blog­dings 2004 und jetzt

felix schwenzel in artikel

vier netnewswire icons von 2006 bis heu­te

face­book gibts seit 2004, aber es dau­er­te noch min­des­tens vier jah­re, bis man es in deutsch­land be­nut­zen konn­te. so­zia­le netz­wer­ke ent­stan­den in die­ser zeit ge­ra­de, in die­sem bei­trag von 2004 er­wäh­ne ich ei­nen dienst der „fri­enster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr er­in­nern kann. über das blog­gen schrieb ich da­mals das hier:

die per­son hin­ter ei­nem web­log, ihre glaub­wür­dig­keit und das ver­trau­en das sie sich er­schrie­ben hat, steht am an­fang. je­des blog ist durch links, link-hubs und link-zäh­ler, ag­gre­ga­to­ren, blogrolls und kom­men­tar­funk­tio­nen in eine art so­zia­les netz von ver­trau­en, emp­feh­lun­gen und be­wer­tun­gen ein­ge­bet­tet. die­ses so­zia­le netz geht jetzt schon über sys­te­me wie „fri­enster“ hin­aus. es funk­tio­niert vor al­lem jetzt schon.

blogs funk­tio­nier­ten da­mals „in sich“, sie ver­netz­ten sich im wort­sinn durch ge­gen­sei­ti­ge ver­lin­kun­gen, in­ter­ak­tio­nen (kom­men­ta­re), blogrol­len (link­lis­ten) und durch die hil­fe von ag­gre­ga­to­ren und teil­wei­se auch such­ma­schi­nen. aus­ser­dem wa­ren blogs im­mer schon abon­nier­bar mit RSS. das war tech­nisch et­was an­spruchs­vol­ler als eine web­sei­te/ein blog im brow­ser auf­zu­ru­fen, aber gute RSS-rea­der oder -cli­ents gabs auch schon da­mals. der reiz, da­mals wie heu­te, von RSS ist na­tür­lich die ag­gre­ga­ti­on: neue ar­ti­kel wer­den oben an­ge­zeigt, wie in ei­nem blog, nur dass man sich in sei­nem rea­der dut­zen­de oder hun­der­te blogs zu­sam­men­stel­len konn­te und so den über­blick über neue bei­trä­ge be­hal­ten konn­te.

nicht zu un­ter­schät­zen, un­ge­fähr 2005 kam goog­le mit dem goog­le rea­der. der goog­le rea­der mach­te RSS-feeds ein­fach zu­gäng­lich. ich weiss nicht mehr wie das ge­nau funk­tio­nier­te, aber die ein­gangs­schwel­le zum goog­le rea­der war nied­rig und ein­mal drin war es ein­fach blogs zu fol­gen. et­was spä­ter ka­men emp­feh­lungs­funk­tio­nen für ein­zel­ne bei­trä­ge dazu, mit dem man ge­le­se­ne bei­trä­ge wei­ter­emp­feh­len und (wenn ich mich recht er­in­ne­re) auch mit ei­nem kom­men­tar ver­se­hen konn­te.

2013 en­de­te der goog­le rea­der, weil goog­le eine be­klopp­te idee na­mens goog­le plus hat­te. wozu das gut sein soll­te ver­stand da­mals aus­ser­halb von goog­le nie­mand und ir­gend­wann ver­stand das bei goog­le auch nie­mand mehr und goog­le plus wur­de auch ein­ge­stellt. vie­le sa­hen das als eine art to­des­stoss für blogs, aber we­der das ende des goog­le rea­ders, noch face­book oder twit­ter wa­ren das ende von blogs. blogs ver­schwan­den le­dig­lich wie­der in ihre ni­schen, in de­nen sie auch vor­her schon wa­ren, et­was aus­ser­halb der wahr­neh­mung des main­streams.


jetzt habe ich weit aus­ge­holt, ob­wohl ich ei­gent­lich nur sa­gen woll­te, dass ich, als ich mein zi­tat oben las, dach­te: das wür­de ich heu­te ge­nau so schrei­ben. blogs funk­tio­nie­ren, blogs sind wei­ter­hin da. man­che ver­schwin­den, vie­le neue tau­chen auf, und stän­dig fin­det man per­len, in­spi­ra­ti­on, un­ter­hal­tung, kon­tro­ver­sen oder se­ren­di­pi­tät — wenn man im strom ein biss­chen mit­schwimmt.

