him­me­rich

felix schwenzel in rss club

ich hat­te mich mit mei­nem ar­beits­kol­le­gen an­dre­as ver­a­be­det, abends ins him­me­rich zu fah­ren. him­me­rich hiess ei­gent­lich haus wal­des­ruh und be­stand in ers­ter li­nie aus zwei rie­si­gen park­plät­zen auf bei­den sei­ten der stras­se, die wie der an­gren­zen­de ort ein­fach him­me­rich hiess. das haus wal­des­ruh war frü­her mal eine gast­stät­te und jetzt ein tanz­lo­kal. ei­gent­lich be­stand das haus wal­des­ruh aus meh­re­ren an­ein­an­der ge­bau­ten, öden flach­bau­ten. weil man dort aber nur im dun­keln hin­fuhr, fiel das nie je­man­dem auf.

als ich mit an­dre­as drin­nen rum­stand, wum­mern­de, zu lau­te und schlech­te mu­sik, ge­le­gent­lich un­ter­bro­chen von an­sa­gen des DJs, hun­der­te men­schen um uns her­um und ein nach gum­mi­bär­chen rie­chen­der wod­ka-red-bull un­ter mei­ner nase, konn­te ich die si­tua­ti­on nicht an­ders be­trach­ten als ein ali­en.

ich stand da und über­leg­te: was wür­den aus­ser­ir­di­sche den­ken, wenn sie hier lan­den wür­den? wür­den sie, wie heinz siel­mann, mit freund­li­cher aber leicht di­stan­zier­ter stim­me fes­te­stel­len, dass die­se spe­zi­es zur balz nicht nur ih­ren kör­per so­weit be­täubt, dass mo­bi­li­tät und gleich­ge­wichts­sinn ein­ge­schränkt sind, son­dern da­für auch noch orte auf­sucht, an de­nen sie ihre oh­ren mit lärm be­täu­ben kann?

an­dre­as war mit an­de­ren din­gen be­schäf­tigt. er schau­te sich zwar auch, wie ich, die men­schen an, aber of­fen­bar nahm er auch blick­kon­takt auf. plötz­lich hielt er inne, sag­te „die ist reif“, ging zu ei­ner frau und hei­ra­te­te sie zwei jah­re spä­ter.

mir war das spiel, das in sol­chen ab­ge­dun­kel­ten und laut be­schall­ten räu­men ge­spielt wur­de, im­mer fremd und un­zu­gäng­lich. ich war fas­zi­niert da­von, aber nie­mand er­klär­te mir die spiel­re­geln. auch an­dre­as nicht.

ge­le­gent­lich, mit ge­nü­gend al­ko­hol, konn­te ich mich der von mir emp­fun­de­nen ab­sur­di­tät sol­cher si­tua­ti­on ent­zie­hen und tat­säch­lich (ein biss­chen) fal­len las­sen. aber eine frau hab ich so nie ken­nen­ge­lernt. aus­ser ein­mal.

ich war 15 oder 16 jah­re alt und war mit dem pöh­ler auf ei­ner kar­ne­vals­par­ty. ich hat­te ge­ra­de eine pha­se in der ich hut, se­cond-hand ja­ckets und lan­ge män­tel trug und fiel des­halb im kar­ne­vals­ge­tüm­mel des bier­zelts nicht wei­ter auf — ob­wohl ich mich nur als fe­lix ver­klei­det hat­te. ei­ner eben­falls 15 oder 16 jäh­ri­ge ge­fiel der hut. sie set­ze ihn sich auf, und aus mir bis heu­te un­er­klär­li­chen grün­den knutsch­ten wir dann ge­fühlt für zwei stun­den auf der tanz­flä­che. ne­ben dem woh­li­gen ge­fühl er­in­ne­re ich mich nur noch dar­an, dass ihre freun­din die ak­ti­on nur so mit­tel­gut fand und sie nach den ge­fühl­ten 2 stun­den ir­gend­wann aus mei­nem blick­feld oder dem bier­zelt zog. dar­an, ob ich mei­nen hut wie­der­be­kom­men habe oder wie der rest des abends ver­lief, kann ich mich heu­te nicht mal mehr im an­satz er­in­nern.

ich er­in­ne­re mich nur dar­an, dass ich die frau ein paar jah­re spä­ter noch­mal in aa­chen, hin­term bus­hof, ge­se­hen habe, wie­der mit ih­rer freun­din. als wir kurz blick­kon­takt auf­nah­men, zog ihre freun­din sie wie­der weg. seit­dem ha­ben wir uns nie wie­der ge­se­hen. kei­ne wei­te­re poin­te. 

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