witzig, der typ der findet, dass das internet „zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten“ werde und beklagt, dass ins internet oft von „keiner Sachkenntnis getrübt“ geschrieben werde (sich selbst davon aber offenbar auch nicht trüben lassen will und den eindruck erweckt, statt recherche lieber vaseline zu benutzten) sitzt in der jury der yahoo-pr-veranstaltung „entdeckungen 2007“ (de.promotions.yahoo.com!). unter anderem mit robert basic, der graff auch nicht sooo knorke findet, und nico lumma der ja bekannt dafür ist keinerlei berührungsängste zu haben. wenn man sich die jurorenliste so anguckt, hat man den eindruck eine hübsche businesskasperliste vor sich zu haben. ein playboy ist auch dabei. ich weiss, so oberflächliche betrachtungen sind quatsch, nur weil leute schlipse und komische frisuren tragen, sind sie ja noch lange nicht doof. da bin ix ja ein glänzendes beispiel für (in aller bescheidenheit).
aber ich muss schon sagen, den respekt vor yahoos pr-agentur den ich drauf und dran war zu verlieren, weil man dort so wortkarg ist und gar nicht auf emails antwortet, den respekt haben sie jetzt wieder. die entscheidung jemanden der das internet und seine potenziale offenbar hasst, in eine jury die internetseiten beurteilen soll zu nehmen, ist wahnsinnig mutig.
die vermutung, dass man so versucht sich ein bisschen freundliche presse einzukaufen, den journalisten (ziemlich viele aus dem hause burda, scheint mir) und zwei bloggern ein wenig den popo zu streicheln mit honorar, schicker unterkunft und kost und logis, ist natürlich rein spekulativ und hochgradig unfair. dehalb äussere ich sie hier auch nicht.
aber eine frage will ich mir erlauben: gehe ich recht in der annahme von der dame (eine frau!) und den herren jurymitliedern künftg nichts kritisches über yahoo zu hören?
sollten leute wie bernd graff, alle bildungs und kultusminister und eigentlich auch eltern bekommen — spätestens beim betrachten dieses videos.
Ein Weblog ist die zeitgenössische Form des Flugblatts, sagt Udo Vetter. Mit denen hat bekanntlich seinerzeit das Zeitungswesen begonnen. Dank der Erfindung des Buchdrucks des Herrn Gutenbergs. Einblattdrucke eroberten die Welt und sorgten mit polemischen, subjektiv gefärbten aber authentischen Texten für helle Aufregung bei Fürsten und Geistlichkeit. Denn mit den Flugblättern wurde die durch Handschreiber beherrschte Deutungshoheit der Obrigkeit (kirchlich und weltlich) geknackt. (quelle)
und dort aus den kommentaren noch ein schönes zitat von salman rushdie:
Die Vorstellung, man könne eine freie Gesellschaft schaffen, in der niemand jemals beleidigt oder gekränkt würde, ist absurd. Dasselbe gilt für die Vorstellung, die Menschen sollten das Recht haben, sich mit rechtlichen Mitteln gegen Kränkungen und Beleidigungen zu wehren. Hier stehen wir vor einer grundlegenden Entscheidung: Wollen wir in einer freien Gesellschaft leben oder nicht? (Salman Rushdie)
heute früh kam mir in den sinn, mal eben laut auszusprechen, dass gnogongo mir grosses, tägliches vergnügen in meinem feedreader bereitet. wunderbar unprätentiöse fotos, kurze, kluge, fragende kommentare, hin und wieder was zum klicken.
Prokrastination ist ein hässliches Wort für eine schöne Tätigkeit oder vielmehr Nichttätigkeit, denn Prokrastination bedeutet Aufschieben. Prokrastinieren ist ein gesellschaftliches Phänomen, das in anderen Ländern oft diskutiert wird - in Deutschland ist das Thema medial unterrepräsentiert (2 deutsche Google-News-Treffer vs. 379 amerikanische. Stand 17. Dezember). Dabei kennt jeder Prokrastination, der am Bildschirm tätig ist: wer kann schon anfangen zu arbeiten, bevor die liebsten 26 Blogs, die wichtigsten fünf Communities und Social Networks, die drei Instant Messager und Chats plus Twitter-Postings der letzten vier Stunden, SpOn, heise, die vier Mailaccounts, die dazugehörigen acht Spamordner, die zwei aus den 90er Jahren im Interessenportfolio übriggebliebenen Boards, das knappe Dutzend News-Alerts, Technorati & Google Blogsearch und drei oder vier Social Bookmark Dienste durchgesehen, analysiert, ausgewertet und gegebenenfalls mit sofort notwendigen Reaktionen versehen worden sind?
