generation kleingedrucktes

felix schwenzel,    

bei vodafone hat man sich offenbar nico lummas rat zu herzen genommen und versucht jetzt so viele fehler wie möglich zu machen, um daraus irgendwann mal was zu lernen. oder eben auch nicht. ich bin ehrlichgesagt erschüttert wie verlogen und hochmütig man beispielsweise in den letzten tagen im neuen vodafone-blog auf die reaktionen auf die desaströse pressekonferenz („LivePK“) reagiert. zum beispiel dieser unfassbare basta-darüber-wollen-wir-nicht-diskutieren und zwischen-das-familienministerium-und-vodafone-passt-kein-blatt-artikel von alexander panczuk. [nachtrag] udo vetter hat das, wie ich finde, passend kommentiert.

oder diese reaktion von pressprecher thorsten höpken auf die einwände, dass vodafone für die zielgruppe (hochlader!) keine attraktiven tarife bieten würde. er schreibt:

Unser Daten-Tarife deckt derzeit schon eine breite Masse an Nutzungsszenarien ab.

das ist grammatikalisch fragwürdiges marketingsprech für: unser daten-tarif-angebot ist unübersichtlich, hochpreisig und für die meisten nutzer unattraktiv. zwischen den zeilen kann man aber auch herauslesen, das soll vorerst auch so bleiben:

So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 GB Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern. Wir haben uns bewusst nur für eine Bandbreitenreduzierung und nicht für eine Volumen-Beschränkung entschieden, um unseren Kunden die bestmögliche Netzperformance zu einem attraktiven Preis zu ermöglichen.

es hört sich logisch an, dass man kunden, denen man eine daten-„flatrate“ verkauft, diese nach 5GB verbrauch drosselt — zum wohle aller kunden. nur ist die begründung hart an der grenze zur lüge mit integrierter nebelkerze. wie nutzt man denn so eine 5GB datenflatrate? wenn ich per UMTS surfe, kann ich mit voller kraft segeln. sprich, in der zelle in der mein telefon eingeloggt ist, kann ich die volle bandbreite nutzen die mir die zelle zugesteht und die meine hardware ermöglicht. die „servicequalität“ für andere nutzer wird durch meine nutzung tatsächlich eingeschränkt, denn je mehr nutzer in einer UMTS-zelle surfen, desto weniger steht für alle zur verfügung. also findet diese verschlechterung der „servicequalität“ so oder so statt und zwar umso schlimmer, je schlechter das UMTS-netz ausgebaut ist. solange ich die mir zugestandenen 5GB wegsurfe, behindere ich also alle nutzer in meiner zelle.

wenn es also stimmer würde was höpken sagt, dass die drosselung der erhaltung der „servicequalität“ dient, dann müsste am monatsanfang, wo alle „flatrate“-kunden ungehindert surfen können, das vodafone-netz total in den seilen hängen und sobald die drosselung einsetzt, sich langsam wieder erholen.

was mich auch wundert: wenn aber tatsächlich nur „ein geringer teil“ der vodafone-kunden „eine solche Daten-Flat“ überhaupt intensiv nutzt, warum dann die beschränkung auf 5 GB? laut höpken kommen die „meisten Kunden“ doch mit deutlich weniger als 5GB aus?

besonders bezeichnend ist, dass vodafone die verminderung der servicequalität für alle „Teilnehmer“ in „betroffenen Zellbereichen“ in kauf nimmt, wenn ein „störer“ einen bestimmten datentarif wählt oder bei volumentarifen kräftig draufzahlt. klingt zwar unlogisch, dass man andere behindern darf (oder kann), wenn man einen bestimmten tarif wählt, ist aber im prinzip das was thorsten höpken unterm strich sagt: die daten-drosselung dient der maximierung des profits.

ich halte das vodafone-argument mit der aufrechterhaltung der „servicequalität“ für genauso verlogen, wie das von t-mobile (und vodafone), dass eine skype-nutzung (ohne teure sondertarife) die netz- oder servicequalität einschränken würde. es geht dabei nicht um servicequalität, sondern ums geschäftsmodell. andererseits kann es natürlich auch sein, dass das vodafone UMTS-netz so schlecht ausgebaut ist, dass man vielsurfer mit hohen preisen und unattraktiven konditionen fernhalten muss.

Für’s Surfen auf dem Handy bieten wir für 9,95 EUR p.m. eine Daten-Flatrate ohne Bandbreiten-Limitierung an. Vodafone bietet z.B. mit dem Pocket Volume oder MobileConnect L Daten heute schon Daten-Tarife an, die eine VoIP-Nutzung zulassen. Noch in diesem Jahr planen wir die Einführung weiterer Tarifoptionen, die VoIP erlauben.

mit dem tarif für 9 euro 95 scheint thorsten höpken diesen tarif zu meinen: InternetEntertain Flat. tatsächlich steht im kleingedruckten nichts von einer volumenbeschränkung. im kleingedruckten steht aber:

Die Vodafone InternetEntertain Flat gilt nur für das Surfen im deutschen Vodafone-Netz auf http-basierten Internet-Seiten und nur für von Vodafone zertifizierte Clients jeweils über den APN wap.vodafone.de. Sie brauchen ein Internet- und E-Mail-fähiges Handy, um die Tarifoption zu nutzen und dürfen sie nur mit dem Handy ohne angeschlossenen Computer nutzen.

die c’t nannte diese angeblichen „flatrates“ in ihrer letzten ausgabe „mogelpackungen“:

