messlatte

felix schwenzel, , in artikel    

nachdem ich die nicht ganz billige (inklusive lieferung ca. 110,00 €) nokia-sleep an die beifahrerin weitergegeben hatte, wollte ich mir (endlich) eine zuverlässige schlaferkennung, bzw. einen zuverlässig bett-präsenz-sensor, selbst bauen. in diversen foren las ich von leuten, die sich günsige gewichtssensoren unter die vier beine ihres betts montierten und so quasi ihr ganzes bett wogen, um festzustellen, ob es besetzt ist.

mich schreckte der aufwand einer solchgen konstruktion ein bisschen. dafür müssten kabel von über zwei meter länge an allen seiten des betts verlegt werden, eine optisch akzeptable lösung für die bettbeine gefunden werden und eine lösung, mit der man das bett noch bewegen könnte, ohne die sensoren zu verlieren oder neu kalibrieren müsste. meine idee war die gewichtssensoren einfach auf eine zusätzle lattenrostlatte zu montieren. damit konnte ich zwar nicht mehr mein gewicht im schlaf messen, aber, so glaubte ich, zumindest zuverlässig erkennen, ob ich im bett liege oder nicht.

die sensoren, die ich mir in china kaufte (drei euro für vier stück) dürfen nicht plan aufliegen, sondern ihr mittelteil muss sich frei bewegen können. um sie auf eine latte zu montieren, mussen sie entweder in halteschalen liegen, oder über einem entsprechenden loch. statt drei-d-zu-drucken oder zu fräsen, habe ich einfach meine stecheisen ausgemotttet und eine span-latte, die früher als transportsicherung für ikea-küchen-fussleisten genutzt wurde, entsprechend malträtiert.

messlatte mit angezeichneten sensoren
messlatte mit sensoren löchern
messlatte mit sensoren

um die sensoren zu halten und das gewicht der matraze auf beide sensoren zu verteilen, habe ich eine weitere latte oben aufgeschraubt. die steht zwar leicht über (die spanlatte hat zufällig die gleiche höhe wie die regulären latten des lattenrost), aber das wird von der matraze aufgefangen und ist nicht zu bemerken.

messlatte
messlatte

die sensoren werden in der regel, zum beispiel in körperwaagen, zu viert verbaut. um ordentliche messwerte zu bekommen, wird meist eine sehr günstige platine mit einem verstärker genutzt, ein HX711-modul, in deutsch auch „wägezellenverstärker“ genannt. ich habe mir das teil von sparkfun gekauft (ca. 10 euro), die module gibt es aber auch sehr viel günstiger in china (ab 60 cent).

um die drei kabel der einzelnen sensoren zu verschalten gibt es unzählige schaltbilder im netz, für lediglich zwei sensoren musste ich ein bisschen suchen. dave x hat das auf stackexchange sehr schön dokumentiert. die HX711-modul-eingänge sind in der regel mit E+, E-, A+, A-, B+ und B- beschriftet. dafür lautet das anschlussschema dann:

   HX711.E+ : Cell1.White + Cell2.Black
   HX711.E- : Cell1.Black + Cell2.White
   HX711.A+ : Cell1.Red
   Hx711.A- : Cell2.Red

das sparkfun-HX711-modul ist allerdings mit RED, BLK, WHT, GRN und YLW beschriftet, die zuordnung lautet entsprechend:

   E+ RED
   E- BLK
   A- WHT
   A+ GRN

so habe ich die kabel der wägezellen dann auch angelötet.

messlattenelektronik (HX711 und esp8266)

vom wägezellenverstärker geht es dann zu einem microcontroller, der die messwerte auswertet und an die heimautomatisiewrungszentrale sendet, in meinem fall homeassistant. auch hierfür gibt es ein paar bibliotheken (eins, zwei, etc.), aber ich wollte gerne ESPeasy nutzen, weils so einfach ist. im aktuellen mega-pre-release-entwicklungsstrang, gibt es ein experiementelles modul für die HX711-unterstützung. um das zu nutzen, habe ich mir das aktuelle mega-pre-release von der ESPeasy-releaseseite auf github runtergeladen. im realease-zip findet sich ein vorkompiliertes firmware-image für den esp8266, in meinem fall ESP_Easy_mega-20180421_test_ESP8266_4096.bin, das ich einfach per komandozeile und esptool auf einen esp8266 geflasht habe (hier gibt’s weitere flashanleitungen):