Wenn Prokrastination in deutschen Medien behandelt wird, dann fast ausschliesslich im studentischen Kontext, dabei sind in westlichen Gesellschaften mindestens 20% aller Menschen prokrastinationserfahren. Ausserdem werden immer die selben drei Fachleute befragt, die dann „dramatische Arbeitsstörung“ oder „angstgesteuerte Fehlfunktion“ murmeln und als Gegenmittel ToDo-Listen, Selbstdisziplin und ToDo-Listen empfehlen.
Das ist natürlich Quatsch. In Wirklichkeit ist Prokrastination in den meisten Fällen eine gute, richtige und natürliche Reaktion, die uns hilft, Probleme zu erkennen und das Leben besser zu meistern. Man muss nur lernen, richtig mit ihr umzugehen, dann wird Prokrastination zu einem schnurrenden Kätzchen, das einem den Alltag versüsst und stets in Kuschellaune ist. Das hört sich jetzt nach einer steilen These an. Weil es nämlich eine steile These ist. Es handelt sich aber um eine der zentralen Aussagen unseres neuen Buches. Unseres? Ja, ich schreibe gemeinsam mit Kathrin Passig (Literaturnobelpreis 2006, „Lexikon des Unwirschen“) ein Buch, das 2008 bei Rowohlt erscheinen wird. Der Untertitel steht schon fest: „Wie man Dinge geregelt kriegt ohne einen Funken Selbstdisziplin“. (vergl. Vortrag vom 9to5-Festival, mp3).
Zwar gibt es bereits einen grossen Haufen Bücher zu diesem und angrenzenden Themenfeldern, von „Simplify Your Life“ („statt Kaffee einfach warmes Wasser trinken!“) bis zum genreprägenden Standardwerk „Getting Things Done“ („Selbstdisziplin spielend leicht erlernen unter Zuhilfenahme von, ähm, Selbstdisziplin“). Die meisten von ihnen geizen weder mit Ratschlägen noch mit Vorwürfen. So machen sie sich mit dem Umfeld des geübten Prokrastinierenden gemein, das „Gib dir doch einfach mehr Mühe“ für einen ernstzunehmenden Ratschlag hält. Dabei ähnelt der Einsatz von Selbstdisziplin und Zeitmanagementtools für uns Prokrastis dem Versuch, einem Hund die Flöhe wegzudressieren.
Es liegt auf der Hand, dass ein solches Buch von bunten Beispielen und Fallstudien lebt. Aber während sonst immer über bemitleidenswerte Gestalten berichtet wird, die 24 Jahre für ihre Diplomarbeit brauchen und während dieser Zeit ein Crescendo der Suizidgefährdung erleiden, wollen wir eher andere Geschichten. Wir wollen von Menschen hören, die trotz Prokrastination einigermassen gut zurecht kommen und eben nicht Misserfolg an Misserfolg reihen. Wir glauben, dass eine vom Besitzer liebevoll gepflegte Prokrastination eher zum persönlichen Erfolg beiträgt - wenn auch manchmal in anderen Bereichen als erwartet. Dazwischen darf natürlich auch mal eine klassische Versagerstory vorkommen, das soll ja nicht totgeschwiegen werden.
Wir würden uns freuen, Eure Prokrastinationsgeschichten, Anekdoten, Erfahrungen zu lesen, ob hier in den Kommentaren, in Euren Blogs, auf Twitter, per SMS, per Mail oder wie auch immer. Es besteht eine gute Chance, dann (nur zitiert, nicht im Volltext) im Buch zu landen, wenn man das möchte. Teilnehmer bekommen ein Freiexemplar und werden im Abspann wohlwollend erwähnt, ausserdem prägt man das zukünftige Gesicht der deutschen Prokrastinationslandschaft mit. Das ist nicht viel, schon klar, aber es fühlt sich nicht schlecht an, wenn man in einem Buch drinsteht, das erklärt, warum man eigentlich ein ganz toller Typ ist, obwohl man seit sechzehn Monaten nicht geschafft hat, den Flur zu renovieren.
