ge­sell­schafts­exper­te?

felix schwenzel

Sehr ge­ehr­ter Herr Schwen­zel,

als Ge­sell­schafts­exper­te in­ter­es­sie­ren Sie sich si­cher für ein
brand­neu­es In­ter­net­start­up, wel­ches in die­sen Ta­gen ge­launcht wird uns …

ge­nau an der stel­le habe ich auf­ge­hört zu le­sen. ger­rit hat noch ein paar zei­len mehr ge­le­sen.


im­mer die­se as­so­zia­tio­nen

felix schwenzel

ist das mei­ne schuld, dass ich im­mer über­all scheis­se sehe? [ama­zon-wer­be­link] die­ses buch zog in den letz­ten ta­gen auf der ar­beit im­mer wie­der mei­nen blick auf sich. und was sehe ich? scheis­se.


ges­tern am te­le­fon

felix schwenzel

ges­tern nach­mit­tag klin­gel­te mein te­le­fon. ich so:
- fe­lix schwen­zel.
- wer ist denn da?
- fe­lix schwen­zel.
- herr stem­pel?
- nein, fe­lix schwen­zel.
- ach sie sind di­rekt dran herr schwen­zel!
- ja.
- ich rufe an weil … wir ha­ben ein pro­blem!
- ja?
- wir su­chen je­mand der weiss, wie man men­schen mit kle­be­band an die wand klebt.
- ja. da hab ich mal was zu ge­schrie­ben. aber wie das geht, weiss ich auch nicht.
- ach­so. wir ha­ben näm­lich ein pro­blem.
- ja?
- un­ser nef­fe soll zwei kin­der mit kle­be­band [weib­li­che stim­me aus dem hin­ter­grund: „mit so brau­nem kle­be­band!“) — ja so brau­nem kle­be­band — an die wand ge­klebt ha­ben und sich an den kin­dern ver­gan­gen ha­ben. wir ha­ben das hier mal aus­pro­biert: das geht gar nicht!
- ja?
- wir su­chen jetzt je­man­den der sich mit so­was aus­kennt.
- ich kenn mich da lei­der nicht so mit aus und ken­ne ehr­lich­ge­sagt auch nie­man­den der sich da­mit aus­kennt. die fo­tos hab ich ir­gend­wo ge­fun­den und ein paar zei­len drü­ber ge­schrie­ben. wie das funk­tio­niert hab ich auch kei­ne ah­nung.
- na dann bleibt mir nur mich zu be­dan­ken.
- bit­te.


les­ben! die bes­ten bü­cher, au­toren, le­sun­gen

felix schwenzel

muss an anne will und den gros­sen schlag­zei­len der letz­ten tage lie­gen, dass ich aus­ver­se­hen „les­ben!“ statt „le­sen!“ las. schlimm.


lo­bo­mo­bil

felix schwenzel

üb­ri­gens: die fri­sur hat auf dem bild be­reits zwei näch­te (ohne mor­gend­li­che re­stau­rie­rung) über­lebt. au­to­fah­ren geht laut sa­scha lobo auch auch mit ge­schlos­se­nem dach, al­ler­dings lei­det dann die sitz­hal­tung.


vie­le wor­te um vie­le wor­te

felix schwenzel

die ver­an­stal­tung ges­tern abend war vor al­lem eine er­klär­bär-ver­an­stal­tung zum web2.0 für „ent­schei­der“. das pu­bli­kum be­stand vor­wie­gend aus lo­kal­grös­sen und ho­no­ra­tio­ren. so rich­tig kna­cki­ge neu­ig­kei­ten oder er­kennt­nis­se zum web2.0 ka­men nicht ans licht, aber das war ja auch auf dem o’reil­ly-kon­gress nicht viel an­ders. wahr­schein­lich ist das so­wie­so ein ding der un­mög­lich­keit web2.0 auf ir­gend­ei­ne for­mel zu brin­gen. an­de­rer­seits ist „web2.0“ ja ge­nau die­se for­mel: ein ne­bu­lö­ser be­griff um al­les was sich zur zeit so im in­ter­net be­wegt mit ei­nem schlag­wort zu­sam­men­zu­fas­sen. das bes­te syn­onym für web2.0 ist dem­nach „dings“.

und — ich wie­der­ho­le mich — die­ses dings wur­de auf die­ser ver­an­stal­tung sehr be­müht aus al­len mög­li­chen per­spek­ti­ven be­leuch­tet. be­ein­dru­ckend war wie ge­wis­sen­haft sich die mo­de­ra­to­rin nova mei­er­hen­rich vor­be­rei­tet hat­te. zu 62-78 pro­zent war ihre vor­be­rei­tung auch fun­diert. ihre an­mo­de­ra­ti­on war in etwa de­ckungs­gleich mit dem, was sie vor der ver­an­stal­tung in ihr blog schrob. dass ihr wäh­rend der ver­an­stal­tung ein paar un­ge­nau­ig­kei­ten raus­rutsch­ten wur­de von den teil­neh­mern der run­de ge­flis­sent­lich über­gan­gen, also wer­de ich auch nicht dar­auf rum­rei­ten, dass die fir­ma kryp­to­ni­te kei­nes­falls „plei­te“ ging nach­dem „kürz­lich“ ein vi­deo durch die blogs geis­ter­te auf dem zu se­hen war wie ein­fach die an­geb­lich si­che­ren schlös­ser zu kna­cken sind. im­mer­hin wi­der­sprach sa­scha lobo, nach­dem sie ihn als „ur­ge­stein des in­ter­nets“ und „kult­blog­ger“ be­zeich­ne­te.

eben­falls be­ein­dru­ckend fand ich, dass der gast­ge­ber, der vor­stands­vor­sit­zen­de der spar­kas­se han­no­ver, die ver­an­stal­tung aus­ge­rech­net mit ei­nem zi­tat von jean-remy von matt er­öff­ne­te. man müs­se die nor­mal­spur schon ver­las­sen um an­de­re zu über­ho­len, soll der ge­sagt ha­ben. da­bei sprach er al­ler­dings nicht über das in­ter­net oder blogs oder web2.0, son­dern über die zu­kunft des wirt­schafts­stand­orts han­no­ver. „die hoff­nung stirb zu­letzt“ hat er lei­der nicht ge­sagt.

