Allein schon für diese Reaktionen hat sich der Volksentscheid gelohnt. Das Klagen über die Berliner Nimm-Mentalität hat etwas Rührendes aus dem Mund von Leuten, die ihren Reichtum ja auch nur durch mindestens systemimmanente, in der Regel aber auch ganz persönliche Asozialität zusammengerafft haben. Und so großmäulig nervtötend der Berliner an sich ja auch gerne ist - dass er einem Senat keinen einzigen Quadratmeter zur Bebauung mehr überlassen will, der sein Komplettversagen wöchentlich an allen Baustellen der Region vom BER über die Staatsoper bis zum ohnehin absurden Stadtschloss unter Beweis stellt, zeugt dann doch von einer erfrischend nüchternen Betrachtung der Lage.
Nur weil die Berliner das Tempelhofer Feld nicht den ausgewiesenen Versagern der derzeitigen Führung anvertrauen wollen, heißt das ja noch lange nicht, dass sie sich das später nicht anders überlegen. Irgendwann kann man ja vielleicht noch schöne Sachen damit machen.
kennt ihr leute die im stehen ins klo pinkeln und dabei vorträge darüber halten, wie wichtig es sei, im sitzen zu pinkeln?
ich glaube ich kenne einen: uwe ebbinghaus.
uwe ebbinghaus fasst auf faz.net das kämpf-um-deine-daten-buch von max schrems zusammen (hier die verlagswebseite auf facebook), der die ahnungslosigkeit von ein „paar Unternehmern“ beklagt, die sich pauschal allen möglichen quatsch von nutzern absegnen lassen würden, aber bei den entscheidenden punkten patzen würden:
Die wirklichen notwendigen Erklärungen beträfen dagegen nur die Datenweitergabe, also das Ausspähen für Werbeklicks.
damit ist für ebbinghaus (und womöglich max schrems) klar: solche unternehmen haben etwas zu verbergen.
das alles steht auf einer faz.net-seite die laut ghostery 28 tracker lädt, wovon pi mal daumen 20 dem „Ausspähen für Werbeklicks“ dienen.
kein einziger dieser tracker mit so schillernden namen wie appnexus, adform, audience science, chartbeat oder doubleclick, wird in den datenschutzhinweisen von faz.net erklärt.
jetzt kann man natürlich sagen, wie? darf eine firma, die ihre leser für werbeklicks auspäht oder die sich dank listenprivileg vorbehält deren abonenntendaten an dritte zu verkaufen, nicht auch die datenschutzmissstände einer anderen firma kritisieren? natürlich darf und soll sie das. aber ein hinweis darauf, dass man während man die kritik an „Ausspähung für Werbeklicks“ liest, die eigene IP-adresse, daten über das betriebsystem, vorherige besuche und mögliche interessen an ca. 20 verschiedene firmen übermittelt werden, so ein hinweis wäre schon ganz cool. ohne diesen hinweis hat man irgendwie das gefühl, dass dieses faz.net irgendetwas zu verbergen hätte.
am schluss des buches kann sich uwe ebbinghaus übrigens kaum ein lachen zurückhalten, weil „die digitalen Großunternehmen [über Jahre hinweg] im Windschatten der allgemeinen technischen und rechtlichen Unwissenheit“ hokuspokus betrieben hätten. angesichts des hokuspokus auf faz.net (targeted werbung, „audience science“) muss ich dann wiederum ein bisschen lachen.
das sind die tracker die ghostery mir am 6.6.2014 auf dieser seite gemeldet hat. die werbetracker habe ich mal mit den informationen von ghostery.com verlinkt, social plugins und die 5 analyse-tools hab ich nicht verlinkt.
womöglich denken die faz.net-betreiber, dass ihre besucher die datenschutzkonformität der teilweise angeblich anonymen oder pseudonymen ausspähung bei jedem einzelnen der oben aufgeführten dienste prüfen und bei bedarf ausopten. ich gehe einen einfacheren weg, indem ich alle mir unbekannten dienstleister einfach per ghostery blockiere. eine angenehme nebenerscheinung davon ist, dass dadurch fast alle werbung ausgeblendet wird.
wirres.net ist ebenfalls nicht tracker-frei. ich habe mir allerdings mühe gegeben möglichst wenig tracker oder dienste dritter ungefragt in den benutzerbrowser laden zu lassen. so zähle ich meine besucher mit einem selbstgehosteten piwik (das IP-adressen vor der speicherung anonymisiert) und lade fonts von einem adobe-server. einige eingebettete tweets laden javascript und assets vom twitter-server nach. in der artikel-ansicht kann man die anzeige von kommentaren, und diversen social-network-buttons aktivieren. diese anzeige führt dann zum nachladen von resourcen dieser anbieter — aber eben nur auf wunsch des besuchers. standardmässig, bzw. für erstbesucher ist die anzeige dieser dienste deaktiviert. ausserdem werden anzeigen von meinem werbevermarkter stilanzeigen nachgeladen.
jürgen geuter mit der besten denkbaren überschrift und einem lesenswerten artikel anlässlich der verleihung des friedenspreises des deutschen buchhandels an jaron lanier.
