasy): dht22 (zum messen von temperatur und luftfeuchtigkeit), lichtsensor (prüft ob licht im bad an ist), bewegungssensor (radar, erfasst jede bewegung im bad, auch in der dusche)
esp8266 kerze (firmware: homie): basierend auf einem espeasy-plugin und zwei neopixel-bändern verschiedene lichteffekte, unter anderem eine kerzensimulation. in ein glasrohr eingebaut.
esp32 wasserzähler-kamera (firmware: ESP32CameraI2S): kameramodul zum erfassen des zählerstand des wasserzählers (funktioniert sehr unbefriediegend und niedrigauflösend)
zwei esp8266 arilux RGB/RGBW controller (firmware: Arilux_AL-LC0X): steuern je einen RGB und einen RGBW LED strip. insgesamt finde ich LED-strips überbewertet. immerhin telefonieren die controller mit der firmware nicht nach hause.
esp8266 sonoff basic (firmware: tasmota): steuert eine steckdose, mit der ein teil der küche beleuchtet wird.
esp8266 sonoff basic (firmware: tasmota): steuert eine ikea-nachttischlampe mit einer dimbaren tradfri-birne über mqtt. die zugschnur ist mit einem nach aussengeführten GPIO-pin verbunden und schaltet die lampe so (zur not) auch im offline-modus (wegen waf-factor).
esp8266 electrodragon Wifi IoT Relay Board (firmware: tasmota): schaltet mit dem einen relay den bad-lüfter und mit dem anderen relay die beleuchtung der abstellkammer. der lüfter ist auch über einen schalter bedienbar der mit einem GPIO-pin verbunden ist.
ich bin zwar kein souveränitätscoach, aber mir kommt das ein bisschen unsouverän vor, dass der tagesspiegel mir seit diesem artikel keine einladungen mehr zu seiner „confronting the future“-veranstaltungsreihe schickt. eigentlich auch ein bisschen schade.
kann natürlich auch ein technisches problem sein, dachte ich mir gestern. denn ich bekomme seit dem 15. mai auch keinen tagesspiegel-checkpoint mehr. also habe ich versucht mich mit meiner bisher genutzten adresse ix@wirres.net nochmal anzumelden. das ergibt eine komische fehlermeldung:
anmeldung mit ix@wirres.net
na gut, das kann daran liegen, dass ich mit ix@wirres.net schon angemeldet bin und die anmeldemechanik mich kryptisch daran erinnern möchte, dass das so nicht geht. also habe ich mich mit ix@schwenzel.de angemeldet. ich bekomme sofort eine „aktivierungsmail“ und opte ein. jetzt bin ich mit ix@schwenzel.de beim checkpoint angemeldet und habe heute früh auch wieder einen checkpoint bekommen. versuche ich mich jetzt mit ix@schwenzel.de erneut anzumelden, bekomme ich wieder eine aktivierungsmail. das kann ich wiederholen, so oft ich will.
anmeldung mit ix@schwenzel.de
irgendetwas scheint also im zusammenhang mit meiner ix@wirres.net-email-adresse nicht zu stimmen. vielleicht bin ich wegen zustellungsschwierigkeiten automatisch auf einer ausschussliste gelandet, vielleicht bin ich da manuell drauf gesetzt worden. mich würde der grund wirklich interessieren und habe gestern mal bei checkpoint@tagesspiegel.de nachgefragt. sollte da jemals eine antwort kommen, ergänze ich den artikel hier.
ich hoffe ja wirklich inständig, dass das alles ein technisches problem ist. weil wenn der tagesspiegel mich wirklich wegen ein bisschen harmloser kritik auf irgendwelche schwarzen listen gesetzt hätte, würde das die austeilen-und-einstecken-können-quote in berlin massiv aus dem gleichgewicht bringen. muss man sich mal vorstellen: dann wäre die berlin-brandenburger flughafengesellschaft plötzlich souveräner als der tagesspiegel selbst!
[nachtrag 08.06.2018]
mittlerweile habe ich post vom tagesspiegel „Support-Newsletter“ bekommen:
Wir hatten von Ihnen eine Aufforderung, Ihnen keine Mail mehr zuzuschicken. Daher sind Sie auf unserer sog. Sperrliste verzeichnet.
eben noch war ich mir noch sehr, sehr sicher mich weder vom checkpoint noch vom „confronting the future“-verteiler abgemeldet zu haben. mittlerweile bin ich ins grübeln geraten: hab ich mich eventuell doch vom „confronting the future“-verteiler abgemeldet? wenn ja, wäre dieser artikel natürlich ein bisschen peinlich, zumindest die unterstellung an den tagesspiegel wegen der mangelnden souveränität. eine abmeldebestätigung kann ich jedenfalls nicht in meinem postfächern finden.
was allerdings verwunderlich bliebe: hätte ich mich tatsächlich von einladuingen zur „confronting the future“-veranstaltungsreihe abgemeldet, dass ich dann auch gleichzeitig aus dem checkpoint fliege.
ich hoffe der tagesspiegel „Support-Newsletter“ antwortet mir ein weiteres mal auf die frage, ob die abmeldung irgendwie nachvollziehbar ist. ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern mich abgemeldet zu haben.
nachdem ich die nicht ganz billige (inklusive lieferung ca. 110,00 €) nokia-sleep an die beifahrerin weitergegeben hatte, wollte ich mir (endlich) eine zuverlässige schlaferkennung, bzw. einen zuverlässig bett-präsenz-sensor, selbst bauen. in diversen foren las ich von leuten, die sich günsige gewichtssensoren unter die vier beine ihres betts montierten und so quasi ihr ganzes bett wogen, um festzustellen, ob es besetzt ist.
mich schreckte der aufwand einer solchgen konstruktion ein bisschen. dafür müssten kabel von über zwei meter länge an allen seiten des betts verlegt werden, eine optisch akzeptable lösung für die bettbeine gefunden werden und eine lösung, mit der man das bett noch bewegen könnte, ohne die sensoren zu verlieren oder neu kalibrieren müsste. meine idee war die gewichtssensoren einfach auf eine zusätzle lattenrostlatte zu montieren. damit konnte ich zwar nicht mehr mein gewicht im schlaf messen, aber, so glaubte ich, zumindest zuverlässig erkennen, ob ich im bett liege oder nicht.
die sensoren, die ich mir in china kaufte (drei euro für vier stück) dürfen nicht plan aufliegen, sondern ihr mittelteil muss sich frei bewegen können. um sie auf eine latte zu montieren, mussen sie entweder in halteschalen liegen, oder über einem entsprechenden loch. statt drei-d-zu-drucken oder zu fräsen, habe ich einfach meine stecheisen ausgemotttet und eine span-latte, die früher als transportsicherung für ikea-küchen-fussleisten genutzt wurde, entsprechend malträtiert.
um die sensoren zu halten und das gewicht der matraze auf beide sensoren zu verteilen, habe ich eine weitere latte oben aufgeschraubt. die steht zwar leicht über (die spanlatte hat zufällig die gleiche höhe wie die regulären latten des lattenrost), aber das wird von der matraze aufgefangen und ist nicht zu bemerken.
die sensoren werden in der regel, zum beispiel in körperwaagen, zu viert verbaut. um ordentliche messwerte zu bekommen, wird meist eine sehr günstige platine mit einem verstärker genutzt, ein HX711-modul, in deutsch auch „wägezellenverstärker“ genannt. ich habe mir das teil von sparkfun gekauft (ca. 10 euro), die module gibt es aber auch sehr viel günstiger in china (ab 60 cent).
um die drei kabel der einzelnen sensoren zu verschalten gibt es unzählige schaltbilder im netz, für lediglich zwei sensoren musste ich ein bisschen suchen. dave x hat das auf stackexchange sehr schön dokumentiert. die HX711-modul-eingänge sind in der regel mit E+, E-, A+, A-, B+ und B- beschriftet. dafür lautet das anschlussschema dann:
das sparkfun-HX711-modul ist allerdings mit RED, BLK, WHT, GRN und YLW beschriftet, die zuordnung lautet entsprechend:
E+ RED
E- BLK
A- WHT
A+ GRN
so habe ich die kabel der wägezellen dann auch angelötet.
vom wägezellenverstärker geht es dann zu einem microcontroller, der die messwerte auswertet und an die heimautomatisiewrungszentrale sendet, in meinem fall homeassistant. auch hierfür gibt es ein paar bibliotheken (eins, zwei, etc.), aber ich wollte gerne ESPeasy nutzen, weils so einfach ist. im aktuellen mega-pre-release-entwicklungsstrang, gibt es ein experiementelles modul für die HX711-unterstützung. um das zu nutzen, habe ich mir das aktuelle mega-pre-release von der ESPeasy-releaseseite auf github runtergeladen. im realease-zip findet sich ein vorkompiliertes firmware-image für den esp8266, in meinem fall , das ich einfach per komandozeile und esptool auf einen esp8266 geflasht habe (hier gibt’s weitere flashanleitungen):
mit ESPeasy ist die weitere konfiguration dann wirklich einfach: vom HX711-modul habe ich die DAT- und CLK-ausgänge mit den pins D4 (DOUT=DAT) und D5 (SCL=CLK) verbunden (VDD und VCC mit dem 5-volt- und GND mit dem masse-anschluss) — fertig:
damit sendet der esp8266 das gemessene gewicht alle zwei sekunden per mqtt. die formel kalibriert das gewicht auf ungefähr null kilogram. um die kalibirierungswerte rauszubekommen, habe ich die messlatte mit 1-kg-mehl- oder zucker-paketen belastet, mir die werte notiert, mich gewundet, wie genau die konstuktion misst und dann die formel oben ausgerechnet. je nach verwendeten modulen wird das wohl anders aussehen.
zusätzlich zu den wägezellen, habe ich in der messlatte auch noch einen RCWL-0516-radar-bewegungssensor und einen DHT-22 temperatur und feuchtemesser (in matrazennähe) eingebaut. wirklich nötig ist das aber natürlich nicht, wobei der DHT tatsächlich durch die matraze nach einer ca. 30 minütigen latenzzeit präsenz durch erhöhte feuchtigkeit misst. die temperatur-werte sind durch die matraze nicht wirklich verwertbar. den bewegungssensor nutze ich eigentlich um bewegungen im raum zu erfassen, aber natürlich erfasst er auch bewegungen im bett. allerdings, im gegenteil zu den wägezellen, auch die bewegungen im nebenbett.
die montage im bett ist einfach, wenn die messlatte die gleiche länge wie die übrigen latten hat und schmal genug ist, um zwischen die vorhandenen latten zu passen.