./esptool -vv -cd nodemcu -cb 115200 -bz 4M -cp /dev/cu.wchusbserial1460 -ca 0x00000 -cf ESP_Easy_mega-20180421_test_ESP8266_4096.bin

mit ESPeasy ist die weitere konfiguration dann wirklich einfach: vom HX711-modul habe ich die DAT- und CLK-ausgänge mit den pins D4 (DOUT=DAT) und D5 (SCL=CLK) verbunden (VDD und VCC mit dem 5-volt- und GND mit dem masse-anschluss) — fertig:

ESPeasy konfiguration

damit sendet der esp8266 das gemessene gewicht alle zwei sekunden per mqtt. die formel ((%value%+135750)*-1)/20 kalibriert das gewicht auf ungefähr null kilogram. um die kalibirierungswerte rauszubekommen, habe ich die messlatte mit 1-kg-mehl- oder zucker-paketen belastet, mir die werte notiert, mich gewundet, wie genau die konstuktion misst und dann die formel oben ausgerechnet. je nach verwendeten modulen wird das wohl anders aussehen.

zusätzlich zu den wägezellen, habe ich in der messlatte auch noch einen RCWL-0516-radar-bewegungssensor und einen DHT-22 temperatur und feuchtemesser (in matrazennähe) eingebaut. wirklich nötig ist das aber natürlich nicht, wobei der DHT tatsächlich durch die matraze nach einer ca. 30 minütigen latenzzeit präsenz durch erhöhte feuchtigkeit misst. die temperatur-werte sind durch die matraze nicht wirklich verwertbar. den bewegungssensor nutze ich eigentlich um bewegungen im raum zu erfassen, aber natürlich erfasst er auch bewegungen im bett. allerdings, im gegenteil zu den wägezellen, auch die bewegungen im nebenbett.

die montage im bett ist einfach, wenn die messlatte die gleiche länge wie die übrigen latten hat und schmal genug ist, um zwischen die vorhandenen latten zu passen.

messlatte montiert

die messwerte der wägezellen sind erstaunlich genau. so bin ich (offensichtlich) gestern um kurz nach elf ins bett gegangen und nach wenigen minuten eingeschlafen (letzte bewegung um 23:22 uhr). nach dem einschlafen habe ich mich eine halbe stunde nicht bewegt, zwischen mitternacht und ein uhr war der schlaf dann etwas unruhiger, bis kurz vor zwei wurde es dann wieder etwas ruhiger, ab drei wurde mein schlaf offenbar immer leichter und um vier bin ich aufgewacht und aufgestanden. um viertel nach fünf hab ich mich dann wieder hingelegt, 20 minuten gelesen und habe dann nochmal zweieinhalb stunden anständig geschlafen.

messwerte der messlatte in grafana

* * *

weil die messwerte natürlich ständig fluktuieren, runde ich die messwerte im homeassistant auf ganze kilowerte. damit ist die messkurve, wie oben zu sehen, relativ stabil.


sensor:
  - platform: mqtt
    state_topic: "bett/weight/Weight"
    name: "bett gewicht"
    value_template: "{{ (value | float /1000) | round(0) }}"
    qos: 0
    unit_of_measurement: "kg"
    availability_topic: "bett/status/LWT"
    payload_available: "Connected"
    payload_not_available: "Connection Lost"

für die präsenzerkennung nutze ich einen binär-sensor, mit dem ich automatisierungen fürs licht steuern kann, obwohl die messwerte stabil genug sind um für automatisierungen auch direkt den messwert zu nutzen:


- platform: template
sensors:
bett_ix_besetzt:
friendly_name: "Bett ix (Messlatte)"
device_class: occupancy
entity_id: sensor.bett_gewicht
delay_on:
seconds: 5
delay_off:
seconds: 6
value_template: >-
{% if not is_state("sensor.bett_gewicht", "") %}
{{ states.sensor.bett_gewicht.state|float > 10 }}
{% else %}
False
{% endif %}

meine lieblingsautomatisierung ist derzeit, wenn der sensor für mehr als 10 sekunden einen wert grösser als 30 kilogramm misst, also die beifahrerin offenbar auf meine seite rübergerollt ist, dass dann für 10 sekunden serge gainsburgs je t’aime erklingt. ich finde das sehr witzig, die beifahrerin mittlerweile auch (ein bisschen).

gekostet hat der spass signifikant weniger als das nokia-sleep-dings für etwas über 100 euro. hier lagen die materialkosten eher so bei 20 euro.

einkaufsliste:

  • esp8266 (3-8 euro)
  • HX711 (1-10 euro)
  • wägezellen (3 euro)
  • [RCWL-0516 (1 euro)]
  • [DHT-22 (3 euro)]

nokia sleep

felix schwenzel, , in artikel    

ich habe bisher meinen schlaf mit der apple watch in kombination mit der autosleep-app getrackt. das funktioniert ganz gut, obwohl ich die uhr nachts meistens nicht trage (sondern lade). durch die kombination mit der iphone app weiss autosleep, dass ich wach bin, solange, oder sobald, sich mein iphone bewegt. trägt man die uhr, trackt autosleep auch die schlafherzfrequenz oder schlaftiefe.

vor ein paar wochen hörte ich, dass nokias neuer schlaftracker nokia sleep vorbestellbar sei und mitte april lieferbar sei. mitte april kam das teil dann unter meine matraze, um zu sehen, ob das versprechen nokias erfüllbar ist, dass das teil nicht nur die zeit, die ich im bett bin und schlafe misst, sondern auch die schlaftiefe, meine herzfrequenz und schnarchintervalle.

tatsächlich schien das nokia-sleep-teil das ganz gut hinzubekommen. die auswertung meiner nächtlichen herzfrequenz sah schlüssig aus, der vergleich mit den werten der apple watch zeigte, dass die messung mindestens so akkurat ist, wie die der apple watch. auch die auswertung der schlafftiefe, bestätigte die selbsteinschätzung meines schlafverhaltens. ich schlafe, im vergleich zur beifahrerin, relativ wenig, früher reichten mir unter der woche sechs stunden, mittlerweile reichen mir auch fünfeinhalb oder fünf stunden (am wochenende schlaf ich gerne zusatzlich tagsüber ein oder zwei stunden). meine vermutung war schon länger, dass ich meine erholsamen tiefschlafphasen relativ früh in der nacht, also nach dem einschlafen erledige und so auch bei frühmen aufstehen ziemlich erholt bin. andere, die ihre tefschlafphasen erst später in der nacht haben, tun sich mit frühaufstehen deshalb ein bisschen schwerer.

die auswertung der nokia-sleep-app meckerte zwar über meine niedrige gesamtschlafzeit, attestierte mir aber lange tiefschlafphasen, in der nacht von 20. april, trotz lediglich 5 stunden schlafzeit, immerhin fast 3 stunden tiefschlaf und mehr als eine stunde REM-schlaf.

zwei tage meiner schlafanalyse
zwei tage meiner schlafanalyse

nach zwei wochen habe ich die nokia-sleep-matte unter die matraze der beifahrerin geschoben und konnt bei ihr das gegenteil beobachten. ihre knapp acht stunden schlaf bestanden am 5. mai aus viereinhalb stunden unruhigem, leichten schlaf und nur drei stunden erholungsschlaf (tief und REM).

zwei tage schlafanalyse der beifahrerin
zwei tage schlafanalyse der beifahrerin

nach meiner beobachtung ist REM-schlaf-phasenerkennung nicht ganz akkurat. zumindest wenn ich morgens aus träumen aufwachte, was man ja vor allem in REM-phasen tut, sah mich nokia eher in tief- oder leichtschlaf. die beobachtungen der beifahrerin zeigen das gleiche.

* * *

einer der gründe mir das nicht ganz günstige (110,00 €) nokia-sleep-teil zu kaufen, war etwas was mir bei autosleep fehlte: die anbindung an meine hausautomatisierung.

es gibt keinen weg die daten aus der apple watch oder aus autosleep auszulesen oder auslöser für aktionen zu definieren. die nokia sleep kommt mit einer anbindung an den automatisierungsdienst ifttt. ifttt mag ich eigentlich nur so mittel, einerseits weil die reaktionszeiten von ifttt aus erfahrung eher bescheiden sind und weil ich mich bei hausautomatisierung eher ungerne auf daten aus der cloud verlasse (measure local, act local).

grundsätzlich halten sich meine bedenken, vitaldaten in der cloud zu speichern in grenzen. auf apple-servern dürfte sich da seit jahren einiges angesammelt haben. jetzt liegen vitaldaten von mir (und der beifahrerin) eben auch bei nokia, nachdem ich meine vitaldaten auch dem mittlerweile insolvent gegangenen sen.se für eine weile über deren schlafnuss (sleep-peanut) zugeführt habe. jetzt pumpt eben die (der) nokia-sleep diese daten in die nokia-cloud. was mich am cloud-gedöns eher nervt ist die (oft fehlende) zugänglichkeit der daten. ich möchte die auch selbst auswerten können und in echtzeit darauf zugreifen.

bevor ich mir die nokia sleep gekauft habe, hab ich mir die API von nokia-health angeschaut und das sah eigentlich ganz gut aus. theoretisch gibt es zugriff per API auf alle daten in der cloud, gesichert über oauth2 und token-basierte requests. das sieht in meiner mittelkompetenten einschätzung seriös und ausreichend sicher aus, aber eben auch kompliziert. was gut für die sicherheit und schwierig für die selbstauswertung ist.

