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Carolin Emcke nimmt sich etwas vor: Warum, fragt sie, fällt es seit dem 7. Oktober so schwer, die Opfer beider Seiten zu betrauern? Warum sehen die einen nur die Menschen, die am 7. Oktober gequält und ermordet wurden, die anderen aber nur die zivilen Opfer in Gaza? Unserem hu­ma­nis­ti­schen Anspruch folgend, wie er in der All­ge­mei­nen Erklärung der Men­schen­rech­te und auch im ersten Artikel unseres Grund­ge­set­zes for­mu­liert ist, besitzt jeder Mensch Rechte und eine Würde, die es zu achten gilt. Jeder ist jemand, sagt Michel Friedman – ganz egal, auf welcher Seite der Grenze er oder sie zur Welt kommt.

nils minkmar über carolin emcke neues buch „was zählt ein mensch?“

Man kann sich vor­stel­len, wie au­ßer­or­dent­lich kom­pli­ziert die Arbeit an einem Werk ist, das au­gen­blick­lich den Zorn der vielen Eiferer auf sich zieht. Hass ist ga­ran­tiert – weswegen eine der Prot­ago­nis­tin­nen die Autorin auch warnt: „Don’t write this book!“ Genügend Le­se­rin­nen und Leser werden es empört in die Ecke feuern – und dann doch, ga­ran­tiert, wieder zur Hand nehmen. Das bekommt ein Sachbuch nur hin, wenn es ein Meis­ter­werk ist, und das ist hier der Fall.