die messwerte der wägezellen sind erstaunlich genau. so bin ich (offensichtlich) gestern um kurz nach elf ins bett gegangen und nach wenigen minuten eingeschlafen (letzte bewegung um 23:22 uhr). nach dem einschlafen habe ich mich eine halbe stunde nicht bewegt, zwischen mitternacht und ein uhr war der schlaf dann etwas unruhiger, bis kurz vor zwei wurde es dann wieder etwas ruhiger, ab drei wurde mein schlaf offenbar immer leichter und um vier bin ich aufgewacht und aufgestanden. um viertel nach fünf hab ich mich dann wieder hingelegt, 20 minuten gelesen und habe dann nochmal zweieinhalb stunden anständig geschlafen.
weil die messwerte natürlich ständig fluktuieren, runde ich die messwerte im homeassistant auf ganze kilowerte. damit ist die messkurve, wie oben zu sehen, relativ stabil.
für die präsenzerkennung nutze ich einen binär-sensor, mit dem ich automatisierungen fürs licht steuern kann, obwohl die messwerte stabil genug sind um für automatisierungen auch direkt den messwert zu nutzen:
meine lieblingsautomatisierung ist derzeit, wenn der sensor für mehr als 10 sekunden einen wert grösser als 30 kilogramm misst, also die beifahrerin offenbar auf meine seite rübergerollt ist, dass dann für 10 sekunden serge gainsburgs je t’aime erklingt. ich finde das sehr witzig, die beifahrerin mittlerweile auch (ein bisschen).
gekostet hat der spass signifikant weniger als das nokia-sleep-dings für etwas über 100 euro. hier lagen die materialkosten eher so bei 20 euro.
einkaufsliste:
esp8266 (3-8 euro)
HX711 (1-10 euro)
wägezellen (3 euro)
[RCWL-0516 (1 euro)]
[DHT-22 (3 euro)]
nachtrag 18.08.2025:
heutzutage würde ich das nicht mehr mit espeasy machen, sondern (natürlich) mit esphome, was auch seit vielen jahren bei der messlatte im einsatz ist.
ich habe bisher meinen schlaf mit der apple watch in kombination mit der autosleep-app getrackt. das funktioniert ganz gut, obwohl ich die uhr nachts meistens nicht trage (sondern lade). durch die kombination mit der iphone app weiss autosleep, dass ich wach bin, solange, oder sobald, sich mein iphone bewegt. trägt man die uhr, trackt autosleep auch die schlafherzfrequenz oder schlaftiefe.
vor ein paar wochen hörte ich, dass nokias neuer schlaftracker nokia sleep vorbestellbar sei und mitte april lieferbar sei. mitte april kam das teil dann unter meine matraze, um zu sehen, ob das versprechen nokias erfüllbar ist, dass das teil nicht nur die zeit, die ich im bett bin und schlafe misst, sondern auch die schlaftiefe, meine herzfrequenz und schnarchintervalle.
tatsächlich schien das nokia-sleep-teil das ganz gut hinzubekommen. die auswertung meiner nächtlichen herzfrequenz sah schlüssig aus, der vergleich mit den werten der apple watch zeigte, dass die messung mindestens so akkurat ist, wie die der apple watch. auch die auswertung der schlafftiefe, bestätigte die selbsteinschätzung meines schlafverhaltens. ich schlafe, im vergleich zur beifahrerin, relativ wenig, früher reichten mir unter der woche sechs stunden, mittlerweile reichen mir auch fünfeinhalb oder fünf stunden (am wochenende schlaf ich gerne zusatzlich tagsüber ein oder zwei stunden). meine vermutung war schon länger, dass ich meine erholsamen tiefschlafphasen relativ früh in der nacht, also nach dem einschlafen erledige und so auch bei frühmen aufstehen ziemlich erholt bin. andere, die ihre tefschlafphasen erst später in der nacht haben, tun sich mit frühaufstehen deshalb ein bisschen schwerer.
die auswertung der nokia-sleep-app meckerte zwar über meine niedrige gesamtschlafzeit, attestierte mir aber lange tiefschlafphasen, in der nacht von 20. april, trotz lediglich 5 stunden schlafzeit, immerhin fast 3 stunden tiefschlaf und mehr als eine stunde REM-schlaf.
zwei tage meiner schlafanalyse
nach zwei wochen habe ich die nokia-sleep-matte unter die matraze der beifahrerin geschoben und konnt bei ihr das gegenteil beobachten. ihre knapp acht stunden schlaf bestanden am 5. mai aus viereinhalb stunden unruhigem, leichten schlaf und nur drei stunden erholungsschlaf (tief und REM).
zwei tage schlafanalyse der beifahrerin
nach meiner beobachtung ist REM-schlaf-phasenerkennung nicht ganz akkurat. zumindest wenn ich morgens aus träumen aufwachte, was man ja vor allem in REM-phasen tut, sah mich nokia eher in tief- oder leichtschlaf. die beobachtungen der beifahrerin zeigen das gleiche.
einer der gründe mir das nicht ganz günstige (110,00 €) nokia-sleep-teil zu kaufen, war etwas was mir bei autosleep fehlte: die anbindung an meine hausautomatisierung.
es gibt keinen weg die daten aus der apple watch oder aus autosleep auszulesen oder auslöser für aktionen zu definieren. die nokia sleep kommt mit einer anbindung an den automatisierungsdienst ifttt. ifttt mag ich eigentlich nur so mittel, einerseits weil die reaktionszeiten von ifttt aus erfahrung eher bescheiden sind und weil ich mich bei hausautomatisierung eher ungerne auf daten aus der cloud verlasse (measure local, act local).
grundsätzlich halten sich meine bedenken, vitaldaten in der cloud zu speichern in grenzen. auf apple-servern dürfte sich da seit jahren einiges angesammelt haben. jetzt liegen vitaldaten von mir (und der beifahrerin) eben auch bei nokia, nachdem ich meine vitaldaten auch dem mittlerweile insolvent gegangenen sen.se für eine weile über deren schlafnuss (sleep-peanut) zugeführt habe. jetzt pumpt eben die (der) nokia-sleep diese daten in die nokia-cloud. was mich am cloud-gedöns eher nervt ist die (oft fehlende) zugänglichkeit der daten. ich möchte die auch selbst auswerten können und in echtzeit darauf zugreifen.
bevor ich mir die nokia sleep gekauft habe, hab ich mir die API von nokia-health angeschaut und das sah eigentlich ganz gut aus. theoretisch gibt es zugriff per API auf alle daten in der cloud, gesichert über oauth2 und token-basierte requests. das sieht in meiner mittelkompetenten einschätzung seriös und ausreichend sicher aus, aber eben auch kompliziert. was gut für die sicherheit und schwierig für die selbstauswertung ist.
da das einzig relevante datum für die heimautomatisierung aber ohnehin der zeitpunkt wann man sich ins bett legt und aufsteht ist, entschied ich mich für den ifttt-weg, statt selbst eine API-anbindung zu basteln (diektzugriff auf das per wlan im heimnetze eingebundene nokia health scheint nicht möglich, das teil scheint keine offenen ports zu haben). ifttt sendet meiner heimautomatisierungszentrale homeassistant eine nachricht, wenn ich mich ins bett lege und wenn ich aufstehe. das funktioniert erstaunlich gut und für ifttt-verhältnisse auch ganz flott. sobald ich 30-60 sekunden im bett liege, schlägt der auslöser bei mir auf. beim aufstehen dauerts gerade mal 2-3 sekunden. das ergebnis ist befriedigend: restlichter im schlafzimmer oder der wohnung kann ich so ausschalten (lassen) sobald ich im bett bin oder wenn ich tagsüber im bett liege, bestimmte mitteilungen an mein handy unterdrücken. weil die daten zuverlässig und zeitnah sind, könnte ich auch einen alarm scharf schalten (hätten wir einen) oder bewegungsmelder oder telefone stummschalten. sobald ich aufstehe, sind die bewegungsmelder wieder aktiv und abhängig von der zeit oder dem schlafzustand der mitbewohner liessen sich vorhänge öffnen. diese präzise und relativ zeitnahe bett-präsenz-erkennung für die heimautomatisierung war, wie gesagt, der hauptgrund mir den (die) nokia-sleep zu kaufen.
vorher hat das zwar auch ganz gut funktioniert, indem ich verschiedene sensordaten über bayesische wahrscheinlichkeitsrechnung zusammenführte (zeit, helligkeit, bewegungsmelderdaten, status meines laptops, an der steckdose gemssener ladestrom der apple watch, co2-gehalt der luft). diese bayesische sensor blieb aber, trotz ständiger optimierung leider eher unscharf, mit zu vielen falschen positiven. in sachen bett-präsenz-erkennung bin ich mit dem nokia-sleep hochzufrieden.
auch die nokia health mate app, bzw. deren schlafauswertung wirkt positiv. die sen.se-app, die die daten die meiner schlafnuss in die cloud pumpte, nervte bereits nach ein paar tagen und wirkte wie unseröser und unzuverlässiger hokus-pokus. dagegen scheint mir die health-mate-auswertung und usability um welten besser. die daten stehen nach dem aufstehen sofort zur verfügung (sen.se rechnete daran teilweise stundenlang rum) und daten sind übersichtlich und schlüssig dargestellt. sogar mit meinen mittagsschläfen kommt die auswertung zurecht und markiert sie als „siestas“. für alle daten (schlaftiefe, einschlafdauer, aufwachdauer, herzfrequenz, etc.) gibt es detailansichten, die angebliche schnarchdauer wird allerdings n ur aggregiert dargestellt.
die c’t kommt in ihrer aktuellen ausgabe zu ähnlichen testergebnissen wie ich, was die zuverlässigkeit der auswertung und ifttt-anbindung anbelangt. ich habe aber auch von mindestens zwei leuten gehört, bei denen die auswertung kompletten quatsch lieferte (30 minuten schlafdauer). ich vermute hier probleme mit der kalibrierung, entweder wegen der matrazen-dicke oder der form des lattenrosts.
weil ich die (das?) nokia-sleep an die beifahrerin weitergegeben habe (als eins der vielen geburtstagsgeschenke, über das sie sich nicht sonderlich freute), habe ich mir ein nokia-sleep selbst gebastelt, für 10 euro, statt 100. (artikel dazu folgt)
Den Deutschen wird oft (zu Recht) vorgeworfen, zögerlich zu sein. Die Zögerlichkeit bei der Adaption neuer Technologien, Risikoscheu, Regulierungswut oder bürokratische Hürden beim Gründen sehen viele Menschen — auch dieses Heft — eher kritisch. Dass diese deutsche Angst aber durchaus ihre positiven Seiten hat, zeigte zum Beispiel der zweite Golfkrieg. Deutsche Politiker zeigten sich angesichts des gesellschaftlichen Klimas zögerlich, der Aufforderung George W. Bushs nachzukommen, sich an dieser kriegerischen Auseinandersetzung zu beteiligen. Als Donald Rumsfeld 2003 auf der Münchener Sicherheitskonferenz für den Angriff auf den Irak warb, entgegnete ihm Joschka Fischer: „Excuse me, I am not convinced!“. Im Saal gab es kaum Applaus für Fischers Zweifel. Aber die Aussage spiegelte die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland ziemlich exakt wieder.