da das einzig relevante datum für die heimautomatisierung aber ohnehin der zeitpunkt wann man sich ins bett legt und aufsteht ist, entschied ich mich für den ifttt-weg, statt selbst eine API-anbindung zu basteln (diektzugriff auf das per wlan im heimnetze eingebundene nokia health scheint nicht möglich, das teil scheint keine offenen ports zu haben). ifttt sendet meiner heimautomatisierungszentrale homeassistant eine nachricht, wenn ich mich ins bett lege und wenn ich aufstehe. das funktioniert erstaunlich gut und für ifttt-verhältnisse auch ganz flott. sobald ich 30-60 sekunden im bett liege, schlägt der auslöser bei mir auf. beim aufstehen dauerts gerade mal 2-3 sekunden. das ergebnis ist befriedigend: restlichter im schlafzimmer oder der wohnung kann ich so ausschalten (lassen) sobald ich im bett bin oder wenn ich tagsüber im bett liege, bestimmte mitteilungen an mein handy unterdrücken. weil die daten zuverlässig und zeitnah sind, könnte ich auch einen alarm scharf schalten (hätten wir einen) oder bewegungsmelder oder telefone stummschalten. sobald ich aufstehe, sind die bewegungsmelder wieder aktiv und abhängig von der zeit oder dem schlafzustand der mitbewohner liessen sich vorhänge öffnen. diese präzise und relativ zeitnahe bett-präsenz-erkennung für die heimautomatisierung war, wie gesagt, der hauptgrund mir den (die) nokia-sleep zu kaufen.

vorher hat das zwar auch ganz gut funktioniert, indem ich verschiedene sensordaten über bayesische wahrscheinlichkeitsrechnung zusammenführte (zeit, helligkeit, bewegungsmelderdaten, status meines laptops, an der steckdose gemssener ladestrom der apple watch, co2-gehalt der luft). diese bayesische sensor blieb aber, trotz ständiger optimierung leider eher unscharf, mit zu vielen falschen positiven. in sachen bett-präsenz-erkennung bin ich mit dem nokia-sleep hochzufrieden.

auch die nokia health mate app, bzw. deren schlafauswertung wirkt positiv. die sen.se-app, die die daten die meiner schlafnuss in die cloud pumpte, nervte bereits nach ein paar tagen und wirkte wie unseröser und unzuverlässiger hokus-pokus. dagegen scheint mir die health-mate-auswertung und usability um welten besser. die daten stehen nach dem aufstehen sofort zur verfügung (sen.se rechnete daran teilweise stundenlang rum) und daten sind übersichtlich und schlüssig dargestellt. sogar mit meinen mittagsschläfen kommt die auswertung zurecht und markiert sie als „siestas“. für alle daten (schlaftiefe, einschlafdauer, aufwachdauer, herzfrequenz, etc.) gibt es detailansichten, die angebliche schnarchdauer wird allerdings n ur aggregiert dargestellt.

die c’t kommt in ihrer aktuellen ausgabe zu ähnlichen testergebnissen wie ich, was die zuverlässigkeit der auswertung und ifttt-anbindung anbelangt. ich habe aber auch von mindestens zwei leuten gehört, bei denen die auswertung kompletten quatsch lieferte (30 minuten schlafdauer). ich vermute hier probleme mit der kalibrierung, entweder wegen der matrazen-dicke oder der form des lattenrosts.

weil ich die (das?) nokia-sleep an die beifahrerin weitergegeben habe (als eins der vielen geburtstagsgeschenke, über das sie sich nicht sonderlich freute), habe ich mir ein nokia-sleep selbst gebastelt, für 10 euro, statt 100. (artikel dazu folgt)

walking out of confronting the future

felix schwenzel, , in notiert    

der tagesspiegel-verlag hat irgendwas für mich übrig. ich bekomme jede ausgabe des tagesspiegel-berliner-magazins vorab zugeschickt, ich bekomme einladungen zu tagesspiegel-berliner-launch-parties und zu tagesspiegel-veranstaltungen. jetzt bereits zweimal für die tagesspiegel-diskussions-veranstaltung confronting the future.