dass sa­scha lobo sich da­nach, schein­bar lis­pelnd, mit ei­ner ein­fa­chen er­klä­rung und zehn stei­len the­sen zur zu­kunft des in­ter­nets ab­müh­te, hab ix ja schon er­wähnt. die zehn stei­len the­sen habe ich hier noch­mal ex­tra zum nach­le­sen ab­ge­schrie­ben. al­ler­dings ver­wirr­te mich schon die ers­te stei­le the­se: „TV und Print wird es im­mer ge­ben.“ denn da­nach sag­te er, dass das netz sämt­li­che an­de­ren me­di­en­for­men bis auf das buch und buch­ähn­li­che zeit­schrif­ten ab­lö­sen wer­de. letzt­lich war das dann auch in der an­schlies­sen­den dis­kus­si­on der ein­zi­ge streit­punkt: wie ver­teilt sich künf­tig die auf­merk­sam­keit der „nut­zer“, wer er­zielt die gröss­ten oder hoch­wer­tigs­ten „reich­wei­ten“, wer er­reicht wie sei­ne ziel­grup­pe und wie kann man das zu geld ma­chen?

dazu gab es ei­nen hüb­schen klei­nen wort­wech­sel zwi­schen sa­scha lobo und ste­fan beh­rendt von t-on­line. sa­scha lobo sprach da­von, dass die zeit gros­ser por­ta­le oder reich­wei­ten­star­ker fern­seh­sen­dun­gen, also ei­gent­lich die zeit des mas­sen­ge­schmacks vor­bei sei, bzw. dass es den „mas­sen­ge­schmack“ ei­gent­lich eh nie ge­ge­ben hät­te und dass sich das jetzt zei­ge und der markt sich zer­split­te­re, zer­fa­se­re und im­mer klein­tei­li­ger wer­de. beh­rend frag­te lobo dann: „und wo­her kommt das geld?“ lobo: „wer­bung!“ beh­rend: „aber da­für braucht man reich­wei­te.“ lobo: „nicht wenn man die ziel­grup­pe ex­akt er­rei­chen kann.“ beh­rend warf lobo dann vor die mark­ge­set­ze zu igno­rie­ren, für den „re­ve­nue stream“ bräuch­te man halt die reich­wei­te. lobo stimm­te ihm zu, dass er die markt­ge­set­ze igno­rie­re und brach­te dann das bei­spiel des adi­cal-blog­gers „psp-freak“. dort wür­den sich täg­lich bis zu 15000 men­schen über die mo­bi­le play­sta­ti­on in­for­mie­ren, so eine ge­naue ziel­gru­pen­an­spra­che kön­ne man selbst mit den 1,5 mil­lio­nen be­su­chern auf t-on­line nie hin­be­kom­men. leicht an­ge­säu­ert kor­ri­gier­te beh­rend ihn, es sei­en 14 mil­lio­nen. lobo mein­te dar­auf­hin er be­zie­he sich auf die zu­kunft. wenn ich mich recht er­in­ne­re habe ich als ein­zi­ger dar­über ge­lacht. tors­ten muth von cis­co ver­such­te dann den schlich­ter zu spie­len: „es ist reich­wei­te und ziel­grup­pe!“.

aber lobo war nicht der ein­zi­ge der stei­le the­sen auf­stell­te. der ver­tre­ter der ver­lags­grup­pe madsack der an­dre­as arnt­zen ver­trat und des­sen na­men ich nicht im ver­an­stal­tungs­pro­gramm fin­den oder auf­schnap­pen konn­te, fa­bu­lier­te wäh­rend der dis­kus­si­on über den frei­heits­grad des pa­pie­res: „pa­pier ist frei. pa­pier macht un­ab­hän­gig. pa­pier bie­tet ei­nen weit grös­se­ren frei­heits­grad als elek­tro­ni­sche me­di­en.“ sein kil­ler­ar­gu­ment lau­te­te: „pa­pier braucht kei­nen strom.“ sehr über­zeu­gend. wenn es kei­nen strom mehr gäbe, sprach sa­scha lobo mei­ne as­so­zia­ti­on aus, dann hät­ten wir si­cher ganz an­de­re pro­ble­me als dass wir auf pa­pier nach­le­sen woll­ten was an­ge­la mer­kels ka­bi­nett be­schlos­sen habe. und wie man dru­cke­rei­en ohne strom be­trei­ben wol­le oder dass der ver­trieb von zei­tun­gen ohne en­er­gie auch nicht so ganz ein­fach ist woll­te dann ei­gent­lich auch kei­ner im de­tail dis­ku­tie­ren. ich bin mir auch si­cher, dass die ver­lags­grup­pe madsack zei­tun­gen nicht mehr im blei­satz her­stel­len kann (und selbst der blei­satz braucht so­weit ix weiss strom). bleibt na­tür­lich die hap­tik des pa­pie­res als über­zeu­gends­tes ar­gu­ment üb­rig. ob­wohl ich seit­dem ich die hap­tik des ipho­ne-brow­sers aus­pro­biert habe, auch bald so weit bin, in be­zug auf web­sei­ten von hap­tik zu re­den.

eine wei­te­re stei­le the­se aus dem hau­se madsack (und t-on­line) lau­te­te: die gra­nu­lier­ten, zer­fa­ser­ten in­for­ma­tio­nen aus den wei­ten des in­ter­nets in­ter­es­sier­ten ei­gent­lich nie­man­den, nie­mand wol­le sich durch hun­der­te blogs oder web­sei­ten ar­bei­ten um an in­for­ma­tio­nen zu kom­men. die gros­sen ver­la­ge ver­edel­ten in­for­ma­tio­nen und prä­sen­tier­ten die­se glaub­wür­dig und mit ho­hem qua­li­täts­an­spruch un­ter ei­ner gros­sen mar­ke. da war es wie­der das gute alte gate­kee­per-ar­gu­ment und die über­zeu­gung, dass glaub­wür­dig­keit und qua­li­tät von den gros­sen play­ern ge­pach­tet sei. sa­scha lobo war so feund­lich auf die­se schaum­schlä­ge­rei mit ei­nem plä­doy­er für me­di­en­kom­pe­tenz zu ant­wor­ten. dan­kens­wer­ter­wei­se ohne die­ses furch­ba­re wort in den mund zu neh­men, son­dern ein­fach in­dem er dar­auf hin­wies, dass blöd­sinn kei­nes­falls nur in blogs oder „im in­ter­net“ ste­he, son­dern durch­aus auch in zei­tun­gen oder agen­tur­mel­dun­gen. al­les was ge­gen blöd­sinn hel­fe sei di­stanz und bil­dung.