Zögerlichkeit, kritische Distanz und Zweifel haben ihre Berechtigung und Sinn. Der Zweifel hat im 18ten Jahrhundert die Aufklärung in Gang gebracht, ein politisches System ohne eine starke, an der Weisheit der Regierenden zweifelnde Opposition neigt zum Autoritären, ein Rechtssystem ohne Zweifel wäre drakonisch. Spätestens in diesem Jahr haben auch die euphorischsten Internet- und Vernetzungsapologeten (ich bin selbst einer) gemerkt, dass nicht alles, was Unternehmer mit neuen digitalen Werkzeugen machen und ermöglichen auch automatisch der Weltverbesserung dient.
Zweifeln ist konstruktiv, solange die Zweifel nicht angstbasiert sind und man den Zweifel, die Skepsis, mit Neugier, Offenheit und und Lust am Diskurs kombiniert. Wenn wir an der Sinnhaftigkeit militärischer Interventionen eines unserer mächtigsten Alliierten und Handelspartners zweifeln können und das vorbehaltlose Mitmachen verweigern, warum sollten wir nicht auch die digitalen Innovationen und deren Sinnhaftigkeit gelegentlich in Frage stellen?
Voltaire, einer der herausragenden Köpfe der Aufklärung, der den Zweifel laut Wikipedia „zu einer Maxime seines Denkens“ machte, sagte: „Zweifel ist zwar kein angenehmer geistiger Zustand, aber Gewissheit ist ein lächerlicher.“
Die Gewissheit, mit der viele, auch ich, die Digitalisierung mit positiven Folgen in Verbindung brachten, wirkt auf mich im Nachhinein tatsächlich ein bisschen lächerlich. Ich habe viele Jahre (mit Gewissheit) daran geglaubt, dass die Digitalisierung, die Vernetzung und niedrigschwellige, leicht zugängliche und grenzenlose Kommunikation vor allem positive gesellschaftliche Auswirkungen haben würde. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass auch Demagogen, autoritäre Regierungen, Geheimdienste oder Unternehmen die Digitalisierung zu ihrem Vorteil ausnutzen können und das auch hemmungslos tun.
Die diffuse German Angst, die deutsche Zögerlichkeit kann man auch positiv betrachten. Gut begründete Zweifel, Vorbehalte, eine gewisse Langsamkeit, die einem auch Zeit zum Nach- und Durchdenken gibt, ist nicht gleichbedeutend mit Verweigerung.
Ich wünsche mir (auch von mir selbst) künftig mehr gesunden Zweifel in der Digitalpolitik und der vernetzten Welt. Die negativen Folgen der ungezügelten Digitalisierung, der unregulierten (kommerziellen und politischen) Datensammelei sind bereits so offensichtlich, dass selbst Mark Zuckerberg inzwischen öffentlich die Notwendigkeit von Regulierung einräumt — wenn sie „vernünftig“ sei.
So wie die Politik langsam erkennt, dass das Internet, die Vernetzung der Welt, die Digitalisierung nicht mehr weggeht, merken Unternehmer wie Mark Zuckerberg, dass Regulierung, auch unternehmerisch schmerzhafte Regulierung, unausweichlich in immer mehr Bereichen ansetzen wird und ausausweichlich ist.
Wir, die wir in dieser digitalisierten und vernetzen Welt leben wollen (und müssen), sollten allerdings nicht den Politikern und Unternehmern das Aushandeln dieser Regulierungen allein überlassen. Nicht nur weil sich Politiker gerne eher von Wirtschaftsinteressen als vom Gemeinwohl lenken lassen oder sich gerne von Unternehmern um den Finger wickeln lassen. Vor allem, weil wir die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Technologien sowohl kritisch, als auch konstruktiv von innen heraus führen müssen. Euphorie, Neugier und Offenheit lassen sich durchaus mit Zweifel kombinieren. Kombinieren wir den Zweifel mit Angst, oder ist Angst das einzige Triebmittel des Zweifels, driftet der Zweifel in die Verweigerung. Schaffen wir es nicht die Euphorie gegenüber neuen Technologien mit Zweifeln und kritischem Hinterfragen zu kombinieren, laufen wir Gefahr uns lächerlich zu machen.
einkäufe bei aliexpress, also direkt in china, sind eigentlich gar nicht aufregend. dieses mal war ich aber ziemlich aufgeregt. ich habe zum ersten mal etwas bestellt was teurer als 15 euro war, nämlich einen gardinenmotor. ich kann mich zwar nicht erinnern, jemals mit einer aliexpress-bestellung oder lieferung unzufrieden gewesen sein, aber diese bestellung hatte das potenzial dass einiges schief hätte laufen können, hat die laufschiene die richtge länge? funktioniert der motor mit 230 volt? kommt es heile an, ist es zu laut, kommt es durch den zoll?
um es vorwegzunehmen; die aufregung war unnötig, die lieferung hat wunderbar geklappt, der motor funktioniert wie erwartet, die schiene passt, alles liess sich an einem abend montieren.
hier erzähle ich im detail, wie ich die schiene bestellt habe, warum ich jetzt eine eori-nummer habe und wie sich der neue vorhang in meine haussteuerung einbinden liess.
die auswahl bei aliexpress an motorisierten gardinen ist riesig. bei amazon findet man auch ein paar angebote und ein paar deutschsprachige angebote habe ich auch gefunden. hier rangierten die preise für 3,50 meter länge von 480 bis 1100 euro, bei aliexpress war der preisbereich zwischen 120 und 300 euro. die motoren von dooya machten einen guten eindruck und schienen ein etabliertes produkt zu sein, das auch in europa unter verschiedenen markennamen (gowe, somfy) verkauft wird. der dt52e-motor schien mir die richtigen features zu haben, einen 433 MHZ funkempfänger, autokalibrierung und ein „light touch“ feature, mit dem man den vorhang durch leichten zug öffnen oder schliessen kann.
ich entschied mich am ende für dieses angebot, bei dem der preis für 3,50 meter länge allerdings nicht ganz klar war. also bat ich den händler per chat um ein angebot. das angebot was mir zhiwei ren machte hörte sich gut an:
Hello friend Your package includes a 3.49-meter curtain track, a DT52E curtain track motor for $ 155 USD to ship your package via Hong Kong Federation IE
ungefähr 130 euro, inklusive versand fand ich super. für die bezahlung schickte mir der händler einen anderen link, wo das produkt mit versand etwas teurer war, ich solle aber dort bestellen und dann die zahlung zurückhalten. nachdem ich dem händler die bestellnummer durchgab, senkte er den preis auf 155 dollar und ich bezahlte.
ein paar stunden später war ich dann fast wieder so weit, die bestellung zu canceln, der händler wollte eine eori-nummer von mir haben. eine kurz-recherche im netz ergab, das ist eine internationale zoll-nummer, mit der importeure die zollabfertigung vereinfachen können. das netz und die zoll-FAQs sagten, dass privatpersonen die eigentlich nicht benötigten. der händler meinte aber, dass er den versand ohne diese nummer nicht einleiten könne. nach einer eori-nummer hatte mich bisher noch nie ein aliexpress-händler gefragt, also musste ich mich wohl ins behörden-deutsch einlesen. tatsächlich war das aber relativ einfach und auch für privatpersonen möglich. der zoll erklärt:
Als förmlicher Antrag ist der Internetbeteiligtenantrag (IBA) oder das Formular 0870 "Beteiligte - Stammdaten - EORI-Nummer" zu verwenden. Dieser Antrag ist rechtsverbindlich zu unterschreiben und mit den erforderlichen Unterlagen per E-Mail (als PDF-Dokument), schriftlich oder per Fax der GZD - DO Dresden - Stammdatenmanagement zu übersenden.
auf deutsch heisst das alle pflichtfelder dieses formulars auszufüllen und den unterschriebenen ausdruck an den zoll zu faxen. das habe ich gemacht und bekam 5 tage später tatsächlich einen brief (per post) vom zoll mit meiner eori-nummer.
nachdem ich dem aliexpress-händler die eori-nummer schickte, konnte der die lieferung mit fedex klarmachen („Hong Kong Federation IE“ ist fedex, wusste ich auch nicht). das war insofern toll, weil ich jetzt die erste aliexpress-bestellung hatte, bei der ich den exakten verlauf des pakets verfolgen konnte. nach zwischenstops in hong-kong, neu dehli, dubai und paris, lag das paket dann ein wochenende im kölner luftfrachtflughafen und kam am montag zu mir ins büro.
durch die zollabfertigung kam es ohne zollgebühren, weil der händler den warenwert (ungefragt) mit 30 euro angegeben hatte.
die gardinenschiene war vormontiert, allerdings für den transport in 1 meter lange stücke zerschnitten. mit ein paar montageplatten liess sich die schiene wieder zusammensetzen.
der transportgurt war auf die richtige länge vorgeschnitten, die rollen waren an der richtigen stelle, ich musste nur noch den zweiten transportwagen mit ein paar schrauben und halteplatten fixieren. und auch die länge der schiene war genauso wie bestellt und passte zwischen die wände. puh. der rest der montage war dann klassische wandmontage: anzeichnen, bohren dübeln, schrauben. nach ein paar stunden hing die stange.
der motor kam leider ohne fernbedienung. aber der witz mit dem vorhang, wie mit allen anderen haushaltsgeräten, ist ja nicht, dass er fernbedienbar ist, sondern dass ich ihn automatisieren kann, bzw. irgendwie in meine heimsteuerungszentrale homeassistant bekomme. dort kann ich regeln für den vorhang definieren, die dann, je nach komplkexität, auch ansatzweise intelligent wirken. zum beispiel öffnen und schliessen nach tageslichtbedingungen, wenn niemand da ist, bzw. keine gäste oder das kind nicht zu besuch ist. oder die überbrückung vom homeassistant in die home-app von apple, damit ich, beispielsweise, auf dem klo sitzend meiner uhr sagen kann: „vorhang schliessen“.
jedenfalls war die steuerung des motors dank meines in homeassistant angebundenen 433 MHZ senders/empfängers kein problem. in diesem diskussionsstrang hatte ich mich bereits vorab eingelesen und auch die rfxtrx-anleitung verliert worte dazu. einfach einen code ausdenken, motor darauf trainieren, fertig. ein bisschen komplizierter wird’s nur deshalb, weil man zum trainieren den rfxtrx eigenen manager, ein windows-programm wie aus den 80ern, nutzen muss. aber dank virtual box geht das heutzutage ja auch mal eben.
