mast­o­don

felix schwenzel in artikel

bei hei­ko, wahr­schein­lich beim rum­kli­cken in sei­nem auf kir­by mi­grier­ten blog, hab ich vor ein paar ta­gen die­sen al­ten tweet trööt von sa­scha lob ge­fun­den.

(via)

ich fin­de nach drei jah­ren kann man sa­schas aus­sa­ge noch­mal eva­lu­ie­ren. im gros­sen und gan­zen gilt sa­schas aus­sa­ge wohl noch. mast­o­don scheint twit­ters platz we­der ein­ge­nom­men zu ha­ben, noch auf dem weg da­hin zu sein. an­de­rer­seits kann man aber auch sa­gen, dass „x“ eben­so we­nig twit­ters platz ein­ge­nom­men hat — und th­reads und blues­ky auch nicht.

mei­ne ver­mu­tung ist, dass kei­ne platt­form, oder kein so­zia­les netz­werk, je­mals wie­der die glo­ba­le öf­fent­lich­keit her­stel­len wird, die twit­ter ein­mal her­ge­stellt ha­ben mag. ganz ähn­lich wie es wahr­schein­lich nie wie­der eine sen­dung ge­ben wird, die an ei­nem abend 18 mil­lio­nen men­schen in DACH vor dem bild­schirm ver­sam­melt, wie es 1999 noch wet­ten, dass…? konn­te.

auch wenn die er­folg­reicchs­ten vi­de­os, zum bei­spiel von kurz­ge­sagt, zwi­schen 20 und 30 mil­lio­nen views auf you­tube er­rei­chen, ist das un­term strich wohl nicht ver­gleich­bar mit der reich­wei­te und durch­schlags­kraft von fern­seh­sen­dun­gen in der gu­ten al­ten fern­seh­zeit.

jetzt könn­te ich sa­gen: mast­o­don ist eben nicht ver­gleich­bar mit twit­ter oder al­les ist eben an­ders, oder wie sa­scha es vor 3 jah­ren sag­te: „So­cial Net­works müs­sen sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckeln“ und ent­wi­ckeln sich eben stän­dig wei­ter. in­sta­gram ist nicht mehr das in­sta­gram das es vor 10 jah­ren war, x ist kein twit­ter mehr und wer nutzt ei­gent­lich noch face­book?

der witz ist al­ler­dings, mast­o­don hat für mich den platz von twit­ter über­nom­men. ich nut­ze mast­o­don ge­nau so, wie ich vor ein paar jah­ren twit­ter ge­nutzt habe.

ich lese ge­le­gent­lich in mei­ner time­line, aber nicht öf­ter als ein, zwei­mal täg­lich. mei­ne „öf­fent­lich­keit“ fand nie in der twit­ter-time­line statt, ge­nau­so wie sie jetzt nicht in der mast­o­don-time­line statt­fin­det. mei­ne öf­fent­lich­keit habe ich mir selbst in mei­nem RSS-rea­der zu­sam­men­ku­ra­tiert. ge­le­gent­lich scrol­le ich auch län­ger in mei­ner mast­o­don-time­line und ich freue mich, wenn ich in­ter­es­san­tes ent­de­cke, aber das sind dann eben zu­falls­fun­de oder din­ge die auf­schwim­men, die ich auch an­ders­wo ge­fun­den hät­te.

ich pos­te täg­lich ein, zwei mal auf mast­o­don, meis­ten din­ge die ich vor­her ins blog ge­schrie­ben habe, oft fo­tos. ge­le­gent­lich ent­wi­ckeln sich um ein­zel­ne post von mir kon­ver­sa­tio­nen und ich gebe mir mühe auf ant­wor­ten oder kom­men­ta­re zu re­agie­ren.

na­tür­lich nut­ze ich mast­o­don auch in der hoff­nung öf­fent­lich­keit, auf­merk­sam­keit für mei­ne bei­trä­ge her­zu­stel­len. al­ler­dings weiss ich auch, dass das eher sel­ten funk­tio­niert, so wie das frü­her auch auf twit­ter war. hier mal ein like, mit et­was glück mal ein boost. manch­mal tref­fe ich ei­nen nerv und bei­trä­ge mul­ti­pli­zie­ren (boos­ten, ret­wee­ten) sich et­was wei­ter. auch das war auf twit­ter nicht an­ders.