zu­sa­men­fas­sen kann man die dis­kus­si­on so: alle se­hen wie sich die auf­merk­sam­kei­ten und ziel­grup­pen zer­fa­sern, zer­split­tern und ver­mi­schen (stei­le lobo-the­se num­mer 10), wie sich ge­mein­schaf­ten — wie im ech­ten le­ben — zu­sam­men­clus­tern (stei­le lobo-the­se num­mer 9) und wie nut­zer im­mer mehr in­hal­te selbst pro­du­zie­ren (stei­le lobo-the­se num­mer 3). alle die mit­spie­len ver­su­chen ein stück von gros­sen ku­chen ab­zu­be­kom­men. wie das funk­tio­nie­ren soll weiss kei­ner so ge­nau. of­fen­bar ste­hen wir noch am an­fang von pha­se eins, in der alle ver­su­chen zu ver­ste­hen was über­haupt los ist und wie man die krüm­mel des ku­chens die man be­reits zu ha­ben meint, ver­tei­di­gen kann. also ganz kurz zu­sam­men­ge­fasst: „schaun mer mal.“

[nach­trag 23.11.2007]
mitt­ler­wei­le hat sich inka bu­row in der ha­no­ver­schen all­ge­mei­nen zu der ver­an­stal­tung ge­äus­sert und mei­ne tex­te auf auf recht­schreib und zei­chen­set­zungs­feh­ler ab­ge­klopft. drei tage spä­ter? die drei tage ha­ben zu­min­dest nicht da­für ge­reicht mal ei­nen blick in die rie­sen­ma­schi­ne zu wer­fen, um zu er­ken­nen, dass die nicht sa­scha lo­bos „In­ter­net­ta­ge­buch“ ist.

auf den sei­ten des ver­an­stal­ters hat sich auch et­was ge­tan, dort kann man jetzt ei­nen „Bil­der­bo­gen Po­di­um“ und ei­nen „Bil­der­bo­gen Gäs­te“ be­trach­ten. der name des ab­we­sen­den an­dre­as arnt­zen von der ver­lags­grup­pe madsack ziert dort al­ler­dings im­mer noch das po­di­um, mit­ter­wei­le hat mir ein ent­schei­der aus han­no­ver aber ge­flüs­tert, dass der name des ver­tre­ters auf dem po­di­um hans-jür­gen thein­ert lau­te­te.

weiterlesen

10 stei­le The­sen zur Zu­kunft des In­ter­nets

felix schwenzel

[von sa­scha lobo ver­fasst, von mir aus­ge­lie­hen]

[nach­träg­li­che an­mer­kung 22.11.2007: die the­sen wur­den ei­ner prä­sen­ta­ti­on ent­nom­men die sa­scha lobo auf ei­ner ver­an­stal­tung in han­no­ver ge­hal­ten hat (be­richt da­von hier und hier). ur­sprüng­lich woll­te ich den vor­trag mit mei­nen ei­ge­nen no­ti­zen und er­in­ne­run­gen zu­sam­men­fas­sen, habe mich dann aber um­ent­schie­den und hier die ori­gi­nal­vor­la­ge ver­öf­fent­licht. dass so nur ein klei­ner teil des vor­tra­ges wie­der­ge­ge­ben wird und die the­sen so teil­wei­se miss­ver­ständ­lich wir­ken, habe ich vor­her nicht 100pro­zen­tig be­dacht.]

1 Medien

TV und Print wird es im­mer ge­ben.
Schall­plat­ten gibt es ja auch noch. Das Netz löst sämt­li­che an­de­ren Me­di­en­for­men bis auf das Buch und buch­ähn­li­che Zeit­schrif­ten ab.

2 Werbung

Die to­tal ver­wor­be­ne Ge­sell­schaft.
Kon­su­men­ten su­chen sich ihre all­ge­gen­wär­ti­ge Wer­bung selbst aus. Manch­mal frei­wil­lig, manch­mal nicht. Wich­tig wer­den Stra­te­gie, Idee und Tech­nik. Ex­cel ver­liert.
[Bei­spiel: „Will It Blend?“]

3 Entertainment

Here we are now. We en­ter­tain us.
Der Un­ter­hal­tungs­in­dus­trie bleibt nur Qua­li­tät als Aus­weg, so un­wahr­schein­lich das klingt. Trash kön­nen die Nut­zer selbst und schlech­ter bzw eben bes­ser.
[Bei­spiel: Kanye West Med­ley By Da­vid Si­des.]

4 Technologie

Will­kom­men im Pro­dukt­par­la­ment.
Die Ziel­grup­pe wird Teil der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung. Tech­no­lo­gie ver­schiebt sich von Hard­ware zu Soft­ware und wer­den so von den Nut­zern im­mer bes­ser an­ge­passt.
[Bei­spiel: crowd­spi­rit]

5 Konsum

Von füh­len­den Nut­zern emp­foh­len.
Wie Kon­sum in den 90ern eine Event-Kom­po­nen­te be­kam, ent­wi­ckelt sich eine Com­mu­ni­ty-Kom­po­nen­te: So­cial Com­mer­ce. Die emo­tio­nal ge­färb­te Emp­feh­lung ist der Kon­sum-Mo­tor der Zu­kunft.

6 Forschung

Das Netz als KMS.
Die Ver­net­zung von Wis­sen er­lebt eine Re­nais­sance. Im Netz geht Idee vor In­sti­tu­ti­on, die Weis­heit der Mas­se kreuzt sich mit dem Fleiss der Vie­len.

7 Arbeit

Die Fle­xi­bi­li­tät frisst ihre Vä­ter.
Je ge­bil­de­ter, des­to leich­ter kann man sich eine Ni­sche schaf­fen, die die Tech­no­lo­gien für ei­ge­nen Frei­raum nutzt – ob di­gi­ta­le Bo­hè­me oder fest­an­ge­stellt.

8 Kommunikation

Man wird nicht nicht kom­mu­ni­zie­ren.
Die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Zu­kunft wird mo­bi­ler, orts­be­zo­ge­ner, ver­netz­ter und spon­ta­ner. Vor al­lem aber: pau­sen­los und teil­au­to­ma­ti­siert.
[Bei­pi­el: aka-aki.com]

9 Gemeinschaft

Com­mu­ni­ty über al­les.
Com­mu­ni­ty ist nur ein häss­li­ches Wort da­für, dass sich alle mög­li­chen und un­mög­li­chen Be­rei­che der Ge­sell­schaft on­line or­ga­ni­sie­ren.