die einbindung in homeassistant und homebridge ist eigentlich trivial, aber dann im detail doch nochmal ein bisschen kompliziert. der vorhang versteht nur drei befehle, öffnen, schliessen, stoppen. feedback zur position liefert er nicht, auch nicht wenn er manuell bewegt wird (man kann den vorhang auch durch leichtes zerren am vorhang öffnen oder schliessen; das startet den motor). die home-app von apple möchte aber einen rückgabewert des öffnungszustands haben. weil der vorhang sich mit 20 cm pro sekunde bewegt, lässt sich die position aber leicht ausrechnen und als fake-sensor einbinden.
ich bin sehr angetan von diesem motorisierten vorhang. die beifahrerin nur so mittel, sie findet die schiene eher hässlich. und die öffnung zu den seiten unpraktisch, weil ein kleiner teil des rechten, geöffneten vorhangs noch das fenster verdeckt. da werde ich irgendwann nochmal eine baustelle aufmachen müssen, die schiene mit einer blende verstecken, in der sich eventuell auch eine beleuchtung untzerbringen liesse und die öffnungsgeometrie von links/recht zur mitte ändern in links/mitte nach rechts. die mechanik der schiene müsste das hergeben, ich glaube das lässt sich umbauen.
die grundidee, nicht mehr morgens und abends an zwei tüchern die vor dem fenster hängen selbst ziehen zu müssen, ist grossartig. dass sich die vorhänge zur strassenseite hin auch bei abwesenheit öffnen und schliessen lassen ist balsam auf die leicht paranoide seele der beifahrerin und tut den pflanzen im kinderzimmer auch gut. das handling des vorhangs auch mit konsvervativen methoden (zerren) entspricht meiner lieblingsphilosophie beim heimautomatisieren: optimalerweise sollte alles so funktionieren wie vorher, plus passgenaue automatisierung wo es sinnvoll ist — und bei internet- oder stromausfall sollte möglichst viel weiter funktionieren.
der chinesische händler war zwar der meinung, dass zu meiner bestellung keine fernbedienung gehörte, entscheid sich aber, nachdem ich ihn auf unsere chatprotokolle hinwies, in denen ich den eindruck bekommen hatte dass sie dabei sei, für eine nachlieferung. ich kann den händler deshalb vorbehaltslos weiterempfehlen (das ist ein link auf seinen shop), das handling der bestellung, der lieferung und der konfektionierung war tadellos. dass der händler eine eori-nummer haben wollte hat mich kurz echauffiert, aber es zeigte sich, dass es sich lohnte, den die lieferung per fedex war die bisher schnellste und lückenlosest dokumentierte bestellung die ich jemals in china getätigt habe.
die mechanik dser schiene und des antriebs ist ziemlich ausgefeilt und flexibel und soweit ich sehe, kann man die laufrichtungen auch selbst anpassen. der motor ist relativ leise und arbeitet bisher tadellos.nur eins hat mich bei aller ausgefeiltheit der mechanik gewundert: hängt man den vorhang einfach an die laufrollen und lässt ihn motorisiert schliessen, zieht der motor die vorhänge ohne raffung, ohne faltenwurf zu.
die vorhänge hängen dann wie tücher vorm fenster. das liess sich mit schnürchen, mit denen ich die laufrollen in geringerem abstand zusammenband beseitigen, irritierte mich aber angesichts der ausgefeiltheit der restlichen mechanik.
eventuell lässt sich das auch durch gechicktere befestigung des stoffs beseitigen, aber ins fachgebiet dekoration wollte ich mich nicht auch noch einarbeiten. ich bin auch so sehr, sehr zufrieden.
frank bachner fragt im tagesspiegel: „Wird Berlin zum Angstraum?“. als einstieg in seinen artikel wählt er den von populisten bereits gut ausgebauten pfad der emotion und rezitiert drei vorfälle, in denen „arabischstämmigen junge Männer“ auffielen oder pöbelten. damit man als leser nicht den fehler macht, einzelfälle als einzelfälle abzutun, betont er: „Es gibt viele dieser Einzelfälle in der Stadt.“
hörte man nach den ersten paar absäzen auf zu lesen, könnte man glauben, dass der tagesspiegel hier einem moderaten AFDler eine meinungsplattform bietet. aber nach der grossen, emotionalen einstiegsgeste, macht frank bachner einen kleinen schwenker, zitiert die rückläufige kriminalitätsstatistik, die dem sicherheitsgefühl „der Menschen“ widerspräche. berlin sei schon immer von sozialen spannungen geplagt gewesen, nie ein „reiner Wohlfühlort“ gewesen.
weil ich ja nicht nach ein paar absätzen aufgehört habe zu lesen, wird mir langsam klar, worauf frank bachner hinaus will. die „Einzelfälle“ summieren sich zu einem von vielen gespürtem gefühl: angst. und deshalb, schreibt er, „verschwindet bei vielen Menschen zunehmend die Bereitschaft zum differenzierten Blick“. diesen differenzierten blick versucht frank bachner dann auch im laufe seines artikels schweifen zu lassen; er weist auf die überlastete justiz, den schwindenden respekt gegenüber der polizei hin, er identifiziert problem-bezirke (hermannplatz) und bereiche in denen konfliktbewältigungsstrategien gut funktionieren (fussballturniere, schulen).
ich bin ein grosser fan der differenzierung, auch wenn es mir nicht immer gelingt ausreichend zu differenzieren oder das grössere ganze zu sehen. aber genau so, wie es wichtig ist probleme zu erkennen (und zu benennen), ist es wichtig haltung zu bewahren und die verschiedenen möglichen blickwinkel nicht aus den augen zu verlieren. wer jemals ein bisschen in geschichtsbüchern (oder der GEO-epoche) geblättert hat, erinnert sich, dass es unzählige situationen gab, in den neuankömmlinge von den früher angekommenen als bedrohung angesehen wurden. die iren in den usa („When America Despised the Irish: The 19th Century’s Refugee Crisis“) oder die polen im ruhrgebiet (die im 19ten jahrhundert parallelgesellschaften bildeten). das muster ist immer das gleiche: die neuangekommenen werden als bedrohung angesehen, es gibt unzählige konflikte und spannungen, aber nach zwei, drei generationen wirkt der name schimanski plötzlich deutsch und die saint-patricks-parade in new-york ur-amerikanisch. irgendwann ist die integration derjenigen, die noch vor ein paar generationen für „angstträume“ sorgten, so gut gelungen, dass sie selbst gegen neuankömmlinge agitieren.
man darf von einem artikel von einem lokalredakteur in einer lokalzeitung natürlich nicht zu viel erwarten, aber denoch haben mir historischen perspektiven in diesem artikel gefehlt, aber auch die ganz konkreten perspektiven, zum beispiel die sicht der neuangekommenen.
Wir? Wer ist hier wir? Eigentlich sind es sie, die es schaffen, also die Flüchtlinge. Vielleicht wäre es auch wichtig, denen eine Stimme in der gegenwärtigen Debatte zu geben.
natürlich ist es auch wichtig den unzufriedenen, den angstträumenden, denjenigen, die dazu neigen einzelfälle zu verallgemeinern, zuzuhören, aber genauso wichtig ist es eben auch — immer wieder — auf das grosse ganze, auf die grossartige idee des rechtsstaats hinzuweisen. in diesem rechtsstaat sitzen üblicherweise eben nicht die betroffenen über täter zu gericht, sondern richter, die (im idealfall) nicht von emotionen, ängsten oder resentiments getrieben sind. emotionen und recht führen, wie emotionen in der politik, nicht unbedingt zu gerechtigkeit.
zur differnzierung gehört auch ein hinweis darauf, dass kriminalität, gewalt oder pöbelei eben nicht nur ein problem mit „arabischstämmigen jungen männern“ ist, sondern ein problem mit fast allen jungen männern — und oft auch mit älteren. die aggressivität (nicht nur) im strassenverkehr ist ein problem, das genau wie die aktuellen spannungen und probleme um flüchtlinge ein anlass sein könnte, justiz und polizei zu stärken und besser auszustatten. das argument für die stärkung des rechtsstaats sollte aber lauten, dass sich alle an recht und gesetz und anstand halten müssen und nicht nur eine bestimmte gruppe. oder differenziert ausgedrückt: arschlochverhalten (nach dem gesetz) muss sanktioniert werden, egal von wem es verübt wird.
auch robert ide versucht im heutigen checkpoint zu unterstreichen, dass frank bachner mit seinem artikel nicht nur emotionen und ängste schüren möchte, oder potenziellen afd-wähler mit verständnis überschütten möchte, sondern dass er differenzieren möchte:
mir fällt es schwer insgesamt schwer hier diesen differenzierungswillen zu erkennen, insbesondere aber angesichts dieses schlusssatzes, der den leser ohne weitere einordnung zu grosser sorge auffordert:
Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass eine neue Welle von Gewalt auf uns zukommt.
ich glaube wir müssen uns auf einen rechtsdrallige boulevardisierung des tagesspiegel vorbereiten (wird der tagesspiegel zum boulevardblatt?) und ich sehe eine medien-welle von AFD-umfeld-verständnisbekundungen auf uns zukommen.
vor ein paar jahren haben wir einen pax-kleiderschrank für unser schlafzimmer gekauft. unsere räume sind etwas über drei meter hoch und der pax nur knapp zwei meter vierzig. um mehr stauraum zu haben, wollten wir den schrank nach oben erweitern. solche aufsätze gabs wohl mal von ikea, zumindest auf ebay hatte ich ein paar solcher schränke mal gesehen. aufs selber machen hatte ich keine lust, nicht nur weil ich keine plattensäge, nut-fräse, topf-bohrer hatte, sondern vor allem weil ich keine geduld hatte mir im baumarkt platten zuschneiden zu lassen, an den richtigen stellen löcher zu bohren und kunststoffkanten mit einem bügeleisen anzuleimen.
im internet gibt es ein paar anbieter bei denen man sich schränke massschneidern lassen kann. deinschrank.de, meine-moebelmanufaktur.de, schrankwerk.de, schrankplaner.de. schrankplaner und dein schrank boten keine schränke ohne sockel an (oder ich hab die option nicht gefunden). meine möbelmanufaktur war etwas günstiger als schrankwerk, also entscheiden wir uns, den aufsatzschrank testweise dort zu bestellen — auch wenn die investition, ca. 860 euro in etwa mit dem anschaffungspreis der paxschränke drunter vergleichbar war. ausschlaggebend war auch, dass die möbelmanufaktur kostenlose materialproben verschickt, die zwar nur so mittel aussagekräftig sind, aber promt verschickt wurden.
die planungswerkzeuge, also die webapps, mit denen man den schrank konfiguriert, sind im gegenteil zu einer handzeichnung ziemlich komfortabel, haben aber in sachen bedienungsfreundlichkeit durchaus noch luft nach oben. der online-planer von der möbelmanufaktur war ok, aber auch nicht 100 prozent überzeugend. immerhin kann man (offenbar) seine entwürfe dauerhaft dort speichern, das ist unserer. die aufteilung der einzelnen elemente erfordert immer noch einiges an rechnerei und aufregend war das auch irgendwie. was wenn ich mich vertan habe? hab ich wirklich alles bedacht?
nach dem die bestellung abgeschickt ist, dauert es ein paar tage und man bekommt eine konstruktionszeichnung des schranks zugeschickt, die man nochmal freigeben muss, bevor der schrank in produktion geht. am 23. januar ging der schrank in produktion und am 14. februar schrieb die möbelmanufaktur:
Ihre Maßmöbel wurden an unseren Logistikpartner (DHL) übergeben. Die Lieferung erfolgt in der Regel in den nächsten 3- 5 Werktagen. Anbei erhalten Sie die Rechnung Ihrer Bestellung als PDF.