viel­leicht kann man das am bes­ten mit ei­nem bild be­schrei­ben, was twit­ter für mich war und mast­o­don für mich heu­te ist: schauf­nes­ter in ei­ner ein­kaufs­stras­se. ich gehe nicht stän­dig ein­kau­fen, aber wenn ich ein­kau­fen gehe, schaue ich mir die aus­la­gen an­de­rer an. manch­mal er­hascht eine aus­la­ge mei­ne auf­merk­sam­keit und ich blei­be ste­hen. viel­leicht ma­che ich ein foto, viel­leicht gehe ich in den la­den und rede mit den in­ha­bern des schau­fens­ters. meis­ten lauf ich ein­fach durch oder küm­me­re mich um mein ei­ge­nes schau­fens­ter. ich geb mir mühe selbst eine schö­ne aus­la­ge zu ha­ben, aber ich weiss, dass die meis­ten an mei­ner aus­la­ge vor­bei­ge­hen — so wie ich es bei an­de­ren tue. umso er­freu­ter bin ich, wenn ge­le­gent­lich ein paar leu­te vor mei­ner aus­la­ge ste­hen­blei­ben oder so­gar an­de­re leu­te her­bei­ru­fen. ge­le­gent­lich pas­siert das und wenn es mal in­ter­es­se an mei­nem la­den gibt, gebe ich mir mühe prä­sent zu sein und ge­ge­be­nen­falls fra­gen zu be­ant­wor­ten oder die aus­la­ge zu er­klä­ren.

städ­te än­dern sich stän­dig, ge­nau wie so­zia­le netz­wer­ke. das muss auch nicht im­mer eine wei­ter­ent­wick­lung sein, das kann auch eine re­gres­si­on sein. in städ­ten schät­ze ich des­halb auch oft die din­ge, die sich nicht än­dern. knei­pen, re­stau­rants, lä­den, die aus der zeit ge­fal­len sind, seit jahr­zehn­ten un­ver­än­dert.

mast­o­don ist ein biss­chen wie eine alte stamm­knei­pe. die knei­pe muss­te ge­le­gent­lich um­zie­hen, aber das stamm-pu­bli­kum folg­te ihr zu gros­sen tei­len. neue leu­te kom­men jetzt auch wie­der mehr, aber die stim­mung, der vibe ist un­ver­än­dert und ver­traut.

ja mast­o­don ist nach wie vor „fil­ter­bla­sig“ und hy­per­lo­kal. es ist im­mer noch kom­pli­ziert und die be­die­nung er­for­dert eine lern­kur­ve. al­les in selbst­be­die­nung mit furcht­bar kom­pli­zier­ten ap­pa­ra­ten. man kann auch sei­ne ei­ge­nen ap­pa­ra­te mit­brin­gen und ein­stöp­seln. das pu­bli­kum ist ver­traut und grund­sätz­lich sym­pa­thisch. manch­mal rich­tet sich die auf­merk­sam­keit kurz auf ei­nen selbst, meis­tens kann man kom­for­ta­bel in der men­ge ein­fach rum­hän­gen. oder nach hau­se ge­hen.

viel­leicht ist das auch das bes­te an mast­o­don: es ist un­auf­ge­regt, es bie­tet kei­ne gros­se show, es liegt eher ru­hig in ei­ner sei­ten­stras­se. ich weiss ich ver­pas­se nichts, wenn ich zu­hau­se blei­be, aber wenn ich da bin is­ses ver­traut und an­ge­nehm und wenn man hin­schaut pas­siert auch mal was span­nen­des, viel­elicht auch nur in ei­nem klei­nen ne­ben­raum. schrei­häl­se und dep­pen ver­ir­ren sich sel­ten zu mast­o­don, weil es ih­nen zu lang­wei­lig er­scheint und die büh­ne zu klein ist.

und wie so oft hat sa­scha lobo gleich­zei­tig 100% recht und liegt doch ganz leicht da­ne­ben.