10 Kultur

Zer­fa­sert, zer­split­tert, ver­mischt.
Das Netz för­dert die Ato­mi­sie­rung der Kul­tur und die un­kon­trol­lier­ba­re Neu­zu­sam­men­set­zung der Mo­le­kü­le. Ist das nicht fa­mos?
[Bei­spiel: func­tion­al­fa­te.org]


die welt vor der tü­re

felix schwenzel

heu­te früh lag die welt vor mei­ner ho­tel-zim­mer­tü­re. also die zei­tung, nicht das gros­se gan­ze.

zum früh­stück habe ich dar­in ge­blät­tert, un­fass­bar viel blöd­sinn ge­le­sen, aber auch in­ter­es­san­tes. gut ge­fal­len hat mir die­ser satz aus die­sem ar­ti­kel im kul­tur­teil:

Der Frei­heits­grad ei­nes Ge­mein­we­sens ist um­ge­kehrt pro­por­tio­nal zu der Häu­fig­keit, mit der man sich le­gi­ti­mie­ren muss.

al­ler­dings geht es nicht dar­um, dass die maut­brü­cken auf deut­schen au­to­bah­nen jetzt auch zur ver­bre­chens­be­kämp­fung ein­ge­setzt wer­den sol­len oder um da­ten­sam­mel­wut (und de­ren mög­li­chen fol­gen), son­dern um ei­nen film der in ce­au­ses­cus ru­mä­ni­en spielt. was woll­te ich noch­mal sa­gen?

ver­ges­sen.

zum tep­pich in mei­nem ho­tel­zim­mer fällt mir ehr­lich­ge­sagt auch nichts ein. nur dass frau­en die­ses mus­ter nicht in ih­ren busi­ness-class-zim­mern fin­den.


les­ben­blog

felix schwenzel

ich lese ein les­ben­blog [via].


weg­mar­ken, web2.0-dings

felix schwenzel

ich wur­de nach han­no­ver ein­ge­la­den um hier über eine ver­an­stal­tung der spar­kas­se han­no­ver zu schrei­ben. ges­tern gabs dazu schon eine press­mel­dung. es geht um ein klas­si­sches spar­kas­sen-the­ma: web2.0.

web2.0 — macht für kon­su­men­ten. ohn­macht für wirt­schaft und me­di­en?

auf dem po­di­um, das wit­zi­ger­wei­se ei­ner tas­ta­tur mit auf­ge­set­zen ho­ckern nach­emp­fun­gen ist, sit­zen an­dre­as arnt­zen, ge­schäfts­füh­rer der ver­lags­grup­pe madsack der stell­ver­tre­ter von an­dre­as arnt­zen des­sen na­men ich nicht mitb­kom­men habe, sa­scha lobo, wer­be­fuz­zi und mild adi­pö­ser, ge­nia­ler auf­merk­sam­keits­er­zeu­ger in ei­ge­ner sa­che, ste­fan beh­rendt, von t-on­line, tors­ten muth, mar­ke­ting-chef von cis­co. mo­de­riert wird die ver­an­stal­tung von nova mei­er­hen­rich, die auf der weg­mar­ken-web­site als „TV-Mo­de­ra­to­rin, Life­style-Re­por­te­rin, Ko­lum­nis­tin und Schau­spie­le­rin“ vor­ge­stellt wird und sa­scha lobo erst nach der ver­an­stal­tung du­zen möch­te.

sa­scha wird hier geich ei­nen vor­trag wie­der­ho­len den er eben vor ein paar stu­den­ten ge­hal­ten hat und da­nach wird man wohl re­den, trin­ken und es­sen.

ich selbst habe ei­nen et­was fi­schi­gen ge­schmack im mund, weil ich ge­ra­de meh­re­re por­tio­nen mat­jes-tar­tar vom „flie­gen­den“ buf­fet ge­nom­men habe, was be­kann­ter­mas­sen 8 stun­den lang (gut) schmeckt.

um halb sie­ben ström­ten die „ent­schei­der“ in den saal und wur­den erst­mal mit goog­le-epic be­rie­selt. ok. nicht der schlech­tes­te ein­stieg in die the­ma­tik — für ent­schei­der. to­sen­der ap­plaus da­nach. jetzt wird erst­mal mo­de­riert und ich mach mir glaub ich mal no­ti­zen auf pa­pier. oder zu­hö­ren. oder fo­to­gra­fie­ren.

[19:25]
nach­dem die mo­de­ra­to­rin de­mons­triert hat, dass sie sich ge­wis­sen­haft vor­be­rei­tet hat und den gast­ge­ber, den vor­stands­vor­sit­zen­den der spar­kas­se han­no­ver ein paar wor­te an die ent­schei­der hat rich­ten las­sen, stellt sie sa­scha lobo als „ur­ge­stein des in­ter­nets“ vor. sa­scha lobo wird beim plau­dern voll durch­ge­siezt. als er dann an­fängt zu re­den, ein rie­sen-schreck: sa­scha lobo lis­pelt. das hat er vor­her nicht. ich hof­fe es ist ein tech­ni­sches pro­blem. hört sich echt schlimm an.

im vor­trag möch­te er 1 ein­fa­che er­klä­rung und 10 stei­le the­sen zur zu­kunft des in­ter­nets vor­stel­len. die ein­fa­che er­klä­rung lau­tet: „web2.0 be­deu­tet: die nut­zer in­ter­agie­ren, ob man will oder nicht.“ zur wei­te­ren er­klä­rung be­nutzt er das ein­leuch­ten­de (aber leicht aus­ge­tram­pel­te) web2.0 tram­pel­pfad-bild der uni­ver­si­tät ore­gon.

die 10 the­sen spa­re ich mir für die zu­sam­men­fas­sung. der­zeit ist er bei the­se num­mer 7. der gröss­te la­cher bis­her: sa­scha lobo zeigt ein bild vom st. ober­holz (sym­bol­bild). er habe das bild be­reits im jah­re 2005 ge­macht, „mor­gens, so ge­gen 14 uhr 30“. dar­über la­chen ent­schei­der.