Vor der Lieferung stimmt unser Logistikpartner den Liefertermin mit Ihnen ab, dies geschieht üblicherweise telefonisch in Einzelfällen auch schriftlich. Ihre Sendung wird per 2-Mann-Handling geliefert, d.h. die Pakete werden direkt in die Wohnung getragen, auch in den 4. Stock.
das erstaunliche an dieser aussage: sie stimmte vorne und hinten! freitag rief ein sehr freundlicher disponent von dhl an, fragte ob ein lieferfenster am montag zwischen 7 und 11 uhr in ordnung sei und um 10 standen zwei männer mit unseren paketen vor der tür. die pakete waren ordentlich schwer, ordentlich verpackt und obwohl ein paket beim umdrehen gleich aufplatzte, kamen alle teile unversehrt bei uns an.
am montag abend fing ich an das teil zusammenzubauen. ich baue möbel, auch von ikea, wirklich gerne zusammen, auch wenn ich dabei ziemlich schnell anfange zu schwitzen und danach meistens tierischen muskelkater habe. vor allem baue ich schränke gerne alleine auf, auch wenn die ikea-aufbauanleitungen meist ausdrücklich davor warnen. ausserdem diktiert mir meine arroganz, die anleitungen lediglich zu überfliegen, statt sie sorgfältig zu studieren. oft rächt sich das und ich komme noch mehr ins schwitzen.
in meiner (schreiner-) ausbildung habe ich die erste regel der möbelmontage gelernt. sie lautet: ausrichten. wenn der schrank nicht 100% gerade steht, kann man das später nicht mehr — oder kaum — korrigieren. wegen unseres leicht abschüssigen dielenboden hängt unser pax auf der einen seite auch ziemlich in der luft, so weit, dass die stellfüsse im pax-sockel nicht mehr ganz ausreichten.
weil das ausrichten so wichtig ist, habe ich die ausrichtung unseren bestehenden pax als erstes nochmal ein bisschen korrigiert. der rest der montage war eigentlich wie bei ikea: die schrankseiten und deckel werden mit stiften, dübeln und excenterschrauben verbunden, rückwand rein, türen dran, fertig. eigentlich.
in der praxis wars dann doch ein bisschen komplizierter, weil ich mich (doch) bei der planung ein bisschen vertan hatte und ich zwei zwischenwände falschrum montiert hatte, was wegen der (leicht) asymetrischen lochbohrung doof war. so hingen die türen an zwei zwischenwänden 5 mm zu hoch. das musste ich nach dem zusammenbau nochmal ändern und den halben schrank wieder demontieren.
der planungsfehler war, dass der schrank eine seitenwand in der mitte eines ein-meter-pax gehabt hätte und so sein gewicht und seine füllung auf einer (knapp) 19 mm dicken spanplatte abgetragen hätte und nicht über eine pax-seitenwand. das liess ich aber korrigieren, indem ich den schmalen schrankteil, der für die mitte geplant war, einfach an den anfang versetzte.
die mitgelieferten türbänder waren ordentlich (von blum), witzigerweise die selbe marke die in ikea-küchen verbaut wird, zumindest als wir unsere ikea-küche gekauft haben. ein bissche aufgeregt habe ich mich, dass die bänder keine schliessfeder hatten, also nicht automatisch zufielen. ich wurde schon ein bisschen pampig, bis ich bemerkte, dass die drucköffner kleine magneten hatten, mit denen sie die türen zuhielten. das gefiel mir nach der montage tatsächlich besser als die ikea-besta lösung, wo die türen (gedämpft) zugezogen werden, dann aber auf den gefederten drucköffnern hin und her springen.
bis auf eine ausnahme sind ich und die beifahrerin super zufrieden mit dem schrank. das plattenmaterial ist einen hauch dicker als die platten des pax schranks (die scheinen eher 17 millimeter statt 19 zu sein), der schrank passte an allen ecken und kanten gut zusammen, die länge und tiefe stimmt auf den millimeter, die türen liessen sich super einfach montieren (und ausrichten) und der schrank sieht gut aus. bis auf die türen, die zugegebenermassen die günstigsten waren (spanplatte weiss mit kunststoff umleimer): die verarbeitung der tür-kanten ist aber leider eher so mittel (beim korpus gabs keinen grund zur klage).
dass der heisskleber beim kantenaufleimen etwas rausquillt ist normal, aber mit einem scharfen stecheisen, kann man das in der regel einfach säubern. bei einem schrank für knapp 900 euro, kann man meiner meinung nach auch bei den günstigeren türen, etwas mehr erwarten. lackierte türen hätten etwa 250 euro aufpreis gekostet, aber das war es uns dann für einen schrank der in zwei meter vierzig höhe sitzt uns eher selten betrachtet wird nicht wert.
im wohnzimmer wollen wir demnächst eventuell einen lagerschrank für die bilder der beifahrerin bauen und nach diesem testlauf mit meine-moebelmanufaktur.de ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir den auch wieder dort bestellen.
vor ein paar wochen las ich hier, dass der MH-Z19 CO₂-sensor ganz zuverlässig arbeite. vorher hatte ich von gas-sensoren gehört, die heizspulen haben und beim aufwärmen komisch riechen. der MHZ-19 misst mit laserlicht, kostet dafür aber ein bisschen mehr. bei aliexpres ca. 15 euro. letzte woche kamen die beiden sensoren an, die ich dort gekauft habe.
ich wollte gerne einen sensor haben, der seine daten in meinen wohnungscontroller schreibt und loggt, die messdaten aber auch visualisiert, am besten mit einer LED-anzeige. vor allem sollte das ding aber auch alleine funktionieren, also ohne wlan und ohne mqtt-verbindung seine werte anzeigen. mit den lösungen die ich zuhause einsetze, fürchtete ich, könnte das problematisch sein. viele meiner sensoren basieren auf esp-easy, was in der regel wirklich einfach einzurichten und zu verwalten ist, aber eben auf einer wlan und mqtt-verbindung basiert. ohne wlan oder verbindung zum mqtt-server streiken die esp-easys. bei homie, auf dessen basis ich auch ein paar sensoren und aktoren betreibe, gibt’s wohl technische möglichkeiten für einen verbindungs-losen betrieb, aber das schien mir zu kompliziert.
weil ich seit ein paar monaten erfolgreich und befriedigend mit der mysensors-plattform experimentiere, hab ich mich entschieden die CO₂-sensoren als mysensors zu bauen. das konzept von mysensors zu verstehen fiel mir anfangs etwas schwer, weil sich auf der website ein wildes durcheinander findet, von how-tos, bastelanleitungen, forumsbeiträgen und hardware-bauvorschlägen, -werbung, -showcases. irgendwann habe ich dann herausgefunden, dass die leute die die software-bibliothek schreiben und pflegen, eben auch die openhardware.io-plattform betreiben und dass dort, eben deshalb, auch besonders viele leute ihre mysensor-projekte vorstellen (und zum teil verkaufen).
seitdem ich einen funktionierenden mysensors-gateway an den homeassistant angeschlossen habe, ist das hinzufügen (und bauen) von sensoren (und aktoren) auch wirklich einfach.
leider war das noch ein bisschen fummelei, bzw. debugging. der MH-Z19 kommuniziert über eine serielle schnittstelle mit dem arduino und sendet auf anfrage eine sequenz von 9 byte. die beiden ersten zeigen den status an, die folgenden beiden den gemessenen CO₂-gehalt in ppm und das fünfte byte die temepratur. der arduino sketch erwartet in etwa diese sequenz:
0xFF 0x86 0x3 0x95 0x42 0x0 0x0 0x0 0xa0
der arduino las aber für die ersten beiden und manchmal auch das dritte byte folgendes aus:
theoretisch könnte man hier die hex-werte in strings umwandeln, die FFFFFF-sequenz wegkürzen und wieder zurück in einen integer oder den ursprünglichen zahlenwert umrechnen. das ist in c+ aber leider (für mich zumindest) furchtbar kompliziert. nach einer weile bemerkte ich: der sketch wandelt die falschen hex-werte auch in zahlen um, allerdings negative. in diesem beispiel byte 3 (0x3) in 3 und 0xffffff95 in -107. 0x95 ist im dezimalsystem eine 149. 149 + 107 = 256, die differenz betrug immer 256, wenn die messwerte mit vorangestelltem FFFFFF ausgelesen wurden. damit war die korrektur einfach: wenn eine negativ dezimalzahl rauskommt, addiere 256. mit diesem hack kamen die messwerte dann stabil raus, vorher gabs schwankungen um 256 ppm. das problem tritt bei beiden MH-Z19 auf, wahrscheinlich liegts am zusammenspiel des arduino mit den sensor und der softserial bibliothek. ist mir aber egal, läuft ja. mein angpasster sketch liegt hier: gist.github.com/diplix/9b…
die messwerte die der sensor ausspuckt sind ziemlich flott, die anwesenheit eine sauerstoff-atmers ist mit 1-2 minuten verzögerung deutchlich messbar. auf diesem bild sieht man deutlich, dass ich gegen ein uhr ins bett gegangen bin und das bett gegen halb sieben wieder verlassen habe. die offene tür sorgt für einen rapiden abfall des CO₂-gehalts, der sich allerdings nach ein paar minuten fängt und abflacht. um viertel nach neun sieht man deutlich, dass in beiden zimmern für 10 minuten gelüftet wurde.
einen der beiden sensoren habe ich mit zwei LEDs ausgestattet, die grüne LED leuchtet bis ca. 1500 ppm, ab 1000 ppm schaltet sich die rote LED dazu. damit erkennt man, dass bei 1000 ppm die luft noch in ordnung ist und es so ab 1500 eigentlich zeit wird zu lüften. die LEDs lassen sich auch per mysensor-funk abschalten und der trick, um den sensor auch ohne mysensors-netzwerk funktionieren zu lassen, ohne durch wiederholte verbindungsversuche blockiert zu werden, ist diese zeile:
bei amazon habe ich für einen der sensoren, auf gut glück, eine dose gekauft, in die zufällig alles, inklusive kabellage, reinpasst.
der andere sensor macht es sich derweil in einem plastikbecher gemütlich.
gekostet hat mich jeder der beiden sensoren ungefähr 20 euro.