und was mich in den letz­ten ta­gen im­mer wie­der fas­zi­niert hat ist das auf­pop­pen (in mei­nem sicht­feld) von span­nend­ne „neu­en“ tech­no­lo­gien (#at­pro­to, #ac­ti­vi­ty­pub), apps und ag­gre­ga­to­ren die das po­ten­zi­al ha­ben dem gan­zen (im­mer) wie­der neu­en schwung zu ver­lei­hen.

bubbles, ein re­la­tiv neu­er, tol­ler ag­gre­ga­tor mit vo­ting emp­feh­lungs- und kom­men­tar­funk­ti­on, lahmt im deutsch­spra­chi­gen be­reich noch ein biss­chen, aber im eng­lisch­spra­chi­gen brummts. mau­rice schrieb in ei­nem kom­men­tar:

in­zwi­schen ist [bubbles] bei mir der haupt-re­fer­rer über den le­se­rin­nen auf mei­ne sei­te kom­men. Au­ßer­dem stö­be­re ich dort auch echt ger­ne.

das er vie­le be­su­cher von dort be­kommt liegt wahr­schein­lich auch dar­an, dass er (auch) eng­lisch schreibt (sei­ne pro­fil­sei­te bei bubbles zeigt auf die eng­li­sche ver­si­on sei­ner web­site), bei mir schau­felt riv­va der­zeit noch mehr be­su­cher als fast jede an­de­re web­site rü­ber. top re­fer­rer in den letz­ten 12 mo­na­ten:

tat­sa­che ist aber, auch jetzt funk­tio­nie­ren blogs min­des­tens so gut, wenn nicht so­gar bes­ser als 2004. ei­ner­seits na­tür­lich weil si­gni­fi­kant mehr leu­te ins in­ter­net schrei­ben, weil es RSS, riv­va, blogrol­len, web­rin­ge gibt, weil ins in­ter­net schrei­ben­de sich wei­ter ge­ge­sei­tig ver­lin­ken und weil sich wei­ter vie­le men­schen ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie man tech­no­lo­gien, platt­for­men, pro­to­kol­le wei­ter­ent­wi­ckeln kann um dem gan­zen noch­mal mehr schwung zu ge­ben.

ein an­de­rer grund war­um das gan­ze blog­dings wei­ter brummt fällt mir mor­gens oft beim ers­ten kaf­fee auf, wenn sich mir (in etwa) die­ses bild prä­sen­tiert:

screenshot aus meinem mastodon-client phappy mit drei zeitlich eng beieinanderliegenden posts von markus pfeifer (7:39), kaltmamsell (6:29) und buddenbohm (6:01)
meq 7:39, kalt­mam­sell 6:29, bud­den­bohm 6:01

die kon­stanz man­cher ins in­ter­net­schrei­ben­den ist be­ein­dru­ckend. je­den tag zwi­schen 6 und 7 uhr tau­chen ma­xi­mi­li­an bud­den­bohm und die kalt­mam­sell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: mar­kus. es scheint (wei­ter­hin) sehr vie­le men­schen zu ge­ben, für die die lek­tü­re be­stimm­ter blogs zur mor­gen- oder ta­ges­rou­ti­ne ge­hört. ich hab we­nig ah­nung für wie vie­le men­schen mei­ne tex­te zur rou­ti­ne ge­hö­ren, aber ich freue mich na­tür­lich im­mer sehr, wenn ich an­de­re mit in mei­ne rab­bit­ho­les reis­sen kann oder zu­min­dest dazu in­spi­rie­ren kann, mal kurz ei­nen blick auf din­ge zu wer­fen über die ich mich ge­ra­de freue.

tl;dr: be­rich­te über den tod des of­fe­nen webs sind stark über­trie­ben.


das ar­ti­kel­bild zeigt net­news­wire icons von 2006 bis heu­te.

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3 kommentare
René Walter
Blogging never dies.
el flojo (DenkfabrikBlog)

@ix Mir kommen die Tränen, wenn ich sehe, wie viel mehr ich damals ins Netz gepustet habe. Ich hätte gerne 10 Prozent der Zeit, die ich damals ins Blog stecken konnte. Aber: is halt so. Und es gibt ja auch Gründe, weshalb das Blog den Kürzeren zieht. Schreib ich halt 2036 wieder mehr - nimmt mir ja keiner weg. Und genau das is das Schöne an der eigenen Plattform.