[19:43]
die mo­de­ra­to­rin hat 20 cm hohe ab­sät­ze. kann aber gut dar­auf lau­fen. alle 5 dis­ku­tan­ten sit­zen jetzt zu­sam­men und ix hab kei­ne ah­nung ob es wirk­lich eine gute idee war die teil­neh­mer auf schrä­gen ho­ckern sit­zen zu las­sen. sieht echt schräg aus.

[20:25]
bin ge­ra­de kurz raus­ge­kom­men aus dem no­ti­zen schrei­ben. die mo­de­ra­to­rin hat an­ge­fan­gen über mich zu re­den. ich wür­de ja live al­les mit­blog­gen, ob denn schon dis­ku­tiert wür­de. ich so: „neee“. konn­te ja nicht sa­gen, dass der ein­zi­ge kom­men­tar bis­her um das mat­jes-tar­tar ging und das ich gar nicht al­les live mit­schrei­be.

er­freu­lich: sa­scha lobo lobote mich: er habe über mich zum blog­gen ge­fun­den. frü­her hät­te er im­mer ge­dacht blogs sei­en doof und als er an­fing mich zu le­sen, be­merk­te er, das ist ja nett. auch doof, aber eben auch nett. nach­dem die auf dem po­di­um über mich ge­re­det hat­ten, wur­de ich ca. 40 mal fo­to­gra­fiert.

[20:30]
die ers­te pu­bli­kums­fra­ge. mich be­schleicht das ge­fühl, es wird die ein­zi­ge fra­ge blei­ben. die ent­schei­der schei­nen hung­rig.

[01:46]
es blieb tat­säch­lich die ein­zi­ge pu­bli­kums­fra­ge, was die mo­de­ra­to­rin zu der ver­mu­tung an­trieb, dass das an der viel­schich­tig­keit der dis­kus­si­on ge­le­gen ha­ben müs­se. ich blei­be da­bei, die ent­schei­der wa­ren hung­rig. er­staun­lich fand ich wie­vie­le leu­te sich nach der ver­an­stal­tung an sa­scha lobo ran­wanz­ten um ihn zu lo­ben. da auch ich öf­ter in sei­ner nähe stand weil dort das „flie­gen­de büf­fet“ am re­gel­mäs­sigs­ten vor­bei­flog, konn­te ich zeu­ge von ei­ni­gen die­ser vor­gän­gen wer­den. spä­ter lief zum aus­klang des abends im ver­an­stal­tungs­saal das „flie­gen­de büf­fet“ um­her, phil coll­ins und das star-wars-the­me (lei­se) aus den laut­spre­chern und das bier in strö­men. mor­gen fas­se ich noch­mal die ver­an­stal­tung und ein paar grif­fi­ge zi­ta­te zu­sam­men, hab mir da­für ex­tra ei­nen tag ur­laub ge­nom­men.


schi­zo­phre­ne par­tei deutsch­lands

felix schwenzel

irre. erst stimmt die SPD im bun­des­tag für die an­lass­lo­se, kom­plet­te spei­che­rung al­ler te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten al­ler bür­ger (vor­rats­da­ten­spei­che­rung) um da­nach die ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ge­ra­de be­schlos­se­nen zu be­kla­gen. kurz dar­auf schiebt sie eine ali­bi-in­itia­ti­ve für ein „grund­recht auf in­for­ma­ti­ons­frei­heit“ nach. schi­zo­phren, krank, un­red­lich, bi­gott und enorm un­glaub­wür­dig.

aber bri­git­te zy­pris reicht das noch nicht. sie ver­pflich­tet pri­vat­un­ter­neh­men per ge­setz, ge­gen de­ren er­klär­ten wil­len, un­men­gen an da­ten ih­rer kun­den zu sam­meln und 6 mo­na­te zu spei­chern und be­schwert sich, kei­ne zwei wo­chen nach­dem das ge­setz un­ter fe­der­füh­rung ih­res mi­nis­te­ri­ums ver­ab­schie­det wur­de dar­über, dass un­ter­neh­men „un­über­schau­ba­re Da­ten­men­gen“ sam­meln und da­mit — das sind ihre wor­te — ei­nen „glä­ser­ne Kun­den“ schaf­fen wür­den. ich ver­steh das nicht. ge­setz­lich an­ge­ord­ne­tes pri­va­tes da­ten­sam­meln ist gut ge­gen ver­bre­chen und ter­ror, pri­va­tes da­ten­sam­meln ohne ex­pli­zi­te ge­setz­li­che an­ord­nung ist böse? kann hier je­mand eine lo­gik er­ken­nen?

echt. mir scheint mitt­ler­wei­le selbst eine bi­got­ter trend­wel­len­rei­ter wie kai diek­man red­li­cher, wahr­haf­ti­ger und ehr­li­cher als die­ser mitt­ler­wei­le völ­lig durch­ge­knall­te po­pu­lis­mus­la­den mit ob­rig­keits­hö­ri­ger, schi­zo­phre­ner grund­ten­denz. noch nie habe ich eine par­tei für pein­li­cher und un­wähl­ba­rer ge­hal­ten als die SPD. aber so­was von.


ent­schul­di­gungs­arie

felix schwenzel


ent­schär­fen­des dep­pen­sprech

felix schwenzel

ich soll­te mich ja ei­gent­lich nicht dar­über be­schwe­ren, dass die in vie­len blogs die spra­che zu­neh­mend ver­roht. ich ver­rüh­re sie ja selbst ganz ger­ne.

trotz­dem: dar­über dass so­bald ir­gend­wer un­er­wünsch­te wer­bung oder blö­des zeug in sei­nem kom­men­tar­be­reich löscht ir­gend­ein depp „zen­sur“ schreit habe ich mich schon öf­ter auf­ge­regt. zen­sur ist und bleibt für mich der ver­such „ei­nes Staa­tes, ei­ner ein­fluss­rei­chen Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes Sys­tem­trä­gers, um durch Me­di­en ver­mit­tel­te In­hal­te zu kon­trol­lie­ren“. dazu ge­hö­ren ab­mah­nun­gen, dro­hun­gen oder ein­schüch­te­rung, aber ganz si­cher nicht das lö­schen von kom­men­ta­ren oder der blöd­sinn den flickr un­ter der fah­ne des ju­gend­schut­zes ver­an­stal­tet. das wort zen­sur wird durch in­fla­tio­nä­ren ge­brauch völ­lig aus­ge­wa­schen. dazu könn­te man sei­ten­wei­se brand­schrif­ten ver­fas­sen und den leu­ten die bei je­dem furz zen­sur schrei­en müss­te man die dann um die oh­ren hau­en.

