darm­spie­ge­lung

felix schwenzel in notiert

weil mei­ne haus­ärz­tin es mir vor­schlug, habe ich mir vor ei­nem hal­ben jahr ei­nen ter­min zur darm­spie­ge­lung von der bei­fah­re­rin or­ga­ni­sie­ren las­sen. am diens­tag war es so­weit.

zur vor­be­rei­tung der darm­spie­ge­lung muss man den darm (na­tür­lich) erst­mal lee­ren. am tag vor der un­ter­su­chung darf man ab neun uhr nichts mehr es­sen, fünf tage vor­her muss­te ich be­reits auf ker­ne, nüs­se und alle voll­kör­ni­ge ver­zich­ten. ei­nen tag vor­her muss man ziem­lich ek­li­ge ab­führ­flüs­sig­keit trin­ken. das hat­te ich noch in schlech­ter er­in­ne­rung von mei­nen vor­he­ri­gen darm­spie­ge­lun­gen. aber da die an­lei­tung dar­auf hin­wies, dass ich zwei­mal ei­nen hal­ben li­ter von dem zeug „lang­sam, in klei­nen schlü­cken“, über eine stun­de ver­teilt trin­ken soll, war das dann ziem­lich ent­spannt. aus­ser­dem emp­fahl die an­lei­tung dazu auch noch ei­nen hal­ben li­ter kla­res was­ser zu trin­ken, da­mit war es dann fast ein ver­gnü­gen.

durch die zeit­li­che ent­zer­rung der darm­rei­ni­gungs­flüs­sig­keits­auf­nah­me, lief auch das ent­lee­ren des darms re­la­tiv ge­sit­tet ab. mir fiel auf, wie ho­me­of­fice, ist auch home­dar­ment­lee­rung sehr viel an­ge­neh­mer als in ei­nem war­te­zim­mer oder kran­ken­haus.

für die ko­lo­sko­pie selbst hat­te ich mir vor­ge­nom­men auf eine be­täu­bung oder „schlaf­sprit­ze“ zu ver­zich­ten. mei­ne bis­he­ri­gen darm­spie­ge­lun­gen hat­te ich auch alle ohne be­täu­bung ge­macht und auch wenn ich mich dar­an er­in­ne­re dass das nicht be­son­ders an­ge­nehm war, vor al­lem wenns um die kur­ven geht und luft in den darm ge­pumpt wird, woll­te ich es die­ses mal auch so ma­chen. al­lein schon das gan­ze ge­we­se mit ab­ho­len las­sen, auf­wach­raum und den rest­li­chen tag nicht ganz bei mir sein zu kön­nen hielt mich schon da­von ab mich be­täu­ben zu las­sen.

ich muss sa­gen: an­ge­nehm ist das nicht, aber schlim­mer als ein quer­sit­zen­der furz ist es auch nicht. und ich konn­te so auch mal wie­der in mich rein­gu­cken und small­talk mit den an­we­sen­den ma­chen. un­ter­wegs fand der arzt ein paar po­ly­pen, die er ein­fach ab­schnitt und die ab­schnit­te dann raus­zog zur his­to­lo­gi­schen un­ter­su­chung. die rei­se durch den darm ging bis zum dünn­darm und dau­er­te so um die 10 mi­nu­ten.

für die darm­rei­ni­gung woll­te mir der arzt nicht die best­no­te ge­ben, aber die sicht war schon ziem­lich klar. ich war wie­der be­geis­tert wie auf­ge­räumt es in mir aus­sieht. und die tech­nik! das en­do­skop kann mit ei­nem was­ser­strahl die darm­wän­de ab­zu­sprit­zen, die lin­se war nicht eine se­kun­de be­schla­gen oder ver­schmiert, das bild war durch­ge­hend kris­tal­klar. ir­gend­wie scheint die tech­nik ins­ge­samt fort­schrit­te ge­macht zu ha­ben, denn auch die mör­der­blä­hun­gen die ich nach den letz­ten un­ter­su­chun­gen die­ser art hat­te, blie­ben dies­mal aus.

in drei jah­ren soll ich wie­der­kom­men um noch­mal ei­nen blick auf die po­ly­pen zu wer­fen. freu ich mich nicht un­be­dingt drauf, aber im prin­zip wür­de ich schon sa­gen: ger­ne wie­der.

die wich­tigs­te er­kennt­nis habe ich nach­träg­lich ge­won­nen, war mir in der form noch gar nicht klar: das was ich esse braucht un­ge­fähr 23 stun­den, bis die res­te wie­der aus­ge­schie­den wer­den. ich dach­te ei­gent­lich dass ich mir mit der ver­dau­ung mehr zeit neh­me.


apro­pos darm, ich glau­be die­ses „hand­werks­kunst“ vi­deo, in dem man ei­nem chir­ur­gen bei ei­ner darm­ope­ra­ti­on zu­se­hen kann, hat­te ich schon mal emp­foh­len. am fas­zi­nie­ren­s­ten fin­de ich die äs­the­tik des ein­griffs und des mensch­li­chen in­nen­le­bens. da ist ei­gent­lich nichts ek­li­ges zu se­hen und auch das aus­ei­an­der­schnei­den und wie­der zu­sam­men­fü­gen des darms sieht bei­na­he tri­vi­al ein­fach und un­spek­ta­ku­lär aus.