Der Friedenspreis für Jaron Lanier ist eine Kampfansage an das "Netz des Everybody", das Internet der Kollaboration und der Crowds, das Netz, in dem dezentrale Gruppen Wissen und Kultur schaffen. Er ist eine Ablehnung von Ideen wie OpenSource und Crowdsourcing, eine Forderung der Rückbesinnung auf traditionelle Macht- und Produktionsstrukturen.
Der Satire-Kandidat hält an diesen Plänen unbeirrt fest: "Unser Partei-Justiziar Tim C. Werner prüft gerade die Sachlage. Unabhängig davon: Wir holen 60 verdiente PARTEI-Kader nach Brüssel - ob als Büroleiter, Praktikanten oder EU-Kommissionspräsidenten. Darauf gebe ich Ihnen mein Ehrenwort!"
die GruenBerlin Gmbh, die das tempelhofer feld verwaltet, möchte miete von fotografen eintreiben:
Tatsächlich steht dort geschrieben, dass das Fotografieren für gewerbliche Zwecke einer Genehmigung durch GruenBerlin bedarf. Da stellt sich natürlich auch erst mal die Frage, was denn überhaupt ein “gewerblicher Zweck" ist. Laut Aussage der Security sei da schon eine Veröffentlichung im privaten Facebookalbum, Zitat, “kritisch".
lesenswert. ein riesiges argiment gegen ein auto in berlin ist meiner meinung nach, dass man in vielen situationen mit dem öffentlichen nahverkehr viel schneller als mit dem auto ist.
facebook, bzw. die facebook-sprecherin tina kulow vermutet kritik an facebook verletze möglicherweise die markenrechte von facebook. das schrieb sie zumindest unter einen kommentar, in dem sich die initiative europe vs facebook darüber beklagte, dass ihre facebook-werbung für einen ihrer facebook-mitteilungen abgelehnt wurde.
Richtlinien bei Facebook sind für alle gleich. In diesem Fall vermute ich, verstößt der Text gegen unsere Werberegeln.
(hervorhebung von mir)
der rest des kommentars ist ein zitat aus den werberichtlinien, die werbeanzeigen und zielseiten als ungeeignet qualifizieren, wenn sie „unsere Urheberrechte bzw. Markenzeichen […] oder irgendwelche anderen ähnlichen, leicht zu verwechselnden Zeichen“ verwenden.
tja. wer also so doof ist seine initiave europe vs facebook zu nennen, muss dann dann also damit rechnen keine werbung für seine initiative auf facebook schalten zu können. wegen markenrechten oder verwechselungsgefahr. es könnte ja der eindruck erweckt werden … hm … dass man facebook auch kritisch sehen könnte? oder noch schlimmer, dass facebook zur selbstkritik fähig ist?
meine vermutung, dass der job als pressesprecherin von facebook irgendwie unbefriedigend sein könnte, weil man absurde und wilkürliche regelungen die man selbst nicht versteht öffentlich verteidigen müsste, beantwortete tina kulow wie aus dem lehrbuch für pressesprecher und spin-doktoren. nämlich mit einer antwort auf einen vorwurf den weder ich noch europe vs facebook erhoben hat:
Die Kritik ist nicht das Problem, sondern eher der Vorwurf der Zensur, der schlicht nicht stimmt.
[nachtrag 07.06.2014] eine facebook-mitteilung von europe vs facebook die den namen jehovafacebook nicht erwähnt, wurde von facebook als „sponsored story“ freigeschaltet.
Max Schrems hat soeben seine neues #Buch "KÄMPF UM DEINE DATEN" herausgebracht. Die ganze Datenschutzdebatte leicht und verständlich in einen Buch verpackt. Ohne Weltuntergangsstimmung, aber mit dem vollem Expertenwissen und den Hintergründen u.a. aus 3 Jahren [eines Kampfs gegen ein großes Soziales Netzwerk]. Von "Bullshit-Bingo" (z.B. "Du hast doch nichts zu verstecken!?"), über Big Data, der Willkür von Internet-Monopolen und den Unterschiede zwischen den USA und Europa bis zu den Lösungsmöglichkeiten spannt sich der Bogen im Buch. Für jede Buchbestellung über kudd.co gehen übrigens €2 #Spende an [eine NGO, die gegen diese große Soziale Netzwerk klagt und auch Betreiber dieser Seite ist]. Das Buch ist aber auch in jeder Buchhandlung erhältlich! Max Schrems – Kämpf um deine Daten ISBN: 978-3990010860 edition a, Wien 2014, 221 Seiten Preis: 19,95€ / 16,99€ (eBook, mit SoftDRM)
die überschrift habe ich mit dem nachtrag vom 07.06.2014 gegen 9 uhr von „die facebook-pressesprecherin versteht die facebook-werberegeln genausowenig wie jeder andere“ zu „don’t mention the facebook“ geändert.
schöne alternativweltgeschichte /via und überschrift von elfengleich, die ihre links jetzt offenbar auch (endlich) in ihr blog laufen lässt.
