plur1bus s01e09

felix schwenzel in gesehen

alle ge­schich­ten die wir uns er­zäh­len han­deln von rei­sen. das kön­nen in­ne­re rei­sen sein, aber auch rei­sen zu or­ten. jede rei­se ver­än­dert uns und jede rei­se in ei­ner ge­schich­te ver­än­dert die prot­ago­nis­ten, ihre sicht auf ihre iden­ti­tät, ihre ver­gan­gen­heit, ihre zie­le oder die welt in der sie le­ben. gute ge­schich­ten soll­ten uns stau­nen las­sen, uns über­ra­schen und mit mehr fra­gen zu­rück­las­sen, als wir vor­her hat­ten. gute ge­schich­ten las­sen uns nicht nur an­ders auf die welt oder uns selbst bli­cken, son­dern vor al­lem tie­fer. sie le­gen schich­ten frei, die vor­her nicht sicht­bar wa­ren.

plu­ri­bus liegt eine ein­fa­che idee, eine art ge­dan­ken­ex­pe­riemnt zu­grun­de. über die ers­te staf­fel hin­weg wird aus die­ser ein­fa­chen idee eine kom­ple­xe me­lan­ge. die ein­fa­che idee ent­fal­tet sich zu ei­nem kom­pli­zier­ten, viel­schich­ti­gen et­was. die ant­wor­ten die wir be­kom­men, wer­fen im­mer neue fra­gen auf.

ich mag se­ri­en die nach­voll­zieh­bar sind. vie­le se­ri­en be­kom­men das an­fangs gut hin und ver­lie­ren mich dann auf der rei­se oder wenn die prot­ago­nis­ten sich im lau­fe ih­rer rei­se ent­sch­ei­den, dass die pro­ble­me de­nen sie be­geg­nen am bes­ten mit faust­kämp­fen oder schnel­len au­to­fahr­ten zu lö­sen sind. gute se­ri­en las­sen mich der rei­se­rou­te fol­gen, ohne mich an die hand zu neh­men.

plu­ri­bus hat es ge­schafft mich an je­der stel­le mit­zu­neh­men und nach­voll­zieh­bar zu blei­ben, ob­wohl ich mich mit kei­nem der prot­ago­nis­ten iden­ti­fi­zie­ren konn­te. aber die fra­gen die mir beim zu­schau­en in den sinn ka­men, wa­ren so in­ter­es­sant, dass ich gar nicht ge­nug über die plu­ri­bus-welt er­fah­ren konn­te. ob­wohl na­tür­lich je­der aspekt die­ser welt sorg­fäl­tig kon­stru­iert ist, wirkt nichts dar­an kon­stru­iert. ob­wohl al­les nach­voll­zieh­bar bleibt und man stän­dig be­kann­te ele­men­te des ge­schich­ten­er­zäh­lens er­kennt, wird man stän­dig über­rascht.

ja­mes bald­win hat mal ge­sagt:

The pur­po­se of art is to lay bare the ques­ti­ons which have been hid­den by the ans­wers.

der zweck von kunst ist es also, fra­gen bloss­zu­le­gen, die von den ant­wor­ten ver­deckt wer­den. in­so­fern hat die ers­te staf­fel von plu­ri­bus gute ar­beit ge­leis­tet und schon früh klar ge­macht, dass es zwar auch ant­wor­ten ge­ben wird, aber kei­ne end­gül­ti­gen. was es gibt sind fra­gen über fra­gen, die schicht für schicht frei­ge­legt wer­den.

was ich sa­gen will: die ers­te staf­fel von plu­ri­bus hat mir sehr gut ge­fal­len, die letz­te, neun­te fol­ge war ein wür­di­ger ab­schluss. und beim ab­schluss-cliff­han­ger habe ich ge­lacht, ei­ner­seits weils wit­zig war und an­de­rer­seits weil der cliff­han­ger so vie­le neue fra­gen auf­warf.

3 kommentare
Gastrohedonist™️

@ix Das sehe ich ganz genauso.

surfguard

@ix Ich habe die letzte Folge am Wochenende gesehen und war nicht so zufrieden wie du. Mir fehlte ein Abschluss irgendeiner Art. Cliffhanger ist ja okay, aber das fühlte sich mehr nach dem Ende der ersten Hälfte einer Staffel an - vor allem, wenn ich berücksichtige, dass die 2. Staffel wohl noch auf sich warten lassen wird: indiewire.com/news/general-new Ich kann's auch anders sagen: Ich fand die 1. Staffel sehr gut, aber den Inhalt hätte man auch mit der halben Zahl von Folgen erzählen können.

ix

@surfguard ja, wird lange dauern bis staffel 2. sehe ich auch so, dass man das auch mit 4,5 folgen hätte erzählen können, aber ich bin froh, dass es 9 folgen lang erzählt wurde.