MH-Z19: 15,00 €
NRF24L01 sender: 1,20 €
arduino: 2,50 €
dose: 1,76 €
schrumpfschlauch und LEDs lagen hier noch rum
kommerzielle alternativen, wie der Elgato Eve Room oder der Netatmo Healthy Home Coach, kosten 70 bis 100 euro, können dafür aber auch flüchtige organische verbindungen (VOC, sprich, zum beispiel, darmgase) messen. sensoren dafür gibt’s auch einige, MP901, GM502B oder der BME680 jeweils für ca. 15 euro oder, auch vielversprechend, aber sackteuer, der iAQ-core C.
mir genügt erstmal der MH-Z19 und ich bin gespannt was er misst, wenn ich ihn mal in den besprechungsraum auf der arbeit mitnehme.
Automatisierung und Effizienzsteigerung begleitet die Menschheitsgeschichte seit Jahrmillionen. Unter dem Deckmantel der Effizienzsteigerung verbringen Menschen einen Großteil ihres Lebens mit dem Versuch, Zeit zu sparen. Messungen an mir selbst suggerieren, dass wir ungefähr die Hälfte der Zeit, in der wir nicht schlafen, mit der Suche nach Zeitsparpotenzialen verbringen. So gut wie jedes Werkzeug, das der Mensch erfunden hat, vom Faustkeil, zum Messer, vom Rad zum Automobil, vom Pergament zum Smartphone diente der Hoffnung, mehr Zeit zur Verfügung zu haben um andere Dinge zu machen.
Das Problem mit Effizienzsteigerungen, Automatisierungen, effektiven Werkzeugen oder bahnbrechenden neuen Technologien ist, dass wir die Mühe, die Aufwände die wir vor der Erfindung eines neuen Effizienzsteigerungsdings hatten, kurz nach erfolgreicher Implementierung vergessen. Wir gewöhnen uns so schnell an Verbesserungen, dass selbst eine Steigerung der Effizienz um 100 Prozent, uns kurze Zeit später stark verbesserungswürdig vorkommt.
Selbst in unseren pfeilschnellen, perfekt gefederten und klimatisierten Automobilen, fühlen wir uns — subjektiv — nach fünf Stunden Fahrt und anderthalb Stunden Stau, wie nach einer 2 tägigen, ungeferderten Postkutschenfahrt. Wir regen uns über Leute auf, wegen denen wir auf der Autobahn ein paar Kilometer lang nur 120, statt 160 km/h fahren konnten. Wir vergleichen Effizienz, Komfort oder allgemeine Machbarkeit nie mit dem vorherigen oder vergangenen Zustand, sondern stets mit irgendeinem idealisierten Optimalwert.
Statt uns zu freuen, dass wir weder Kohlen schleppen, noch anzünden müssen, sondern, dass sich die Heizung automatisch zum richtigen Zeitpunkt selbst zündet, sitzen wir, optimal temperiert, auf dem Sofa und überlegen wie man das effizienter machen könnte: vielleicht die Heizung per App regeln?
Auch wenn moderne Transporttechnologien uns immer schneller von A nach B bringen, die Netto-Zeit, die wir mit dem Reisen verbringen, dürfte sich in den letzten Jahrhunderten wenig verändert haben. Weil wir schneller Reisen, können wir weitere Strecken Reisen oder pendeln. Wir haben wir mehr Zeit zu verreisen, und nutzen die auch. Weil sich immer mehr Menschen Reisen leisten können, reduziert sich die gewonnene Zeit gleich wieder in Staus und Warteschlangen.
Eigentlich können wir gar keine Zeit sparen. Intuitiv, aus Erfahrung, wissen wir das. Irgendwas, irgendwer verbraucht die hinzugewonnene Zeit gleich wieder.
Es ist nicht auszuschliessen, dass dieser Fortschrittdruck, das dauernde Hinarbeiten auf Optimierungen und Automatisierungen, die permanente Hoffnung auf bessere, schnellere, optimiertere Zustände, (auch) ein Grund für unsere allgemeine Unzufriedenheit ist. Möglicherweise spüren wir Überfluss an Zeit und Zufriedenheit erst dann, wenn wir uns mit den Unzulänglichkeiten und Umständlichkeiten des Lebens abfinden und aufhören immer Zeit sparen zu wollen.
Noch besser ist es aber vielleicht, wenn wir diese Ambiguität tolerieren und einfach zugeben, dass es uns Spass macht Zeit zu sparen, Routinearbeiten zu automatisieren, Details zu optimieren. Ich vermute, der Drang zum Optimieren und Automatisieren liegt in unserer Natur und ist einer der Hauptantriebsmotoren für technischen (und gesellschaftlichen) Fortschritt.
Immerhin erlaubt uns dieser Fortschritt, unsere Zeit so zu verschwenden, wie wir es gerne wollen — und nicht so, wie die Umstände es erzwingen.
Statt Zuhause im Stau zu stehen, gewinnen wir die Möglichkeit in New York im Stau zu stehen oder dort im Aldi-Süd-AblegerTrader Joe’s in der Kassenschlange zu stehen. Statt drei Tage mit der Postkutsche von Hamburg nach Berlin zu Reisen, können wir nach 8 Stunden Flughafenanfahrt, Sicherheitskontrollen, Boarding und Unboarding, Bus und Fährenfahrten immer noch anderthalb Tage mit tausenden anderen Touristen durch die Gassen von Venedig zwängen.
Möglicherweise dient der Fortschritt gar nicht dem Fortschritt, sondern lediglich der Umschichtung. Automatisierung spart keine Zeit, sondern verteilt sie einfach anders. Solange wir es aber schaffen den Weg als das Ziel zu betrachten, ist das vielleicht sogar eine freudige Erkenntnis. Anders gesagt: seit ich mich intensiver mit Automatisierung beschäftige, verstehe ich diesen Satz von Albert Camus endlich:
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.
ich mag black mirror nicht. mir missfällt das sadistische element, dass in jeder einzelnen folge den protagonisten, den menschen, der menschheit angedichtet wird. jede einzelne episode folgt diesem rezept, indem sie mindestens einen protagonisten zeigt, der vergnügen daran findet, andere menschen zu quälen, zu entwürdigen, zu entmenschlichen. aus jeder folge quillt menschenhass. das geht jetzt schon vier staffeln so, dass die serie sadisten nicht als einzelphänomene, psychische deformationen zeigt, sondern suggeriert, dass menschen zum sadismus, zur grausamkeit, zur empathielosigkeit neigen, sobald sie macht bekommen. wie in schlechten filmen wird da nicht differenziert, analysiert, versucht zu verstehen, sondern brutal, splattermässig draufgehalten, zugespitzt und implizit vor dem bösen im menschen gewarnt. in der welt, die black mirror zeichnet, ist kein platz für humanität und mitgefühl, menschlichkeit und wärme, liebe und zärtlichkeit. black mirror ist misantropen-porno. die ausnahme, das abnorme, die psychische deformation wird dystopisch als normal dargestellt, menschlichkeit, wärme, mitgefühl als die ausnahme.
black mirror ist nicht dumm, im gegenteil, aber misantrop, anthropophob, frustriert und sarkastisch. liebe steckt bei black mirror lediglich in der produktion. die ist enorm aufwändig und detailverliebt; für jede einzelne folge werden plakatmotive produziert, dutzende anspielungen ins drehbuch und die kulissen gedrechselt und die besetzung ist stets a-list. black mirror ist eigentlich die perfekte serie, konsequent von vorne bis hinten durchdacht, voller grandioser kleiner (und grosser) ideen, perfekt inszeniert und produziert — aber sie glaubt nicht an das gute im menschen.
vor einem jahr, nach einer folge der dritten staffel hatte ich schon keine lust mehr weiterzugucken. die vierte staffel, die gerade bei netflix angelaufen ist, wollte ich ebenso wegignorieren. gestern überflog ich dann diesen artikel von rené walter, in dem er alle sechs aktuellen folgen von black mirror rezensiert.
ich entschloss mich dann doch mal die erste folge zu sehen. die fängt auch grandios an, mit einer ziemlich passgenauen, aber trotzdem leicht irritierenden, star-trek-parodie. die weitere handlung ist fesselnd, die inszenierung und das schauspiel makellos, liesse sich aber auch in einem satz zusammenfassen: arschloch rächt sich an anderem arschloch und schiesst dabei, mit konsequenter grausamkeit und megaarschlochigkeit, weit übers eigentliche ziel (genugtuung) hinaus.
ich bin mir nicht sicher, ob ich die verbliebenen fünf folgen noch sehen werde. ich vermute sie sind genauso sorgfältig und intelligent erzählt, aber ich ertrage das pessimistische welt- und menschenbild, dieses arschlochuniversum, nur schwer. der pornovergleich passt übrigens gut. black mirror zeigt konsequent nur dunkle stellen des menschen, vergrössert diese in absurde dimensionen, hält voll drauf und blendet alles andere konsequent aus. menschlichkeit, mitgefühl, humanität werden marginalisiert dargestellt oder grotesk verzerrt oder veralbert.
was ich aber gut finde und mir auch in zukunft jede folge ansehen werde, ist das was rené walter auf nerdcore schreibt. seine rezension der ersten black mirror folge der vierten staffel (USS CALLISTER) ist auf den punkt und versorgt den leser mit kontext. ich schriebs erst vor ein paar artikeln, nerdcore gehört zu meinen lieblingsblogs und ich finde rené ist derzeit in höchstform. und er braucht unterstützung. die möchte ich ihm gerne geben, indem ich nerdcore, neben übermedien, zum zweiten blog mache, dem ich bei steady einen monatlichen, bescheidenen beitrag zahle. ich möchte gerne, dass rené weiter vollzeit ins internet schreibt.