Ach ja: Wir wissen, dass ihr viel zu tun habt und deshalb voraussichtlich nicht vor Ende 2012 dazu kommen werdet, euren Beitrag abzuschicken. Das geht leider in diesem Fall nicht, denn da das Buch mehr oder weniger gestern fertig sein musste, brauchen wir eure Beiträge aller-allerspätestens heute*.
* im üblichen Sinne von „bis Ende Dezember, dann aber wirklich!“
seitdem ich vor ein paar monaten mal probeweise ein nokia 6120 mit umts undhsdpa an meinen laptop angeschlossen hatte und gesehen habe wie schnell umts sein kann, nämlich so schnell, dass man tv-streams per zatoo bequem laufen lassen konnte, wusste ich, ich und mein nokia N70 werden nicht mehr lange freunde sein. zwar war ich insgesamt zufrieden und vor allem gewöhnt an mein N70, hatte mehrere ersatzakkus, navigationssoftware, adressen, kalender und alles was ich brauchte auf dem handy. und ich habe, wie jeder weiss, seit einiger zeit eine flatrate (o2-pseudo-flatrate mit 5GB/monat) statt dsl, bzw. seit über 10 jahren statt festnetz o2. internet zuhause per umts via bluetooth funktionierte zwar meistens, aber leider manchmal erst nach einem neustart des handys oder des computers.
aber ich wusste jetzt, ohne hsdpa will ich nicht mehr. ich wollte auch zuhause schnell surfen, nicht nur im internet-café oder auf der arbeit. ich mag es nicht mit zwei handys rumzulaufen, also musste eins her das alles kann was ich will. ich will ja nicht viel, ab und zu telefonieren, eine sms verschicken oder empfangen, fotos machen und per bluetooth oder mail verschicken, internet für den laptop, sowie die adressen und kalender vom laptop.
ich stand am ende vor der entscheidung nokias N95 zu kaufen — soweit ich sah das einzige nokia smartphone mit hsdpa — oder das neue sony-ericsson k850i. obwohl ich nicht wirklich unzufrieden war, irgendwie hatte ich von nokia die nase voll. lauter kleinigkeiten addierten sich auf: das N70 tat alles was es sollte, war aber oft sehr, sehr langsam und sehr leer, alle netzteile die ich mittlerweile angesammelt hatte nervten, entweder summten sie oder bekamen nach 1-2 monaten kabelbrüche, software updates funktionierten nur mit windows. ich hatte lust was neues auszuprobieren und der preis den ich für das N95 hätte zahlen sollen gab letztendlich den ausschlag. 400 euro wollte o2 für das N95 bei vertragsverlängerungen haben, irgendwas um die 150 euro für das k850i. dass o2 am ende nur 53 euro für das k850i abbuchen würde konnte ich nicht ahnen, vielleicht wäre das nokia ja auch biliger geworden als die desorientierte o2-hotline mir sagte.
anfang november lag das k850i in meiner packstation. richtig freundlich war das k850i anfangs nicht: isync erkannte das handy nicht und brauchte fremdhilfe von einem plugin, das erste sychronisieren klappte nicht auf anhieb, da das k850i die ersten 10 sychronisationsversuche regelmässig abbrach. beim gefühlt 50sten versuch klappte die synchronisierung dann, auch wenn der verkackte sony-ericsson-kalender ganztägige ereignisse erst richtig anzeigt, wenn man an den sommerzeiteinstellungen am handy rumgedreht hat — das war bis jetzt bei allen sony-ericsson-handys die ich in der hand hatte der fall.
die konfiguration als modem war dank os x 10.5 extrem einfach. leider war das internet mit bluetooth nicht wirklich schnell und unterbrechungsfrei. durchaus etwas schneller als vorher, aber nicht wirklich so wie ich mir das vorgestellt hatte. vor allem pulsierte die downloadrate jede sekunde zwischen 0 und 100 KB/s. mit einem usb- statt einem bluetoothkabel ging es dann plötzlich wirklich schnell. auch wenn das hantieren mit einem zusätzlichen kabel eigentlich nicht so mein ding ist, hat es den vorteil, dass ich während des surfens das handy laden kann. aufladen über usb. pluspunkt für das k850i.