um die oh­ren hau­en soll­te man ro­bert ba­sic auch sei­nen ge­brauch des be­griffs „in­for­ma­tio­nel­le selbst­be­stim­mung“: erst schreibt er es falsch (in­for­mell! in­for­mell!) und dann be­nutzt er es auch noch für die um­schrei­bung von frei­em zu­gang zu in­for­ma­tio­nen:

Sie­he auch Frank Helm­schrotts Ar­gu­ment we­gen “in­for­mel­ler Selbsbe­stim­mung” der Nut­zer: Folg­lich ist das Aus­sper­ren von Goog­le für mich gleich­zu­setz­ten mit der Aus­gren­zung ei­nes gro­ßen Be­nut­zer­krei­ses. (quel­le)

dass die jus­tiz­mi­nis­te­rin bri­git­te zy­pris kei­ne ah­nung hat (oder zu­min­dest­so tut) was in­for­ma­tio­nel­le selbst­be­stim­mung ist kann ich ja noch ver­ste­hen. sie hat po­li­ti­sche grün­de und weiss auch nicht was ein brow­ser ist. ro­bert ba­sics grün­de sind sprach­schlam­pi­ge. in­for­ma­tio­nel­le selbst­be­stim­mung ist und bleibt:

Im deut­schen Recht be­zeich­net die In­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung das Recht des Ein­zel­nen, grund­sätz­lich selbst über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung sei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten zu be­stim­men. (quel­le)

dass die wor­te „zen­sur“, „in­for­ma­tio­nel­le selbst­be­stim­mung“ oder mei­net­we­gen auch „vor­rats­da­ten­spei­che­rung“ oder „on­line durch­su­chung“ sper­rig und im prin­zip un­be­nutz­bar sind und dass man für sie drin­gend grif­fi­ge­re, dras­ti­sche­re und be­nutz­ba­re­re syn­ony­me fin­den soll­te, ist viel­leicht ein in­ter­es­san­ter ne­ben­an­spekt, aber kein grund sie der­mas­sen zu ent­stel­len.

viel­leicht fin­det sich hier ei­ner der grün­de war­um die dis­kus­si­on über vor­rats­da­ten­spei­che­rung, on­line­durch­su­chun­gen, ab­mah­nun­gen und was weiss ich noch al­lem sich so we­nig in der brei­ten öf­fent­li­chen dis­kus­si­on wie­der­fin­den. aus­er „sta­si2.0“ ist mir kein grif­fi­ger slo­gan be­kannt der die pro­ble­me und her­aus­for­de­run­gen der in­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft (und dem was die hilf­lo­se, in­kom­pen­tente po­li­ti­sche klas­se ge­ra­de dar­aus macht) zu­sam­men­fasst und bild­lich be­schreibt.

viel­leicht soll­ten wir uns nicht die bü­ro­kra­ti­sche spra­che der po­li­tik auf­drü­cken las­sen und statt von „vor­rats­da­ten­spei­che­rung“ oder „in­for­ma­tio­nel­ler selbst­be­stim­mung“ eben (mehr) von ent­mün­dig­tem bür­gern, über­wa­chungs­wahn und ma­xi­mal in­kom­pe­ten­ten und fei­gen po­li­ti­kern re­den. neue wor­te braucht das land. wenn wir es nicht auf eine for­mel brin­gen kön­nen, wer soll es sonst tun?


mein wo­chen­en­de

felix schwenzel

  • ges­tern hat die bei­fah­re­rin mir er­klärt wie das so ist: „3 wo­chen lang be­kom­me ich mei­ne tage und dann habe ich sie eine wo­che.“
  • eine par­ty, 3 ipho­nes (ge­fühlt wa­ren es 5). aber fo­to­gra­fie­ren mit 5 me­ga­pi­xeln, blit­zen, wie eine ta­schen­lam­pe leuch­ten, dr. ka­wa­shi­mas ge­hirn-jog­ging spie­len oder nen lap­top ins in­ter­net brin­gen konn­te kein ein­zi­ges von den ipho­nes. mein k850i schon.
  • die grö­ner küsst ihr ipho­ne — wirk­lich. wenn sie eine aus­re­de braucht um früh zu ge­hen, sagt sie sie müs­se jetzt ihr ipho­ne wie­der la­den.
  • „es war so ru­hig, ich konn­te den auf­schlag des po­pels auf den ka­cheln hö­ren.“
  • apro­pos po­pel: ich wür­de je­man­dem der ei­nen halb ge­trock­ne­ten po­pel oder gut sicht­ba­ren schnod­der im brust­be­reich auf ei­nem schwar­zen hemd kle­ben hat, auf sein miss­ge­schick hin­wei­sen. echt.
  • auch wenn die bei­fah­re­rin mir das ges­tern er­klärt hat, ganz ver­ste­hen wer­de ich sie viel­leicht nie. ges­tern sass ich gut­ge­launt am schreib­tisch, an mei­nem rech­ner. die bei­fah­re­rin stand ir­gend­wann vom sofa auf um sich et­was an ih­rem neu­en spiel­zeug von mir er­klä­ren zu las­sen. sie stand ne­ben mir am schreib­tisch und wäh­rend ich ihr das spiel­zeug er­klär­te be­schwer­te sie sich plötz­lich bit­ter­lich, dass ich „im­mer“ sit­zen kön­ne und sie im­mer ste­hen müs­se. ich stand auf, tät­schel­te ih­ren zau­ber­haf­ten hin­tern und zog ei­nen 50 zen­ti­me­ter ent­fernt ste­hen­den stuhl ran, set­ze sie sanft dar­auf, setz­te mich sel­ber wie­der und er­klär­te wei­ter.
  • am abend woll­te die bei­fah­re­rin, dass ich ihr et­was vor­le­se. ich schlug vor, ihr aus der be­die­nungs­an­lei­tung mei­nes neu­en k850i vor­zu­le­sen. noch nie habe ich sie so laut, ag­gres­siv und ent­schlos­sen „nein“ schrei­en ge­hört.

haus­be­such

felix schwenzel

[nach­trag 19.11.2007]
grund für den haus­be­such war das hier. bin ix mal ge­spannt wie das ge­hen wird.
war­nun­gen, dass oli­ver gehrs „gar kei­ne ah­nung vom in­ter­net“ habe, ha­ben sich als un­be­grün­det ge­zeigt. er hat zwar kein wlan zu­hau­se, aber in­ter­net, er be­kommt tat­säch­lich (meis­tens) mei­ne emails und zwei ar­ti­kel hat er schon selbst mit word­press ver­öf­fent­licht.