Vor 365 Tagen wurde die Totalüberwachung bekannt. Sie trifft jeden und daher wird symbolisch im Fall einer abgehörten 59-jährigen ermittelt.
kai biermann und lisa caspari haben mal das archiv durchkämmt und zitate deutscher politiker zur totalüberwachung und edward snowden gesammelt. wenn das da so gesammelt steht, kann man schon zweifel bekommen an der fähigkeit deutscher politiker elegant zu lügen. beim lügen stellen die sich offenbar genau so ungeschickt an, wie beim politik machen.
Zur Frage, ob der "Wunsch nach Privatsphäre" überhaupt das Gegenteil von "Überwachung" und damit das Gegenmittel zum Kampf gegen eben diese ist, hat der Biologe und Science Fiction Autor Peter Watts einen interessanten Vortrag gehalten. Hier die Mitschrift www.rifters.com/real/shorts/TheScorchedEarthSociety-transcript.pdf
jemand aus den dunklen höhlen des springer imperiums klagt darüber, dass eine ehemailger kumpel jetzt auf „die dunkle Seite gewechselt“ sei. sehr, sehr lustig. mal schauen wann sich christoph keese ne lex-focus ausdenkt und lobbyiert.
gestern ne fliege auf meinem monitor erschlagen und liegen gelassen. erstaunlich wie seitdem meine wahrnehmung vom fliegenkadaver irritiert wird: ein hochinteressantes experiment.
laaanger artikel von anne helen petersen über die pressearbeit von hollywood-stars allgemein und angelina jolie im speziellen:
Jolie's post-2005 image took the ordinary — she was a working mom trying to make her relationship work — and not only amplified it, but infused it with the rhetoric and imagery of globalism and liberalism. She's not just a mom, but a mom of six. Instead of teaching her kids tolerance, she creates a family unit that engenders it; instead of reading books on kindness and generosity, she models it all over the globe. As for her partner, he isn't just handsome — he's the Sexiest Man Alive. And she doesn't just have a job; instead, her job is being the most important — and influential — actress in the world.
grundlagenartikel zur NSA und totalüberwachung von kerstin kohlenberg, yassin musharbash und wolf wiedmann-schmidt, zur vorlage bei freunden, eltern, geschwistern und grosseltern.
nach-dem-regen-geruch ist einer der vielen gerüche, die zeigen, wie subtil gerüche unsere wahrnehmung steuern oder zumindest beeinflussen können. oder erinnerungen aus dem unbewussten hochspülen können.
chlorhaltige reinigungsmittel erinnern mich beispielsweise immer an urlaub in spanien oder portugal. old-spice-raiserwasser erinnert mich an mein highschool-jahr in den USA und ist eigentlich fast ein grund, mich mal wieder eine rasierwasserflasche lang nass zu rasieren. die eigenartige mischung aus muff, stahlabrieb und bremsbelägen, der einem aus ubahnschächten entgegenweht, erinnert mich, egal wo ich ihn rieche, an new york. der kleber mit dem in der DDR PVC oder fliesen verklebt wurden — zuletzt habe ich den in original-intensität vor ein paar jahren im kosmos-kino gerochen — erinnert mich immer an unsere besuche bei der DDR-verwandschaft.
eigentlich könnte man über vergessene oder zu unbewusst wahrgenommene gerüche ganze bücher verfassen, mit erinnerungen und sehnsüchten die sie auslösen.
mareike nieberding schreibt nicht besonders wohlwollend über tilo jung, aber weder zum artikel, noch zu tilo jung schreibe ix heute was. ausser zu dem bild von jens gyarmaty, mit dem der artikel aufmacht. dazu fällt mir dieses bild ein.
das war exakt die überschrift für einen artikel über apple's wwdc-keynote die sich in meinem kopf formte, als ich sie mir ansah. da ich aber keinen artikel dazu schrob oder twitterte, brauchte ich auch keine überschrift.
gute idee von jason kottke: kickstarter-projekte wochenweise bei kottke boosten und nur bezahlen, wenn der kickstarter erfolgreich war.
ich glaube auch hans hütt ist es wert 5 euro im monat für die krautreporter zu bezahlen, aber vor allem interessant finde ich, dass hans hütt diesen blogeintrag, in dem er für sich und die krautreporter wirbt, mit „abwehrzauber“ verschlagwortet hat.
stefan niggemeier macht sich über schüsse von bild und b.z. lustig, die im ofen verhallen:
Aber immerhin hat man nun mal eine Ahnung, was „Bild“ meint, wenn „Bild“ von „vielen Bundesbürgern“ und „großer Zustimmung“ spricht. Konkret also: weniger als 0,35 Promille der Leserschaft.
juliane wiedemeier spricht mit dem investor christian gérôme, der auf dem ehemaligen güterbahnhof greifswalder strasse wohnungen bauen möchte.