Das war bis vor wenigen Jahren noch über Bannerwerbung finanzierbar, mit dem Siegeszug von Clickbait und Facebook allerdings sind die Werbe-Einnahmen nahezu komplett zusammengebrochen. NERDCORE finanziert sich nun schon seit mehreren Jahren über meine eigenen privaten Reserven und diese sind nun erschöpft.
das hier ist eine art öffentlich geführte todo-liste mit artikeln die ich schreiben möchte (oder bereits geschrieben habe) um dinge die ich zuhause automatisiert oder gebaut habe zu dokumentieren. mittlerweile hat die automatisierung unserer wohnung einen stand erreicht mit dem ich ganz zufrieden bin und der nicht nur meinen spiel- und probiertrieb befriedigt, sondern sich teilweise auch als ganz praktisch und nützlich erweist.
ein paar der sachen die ich gebaut oder konfiguriert habe, schreibe ich (auf englisch) ins home-assistantz-forum (derzeit leider von regelmässigen serverausfällen geplagt) und verlinke sie hier. andere dinge die ich gerne dokumentieren möchte schiebe ich manchmal wochen oder monatelang vor mir her. ich hoffe wenn ich sie hier in die liste schreibe, dass mich das ein bisschen motiviert sie dann mal irgendwann detailiert aufzuschreiben.
geplant: diese batteriebetriebenen mysensor nodes als unterputzschaltsensoren zu nutzen (in der hoffnung dass sie mit einem repeater in der nähe besser als der erste unterputz-versuch funktionieren).
geflasht und konfiguriert: mehrere sonoffs und ein electrodragon relay-board mit tasmota geflasht und konfiguriert. zwei davon sind neben der funkfernsteuerung auch mit verkabelten schaltern zu bedienen.
eingebaut: einen deckenlautsprecher mit einen verstärker und einem raspberry pi in die badezimmerdecke eingebaut (funktioniert toll).
konfiguriert: einen sensor (unter anderem mit hammerspoon) konfiguriert, der homeassistant und diversen anderen virtuellen sensoren und automationen sagt, ob mein laptop aufgeklappt ist oder nicht.
gebaut: einen temperatur und feuchtigkeitssensor gebaut der mit heuristischen methoden home-assistant sagt, ob ich gerade im bett liege oder nicht. unter anderem weil ich unzufrieden mit der schlafnuss bin.
konfiguriert: tado in homekit/die apple home app integriert (was lange nicht oder unbefriedigend funktioniert hat, jetzt aber super fluppt).
gekauft: einen rflink, genauer das selbstlötkit mit einem arduino mega und einem passenden pcb. das ist neben dem rfxtrx unser zweiter (parallel betriebener) 433 mhz sender/empfänger. angeschlossen ist der der rflink-arduino an den raspi der im bad auch für die musik sorgt und der die rf-signale an den home-assistant weiterleitet. funktioniert herrlich.
gekauft: die achte ikea-tradfri-lampe gekauft, unter anderem weil ich super zufrieden mit dem tradfri-gedöns bin. nachdem meine mutter mir (auf meinen wunsch) vor genau einem jahr eine tradfri-birne geschenkt hat, habe ich meinen eltern dieses jahr auch eine geschenkt (sie sind auch sehr zufrieden).
als wir im november in venedig waren, haben wir auf der biennale ziemlich lange in einer schlange vor dem deutschen pavillon gestanden. im deutschen pavillon sollte eine performance stattfinden, die angeblich sehenswert wäre und die die beifahrerin deshalb auf keinen fall verpassen wollte. also liefen wir kurz nachdem die bienale eröffnete schnurstracks zum deutschen pavillon und stellten uns dort in die sich bereits formende schlange.
neben der schlange, bzw. neben dem deutschen pavillion, stand der koreanische pavillon.
in der zeit, in der wir in der warteschlange standen dachte ich: neon, das muss ich auch mal machen. noch in der schlange fing ich an nach LED neon zu googeln. echte neon-röhren sind zwar toll, kommen aber wohl zum selbstmachen nicht in frage, einerseits weil meine glasblasfähigkeiten minimal sind und ich auch nicht genau weiss, wie man neon-gas verarbeitet. heutzutage ist ja alles LED und die suchergebnisse sahen vielversprechend aus. es sah so aus, als gäbe es LED-lichtschläuche die echten neon-beleuchtungen recht ähnlich sehen. die meisten LED-schläuche die ich fand waren jedoch rechteckig, bzw. rechteckig mit einem runden teil oben und damit eher einem abstrahlwinkel von weniger als 270°. es gab aber auch richtig runde schläuche wie diese hier für ca. 50 euro für 2 meter.
der vorteil von bestellungen in china ist, neben dem günstigen preis, dass man viel zeit zum nachdenken hat. fünf bis sechs wochen dauert es meist, bis die bestellungen da sind. der nachteil ist, dass sich die bestellungen im steurechtlichen graubereich bewegen. so richtig verstehe ich das nicht, wann pakete mit warenlieferungen aus dem ausland beim zoll landen und wann nicht. bestellungen aus amerika muss ich fast immer beim zoll abholen (und umsatz-/einfuhrsteuer zahlen), bestellungen aus chinesischen online-shops hingegen fast nie. es ist kompliziert.
nach sechs wochen kamen die LED-schläuche und statt drüber nachzudenken was ich bauen würde, hatte ich die dinger ganz vergessen. das ist übrigens das tolle an sechs plus x wochen lieferzeit. nach der bestellung vergesse ich die bestellung gerne und freue mich bei der lieferung über die überraschung, fast wie zu weihnachten.
jetzt hatte ich vier meter led-leuchtschlauch, aber keine ahnung was ich damit machen würde. ich hing einen der schläuche erstmal an die wand. das licht gefiel mir sehr. die schläuche hatten tatsächlich, wie erhofft einen 360° abstrahlwinkel, auch wenn eine seite des schlauchs ein bisschen weniger intensiv leuchtete. die schläuche wirkten ziemlich flexibel, aber radien von weniger als 3-4 zentimetern schienen nicht möglich. ich überlegte die schläuche mal testweise auf einem brett zu verlegen, übereinander zu schlingen und stellen die nicht leuchten sollten mit schwarzem gaffa-tape abzukleben, so wie das auch bei neon-reklame gemacht wird.
in unserer kammer fand ich ein altes, ungenutztes baumarkt-kiefern-regalbrett von 80 mal 20 zentimetern. beim nachdenken über die konstruktion fiel mir dann irgendwann die idee ein, den schlauch durch löcher im brett von hinten nach vorne zu führen. als motiv fiel mir „KOTZ“ ein, weil sich das kind gerade selbst „KOTZ“ aufs schienenbein tätowiert hatte (es ist eine art familieninterner gag „kotz“ bei jeder gelegenheit zu sagen, „kotz“ aufs schienenbein zu tätowieren allerdings eher nicht). ich skizzierte die worte und löcher, überschlug die benötigte schlauchlänge und kam zu dem schluss das könnte klappen.
die schläuche die ich gekauft hatte haben einen ø von 14 mm, in einer kiste fand ich einen 15 mm fostnerbohrer und fing an das brett zu bohren. nach einer stunde war der prototyp fertig.
für die endgültige version vermutete ich, würde schwarzes, unbehandeltes MDF gut passen.
tatsächlich liess sich das MDF gut bohren und auf der rückseite liessen sich die losen enden der schläuche und die elektrokabel gut mit kabelschellen verschrauben und befestigen.
auch das reflektionsverhalten des schwarzen MDF fand ich befriedigend.
an die rückseite schraubte ich noch ein paar winkel, damit das schild auf dem boden stehen könnte oder mit haken, mit abstand, an der wand zu befestigen war. ausserdem kaufte ich noch einen euro-mehrfachstecker und eine verlängerungsschnur. damit lagen am ende die materialkosten, mit all den zusätzlichen kleinteilen, so um die 60 euro (4 meter leuchtschlauch 40 euro, verlängerungsschnur und mehrfachstecker 8 euro, kabelschellen, winkel und haken 4 euro und eine fernsteuerbare steckdose 8 euro).
die schläuche werden mit 220 volt betrieben, erwärmen sich im betrieb leicht und verbrauchen 7,2 watt pro meter, also in dieser ausführung knapp 30 watt. ich mag die kombination von rot und blau sehr gerne und das emitierte licht finde ich sehr angenehm. das licht ist flimmerfrei und die schläuche brummen nicht.
Die Warnungen vor dem Bitcoin sind zahlreich. Der wegen Wertpapierbetrügereien und Geldwäsche verurteilte Jordan „The Wolf of Wall Street“ Belfort meint beispielsweise, dass Kryptowährungen ein Tummelplatz für Betrüger und Nepper seien. Der Hype um Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) sei „der größte Betrug aller Zeiten“.
In das gleiche Horn bläst Jamie Dimon, dem Chef von J.P. Morgan. Er findet der Bitcoin sei reiner „Betrug“ und der Handel damit „dumm“.
Der Vorstand einer Bank, die die Süddeutsche Zeitung vor einem Jahr als „die gefährlichste Bank für die Finanzwirtschaft“ bezeichnete und ein verurteilter Schaumschläger warnen vor Gier und Betrug; es zeigt sich einmal mehr, dass die schärfsten Kritiker der Elche oft selber welche sind.
Allerdings kann Kritik an Elchen durchaus legitim sein, auch wenn sie von Ex-Elchen kommt. Selbst wenn man sich nur oberflächlich mit dem Geschehen um Kryptowährungen beschäftigt, erkennt man, dass es in den Bitcoinmärkten an dubiosen Anbietern, windigen Angeboten und vor allem schlechtem Rat wimmelt. Der Witz ist, damit unterscheidet sich der Markt der Kryptowährungen nicht vom übrigen globalen Finanzmarkt, der zwar stärker reguliert und kontrolliert wird, aber ebenso ein Spielfeld für einzelne oder institutionelle Betrüger und halbseidene Akteure bietet.
Ganz allgemein dürfte es ein guter Rat sein, Geld nicht in Anlagen oder Systeme zu investieren, die man nicht ganz versteht, auch — oder gerade — wenn er von Elchen kommt. Und ein besonders guter Rat dürfte es sein gerade dann Zurückhaltung zu üben, wenn einem plötzlich ganz viele Experten riesige Renditen in Aussicht stellen, sei es über Fontsbeteiligungen, Aktienkäufe oder eben Geldanlage in Bitcoins.
Trotzdem lohnt sich meiner Meinung nach ein genauerer Blick auf Kryptowährungen und vor allem die dahinterliegende Technologie der Blockchain. Das Potenzial dieser Technologie ist faszinierend, weil sie, wie das hinter dem Internet stehende TCP/IP-Protokoll, ein entscheidendes Versprechen gibt: Dezentralität.
Diese Eigenschaft ist genau die, die das Internet groß und relevant gemacht hat: Informationsvermittlung die auch ohne zentrale Instanzen funktioniert. Dezentralität hat bei der Informationsvermittlung die alten Gatekeeper weggefegt und Machtverschiebungen verursacht, die nahezu jeden Lebensbereich berühren. Das gleiche verspricht nun die Blockchain im Bereich von abgesicherten Transaktionen: Verbindlichkeit ohne zentrale Instanzen.