heute war das thema „Company Campus vs. Cloudworking – Wie verbinden wir Leben und Arbeiten?“, was ja theoretisch nicht das schlechteste thema ist und vom moderator andreas kluth in seiner (sehr gut vorbereitete) anmoderation auch erfreulich breit aufgespannt wurde. leider war diese anmoderation von kluth auch schon das beste an der veranstaltung. auf ihn folgte eine 15 minutige marketing-präsentation der firma wework, vertreten durch ihren „General Manager Nordeuropa“ wybo wijnbergen. was bei mir nach diesen 15 minuten hängen blieb war, das wework ordentlich expandiert, ziemlich geil ist und leuten eine „experience“ vermittelt, nicht nur einen ort zum (zusammen) arbeiten. ausserdem postulierte er, dass menschen sich lieber in „echt“ treffen und zusammenarbeiten und implizierte, dass dieses online-gedöns an bildschirmen irgendwie nicht so knorke sei. ich fand das marketing-geseiere unangenehm und die fotos die wijnbergen von den wework-coworking-spaces zeigte uneinladend. was mich selbst verwunderte, weil ich die idee von gemeinsamen arbeiten in relativ günstigen gemeinschaftsbüros eigentlich ziemlich super finde. aber bis auf „erlebnis“, „inspiration“ oder wework-expansion, lieferte wijnbergen keine argumente — und thesen, die zur diskussion taugten schon gar nicht.

danach moderierte andreas kluth karim el-ishmawi an, sehr vielversprechend als ehemaligen organisator von „illegalen parties“ in leerstehenden immobilien und geschäftsführer von kinzo architekten. el-ishmawi schaffte es auch nicht diksussionswürdige thesen rüberzubringen, was aber auch daran liegen konnte, dass er heftig mit der englischen sprache kämpfte, in der die veranstaltung abgehalten wurde. ganz grässlich auch seine präsentationsfolien, die er während seiner 15 minuten durchklickerte. die auf den folien zu sehenden, von kinzo gestalteten büroräume waren bunt, aber kalt und sahen aus wie entwurfszeichnungen die durch einen raytracer gejagt wurden um sie fotorealistisch zu machen. dazu eine schreckliche typografie, die man auch auf der kinzo-website bewundern kann (eine viel zu enggesetzte und abgemagerte apercu light).

als andreas kluth feststellte, dass er jetzt als moderator ein problem habe, weil die beiden diskutanten keinen gegensätzlichen meinungen erkennen liessen, bin ich aufgestanden und nach hause gegangen, auch weil mir die phantasie fehlte, mir vorzustellen wie hier aus zwei luftleeren impulsen noch eine spannende diskussion entstehen hätte könnte. die diskrepanz zwischen meinen erwartungen und dem in 40 minuten geliefertem input war einfach zu gross.

die schuhe von andreas kluth, karim el-ishmawi und wybo wijnbergen
die schuhe von andreas kluth, karim el-ishmawi und wybo wijnbergen

was ich gut fand: die biker-stiefel von andreas kluth.
auch gut: die freundliche grüssdame mit dem gelben sonnenschirm, die am (schwer erkennbaren) eingang stand und mich nicht nur beim kommen überaus freundlich begrüsste, sondern auch beim gehen. wenn ichs genau betrachte, war sie sogar die einzige die mich freundlich grüsste, der rest der veranstaltungsmenschen schaffte es gerade mal so höflich zu sein.

unangenehm fand ich auch den raum, den der tagesspiegel-verlag den immobilien-menschen einräumte, denen der veranstaltungsraum gehört (bzw. den sie mitsamt den anliegenden grundstücken „entwickeln“). schon klar, die ermöglichen mit ihrer unterstützung die veranstaltungsreihe und dafür dürfen sie ja auch auf der veranstaltungsseite ihre logos hinpappen. zusätzlich nutzten sie ihre redezeit auf der bühne, um darauf hinzuweisen dass sie nicht nur wohnungen bauen wollen, sondern auch „kultur“ und „diskurs“ fördern wollen. also unterstützen sie eben solche veranstaltungen und künstler, die den maroden bau dekorieren dürfen. die alibifunktion die die zahlreichenm, aufgehängten arbeiten der künstler ausströmten, vergällte mir völlig den zugang zu ebendiesen. kunst, die primär der dekoration von profitinteressen und immobilienentwicklung dient, riecht irgendwie komisch.

andererseits; solange noch gebaut wird und der veranstaltungsort („kornversuchsspeicher“) marode dasteht, sind künstler und journalisten immerhin noch willkommen. das ändert sich dann spätestens, wenn die wohnungen und büroräume fertig „entwickelt“ sind, dann werden sie uninteressant, weil ihre gedbeutel zu prekär sind.