— haben sie mal kurz zeit für [nuschel nuschel] — was? — bitte? — ob ich wofür zeit habe? — wir machen ein schulprojekt über mode und ich wollte fragen ob ich sie fotografieren kann. gerne auch ohne kopf. — ja klar. den kopf kann ich allerdings so kurzfristig nicht entfernen. — [klick] … wollen sie mal sehen? — [sehe ein klassisches #609060-bild] — ok, tschöhö. — … noch zwei fragen! — ok … — achten sie darauf was sie morgens anziehen? — nein. — kaufen sie vor allem marken-klamotten? — nein. — danke. — bitte.
einer der tipps in denen ich mich wiedergefunden habe: langeweile, oder besser: auf sich selbst zurückgeworfen sein. besonders gut (und natürlich) geht das übrigens mit spaziergängen. langen, einsamen spaziergängen. oder stundenlanges duschen. ohne musik oder podcasts, dann kann man gar nicht anders als nachzudenken. und neben dem lesen und dem schreiben (viel schreiben), ist nachdenken (selbst denken) das wichtigste um schreiben zu können.
der geschäftsführer der holocaust-mahnmals-stiftung uwe neumärker sagte damals laut taz:
„Im Eisenman’schen Verständnis könnte man mit der Verwitterung leben“, sagt Neumärker. Die öffentliche Meinung indes tut sich damit schwer.
einige der stelen werden jetzt von stahlmanschetten zusammengehalten.
ausser der öffentlichen meinung, scheint es keinen klaren grund zu geben, warum die manschetten angebracht wurden. peter eisenman, der architekt des stelenfeldes, findet sie jedenfalls nicht gut und geht vor allem nicht davon aus, dass „die Situation“ gefährlich sei.
ich sehe das eigentlich wie vor sieben jahren: warum soll am stelenfeld nicht auch der zahn der zeit nagen? eigentlich altert beton ja durchaus in würde. er ist, soweit ich weiss, durchgefärbt und die stelen sind massiv, also durch und durch aus armiertem beton gebaut. das heisst theoretisch, dass wegen der armierung nur kleinere stücke rausbrechen können.
Die Stelen sind hohl, um die Herstellungskosten und das Gewicht gering zu halten. Ihre Wandstärke beträgt rund 15 cm. Außerdem wurde bei Stelen, die bis zwei Meter hoch sind, im Vertrauen auf die gewählte Betonrezeptur auf eine innere Stahlbewehrung verzichtet.
das hört sich in meinen ohren nicht besonders klug an. bei einer bauweise ohne armierung könnten einige stelen dann wohl doch auseinanderbrechen (statt nur zu bröckeln). irre. [nachtrag ende]
einer der wenigen sprüche die ich mir aus der materialkunde beim architekturstudium gemerkt habe, ist der von materialien die in würde altern und solchen die es nicht tun. massivholz ist da mein lieblingsbeispiel. ein massivholztisch sieht auch nach ein, zwei schlägen mit einer axt noch gut aus, ein furnierter spanplattentisch oder ein LACK-tisch von ikea, der im prizip aus lackierter pappe besteht, sieht danach nicht mehr würdevoll aus.
deshalb finde ich, dass man das stelenfeld — oder zumindest den beton — seinem schicksal überlassen sollte. ich finde die intakten stelen zwar auch wunderschön, die scharfen kanten, die glatte oberfläche, aber genauso schön finde ich die risse.
auf dem bild sieht man auch wie hilflos und naiv die gut gemeinten reparaturversuche aussehen. abgesehen davon vermute ich übrigens auch, dass verwitterungsbeständige stelen aus beton ein ding der unmöglichkeit sind. um zu verhindern dass wasser in den beton eindringt — und dann bei frost sprengt — müsste man die stelen mit kunstharz oder lack überziehen, den man dann aber auch regelmässig erneuern müsste. das wäre bestimmt nicht im sinne des erfinders.
was ich übrigens viel schlimmer als rissige stelen oder hilflose stelenmanschetten aus stahl finde, sind details wie dieses am eingang zum besucherzentrum.
sowas haben wir früher „geschenke an den architekten“ genannt und ich bin sicher, peter eisenman würde implodieren, wenn er die blaue plastikkiste dort sehen würde.