So wie das Internet in den ersten Jahren vor allem ein Tummelplatz für Technikfreaks, Nerds und Pornoanbieter war, war es im letzten Jahrzehnt auch der Bitcoin und die Blockchain. Diese ersten Jahre haben gezeigt, dass die Technologie hinter dem Bitcoin grundsätzlich funktioniert und an sich hinreichend sicher ist — und vor allem interessant genug ist, um ständig kollaborativ weiterentwickelt und geforkt zu werden. Dieses Potenzial erkennen auch mehr und mehr Unternehmen, auch die J.P. Morgan Bank, deren Chef ja erklärtermassen kein großer Fan des Bitcoin ist. So bietet J.P. Morgan bereits ein auf der Blockchain, bzw. Ethereum basierendes Produkt zur Vertrags- und Transaktionsabwicklung an.
Die Potenziale die sich aus der Blockchaintechnologie ergeben sind so groß (und spannend), dass es fahrlässig wäre sich mit dieser Technologie und deren möglichen Folgen nicht tief gehend auseinanderzusetzen. Die technischen Hintergründe der Blockchaintechnologie sind komplex (einen guten Einstieg bietet dieses Video), die gesellschaftlichen Folgen dürften noch komplizierter, ähnlich tiefgreifend und in weiten Teilen ebenso unvorhersehbar sein, wie die, die uns das Internet bis heute beschert hat.
Die Blockchain plagen noch von vielen Kinderkrankheiten wie Skalierbarkeit und Transaktionsgeschwindigkeit. Die nötigen technischen Anpassungen (Forks) dürften dafür sorgen, dass Kryptowährungen und andere auf der Blockchain aufbauende Dienstleistungen auf absehbare Zeit instabil und volatil sein werden. Auch deshalb sollte man sich nicht blind von der Euphorie und der Goldgräberstimmung mitreissen lassen und mit Bitcoins spekulieren, ohne sich über die zahlreichen ungeklärten Fragen und Risiken im klaren zu sein.
Aber auch wenn die ersten Bitcoinblasen platzen, Sicherheitslücken Wallet-Besitzer plagen oder wenn die Blockchainweiterentwicklung stockt: so wie das Internet nicht mehr weggehen wird, wird auch die Blockchain bleiben. Die Technologie hinter dem Bitcoin wird die Welt und die Wirtschaft genauso tiefgreifend verändern wie es das Internet getan hat. Egal ob wir das wollen oder nicht.
unsere alten halogen-birnen in den grundtal-leuchten unter dem küchenschrank frassen strom und gingen ständig kaputt. mittlerweile ist die ganze wohnung auf LED umgestellt, nur in der küche brummten (im sinne von geräusche machen) noch die alten ikea-leuchten. dass die dinger weg mussten war schon länger klar, die alternativen von ikea, die man unter einen küchenschrank schrauben konnte waren aber alle unbefriedigend und schlecht fernzusteuern. die tradfri-lampen von ikea sind toll und günstig, aber für die küche hat ikea noch keine tradfris rausgebracht.
kürzlich gerieten mir die innr-lampen wieder in den blick. innr stellt hue-kompatible lampen her, unter anderem auch eine küchenoberschrankbeleuchtung. ich gab mir trotz des stolzen preises von 100 euro für einen meter leuchtstreifen einen ruck und bestellte ein set [-werbelink] bei amazon.
die verpackung war kompakt und klapperte. kein wunder, die teile lagen alle lose in der verpackung, deren inhalt ganz offensichtlich in china hergestellt wurde.
innr verpackung: alles lose
die streifen wirkten ein bisschen billig, das netzteil wie die übliche china-ware, aber die mitgelieferten kabel waren schön lang und dünn. bevor ich die lampen montierte, habe ich sie mit der hue-app verpaart. das klappte fast auf anhieb. wichtig ist wohl die suche in der app zuerst zu starten und dann erst den leuchtstreifen einzuschalten, weil der nur ein paar sekunden nach dem booten seine paarungsbereitschaft signalisiert. danach (und einem lampenreboot) liess sich der leuchtstreifen tatsächlich mit der hue-app dimmen und schalten. erster pluspunkt: der leuchtstreifen lässt sich bis fast auf null runterdimmen. das können die tradfris nicht, bei ca. 15-20 prozent ist bei denen schluss. prima.
die montage war ein bisschen frickelig und eklig. immer wenn man an küchenmöbeln arbeitet, merkt man was für ein fett-dreck in jeder ritze steckt. die versteckte stromzuführung für die grundtals liess sich auch prima für die innr-lichter benutzen. nach der montage musste ich weiter putzen, weil ich plötzlich überall schmodder sah. auch wenn der leuchtstreifen wunderbares licht absonderte, richtig toll sah er fertig montiert nicht aus: die befestigung mit blechlaschen lässt den leuchtstreifen ein paar millimeter schweben und die stosskanten der leuchtelemente emitieren licht. insgesamt wirkt das ganze ein bisschen kleinteilig und gusslos. aber das licht ist prima.
über die hue-komponente des home-assistant liess sich der leuchtstreifen dann auch problemlos automatisieren, in alexa und homekit integrieren und an die lichtstimmungen der tradfri-beleuchtung koppeln. per button oder „alexa, licht an!“ wird der flutlichtmodus eingeschaltet, per lichtschalter oder „alexa, gemütlich an!“ der etwas entapnntere lichtmodus. es gab nur einen stolperstein, der sich aber per steuerungslogik umschiffen liess: immer wenn man den innr-leuchtstreifen einschaltet, geht er auf 100% helligkeit — egal ob per hue-app, homekit oder home-assistant.
was ich grossartig finde: der innr-leuchtstreufen dimmt sanft, mit ca. 2 sekunden transitionszeit. wenn das licht per bewegungsmelder geschaltet wird, dimmt das licht beinahe magisch ein. bisher hat es immer einmal klack gemacht, bevor das licht anging.
99 euro finde ich einen stolzen preis für china-ware im geschätzten warenwert von 10 euro. aber die hue- und hausautomations-integration ist (relativ) problemlos, das dimmen flüssig und das licht angenehm. kann ich mindestens so lange empfehlen, wie ikea oder philips nicht selbst eine ordentliche küchenschranklösung anbieten.
es ist jetzt so weit, auch linke bezeichnen jetzt humor oder witze, die ihnen nicht gefallen, als fake-news:
Es ist vielleicht nicht die beste Strategie, gezielt auch links mit Fakenews zu versorgen. Was soll damit erreicht… twitter.com/i/web/status/9…
abgesehen davon, dass ich konkret den humor dieser die-partei-aktion nicht teile und generell den humor der partei weder unterhaltsam noch wählbar finde, sollte man sich davor hüten satire ernst zu nehmen und zu politisieren.
das spiel treibt die titanic seit jahrzehnten erfolgreich mit selbstverliebten egozentrikern, politikern, bild-zeitungs-lesern: mal mit klugem, mal mit üblen witzen provozieren und darauf hoffen, dass die witze, die satire so gut sitzt, dass die ziele der humorattacke den witz ernst nehmen. dann nämlich gibt’s aufmerksamkeit und neuen satire-stoff, indem man die reaktionen wieder in die satire einarbeitet. insofern ist die vorgehensweise der titanic und der partei deckungsgleich (kein wunder, sie kommen ja aus dem gleichen stall): sie ernähren sich beide von aufmerksamkeit, die sie mit mehr oder weniger witzigen provokationen erzeugen.
dass diese strategie mittlerweile von politisch rechten, konservativen und nazis um ein vielfaches erfolgreicher angewandt wird (provokation, aufmerksamkeit, abgrenzung von den anderen, aktivierung der eigenen basis) ist bedauerlich, aber kein grund satire, titanic, AFD oder trump in einen topf zu werfen. der entscheidende unterschied ist nämlich, dass die rechten es ernst meinen und es entsprechend verdienen ernstgenommen zu werden, die satire-blatt oder satire-partei-macher aber nur darauf hoffen ernst genommen zu werden.
jetzt kann man natürlich noch einen schritt weitergehen und humor und unterhaltung (oder satire) in diesen schweren zeiten als gefährlich oder subversiv zu sehen. man könnte der meinung sein, dass es demokratieverwässernd sei, politische deppen auf die bühne zu zerren und sich über sie lustig zu machen (oder sie über sich selbst lustig machen zu lassen).
nachdem stephen colbert den ehemaligen pressesprecher von donald trump bei der emmy-verleihung auf der bühne die gelegenheit gab sich über sich selbst lustig zu machen und sich „melissa mccarthy“ nennen zu lassen und ich den schlussgag als witzig einstufte, fand der surfguard, dass das nicht witzig sei, weil es eine „Normalisierung und Ironisierung einer politischen Perversion“ sei.
macht humor das, normalisiert humor den schrecken, humanisiert humor despoten und ihre helfershelfer? sind satiriker die steigbügelhalter der neuen rechten? diesen eindruck kann man in der endphase des bundestagswahlkampfes durchaus bekommen, in der kluge menschen allen ernstes die existenz und die ernstnehmung der satire-partei die partei für ein erstarken der AFD verantwortlich machen (oder zumindest die potenziellen wähler der partei für mögliche mandatszuwächse der AFD im bundestag verantwortlich machen).
ich glaube — im fall der partei — dass das womöglich sogar stimmt. satire (humor) gewinnt, wenn sie es schafft den gegner dazu zu bringen die ridikülisierung ernst zu nehmen. das stärkt dann den zusammenhalt derjenigen, die den witz verstehen und der unterhaltungswert steigt, je humorbefreiter (ernster) die reaktionen sind. der witz an satire ist, dass die gegner sie ernst nehmen und das publikum, die eigentliche zielgruppe den witz (vermeintlich) versteht. kai diekmann finde ich doof, aber er hat das mit der satire letztendlich, nach ein paar fehlversuchen, verstanden. als sich die taz vor vielen, vielen jahren mal über seinen penis lustig machte, verlor dieckman zunächst. er nahm die satire erst und behandlete die wie „fake-news“: er klagte dagegegen. irgendwann merkte er, dass er doch noch gewinnen könnte, wenn er die klage zurückzieht und den witz zurückspielt — indem er selbst zum satiriker wurde. er entzauberte den witz, indem er ihn nicht mehr ernst nahm und so die eigentliche intention der taz, diekmann-hass, offenlegte. bevor sich diekmann selbst über seinen penis lustigmachte, wirkten diekmann-penis-witze witzig, danach verbissen.
die politik und das establishment reagieren momentan so wie dieckmann anfänglich auf die taz-satire reagierte: mit heiligem ernst und staatstragender wehleidigkeit. aus genau diesem grund funktioniert die partei (noch). sie funktioniert auch, weil viele wähler schwere humorstörungen haben und die partei (allen ernstes) als eine wählbare alternative (und nicht einen bierseligen männerwitz) wahrnehmen. viele nehmen die witze, die satire der partei so ernst, dass sie ihr nicht nur aufmerksamkeit schenken wollen, sondern sogar eine stimme bei der bundestagswahl.
der witz ist: wer die partei wählt (oder mit heiligem ernst bekämpft) ist das eigentliche ziel (und opfer) ihrer satire.