dem tagespiegel-verlag scheint das laute schulterklopfen der imombilien-menschen auch ein bisschen unangenehm zu sein, denn weder in seiner twitter-berichterstattung, noch auf der veranstaltungswebsite wird auf die redebeiträge und das „engagement“ der immobilen-menschen hingewiesen. vornehmes schweigen, statt kontroverser, interessanter diskussion. konfrontation ist zwar das motto der veranstaltung, aber motti sind ja ohnehin egal.

mast mit überwachungskameras, der ehemalige kornversuchsspeicher und ein kran
mast mit überwachungskameras, der ehemalige kornversuchsspeicher und ein kran

witzig auch: vor zwei wochen lautete das diskussionsthema: „Freiheit vs. Sicherheit – Macht Videoüberwachung unsere Städte sicherer?“ eine der antworten lieferte sicher auch der veranstaltungsort selbst, an dessen eingang gleich drei überwachungskameras an einem mast aufgehängt waren (vermutlich noch ein paar mehr in der umgebung, damit prekär lebende menschen nachts nicht auf die idee kommen, die gut ausgestattete bar zu leeren.

aber abgesehen davon: das bier war gut und das wetter, das sich während der veranstaltung und auf meinem heimweg (zu fuss) zusammenbraute auch.

mein lieblingswetter

mein vortrag auf der #rp18

felix schwenzel, , in notiert    

… ist bisher nur in der live-strream-aufzeichnung auf youtube zu sehen, ab ungefähr sekunde 27268 und hier als einzelfilm. danke gregor fischer/re:publica für dieses (CC BY-SA 2.0) sehr vorteilhafte bild.

42. warum wir nach fragen, nicht nur nach antworten suchen müssen

auch wenn katrin passig meine präsentation (glaube ich) ganz gut fand, hat sie die aufzeichnungs-regie ein bisschen überfordert. ein paar meiner eingebauten wort-bild-dissonanz-effekte sind deshalb in der aufzeichnung verloren gegangen, aber das sind sie wohl auch zum teil im saal, wohl auch, weil sie teilweise etwas zu dick aufgetragen waren oder einfach nicht so super waren.

die abschrift folgt weiter unten, hier, eingebettet, die 30-minuten version.

youtube-video
youtube

abschrift lesen …

gurkensalat

felix schwenzel, in gekocht    

den gurkensalat von ottolenghi mit mohn haben wir jetzt schon ein paar mal gemacht und für sehr gut befunden. einmal ist er ein bisschen in die hose gegangen, zu ostern, bei meinen eltern. da konnten wir nur normale chilis auftreiben, was den salat aber ungeniessbar macht, da gehören milde chilis rein. frau lehmann hat das rezept aus ottolenghis buch abgeschrieben, sehr praktisch.

gurkensalat mit mohn und fleisch

wichtig sind aber nicht nur milde chilis, sondern auch milder essig, von dem relativ viel im rezept angegeben ist. mit normalem sherry-essig, den wir exra füpr dieses rezept gekauft haben, wird’s zu sauer. der (weisse) balsam essig von lidl gestern abend tat dem salat sehr gut.

automatischer vorhang

felix schwenzel, , in artikel    

einkäufe bei aliexpress, also direkt in china, sind eigentlich gar nicht aufregend. dieses mal war ich aber ziemlich aufgeregt. ich habe zum ersten mal etwas bestellt was teurer als 15 euro war, nämlich einen gardinenmotor. ich kann mich zwar nicht erinnern, jemals mit einer aliexpress-bestellung oder lieferung unzufrieden gewesen sein, aber diese bestellung hatte das potenzial dass einiges schief hätte laufen können, hat die laufschiene die richtge länge? funktioniert der motor mit 230 volt? kommt es heile an, ist es zu laut, kommt es durch den zoll?

um es vorwegzunehmen; die aufregung war unnötig, die lieferung hat wunderbar geklappt, der motor funktioniert wie erwartet, die schiene passt, alles liess sich an einem abend montieren.

hier erzähle ich im detail, wie ich die schiene bestellt habe, warum ich jetzt eine eori-nummer habe und wie sich der neue vorhang in meine haussteuerung einbinden liess.

die auswahl bei aliexpress an motorisierten gardinen ist riesig. bei amazon findet man auch ein paar angebote und ein paar deutschsprachige angebote habe ich auch gefunden. hier rangierten die preise für 3,50 meter länge von 480 bis 1100 euro, bei aliexpress war der preisbereich zwischen 120 und 300 euro. die motoren von dooya machten einen guten eindruck und schienen ein etabliertes produkt zu sein, das auch in europa unter verschiedenen markennamen (gowe, somfy) verkauft wird. der dt52e-motor schien mir die richtigen features zu haben, einen 433 MHZ funkempfänger, autokalibrierung und ein „light touch“ feature, mit dem man den vorhang durch leichten zug öffnen oder schliessen kann.