was mich immer nervte war die modemeinwahl vom laptop aus. die modemverbindungen wurden gerne regelmässig aus unerfindlichen gründen gekappt und danach weigerte sich das handy die verbindung neu aufzubauen bis es neugestartet wurde. ein verhalten, dass sowohl das N70, als auch das k850i regelmässig demonstrierten. zufällig las ich, dass das k850i „PAN“ könne. das heisst „personal area network“ und bedeutet, dass der computer sich keinen mehr abbrechen muss indem er eine einwahl über ppp über einen emulierten ppp-server auf dem handy initieren musste, sondern dem handy einfach wie einem router zuruft: „ich brauch internet, gib mal ne ip, ne router-ip und ne DNS-server-ip rüber!“ dadurch fällt wohl eine menge protokoll-overhead weg und auch über bluetooth geht internet jetzt ruckelfrei. noch besser, wenn alles richtig konfiguriert ist (das ist leider handyseits nicht ganz unkompliziert), brauch ich nur das usb-kabel einzustöpseln und habe ohne weiteren tastendruck internet mit geschwindigkeiten von bis zu 250 KB/s.
dieser bandbreitentest spricht bei einer umts-verbindung über usb sogar von einem datendurchsatz von „1500 Kbits/sec“ und dass das „sehr sehr gut“ sei.
das beste ist natürlich, dass ich jetzt ziemlich schnelles internet fast überall haben kann. mittlerweile deaktiviere ich manchmal mein wlan wenn ich in einem wlan-fähigen restaurant oder café sitze, weil umts schneller ist als das überlastete öffentliche wlan-dsl.
ziemlich gewöhnungsbedürftig sind am k850i die drei touchscreentasten an der unteren hälfte des k850i bildschirms. mal reagieren sie extrem langsam oder gar nicht, manchmal sind sie so empfindlich dass sie schon reagieren, bevor der finger den bildschirm berührt. der eingebaute kalender ist ziemlicher schrott und zeigt ganztägige ereignisse immer mit einem grosskotzigen und platzverschwenderischem „[-Ganzer Tag-]“-zeilenumbruch-ereignisname an. ganztägige ereignisse kann man auf dem handy auch nur eingeben, wenn man sie von 0 bis 24 uhr einträgt. auch fehlt mir die übersicht über die anstehenden termine und todos auf dem standbyscreen. dafür gibts sicher irgendein tool, ich finde runterladbare sony-ericsson-programme nie. vielleicht gibts auch keine oder zuwenige oder ich bin von symbian verwöhnt. was mich auch maximal annervt ist das stromsparverhalten des k850i. nach 5 sekunden verdunkelt es den bildschirm der sich zu allem überfluss auch nur mit den hardware-tasten und nicht den touchscreen-tasten reaktivieren lässt. im vergleich zum nokia/symbian adressbuch ist das k850i adressbuch ein haufen schrott. es kürzt notizen die zu den adressen angelegt wurden, es kann sich nicht mehr als drei telefon oder fax oder mobilfunknummern merken und reagiert auf eingaben wie auf valium.
toll am k850i finde ich hingegen den wecker. ich kann 5 verschiedenen alarme einstellen die auch wiederkehrend sein können und einzeln aktiviert und deaktiviert werden können. so habe ich einen alarm für die wochentage von dienstag bis freitag (6:30h), einen für sonntags (15:00h) und einen für montags (4:45h). enorm praktisch. doof, dass man den wecker nur 5mal mit einem tastendruck um je 9 minuten vertrösten kann, danach gibt er den weckvorgang auf. die gesprächsdauer und anruflisten sind ebenfalls viel besser als bei nokia gestaltet. beim nokia hatte man nach dem beenden eines geprächs genau 1 sekunde zeit um die gesprächsdauer auf der anzeige zu lesen, danach verschwand sie auf nimmerwiedersehen. das k850i zeigt sie minuten oder stundenlang auf dem standbyscreen an. in der anrufliste kann man tatsächlich anhand der symbole erkennen wer einen versucht hat anzurufen, durchgekommen ist oder angerufen wurde. auch beim sms- oder email-versand werden einem praktischerweise die letzten adressaten zur auswahl angeboten. kurz: viele kleinigkeiten sind von sony-ericsson viel besser gelöst als von nokia, viele grosse dinge grottenschlecht. insgesamt fühlt sich die bedienung bei beiden handys verbesserungswürdig an. bei der benutzeroberfläche ist noch viel raum für verbesserung.