Andere Flatrate-Tarife gelten nur für bestimmte Zugangspunkte (APN, Access Point Name), die ausschliesslich HTML über Port 80 und den Zugang auf das — meist mäßige — Portal des Providers gestatten. So umfassen etwa viele Vodafone-Angebote nur Flatrates über den für viele Internet-Dienste nutzlosen APN „wap.vodafone.de“. Surft man über „web.vodafone.de“, der vollen Internetzugang bietet, wird es mit 20 Cent pro 10KByte-Block extrem teuer. Wer nur mit dem Handy surfen möchte, kann hier zugreifen, doch zeitgemäß sind solche — oft als Internet-Flatrate gepriesenen — Mogelpackungen nicht. (c’t 15.2009 vom 6.7.2009, seite 78)

ich frage mich woher man von vodafone „zertifizierte Clients“ fürs surfen herbekommt. achso. kann man dowloaden. irgendwo. wenn man glück hat auch für sein telefon.

die „MobileConnect L Daten“-tarifoption (warum verlinkt thorsten höpken die nicht?) kostet mit 300MB (pah!) inklusiv-volumen 20 euro im monat oder als 5GB-pseudo-flatrate 35 euro. in der flatrate version darf man die „Karte […] nicht für Voice over IP, Instant Messaging und Peer-to-Peer-Verbindungen nutzen“. das geht nur in der L-version, die pro verbrauchtem megabyte das monatlich über 300 MB hinausgeht ungefähr 50 cent kostet. das heisst, mit dem „MobileConnect L Daten“-tarif kann man tatsächlich 6 oder 10 GB pro monat (oder mehr) verbrauchen und sogar VoIP machen. für knapp 2900 euro (6GB) oder 4870 euro (10GB)*. klasse angebot!

den tarif „Pocket Volume“ schau ich mir in meinem nächsten leben an, das studium des „MobileConnect L Daten“-tarifs hat mich bereits jetzt an die grenzen meiner leistungsfähigkeit gebracht.

Noch ein Hinweis zu unseren Sprachtarifen für “…herkömmliche Kommunikationsmedien…”. Vertragslaufzeiten von 24 Monaten machen es möglich, dass Handys ab 1,- EUR angeboten werden. Wer auf ein neues Handy verzichten kann, sollte sich mal unsere Vodafone SuperFlat im Online-Shop anschauen. Den Laufzeit-Tarif gibt es in den ersten 6 Monaten schon für 14,95 EUR p.m. (24 x 5,- EUR Online-Vorteil mit eingerechnet). Und darin enthalten ist nicht nur die Telefon-Flat in das deutsche Vodafone- und Festnetz, sondern neuerdings auch eine kostenlose Fremdnetz-Flatrate wahlweise ins T-Mobile-, O2- oder e-plus-Netz für 12 Monate.

da auch vodafones vertragstarife ohne handy alle mindestens 24 monate laufen, scheint die vertragslaufzeit nichts mit subventionierten handys zu tun zu haben, sondern damit, die leute möglichst lange im vertrag zu halten. manchmal scheint es, als ob es der job eines pressesprechers ist, die kundschaft möglichst freundlich zu verarschen.

weiter im text, zur „super flat“, die eigentlich „mikrig flat“ heissen sollte: im grossgedruckten der „super flat“ steht, sie koste 14 euro 95 monatlich, im kleingedruckten (hellblau auf dunklem hellblau) kann man lesen, dass die ersten 6 monate 19 euro 95 kosten, die nächsten 18 monate dann 29 euro 95. da man für die ersten 24 monate aber eine fünf-euro-„gutschrift“ bekommt („Online-Vorteil“), kosten also die ersten sechs monate tatsächlich 14,95, die nächsten 18 monate 24,95 und nach ablauf von 24 monaten kostet der tarif dann 29,95 euro. über die vertragslaufzeit von 24 monaten, inklusive „anschlusspreis“ kostet einen dieser angebliche 14,95-vertrag dann also im schnitt 23,49 euro pro monat (plus gesprächskosten, da nur fest- und vodafone-netz dauerhaft „flat“ sind). vergisst man ihn rechtzeitig zu kündigen, beträgt der durchschnitt der monatlichen grundkosten über 48 monate 26,72 euro.

statt generation „upload“ wäre generation „spreadsheat“ oder „fine print“ mal ein passender vodafone-werbespruch.

nicht dass das t-heater auf vodafone beschränkt wäre, volker weber hat „unglaublich bescheuerten“ t-mobile vertragskappes aufgeschrieben. dabei wäre es doch so einfach: „Macht doch einfach gescheite Produkte“, statt zu reden, wie mitglieder „einer kalifornischen Erlösungssekte oder baron münchhausen.

ehrlichgesagt finde ich aber mittlerweile gefallen an diesem „dialog“ mit vodafone. jedesmal, wenn einer der pressesprecher oder „referenten“ flachgeklopftes, auf täuschung ausgelegtes und inhaltleeres marketing- oder polit-gesülze ins blog kippt, einfach mal genauer anzugucken was man in einer konzernzentrale unter „dialog“ versteht und zu prüfen was von dem gesagten überhaupt stimmt und was davon reine glatteisrhetorik ist. macht echt spass. ich glaub ich mach das jetzt regelmässig.

*) (10GB - 300MB) * 0,49€ = (10240MB - 300MB) * 0,49€ = 4870,60€