ich entschied mich am ende für dieses angebot, bei dem der preis für 3,50 meter länge allerdings nicht ganz klar war. also bat ich den händler per chat um ein angebot. das angebot was mir zhiwei ren machte hörte sich gut an:

Hello
friend
Your package includes a 3.49-meter curtain track, a DT52E curtain track motor for $ 155 USD to ship your package via Hong Kong Federation IE

ungefähr 130 euro, inklusive versand fand ich super. für die bezahlung schickte mir der händler einen anderen link, wo das produkt mit versand etwas teurer war, ich solle aber dort bestellen und dann die zahlung zurückhalten. nachdem ich dem händler die bestellnummer durchgab, senkte er den preis auf 155 dollar und ich bezahlte.

ein paar stunden später war ich dann fast wieder so weit, die bestellung zu canceln, der händler wollte eine eori-nummer von mir haben. eine kurz-recherche im netz ergab, das ist eine internationale zoll-nummer, mit der importeure die zollabfertigung vereinfachen können. das netz und die zoll-FAQs sagten, dass privatpersonen die eigentlich nicht benötigten. der händler meinte aber, dass er den versand ohne diese nummer nicht einleiten könne. nach einer eori-nummer hatte mich bisher noch nie ein aliexpress-händler gefragt, also musste ich mich wohl ins behörden-deutsch einlesen. tatsächlich war das aber relativ einfach und auch für privatpersonen möglich. der zoll erklärt:

Als förmlicher Antrag ist der Internetbeteiligtenantrag (IBA) oder das Formular 0870 "Beteiligte - Stammdaten - EORI-Nummer" zu verwenden. Dieser Antrag ist rechtsverbindlich zu unterschreiben und mit den erforderlichen Unterlagen per E-Mail (als PDF-Dokument), schriftlich oder per Fax der GZD - DO Dresden - Stammdatenmanagement zu übersenden.

auf deutsch heisst das alle pflichtfelder dieses formulars auszufüllen und den unterschriebenen ausdruck an den zoll zu faxen. das habe ich gemacht und bekam 5 tage später tatsächlich einen brief (per post) vom zoll mit meiner eori-nummer.

nachdem ich dem aliexpress-händler die eori-nummer schickte, konnte der die lieferung mit fedex klarmachen („Hong Kong Federation IE“ ist fedex, wusste ich auch nicht). das war insofern toll, weil ich jetzt die erste aliexpress-bestellung hatte, bei der ich den exakten verlauf des pakets verfolgen konnte. nach zwischenstops in hong-kong, neu dehli, dubai und paris, lag das paket dann ein wochenende im kölner luftfrachtflughafen und kam am montag zu mir ins büro.

durch die zollabfertigung kam es ohne zollgebühren, weil der händler den warenwert (ungefragt) mit 30 euro angegeben hatte.

* * *

die gardinenschiene war vormontiert, allerdings für den transport in 1 meter lange stücke zerschnitten. mit ein paar montageplatten liess sich die schiene wieder zusammensetzen.

einzelteile des automatischen vorhangs
mechanik des automatischen vorhangs

der transportgurt war auf die richtige länge vorgeschnitten, die rollen waren an der richtigen stelle, ich musste nur noch den zweiten transportwagen mit ein paar schrauben und halteplatten fixieren. und auch die länge der schiene war genauso wie bestellt und passte zwischen die wände. puh. der rest der montage war dann klassische wandmontage: anzeichnen, bohren dübeln, schrauben. nach ein paar stunden hing die stange.

schiene des automatischen vorhangs

der motor kam leider ohne fernbedienung. aber der witz mit dem vorhang, wie mit allen anderen haushaltsgeräten, ist ja nicht, dass er fernbedienbar ist, sondern dass ich ihn automatisieren kann, bzw. irgendwie in meine heimsteuerungszentrale homeassistant bekomme. dort kann ich regeln für den vorhang definieren, die dann, je nach komplkexität, auch ansatzweise intelligent wirken. zum beispiel öffnen und schliessen nach tageslichtbedingungen, wenn niemand da ist, bzw. keine gäste oder das kind nicht zu besuch ist. oder die überbrückung vom homeassistant in die home-app von apple, damit ich, beispielsweise, auf dem klo sitzend meiner uhr sagen kann: „vorhang schliessen“.