beinahe perfekt ist die bedienung der kamera: irre praktisch der seperate ein- und ausschaltknopf, sowie der schiebeschalter zum umschalten zwischen foto-, video- und abspielmodus. die fotos sind bei tageslicht sehr ok, bei ruhiger hand sind die bilder auch nachts ok. der blitz ist in 50% aller fälle zu dunkel, aber immerhin flott. das abspeichern der zwischen 1,2 und 1,4 MB grosen bilder geht erstaunlich schnell (immerhin ist ein einzelnes bild so gross ist wie früher eine 3,5 zoll-diskette). auch das „best-shot“-feature der kamera macht spass. im best-shot-modus macht die kamera 12 bilder auf einmal, jeweils kurz hintereinander. panoramabilder kann, wenn ich recht informiert bin, jede sony-ericsson-kamera, egal ob mit oder ohne telefon. trotzdem nett. auch bei der kamera sehe ich im vergleich zu meiner alten nokia-kamera eher detailverbesserungen. die fotos sind etwas detailreicher, aufnahmen von zeitungen gelingen besser, mehr spielereien sind möglich und die kamera ist schnell.
für notfälle und zur navigation trage ich mein N70 immer noch mit mir rum, aber wirklich fehlen tut es mir nicht. ich glaube für die 53 euro die mir o2 für die vertragsverlängerung abgeknöpft hat war das ein ganz guter deal.
was mir fehlt:
übersicht über anstehende termine und todos
funktion für neustart
screenshot-werkzeug
anständiger kalender
ein design/theme das nicht nach pipi langstrumpf oder buzz lightyear aussieht
lässt sich derzeit der tierpfleger. teil 1, teil 2, teil 3, teil 4. weitere berichte folgen (hoffentlich) und ich werde gespannt weiterlesen. brille weg, augen gut.
Man muss keine Angst vor dem Netz haben, wenn man auch an das Gute im Menschen im glaubt. Aber man muss vor jenen Angst haben, die das nicht sehen. Sie stehlen und vernichten mehr, als es Terroristen, Gangster und Betrüger jemals schaffen würden. (quelle)
Dazu kommt, dass das gerne empfohlene „Zähneputzen nach jeder Mahlzeit“ keine wissenschaftliche Grundlage hat. Eine Demineralisation des Schmelzes erfordert nämlich eine mindestens 24-stündige Reifungsphase der anhaftenden Beläge. Deshalb reicht es völlig aus, sich ein- oder zweimal am Tag die Zähne zu putzen - aber nicht unmittelbar vor oder nach dem Essen. (quelle)
nicht nur die bescheuerte setzung von ausrufezeichen an den satzanfang scheint um sich zu greifen, auch 50 euro startguthaben für jeden scheiss scheinen mode zu werden.
jürgen kaube: „Was keinen Standards folgt, hat nur Ausdrucks-, aber keinen Informationswert.“ thomas knüwer: „Das bedeutet: Innovationen sind im Journalismus nicht möglich.“
der berliner kardinal georg sterzinsky hat letzte woche einen gastbeitrag für den tagesspiegel verfasst. der titel lautete: „Dürfen Muslime in Deutschland Moscheen bauen?“ und der erste satz des artikels ist auch gleich die antwort: „Ja, selbstverständlich dürfen Muslime in Deutschland Moscheen bauen.“
mit dieser antwort könnte ich jetzt aufhören und bräuchte mich nicht aufzuregen. die aussage könnte man ausdrucken und neben den ausdruck des grundgestzes abheften.
auch wenn sterzinsky als liberaler kirchenmann gilt, klare, einfache aussagen wie „selbstverständlich dürfen Muslime in Deutschland Moscheen bauen“ oder „liebe deinen nächsten wie dich selbst“ oder „wenn dir einer auf die eine Wange schlägt, halt ihm auch die andere hin“ scheinen einem kardinal nicht mehr angemessen zu sein. ein kardinal sieht heutzutage seine aufgabe offenbar darin, andere zu massregeln, zu richten und rumzudifferenzieren.
plötzlich stellt hier ein kirchenmann regeln für den bau von kirchen auf, die er für seine eigene kirche wahrscheinlich empört ablehnen würde.