kann ei­gent­lich fast nix mehr schief­ge­hen.


nur im traum

felix schwenzel

nicht nur lu­kas fragt sich, was denn nun mit der ge­wal­ten­tei­lung und spe­zi­ell der vier­ten ge­walt los sei. herr batz fängt beim the­ma vor­rats­da­ten­spei­che­rung und jour­na­lis­mus gleich an zu träu­men. als ich an­fing sei­nen be­richt über die letz­te stern-tv-sen­dung zu le­sen, ent­wi­ckel­te ich bei den ers­ten zwei ab­sät­zen plötz­lich wie­der sym­pa­thien für gün­ther jauch, dann fing ich an zu über­le­gen wo man on­line nach der sen­dung su­chen könn­te und merk­te dann ir­gend­wann, dass das al­les zu schön war um wahr zu sein. ich mein: wir re­den über RTL!

und mal im ernst. wor­an liegt das, dass of­fen­bar aus­ser ste­fan nig­ge­mei­er kein ernst­zu­neh­men­der jour­na­list über die bank­rott­erklä­rung von 26 bi­got­ten SPD-clowns be­rich­tet hat? wirk­lich nie­mand aus­ser blog­gern?

strei­ken nicht nur die lok­füh­rer, son­dern auch die schran­ken­wär­ter und die mei­nungs­füh­rer?

[nach­trag 19.11.2007]
lu­kas hat mal nach­ge­hakt und nach­ge­fragt. sehr in­ter­es­sant, die 26 ab­ge­ord­ne­ten ha­ben das kunst­stück voll­bracht eine öf­fent­li­che er­klä­rung zu ver­öf­fent­li­chen, die der öf­fent­lich­keit kom­plett ver­bor­gen blieb. und na­tür­lich ha­ben aus­ser ste­fan nig­ge­mei­er und gün­ther jauch auch ste­fan krempl und hal fa­ber bei hei­se über die 26 ja­sa­ger be­rich­tet. über­haupt. ste­fan krempl, was wäre ohne ste­fan krempl und sei­ne kon­se­quen­te be­richt­erstat­tung auf hei­se.de?


ix soll­te mich doch we­ni­ger be­we­gen

felix schwenzel

aber viel­leicht war ich am mon­tag abend auch we­gen der vor­rats­da­ten­spei­che­rung und der ver­lo­gen­heit der SPD (und 26 ganz spe­zi­el­len ab­ge­ord­ne­ten) so der­mas­sen aus­ser atem.

ix am bran­den­bur­ger tor bei watch­ber­lin gu­cken oder ein­ge­bet­tet hier (flv-di­rekt­link).


steht die nächs­te kla­ge von mein­hard von ger­kan an?

felix schwenzel

ich wür­de die bahn zu­min­dest da­für ver­kla­gen, wenn ich ar­chi­tekt vom ber­li­ner HBF wäre.


fach­lich sach­lich auf dem bo­den des grund­ge­set­zes

felix schwenzel

ich habe nach­dem ich ein zi­tat vom vor­sit­zen­den der ge­werk­schaft der po­li­zei (kon­rad frei­berg) zur vor­rats­da­ten­spei­che­rung las, eine email an die ge­werk­schaft der po­li­zei ge­schrie­ben. mich in­ter­es­sier­te vor al­lem, ob es stimmt, dass die GDP sich ge­gen GPS-sen­der in po­li­zei­wa­gen aus­ge­spro­chen habe. heu­te hat mir ein herr ziel­as­ko von der GDP ge­ant­wor­tet, die ant­wor­ten habe ich un­ter mei­nen fra­gen ein­ge­fügt:

ich habe ein paar fra­gen zu ei­ner äus­se­rung des vor­sit­zen­den der GDP. in der pres­se wird er zi­tiert, dass sich die bür­ger um die vor­rats­da­ten­spei­che­rung kei­ne sor­gen ma­chen müss­ten:
Der Bür­ger kann si­cher sein, dass die Po­li­zei ver­ant­wor­tungs­voll mit die­sen Da­ten um­geht.

fra­ge: ist es wahr, dass kon­rad frei­berg bür­ger­rech­te auf ver­trau­en ge­gen­über der exe­ku­ti­ven auf­bau­en möch­te, statt auf de­ren ver­fas­sungs­mäs­sig ga­ran­tier­ten rech­ten?

ant­wort: Die Po­li­zei ar­beit auf dem Bo­den des Grund­ge­set­zes.

fra­ge: ist es wahr, dass die GDP sich da­ge­gen aus­ge­spro­chen hat GPS-sen­der in alle po­li­zei-wa­gen zu mon­tie­ren?

ant­wort: Nein, das The­ma wur­de bis­her - zu­min­dest auf GdP-Bun­des­ebe­ne - noch nicht dis­ku­tiert.

fra­ge: wenn das so ist, mit wel­cher be­grün­dung?

ant­wort: -

fra­ge: kann es sein, dass die GDP zu­min­dest bei der wah­rung der ei­ge­nen (da­ten­schutz-) rech­te an­de­re mass­stä­be an­legt als bei den rech­ten der üb­ri­gen bür­ger?

ant­wort: Nein.

fra­ge: sieht die GDP die wah­rung der vom ver­fas­sungs­ge­richt 1984 be­stä­tig­ten in­for­ma­tio­nel­len selbst­be­stim­mung al­ler bür­ger als ver­nach­läs­si­gig­bar an?

ant­wort: Nein.

fra­ge: ist es üb­lich, dass der vor­sitz­den­de der gdp sich an der dis­kus­si­on von ge­set­zes­vor­ha­ben öf­fent­lich be­tei­ligt und da­bei par­tei für die re­gie­rung er­greift?

ant­wort: Die GdP be­wer­tet Ge­set­zes­vor­ha­ben fach­lich sach­lich.


fa­ber, krempl, spd

felix schwenzel

hal fa­ber:

*** Trau­ern wir ei­nen Mo­ment lang dem in­for­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mungs­recht nach, wie es imVolks­zäh­lungs­ur­teilfor­mu­liert ist: „Das Grund­recht ge­währ­leis­tet in­so­weit die Be­fug­nis des Ein­zel­nen, grund­sätz­lich selbst über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung sei­ner per­sön­li­chen Da­ten zu be­stim­men.“ Was dar­aus eine so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Mi­nis­te­rin macht, die nach dem öf­fent­li­chen Mut­ter­schafts­test für den Ent­wurf der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ver­ant­wort­lich ist, grenzt an diesys­te­ma­ti­sche Ver­dum­mung der Zu­hö­rer: „Aber das Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung heißt ja nur, dass Bür­ger dar­über in­for­miert wer­den müs­sen, wer was von ih­nen spei­chert.“ Es mag ja sein, dass eine Ju­ris­tin nicht wis­sen muss, was ein Brow­ser ist, aber eine ge­wis­se Kennt­nis der Ge­set­ze wär nicht schlecht. Sonst müs­sen bei solch ra­di­ka­ler Ah­nungs­lo­sig­keit am Ende die von der SPD ver­füg­ten „Grund­sät­ze zur Fra­ge der ver­fas­sungs­feind­li­chen Kräf­te im öf­fent­li­chen Dienst“ neu for­mu­liert wer­den. Zu­min­dest wird klar, war­um eine Bri­git­te Zy­pries wun­der­bar zwi­schen EU-Scharf­ma­cherFran­co Frat­ti­ni und Ernst Uhr­laupasst, dem Chef der Süd­milch-Trup­pe.

ste­fan krempl:

Der Bun­des­rat hat auch kei­ne Ein­wen­dun­geng ge­genden Ge­set­zes­ent­wurf(PDF-Do­ku­ment) zur Ra­ti­fi­zie­rung derCy­ber­crime-Kon­ven­ti­ondes Eu­ro­pa­rats er­ho­ben. Das Ab­kom­men soll zur Be­kämp­fung der Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät die­nen. Der Ar­beits­kreis Vor­rats­da­ten­spei­che­rung warn­te da­ge­gen jüngst da­vor, dass das Ab­kom­men Deutsch­land dazu ver­pflich­te, jeg­li­chen An­for­de­run­gen von Te­le­fon- und In­ter­net­da­ten durch aus­län­di­sche Er­mitt­lungs­be­hör­den un­ver­züg­lich und „im größt­mög­li­chen Um­fang“ nach­zu­kom­men. Da­her sei der Völ­ker­ver­trag un­ver­ein­bar mit dem deut­schen Grund­ge­setz und der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on – eben­so wie die ge­ra­de vom Bun­des­tag be­schlos­se­neVor­rats­da­ten­spei­che­rung.

SPD:

Jede zu­sätz­li­che For­de­rung nach neu­en Maß­nah­men oder schär­fe­ren Ge­set­zen muss nicht nur da­hin ge­hend ge­prüft wer­den, ob sie tat­säch­lich mehr Si­cher­heit brin­gen könn­ten, son­dern sie müs­sen auch mit den Grund­wer­ten un­se­rer be­währ­ten Ver­fas­sung ver­ein­bar sein.
Die SPD ist die Par­tei der in­ne­ren Si­cher­heit und der Bür­ger­rech­te. (via 1,via 2)

De­mo­kra­tie ist lang­wei­lig

[gast­ar­ti­kel von lo­bo­tom]

De­mo­kra­tie ist lang­wei­lig. Ei­gent­lich ist es ein Wun­der, dass sie über­haupt funk­tio­niert. Denn nicht mal die, die sie von Be­rufs we­gen ma­chen, ge­hen ger­ne hin. Zum Ge­setz zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung bei­spiels­wei­se. Seit Mo­na­ten wird dar­über dis­ku­tiert, im­mer wie­der mein­te je­mand, end­lich sei Deutsch­land auf­ge­wacht und seit der Volks­zäh­lung habe es nicht mehr so viel Auf­merk­sam­keit für Bür­ger­rech­te ge­ge­ben. Naja.

Als im Bunds­tag die Aus­spra­che be­gann, war der Saal nicht ein­mal zu ei­nem Drit­tel ge­füllt. Viel zu groß wirk­te die rie­si­ge Hal­le für das Häuf­lein Ver­tre­ter des Vol­kes. Da­bei gab es rich­tig was zu wet­tern. Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on war da­für, die Op­po­si­ti­on ge­schlos­sen da­ge­gen. Und Ka­me­ras wa­ren auch ge­nug auf die blau­en Stüh­le ge­rich­tet.

Das Ge­setz aber war ver­ab­schie­det, be­vor es im Par­la­ment über­haupt de­bat­tiert wur­de. So ist es im­mer. Ei­gent­lich geht es im Ple­nar­saal nur dar­um, ab­zu­ni­cken, was vor­her in lan­gen Run­den aus­ge­han­delt wur­de. Hät­te die Op­po­si­ti­on nicht eine na­ment­li­che Ab­stim­mung ver­langt, wäre das ach so um­strit­te­ne Ge­setz von ein paar müde ge­ho­be­nen Hän­den be­schlos­sen wor­den.

So aber dräng­ten sich plötz­lich Hun­der­te, als die Saal­die­ner die Ur­nen brach­ten. So schnell wie mög­lich woll­ten sie ihre blau­en und ro­ten Kärt­chen in die Kis­ten ste­cken. Die meis­ten setz­ten sich gar nicht erst.

Als Bun­des­tags­prä­si­dent Lam­mert zwan­zig Mi­nu­ten spä­ter das Er­geb­nis ver­kün­de­te, wa­ren alle längst wie­der weg. In den Rei­hen der Grü­nen sa­ßen noch fünf Ab­ge­ord­ne­te, bei der SPD zehn, die Uni­on brach­te es auf 21 Sit­ze.

Und was wa­ren nicht in der Aus­spra­che zu­vor für Re­den ge­hal­ten wor­den. Die Links­par­tei hat­te es ei­nen „trau­ri­gen Tag für die De­mo­kra­tie“ ge­nannt, die Grü­nen fan­den, es sei „ein schwar­zer Tag für die Bür­ger­rech­te“, die SPD sah dar­in „ei­nen gu­ten Tag für den Rechts­staat“.

Ei­gent­lich aber war es vor al­lem der Tag der Bü­ro­kra­tie. Hau­fen­wei­se Gre­mi­en ha­ben sich mit dem 200 Sei­ten di­cken Ge­setz be­fasst. Und nun muss sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch noch mit 7000 Kla­gen be­schäf­ti­gen.