jedenfalls war die steuerung des motors dank meines in homeassistant angebundenen 433 MHZ senders/empfängers kein problem. in diesem diskussionsstrang hatte ich mich bereits vorab eingelesen und auch die rfxtrx-anleitung verliert worte dazu. einfach einen code ausdenken, motor darauf trainieren, fertig. ein bisschen komplizierter wird’s nur deshalb, weil man zum trainieren den rfxtrx eigenen manager, ein windows-programm wie aus den 80ern, nutzen muss. aber dank virtual box geht das heutzutage ja auch mal eben.

die einbindung in homeassistant und homebridge ist eigentlich trivial, aber dann im detail doch nochmal ein bisschen kompliziert. der vorhang versteht nur drei befehle, öffnen, schliessen, stoppen. feedback zur position liefert er nicht, auch nicht wenn er manuell bewegt wird (man kann den vorhang auch durch leichtes zerren am vorhang öffnen oder schliessen; das startet den motor). die home-app von apple möchte aber einen rückgabewert des öffnungszustands haben. weil der vorhang sich mit 20 cm pro sekunde bewegt, lässt sich die position aber leicht ausrechnen und als fake-sensor einbinden.

* * *

ich bin sehr angetan von diesem motorisierten vorhang. die beifahrerin nur so mittel, sie findet die schiene eher hässlich. und die öffnung zu den seiten unpraktisch, weil ein kleiner teil des rechten, geöffneten vorhangs noch das fenster verdeckt. da werde ich irgendwann nochmal eine baustelle aufmachen müssen, die schiene mit einer blende verstecken, in der sich eventuell auch eine beleuchtung untzerbringen liesse und die öffnungsgeometrie von links/recht zur mitte ändern in links/mitte nach rechts. die mechanik der schiene müsste das hergeben, ich glaube das lässt sich umbauen.

die grundidee, nicht mehr morgens und abends an zwei tüchern die vor dem fenster hängen selbst ziehen zu müssen, ist grossartig. dass sich die vorhänge zur strassenseite hin auch bei abwesenheit öffnen und schliessen lassen ist balsam auf die leicht paranoide seele der beifahrerin und tut den pflanzen im kinderzimmer auch gut. das handling des vorhangs auch mit konsvervativen methoden (zerren) entspricht meiner lieblingsphilosophie beim heimautomatisieren: optimalerweise sollte alles so funktionieren wie vorher, plus passgenaue automatisierung wo es sinnvoll ist — und bei internet- oder stromausfall sollte möglichst viel weiter funktionieren.

der chinesische händler war zwar der meinung, dass zu meiner bestellung keine fernbedienung gehörte, entscheid sich aber, nachdem ich ihn auf unsere chatprotokolle hinwies, in denen ich den eindruck bekommen hatte dass sie dabei sei, für eine nachlieferung. ich kann den händler deshalb vorbehaltslos weiterempfehlen (das ist ein link auf seinen shop), das handling der bestellung, der lieferung und der konfektionierung war tadellos. dass der händler eine eori-nummer haben wollte hat mich kurz echauffiert, aber es zeigte sich, dass es sich lohnte, den die lieferung per fedex war die bisher schnellste und lückenlosest dokumentierte bestellung die ich jemals in china getätigt habe.

die mechanik dser schiene und des antriebs ist ziemlich ausgefeilt und flexibel und soweit ich sehe, kann man die laufrichtungen auch selbst anpassen. der motor ist relativ leise und arbeitet bisher tadellos.nur eins hat mich bei aller ausgefeiltheit der mechanik gewundert: hängt man den vorhang einfach an die laufrollen und lässt ihn motorisiert schliessen, zieht der motor die vorhänge ohne raffung, ohne faltenwurf zu.

automatischer vorhangs ohne raffung

die vorhänge hängen dann wie tücher vorm fenster. das liess sich mit schnürchen, mit denen ich die laufrollen in geringerem abstand zusammenband beseitigen, irritierte mich aber angesichts der ausgefeiltheit der restlichen mechanik.

automatischer vorhangs mit raffung

eventuell lässt sich das auch durch gechicktere befestigung des stoffs beseitigen, aber ins fachgebiet dekoration wollte ich mich nicht auch noch einarbeiten. ich bin auch so sehr, sehr zufrieden.

shakshuka

felix schwenzel, in gekocht    

dieses shakshuka, von peter wagner im spiegel online aufgeschrieben, haben wir jetzt schon zum dritten mal gefrühstückt. sehr sättigend und sehr befriedigend. lässt sich auch super variieren, heute hab ix statt cayennepfeffer zwei milde chilis und statt spitzpaprika normale genommen. schmeckt mit frischen, aber auch mit dosentomaten, macht nicht allzu viel arbeit, braucht eben nur seine zeit in der pfanne.

shakshuka in der pfanne
shakshuka auf dem teller