sterzinsky fragt im text danach ob grosse moscheebauten wie das bauvorhaben in in charlottenburg „wirklich der integration“ dienten. seit wann dienen kirchen der integration? oder seit wann ist integration die bedingung für freie religionsausübung? dienen christliche kirchen der integration? über christliche kirchen in islamischen ländern sagt sterzinsky das zumindest nicht. dort würde der bau „kleiner [christlicher] kirchen“ der möglichkeit dienen „die eigene religion ohne angst vor verfolgung praktizieren zu können“. olla. es riecht nach zweierlei mass.
sterzinsky hat ausserdem angst, dass der bau von moscheen „die tendenz zur abschottung und zu parallelgesellschaften“ verstärke. das sagt ein katholik der sich weigert gesellschaftliche realitäten anzuerkennen und dazu aufruft gegen die gleichbehandlung von homosexuellen oder frauen widerstand zu leisten, weil dererlei dem gesetz gottes widerspreche? das sagt ein mitglied einer kirche dessen mitglieder sich in klostern und palästen abschotten und das sektenähnliche organisationen wie den opus dei hervorgebracht hat? die katholische kirche hat angst vor abschottung? olla.
noch weiter unten in seinem text fragt sterzinsky ob ein Moscheebau so dimensioniert sein müsse, „dass zumindest der Eindruck entstehen kann, eine Machtdemonstration sei beabsichtigt?“ nun gut. die katholischen kirchen hier in berlin sind ein wenig popelig. aber ich wage zu behaupten, dass der grossteil der katholischen kirchen genau aus diesem grunde gebaut wurde: als machtdemonstration. als ein mittel um menschen einzuschüchtern, mit gigantismus und protz die menschen zu demut und furcht zu erziehen.
wenn das nicht so wäre, wäre der kölner dom eine kleine hütte.
abgeshen davon sollte sterzinsky erkennen, dass es nix bringt gigantomanische kirchen zu bauen. zumindest seinem verein laufen die leute weiter in scharen davon, egal wie gross die kirchen sind. ihm scheint es darum zu gehen im chor mit markus söder zu singen. das lied lautet: „Moscheen dürfen nicht größer als Kirchen sein.“
das würde, meint söder, das stadtbild beeinträchtigen. wo kämen wir denn hin, wenn gesellschaftliche realitäten sich im stadtbild abbilden würden?
zu guter letzt zitiert sterzinsky auch noch falsch. er behauptet günter walraff und klaus staeck würden sich gegen den bau „grosser“ moscheen aussprechen. ich konnte nichts dergleichen finden. im gegenteil. wallraff ist dafür „viele moscheen blühen“ zu lassen (meint aber man solle gebau hinsehen was dort geschieht). klaus staeck hingegen analysiert eher sterzinskys motive als sich gegen den bau von moscheen auszusprechen: „die Moscheen-Planung [schaffe] Neid bei den Anhängern anderer Religionen, die immer weniger Menschen anlockten“.
sterzinsky meint, religionsfreiheit sei keine einbahnstrasse. ein ähnlich blöder spruch wie „das internet ist kein rechtfreier raum“ oder „Integration ist keine Einbahnstraße“. aus politikermündern kommen solche sätze immer sehr gerne: „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, „Toleranz ist keine Einbahnstraße“. das sind alles ziemliche leerlaufsätze die eigentlich nichts anderes aussagen als: ihr könnt machen was ihr wollt, solange ihr tut was wir wollen.
es ist klar. alle kirchen, alle religionsgemeinschaften haben grenzen. das ist im grundgesetz relativ klar definiert, dort steht, dass religion und staat streng getrennt werden müssten. das hat bisher ganz gut funktioniert und uns vor jeder menge unheil und elend bewahrt.
und genau das würde ich gerne von einem mann wie sterzinsky hören: religion und staat gehören getrennt, extremismus, unmenschlichkeit, verfassungsfeindschaft sind scharf zu ächten und durch den staat und transparenz der kirchen zu bekämpfen.
und da könnte die katholische kirche doch mal mit gutem beispiel vorangehen, statt mit dem finger auf andere zu zeigen. herr sterzinsky, verzichten sie auf ihr fürstliches gehalt das ihnen das land berlin gegen den grundsatz der trennung von kirche und staat überweist, fördern sie die transparenz der katholischen kirche, der vatikanbank beispielsweise und üben sie demut statt auf andere zu zeigen!
quarks und co widmet sich eine ausgabe lang dem wort des jahres, der „klimakatastrophe“ und erklärbärt die fakten. eine erstaunliche sendung. schon ganz am anfang präsentiert ranga yogeshwar einen überraschenden vergleich:
eine kuh produziert im jahr soviele klimaschädliche gase wie ein kleinwagen mit einer fahrleistung von 18.000km. man könne porsche fahren und wenn man vegetarier sei sogar das klima schonen. auch äpfel aus neuseeland stehen in ihrer klimabilanz lange nicht so schlecht da wie man denkt, zumindest wenn man sie im april kauft.
später ein einspieler zum thema biokraftstoffe: es wird vorgerechnet welche vermeintlichen vorteile nachwachsende kraftstoffe gegenüber erdöl-basierten kraftstoffen haben. das unerwartete ergebnis: biokraftstoffe sind doppelt so klimaschädlich wie konventionelle kraftstoffe. vor allem die verwendung von dünger, der zum ausstoss von lachgas führt, verhagelt dem biokraftstoff die klimabilanz (die berechnung der miesen biokraftstoff-bilanz basiert auf einer studie von paul crutzen).
allererstaunlichster weise lese ich heute im tagesspiegel einen artikel über biokraftstoffanbau in afrika in den erwähnt wird, dass die bundesregierung „gerade“ beschlossen habe, dass diesel bis zum jahr 2020 zwanzig prozent biokraftstoff beigemischt werden sollen. ich frage mich mittlerweile ob die bundesregierung wirklich jedes gesetz das sie beschliesst verkackt. (siehe vorratsdatenspeicherung oder ausweitung des sexalstrafrechts). als ob die grosse koalition george w. bush den weltrekord in unaufrichtigkeit und inkompetenz abjagen wolle.
es ist ja eine sache, wenn ein journalist solche forschungsergebnisse in seinem artikel unerwähnt lässt (aber wenigsten leise zweifel sät: „Wie bio ist ein Kraftstoff, der vielleicht doch mit Dünger produziert und über lange Distanzen transportiert wird? Wie viel Kohlendioxid entsteht, bevor er überhaupt im Tank landet?“), aber wenn die regierung in blinden aktionismus verfällt, streng nach dem motto das gegenteil von gut ist gut gemeint? dann nennt man das wohl statt klimakatastrophe, regierungskatastrophe.
die quarks und co sendung ist wirklich sehenswert und kann als podcast runtergeladen werden. na gut. gut ist relativ. die pseudopädagogische scheisse mit dem CO2 sparwettbewerb zwischen zwei familien hätte man sich sparen können, aber die sendung zeigt vor allem eins: zweifel an patentrezepten und einfachen antworten sind angebracht. und fakten sind sexy und wichtig — wenn es auch manchmal mühsam ist an fakten zu kommen. wenn uns etwas vor der vollkommenen verblödung retten kann, dann sind das zweifel und demut.
[nachtrag]
es geht auch anders: niemandem folgen. und ich weiss nicht was dahinter steckt, arroganz, faulheit oder die gute alte journalistentugend, friss und halt die fresse?
kürzlich lief ich auf dem weg zur arbeit an der palastschaustelle vorbei. dort stehen mehrer sehr grosse kräne, die den palast demontieren. gerade in dem moment in dem ich mich fragte, wohin kranführer wohl pinkeln, sah ich den kran hinauf und sah wohin kranführer pinkeln: aus dem fenster. wie eklig! der wind stand gerade so, dass die ganze pisse in die baustelle geweht wurde und fein verteilt auf die sturzhelme der bodengebundenen bauarbeiter rieselte. wie eklig!
bundeswirtschaftminister michael glos: „Wenn Nieten mit hohen Abfindungen abgeschoben werden, ist das ein Skandal.“ glos spricht allerdings nicht von politikern und ihren pensionsansprüchen oder von menschen die für die bedienung des internets andere leute brauchen, sondern von „managern“.
wieso das ein skandal sein soll, verstehe ich allerdings nicht. ich finde es eher bemerkenwert, dass man jetzt den eindruck bekommt die politiker stünden schlange um in irgendwelchen käseblättern öffentlich angeblich erhöhte managergehälter zu geisseln. witzigerweise nennt keiner dieser geissler auch nur einen namen. wäre doch mal interessant zu erfahren, wen die eigentlich meinen. mir kommt das öffentlichkeitswirksame geisseln von managergehältern vor wie arschkriechen in den darm der unterpriveligierten — mit massenhaft neidgleitcreme.